Nomination: Unterschied zwischen den Versionen
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kombinatorisches Schema assoziiert ähnlich jenem, das die pragmatische | |||
Funktion von [[Proposition|Aussagen]] aus den Teilzeichenhandlungen der | |||
Nomination und der [[Prädikation]] rekonstruiert. Insbesondere bei | |||
Bildern – genauer bei Kommunikationsakten mithilfe von Bildern – wird | |||
oft untersucht, ob nicht gerade jene Teilfunktionen ein die | |||
Bildpragmatik erzeugendes System elementarer kommunikativer Akte | |||
liefern könnten (vgl. <bib id='Sachs-Hombach'></bib> oder | |||
<bib id='Harth'></bib>....). Nomination ist die | |||
Zeichenteilhandlung, mit der man auf einen Gegenstand aufmerksam macht, | |||
über den etwas mitgeteilt werden soll; dieser Gegenstand muß dabei | |||
beiden Kommunikationspartnern bereits bekannt – in ihrem gemeinsamen | |||
„Diskursuniversum“ vorhanden – sein (cf. <bib id='Kamlah & | |||
Lorenzen 1973a'></bib>: § 3, sowie <bib id='Gerhardus et | |||
al. 1975a'></bib>: 42). Dabei gilt die Nomination als im Sinne | |||
Freges ''ungesättigt'', d.h. als eine echte ''Teil''handlung, die | |||
ergänzungsbedürftig ist und sinnvoller Weise nicht alleine vorkommen | |||
kann. | |||
Insbesondere ohne die Vervollständigung zu einer [[Proposition]] durch | |||
eine [[Prädikation]] stünde das Erwähnen eines Gegenstandes durch die | |||
Nomination kommunikativ gewissermaßen im leeren Raum. | |||
=====Arten und Voraussetzungen der Nomination===== | |||
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In Verbindung mit Zeigegesten dienen häufig deiktische Ausdrücke – | |||
„dies“, „diese/r/s“ etc. – dazu, die Teilhandlung Nomination | |||
auszuführen, insbesondere wenn die aktuelle Kommunikationssituation, | |||
und die „darin gegebenen“ materiellen Gegenstände gemeint sind. Die | |||
Funktion der Nomination ist nicht auf solche Gegenstände beschränkt: | |||
Auch mit den Ausdrücken „das letzte Einhorn“, „diese Idee des Schönen“, | |||
„Otto von Guericke“ oder „Harry Potters Gegenspieler“ können wir ja | |||
durchaus auf Diskursgegenstände verweisen. Im ersten Fall handelt es | |||
sich um eine definite Kennzeichnungen auf einen fiktiven Gegenstand, im | |||
zweiten Fall um eine deiktische Kennzeichnungen auf einen abstrakten | |||
Gegenstand, im dritten Fall um einen Eigennamen für einen realen | |||
Gegenstand in der Vergangenheit und im vierten Fall um eine komplexe | |||
Nomination mit Eigenname und Kennzeichnung für einen medial | |||
vermittelten Gegenstand. | |||
{| class="wikitable" | |||
|+ Übersicht über die Arten der Nomination | |||
|- | |||
| align="left"|einfache deiktische Ausdrücke (Demonstrator) | |||
| align="left"|„dies“, „dieser“ | |||
| zusammen mit Zeigegeste verwendet, keine Eigenschafts- oder Typangabe | |||
|- | |||
| align="left"|indexikalische Ausdrücke | |||
| align="left"|„ich“, „dir“, „uns“ | |||
| ergeben sich unmittelbar aus der Kommunikationssituation und ihren Komponenten; das Bezeichnete muß also gegenwärtig sein; gilt insbesondere für die Kommunikationspartner selbst | |||
|- | |||
| align="left"|Anaphern | |||
| align="left"|„es“, „sie“, „ihm“, „ihnen“ | |||
| ohne Zeigehandlung verwendet, Verweis auf vorerwähnte Gegenstände | |||
|- | |||
| align="left"|Eigennamen | |||
| „Ludwig“, „Mona Lisa“ | konventionell (durch Taufakt im weitesten Sinn) etablierte Nominatoren | |||
|- | |||
| align="left"|definite Kennzeichnungen<ref>Indefinite Kennzeichnungen („ein Einhorn“) erfüllen in aller Regel keine nominatorische sondern [[Prädikation|prädikatorische]] | |||
