Bilder als Medien: Unterschied zwischen den Versionen

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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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Der Ausdruck ‘Medium’ und die damit assoziierten Begriffe im hier angesprochenen Rahmen erhalten, vor allem im Laufe des 20. Jahrhunderts, Einzug in die wissenschaftlichen Debatten. Dies wird durch die rasante Entwicklung der Kommunikations- und Reproduktionstechnologien in dieser Zeit begünstigt, denn diese Technologien lenken den Blick von den im engeren Sinn syntaktisch-materialen Betrachtungen einerseits und den mit Bedeutungsphänomenen (im engeren Sinn) befassten semantischen Betrachtungen andererseits auf eine weitere Ebene der Kommunikation, die bis dahin nur wenig Beachtung fand. Hierbei geht es um Einflüsse auf das Verhalten der Kommunizierenden, die durch das Verwenden bestimmter Kommunikationsformen auftreten und die von den Beteiligten größtenteils als unterschwellig, indirekt und unbeabsichtigt empfunden werden. Mediale Betrachtungen stehen daher in einem engen Zusammenhang mit [[Pragmatik, Semantik, Syntax|pragmatischen Aspekten]], wobei es Letzteren aber in der Regel vor allem um die von den Kommunizierenden ''beabsichtigten'' gegenseitigen Einflüsse geht, während Medien ihre Einflüsse eher ‘hinter dem Rücken der Akteure’ entfalten.   
Der Ausdruck ‘Medium’ und die damit asso&shy;ziier&shy;ten Begrif&shy;fe im hier ange&shy;sproche&shy;nen Rahmen erhal&shy;ten, vor allem im Laufe des 20. Jahrhun&shy;derts, Einzug in die wissen&shy;schaftli&shy;chen Debat&shy;ten. Dies wird durch die rasan&shy;te Entwick&shy;lung der Kommu&shy;nika&shy;tions- und Repro&shy;duktions&shy;techno&shy;logien in dieser Zeit begüns&shy;tigt, denn diese Techno&shy;logien lenken den Blick von den im enge&shy;ren Sinn syntak&shy;tisch-mate&shy;rialen Betrach&shy;tungen einer&shy;seits und den mit Bedeu&shy;tungsphä&shy;nome&shy;nen (im enge&shy;ren Sinn) befass&shy;ten seman&shy;tischen Betrach&shy;tungen ande&shy;rerseits auf eine weite&shy;re Ebe&shy;ne der Kommu&shy;nika&shy;tion, die bis dahin nur wenig Beach&shy;tung fand. Hierbei geht es um Einflüs&shy;se auf das Verhal&shy;ten der Kommu&shy;nizie&shy;renden, die durch das Verwen&shy;den bestimm&shy;ter Kommu&shy;nika&shy;tionsfor&shy;men auftre&shy;ten und die von den Betei&shy;ligten größten&shy;teils als unter&shy;schwellig, indi&shy;rekt und unbe&shy;absich&shy;tigt empfun&shy;den werden. Media&shy;le Betrach&shy;tungen stehen daher in einem engen Zusam&shy;menhang mit [[Pragmatik, Semantik, Syntax|pragma&shy;tischen Aspek&shy;ten]], wobei es Letzte&shy;ren aber in der Regel vor allem um die von den Kommu&shy;nizie&shy;renden ''beab&shy;sichtig&shy;ten'' gegen&shy;seiti&shy;gen Einflüs&shy;se geht, während Medien ihre Einflüs&shy;se eher “hinter dem Rücken der Akteu&shy;re” entfal&shy;ten.   
 


==Das Auftreten der Medien==
==Das Auftreten der Medien==
Als eigentlicher Ausgangspunkt der modernen Mediendebatte kann das Auftreten von Film und Kino als neues Medium relativ zu verschiedenen Formen der “traditionellen” unbewegten Bilder, der Schrift und der gesprochenen Sprache gesehen werden.  
Als eigentlicher Ausgangs&shy;punkt der moder&shy;nen Medien&shy;debat&shy;te kann das Auftre&shy;ten von Film und Kino als neues Medium rela&shy;tiv zu verschie&shy;denen Formen der “tradi&shy;tionel&shy;len” unbe&shy;wegten Bilder, der Schrift und der gespro&shy;chenen Sprache gese&shy;hen werden.  
 
