Beobachtung: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
Die Seite wurde neu angelegt: „<!-- "This is comment" --> <!--Vorlage für Unterpunkte--> <!--Den folgenden Header, bitte nicht verändern--> {{GlosHeader}} Kategorie:Unterpunkt <!--Ende…“
 
K Textersetzung - „{{GlosTab5}}↵<bibdummy>“ durch „{{GlosTab5}}“
 
(42 dazwischenliegende Versionen von 4 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
<!--  "This is comment"  -->
<!--  "This is comment"  -->
<!--Vorlage für Unterpunkte-->
<!--Vorlage für Unterpunkte-->
<!--Den folgenden Header, bitte nicht verändern-->
<!--Den folgenden Header, bitte nicht verändern-->
{{GlosHeader}}
{{GlosHeader}}
[[Kategorie:Unterpunkt]]
[[Kategorie:Unterpunkt]]
<!--Ende header-->
<!--In der folgenden Zeile bitte die (Wiki)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht-->
[[Kategorie:Bildwahrnehmung]]
[[Kategorie:Bildwahrnehmung]]
<!--In der folgenden Zeile bitte die (Glossar)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht-->
Unterpunkt zu: [[Bildwahrnehmung]]
Unterpunkt zu: [[Bildwahrnehmung]]
<!--beides sollte in der Regel der gleiche Text sein-->
<!--Den folgenden Abschnitt bitte nicht ändern-->
{{GlosTab1}}
{{GlosTab1}}
{{GlossarBoxMain}}
{{GlossarBoxMain}}
<!--Ende header-->
<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt-->
==Das Beobachten==
Die aufmerksamste und am intensivsten an einem Gesche&shy;hen betei&shy;ligte [[Theorien der visuellen Wahrnehmung|visu&shy;elle Akti&shy;vität]]  ist das Be&shy;obach&shy;ten. Das deutsche Uni&shy;versal&shy;wörter&shy;buch kennt vier ver&shy;schiede&shy;ne Bedeu&shy;tungen von ‘beobach&shy;ten’. Erstens: ‹etwas über eine gewis&shy;se Zeit auf&shy;merksam und genau betrach&shy;ten, mit den Augen ver&shy;folgen›. Zweitens: ‹über eine gewis&shy;se Zeit zu einem bestimm&shy;ten Zweck auf etwas oder jeman&shy;den achten, jeman&shy;den oder etwas kontrol&shy;lieren oder über&shy;wachen›, zum Bei&shy;spiel in der Rede&shy;wendung: ‘einen Patien&shy;ten beob&shy;achten’, ‘jeman&shy;den beob&shy;achten lassen’, ‘jeman&shy;den zur Beob&shy;achtung ins Kranken&shy;haus ein&shy;weisen’. Drittens: ‹eine bestimm&shy;te Fest&shy;stellung an jeman&shy;dem oder an etwas machen, etwas bemer&shy;ken›. Viertens: ‹eine Vor&shy;schrift, Ab&shy;machung oder ähn&shy;liches beachten oder ein&shy;halten› (<bib id='Dudenredaktion 2003a'>Duden&shy;redak&shy;tion 2003a</bib>: S. 261).
:
Der Sozialpsychologe Carl Friedrich Graumann hat den Begriff der Beob&shy;achtung 1966 wie folgt defi&shy;niert:
:''Die absichtliche, aufmerksam-&#8203;selek&shy;tive Art des Wahr&shy;nehmens, die ganz bestimm&shy;te Aspek&shy;te auf Kosten der Bestimmt&shy;heit von ande&shy;ren beobach&shy;tet, nennen wir Beob&shy;achtung. Gegen&shy;über dem übli&shy;chen Wahr&shy;nehmen ist das beobach&shy;tende Verhal&shy;ten plan&shy;voller, selek&shy;tiver, was eine Such&shy;haltung bestimmt und von vorne&shy;herein auf die Möglich&shy;keit der Aus&shy;wertung des Beobach&shy;teten im Sinne der über&shy;greifen&shy;den Absicht gerich&shy;tet.'' (<bib id='Graumann 1966a'></bib>: S. 86)
:
‘Beobachten’ als eine aktive, senso&shy;moto&shy;rische Tätig&shy;keit bezeich&shy;net also eine länge&shy;re, aufmerk&shy;same, selek&shy;tive und vor allem auf ein Ergeb&shy;nis hin ausge&shy;richte&shy;te Tätig&shy;keit. Inte&shy;ressant ist hier der Zu&shy;sammen&shy;hang mit dem aus dem 17. Jahr&shy;hundert stammen&shy;den Sub&shy;stan&shy;tiv ‘Obacht’, das von ‘Acht’ kommt und ›Vor&shy;sicht‹ oder ›Auf&shy;merk&shy;sam&shy;keit‹ meint. Es kommt heute nur noch im süd&shy;deutschen ‘Obacht geben’ vor, was soviel wie ›auf&shy;passen, aufmerk&shy;sam, wach&shy;sam sein‹ bedeutet (<bib id='Drosdowski 1989a'>Drosdow&shy;ski 1989a</bib>: S. 493). Nach Kluge gibt ‘Obacht’ in größe&shy;rem Umfang das latei&shy;nische ‘obser&shy;vare’ und das franzö&shy;sische ‘obser&shy;ver’ wieder (<bib id='Kluge 2002a'></bib>: S. 109). In Beob&shy;achten ist also ein beson&shy;ders auf&shy;merk&shy;samer, wach&shy;samer, kontrol&shy;lie&shy;render oder über&shy;wachen&shy;der Aspekt vorhan&shy;den. Auch die ande&shy;ren euro&shy;päischen Sprachen besit&shy;zen ein eige&shy;nes Wort für ein auf&shy;merk&shy;sames, kontrol&shy;lieren&shy;des, über&shy;wachen&shy;des oder wach&shy;sames Sehen: griech. ‘skopein’, das latei&shy;nische ‘obser&shy;vare’, das italie&shy;nische ‘guarda&shy;re’ und das franzö&shy;sische ‘garder’.
