Bildsyntax: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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=====Fragestellung=====
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Die Fragestellung der Bildsyntax als dem eingeschränktesten Bereich bei der Behandlung von Zeichen als Bildern fokussiert auf die Eigenschaften bildhafter [[Zeichenträger]] und den Relationen zwischen ihnen, ohne dass die Bedeutungs- oder Handlungsaspekte des Bildes dabei eine wesentliche Rolle spielen. Das heißt, dass hier vor allem physische Aspekte in Betracht gezogen werden, die einem Gegenstand zukommen müssen, damit er als Bild funktionieren kann. Damit steht das Thema Bildsyntax in großer inhaltlicher Nähe zur Diskussion der [[Materialität]] von Bildern in der kunstgeschichtlichen Tradition sowie generell den eher ontologisch ausgerichteten Teilen der [[Bildkompetenzen|Bildlichkeitsdebatte]]. ''(Hier evt. noch etwas zur Differenzierung dazu??)''
==Die relevante Struktur von Bild&shy;trägern==
Die Fragestellung der Bild&shy;syntax als dem einge&shy;schränktes&shy;ten Bereich bei der Behand&shy;lung von Bildern als Zeichen fokus&shy;siert auf die Eigen&shy;schaften bild&shy;hafter [[Zeichenträger|Zeichen&shy;träger]] und den Rela&shy;tionen zwischen ihnen, ohne dass die [[Bildsemantik|Bedeu&shy;tungs-]] oder [[Bildpragmatik|Handlungs&shy;aspek&shy;te]] des Bildes dabei eine wesent&shy;liche Rolle spielen. Das heißt, dass hier vor allem physi&shy;sche Aspek&shy;te in Betracht gezo&shy;gen werden, die einem Gegen&shy;stand zukom&shy;men müssen, damit er als Bild funktio&shy;nieren kann, wobei in der Regel nicht alle physi&shy;schen Charak&shy;teris&shy;tika eines Gegen&shy;standes rele&shy;vant sind. Damit steht das Thema Bild&shy;syntax in großer inhalt&shy;licher Nähe zur Diskus&shy;sion der [[Materialität|Mate&shy;riali&shy;tät]] von Bildern in der kunstge&shy;schichtli&shy;chen Tradi&shy;tion sowie gene&shy;rell den eher onto&shy;logisch ausge&shy;richte&shy;ten Teilen der [[Bildlichkeit: Bedingungen und Folgen|Bildlich&shy;keitsde&shy;batte]].  


In der Regel sind nicht alle physischen Charakteristika eines Gegenstandes für die Verwendung als [[Bildträger]] relevant. Weiterhin geht es um die Frage, wie groß unter Umständen die Varianzen der relevanten Eigenschaften sein dürfen, um einen Bildträger noch als dasselbe Bild verwenden zu können. Dieser Zweig der bildsyntaktischen Betrachtungen berührt die Frage nach der Identität von Bildern und führt letztlich zur Frage nach der Einzigartigkeit des Originals gegenüber von Kopien und Reproduktionen. Schließlich wird in Analogie zur Sprachgrammatik gefragt nach kombinatorischen Regelsystemen über den relevanten physischen Eigenschaften, mit denen genau die syntaktisch wohlgeformten von den syntaktisch nicht wohlgeformten Bildern (insgesamt oder zumindest in einem Teilbereich) unterschieden werden können sollen.


Genau genommen bleiben also semantische und pragmatische Betrachtungen, obwohl sie nominell ausgeklammert werden, für das Formulieren und Ausrichten der syntaktischen Fragestellungen von zentraler Wichtigkeit, lassen sich doch Bildträger in ihrer Funktion ''als Bildträger'' letztlich immer nur hinsichtlich des tatsächlichen, intendierten oder hypothetisch betrachteten Gebrauchs als Bild bestimmen.
==Zu den Unterpunkten==


=====Aufteilung=====
Die Schlagworte zur Bild&shy;syntax lassen sich grob unter&shy;gliedern in solche, die den Gegen&shy;stand der Bildsyn&shy;tax näher bestim&shy;men, solche, die den Aspek&shy;ten der syntak&shy;tischen Orga&shy;nisa&shy;tion bildhaf&shy;ter Zeichen&shy;syste&shy;me gewid&shy;met sind, solche, die die spezi&shy;fischen Ele&shy;mente der bildsyn&shy;takti&shy;schen Struktu&shy;ren nachzeich&shy;nen, und schließ&shy;lich solche, die einen Anwen&shy;dungsas&shy;pekt berück&shy;sichti&shy;gen.


