Nomination: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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Fragt man nach der Pragmatik von Zeichen, dann wird schnell ein
Fragt man nach der Pragmatik von Zeichen, dann wird schnell ein kombinatorisches Schema assoziiert ähnlich jenem, das die pragmatische Funktion von [[Proposition|Aussagen]] aus den Teilzeichenhandlungen der Nomination und der [[Prädikation]] rekonstruiert. Insbesondere bei Bildern – genauer bei Kommunikationsakten mithilfe von Bildern – wird oft untersucht, ob nicht gerade jene Teilfunktionen ein die Bildpragmatik erzeugendes System elementarer kommunikativer Akte liefern könnten (vgl. <bib id='Sachs-Hombach'></bib> oder <bib id='Harth'></bib>....). Nomination ist die Zeichenteilhandlung, mit der man auf einen Gegenstand aufmerksam macht, über den etwas mitgeteilt werden soll; dieser Gegenstand muß dabei beiden Kommunikationspartnern bereits bekannt – in ihrem gemeinsamen „Diskurs­uni­ver­sum“ vorhanden – sein (cf. <bib id='Kamlah & Lorenzen 1973a'></bib> § 3, sowie <bib id='Gerhardus et al. 1975a'></bib> S. 42). Dabei gilt die Nomination als im Sinne Freges ''ungesättigt'', d.h. als eine echte ''Teil''handlung, die ergänzungsbedürftig ist und sinnvoller Weise nicht alleine vorkommen kann.
kombinatorisches Schema assoziiert ähnlich jenem, das die pragmatische
Funktion von [[Proposition|Aussagen]] aus den Teilzeichenhandlungen der
Nomination und der [[Prädikation]] rekonstruiert. Insbesondere bei
Bildern – genauer bei Kommunikationsakten mithilfe von Bildern – wird
oft untersucht, ob nicht gerade jene Teilfunktionen ein die
Bildpragmatik erzeugendes System elementarer kommunikativer Akte
liefern könnten (vgl. <bib id='Sachs-Hombach'></bib> oder
<bib id='Harth'></bib>....). Nomination ist die
Zeichenteilhandlung, mit der man auf einen Gegenstand aufmerksam macht,
über den etwas mitgeteilt werden soll; dieser Gegenstand muß dabei
beiden Kommunikationspartnern bereits bekannt – in ihrem gemeinsamen
„Diskurs­uni­ver­sum“ vorhanden – sein (cf. <bib id='Kamlah &
Lorenzen 1973a'></bib>: § 3, sowie <bib id='Gerhardus et
al. 1975a'></bib>: 42). Dabei gilt die Nomination als im Sinne
Freges ''ungesättigt'', d.h. als eine echte ''Teil''handlung, die
ergänzungsbedürftig ist und sinnvoller Weise nicht alleine vorkommen
kann.


Insbesondere ohne die Vervollständigung zu einer [[Proposition]] durch
Insbesondere ohne die Vervollständigung zu einer [[Proposition]] durch eine [[Prädikation]] stünde das Erwähnen eines Gegenstandes durch die Nomination kommunikativ gewissermaßen im leeren Raum.
eine [[Prädikation]] stünde das Erwähnen eines Gegenstandes durch die
Nomination kommunikativ gewissermaßen im leeren Raum.




=====Arten und Voraussetzungen der Nomination=====
=====Arten und Voraussetzungen der Nomination=====
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In Verbindung mit Zeigegesten dienen häufig deiktische Ausdrücke –
In Verbindung mit Zeigegesten dienen häufig deiktische Ausdrücke – „dies“, „diese/r/s“ etc. – dazu, die Teilhandlung Nomination auszuführen, insbesondere wenn die aktuelle Kommunikationssituation, und die „darin gegebenen“ materiellen Gegenstände gemeint sind. Die Funktion der Nomination ist nicht auf solche Gegenstände beschränkt: Auch mit den Ausdrücken „das letzte Einhorn“, „diese Idee des Schönen“, „Otto von Guericke“ oder „Harry Potters Gegenspieler“ können wir ja durchaus auf Diskursgegenstände verweisen. Im ersten Fall handelt es sich um eine definite Kennzeichnungen auf einen fiktiven Gegenstand, im zweiten Fall um eine deiktische Kennzeichnungen auf einen abstrakten Gegenstand, im dritten Fall um einen Eigennamen für einen realen Gegenstand in der Vergangenheit und im vierten Fall um eine komplexe Nomination mit Eigenname und Kennzeichnung für einen medial vermittelten Gegenstand.  
„dies“, „diese/r/s“ etc. – dazu, die Teilhandlung Nomination
auszuführen, insbesondere wenn die aktuelle Kommunikationssituation,
und die „darin gegebenen“ materiellen Gegenstände gemeint sind. Die
Funktion der Nomination ist nicht auf solche Gegenstände beschränkt:
Auch mit den Ausdrücken „das letzte Einhorn“, „diese Idee des Schönen“,
„Otto von Guericke“ oder „Harry Potters Gegenspieler“ können wir ja
durchaus auf Diskursgegenstände verweisen. Im ersten Fall handelt es
sich um eine definite Kennzeichnungen auf einen fiktiven Gegenstand, im
zweiten Fall um eine deiktische Kennzeichnungen auf einen abstrakten
Gegenstand, im dritten Fall um einen Eigennamen für einen realen
Gegenstand in der Vergangenheit und im vierten Fall um eine komplexe
Nomination mit Eigenname und Kennzeichnung für einen medial
vermittelten Gegenstand.  


