Replika, Faksimile und Kopie: Unterschied zwischen den Versionen

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=====Etymologie und allgemeine Bedeutung/en=====  
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‘’Kopie’, ‘Faksimile’ und ‘Replika’ sind Ausdrücke, die mit leichten Bedeutungsunterschieden Gegenstände bezeichnen, die nach der Vorlage eines Originals hergestellt bzw. gestaltet worden sind;  den von ihnen bezeichneten Gegenständen ist  der Bezug auf ein [[Original|Original]]
gemeinsam.
Über die wirkmächtigste Vorgeschichte verfügt ‘Kopie’, was sich vom lateinischen Ausdruck ‘co-ops’, dem Wort für Reichtum und Überfluss ableitet. In der antiken und mittelalterlichen Rhetorik bezeichnete ‘copia’ die Vielfalt von Ideen oder Vorstellungen (copia rerum), die Vielfalt des Vokabulars (copia verborum) sowie ferner auch allgemein die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die einem Redner zur Verfügung stehen; mit dem Übergang von primär mündlich zu stärker schrift- und druckbasierten Kulturen in Mittelalter und Neuzeit beginnt ‘copia’ die Produkte von Vervielfältigungsprozessen wie vor allem Abschriften und Drucke zu bezeichnen (vgl. <bib id='Margolin 1994a'></bib>). Daneben können im Rahmen der Theorie der [[Mimesis|Mimesis]] bis in das 18. Jahrhundert hinein auch Kunstwerke noch allgemein als Kopien der Natur begriffen werden,<ref>Der ''locus classicus dafür'' ist Charles Batteux’ Abhandlung «Les Beaux-Arts réduits à un même principe», derzufolge das Kunstwerk eine ‘copie’ ist, die die den ‘prototype’ oder ‘modèle’ (aus der Natur) nachahmen (vgl. <bib id='Batteux 1746a'></bib>: S. 12). Zu den Differenzen zwischen ##</ref> ehe diese Theorie – wie auch die Rhetorik – allmählich durch die Etablierung des Buchdrucks und die Ästhetiken des Genies und Originals an Einfluss verliert.
 
 
 


Von den Ausdrücken ‘Replika’, ‘Faksimile’ und ‘Kopie’ verfügt der letzte Ausdruck über die wirkmächtigste Vorgeschichte. Er leitet sich vom lateinischen Ausdruck ‘co-ops’, dem Wort für Reichtum und Überfluss ab. In der antiken und mittelalterlichen Rhetorik bezeichnete ‘copia’ die Vielfalt von Ideen oder Vorstellungen (copia rerum), die Vielfalt des Vokabulars (copia verborum) sowie ferner auch allgemein die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die einem Redner zur Verfügung stehen; mit dem Übergang von primär mündlich zu stärker schrift- und druckbasierten Kulturen in Mittelalter und Neuzeit beginnt ‘copia’ die Produkte von Vervielfältigungsprozessen wie vor allem Abschriften und Drucke zu bezeichnen (vgl. <bib id='Margolin 1994a'></bib>). Daneben können im Rahmen der alteuropäischen Theorien der [[Mimesis|Mimesis]] bis in das 18. Jahrhundert hinein Kunstwerke allgemein noch als Kopien der Natur begriffen werden,<ref>Der ''locus classicus'' dafür ist Charles Batteux’ Abhandlung «Les Beaux-Arts réduits à un même principe», derzufolge das Kunstwerk eine ‘copie’ ist, die die den ‘prototype’ oder ‘modèle’ (aus der Natur) nachahmen (vgl. <bib id='Batteux 1746a'></bib>: S. 12). Zu  Differenzen zwischen ##</ref> ehe diese Theorien – wie auch die Rhetorik – allmählich durch die Etablierung des Buchdrucks und die moderne Ästhetiken des Genies und Originals an Einfluss verlieren. - ‘Faksimile’ lässt sich auf den lateinischen Imperativ ‘fac simile’ (‘mache es ähnlich!’) zurückführen und dient nach 1880 als Sammelname für „besonders vorlagentreue, imitationswillige Reproduktionsgrafiken“ (vgl. <bib id='Rebel 2009a'></bib>: S. 184). -


Replika’, ‘Faksimile’ und ‘’Kopie’ sind Ausdrücke, die mit leichten Bedeutungsunterschieden Gegenstände bezeichnen, die nach der Vorlage eines Originals hergestellt bzw. gestaltet worden sind;  den von ihnen bezeichneten Gegenständen ist der Bezug auf ein [[Original|Original]] gemeinsam.


