Bildmontage: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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==Bildmontage, Collage, Assemblage==
==Bildmontage, Collage, Assemblage==


Der Begriff der Bildmontage bezieht sich sowohl auf Tech­niken der [[Malerei|Male­rei]] und [[Fotografie|Foto­grafie]] als auch auf solche des [[Film|Films]], durch die ein­zelne Bild­ele­mente oder fil­mische Ein­stellun­gen mitein­ander kombi­niert werden. In die Begriff­lich­keit der Montage spielt zudem die künst­leri­sche Form der Collage (von frz. ‘coller’ für ‘kleben’) hinein. Diese ist eine Technik der [[bildende Kunst|bil­den­den Kunst]], bei der durch Auf­kleben ver­schiede­ne Ele­mente, [[Material|Mate­ria­lien]] oder Ob­jekte kombi­niert werden, wo­durch ein neues Ganzes ge­schaffen wird. Wäh­rend eine Collage gemein­hin aus einer Anhäu­fung von Texten oder Bildern be­steht, so handelt es sich um eine Assemb­lage, wenn haupt­sächlich plastische Ob­jekte zu einer neuen sinn­bilden­den Ein­heit zusam­menge­fügt werden — dabei können bild­hafte Kunst­werke mit relief­artiger Ober­fläche oder auch drei­dimen­siona­le Objekte bzw. [[Skulptur]]en ent­stehen.  
Der Begriff der Bildmontage bezieht sich sowohl auf Tech­niken der [[Malerei|Male­rei]] und [[Fotografie|Foto­grafie]] als auch auf solche des [[Film|Films]], durch die ein­zelne Bild­ele­mente oder fil­mische Ein­stellun­gen mitein­ander kombi­niert werden. In die Begriff­lich­keit der Montage spielt zudem die künst­leri­sche Form der Collage (von frz. ‘coller’ für ‘kleben’) hinein. Diese ist eine Technik der [[bildende Kunst|bil­den­den Kunst]], bei der durch Auf­kleben ver­schiede­ne Ele­mente, [[Material|Mate­ria­lien]] oder Ob­jekte kombi­niert werden, wo­durch ein neues Ganzes ge­schaffen wird. Wäh­rend eine Collage gemein­hin aus einer Anhäu­fung von Texten oder Bildern be­steht, so handelt es sich um eine Assemb­lage, wenn haupt­sächlich plastische Ob­jekte zu einer neuen sinn­bilden­den Ein­heit zusam­menge­fügt werden – dabei können bild­hafte Kunst­werke mit relief­artiger Ober­fläche oder auch drei­dimen­siona­le Objekte bzw. [[Skulptur]]en ent­stehen.  




