Pragmatik, Semantik, Syntax: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Eine zentrale Rolle für pragmatische Betrach&shy;tungen spielt die situa&shy;tive Ein&shy;bettung der Zeichen&shy;handlung: ihr Verwen&shy;dungs&shy;[[kontext]]. Dieser ist insbe&shy;sondere für alle deiktischen Zeichen&shy;elemente<ref>Vgl. [http://de.wikipedia.org/wiki/Deixis Wikipedia: Deixis].</ref> von großer Wichtig&shy;keit, bei denen in der Regel auch die [[Körper]]&shy;lichkeit der Zeichen&shy;verwender auf beson&shy;dere Weise zum Zuge kommt.  
Eine zentrale Rolle für pragmatische Betrach&shy;tungen spielt die situa&shy;tive Ein&shy;bettung der Zeichen&shy;handlung: ihr Verwen&shy;dungs&shy;[[kontext]]. Dieser ist insbe&shy;sondere für alle deiktischen Zeichen&shy;elemente<ref>Vgl. [http://de.wikipedia.org/wiki/Deixis Wikipedia: Deixis].</ref> von großer Wichtig&shy;keit, bei denen in der Regel auch die [[Körper]]&shy;lichkeit der Zeichen&shy;verwender auf beson&shy;dere Weise zum Zuge kommt.  
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Handlungstheoretisch als Aspekte von Hand[[Körper]]lungen gedeutet, gehören auch die mit den Zeichen[[Körper]]handlungen direkt assoziierten kognitiven und intentionalen Momente der Zeichenverwender<ref>Diese handlungstheoretische Umdeutung mentaler Phänomene wird etwa in <bib id='Ros 1979a'></bib> ausführlicher behandelt.</ref> in den Aufmerksamkeitsfokus der Pragmatik: Das betrifft insbesondere die mit einem Zeichengebrauch verbundenen Vorannahmen (‹Präsuppositionen›) und mit ihm induzierte Schlußfolgerungen (‹Implikaturen›).<ref>Vgl. [http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition Wikipedia: Präsupposition] sowie [http://de.wikipedia.org/wiki/Implikatur Wikipedia: Implikatur].</ref>
Handlungstheoretisch als Aspekte von Hand&shy;lungen gedeutet, gehören auch die mit den Zeichen&shy;hand&shy;lungen direkt assoziierten kogni&shy;tiven und inten&shy;tionalen Momente der Zeichen&shy;verwender<ref>Diese hand&shy;lungs&shy;theo&shy;retische Um&shy;deutung mentaler Phäno&shy;mene wird etwa in <bib id='Ros 1979a'></bib> aus&shy;führ&shy;licher behandelt.</ref> in den Auf&shy;merk&shy;sam&shy;keits&shy;fokus der Prag&shy;matik: Das betrifft insbe&shy;sondere die mit einem Zeichen&shy;gebrauch verbun&shy;denen Voran&shy;nahmen (‹Prä&shy;sup&shy;posi&shy;tionen›) und mit ihm indu&shy;zierte Schluß&shy;folge&shy;rungen (‹Impli&shy;katuren›).<ref>Vgl. [http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition Wikipedia: Prä&shy;sup&shy;posi&shy;tion] sowie [http://de.wikipedia.org/wiki/Implikatur Wikipedia: Impli&shy;katur].</ref>
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Auch das Geflecht von Handlungen, die in einem systematischen Zusammenhang mit der Präsentation eines (als Zeichen aufgefassten) Bildes auftreten, kann ganz entsprechend untersucht werden (⊳ [[Bildpragmatik]]).  
Auch das Geflecht von Handlungen, die in einem syste&shy;matischen Zusammen&shy;hang mit der Präsen&shy;tation eines (als Zeichen aufge&shy;fassten) Bildes auf&shy;treten, kann ganz ent&shy;sprechend unter&shy;sucht werden (⊳ [[Bildpragmatik]]).  