==Das Betrachten==
Die Tätigkeit des Betrachtens ist hinsicht&shy;lich ihrer Seman&shy;tik eine deut&shy;lich ent&shy;spann&shy;tere und kon&shy;tem&shy;plati&shy;vere Tätig&shy;keit. Das «Stil&shy;wörter&shy;buch der deutschen Sprache» umschreibt ‘betrach&shy;ten’ in dreier&shy;lei Hin&shy;sicht. Erstens: ‹jeman&shy;den, sich, etwas länge&shy;re Zeit an&shy;sehen›. Zweitens: ‹jeman&shy;den, sich, etwas für etwas halten›: zum Beispiel ‘er betrach&shy;tet sich als meinen Freund’, ‘jeman&shy;den als Verbün&shy;deten betrach&shy;ten’, ‘jeman&shy;den als poli&shy;tisch tot betrach&shy;ten’, ‘jeman&shy;den als einen Betrü&shy;ger betrach&shy;ten’, ‘jeman&shy;den als enterbt betrach&shy;ten’. Drittens: ‹etwas genau&shy;er erör&shy;tern oder beur&shy;teilen›, wie in ‘etwas objek&shy;tiv betrach&shy;ten’, ‘etwas unter einem ande&shy;ren Aspekt betrach&shy;ten’, ‘etwas von zwei Seiten betrach&shy;ten’, ‘die finan&shy;zielle Situ&shy;ation der Firma betrach&shy;ten’, ‘genau betrach&shy;tet ist die Sache etwas anders’ (<bib id='Drosdowski 1988a'>Drosdow&shy;ski 1988a</bib>: S. 156).
:
Betrachten ist also ein Vorgang, der wie das Beob&shy;achten zwar eben&shy;falls länge&shy;re Zeit benö&shy;tigt, aber stärker als das auf&shy;merk&shy;same, ge&shy;spannte und er&shy;gebnis&shy;orien&shy;tierte Beob&shy;achten in sich gekehrt ist und mit Über&shy;legen, Ein&shy;schätzen und Beur&shy;teilen zu tun hat. Betrach&shy;ten hängt eng mit den latei&shy;nischen Verben ‘con&shy;templa&shy;ri’ und ‘con&shy;side&shy;rare’ zusam&shy;men, besitzt also eine deut&shy;lich kon&shy;templa&shy;tive&shy;re und nach&shy;denk&shy;liche&shy;re Kon&shy;nota&shy;tion. Das Verb ent&shy;steht im 8. Jahr&shy;hundert und ist eine Ver&shy;stärkung des ein&shy;fachen ‘trachten’. Es bedeu&shy;tet zunächst ›er&shy;wägen‹. Erst in früh&shy;neu&shy;hoch&shy;deutscher Zeit, also etwa um 1350, kommt es zu der heuti&shy;gen Bedeu&shy;tung von ›beim Anschau&shy;en erwä&shy;gen‹. In dieser Zeit wird es allmäh&shy;lich mehr und mehr mit dem visu&shy;ellen Sinn in Ver&shy;bindung gebracht. Das Substan&shy;tiv ‘Betracht’, wie in der Rede&shy;wendung ‘in Betracht ziehen’ oder ‘in Betracht kommen’, bewahrt noch heute die älte&shy;re Bedeu&shy;tung von ›erwä&shy;gen‹. Adverb und Adjek&shy;tiv ‘beträcht&shy;lich’ ent&shy;wickeln sich aus der ursprüng&shy;lichen Bedeu&shy;tung mit Über&shy;legung zu der all&shy;gemei&shy;neren Bedeu&shy;tung ›erheb&shy;lich‹. Das Abstrak&shy;tum ‘Betrach&shy;ten’ bezieht sich dage&shy;gen stärker auf das inhalt&shy;liche Betrach&shy;ten (<bib id='Kluge 2002a'></bib>: S. 116).
==Das Blicken==
Wie steht es mit der Tätigkeit des [[Blick|Blickens]]? Das deutsche Uni&shy;versal&shy;wörter&shy;buch cha&shy;rakte&shy;risiert das Sub&shy;stantiv als ‹ein kurzes An&shy;schauen oder Hin&shy;schauen›, als ‹einen Aus&shy;druck der Augen›, ‹einen Aus&shy;blick oder eine Aus&shy;sicht› und als ‹eine Form der Urteils&shy;kraft› im Sinne von ‹ein siche&shy;rer Blick› oder ‹einen Blick für etwas haben› (<bib id='Dudenredaktion 2003a'>Duden&shy;redak&shy;tion 2003a</bib>: S. 298). Auf&shy;fällig ist, dass es sich beim Blicken um einen, zeit&shy;lich gese&shy;hen, rela&shy;tiv kurzen Vorgang handelt, während Beob&shy;achten, Betrach&shy;ten und Zu&shy;schauen beide als zeit&shy;lich länger an&shy;dauern&shy;de Tätig&shy;keiten ver&shy;standen werden. Ein Blick ist also etwas Kurzes und etwas Akti&shy;ves. Er kann sich auf etwas richten. Das Verb ‘blicken’ hat im Wesent&shy;lichen drei Bedeu&shy;tungen: Erstens: ‹bewusst seinen Blick irgend&shy;wo hin richten›. Zweitens: ‹in einer bestimm&shy;ten Weise drein&shy;schauen›, wie in ‘freund&shy;lich blicken’, ‘kühl blicken’ oder ‘streng blicken’. Die dritte Bedeu&shy;tung ist jugend&shy;sprach&shy;lich und meint ‹begrei&shy;fen, kapie&shy;ren, schnallen›, wie ‘der blickt es nicht’, oder ‘ich blick da nicht durch’ (<bib id='Dudenredaktion 2003a'>Duden&shy;redak&shy;tion 2003a</bib>: S. 298). Inte&shy;ressant ist hier, dass es zwar das Sub&shy;stantiv ‘der Blick’ gibt, aber kein nomen agen&shy;tis, also keinen Blicker. Ähnlich verhält es sich mit den sinn&shy;ver&shy;wandten Verben wie ‘äugen’, ‘glotzen’, ‘gucken’, ‘kieken’, ‘linsen’, ‘luchsen’, ‘lugen’, ‘schauen’, ‘schielen’, ‘sehen’, ‘starren’ oder ‘stieren’ (<bib id='Müller 1985a'></bib>: S. 151). Sie alle kennen kein nomen agen&shy;tis.


