Morphologie und Syntax: Unterschied zwischen den Versionen
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==Grammatik versus | ==Grammatik versus Morpho­logie== | ||
Da die Idee der Grammatik in Form der | Da die Idee der Grammatik in Form der genera­tiven Syntax<ref>Vgl. hier­zu [http://de.wikipedia.org/wiki/Generative_Grammatik Wi­ki­pe­dia: Ge­ne­ra­ti­ve Gram­ma­tik].</ref> im Bereich der Sprache sehr frucht­bar gewirkt hat, ist verschie­dentlich vorge­schlagen worden, ana­log die Bild­syntax mithil­fe einer [[Bildgrammatik|Bildgram­matik]] zu studie­ren. Aller­dings blieb diesen Ansät­zen wenig Erfolg beschie­den, denn die kompo­sitio­nale Syntax inte­ressiert sich vor allem für syntak­tisch korrek­te Kompo­sitio­nen von ''Wörtern'' – als den ele­menta­ren Sprach­zeichen – zu ''Sätzen'' – als den komple­xen Sprach­zeichen. Ein über­zeugen­des pikto­riales Ana­logon zu Wörtern derart, dass Bilder als daraus gebil­dete “Sätze” zu verste­hen wären, ist bislang nicht vorge­schlagen worden. Mit der Morpho­logie ist aller­dings ein weite­rer Bereich der syntak­tischen Studien von Sprache gege­ben, der Wörter selbst als komple­xe Gebil­de unter­sucht:<ref>Ob­wohl die Be­zeich­nung ‘Mor­pho­lo­gie’ be­reits 1859 von Au­gust Schlei­cher (un­ter dem Ein­fluss von Goe­thes mor­pho­lo­gi­scher The­o­rie des Pflan­zen­wachs­tums) in die Sprach­for­schung ein­ge­führt wor­den ist, wur­de ei­ne spe­zi­fisch mor­pho­lo­gi­sche Un­ter­su­chung von Wör­tern – im Ge­gen­satz zu den syn­tak­to-gram­ma­ti­schen Stu­di­en über den Satz­bau und un­ab­hän­gig von der Pho­no­lo­gie – erst ab den 1970er Jah­ren vor­an­ge­trie­ben; <bib id='Schleicher 1859a'>Schlei­cher 1859a</bib>; vgl. auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Morphologie_%28Sprache%29 Wi­ki­pe­dia: Mor­pho­lo­gie (Spra­che)].</ref> Wie sollte die inne­re Struktur von Wörtern und das Verhält­nis verschie­dener gramma­tischer Formen eines Wortes bzw. die Rela­tionen zwischen verwand­ten Wörtern sinnvoll beschrie­ben werden? Auch hierbei wird in der Regel von einem gene­rati­ven Ansatz ausge­gangen, der sich aller­dings deutlich von den gramma­tischen Satz­struktu­ren unter­scheidet. Das liegt unter anderm daran, dass die morpho­logi­sche Ana­lyse nicht auf die Unter­scheidung zwischen Satz und Wort ange­wiesen ist. Anders gesagt: Während die gramma­tische Kompo­sitio­nali­tät nur für [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|wort/satz­sprachlich orga­nisier­te Zeichen­syste­me]] Sinn macht, können morpho­logi­sche Betrach­tungen allge­meiner für belie­bige Zeichen­syste­me mit komple­xen Zeichen durchge­führt werden.<ref>Mit an­de­ren Wor­ten: In der “Mik­ro­struk­tur” der ein­zel­nen Wör­ter von wort/satz­sprach­lich or­ga­ni­sier­ten Zei­chen­sys­te­men spie­gelt sich ei­ne ge­gen­über der “ma­kro­struk­tu­rel­len” Zu­sam­men­stel­lung von Wör­tern zu Sät­zen äl­te­re Form der se­mi­o­ti­schen Kom­po­si­ti­on struk­tu­rier­ter Zei­chen­trä­ger.</ref> | ||
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Bildphilosophisch schließt sich daher die Frage an, ob die | Bildphilosophisch schließt sich daher die Frage an, ob die morpho­logi­sche Perspek­tive besser geeig­net ist als die gramma­tische, um bild­syntak­tische Zusam­menhän­ge zu erfas­sen. | ||
In morphologischen Analysen wird ein Wort als aus | ==Sprache: Morpheme und morpho­logi­sche Ope­rato­ren== | ||