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Nachdem das 19. Jhd. mit Photographie, Kinematographie und Phonographie die technischen Grundlagen dafür gelegt hatte, auf verhältnismäßig einfache Art und Weise visuelle und auditive Erfahrungen zu konservieren, trat – im Wesentlichen mit dem Beginn des 20. Jhds – ein neuer Blickpunkt ins Bewusstsein der Theoretiker, nämlich dass die Formen der Kommunikation durch die massenhafte Reproduktion und Verbreitung jener technisch-konservierten sinnlichen Erfahrungen mit jeweils spezifischen Nebeneffekten einher zu gehen scheinen. Die sozialen, psychischen und politischen Folgen dieser Phänomene im Gegensatz insbesondere zum (anscheinend) unvermittelten eigene Erleben einerseits und der traditionell stark durch rationale Überprüfungsinstanzen reglementierten sprachlichen Kommunikation andererseits führten zu einer immer eigenständigeren Debatte unterschwelliger Auswirkungen der Art bzw. der Mittel des Kommunizierens von Erfahrung (Benjamin). Insbesondere die Protagonisten der philosophischen Postmoderne haben sich schließlich im Rahmen ihrer generell eher anti-rationalen Einstellungen den medialen Betrachtungen gewidmet und die traditionell sprachzentrierte Philosophie zu “dekonstruieren” versucht (etwa Deleuze, Baudrillard, Virillo; ⊳ auch [[Mediologie]], [[Kommunikologie]]). Der in diesem Zusammenhang ausgerufene “medial turn” mit seiner Spielart “pictorial”, “visualistic” oder “iconic turn” weist dabei zunächst vor allem auf die gewachsene Aufmerksamkeit hin, die den nicht-sprachlichen, darunter insbesondere den Bild-Medien zugewachsen ist.  
Nachdem das 19. Jhd. mit Photo&shy;graphie, Kine&shy;mato&shy;graphie und Phono&shy;graphie die techni&shy;schen Grundla&shy;gen dafür gelegt hatte, auf ver&shy;hältnis&shy;mäßig einfa&shy;che Art und Weise visu&shy;elle und audi&shy;tive Erfah&shy;rungen zu konser&shy;vieren, trat – im Wesent&shy;lichen mit dem Beginn des 20. Jhds – ein neuer Blick&shy;punkt ins Bewusst&shy;sein der Theore&shy;tiker, nämlich dass die Formen der Kommu&shy;nika&shy;tion durch die massen&shy;hafte Repro&shy;duktion und Verbrei&shy;tung jener technisch-konser&shy;vierten sinnli&shy;chen Erfah&shy;rungen mit jeweils spezi&shy;fischen Neben&shy;effek&shy;ten einher zu gehen scheinen. Die sozia&shy;len, psychi&shy;schen und poli&shy;tischen Folgen dieser Phäno&shy;mene im Gegen&shy;satz insbe&shy;sonde&shy;re zum (anschei&shy;nend) unver&shy;mittel&shy;ten eige&shy;ne Erle&shy;ben einer&shy;seits und der tradi&shy;tionell stark durch ratio&shy;nale Über&shy;prüfungs&shy;instan&shy;zen regle&shy;mentier&shy;ten sprachli&shy;chen Kommu&shy;nika&shy;tion ande&shy;rerseits führten zu einer immer eigen&shy;ständi&shy;geren Debat&shy;te unter&shy;schwelli&shy;ger Auswir&shy;kungen der Art bzw. der Mittel des Kommu&shy;nizie&shy;rens von Erfah&shy;rung (Benja&shy;min). Insbe&shy;sonde&shy;re die Prota&shy;gonis&shy;ten der philo&shy;sophi&shy;schen Postmo&shy;derne haben sich schließ&shy;lich im Rahmen ihrer gene&shy;rell eher anti-ratio&shy;nalen Einstel&shy;lungen den media&shy;len Betrach&shy;tungen gewid&shy;met und die tradi&shy;tionell sprachzent&shy;rierte Philo&shy;sophie zu “de&shy;konstrui&shy;eren” versucht (etwa Deleuze, Baudril&shy;lard, Viril&shy;lo; ⊳ auch [[Mediologie|Medio&shy;logie]], [[Kommunikologie|Kommu&shy;niko&shy;logie]]). Der in diesem Zusam&shy;menhang ausge&shy;rufe&shy;ne ''medial turn'' mit seiner Spiel&shy;art ''picto&shy;rial'', ''visua&shy;listic'' oder ''ico&shy;nic turn'' weist dabei zunächst vor allem auf die gewach&shy;sene Aufmerk&shy;samkeit hin, die den nicht-sprach&shy;lichen, darun&shy;ter insbe&shy;sonde&shy;re den Bild-Medien zuge&shy;wachsen ist.  