Funktion.</ref> | |||
| „das Einhorn“, „das verletzte Einhorn“, „das Einhorn, das sein Horn verloren hat“ | |||
| individuierte Instanz eines bestimmten Typs – eine Deskription „dasjenige im aktuellen Diskursuniversum, von dem Du weißt, daß es diese und jene Eigenschaft besitzt“ | |||
|- | |||
| align="left"|anaphorische Kennzeichnungen | |||
| „sein Einhorn“ | |||
| Kombination aus anaphorischen und deskriptiven Nominatoren | |||
|- | |||
| align="left"|deiktische Kennzeichnungen | |||
| „dieses Einhorn“ | |||
| Kombination aus deiktischen und deskriptiven Nominatoren; gilt als die allgemeinste Form, aus der sich die anderen Formen ableiten | |||
|} | |||
Wichtig ist in allen Fällen, daß die jeweiligen Kommunikationspartner die gemeinten Gegenstände bereits kennen und in irgendeiner Form von | |||
den anderen gerade aktuellen Diskursgegenständen auseinanderhalten | |||
können. Eine Nomination kann nämlich nur erfolgreich durchgeführt | |||
werden, wenn klar ist, welche Menge von Gegenständen überhaupt gerade | |||
zur Auswahl steht, d.h. über welches ''Diskursuniversum'' die | |||
Kommunikationspartner sich gerade verständigen. Für die deiktischen | |||
Nominationsformen ist sofort klar, daß dies die Äußerungssituation sein | |||
muß, in der sich die Gesprächspartner befinden, also genauer: die | |||
Gegenstände, die sie dort (gemeinsam) wahrnehmen | |||
können.<ref>Darüber hinaus können deiktische Ausdrücke und die | |||
zugehörigen Zeigegesten auch in einem weiteren Sinn verwendet werden. | |||
Dann können die Zeigegesten und der damit verbundene Demonstrator auf | |||
einen lediglich vorgestellten oder auch abstrakten Gegenstand | |||
verweisen, allerdings immer noch so, als wäre der in der aktuellen | |||
Kommunikationssituation konkret zugegen.</ref> Im allgemeinen | |||
Fall beziehen sich die Nominationen auf einen [[Kontext]], der entweder | |||
implizit<ref>Neben der unmittelbaren Äußerungssituation ergibt | |||
sich als Standardfall bei einer Folge von Aussagen der Kontext einer | |||
Aussage, falls nichts anderes ausdrücklich erwähnt wird, aus dem | |||
Kontext der vorangehenden Aussage.</ref> klar ist oder | |||
explizit<ref>Neben audrücklichen Verweisen auf einen Kontext, | |||
etwa in Form von Orts- und Zeitangaben („in Paris vor dem Tor der | |||
Bastille am 14. Juli 1789“, als Satzadverb) oder Medienangaben („in dem | |||
Film ‘Vertigo’ von Hitchcock“, als Satzadverb), liefern beispielsweise | |||
auch die Tempusangaben den gemeinten Kontextbezug.</ref> | |||
angegeben wurde. | |||
=====Bildhafte Nominationen?===== | |||
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Inwiefern ist die Teilhandlung Nomination für die Bildverwendung | |||
relevant? Immerhin reden wir umgangssprachlich oft so, daß wir uns | |||
mithilfe eines Bildes einen bestimmten Gegenstand vor Augen (und Geist) | |||
führen. Sollte möglicherweise gar die Nomination die grundlegende Form | |||
des Bildgebrauchs sein? Wäre das der Fall, dann müßte die Nomination | |||
''jeder'' Bildverwendung zu Grunde liegen. | |||
[[Datei:GoldenGate1.jpg|thumb|Beispielbild (noch nicht das richtige)]] | |||
Beispielsweise empfinden wir es als nicht ungewöhnlich, wenn jemand das | |||
Bild einer großen, rot angestrichenen Hängebrücke mit zwei auffällig | |||
gestalteten Pfeilern präsentiert und dazu knapp bemerkt: „Ist 1936 | |||
gebaut worden.“ Der Bildzeichenakt übernimmt also anscheinend die Rolle | |||
der Nomination; hier gilt ebenso wie bei den rein sprachlichen | |||