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Abseits der Collage und ihrer Vor­formen finden sich noch Vor­läufer der Mon­tage, die nicht auf einem tat­säch­lich Schnitt oder Riss beruhen. Das 1591 ent­stande­ne Bild «Vertum­nus» [http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d2/Arcimboldovertemnus.jpeg] von Giuseppe Arcim­boldo kann dazu ge­zählt werden. Auf diesem Bild ist eine An­samm­lung von Blumen, Früchten und Gemüse zu sehen, die sich zu einem Portrait von Rudolf II. zusammen­fügen. Außer­dem ist hier an die Veduten­male­rei ab dem 17. Jahr­hundert zu denken, in der man Teile ver­schiede­ner Land­schaften zu einem ein­heit­lichen Bild zusammen­führte.   
Abseits der Collage und ihrer Vor­formen finden sich noch Vor­läufer der Mon­tage, die nicht auf einem tat­säch­lich Schnitt oder Riss beruhen. Das 1591 ent­stande­ne Bild «Vertum­nus» [http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d2/Arcimboldovertemnus.jpeg] von Giuseppe Arcim­boldo kann dazu ge­zählt werden. Auf diesem Bild ist eine An­samm­lung von Blumen, Früchten und Gemüse zu sehen, die sich zu einem Portrait von Rudolf II. zusammen­fügen. Außer­dem ist hier an die Veduten­male­rei ab dem 17. Jahr­hundert zu denken, in der man Teile ver­schiede­ner Land­schaften zu einem ein­heit­lichen Bild zusammen­führte.   
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Einzug in die Kunst erhält die Collage wieder mit Pablo Picasso, der in seinem ku­bisti­schen Stil­leben «Nature morte à la chaise cannée» (1912) [http://www.musee-picasso.fr/images/pages/bitmaps/pic_4g_97DE16004.jpg] ein Stück Wachs­tuch ein­klebt. Hier erlebt die Collage eine er­neute Weiter­ent­wick­lung — neben all­täg­lichen Gegen­ständen werden auch Druck­buch­staben und Ziffern in die Bilder aufge­nommen. Sowohl in der Male­rei als auch in der Lite­ratur und Lyrik setzt sich die Collage als künst­lerische Technik mit dem Futu­rismus vor allem in Italien, dem Expres­sionismus in Deutsc­hland und um 1912 auch in Russ­land durch. Hier wird sie u.a. von Kasi­mir Male­witsch aufge­griffen, der da­rüber seinen Supre­matis­mus ent­wickelt. Sie geht schließ­lich durch die Arbei­ten von Lew Kule­schow und Ale­xandr Rodtschen­ko in die Foto­montage über, die mit der kine­mato­graphischen Montage in einer engen Wechsel­beziehung steht.
Einzug in die Kunst erhält die Collage wieder mit Pablo Picasso, der in seinem ku­bisti­schen Stil­leben «Nature morte à la chaise cannée» (1912) [http://www.musee-picasso.fr/images/pages/bitmaps/pic_4g_97DE16004.jpg] ein Stück Wachs­tuch ein­klebt. Hier erlebt die Collage eine er­neute Weiter­ent­wick­lung – neben all­täg­lichen Gegen­ständen werden auch Druck­buch­staben und Ziffern in die Bilder aufge­nommen. Sowohl in der Male­rei als auch in der Lite­ratur und Lyrik setzt sich die Collage als künst­lerische Technik mit dem Futu­rismus vor allem in Italien, dem Expres­sionismus in Deutsc­hland und um 1912 auch in Russ­land durch. Hier wird sie u.a. von Kasi­mir Male­witsch aufge­griffen, der da­rüber seinen Supre­matis­mus ent­wickelt. Sie geht schließ­lich durch die Arbei­ten von Lew Kule­schow und Ale­xandr Rodtschen­ko in die Foto­montage über, die mit der kine­mato­graphischen Montage in einer engen Wechsel­beziehung steht.




