Glossar-English:Nomination: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 17. August 2023, 11:58 Uhr
Unterpunkt zu: Sign theories: Overview
Original: Nomination
Nomination as an unsaturated part of propositionsIf one asks about the pragmatics of signs, one quickly associates a combinatorial scheme similar to the one that reconstructs the pragmatic function of statements from the partial sign acts of nomination and predication. Especially in the case of images – or, more precisely, in the case of communication actions with the help of images – it is often investigated whether those partial functions might not provide a system of elementary communicative acts generating image pragmatics (cf. [Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommunikatives Medium. Elemente einer allgemeinen Bildwissenschaft. Halem, Köln. In particular, without the completion to a proposition by a predication, the mentioning of an object by the nomination would stand communicatively in empty space, so to speak.
Types and requirements of nominationIn connection with pointing gestures, deictic expressions – "this/these" etc. – often serve to perform the sub-action »nomination«, especially when the current communication situation and the material objects „given in it“ are meant. The function of nomination is not limited to such objects: Even with the expressions ‘the last unicorn’, ‘this idea of the beautiful’, ‘Otto von Guericke’, or ‘Harry Potter's antagonist’, we can indeed refer to discourse objects. In the first case, it is a definite description of a fictitious object, in the second case a deictic description of an abstract object, in the third case a proper name for a real object in the past, and in the fourth case a complex nomination with proper name and describing elements for a medially invented object.
Wichtig ist in allen Fällen, dass die jeweiligen Kommunikationspartner die gemeinten Gegenstände bereits kennen und in irgendeiner Form von den anderen gerade aktuellen Diskursgegenständen auseinanderhalten können. Eine Nomination kann nämlich nur erfolgreich durchgeführt werden, wenn klar ist, welche Menge von Gegenständen überhaupt gerade zur Auswahl steht, d.h. über welches Diskursuniversum die Kommunikationspartner sich gerade verständigen. Für die deiktischen Nominationsformen ist sofort klar, dass dies die Äußerungssituation sein muss, in der sich die Gesprächspartner befinden, also genauer: die Gegenstände, die sie dort (gemeinsam) wahrnehmen können.[3] Im allgemeinen Fall beziehen sich die Nominationen auf einen Kontext, der entweder implizit[4] klar ist oder explizit[5] angegeben wurde.
Bildhafte Nominationen?Inwiefern ist die Teilhandlung »Nomination« für die Bildverwendung relevant? Immerhin reden wir umgangssprachlich oft so, dass wir uns mithilfe eines Bildes einen bestimmten Gegenstand vor Augen (und Geist) führen. Sollte möglicherweise gar die Nomination die grundlegende Form des Bildgebrauchs sein? Wäre das der Fall, dann müsste die Nomination jeder Bildverwendung zu Grunde liegen. Beispielsweise empfinden wir es als nicht ungewöhnlich, wenn jemand das Bild einer großen, rot angestrichenen Hängebrücke mit zwei auffällig gestalteten Pfeilern präsentiert (Abb. 1) und dazu knapp bemerkt: „Ist 1936 gebaut worden.