Prädikation: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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===Probleme der Prädikations­theorie des Bildes===
===Probleme der Prädikations­theorie des Bildes===
Der prädikativen Bildtheorie zufolge sind Bilder in kommunikativer Hinsicht prinzipiell „ungesättigt“. Sie liefern Prädikate, die ergänzt werden müssen und dann auf komplexerer Ebene eine prädikative oder nominatorische Funktion übernehmen können. Dass uns die ''kommunikative Unvollständigkeit'' der Verwendung von Bildern in der Regel nicht auffällt sei darin begründet, dass wir zahlreiche Konventionen herausgebildet haben, die in verschiedenen Zusammenhängen eine entsprechende Ergänzung nahe legen und auf diese Weise mehr oder weniger automatisch ergänzt würden.
Der prädikativen Bild­theorie zufol­ge sind Bilder in kommu­nika­tiver Hinsicht prinzi­piell „unge­sättigt“. Sie liefern Prädi­kate, die ergänzt werden müssen und dann auf komple­xerer Ebe­ne eine prädi­kati­ve oder nomi­nato­rische Funktion über­nehmen können. Dass uns die ''kommu­nika­tive Unvoll­ständig­keit'' der Verwen­dung von Bildern in der Regel nicht auffällt sei darin begrün­det, dass wir zahlrei­che Konven­tionen heraus­gebildet haben, die in verschie­denen Zusam­menhän­gen eine entspre­chende Ergän­zung nahe legen und auf diese Weise mehr oder weni­ger auto­matisch ergänzt würden.
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Problematisch erscheint an der prädikativen Bildtheorie vor allem, dass in der Bildverwendung Begriffe exemplarisch, also über eine entsprechende unter den jeweiligen Begriff fallende Instanz mitgeteilt werden sollen. Das gilt insbesondere für die als zentral geltenden Darstellungen raumzeitlicher materieller Gegenstände mit ihren charakteristischen [[sortale Gegenstände und Individuation|Individuationskriterien]]. Um den Begriff zu erhalten, der der entsprechenden Prädikation zugrunde liegt, muss demnach ein zugehöriges unter den Begriff fallendes Individuum zunächst ''vorhanden'' sein, um dann damit auf den Begriff aufmerksam zu machen. Diese Funktion, Gegenstände zumindest in gewisser Weise zur Verfügung zu stellen – die [[Kontextbildung]] – wäre demnach vorrangig vor der Funktion der Prädikation, die durch sie erst ermöglicht wird (vgl. <bib id='Schirra 2006a'></bib>).
Problematisch erscheint an der prädi&shy;kati&shy;ven Bild&shy;theorie vor allem, dass in der Bildver&shy;wendung Begrif&shy;fe exemp&shy;larisch, also über eine entspre&shy;chende unter den jewei&shy;ligen Begriff fallen&shy;de Instanz mitge&shy;teilt werden sollen. Das gilt insbe&shy;sonde&shy;re für die als zentral gelten&shy;den Darstel&shy;lungen raumzeit&shy;licher mate&shy;rieller Gegen&shy;stände mit ihren charak&shy;teris&shy;tischen [[sortale Gegenstände und Individuation|Indi&shy;vidu&shy;ations&shy;krite&shy;rien]]. Um den Begriff zu erhal&shy;ten, der der entspre&shy;chenden Prädi&shy;kation zugrun&shy;de liegt, muss demnach ein zuge&shy;höri&shy;ges unter den Begriff fallen&shy;des Indi&shy;viduum zunächst ''vorhan&shy;den'' sein, um dann damit auf den Begriff aufmerk&shy;sam zu machen. Diese Funktion, Gegen&shy;stände zumin&shy;dest in gewis&shy;ser Weise zur Verfü&shy;gung zu stellen – die [[Kontextbildung|Kontext&shy;bildung]] – wäre demnach vorran&shy;gig vor der Funktion der Prädi&shy;kation, die durch sie erst ermög&shy;licht wird (vgl. <bib id='Schirra 2006a'></bib>).


