Bildzitat: Unterschied zwischen den Versionen
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Jakob Steinbrenner (<bib id='Steinbrenner 1999a'></bib>; <bib id='Steinbrenner 2004a'></bib>: S. 217 ff.) kommt im Rück­griff auf Über­legun­gen von Good­man, Tarski und David­son zu dem Schluss, dass der Zitat­begriff in syntak­tischer Hin­sicht nicht auf den Be­reich des Bildes über­tragen werden kann. Er begrün­det seine Dar­stellung damit, dass die von ihm heraus­gear­beite­ten Merk­male sprach­licher Zita­te keine Ent­sprechung im Be­reich des Bildes besit­zen. Da­bei räumt er ein, dass auf der Ebe­ne der Seman­tik Merk­mals­ähn­lich­keiten vor­liegen könnten. | Jakob Steinbrenner (<bib id='Steinbrenner 1999a'></bib>; <bib id='Steinbrenner 2004a'></bib>: S. 217 ff.) kommt im Rück­griff auf Über­legun­gen von Good­man, Tarski und David­son zu dem Schluss, dass der Zitat­begriff in syntak­tischer Hin­sicht nicht auf den Be­reich des Bildes über­tragen werden kann. Er begrün­det seine Dar­stellung damit, dass die von ihm heraus­gear­beite­ten Merk­male sprach­licher Zita­te keine Ent­sprechung im Be­reich des Bildes besit­zen. Da­bei räumt er ein, dass auf der Ebe­ne der Seman­tik Merk­mals­ähn­lich­keiten vor­liegen könnten. | ||
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Sprachliche Zitate sind gemäß Stein­brenner durch fol­gende Aspekte ge­kenn­zeichnet. Ein Zitat be­steht aus einem Zeichen­vorkomm­nis, das von An­führungs­zeichen gerahmt oder durch andere Mittel hervor­gehoben wird, wobei es bestim­mte not­wendige syntak­tische und seman­tische Merk­male aufweist. Ein Zitat | Sprachliche Zitate sind gemäß Stein­brenner durch fol­gende Aspekte ge­kenn­zeichnet. Ein Zitat be­steht aus einem Zeichen­vorkomm­nis, das von An­führungs­zeichen gerahmt oder durch andere Mittel hervor­gehoben wird, wobei es bestim­mte not­wendige syntak­tische und seman­tische Merk­male aufweist. Ein Zitat deno­tiert und stimmt mit dem Zi­tierten im Typ über­ein. Zitier­bar sind keine fikti­ven oder zukünf­tigen, sondern nur von Per­sonen ge­machte, also bereits ver­wendete Äuße­rungen. Diese müssen aus ein­deutig iden­tifi­zier­baren Einzel­zeichen einer Sprache bestehen, die je­weils einem Typ zuzu­ordnen sind. | ||
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Das Zitieren von Bildern in Bildern wirft nun | Das Zitieren von Bildern in Bildern wirft nun ver­schiede­ne Proble­me in der Über­tragung sprach­licher Zitat­kennzei­chen auf. Kann ein im Bild dar­gestell­ter Rah­men oder eine Staf­felei als syntak­tische An­zeige, als An­führungs­zeichen eines darin ent­halte­nen Bild­zitats fungie­ren? Stein­brenner führt gegen diese Über­legung an, dass das im Rah­men Darge­stellte nicht zwangs­läufig ein Bild im Bild ist. Es kann auch nur der Rahmen selbst präsen­tiert werden. Zum einen bleibt offen, was ein Bild ist und wie Bil­der in Bil­dern abge­bildet werden können. Zum ande­ren exi­stiert in der For­schung keine Über­ein­stimmung in der Frage, ob es so etwas wie ato­mare Bild­zeichen gibt und wie diese zu Zeichen­kombin­ationen zu­sammen­gesetzt sind, wie also eine [[Bildgrammatik|Bild­gramma­tik]] zu denken wäre. Da im Bild das Buch­stabie­ren nicht mög­lich ist, fehlt die syntak­tische Über­prüfungs­mög­lich­keit, ob Zitier­tes und Zitat einan­der im Typ ent­sprechen. | ||