===Medien “avant la lettre”===
===Medien “avant la lettre”===
Untersuchungen zu dem Verhältnis zwischen Sprache und Bild, zwischen Laut- und Schriftsprache oder zwischen den Gattungen der schönen Künsten sind allerdings bereits sehr viel früher aufgetreten und haben, ohne den Ausdruck 'Medium' zu gebrauchen, Aspekte behandelt, die heute als “medientheoretisch” verstanden werden. Dazu zählen insbesondere Platons Betrachtungen, die zu einer Abwertung der Bilder und verwandter Darstellungsformen gegenüber der Sprache bei rationalen Unternehmungen führten (⊳ auch [[Mimesis]]), und Herders und W. v. Humboldts Auffassung von der Sprache als dem “bildenden Organ des Gedankens” und ihrer sprachphilosophisch orientierten Kritiken an Kant.
Untersuchungen zu dem Verhält&shy;nis zwischen Sprache und Bild, zwischen Laut- und Schrift&shy;sprache oder zwischen den Gattun&shy;gen der schönen Künste sind aller&shy;dings bereits sehr viel früher aufge&shy;treten und haben, ohne den Ausdruck ‘Medium’ zu gebrau&shy;chen, Aspek&shy;te behan&shy;delt, die heute als medien&shy;theore&shy;tisch verstan&shy;den werden. Dazu zählen insbe&shy;sonde&shy;re Platons Betrach&shy;tungen, die zu einer Abwer&shy;tung der Bilder und verwand&shy;ter Darstel&shy;lungsfor&shy;men gegen&shy;über der Sprache bei ratio&shy;nalen Unter&shy;nehmun&shy;gen führten (⊳ auch [[Mimesis|Mime&shy;sis]]), und Herders und W. v. Humboldts Auffas&shy;sung von der Sprache als dem „bilden&shy;den Organ des Gedan&shy;kens“ und ihrer sprachphi&shy;loso&shy;phisch orien&shy;tierten Kriti&shy;ken an Kant.