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Diese Technik wurde weiter­ent­wickelt und findet im digi­talen Zeit­alter ihre Ent­sprechung in der Green- bzw. Blue­screen-Technik. Diese Tech­niken werden wiede­rum mit dem ‘compo­siting’ (engl. für: ‘Zu­sammen­setzung’) in Zusammen­hang ge­bracht, welches zwei oder mehr ge­trennt von­eina­nder auf­genom­mene oder er­zeugte Bild­ele­mente zu einem stim­migen Bild bzw. einer Ein­stellung zusammen­führt.
Diese Technik wurde weiter­ent­wickelt und findet im digi­talen Zeit­alter ihre Ent­sprechung in der Green- bzw. Blue­screen-Technik. Diese Tech­niken werden wiede­rum mit dem ‘compo­siting’ (engl. für: ‘Zu­sammen­setzung’) in Zusammen­hang ge­bracht, welches zwei oder mehr ge­trennt von­eina­nder auf­genom­mene oder er­zeugte Bild­ele­mente zu einem stim­migen Bild bzw. einer Ein­stellung zusammen­führt.
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Die Filmmontage, verstanden als das An&shy;einan&shy;der&shy;kleben einzel&shy;ner Ein&shy;stellun&shy;gen oder ‘shots’ als kleinster sinn&shy;hafter Ein&shy;heiten des Films, hat ihren theo&shy;retischen Ur&shy;sprung in den Montage-Expe&shy;rimen&shy;ten, die Ende 1910 und in den frühen 1920er Jahren vom sowje&shy;tischen Regis&shy;seur Kule&shy;schow durch&shy;geführt worden sind. Kule&shy;schow stellte die These auf, dass die Montage – ver&shy;standen als die Glie&shy;derung des Films – ein&shy;zelner Ein&shy;stellun&shy;gen wichti&shy;ger sei als die Art und Weise wie die Ein&shy;stellun&shy;gen aufge&shy;nommen wurden. So schnitt er u.a. drei unter&shy;schied&shy;liche Ein&shy;stellun&shy;gen mit dem Gesicht des Schau&shy;spielers Iwan Mosschu&shy;chin zusam&shy;men, was den Zu&shy;schauer — je nach Kombi&shy;nation — unter&shy;schied&shy;liche Gesichts&shy;aus&shy;drücke erken&shy;nen ließ, obwohl die Auf&shy;nahme von Mosschu&shy;chin immer die&shy;selbe blieb (vgl. <bib id='Beller 2005a'></bib>: S. 20ff. bzw. [http://www.gib.uni-tuebingen.de/image/ausgaben?function=fnArticle&showArticle=93]).  
Die Filmmontage, verstanden als das An&shy;einan&shy;der&shy;kleben einzel&shy;ner Ein&shy;stellun&shy;gen oder ‘shots’ als kleinster sinn&shy;hafter Ein&shy;heiten des Films, hat ihren theo&shy;retischen Ur&shy;sprung in den Montage-Expe&shy;rimen&shy;ten, die Ende 1910 und in den frühen 1920er Jahren vom sowje&shy;tischen Regis&shy;seur Kule&shy;schow durch&shy;geführt worden sind. Kule&shy;schow stellte die These auf, dass die Montage – ver&shy;standen als die Glie&shy;derung des Films – ein&shy;zelner Ein&shy;stellun&shy;gen wichti&shy;ger sei als die Art und Weise wie die Ein&shy;stellun&shy;gen aufge&shy;nommen wurden. So schnitt er u.a. drei unter&shy;schied&shy;liche Ein&shy;stellun&shy;gen mit dem Gesicht des Schau&shy;spielers Iwan Mosschu&shy;chin zusam&shy;men, was den Zu&shy;schauer – je nach Kombi&shy;nation – unter&shy;schied&shy;liche Gesichts&shy;aus&shy;drücke erken&shy;nen ließ, obwohl die Auf&shy;nahme von Mosschu&shy;chin immer die&shy;selbe blieb (vgl. <bib id='Beller 2005a'></bib>: S. 20ff. bzw. [http://www.gib.uni-tuebingen.de/image/ausgaben?function=fnArticle&showArticle=93]).  