“ Der Bildzeichenakt übernimmt also anscheinend die Rolle der Nomination; hier gilt ebenso wie bei den rein sprachlichen Nominationen, dass auch der passive Diskurspartner jenes Objekt bereits als gemeinsam bekannt verstehen muss, da er ansonsten nicht wüsste, worauf er die Prädikation des Baujahres überhaupt beziehen soll. Die modale Bildtheorie widerspricht dieser Analyse der Beispielsituation: Bei der anscheinend nominatorisch eingesetzten Abbildung der Golden Gate-Brücke eröffne das Bild vielmehr einen referentiellen Kontext mit dem intentionalen Gegenstand als (potentielle) Figur vor einem (potentiellen) Grund. Über diesen wird dann (unter der Annahme, dass das Gegenüber den individuellen Gegenstand auch visuell erkennt) das nicht wahrnehmbare Baujahr prädiziert. Tatsächlich wird ja nicht das gesamte Bild nominatorisch benutzt – der Himmel, der Ozean, die Insel hinter der Brücke oder ein Boot davor, die ebenfalls zu sehen sein mögen, sind in diesem Fall nicht angesprochen, obwohl im letzten Fall die angegebene Prädikation durchaus auch verwendbar sein könnte. Diese abgebildeten Gegenstände könnten aber bei Gelegenheit jeweils ebenfalls als Figur herausgegriffen werden (⊳ Gegenstand der visuellen Wahrnehmung). Tatsächlich treten, wenn man versucht, Bildverwendung im Sinne einer der Nominationsarten zu verstehen, eine Reihe charakteristischer Probleme auf, die jeweils Besonderheiten der Bildverwendung unterstreichen können. Im Folgenden sind diese Probleme der Situation gegenübergestellt, dass eine entsprechende sprachliche Nominationsform die Bildpräsentation begleitet. Bilder und deiktische oder anaphorische AusdrückeBilder im Sinne von deiktischen Ausdrücken zu verwenden, also etwa an Stelle der Äußerung von ‘Dies!’ und zusammen mit einer (nicht auf das Bild gerichteten) Zeigegeste, ist nicht recht vorstellbar, müsste doch der damit gemeinte Gegenstand dann immer zugleich zugegen sein. Man würde diese Präsentationshandlungen jedenfalls üblicherweise nicht in dem hier intendierten Sinn verstehen. Für anaphorische Nomination gilt prinzipiell Analoges: Sie können durch Bildverwendung nicht ersetzt werden. Umgekehrt kann man aber sehr wohl mit Anaphern auch ohne Vorerwähntheit auf abgebildete Gegenstände sprachlich verweisen, ebenso wie dazu ein Demonstrator mit Zeigegeste in Richtung auf das Bild häufig ohne Probleme verwendet werden kann. Bilder und EigennamenGenerell wird nicht davon ausgegangen, dass Bilder wie Eigennamen funktionieren können, da Eigennamen in einer (mehr oder weniger weit gefassten) Taufsituation konventionell eingesetzt werden müssen. Bei Bildern steht hingegen zumindest im Kernbereich eine (mehr oder weniger starke) nicht-konventionelle Darstellungsbeziehung im Fokus der Aufmerksamkeit. Umgekehrt werden Eigennamen faktisch häufig mit einer Bildverwendung in Zusammenhang gebracht, etwa bei Portraits, Passbildern oder der Abbildung bekannter Bauwerke. Wäre die Bildverwendung im Grunde analog einer Nomination per Eigenname, so würde ein solches Verhalten keinen Sinn machen, da entweder der sprachliche oder der bildhafte Eigenname allein bereits ausreichen würde, um den Gegenstand zu identifizieren oder aber beide als Nomination jeweils versagen. Bilder und KennzeichnungenViel näher scheint es hingegen zu liegen, Bilder im Sinne von Kennzeichnungen zu gebrauchen, wird ein abgebildeter Gegenstand doch vor allem mithilfe seiner visuellen Eigenschaften präsentiert. Kennzeichnungstheorien des Bildes sind häufig eingebettet in Prädikationstheorien (⊳ Prädikation), da jede Kennzeichnung im Kern auf eine vorgängige Prädikation zurückgreift (so etwa bei Sachs-Hombach). Ein Gegenstand werde entsprechend bildlich identifiziert, indem seine bekannten visuellen Charakteristika verwendet werden. Wie oben erwähnt wird in einem darstellenden Bild aber in der Regel mehr als ein einzelner isolierter Gegenstand gezeigt. Wie schon bei den Eigennamen werden auch sprachliche Kennzeichnungen viel eher im Zusammenhang von Bildern verwendet, genauer: Kennzeichnungen werden dazu verwendet, um auf Gegenstände, die durch die Bildpräsentation medial ins Diskursuniversum eingeführt wurden, verweisen zu können und über diese etwas auszusagen. Vor allem der Gebrauch deiktischer Kennzeichnungen