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
==Das Schauen==
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
‘Schauen’ ist ein Ausdruck, der vor&shy;wiegend im süd&shy;deutschen, öster&shy;reichi&shy;schen oder schweize&shy;rischen Sprach&shy;raum Verwen&shy;dung findet. Das Stil&shy;wörter&shy;buch des Duden unter&shy;scheidet sechs ver&shy;schie&shy;dene Bedeu&shy;tungs&shy;varian&shy;ten von ‘Schauen’. Erstens: ‹blicken, irgend&shy;wohin schauen›; zweitens: ‹etwas an&shy;sehen, betrach&shy;ten› (‘ich habe den ganzen Abend Fern&shy;sehen geschaut’); drittens: ‹auf etwas Wert legen› (wie zum Bei&shy;spiel ‹auf Ordnung, Pünkt&shy;lich&shy;keit oder Äußer&shy;lich&shy;keiten schauen›); viertens: ‹zusehen› (‘er soll schauen, dass er damit fertig wird’); fünftens: ‹etwas schauen› (zum Bei&shy;spiel die Herr&shy;lich&shy;keit Gottes) und sechstens: ‹nach jeman&shy;dem schauen, sich um jeman&shy;den oder etwas kümmern› (<bib id='Drosdowski 1989a'>Drosdow&shy;ski 1989a</bib>: S. 622f.). Ety&shy;molo&shy;gisch gesehen, bezeich&shy;net das west&shy;germa&shy;nische Verb (mittel&shy;hoch&shy;deutsch ‘schouwen’ oder alt&shy;hoch&shy;deutsch ‘scou&shy;wen’) den Bedeu&shy;tungs&shy;komplex ›sehen, betrach&shy;ten‹. Das engli&shy;sche Verb ‘to show’ (‘zeigen’) gehört mit den beiden alt&shy;islän&shy;dischen Verben ‘skygn’ (‘scharf&shy;sichtig’) und ‘skygna’ (‘spähen’) zu einer gemein&shy;samen Wurzel [s]keu- (‹auf etwas achten, auf&shy;passen, bemer&shy;ken›), die auch der Wort&shy;sippe von ‘schön’ zugrun&shy;de liegt (eigent&shy;lich ‘an&shy;sehn&shy;lich’). Im Unter&shy;schied zu ‘sehen’ bezeich&shy;net ‘schauen’ meist das absicht&shy;liche Beob&shy;achten und Blicken. In gehobe&shy;ner Sprache steht ‘schauen’ auch für das inne&shy;re, geisti&shy;ge Sehen (<bib id='Dudenredaktion 2003a'>Duden&shy;redak&shy;tion 2003a</bib>: S. 663f.). Ablei&shy;tungen stellen die Worte ‘Schau’, ‘an&shy;schauen’, ‘anschau&shy;lich’, ‘veran&shy;schauli&shy;chen’, ‘[[Anschauung|Anschau&shy;ung]]’, ‘beschau&shy;en’, ‘Beschau&shy;er’, ‘beschau&shy;lich’, ‘Schau&shy;fenster’, ‘Schau&shy;platz’, ‘Schau&shy;spieler’, aber auch ‘zu&shy;schauen’ und ‘Zu&shy;schauer’ dar.
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->




==Das Zuschauen==


Der Zuschauer wird im «Universal&shy;wörter&shy;buch der deutschen Sprache» als jemand defi&shy;niert, der einem Vor&shy;gang, beson&shy;ders einer Auf&shy;füh&shy;rung, einer Vor&shy;füh&shy;rung oder etwas Ähn&shy;lichem zusieht (<bib id='Dudenredaktion 2003a'>Duden&shy;redak&shy;tion 2003a</bib>: S. 1881). Das Ent&shy;scheiden&shy;de am Zu&shy;schauer ist, dass er nicht aktiv in das von ihm beobach&shy;tete Gesche&shy;hen ein&shy;greift, sondern passiv bleibt. Er bleibt unbe&shy;teiligt. Zu&shy;schauer sind zwar eben&shy;falls rela&shy;tiv auf&shy;merk&shy;same Beob&shy;achter, aber nicht alle Beob&shy;achter sind Zu&shy;schauer. Der Psycho&shy;loge Bernd Strauss defi&shy;niert Zu&shy;schauer folgen&shy;derma&shy;ßen:


=====Engere Begriffsbestimmung=====
:''Zuschauer sind Beobachter, die erstens während des Ereig&shy;nisses, das sie beob&shy;achten, nicht imma&shy;nenter Bestand&shy;teil des beob&shy;ach&shy;teten Gesche&shy;hens sind und in diesem Sinne inak&shy;tiv sind und die zwei&shy;tens im wesent&shy;lichen aus person&shy;inter&shy;nen Gründen und nicht aus person&shy;exter&shy;nen Gründen beob&shy;achten und die drittens rele&shy;vante Kosten für das Beo&shy;bachten auf&shy;wenden müssen.'' (<bib id='Strauß 1998a'></bib>: S. 16)
:
Etymologisch stammt ‘Zuschauer’ von ‘schauen’, dem mittel&shy;hoch&shy;deutschen ‘scouwen’. Außer&shy;germa&shy;nisch lässt sich das Wort mit dem grie&shy;chischen ‘thyo-&#8203;skóos’ der ‘Opfer&shy;schauer’ und ohne anlau&shy;tendes ‘s-’ ‘koéo’ (‘ich bemer&shy;ke, fasse auf’) ver&shy;gleichen. Latei&shy;nisch stehen ‘cave&shy;re’ und even&shy;tuell das alt&shy;italie&shy;nische ‘aku&shy;vate’ (‘beab&shy;sichtigt’) nahe. Als Sub&shy;stanti&shy;ve kennen wir ‘Schau’ oder ‘An&shy;schauung’, als alter&shy;tümli&shy;che nomi&shy;na agen&shy;tis den ‘Be&shy;schauer’, englisch ‘be&shy;holder’, als Adjek&shy;tiv das Wort ‘beschau&shy;lich’.