===Semantik===
===Semantik===

Version vom 17. Februar 2013, 16:44 Uhr

Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht


Ein ‘Divide et impera’-Vorschlag für die Semiotik

Um die Komplexität der Untersuchungen von Zeichen auf ein besser hand­hab­bares Maß herunter­zubrechen,[1] führte Charles W. Morris ([Morris 1938a]Morris, Charles W. (1938): Foundations of the Theory of Signs. University of Chicago Press, Chicago
Nicht angezeigt: International Encyclopedia of Unified Science, I.2
, [Morris 1946a]Morris, Charles W. (1946): Signs, Language, and Behavior. Prentice-Hall, New York.
) eine Unter­teilung in drei Bereiche ein, die er ‘Syntak­tik’, ‘Seman­tik’ und ‘Pragma­tik’ nannte.[2] Dabei sollten die Frage­stellungen in einem Bereich jeweils weit­gehend unab­hängig von den anderen Bereichen bearbeitet werden können: nämlich Aspekte der Zeichen­träger, der Zeichen­bedeutung bzw. der Zeichen­verwendung betreffend. Diese Annahme der Unab­hängig­keit konnte aller­dings nicht bestätigt werden. Weder lassen sich (von Sonder­fällen abge­sehen) Bedeu­tungs­bezie­hungen im allge­meinen unab­hängig von Aspekten der Zeichen­verwen­dung formulieren, noch ist etwa die Identität von Zeichen­trägern ohne Kenntnis ihrer Bedeutungen sinnvoll zu bestimmen.

Gleichwohl hat Moris' Vorschlag zur Ein­teilung semio­tischer Über­legungen nicht nur – wenn auch in verän­derter Form – über­lebt: Er dominiert viel­mehr sogar in der einen oder anderen modifi­zierten Gestalt die aktuellen semio­tischen Unter­nehmungen. Der Ausdruck ‘Syntak­tik’ ist dabei aller­dings meist (und im Anschluß an Ferdinand de Saussure) durch ‘Syntax’ ersetzt.

In handlungstheoretisch angelegten Zeichen­theorien versteht man die drei Bereiche nun als unter­schiedlich weit gespannte Frage­stellungen zu Aspekten von Zeichen(systemen), die in einem hierarchischen Verhältnis zueinander stehen. Am um­fassendsten angelegt, beschäftigt sich eine pragmatische Unter­suchung mit dem Komplex aus Kommuni­kations- und damit zusammen­hängenden anderen Handlungen, d.h. der Einbettung der Zeichen­handlung in die Lebens­praxis der Zeichen­verwender. Restrik­tiver in ihrem Gegen­stands­bereich, bringt die Semantik die für die Zeichen­verwendung relevanten Bezie­hungen zwischen Zeichen­träger und dem Darge­stellten zur Sprache, ohne dabei die Zeichen­handlung insgesamt zu betrachten – sofern das möglich ist. Syntak­tische Unter­suchungen beschäftigen sich, streng genommen, nur noch mit den Bezie­hungen, die zwischen den Zeichen­trägern eines Zeichen­­systems bestehen, also mit Relationen zwischen und Eigenschaften von (physischen) Gegenständen. Der Unter­su­chungs­bereich, die Menge der Gegen­stände, die als Zeichen­träger eines Systems in Frage kommen, kann gleich­wohl nur pragmatisch – mit Blick auf das gesamte System der Zeichen­handlungen – ange­geben werden.


