Wahrnehmungsillusion: Unterschied zwischen den Versionen

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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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Als Wahrnehmungsillusionen oder Wahr&shy;nehmungs&shy;täuschun&shy;gen im weiten Sinn gelten neben den opti&shy;schen Täuschun&shy;gen Hal&shy;lu&shy;zi&shy;na&shy;tionen, Luft&shy;spiege&shy;lungen, durch Drogen&shy;einwir&shy;kung verän&shy;derte Wahr&shy;nehmungen oder auch ganz all&shy;gemein die kontext&shy;sensi&shy;tive Be&shy;schaffen&shy;heit der Sinnes&shy;empfin&shy;dung. Wahr&shy;neh&shy;mungs&shy;täu&shy;schun&shy;gen im engen Sinne liegen vor, wenn eine Ab&shy;weichung von der übli&shy;chen (physi&shy;kali&shy;schen) Beschrei&shy;bung des Wahr&shy;genom&shy;menen (⊳ [[Gegenstand der visuellen Wahrnehmung|Gegen&shy;stand der visu&shy;ellen Wahrneh&shy;mung]]) sowie eine Diskre&shy;panz zwischen den unter&shy;schiedli&shy;chen Sinnes&shy;modali&shy;täten auf&shy;treten. Während Descar&shy;tes mit Hinweis auf die klassi&shy;schen Sinnes&shy;täuschun&shy;gen die Erkenn&shy;tnis&shy;leistung der Sinne kriti&shy;sierte, schrieb Kant der&shy;arti&shy;ge Täuschun&shy;gen prinzi&shy;piell dem Verstand zu.
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Einen thematischen Schwerpunkt inner&shy;halb der experi&shy;mentel&shy;len Wahr&shy;nehmungs&shy;forschung bilden nur die dem Wahr&shy;nehmungs&shy;system imma&shy;nenten Täuschun&shy;gen, also nicht die durch physi&shy;kali&shy;sche Rand&shy;bedin&shy;gungen verur&shy;sachten (z.B. der [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Brechungluftuwrp.jpg im Wasser ge&shy;knickt er&shy;schei&shy;nende Stab]). In der zweiten Hälfte des 19. Jh.s sind insbe&shy;sonde&shy;re die Raum&shy;täuschun&shy;gen (etwa der [http://de.wikipedia.org/wiki/Mondt%C3%A4uschung am Hori&shy;zont ver&shy;größert erschei&shy;nende Mond]) und die geo&shy;metrisch-&#8203;opti&shy;schen (auch haptisch nach&shy;weis&shy;baren) Täuschun&shy;gen (etwa die Figu&shy;ren von [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:M%C3%BCller-Lyer_illusion.svg Müller-&#8203;Lyer], [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ponzo_illusion.gif Ponzo] oder [http://media.log-in.ru/i/pline.gif Lipps]) unter&shy;sucht worden. Für die übri&shy;gen Sinnes&shy;modali&shy;täten lassen sich teil&shy;weise ver&shy;gleich&shy;bare Täuschun&shy;gen fest&shy;stellen (<bib id='Campenhausen 1993a'>Campen&shy;hausen 1993a</bib>: S. 116ff. und 229ff.).<ref>Ei&shy;ne gan&shy;ze Rei&shy;he von Bei&shy;spie&shy;len wird et&shy;wa auch in den über [http://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmungst%C3%A4uschung Wi&shy;ki&shy;pedia: Wahr&shy;neh&shy;mungs&shy;täu&shy;schung] ver&shy;link&shy;ten Sei&shy;ten kon&shy;kret be&shy;schrie&shy;ben.</ref>
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Eine befriedigende Erklärung der Wahr&shy;nehmungs&shy;täuschun&shy;gen ist bisher nicht gelun&shy;gen. Als gesi&shy;chert gilt, dass sie unab&shy;hängig vom Denken, von der Augen&shy;bewe&shy;gung und von den Netz&shy;haut&shy;prozes&shy;sen sind. Vermut&shy;lich hängen sie von den Kon&shy;stanz&shy;leistun&shy;gen ab, die im engen Zu&shy;sammen&shy;hang mit der Tiefen- und Ent&shy;fer&shy;nungs&shy;wahr&shy;neh&shy;mung stehen und für den Aus&shy;gleich der stand&shy;ort&shy;beding&shy;ten Verzer&shy;rungen verant&shy;wortlich gemacht werden (<bib id='Goldstein 1997a'></bib>: S. 237ff.). So ließe sich für die geo&shy;metrisch-&#8203;opti&shy;schen Täuschun&shy;gen an&shy;nehmen, dass ein geo&shy;metri&shy;sches Gebil&shy;de un&shy;will&shy;kür&shy;lich als [[Darstellung|Dar&shy;stellung]] einer drei&shy;dimen&shy;siona&shy;le Szenen gese&shy;hen wird, auch wenn der ent&shy;sprechen&shy;de Dar&shy;stellungs&shy;kontext fehlt (<bib id='Gillam 1987a'></bib>: S. 109ff.).
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Innerhalb der Bildtheorie ist die Wahr&shy;nehmungs&shy;täuschung in der so genann&shy;ten illu&shy;sio&shy;nisti&shy;schen Bild&shy;theorie bedeut&shy;sam, der zufol&shy;ge sich ein Bild dadurch aus&shy;zeichnet, dass es die Illu&shy;sion der Anwe&shy;senheit eines nur dar&shy;gestell&shy;ten Gegen&shy;standes erweckt. Wird dieser Anspruch als eine notwen&shy;dige Bedin&shy;gung des Bild&shy;seins (bzw. der Ab&shy;bildungs&shy;bezie&shy;hung) formu&shy;liert, dann wäre ein Gegen&shy;stand nur dann ein Bild (bzw. nur dann das Bild eines bestimm&shy;ten Objekts), wenn es im Betrach&shy;ter den irr&shy;tüm&shy;lichen Ein&shy;druck erzeugt, dass er nicht ein Bild, sondern den dar&shy;gestell&shy;ten Gegenstand selbst an&shy;schaut. Da eine der&shy;art über&shy;trieben formu&shy;lierte Theorie höchstens auf die Trompe-&#8203;l’œil-&#8203;Male&shy;rei zutrifft, wird sie nicht ernst&shy;haft vertei&shy;digt. Sicher&shy;lich hat sie Ernst Gombrich (<bib id='Gombrich 1962a'></bib>), der zuwei&shy;len als ihr promi&shy;nentes&shy;ter Vertre&shy;ter gilt, ledig&shy;lich in sehr abge&shy;schwächter Form inten&shy;diert, nach der die Bild&shy;wahr&shy;nehmung auf Pro&shy;zessen beruht, die der Gegen&shy;stands&shy;wahrnehmung vergleich&shy;bar sind (⊳ [[Bildwahrnehmung vs. Objektwahrnehmung|Bildwahr&shy;nehmung vs. Objekt&shy;wahrneh&shy;mung]]). Der Illu&shy;sions&shy;charak&shy;ter bezieht sich danach (vor allem) auf den Ein&shy;druck einer imagi&shy;nären Räum&shy;lich&shy;keit, die den Bild&shy;status aber keines&shy;wegs fraglich werden lässt (⊳ [[Dezeptiver und immersiver Modus|Dezep&shy;tiver und immer&shy;siver Modus]]).