==Prädikation, Prädikator, Prädikat und genereller Terminus ==
==Prädikation, Prädikator, Prädikat und gene&shy;reller Termi&shy;nus ==
Die sprachlichen Ausdrücke, mit deren Hilfe eine Prädikation vollzogen wird, werden ‘Prädikatoren’ genannt.<ref>Eingeführt wurde die Bezeichnung ‘Prädikator’ von Carnap (<bib id='Carnap 1947a'></bib> zweite Auflage; S. 6). Siehe auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikator Wikipedia: Prädikator].</ref>  
Die sprachlichen Ausdrücke, mit deren Hilfe eine Prädi&shy;kation vollzo&shy;gen wird, werden ‘Prädi&shy;kato&shy;ren’ genannt.<ref>Ein&shy;ge&shy;führt wur&shy;de die Be&shy;zeich&shy;nung ‘Prä&shy;di&shy;ka&shy;tor’ von Car&shy;nap (<bib id='Carnap 1947a'>Car&shy;nap 1947a</bib> zwei&shy;te Auf&shy;la&shy;ge; S. 6). Sie&shy;he auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikator Wi&shy;ki&shy;pe&shy;dia: Prä&shy;di&shy;ka&shy;tor].</ref>  
Als Pendant zur Bezeichnung ‘singuläre Termini’ für Nominatoren werden Prädikatoren einer älteren Tradition folgend auch als ‘generelle Termini’ bezeichnet.
Als Pendant zur Bezeich&shy;nung ‘singu&shy;läre Termi&shy;ni’ für Nomi&shy;nato&shy;ren werden Prädi&shy;kato&shy;ren einer älte&shy;ren Tradi&shy;tion folgend auch als ‘gene&shy;relle Termi&shy;ni’ bezeich&shy;net.
Linguistisch sind die Prädikatoren im allgemeinen durch die Verben (in einem weiten Sinn) zusammen mit den indefiniten Nominalphrasen der betrachteten Sätze und den damit gebildeten Präpositionalphrasen (sofern jene nicht als Satzadverbien wirken) gegeben.
Lingu&shy;istisch sind die Prädi&shy;kato&shy;ren im allge&shy;meinen durch die Verben (in einem weiten Sinn) zusam&shy;men mit den inde&shy;fini&shy;ten Nomi&shy;nalphra&shy;sen der betrach&shy;teten Sätze und den damit gebil&shy;deten Präpo&shy;sitio&shy;nalphra&shy;sen (sofern jene nicht als Satzad&shy;verbien wirken) gege&shy;ben.
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Der Ausdruck ‘Prädikat’ wird manchmal synonym mit Prädikator oder Prädikation verwendet, was aber seiner diversen weiteren Bedeutungen wegen nicht sehr glücklich ist. Oft bezeichnet ‘Prädikat’ auch, als grammatischer Begriff, die unterscheidenden Ausdrücke, unabhängig davon, ob sie prädikatorisch genutzt werden oder als Teil einer Nomination in einer Kennzeichnung auftreten.
Der Ausdruck ‘Prädikat’ wird manch&shy;mal syno&shy;nym mit ‘Prädi&shy;kator’ oder ‘Prädi&shy;kation’ verwen&shy;det, was aber seiner diver&shy;sen weite&shy;ren Bedeu&shy;tungen wegen nicht sehr glück&shy;lich ist. Oft bezeich&shy;net ‘Prädi&shy;kat’ auch, als gramma&shy;tischer Begriff, die unter&shy;scheiden&shy;den Aus&shy;drücke, unab&shy;hängig davon, ob sie prädi&shy;kato&shy;risch genutzt werden oder als Teil einer Nomi&shy;nation in einer Kennzeich&shy;nung auftre&shy;ten.


