Sprechen über Bilder: Unterschied zwischen den Versionen
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==Formen des Über-Bilder-​Redens== | ==Formen des Über-Bilder-​Redens== | ||
Gibt es unterschiedliche Formen des Über-​Bilder-​Redens? Und welche sprachli­chen Formen sind es, die uns erlau­ben, über Bilder zu reden? Ein Bild kann in einer sprachli­chen Handlung einge­bunden sein, ohne dass wir deshalb über das Bild reden. Wenn man beispiels­weise ein Bild dazu verwen­det, um sein Gegen­über mithil­fe des Bildes auf etwas [[ | Gibt es unterschiedliche Formen des Über-​Bilder-​Redens? Und welche sprachli­chen Formen sind es, die uns erlau­ben, über Bilder zu reden? Ein Bild kann in einer sprachli­chen Handlung einge­bunden sein, ohne dass wir deshalb über das Bild reden. Wenn man beispiels­weise ein Bild dazu verwen­det, um sein Gegen­über mithil­fe des Bildes auf etwas [[Aufmerksamkeit|aufmerk­sam]] zu machen: Redet man dann über­haupt ''über'' das Bild? In einer schwachen Lesart kann man hier sicher­lich von einem ‘über etwas reden’ sprechen (vgl. <bib id='Steinbrenner 2004a'>Stein­brenner 2004a</bib>; Abschn. II.1), da man sich auf einen funktio­nalen Aspekt des Bildes bezieht (etwa, dass das Bild eine bestimm­te Person darstellt). Will man verschie­dene Weisen des über Bilder Redens klassi­fizieren, ist es nötig, sich zumin­dest eini­germa­ßen über die Eigen­arten von Bildern im Klaren zu sein. Man kann sich beispiels­weise auf [[Material|mate­rielle]] Aspek­te von Bildern bezie­hen, aber ebenso auf [[Bildwahrnehmung|Wahrneh­mungser­lebnis­se]] von Bildern, auf den [[Bildinhalt|Inhalt von Bildern]] u.s.f.<ref>Man ver­glei­che da­zu die Stu­fen des Bild­ver­ste­hens von Oli­ver R. Scholz, <bib id='Scholz 2004a'></bib>: Abschn. 5.4.</ref> Wenn man über Bilder redet, kann man sich auf jeden Aspekt, der das Verste­hen einer jewei­ligen Stufe des Verste­hens eigen ist, bezie­hen. Diese Bezug­nahme garan­tiert, dass man über das jewei­lige Bild spricht. Und dies geschieht beispiels­weise in der Kunstge­schichte. Wobei sich die tradi­tionel­le Kunstge­schichte zumeist auf die Stufe 5, dem Verste­hen des [[Bildinhalt|Bildin­halts]] (<bib id='Scholz 2004a'></bib>: S. 174-177), und der Stufe 6, dem Verste­hen des deno­tati­ven [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug|Sachbe­zugs]] (ebd. 177-182), bezieht und etwa Fragen zur prinzi­piellen [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen­haftig­keit]] oder der [[Bildpragmatik|pragma­tischen]] Einbet­tung von Bildern zumeist nicht im Mittel­punkt des kunstwis­senschaft­lichen Denkens standen. Gleichwohl ist der Vergleich von Sprache und Bilder wahrschein­lich so alt, wie die Philo­sophie und das Nachden­ken über Bilder selbst. Die hier zu nennen­den Stichwor­te sind ‘[[Ekphrasis|Ekphra­sis]]’ und ‘[[Ut pictura poesis|Ut pictu­ra poesis]]’. | ||
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Neben diesen theoretischen Ausein­ander­setzun­gen zum Verhält­nis «Sprache und Bilder» sollte insbe­sonde­re der alltäg­liche Gebrauch von Bildern und ihre entspre­chende sprachli­che Einbet­tung Thema einer genau­eren Unter­suchung sein. Ansät­ze hierzu finden sich bei Ludwig Wittgen­stein (vgl. <bib id='Wittgenstein 1971a'>Wittgen­stein 1971a</bib>). Eine rela­tiv ausge­arbei­tete Theorie bietet Kendall Walton in seinem Werk «Mimesis as Make-​Believe: On the Founda­tions of the Repre­sentional Arts» (<bib id='Walton 1990a'></bib>). | Neben diesen theoretischen Ausein­ander­setzun­gen zum Verhält­nis «Sprache und Bilder» sollte insbe­sonde­re der alltäg­liche Gebrauch von Bildern und ihre entspre­chende sprachli­che Einbet­tung Thema einer genau­eren Unter­suchung sein. Ansät­ze hierzu finden sich bei Ludwig Wittgen­stein (vgl. <bib id='Wittgenstein 1971a'>Wittgen­stein 1971a</bib>). Eine rela­tiv ausge­arbei­tete Theorie bietet Kendall Walton in seinem Werk «Mimesis as Make-​Believe: On the Founda­tions of the Repre­sentional Arts» (<bib id='Walton 1990a'></bib>). | ||