ist in dieser Hinsicht aufschlussreich: Denn auf was zeigt man eigentlich, wenn man auf eine Stelle eines Bildträgers deutet und dabei eine deiktische Kennzeichnung benutzt, die einen abgebildeten Gegenstand identifiziert? Dass dabei ein einzelner, dem Gesprächspartner als bekannt vorausgesetzter Gegenstand gemeint ist ergibt sich aus der allgemeinen Funktion der Nomination. Dass dieser gemeinte Gegenstand als zumindest in gewissem Sinn anwesend gelten muss, folgt aus der Verwendung der deiktischen Partikel zusammen mit der Zeigegeste. Genauer gesagt hat die Verwendung des Bildes in diesem Fall also die Funktion, die Kommunikationssituation um nicht anwesende Gegenstände zu erweitern. Es handelt sich demnach um eine Kontextbildung im Sinne der modalen Bildtheorie. Bilder als eigenständige Form der NominationOffen bleibt derzeit, ob sich mithilfe von Bildpräsentationen eine ganz eigenständige Art der Nomination durchführen lässt, die nicht mit den Mechanismen der sprachlichen Nominationen übereinstimmt. Es müsste dabei um eine Zeichenteilhandlung gehen, durch die man, um darüber etwas Weiteres mitzuteilen, einen dem Gegenüber bereits bekannten Gegenstand in den gemeinsamen Fokus der Aufmerksamkeit rückt, indem man weder konventionell vergebene Symbole noch charakteristische Eigenschaften, weder ostensive Deixis noch Vorerwähntheit ausnutzt. Welche Gegenstände identifizieren ungegenständliche Bilder?Unter der Hypothese einer prinzipiell nominatorischen Grundverwendung von Bildern muss auch die Frage geklärt werden, welche Gegenstände dann eigentlich mithilfe von ungegenständlichen Bildern identifiziert werden. Alles in allem erscheint damit die Nomination als Basisform der Bildverwendung wenig überzeugend (⊳ Semantik ungegenständlicher Bilder).
Nominator, singulärer Ausdruck und SatzsubjektDie sprachlichen Ausdrücke, mit deren Hilfe eine Nomination ausgeführt wird, werden ‘Nominatoren’ genannt. Sie entsprechen weitgehend dem, was mit dem älteren Ausdruck ‘singuläre Termini’ bezeichnet wurde, analog zu den ‘generellen Termini’ (cf. [Tugendhat & Wolf 1983a]Tugendhat, Ernst & Wolf, Ursula (1983): Logisch-semantische Propädeutik. Reclam, Stuttgart. Obwohl mit dem Satzsubjekt in aller Regel eine Nomination ausgeführt wird, gibt es Ausnahmen: die Sätze mit unpersönlich gebrauchtem ‘es’, wie in ‘es regnet’. Diese bilden daher im engeren Sinn auch keine Propositionen. |
Notes
Literature
[Gerhardus et al. 1975a]Gerhardus, Dietfried; Kledzik, Silke M. & Reitzig, Gerd H. (1975): Schlüssiges Argumentieren – Logisch-propädeutisches Lehr- und Arbeitsbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Harth 2001a]Harth, Manfred (2001): Bezugnahme bei Bildern. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildhandeln: Interdisziplinäre Forschungen zur Pragmatik bildhafter Darstellungsformen. Halem, Köln.[Kamlah & Lorenzen 1973a]Kamlah, Wilhelm & Lorenzen, Paul (1973): Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. BI Wissenschaftsverlag, München.[Lorenz 1970a]Lorenz, Kuno (1970): Elemente der Sprachkritik – Eine Alternative zum Dogmatismus und Skeptizismus in der Analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommunikatives Medium. Elemente einer allgemeinen Bildwissenschaft. Halem, Köln.[Tugendhat & Wolf 1983a]Tugendhat, Ernst & Wolf, Ursula (1983): Logisch-semantische Propädeutik. Reclam, Stuttgart.[Tugendhat 1976a]Tugendhat, Ernst (1976): Vorlesungen zur Einführung in die sprachanalytische Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M. Version 1: 2013 Responsible: Editing: Contributions by: Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Note) Quote as: [Schirra 2013g-u]Schirra, Jörg R.J. (2013). Nomination. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Nomination]. |