Nominationen, daß auch der passive Diskurspartner jenes Objekt bereits | |||
als gemeinsam bekannt verstehen muß, da er ansonsten nicht wüßte, | |||
worauf er die Prädikation des Baujahres überhaupt beziehen soll. Die | |||
[[modale Bildtheorie]] widerspricht dieser Analyse der | |||
Beispielsituation: Bei der anscheinend nominatorisch eingesetzten | |||
Abbildung der Golden Gate-Brücke eröffne das Bild vielmehr einen | |||
referentiellen [[Kontext]] mit dem intentionalen Gegenstand als | |||
(potentielle) Figur vor einem (potentiellen) Grund. Über diesen wird | |||
dann (unter der Annahme, daß das Gegenüber den individuellen | |||
Gegenstand auch visuell erkennt) das nicht wahrnehmbare Baujahr | |||
prädiziert. Tatsächlich wird ja nicht das gesamte Bild nominatorisch | |||
benutzt – der Himmel, der Ozean, die Autos auf der Brücke oder ein | |||
Segelbot darunter, die ebenfalls zu sehen sein mögen, sind in diesem | |||
Fall nicht angesprochen, obwohl in den letzten drei Fällen die | |||
angegebene Prädikation durchaus auch verwendbar sein könnte. Diese | |||
abgebildeten Gegenstände könnten aber bei Gelegenheit jeweils ebenfalls | |||
als Figur herausgegriffen werden. Tatsächlich treten, wenn man | |||
versucht, Bildverwendung im Sinne einer der Nominationsarten zu | |||
verstehen, eine Reihe charakteristischer Probleme auf, die jeweils | |||
Besonderheiten der Bildverwendung unterstreichen können. Im Folgenden | |||
sind diese Probleme der Situation gegenübergestellt, daß eine | |||
entsprechende sprachliche Nominationsform die Bildpräsentation | |||
begleitet. | |||
* '''''Bilder und deiktische oder anaphorische Ausdrücke''''' | |||
Bilder im Sinne von deiktischen Ausdrücken zu verwenden, also etwa an | |||
Stelle der Äußerung von "Dies!" und zusammen mit einer (nicht auf das | |||
Bild gerichteten) Zeigegeste, ist nicht recht vorstellbar, müßte doch | |||
der damit gemeine Gegenstand dann immer zugleich zugegen sein. Man | |||
würde diese Präsentationshandlungen jedenfalls üblicherweise nicht in | |||
dem hier intendierten Sinn verstehen. | |||
Für anaphorische Nomination gilt prinzipiell Analoges: Sie können durch | |||
Bildverwendung nicht ersetzt werden. Umgekehrt kann man aber sehr wohl | |||
mit Anaphern auch ohne Vorerwähntheit auf abgebildete Gegenstände | |||
sprachlich verweisen, ebenso wie dazu ein Demonstrator mit Zeigegeste | |||
in Richtung auf das Bild häufig ohne Probleme verwendet werden kann. | |||
* '''''Bilder und Eigennamen''''' | |||
Generell wird ''nicht'' davon ausgegangen, daß Bilder wie Eigennamen | |||
funktionieren können, da Eigennamen in einer (mehr oder weniger weit | |||
gefassten) Taufsituation konventionell eingesetzt werden müssen. Bei | |||
Bildern steht hingegen zumindest im Kernbereich eine (mehr oder weniger | |||
starke) nicht-konventionelle Darstellungsbeziehung im Fokus der | |||
Aufmerksamkeit. Umgekehrt werden Eigennamen faktisch häufig mit einer | |||
Bildverwendung in Zusammenhang gebracht, etwa bei Portraits, Paßbildern | |||
oder der Abbildung bekannter Bauwerke. Wäre die Bildverwendung im | |||
Grunde analog einer Nomination per Eigenname, so würde ein solches | |||
Verhalten keinen Sinn machen, da entweder der sprachliche oder der | |||
bildhafte Eigenname alleine bereits ausreichen würden, um den | |||
Gegenstand zu identifizieren, oder aber beide als Nomination jeweils | |||
versagen. | |||
* '''''Bilder und Kennzeichnungen''''' | |||
Viel näher scheint es hingegen zu liegen, Bilder im Sinne von | |||