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->


==Das Sehen==


=====optional Beispiele=====
Der Ausdruck ‘[[Sehen]]’ ist das am meisten und im um&shy;fassend&shy;sten Sinne ge&shy;brachte Wort für die visu&shy;elle Tätig&shy;keit eines Beob&shy;achters. Das Wort bedeu&shy;tete wohl ur&shy;sprüng&shy;lich ›mit den Augen ver&shy;folgen‹. Denn es ist mit dem latei&shy;nischen ‘sequi’ (‘folgen’) verwandt. Wahr&shy;schein&shy;lich liegt hier ein altes Wort der Jäger&shy;sprache zu Grunde, das sich auf den verfol&shy;genden und spüren&shy;den Hund bezog. Das «Uni&shy;versal&shy;wörter&shy;buch der deutschen Sprache» kennt elf unter&shy;schied&shy;liche Bedeu&shy;tungen und Ver&shy;wendungs&shy;weisen des Verbs, was für seine verbrei&shy;teten, wichti&shy;gen und viel&shy;fältigen Ein&shy;satz im Deutschen spricht. Erstens: ‹mit dem Ge&shy;sichts&shy;sinn, mit den Augen opti&shy;sche Ein&shy;drücke wahr&shy;nehmen›. Zweitens: ‹den Blick irgend&shy;wohin richten, ge&shy;richtet halten›; ‹blicken, um etwas fest&shy;zustel&shy;len oder zu er&shy;mitteln›, sowie ‹seine Auf&shy;merk&shy;sam&shy;keit, sein Inte&shy;resse, seine Erwar&shy;tung auf jeman&shy;den oder auf etwas gerich&shy;tet halten›. Drittens: ‹aus etwas heraus ragen und zu sehen sein, hervor&shy;sehen›. Viertens: ‹eine Lage mit Blick in eine bestimm&shy;te Rich&shy;tung haben›. Fünftens: ‹er&shy;blicken, bemer&shy;ken, als vor&shy;handen fest&shy;stellen›. Sechstens: ‹sich jeman&shy;den oder etwas an&shy;sehen, betrach&shy;ten› oder ‹durch Sehen in einen bestimm&shy;ten Zustand gelangen›, wie bei ‘satt sehen’ oder ‘müde sehen’. Siebtens: ‹er&shy;leben›. Achtens: ‹bemer&shy;ken, fest&shy;stellen›, aber auch ‹beur&shy;teilen, ein&shy;schätzen, er&shy;kennen, er&shy;fassen, über&shy;legen und prüfen›. Neuntens: ‹zu jeman&shy;dem oder etwas hin&shy;gehen und sich darum kümmern› wie im Aus&shy;druck ‘nach den Kindern sehen’. Zehntens: ‹auf etwas beson&shy;ders achten, beson&shy;deren Wert legen›, aber auch ‹auf jeman&shy;den oder etwas auf&shy;passen, etwas im Auge behal&shy;ten›. Elftens: ‹sich darum kümmern, etwas Bestimm&shy;tes zu errei&shy;chen›, wie bei ‘sieh zu, dass du bald fertig wirst’ (<bib id='Dudenredaktion 2003a'>Duden&shy;redak&shy;tion 2003a</bib>: S. 1432f.).
:
Etymologisch betrachtet, beruht das gemein&shy;germa&shy;nische, mittel&shy;hoch&shy;deutsche Verb ‘sehen’ (alt&shy;hoch&shy;deutsch ‘sehan’) mit ver&shy;wandten Wörtern in ande&shy;ren indo&shy;germa&shy;nischen Sprachen auf der indo&shy;germa&shy;nischen Wurzel ‘sek-’ (‘be&shy;merken’, ‘sehen’). Deren eigent&shy;liche Bedeu&shy;tung ›mit den Augen ver&shy;folgen‹ ergibt sich aus den ver&shy;wandten Wort&shy;sippen von latei&shy;nisch ‘sequi’ (‘folgen’, ‘ver&shy;folgen’), dem alt&shy;indischen ‘saca&shy;té’ (‘er beglei&shy;tet, folgt’) und dem letti&shy;schen ‘sekt’ (‘folgen’, ‘spüren’, ‘wittern’). Aus der Bedeu&shy;tung ›be&shy;merken‹ hat sich weiter&shy;hin über ‘zeigen’, ‘ankün&shy;digen’ die Bedeu&shy;tung ‘sagen’ ent&shy;wickelt (<bib id='Drosdowski 1989a'>Drosdow&shy;ski 1989a</bib>: S. 662).


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->


==Das Publikum ==


=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
Von einem Publikum spricht man dann, wenn man ein Per&shy;sonen&shy;kollek&shy;tiv vor sich hat, das durch den gleich&shy;zeiti&shy;gen Konsum eines bestimm&shy;ten Er&shy;lebnis&shy;ange&shy;botes wie ein Konzert, eine Vernis&shy;sage, einen Kino&shy;film oder ein Fuß&shy;ball&shy;spiel gekenn&shy;zeichnet ist (<bib id='Schulze 2000a'></bib>: S. 460). Die zeit&shy;liche Dauer des Zu&shy;schauens kann unter&shy;schied&shy;lich lange währen. Je nach der Länge der Ver&shy;anstal&shy;tung kann sie von weni&shy;gen Minu&shy;ten bis zu mehre&shy;ren Stunden dauern. Bei Zeit&shy;schriften kann die Teil&shy;nahme&shy;dauer in Tagen und Wochen gezählt werden. Bei Mode&shy;artikeln, Büchern oder Musik&shy;konser&shy;ven in Mona&shy;ten, bei Autos, Möbel&shy;stücken oder Moden sogar in Jahren. Meistens lässt sich der Zeit&shy;punkt, zu dem ein Publi&shy;kum ent&shy;steht oder zu&shy;sammen&shy;kommt, durch das Er&shy;lebnis&shy;ange&shy;bot selbst rela&shy;tiv genau bestim&shy;men, während sein Ende und das Zer&shy;streuen und Aus&shy;einander&shy;fallen von Publi&shy;ka schwerer abzu&shy;grenzen sind. Publi&shy;ka stellen jeden&shy;falls tempo&shy;rär verdich&shy;tete Szenen dar, die sich aus Anlass des kollek&shy;tiven Konsums eines Erleb&shy;nisange&shy;botes an einem bestimm&shy;ten Ort treffen und ver&shy;sammeln, um gemein&shy;sam als sozi&shy;ale Gruppe das Ereig&shy;nis zu er&shy;leben.<ref>Die&shy;ser Text ist ein Aus&shy;zug aus ei&shy;nem neu&shy;en, noch un&shy;pub&shy;li&shy;zier&shy;ten Ma&shy;nu&shy;skript mit dem Ti&shy;tel «Der Zu&shy;gang zum Schö&shy;nen. Bil&shy;der in der Er&shy;leb&shy;nis&shy;ge&shy;sell&shy;schaft».</ref>


