Bildzitat: Unterschied zwischen den Versionen
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==Interbildlichkeit, Inter­piktu­rali­tät und Inter­ikoni­zität== | ==Interbildlichkeit, Inter­piktu­rali­tät und Inter­ikoni­zität== | ||
Zur Darstellung von Bildbeziehungen wird | Zur Darstellung von Bildbeziehungen wird bis­weilen auf den lite­ratur­wissen­schaft­lichen An­satz der ''Inter­textu­alität'' zurück­gegriffen, den Julia Kriste­va in den 1970er Jahren zur Be­schreibung von Text­beziehun­gen in An­lehnung an Michail Bach­tins Konzept der ''Dialo­gizität'' ent­wickelte. Der Begriff der Inter­textua­lität wird in kunst­wissen­schaft­lichen Arbei­ten zum Teil direkt auf das Medium Bild über­tragen, da ent­weder expli­zit text­ähn­liche Struk­turen von Bild-Bild-Bezü­gen – etwa die ''inter­textu­elle Meta­malerei'' (<bib id='Stoichita 1998a'></bib>) – unter­sucht werden sollen oder sich bild­spezi­fischere Begriffe noch nicht genü­gend durch­gesetzt haben (<bib id='Rose 2006a'></bib>: S. 60). | ||
Mieke Bal setzt '' | Mieke Bal setzt ‘''quota­tion''’ als Sprach- und Bild­medium über­greifen­den Termi­nus ein und bezeich­net damit „inter­section of icono­graphy and inter­textuality“ (<bib id='Bal 1999a'></bib>: S. 8). | ||
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Darüber hinaus liegen verschiedene | Darüber hinaus liegen verschiedene Termi­ni für Bild­ver­weise vor, die inter­textu­elle Heran­gehens­weisen adap­tieren: | ||
* ''Interbildlichkeit'' (<bib id='Rose 2006a'></bib>) | * ''Interbildlichkeit'' (<bib id='Rose 2006a'></bib>) bezeich­net einer­seits Bild­beziehun­gen sowie Bild­reflexi­onen im Medium Bild und anderer­seits eine lite­rarische Inter­bild­lich­keit. Letzte­re ist gekenn­zeichnet durch eine im über­tragenen Sinn vorhan­dene [[uneigentliche Bilder|Bild­lich­keit]] der Sprache im Text, z.B. mittels Ver­knüp­fung von [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie|Sprach­bildern]]. | ||
* ''Interpikturalität'' ( | * ''Interpikturalität'' (zusammen­fassend <bib id='Rosen 2003a'></bib>; <bib id='Rosen et al. 2003a'></bib>) auch in der Schreib­weise ''Inter­pikto­rali­tät'': Hier­bei handelt es sich um Be­ziehun­gen zwischen Bildern, die in der Über­nahme von Ter­mini aus der Sprach- und Lite­ratur­wissen­schaft als Zitat oder Allu­sion bezeich­net werden. In Ana­logie zur Sprache steht zur Diskus­sion, wie Markie­rungen von Bild­bezügen aus­sehen könnten oder wie ver­schiedene Deut­lich­keits­grade von Refe­renzen aus­einan­der zu halten seien. | ||
: Phänomen und Beschreibung von | : Phänomen und Beschreibung von Bild­rela­tio­nen sind – ähn­lich wie bei der Er­forschung von Text­bezie­hungen – immer wieder Gegen­stand kunst­geschicht­licher Unter­suchun­gen gewesen. Gemäß Rosen unter­scheidet sich die tradi­tionelle Quellen­forschung der Kunst­geschichte jedoch von dem neue­ren Inter­piktu­rali­täts­diskurs. Die Quellen­forschung ver­sucht, Ein­flüsse in Kunst­werken nach­zuvoll­ziehen und Be­ziehungs­linien abzu­bilden. Der Inter­piktu­rali­tätsan­satz in­des nimmt die sinn­produ­zieren­den und konsti­tutiven Funk­tionen von Bild­bezügen in Kunst­werken in den Blick. | ||