Version vom 29. November 2013, 11:00 Uhr
Hauptpunkt zu: Bild und Sprache
FragestellungWenn wir etwas über Bilder zum Ausdruck bringen wollen, tun wir dies in der Regel im Medium der Sprache. Die zentrale Frage innerhalb einer sprachanalytischen Betrachtung des Bildphänomens lautet dann: Welche sprachlichen Formen gibt es überhaupt, die uns erlauben, über Bilder zu sprechen? Ebenso wichtig ist die sich hieran anschließende Frage: Wie unterscheidet sich unsere Rede über Bilder von unserer Rede über die Gegenstände selbst? Sprachanalytische Betrachtungen gehen davon aus, dass eine solche Analyse der sprachlichen Mittel, mit denen wir über ein bestimmtes Phänomen sprechen, zum Verständnis dieses Phänomens beiträgt, weil die Art und Weise des (alltäglichen) Sprechens von den Phänomenen beeinflusst wird, über die gesprochen wird. Die These, dass wir in den seltensten Fällen Bilder nur schweigend betrachten und dass wir also immer auch sprachlich auf Bilder bezogen sind, mag als ketzerisch gelten. Ist es nicht gerade die Funktion insbesondere von künstlerischen Bildern, dass wir sprachlos in sie versinken? Ist es nicht gerade das spezifische Merkmal von Bildern, dass wir sie nie mit den Mitteln der Sprache erschöpfend beschreiben können (⊳ Ikonische Differenz)? Selbst wenn wir dies annehmen und Bildern gewissermaßen einen uneinholbaren Gehalt zuschreiben, ändert dies nichts an der Tatsache, dass Bilder häufig Bezugspunkt sprachlicher Handlungen sind, dass der Gebrauch von Bildern Teil komplexerer kommunikativer Akte ist und selbst der kontemplative Bildgenuss Teil einer Kultur sein muss, die notwendigerweise der Sprache bedarf. So kann nur der lernen, sich in ein Bild zu versenken, der der Sprache mächtig ist. Trivialerweise muss es in dieser Sprache möglich sein, über Bilder zu sprechen.
Formen des Über-Bilder-RedensGibt es unterschiedliche Formen des Über-Bilder-Redens? Und welche sprachlichen Formen sind es, die uns erlauben, über Bilder zu reden? Ein Bild kann in einer sprachlichen Handlung eingebunden sein, ohne dass wir deshalb über das Bild reden. Wenn man beispielsweise ein Bild dazu verwendet, um sein Gegenüber mithilfe des Bildes auf etwas aufmerksam zu machen: Redet man dann überhaupt über das Bild? In einer schwachen Lesart kann man hier sicherlich von einem ‘über etwas reden’ sprechen (vgl. [Steinbrenner 2004a]Steinbrenner, Jakob (2004): Zeichen über Zeichen. Grundlagen einer Theorie der Metabezugnahme. Synchron Wissenschaftsverlag der Autoren, Heidelberg. Neben diesen theoretischen Auseinandersetzungen zum Verhältnis «Sprache und Bilder» sollte insbesondere der alltägliche Gebrauch von Bildern und ihre entsprechende sprachliche Einbettung Thema einer genaueren Untersuchung sein. Ansätze hierzu finden sich bei Ludwig Wittgenstein (vgl. [Wittgenstein 1971a]Wittgenstein, Ludwig (1971): Philosophische Untersuchungen. Suhrkamp, Frankfurt/M. |
Unterpunkte
Anmerkungen
Literatur
[Scholz 2004a]Scholz, Oliver R. (2004): Bild, Darstellung, Zeichen. Philosophische Theorien bildhafter Darstellungen. Klostermann, Frankfurt/M.[Steinbrenner 2004a]Steinbrenner, Jakob (2004): Zeichen über Zeichen. Grundlagen einer Theorie der Metabezugnahme. Synchron Wissenschaftsverlag der Autoren, Heidelberg.[Walton 1990a]Walton, Kendall L. (1990): Mimesis as Make-Believe: On the Foundations of the Representational Arts. Harvard Univ. Press, Cambridge, Mass. [u.a.].[Wittgenstein 1971a]Wittgenstein, Ludwig (1971): Philosophische Untersuchungen. Suhrkamp, Frankfurt/M. Verantwortlich: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Jakob Steinbrenner und Klaus Sachs-Hombach — (Hinweis) |