Beispielhafte Fragestellungen in den drei Bereichen

Pragmatik

Die innerhalb der Pragmatik untersuchten Frage­stellungen lassen sich fol­gender­massen exem­plifi­zieren:[3] Welche anderen Hand­lungen stehen mit der betrach­teten Zeichen­handlung in systema­tischem Zusammen­hang – welche können oder müssen voraus­gegangen sein, welche können oder müssen folgen? Dass beispiels­weise die Äußerung einer Behaup­tung ent­weder direkt beant­wortet werden kann, indem der Kommuni­kations­partner sie (aus­drücklich oder still­schweigend) akzeptiert oder aber mit einer Bezweif­lungs­hand­lung kommuni­kativ zurück­weist (und damit Begrün­dungs­hand­lungen seines Gegen­übers ein­fordert), oder auch weniger direkt, indem er zunächst mit­hilfe seiner senso­motorischen Aus­stattung eine passende referen­tielle Ver­ankerung der Behaup­tung durch­führt und damit eine empi­rische Über­prüfung des Behaup­teten bewerk­stelligt, all das gehört zu diesem Sprach­spiel des Behauptens. Es sind also sowohl andere Zeichen­hand­lungen (oder allge­meiner kommuni­kative Inter­aktionen) als auch nicht-kommuni­kative Hand­lungen – insbe­sondere das senso­motorische Um­gehen mit dem jeweils Bezeich­neten –, die hier berück­sichtigt werden müssen.

Eine zentrale Rolle für pragmatische Betrach­tungen spielt die situa­tive Ein­bettung der Zeichen­handlung: ihr Verwen­dungs­kontext. Dieser ist insbe­sondere für alle deiktischen Zeichen­elemente[4] von großer Wichtig­keit, bei denen in der Regel auch die Körper­lichkeit der Zeichen­verwender auf beson­dere Weise zum Zuge kommt.

Handlungstheoretisch als Aspekte von Hand­lungen gedeutet, gehören auch die mit den Zeichen­hand­lungen direkt assoziierten kogni­tiven und inten­tionalen Momente der Zeichen­verwender[5] in den Auf­merk­sam­keits­fokus der Prag­matik: Das betrifft insbe­sondere die mit einem Zeichen­gebrauch verbun­denen Voran­nahmen (‹Prä­sup­posi­tionen›) und mit ihm indu­zierte Schluß­folge­rungen (‹Impli­katuren›).[6]

Auch das Geflecht von Handlungen, die in einem syste­matischen Zusammen­hang mit der Präsen­tation eines (als Zeichen aufge­fassten) Bildes auf­treten, kann ganz ent­sprechend unter­sucht werden (⊳ Bildpragmatik).

Semantik

Lange Zeit stand die Semantik im Zentrum der Semiotik, stellten doch Bedeutungsphänomene deren wichtigster Untersuchungsgegenstand.[7] Unter der Annahme, dass Bedeutungsrelationen primär, ihre kommunikative Verwendung hingegen sekundär seien, blieben pragmatische Betrachtungen der Semantik nachgeordnet.

Die pragmatische Wende des linguistic turn hat dieses Dominanzverhältnis umgekehrt: Hier gilt, dass Bedeutungsphänomene sich überhaupt nur innerhalb eines kommunikativen Rahmens (im weiten Sinn) betrachten lassen. Sie bleiben dabei immer auf Verhaltensweisen der entsprechend Kommunizierenden bezogen, so dass die Verbindung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem insbesondere über die Handlungen der Zeichenverwender untereinander relativ zu dem Bezeichneten bestimmt werden können.[8]

Typische semantische Fragestellungen betreffen das Wesen möglicher Bedeutungsbeziehungen. Neben der im vorangegangenen Abschnitt erwähnten behavioristischen Auffassung werden vor allem mentalistische und realistische Bedeutungstheorien unterschieden – je nachdem ob Bedeutung aus dem Verhalten oder aus mentalen Phänomenen konstituiert wird, oder sich aus einer direkten rein physischen (wenn nicht metaphysischen) Beziehung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem ergeben soll. Die beiden zuletzt genannten tendieren dabei zu Semiotikkonzeptionen, bei der die Semantik die pragmatischen Aspekte beherrscht.

Unabhängig davon, welche der drei genannten Semantikauffassungen verfolgt wird, sollte zwischen einer extensionalistischen – d.h. auf den referentiellen Umfang bezogenen – und einer intensionalistischen – auf inhaltliche Charakterisierungen bezogenen – Perspektive unterschieden werden: Extensionale Aspekt werden in referenzsemantischen Ansätzen verfolgt.