Wäh­rend prinzi­piell jeder sprach­liche Zitate ver­wenden und erken­nen kann – bis zu einem gewissen Grad auch ohne seman­tische Kompe­tenz –, ist dies bei bild­lichen Zita­ten nicht der Fall. | |||
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Steinbrenner kommt zu dem Schluss, dass im Fall des Bildes | Steinbrenner kommt zu dem Schluss, dass im Fall des Bildes auf­grund der feh­lenden Über­trag­bar­keit der Kenn­zeichen sprach­licher Zita­te sinn­voller­weise nicht von einem bild­lichen Zitat, son­dern von einer ''An­spielung'' gespro­chen werden sollte. Die An­spielung stellt eine unspe­zifische­re Form der Bezug­nahme dar, die ledig­lich manche Eigen­schaften des Zitier­ten exemp­lifi­ziert (<bib id='Steinbrenner 2004a'></bib>: S. 221). | ||
==Kunsthistorische Perspektive: Das | ==Kunsthistorische Perspektive: Das Bild­zitat im Kon­text weite­rer Bild­bezüge== | ||
In kunsthistorischen Untersuchungen liegt eine Fülle an Termini zur Beschreibung von Bildbeziehungen vor – etwa das Bild im Bild (<bib id='Asemissen & Schweikhart 1994a'></bib>; <bib id='Kemp 1995a'></bib>), die Parodie, Hommage, Allusion, Variation, Kopie u. ä. Christoph Zuschlag (<bib id='Zuschlag 2006a'></bib>) beklagt die uneinheitliche Begriffsverwendung in der Literatur und verweist auf die Schwierigkeit, die Vielfalt der vorhandenen Bildrelationen zu erfassen und zu systematisieren. Zudem liege weder eine konsensuelle theoretische Bestimmung des Bildzitats und seiner Abgrenzung zu anderen Referenzarten vor noch ein einheitliches Kategoriensystem zur Beschreibung und Analyse unterschiedlicher visueller Verweistechniken. So ist beispielsweise nicht klar, ob die zum Teil literaturwissenschaftlich geprägten Termini als semantische Kategorien gelten sollen, ob sie eine Verfahrenstechnik beschreiben oder auf welcher Ebene (etwa motivisch oder figurativ) Übernahmen stattfinden (<bib id='Rosen 2003a'></bib>: S. 162). | In kunsthistorischen Untersuchungen liegt eine Fülle an Termini zur Beschreibung von Bildbeziehungen vor – etwa das Bild im Bild (<bib id='Asemissen & Schweikhart 1994a'></bib>; <bib id='Kemp 1995a'></bib>), die Parodie, Hommage, Allusion, Variation, Kopie u. ä. Christoph Zuschlag (<bib id='Zuschlag 2006a'></bib>) beklagt die uneinheitliche Begriffsverwendung in der Literatur und verweist auf die Schwierigkeit, die Vielfalt der vorhandenen Bildrelationen zu erfassen und zu systematisieren. Zudem liege weder eine konsensuelle theoretische Bestimmung des Bildzitats und seiner Abgrenzung zu anderen Referenzarten vor noch ein einheitliches Kategoriensystem zur Beschreibung und Analyse unterschiedlicher visueller Verweistechniken. So ist beispielsweise nicht klar, ob die zum Teil literaturwissenschaftlich geprägten Termini als semantische Kategorien gelten sollen, ob sie eine Verfahrenstechnik beschreiben oder auf welcher Ebene (etwa motivisch oder figurativ) Übernahmen stattfinden (<bib id='Rosen 2003a'></bib>: S. 162). | ||