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Wichtig ist in allen Fällen, daß die jeweiligen Kommunikationspartner die gemeinten Gegenstände bereits kennen und in irgendeiner Form von
Wichtig ist in allen Fällen, daß die jeweiligen Kommunikationspartner die gemeinten Gegenstände bereits kennen und in irgendeiner Form von den anderen gerade aktuellen Diskursgegenständen auseinanderhalten können. Eine Nomination kann nämlich nur erfolgreich durchgeführt werden, wenn klar ist, welche Menge von Gegenständen überhaupt gerade zur Auswahl steht, d.h. über welches ''Diskursuniversum'' die Kommunikationspartner sich gerade verständigen. Für die deiktischen Nominationsformen ist sofort klar, daß dies die Äußerungssituation sein muß, in der sich die Gesprächspartner befinden, also genauer: die Gegenstände, die sie dort (gemeinsam) wahrnehmen können.<ref>Darüber hinaus können deiktische Ausdrücke und die zugehörigen Zeigegesten auch in einem weiteren Sinn verwendet werden. Dann können die Zeigegesten und der damit verbundene Demonstrator auf einen lediglich vorgestellten oder auch abstrakten Gegenstand verweisen, allerdings immer noch so, als wäre der in der aktuellen Kommunikationssituation konkret zugegen.</ref> Im allgemeinen Fall beziehen sich die Nominationen auf einen [[Kontext]], der entweder implizit<ref>Neben der unmittelbaren Äußerungssituation ergibt
den anderen gerade aktuellen Diskursgegenständen auseinanderhalten
sich als Standardfall bei einer Folge von Aussagen der Kontext einer Aussage, falls nichts anderes ausdrücklich erwähnt wird, aus dem Kontext der vorangehenden Aussage.</ref> klar ist oder explizit<ref>Neben audrücklichen Verweisen auf einen Kontext, etwa in Form von Orts- und Zeitangaben („in Paris vor dem Tor der
können. Eine Nomination kann nämlich nur erfolgreich durchgeführt
Bastille am 14. Juli 1789“, als Satzadverb) oder Medienangaben („in dem Film ‘Vertigo’ von Hitchcock“, als Satzadverb), liefern beispielsweise auch die Tempusangaben den gemeinten Kontextbezug.</ref> angegeben wurde.
werden, wenn klar ist, welche Menge von Gegenständen überhaupt gerade
zur Auswahl steht, d.h. über welches ''Diskursuniversum'' die
Kommunikationspartner sich gerade verständigen. Für die deiktischen
Nominationsformen ist sofort klar, daß dies die Äußerungssituation sein
muß, in der sich die Gesprächspartner befinden, also genauer: die
Gegenstände, die sie dort (gemeinsam) wahrnehmen
können.<ref>Darüber hinaus können deiktische Ausdrücke und die
zugehörigen Zeigegesten auch in einem weiteren Sinn verwendet werden.
Dann können die Zeigegesten und der damit verbundene Demonstrator auf
einen lediglich vorgestellten oder auch abstrakten Gegenstand
verweisen, allerdings immer noch so, als wäre der in der aktuellen
Kommunikationssituation konkret zugegen.</ref> Im allgemeinen
Fall beziehen sich die Nominationen auf einen [[Kontext]], der entweder
implizit<ref>Neben der unmittelbaren Äußerungssituation ergibt
sich als Standardfall bei einer Folge von Aussagen der Kontext einer
Aussage, falls nichts anderes ausdrücklich erwähnt wird, aus dem
Kontext der vorangehenden Aussage.</ref> klar ist oder
explizit<ref>Neben audrücklichen Verweisen auf einen Kontext,
etwa in Form von Orts- und Zeitangaben („in Paris vor dem Tor der
Bastille am 14. Juli 1789“, als Satzadverb) oder Medienangaben („in dem
Film ‘Vertigo’ von Hitchcock“, als Satzadverb), liefern beispielsweise
auch die Tempusangaben den gemeinten Kontextbezug.</ref>
angegeben wurde.




=====Bildhafte Nominationen?=====
=====Bildhafte Nominationen?=====
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Inwiefern ist die Teilhandlung Nomination für die Bildverwendung
Inwiefern ist die Teilhandlung Nomination für die Bildverwendung relevant? Immerhin reden wir umgangssprachlich oft so, daß wir uns mithilfe eines Bildes einen bestimmten Gegenstand vor Augen (und Geist) führen. Sollte möglicherweise gar die Nomination die grundlegende Form des Bildgebrauchs sein? Wäre das der Fall, dann müßte die Nomination
relevant? Immerhin reden wir umgangssprachlich oft so, daß wir uns
''jeder'' Bildverwendung zu Grunde liegen.  
mithilfe eines Bildes einen bestimmten Gegenstand vor Augen (und Geist)
führen. Sollte möglicherweise gar die Nomination die grundlegende Form
des Bildgebrauchs sein? Wäre das der Fall, dann müßte die Nomination
''jeder'' Bildverwendung zu Grunde liegen.