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Version vom 25. Juni 2013, 11:08 Uhr

Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht


Prädikation als unge­sättig­te Teilhand­lung der Propo­sition

Die Prädikation bildet neben der Nomi­nation die zweite zentra­le Teil­zeichen­handlung des Sachbe­zugs der Aussa­gen. Prädi­kation ist die Teilhand­lung, mit der mitge­teilt oder vorge­schlagen wird, dass eine gemein­same Unter­scheidungs­gewohn­heit jetzt rele­vant und auf die Gegen­stände anwend­bar sei, die durch die Nomi­natio­nen der Propo­siti­onen aus dem – den betei­ligten Kommu­nika­tionspart­nern gemein­samen – Diskurs­univer­sum heraus­gegrif­fen werden. Es wird mithin Bezug genom­men auf eine Art abstrak­ten Maßstab für die betrach­tete Unter­scheidungs­dimen­sion, der tradi­tionell ein Begriff genannt wird. Damit soll – im Gegen­satz zur Nomi­nation – zudem etwas mitge­teilt werden, das dem Gegen­über noch nicht bekannt war (cf. [Kamlah & Lorenzen 1973a]Kamlah, Wilhelm & Lorenzen, Paul (1973): Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. BI Wissenschaftsverlag, München.
Nicht angezeigt: 2. Aufl. (<sup>1</sup>1967, <sup>3</sup>1996)
: § 2, sowie [Gerhardus et al. 1975a]Gerhardus, Dietfried; Kledzik, Silke M. & Reitzig, Gerd H. (1975): Schlüssiges Argumentieren – Logisch-propädeutisches Lehr- und Arbeitsbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
: S. 25).

Da die nomin­ato­rische Verwen­dungswei­se von Bildern sehr proble­matisch bleibt, während zugleich eine Gleich­setzung mit Propo­sitio­nen der fehlen­den funkti­onalen Binnen­gliede­rung wegen als wenig überzeu­gend gilt, gehen viele Bild­wissen­schaftler davon aus, dass Bildver­wendun­gen grundle­gend als Prädi­kati­onen zu deuten seien (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
oder [Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommu­nika­tives Medium. Ele­mente einer allge­meinen Bild­wissen­schaft. Halem, Köln.
).


Arten und Voraus­setzun­gen der Prädi­kation

Prädikationen können ein­fache Unter­scheidungs­gewohn­heiten, d.h. nur jeweils einen einzi­gen Begriff, ins Spiel bringen oder komple­xe Unter­scheidungs­gewohn­heiten, die sich aus mehre­ren Begrif­fen zusam­menset­zen: ‹... ist rot› vs. ‹... ist rot und grün gestreift mit gelben, violett gerahm­ten Pünkt­chen›. Zudem werden die in diesen Beispie­len vorlie­genden einstel­ligen prädi­kati­ven Prädi­kati­onen unter­schieden von den mehrstel­ligen rela­tiona­len Prädi­kati­onen, wie etwa: ‹... verhan­delt mit ... über ...›. Da mit einer Unter­scheidungs­praxis zwei Fälle diffe­renziert werden, kommen Prädi­kati­onen immer paar­weise vor: etwa ‹... ist rot› und ‹... ist nicht rot› (bzw. ‹... ist unrot›). Die Bezie­hung zwischen den beiden Aspek­ten der betrach­teten Unter­scheidung wird in­ter­ne Nega­tion genannt.[1]

Voraussetzung für erfolg­reiche Ausfüh­rungen von Prädi­kati­onen ist offen­sicht­lich, dass die betei­ligten Kommu­nika­tionspart­ner (a) über diesel­ben Begrif­fe verfü­gen und (b) die gleiche Asso­zia­tion zwischen ihren Begrif­fen und entspre­chenden sprach­lichen Aus­drücken verwen­den.