Version vom 3. April 2013, 18:34 Uhr
Unterpunkt zu: Bildpragmatik
Bildzitat: eine EinführungWas ist ein Bildzitat? Allgemein gesprochen lässt sich darunter eine zitierende, intramedial stattfindende Referenz zwischen Bildwerken heterogener Provenienz verstehen. Es handelt sich also um ein Bild in reflexiver Verwendung. Obwohl der Ausdruck in der Literatur häufig gebraucht wird, ist bislang ungeklärt, welche Merkmale ein Bildzitat erfüllen muss, um als solches zu gelten, und wie es von anderen Verweistechniken wie beispielsweise Variation, Anspielung, Parodie u. ä. zu unterscheiden ist. Bildzitate treten in diversen Bildmedien (etwa in der Malerei, Fotografie, im Comic) auf und liegen – historisch betrachtet – in unterschiedlichen Epochen der Kunst, aber auch in der Werbung und Alltagskultur vor. Demzufolge sind sie in allen gesellschaftlichen Bereichen anzufinden, in denen auf ein kulturelles Reservoir an Bildern zitierend Bezug genommen wird (⊳ Kunstgeschichte als Bildgeschichte). Die Frage nach einem Bildzitat ist eng verknüpft mit verschiedenen Themenfeldern, etwa, wie sich das Bildzitat zum Sprachzitat oder allgemeiner Bilder zur Sprache verhalten, in welchen Kategorien über Bilder reflektiert werden kann (Sprechen über Bilder) und inwiefern im Zuge eines iconic oder pictorial turn ein bildspezifischer Diskurs über Bildverweise in Abgrenzung zum sprachlichen Diskurs möglich ist (⊳ Bildwissenschaft als Sprach- und Bildkritik). Das Bildzitat ist Gegenstand in vier Forschungszusammenhängen, die mehr oder weniger unabhängig voneinander existieren. Eine gegenseitige Rezeption findet nur zum Teil statt.
Nelson Goodman: Sprach-, Bild- und MusikzitatNelson Goodman ([Goodman 1990a]Goodman, Nelson (1990): Weisen der Welterzeugung. Suhrkamp, Frankfurt/M.
Gemäß Goodmans Kriterien gilt das indirekte Zitat als basale Variante des Zitierens, in der das direkte Zitat mit seiner identischen Buchstabenabfolge des Zitierten einen Sonderfall darstellt. Zitierbar sind vom Buchstaben bis zum Satz alle schriftsprachlichen Ebenen.[2] In der Übertragung der genannten sprachlichen Zitatkriterien stellt Goodman fest, dass im Bereich des Bildes zum Enthaltensein kein Äquivalent vorhanden ist und im Bereich der Musik keines zur Referenz. Analog zur Bezugnahme auf das Zitierte im direkten Sprachzitat sucht Goodman nach Anführungszeichen im Bild und sieht sie in der Darstellung eines Rahmens oder einer Staffelei im Bild. Bezüglich des Enthaltenseins stellt sich dabei folgendes Problem. Da das Bild als autographische Kunst kein Alphabet besitzt, syntaktisch dicht ist und somit die exakte Wiederholung einer Buchstabenkombination nicht gegeben ist, stellt sich die Frage, was einer Replik im Bild entsprechen könnte. Repliken können zwar unterschiedlich ausgestaltet sein, sind aber durch die identische Repetition der Buchstabenabfolge gekennzeichnet, die im System einzigartig vorliegender Bildsymbole nicht vorhanden ist. Auch bei einer Kopie liegt, anders als man zunächst