Arabisch: 'sûra', 'timthal', 'wathan' und 'sanam': Unterschied zwischen den Versionen
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Anders als im Alten Testament ( ⊳ [[Hebräisch: 'päsäl', 'säläm' und 'demut']]) etwa besteht also im Islam schon aufgrund der Begrifflichkeit eine Konkurrenz zwischen Gott und Maler. Wie in den Hadithen ausgeführt, wird diese Konkurrenz vor allem beim Hervorbringen von Lebewesen virulent. Menschen und Tiere zu malen ist Hybris.<ref>Neben der Hybris des Malers monieren die Hadithe auch die Unreinheit der Bilder, wodurch ein Gebet in ihrer Nähe unmöglich werde, und die Gefahr, dass sie zur polytheistischen Kulten verleiten könnten (vgl. dazu ausführlich <bib id='van Reenen 1990a'></bib>).</ref> Die Strafe am Tag der Auferstehung besteht für den Maler darin, dass er quasi beim Wort genommen wird und seinen gemalten Lebewesen Leben einhauchen muss – und daran wird er qua Mensch wieder und wieder scheitern (vgl. <bib id='Paret 1960a'></bib>: S. 43ff. und <bib id='Paret 1968a'></bib>: S. 230). | Anders als im Alten Testament ( ⊳ [[Hebräisch: 'päsäl', 'säläm' und 'demut']]) etwa besteht also im Islam schon aufgrund der Begrifflichkeit eine Konkurrenz zwischen Gott und Maler. Wie in den Hadithen ausgeführt, wird diese Konkurrenz vor allem beim Hervorbringen von Lebewesen virulent. Menschen und Tiere zu malen ist Hybris.<ref>Neben der Hybris des Malers monieren die Hadithe auch die Unreinheit der Bilder, wodurch ein Gebet in ihrer Nähe unmöglich werde, und die Gefahr, dass sie zur polytheistischen Kulten verleiten könnten (vgl. dazu ausführlich <bib id='van Reenen 1990a'></bib>).</ref> Die Strafe am Tag der Auferstehung besteht für den Maler darin, dass er quasi beim Wort genommen wird und seinen gemalten Lebewesen Leben einhauchen muss – und daran wird er qua Mensch wieder und wieder scheitern (vgl. <bib id='Paret 1960a'></bib>: S. 43ff. und <bib id='Paret 1968a'></bib>: S. 230). | ||
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Trotz der Verurteilung durch die Geistlichkeit hat es während der gesamten Geschichte des Islams immer wieder Bilder mit figürlichen Darstellungen gegeben,<ref>Vgl. <bib id='Naef 2007a'></bib>: S. 68. – Übrigens auch mit Darstellungen Mohammeds: Die älteste heute noch erhaltene stammt aus dem 13. Jahrhundert, von noch älteren gibt es literarische Zeugnisse; vgl. <bib id='Grabar & Natif 2003a'></bib>.</ref> die mit teils großem Aufwand mit den religiösen Vorgaben synchronisiert worden sind. So kann der Maler dem Vorwurf der Hybris entgehen, wenn die Lebewesen auf seiner ''sûra'' deutlich als nicht lebensfähig gekennzeichnet sind: durch Abtrennung der Köpfe, Durchlöcherung der Körper usw. | Trotz der Verurteilung durch die Geistlichkeit hat es während der gesamten Geschichte des Islams immer wieder Bilder mit figürlichen Darstellungen gegeben,<ref>Vgl. <bib id='Naef 2007a'></bib>: S. 68. – Übrigens auch mit Darstellungen Mohammeds: Die älteste heute noch erhaltene stammt aus dem 13. Jahrhundert, von noch älteren gibt es literarische Zeugnisse; vgl. <bib id='Grabar & Natif 2003a'></bib>.</ref> die mit teils großem Aufwand mit den religiösen Vorgaben synchronisiert worden sind. So kann der Maler dem Vorwurf der Hybris entgehen, wenn die Lebewesen auf seiner ''sûra'' deutlich als nicht lebensfähig gekennzeichnet sind: durch Abtrennung der Köpfe, Durchlöcherung der Körper usw.<ref>Eine vergleichbare Synchronisierung greift auch bei den beiden anderen Monita der Hadithe. Der Unreinheit der Bilder soll durch ihre Verbannung aus den sakralen Bereichen begegnet und ihrer Verführung zum Polytheismus durch eine besondere Platzierung unterlaufen werden – worauf man sitzt oder tritt, Kissen oder Teppiche betet man nicht an (vgl. <bib id='#### 2007a'></bib>: S. ##.</ref> | ||
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Version vom 11. Oktober 2013, 20:48 Uhr