* ''Interikonizität'' (<bib id='Zuschlag 2006a'></bib>; <bib id='Gamer 2007a'></bib>): | * ''Interikonizität'' (<bib id='Zuschlag 2006a'></bib>; <bib id='Gamer 2007a'></bib>): Zu­schlag strebt unter diesem Stich­wort ein mehr­dimen­siona­les Modell an, das so­wohl eine Typo­logie der inter­ikoni­schen Bezug­nahmen nach formalen und inhalt­lichen Ein­teilun­gen als auch die funk­tiona­len und histo­rischen Bedin­gungen und Kon­texte sowie produk­tions- und rezep­tions­ästhetische Sicht­weisen berück­sichtigt. Diese Vor­gehens­weise soll eine diffe­renzier­te Be­schreibung der einzel­nen Bezug­nahmen so­wie der Rolle des Rezi­pienten er­mög­lichen. In der Über­tragung vom Medium des Textes auf Objekte der Kunst müss­ten fol­gende Aspek­te dis­kutiert werden: das Wechsel­verhält­nis von bild­lichem Prä­text und Post­text, Begriffe wie »Autor­schaft« und »Inten­tionali­tät«, die Frage eines engen oder weiten Inter­ikoni­zitäts­begriffs oder auch der Nutzen einer Über­nahme von Schrift­katego­rien wie Einzel­text­referenz, System- oder Gattungs­referenz. | ||
: Eine Anwendung dieses Postulats der | : Eine Anwendung dieses Postulats der Inter­ikoni­zität liegt bis­her nur in An­sätzen vor. Zu­schlag weist auf die Not­wendig­keit hin, bei der Über­nahme text­basierter Kate­gorien die spezi­fischen Charak­teristi­ka des Mediums Bild zu berück­sichtigen. Gerade für diesen Punkt beste­hen noch keine Lösungs­vorschläge. | ||
: Wagner kritisiert an Zuschlags Konzept, dass dieses auf rein | : Wagner kritisiert an Zuschlags Konzept, dass dieses auf rein bild­liche Rela­tionen fokus­siert sei. Bild­verweise bedürf­ten jedoch stets sprach­licher Vermitt­lung und Be­deutungs­stiftung, so dass Inter­ikoni­zität auf sprach­liche Inter­textua­lität ange­wiesen und mit dieser ver­bunden sei (<bib id='Wagner 2006a'></bib>: S. 221). | ||
* Im Rahmen einer weitestgehend | * Im Rahmen einer weitestgehend lite­ratur­wissen­schaft­lich orien­tierten Heran­gehens­weise finden sich verein­zelt Unter­suchungen zu Bild­zitaten in verschie­denen visu­ellen Formaten ([[Malerei|Male­rei]], [[Fotografie|Foto­grafie]], [[Film]]) (<bib id='Böhn 1999a'></bib>) oder zu Bild­zitaten in lite­rari­schen Werken (<bib id='Eilert 1991a'></bib>). Zitie­rende Bezüge zwischen filmi­schen Stills und Werken des kunst­geschicht­lichen Kanons (<bib id='Keitz 1994a'></bib>) werden ebenso ana­lysiert wie Zitate in inter­medialen Rela­tionen zwischen Texten und Bildern (<bib id='Horstkotte & Leonhard 2006a'></bib>). Da­bei wird auch ver­sucht, inter­mediale und inter­kulturelle Bild­beziehun­gen und Bild­transfers nachzu­vollziehen und so ver­schiedene Bild­medien, Zeit­schichten und Diskurse außer­halb des klassischen kunst­geschicht­lichen Fokus zu berück­sichtigen (<bib id='Schulz 2010a'></bib>: S. 322 f.). | ||
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* [[Rahmung, Rahmen]] | * [[Rahmung, Rahmen]] | ||
* [[Referenz, Denotation, Exemplifikation]] | * [[Referenz, Denotation, Exemplifikation]] | ||
* [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie]] | |||