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
{{GlossarSiehe}}
* [[Anschauung]]
* [[Bildrezeption als Kommunikationsprozess]]
* [[Blick]]
* [[Sehen]]
* [[Theorien der visuellen Wahrnehmung]]


<!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern-->
<!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern-->
Zeile 50: Zeile 71:
{{GlosTab2}}
{{GlosTab2}}
{{GlosTab3}}
{{GlosTab3}}
''Ausgabe 1: 2013''
{{GlosTab4}}
''Verantwortlich:''  
''Verantwortlich:''  


<!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen-->
* [[Benutzer:Hans Dieter Huber|Huber, Hans Dieter ]]
[[Benutzer:XXX]]
 
{{GlosTab4}}
''Lektorat:''
 
* [[Benutzer:Eva Schürmann|Schürmann, Eva]]  
{{GlosTab5}}
<!--den Schluß nicht verändern-->
<!--den Schluß nicht verändern-->
{{GlosEnd}}
{{GlosEndB}}
<!--Das war's-->
<!--Das war's-->

Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildwahrnehmung


Das Beobachten

Die aufmerksamste und am intensivsten an einem Gesche­hen betei­ligte visu­elle Akti­vität ist das Be­obach­ten. Das deutsche Uni­versal­wörter­buch kennt vier ver­schiede­ne Bedeu­tungen von ‘beobach­ten’. Erstens: ‹etwas über eine gewis­se Zeit auf­merksam und genau betrach­ten, mit den Augen ver­folgen›. Zweitens: ‹über eine gewis­se Zeit zu einem bestimm­ten Zweck auf etwas oder jeman­den achten, jeman­den oder etwas kontrol­lieren oder über­wachen›, zum Bei­spiel in der Rede­wendung: ‘einen Patien­ten beob­achten’, ‘jeman­den beob­achten lassen’, ‘jeman­den zur Beob­achtung ins Kranken­haus ein­weisen’. Drittens: ‹eine bestimm­te Fest­stellung an jeman­dem oder an etwas machen, etwas bemer­ken›. Viertens: ‹eine Vor­schrift, Ab­machung oder ähn­liches beachten oder ein­halten› ([Dudenredaktion 2003a]Duden (Hg.) (2003): Duden. Das Stilwörterbuch. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].
Nicht angezeigt: 8. völlig neu bearbeitete Auflage
: S. 261).

Der Sozialpsychologe Carl Friedrich Graumann hat den Begriff der Beob­achtung 1966 wie folgt defi­niert:

Die absichtliche, aufmerksam-​selek­tive Art des Wahr­nehmens, die ganz bestimm­te Aspek­te auf Kosten der Bestimmt­heit von ande­ren beobach­tet, nennen wir Beob­achtung. Gegen­über dem übli­chen Wahr­nehmen ist das beobach­tende Verhal­ten plan­voller, selek­tiver, was eine Such­haltung bestimmt und von vorne­herein auf die Möglich­keit der Aus­wertung des Beobach­teten im Sinne der über­greifen­den Absicht gerich­tet. ([Graumann 1966a]Graumann, Carl Friedrich (1966): Grundzüge der Verhaltensbeobachtung. In: Meyer, E. & Maier, H. (Hg.), Fernsehen in der Lehrerbildung, Neue Forschungsansätze in Pädagogik. Manz, München.
: S. 86)

‘Beobachten’ als eine aktive, senso­moto­rische Tätig­keit bezeich­net also eine länge­re, aufmerk­same, selek­tive und vor allem auf ein Ergeb­nis hin ausge­richte­te Tätig­keit. Inte­ressant ist hier der Zu­sammen­hang mit dem aus dem 17. Jahr­hundert stammen­den Sub­stan­tiv ‘Obacht’, das von ‘Acht’ kommt und ›Vor­sicht‹ oder ›Auf­merk­sam­keit‹ meint. Es kommt heute nur noch im süd­deutschen ‘Obacht geben’ vor, was soviel wie ›auf­passen, aufmerk­sam, wach­sam sein‹ bedeutet ([Drosdowski 1989a]Drosdowsi, Günther (1989): Duden Etymologie. Herkunftwörterbuch der deutschen Sprache. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].
Nicht angezeigt: 2. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage
: S. 493). Nach Kluge gibt ‘Obacht’ in größe­rem Umfang das latei­nische ‘obser­vare’ und das franzö­sische ‘obser­ver’ wieder ([Kluge 2002a]Seebold, E. (Hg.) (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. de Gruyter, Berlin, New York.
Nicht angezeigt: 24. durchgesehene und erweiterte Auflage
: S. 109). In Beob­achten ist also ein beson­ders auf­merk­samer, wach­samer, kontrol­lie­render oder über­wachen­der Aspekt vorhan­den. Auch die ande­ren euro­päischen Sprachen besit­zen ein eige­nes Wort für ein auf­merk­sames, kontrol­lieren­des, über­wachen­des oder wach­sames Sehen: griech. ‘skopein’, das latei­nische ‘obser­vare’, das italie­nische ‘guarda­re’ und das franzö­sische ‘garder’.