Kennzeichnungen zu gebrauchen, wird ein abgebildeter Gegenstand doch | |||
vor allem mithilfe seiner visuellen Eigenschaften präsentiert. | |||
Kennzeichnungstheorien des Bildes sind häufig eingebettet in | |||
Prädikationstheorien (⊳ [[Prädikation]]), da jede Kennzeichnung im Kern | |||
auf eine vorgängige Prädikation zurückgreift (so etwa bei Sachs-Hombach | |||
). Ein Gegenstand werde entsprechend bildlich identifiziert, indem | |||
seine bekannten visuellen Charakteristika verwendet werden. Wie oben | |||
erwähnt wird in einem darstellenden Bild aber in der Regel mehr als ein | |||
einzelner isolierter Gegenstand gezeigt. | |||
Wie schon bei den Eigennamen werden auch sprachliche Kennzeichnungen | |||
viel eher im Zusammenhang von Bildern verwendet, genauer: daß | |||
Kennzeichnungen dazu verwendet werden, um auf durch die | |||
Bildpräsentation medial ins Diskursuniversum eingeführte Gegenstände | |||
verweisen zu können und über diese etwas auszusagen. Vor allem der | |||
Gebrauch deiktischer Kennzeichnungen ist in dieser Hinsicht | |||
aufschlußreich: Denn auf was zeigt man eigentlich, wenn man auf eine | |||
Stelle eines Bildträgers zeigt und dabei eine deiktische Kennzeichnung | |||
benutzt, die einen abgebildeten Gegenstand identifiziert? Dass dabei | |||
ein einzelner, dem Gesprächspartner als bekannt vorausgesetzter | |||
Gegenstand gemeint ist ergibt sich aus der allgemeinen Funktion der | |||
Nomination. Dass dieser gemeinte Gegenstand als zumindest in gewissem | |||
Sinn anwesend gelten muß folgt aus der Verwendung der deiktischen | |||
Partikel zusammen mit der Zeigegeste. Die Verwendung des Bildes hat | |||
also in diesem Fall, genauer gesagt, die Funktion die | |||
Kommunikationssituation um nicht anwesende Gegenstände zu erweitern. Es | |||
handelt sich demnach um eine [[Kontextbildung]] im Sinne der [[modale | |||
Bildtheorie|modalen Bildtheorie]]. | |||
* '''''Bilder als eigenständige Form der Nomination''''' | |||
Offen bleibt derzeit, ob sich mithilfe von Bildpräsentationen eine ganz | |||
eigenständige Art der Nomination durchführen läßt, die nicht mit den | |||
Mechanismen der sprachlichen Nominationen übereinstimmt. Es müßte dabei | |||
um eine Zeichenteilhandlung gehen, durch die man, um darüber etwas | |||
Weiteres mitzuteilen, einen dem Gegenüber bereits bekannten Gegentand | |||
in den gemeinsamen Fokus der Aufmerksamkeit rückt, indem man weder | |||
konventionell vergebene Symbole, noch charakteristische Eigenschaften, | |||
weder ostensive Deixis noch Vorerwähntheit | |||
ausnutzt.<ref>'''''Vertritt jemand eine solche Position? Kennt da | |||
jemand was? --JRJS'''''</ref> | |||
* '''''Welche Gegenstände identifizieren ungegenständliche Bilder?''''' | |||
Unter der Hypothese einer prinzipiell nominatorischen Grundverwendung | |||
von Bildern muß auch die Frage geklärt werden, welche Gegenstände dann | |||
eigentlich mithilfe von ungegenständlichen Bildern identifiziert | |||
werden. Alles in allem erscheint damit die Nomination als Basisform der | |||
Bildverwendung wenig überzeugend. | |||
===== | =====Nominator, singulärer Ausdruck und Satzsubjekt===== | ||
Die sprachlichen Ausdrücke, mit deren Hilfe eine Nomination ausgeführt | |||
wird, werden ''Nominatoren'' genannt. Sie entsprechen weitgehend dem, | |||
was mit dem älteren Ausdruck „singuläre Termini“ bezeichnet wurde, | |||
analog zu den „generellen Termini“ (cf. <bib id='Tugendhat & | |||
Wolf 1983a'></bib> und <bib id='Tugendhat | |||
1976a'></bib>). Der Ausdruck ‘Nominator’ wurde eingeführt in | |||
<bib id='Lorenz 1970a'></bib>: 214 insbesondere mit dem | |||
Ziel, eine klarere Unterscheidung zu erhalten zwischen logischer und | |||
linguistischer Analyse. | |||
Obwohl mit dem Satzsubjekt in aller Regel eine Nomination ausgeführt | |||
wird, gibt es Ausnahmen: die Sätze mit unpersönlich gebrauchtem | |||
„es“,wie in „es regnet“. Diese bilden daher im engeren Sinn auch keine | |||
Propositionen. | |||
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Version vom 10. März 2010, 12:19 Uhr
Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht
Nomination als ungesättigte Teilhandlung der PropositionFragt man nach der Pragmatik von Zeichen, dann wird schnell ein
kombinatorisches Schema assoziiert ähnlich jenem, das die pragmatische
Funktion von Aussagen aus den Teilzeichenhandlungen der
Nomination und der Prädikation rekonstruiert. Insbesondere bei
Bildern – genauer bei Kommunikationsakten mithilfe von Bildern – wird
oft untersucht, ob nicht gerade jene Teilfunktionen ein die
Bildpragmatik erzeugendes System elementarer kommunikativer Akte
liefern könnten (vgl. [Sachs-Hombach]Der Eintrag existiert noch nicht. oder
[Harth]Der Eintrag existiert noch nicht.....). Nomination ist die
Zeichenteilhandlung, mit der man auf einen Gegenstand aufmerksam macht,
über den etwas mitgeteilt werden soll; dieser Gegenstand muß dabei
beiden Kommunikationspartnern bereits bekannt – in ihrem gemeinsamen
„Diskursuniversum“ vorhanden – sein (cf. [Kamlah & Lorenzen 1973a]Kamlah, Wilhelm & Lorenzen, Paul (1973): Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. BI Wissenschaftsverlag, München. Insbesondere ohne die Vervollständigung zu einer Proposition durch eine Prädikation stünde das Erwähnen eines Gegenstandes durch die Nomination kommunikativ gewissermaßen im leeren Raum.
Arten und Voraussetzungen der NominationIn Verbindung mit Zeigegesten dienen häufig deiktische Ausdrücke – „dies“, „diese/r/s“ etc. – dazu, die Teilhandlung Nomination auszuführen, insbesondere wenn die aktuelle Kommunikationssituation, und die „darin gegebenen“ materiellen Gegenstände gemeint sind. Die Funktion der Nomination ist nicht auf solche Gegenstände beschränkt: Auch mit den Ausdrücken „das letzte Einhorn“, „diese Idee des Schönen“, „Otto von Guericke“ oder „Harry Potters Gegenspieler“ können wir ja durchaus auf Diskursgegenstände verweisen. Im ersten Fall handelt es sich um eine definite Kennzeichnungen auf einen fiktiven Gegenstand, im zweiten Fall um eine deiktische Kennzeichnungen auf einen abstrakten Gegenstand, im dritten Fall um einen Eigennamen für einen realen Gegenstand in der Vergangenheit und im vierten Fall um eine komplexe Nomination mit Eigenname und Kennzeichnung für einen medial vermittelten Gegenstand.
Wichtig ist in allen Fällen, daß die jeweiligen Kommunikationspartner die gemeinten Gegenstände bereits kennen und in irgendeiner Form von den anderen gerade aktuellen Diskursgegenständen auseinanderhalten können. Eine Nomination kann nämlich nur erfolgreich durchgeführt werden, wenn klar ist, welche Menge von Gegenständen überhaupt gerade zur Auswahl steht, d.h. über welches Diskursuniversum die Kommunikationspartner sich gerade verständigen. Für die deiktischen Nominationsformen ist sofort klar, daß dies die Äußerungssituation sein muß, in der sich die Gesprächspartner befinden, also genauer: die Gegenstände, die sie dort (gemeinsam) wahrnehmen können.[2] Im allgemeinen Fall beziehen sich die Nominationen auf einen Kontext, der entweder implizit[3] klar ist oder explizit[4] angegeben wurde.