===Das Phänomen der Massenkommunikation als Teilaspekt des Ausdrucks ‘Medium’===
===Das Phänomen der Massen&shy;kommu&shy;nika&shy;tion als Teil&shy;aspekt des Aus&shy;drucks ‘Medium’===
Bis ins 19. Jhd. war der Buchdruck im wesentlichen das einzige Verfahren, das es erlaubte, sich mit Meinungen und Erfahrungen an eine sehr große Menge räumlich und zeitlich weit verteilter Gegenüber zu wenden. Die theoretische Auseinandersetzung konzentrierte sich dabei weitgehend auf die dominant verwendete Schriftsprache.<ref>Siehe aber auch: Frühe Flugblätter: <bib id='Schilling 2012a'></bib>.</ref> Erst die leichte technische Reproduzierbarkeit anderer, vor allem wahrnehmungsnäherer Kommunikationsformen, eröffnete den Blick auf Gemeinsamkeiten massenmedialer Kommunikation und gab so den Impuls für eine allgemeinere, nun medientheoretisch genannte wissenschaftliche Auseinandersetzung. In der Tat wird der Ausdruck ‘Medien’ in der heutigen Alltagssprache insbesondere für diese Kommunikationsformen gebraucht, bei der eine kleine Gruppe von Sendern sich ohne allzu große Rückmeldemöglichkeiten an eine sehr große Gruppe von Empfängern richtet.<ref>Dabei ist zu beachten, dass der Fokus häufig verschoben ist: Während bei Medien im engeren Sinn als Vermittlungsinstanz für Kommunikation weder der Sender noch der Empfänger als genuiner Teil des Mediums aufgefasst wird, wird beim Ausdruck 'Massenmedium' in der Alltagssprache meist die Sende-Instanzen als Teil des Mediums verstanden – und daher auch als verantwortlich für die medialen Effekte der Kommunikation gesehen (Horkheimer/Adorno). Hierbei vermischen sich demnach die im engeren Sinn medialen Bedingungen und Einschränkungen von Kommunikation und deren unbeabsichtigte Auswirkungen mit eigentlich semantischen und pragmatischen Aspekten der vermittelten Kommunikation.</ref> Als "Einweg-Medien" sind sie vielfach kritisiert worden. Insbesondere die Computertechnologie hat hier neue Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet, die zugleich massenmedial und “interaktiv” sind.  
Bis ins 19. Jhd. war der Buchdruck im wesent&shy;lichen das einzi&shy;ge Verfah&shy;ren, das es erlaub&shy;te, sich mit Meinun&shy;gen und Erfah&shy;rungen an eine sehr große Menge räumlich und zeitlich weit verteil&shy;ter Gegen&shy;über zu wenden. Die theore&shy;tische Aus&shy;einan&shy;derset&shy;zung konzen&shy;trierte sich dabei weit&shy;gehend auf die domi&shy;nant verwen&shy;dete Schrift&shy;sprache.<ref>Sie&shy;he aber auch: Frü&shy;he Flug&shy;blät&shy;ter: <bib id='Schilling 2012a'>Schil&shy;ling 2012a</bib>.</ref> Erst die leichte techni&shy;sche Repro&shy;duzier&shy;barkeit ande&shy;rer, vor allem wahrneh&shy;mungsnä&shy;herer Kommu&shy;nika&shy;tionsfor&shy;men, eröff&shy;nete den Blick auf Gemein&shy;samkei&shy;ten massen&shy;media&shy;ler Kommu&shy;nika&shy;tion und gab so den Impuls für eine allge&shy;meine&shy;re, nun medien&shy;theore&shy;tisch genann&shy;te wissen&shy;schaftli&shy;che Aus&shy;einan&shy;derset&shy;zung. In der Tat wird der Ausdruck ‘Medien’ in der heuti&shy;gen Alltags&shy;sprache insbe&shy;sonde&shy;re für diese Kommu&shy;nika&shy;tionsfor&shy;men gebraucht, bei der eine kleine Gruppe von Sendern sich ohne allzu große Rückmel&shy;demög&shy;lichkei&shy;ten an eine sehr große Gruppe von Empfän&shy;gern richtet.<ref>Da&shy;bei ist zu be&shy;ach&shy;ten, dass der Fo&shy;kus häu&shy;fig ver&shy;scho&shy;ben ist: Wäh&shy;rend bei Me&shy;di&shy;en im en&shy;ge&shy;ren Sinn als Ver&shy;mitt&shy;lungs&shy;ins&shy;tanz für Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on we&shy;der der Sen&shy;der noch der Emp&shy;fän&shy;ger als ge&shy;nu&shy;i&shy;ner Teil des Me&shy;di&shy;ums auf&shy;ge&shy;fasst wird, wird beim Aus&shy;druck ‘Mas&shy;sen&shy;me&shy;di&shy;um’ in der All&shy;tags&shy;spra&shy;che meist die Sen&shy;de-Ins&shy;tan&shy;zen als Teil des Me&shy;di&shy;ums ver&shy;stan&shy;den – und da&shy;her auch als ver&shy;ant&shy;wort&shy;lich für die me&shy;di&shy;a&shy;len Ef&shy;fek&shy;te der Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on ge&shy;se&shy;hen (Hork&shy;hei&shy;mer/Ador&shy;no). Hier&shy;bei ver&shy;mi&shy;schen sich dem&shy;nach die im en&shy;ge&shy;ren Sinn me&shy;di&shy;a&shy;len Be&shy;din&shy;gun&shy;gen und Ein&shy;schrän&shy;kun&shy;gen von Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on und de&shy;ren un&shy;be&shy;ab&shy;sich&shy;tig&shy;te Aus&shy;wir&shy;kun&shy;gen mit ei&shy;gent&shy;lich se&shy;man&shy;ti&shy;schen und prag&shy;ma&shy;ti&shy;schen As&shy;pek&shy;ten der ver&shy;mit&shy;tel&shy;ten Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on.</ref> Als »Einweg-Medien« sind sie viel&shy;fach kriti&shy;siert worden. Vor allem die Compu&shy;tertech&shy;nolo&shy;gie hat hier neue Kommu&shy;nika&shy;tionsmög&shy;lichkei&shy;ten eröff&shy;net, die zugleich massen&shy;medial und ''inter&shy;aktiv'' sind.  