* [[Sprechen über Bilder]] | * [[Sprechen über Bilder]] | ||
* [[Syntaktische Dichte]] | * [[Syntaktische Dichte]] | ||
Version vom 3. April 2013, 21:08 Uhr
Unterpunkt zu: Bildpragmatik
Bildzitat: eine EinführungWas ist ein Bildzitat? Allgemein gesprochen lässt sich darunter eine zitierende, intramedial stattfindende Referenz zwischen Bildwerken heterogener Provenienz verstehen. Es handelt sich also um ein Bild in reflexiver Verwendung. Obwohl der Ausdruck in der Literatur häufig gebraucht wird, ist bislang ungeklärt, welche Merkmale ein Bildzitat erfüllen muss, um als solches zu gelten, und wie es von anderen Verweistechniken wie beispielsweise Variation, Anspielung, Parodie u. ä. zu unterscheiden ist. Bildzitate treten in diversen Bildmedien (etwa in der Malerei, Fotografie, im Comic) auf und liegen – historisch betrachtet – in unterschiedlichen Epochen der Kunst, aber auch in der Werbung und Alltagskultur vor. Demzufolge sind sie in allen gesellschaftlichen Bereichen anzufinden, in denen auf ein kulturelles Reservoir an Bildern zitierend Bezug genommen wird (⊳ Kunstgeschichte als Bildgeschichte). Die Frage nach einem Bildzitat ist eng verknüpft mit verschiedenen Themenfeldern, etwa, wie sich das Bildzitat zum Sprachzitat oder allgemeiner Bilder zur Sprache verhalten, in welchen Kategorien über Bilder reflektiert werden kann (Sprechen über Bilder) und inwiefern im Zuge eines iconic oder pictorial turn ein bildspezifischer Diskurs über Bildverweise in Abgrenzung zum sprachlichen Diskurs möglich ist (⊳ Bildwissenschaft als Sprach- und Bildkritik). Das Bildzitat ist Gegenstand in vier Forschungszusammenhängen, die mehr oder weniger unabhängig voneinander existieren. Eine gegenseitige Rezeption findet nur zum Teil statt.
Nelson Goodman: Sprach-, Bild- und MusikzitatNelson Goodman ([Goodman 1990a]Goodman, Nelson (1990): Weisen der Welterzeugung. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Gemäß Goodmans Kriterien gilt das indirekte Zitat als basale Variante des Zitierens, in der das direkte Zitat mit seiner identischen Buchstabenabfolge des Zitierten einen Sonderfall darstellt. Zitierbar sind vom Buchstaben bis zum Satz alle schriftsprachlichen Ebenen.[2] In der Übertragung der genannten sprachlichen Zitatkriterien stellt Goodman fest, dass im Bereich des Bildes zum Enthaltensein kein Äquivalent vorhanden ist und im Bereich der Musik keines zur Referenz. Analog zur Bezugnahme auf das Zitierte im direkten Sprachzitat sucht Goodman nach Anführungszeichen im Bild und sieht sie in der Darstellung eines Rahmens oder einer Staffelei im Bild. Bezüglich des Enthaltenseins stellt sich dabei folgendes Problem. Da das Bild als autographische Kunst kein Alphabet besitzt, syntaktisch dicht ist und somit die exakte Wiederholung einer Buchstabenkombination nicht gegeben ist, stellt sich die Frage, was einer Replik im Bild entsprechen könnte. Repliken können zwar unterschiedlich ausgestaltet sein, sind aber durch die identische Repetition der Buchstabenabfolge gekennzeichnet, die im System einzigartig vorliegender Bildsymbole nicht vorhanden ist. Auch bei einer Kopie