[[Datei:GoldenGate1.jpg|thumb|Beispielbild (noch nicht das richtige)]]
[[Datei:GoldenGate1.jpg|thumb|Beispielbild (noch nicht das richtige)]]


Beispielsweise empfinden wir es als nicht ungewöhnlich, wenn jemand das
Beispielsweise empfinden wir es als nicht ungewöhnlich, wenn jemand das Bild einer großen, rot angestrichenen Hängebrücke mit zwei auffällig gestalteten Pfeilern präsentiert und dazu knapp bemerkt: „Ist 1936 gebaut worden.“ Der Bildzeichenakt übernimmt also anscheinend die Rolle der Nomination; hier gilt ebenso wie bei den rein sprachlichen Nominationen, daß auch der passive Diskurspartner jenes Objekt bereits als gemeinsam bekannt verstehen muß, da er ansonsten nicht wüßte,
Bild einer großen, rot angestrichenen Hängebrücke mit zwei auffällig
worauf er die Prädikation des Baujahres überhaupt beziehen soll. Die [[modale Bildtheorie]] widerspricht dieser Analyse der Beispielsituation: Bei der anscheinend nominatorisch eingesetzten Abbildung der Golden Gate-Brücke eröffne das Bild vielmehr einen referentiellen [[Kontext]] mit dem intentionalen Gegenstand als
gestalteten Pfeilern präsentiert und dazu knapp bemerkt: „Ist 1936
(potentielle) Figur vor einem (potentiellen) Grund. Über diesen wird dann (unter der Annahme, daß das Gegenüber den individuellen Gegen­stand auch visuell erkennt) das nicht wahrnehmbare Baujahr prädiziert. Tatsächlich wird ja nicht das gesamte Bild nominatorisch benutzt – der Himmel, der Ozean, die Autos auf der Brücke oder ein
gebaut worden.“ Der Bildzeichenakt übernimmt also anscheinend die Rolle
Segelbot darunter, die ebenfalls zu sehen sein mögen, sind in diesem Fall nicht angesprochen, obwohl in den letzten drei Fällen die angegebene Prädikation durchaus auch verwendbar sein könnte. Diese abgebildeten Gegenstände könnten aber bei Gelegenheit jeweils ebenfalls als Figur herausgegriffen werden. Tatsächlich treten, wenn man
der Nomination; hier gilt ebenso wie bei den rein sprachlichen
versucht, Bildverwendung im Sinne einer der Nominationsarten zu verstehen, eine Reihe charakteristischer Probleme auf, die jeweils Besonderheiten der Bildverwendung unterstreichen können. Im Folgenden sind diese Probleme der Situation gegenübergestellt, daß eine entsprechende sprachliche Nominationsform die Bildpräsentation
Nominationen, daß auch der passive Diskurspartner jenes Objekt bereits
als gemeinsam bekannt verstehen muß, da er ansonsten nicht wüßte,
worauf er die Prädikation des Baujahres überhaupt beziehen soll. Die
[[modale Bildtheorie]] widerspricht dieser Analyse der
Beispielsituation: Bei der anscheinend nominatorisch eingesetzten
Abbildung der Golden Gate-Brücke eröffne das Bild vielmehr einen
referentiellen [[Kontext]] mit dem intentionalen Gegenstand als
(potentielle) Figur vor einem (potentiellen) Grund. Über diesen wird
dann (unter der Annahme, daß das Gegenüber den individuellen
Gegen­stand auch visuell erkennt) das nicht wahrnehmbare Baujahr
prädiziert. Tatsächlich wird ja nicht das gesamte Bild nominatorisch
benutzt – der Himmel, der Ozean, die Autos auf der Brücke oder ein
Segelbot darunter, die ebenfalls zu sehen sein mögen, sind in diesem
Fall nicht angesprochen, obwohl in den letzten drei Fällen die
angegebene Prädikation durchaus auch verwendbar sein könnte. Diese
abgebildeten Gegenstände könnten aber bei Gelegenheit jeweils ebenfalls
als Figur herausgegriffen werden. Tatsächlich treten, wenn man
versucht, Bildverwendung im Sinne einer der Nominationsarten zu
verstehen, eine Reihe charakteristischer Probleme auf, die jeweils
Besonderheiten der Bildverwendung unterstreichen können. Im Folgenden
sind diese Probleme der Situation gegenübergestellt, daß eine
entsprechende sprachliche Nominationsform die Bildpräsentation
begleitet.  
begleitet.  


* '''''Bilder und deiktische oder anaphorische Ausdrücke'''''
* '''''Bilder und deiktische oder anaphorische Ausdrücke'''''
Bilder im Sinne von deiktischen Ausdrücken zu verwenden, also etwa an
Bilder im Sinne von deiktischen Ausdrücken zu verwenden, also etwa an Stelle der Äußerung von "Dies!" und zusammen mit einer (nicht auf das Bild gerichteten) Zeigegeste, ist nicht recht vorstellbar, müßte doch der damit gemeine Gegenstand dann immer zugleich zugegen sein. Man würde diese Präsentationshandlungen jedenfalls üblicherweise nicht in dem hier intendierten Sinn verstehen.
Stelle der Äußerung von "Dies!" und zusammen mit einer (nicht auf das
Bild gerichteten) Zeigegeste, ist nicht recht vorstellbar, müßte doch
der damit gemeine Gegenstand dann immer zugleich zugegen sein. Man
würde diese Präsentationshandlungen jedenfalls üblicherweise nicht in
dem hier intendierten Sinn verstehen.


Für anaphorische Nomination gilt prinzipiell Analoges: Sie können durch
Für anaphorische Nomination gilt prinzipiell Analoges: Sie können durch Bildverwendung nicht ersetzt werden. Umgekehrt kann man aber sehr wohl mit Anaphern auch ohne Vorerwähntheit auf abgebildete Gegenstände sprachlich verweisen, ebenso wie dazu ein Demonstrator mit Zeigegeste in Richtung auf das Bild häufig ohne Probleme verwendet werden kann.
Bildverwendung nicht ersetzt werden. Umgekehrt kann man aber sehr wohl
mit Anaphern auch ohne Vorerwähntheit auf abgebildete Gegenstände
sprachlich verweisen, ebenso wie dazu ein Demonstrator mit Zeigegeste
in Richtung auf das Bild häufig ohne Probleme verwendet werden kann.