In morphologischen Analysen wird ein Wort als aus Segmen­ten zusam­menge­setzt verstan­den, die zur Bedeu­tung oder gramma­tischen Funktion des Wortes beitr­agen und ‘Morphe­me’ genannt werden.<ref>Der Aus­druck ‘Mor­phem’ ist um 1881 von B. de Cour­te­nay vor­ge­schla­gen und von L. Bloom­field wei­ter aus­ge­ar­bei­tet wor­den; <bib id='Bloomfield 1933a'>Bloom­field 1933a</bib>; Vgl. auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Morphem Wi­ki­pe­dia: Mor­phem].</ref> Die Nachsil­be ‘-ed’ im Engli­schen etwa, die Vorsil­be ‘pré-’ im Franzö­sischen oder der Stamm ‘-wend-’ im Deutschen sind typi­sche Beispie­le von Morphe­men. Morpho­logi­sche Ele­mente werden vor allem durch die Substi­tutions­regel iden­tifi­ziert und zu Klassen zusam­menge­stellt: Beispiels­weise können eini­ge franzö­sische Wörter, die mit ‘pré-’ begin­nen, in ande­re franzö­sische Wörter transfor­miert werden, indem jeweils die Vorsil­be durch ‘re-’, ‘con-’, ‘de-’ etc. ersetzt wird. | |||
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Morpheme bestehen nicht notwendig aus einer ganz bestimm­ten Laut- bzw. Buchsta­benfol­ge. So kann etwa im Engli­schen das den Plural eines Substan­tivs anzei­gende Morphem in zwei Vari­anten, den so genannten Allo­morphen, erschei­nen: ‘-s’ oder ‘-es’.<ref>Pho­ne­tisch er­ge­ben sich je nach be­trach­te­tem Sub­stan­tiv so­gar noch mehr Al­lo­mor­phe, da ‘-s’ bzw. ‘-es’ kon­text­ab­hän­gig stimm­haft oder stimm­los aus­ge­spro­chen wer­den kön­nen.</ref> Obwohl viele Morphe­me bedeu­tungsmo­difi­zierend wirken, müssen sie nicht unbe­dingt eine eige­ne Bedeu­tung haben: Die meisten Morphe­me sind nicht selbst auch Wörter. Morphe­me, die zugleich Wörter sind und daher eine eige­ne Bedeu­tung tragen, werden ''freie'' Morphe­me oder ''Lexe­me'' genannt; die ande­ren heißen ''gebun­den''. Die seman­tische oder gramma­tische Funktion eines Morphems kann zudem vieldeu­tig sein und sich in verschie­denen Kompo­sitio­nen unter­schei­den (etwa das Morphem ‘-(e)s’ als Flexions­nachsil­be oder als Plural­nachsil­be im Engli­schen). Es sind vor allem die Stamm-Morphe­me, die eine Kernbe­deutung vermit­teln, welche durch morpho­logi­sche Ope­ratio­nen modi­fiziert werden kann. | |||
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Morphologische Operationen spielen eine zentra­le Rolle bei der Neubil­dung von Wörtern. Allge­mein können sie diffe­renziert werden in ''inter­ne'' Modi­fika­tionen, bei denen im Wesen­tlichen Vokal­wechsel erfol­gen (etwa engl. ‘come’ zu ‘came’), und ''exter­ne'' Modi­fika­tionen durch Anhän­gen so genann­ter Affi­xe – damit werden neben Vor- und Nachsil­ben (d.h. Prä- und Post­fixe) auch Circum­fixe (gleich­zeiti­ge Verwen­dung von Vor- und Nachsil­ben) und In­fixe (Einfü­gen einer Zwischen­silbe) zusam­menge­fasst – oder durch Kompo­sita-Bildung, die etwa im Deutschen für viele sponta­ne Wortneu­bildun­gen verant­wortlich ist (z.B. ‘Banken­schutzschirm’). Während inter­ne Modi­fika­tionen gewis­serma­ßen die “Farbe” eines Wortes austau­schen, verän­dern exter­ne Modi­fika­tionen seine Gestalt und Größe. | |||
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Am besten versteht man Morphe­me als Träger unge­sättig­ter Teilhand­lungen einer Gesamt­zeichen­handlung ohne unab­hängi­ge [[Pragmatik, Semantik, Syntax|pragma­tische]] Funktion, die auf mehr oder weni­ger spezi­fische Weise die Bedeu­tung oder gramma­tische Funktion (und damit die Verwen­dungswei­se) des Wortgan­zen beein­flussen, selbst aber nicht als Zeichen­handlun­gen gelten können.<ref>Die­se Ein­schrän­kung un­ter­schei­det sie et­wa von [[Prädikation|Prä­di­ka­ti­on]] und [[Nomination|No­mi­na­ti­on]], die tat­säch­lich un­ge­sät­ti­gte Teil­''zei­chen''­hand­lun­gen sind und je­weils sehr spe­zi­fi­sche prag­ma­ti­sche Funk­ti­o­nen tra­gen.</ref> | |||