Unterpunkt zu: Bildtermini anderer Sprachen
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Von großer Tragweite für das arabische Bildvokabular ist der Islam. Will man jenes erschließen, ist es sinnvoll, sich neben dem Koran auch den später verfassten Hadithen zuzuwenden. In der sunnitischen Tradition sind dies die Sammlungen der Worte des Propheten, in der schiitischen werden auch die der frühen Imame berücksichtigt. Der Koran polemisiert, in seiner Bilderfeindlichkeit (⊳ Idolatrie und Ikonoklasmus) dem Alten Testament ähnlich, gegen die in kleinen Statuen oder auch in schlichten, unbearbeiteten Steinen verkörperten Gottheiten der vorislamischen arabischen Kulte. Dabei handelt es sich u.a. um timthal (Bild, Abbild, bildliche Darstellung, Standbild und Statue), wathan (Götzenbild), nasb (aufgerichteter Stein) und sanam (ein zumeist aus Metall gefertigtes Götzenbild) (vgl. [Naef 2007a]Naef, Silvia (2007): Bilder und Bilderverbot im Islam. C. H. Beck, München. Die Antwort auf diese Frage führt wieder zum Bildvokabular des Korans zurück. Eine grundsätzliche und ausführliche Auseinandersetzung mit Bildern im engeren Sinne sucht man hier verständlicherweise vergebens, da diese in den vorislamischen Kulten Arabiens kein Rolle gespielt haben. ‘Sûra’, das arabische Substantiv für Bilder schlechthin, aber auch die Bezeichnung für Form und Gestalt, findet sich nur ein einziges Mal; und das dem Substantiv zugrunde liegende Verb ‘sawwara’, das soviel bedeutet wie ›etwas auf diese oder jene Art machen‹, ›bilden‹, ›ihm eine Form geben‹, ›schaffen‹, wird auch nur viermal verwendet (vgl. [Naef 2007a]Naef, Silvia (2007): Bilder und Bilderverbot im Islam. C. H. Beck, München. Anders als im Alten Testament ( ⊳ Hebräisch: 'päsäl', 'säläm' und 'demut') etwa besteht also im Islam schon aufgrund der Begrifflichkeit eine Konkurrenz zwischen Gott und Maler. Wie in den Hadithen ausgeführt, wird diese Konkurrenz vor allem beim Hervorbringen von Lebewesen virulent. Menschen und Tiere zu malen ist Hybris.[2] Die Strafe am Tag der Auferstehung besteht für den Maler darin, dass er quasi beim Wort genommen wird und seinen gemalten Lebewesen Leben einhauchen muss – und daran wird er qua Mensch wieder und wieder scheitern (vgl. [Paret 1960a]Paret, Rudi (1960): Textbelege zum islamischen Bilderverbot. In: Fegers, H. (Hg.), Das Werk des Künstlers. Studien zur Ikonographie und Formgeschichte. Kohlhammer, Stuttgart. Trotz der Verurteilung durch die Geistlichkeit hat es während der gesamten Geschichte des Islams immer wieder Bilder mit figürlichen Darstellungen gegeben,[3] die mit teils großem Aufwand mit den religiösen Vorgaben synchronisiert worden sind. So kann der Maler dem Vorwurf der Hybris entgehen, wenn die Lebewesen auf seiner sûra deutlich als nicht lebensfähig gekennzeichnet sind: durch Abtrennung der Köpfe, Durchlöcherung der Körper usw.[4] |
Anmerkungen
Literatur
[Grabar & Natif 2003a]Grabar, Oleg & Natif, Mika (2003): The Story of Portraits of the Prophet Muhammad. Studia Islamica, 96.[Naef 2007a]Naef, Silvia (2007): Bilder und Bilderverbot im Islam. C. H. Beck, München.[Paret 1960a]Paret, Rudi (1960): Textbelege zum islamischen Bilderverbot. In: Fegers, H. (Hg.), Das Werk des Künstlers. Studien zur Ikonographie und Formgeschichte. Kohlhammer, Stuttgart.[Paret 1968a]Paret, Rudi (1968): Das islamische Bilderverbot und die Schia. In: Gräf, E. (Hg.), Festschrift Werner Caskel. Zum siebzigsten Geburtstag 5. März 1966 gewidmet von Freunden und Schülern. Brill, Leiden.[van Reenen 1990a]van Reenen, Daan (1990): The 'Bilderverbot'. A new survey. Der Islam. Zeitschrift für Geschichte und Kultur des islamischen Orients, 67, 1. Verantwortlich: Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch, Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis) |