Bildmontage: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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==Bildmontage, Collage, Assemblage==
==Bildmontage, Collage, Assemblage==


Der Begriff der Bildmontage bezieht sich sowohl auf Tech­niken der [[Malerei|Male­rei]] und [[Fotografie|Foto­grafie]] als auch auf solche des [[Film|Films]], durch die ein­zelne Bild­ele­mente oder fil­mische Ein­stellun­gen mitein­ander kombi­niert werden. In die Begriff­lich­keit der Montage spielt zudem die künst­leri­sche Form der Collage (von frz. ‘coller’ für ‘kleben’) hinein. Diese ist eine Technik der [[bildende Kunst|bil­den­den Kunst]], bei der durch Auf­kleben ver­schiede­ne Ele­mente, [[Material|Mate­ria­lien]] oder Ob­jekte kombi­niert werden, wo­durch ein neues Ganzes ge­schaffen wird. Während eine Collage gemein­hin aus einer Anhäu­fung von Texten oder Bildern be­steht, so handelt es sich um eine Assemb­lage, wenn haupt­sächlich plastische Ob­jekte zu einer neuen sinn­bilden­den Ein­heit zusam­menge­fügt werden — dabei können bild­hafte Kunst­werke mit relief­artiger Ober­fläche oder auch drei­dimen­siona­le Objekte bzw. [[Skulptur]]en ent­stehen.  
Der Begriff der Bildmontage bezieht sich sowohl auf Tech­niken der [[Malerei|Male­rei]] und [[Fotografie|Foto­grafie]] als auch auf solche des [[Film|Films]], durch die ein­zelne Bild­ele­mente oder fil­mische Ein­stellun­gen mitein­ander kombi­niert werden. In die Begriff­lich­keit der Montage spielt zudem die künst­leri­sche Form der Collage (von frz. ‘coller’ für ‘kleben’) hinein. Diese ist eine Technik der [[bildende Kunst|bil­den­den Kunst]], bei der durch Auf­kleben ver­schiede­ne Ele­mente, [[Material|Mate­ria­lien]] oder Ob­jekte kombi­niert werden, wo­durch ein neues Ganzes ge­schaffen wird. Wäh­rend eine Collage gemein­hin aus einer Anhäu­fung von Texten oder Bildern be­steht, so handelt es sich um eine Assemb­lage, wenn haupt­sächlich plastische Ob­jekte zu einer neuen sinn­bilden­den Ein­heit zusam­menge­fügt werden — dabei können bild­hafte Kunst­werke mit relief­artiger Ober­fläche oder auch drei­dimen­siona­le Objekte bzw. [[Skulptur]]en ent­stehen.  





Version vom 26. März 2013, 15:27 Uhr

Unterpunkt zu: Bildsyntax


Bildmontage, Collage, Assemblage

Der Begriff der Bildmontage bezieht sich sowohl auf Tech­niken der Male­rei und Foto­grafie als auch auf solche des Films, durch die ein­zelne Bild­ele­mente oder fil­mische Ein­stellun­gen mitein­ander kombi­niert werden. In die Begriff­lich­keit der Montage spielt zudem die künst­leri­sche Form der Collage (von frz. ‘coller’ für ‘kleben’) hinein. Diese ist eine Technik der bil­den­den Kunst, bei der durch Auf­kleben ver­schiede­ne Ele­mente, Mate­ria­lien oder Ob­jekte kombi­niert werden, wo­durch ein neues Ganzes ge­schaffen wird. Wäh­rend eine Collage gemein­hin aus einer Anhäu­fung von Texten oder Bildern be­steht, so handelt es sich um eine Assemb­lage, wenn haupt­sächlich plastische Ob­jekte zu einer neuen sinn­bilden­den Ein­heit zusam­menge­fügt werden — dabei können bild­hafte Kunst­werke mit relief­artiger Ober­fläche oder auch drei­dimen­siona­le Objekte bzw. Skulpturen ent­stehen.


Montage im Bild

In der Montage im Bild oder der Collage werden Ele­mente aus Bil­dern, wie z.B. Aus­schnitte aus Zeitun­gen, mit­einan­der kombi­niert. Das so ent­stande­ne Bild bildet eine neue Kompo­sition und kann damit Träger einer Aus­sage werden, die nicht in den ein­zelnen Teilen des Bildes ent­halten war.