liegt, anders als man zunächst vermuten könnte, keine Entsprechung zu einer solchen identischen Repetition vor. Für ein indirektes Bildzitat könnte ebenfalls ein gemalter Rahmen als Anzeige einer Paraphrase dienen. Letztlich ist in diesem Zusammenhang der Kontext entscheidend. Schließlich sieht Goodman sowohl die Möglichkeit eines Zitats von Sprache im Bild als auch in umgekehrter Richtung. Klang ließe sich ebenfalls bildlich zitieren. So müsste beispielsweise eine Musikpartitur im Bild abgebildet sein, denn Notation und Klang stehen in einem ähnlichen Verhältnis wie geschriebene und gesprochene Sprache. Jakob Steinbrenner ([Steinbrenner 1999a]Steinbrenner, Jakob (1999): Zitatzeit – oder Füßchen der Gänse überall – oder worauf Zitate Bezug nehmen. In: Sachs-Hombach, K & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik.Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg. Sprachliche Zitate sind gemäß Steinbrenner durch folgende Aspekte gekennzeichnet. Ein Zitat besteht aus einem Zeichenvorkommnis, das von Anführungszeichen gerahmt oder durch andere Mittel hervorgehoben wird, wobei es bestimmte notwendige syntaktische und semantische Merkmale aufweist. Ein Zitat denotiert und stimmt mit dem Zitierten im Typ überein. Zitierbar sind keine fiktiven oder zukünftigen, sondern nur von Personen gemachte, also bereits verwendete Äußerungen. Diese müssen aus eindeutig identifizierbaren Einzelzeichen einer Sprache bestehen, die jeweils einem Typ zuzuordnen sind. Das Zitieren von Bildern in Bildern wirft nun verschiedene Probleme in der Übertragung sprachlicher Zitatkennzeichen auf. Kann ein im Bild dargestellter Rahmen oder eine Staffelei als syntaktische Anzeige, als Anführungszeichen eines darin enthaltenen Bildzitats fungieren? Steinbrenner führt gegen diese Überlegung an, dass das im Rahmen Dargestellte nicht zwangsläufig ein Bild im Bild ist. Es kann auch nur der Rahmen selbst präsentiert werden. Zum einen bleibt offen, was ein Bild ist und wie Bilder in Bildern abgebildet werden können. Zum anderen existiert in der Forschung keine Übereinstimmung in der Frage, ob es so etwas wie atomare Bildzeichen gibt und wie diese zu Zeichenkombinationen zusammengesetzt sind, wie also eine Bildgrammatik zu denken wäre. Da im Bild das Buchstabieren nicht möglich ist, fehlt die syntaktische Überprüfungsmöglichkeit, ob Zitiertes und Zitat einander im Typ entsprechen. Während prinzipiell jeder sprachliche Zitate verwenden und erkennen kann – bis zu einem gewissen Grad auch ohne semantische Kompetenz –, ist dies bei bildlichen Zitaten nicht der Fall. Steinbrenner kommt zu dem Schluss, dass im Fall des Bildes aufgrund der fehlenden Übertragbarkeit der Kennzeichen sprachlicher Zitate sinnvollerweise nicht von einem bildlichen Zitat, sondern von einer Anspielung gesprochen werden sollte. Die Anspielung stellt eine unspezifischere Form der Bezugnahme dar, die lediglich manche Eigenschaften des Zitierten exemplifiziert ([Steinbrenner 2004a]Steinbrenner, Jakob (2004): Zeichen über Zeichen. Grundlagen einer Theorie der Metabezugnahme. Synchron Wissenschaftsverlag der Autoren, Heidelberg.
