Bildpolitik: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
Verantwortlich
Petra Bernhardt (Diskussion | Beiträge)
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=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
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<!--Bildlichkeit und Politik sind eng miteinander verbunden. "Politische Ordnungen sind für die Aufrechterhaltung und die Durchsetzung ihrer Geltungsansprüche auf symbolische und ästhetische Formen der Eigendarstellung angewiesen" (Vorländer 2003, 16). Gesellschaftliche Machtverhältnisse werden deshalb seit vielen Jahrhunderten mit Hilfe visueller Medien (etwa Münzen, Gemälde, Skulpturen oder auch Bauwerke) stabilisiert. Beispielhaft für diese enge Verbindung von Politik und Symbolik bzw. Bildlichkeit stehen Herrschaftsbauten wie die mittelalterlichen Adelsburgen, die keineswegs nur wehrtechnische oder ökonomische, sondern auch visuell-repräsentative Funktionen erfüllten (vgl. Zeune 1997). Verschiedenste Architekturformen bieten reichhaltiges Belegmaterial für das enge Wechselspiel zwischen Bildlichkeit und Politik an (vgl. beispielsweise Warnke 1984; Beyme 2004): Parlamentsbauten etwa sind so eng mit dem demokratischen Repräsentationsgedanken verknüpft, dass neben dem Baukörper auch die dort errichtete Sitzordnung von hoher symbolischer Bedeutung ist (vgl. Manow 2008). Aufgrund ihrer Multifunktionalität bietet sich Architektur immer zur politischen Indienstnahme an: So können Sakralbauten wie der Speyerer Kaiserdom als Kulissen für Staatsbesuche dienen und im Rahmen transnationaler Medienereignisse wie etwa einer Fußballweltmeisterschaft finden Amtsträger sich häufig in Sportstadien ein, um die große Medienaufmerksamkeit für ihre Zwecke zu nutzen.
Besonders offensichtlich ist Bildpolitik immer dort, wo Herrschaft sich mit Hilfe von Visualisierungen darstellen lässt: In der abendländischen Kunstgeschichte ist das besonders häufig in Form von Herrschaftsbauten, gemalten Porträts und Denkmalen geschehen. Durch die mediale Entwicklung des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts haben sich die diesbezüglichen Möglichkeiten verändert und erweitert. In der "Mediokratie" (Meyer 2001) prägen verschiedenste Akteurinnen und Akteure (z.B. PR-Spezialisten, Bildagenturen, Fernsehsender, Künstler, etc.) und Formate (u.a. Pressefotos, Wahlplakate, Websites, Talkshows, etc.) die politische Kommunikation.
Obwohl in der einschlägigen Literatur umstritten ist, ab wann historisch von "Bildpolitik" gesprochen werden kann, lassen sich einige ihrer aktuellen Tendenzen auf tief reichende bildgeschichtliche Wurzeln zurückführen: Beispielsweise geht ein abrupter politischer Systemwechsel häufig mit Bilderstürzen im öffentlichen Raum einher; das gilt für die Zeit der Französischen Revolution ebenso wie für das Ende des ostmitteleuropäischen Staatssozialismus 200 Jahre später oder für den Irakkrieg zu Beginn des 21. Jahrhunderts (vgl. etwa Speitkamp 1997; Fahlenbach/Viehoff 2005). -->
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=====Engere Begriffsbestimmung=====
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Version vom 8. April 2011, 20:46 Uhr