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=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
* [[Bildwahrnehmung vs. Objektwahrnehmung]]
 
* [[Darstellung]]
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* [[Dezeptiver und immersiver Modus]]
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
* [[Gegenstand der visuellen Wahrnehmung]]
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->
 
 
 
 
=====Engere Begriffsbestimmung=====
 
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=====optional Beispiele=====
 
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=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
 
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''Ausgabe 1: 2013''
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* [[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Schirra, J.R.J.]]
{{GlosTab5}}<bib id='Sachs-Hombach 2013g-e'></bib>
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Aktuelle Version vom 16. Dezember 2019, 14:27 Uhr

Unterpunkt zu: Wahrnehmungstheorien: Übersicht


Als Wahrnehmungsillusionen oder Wahr­nehmungs­täuschun­gen im weiten Sinn gelten neben den opti­schen Täuschun­gen Hal­lu­zi­na­tionen, Luft­spiege­lungen, durch Drogen­einwir­kung verän­derte Wahr­nehmungen oder auch ganz all­gemein die kontext­sensi­tive Be­schaffen­heit der Sinnes­empfin­dung. Wahr­neh­mungs­täu­schun­gen im engen Sinne liegen vor, wenn eine Ab­weichung von der übli­chen (physi­kali­schen) Beschrei­bung des Wahr­genom­menen (⊳ Gegen­stand der visu­ellen Wahrneh­mung) sowie eine Diskre­panz zwischen den unter­schiedli­chen Sinnes­modali­täten auf­treten. Während Descar­tes mit Hinweis auf die klassi­schen Sinnes­täuschun­gen die Erkenn­tnis­leistung der Sinne kriti­sierte, schrieb Kant der­arti­ge Täuschun­gen prinzi­piell dem Verstand zu.

Einen thematischen Schwerpunkt inner­halb der experi­mentel­len Wahr­nehmungs­forschung bilden nur die dem Wahr­nehmungs­system imma­nenten Täuschun­gen, also nicht die durch physi­kali­sche Rand­bedin­gungen verur­sachten (z.B. der im Wasser ge­knickt er­schei­nende Stab). In der zweiten Hälfte des 19. Jh.s sind insbe­sonde­re die Raum­täuschun­gen (etwa der am Hori­zont ver­größert erschei­nende Mond) und die geo­metrisch-​opti­schen (auch haptisch nach­weis­baren) Täuschun­gen (etwa die Figu­ren von Müller-​Lyer, Ponzo oder Lipps) unter­sucht worden. Für die übri­gen Sinnes­modali­täten lassen sich teil­weise ver­gleich­bare Täuschun­gen fest­stellen ([Campenhausen 1993a]Campenhausen, Christoph (1993): Die Sinne des Menschen. Einführung in die Psychophysik der Wahrnehmung. Thieme, New York.
Nicht angezeigt: 2. völlig neu bearbeitete Auflage
: S. 116ff. und 229ff.).[1]