===“Neue” Medien===
===“Neue” Medien===

Version vom 4. Juli 2013, 22:00 Uhr

Theorieperspektive im Glossar der Bildphilosophie


Der Ausdruck ‘Medium’ und die damit asso­ziier­ten Begrif­fe im hier ange­sproche­nen Rahmen erhal­ten, vor allem im Laufe des 20. Jahrhun­derts, Einzug in die wissen­schaftli­chen Debat­ten. Dies wird durch die rasan­te Entwick­lung der Kommu­nika­tions- und Repro­duktions­techno­logien in dieser Zeit begüns­tigt, denn diese Techno­logien lenken den Blick von den im enge­ren Sinn syntak­tisch-mate­rialen Betrach­tungen einer­seits und den mit Bedeu­tungsphä­nome­nen (im enge­ren Sinn) befass­ten seman­tischen Betrach­tungen ande­rerseits auf eine weite­re Ebe­ne der Kommu­nika­tion, die bis dahin nur wenig Beach­tung fand. Hierbei geht es um Einflüs­se auf das Verhal­ten der Kommu­nizie­renden, die durch das Verwen­den bestimm­ter Kommu­nika­tionsfor­men auftre­ten und die von den Betei­ligten größten­teils als unter­schwellig, indi­rekt und unbe­absich­tigt empfun­den werden. Media­le Betrach­tungen stehen daher in einem engen Zusam­menhang mit pragma­tischen Aspek­ten, wobei es Letzte­ren aber in der Regel vor allem um die von den Kommu­nizie­renden beab­sichtig­ten gegen­seiti­gen Einflüs­se geht, während Medien ihre Einflüs­se eher “hinter dem Rücken der Akteu­re” entfal­ten.


Das Auftreten der Medien

Als eigentlicher Ausgangs­punkt der moder­nen Medien­debat­te kann das Auftre­ten von Film und Kino als neues Medium rela­tiv zu verschie­denen Formen der “tradi­tionel­len” unbe­wegten Bilder, der Schrift und der gespro­chenen Sprache gese­hen werden.

