Wahrnehmungsillusion: Unterschied zwischen den Versionen
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Eine befriedigende Erklärung der Wahrnehmungs­täuschungen ist bisher nicht gelungen. Als gesichert gilt, dass sie unab­hängig vom Denken, von der Augen­bewegung und von den Netz­haut­prozessen sind. Vermut­lich hängen sie von den Kon­stanz­leistun­gen ab, die im engen Zusammen­hang mit der Tiefen- und Ent­fer­nungs­wahr­neh­mung stehen und für den Aus­gleich der stand­ort­beding­ten Verzer­rungen verant­wortlich gemacht werden (<bib id='Goldstein 1997a'></bib>: S. 237ff.). So ließe sich für die geo­metrisch-opti­schen Täuschungen an­nehmen, dass ein geo­metri­sches Gebilde un­will­kür­lich als Dar­stellung einer drei­dimen­sionale Szenen gesehen wird, auch wenn der ent­sprechende Dar­stellungs­kontext fehlt (<bib id='Gillam 1987a'></bib>: S. 109ff.). | Eine befriedigende Erklärung der Wahrnehmungs­täuschungen ist bisher nicht gelungen. Als gesichert gilt, dass sie unab­hängig vom Denken, von der Augen­bewegung und von den Netz­haut­prozessen sind. Vermut­lich hängen sie von den Kon­stanz­leistun­gen ab, die im engen Zusammen­hang mit der Tiefen- und Ent­fer­nungs­wahr­neh­mung stehen und für den Aus­gleich der stand­ort­beding­ten Verzer­rungen verant­wortlich gemacht werden (<bib id='Goldstein 1997a'></bib>: S. 237ff.). So ließe sich für die geo­metrisch-opti­schen Täuschungen an­nehmen, dass ein geo­metri­sches Gebilde un­will­kür­lich als Dar­stellung einer drei­dimen­sionale Szenen gesehen wird, auch wenn der ent­sprechende Dar­stellungs­kontext fehlt (<bib id='Gillam 1987a'></bib>: S. 109ff.). | ||
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Innerhalb der Bildtheorie ist die Wahr­nehmungs­täuschung in der so genannte illu­sio­nistischen Bild­theorie bedeut­sam, der zufolge sich ein Bild dadurch aus­zeichnet, dass es die Illusion der Anwe­senheit eines nur dar­gestell­ten Gegen­standes erweckt. Wird dieser Anspruch als eine notwendige Bedingung des Bild­seins (bzw. der Ab­bildungs­bezie­hung) formuliert, dann wäre ein Gegen­stand nur dann ein Bild (bzw. nur dann das Bild eines bestimmten Objekts), wenn es im Betrachter den irr­tüm­lichen Ein­druck erzeugt, dass er nicht ein Bild, sondern den dar­gestell­ten Gegenstand selbst | Innerhalb der Bildtheorie ist die Wahr­nehmungs­täuschung in der so genannte illu­sio­nistischen Bild­theorie bedeut­sam, der zufolge sich ein Bild dadurch aus­zeichnet, dass es die Illusion der Anwe­senheit eines nur dar­gestell­ten Gegen­standes erweckt. Wird dieser Anspruch als eine notwendige Bedingung des Bild­seins (bzw. der Ab­bildungs­bezie­hung) formuliert, dann wäre ein Gegen­stand nur dann ein Bild (bzw. nur dann das Bild eines bestimmten Objekts), wenn es im Betrachter den irr­tüm­lichen Ein­druck erzeugt, dass er nicht ein Bild, sondern den dar­gestell­ten Gegenstand selbst an­schaut. Da eine der­art über­trieben formu­lierte Theorie höchstens auf die Trompe-l'œil-Malerei zutrifft, wird sie nicht ernst­haft vertei­digt. Sicher­lich hat sie Ernst Gombrich (<bib id='Gombrich 1962a'></bib>), der zuweilen als ihr promi­nentester Vertre­ter gilt, ledig­lich in sehr abge­schwächten Form intendiert, nach der die Bild­wahr­nehmung auf Pro­zessen beruht, die der Gegen­stands­wahrnehmung vergleich­bar sind. Der Illu­sions­charakter bezieht sich danach (vor allem) auf den Ein­druck einer imagi­nären Räum­lich­keit, die den Bild­status aber keines­wegs fraglich werden lässt (⊳ [[Dezeptiver und immersiver Modus]]). | ||
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Version vom 19. Februar 2013, 22:30 Uhr
Unterpunkt zu: Wahrnehmungstheorien: Übersicht