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Version vom 13. Oktober 2013, 15:35 Uhr
Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht
Grammatik versus MorphologieDa die Idee der Grammatik in Form der generativen Syntax[1] im Bereich der Sprache sehr fruchtbar gewirkt hat, ist verschiedentlich vorgeschlagen worden, analog die Bildsyntax mithilfe einer Bildgrammatik zu studieren. Allerdings blieb diesen Ansätzen wenig Erfolg beschieden, denn die kompositionale Syntax interessiert sich vor allem für syntaktisch korrekte Kompositionen von Wörtern – als den elementaren Sprachzeichen – zu Sätzen – als den komplexen Sprachzeichen. Ein überzeugendes piktoriales Analogon zu Wörtern derart, dass Bilder als daraus gebildete “Sätze” zu verstehen wären, ist bislang nicht vorgeschlagen worden. Mit der Morphologie ist allerdings ein weiterer Bereich der syntaktischen Studien von Sprache gegeben, der Wörter selbst als komplexe Gebilde untersucht:[2] Wie sollte die innere Struktur von Wörtern und das Verhältnis verschiedener grammatischer Formen eines Wortes bzw. die Relationen zwischen verwandten Wörtern sinnvoll beschrieben werden? Auch hierbei wird in der Regel von einem generativen Ansatz ausgegangen, der sich allerdings deutlich von den grammatischen Satzstrukturen unterscheidet. Das liegt unter anderm daran, dass die morphologische Analyse nicht auf die Unterscheidung zwischen Satz und Wort angewiesen ist. Anders gesagt: Während die grammatische Kompositionalität nur für wort/satzsprachlich organisierte Zeichensysteme Sinn macht, können morphologische Betrachtungen allgemeiner für beliebige Zeichensysteme mit komplexen Zeichen durchgeführt werden.[3] Bildphilosophisch schließt sich daher die Frage an, ob die morphologische Perspektive besser geeignet ist als die grammatische, um bildsyntaktische Zusammenhänge zu erfassen.
Sprache: Morpheme und morphologische OperatorenIn morphologischen Analysen wird ein Wort als aus Segmenten zusammengesetzt verstanden, die zur Bedeutung oder grammatischen Funktion des Wortes beitragen und ‘Morpheme’ genannt werden.[4] Die Nachsilbe ‘-ed’ im Englischen etwa, die Vorsilbe ‘pré-’ im Französischen oder der Stamm ‘-wend-’ im Deutschen sind typische Beispiele von Morphemen. Morphologische Elemente werden vor allem durch die Substitutionsregel identifiziert und zu Klassen zusammengestellt: Beispielsweise können einige französische Wörter, die mit ‘pré-’ beginnen, in andere französische Wörter transformiert werden, indem jeweils die Vorsilbe durch ‘re-’, ‘con-’, ‘de-’ etc. ersetzt wird. Morpheme bestehen nicht notwendig aus einer ganz bestimmten Laut- bzw. Buchstabenfolge. So kann etwa im Englischen das den Plural eines Substantivs anzeigende Morphem in zwei Varianten, den so genannten Allomorphen, erscheinen: ‘-s’ oder ‘-es’.