Vorläufer der Collage finden sich in Japan, wo Kalli­graphen im 12. Jahr­hundert dazu über­gingen, Werke von Dich­tern auf Bögen zu schreiben, die mit leicht farbigen Papieren be­klebt waren. Diese Kompo­sitionen, die mit unter­schied­lichen Moti­ven ver­sehen waren, be­standen aus un­regel­mäßig anei­nander gefüg­ten Formen (dabei werden geris­sene oder aus­geschnit­tene Kontu­ren mit dem Pinsel über­tuscht, um etwa Berge oder Flüsse anzu­deuten). Im 13. Jahr­hundert kommen im Orient Schnitt­künste auf, die zuse­hends zur Collage führen. So ent­steht in Persien der Leder­schnitt, der im 15. Jahr­hundert seine Glanz­zeit er­lebt und schließ­lich vom Papier­schnitt abge­löst wird (vgl. [Wescher 1968a]Wescher, Herta (1968): Die Collage / Geschichte eines künstlerischen Ausdrucksmittels. DuMont Schauberg, Köln.
: S. 7). Im 17. und 18. Jahr­hundert ent­faltet sich diese Technik in der Kirchen- und Kloster­kunst, wo sie kunst­voll weiter­ent­wickelt und schließlich so bekannt wird, dass sie von der Popu­lärkul­tur verein­nahmt wird (auf Aschen­bechern oder Ziga­retten­binden).

Abseits der Collage und ihrer Vor­formen finden sich noch Vor­läufer der Mon­tage, die nicht auf einem tat­säch­lich Schnitt oder Riss beruhen. Das 1591 ent­stande­ne Bild «Vertum­nus» [1] von Giuseppe Arcim­boldo kann dazu ge­zählt werden. Auf diesem Bild ist eine An­samm­lung von Blumen, Früchten und Gemüse zu sehen, die sich zu einem Portrait von Rudolf II. zusammen­fügen. Außer­dem ist hier an die Veduten­male­rei ab dem 17. Jahr­hundert zu denken, in der man Teile ver­schiede­ner Land­schaften zu einem ein­heit­lichen Bild zusammen­führte.

Einzug in die Kunst erhält die Collage wieder mit Pablo Picasso, der in seinem ku­bisti­schen Stil­leben «Nature morte à la chaise cannée» (1912) [2] ein Stück Wachs­tuch ein­klebt. Hier erlebt die Collage eine er­neute Weiter­ent­wick­lung — neben all­täg­lichen Gegen­ständen werden auch Druck­buch­staben und Ziffern in die Bilder aufge­nommen. Sowohl in der Male­rei als auch in der Lite­ratur und Lyrik setzt sich die Collage als künst­lerische Technik mit dem Futu­rismus vor allem in Italien, dem Expres­sionismus in Deutsc­hland und um 1912 auch in Russ­land durch. Hier wird sie u.a. von Kasi­mir Male­witsch aufge­griffen, der da­rüber seinen Supre­matis­mus ent­wickelt. Sie geht schließ­lich durch die Arbei­ten von Lew Kule­schow und Ale­xandr Rodtschen­ko in die Foto­montage über, die mit der kine­mato­graphischen Montage in einer engen Wechsel­beziehung steht.


Montage im Film

Die Montage im Film beschreibt einer­seits die Gestal­tung der einzel­nen Ein­stellung, ander­erseits bezeich­net sie vor allem die Anei­nander­reihung ein­zelner Ein­stellun­gen zu einer Sequenz.

Innerhalb der Komposition einzelner Ein­stellun­gen kann ein Montage zweier Bilder durch Doppel­belich­tung er­zeugt werden, doch auch die Kombi­nation verschie­dener Bild­elem­ente ist hier möglich. In den An­fängen des Films wurden vor allem Rück­projek­tionen aus öko­nomischen Zwecken ge­nutzt, um z.B. zuvor auf­genom­mene Land­schaften als Hinter­gründe für Szenen in Studio­räumen zu nutzen. Dabei standen die Schau­spieler vor einer Lein­wand, auf welche der Film einer Wüste o.ä. von hinten proji­ziert wurde. So konnte sicher­gestellt werden, dass keine Schatten­würfe der Akteure die Illu­sion störten.

Diese Technik wurde weiter­ent­wickelt und findet im digi­talen Zeit­alter ihre Ent­sprechung in der Green- bzw. Blue­screen-Technik. Diese Tech­niken werden wiede­rum mit dem ‘compo­siting’ (engl. für: ‘Zu­sammen­setzung’) in Zusammen­hang ge­bracht, welches zwei oder mehr ge­trennt von­eina­nder auf­genom­mene oder er­zeugte Bild­ele­mente zu einem stim­migen Bild bzw. einer Ein­stellung zusammen­führt.