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Der praktische Ursprung der Mon&shy;tage liegt noch etwas weiter zu&shy;rück und ist das Produkt eines Zu&shy;falls: Wäh&shy;rend einer Film&shy;auf&shy;nahme des franzö&shy;sischen Künstlers George Méliès ver&shy;fing sich der Film in der Kamera, und Méliès konnte erst mit einer ein&shy;minü&shy;tigen Ver&shy;zögerung weiter&shy;kurbeln. In dieser Zeit hatten sich Passan&shy;ten und Auto&shy;mobile bewegt, und Méliès sah zu seiner Verwun&shy;derung, „daß aus dem Omni&shy;bus Made&shy;leine-Bastille ein Leiche&shy;nwagen und aus Männern Frauen geworden waren“ (zitiert nach <bib id='Ebert 1979a'></bib>: S. 558).
Der praktische Ursprung der Mon&shy;tage liegt noch etwas weiter zu&shy;rück und ist das Produkt eines Zu&shy;falls: Wäh&shy;rend einer Film&shy;auf&shy;nahme des franzö&shy;sischen Künstlers George Méliès ver&shy;fing sich der Film in der Kamera, und Méliès konnte erst mit einer ein&shy;minü&shy;tigen Ver&shy;zögerung weiter&shy;kurbeln. In dieser Zeit hatten sich Passan&shy;ten und Auto&shy;mobile bewegt, und Méliès sah zu seiner Verwun&shy;derung, „daß aus dem Omni&shy;bus Made&shy;leine-Bastille ein Leiche&shy;nwagen und aus Männern Frauen geworden waren“ (zitiert nach <bib id='Ebert 1979a'></bib>: S. 558).
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Durch diesen Zufall wurde die Mög&shy;lich&shy;keit ent&shy;deckt, ver&shy;schiedene Ein&shy;stellun&shy;gen von diffe&shy;renten Szena&shy;rien und Objek&shy;ten anein&shy;ander zu fügen und aufein&shy;ander zu proji&shy;zieren. Dieses Prinzip er&shy;laubte es durch die Kombi&shy;nation unter&shy;schied&shy;licher Ein&shy;stellun&shy;gen eine neue Aus&shy;sage zu evo&shy;zieren. Inner&shy;halb der sowje&shy;tischen Montage&shy;theorie wurden der Montage unter&shy;schied&shy;liche Auf&shy;gaben zuge&shy;schrieben. Während Vsevo&shy;lod Pudov&shy;kin die Produk&shy;tion von Konti&shy;nuität bzw. Kohä&shy;renz und die Er&shy;zeugung eines synthe&shy;tischen Ganzes als Auf&shy;gabe der Montage in den Vorder&shy;grund stellte — einen Ge&shy;danke, den er von David W. Griffith über&shy;nommen hatte —, betonte Sergei Eisen&shy;stein das Konflikt&shy;poten&shy;tial der Montage. Indem sie zwei Ein&shy;stellun&shy;gen kolli&shy;dieren lässt, zwingt sie den Zu&shy;schauer diese in seinem Kopf zu synthe&shy;tisieren. Daher geht es Eisen&shy;stein auch weniger um psycho&shy;logische Stimmig&shy;keit und die Über&shy;zeugungs&shy;kraft der Bilder, sondern vor allem um die Erzeu&shy;gung von [[Vorstellungsbilder|Gedanken&shy;bildern]] und Begriffen im Kopf des Zu&shy;schauers durch die Montage.
Durch diesen Zufall wurde die Mög&shy;lich&shy;keit ent&shy;deckt, ver&shy;schiedene Ein&shy;stellun&shy;gen von diffe&shy;renten Szena&shy;rien und Objek&shy;ten anein&shy;ander zu fügen und aufein&shy;ander zu proji&shy;zieren. Dieses Prinzip er&shy;laubte es durch die Kombi&shy;nation unter&shy;schied&shy;licher Ein&shy;stellun&shy;gen eine neue Aus&shy;sage zu evo&shy;zieren. Inner&shy;halb der sowje&shy;tischen Montage&shy;theorie wurden der Montage unter&shy;schied&shy;liche Auf&shy;gaben zuge&shy;schrieben. Während Vsevo&shy;lod Pudov&shy;kin die Produk&shy;tion von Konti&shy;nuität bzw. Kohä&shy;renz und die Er&shy;zeugung eines synthe&shy;tischen Ganzes als Auf&shy;gabe der Montage in den Vorder&shy;grund stellte – einen Ge&shy;danke, den er von David W. Griffith über&shy;nommen hatte –, betonte Sergei Eisen&shy;stein das Konflikt&shy;poten&shy;tial der Montage. Indem sie zwei Ein&shy;stellun&shy;gen kolli&shy;dieren lässt, zwingt sie den Zu&shy;schauer diese in seinem Kopf zu synthe&shy;tisieren. Daher geht es Eisen&shy;stein auch weniger um psycho&shy;logische Stimmig&shy;keit und die Über&shy;zeugungs&shy;kraft der Bilder, sondern vor allem um die Erzeu&shy;gung von [[Vorstellungsbilder|Gedanken&shy;bildern]] und Begriffen im Kopf des Zu&shy;schauers durch die Montage.
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Im angelsächsischen Raum setzte sich Eisen&shy;steins Montage&shy;gedanke jedoch nicht durch, hier setzte man ab 1910 auf eine fil&shy;misch kohä&shy;rente Erzähl&shy;weise, die man mit dem Aus&shy;druck ‘conti&shy;nuity’ be&shy;schrieb. Hier geht es vor allem darum, Figuren- und Kamera&shy;bewegun&shy;gen ver&shy;schiede&shy;ner Ein&shy;stellun&shy;gen so zu kombi&shy;nieren, dass dem Zu&shy;schauer einer&shy;seits eine raum-zeit&shy;liche Orien&shy;tierung mög&shy;lich ist und ande&shy;rer&shy;seits seine Auf&shy;merk&shy;sam&shy;keit ge&shy;lenkt werden kann. Im so genann&shy;ten ‘conti&shy;nuity system’ werden Raum&shy;gefü&shy;ge und Zeit&shy;verläu&shy;fe ohne abrupte Sprünge von Ein&shy;stellung zu Ein&shy;stellung konstru&shy;iert. Diese “weiche” Montage&shy;form wurde zum Marken&shy;zeichen der Filme des Classi&shy;cal Holly&shy;wood und ist auch in der aktu&shy;ellen Produk&shy;tion moder&shy;ner Filme noch wirk&shy;sam (vgl. <bib id='Beller 2005a'></bib>: S. 18f.). Die im Fran&shy;zösi&shy;schen als ‘décou&shy;page clas&shy;sique’ bezeich&shy;nete Holly&shy;wood-Montage arbei&shy;tet dabei den konti&shy;nuier&shy;lichen Fluss der Hand&shy;lung heraus. Die einzel&shy;nen Schnitte fallen hier unter die Wahr&shy;nehmungs&shy;schwelle, so dass die Auf&shy;merk&shy;sam&shy;keit der Zu&shy;schauer auf der Konti&shy;nuität des Gesche&shy;hens bleibt.
Im angelsächsischen Raum setzte sich Eisen&shy;steins Montage&shy;gedanke jedoch nicht durch, hier setzte man ab 1910 auf eine fil&shy;misch kohä&shy;rente Erzähl&shy;weise, die man mit dem Aus&shy;druck ‘conti&shy;nuity’ be&shy;schrieb. Hier geht es vor allem darum, Figuren- und Kamera&shy;bewegun&shy;gen ver&shy;schiede&shy;ner Ein&shy;stellun&shy;gen so zu kombi&shy;nieren, dass dem Zu&shy;schauer einer&shy;seits eine raum-zeit&shy;liche Orien&shy;tierung mög&shy;lich ist und ande&shy;rer&shy;seits seine Auf&shy;merk&shy;sam&shy;keit ge&shy;lenkt werden kann. Im so genann&shy;ten ‘conti&shy;nuity system’ werden Raum&shy;gefü&shy;ge und Zeit&shy;verläu&shy;fe ohne abrupte Sprünge von Ein&shy;stellung zu Ein&shy;stellung konstru&shy;iert. Diese “weiche” Montage&shy;form wurde zum Marken&shy;zeichen der Filme des Classi&shy;cal Holly&shy;wood und ist auch in der aktu&shy;ellen Produk&shy;tion moder&shy;ner Filme noch wirk&shy;sam (vgl. <bib id='Beller 2005a'></bib>: S. 18f.). Die im Fran&shy;zösi&shy;schen als ‘décou&shy;page clas&shy;sique’ bezeich&shy;nete Holly&shy;wood-Montage arbei&shy;tet dabei den konti&shy;nuier&shy;lichen Fluss der Hand&shy;lung heraus. Die einzel&shy;nen Schnitte fallen hier unter die Wahr&shy;nehmungs&shy;schwelle, so dass die Auf&shy;merk&shy;sam&shy;keit der Zu&shy;schauer auf der Konti&shy;nuität des Gesche&shy;hens bleibt.