vermuten könnte, keine Entsprechung zu einer solchen identischen Repetition vor. Für ein indirektes Bildzitat könnte ebenfalls ein gemalter Rahmen als Anzeige einer Paraphrase dienen. Letztlich ist in diesem Zusammenhang der Kontext entscheidend. Schließlich sieht Goodman sowohl die Möglichkeit eines Zitats von Sprache im Bild als auch in umgekehrter Richtung. Klang ließe sich ebenfalls bildlich zitieren. So müsste beispielsweise eine Musikpartitur im Bild abgebildet sein, denn Notation und Klang stehen in einem ähnlichen Verhältnis wie geschriebene und gesprochene Sprache. Jakob Steinbrenner ([Steinbrenner 1999a]Steinbrenner, Jakob (1999): Zitatzeit – oder Füßchen der Gänse überall – oder worauf Zitate Bezug nehmen. In: Sachs-Hombach, K & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik.Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg. Sprachliche Zitate sind gemäß Steinbrenner durch folgende Aspekte gekennzeichnet. Ein Zitat besteht aus einem Zeichenvorkommnis, das von Anführungszeichen gerahmt oder durch andere Mittel hervorgehoben wird, wobei es bestimmte notwendige syntaktische und semantische Merkmale aufweist. Ein Zitat denotiert und stimmt mit dem Zitierten im Typ überein. Zitierbar sind keine fiktiven oder zukünftigen, sondern nur von Personen gemachte, also bereits verwendete Äußerungen. Diese müssen aus eindeutig identifizierbaren Einzelzeichen einer Sprache bestehen, die jeweils einem Typ zuzuordnen sind. Das Zitieren von Bildern in Bildern wirft nun verschiedene Probleme in der Übertragung sprachlicher Zitatkennzeichen auf. Kann ein im Bild dargestellter Rahmen oder eine Staffelei als syntaktische Anzeige, als Anführungszeichen eines darin enthaltenen Bildzitats fungieren? Steinbrenner führt gegen diese Überlegung an, dass das im Rahmen Dargestellte nicht zwangsläufig ein Bild im Bild ist. Es kann auch nur der Rahmen selbst präsentiert werden. Zum einen bleibt offen, was ein Bild ist und wie Bilder in Bildern abgebildet werden können. Zum anderen existiert in der Forschung keine Übereinstimmung in der Frage, ob es so etwas wie atomare Bildzeichen gibt und wie diese zu Zeichenkombinationen zusammengesetzt sind, wie also eine Bildgrammatik zu denken wäre. Da im Bild das Buchstabieren nicht möglich ist, fehlt die syntaktische Überprüfungsmöglichkeit, ob Zitiertes und Zitat einander im Typ entsprechen. Während prinzipiell jeder sprachliche Zitate verwenden und erkennen kann – bis zu einem gewissen Grad auch ohne semantische Kompetenz –, ist dies bei bildlichen Zitaten nicht der Fall. Steinbrenner kommt zu dem Schluss, dass im Fall des Bildes aufgrund der fehlenden Übertragbarkeit der Kennzeichen sprachlicher Zitate sinnvollerweise nicht von einem bildlichen Zitat, sondern von einer Anspielung gesprochen werden sollte. Die Anspielung stellt eine unspezifischere Form der Bezugnahme dar, die lediglich manche Eigenschaften des Zitierten exemplifiziert ([Steinbrenner 2004a]Steinbrenner, Jakob (2004): Zeichen über Zeichen. Grundlagen einer Theorie der Metabezugnahme. Synchron Wissenschaftsverlag der Autoren, Heidelberg.