Die Filmmontage, verstanden als das An­einan­der­kleben einzel­ner Ein­stellun­gen oder ‘shots’ als kleinster sinn­hafter Ein­heiten des Films, hat ihren theo­retischen Ur­sprung in den Montage-Expe­rimen­ten, die Ende 1910 und in den frühen 1920er Jahren vom sowje­tischen Regis­seur Kule­schow durch­geführt worden sind. Kule­schow stellte die These auf, dass die Montage – ver­standen als die Glie­derung des Films – ein­zelner Ein­stellun­gen wichti­ger sei als die Art und Weise wie die Ein­stellun­gen aufge­nommen wurden. So schnitt er u.a. drei unter­schied­liche Ein­stellun­gen mit dem Gesicht des Schau­spielers Iwan Mosschu­chin zusam­men, was den Zu­schauer — je nach Kombi­nation — unter­schied­liche Gesichts­aus­drücke erken­nen ließ, obwohl die Auf­nahme von Mosschu­chin immer die­selbe blieb (vgl. [Beller 2005a]Beller, Hans (2005): Aspekte der Filmmontage - Eine Art Einführung. In: Beller, H. (Hg.), Handbuch der Filmmontage. Praxis und Prinzipien des Filmschnitts. TR-Verlagsunion, München.
Nicht angezeigt: 5., gegenüber der 4. unveränderte Auflage
: S. 20ff. bzw. [3]).

Der praktische Ursprung der Montage liegt noch etwas weiter zurück und ist das Produkt eines Zufalls: Während einer Filmaufnahme des französischen Künstlers George Méliès verfing sich der Film in der Kamera, und Méliès konnte erst mit einer einminütigen Verzögerung weiterkurbeln. In dieser Zeit hatten sich Passanten und Automobile bewegt, und Méliès sah zu seiner Verwunderung, „daß aus dem Omnibus Madeleine-Bastille ein Leichenwagen und aus Männern Frauen geworden waren“ (zitiert nach [Ebert 1979a]Ebert, Jürgen (1979): Montage Editing Schnitt. Filmkritik, 12.
: S. 558).

Durch diesen Zufall wurde die Mög­lich­keit ent­deckt, verschiedene Einstellungen von differenten Szenarien und Objekten aneinander zu fügen und aufeinander zu projizieren. Dieses Prinzip erlaubte es durch die Kombination unterschiedlicher Einstellungen eine neue Aussage zu evozieren. Innerhalb der sowjetischen Montagetheorie wurden der Montage unterschiedliche Aufgaben zugeschrieben. Während Vsevolod Pudovkin die Produktion von Kontinuität bzw. Kohärenz und die Erzeugung eines synthetischen Ganzes als Aufgabe der Montage in den Vordergrund stellte — einen Gedanke, den er von David W. Griffith übernommen hatte —, betonte Sergei Eisenstein das Konfliktpotential der Montage. Indem sie zwei Einstellungen kollidieren lässt, zwingt sie den Zuschauer diese in seinem Kopf zu synthetisieren. Daher geht es Eisenstein auch weniger um psychologische Stimmigkeit und die Überzeugungskraft der Bilder, sondern vor allem um die Erzeugung von Gedankenbildern und Begriffen im Kopf des Zuschauers durch die Montage.

Im angelsächsischen Raum setzte sich Eisensteins Montagegedanke jedoch nicht durch, hier setzte man ab 1910 auf eine filmisch kohärente Erzählweise, die man mit dem Ausdruck ‘continuity’ beschrieb. Hier geht es vor allem darum, Figuren- und Kamerabewegungen verschiedener Einstellungen so zu kombinieren, dass dem Zuschauer einerseits eine raum-zeitliche Orientierung möglich ist und andererseits seine Aufmerksamkeit gelenkt werden kann. Im so genannten ‘continuity system’ werden Raumgefüge und Zeitverläufe ohne abrupte Sprünge von Einstellung zu Einstellung konstruiert. Diese “weiche” Montageform wurde zum Markenzeichen der Filme des Classical Hollywood und ist auch in der aktuellen Produktion moderner Filme noch wirksam (vgl. [Beller 2005a]Beller, Hans (2005): Aspekte der Filmmontage - Eine Art Einführung. In: Beller, H. (Hg.), Handbuch der Filmmontage. Praxis und Prinzipien des Filmschnitts. TR-Verlagsunion, München.
Nicht angezeigt: 5., gegenüber der 4. unveränderte Auflage
: S. 18f.). Die im Französischen als ‘découpage classique’ bezeichnete Hollywood-Montage arbeitet dabei den kontinuierlichen Fluss der Handlung heraus. Die einzelnen Schnitte fallen hier unter die Wahrnehmungsschwelle, so dass die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf der Kontinuität des Geschehens bleibt.

Anmerkungen
Literatur
[Beller 2005a]Beller, Hans (2005): Aspekte der Filmmontage - Eine Art Einführung. In: Beller, H. (Hg.), Handbuch der Filmmontage. Praxis und Prinzipien des Filmschnitts. TR-Verlagsunion, München.[Ebert 1979a]Ebert, Jürgen (1979): Montage Editing Schnitt. Filmkritik, 12.[Wescher 1968a]Wescher, Herta (1968): Die Collage / Geschichte eines künstlerischen Ausdrucksmittels. DuMont Schauberg, Köln.

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