Begriffe, begriffliche Argu­mente und logi­sches Schließen

Werden Begriffe im Sinne Wittgen­steins verstan­den als gemein­same, kommu­nika­tiv ausge­handel­te oder zumin­dest kommu­nika­tiv aushan­delba­re Unter­scheidungs­gewohn­heiten, dann ergibt sich, dass sie als abstrak­te Aspek­te bestimm­ter kommu­nika­tiver Handlun­gen, genau­er gesagt: aller diesen Begriff erläu­ternden Handlun­gen, verstan­den werden müssen.[2] Ihre Funkti­on ist es insbe­sonde­re, als Bezugs­punkte zur (inter­indi­vidu­ellen) Über­prüfung der Geltung prädi­kati­ver Sätze zu dienen. Wer über den Begriff »X« verfügt, der sollte also nicht nur Instan­zen von X von Dingen (im weiten Sinn) unter­scheiden können, die keine Instan­zen von X sind; er sollte zudem erklä­ren können, was diesen Unter­schied eigent­lich ausmacht; und er sollte beur­teilen können, wann jemand einen entspre­chenden klassi­fizie­renden Ausdruck richtig verwen­det hat (vgl. [Ros 1999a]Ros, Arno (1999): Was ist Philosophie?. In: Raatzsch, R. (Hg.), Philo­sophie­ren über Philo­sophie. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig.
).

Um zu überprüfen, ob sie densel­ben Begriff meinen, müssen zwei Kommu­nika­tions­partner sich daher ihren jewei­ligen begriff­lichen Erläu­terun­gen zuwen­den. Die begriff­lichen Argu­menta­tionen, die sie zu diesem Zweck führen, basie­ren im Wesent­lichen (i) auf singu­lären inten­siona­len Propo­siti­onen, mit denen den jewei­ligen Begrif­fen als abstrak­ten Enti­täten bestimm­te Eigen­schaften zu- oder abge­sprochen bzw. durch die mehre­re Begrif­fe mitei­nander in gewis­se Rela­tionen gesetzt werden, oder aber (ii) auf exten­siona­len gene­rellen Aussa­gen über alle Gegen­stände, die unter die jewei­ligen Begrif­fe fallen und deren notwen­digen Eigen­schaften oder Rela­tionen. Beide Formen sind äqui­valent, wobei man sich aller­dings klarma­chen sollte, dass in der exten­siona­len Form tatsäch­lich nicht Behaup­tungen über die Gegen­stände, sondern Vorschlä­ge für die gemein­same Praxis des Redens über diese (Art von) Gegen­stände(n) zum Ausdruck kommen.[3]

Prädikation und Kenn­zeichnung

Prädikationen werden offen­sichtlich mit Aus­drücken vollzo­gen, mit denen Unter­scheidun­gen kommu­niziert werden können. Umge­kehrt werden aber unter­scheiden­de Aus­drücke nicht nur zu Prädi­katio­nen verwen­det. Insbe­sonde­re mit Kenn­zeichnun­gen liegt eine Art von Nomi­nation vor, für die unter­scheiden­de Aus­drücke außer­halb der prädi­kati­ven Nutzung eine zentra­le Rolle spielen. Tatsäch­lich zeigt sich hierin die enge Ver­quickung zwischen Nomi­nation – als der Veran­kerung im bereits Bekann­ten – und Prädi­kation – als Aspekt des Neuen, noch nicht gemein­sam Bekann­ten –, der für Propo­siti­onen charak­teris­tisch ist: Kenn­zeichnun­gen greifen zur Iden­tifi­kation von Gegen­ständen die Unter­scheidun­gen auf, die irgend­wann zuvor durch eine entspre­chende Prädi­kation gemein­sam etab­liert worden sind.[4] Dieses mehre­re Propo­siti­onen über­greifen­de Wechsel­spiel von Prädi­kati­on und kenn­zeichnen­der Nomi­nation ist eine wesent­liche Bedin­gung für die Möglich­keit, Aussa­gen zu zusam­menhän­genden Texten zu verflech­ten.

Bilder als Prädi­kation?

Mit dem Begriff des Exemp­lifi­zierens hat Nelson Goodman die Grundla­ge der meisten Prädi­kations­theorien des Bildes gelegt. Bei einer Exemp­lifi­kation funkti­oniert ein Zeichen als ein Muster, mit dem eine Unter­scheidungs­gewohn­heit – genau­er: ein Begriff – durch eine Instanz, die unter diese Unter­scheidung fällt, ins kommu­nika­tive Feld geführt wird. Das passiert bei Bildern insbe­sonde­re hinsicht­lich Farbun­terschei­dungen, Formbe­griffen und Begrif­fen für rela­tive räum­liche Anord­nungen. Eine Bildprä­senta­tion kann daher als eine entspre­chende Prädi­kation verstan­den werden.