Das Betrachten

Die Tätigkeit des Betrachtens ist hinsicht­lich ihrer Seman­tik eine deut­lich ent­spann­tere und kon­tem­plati­vere Tätig­keit. Das «Stil­wörter­buch der deutschen Sprache» umschreibt ‘betrach­ten’ in dreier­lei Hin­sicht. Erstens: ‹jeman­den, sich, etwas länge­re Zeit an­sehen›. Zweitens: ‹jeman­den, sich, etwas für etwas halten›: zum Beispiel ‘er betrach­tet sich als meinen Freund’, ‘jeman­den als Verbün­deten betrach­ten’, ‘jeman­den als poli­tisch tot betrach­ten’, ‘jeman­den als einen Betrü­ger betrach­ten’, ‘jeman­den als enterbt betrach­ten’. Drittens: ‹etwas genau­er erör­tern oder beur­teilen›, wie in ‘etwas objek­tiv betrach­ten’, ‘etwas unter einem ande­ren Aspekt betrach­ten’, ‘etwas von zwei Seiten betrach­ten’, ‘die finan­zielle Situ­ation der Firma betrach­ten’, ‘genau betrach­tet ist die Sache etwas anders’ ([Drosdowski 1988a]Drosdowski, Günther (1988): Die Verwendung der Wörter im Satz. In: Drosdowski, G. (Hg.), Duden Stilwörterbuch der deutschen Sprache. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].
Notiz: (= Duden Bd. 2)
Nicht angezeigt: 7., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage
: S. 156).

Betrachten ist also ein Vorgang, der wie das Beob­achten zwar eben­falls länge­re Zeit benö­tigt, aber stärker als das auf­merk­same, ge­spannte und er­gebnis­orien­tierte Beob­achten in sich gekehrt ist und mit Über­legen, Ein­schätzen und Beur­teilen zu tun hat. Betrach­ten hängt eng mit den latei­nischen Verben ‘con­templa­ri’ und ‘con­side­rare’ zusam­men, besitzt also eine deut­lich kon­templa­tive­re und nach­denk­liche­re Kon­nota­tion. Das Verb ent­steht im 8. Jahr­hundert und ist eine Ver­stärkung des ein­fachen ‘trachten’. Es bedeu­tet zunächst ›er­wägen‹. Erst in früh­neu­hoch­deutscher Zeit, also etwa um 1350, kommt es zu der heuti­gen Bedeu­tung von ›beim Anschau­en erwä­gen‹. In dieser Zeit wird es allmäh­lich mehr und mehr mit dem visu­ellen Sinn in Ver­bindung gebracht. Das Substan­tiv ‘Betracht’, wie in der Rede­wendung ‘in Betracht ziehen’ oder ‘in Betracht kommen’, bewahrt noch heute die älte­re Bedeu­tung von ›erwä­gen‹. Adverb und Adjek­tiv ‘beträcht­lich’ ent­wickeln sich aus der ursprüng­lichen Bedeu­tung mit Über­legung zu der all­gemei­neren Bedeu­tung ›erheb­lich‹. Das Abstrak­tum ‘Betrach­ten’ bezieht sich dage­gen stärker auf das inhalt­liche Betrach­ten ([Kluge 2002a]Seebold, E. (Hg.) (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. de Gruyter, Berlin, New York.
Nicht angezeigt: 24. durchgesehene und erweiterte Auflage
: S. 116).


Das Blicken

Wie steht es mit der Tätigkeit des Blickens? Das deutsche Uni­versal­wörter­buch cha­rakte­risiert das Sub­stantiv als ‹ein kurzes An­schauen oder Hin­schauen›, als ‹einen Aus­druck der Augen›, ‹einen Aus­blick oder eine Aus­sicht› und als ‹eine Form der Urteils­kraft› im Sinne von ‹ein siche­rer Blick› oder ‹einen Blick für etwas haben› ([Dudenredaktion 2003a]Duden (Hg.) (2003): Duden. Das Stilwörterbuch. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].
Nicht angezeigt: 8. völlig neu bearbeitete Auflage
: S. 298). Auf­fällig ist, dass es sich beim Blicken um einen, zeit­lich gese­hen, rela­tiv kurzen Vorgang handelt, während Beob­achten, Betrach­ten und Zu­schauen beide als zeit­lich länger an­dauern­de Tätig­keiten ver­standen werden. Ein Blick ist also etwas Kurzes und etwas Akti­ves. Er kann sich auf etwas richten. Das Verb ‘blicken’ hat im Wesent­lichen drei Bedeu­tungen: Erstens: ‹bewusst seinen Blick irgend­wo hin richten›. Zweitens: ‹in einer bestimm­ten Weise drein­schauen›, wie in ‘freund­lich blicken’, ‘kühl blicken’ oder ‘streng blicken’. Die dritte Bedeu­tung ist jugend­sprach­lich und meint ‹begrei­fen, kapie­ren, schnallen›, wie ‘der blickt es nicht’, oder ‘ich blick da nicht durch’ ([Dudenredaktion 2003a]Duden (Hg.) (2003): Duden. Das Stilwörterbuch. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].
Nicht angezeigt: 8. völlig neu bearbeitete Auflage
: S. 298). Inte­ressant ist hier, dass es zwar das Sub­stantiv ‘der Blick’ gibt, aber kein nomen agen­tis, also keinen Blicker. Ähnlich verhält es sich mit den sinn­ver­wandten Verben wie ‘äugen’, ‘glotzen’, ‘gucken’, ‘kieken’, ‘linsen’, ‘luchsen’, ‘lugen’, ‘schauen’, ‘schielen’, ‘sehen’, ‘starren’ oder ‘stieren’ ([Müller 1985a]Müller, Wolfgang (1985): Duden Bedeutungswörterbuch . Dudenverlag, Mannheim [u.a.].
Notiz: (= Duden Bd. 10)
Nicht angezeigt: völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage
: S. 151). Sie alle kennen kein nomen agen­tis.