* '''''Bilder und Eigennamen'''''
* '''''Bilder und Eigennamen'''''
Generell wird ''nicht'' davon ausgegangen, daß Bilder wie Eigennamen
Generell wird ''nicht'' davon ausgegangen, daß Bilder wie Eigennamen funktionieren können, da Eigennamen in einer (mehr oder weniger weit gefassten) Taufsituation konventionell eingesetzt werden müssen. Bei Bildern steht hingegen zumindest im Kernbereich eine (mehr oder weniger starke) nicht-konventionelle Darstellungsbeziehung im Fokus der Aufmerksamkeit. Umgekehrt werden Eigennamen faktisch häufig mit einer Bildverwendung in Zusammenhang gebracht, etwa bei Portraits, Paßbildern oder der Abbildung bekannter Bauwerke. Wäre die Bildverwendung im Grunde analog einer Nomination per Eigenname, so würde ein solches Verhalten keinen Sinn machen, da entweder der sprachliche oder der bildhafte Eigenname alleine bereits ausreichen würden, um den Gegenstand zu identifizieren, oder aber beide als Nomination jeweils versagen.  
funktionieren können, da Eigennamen in einer (mehr oder weniger weit
gefassten) Taufsituation konventionell eingesetzt werden müssen. Bei
Bildern steht hingegen zumindest im Kernbereich eine (mehr oder weniger
starke) nicht-konventionelle Darstellungsbeziehung im Fokus der
Aufmerksamkeit. Umgekehrt werden Eigennamen faktisch häufig mit einer
Bildverwendung in Zusammenhang gebracht, etwa bei Portraits, Paßbildern
oder der Abbildung bekannter Bauwerke. Wäre die Bildverwendung im
Grunde analog einer Nomination per Eigenname, so würde ein solches
Verhalten keinen Sinn machen, da entweder der sprachliche oder der
bildhafte Eigenname alleine bereits ausreichen würden, um den
Gegenstand zu identifizieren, oder aber beide als Nomination jeweils
versagen.  


* '''''Bilder und Kennzeichnungen'''''
* '''''Bilder und Kennzeichnungen'''''
Viel näher scheint es hingegen zu liegen, Bilder im Sinne von
Viel näher scheint es hingegen zu liegen, Bilder im Sinne von Kennzeichnungen zu gebrauchen, wird ein abgebildeter Gegenstand doch vor allem mithilfe seiner visuellen Eigenschaften präsentiert.  
Kennzeichnungen zu gebrauchen, wird ein abgebildeter Gegenstand doch
vor allem mithilfe seiner visuellen Eigenschaften präsentiert.


Kennzeichnungstheorien des Bildes sind häufig eingebettet in
Kennzeichnungstheorien des Bildes sind häufig eingebettet in Prädikationstheorien (⊳ [[Prädikation]]), da jede Kennzeichnung im Kern auf eine vorgängige Prädikation zurückgreift (so etwa bei Sachs-Hombach). Ein Gegenstand werde entsprechend bildlich identifiziert, indem seine bekannten visuellen Charakteristika verwendet werden. Wie oben erwähnt wird in einem darstellenden Bild aber in der Regel mehr als ein einzelner isolierter Gegenstand gezeigt.
Prädikationstheorien (⊳ [[Prädikation]]), da jede Kennzeichnung im Kern
auf eine vorgängige Prädikation zurückgreift (so etwa bei Sachs-Hombach
). Ein Gegenstand werde entsprechend bildlich identifiziert, indem
seine bekannten visuellen Charakteristika verwendet werden. Wie oben
erwähnt wird in einem darstellenden Bild aber in der Regel mehr als ein
einzelner isolierter Gegenstand gezeigt.


Wie schon bei den Eigennamen werden auch sprachliche Kennzeichnungen
Wie schon bei den Eigennamen werden auch sprachliche Kennzeichnungen viel eher im Zusammenhang von Bildern verwendet, genauer: daß Kennzeichnungen dazu verwendet werden, um auf durch die Bildpräsentation medial ins Diskursuniversum eingeführte Gegenstände verweisen zu können und über diese etwas auszusagen. Vor allem der Gebrauch deiktischer Kennzeichnungen ist in dieser Hinsicht aufschlußreich: Denn auf was zeigt man eigentlich, wenn man auf eine Stelle eines Bildträgers zeigt und dabei eine deiktische Kennzeichnung benutzt, die einen abgebildeten Gegenstand identifiziert? Dass dabei ein einzelner, dem Gesprächspartner als bekannt vorausgesetzter Gegenstand gemeint ist ergibt sich aus der allgemeinen Funktion der Nomination. Dass dieser gemeinte Gegenstand als zumindest in gewissem Sinn anwesend gelten muß folgt aus der Verwendung der deiktischen Partikel zusammen mit der Zeigegeste. Die Verwendung des Bildes hat also in diesem Fall, genauer gesagt, die Funktion die Kommunikationssituation um nicht anwesende Gegenstände zu erweitern. Es handelt sich demnach um eine [[Kontextbildung]] im Sinne der [[modale Bildtheorie|modalen Bildtheorie]].  
viel eher im Zusammenhang von Bildern verwendet, genauer: daß
Kennzeichnungen dazu verwendet werden, um auf durch die
Bildpräsentation medial ins Diskursuniversum eingeführte Gegenstände
verweisen zu können und über diese etwas auszusagen. Vor allem der
Gebrauch deiktischer Kennzeichnungen ist in dieser Hinsicht
aufschlußreich: Denn auf was zeigt man eigentlich, wenn man auf eine
Stelle eines Bildträgers zeigt und dabei eine deiktische Kennzeichnung
benutzt, die einen abgebildeten Gegenstand identifiziert? Dass dabei
ein einzelner, dem Gesprächspartner als bekannt vorausgesetzter
Gegenstand gemeint ist ergibt sich aus der allgemeinen Funktion der
Nomination. Dass dieser gemeinte Gegenstand als zumindest in gewissem
Sinn anwesend gelten muß folgt aus der Verwendung der deiktischen
Partikel zusammen mit der Zeigegeste. Die Verwendung des Bildes hat
also in diesem Fall, genauer gesagt, die Funktion die
Kommunikationssituation um nicht anwesende Gegenstände zu erweitern. Es
handelt sich demnach um eine [[Kontextbildung]] im Sinne der [[modale
Bildtheorie|modalen Bildtheorie]].  