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Als Wahrnehmungsillusionen oder Wahrnehmungstäuschungen im weiten Sinn gelten neben den optischen Täuschungen Halluzinationen, Luftspiegelungen, durch Drogeneinwirkung veränderte Wahrnehmungen oder auch ganz allgemein die kontextsensitive Beschaffenheit der Sinnesempfindung. Wahrnehmungstäuschungen im engen Sinne liegen vor, wenn eine Abweichung von der üblichen (physikalischen) Beschreibung des Wahrgenommenen sowie eine Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen Sinnesmodalitäten auftreten. Während Descartes mit Hinweis auf die klassischen Sinnestäuschungen die Erkenntnisleistung der Sinne kritisierte, schrieb Kant derartige Täuschungen prinzipiell dem Verstand zu. Einen thematischen Schwerpunkt innerhalb der experimentellen Wahrnehmungsforschung bilden nur die dem Wahrnehmungssystem immanenten Täuschungen, also nicht die durch physikalische Randbedingungen verursachten (z.B. der im Wasser geknickt erscheinende Stab). In der zweiten Hälfte des 19. Jh.s sind insbesondere die Raumtäuschungen (etwa der am Horizont vergrößert erscheinende Mond) und die geometrisch-optischen (auch haptisch nachweisbaren) Täuschungen (etwa die Figuren von Müller-Lyer, Ponzo oder Lipps) untersucht worden. Für die übrigen Sinnesmodalitäten lassen sich teilweise vergleichbare Täuschungen feststellen ([Campenhausen 1993a]Campenhausen, Christoph (1993): Die Sinne des Menschen. Einführung in die Psychophysik der Wahrnehmung. Thieme, New York. Eine befriedigende Erklärung der Wahrnehmungstäuschungen ist bisher nicht gelungen. Als gesichert gilt, dass sie unabhängig vom Denken, von der Augenbewegung und von den Netzhautprozessen sind. Vermutlich hängen sie von den Konstanzleistungen ab, die im engen Zusammenhang mit der Tiefen- und Entfernungswahrnehmung stehen und für den Ausgleich der standortbedingten Verzerrungen verantwortlich gemacht werden ([Goldstein 1997a]Goldstein, E. Bruce (1997): Wahrnehmungspsychologie. Eine Einführung. Springer, Heidelberg u.a. Innerhalb der Bildtheorie ist die Wahrnehmungstäuschung in der so genannte illusionistischen Bildtheorie bedeutsam, der zufolge sich ein Bild dadurch auszeichnet, dass es die Illusion der Anwesenheit eines nur dargestellten Gegenstandes erweckt. Wird dieser Anspruch als eine notwendige Bedingung des Bildseins (bzw. der Abbildungsbeziehung) formuliert, dann wäre ein Gegenstand nur dann ein Bild (bzw. nur dann das Bild eines bestimmten Objekts), wenn es im Betrachter den irrtümlichen Eindruck erzeugt, dass er nicht ein Bild, sondern den dargestellten Gegenstand selbst anschaut. Da eine derart übertrieben formulierte Theorie höchstens auf die Trompe-l'œil-Malerei zutrifft, wird sie nicht ernsthaft verteidigt. Sicherlich hat sie Ernst Gombrich ([Gombrich 1962a]Gombrich, Ernst H. (1962): Art and Illusion. A Study in the Psychology of Pictorial Representation. Phaidon, London. Siehe auch: |
Anmerkungen
Literatur
[Campenhausen 1993a]Campenhausen, Christoph (1993): Die Sinne des Menschen. Einführung in die Psychophysik der Wahrnehmung. Thieme, New York.[Gillam 1987a]Gillam, Barbara (1987): Geometrisch-optische Täuschungen. Spektrum der Wissenschaft: Wahrnehmung und visuelles System.[Goldstein 1997a]Goldstein, E. Bruce (1997): Wahrnehmungspsychologie. Eine Einführung. Springer, Heidelberg u.a.[Gombrich 1962a]Gombrich, Ernst H. (1962): Art and Illusion. A Study in the Psychology of Pictorial Representation. Phaidon, London.[Sachs-Hombach 2013g-e]Sachs-Hombach, Klaus (2013). Wahrnehmungsillusion. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Wahrnehmungsillusion]. Verantwortlich: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Stefan Kahl — (Hinweis) |