Referenz, Denotation, Exemplifikation: Unterschied zwischen den Versionen
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„Denotation“ nennt man die Bezugnahmerelation zwischen einem Symbol und dem, was es bezeichnet. In diesem Sinn stammt der Begriff aus der Logik, wo man den Begriffsumfang (dem, worauf er zutrifft, der Extension) und dem Inhalt eines Begriffs (dem, was er besagt, der Intension) unterscheidet. „Denotation“ in diesem Sinne bezieht sich auf die Extension und wird in vielen Fällen auch gleichbedeutend mit „Referenz“ allgemein verwendet. <ref> In einem anderen Sinn wird die Bezeichnung „Denotation“ auch manchmal als Gegenbegriff zu „Konnotation“. verwendet, um den deskriptiven, situationsunabhängigen Sinn eines Begriffs zu bezeichnen. </ref> | „Denotation“ nennt man die Bezugnahmerelation zwischen einem Symbol und dem, was es bezeichnet. In diesem Sinn stammt der Begriff aus der Logik, wo man den Begriffsumfang (dem, worauf er zutrifft, der Extension) und dem Inhalt eines Begriffs (dem, was er besagt, der Intension) unterscheidet. „Denotation“ in diesem Sinne bezieht sich auf die Extension und wird in vielen Fällen auch gleichbedeutend mit „Referenz“ allgemein verwendet. <ref> In einem anderen Sinn wird die Bezeichnung „Denotation“ auch manchmal als Gegenbegriff zu „Konnotation“. verwendet, um den deskriptiven, situationsunabhängigen Sinn eines Begriffs zu bezeichnen. </ref> | ||
Im Zusammenhang der Bildtheorie kommt der Begriff da ins Spiel, wo es um die Frage geht, was ein Bild zu einem Bild von etwas macht. Nelson Goodman hat diese Frage in Sprachen der Kunst folgendermaßen beantwortet: | Im Zusammenhang der Bildtheorie kommt der Begriff da ins Spiel, wo es um die Frage geht, was ein Bild zu einem Bild von etwas macht. Nelson Goodman hat diese Frage in Sprachen der Kunst folgendermaßen beantwortet: “The plain fact is that a picture, to represent an object, must be a symbol for it, stand for it, refer to it; […] Denotation is the core of representation […].” (<bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968a</bib>: S.5) Goodman erweitert den Begriff der Denotation von einem bestimmten Typ sprachlicher Ausdrücke auf alle Arten von Symbolen und wendet sich damit gegen die Vorstellung, Abbildbeziehungen beruhten auf Ähnlichkeit.<ref>Kurz gesagt, ist Goodmans Argumentation die folgende: Ähnlichkeit kann weder eine hinreichende Bedingung für bildliche Darstellung sein (da die Ähnlichkeitsrelation symmetrisch und reflexiv ist, die Abbildbeziehung aber nicht), noch kann sie eine notwendige Bedingung sein: „Pei’s pyramid can denote my cat, if we establish a convention to that effect.“ (<bib id='Elgin 1993a'>Elgin 1993a</bib>: S.173) Entscheidend ist aber, daß wir überhaupt kein Kriterium dafür haben, welche der unzähligen Ähnlichkeiten zwischen zwei Objekten hier die ausschlaggebende ist: “[F]or the object before me is a man, a swarm of atoms, a complex of cells, a fiddler, a friend, a fool, and much more. [...] If all are ways the object is, then none is the way the object is. I cannot copy all these at once” (<bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968a</bib>: S.6f.). (Zu den genannten Punkten vgl. <bib id='Scholz 2004a'>Scholz 2004a</bib>: S.17ff.)</ref> | ||
Um den Referenzbegriff allgemein für jeden Symbolgebrauch anwendbar zu machen, genügt es aber nicht, den Denotationsbegriff zu erweitern, denn es gibt eine ganze Reihe von semantischen Problemen, die auf diese Weise nicht zu lösen sind, z.B.: | Um den Referenzbegriff allgemein für jeden Symbolgebrauch anwendbar zu machen, genügt es aber nicht, den Denotationsbegriff zu erweitern, denn es gibt eine ganze Reihe von semantischen Problemen, die auf diese Weise nicht zu lösen sind, z.B.: | ||
* die Frage der Nulldenotation (was stellen Bilder von fiktionalen Gestalten oder Fabelwesen eigentlich dar?), | * die Frage der Nulldenotation (was stellen Bilder von fiktionalen Gestalten oder Fabelwesen eigentlich dar?), | ||
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* die Frage nach dem Ausdruck oder der Stimmung eines Bildes sowie | * die Frage nach dem Ausdruck oder der Stimmung eines Bildes sowie | ||
*die Frage nach Unterschieden in der Darstellungsweise. | *die Frage nach Unterschieden in der Darstellungsweise. | ||
Um solche Probleme zu lösen führt Goodman den Begriff der Exemplifikation ein. Exemplifikation ist neben Denotation der zweite Modus der Bezugnahme. Sie verläuft in umgekehrter Richtung zur Denotation, also vom symbolisierten Gegenstand zum Symbol – der Gegenstand fungiert als Muster oder Beispiel für das Symbol bzw. die Eigenschaften | Um solche Probleme zu lösen führt Goodman den Begriff der Exemplifikation ein. Exemplifikation ist neben Denotation der zweite Modus der Bezugnahme. Sie verläuft in umgekehrter Richtung zur Denotation, also vom symbolisierten Gegenstand zum Symbol – der Gegenstand fungiert als Muster oder Beispiel für das Symbol bzw. die Eigenschaften “that the picture makes manifest, selects, focuses upon, exhibits, heightens in our consciousness – those that it shows forth – in short, those properties, that it does not merely possess but exemplifies, stands as a sample of.” (<bib id='Goodman 1978a'>Goodman 1978a</bib>: S. 65) | ||