* '''''Bilder als eigenständige Form der Nomination'''''
* '''''Bilder als eigenständige Form der Nomination'''''
Offen bleibt derzeit, ob sich mithilfe von Bildpräsentationen eine ganz
Offen bleibt derzeit, ob sich mithilfe von Bildpräsentationen eine ganz eigenständige Art der Nomination durchführen läßt, die nicht mit den Mechanismen der sprachlichen Nominationen übereinstimmt. Es müßte dabei um eine Zeichenteilhandlung gehen, durch die man, um darüber etwas Weiteres mitzuteilen, einen dem Gegenüber bereits bekannten Gegentand in den gemeinsamen Fokus der Aufmerksamkeit rückt, indem man weder konventionell vergebene Symbole, noch charakteristische Eigenschaften, weder ostensive Deixis noch Vorerwähntheit ausnutzt.<ref>'''''Vertritt jemand eine solche Position? Kennt da jemand was? --JRJS'''''</ref>
eigenständige Art der Nomination durchführen läßt, die nicht mit den
Mechanismen der sprachlichen Nominationen übereinstimmt. Es müßte dabei
um eine Zeichenteilhandlung gehen, durch die man, um darüber etwas
Weiteres mitzuteilen, einen dem Gegenüber bereits bekannten Gegentand
in den gemeinsamen Fokus der Aufmerksamkeit rückt, indem man weder
konventionell vergebene Symbole, noch charakteristische Eigenschaften,
weder ostensive Deixis noch Vorerwähntheit
ausnutzt.<ref>'''''Vertritt jemand eine solche Position? Kennt da
jemand was? --JRJS'''''</ref>


* '''''Welche Gegenstände identifizieren ungegenständliche Bilder?'''''
* '''''Welche Gegenstände identifizieren ungegenständliche Bilder?'''''
Unter der Hypothese einer prinzipiell nominatorischen Grundverwendung
Unter der Hypothese einer prinzipiell nominatorischen Grundverwendung von Bildern muß auch die Frage geklärt werden, welche Gegenstände dann eigentlich mithilfe von ungegenständlichen Bildern identifiziert werden. Alles in allem erscheint damit die Nomination als Basisform der Bildverwendung wenig überzeugend.  
von Bildern muß auch die Frage geklärt werden, welche Gegenstände dann
eigentlich mithilfe von ungegenständlichen Bildern identifiziert
werden. Alles in allem erscheint damit die Nomination als Basisform der
Bildverwendung wenig überzeugend.  




=====Nominator, singulärer Ausdruck und Satzsubjekt=====
=====Nominator, singulärer Ausdruck und Satzsubjekt=====
Die sprachlichen Ausdrücke, mit deren Hilfe eine Nomination ausgeführt
Die sprachlichen Ausdrücke, mit deren Hilfe eine Nomination ausgeführt wird, werden ''Nominatoren'' genannt. Sie entsprechen weitgehend dem, was mit dem älteren Ausdruck „singuläre Termini“ bezeichnet wurde, analog zu den „generellen Termini“ (cf. <bib id='Tugendhat & Wolf 1983a'></bib> und <bib id='Tugendhat 1976a'></bib>). Der Ausdruck ‘Nominator’ wurde eingeführt in <bib id='Lorenz 1970a'></bib>: 214 insbesondere mit dem Ziel, eine klarere Unterscheidung zu erhalten zwischen logischer und linguistischer Analyse.
wird, werden ''Nominatoren'' genannt. Sie entsprechen weitgehend dem,
 
was mit dem älteren Ausdruck „singuläre Termini“ bezeichnet wurde,
Obwohl mit dem Satzsubjekt in aller Regel eine Nomination ausgeführt wird, gibt es Ausnahmen: die Sätze mit unpersönlich gebrauchtem „es“,wie in „es regnet“. Diese bilden daher im engeren Sinn auch keine Propositionen.
analog zu den „generellen Termini“ (cf. <bib id='Tugendhat &
Wolf 1983a'></bib> und <bib id='Tugendhat
1976a'></bib>). Der Ausdruck ‘Nominator’ wurde eingeführt in
<bib id='Lorenz 1970a'></bib>: 214 insbesondere mit dem
Ziel, eine klarere Unterscheidung zu erhalten zwischen logischer und
linguistischer Analyse.


Obwohl mit dem Satzsubjekt in aller Regel eine Nomination ausgeführt
wird, gibt es Ausnahmen: die Sätze mit unpersönlich gebrauchtem
„es“,wie in „es regnet“. Diese bilden daher im engeren Sinn auch keine
Propositionen.