Offensichtlich muss es sich in der Regel um ziemlich komple­xe Prädi­kati­onen handeln, denn mono­chrome Bilder, Bilder mit zwei oder drei Farb­flächen, die in einem einfa­chen Anord­nungsver­hältnis stehen oder Bilder mit einem einzi­gen einfa­chen geome­trischen Gegen­stand machen nur einen sehr gerin­gen und eher unter­geord­neten Teil aller mögli­chen Bilder aus. Die Mehrzahl insbe­sondere der darstel­lenden Bilder, deren Inhalt im Wesent­lichen aus räumli­chen Anord­nungen (mehr oder weni­ger) mate­rieller Körper besteht, bringen die recht komple­xe Prädi­kation, mit der diese speziel­le Art der räum­lichen Anord­nung genau dieser Art von mate­riellen Gegen­ständen von ande­ren Anord­nungen der gleichen oder anderer Arten von Gegen­ständen unter­scheidet, ins Spiel.

Die prädikative Theorie der Bild­verwen­dung in der von [Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommu­nika­tives Medium. Ele­mente einer allge­meinen Bild­wissen­schaft. Halem, Köln.
skizzier­ten Fassung geht eben­falls davon aus, dass durch einen Gegen­stand, um über­haupt als Bild verwen­det werden zu können, beim Gegen­über (oder bei einem selber in der Rolle eines ande­ren) ein Begriff in den Fokus der Aufmerk­samkeit gebracht wird, indem eini­ge charak­teris­tische Eigen­schaften dessen, was unter diesen Begriff fällt, exemp­larisch “vor Augen geführt” werden – sofern jene Eigen­schaften im jewei­ligen Zusam­menhang als wichtig erach­tet werden. Dass der Begriff in den Fokus der Aufmerk­samkeit gebracht wird habe dabei primär die Funktion, den Adres­saten in die Lage zu verset­zen, die dadurch bestimm­te Unter­scheidungs­gewohn­heit zu einer vollen Propo­sition ergän­zen zu können. Das Bild soll also als Muster für die betrach­tete Unter­scheidungs­gewohn­heit – etwa »rot (sein)« – wirken, mit dessen Hilfe weite­re Einzel­gegen­­stände hinsicht­lich dieser Unter­scheidungs­dimen­sion beur­teilt werden können.

Ab­bil­dung 1: Ge­gen­stand „... sieht so (!) aus“

Die Stan­dard­funk­ti­on der Prä­sen­ta­ti­on ei­nes Pho­tos, wie des ge­zeig­ten Bei­spiel­bil­des (Abb. 1), müss­te dann prä­di­ka­to­risch fol­gen­der­maßen ver­stan­den wer­den: „... sieht so (!) aus“, wo­bei mit dem Pho­to ei­ne sehr komp­li­zier­te vi­su­el­le Un­ter­schei­dungs­ge­wohn­heit an­ge­spro­chen wird, die ver­bal durch die deik­ti­sche Par­ti­kel ‘so’ als (Teil der) Prä­di­ka­ti­on ein­ge­bun­den ist (das ‘!’ mar­kie­re die Zei­ge­ges­te). Diese tatsäch­lich aus vielen Begrif­fen zusam­menge­setzte Unter­scheidungs­gewohn­heit mag in einem zweiten Schritt auf einzel­ne Kompo­nenten einge­schränkt werden, durch die momen­tane visu­elle Erschei­nungswei­sen räumlich-mate­rieller Gegen­stände vonei­nander unter­schieden werden. In einem dritten Schritt kann dann das Teil für das Ganze genom­men werden: Das Beispiel­bild vermit­telt dann etwa die Prädi­kation ‹... ist eine Hänge­brücke›.