''Kommentar zu den Unterpunkten ...''
===Der Gegenstand der Bild&shy;syntax===
Obzwar die Bildsyntax nur einen sehr einge&shy;schränkten Aspekt der Bildver&shy;wendung ins Auge fasst, ist ihr Gegen&shy;stand, der [[Bildträger|Bild&shy;träger]] grundle&shy;gend zur Bestim&shy;mung vieler bildse&shy;manti&shy;scher und bildprag&shy;mati&shy;scher Frage&shy;stellun&shy;gen. Insbe&shy;sonde&shy;re geht es um die Frage, wie groß unter Umstän&shy;den die Vari&shy;anzen der rele&shy;vanten physi&shy;schen Eigen&shy;schaften sein dürfen, um Bildträ&shy;ger noch als dassel&shy;be Bild verwen&shy;den zu können. Die [[Identitätskriterien für Bildträger|Iden&shy;tität von Bildern]] hängt von dieser Frage nach dem [[Materialität und Bildsyntax|syntak&shy;tischen Mate&shy;rial]] ab und führt letzt&shy;lich weiter zur Frage nach der Einzig&shy;artig&shy;keit des [[Original|Ori&shy;ginals]] gegen&shy;über von [[Replika|Kopien und Repro&shy;duktio&shy;nen]]. Genau genom&shy;men bleiben umge&shy;kehrt auch seman&shy;tische und pragma&shy;tische Betrach&shy;tungen, obwohl sie nomi&shy;nell ausge&shy;klammert werden, für das Formu&shy;lieren und Ausrich&shy;ten der syntak&shy;tischen Frage&shy;stellun&shy;gen von zentra&shy;ler Wichtig&shy;keit, lassen sich doch Bildträ&shy;ger in ihrer Funktion ''als Bildträ&shy;ger'' letzt&shy;lich immer nur hinsicht&shy;lich des tatsäch&shy;lichen, inten&shy;dierten oder hypo&shy;thetisch betrach&shy;teten Gebrauchs als Bild bestim&shy;men (⊳ [[Bildrezeption als Kommunikationsprozess|Bildre&shy;zeption als Kommu&shy;nika&shy;tionspro&shy;zess]]).


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
===Die bildsyntaktische Orga&shy;nisation===
Die mögliche Varianz der Bild&shy;träger verweist ande&shy;rerseits darauf, dass – als Zeichen betrach&shy;tet – kein Bild für sich allei&shy;ne begrif&shy;fen werden kann: Es ist immer Teil eines Zeichen&shy;systems. In Analogie zur Sprachgram&shy;matik kann daher gefragt werden nach kombi&shy;nato&shy;rischen Regel&shy;syste&shy;men über den rele&shy;vanten physi&shy;schen Eigen&shy;schaften der Bild&shy;träger, mit denen genau die syntak&shy;tisch wohlge&shy;formten von den [[syntaktisch unkorrekte Bilder|syntak&shy;tisch nicht wohlge&shy;formten Bildern]] (insge&shy;samt oder zumin&shy;dest in einem Teilbe&shy;reich) unter&shy;schieden werden können sollen. Ob eine solche [[Bildgrammatik|Bildgram&shy;matik]] eher im Sinne einer Transfor&shy;mations&shy;gramma&shy;tik verstan&shy;den werden sollte, oder ob ein davon zu unter&shy;scheiden&shy;des kombi&shy;nato&shy;risches System der [[Bildmorphologie|Bildmor&shy;pholo&shy;gie]] zu adä&shy;quate&shy;ren Beschrei&shy;bungen führt, hängt auch von der Situation ab, in der das jewei&shy;lige syntak&shy;tische Regel&shy;werk verwen&shy;det wird. In jedem Fall geht es um die [[Komposition|Kompo&shy;sition]] mehr oder weni&shy;ger elemen&shy;tarer syntak&shy;tischer Bau&shy;steine, die in diesem Zusam&shy;menhang hinsicht&shy;lich [[Eigenwerte, Abbildungswerte und Darstellungswerte syntaktischer Einheiten|Eigen&shy;werten, Abbil&shy;dungswer&shy;ten und Darstel&shy;lungswer&shy;ten]] diffe&shy;renziert werden können.
 