Das Schauen

‘Schauen’ ist ein Ausdruck, der vor­wiegend im süd­deutschen, öster­reichi­schen oder schweize­rischen Sprach­raum Verwen­dung findet. Das Stil­wörter­buch des Duden unter­scheidet sechs ver­schie­dene Bedeu­tungs­varian­ten von ‘Schauen’. Erstens: ‹blicken, irgend­wohin schauen›; zweitens: ‹etwas an­sehen, betrach­ten› (‘ich habe den ganzen Abend Fern­sehen geschaut’); drittens: ‹auf etwas Wert legen› (wie zum Bei­spiel ‹auf Ordnung, Pünkt­lich­keit oder Äußer­lich­keiten schauen›); viertens: ‹zusehen› (‘er soll schauen, dass er damit fertig wird’); fünftens: ‹etwas schauen› (zum Bei­spiel die Herr­lich­keit Gottes) und sechstens: ‹nach jeman­dem schauen, sich um jeman­den oder etwas kümmern› ([Drosdowski 1989a]Drosdowsi, Günther (1989): Duden Etymologie. Herkunftwörterbuch der deutschen Sprache. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].
Nicht angezeigt: 2. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage
: S. 622f.). Ety­molo­gisch gesehen, bezeich­net das west­germa­nische Verb (mittel­hoch­deutsch ‘schouwen’ oder alt­hoch­deutsch ‘scou­wen’) den Bedeu­tungs­komplex ›sehen, betrach­ten‹. Das engli­sche Verb ‘to show’ (‘zeigen’) gehört mit den beiden alt­islän­dischen Verben ‘skygn’ (‘scharf­sichtig’) und ‘skygna’ (‘spähen’) zu einer gemein­samen Wurzel [s]keu- (‹auf etwas achten, auf­passen, bemer­ken›), die auch der Wort­sippe von ‘schön’ zugrun­de liegt (eigent­lich ‘an­sehn­lich’). Im Unter­schied zu ‘sehen’ bezeich­net ‘schauen’ meist das absicht­liche Beob­achten und Blicken. In gehobe­ner Sprache steht ‘schauen’ auch für das inne­re, geisti­ge Sehen ([Dudenredaktion 2003a]Duden (Hg.) (2003): Duden. Das Stilwörterbuch. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].
Nicht angezeigt: 8. völlig neu bearbeitete Auflage
: S. 663f.). Ablei­tungen stellen die Worte ‘Schau’, ‘an­schauen’, ‘anschau­lich’, ‘veran­schauli­chen’, ‘Anschau­ung’, ‘beschau­en’, ‘Beschau­er’, ‘beschau­lich’, ‘Schau­fenster’, ‘Schau­platz’, ‘Schau­spieler’, aber auch ‘zu­schauen’ und ‘Zu­schauer’ dar.


Das Zuschauen

Der Zuschauer wird im «Universal­wörter­buch der deutschen Sprache» als jemand defi­niert, der einem Vor­gang, beson­ders einer Auf­füh­rung, einer Vor­füh­rung oder etwas Ähn­lichem zusieht ([Dudenredaktion 2003a]Duden (Hg.) (2003): Duden. Das Stilwörterbuch. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].
Nicht angezeigt: 8. völlig neu bearbeitete Auflage
: S. 1881). Das Ent­scheiden­de am Zu­schauer ist, dass er nicht aktiv in das von ihm beobach­tete Gesche­hen ein­greift, sondern passiv bleibt. Er bleibt unbe­teiligt. Zu­schauer sind zwar eben­falls rela­tiv auf­merk­same Beob­achter, aber nicht alle Beob­achter sind Zu­schauer. Der Psycho­loge Bernd Strauss defi­niert Zu­schauer folgen­derma­ßen:

Zuschauer sind Beobachter, die erstens während des Ereig­nisses, das sie beob­achten, nicht imma­nenter Bestand­teil des beob­ach­teten Gesche­hens sind und in diesem Sinne inak­tiv sind und die zwei­tens im wesent­lichen aus person­inter­nen Gründen und nicht aus person­exter­nen Gründen beob­achten und die drittens rele­vante Kosten für das Beo­bachten auf­wenden müssen. ([Strauß 1998a]Strauß, Bernd (Hg.) (1998): Zuschauer. Hogrefe, Göttingen [u.a.].
: S. 16)

Etymologisch stammt ‘Zuschauer’ von ‘schauen’, dem mittel­hoch­deutschen ‘scouwen’. Außer­germa­nisch lässt sich das Wort mit dem grie­chischen ‘thyo-​skóos’ der ‘Opfer­schauer’ und ohne anlau­tendes ‘s-’ ‘koéo’ (‘ich bemer­ke, fasse auf’) ver­gleichen. Latei­nisch stehen ‘cave­re’ und even­tuell das alt­italie­nische ‘aku­vate’ (‘beab­sichtigt’) nahe. Als Sub­stanti­ve kennen wir ‘Schau’ oder ‘An­schauung’, als alter­tümli­che nomi­na agen­tis den ‘Be­schauer’, englisch ‘be­holder’, als Adjek­tiv das Wort ‘beschau­lich’.