Kunsthistorische Perspektive: Das Bildzitat im Kontext weiterer BildbezügeIn kunsthistorischen Untersuchungen liegt eine Fülle an Termini zur Beschreibung von Bildbeziehungen vor – etwa das Bild im Bild ([Asemissen & Schweikhart 1994a]Asemissen, Hermann Ulrich & Schweikhart, Gunter (1994): Malerei als Thema der Malerei. Akademie, Berlin. So wünschenswert in dieser Debatte ein epochen- und gattungsübergreifender Theoriebau auch wäre, so unklar ist dabei, ob dieser dem Wandel von Bildbegriffen und Kunstdiskursen im Laufe der Kunstgeschichte gerecht würde ([Zuschlag 2006a]Zuschlag, Christoph (2006): Auf dem Weg zu einer Theorie der Interikonizität. In: Horstkotte, S. & Leonhard, K. (Hg.), Lesen ist wie Sehen. Intermediale Zitate in Bild und Text. Böhlau, Köln. Martina Sitt und Attila Horányi beispielsweise verwerfen den Begriff des Zitats, da er – ähnlich wie der Terminus des Einflusses ([Baader 2003b]Baader, Hannah (2003): Einfluss. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen – Methoden – Begriffe. Metzler, Stuttgart, Weimar. Analysen von Bildzitaten in ihren Funktionen und Wirkungen finden meist epochenbezogen – etwa zu Zitattechniken im 20. Jahrhundert ([Belting 1998a]Belting, Hans (1998): Das unsichtbare Meisterwerk. Die modernen Mythen der Kunst. C.H. Beck, München. Zuschlag definiert das Zitat in Differenz zur Paraphrase ([Zuschlag 2002a]Zuschlag, Christoph (2002): Vom Kunstzitat zur Metakunst. Kunst über Kunst im 20. Jahrhundert. In: Mai, E. & Wettengl, K. (Hg.), Wettstreit der Künste. Malerei und Skulptur von Dürer bis Daumier. Edition Minerva, Wolfratshausen. Zuschlag verwendet diese Termini als Oberbegriffe für alle weiteren bildlichen Bezugnahmeformen, die besonders die Kunst des 20. Jahrhunderts prägen, in der der Rekurs auf die Kunstgeschichte charakteristisch ist. Belting spricht in diesem Zusammenhang von einer Zitatkunst als qualitativ neue Kunstform: „Werke, die nicht mehr geschaffen werden können, lassen sich nur noch zitieren. […] Nicht nur werden einzelne Werke wie Namen der Erinnerung zitiert: Sie stehen auch für einen Werkbegriff ein, an den sie nur noch erinnern.“ ([Belting 1998a]Belting, Hans (1998): Das unsichtbare Meisterwerk. Die modernen Mythen der Kunst. C.H. Beck, München. Im 20. Jahrhundert bieten die Reproduktionstechniken eine neuartige Verfügbarkeit der Vorbilder; gleichzeitig wird eine Lesbarkeit des zitierenden Bezugs für den Bildbetrachter vorausgesetzt oder erhofft und an seine Interpretationsleistung appelliert ([Sello 1979a]Sello, Katrin (1979): Vom Nutzen und Nachteil des Zitierens für die Kunst. In: Sello, K. (Hg.), Vom Nutzen und Nachteil des Zitierens für die Kunst. Kunstverein Hannover, Hannover. Als spezielle Kunstform, die sich mit visuellen Artefakten der Kunstgeschichte, aber auch mit Bildern der Populärkultur (Werbung und Massenmedien), auseinandersetzt, ist die Appropriation Art der 1980er Jahre zu nennen.
In Techniken wie Zitat und Wiederholung werden Vor-Bilder angeeignet, indem sie noch einmal gezeichnet, gemalt oder fotografiert werden. Diese erneute Schöpfung ist als kritische Reflektion von Autorschaft, Originalität und dem Verhältnis von Produzent und Rezipient zu verstehen([Wege 1999a]Wege, Astrid (1999): Appropriation Art. In: Sagner-Düchting, K. & Düchting, H. (Hg.), Prestel Lexikon Kunst und Künstler im 20. Jahrhundert. Prestel, München, London, New York. Das Zitat als Verweis auf konkrete Kunstwerke differenziert Zuschlag vom Phänomen der Metakunst ab den 1960er Jahren. Metakunst referiert nicht auf ein spezifisches Bild, sondern in einem erweiterten Sinne entweder auf die Institution Kunst, auf einen Topos oder thematisiert auf einer selbstreflexiven Metaebene Kunst an sich ([Zuschlag 2002a]Zuschlag, Christoph (2002): Vom Kunstzitat zur Metakunst. Kunst über Kunst im 20. Jahrhundert. In: Mai, E. & Wettengl, K. (Hg.), Wettstreit der Künste. Malerei und Skulptur von Dürer bis Daumier. Edition Minerva, Wolfratshausen.