=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====

Version vom 11. August 2013, 12:09 Uhr

Unterpunkt zu: Bildverwendungstypen


Etymologie/n und allgemeine Bedeutung/en

Von den Ausdrücken ‘Replika’, ‘Faksimile’ und ‘Kopie’ verfügt der letzte Ausdruck über die wirkmächtigste Vorgeschichte. Er leitet sich vom lateinischen Ausdruck ‘co-ops’, dem Wort für Reichtum und Überfluss ab. In der antiken und mittelalterlichen Rhetorik bezeichnete ‘copia’ die Vielfalt von Ideen oder Vorstellungen (copia rerum), die Vielfalt des Vokabulars (copia verborum) sowie ferner auch allgemein die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die einem Redner zur Verfügung stehen; mit dem Übergang von primär mündlich zu stärker schrift- und druckbasierten Kulturen in Mittelalter und Neuzeit beginnt ‘copia’ die Produkte von Vervielfältigungsprozessen wie vor allem Abschriften und Drucke zu bezeichnen (vgl. [Margolin 1994a]Margolin, J.-C. (1994): Copia. In: Ueding, G. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 2 (Bie – Eul). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
). Daneben können im Rahmen der alteuropäischen Theorien der Mimesis bis in das 18. Jahrhundert hinein Kunstwerke allgemein noch als Kopien der Natur begriffen werden,[1] ehe diese Theorien – wie auch die Rhetorik – allmählich durch die Etablierung des Buchdrucks und die moderne Ästhetiken des Genies und Originals an Einfluss verlieren. - ‘Faksimile’ lässt sich auf den lateinischen Imperativ ‘fac simile’ (‘mache es ähnlich!’) zurückführen und dient nach 1880 als Sammelname für „besonders vorlagentreue, imitationswillige Reproduktionsgrafiken“ (vgl. [Rebel 2009a]Rebel, Ernst (2009): Druckgrafik. Geschichte und Fachbegriffe. Mit 56 Abbildungen und Risszeichnungen. Philipp Reclam jun., Stuttgart.
Nicht angezeigt: 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage
: S. 184). -

Replika’, ‘Faksimile’ und ‘’Kopie’ sind Ausdrücke, die mit leichten Bedeutungsunterschieden Gegenstände bezeichnen, die nach der Vorlage eines Originals hergestellt bzw. gestaltet worden sind; den von ihnen bezeichneten Gegenständen ist der Bezug auf ein Original gemeinsam.

Darstellung des gr. Zusammenhangs

Benjamins Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seinertechnischen Reproduzierbarkeit“ hat die Bedeutung reproduktiver Verfahren als ein auch theoretisch wichtiges Problem ins allgemeine Bewusstsein gehoben. Während bisher ein klarer Wertunterschied zwischen Original und Kopie angenommen wurde, hatte Benjamin vorgeschlagen, den mit den reproduzierenden Verfahren einhergehenden Verlust der Aura als eine positive Entwickung zu betrachten. Dies scheint insbesondere für den Film plausibel zu sein, da der Unterschied zwischen Original und Kopie hier insofern marginal ist, als die in Kinos verwendeten Filmrollen (bzw. DVDs) immer Kopien sind und das Original als solches gar nicht mehr in Erscheinung tritt. Für andere Künste, insbesondere für die Malerei, hat sich die strikte Unterscheidung zwischen Original und Kopie aber erhalten. In der Symboltheorie von Nelson Goodman kommt ihr zudem eine wichtige theoretische Funktion zur Unterscheidung von autogaphischen und allographischen Künsten zu (vgl. Goodman 1968, 99ff.).

Während des letzten Jahrhunderts haben sich zahlreiche technische Varianten der Kopierverfahren entwickelt, etwa die Hektographie oder das Pausverfahren, die zunächst durch das elektrische Verfahren der Xerographie und schließlich weitgehend durch elektronische Verfahren abgelöst worden sind. „Replika“, „Faksimile“ und „Kopie“ sind hierbei Ausdrücke, die mit leichten Bedeutungsunterschieden Gegenstände bezeichnen, die nach der Vorlage eines Originals hergestellt bzw. gestaltet worden sind. Replika, Faksimile und Kopien ist also der Bezug auf ein Original gemeinsam. Der Ausdruck „Replika“ wird oft im Sinne einer dreidimensionalen Nachbildung verstanden, während ein Faksimile und eine (Foto-)Kopie in der Regel zweidimensional ist. Oft wird der Ausdruck „Kopie“ auch als Oberbegriff verwendet. Ein Faksimile ist dann eine spezielle, nämlich originalgetreue Kopie, die der Vorlage beispielsweise auch in Größe oder Farbe entspricht.