Piktoriale Nomina­tionen als abge­leite­te Verwen­dungswei­se

Abgeleitet von der grund­legend prädi­kato­rischen Verwen­dungswei­se kann, nach Sachs-Hombach, ferner der Begriff selbst als Thema einge­führt und somit eine Verstän­digung über das Muster als solches ange­regt werden (ana­log einer mögli­chen Verwen­dung eines gene­rellen Termi­nus in nomi­nati­vem Gebrauch: ‘das Rote an sich’): ‘das so (!) Ausse­hen an sich’ bzw. ‘der Begriff des so (!) Ausse­hens’ oder auch ‘der Begriff der Hänge­brücke’.

Andererseits könne die Aufmerk­samkeit auch auf eine bestimm­te Instanz des Begriffs (ana­log einer deikti­schen Kennzeich­nung ‘diese rote Hänge­brücke’’) gerich­tet werden, über die (mit einer ande­ren, etwa sprachli­chen Prädi­kation) etwas Weite­res mitge­teilt werde (‘... wurde 1937 einge­weiht.’). In beiden Fällen ist das exemp­lari­sche Einfüh­ren einer bestimm­ten komple­xen visu­ellen Unter­scheidungs­fähig­keit Voraus­setzung, ohne die die nomi­nato­rischen Verwen­dungswei­sen nicht möglich wären.

Probleme der Prädikations­theorie des Bildes

Der prädikativen Bild­theorie zufol­ge sind Bilder in kommu­nika­tiver Hinsicht prinzi­piell „unge­sättigt“. Sie liefern Prädi­kate, die ergänzt werden müssen und dann auf komple­xerer Ebe­ne eine prädi­kati­ve oder nomi­nato­rische Funktion über­nehmen können. Dass uns die kommu­nika­tive Unvoll­ständig­keit der Verwen­dung von Bildern in der Regel nicht auffällt sei darin begrün­det, dass wir zahlrei­che Konven­tionen heraus­gebildet haben, die in verschie­denen Zusam­menhän­gen eine entspre­chende Ergän­zung nahe legen und auf diese Weise mehr oder weni­ger auto­matisch ergänzt würden.

Problematisch erscheint an der prädi­kati­ven Bild­theorie vor allem, dass in der Bildver­wendung Begrif­fe exemp­larisch, also über eine entspre­chende unter den jewei­ligen Begriff fallen­de Instanz mitge­teilt werden sollen. Das gilt insbe­sonde­re für die als zentral gelten­den Darstel­lungen raumzeit­licher mate­rieller Gegen­stände mit ihren charak­teris­tischen Indi­vidu­ations­krite­rien. Um den Begriff zu erhal­ten, der der entspre­chenden Prädi­kation zugrun­de liegt, muss demnach ein zuge­höri­ges unter den Begriff fallen­des Indi­viduum zunächst vorhan­den sein, um dann damit auf den Begriff aufmerk­sam zu machen. Diese Funktion, Gegen­stände zumin­dest in gewis­ser Weise zur Verfü­gung zu stellen – die Kontext­bildung – wäre demnach vorran­gig vor der Funktion der Prädi­kation, die durch sie erst ermög­licht wird (vgl. [Schirra 2006a]Schirra, Jörg R.J. (2006): Begriffsgenetische Betrachtungen in der Bildwissenschaft: Fünf Thesen. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bild und Medium. Kunstgeschichtliche und philosophische Grundlagen der interdisziplinären Bildwissenschaft. Halem, Köln.
Webadresse: www.jrjs.de/Work/Papers/P06/P06-3/index.html
).

Prädikation, Prädikator, Prädikat und gene­reller Termi­nus

Die sprachlichen Ausdrücke, mit deren Hilfe eine Prädi­kation vollzo­gen wird, werden ‘Prädi­kato­ren’ genannt.[5] Als Pendant zur Bezeich­nung ‘singu­läre Termi­ni’ für Nomi­nato­ren werden Prädi­kato­ren einer älte­ren Tradi­tion folgend auch als ‘gene­relle Termi­ni’ bezeich­net. Lingu­istisch sind die Prädi­kato­ren im allge­meinen durch die Verben (in einem weiten Sinn) zusam­men mit den inde­fini­ten Nomi­nalphra­sen der betrach­teten Sätze und den damit gebil­deten Präpo­sitio­nalphra­sen (sofern jene nicht als Satzad­verbien wirken) gege­ben.