===Die Elemente der Bild&shy;syntax===
Die Menge der syntak&shy;tischen Bau&shy;steine selbst lässt sich allge&shy;mein in zwei Gruppen unter&shy;gliedern: Einer&shy;seits eine rela&shy;tiona&shy;le ''Basis&shy;struktur'', die eine Reihe von Dimen&shy;sionen aufspannt, in der ande&shy;rerseits ''Marker&shy;werte'' ange&shy;ordnet sind. Während bei musi&shy;kali&shy;schen Zeichen&shy;syste&shy;men audi&shy;tive Marker&shy;werte in einer tempo&shy;ralen Basis&shy;struktur arran&shy;giert werden und in sprach&shy;lichen Zeichen&shy;syste&shy;men eine netzför&shy;mige, arbit&shy;räre, durch eine Gramma&shy;tik bestimm&shy;te Basis&shy;struktur mit Lexe&shy;men bestückt ist, stehen für die bildhaf&shy;ten Zeichen&shy;syste&shy;me offen&shy;sichtlich visu&shy;elle Marker&shy;werte in einer flächig-räumli&shy;chen Basis&shy;struktur im Zentrum des Inte&shy;resses.<ref>Von der Di&shy;men&shy;si&shy;on »Zeit«, die zu&shy;min&shy;dest für be&shy;weg&shy;te Bil&shy;der ei&shy;ne eben&shy;so wich&shy;ti&shy;ge Rol&shy;le spielt, wird an die&shy;ser Stel&shy;le ab&shy;ge&shy;se&shy;hen. Vgl. hier&shy;zu die Glos&shy;sar&shy;ein&shy;trä&shy;ge [[Animation|Ani&shy;ma&shy;ti&shy;on]], [[Film]] und [[Video|Vi&shy;deo]].</ref>
:
Ganz entsprechend steht das Schlag&shy;wort [[Raum und Geometrie|Raum und Geome&shy;trie]] für die Mannig&shy;faltig&shy;keit der bildsyn&shy;takti&shy;schen Basis&shy;struktur, stellen doch geo&shy;metri&shy;sche Kalkü&shy;le bereits seit der Anti&shy;ke eine hervor&shy;ragen&shy;de Form des ratio&shy;nalen Begrei&shy;fens von Raum dar. Störun&shy;gen in dieser Basis&shy;struktur sind ein wesent&shy;licher Faktor für [[syntaktisch unkorrekte Bilder|syntak&shy;tisch unkor&shy;rekte Bilder]]. Ein spezi&shy;fisches Attri&shy;but des Raumes, die [[Syntaktische Dichte|Dichte]] der Anord&shy;nung von Raumstel&shy;len, hat zudem eine wichti&shy;ge Rolle in der jünge&shy;ren Bilddis&shy;kussion gespielt.
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Der Diskurs über die bildsyn&shy;takti&shy;schen Marker&shy;werte konzen&shy;triert sich vor allem auf die komple&shy;xe Mannig&shy;faltig&shy;keit der [[Farbe als bildsyntaktische Kategorie|Farben]], durch die die zugrun&shy;de liegen&shy;de räumlich-flächi&shy;ge bildsyn&shy;takti&shy;sche Struktur über&shy;haupt erst wahrnehm&shy;bar wird. Doch sollte nicht verges&shy;sen werden, dass es eine Reihe von Argu&shy;menten gibt, [[Textur|Textu&shy;ren]] als eigen&shy;ständi&shy;ges, auf den Farbdi&shy;mensio&shy;nen aufset&shy;zendes System von Marker&shy;werten zweiter Ordnung zu begrei&shy;fen. Schließ&shy;lich werden auch mit den Themen [[Reflexion und Transparenz|Refle&shy;xion und Transpa&shy;renz]] weite&shy;re grundle&shy;gende Aspek&shy;te bildre&shy;levan&shy;ter visu&shy;eller Eigen&shy;schaften ange&shy;sprochen, die von den Farbtheo&shy;rien im enge&shy;ren Sinn in der Regel nicht berück&shy;sichtigt werden, aber ganz spezi&shy;fische bildsyn&shy;takti&shy;sche Funkti&shy;onen über&shy;nehmen können.