{{GlosTab2}}
{{GlosTab2}}

Version vom 17. März 2010, 18:12 Uhr

Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht


Nomination als ungesättigte Teilhandlung der Proposition

Fragt man nach der Pragmatik von Zeichen, dann wird schnell ein kombinatorisches Schema assoziiert ähnlich jenem, das die pragmatische Funktion von Aussagen aus den Teilzeichenhandlungen der Nomination und der Prädikation rekonstruiert. Insbesondere bei Bildern – genauer bei Kommunikationsakten mithilfe von Bildern – wird oft untersucht, ob nicht gerade jene Teilfunktionen ein die Bildpragmatik erzeugendes System elementarer kommunikativer Akte liefern könnten (vgl. [Sachs-Hombach]Der Eintrag existiert noch nicht. oder [Harth]Der Eintrag existiert noch nicht.....). Nomination ist die Zeichenteilhandlung, mit der man auf einen Gegenstand aufmerksam macht, über den etwas mitgeteilt werden soll; dieser Gegenstand muß dabei beiden Kommunikationspartnern bereits bekannt – in ihrem gemeinsamen „Diskurs­uni­ver­sum“ vorhanden – sein (cf. [Kamlah & Lorenzen 1973a]Kamlah, Wilhelm & Lorenzen, Paul (1973): Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. BI Wissenschaftsverlag, München.
Nicht angezeigt: 2. Aufl. (<sup>1</sup>1967, <sup>3</sup>1996)
§ 3, sowie [Gerhardus et al. 1975a]Gerhardus, Dietfried; Kledzik, Silke M. & Reitzig, Gerd H. (1975): Schlüssiges Argumentieren – Logisch-propädeutisches Lehr- und Arbeitsbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
S. 42). Dabei gilt die Nomination als im Sinne Freges ungesättigt, d.h. als eine echte Teilhandlung, die ergänzungsbedürftig ist und sinnvoller Weise nicht alleine vorkommen kann.

Insbesondere ohne die Vervollständigung zu einer Proposition durch eine Prädikation stünde das Erwähnen eines Gegenstandes durch die Nomination kommunikativ gewissermaßen im leeren Raum.


Arten und Voraussetzungen der Nomination

In Verbindung mit Zeigegesten dienen häufig deiktische Ausdrücke – „dies“, „diese/r/s“ etc. – dazu, die Teilhandlung Nomination auszuführen, insbesondere wenn die aktuelle Kommunikationssituation, und die „darin gegebenen“ materiellen Gegenstände gemeint sind. Die Funktion der Nomination ist nicht auf solche Gegenstände beschränkt: Auch mit den Ausdrücken „das letzte Einhorn“, „diese Idee des Schönen“, „Otto von Guericke“ oder „Harry Potters Gegenspieler“ können wir ja durchaus auf Diskursgegenstände verweisen. Im ersten Fall handelt es sich um eine definite Kennzeichnungen auf einen fiktiven Gegenstand, im zweiten Fall um eine deiktische Kennzeichnungen auf einen abstrakten Gegenstand, im dritten Fall um einen Eigennamen für einen realen Gegenstand in der Vergangenheit und im vierten Fall um eine komplexe Nomination mit Eigenname und Kennzeichnung für einen medial vermittelten Gegenstand.

Übersicht über die Arten der Nomination
einfache deiktische Ausdrücke (Demonstrator) „dies“, „dieser“ zusammen mit Zeigegeste verwendet, keine Eigenschafts- oder Typangabe
indexikalische Ausdrücke „ich“, „dir“, „uns“ ergeben sich unmittelbar aus der Kommunikationssituation und ihren Komponenten; das Bezeichnete muß also gegenwärtig sein; gilt insbesondere für die Kommunikationspartner selbst
Anaphern „es“, „sie“, „ihm“, „ihnen“ ohne Zeigehandlung verwendet, Verweis auf vorerwähnte Gegenstände
Eigennamen konventionell (durch Taufakt im weitesten Sinn) etablierte Nominatoren
definite Kennzeichnungen[1] „das Einhorn“, „das verletzte Einhorn“, „das Einhorn, das sein Horn verloren hat“ individuierte Instanz eines bestimmten Typs – eine Deskription „dasjenige im aktuellen Diskursuniversum, von dem Du weißt, daß es diese und jene Eigenschaft besitzt“
anaphorische Kennzeichnungen „sein Einhorn“ Kombination aus anaphorischen und deskriptiven Nominatoren
deiktische Kennzeichnungen „dieses Einhorn“ Kombination aus deiktischen und deskriptiven Nominatoren; gilt als die allgemeinste Form, aus der sich die anderen Formen ableiten

Wichtig ist in allen Fällen, daß die jeweiligen Kommunikationspartner die gemeinten Gegenstände bereits kennen und in irgendeiner Form von den anderen gerade aktuellen Diskursgegenständen auseinanderhalten können. Eine Nomination kann nämlich nur erfolgreich durchgeführt werden, wenn klar ist, welche Menge von Gegenständen überhaupt gerade zur Auswahl steht, d.h. über welches Diskursuniversum die Kommunikationspartner sich gerade verständigen. Für die deiktischen Nominationsformen ist sofort klar, daß dies die Äußerungssituation sein muß, in der sich die Gesprächspartner befinden, also genauer: die Gegenstände, die sie dort (gemeinsam) wahrnehmen können.[2] Im allgemeinen Fall beziehen sich die Nominationen auf einen Kontext, der entweder implizit[3] klar ist oder explizit[4] angegeben wurde.


Bildhafte Nominationen?

Inwiefern ist die Teilhandlung Nomination für die Bildverwendung relevant? Immerhin reden wir umgangssprachlich oft so, daß wir uns mithilfe eines Bildes einen bestimmten Gegenstand vor Augen (und Geist) führen. Sollte möglicherweise gar die Nomination die grundlegende Form des Bildgebrauchs sein? Wäre das der Fall, dann müßte die Nomination jeder Bildverwendung zu Grunde liegen.