[5] Obwohl viele Morpheme bedeutungsmodifizierend wirken, müssen sie nicht unbedingt eine eigene Bedeutung haben: Die meisten Morpheme sind nicht selbst auch Wörter. Morpheme, die zugleich Wörter sind und daher eine eigene Bedeutung tragen, werden freie Morpheme oder Lexeme genannt; die anderen heißen gebunden. Die semantische oder grammatische Funktion eines Morphems kann zudem vieldeutig sein und sich in verschiedenen Kompositionen unterscheiden (etwa das Morphem ‘-(e)s’ als Flexionsnachsilbe oder als Pluralnachsilbe im Englischen). Es sind vor allem die Stamm-Morpheme, die eine Kernbedeutung vermitteln, welche durch morphologische Operationen modifiziert werden kann. Morphologische Operationen spielen eine zentrale Rolle bei der Neubildung von Wörtern. Allgemein können sie differenziert werden in interne Modifikationen, bei denen im Wesentlichen Vokalwechsel erfolgen (etwa engl. ‘come’ zu ‘came’), und externe Modifikationen durch Anhängen so genannter Affixe – damit werden neben Vor- und Nachsilben (d.h. Prä- und Postfixe) auch Circumfixe (gleichzeitige Verwendung von Vor- und Nachsilben) und Infixe (Einfügen einer Zwischensilbe) zusammengefasst – oder durch Komposita-Bildung, die etwa im Deutschen für viele spontane Wortneubildungen verantwortlich ist (z.B. ‘Bankenschutzschirm’). Während interne Modifikationen gewissermaßen die “Farbe” eines Wortes austauschen, verändern externe Modifikationen seine Gestalt und Größe. Am besten versteht man Morpheme als Träger ungesättigter Teilhandlungen einer Gesamtzeichenhandlung ohne unabhängige pragmatische Funktion, die auf mehr oder weniger spezifische Weise die Bedeutung oder grammatische Funktion (und damit die Verwendungsweise) des Wortganzen beeinflussen, selbst aber nicht als Zeichenhandlungen gelten können.[6]
Isolierende, polysynthetische, fusionierende und agglutinierende ZeichensystemeFormale Satzbildungsgrammatik und wortbildende morphologische Zusammenhänge sind zwei polare Organisationsprinzipien, zwischen denen sich die verschiedenen Sprachen auf einer Skala einordnen lassen. Stellt man die mittlere Anzahl von Morphemen, die in einer Sprache (oder allgemeiner einem wortsprachlichen Zeichensystem) verwendet werden, der hauptsächlichen Art des grammatischen Satzbaus gegenüber, so ordnen sich die natürlichen Sprachen im Wesentlichen entlang einer Diagonalen:[7]
Sprachen, bei denen grammatische Satzstrukturen den Aufbau dominieren, werden isolierend Sprachen genannt. Verzichtet eine Sprache fast gänzlich auf grammatische Satzbildungsregeln und stützt sich vor allem auf morphologische Wortbildungsregeln, so spricht man von fusionierende Sprachen. Die Extreme reichen also beispielsweise von einer Kasusbildung nur über Präpositionen einerseits bis zu einem am Wort selbst markierten Kasussystem mit deutlich mehr als vier Fällen andererseits. Die meisten Sprachen bewegen sich zwischen diesen beiden Extremen (hier als ‘agglutinierend’ bezeichnet).[8] Andererseits werden Sprachen, deren Wörter im Mittel aus vielen Morphemen bestehen, als polysynthetisch bezeichnet, während Sprachen, bei denen Wörter aus sehr wenigen Morphemen, oft nur einem einzigen Lexem gebildet sind, isolierend heißen. Synthetische Sprachen nehmen dabei eine Mittelstellung ein. Wie in der Tabelle angedeutet, sind die menschlichen Sprachen im Wesentlichen entlang der Diagonale zwischen analytisch-isolierenden Systemen und polysynthetisch-fusionierenden angeordnet. Vergleicht man etwa Deutsch mit Englisch, so befinden sich zwar beide eher im Mittelfeld, doch basiert Englisch auf kürzeren Wörtern (eher isolierend), die in einer eher festen Satzstellung gebraucht werden, während das Deutsche stärker zu Kompositabildungen neigt, in deutlich höherem Masse auf Wortflexionen angewiesen ist (eher fusionierend), zugleich aber eine weitaus freiere Wortstellung erlaubt. In extrem analytisch-isolierenden Sprachen, wie etwa Chinesisch, werden Wörter, die aus nur sehr wenigen Morphemen bestehen, niemals morphologisch