===Der Anwendungsaspekt===
Für konkrete, insbe&shy;sonde&shy;re techni&shy;sche Anwen&shy;dungen ist bildsyn&shy;taktisch vor allem der Begriff der [[Auflösung|Auflö&shy;sung]] wichtig. Die bildsyn&shy;takti&shy;schen Über&shy;legun&shy;gen sind dabei für das digi&shy;tale Speichern und Verar&shy;beiten von Bild(trä&shy;gern) wie auch für deren maschi&shy;nelle Verviel&shy;fälti&shy;gung und Über&shy;tragung von entschei&shy;dender Bedeu&shy;tung, da auch hierbei in der Regel von Bedeu&shy;tungs- und Handlungs&shy;aspek&shy;ten ganz abge&shy;sehen wird. In der [[Bildbearbeitung, digitale|digi&shy;talen Bildbe&shy;arbei&shy;tung]], einem Teilge&shy;biet der [[Computervisualistik|Compu&shy;tervi&shy;sualis&shy;tik]], geht es um solche algo&shy;rithmi&shy;schen Verfah&shy;ren, mit denen – u.a. aus ana&shy;logen Bildern – auto&shy;matisch möglichst passen&shy;de digi&shy;tale Bildträ&shy;ger erstellt und auf vielfäl&shy;tige Weise modi&shy;fiziert werden können.


=====Sonstiges=====
Die bildsyntaktischen Überlegungen sind insbesondere für das digitale Speichern und Verarbeiten von Bild(trägern) wie auch für deren maschinelle Vervielfältigung und Übertragung von entscheidender Bedeutung, da auch hierbei in der Regel von Bedeutungs- und Handlungsaspekten ganz abgesehen wird.


Der Aspekt der Bildsyntax spielt ebenfalls für viele medientheoretische Betrachtungen eine Rolle. ...
==Sonstiges==
Der Aspekt der Bild&shy;syntax spielt eben&shy;falls für viele [[Bilder als Medien|medien&shy;theore&shy;tische Betrach&shy;tungen]] eine Rolle.  


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* [[Auflösung]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Auflösung -]]
* [[Bild, analoges/digitales]]
* [[Bildgrammatik]]
* [[Bildgrammatik]]
* [[Bildmontage]]
* [[Bildmorphologie]]
* [[Bildmorphologie]]
* [[Bildträger]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Bildträger -]]
* [[Bildverarbeitung, digitale]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Bildbearbeitung, digitale -]]
* [[Eigenwerte und Darstellungswerte syntaktischer Einheiten]]
* [[Eigenwerte, Abbildungswerte und Darstellungswerte syntaktischer Einheiten]]
* [[Farbe als bildsyntaktische Kategorie ]]
* [[Farbe als bildsyntaktische Kategorie ]]
* [[Identität bildhafter Zeichen]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Identitätskriterien für Bildträger -]]
* [[Komposition]]
* [[Komposition]]
* [[Material und Bildsyntax]]
* [[Materialität und Bildsyntax]]
* [[Montage]]
* [[Original]]
* [[Original]]
* [[Raum und Geometrie]]
* [[Raum und Geometrie]]
* [[Replika]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Reflexion und Transparenz -]]
* [[Reflexion und Transparenz]]
* [[Syntaktische Dichte]]
* [[Syntaktische Dichte]]
* [[syntaktisch unkorrekte Bilder]]
* [[Syntaktisch unkorrekte Bilder]]
* [[Textur]]
* [[Textur]]
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''Ausgabe 1: 2013''
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Aktuelle Version vom 10. Januar 2026, 17:25 Uhr