Bildhafte Nominationen?Inwiefern ist die Teilhandlung Nomination für die Bildverwendung relevant? Immerhin reden wir umgangssprachlich oft so, daß wir uns mithilfe eines Bildes einen bestimmten Gegenstand vor Augen (und Geist) führen. Sollte möglicherweise gar die Nomination die grundlegende Form des Bildgebrauchs sein? Wäre das der Fall, dann müßte die Nomination jeder Bildverwendung zu Grunde liegen. Beispielsweise empfinden wir es als nicht ungewöhnlich, wenn jemand das Bild einer großen, rot angestrichenen Hängebrücke mit zwei auffällig gestalteten Pfeilern präsentiert und dazu knapp bemerkt: „Ist 1936 gebaut worden.“ Der Bildzeichenakt übernimmt also anscheinend die Rolle der Nomination; hier gilt ebenso wie bei den rein sprachlichen Nominationen, daß auch der passive Diskurspartner jenes Objekt bereits als gemeinsam bekannt verstehen muß, da er ansonsten nicht wüßte, worauf er die Prädikation des Baujahres überhaupt beziehen soll. Die modale Bildtheorie widerspricht dieser Analyse der Beispielsituation: Bei der anscheinend nominatorisch eingesetzten Abbildung der Golden Gate-Brücke eröffne das Bild vielmehr einen referentiellen Kontext mit dem intentionalen Gegenstand als (potentielle) Figur vor einem (potentiellen) Grund. Über diesen wird dann (unter der Annahme, daß das Gegenüber den individuellen Gegenstand auch visuell erkennt) das nicht wahrnehmbare Baujahr prädiziert. Tatsächlich wird ja nicht das gesamte Bild nominatorisch benutzt – der Himmel, der Ozean, die Autos auf der Brücke oder ein Segelbot darunter, die ebenfalls zu sehen sein mögen, sind in diesem Fall nicht angesprochen, obwohl in den letzten drei Fällen die angegebene Prädikation durchaus auch verwendbar sein könnte. Diese abgebildeten Gegenstände könnten aber bei Gelegenheit jeweils ebenfalls als Figur herausgegriffen werden. Tatsächlich treten, wenn man versucht, Bildverwendung im Sinne einer der Nominationsarten zu verstehen, eine Reihe charakteristischer Probleme auf, die jeweils Besonderheiten der Bildverwendung unterstreichen können. Im Folgenden sind diese Probleme der Situation gegenübergestellt, daß eine entsprechende sprachliche Nominationsform die Bildpräsentation begleitet.
Bilder im Sinne von deiktischen Ausdrücken zu verwenden, also etwa an Stelle der Äußerung von "Dies!" und zusammen mit einer (nicht auf das Bild gerichteten) Zeigegeste, ist nicht recht vorstellbar, müßte doch der damit gemeine Gegenstand dann immer zugleich zugegen sein. Man würde diese Präsentationshandlungen jedenfalls üblicherweise nicht in dem hier intendierten Sinn verstehen. Für anaphorische Nomination gilt prinzipiell Analoges: Sie können durch Bildverwendung nicht ersetzt werden. Umgekehrt kann man aber sehr wohl mit Anaphern auch ohne Vorerwähntheit auf abgebildete Gegenstände sprachlich verweisen, ebenso wie dazu ein Demonstrator mit Zeigegeste in Richtung auf das Bild häufig ohne Probleme verwendet werden kann.
Generell wird nicht davon ausgegangen, daß Bilder wie Eigennamen funktionieren können, da Eigennamen in einer (mehr oder weniger weit gefassten) Taufsituation konventionell eingesetzt werden müssen. Bei Bildern steht hingegen zumindest im Kernbereich eine (mehr oder weniger starke) nicht-konventionelle Darstellungsbeziehung im Fokus der Aufmerksamkeit. Umgekehrt werden Eigennamen faktisch häufig mit einer Bildverwendung in Zusammenhang gebracht, etwa bei Portraits, Paßbildern oder der Abbildung bekannter Bauwerke. Wäre die Bildverwendung im Grunde analog einer Nomination per Eigenname, so würde ein solches Verhalten keinen Sinn machen, da entweder der sprachliche oder der bildhafte Eigenname alleine bereits ausreichen würden, um den Gegenstand zu identifizieren, oder aber beide als Nomination jeweils versagen.