verändert. Alle grammatischen Relationen werden durch spezielle Wörter ausgedrückt[9] oder durch die Position des Wortes im Satz bestimmt (etwa S-P-O). Sätze sind direkte Gruppierungen von Wörtern, wobei für gewöhnlich eine recht strikte Reihenfolge einzuhalten ist. Eine extrem polysynthetisch-agglutinierende Sprache würde im Gegensatz dazu nur aus Einwort-Sätzen bestehen, wobei die Wörter allerdings meist auf ausgesprochen viele Morpheme zurückgehen, die miteinander verschmolzen sind, um die vollständige Bedeutung entsprechend zu modifizieren. Viele Sprachen der amerikanischen Ureinwohner, wie etwa Náhuatl, nähern sich diesem Extrem stark an.[10] Beispielsweise kann die morphologische Struktur des Einwort-Satzes ‘matgībulhahumš’ im ägyptischen Arabisch wörtlich ungefähr übersetzt werden zu ‹nicht -Ihr-solltet-bringen-ihr-sie-Ding› (d.h.: ‘Ihr solltet sie nicht zu ihr bringen’). Das Wort besteht aus den beiden Circumflexen ‘ma...š’ (‹nicht … Ding›, Negation) und ‘t(i)...u’ (Marker für Imperfekt der zweiten Person Plural im jussiven Modus: etwa ‹Ihr solltet tun›), den beiden Morphemen ‘l(ī)ha’ (Dativ der dritten Person Singular feminin: ‹ihr›), ‘hum’ (Akkusativ der dritte Person Plural ‹sie›), sowie, als Stamm, ein intern modifiziertes Lexem ‘gīb’, das die imperfektive Form von ‘gāb’ darstellt und im Deutschen dem Stamm von ‘bringen’ entspricht:
All diese morphologischen Elemente sind in ein einziges Wort amalgamiert, das als Satz verwendet wird. Das Schema einer solch komplexen Kombination durch Verschmelzung von Morphemen mit partiellen Phonem-Auslassungen zusammen mit der Verwendung umschließender und einfügender Affixe kann in der Tat die Vorstellung bildsyntaktischer Strukturen viel eher evozieren, als das Schema formaler Grammatiken. Übertragung auf BilderOffensichtlich sind die geometrischen Elemente eines Bildträgers und ihre relative Anordnung entscheidend für Bedeutung und pragmatische Funktion eines Bildes, ohne dass ihnen doch jeweils eine klar umrissene eigene Bedeutung unabhängig vom Bildganzen zugeordnet werden könnte. Ein kleiner orangerot ausgefüllter Kreis kann – unter anderem – als Nase eines Schneemanns dienen oder als untergehende Sonne. Flächig zusammengeschmolzen bilden diese Elemente eine in sich abgeschlossene morphologische Einheit, die eine deutliche Analogie zu den Ein-Wort-Sätzen einer polysynthetischen Sprache aufweist. Da eine derartige Verschmelzung von funktionsmodifizierenden Komponenten in ein einziges Zeichen nicht von der Wort/Satz-Unterscheidung abhängig ist, wie sie für Sprache (im engeren Sinn) konstitutiv ist, legt sich eine morphologische Betrachtung der Bildsyntax nicht in gleicher Weise auf Grundelemente und Kompositionsregeln fest, die für bildgrammatische Analysen bislang den Erfolg verhinderten. Diese Idee wird im Artikel ⊳ Bildmorphologie näher betrachtet.[11] |
Anmerkungen
Literatur
[Bloomfield 1933a]Bloomfield, Leonard (1933): Language. Henry Holt and Co, New York.[Haase 2007a]Haase, Martin (2007): Sprachtypologie: Eine Einführung in die Erforschung der Vielfalt der Sprachen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Lehmann online]Lehmann, Christian (2012): Sprachtypologie und Universalienforschung.[Schleicher 1859a]Schleicher, August (1859): Zur Morphologie der Sprache. Mémoires de l'académie impériale des sciences de St. Pétersbourg, 1?, 7. Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach, Marcel Lemmes und Emilia Didier — (Hinweis) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||