Der Ausdruck ‘Prädikat’ wird manch­mal syno­nym mit ‘Prädi­kator’ oder ‘Prädi­kation’ verwen­det, was aber seiner diver­sen weite­ren Bedeu­tungen wegen nicht sehr glück­lich ist. Oft bezeich­net ‘Prädi­kat’ auch, als gramma­tischer Begriff, die unter­scheiden­den Aus­drücke, unab­hängig davon, ob sie prädi­kato­risch genutzt werden oder als Teil einer Nomi­nation in einer Kennzeich­nung auftre­ten.

Anmerkungen
  1. ↑ Die in­ter­ne Ne­ga­ti­on ist nicht iden­tisch mit der ex­ter­nen Ne­ga­ti­on, ei­nem Ope­ra­tor zwi­schen Pro­po­si­ti­o­nen, wie in der Aus­sa­gen­lo­gik be­trach­tet.
  2. ↑ Die al­ter­na­ti­ve Be­trach­tungs­wei­se der be­wusst­seins­the­o­re­ti­schen Phi­lo­so­phie des 17. bis 19. Jhd.s, dass Be­grif­fe men­ta­le Ge­bil­de sei­en, de­ren Exis­tenz ih­rer kom­mu­ni­ka­tiv-sprach­li­chen Nut­zung als Be­deu­tung von Prä­di­ka­ten vo­raus­geht, führt, wie et­wa Witt­gen­stein im Trac­ta­tus [Wittgenstein 1922a]Wittgenstein, Ludwig (1922): Tractatus Logico-Philosophicus. Kegan Paul, London.
    ge­zeigt hat, zu gra­vie­ren­den Apo­rien.
  3. ↑ An­dern­falls ver­wech­sel­te man Ob­jekt- und Be­o­bach­ter­ebe­ne. Vgl. auch Ex­kurs: Bei­spie­le be­griff­li­cher Aus­sa­gen.
  4. ↑ Oder: Etab­liert wor­den sein könn­ten. – Das gilt etwa für di­rekt wahr­ge­nom­me­ne Un­ter­schei­dun­gen zur Iden­ti­fi­ka­ti­on von Ge­gen­stän­den.
  5. ↑ Ein­ge­führt wur­de die Be­zeich­nung ‘Prä­di­ka­tor’ von Car­nap ([Carnap 1947a]Carnap, Rudolf (1947): Meaning and Necessity: A Study in Semantics and Modal Logic. Univ. Press, Chicago, IL.
    zwei­te Auf­la­ge; S. 6). Sie­he auch Wi­ki­pe­dia: Prä­di­ka­tor.
Literatur
[Carnap 1947a]Carnap, Rudolf (1947): Meaning and Necessity: A Study in Semantics and Modal Logic. Univ. Press, Chicago, IL.[Gerhardus et al. 1975a]Gerhardus, Dietfried; Kledzik, Silke M. & Reitzig, Gerd H. (1975): Schlüssiges Argumentieren – Logisch-propädeutisches Lehr- und Arbeitsbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.[Kamlah & Lorenzen 1973a]Kamlah, Wilhelm & Lorenzen, Paul (1973): Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. BI Wissenschaftsverlag, München.[Ros 1999a]Ros, Arno (1999): Was ist Philosophie?. In: Raatzsch, R. (Hg.), Philo­sophie­ren über Philo­sophie. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig.[Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommu­nika­tives Medium. Ele­mente einer allge­meinen Bild­wissen­schaft. Halem, Köln.[Schirra 2006a]Schirra, Jörg R.J. (2006): Begriffsgenetische Betrachtungen in der Bildwissenschaft: Fünf Thesen. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bild und Medium. Kunstgeschichtliche und philosophische Grundlagen der interdisziplinären Bildwissenschaft. Halem, Köln.[Wittgenstein 1922a]Wittgenstein, Ludwig (1922): Tractatus Logico-Philosophicus. Kegan Paul, London.

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