Eine befriedigende Erklärung der Wahr­nehmungs­täuschun­gen ist bisher nicht gelun­gen. Als gesi­chert gilt, dass sie unab­hängig vom Denken, von der Augen­bewe­gung und von den Netz­haut­prozes­sen sind. Vermut­lich hängen sie von den Kon­stanz­leistun­gen ab, die im engen Zu­sammen­hang mit der Tiefen- und Ent­fer­nungs­wahr­neh­mung stehen und für den Aus­gleich der stand­ort­beding­ten Verzer­rungen verant­wortlich gemacht werden ([Goldstein 1997a]Goldstein, E. Bruce (1997): Wahrnehmungspsychologie. Eine Einführung. Springer, Heidelberg u.a.
: S. 237ff.). So ließe sich für die geo­metrisch-​opti­schen Täuschun­gen an­nehmen, dass ein geo­metri­sches Gebil­de un­will­kür­lich als Dar­stellung einer drei­dimen­siona­le Szenen gese­hen wird, auch wenn der ent­sprechen­de Dar­stellungs­kontext fehlt ([Gillam 1987a]Gillam, Barbara (1987): Geometrisch-optische Täuschungen. Spektrum der Wissenschaft: Wahrnehmung und visuelles System.
: S. 109ff.).

Innerhalb der Bildtheorie ist die Wahr­nehmungs­täuschung in der so genann­ten illu­sio­nisti­schen Bild­theorie bedeut­sam, der zufol­ge sich ein Bild dadurch aus­zeichnet, dass es die Illu­sion der Anwe­senheit eines nur dar­gestell­ten Gegen­standes erweckt. Wird dieser Anspruch als eine notwen­dige Bedin­gung des Bild­seins (bzw. der Ab­bildungs­bezie­hung) formu­liert, dann wäre ein Gegen­stand nur dann ein Bild (bzw. nur dann das Bild eines bestimm­ten Objekts), wenn es im Betrach­ter den irr­tüm­lichen Ein­druck erzeugt, dass er nicht ein Bild, sondern den dar­gestell­ten Gegenstand selbst an­schaut. Da eine der­art über­trieben formu­lierte Theorie höchstens auf die Trompe-​l’œil-​Male­rei zutrifft, wird sie nicht ernst­haft vertei­digt. Sicher­lich hat sie Ernst Gombrich ([Gombrich 1962a]Gombrich, Ernst H. (1962): Art and Illusion. A Study in the Psychology of Pictorial Representation. Phaidon, London.
), der zuwei­len als ihr promi­nentes­ter Vertre­ter gilt, ledig­lich in sehr abge­schwächter Form inten­diert, nach der die Bild­wahr­nehmung auf Pro­zessen beruht, die der Gegen­stands­wahrnehmung vergleich­bar sind (⊳ Bildwahr­nehmung vs. Objekt­wahrneh­mung). Der Illu­sions­charak­ter bezieht sich danach (vor allem) auf den Ein­druck einer imagi­nären Räum­lich­keit, die den Bild­status aber keines­wegs fraglich werden lässt (⊳ Dezep­tiver und immer­siver Modus).

Anmerkungen
  1. ↑ Ei­ne gan­ze Rei­he von Bei­spie­len wird et­wa auch in den über Wi­ki­pedia: Wahr­neh­mungs­täu­schung ver­link­ten Sei­ten kon­kret be­schrie­ben.
Literatur
[Campenhausen 1993a]Campenhausen, Christoph (1993): Die Sinne des Menschen. Einführung in die Psychophysik der Wahrnehmung. Thieme, New York.[Gillam 1987a]Gillam, Barbara (1987): Geometrisch-optische Täuschungen. Spektrum der Wissenschaft: Wahrnehmung und visuelles System.[Goldstein 1997a]Goldstein, E. Bruce (1997): Wahrnehmungspsychologie. Eine Einführung. Springer, Heidelberg u.a.[Gombrich 1962a]Gombrich, Ernst H. (1962): Art and Illusion. A Study in the Psychology of Pictorial Representation. Phaidon, London.[Sachs-Hombach 2013g-e]Sachs-Hombach, Klaus (2013). Wahrnehmungsillusion. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Wahrnehmungsillusion].

Ausgabe 1: 2013

Verantwortlich:

Lektorat:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Stefan Kahl — (Hinweis)

Zitierhinweis:

[Sachs-Hombach 2013g-e]Sachs-Hombach, Klaus (2013). Wahrnehmungsillusion. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Wahrnehmungsillusion].
Webadresse: bildglossar.org/index.php?title=Wahrnehmungsillusion
Sachs-Hombach, Klaus (2013). Wahrnehmungsillusion. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Wahrnehmungsillusion].