Kunsthistorische Perspektive: Das Bildzitat im Kontext weiterer BildbezügeIn kunsthistorischen Untersuchungen liegt eine Fülle an Termini zur Beschreibung von Bildbeziehungen vor – etwa das Bild im Bild ([Asemissen & Schweikhart 1994a]Asemissen, Hermann Ulrich & Schweikhart, Gunter (1994): Malerei als Thema der Malerei. Akademie, Berlin. So wünschenswert in dieser Debatte ein epochen- und gattungsübergreifender Theoriebau auch wäre, so unklar ist dabei, ob dieser dem Wandel von Bildbegriffen und Kunstdiskursen im Laufe der Kunstgeschichte gerecht würde ([Zuschlag 2006a]Zuschlag, Christoph (2006): Auf dem Weg zu einer Theorie der Interikonizität. In: Horstkotte, S. & Leonhard, K. (Hg.), Lesen ist wie Sehen. Intermediale Zitate in Bild und Text. Böhlau, Köln. Martina Sitt und Attila Horányi beispielsweise verwerfen den Begriff des Zitats, da er – ähnlich wie der Terminus des Einflusses ([Baader 2003b]Baader, Hannah (2003): Einfluss. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen – Methoden – Begriffe. Metzler, Stuttgart, Weimar. Analysen von Bildzitaten in ihren Funktionen und Wirkungen finden meist epochenbezogen – etwa zu Zitattechniken im 20. Jahrhundert ([Belting 1998a]Belting, Hans (1998): Das unsichtbare Meisterwerk. Die modernen Mythen der Kunst. C.H. Beck, München. Zuschlag definiert das Zitat in Differenz zur Paraphrase ([Zuschlag 2002a]Zuschlag, Christoph (2002): Vom Kunstzitat zur Metakunst. Kunst über Kunst im 20. Jahrhundert. In: Mai, E. & Wettengl, K. (Hg.), Wettstreit der Künste. Malerei und Skulptur von Dürer bis Daumier. Edition Minerva, Wolfratshausen. Zuschlag verwendet diese Termini als Oberbegriffe für alle weiteren bildlichen Bezugnahmeformen, die besonders die Kunst des 20. Jahrhunderts prägen, in der der Rekurs auf die Kunstgeschichte charakteristisch ist. Belting spricht in diesem Zusammenhang von einer Zitatkunst als qualitativ neue Kunstform: „Werke, die nicht mehr geschaffen werden können, lassen sich nur noch zitieren. […] Nicht nur werden einzelne Werke wie Namen der Erinnerung zitiert: Sie stehen auch für einen Werkbegriff ein, an den sie nur noch erinnern.“ ([Belting 1998a]Belting, Hans (1998): Das unsichtbare Meisterwerk. Die modernen Mythen der Kunst. C.H. Beck, München. Im 20. Jahrhundert bieten die Reproduktionstechniken eine neuartige Verfügbarkeit der Vorbilder; gleichzeitig wird eine Lesbarkeit des zitierenden Bezugs für den Bildbetrachter vorausgesetzt oder erhofft und an seine Interpretationsleistung appelliert ([Sello 1979a]Sello, Katrin (1979): Vom Nutzen und Nachteil des Zitierens für die Kunst. In: Sello, K. (Hg.), Vom Nutzen und Nachteil des Zitierens für die Kunst. Kunstverein Hannover, Hannover. Als spezielle Kunstform, die sich mit visuellen Artefakten der Kunstgeschichte, aber auch mit Bildern der Populärkultur (Werbung und Massenmedien), auseinandersetzt, ist die Appropriation Art der 1980er Jahre zu nennen.
In Techniken wie Zitat und Wiederholung werden Vor-Bilder angeeignet, indem sie noch einmal gezeichnet, gemalt oder fotografiert werden. Diese erneute Schöpfung ist als kritische Reflektion von Autorschaft, Originalität und dem Verhältnis von Produzent und Rezipient zu verstehen([Wege 1999a]Wege, Astrid (1999): Appropriation Art. In: Sagner-Düchting, K. & Düchting, H. (Hg.), Prestel Lexikon Kunst und Künstler im 20. Jahrhundert. Prestel, München, London, New York. Das Zitat als Verweis auf konkrete Kunstwerke differenziert Zuschlag vom Phänomen der Metakunst ab den 1960er Jahren. Metakunst referiert nicht auf ein spezifisches Bild, sondern in einem erweiterten Sinne entweder auf die Institution Kunst, auf einen Topos oder thematisiert auf einer selbstreflexiven Metaebene Kunst an sich ([Zuschlag 2002a]Zuschlag, Christoph (2002): Vom Kunstzitat zur Metakunst. Kunst über Kunst im 20. Jahrhundert. In: Mai, E. & Wettengl, K. (Hg.), Wettstreit der Künste. Malerei und Skulptur von Dürer bis Daumier. Edition Minerva, Wolfratshausen.
Interbildlichkeit, Interpikturalität und InterikonizitätZur Darstellung von Bildbeziehungen wird bisweilen auf den literaturwissenschaftlichen Ansatz der Intertextualität zurückgegriffen, den Julia Kristeva in den 1970er Jahren zur Beschreibung von Textbeziehungen in Anlehnung an Michail Bachtins Konzept der Dialogizität entwickelte. Der Begriff der Intertextualität wird in kunstwissenschaftlichen Arbeiten zum Teil direkt auf das Medium Bild übertragen, da entweder explizit textähnliche Strukturen von Bild-Bild-Bezügen – etwa die intertextuelle Metamalerei ([Stoichita 1998a]Stoichita, Victor I. (1998): Das selbstbewusste Bild. Vom Ursprung der Metamalerei. Fink, München. Darüber hinaus liegen verschiedene Termini für Bildverweise vor, die intertextuelle Herangehensweisen adaptieren:
Das Bildzitat als juristischer GegenstandDas Zitieren von Bildern ist, wenn es das Urheberrecht eines Bildinhabers berührt, auch Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Die Frage nach der Zulässigkeit von Bildzitaten ist beispielsweise bei Abbildungen in wissenschaftlichen Publikationen relevant. Im Kontext des Internets und seiner weltweiten Verbreitung von Bildern besitzen Bildzitate unterschiedlichster Art eine große Virulenz ([Barabash 2010a]Barabash, Igor (2010): Das Bildzitat im Internet. Shaker, Aachen. Bereits 1886 wurde eine internationale „Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst“ zwischen den Ländern Deutschland, Belgien, Großbritannien, Schweiz, Italien, Spanien und Tunesien geschlossen, die in revidierter Form (die sogenannte RBÜ) immer noch Gültigkeit besitzt. Inzwischen ist sie von fast allen Staaten der Welt anerkannt worden. Laut RBÜ soll den Urhebern von Werken der Wissenschaft und Kunst ein Mindestrecht garantiert werden. Gleichzeitig gilt es, die Interessen der Urheber und der Nutzer eines Werkes im Sinne eines Allgemeinwohls und eines gesellschaftlichen Fortschritts in Einklang zu bringen. Die Voraussetzungen eines Zitats sehen wie folgt aus: Zunächst muss das zitierte, urheberrechtlich geschützte Werk bereits der Öffentlichkeit rechtmäßig vorliegen. Weiterhin muss der Zweck des Zitierens den Zitatumfang legitimieren und das Zitat mit den „anständigen Gepflogenheiten“ (RBÜ Art. 10, zitiert nach [Barabash 2010a]Barabash, Igor (2010): Das Bildzitat im Internet. Shaker, Aachen. Laut Calame und Thouvenin unterscheidet sich das Bildzitat von anderen Zitatarten durch seinen Umfang. Dem Sinn des Zitierens entspricht, aufgrund der Spezifika des Mediums Bild, meist nur das Zitieren des gesamten Werkes und nicht nur eines Ausschnitts. Dies ist, sofern die Verhältnismäßigkeit zum Gesamtwerk gegeben ist, rechtlich möglich ([Calame & Thouvenin 2008a]Calame, Thierry & Thouvenin, Florent (2008): Das Bildzitat. In: Schmitz, W. et al. (Hg.), Probleme des neuen Urheberrechts für die Wissenschaft, den Buchhandel und die Bibliotheken. Harrassowitz, Wiesbaden. In Deutschland ist das Zitatrecht in §51 UrhG ([1]) geregelt. Mit der Gesetzesnovelle des sogenannten zweiten Korbs des §51 UrhG vom 1. Januar 2008 gestaltet sich die Rechtslage folgendermaßen:
Siehe auch:
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Anmerkungen
Literatur
[Asemissen & Schweikhart 1994a]Asemissen, Hermann Ulrich & Schweikhart, Gunter (1994): Malerei als Thema der Malerei. Akademie, Berlin.[Baader 2003b]Baader, Hannah (2003): Einfluss. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen – Methoden – Begriffe. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Bal 1999a]Bal, Mieke (1999): Quoting Caravaggio. Contemporary Art, Preposterous History. The University of Chicago Press, Chicago.[Barabash 2010a]Barabash, Igor (2010): Das Bildzitat im Internet. Shaker, Aachen.[Baxmann 2001a]Baxmann, Inge (2001): Körperzitate. In: Gutenberg, A. & Poole, R.J. (Hg.), Zitier-Fähigkeit. Findungen und Erfindungen des Anderen. Erich Schmidt, Berlin.[Belting 1998a]Belting, Hans (1998): Das unsichtbare Meisterwerk. Die modernen Mythen der Kunst. C.H. Beck, München.[Birk 2012a]Birk, Elisabeth (2012): Nelson Goodmans Begriff der Exemplifikation und seine Anwendung in den Bildwissenschaften. In: Jäger, L.; Fehrmann, G. & Adam M. (Hg.), Medienbewegungen. Praktiken der Bezugnahme. Fink, München.[Böhn 1999a]Böhn, Andreas (1999): Intermediale Form- und Stilzitate in Photographie und Film bei Godard, Greenaway und Cindy Sherman. In: Böhn, A. (Hg.), Formzitate, Gattungsparodien, ironische Formverwendung: Gattungsformen jenseits von Gattungsgrenzen. Röhrig, St. Ingbert.[Calame & Thouvenin 2008a]Calame, Thierry & Thouvenin, Florent (2008): Das Bildzitat. In: Schmitz, W. et al. (Hg.), Probleme des neuen Urheberrechts für die Wissenschaft, den Buchhandel und die Bibliotheken. Harrassowitz, Wiesbaden.[Eilert 1991a]Eilert, Heide (1991): Das Kunstzitat in der erzählenden Dichtung. Studien zur Literatur um 1900. Steiner, Stuttgart.[Gamer 2007a]Gamer, Elisabeth-Christine (2007): Überlegungen zur Interikonizität. Malewitsch, Duchamp, Warhol und die Mona Lisa. In: Herrmann, K. & Hübenthal, S. (Hg.), Intertextualität. Perspektiven auf ein interdiziplinäres Arbeitsfeld. Shaker, Aachen.[Goodman 1990a]Goodman, Nelson (1990): Weisen der Welterzeugung. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Hammer-Tugendhat 2009a]Hammer-Tugendhat, Daniela (2009): Das Sichtbare und das Unsichtbare. Zur holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Böhlau, Köln.[Horstkotte & Leonhard 2006a]Horstkotte, Silke & Leonhard, Karin (Hg.) (2006): Lesen ist wie Sehen. Intermediale Zitate in Bild und Text. Böhlau, Köln.[Keitz 1994a]Keitz, Ursula von (1994): Dialogizität der Bilder. Bemerkungen zum Verhältnis von Bildender Kunst und Film aus semiotischer Sicht. In: Paech, J. (Hg.), Film, Fernsehen, Video. Strategien der Intermedialität. Metzler, Weimar.[Kemp 1995a]Kemp, Wolfgang (1995): Praktische Bildbeschreibung. Über Bilder in Bildern, besonders bei Van Eyck und Mantegna. In: Boehm, G. & Pfotenhauer, H. (Hg.), Beschreibungskunst – Kunstbeschreibung. Ekphrasis von der Antike bis zur Gegenwart. Fink, München.