Hauptpunkt zu: Bilder als Zeichen

English Version: Image Syntax


Die relevante Struktur von Bild­trägern

Die Fragestellung der Bild­syntax als dem einge­schränktes­ten Bereich bei der Behand­lung von Bildern als Zeichen fokus­siert auf die Eigen­schaften bild­hafter Zeichen­träger und den Rela­tionen zwischen ihnen, ohne dass die Bedeu­tungs- oder Handlungs­aspek­te des Bildes dabei eine wesent­liche Rolle spielen. Das heißt, dass hier vor allem physi­sche Aspek­te in Betracht gezo­gen werden, die einem Gegen­stand zukom­men müssen, damit er als Bild funktio­nieren kann, wobei in der Regel nicht alle physi­schen Charak­teris­tika eines Gegen­standes rele­vant sind. Damit steht das Thema Bild­syntax in großer inhalt­licher Nähe zur Diskus­sion der Mate­riali­tät von Bildern in der kunstge­schichtli­chen Tradi­tion sowie gene­rell den eher onto­logisch ausge­richte­ten Teilen der Bildlich­keitsde­batte.


Zu den Unterpunkten

Die Schlagworte zur Bild­syntax lassen sich grob unter­gliedern in solche, die den Gegen­stand der Bildsyn­tax näher bestim­men, solche, die den Aspek­ten der syntak­tischen Orga­nisa­tion bildhaf­ter Zeichen­syste­me gewid­met sind, solche, die die spezi­fischen Ele­mente der bildsyn­takti­schen Struktu­ren nachzeich­nen, und schließ­lich solche, die einen Anwen­dungsas­pekt berück­sichti­gen.

Der Gegenstand der Bild­syntax

Obzwar die Bildsyntax nur einen sehr einge­schränkten Aspekt der Bildver­wendung ins Auge fasst, ist ihr Gegen­stand, der Bild­träger grundle­gend zur Bestim­mung vieler bildse­manti­scher und bildprag­mati­scher Frage­stellun­gen. Insbe­sonde­re geht es um die Frage, wie groß unter Umstän­den die Vari­anzen der rele­vanten physi­schen Eigen­schaften sein dürfen, um Bildträ­ger noch als dassel­be Bild verwen­den zu können. Die Iden­tität von Bildern hängt von dieser Frage nach dem syntak­tischen Mate­rial ab und führt letzt­lich weiter zur Frage nach der Einzig­artig­keit des Ori­ginals gegen­über von Kopien und Repro­duktio­nen. Genau genom­men bleiben umge­kehrt auch seman­tische und pragma­tische Betrach­tungen, obwohl sie nomi­nell ausge­klammert werden, für das Formu­lieren und Ausrich­ten der syntak­tischen Frage­stellun­gen von zentra­ler Wichtig­keit, lassen sich doch Bildträ­ger in ihrer Funktion als Bildträ­ger letzt­lich immer nur hinsicht­lich des tatsäch­lichen, inten­dierten oder hypo­thetisch betrach­teten Gebrauchs als Bild bestim­men (⊳ Bildre­zeption als Kommu­nika­tionspro­zess).

Die bildsyntaktische Orga­nisation

Die mögliche Varianz der Bild­träger verweist ande­rerseits darauf, dass – als Zeichen betrach­tet – kein Bild für sich allei­ne begrif­fen werden kann: Es ist immer Teil eines Zeichen­systems. In Analogie zur Sprachgram­matik kann daher gefragt werden nach kombi­nato­rischen Regel­syste­men über den rele­vanten physi­schen Eigen­schaften der Bild­träger, mit denen genau die syntak­tisch wohlge­formten von den syntak­tisch nicht wohlge­formten Bildern (insge­samt oder zumin­dest in einem Teilbe­reich) unter­schieden werden können sollen. Ob eine solche Bildgram­matik eher im Sinne einer Transfor­mations­gramma­tik verstan­den werden sollte, oder ob ein davon zu unter­scheiden­des kombi­nato­risches System der Bildmor­pholo­gie zu adä­quate­ren Beschrei­bungen führt, hängt auch von der Situation ab, in der das jewei­lige syntak­tische Regel­werk verwen­det wird. In jedem Fall geht es um die Kompo­sition mehr oder weni­ger elemen­tarer syntak­tischer Bau­steine, die in diesem Zusam­menhang hinsicht­lich Eigen­werten, Abbil­dungswer­ten und Darstel­lungswer­ten diffe­renziert werden können.