Viel näher scheint es hingegen zu liegen, Bilder im Sinne von Kennzeichnungen zu gebrauchen, wird ein abgebildeter Gegenstand doch vor allem mithilfe seiner visuellen Eigenschaften präsentiert. Kennzeichnungstheorien des Bildes sind häufig eingebettet in Prädikationstheorien (⊳ Prädikation), da jede Kennzeichnung im Kern auf eine vorgängige Prädikation zurückgreift (so etwa bei Sachs-Hombach ). Ein Gegenstand werde entsprechend bildlich identifiziert, indem seine bekannten visuellen Charakteristika verwendet werden. Wie oben erwähnt wird in einem darstellenden Bild aber in der Regel mehr als ein einzelner isolierter Gegenstand gezeigt. Wie schon bei den Eigennamen werden auch sprachliche Kennzeichnungen viel eher im Zusammenhang von Bildern verwendet, genauer: daß Kennzeichnungen dazu verwendet werden, um auf durch die Bildpräsentation medial ins Diskursuniversum eingeführte Gegenstände verweisen zu können und über diese etwas auszusagen. Vor allem der Gebrauch deiktischer Kennzeichnungen ist in dieser Hinsicht aufschlußreich: Denn auf was zeigt man eigentlich, wenn man auf eine Stelle eines Bildträgers zeigt und dabei eine deiktische Kennzeichnung benutzt, die einen abgebildeten Gegenstand identifiziert? Dass dabei ein einzelner, dem Gesprächspartner als bekannt vorausgesetzter Gegenstand gemeint ist ergibt sich aus der allgemeinen Funktion der Nomination. Dass dieser gemeinte Gegenstand als zumindest in gewissem Sinn anwesend gelten muß folgt aus der Verwendung der deiktischen Partikel zusammen mit der Zeigegeste. Die Verwendung des Bildes hat also in diesem Fall, genauer gesagt, die Funktion die Kommunikationssituation um nicht anwesende Gegenstände zu erweitern. Es handelt sich demnach um eine Kontextbildung im Sinne der [[modale Bildtheorie|modalen Bildtheorie]].
Offen bleibt derzeit, ob sich mithilfe von Bildpräsentationen eine ganz eigenständige Art der Nomination durchführen läßt, die nicht mit den Mechanismen der sprachlichen Nominationen übereinstimmt. Es müßte dabei um eine Zeichenteilhandlung gehen, durch die man, um darüber etwas Weiteres mitzuteilen, einen dem Gegenüber bereits bekannten Gegentand in den gemeinsamen Fokus der Aufmerksamkeit rückt, indem man weder konventionell vergebene Symbole, noch charakteristische Eigenschaften, weder ostensive Deixis noch Vorerwähntheit ausnutzt.[5]
Unter der Hypothese einer prinzipiell nominatorischen Grundverwendung von Bildern muß auch die Frage geklärt werden, welche Gegenstände dann eigentlich mithilfe von ungegenständlichen Bildern identifiziert werden. Alles in allem erscheint damit die Nomination als Basisform der Bildverwendung wenig überzeugend.
Nominator, singulärer Ausdruck und SatzsubjektDie sprachlichen Ausdrücke, mit deren Hilfe eine Nomination ausgeführt
wird, werden Nominatoren genannt. Sie entsprechen weitgehend dem,
was mit dem älteren Ausdruck „singuläre Termini“ bezeichnet wurde,
analog zu den „generellen Termini“ (cf. [Tugendhat & Wolf 1983a]Tugendhat, Ernst & Wolf, Ursula (1983): Logisch-semantische Propädeutik. Reclam, Stuttgart. Obwohl mit dem Satzsubjekt in aller Regel eine Nomination ausgeführt wird, gibt es Ausnahmen: die Sätze mit unpersönlich gebrauchtem „es“,wie in „es regnet“. Diese bilden daher im engeren Sinn auch keine Propositionen. |
Anmerkungen
Literatur
[Gerhardus et al. 1975a]Gerhardus, Dietfried; Kledzik, Silke M. & Reitzig, Gerd H. (1975): Schlüssiges Argumentieren – Logisch-propädeutisches Lehr- und Arbeitsbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Harth 2001a]Harth, Manfred (2001): Bezugnahme bei Bildern. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildhandeln: Interdisziplinäre Forschungen zur Pragmatik bildhafter Darstellungsformen. Halem, Köln.[Kamlah & Lorenzen 1973a]Kamlah, Wilhelm & Lorenzen, Paul (1973): Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. BI Wissenschaftsverlag, München.[Lorenz 1970a]Lorenz, Kuno (1970): Elemente der Sprachkritik – Eine Alternative zum Dogmatismus und Skeptizismus in der Analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommunikatives Medium. Elemente einer allgemeinen Bildwissenschaft. Halem, Köln.[Tugendhat & Wolf 1983a]Tugendhat, Ernst & Wolf, Ursula (1983): Logisch-semantische Propädeutik. Reclam, Stuttgart.[Tugendhat 1976a]Tugendhat, Ernst (1976): Vorlesungen zur Einführung in die sprachanalytische Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M. Verantwortlich: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach, Marcel Lemmes und Emilia Didier — (Hinweis) |