[Neumann 1980a]Neumann, Horst Peter (1980): Das Eigene und das Fremde. Über die Wünschbarkeit einer Theorie des Zitierens. Akzente. Zeitschrift für Literatur, 27, 4.[Rose 2006a]Rose, Margaret A. (2006): Parodie, Intertextualität, Interbildlichkeit. Aisthesis, Bielefeld.[Rosen 2003a]Rosen, Valeska von (2003): Interpikturalität. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen, Methoden, Begriffe. Metzler, Weimar.[Rosen et al. 2003a]Rosen, Valeska von; Krüger, Klaus & Preimesberger, Rudolf (2003): Der stumme Diskurs der Bilder. Reflexionsformen des Ästhetischen in der Kunst der Frühen Neuzeit. Deutscher Kunstverlag, Berlin.[Schmidt 2000a]Schmidt, Ulrike Kristin (2000): Kunstzitat und Provokation im 20. Jahrhundert. VDG, Weimar.[Schulz 2010a]Schulz, Martin (2010): Das interchrone Bild der Landschaft. Raumfahrt und Zeitreise bei Pieter Bruegel dem Älteren. In: Jacob, J. & Mayer, M. (Hg.), Im Namen des Anderen. Die Ethik des Zitierens. Fink, München.[Sello 1979a]Sello, Katrin (1979): Vom Nutzen und Nachteil des Zitierens für die Kunst. In: Sello, K. (Hg.), Vom Nutzen und Nachteil des Zitierens für die Kunst. Kunstverein Hannover, Hannover.[Sitt & Horányi 1993a]Sitt, Martina & Horányi, Attila (1993): Kunsthistorische Suite über das Thema des Zitats in der Kunst. In: Seipel, W. (Hg.), Diskurse der Bilder. Photokünstlerische Reprisen kunsthistorischer Werke. Kunsthistorisches Museum, Wien.[Steinbrenner 1999a]Steinbrenner, Jakob (1999): Zitatzeit – oder Füßchen der Gänse überall – oder worauf Zitate Bezug nehmen. In: Sachs-Hombach, K & Rehkämper, K. (Hg.), Bildgrammatik.Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen. Scriptum, Magdeburg.[Steinbrenner 2004a]Steinbrenner, Jakob (2004): Zeichen über Zeichen. Grundlagen einer Theorie der Metabezugnahme. Synchron Wissenschaftsverlag der Autoren, Heidelberg.[Stoichita 1998a]Stoichita, Victor I. (1998): Das selbstbewusste Bild. Vom Ursprung der Metamalerei. Fink, München.[Wagner 2006a]Wagner, Peter (2006): Nachwort. In: Horstkotte, S. & Leonhard, K. (Hg.), Lesen ist wie Sehen. Intermediale Zitate in Bild und Text. Böhlau, Köln.[Wege 1999a]Wege, Astrid (1999): Appropriation Art. In: Sagner-Düchting, K. & Düchting, H. (Hg.), Prestel Lexikon Kunst und Künstler im 20. Jahrhundert. Prestel, München, London, New York.[Zuschlag 2002a]Zuschlag, Christoph (2002): Vom Kunstzitat zur Metakunst. Kunst über Kunst im 20. Jahrhundert. In: Mai, E. & Wettengl, K. (Hg.), Wettstreit der Künste. Malerei und Skulptur von Dürer bis Daumier. Edition Minerva, Wolfratshausen.[Zuschlag 2006a]Zuschlag, Christoph (2006): Auf dem Weg zu einer Theorie der Interikonizität. In: Horstkotte, S. & Leonhard, K. (Hg.), Lesen ist wie Sehen. Intermediale Zitate in Bild und Text. Böhlau, Köln. Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Anna Valentine Ullrich, Joerg R.J. Schirra, Dimitri Liebsch und Marcel Lemmes — (Hinweis) |