Beispielbild (noch nicht das richtige)

Beispielsweise empfinden wir es als nicht ungewöhnlich, wenn jemand das Bild einer großen, rot angestrichenen Hängebrücke mit zwei auffällig gestalteten Pfeilern präsentiert und dazu knapp bemerkt: „Ist 1936 gebaut worden.“ Der Bildzeichenakt übernimmt also anscheinend die Rolle der Nomination; hier gilt ebenso wie bei den rein sprachlichen Nominationen, daß auch der passive Diskurspartner jenes Objekt bereits als gemeinsam bekannt verstehen muß, da er ansonsten nicht wüßte, worauf er die Prädikation des Baujahres überhaupt beziehen soll. Die modale Bildtheorie widerspricht dieser Analyse der Beispielsituation: Bei der anscheinend nominatorisch eingesetzten Abbildung der Golden Gate-Brücke eröffne das Bild vielmehr einen referentiellen Kontext mit dem intentionalen Gegenstand als (potentielle) Figur vor einem (potentiellen) Grund. Über diesen wird dann (unter der Annahme, daß das Gegenüber den individuellen Gegen­stand auch visuell erkennt) das nicht wahrnehmbare Baujahr prädiziert. Tatsächlich wird ja nicht das gesamte Bild nominatorisch benutzt – der Himmel, der Ozean, die Autos auf der Brücke oder ein Segelbot darunter, die ebenfalls zu sehen sein mögen, sind in diesem Fall nicht angesprochen, obwohl in den letzten drei Fällen die angegebene Prädikation durchaus auch verwendbar sein könnte. Diese abgebildeten Gegenstände könnten aber bei Gelegenheit jeweils ebenfalls als Figur herausgegriffen werden. Tatsächlich treten, wenn man versucht, Bildverwendung im Sinne einer der Nominationsarten zu verstehen, eine Reihe charakteristischer Probleme auf, die jeweils Besonderheiten der Bildverwendung unterstreichen können. Im Folgenden sind diese Probleme der Situation gegenübergestellt, daß eine entsprechende sprachliche Nominationsform die Bildpräsentation begleitet.

  • Bilder und deiktische oder anaphorische Ausdrücke

Bilder im Sinne von deiktischen Ausdrücken zu verwenden, also etwa an Stelle der Äußerung von "Dies!" und zusammen mit einer (nicht auf das Bild gerichteten) Zeigegeste, ist nicht recht vorstellbar, müßte doch der damit gemeine Gegenstand dann immer zugleich zugegen sein. Man würde diese Präsentationshandlungen jedenfalls üblicherweise nicht in dem hier intendierten Sinn verstehen.

Für anaphorische Nomination gilt prinzipiell Analoges: Sie können durch Bildverwendung nicht ersetzt werden. Umgekehrt kann man aber sehr wohl mit Anaphern auch ohne Vorerwähntheit auf abgebildete Gegenstände sprachlich verweisen, ebenso wie dazu ein Demonstrator mit Zeigegeste in Richtung auf das Bild häufig ohne Probleme verwendet werden kann.

  • Bilder und Eigennamen

Generell wird nicht davon ausgegangen, daß Bilder wie Eigennamen funktionieren können, da Eigennamen in einer (mehr oder weniger weit gefassten) Taufsituation konventionell eingesetzt werden müssen. Bei Bildern steht hingegen zumindest im Kernbereich eine (mehr oder weniger starke) nicht-konventionelle Darstellungsbeziehung im Fokus der Aufmerksamkeit. Umgekehrt werden Eigennamen faktisch häufig mit einer Bildverwendung in Zusammenhang gebracht, etwa bei Portraits, Paßbildern oder der Abbildung bekannter Bauwerke. Wäre die Bildverwendung im Grunde analog einer Nomination per Eigenname, so würde ein solches Verhalten keinen Sinn machen, da entweder der sprachliche oder der bildhafte Eigenname alleine bereits ausreichen würden, um den Gegenstand zu identifizieren, oder aber beide als Nomination jeweils versagen.

  • Bilder und Kennzeichnungen

Viel näher scheint es hingegen zu liegen, Bilder im Sinne von Kennzeichnungen zu gebrauchen, wird ein abgebildeter Gegenstand doch vor allem mithilfe seiner visuellen Eigenschaften präsentiert.

Kennzeichnungstheorien des Bildes sind häufig eingebettet in Prädikationstheorien (⊳ Prädikation), da jede Kennzeichnung im Kern auf eine vorgängige Prädikation zurückgreift (so etwa bei Sachs-Hombach). Ein Gegenstand werde entsprechend bildlich identifiziert, indem seine bekannten visuellen Charakteristika verwendet werden. Wie oben erwähnt wird in einem darstellenden Bild aber in der Regel mehr als ein einzelner isolierter Gegenstand gezeigt.

Wie schon bei den Eigennamen werden auch sprachliche Kennzeichnungen viel eher im Zusammenhang von Bildern verwendet, genauer: daß Kennzeichnungen dazu verwendet werden, um auf durch die Bildpräsentation medial ins Diskursuniversum eingeführte Gegenstände verweisen zu können und über diese etwas auszusagen. Vor allem der Gebrauch deiktischer Kennzeichnungen ist in dieser Hinsicht aufschlußreich: Denn auf was zeigt man eigentlich, wenn man auf eine Stelle eines Bildträgers zeigt und dabei eine deiktische Kennzeichnung benutzt, die einen abgebildeten Gegenstand identifiziert? Dass dabei ein einzelner, dem Gesprächspartner als bekannt vorausgesetzter Gegenstand gemeint ist ergibt sich aus der allgemeinen Funktion der Nomination. Dass dieser gemeinte Gegenstand als zumindest in gewissem Sinn anwesend gelten muß folgt aus der Verwendung der deiktischen Partikel zusammen mit der Zeigegeste. Die Verwendung des Bildes hat also in diesem Fall, genauer gesagt, die Funktion die Kommunikationssituation um nicht anwesende Gegenstände zu erweitern. Es handelt sich demnach um eine Kontextbildung im Sinne der modalen Bildtheorie.