Version vom 26. März 2013, 15:38 Uhr

Unterpunkt zu: Bildsyntax


Bildmontage, Collage, Assemblage

Der Begriff der Bildmontage bezieht sich sowohl auf Tech­niken der Male­rei und Foto­grafie als auch auf solche des Films, durch die ein­zelne Bild­ele­mente oder fil­mische Ein­stellun­gen mitein­ander kombi­niert werden. In die Begriff­lich­keit der Montage spielt zudem die künst­leri­sche Form der Collage (von frz. ‘coller’ für ‘kleben’) hinein. Diese ist eine Technik der bil­den­den Kunst, bei der durch Auf­kleben ver­schiede­ne Ele­mente, Mate­ria­lien oder Ob­jekte kombi­niert werden, wo­durch ein neues Ganzes ge­schaffen wird. Wäh­rend eine Collage gemein­hin aus einer Anhäu­fung von Texten oder Bildern be­steht, so handelt es sich um eine Assemb­lage, wenn haupt­sächlich plastische Ob­jekte zu einer neuen sinn­bilden­den Ein­heit zusam­menge­fügt werden – dabei können bild­hafte Kunst­werke mit relief­artiger Ober­fläche oder auch drei­dimen­siona­le Objekte bzw. Skulpturen ent­stehen.


Montage im Bild

In der Montage im Bild oder der Collage werden Ele­mente aus Bil­dern, wie z.B. Aus­schnitte aus Zeitun­gen, mit­einan­der kombi­niert. Das so ent­stande­ne Bild bildet eine neue Kompo­sition und kann damit Träger einer Aus­sage werden, die nicht in den ein­zelnen Teilen des Bildes ent­halten war.

Vorläufer der Collage finden sich in Japan, wo Kalli­graphen im 12. Jahr­hundert dazu über­gingen, Werke von Dich­tern auf Bögen zu schreiben, die mit leicht farbigen Papieren be­klebt waren. Diese Kompo­sitionen, die mit unter­schied­lichen Moti­ven ver­sehen waren, be­standen aus un­regel­mäßig anei­nander gefüg­ten Formen (dabei werden geris­sene oder aus­geschnit­tene Kontu­ren mit dem Pinsel über­tuscht, um etwa Berge oder Flüsse anzu­deuten). Im 13. Jahr­hundert kommen im Orient Schnitt­künste auf, die zuse­hends zur Collage führen. So ent­steht in Persien der Leder­schnitt, der im 15. Jahr­hundert seine Glanz­zeit er­lebt und schließ­lich vom Papier­schnitt abge­löst wird (vgl. [Wescher 1968a]Wescher, Herta (1968): Die Collage / Geschichte eines künstlerischen Ausdrucksmittels. DuMont Schauberg, Köln.
: S. 7). Im 17. und 18. Jahr­hundert ent­faltet sich diese Technik in der Kirchen- und Kloster­kunst, wo sie kunst­voll weiter­ent­wickelt und schließlich so bekannt wird, dass sie von der Popu­lärkul­tur verein­nahmt wird (auf Aschen­bechern oder Ziga­retten­binden).

Abseits der Collage und ihrer Vor­formen finden sich noch Vor­läufer der Mon­tage, die nicht auf einem tat­säch­lich Schnitt oder Riss beruhen. Das 1591 ent­stande­ne Bild «Vertum­nus» [1] von Giuseppe Arcim­boldo kann dazu ge­zählt werden. Auf diesem Bild ist eine An­samm­lung von Blumen, Früchten und Gemüse zu sehen, die sich zu einem Portrait von Rudolf II. zusammen­fügen. Außer­dem ist hier an die Veduten­male­rei ab dem 17. Jahr­hundert zu denken, in der man Teile ver­schiede­ner Land­schaften zu einem ein­heit­lichen Bild zusammen­führte.