Nicht alle reproduzierenden Verfahren haben den gleichen Stellenwert wie Kopien. Bespielsweise entstehen im Falle von Grafiken, etwa Kupferstichen oder Lithografien, Realisationen einer Vorlage, die eine eigene Wertigkeit besitzen und auch eine entsprechende Zählung aufweisen (vgl. [Koschatzky 1975a]Koschatzky, Walter (1975): Die Kunst der Graphik. Technik, Geschichte, Meisterwerke. dtv, München.
). Hier ist die Kopie im Sinne eines Abzugs bzw. eines Drucks das eigentliche Bild, während die Vorlage nicht als Bild gilt bzw. in der Regel nicht als Bild ausgestellt wird. Daher ist es sinnvoll und üblich, beispielsweise zwischen Originaldrucken und bloßen Reproduktionen zu unterscheiden. Unabhängig von Fragen zum Urheberrecht werden den autorisierten Drucken in der Regel auch materiale Besonderheiten zugeschrieben.

Für den Bildbegriff ist die Problematik von Kopie und Original interessant, insofern sie oft für den Ausdruck „Bild“ die Lesart eines abstrakten Gegenstandes nahe legt, obwohl wir immer konkrete Gegenstände meinen, wenn wir von Bildern im Sinne von Originalen sprechen. Alle Originaldrucke, die es beispielsweise von Toulouse-Lautrecs „Le Divan Japonais“ gibt, werden als mehr oder weniger gleichwertige Instantiierungen dieses einen Bildes angesehen. Wir verwenden den Ausdruck „Le Divan Japonais“ hier also als einen Eigennamen, mit dem wir nicht einen einzelnen konkreten Bildträger bezeichnen wollen, sondern die Klasse der Drucke, die dieses Bild realisieren. In diesem Sinn schreibt etwa Hans Jonas: „Wenn ein Gemälde oder eine Statue genau kopiert wird, so haben wir in der Kopie nicht ein Bild eines Bildes, sondern die Verdoppelung ein und desselben Bildes.“ (Jonas 1994, 113)