Nachdem das 19. Jhd. mit Photo­graphie, Kine­mato­graphie und Phono­graphie die techni­schen Grundla­gen dafür gelegt hatte, auf ver­hältnis­mäßig einfa­che Art und Weise visu­elle und audi­tive Erfah­rungen zu konser­vieren, trat – im Wesent­lichen mit dem Beginn des 20. Jhds – ein neuer Blick­punkt ins Bewusst­sein der Theore­tiker, nämlich dass die Formen der Kommu­nika­tion durch die massen­hafte Repro­duktion und Verbrei­tung jener technisch-konser­vierten sinnli­chen Erfah­rungen mit jeweils spezi­fischen Neben­effek­ten einher zu gehen scheinen. Die sozia­len, psychi­schen und poli­tischen Folgen dieser Phäno­mene im Gegen­satz insbe­sonde­re zum (anschei­nend) unver­mittel­ten eige­ne Erle­ben einer­seits und der tradi­tionell stark durch ratio­nale Über­prüfungs­instan­zen regle­mentier­ten sprachli­chen Kommu­nika­tion ande­rerseits führten zu einer immer eigen­ständi­geren Debat­te unter­schwelli­ger Auswir­kungen der Art bzw. der Mittel des Kommu­nizie­rens von Erfah­rung (Benja­min). Insbe­sonde­re die Prota­gonis­ten der philo­sophi­schen Postmo­derne haben sich schließ­lich im Rahmen ihrer gene­rell eher anti-ratio­nalen Einstel­lungen den media­len Betrach­tungen gewid­met und die tradi­tionell sprachzent­rierte Philo­sophie zu “de­konstrui­eren” versucht (etwa Deleuze, Baudril­lard, Viril­lo; ⊳ auch Medio­logie, Kommu­niko­logie). Der in diesem Zusam­menhang ausge­rufe­ne medial turn mit seiner Spiel­art picto­rial, visua­listic oder ico­nic turn weist dabei zunächst vor allem auf die gewach­sene Aufmerk­samkeit hin, die den nicht-sprach­lichen, darun­ter insbe­sonde­re den Bild-Medien zuge­wachsen ist.

Medien “avant la lettre”

Untersuchungen zu dem Verhält­nis zwischen Sprache und Bild, zwischen Laut- und Schrift­sprache oder zwischen den Gattun­gen der schönen Künste sind aller­dings bereits sehr viel früher aufge­treten und haben, ohne den Ausdruck ‘Medium’ zu gebrau­chen, Aspek­te behan­delt, die heute als medien­theore­tisch verstan­den werden. Dazu zählen insbe­sonde­re Platons Betrach­tungen, die zu einer Abwer­tung der Bilder und verwand­ter Darstel­lungsfor­men gegen­über der Sprache bei ratio­nalen Unter­nehmun­gen führten (⊳ auch Mime­sis), und Herders und W. v. Humboldts Auffas­sung von der Sprache als dem „bilden­den Organ des Gedan­kens“ und ihrer sprachphi­loso­phisch orien­tierten Kriti­ken an Kant.

Das Phänomen der Massen­kommu­nika­tion als Teil­aspekt des Aus­drucks ‘Medium’

Bis ins 19. Jhd. war der Buchdruck im wesent­lichen das einzi­ge Verfah­ren, das es erlaub­te, sich mit Meinun­gen und Erfah­rungen an eine sehr große Menge räumlich und zeitlich weit verteil­ter Gegen­über zu wenden. Die theore­tische Aus­einan­derset­zung konzen­trierte sich dabei weit­gehend auf die domi­nant verwen­dete Schrift­sprache.[1] Erst die leichte techni­sche Repro­duzier­barkeit ande­rer, vor allem wahrneh­mungsnä­herer Kommu­nika­tionsfor­men, eröff­nete den Blick auf Gemein­samkei­ten massen­media­ler Kommu­nika­tion und gab so den Impuls für eine allge­meine­re, nun medien­theore­tisch genann­te wissen­schaftli­che Aus­einan­derset­zung. In der Tat wird der Ausdruck ‘Medien’ in der heuti­gen Alltags­sprache insbe­sonde­re für diese Kommu­nika­tionsfor­men gebraucht, bei der eine kleine Gruppe von Sendern sich ohne allzu große Rückmel­demög­lichkei­ten an eine sehr große Gruppe von Empfän­gern richtet.[2] Als »Einweg-Medien« sind sie viel­fach kriti­siert worden. Vor allem die Compu­tertech­nolo­gie hat hier neue Kommu­nika­tionsmög­lichkei­ten eröff­net, die zugleich massen­medial und inter­aktiv sind.