Einzug in die Kunst erhält die Collage wieder mit Pablo Picasso, der in seinem ku­bisti­schen Stil­leben «Nature morte à la chaise cannée» (1912) [2] ein Stück Wachs­tuch ein­klebt. Hier erlebt die Collage eine er­neute Weiter­ent­wick­lung – neben all­täg­lichen Gegen­ständen werden auch Druck­buch­staben und Ziffern in die Bilder aufge­nommen. Sowohl in der Male­rei als auch in der Lite­ratur und Lyrik setzt sich die Collage als künst­lerische Technik mit dem Futu­rismus vor allem in Italien, dem Expres­sionismus in Deutsc­hland und um 1912 auch in Russ­land durch. Hier wird sie u.a. von Kasi­mir Male­witsch aufge­griffen, der da­rüber seinen Supre­matis­mus ent­wickelt. Sie geht schließ­lich durch die Arbei­ten von Lew Kule­schow und Ale­xandr Rodtschen­ko in die Foto­montage über, die mit der kine­mato­graphischen Montage in einer engen Wechsel­beziehung steht.


Montage im Film

Die Montage im Film beschreibt einer­seits die Gestal­tung der ein­zel­nen Ein­stellung, ander­erseits bezeich­net sie vor allem die Anei­nander­reihung ein­zelner Ein­stellun­gen zu einer Sequenz.

Innerhalb der Komposition einzelner Ein­stellun­gen kann eine Mon­tage zweier Bilder durch Doppel­belich­tung er­zeugt werden, doch auch die Kombi­nation verschie­dener Bild­elem­ente ist hier möglich. In den An­fängen des Films wurden vor allem Rück­projek­tionen aus öko­nomischen Zwecken ge­nutzt, um z.B. zuvor auf­genom­mene Land­schaften als Hinter­gründe für Szenen in Studio­räumen zu nutzen. Dabei standen die Schau­spieler vor einer Lein­wand, auf welche der Film einer Wüste o.ä. von hinten proji­ziert wurde. So konnte sicher­gestellt werden, dass keine Schatten­würfe der Akteu­re die Illu­sion störten.

Diese Technik wurde weiter­ent­wickelt und findet im digi­talen Zeit­alter ihre Ent­sprechung in der Green- bzw. Blue­screen-Technik. Diese Tech­niken werden wiede­rum mit dem ‘compo­siting’ (engl. für: ‘Zu­sammen­setzung’) in Zusammen­hang ge­bracht, welches zwei oder mehr ge­trennt von­eina­nder auf­genom­mene oder er­zeugte Bild­ele­mente zu einem stim­migen Bild bzw. einer Ein­stellung zusammen­führt.

Die Filmmontage, verstanden als das An­einan­der­kleben einzel­ner Ein­stellun­gen oder ‘shots’ als kleinster sinn­hafter Ein­heiten des Films, hat ihren theo­retischen Ur­sprung in den Montage-Expe­rimen­ten, die Ende 1910 und in den frühen 1920er Jahren vom sowje­tischen Regis­seur Kule­schow durch­geführt worden sind. Kule­schow stellte die These auf, dass die Montage – ver­standen als die Glie­derung des Films – ein­zelner Ein­stellun­gen wichti­ger sei als die Art und Weise wie die Ein­stellun­gen aufge­nommen wurden. So schnitt er u.a. drei unter­schied­liche Ein­stellun­gen mit dem Gesicht des Schau­spielers Iwan Mosschu­chin zusam­men, was den Zu­schauer – je nach Kombi­nation – unter­schied­liche Gesichts­aus­drücke erken­nen ließ, obwohl die Auf­nahme von Mosschu­chin immer die­selbe blieb (vgl. [Beller 2005a]Beller, Hans (2005): Aspekte der Filmmontage - Eine Art Einführung. In: Beller, H. (Hg.), Handbuch der Filmmontage. Praxis und Prinzipien des Filmschnitts. TR-Verlagsunion, München.
Nicht angezeigt: 5., gegenüber der 4. unveränderte Auflage
: S. 20ff. bzw. [3]).

Der praktische Ursprung der Mon­tage liegt noch etwas weiter zu­rück und ist das Produkt eines Zu­falls: Wäh­rend einer Film­auf­nahme des franzö­sischen Künstlers George Méliès ver­fing sich der Film in der Kamera, und Méliès konnte erst mit einer ein­minü­tigen Ver­zögerung weiter­kurbeln. In dieser Zeit hatten sich Passan­ten und Auto­mobile bewegt, und Méliès sah zu seiner Verwun­derung, „daß aus dem Omni­bus Made­leine-Bastille ein Leiche­nwagen und aus Männern Frauen geworden waren“ (zitiert nach [Ebert 1979a]Ebert, Jürgen (1979): Montage Editing Schnitt. Filmkritik, 12.
: S. 558).