Engere Begriffsbestimmung
optional Beispiele
Auswirkungen auf andere Begriffe
Anmerkungen
  1. ↑ Der locus classicus dafür ist Charles Batteux’ Abhandlung «Les Beaux-Arts réduits à un même principe», derzufolge das Kunstwerk eine ‘copie’ ist, die die den ‘prototype’ oder ‘modèle’ (aus der Natur) nachahmen (vgl. [Batteux 1746a]Batteux, Charles (1746): Les Beaux-Arts réduits à un même principe. Durand, Paris.
    : S. 12). Zu Differenzen zwischen ##
Literatur
[Batteux 1746a]Batteux, Charles (1746): Les Beaux-Arts réduits à un même principe. Durand, Paris.[Belting 2004a]Belting, Hans (2004): Bild und Kult. Eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst. C.H. Beck, München.[Benjamin 1974a]Tiedemann, R. & Schweppenhäuser, H. (Hg.) (1974): Walter Benjamin – Gesammelte Schriften. Bd. I.2. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Betz 2012a]Betz, Juliane (2012): Ein ‘Bedürfniß und Eigenthum Aller’. Die Verbreitung von Kunst durch Reproduktionen im 19. Jahrhundert. In: Mensger, A. (Hg.), Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube. Kerber, Bielefeld.[Carroll 2010a]Carroll, Noël (2010): Auf dem Weg zu einer Ontologie des bewegten Bildes. In: Liebsch, D. (Hg.), Philosophie des Films. Grundlagentexte. mentis, Paderborn.[Danto 2000a]Danto, Arthur C. (2000): Das Fortleben der Kunst. Fink, München.[Dürer 1966a]Dürer, Albrecht (1966): Schriftlicher Nachlass. Zweiter Band. Die Anfänge der theoretischen Studien / Das Lehrbuch der Malerei: Von der Maß der Menschen, der Pferde, der Gebäude; Von der Perspektive; Von Farben / Ein Unterricht alle Maß zu ändern. Deutscher Verein für Kunstwissenschaft, Berlin.[Eiling 2012a]Eiling, Alexander (2012): Le Louvre est le livre où nous apprenons à lire. In: Mensger, A. (Hg.), Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube. Kerber, Bielefeld.[Elkins 1993a]Elkins, James (1993): From Original to Copy and Back Again. British Journal of Aesthetics, 33/2.[Goodman 1995a]Goodman, Nelson (1995): Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Jonas 1973a]Jonas, Hans (1973): Homo pictor. Von der Freiheit des Bildens. In: Jonas, H. (Hg.), Organismus und Freiheit. Ansätze zu einer philosophischen Biologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Koschatzky 1975a]Koschatzky, Walter (1975): Die Kunst der Graphik. Technik, Geschichte, Meisterwerke. dtv, München.[Küster 2012a]Küster, Bärbel (2012): Reisen zwischen Original und Kopie im 18. Jahrhundert. In: Mensger, A. (Hg.), Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube. Kerber, Bielefeld.[Margolin 1994a]Margolin, J.-C. (1994): Copia. In: Ueding, G. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 2 (Bie – Eul). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.[Mensger 2012a]Mensger, Ariane (2012): Déjà-vu. Von Kopien und anderen Originalen. In: Mensger, A. (Hg.), Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube. Kerber, Bielefeld.[Olbrich 1987a]Olbrich, Harald (1987): Lexikon der Kunst. Architektur, bildende Kunst, angewandte Kunst, industrielle Formgestaltung, Kunsttheorie. Bd. 1-7. Seemann, Leipzig.[Platon 1922a]Platon (1922): Kratylos. Meiner, Leipzig.[Rebel 2009a]Rebel, Ernst (2009): Druckgrafik. Geschichte und Fachbegriffe. Mit 56 Abbildungen und Risszeichnungen. Philipp Reclam jun., Stuttgart.[Richardson 1792a]Richardson, Jonathan (1792): The Theory of Painting. In: Richardson, J. (Hg.), Works. T. & J. Egerton, London.[Shields 2010a]Shields, David (2010): Reality Hunger. A Manifesto. Knopf, New York.[Stendhal 1868a]Stendhal (Beyle, Henri) (1868): De l'amour. Seule édition complète, augmentée de préfaces et de fragments entièrement inédits. Michel-Lévy frères, Paris.[Sulzer 1771a]Sulzer, Johann Georg (1771): Allgemeine Theorie der Schönen Künste. In einzeln, nach alphabetischer Ordnung der Kunstwörter auf einander folgenden, Artikeln abgehandelt. Bd. 1. M. G. Weidmanns Erben, Leipzig.[Ullrich 2009a]Ullrich, Wolfgang (2009): Raffinierte Kunst. Übung vor Reproduktionen. Wagenbach, Berlin.[Ullrich 2011a]Ullrich, Wolfgang (2011): Gurskyesque: Das Web 2.0, das Ende des Originalitätszwangs und die Rückkehr des nachahmenden Künstlers. In: Nida-Rümelin, J. & Steinbrenner, J. (Hg.), Kunst und Philosophie. Original und Fälschung. Hatje Cantz, Ostfildern.[Winckelmann 1763a]Winckelmann, Johann Joachim (1825): Abhandlung von der Fähigkeit der Empfindung des Schönen in der Kunst, und dem Unterrichte in derselben. In: Eiselein, J. (Hg.), Johann Winckelmanns Sämtliche Werke. Einzig vollständige Ausgabe. Bd. 1. Verlag Deutscher Classiker, Donauöschingen.[Zorach & Rodini 2005]Zorach, Rebecca & Rodini, Elizabeth (2005): On Imitation and Invention. An Introduction to the Reproductive Print. In: Zorach, R. & Rodini, E. (Hg.), Paper Museums. The Reproductive Print in Europe, 1500-1800. University of Chicago Press, Chicago, IL.[Zuschlag 2012a]Zuschlag, Christoph (2012): „Die Kopie ist das Original“. Über Appropriation Art. In: Mensger, A. (Hg.), Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube. Kerber, Bielefeld.[von Dobschütz 1899a]von Dobschütz, Ernst (1899): Christusbilder. Untersuchungen zur christlichen Legende. Hinrichs, Leipzig.[von Gehlen 2011a]Von Gehlen, Dirk (2011): Mashup. Lob der Kopie. Suhrkamp, Berlin.

Verantwortlich:

Klaus Sachs-Hombach