“Neue” Medien

Neben die Massenmedien sind daher in jüngerer Zeit die so genannten ‘neuen’ Medien in Erscheinung getreten. Zu dieser Gruppe von Medien, die mit dem im Alltag besonders präsenten Begriff der Neuen Medien gefasst werden,[3] zählen vor allem das Internet mit seinen verschiedenen Dienste (z.B. email, WWW, Chatrooms), die Handynetze ebenfalls mit mehreren Untermedien (etwa SMS und MMS), sowie Computerspiele und ähnliche immersive Systeme. Digitalisierte Bilder spielen dabei häufig eine wichtige Rolle. Allerdings verschiebt die multimediale Verbindung die Gewichtung und einige bildtypische Aspekte treten weniger deutlich, andere hingegen betont in Erscheinung (⊳ etwa Cyberspace sowie Hypermedien).

Ästhetische vs. kommunikative Aspekte des Mediendiskurses

Bei der Betrachtung von Bildern als Medien tauchen zwei deutlich zu unterscheidende Medienbegriffe immer wieder auf, die man genauer als die Wahrnehmungsmedien einerseits und die Kommunikationsmedien andererseits bezeichnen kann. Darin spiegelt sich die Doppelnatur der Bildverwendung wider, zu der zum einen spezifische Wahrnehmungskompetenzen und zum anderen bestimmte Kommunikationskompetenzen beitragen.

Medium und Pragmatik

Schließlich ist der medial turn im Zusammenhang mit dem linguistic turn zu sehen. Der linguistic turn – d.h. die sprachtheoretische Wende – steht für die Erkenntnis, dass sich Begriffe (als die intersubjektiven Bezugspunkte für das Überprüfen der Geltung prädikativer Äußerungen) nicht unabhängig von Sprache bestimmen lassen. Der Ausdruck ‘medial turn’ kann als eine Erweiterung verstanden werden, insofern sprachphilosophische und bildanthropologische Betrachtungen darauf hindeuten, dass sich Sprache nicht unabhängig von anderen, insbesondere wahrnehmungsnahen Medienformen, hat entwickeln können.

Die zentralen Fragen im Einzelnen:

Leider stellt die Medienwissenschaft derzeit noch keinen auch nur halbwegs homogen definierten, von der Mehrheit der Medienwissenschaftler akzeptierten Medienbegriff zur Verfügung:[4] Vielmehr bilden die in der medienwissenschaftlichen Literatur verwendeten Begriffe im Sinne der Wittgensteinschen Familienähnlichkeiten ein Netz aus sehr vielen, bestenfalls mehr oder weniger weitläufig, miteinander verwandten Unterscheidungskriterien.

  • Medien in welchem Sinn sind eigentlich gemeint, wenn von Bildern als Medien die Rede ist?

Es kann hier nicht der Ort sein, diese missliche Gemengelage der relevanten Medienbegriffe zu bereinigen. Doch soll eine gewisse übersichtliche Sortierung die Orientierung erleichtern (ohne die Vielfalt übermäßig einzuengen). Zu diesem Zweck führt der Hauptpunkt Medientheorien: Übersicht in die medienwissenschaftlichen Begrifflichkeiten ein. Dabei werden insbesondere die Medienbegriffe näher bestimmt, die für die Diskussion der Frage, inwiefern Bilder Medien sind, eine Rolle spielen.

  • Welche unterschiedlichen Bildmedien gibt es?

Eine Aufteilung des Phänomenbereichs “Bilder” in verschiedene Bildmedien hängt entscheidend ab von der Art des jeweils betrachteten Medienbegriffs.

Als Kommunikationsmedien erfolgt eine Bestimmung im Wesentlichen aufgrund materieller (syntaktischer) und technischer Randbedingungen: In diesem Sinn bilden Film und Video verschiedene Bildmedien, da unterschiedliche Techniken zum Einsatz kommen und das Bildmaterial entsprechend syntaktisch variiert.

Als Wahrnehmungsmedien ergibt sich die Bestimmung vor allem über spezifische Eigenheiten der beteiligten Wahrnehmungskompetenzen: In diesem Sinne bilden Diagramme und Hologramme jeweils eigene Bildmedien, denn das, was abgebildet ist, muss dabei auf je spezifische Weise gesehen werden.