Durch diesen Zufall wurde die Mög­lich­keit ent­deckt, ver­schiedene Ein­stellun­gen von diffe­renten Szena­rien und Objek­ten anein­ander zu fügen und aufein­ander zu proji­zieren. Dieses Prinzip er­laubte es durch die Kombi­nation unter­schied­licher Ein­stellun­gen eine neue Aus­sage zu evo­zieren. Inner­halb der sowje­tischen Montage­theorie wurden der Montage unter­schied­liche Auf­gaben zuge­schrieben. Während Vsevo­lod Pudov­kin die Produk­tion von Konti­nuität bzw. Kohä­renz und die Er­zeugung eines synthe­tischen Ganzes als Auf­gabe der Montage in den Vorder­grund stellte – einen Ge­danke, den er von David W. Griffith über­nommen hatte –, betonte Sergei Eisen­stein das Konflikt­poten­tial der Montage. Indem sie zwei Ein­stellun­gen kolli­dieren lässt, zwingt sie den Zu­schauer diese in seinem Kopf zu synthe­tisieren. Daher geht es Eisen­stein auch weniger um psycho­logische Stimmig­keit und die Über­zeugungs­kraft der Bilder, sondern vor allem um die Erzeu­gung von Gedanken­bildern und Begriffen im Kopf des Zu­schauers durch die Montage.

Im angelsächsischen Raum setzte sich Eisen­steins Montage­gedanke jedoch nicht durch, hier setzte man ab 1910 auf eine fil­misch kohä­rente Erzähl­weise, die man mit dem Aus­druck ‘conti­nuity’ be­schrieb. Hier geht es vor allem darum, Figuren- und Kamera­bewegun­gen ver­schiede­ner Ein­stellun­gen so zu kombi­nieren, dass dem Zu­schauer einer­seits eine raum-zeit­liche Orien­tierung mög­lich ist und ande­rer­seits seine Auf­merk­sam­keit ge­lenkt werden kann. Im so genann­ten ‘conti­nuity system’ werden Raum­gefü­ge und Zeit­verläu­fe ohne abrupte Sprünge von Ein­stellung zu Ein­stellung konstru­iert. Diese “weiche” Montage­form wurde zum Marken­zeichen der Filme des Classi­cal Holly­wood und ist auch in der aktu­ellen Produk­tion moder­ner Filme noch wirk­sam (vgl. [Beller 2005a]Beller, Hans (2005): Aspekte der Filmmontage - Eine Art Einführung. In: Beller, H. (Hg.), Handbuch der Filmmontage. Praxis und Prinzipien des Filmschnitts. TR-Verlagsunion, München.
Nicht angezeigt: 5., gegenüber der 4. unveränderte Auflage
: S. 18f.). Die im Fran­zösi­schen als ‘décou­page clas­sique’ bezeich­nete Holly­wood-Montage arbei­tet dabei den konti­nuier­lichen Fluss der Hand­lung heraus. Die einzel­nen Schnitte fallen hier unter die Wahr­nehmungs­schwelle, so dass die Auf­merk­sam­keit der Zu­schauer auf der Konti­nuität des Gesche­hens bleibt.

Anmerkungen
Literatur
[Beller 2005a]Beller, Hans (2005): Aspekte der Filmmontage - Eine Art Einführung. In: Beller, H. (Hg.), Handbuch der Filmmontage. Praxis und Prinzipien des Filmschnitts. TR-Verlagsunion, München.[Ebert 1979a]Ebert, Jürgen (1979): Montage Editing Schnitt. Filmkritik, 12.[Wescher 1968a]Wescher, Herta (1968): Die Collage / Geschichte eines künstlerischen Ausdrucksmittels. DuMont Schauberg, Köln.

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