Das Sehen

Der Ausdruck ‘Sehen’ ist das am meisten und im um­fassend­sten Sinne ge­brachte Wort für die visu­elle Tätig­keit eines Beob­achters. Das Wort bedeu­tete wohl ur­sprüng­lich ›mit den Augen ver­folgen‹. Denn es ist mit dem latei­nischen ‘sequi’ (‘folgen’) verwandt. Wahr­schein­lich liegt hier ein altes Wort der Jäger­sprache zu Grunde, das sich auf den verfol­genden und spüren­den Hund bezog. Das «Uni­versal­wörter­buch der deutschen Sprache» kennt elf unter­schied­liche Bedeu­tungen und Ver­wendungs­weisen des Verbs, was für seine verbrei­teten, wichti­gen und viel­fältigen Ein­satz im Deutschen spricht. Erstens: ‹mit dem Ge­sichts­sinn, mit den Augen opti­sche Ein­drücke wahr­nehmen›. Zweitens: ‹den Blick irgend­wohin richten, ge­richtet halten›; ‹blicken, um etwas fest­zustel­len oder zu er­mitteln›, sowie ‹seine Auf­merk­sam­keit, sein Inte­resse, seine Erwar­tung auf jeman­den oder auf etwas gerich­tet halten›. Drittens: ‹aus etwas heraus ragen und zu sehen sein, hervor­sehen›. Viertens: ‹eine Lage mit Blick in eine bestimm­te Rich­tung haben›. Fünftens: ‹er­blicken, bemer­ken, als vor­handen fest­stellen›. Sechstens: ‹sich jeman­den oder etwas an­sehen, betrach­ten› oder ‹durch Sehen in einen bestimm­ten Zustand gelangen›, wie bei ‘satt sehen’ oder ‘müde sehen’. Siebtens: ‹er­leben›. Achtens: ‹bemer­ken, fest­stellen›, aber auch ‹beur­teilen, ein­schätzen, er­kennen, er­fassen, über­legen und prüfen›. Neuntens: ‹zu jeman­dem oder etwas hin­gehen und sich darum kümmern› wie im Aus­druck ‘nach den Kindern sehen’. Zehntens: ‹auf etwas beson­ders achten, beson­deren Wert legen›, aber auch ‹auf jeman­den oder etwas auf­passen, etwas im Auge behal­ten›. Elftens: ‹sich darum kümmern, etwas Bestimm­tes zu errei­chen›, wie bei ‘sieh zu, dass du bald fertig wirst’ ([Dudenredaktion 2003a]Duden (Hg.) (2003): Duden. Das Stilwörterbuch. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].
Nicht angezeigt: 8. völlig neu bearbeitete Auflage
: S. 1432f.).

Etymologisch betrachtet, beruht das gemein­germa­nische, mittel­hoch­deutsche Verb ‘sehen’ (alt­hoch­deutsch ‘sehan’) mit ver­wandten Wörtern in ande­ren indo­germa­nischen Sprachen auf der indo­germa­nischen Wurzel ‘sek-’ (‘be­merken’, ‘sehen’). Deren eigent­liche Bedeu­tung ›mit den Augen ver­folgen‹ ergibt sich aus den ver­wandten Wort­sippen von latei­nisch ‘sequi’ (‘folgen’, ‘ver­folgen’), dem alt­indischen ‘saca­té’ (‘er beglei­tet, folgt’) und dem letti­schen ‘sekt’ (‘folgen’, ‘spüren’, ‘wittern’). Aus der Bedeu­tung ›be­merken‹ hat sich weiter­hin über ‘zeigen’, ‘ankün­digen’ die Bedeu­tung ‘sagen’ ent­wickelt ([Drosdowski 1989a]Drosdowsi, Günther (1989): Duden Etymologie. Herkunftwörterbuch der deutschen Sprache. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].
Nicht angezeigt: 2. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage
: S. 662).


Das Publikum

Von einem Publikum spricht man dann, wenn man ein Per­sonen­kollek­tiv vor sich hat, das durch den gleich­zeiti­gen Konsum eines bestimm­ten Er­lebnis­ange­botes wie ein Konzert, eine Vernis­sage, einen Kino­film oder ein Fuß­ball­spiel gekenn­zeichnet ist ([Schulze 2000a]Schulze, Gerhard (2000): Die Erlebnis-Gesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Campus, Frankfurt/M., New York.
Nicht angezeigt: 8. Aufl. Studienausg.
: S. 460). Die zeit­liche Dauer des Zu­schauens kann unter­schied­lich lange währen. Je nach der Länge der Ver­anstal­tung kann sie von weni­gen Minu­ten bis zu mehre­ren Stunden dauern. Bei Zeit­schriften kann die Teil­nahme­dauer in Tagen und Wochen gezählt werden. Bei Mode­artikeln, Büchern oder Musik­konser­ven in Mona­ten, bei Autos, Möbel­stücken oder Moden sogar in Jahren. Meistens lässt sich der Zeit­punkt, zu dem ein Publi­kum ent­steht oder zu­sammen­kommt, durch das Er­lebnis­ange­bot selbst rela­tiv genau bestim­men, während sein Ende und das Zer­streuen und Aus­einander­fallen von Publi­ka schwerer abzu­grenzen sind. Publi­ka stellen jeden­falls tempo­rär verdich­tete Szenen dar, die sich aus Anlass des kollek­tiven Konsums eines Erleb­nisange­botes an einem bestimm­ten Ort treffen und ver­sammeln, um gemein­sam als sozi­ale Gruppe das Ereig­nis zu er­leben.[1]

Anmerkungen
  1. ↑ Die­ser Text ist ein Aus­zug aus ei­nem neu­en, noch un­pub­li­zier­ten Ma­nu­skript mit dem Ti­tel «Der Zu­gang zum Schö­nen. Bil­der in der Er­leb­nis­ge­sell­schaft».
Literatur
[Drosdowski 1988a]Drosdowski, Günther (1988): Die Verwendung der Wörter im Satz. In: Drosdowski, G. (Hg.), Duden Stilwörterbuch der deutschen Sprache. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].[Drosdowski 1989a]Drosdowsi, Günther (1989): Duden Etymologie. Herkunftwörterbuch der deutschen Sprache. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].[Dudenredaktion 2003a]Duden (Hg.) (2003): Duden. Das Stilwörterbuch. Dudenverlag, Mannheim [u.a.].[Graumann 1966a]Graumann, Carl Friedrich (1966): Grundzüge der Verhaltensbeobachtung. In: Meyer, E. & Maier, H. (Hg.), Fernsehen in der Lehrerbildung, Neue Forschungsansätze in Pädagogik. Manz, München.[Kluge 2002a]Seebold, E. (Hg.) (2002): Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. de Gruyter, Berlin, New York.[Müller 1985a]Müller, Wolfgang (1985): Duden Bedeutungswörterbuch . Dudenverlag, Mannheim [u.a.].[Schulze 2000a]Schulze, Gerhard (2000): Die Erlebnis-Gesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart. Campus, Frankfurt/M., New York.[Strauß 1998a]Strauß, Bernd (Hg.) (1998): Zuschauer. Hogrefe, Göttingen [u.a.].

Ausgabe 1: 2013

Verantwortlich:

Lektorat:

Zitierhinweis:

Huber, Hans Dieter (2013). Beobachtung. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Beobachtung].