  • Bilder als eigenständige Form der Nomination

Offen bleibt derzeit, ob sich mithilfe von Bildpräsentationen eine ganz eigenständige Art der Nomination durchführen läßt, die nicht mit den Mechanismen der sprachlichen Nominationen übereinstimmt. Es müßte dabei um eine Zeichenteilhandlung gehen, durch die man, um darüber etwas Weiteres mitzuteilen, einen dem Gegenüber bereits bekannten Gegentand in den gemeinsamen Fokus der Aufmerksamkeit rückt, indem man weder konventionell vergebene Symbole, noch charakteristische Eigenschaften, weder ostensive Deixis noch Vorerwähntheit ausnutzt.[5]

  • Welche Gegenstände identifizieren ungegenständliche Bilder?

Unter der Hypothese einer prinzipiell nominatorischen Grundverwendung von Bildern muß auch die Frage geklärt werden, welche Gegenstände dann eigentlich mithilfe von ungegenständlichen Bildern identifiziert werden. Alles in allem erscheint damit die Nomination als Basisform der Bildverwendung wenig überzeugend.


Nominator, singulärer Ausdruck und Satzsubjekt

Die sprachlichen Ausdrücke, mit deren Hilfe eine Nomination ausgeführt wird, werden Nominatoren genannt. Sie entsprechen weitgehend dem, was mit dem älteren Ausdruck „singuläre Termini“ bezeichnet wurde, analog zu den „generellen Termini“ (cf. [Tugendhat & Wolf 1983a]Tugendhat, Ernst & Wolf, Ursula (1983): Logisch-semantische Propädeutik. Reclam, Stuttgart.
Notiz: (revid. 1986)
und [Tugendhat 1976a]Tugendhat, Ernst (1976): Vorlesungen zur Einführung in die sprachanalytische Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
). Der Ausdruck ‘Nominator’ wurde eingeführt in [Lorenz 1970a]Lorenz, Kuno (1970): Elemente der Sprachkritik – Eine Alternative zum Dogmatismus und Skeptizismus in der Analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: 214 insbesondere mit dem Ziel, eine klarere Unterscheidung zu erhalten zwischen logischer und linguistischer Analyse.

Obwohl mit dem Satzsubjekt in aller Regel eine Nomination ausgeführt wird, gibt es Ausnahmen: die Sätze mit unpersönlich gebrauchtem „es“,wie in „es regnet“. Diese bilden daher im engeren Sinn auch keine Propositionen.


Anmerkungen
  1. ↑ Indefinite Kennzeichnungen („ein Einhorn“) erfüllen in aller Regel keine nominatorische sondern prädikatorische Funktion.
  2. ↑ Darüber hinaus können deiktische Ausdrücke und die zugehörigen Zeigegesten auch in einem weiteren Sinn verwendet werden. Dann können die Zeigegesten und der damit verbundene Demonstrator auf einen lediglich vorgestellten oder auch abstrakten Gegenstand verweisen, allerdings immer noch so, als wäre der in der aktuellen Kommunikationssituation konkret zugegen.
  3. ↑ Neben der unmittelbaren Äußerungssituation ergibt sich als Standardfall bei einer Folge von Aussagen der Kontext einer Aussage, falls nichts anderes ausdrücklich erwähnt wird, aus dem Kontext der vorangehenden Aussage.
  4. ↑ Neben audrücklichen Verweisen auf einen Kontext, etwa in Form von Orts- und Zeitangaben („in Paris vor dem Tor der Bastille am 14. Juli 1789“, als Satzadverb) oder Medienangaben („in dem Film ‘Vertigo’ von Hitchcock“, als Satzadverb), liefern beispielsweise auch die Tempusangaben den gemeinten Kontextbezug.
  5. ↑ Vertritt jemand eine solche Position? Kennt da jemand was? --JRJS
Literatur
[Gerhardus et al. 1975a]Gerhardus, Dietfried; Kledzik, Silke M. & Reitzig, Gerd H. (1975): Schlüssiges Argumentieren – Logisch-propädeutisches Lehr- und Arbeitsbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Harth 2001a]Harth, Manfred (2001): Bezugnahme bei Bildern. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildhandeln: Interdisziplinäre Forschungen zur Pragmatik bildhafter Darstellungsformen. Halem, Köln.[Kamlah & Lorenzen 1973a]Kamlah, Wilhelm & Lorenzen, Paul (1973): Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. BI Wissenschaftsverlag, München.[Lorenz 1970a]Lorenz, Kuno (1970): Elemente der Sprachkritik – Eine Alternative zum Dogmatismus und Skeptizismus in der Analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommu­nika­tives Medium. Ele­mente einer allge­meinen Bild­wissen­schaft. Halem, Köln.[Tugendhat & Wolf 1983a]Tugendhat, Ernst & Wolf, Ursula (1983): Logisch-semantische Propädeutik. Reclam, Stuttgart.[Tugendhat 1976a]Tugendhat, Ernst (1976): Vorlesungen zur Einführung in die sprachanalytische Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.

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Jörg R.J. Schirra