Unterpunkt zu: Bildpragmatik


Darstellung des gr. Zusammenhangs
Engere Begriffsbestimmung
optional Beispiele
Auswirkungen auf andere Begriffe
Anmerkungen
Literatur
[Bachmann-Medick 2006a]Bachmann-Medick, Doris (2006): Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften. Rowohlt, Reinbek.[Bernhardt et al. 2009a]Bernhardt, Petra; Hadj-Abdou, Leila; Liebhart, Karin & Pribersky, Andreas (2009): EUropäische Bildpolitiken. Politische Bildanalyse an Beispielen der EU-Politik. facultas UTB, Wien.[Beyme 2004a]Beyme, Klaus von (2004): Politische Ikonologie der modernen Architektur. In: Schwelling, B. (Hg.), Politikwissenschaft als Kulturwissenschaft. Theorien, Methoden, Problemstellungen. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.[Bieger 2007a]Bieger, Laura (2007): Ästhetik der Immersion. Raum-Erleben zwischen Welt und Bild. transcript, Bielefeld.[Burke 2003a]Burke, Peter (2003): Augenzeugenschaft. Bilder als historische Quellen. Wagenbach, Berlin.[Drechsel 2006a]Drechsel, Benjamin (2006): Was ist ein politisches Bild? Einige Überlegungen zur Entwicklung der Politikwissenschaft als Bildwissenschaft. Moderne. Kulturwissenschaftliches Jahrbuch, 2.[Fahlenbrach & Viehoff 2005a]Fahlenbrach, Kathrin & Viehoff, Reinhold (2005): Medienikonen des Krieges. Die symbolische Entthronung Saddams als Versuch strategischer Ikonisierung. In: Knieper, T. & Müller, M. G. (Hg.), War Visions. Bildkommunikation und Krieg. Halem, Köln.[Grittmann 2007a]Grittmann, Elke (2007): Das politische Bild. Fotojournalismus und Pressefotografie. Halem, Köln.[Hömberg & Karasek 2008a]Hömberg, Walter & Karasek, Johannes (2008): Der Schweißfleck der Kanzlerkandidatin. Bildmanipulation, Bildfälschung und Bildethik im Zeitalter der digitalen Fotografie. Communicatio Socialis, 3.[Jäger & Knauer 2009a]Jäger, Jens & Knauer, Martin (Hg.) (2009): Bilder als historische Quellen? Dimensionen der Debatte um historische Bildforschung. Fink, München.[Knieper & Müller 2005a]Knieper, Thomas & Müller, Marion G. (2005): War Visions. Bildkommunikation und Krieg. Halem, Köln.[Manow 2008a]Manow, Philip (2008): Im Schatten des Königs. Die politische Anatomie demokratischer Repräsentation. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Meyer 2001a]Meyer, Thomas (2001): Mediokratie. Die Kolonisierung der Politik durch das Mediensystem. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Mirzoeff 2007a]Mirzoeff, Nicholas (2007): Von Bildern und Helden. Sichtbarkeit im Krieg der Bilder. In: Haustein, L.; Scherer, B. & Hager, M. (Hg.), Feindbilder. Ideologien und visuelle Strategien der Kulturen. Wallstein, Göttingen.[Mitchell 2006a]Mitchell, William J.T. (2006): Den Terror klonen. Der Krieg der Bilder 2001-2004. In: Maar, Ch. & Burda, H. (Hg.), Iconic Worlds. Neue Bilderwelten und Wissensräume. DuMont, Köln.[Müller 1997a]Müller, Marion G. (1997): Politische Bildstrategien im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, 1828-1996. Akademie Verlag, Berlin.[Münkler 2009a]Münkler, Herfried (2009): Visualisierungsstrategien im politischen Machtkampf: Der Übergang vom Personenverband zum institutionellen Territorialstaat. In: Münkler, H. & Hacke, J. (Hg.), Strategien der Visualisierung. Verbildlichung als Mittel politischer Kommunikation. Campus, Frankfurt/M.[Paul 2005a]Paul, Gerhard (2005): Der Bilderkrieg. Inszenierungen, Bilder und Perspektiven der «Operation Irakische Freiheit». Wallstein, Göttingen.[Paul 2006a]Paul, Gerhard (Hg.) (2006): Visual History. Ein Studienbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Paul 2008a]Paul, Gerhard (Hg.) (2008): Das Jahrhundert der Bilder. 1949 bis heute. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Paul 2009a]Paul, Gerhard (Hg.) (2009): Das Jahrhundert der Bilder. 1900 bis 1949. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Soeffner & Tänzler 2002a]Soeffner, Hans-Georg & Tänzler, Dirk (2002): Figurative Politik. Prolegomena zu einer Kultursoziologie politischen Handelns. In: Soeffner, H.-G. & Tänzler, D. (Hg.), Figurative Politik. Zur Performanz der Macht in der modernen Gesellschaft. Leske & Budrich, Opladen.[Speitkamp 1997a]Speitkamp, Winfried (1997): Denkmalsturz. Zur Konfliktgeschichte politischer Symbolik. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Vorländer 2003a]Vorländer, Hans (2003): Demokratie und Ästhetik. Zur Rehabilitierung eines problematischen Zusammenhangs. In: Vorländer, H. (Hg.), Zur Ästhetik der Demokratie. Formen der politischen Selbstdarstellung. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart.[Warnke 1984a]Warnke, Martin (1984): Politische Architektur in Europa vom Mittelalter bis heute: Repräsentation und Gemeinschaft. DuMont, Köln.[Werckmeister 2005a]Werckmeister, Otto Karl (2005): Der Medusa Effekt. Politische Bildstrategien seit dem 11. September 2001. form + zweck, Berlin.[Zeune 1997a]Zeune, Joachim (1997): Burgen. Symbole der Macht. Ein neues Bild der mittelalterlichen Burg. Pustet, Regensburg.

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Petra Bernhardt und Marcel Lemmes — (Hinweis)