  • Welche Bildklassen lassen sich durch spezifische Verwendungszusammenhänge bilden?

Legt man einen weiteren, handlungstheoretisch gefassten Medienbegriff zugrunde, ergeben sich Klassifikationen von Bildmedien, die weniger von technischen, materiellen oder apparativen Randbedingungen abhängen, als vielmehr von charakteristischen Eigenheiten des jeweiligen Verwendungszusammenhangs – die also gegenüber der syntaktischen eine mehr pragmatische Perspektive einnehmen. In einer Kirche mag etwa ein sakrales Tafelbild andere mediale Effekte erzielen als in der säkularisierten Umgebung eines Museums. Damit ergibt sich eine feinere Unterteilung der Bildmedien in pragmatisch bestimmte “Bildverwendungstypen”. Insbesondere wird damit ausdrücklich ins Auge gefasst, dass ein und derselbe Bildträger in verschiedenen Verwendungszusammenhängen als unterschiedliche Bilder in Erscheinung treten kann (Kontextualisierung).


Anmerkungen
  1. ↑ Sie­he aber auch: Frü­he Flug­blät­ter: [Schilling 2012a]Schilling, Michael (Hg.) (2012): Illustrierte Flugblätter der Frühen Neuzeit. Kulturhistorisches Museum Magdeburg, Magdeburg.
    .
  2. ↑ Da­bei ist zu be­ach­ten, dass der Fo­kus häu­fig ver­scho­ben ist: Wäh­rend bei Me­di­en im en­ge­ren Sinn als Ver­mitt­lungs­ins­tanz für Kom­mu­ni­ka­ti­on we­der der Sen­der noch der Emp­fän­ger als ge­nu­i­ner Teil des Me­di­ums auf­ge­fasst wird, wird beim Aus­druck ‘Mas­sen­me­di­um’ in der All­tags­spra­che meist die Sen­de-Ins­tan­zen als Teil des Me­di­ums ver­stan­den – und da­her auch als ver­ant­wort­lich für die me­di­a­len Ef­fek­te der Kom­mu­ni­ka­ti­on ge­se­hen (Hork­hei­mer/Ador­no). Hier­bei ver­mi­schen sich dem­nach die im en­ge­ren Sinn me­di­a­len Be­din­gun­gen und Ein­schrän­kun­gen von Kom­mu­ni­ka­ti­on und de­ren un­be­ab­sich­tig­te Aus­wir­kun­gen mit ei­gent­lich se­man­ti­schen und prag­ma­ti­schen As­pek­ten der ver­mit­tel­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on.
  3. ↑ Es ist zurecht häufig darauf hingewiesen worden, dass ‘neu’ eine stark kontextabhängige Charakterisierung darstellt und daher die Rede von ‘neuen Medien’ nicht besonders glücklich gewählt ist. Abgesehen davon, dass die hier angesprochene Gruppe von Medien zu einem bestimmten historischen Zeitpunkt tatsächlich mehr oder weniger neu waren, zeichnen sie sich durchaus auch mit anderen Besonderheiten aus, die es rechtfertigen, sie als eigenständige Teilgruppe von Medien näher zu untersuchen. Das Besondere der Neuen Medien wird oft mit den folgenden drei Begriffen umschrieben: Vernetzung, Interaktivität, Multi-Medialität.
  4. ↑ siehe auch Wikipedia:Medientheorie.
Literatur
[Adorno & Horkheimer 1947a]Adorno, Theodor W. & Horkheimer, Max (1947): Dialektik der Aufklärung. Querido, Amsterdam.[Benjamin 1939a]Benjamin, Walter (2002): Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. In: Schöttker, D. (Hg.), Walter Benjamin: Medienästhetische Schriften. Suhrkamp , Frankfurt/M.[Schilling 2012a]Schilling, Michael (Hg.) (2012): Illustrierte Flugblätter der Frühen Neuzeit. Kulturhistorisches Museum Magdeburg, Magdeburg.

Verantwortlich:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach und Emilia Didier — (Hinweis)