Interbildlichkeit, Interpikturalität und InterikonizitätZur Darstellung von Bildbeziehungen wird bisweilen auf den literaturwissenschaftlichen Ansatz der Intertextualität zurückgegriffen, den Julia Kristeva in den 1970er Jahren zur Beschreibung von Textbeziehungen in Anlehnung an Michail Bachtins Konzept der Dialogizität entwickelte. Der Begriff der Intertextualität wird in kunstwissenschaftlichen Arbeiten zum Teil direkt auf das Medium Bild übertragen, da entweder explizit textähnliche Strukturen von Bild-Bild-Bezügen – etwa die intertextuelle Metamalerei ([Stoichita 1998a]Stoichita, Victor I. (1998): Das selbstbewusste Bild. Vom Ursprung der Metamalerei. Fink, München. Darüber hinaus liegen verschiedene Termini für Bildverweise vor, die intertextuelle Herangehensweisen adaptieren:
Das Bildzitat als juristischer GegenstandDas Zitieren von Bildern ist, wenn es das Urheberrecht eines Bildinhabers berührt, auch Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Die Frage nach der Zulässigkeit von Bildzitaten ist beispielsweise bei Abbildungen in wissenschaftlichen Publikationen relevant. Im Kontext des Internets und seiner weltweiten Verbreitung von Bildern besitzen Bildzitate unterschiedlichster Art eine große Virulenz ([Barabash 2010a]Barabash, Igor (2010): Das Bildzitat im Internet. Shaker, Aachen. Bereits 1886 wurde eine internationale „Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst“ zwischen den Ländern Deutschland, Belgien, Großbritannien, Schweiz, Italien, Spanien und Tunesien geschlossen, die in revidierter Form (die sogenannte RBÜ) immer noch Gültigkeit besitzt. Inzwischen ist sie von fast allen Staaten der Welt anerkannt worden. Laut RBÜ soll den Urhebern von Werken der Wissenschaft und Kunst ein Mindestrecht garantiert werden. Gleichzeitig gilt es, die Interessen der Urheber und der Nutzer eines Werkes im Sinne eines Allgemeinwohls und eines gesellschaftlichen Fortschritts in Einklang zu bringen. Die Voraussetzungen eines Zitats sehen wie folgt aus: Zunächst muss das zitierte, urheberrechtlich geschützte Werk bereits der Öffentlichkeit rechtmäßig vorliegen. Weiterhin muss der Zweck des Zitierens den Zitatumfang legitimieren und das Zitat mit den „anständigen Gepflogenheiten“ (RBÜ Art. 10, zitiert nach [Barabash 2010a]Barabash, Igor (2010): Das Bildzitat im Internet. Shaker, Aachen. Laut Calame und Thouvenin unterscheidet sich das Bildzitat von anderen Zitatarten durch seinen Umfang. Dem Sinn des Zitierens entspricht, aufgrund der Spezifika des Mediums Bild, meist nur das Zitieren des gesamten Werkes und nicht nur eines Ausschnitts. Dies ist, sofern die Verhältnismäßigkeit zum Gesamtwerk gegeben ist, rechtlich möglich ([Calame & Thouvenin 2008a]Calame, Thierry & Thouvenin, Florent (2008): Das Bildzitat. In: Schmitz, W. et al. (Hg.), Probleme des neuen Urheberrechts für die Wissenschaft, den Buchhandel und die Bibliotheken. Harrassowitz, Wiesbaden. In Deutschland ist das Zitatrecht in §51 UrhG ([1]) geregelt. Mit der Gesetzesnovelle des sogenannten zweiten Korbs des §51 UrhG vom 1. Januar 2008 gestaltet sich die Rechtslage folgendermaßen:
Siehe auch:
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Anmerkungen
Literatur
[Asemissen & Schweikhart 1994a]Asemissen, Hermann Ulrich & Schweikhart, Gunter (1994): Malerei als Thema der Malerei. Akademie, Berlin.[Baader 2003b]Baader, Hannah (2003): Einfluss. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen – Methoden – Begriffe. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Bal 1999a]Bal, Mieke (1999): Quoting Caravaggio. Contemporary Art, Preposterous History. The University of Chicago Press, Chicago.[Barabash 2010a]Barabash, Igor (2010): Das Bildzitat im Internet. Shaker, Aachen.[Baxmann 2001a]Baxmann, Inge (2001): Körperzitate. In: Gutenberg, A. & Poole, R.J. (Hg.), Zitier-Fähigkeit. Findungen und Erfindungen des Anderen. Erich Schmidt, Berlin.[Belting 1998a]Belting, Hans (1998): Das unsichtbare Meisterwerk. Die modernen Mythen der Kunst. C.H. Beck, München.[Birk 2012a]Birk, Elisabeth (2012): Nelson Goodmans Begriff der Exemplifikation und seine Anwendung in den Bildwissenschaften. In: Jäger, L.; Fehrmann, G. & Adam M. (Hg.), Medienbewegungen. Praktiken der Bezugnahme. Fink, München.[Böhn 1999a]Böhn, Andreas (1999): Intermediale Form- und Stilzitate in Photographie und Film bei Godard, Greenaway und Cindy Sherman. In: Böhn, A. (Hg.), Formzitate, Gattungsparodien, ironische Formverwendung: Gattungsformen jenseits von Gattungsgrenzen. Röhrig, St. Ingbert.[Calame & Thouvenin 2008a]Calame, Thierry & Thouvenin, Florent (2008): Das Bildzitat. In: Schmitz, W. et al. (Hg.), Probleme des neuen Urheberrechts für die Wissenschaft, den Buchhandel und die Bibliotheken. Harrassowitz, Wiesbaden.[Eilert 1991a]Eilert, Heide (1991): Das Kunstzitat in der erzählenden Dichtung. Studien zur Literatur um 1900. Steiner, Stuttgart.[Gamer 2007a]Gamer, Elisabeth-Christine (2007): Überlegungen zur Interikonizität. Malewitsch, Duchamp, Warhol und die Mona Lisa. In: Herrmann, K. & Hübenthal, S. (Hg.), Intertextualität. Perspektiven auf ein interdiziplinäres Arbeitsfeld. Shaker, Aachen.[Goodman 1990a]Goodman, Nelson (1990): Weisen der Welterzeugung. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Hammer-Tugendhat 2009a]Hammer-Tugendhat, Daniela (2009): Das Sichtbare und das Unsichtbare. Zur holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Böhlau, Köln.[Horstkotte & Leonhard 2006a]Horstkotte, Silke & Leonhard, Karin (Hg.) (2006): Lesen ist wie Sehen. Intermediale Zitate in Bild und Text. Böhlau, Köln.[Keitz 1994a]Keitz, Ursula von (1994): Dialogizität der Bilder. Bemerkungen zum Verhältnis von Bildender Kunst und Film aus semiotischer Sicht. In: Paech, J. (Hg.), Film, Fernsehen, Video. Strategien der Intermedialität. Metzler, Weimar.[Kemp 1995a]Kemp, Wolfgang (1995): Praktische Bildbeschreibung. Über Bilder in Bildern, besonders bei Van Eyck und Mantegna. In: Boehm, G. & Pfotenhauer, H. (Hg.), Beschreibungskunst – Kunstbeschreibung. Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart. Fink, München.[Neumann 1980a]Neumann, Horst Peter (1980): Das Eigene und das Fremde. Über die Wünschbarkeit einer Theorie des Zitierens. Akzente. Zeitschrift für Literatur, 27, 4.[Rose 2006a]Rose, Margaret A. (2006): Parodie, Intertextualität, Interbildlichkeit. Aisthesis, Bielefeld.[Rosen 2003a]Rosen, Valeska von (2003): Interpikturalität. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen, Methoden, Begriffe. Metzler, Weimar.[Rosen et al. 2003a]Rosen, Valeska von; Krüger, Klaus & Preimesberger, Rudolf (2003): Der stumme Diskurs der Bilder. Reflexionsformen des Ästhetischen in der Kunst der Frühen Neuzeit. Deutscher Kunstverlag, Berlin.[Schmidt 2000a]Schmidt, Ulrike Kristin (2000): Kunstzitat und Provokation im 20. Jahrhundert. VDG, Weimar.[Schulz 2010a]Schulz, Martin (2010): Das interchrone Bild der Landschaft. Raumfahrt und Zeitreise bei Pieter Bruegel dem Älteren. In: Jacob, J. & Mayer, M. (Hg.), Im Namen des Anderen. Die Ethik des Zitierens. Fink, München.[Sello 1979a]Sello, Katrin (1979): Vom Nutzen und Nachteil des Zitierens für die Kunst. In: Sello, K. (Hg.), Vom Nutzen und Nachteil des Zitierens für die Kunst. Kunstverein Hannover, Hannover.[Sitt & Horányi 1993a]Sitt, Martina & Horányi, Attila (1993): Kunsthistorische Suite über das Thema des Zitats in der Kunst. In: Seipel, W. (Hg.), Diskurse der Bilder. Photokünstlerische Reprisen kunsthistorischer Werke. Kunsthistorisches Museum, Wien.[Steinbrenner 1999a]Steinbrenner, Jakob (1999): Zitatzeit – oder Füßchen der Gänse überall – oder worauf Zitate Bezug nehmen. In: Sachs-Hombach, K & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik.Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.[Steinbrenner 2004a]Steinbrenner, Jakob (2004): Zeichen über Zeichen. Grundlagen einer Theorie der Metabezugnahme. Synchron Wissenschaftsverlag der Autoren, Heidelberg.[Stoichita 1998a]Stoichita, Victor I. (1998): Das selbstbewusste Bild. Vom Ursprung der Metamalerei. Fink, München.[Wagner 2006a]Wagner, Peter (2006): Nachwort. In: Horstkotte, S. & Leonhard, K. (Hg.), Lesen ist wie Sehen. Intermediale Zitate in Bild und Text. Böhlau, Köln.[Wege 1999a]Wege, Astrid (1999): Appropriation Art. In: Sagner-Düchting, K. & Düchting, H. (Hg.), Prestel Lexikon Kunst und Künstler im 20. Jahrhundert. Prestel, München, London, New York.[Zuschlag 2002a]Zuschlag, Christoph (2002): Vom Kunstzitat zur Metakunst. Kunst über Kunst im 20. Jahrhundert. In: Mai, E. & Wettengl, K. (Hg.), Wettstreit der Künste. Malerei und Skulptur von Dürer bis Daumier. Edition Minerva, Wolfratshausen.[Zuschlag 2006a]Zuschlag, Christoph (2006): Auf dem Weg zu einer Theorie der Interikonizität. In: Horstkotte, S. & Leonhard, K. (Hg.), Lesen ist wie Sehen. Intermediale Zitate in Bild und Text. Böhlau, Köln. Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Anna Valentine Ullrich, Joerg R.J. Schirra, Dimitri Liebsch und Marcel Lemmes — (Hinweis) |