Die Elemente der Bild­syntax

Die Menge der syntak­tischen Bau­steine selbst lässt sich allge­mein in zwei Gruppen unter­gliedern: Einer­seits eine rela­tiona­le Basis­struktur, die eine Reihe von Dimen­sionen aufspannt, in der ande­rerseits Marker­werte ange­ordnet sind. Während bei musi­kali­schen Zeichen­syste­men audi­tive Marker­werte in einer tempo­ralen Basis­struktur arran­giert werden und in sprach­lichen Zeichen­syste­men eine netzför­mige, arbit­räre, durch eine Gramma­tik bestimm­te Basis­struktur mit Lexe­men bestückt ist, stehen für die bildhaf­ten Zeichen­syste­me offen­sichtlich visu­elle Marker­werte in einer flächig-räumli­chen Basis­struktur im Zentrum des Inte­resses.[1]

Ganz entsprechend steht das Schlag­wort Raum und Geome­trie für die Mannig­faltig­keit der bildsyn­takti­schen Basis­struktur, stellen doch geo­metri­sche Kalkü­le bereits seit der Anti­ke eine hervor­ragen­de Form des ratio­nalen Begrei­fens von Raum dar. Störun­gen in dieser Basis­struktur sind ein wesent­licher Faktor für syntak­tisch unkor­rekte Bilder. Ein spezi­fisches Attri­but des Raumes, die Dichte der Anord­nung von Raumstel­len, hat zudem eine wichti­ge Rolle in der jünge­ren Bilddis­kussion gespielt.

Der Diskurs über die bildsyn­takti­schen Marker­werte konzen­triert sich vor allem auf die komple­xe Mannig­faltig­keit der Farben, durch die die zugrun­de liegen­de räumlich-flächi­ge bildsyn­takti­sche Struktur über­haupt erst wahrnehm­bar wird. Doch sollte nicht verges­sen werden, dass es eine Reihe von Argu­menten gibt, Textu­ren als eigen­ständi­ges, auf den Farbdi­mensio­nen aufset­zendes System von Marker­werten zweiter Ordnung zu begrei­fen. Schließ­lich werden auch mit den Themen Refle­xion und Transpa­renz weite­re grundle­gende Aspek­te bildre­levan­ter visu­eller Eigen­schaften ange­sprochen, die von den Farbtheo­rien im enge­ren Sinn in der Regel nicht berück­sichtigt werden, aber ganz spezi­fische bildsyn­takti­sche Funkti­onen über­nehmen können.

Der Anwendungsaspekt

Für konkrete, insbe­sonde­re techni­sche Anwen­dungen ist bildsyn­taktisch vor allem der Begriff der Auflö­sung wichtig. Die bildsyn­takti­schen Über­legun­gen sind dabei für das digi­tale Speichern und Verar­beiten von Bild(trä­gern) wie auch für deren maschi­nelle Verviel­fälti­gung und Über­tragung von entschei­dender Bedeu­tung, da auch hierbei in der Regel von Bedeu­tungs- und Handlungs­aspek­ten ganz abge­sehen wird. In der digi­talen Bildbe­arbei­tung, einem Teilge­biet der Compu­tervi­sualis­tik, geht es um solche algo­rithmi­schen Verfah­ren, mit denen – u.a. aus ana­logen Bildern – auto­matisch möglichst passen­de digi­tale Bildträ­ger erstellt und auf vielfäl­tige Weise modi­fiziert werden können.


Sonstiges

Der Aspekt der Bild­syntax spielt eben­falls für viele medien­theore­tische Betrach­tungen eine Rolle.

Anmerkungen
  1. ↑ Von der Di­men­si­on »Zeit«, die zu­min­dest für be­weg­te Bil­der ei­ne eben­so wich­ti­ge Rol­le spielt, wird an die­ser Stel­le ab­ge­se­hen. Vgl. hier­zu die Glos­sar­ein­trä­ge Ani­ma­ti­on, Film und Vi­deo.
Literatur

Es wurden keine Literaturverweise im Artikel gefunden.

Ausgabe 1: 2013

Verantwortlich:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Emilia Didier — (Hinweis)

Zitierhinweis:

Schirra, Jörg R.J. (2013). Bildsyntax (Hauptpunkt). (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Bildsyntax].