Goodman erläutert die Eigenschaften der Exemplifikation am Beispiel von Stoffmustern in einem Musterbuch: | Goodman erläutert die Eigenschaften der Exemplifikation am Beispiel von Stoffmustern in einem Musterbuch: | ||
* Exemplifikation ist selektiv (so wie das Stoffmuster ein Muster für die Farbe, aber in der Regel nicht für die Größe des zu verkaufenden Stoffstücks ist) (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968a</bib>: S.53). Welche Eigenschaften wir jeweils für relevant halten ist kontextabhängig (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968a</bib>: S.54) (im Falle des Stoffkaufs gehört es zu unserem Weltwissen, daß die Größe des Musters irrelevant ist). | * Exemplifikation ist selektiv (so wie das Stoffmuster ein Muster für die Farbe, aber in der Regel nicht für die Größe des zu verkaufenden Stoffstücks ist) (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968a</bib>: S.53). Welche Eigenschaften wir jeweils für relevant halten ist kontextabhängig (vgl. <bib id='Goodman 1968a'>Goodman 1968a</bib>: S.54) (im Falle des Stoffkaufs gehört es zu unserem Weltwissen, daß die Größe des Musters irrelevant ist). | ||
Version vom 4. Dezember 2012, 17:53 Uhr
Unterpunkt zu: Bildsemantik
Darstellung des gr. ZusammenhangsEine der grundlegenden Debatten in der Bildtheorie beschäftigt sich mit der Frage, ob Ähnlichkeit konstitutiv für ikonische Darstellung ist. Neuestens hat etwa F. Stjernfelt im Rückgriff auf Peirce diese Position vertreten (vgl. [Stjernfelt 2007a]Stjernfelt, Frederik (2007): Diagrammatology. An Investigation on the Borderlines of Phenomenology, Ontology, and Semiotics. Springer, Dordrecht.
Engere Begriffsbestimmung„Denotation“ nennt man die Bezugnahmerelation zwischen einem Symbol und dem, was es bezeichnet. In diesem Sinn stammt der Begriff aus der Logik, wo man den Begriffsumfang (dem, worauf er zutrifft, der Extension) und dem Inhalt eines Begriffs (dem, was er besagt, der Intension) unterscheidet. „Denotation“ in diesem Sinne bezieht sich auf die Extension und wird in vielen Fällen auch gleichbedeutend mit „Referenz“ allgemein verwendet. [2]
Im Zusammenhang der Bildtheorie kommt der Begriff da ins Spiel, wo es um die Frage geht, was ein Bild zu einem Bild von etwas macht. Nelson Goodman hat diese Frage in Sprachen der Kunst folgendermaßen beantwortet: “The plain fact is that a picture, to represent an object, must be a symbol for it, stand for it, refer to it; […] Denotation is the core of representation […].” ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Um solche Probleme zu lösen führt Goodman den Begriff der Exemplifikation ein. Exemplifikation ist neben Denotation der zweite Modus der Bezugnahme. Sie verläuft in umgekehrter Richtung zur Denotation, also vom symbolisierten Gegenstand zum Symbol – der Gegenstand fungiert als Muster oder Beispiel für das Symbol bzw. die Eigenschaften “that the picture makes manifest, selects, focuses upon, exhibits, heightens in our consciousness – those that it shows forth – in short, those properties, that it does not merely possess but exemplifies, stands as a sample of.” ([Goodman 1978a]Goodman, Nelson (1978): Ways of Worldmaking. Hackett, Indianapolis.
Mit Hilfe der Exemplifikation lassen sich die oben genannten Probleme der Referenz lösen, denn auch Symbole können natürlich Gegenstände von Symbolisierung sein und damit ihrerseits alle diejenigen Symbole exemplifizieren, die auf sie zutreffen.
Auf diese Weise sichert die Einführung des Exemplifikationsbegriffs die allgemeine Anwendbarkeit der Symboltheorie.
optional BeispieleAuswirkungen auf andere BegriffeIn Sprachen der Kunst geht es Goodman unter anderem darum, formale Eigenschaften von Symbolgebrauch zu finden, die als „symptoms of the aesthetic“ ([Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
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Anmerkungen
Literatur
[Elgin 1993a]Elgin, Catherine Z. (1993): Relocating Aesthetics. Goodman’s Epistemic Turn. Revue Internationale de Philosophie, 46.[Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.[Goodman 1978a]Goodman, Nelson (1978): Ways of Worldmaking. Hackett, Indianapolis.[Nöth 2000b]Nöth, Winfried (2000): Handbuch der Semiotik. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.[Stjernfelt 2007a]Stjernfelt, Frederik (2007): Diagrammatology. An Investigation on the Borderlines of Phenomenology, Ontology, and Semiotics. Springer, Dordrecht. Verantwortlich: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Elisabeth Birk und Marcel Lemmes — (Hinweis) |