Auch die Peircesche Dreiteilung von Index, Ikon und Symbol, die die Relation zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem nach Kausalität, Ähnlichkeit und Konventionalität aufgliedert, ist wesentlich semantisch. Obwohl Ikonizität besonders eng mit der Bedeutungsbeziehung bei Bildern verbunden ist, spielen auch die anderen Aspekte eine nicht zu vernachlässigende Rolle (⊳ Bildsemantik).

Syntaktik / Syntax

Da sowohl von Aspekten der Verwendung wie der Bedeutung von Zeichenträgern abgesehen werden soll, bleiben syntaktische Fragestellungen auf die Struktur von Zeichenträgern und den Relationen zwischen ihnen beschränkt.[9] Da Zeichenträger (und damit auch Bildträger) im wesentlichen durch ihre physikalischen Eigenheiten charakterisiert werden, stehen (Gruppierungen von) physikalische(n) Eigenschaften und deren Relationen untereinander im Fokus des Interesses. Syntaktische Überlegungen betreffen vor allem die Identität, Abgrenzbarkeit, Unterscheidbarkeit, Kompositionalität und Wohlgeformtheit der Zeichenträger.

Werden Bilder als Zeichen betrachtet, ergeben sich analog die bildsyntaktischen Fragen nach der Identität, Abgrenzbarkeit, Unterscheidbarkeit, Kompositionalität und Wohlgeformtheit der Bildträgern (⊳ Bildsyntax).

Anmerkungen
  1. ↑ vgl. etwa Wikipedia: Divide et impera.
  2. ↑ vgl. Wikipedia: Charles W. Morris: Die Ein­teilung der Semio­tik in Syntak­tik - Seman­tik - Pragma­tik.
  3. ↑ Vgl. auch Wikipedia: Pragma­tik (Lingu­istik).
  4. ↑ Vgl. Wikipedia: Deixis.
  5. ↑ Diese hand­lungs­theo­retische Um­deutung mentaler Phäno­mene wird etwa in [Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.
    aus­führ­licher behandelt.
  6. ↑ Vgl. Wikipedia: Prä­sup­posi­tion sowie Wikipedia: Impli­katur.
  7. ↑ Vgl. auch Wikipedia: Semantik sowie die spezifischeren Diskussionen unter Wikipedia: Interpretative Semantik und Generative Semantik.
  8. ↑ Vgl. etwa Wikipedia; Linguistik Turn und Sprechakttheorie.
  9. ↑ Vgl. auch Wikipedia: Syntaktik bzw. Wikipedia: Syntax.
Literatur
[Davidson 2001a]Davidson, Donald (2001): Subjective, Intersubjective, Objective. Clarendon, Oxford.[Dürscheid 2010a]Dürscheid, Christa (2010): Syntax. Grundlagen und Theorien. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen [Grice 1970a]Grice, Herbert Paul (1970): Logic and Conversation. Harvard University Press, Cambridge.[Katz & Fodor 1963a]Katz, Jerrold J. & Fodor, Jerry A. (1963): The Structure of a Semantic Theory. Language, 39, 2.[Kempson 1975a]Kempson, Ruth (1975): Presupposition and the Delimitation of Semantics. Cambridge University Press, Cambridge.[Lakoff 1972a]Lakoff , George (1972): On Generative Semantics. In: Steinberg, D. D. & Jakobovits, L. A. (Hg.), Semantics. Cambridge University Press, Cambridge.[Levinson 1983a]Levinson, Stephen C. (1983): Pragmatics. Cambridge University Press, Cambridge.[Morris 1938a]Morris, Charles W. (1938): Foundations of the Theory of Signs. University of Chicago Press, Chicago [Morris 1946a]Morris, Charles W. (1946): Signs, Language, and Behavior. Prentice-Hall, New York.[Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.[Sennholz 1985a]Sennholz, Klaus (1985): Grundzüge der Deixis. Brockmeyer, Bochum

Verantwortlich:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis)