Kontextbildung: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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==Der Zugang zu nicht-gegen&shy;wärti&shy;gen Situ&shy;ati&shy;onen==
Lebewesen beschäftigen sich gemein&shy;hin ausschließ&shy;lich mit der ihnen direkt gege&shy;benen Umwelt. Vergan&shy;genes erscheint allen&shy;falls impli&shy;zit in gera&shy;de akti&shy;vierten Verhal&shy;tenswei&shy;sen, inso&shy;fern diese vorgän&shy;gig durch bestimm&shy;te Situ&shy;atio&shy;nen verän&shy;dert worden sind, Zukünf&shy;tiges als Erfül&shy;lungsbe&shy;dingun&shy;gen aktu&shy;eller Wünsche. Demge&shy;genüber beherrscht der Mensch die Fähig&shy;keit, sich spontan aus dem ''Hier und Jetzt'' zu lösen und sein aktu&shy;elles Verhal&shy;ten auch expli&shy;zit an nicht-gegen&shy;wärti&shy;gen Situ&shy;atio&shy;nen auszu&shy;richten. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Verwen&shy;dung von [[Proposition|Propo&shy;sitio&shy;nen]], also von [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;handlun&shy;gen]], die über einen [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug|Sachbe&shy;zug]] verfü&shy;gen, insbe&shy;sonde&shy;re den Aussa&shy;gen.
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Der spezifische [[Kontext]]&shy;bezug, der eine zentra&shy;le funktio&shy;nale Voraus&shy;setzung für Aussa&shy;gen darstellt (⊳ [[Modalität|Moda&shy;lität]]), wird in der Regel durch eine eige&shy;ne Kompo&shy;nente in der Gesamt&shy;zeichen&shy;handlung, die die Aussa&shy;ge bildet, herge&shy;stellt. Das ist die Kontext&shy;bildung. Teilzei&shy;chenhand&shy;lungen, die Hinwei&shy;se darauf geben, dass nun über eine bestimm&shy;te vergan&shy;gene oder zukünf&shy;tige, hypo&shy;theti&shy;sche oder fikti&shy;ve Situ&shy;ation gespro&shy;chen wird oder über eine Situ&shy;ation aus der Perspek&shy;tive eines ande&shy;ren, sind typi&shy;sche Formen der Kontext&shy;bildung (dazu unten mehr).
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Das, was linguistisch oft verall&shy;gemei&shy;nert das ‘Diskurs&shy;univer&shy;sum’ einer Gruppe mit&shy;einan&shy;der Kommu&shy;nizie&shy;render genannt wird, besteht, genau&shy;er bese&shy;hen, aus einer dyna&shy;mischen Struktur von verschie&shy;denen [[Kontext|Kontex&shy;ten]], die auf vielfäl&shy;tige Weise mit&shy;einan&shy;der verbun&shy;den und in&shy;einan&shy;der geschach&shy;telt sein können. Zum einen können [[sortale Gegenstände und Individuation|indi&shy;vidu&shy;elle sorta&shy;le Objek&shy;te]] die Kontex&shy;te über ihre raumzeit&shy;liche Ent&shy;wicklung mit&shy;einan&shy;der verbin&shy;den. Zum ande&shy;ren beste&shy;hen Einbet&shy;tungsver&shy;hältnis&shy;se, wenn ein Kontext von einem ande&shy;ren Kontext aus ''erreich&shy;bar'' ist, d.h. aus ihm abge&shy;leitet werden kann. Die unmit&shy;telba&shy;re Äuße&shy;rungssi&shy;tuation stellt meist den Ausgangs&shy;punkt für Kontext&shy;bildun&shy;gen dar, die ande&shy;re Kontex&shy;te so in jene einbet&shy;ten, dass die Kommu&shy;nika&shy;tionspart&shy;ner sich nicht nur auf Objek&shy;te in entwe&shy;der dem aktu&shy;ellen oder dem einge&shy;bette&shy;ten Kontext bezie&shy;hen können (⊳ [[Nomination|Nomi&shy;nation]]). Vielmehr sind sie auch in der Lage, Bezie&shy;hungen zwischen beiden (bzw. zwischen den so verfüg&shy;baren Erschei&shy;nungswei&shy;sen ein und dessel&shy;ben Gegen&shy;stands) herzu&shy;stellen.<ref>Aus&shy;sa&shy;gen mit Iden&shy;ti&shy;täts&shy;sät&shy;zen sind ty&shy;pi&shy;sche Bei&shy;spie&shy;le für Zei&shy;chen&shy;hand&shy;lun&shy;gen mit ei&shy;nem Sach&shy;be&shy;zug, der Ge&shy;gen&shy;stän&shy;de in ver&shy;schie&shy;de&shy;nen Ge&shy;ge&shy;ben&shy;heits&shy;wei&shy;sen – d.h. aus un&shy;ter&shy;schied&shy;li&shy;chen Kon&shy;tex&shy;ten – be&shy;trifft. Wie Fre&shy;ges Ana&shy;ly&shy;se klar ge&shy;macht hat, sind Äuße&shy;run&shy;gen mit Sät&shy;zen wie ‘Der Mor&shy;gen&shy;stern ist (iden&shy;tisch mit dem) der Abend&shy;stern’ nur dann sinn&shy;voll (sprich: in&shy;for&shy;ma&shy;tiv), wenn die be&shy;haup&shy;te&shy;te Iden&shy;ti&shy;tät nicht be&shy;reits aus dem Ver&shy;ste&shy;hen der No&shy;mi&shy;na&shy;ti&shy;o&shy;nen ana&shy;ly&shy;tisch folgt. In&shy;for&shy;ma&shy;tiv ist dann, dass ‘Mor&shy;gen&shy;stern’ und ‘Abend&shy;stern’ – als zwei in ver&shy;schie&shy;de&shy;nen (Klas&shy;sen von) Kon&shy;tex&shy;ten (näm&shy;lich ein&shy;mal nur ‘mor&shy;gens’ und ein&shy;mal nur ‘abends’) auf&shy;tre&shy;ten&shy;de Ge&shy;gen&shy;stän&shy;de – als As&shy;pek&shy;te des&shy;sel&shy;ben sor&shy;ta&shy;len Ge&shy;gen&shy;stand (‘Pla&shy;net Ve&shy;nus’) be&shy;trach&shy;tet wer&shy;den sol&shy;len; vgl. <bib id='Frege 1892a'>Fre&shy;ge 1892a</bib>. </ref>
[[Datei:Fauconnier1.jpg|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 1: ‘Or&shy;son Wel&shy;les ist Al&shy;fred Hitch&shy;cock’ – Bei&shy;spiel für un&shy;ei&shy;gent&shy;li&shy;che Iden&shy;ti&shy;täts&shy;aus&shy;sa&shy;gen mit zwei men&shy;ta&shy;len Räu&shy;men bei Fau&shy;con&shy;nier]]
Die Be&shy;zeich&shy;nung ‘Kon&shy;text&shy;bil&shy;dung’ schließt an die Ter&shy;mi&shy;no&shy;lo&shy;gie von Gil&shy;les Fau&shy;con&shy;nier an, der in <bib id='Fauconnier 1985a'>Fau&shy;con&shy;nier 1985a</bib> ei&shy;nen lin&shy;gu&shy;is&shy;ti&shy;schen An&shy;satz zum sprach&shy;li&shy;chen Sach&shy;be&shy;zug aus&shy;ge&shy;ar&shy;bei&shy;tet hat: Ein ‘men&shy;tal space’ be&shy;zeich&shy;net dort ei&shy;ne in&shy;ten&shy;ti&shy;o&shy;na&shy;le Men&shy;ge von Ge&shy;gen&shy;stän&shy;den, auf die man sich sprach&shy;lich be&shy;zieht. Sie werden lingu&shy;istisch durch so genann&shy;te ‘space builder’ erzeugt und können dann komple&shy;xe Einbet&shy;tungsstruk&shy;turen bilden mit verschie&shy;denen Arten von Verbin&shy;dungen zwischen Gegen&shy;ständen in unter&shy;schiedli&shy;chen menta&shy;len Räumen. Mit dieser Konzep&shy;tion kann Faucon&shy;nier eine Reihe von Schwierig&shy;keiten, die sich unter ande&shy;rem bei der lingu&shy;isti&shy;schen Ana&shy;lyse der Refe&shy;renzbe&shy;ziehung für kontra&shy;fakti&shy;sche Aussa&shy;gen und bei unei&shy;gentli&shy;chen Iden&shy;titäts&shy;aussa&shy;gen (vgl. Abb. 1) stellen, auf ele&shy;gante Weise lösen.<ref> Der Be&shy;griff des Kon&shy;tex&shy;tes geht über Fau&shy;con&shy;niers Be&shy;griff des men&shy;ta&shy;len Raums ins&shy;be&shy;son&shy;de&shy;re in der Hin&shy;sicht hin&shy;aus, dass Kon&shy;tex&shy;te auf die Ver&shy;hal&shy;tens&shy;mög&shy;lich&shy;kei&shy;ten des be&shy;trach&shy;te&shy;ten We&shy;sens in der kon&shy;tex&shy;tu&shy;el&shy;len Si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;on be&shy;zo&shy;gen sind. Kon&shy;text&shy;bil&shy;dung er&shy;öff&shy;net ent&shy;spre&shy;chend über den Be&shy;griff »space buil&shy;der« hin&shy;aus die Per&shy;spek&shy;ti&shy;ve auf ''ge&shy;mein&shy;schaft&shy;lich'' er&shy;wei&shy;ter&shy;te Hand&shy;lungs&shy;spiel&shy;räu&shy;me mit Be&shy;zug auf an&shy;de&shy;re Si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;o&shy;nen. </ref>
==Kontextbildung und Kontext&shy;refe&shy;renzie&shy;rung==
Der Akt der Kontextbildung umfasst, genau genom&shy;men, zwei Unter&shy;arten. Zum einen kann durch eine (Teil-)Zeichen&shy;handlung ein unab&shy;hängig davon zugäng&shy;licher Kontext ins Spiel gebracht werden: Dies heißt ''Kontext&shy;refe&shy;renzie&shy;rung''. Kontext&shy;refe&shy;renzie&shy;rung geschieht etwa durch expli&shy;zite oder impli&shy;zite Hinwei&shy;se auf Ort und Zeit. Bereits Tempus&shy;anga&shy;ben können so impli&shy;zit einen zeitlich bestimm&shy;ten Kontext in den Fokus rücken, ihn von der Äuße&shy;rungssi&shy;tuation aus “zugäng&shy;lich” machen.<ref>Da No&shy;mi&shy;na&shy;ti&shy;o&shy;nen im&shy;mer nur re&shy;la&shy;tiv zu ei&shy;nem als be&shy;kannt vo&shy;r&shy;aus&shy;ge&shy;setz&shy;ten Kon&shy;text funk&shy;ti&shy;o&shy;nie&shy;ren, kön&shy;nen zu&shy;min&shy;dest Kenn&shy;zeich&shy;nun&shy;gen eben&shy;falls als im&shy;pli&shy;zi&shy;te, wenn auch in der Re&shy;gel sehr va&shy;ge Kon&shy;text&shy;re&shy;fe&shy;ren&shy;zie&shy;run&shy;gen ver&shy;wen&shy;det wer&shy;den, so&shy;fern we&shy;der die Äu&shy;ße&shy;rungs&shy;si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;on noch ein an&shy;de&shy;rer bis&shy;lang ein&shy;ge&shy;führ&shy;ter Kon&shy;text als Be&shy;zug wahr&shy;schein&shy;lich ist (d.h. wenn kein Ge&shy;gen&shy;stand des ent&shy;spre&shy;chen&shy;den Typs dort vor&shy;han&shy;den ist). Bei&shy;spiels&shy;wei&shy;se könn&shy;te im ak&shy;tu&shy;el&shy;len Kon&shy;text plötz&shy;lich von ‘dem Kö&shy;nig von Ku&shy;les&shy;tra’ die Re&shy;de sein. In ei&shy;nem sol&shy;chen Fall wird – als Aus&shy;gangs&shy;punkt für wei&shy;te&shy;re in&shy;for&shy;ma&shy;ti&shy;ve Äu&shy;ße&shy;run&shy;gen bzw. Äu&shy;ße&shy;rungs&shy;tei&shy;le – ein ''neu&shy;tra&shy;ler'', d.h. weit&shy;ge&shy;hend un&shy;spe&shy;zi&shy;fi&shy;scher Kon&shy;text mit ei&shy;nem (pro&shy;to-)ty&shy;pi&shy;schen Ex&shy;em&shy;p&shy;lar der an&shy;ge&shy;ge&shy;be&shy;nen Art er&shy;öff&shy;net, mit&shy;samt dem für Auf&shy;tre&shy;ten die&shy;ser Ge&shy;gen&shy;stän&shy;de ty&shy;pi&shy;schen Um&shy;feld. Die&shy;ser Kon&shy;text dient dann u.a. als Hin&shy;ter&shy;grund für Prä&shy;sup&shy;po&shy;si&shy;ti&shy;o&shy;nen zu und Schluss&shy;fol&shy;ge&shy;run&shy;gen über das Mit&shy;ge&shy;teil&shy;te. </ref>   
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Zum anderen kann ein Kontext durch die (Teil-)Zeichen&shy;handlung zual&shy;lererst erzeugt werden: Es handelt sich dann um eine ''Kontext&shy;bildung im enge&shy;ren Sinn''. Beispiels&shy;weise stellt eine Erzäh&shy;lung eine (sehr komple&shy;xe) Form der Kontext&shy;bildung im enge&shy;ren Sinn dar, da die Menge der darin erwähn&shy;ten Gegen&shy;stände, ihre Verhält&shy;nisse zuein&shy;ander und deren zeitli&shy;che Entwick&shy;lung nicht unab&shy;hängig von der Gesamt&shy;zeichen&shy;handlung, die die Erzäh&shy;lung bildet, beste&shy;hen. Die Wahrheit einer Aussage über diese Gegen&shy;stände kann letztlich nur anhand der Sachbe&shy;züge der Sätze im Text der Erzäh&shy;lung (rela&shy;tiv zu einer ange&shy;nomme&shy;nen Kommu&shy;nika&shy;tionssi&shy;tuation bei der Rezep&shy;tion des Textes; ⊳ [[Bildrezeption als Kommunikationsprozess|Bildre&shy;zeption als Kommu&shy;nika&shy;tionspro&shy;zess]]) über&shy;prüft werden. Der durch eine solche Kontext&shy;bildung vermit&shy;telte Kontext umfasst nicht einfach die Menge der Sachbe&shy;züge, die im Verlauf des erzähl&shy;ten Textes expli&shy;zit ange&shy;geben werden. Vielmehr handelt es sich um einen der Kontex&shy;te, in denen unter ande&shy;rem all jene Sachbe&shy;züge gelten ''und'' weite&shy;re Sachver&shy;halte, die die Rezi&shy;pienten als hier gültig voraus&shy;setzen (Präsup&shy;posi&shy;tionen), sowie die daraus insge&shy;samt mögli&shy;chen Impli&shy;katio&shy;nen (deduk&shy;tive Vollstän&shy;digkeit der Situ&shy;ation); der vermit&shy;telte Kontext ist also zu einem gewis&shy;sen Grad abhän&shy;gig von den Zeichen&shy;handeln&shy;den und damit von der Äuße&shy;rungssi&shy;tuation (herme&shy;neuti&shy;scher Zirkel).
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Ein medienverweisendes Satz&shy;adverb, wie etwa ‘in Uwe Johnsons Roman «Jahres&shy;tage»’ ist damit ein auf eine solche Kontext&shy;bildung im enge&shy;ren Sinn verwei&shy;sende Kontext&shy;refe&shy;renzie&shy;rung. Ana&shy;loges gilt für Verwei&shy;se auf ande&shy;re Medien, insbe&shy;sonde&shy;re Bilder und Filme: ‘in Leonar&shy;do da Vincis Gemäl&shy;de «Die Dame mit dem Herme&shy;lin»’, ‘in Alfred Hitch&shy;cocks Film «Verti&shy;go»’. Das legt die Vermu&shy;tung nahe, dass Kontext&shy;bildung im enge&shy;ren Sinn eine grundle&shy;gende kommu&shy;nika&shy;tive Funktion des Bildge&shy;brauchs darstellt (⊳ [[Modalität|moda&shy;le Bildthe&shy;orie]]).
===Ungesättigte oder gesät&shy;tig&shy;te Kon&shy;text&shy;bil&shy;dung===
Ein augenfälliger Unterschied zwischen den oben erwähnten Bei&shy;spielen für Kontext&shy;bildun&shy;gen liegt darin, dass Tempus&shy;anga&shy;ben, tempo&shy;rale und loka&shy;le Satzad&shy;verbien und adver&shy;biale Ergän&shy;zungen mit Verwei&shy;sen auf medi&shy;ale Werke für sich allei&shy;ne nicht vorkom&shy;men können: Sie sind (im Sinne Freges) unge&shy;sättigt und bedür&shy;fen weite&shy;rer Teilzei&shy;chenhand&shy;lungen, die in der Regel eine Propo&shy;sition rela&shy;tiv zu dem gebil&shy;deten Kontext vollzie&shy;hen. Demge&shy;genüber ergibt eine Erzäh&shy;lung insge&shy;samt eine gesät&shy;tigte, d.h. für sich allei&shy;ne stehen&shy;de Form der Kontext&shy;bildung. Wiede&shy;rum lässt sich diese Abge&shy;schlossen&shy;heit auch für ande&shy;re medi&shy;ale Formen der Kontext&shy;bildung im enge&shy;ren Sinn (auf die, wie oben ange&shy;geben, durch sprachli&shy;che Kontext&shy;refe&shy;renzie&shy;rungen verwie&shy;sen werden kann) anneh&shy;men, insbe&shy;sonde&shy;re Bilder. Ihre Verwen&shy;dung entsprä&shy;che dann einer gesät&shy;tigten Kommu&shy;nika&shy;tionshand&shy;lung mit dem Ziel, einen neuen nun gemein&shy;sam verfüg&shy;baren (komple&shy;xen) Kontext im Diskurs&shy;uni&shy;versum der Kommu&shy;nika&shy;tionspar&shy;tner einzu&shy;führen.
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Gleichwohl ist zu beachten, dass eine solche Kontext&shy;bildung in aller Regel nicht nur zum Selbstzweck durchge&shy;führt wird: Sie hat zunächst prinzi&shy;piell den Sinn, die neu einge&shy;führten Kontex&shy;te als Basis für weite&shy;res gemein&shy;schaftli&shy;ches Handeln (insbe&shy;sonde&shy;re auch Reden da&shy;rüber) nutzen zu können. Die gesät&shy;tigte Kontext&shy;bildung steht mithin immer im Rahmen weite&shy;rer kommu&shy;nika&shy;tiver Inter&shy;akti&shy;onen zwischen den Betei&shy;ligten.
===Sachbezug und Wahrheit bei Kon&shy;text&shy;bil&shy;dung===
Da Kontextbildungen die Basis für [[Proposition|Propo&shy;sitio&shy;nen]] bilden, handelt es sich zumin&shy;dest bei den Kontext&shy;bildun&shy;gen im enge&shy;ren Sinn um Zeichen&shy;handlun&shy;gen, die selbst keinen [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug|Sachbe&shy;zug]] aufwei&shy;sen, da ansons&shy;ten ein infi&shy;niter Regress aufträ&shy;te. Die Kontext&shy;bildung im enge&shy;ren Sinn führt den Kontext zual&shy;lererst ein, auf den sich ein poten&shy;tieller Sachbe&shy;zug der Zeichen&shy;handlung bezie&shy;hen müsste: Die Kontext&shy;bildung eröff&shy;net über&shy;haupt die Möglich&shy;keit, eine ande&shy;re Zei&shy;chen(teil)hand&shy;lung mit Sachbe&shy;zug zu vollzie&shy;hen. Anders gefasst: Da eine Situ&shy;ation nicht einfach einer endli&shy;chen Menge von zutref&shy;fenden Sachver&shy;halten (Tatsa&shy;chen) entspricht, sondern inter&shy;preta&shy;tionsof&shy;fen ist, d.h. prinzi&shy;piell das Poten&shy;tial für unend&shy;lich viele Beschrei&shy;bungen rela&shy;tiv zu ganz verschie&shy;denen Begriffs&shy;feldern umfasst, macht es keinen Sinn, eine endgül&shy;tige endli&shy;che Menge von propo&shy;sitio&shy;nalen Beschrei&shy;bungen anzuneh&shy;men, die einen durch Kontext&shy;bildung inter&shy;subjek&shy;tiv einge&shy;führten Kontext vollstän&shy;dig erfass&shy;te und deren Sachbe&shy;zug daher als Sachbe&shy;zug der kontext&shy;bilden&shy;den Zei&shy;chen(teil)hand&shy;lung aufge&shy;fasst werden könnte (⊳ auch [[Ekphrasis|Ekphra&shy;sis]]). 
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In der Folge ist es auch nicht ohne Weite&shy;res sinnvoll, den Begriff der Wahrheit auf Kontext&shy;bildun&shy;gen anzu&shy;wenden, wird dieser Begriff doch als Maß dafür verwen&shy;det, ob ein rela&shy;tiv zu einem Kontext behaup&shy;teter Sachver&shy;halt entwe&shy;der deduk&shy;tiv mit einer akzep&shy;tierten Menge von Behaup&shy;tungen über jene Situ&shy;ation  verträg&shy;lich ist (Kohä&shy;renzthe&shy;orie der Wahrheit) oder in dem Kontext nachweis&shy;lich (empi&shy;risch) zutrifft (Korres&shy;pondenz&shy;theorie der Wahrheit).
===Selbstbezug bei Kon&shy;text&shy;bil&shy;dung===


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
Infolge des fehlenden Sachbe&shy;zugs spielt der [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug|Selbstbe&shy;zug]] bei kontext&shy;bilden&shy;den Zeichen&shy;handlun&shy;gen eine beson&shy;ders wichti&shy;ge Rolle, denn nur die Selbstdar&shy;stellung des eine Kontext&shy;bildung vollzie&shy;henden Kommu&shy;nika&shy;tionsteil&shy;nehmers kann die Aufga&shy;be über&shy;nehmen, eine inter&shy;subjek&shy;tiv verfüg&shy;bare Bezugs&shy;basis für darauf aufbau&shy;ende Sachbe&shy;züge zu liefern. Es ist wichtig, sich klarzu&shy;machen, dass es zwar auch möglich (und in Bemer&shy;kungen über Kontext&shy;bildung sogar unum&shy;gänglich) ist, über Situ&shy;atio&shy;nen/Kon&shy;texte propo&shy;sitio&shy;nal zu reden und sich dabei nomi&shy;nato&shy;risch auf sie zu bezie&shy;hen. Doch bedeu&shy;tet das auch, Situ&shy;atio&shy;nen als ''Gegen&shy;ständen'' gegen&shy;über&shy;zutre&shy;ten, die dann ihrer&shy;seits also wieder als Gegen&shy;stände nur in bestimm&shy;ten abstrak&shy;ten Räumen (d.h. speziel&shy;len meta&shy;phori&shy;schen Situ&shy;atio&shy;nen = Kontex&shy;ten) vorkom&shy;men, welche dann ihrer&shy;seits erst durch einen Akt der Kontext&shy;bildung verfüg&shy;bar gemacht werden müssen. Der Akt der Kontext&shy;bildung selbst muss daher in der damit vollzo&shy;genen Selbstdar&shy;stellung kulmi&shy;nieren. In der Kombi&shy;nation von fehlen&shy;dem Sachbe&shy;zug und dem Fokus auf den Selbstbe&shy;zug gehört die Kontext&shy;bildung zu den ''Bekun&shy;dungen'' bzw. zum bekun&shy;denden Anteil einer Zeichen&shy;handlung.
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
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Der Selbstbezug von Kontext&shy;bildun&shy;gen muss ganz allge&shy;mein offen&shy;sichtlich in einer Selbstdar&shy;stellung beste&shy;hen, die man durch folgen&shy;de Phrase umschrei&shy;ben kann: ‘Sich darstel&shy;len als jemand, dessen Aufmerk&shy;samkeit sich expli&shy;zit einer ande&shy;ren Situ&shy;ation zuwen&shy;det’. Zwar gehört das osten&shy;tative Zeigen spezi&shy;fischer Spontan&shy;reaktio&shy;nen auf die gemein&shy;te Situ&shy;ation nur im Grenzfall zur Selbst&shy;darstel&shy;lung, doch zeigt dieser sich darin beson&shy;ders deutlich.
 
===Logische und empi&shy;ri&shy;sche Kon&shy;text&shy;bil&shy;dung===
Man kann sich natür&shy;lich auch darstel&shy;len als einer, der sich der ''aktu&shy;ellen'' Situ&shy;ation auf diese distan&shy;zierte Weise zuwen&shy;det. Aller&shy;dings gibt es in diesem Fall einen deutli&shy;chen Unter&shy;schied zu ande&shy;ren Kontext&shy;bildun&shy;gen: Nur im aktu&shy;ellen Kontext ist es nämlich möglich, eine auf den Kontext bezo&shy;gene konkre&shy;te Propo&shy;sition empi&shy;risch zu über&shy;prüfen. Die senso&shy;moto&shy;rischen Testrou&shy;tinen, die mit der Unter&shy;scheidungs&shy;gewohn&shy;heit asso&shy;ziiert sind, die ihrer&shy;seits durch die [[Prädikation|Prädi&shy;kation]] der Propo&shy;sition bestimmt wird, können auf die durch die [[Nomination|Nomi&shy;natio&shy;nen]] der Propo&shy;sition im Kontext iden&shy;tifi&shy;zierten Gegen&shy;stände unmit&shy;telbar ange&shy;wendet werden und liefern so empi&shy;rische Erkennt&shy;nisse. Wird etwa behaup&shy;tet, der Apfel in der entfern&shy;ten heimi&shy;schen Küche sei rot&shy;backig, ist, der Entfer&shy;nung wegen, ein Anschau&shy;en jenes Apfels und Beur&shy;teilen auf Rot&shy;backig&shy;keit nicht ohne Weite&shy;res möglich. Wird hinge&shy;gen behaup&shy;tet, der Apfel ''hier'' sei rot&shy;backig, genügt ein Blick auf den anwe&shy;senden Apfel: Unse&shy;re senso&shy;moto&shy;rische Ausstat&shy;tung erlaubt es, die Prädi&shy;kation zu bestä&shy;tigen oder ihr begrün&shy;det zu wider&shy;sprechen.
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Die distanzierte Zuwen&shy;dung zur aktu&shy;ellen Situ&shy;ation ist daher eine Kontext&shy;bildung mit ''empi&shy;rischer'' Verge&shy;genwär&shy;tigung: kurz empi&shy;rische Kontext&shy;bildung. Ihr stehen die Kontext&shy;bildun&shy;gen mit ledig&shy;lich ''logi&shy;scher'' Verge&shy;genwär&shy;tigung (kurz: logi&shy;sche Kontext&shy;bildun&shy;gen) gegen&shy;über: Ohne empi&shy;rischen Zugang kann hier die Wahrheit einer Behaup&shy;tung rela&shy;tiv zu dem Kontext nur kohä&shy;renzthe&shy;oretisch über logi&shy;sche Kompa&shy;tibi&shy;lität mit ande&shy;ren Aussa&shy;gen über den Kontext beur&shy;teilt werden.<ref>Die Un&shy;ter&shy;schei&shy;dung von lo&shy;gi&shy;scher und em&shy;pi&shy;ri&shy;scher Kon&shy;text&shy;bil&shy;dung mo&shy;di&shy;fi&shy;ziert ei&shy;nen As&shy;pekt der Ge&shy;gen&shy;über&shy;stel&shy;lung von di&shy;e&shy;ge&shy;sis und mi&shy;me&shy;sis aus Pla&shy;tons «Staat» bzw. Aris&shy;to&shy;te&shy;les' «Poe&shy;tik»; ⊳ [[Mimesis|Mi&shy;me&shy;sis]]; ⊳ [[Kontext#Kontext_und_Diegese| Kon&shy;text: Kon&shy;text und Di&shy;e&shy;ge&shy;se]]; vgl. [http://de.wikipedia.org/wiki/Diegesis Wi&shy;ki&shy;pe&shy;dia: Di&shy;e&shy;ge&shy;sis].</ref>
 
 
==Piktoriale Kontext&shy;bil&shy;dung==
 
Wie oben bereits erwähnt können adver&shy;biale Ergän&shy;zungen, die auf ein Bild verwei&shy;sen, als Kontext&shy;refe&shy;renzie&shy;rungen verwen&shy;det werden. So mag etwa der Ausdruck ‘in Picas&shy;sos «Les Demoi&shy;selles d'Avig&shy;non»’ ganz zwanglos als Kontext&shy;bildung etwa für die Behaup&shy;tung, dass ‘drei Frauen eine Art afri&shy;kanische Masken tragen’, dienen. In Abwe&shy;senheit des Bildes bleibt die Kontext&shy;bildung aller&shy;dings rein logisch. Ange&shy;sichts des Bildes aber kann jene Behaup&shy;tung als ''empi&shy;risch'' offen&shy;sichtlich falsch entschie&shy;den werden. Die Vermu&shy;tung liegt nahe, dass die Kontext&shy;refe&shy;renzie&shy;rung durch den Verweis auf das Bild tatsäch&shy;lich sekun&shy;där gegen&shy;über der ursprüng&shy;liche&shy;ren Kontext&shy;bildung im enge&shy;ren Sinne durch die Präsen&shy;tation des Bildes selbst ist. In der Tat werden mit Bildern in der Regel [[sortale Gegenstände und Individuation|indi&shy;vidu&shy;ierte Gegen&shy;stände]] in einer Art gemein&shy;samer Situ&shy;ation darge&shy;stellt – eine Äuße&shy;rung, die durchaus auch für Roma&shy;ne zutrifft, auch wenn es ansons&shy;ten viele Unter&shy;schiede gibt. Insbe&shy;sonde&shy;re handelt es sich bei der pikto&shy;rialen Kontext&shy;bildung im Gegen&shy;satz zu der rein logi&shy;schen Kontext&shy;bildung durch einen Text um eine zumin&shy;dest partiell empi&shy;risch Kontext&shy;bildung, denn die Geltung der Prädi&shy;katio&shy;nen von visu&shy;ellen Merkma&shy;len oder davon abhän&shy;gigen ande&shy;ren Unter&shy;scheidun&shy;gen können im [[Theorien des Bildraums|Bildraum]] mehr oder weni&shy;ger unmit&shy;telbar über&shy;prüft werden. Die pikto&shy;rial vermit&shy;telten Kontex&shy;te erschei&shy;nen also als partiell mit der je aktu&shy;ellen Verhal&shy;tenssi&shy;tuation verschmol&shy;zen.
:
Dass ‘Bildverwen&shy;dung grundle&shy;gend visu&shy;ell-empi&shy;rische Kontext&shy;bildung im enge&shy;ren Sinne’ sei ist daher die Kernthe&shy;se der moda&shy;len Bildthe&shy;orie. Dabei ist zu berück&shy;sichti&shy;gen, dass die Kontex&shy;te für verschie&shy;dene Bildar&shy;ten durchaus unter&shy;schiedlich gebil&shy;det werden.
 
===Piktoriale Kontext&shy;bildung bei dar&shy;stel&shy;len&shy;den Bil&shy;dern===


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
Mit Hilfe von darstel&shy;lenden Bildern werden in aller Regel vornehm&shy;lich visu&shy;elle Aspek&shy;te mögli&shy;cher Verhal&shy;tenssi&shy;tuati&shy;onen als Kontex&shy;te für gemein&shy;sames sprachli&shy;ches oder nicht-sprachli&shy;ches Handeln zur Verfü&shy;gung gestellt. Ana&shy;log zur Inter&shy;preta&shy;tion der je aktu&shy;ellen Erschei&shy;nungswei&shy;sen sorta&shy;ler Gegen&shy;stände im Wahrneh&shy;mungsraum als persis&shy;tente Indi&shy;viduen werden auch in den durch pikto&shy;riale Kontext&shy;bildung in einer immer&shy;währen&shy;den Gegen&shy;wart präsen&shy;tierten Erschei&shy;nungen Gege&shy;benheits&shy;weisen zeitlich-ausdau&shy;ernder indi&shy;vidu&shy;eller Gegen&shy;stände begrif&shy;fen: Obwohl von abge&shy;bilde&shy;ten Gegen&shy;ständen meist keine ande&shy;re Gege&shy;benheits&shy;weisen vorlie&shy;gen – also keine Begeg&shy;nungen in ande&shy;rem Kontext möglich sind – verste&shy;hen wir sie als Gegen&shy;stände mit Geschich&shy;te, als Objek&shy;te, denen wir zumin&shy;dest im Prinzip auch in ande&shy;ren Situ&shy;atio&shy;nen wieder (als densel&shy;ben Objek&shy;ten) begeg&shy;nen könnten.<ref>Die Ver&shy;wen&shy;dung dar&shy;stel&shy;len&shy;der Bil&shy;der, etwa in Be&shy;die&shy;nungs&shy;an&shy;lei&shy;tun&shy;gen, wä&shy;re an&shy;sons&shy;ten nicht nach&shy;voll&shy;zieh&shy;bar.</ref>
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
:
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
Diese Interpretation spielt vor allem bei Abbil&shy;dungen realer Gegen&shy;stände eine zentra&shy;le Rolle, etwa einem Fahndungs&shy;foto. Gesucht wird ja nicht ein Mensch, der der Pigment&shy;fläche des Bildträ&shy;gers ähnelt, sondern diesem Menschen ''im'' Bildraum. Die Nomi&shy;nation ‘dieser Mensch’ ist auf den Kontext bezo&shy;gen, der mit dem Bild eröffnet wird.
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->


===Piktoriale Kontext&shy;bil&shy;dung bei trompe l'œils===


Die Besonderheiten der speziel&shy;len darstel&shy;lenden Bilder vom Typ des trompe l'œils  (oder des immer&shy;siven Bildes) liegen nicht daran, dass bei der unre&shy;flektier&shy;ten Rezep&shy;tion keine Kontext&shy;bildung stattfin&shy;det, da das Bild ja in dem Fall gar nicht als Bild erkannt wird. Tatsäch&shy;lich handelt es sich vielmehr um eine ''zu gut'' gelun&shy;gene und dadurch disfunk&shy;tiona&shy;le pikto&shy;riale Kontext&shy;bildung, die sowohl bei der Herstel&shy;lung wie beim reflek&shy;tierten Betrach&shy;ten wieder als ganz norma&shy;len visu&shy;elle Kontext&shy;bildung wirkt (⊳ [[Dezeptiver und immersiver Modus|Dezep&shy;tiver und immer&shy;siver Modus]]).


===Piktoriale Kontext&shy;bil&shy;dung bei lo&shy;gi&shy;schen Bil&shy;dern===


=====Engere Begriffsbestimmung=====
Da mit logischen Bildern wenig&shy;stens zum Teil etwas an sich nicht visu&shy;ell Wahrnehm&shy;bares präsen&shy;tiert wird, liegt [[Semantik logischer Bilder| ihrer Seman&shy;tik]] eine [[sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie|meta&shy;phori&shy;sche]] Begriffs&shy;über&shy;tragung vom darge&shy;stellten Bereich in den Bereich sichtba&shy;rer und somit bildlich direkt darstell&shy;barer Enti&shy;täten zugrun&shy;de. Mithin wird eine durch pikto&shy;riale Kontext&shy;bildung bereit&shy;gestell&shy;te Verhal&shy;tenssi&shy;tuation als ein Modell für einen mehr oder weni&shy;ger komple&shy;xen nicht-visu&shy;ellen Zusam&shy;menhang verwen&shy;det. Die kontext&shy;bilden&shy;de Funktion erwei&shy;tert sich damit auf den an sich nicht-wahrnehm&shy;baren Phäno&shy;menbe&shy;reich: Insbe&shy;sonde&shy;re werden auf diese Weise auch belie&shy;bige abstrak&shy;te Zusam&shy;menhän&shy;ge als eine (poten&shy;tielle) Verhal&shy;tenssi&shy;tuation visu&shy;ell erfahr&shy;bar und inter&shy;indi&shy;vidu&shy;ell empi&shy;risch zugäng&shy;lich (⊳ [[Image Schemata|Image Schema&shy;ta]]).


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
===Piktoriale Kontext&shy;bil&shy;dung bei Bild&shy;zita&shy;ten und ande&shy;ren refle&shy;xiv verwen&shy;deten Bil&shy;dern===


Reflexive Zeichenverwen&shy;dungen sind allge&shy;mein abge&shy;leite&shy;te Verwen&shy;dungswei&shy;sen (⊳ [[Bild in reflexiver Verwendung|Bild in refle&shy;xiver Verwen&shy;dung]]). Das nun primä&shy;re exemp&shy;lari&shy;sche Vorfüh&shy;ren von Eigen&shy;arten der jewei&shy;ligen Zeichen&shy;nutzung setzt insbe&shy;sonde&shy;re die eigent&shy;liche pragma&shy;tische Funktion des zitier&shy;ten oder refle&shy;xiv verwen&shy;deten Zeichens außer Kraft. Das gilt ana&shy;log auch für Bilder. Eine ursprüng&shy;lich kontext&shy;bilden&shy;de Funktion wäre daher bei refle&shy;xiv verwen&shy;deten Bildern – sofern sie nicht gera&shy;de das zu exem&shy;plifi&shy;zieren&shy;de Merkmal darstellt – nicht mehr wirksam oder jeden&shy;falls nicht mehr unmit&shy;telbar wirksam. Gleichwohl steht dieser Verwen&shy;dungszweck mit vielen ande&shy;ren Aspek&shy;ten des Bildge&shy;brauchs in engem Zusam&shy;menhang, so dass zwar die eigent&shy;liche kontext&shy;bilden&shy;de Funktion aufge&shy;hoben ist, da die Präsen&shy;tation des Bildes nun einem ande&shy;ren Zweck dient, aber einge&shy;bettet in dieser [[Referenz, Denotation, Exemplifikation|Exemp&shy;lifi&shy;kation]] gleichwohl ein zentra&shy;ler Faktor bleibt.


=====optional Beispiele=====
===Piktoriale Kontext&shy;bildung bei un&shy;gegen&shy;ständ&shy;lichen Bil&shy;dern===
Der fehlende Verweis auf räumli&shy;che Gegen&shy;stände im übli&shy;chen (sorta&shy;len) Sinn setzt bei [[Semantik ungegenständlicher Bilder|un&shy;gegen&shy;ständli&shy;chen Bildern]] zunächst den Mecha&shy;nismus außer Kraft, der den Bildraum als visu&shy;ell wahrge&shy;nomme&shy;ne Verhal&shy;tenssi&shy;tuation etab&shy;liert. Daher erscheint es auf den ersten Blick unplau&shy;sibel, auch bei dieser Art von Bildern von Kontext&shy;bildung als ihrer pragma&shy;tischen Grundfunk&shy;tion auszu&shy;gehen.
:
Allerdings können ungegen&shy;ständli&shy;che Bilder sehr gut als refle&shy;xiv genutz&shy;te Bilder mit nega&shy;tiver Exemp&shy;lifika&shy;tion begrif&shy;fen werden, so dass ihr Verwen&shy;dungszweck einer&shy;seits (infol&shy;ge der refle&shy;xiven Verwen&shy;dung) ohne&shy;hin von der grundle&shy;genden Verwen&shy;dung von Bildern abge&shy;setzt wäre und mehr im Exem&shy;plifi&shy;zieren von Aspek&shy;ten der Bildver&shy;wendung besteht, nicht in der Kontext&shy;bildung. Ande&shy;rerseits betrifft die nega&shy;tive Exemp&shy;lifi&shy;kation bei ihnen gera&shy;de auch die nicht funkti&shy;onie&shy;rende Kontext&shy;bildungs&shy;fähig&shy;keit, die damit wiede&shy;rum ex nega&shy;tivo als typisch für Bilder im Normal&shy;fall bestä&shy;tigt wäre.


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->


==Primäre Kontext&shy;bil&shy;dung==


=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
In [[Bildanthropologie|anthro&shy;polo&shy;gischen Bildthe&shy;orien]] geht es vor allem darum, die Rolle der Fähig&shy;keit, Bilder verwen&shy;den zu können, in den Rahmen der diffe&shy;rentiae speci&shy;ficae philo&shy;sophi&shy;scher Menschen&shy;begrif&shy;fe einzu&shy;ordnen. Aus Sicht der moda&shy;len Bildthe&shy;orie ist daher vor allem zu klären, ob und auf welche Weise die Bildkom&shy;petenz bereits beim Über&shy;gang zum Begriff eines Wesens mit der Fähig&shy;keit zur Kontext&shy;bildung – der primä&shy;ren Kontext&shy;bildung – eine ''syste&shy;mati&shy;sche'' Funktion über&shy;nimmt. 
:
In der Tat lassen sich gute Gründe dafür anfüh&shy;ren, dass sich eine primä&shy;re Kontext&shy;bildung nicht rati&shy;onal konzi&shy;pieren lässt ohne die Verwen&shy;dung mindes&shy;tens einer Art [[Ähnlichkeit und wahrnehmungsnahe Zeichen|wahrneh&shy;mungsna&shy;her Zeichen]] zu berück&shy;sichti&shy;gen, die als inter&shy;indi&shy;vidu&shy;ell verfüg&shy;bare Grundla&shy;ge für die empi&shy;rische Veran&shy;kerung der Refe&shy;renzfunk&shy;tion propo&shy;sitio&shy;naler Sprache dient (<bib id='Schirra & Sachs-Hombach 2006b'></bib>, <bib id='Schirra & Sachs-Hombach 2011a'></bib> und <bib id='Schirra & Sachs-Hombach 2013a'></bib>). Die empi&shy;risch-kontext&shy;bilden&shy;de Funktion dieser Prä-Bilder kann gleichwohl nur über eine damit verschal&shy;tete verba&shy;le (d.i. logi&shy;sche) Kontext&shy;bildung stabi&shy;lisiert werden: Bildkom&shy;petenz und Sprachkom&shy;petenz gelten daher als gleichur&shy;sprünglich und logisch von&shy;einan&shy;der abhän&shy;gig. Im Zentrum dieser Abhän&shy;gigkeit steht der Zusam&shy;menhang zwischen dem Begriff »menta&shy;les Bild« und der Situ&shy;ation der primä&shy;ren Kontext&shy;bildung (⊳ [[logische Kontextbildung und mentale Bilder|Logi&shy;sche Kontext&shy;bildung und menta&shy;le Bilder]]).


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{{GlossarSiehe}}
* [[Ähnlichkeit und wahrnehmungsnahe Zeichen]]
* [[Bild in reflexiver Verwendung]]
* [[Bildanthropologie]]
* [[Bildrezeption als Zeichenprozeß]]
* [[Ekphrasis]]
* [[Referenz, Denotation, Exemplifikation]]
* [[Image Schemata]]
* [[Dezeptiver und immersiver Modus]]
* [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug]]
* [[Kontext]]
* [[logische Kontextbildung und mentale Bilder]]
* [[Mimesis]]
* [[Modalität]]
* [[Nomination]]
* [[Prädikation]]
* [[Proposition]]
* [[Semantik ungegenständlicher Bilder]]
* [[sortale Gegenstände und Individuation]]
* [[sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]


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''Ausgabe 1: 2013''
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* [[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Schirra, Jörg R.J. ]]
[[Benutzer:XXX]]
 
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''Lektorat:''
* [[Benutzer:Klaus Sachs-Hombach|Sachs-Hombach, Klaus]]
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<!--Das war's-->
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildpragmatik

English Version: Context-Building Acts


Der Zugang zu nicht-gegen­wärti­gen Situ­ati­onen

Lebewesen beschäftigen sich gemein­hin ausschließ­lich mit der ihnen direkt gege­benen Umwelt. Vergan­genes erscheint allen­falls impli­zit in gera­de akti­vierten Verhal­tenswei­sen, inso­fern diese vorgän­gig durch bestimm­te Situ­atio­nen verän­dert worden sind, Zukünf­tiges als Erfül­lungsbe­dingun­gen aktu­eller Wünsche. Demge­genüber beherrscht der Mensch die Fähig­keit, sich spontan aus dem Hier und Jetzt zu lösen und sein aktu­elles Verhal­ten auch expli­zit an nicht-gegen­wärti­gen Situ­atio­nen auszu­richten. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Verwen­dung von Propo­sitio­nen, also von Zeichen­handlun­gen, die über einen Sachbe­zug verfü­gen, insbe­sonde­re den Aussa­gen.

Der spezifische Kontext­bezug, der eine zentra­le funktio­nale Voraus­setzung für Aussa­gen darstellt (⊳ Moda­lität), wird in der Regel durch eine eige­ne Kompo­nente in der Gesamt­zeichen­handlung, die die Aussa­ge bildet, herge­stellt. Das ist die Kontext­bildung. Teilzei­chenhand­lungen, die Hinwei­se darauf geben, dass nun über eine bestimm­te vergan­gene oder zukünf­tige, hypo­theti­sche oder fikti­ve Situ­ation gespro­chen wird oder über eine Situ­ation aus der Perspek­tive eines ande­ren, sind typi­sche Formen der Kontext­bildung (dazu unten mehr).

Das, was linguistisch oft verall­gemei­nert das ‘Diskurs­univer­sum’ einer Gruppe mit­einan­der Kommu­nizie­render genannt wird, besteht, genau­er bese­hen, aus einer dyna­mischen Struktur von verschie­denen Kontex­ten, die auf vielfäl­tige Weise mit­einan­der verbun­den und in­einan­der geschach­telt sein können. Zum einen können indi­vidu­elle sorta­le Objek­te die Kontex­te über ihre raumzeit­liche Ent­wicklung mit­einan­der verbin­den. Zum ande­ren beste­hen Einbet­tungsver­hältnis­se, wenn ein Kontext von einem ande­ren Kontext aus erreich­bar ist, d.h. aus ihm abge­leitet werden kann. Die unmit­telba­re Äuße­rungssi­tuation stellt meist den Ausgangs­punkt für Kontext­bildun­gen dar, die ande­re Kontex­te so in jene einbet­ten, dass die Kommu­nika­tionspart­ner sich nicht nur auf Objek­te in entwe­der dem aktu­ellen oder dem einge­bette­ten Kontext bezie­hen können (⊳ Nomi­nation). Vielmehr sind sie auch in der Lage, Bezie­hungen zwischen beiden (bzw. zwischen den so verfüg­baren Erschei­nungswei­sen ein und dessel­ben Gegen­stands) herzu­stellen.[1]

Ab­bil­dung 1: ‘Or­son Wel­les ist Al­fred Hitch­cock’ – Bei­spiel für un­ei­gent­li­che Iden­ti­täts­aus­sa­gen mit zwei men­ta­len Räu­men bei Fau­con­nier

Die Be­zeich­nung ‘Kon­text­bil­dung’ schließt an die Ter­mi­no­lo­gie von Gil­les Fau­con­nier an, der in [Fauconnier 1985a]Fauconnier, Gilles (1985): Mental Spaces. Aspects of Meaning Construction in Natural Language. MIT Press, Cambridge, MA.
ei­nen lin­gu­is­ti­schen An­satz zum sprach­li­chen Sach­be­zug aus­ge­ar­bei­tet hat: Ein ‘men­tal space’ be­zeich­net dort ei­ne in­ten­ti­o­na­le Men­ge von Ge­gen­stän­den, auf die man sich sprach­lich be­zieht. Sie werden lingu­istisch durch so genann­te ‘space builder’ erzeugt und können dann komple­xe Einbet­tungsstruk­turen bilden mit verschie­denen Arten von Verbin­dungen zwischen Gegen­ständen in unter­schiedli­chen menta­len Räumen. Mit dieser Konzep­tion kann Faucon­nier eine Reihe von Schwierig­keiten, die sich unter ande­rem bei der lingu­isti­schen Ana­lyse der Refe­renzbe­ziehung für kontra­fakti­sche Aussa­gen und bei unei­gentli­chen Iden­titäts­aussa­gen (vgl. Abb. 1) stellen, auf ele­gante Weise lösen.[2]


Kontextbildung und Kontext­refe­renzie­rung

Der Akt der Kontextbildung umfasst, genau genom­men, zwei Unter­arten. Zum einen kann durch eine (Teil-)Zeichen­handlung ein unab­hängig davon zugäng­licher Kontext ins Spiel gebracht werden: Dies heißt Kontext­refe­renzie­rung. Kontext­refe­renzie­rung geschieht etwa durch expli­zite oder impli­zite Hinwei­se auf Ort und Zeit. Bereits Tempus­anga­ben können so impli­zit einen zeitlich bestimm­ten Kontext in den Fokus rücken, ihn von der Äuße­rungssi­tuation aus “zugäng­lich” machen.[3]

Zum anderen kann ein Kontext durch die (Teil-)Zeichen­handlung zual­lererst erzeugt werden: Es handelt sich dann um eine Kontext­bildung im enge­ren Sinn. Beispiels­weise stellt eine Erzäh­lung eine (sehr komple­xe) Form der Kontext­bildung im enge­ren Sinn dar, da die Menge der darin erwähn­ten Gegen­stände, ihre Verhält­nisse zuein­ander und deren zeitli­che Entwick­lung nicht unab­hängig von der Gesamt­zeichen­handlung, die die Erzäh­lung bildet, beste­hen. Die Wahrheit einer Aussage über diese Gegen­stände kann letztlich nur anhand der Sachbe­züge der Sätze im Text der Erzäh­lung (rela­tiv zu einer ange­nomme­nen Kommu­nika­tionssi­tuation bei der Rezep­tion des Textes; ⊳ Bildre­zeption als Kommu­nika­tionspro­zess) über­prüft werden. Der durch eine solche Kontext­bildung vermit­telte Kontext umfasst nicht einfach die Menge der Sachbe­züge, die im Verlauf des erzähl­ten Textes expli­zit ange­geben werden. Vielmehr handelt es sich um einen der Kontex­te, in denen unter ande­rem all jene Sachbe­züge gelten und weite­re Sachver­halte, die die Rezi­pienten als hier gültig voraus­setzen (Präsup­posi­tionen), sowie die daraus insge­samt mögli­chen Impli­katio­nen (deduk­tive Vollstän­digkeit der Situ­ation); der vermit­telte Kontext ist also zu einem gewis­sen Grad abhän­gig von den Zeichen­handeln­den und damit von der Äuße­rungssi­tuation (herme­neuti­scher Zirkel).

Ein medienverweisendes Satz­adverb, wie etwa ‘in Uwe Johnsons Roman «Jahres­tage»’ ist damit ein auf eine solche Kontext­bildung im enge­ren Sinn verwei­sende Kontext­refe­renzie­rung. Ana­loges gilt für Verwei­se auf ande­re Medien, insbe­sonde­re Bilder und Filme: ‘in Leonar­do da Vincis Gemäl­de «Die Dame mit dem Herme­lin»’, ‘in Alfred Hitch­cocks Film «Verti­go»’. Das legt die Vermu­tung nahe, dass Kontext­bildung im enge­ren Sinn eine grundle­gende kommu­nika­tive Funktion des Bildge­brauchs darstellt (⊳ moda­le Bildthe­orie).

Ungesättigte oder gesät­tig­te Kon­text­bil­dung

Ein augenfälliger Unterschied zwischen den oben erwähnten Bei­spielen für Kontext­bildun­gen liegt darin, dass Tempus­anga­ben, tempo­rale und loka­le Satzad­verbien und adver­biale Ergän­zungen mit Verwei­sen auf medi­ale Werke für sich allei­ne nicht vorkom­men können: Sie sind (im Sinne Freges) unge­sättigt und bedür­fen weite­rer Teilzei­chenhand­lungen, die in der Regel eine Propo­sition rela­tiv zu dem gebil­deten Kontext vollzie­hen. Demge­genüber ergibt eine Erzäh­lung insge­samt eine gesät­tigte, d.h. für sich allei­ne stehen­de Form der Kontext­bildung. Wiede­rum lässt sich diese Abge­schlossen­heit auch für ande­re medi­ale Formen der Kontext­bildung im enge­ren Sinn (auf die, wie oben ange­geben, durch sprachli­che Kontext­refe­renzie­rungen verwie­sen werden kann) anneh­men, insbe­sonde­re Bilder. Ihre Verwen­dung entsprä­che dann einer gesät­tigten Kommu­nika­tionshand­lung mit dem Ziel, einen neuen nun gemein­sam verfüg­baren (komple­xen) Kontext im Diskurs­uni­versum der Kommu­nika­tionspar­tner einzu­führen.

Gleichwohl ist zu beachten, dass eine solche Kontext­bildung in aller Regel nicht nur zum Selbstzweck durchge­führt wird: Sie hat zunächst prinzi­piell den Sinn, die neu einge­führten Kontex­te als Basis für weite­res gemein­schaftli­ches Handeln (insbe­sonde­re auch Reden da­rüber) nutzen zu können. Die gesät­tigte Kontext­bildung steht mithin immer im Rahmen weite­rer kommu­nika­tiver Inter­akti­onen zwischen den Betei­ligten.

Sachbezug und Wahrheit bei Kon­text­bil­dung

Da Kontextbildungen die Basis für Propo­sitio­nen bilden, handelt es sich zumin­dest bei den Kontext­bildun­gen im enge­ren Sinn um Zeichen­handlun­gen, die selbst keinen Sachbe­zug aufwei­sen, da ansons­ten ein infi­niter Regress aufträ­te. Die Kontext­bildung im enge­ren Sinn führt den Kontext zual­lererst ein, auf den sich ein poten­tieller Sachbe­zug der Zeichen­handlung bezie­hen müsste: Die Kontext­bildung eröff­net über­haupt die Möglich­keit, eine ande­re Zei­chen(teil)hand­lung mit Sachbe­zug zu vollzie­hen. Anders gefasst: Da eine Situ­ation nicht einfach einer endli­chen Menge von zutref­fenden Sachver­halten (Tatsa­chen) entspricht, sondern inter­preta­tionsof­fen ist, d.h. prinzi­piell das Poten­tial für unend­lich viele Beschrei­bungen rela­tiv zu ganz verschie­denen Begriffs­feldern umfasst, macht es keinen Sinn, eine endgül­tige endli­che Menge von propo­sitio­nalen Beschrei­bungen anzuneh­men, die einen durch Kontext­bildung inter­subjek­tiv einge­führten Kontext vollstän­dig erfass­te und deren Sachbe­zug daher als Sachbe­zug der kontext­bilden­den Zei­chen(teil)hand­lung aufge­fasst werden könnte (⊳ auch Ekphra­sis).

In der Folge ist es auch nicht ohne Weite­res sinnvoll, den Begriff der Wahrheit auf Kontext­bildun­gen anzu­wenden, wird dieser Begriff doch als Maß dafür verwen­det, ob ein rela­tiv zu einem Kontext behaup­teter Sachver­halt entwe­der deduk­tiv mit einer akzep­tierten Menge von Behaup­tungen über jene Situ­ation verträg­lich ist (Kohä­renzthe­orie der Wahrheit) oder in dem Kontext nachweis­lich (empi­risch) zutrifft (Korres­pondenz­theorie der Wahrheit).

Selbstbezug bei Kon­text­bil­dung

Infolge des fehlenden Sachbe­zugs spielt der Selbstbe­zug bei kontext­bilden­den Zeichen­handlun­gen eine beson­ders wichti­ge Rolle, denn nur die Selbstdar­stellung des eine Kontext­bildung vollzie­henden Kommu­nika­tionsteil­nehmers kann die Aufga­be über­nehmen, eine inter­subjek­tiv verfüg­bare Bezugs­basis für darauf aufbau­ende Sachbe­züge zu liefern. Es ist wichtig, sich klarzu­machen, dass es zwar auch möglich (und in Bemer­kungen über Kontext­bildung sogar unum­gänglich) ist, über Situ­atio­nen/Kon­texte propo­sitio­nal zu reden und sich dabei nomi­nato­risch auf sie zu bezie­hen. Doch bedeu­tet das auch, Situ­atio­nen als Gegen­ständen gegen­über­zutre­ten, die dann ihrer­seits also wieder als Gegen­stände nur in bestimm­ten abstrak­ten Räumen (d.h. speziel­len meta­phori­schen Situ­atio­nen = Kontex­ten) vorkom­men, welche dann ihrer­seits erst durch einen Akt der Kontext­bildung verfüg­bar gemacht werden müssen. Der Akt der Kontext­bildung selbst muss daher in der damit vollzo­genen Selbstdar­stellung kulmi­nieren. In der Kombi­nation von fehlen­dem Sachbe­zug und dem Fokus auf den Selbstbe­zug gehört die Kontext­bildung zu den Bekun­dungen bzw. zum bekun­denden Anteil einer Zeichen­handlung.

Der Selbstbezug von Kontext­bildun­gen muss ganz allge­mein offen­sichtlich in einer Selbstdar­stellung beste­hen, die man durch folgen­de Phrase umschrei­ben kann: ‘Sich darstel­len als jemand, dessen Aufmerk­samkeit sich expli­zit einer ande­ren Situ­ation zuwen­det’. Zwar gehört das osten­tative Zeigen spezi­fischer Spontan­reaktio­nen auf die gemein­te Situ­ation nur im Grenzfall zur Selbst­darstel­lung, doch zeigt dieser sich darin beson­ders deutlich.

Logische und empi­ri­sche Kon­text­bil­dung

Man kann sich natür­lich auch darstel­len als einer, der sich der aktu­ellen Situ­ation auf diese distan­zierte Weise zuwen­det. Aller­dings gibt es in diesem Fall einen deutli­chen Unter­schied zu ande­ren Kontext­bildun­gen: Nur im aktu­ellen Kontext ist es nämlich möglich, eine auf den Kontext bezo­gene konkre­te Propo­sition empi­risch zu über­prüfen. Die senso­moto­rischen Testrou­tinen, die mit der Unter­scheidungs­gewohn­heit asso­ziiert sind, die ihrer­seits durch die Prädi­kation der Propo­sition bestimmt wird, können auf die durch die Nomi­natio­nen der Propo­sition im Kontext iden­tifi­zierten Gegen­stände unmit­telbar ange­wendet werden und liefern so empi­rische Erkennt­nisse. Wird etwa behaup­tet, der Apfel in der entfern­ten heimi­schen Küche sei rot­backig, ist, der Entfer­nung wegen, ein Anschau­en jenes Apfels und Beur­teilen auf Rot­backig­keit nicht ohne Weite­res möglich. Wird hinge­gen behaup­tet, der Apfel hier sei rot­backig, genügt ein Blick auf den anwe­senden Apfel: Unse­re senso­moto­rische Ausstat­tung erlaubt es, die Prädi­kation zu bestä­tigen oder ihr begrün­det zu wider­sprechen.

Die distanzierte Zuwen­dung zur aktu­ellen Situ­ation ist daher eine Kontext­bildung mit empi­rischer Verge­genwär­tigung: kurz empi­rische Kontext­bildung. Ihr stehen die Kontext­bildun­gen mit ledig­lich logi­scher Verge­genwär­tigung (kurz: logi­sche Kontext­bildun­gen) gegen­über: Ohne empi­rischen Zugang kann hier die Wahrheit einer Behaup­tung rela­tiv zu dem Kontext nur kohä­renzthe­oretisch über logi­sche Kompa­tibi­lität mit ande­ren Aussa­gen über den Kontext beur­teilt werden.[4]


Piktoriale Kontext­bil­dung

Wie oben bereits erwähnt können adver­biale Ergän­zungen, die auf ein Bild verwei­sen, als Kontext­refe­renzie­rungen verwen­det werden. So mag etwa der Ausdruck ‘in Picas­sos «Les Demoi­selles d'Avig­non»’ ganz zwanglos als Kontext­bildung etwa für die Behaup­tung, dass ‘drei Frauen eine Art afri­kanische Masken tragen’, dienen. In Abwe­senheit des Bildes bleibt die Kontext­bildung aller­dings rein logisch. Ange­sichts des Bildes aber kann jene Behaup­tung als empi­risch offen­sichtlich falsch entschie­den werden. Die Vermu­tung liegt nahe, dass die Kontext­refe­renzie­rung durch den Verweis auf das Bild tatsäch­lich sekun­där gegen­über der ursprüng­liche­ren Kontext­bildung im enge­ren Sinne durch die Präsen­tation des Bildes selbst ist. In der Tat werden mit Bildern in der Regel indi­vidu­ierte Gegen­stände in einer Art gemein­samer Situ­ation darge­stellt – eine Äuße­rung, die durchaus auch für Roma­ne zutrifft, auch wenn es ansons­ten viele Unter­schiede gibt. Insbe­sonde­re handelt es sich bei der pikto­rialen Kontext­bildung im Gegen­satz zu der rein logi­schen Kontext­bildung durch einen Text um eine zumin­dest partiell empi­risch Kontext­bildung, denn die Geltung der Prädi­katio­nen von visu­ellen Merkma­len oder davon abhän­gigen ande­ren Unter­scheidun­gen können im Bildraum mehr oder weni­ger unmit­telbar über­prüft werden. Die pikto­rial vermit­telten Kontex­te erschei­nen also als partiell mit der je aktu­ellen Verhal­tenssi­tuation verschmol­zen.

Dass ‘Bildverwen­dung grundle­gend visu­ell-empi­rische Kontext­bildung im enge­ren Sinne’ sei ist daher die Kernthe­se der moda­len Bildthe­orie. Dabei ist zu berück­sichti­gen, dass die Kontex­te für verschie­dene Bildar­ten durchaus unter­schiedlich gebil­det werden.

Piktoriale Kontext­bildung bei dar­stel­len­den Bil­dern

Mit Hilfe von darstel­lenden Bildern werden in aller Regel vornehm­lich visu­elle Aspek­te mögli­cher Verhal­tenssi­tuati­onen als Kontex­te für gemein­sames sprachli­ches oder nicht-sprachli­ches Handeln zur Verfü­gung gestellt. Ana­log zur Inter­preta­tion der je aktu­ellen Erschei­nungswei­sen sorta­ler Gegen­stände im Wahrneh­mungsraum als persis­tente Indi­viduen werden auch in den durch pikto­riale Kontext­bildung in einer immer­währen­den Gegen­wart präsen­tierten Erschei­nungen Gege­benheits­weisen zeitlich-ausdau­ernder indi­vidu­eller Gegen­stände begrif­fen: Obwohl von abge­bilde­ten Gegen­ständen meist keine ande­re Gege­benheits­weisen vorlie­gen – also keine Begeg­nungen in ande­rem Kontext möglich sind – verste­hen wir sie als Gegen­stände mit Geschich­te, als Objek­te, denen wir zumin­dest im Prinzip auch in ande­ren Situ­atio­nen wieder (als densel­ben Objek­ten) begeg­nen könnten.[5]

Diese Interpretation spielt vor allem bei Abbil­dungen realer Gegen­stände eine zentra­le Rolle, etwa einem Fahndungs­foto. Gesucht wird ja nicht ein Mensch, der der Pigment­fläche des Bildträ­gers ähnelt, sondern diesem Menschen im Bildraum. Die Nomi­nation ‘dieser Mensch’ ist auf den Kontext bezo­gen, der mit dem Bild eröffnet wird.

Piktoriale Kontext­bil­dung bei trompe l'œils

Die Besonderheiten der speziel­len darstel­lenden Bilder vom Typ des trompe l'œils (oder des immer­siven Bildes) liegen nicht daran, dass bei der unre­flektier­ten Rezep­tion keine Kontext­bildung stattfin­det, da das Bild ja in dem Fall gar nicht als Bild erkannt wird. Tatsäch­lich handelt es sich vielmehr um eine zu gut gelun­gene und dadurch disfunk­tiona­le pikto­riale Kontext­bildung, die sowohl bei der Herstel­lung wie beim reflek­tierten Betrach­ten wieder als ganz norma­len visu­elle Kontext­bildung wirkt (⊳ Dezep­tiver und immer­siver Modus).

Piktoriale Kontext­bil­dung bei lo­gi­schen Bil­dern

Da mit logischen Bildern wenig­stens zum Teil etwas an sich nicht visu­ell Wahrnehm­bares präsen­tiert wird, liegt ihrer Seman­tik eine meta­phori­sche Begriffs­über­tragung vom darge­stellten Bereich in den Bereich sichtba­rer und somit bildlich direkt darstell­barer Enti­täten zugrun­de. Mithin wird eine durch pikto­riale Kontext­bildung bereit­gestell­te Verhal­tenssi­tuation als ein Modell für einen mehr oder weni­ger komple­xen nicht-visu­ellen Zusam­menhang verwen­det. Die kontext­bilden­de Funktion erwei­tert sich damit auf den an sich nicht-wahrnehm­baren Phäno­menbe­reich: Insbe­sonde­re werden auf diese Weise auch belie­bige abstrak­te Zusam­menhän­ge als eine (poten­tielle) Verhal­tenssi­tuation visu­ell erfahr­bar und inter­indi­vidu­ell empi­risch zugäng­lich (⊳ Image Schema­ta).

Piktoriale Kontext­bil­dung bei Bild­zita­ten und ande­ren refle­xiv verwen­deten Bil­dern

Reflexive Zeichenverwen­dungen sind allge­mein abge­leite­te Verwen­dungswei­sen (⊳ Bild in refle­xiver Verwen­dung). Das nun primä­re exemp­lari­sche Vorfüh­ren von Eigen­arten der jewei­ligen Zeichen­nutzung setzt insbe­sonde­re die eigent­liche pragma­tische Funktion des zitier­ten oder refle­xiv verwen­deten Zeichens außer Kraft. Das gilt ana­log auch für Bilder. Eine ursprüng­lich kontext­bilden­de Funktion wäre daher bei refle­xiv verwen­deten Bildern – sofern sie nicht gera­de das zu exem­plifi­zieren­de Merkmal darstellt – nicht mehr wirksam oder jeden­falls nicht mehr unmit­telbar wirksam. Gleichwohl steht dieser Verwen­dungszweck mit vielen ande­ren Aspek­ten des Bildge­brauchs in engem Zusam­menhang, so dass zwar die eigent­liche kontext­bilden­de Funktion aufge­hoben ist, da die Präsen­tation des Bildes nun einem ande­ren Zweck dient, aber einge­bettet in dieser Exemp­lifi­kation gleichwohl ein zentra­ler Faktor bleibt.

Piktoriale Kontext­bildung bei un­gegen­ständ­lichen Bil­dern

Der fehlende Verweis auf räumli­che Gegen­stände im übli­chen (sorta­len) Sinn setzt bei un­gegen­ständli­chen Bildern zunächst den Mecha­nismus außer Kraft, der den Bildraum als visu­ell wahrge­nomme­ne Verhal­tenssi­tuation etab­liert. Daher erscheint es auf den ersten Blick unplau­sibel, auch bei dieser Art von Bildern von Kontext­bildung als ihrer pragma­tischen Grundfunk­tion auszu­gehen.

Allerdings können ungegen­ständli­che Bilder sehr gut als refle­xiv genutz­te Bilder mit nega­tiver Exemp­lifika­tion begrif­fen werden, so dass ihr Verwen­dungszweck einer­seits (infol­ge der refle­xiven Verwen­dung) ohne­hin von der grundle­genden Verwen­dung von Bildern abge­setzt wäre und mehr im Exem­plifi­zieren von Aspek­ten der Bildver­wendung besteht, nicht in der Kontext­bildung. Ande­rerseits betrifft die nega­tive Exemp­lifi­kation bei ihnen gera­de auch die nicht funkti­onie­rende Kontext­bildungs­fähig­keit, die damit wiede­rum ex nega­tivo als typisch für Bilder im Normal­fall bestä­tigt wäre.


Primäre Kontext­bil­dung

In anthro­polo­gischen Bildthe­orien geht es vor allem darum, die Rolle der Fähig­keit, Bilder verwen­den zu können, in den Rahmen der diffe­rentiae speci­ficae philo­sophi­scher Menschen­begrif­fe einzu­ordnen. Aus Sicht der moda­len Bildthe­orie ist daher vor allem zu klären, ob und auf welche Weise die Bildkom­petenz bereits beim Über­gang zum Begriff eines Wesens mit der Fähig­keit zur Kontext­bildung – der primä­ren Kontext­bildung – eine syste­mati­sche Funktion über­nimmt.

In der Tat lassen sich gute Gründe dafür anfüh­ren, dass sich eine primä­re Kontext­bildung nicht rati­onal konzi­pieren lässt ohne die Verwen­dung mindes­tens einer Art wahrneh­mungsna­her Zeichen zu berück­sichti­gen, die als inter­indi­vidu­ell verfüg­bare Grundla­ge für die empi­rische Veran­kerung der Refe­renzfunk­tion propo­sitio­naler Sprache dient ([Schirra & Sachs-Hombach 2006b]Schirra Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2006): Fähigkeiten zum Bild- und Sprachgebrauch . Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 54, 6.
Webadresse: www.jrjs.de/Work/Papers/P06/P06-5/index.html
, [Schirra & Sachs-Hombach 2011a]Schirra Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2011): Anthropologie in der systematischen Bildwissenschaft: Auf der Spur des homo pictor. In: Meyer, S. & Owzar, A. (Hg.), Disziplinen der Anthropologie. Waxmann, Münster.
Webadresse: www.jrjs.de/Work/Papers/P11/P11-1/index.html
und [Schirra & Sachs-Hombach 2013a]Schirra, Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2013): The Anthropological Function of Pictures. In: Sachs-Hombach, K. & Schirra, J.R.J. (Hg.), Origins of Pictures. Anthropological Discourses in Image Science. Halem, Köln.
). Die empi­risch-kontext­bilden­de Funktion dieser Prä-Bilder kann gleichwohl nur über eine damit verschal­tete verba­le (d.i. logi­sche) Kontext­bildung stabi­lisiert werden: Bildkom­petenz und Sprachkom­petenz gelten daher als gleichur­sprünglich und logisch von­einan­der abhän­gig. Im Zentrum dieser Abhän­gigkeit steht der Zusam­menhang zwischen dem Begriff »menta­les Bild« und der Situ­ation der primä­ren Kontext­bildung (⊳ Logi­sche Kontext­bildung und menta­le Bilder).

Anmerkungen
  1. ↑ Aus­sa­gen mit Iden­ti­täts­sät­zen sind ty­pi­sche Bei­spie­le für Zei­chen­hand­lun­gen mit ei­nem Sach­be­zug, der Ge­gen­stän­de in ver­schie­de­nen Ge­ge­ben­heits­wei­sen – d.h. aus un­ter­schied­li­chen Kon­tex­ten – be­trifft. Wie Fre­ges Ana­ly­se klar ge­macht hat, sind Äuße­run­gen mit Sät­zen wie ‘Der Mor­gen­stern ist (iden­tisch mit dem) der Abend­stern’ nur dann sinn­voll (sprich: in­for­ma­tiv), wenn die be­haup­te­te Iden­ti­tät nicht be­reits aus dem Ver­ste­hen der No­mi­na­ti­o­nen ana­ly­tisch folgt. In­for­ma­tiv ist dann, dass ‘Mor­gen­stern’ und ‘Abend­stern’ – als zwei in ver­schie­de­nen (Klas­sen von) Kon­tex­ten (näm­lich ein­mal nur ‘mor­gens’ und ein­mal nur ‘abends’) auf­tre­ten­de Ge­gen­stän­de – als As­pek­te des­sel­ben sor­ta­len Ge­gen­stand (‘Pla­net Ve­nus’) be­trach­tet wer­den sol­len; vgl. [Frege 1892a]Frege, Gottlob (1892): Über Sinn und Bedeutung. Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, 100.
    Webadresse: www.gavagai.de/HHP31.htm
    .
  2. ↑ Der Be­griff des Kon­tex­tes geht über Fau­con­niers Be­griff des men­ta­len Raums ins­be­son­de­re in der Hin­sicht hin­aus, dass Kon­tex­te auf die Ver­hal­tens­mög­lich­kei­ten des be­trach­te­ten We­sens in der kon­tex­tu­el­len Si­tu­a­ti­on be­zo­gen sind. Kon­text­bil­dung er­öff­net ent­spre­chend über den Be­griff »space buil­der« hin­aus die Per­spek­ti­ve auf ge­mein­schaft­lich er­wei­ter­te Hand­lungs­spiel­räu­me mit Be­zug auf an­de­re Si­tu­a­ti­o­nen.
  3. ↑ Da No­mi­na­ti­o­nen im­mer nur re­la­tiv zu ei­nem als be­kannt vo­r­aus­ge­setz­ten Kon­text funk­ti­o­nie­ren, kön­nen zu­min­dest Kenn­zeich­nun­gen eben­falls als im­pli­zi­te, wenn auch in der Re­gel sehr va­ge Kon­text­re­fe­ren­zie­run­gen ver­wen­det wer­den, so­fern we­der die Äu­ße­rungs­si­tu­a­ti­on noch ein an­de­rer bis­lang ein­ge­führ­ter Kon­text als Be­zug wahr­schein­lich ist (d.h. wenn kein Ge­gen­stand des ent­spre­chen­den Typs dort vor­han­den ist). Bei­spiels­wei­se könn­te im ak­tu­el­len Kon­text plötz­lich von ‘dem Kö­nig von Ku­les­tra’ die Re­de sein. In ei­nem sol­chen Fall wird – als Aus­gangs­punkt für wei­te­re in­for­ma­ti­ve Äu­ße­run­gen bzw. Äu­ße­rungs­tei­le – ein neu­tra­ler, d.h. weit­ge­hend un­spe­zi­fi­scher Kon­text mit ei­nem (pro­to-)ty­pi­schen Ex­em­p­lar der an­ge­ge­be­nen Art er­öff­net, mit­samt dem für Auf­tre­ten die­ser Ge­gen­stän­de ty­pi­schen Um­feld. Die­ser Kon­text dient dann u.a. als Hin­ter­grund für Prä­sup­po­si­ti­o­nen zu und Schluss­fol­ge­run­gen über das Mit­ge­teil­te.
  4. ↑ Die Un­ter­schei­dung von lo­gi­scher und em­pi­ri­scher Kon­text­bil­dung mo­di­fi­ziert ei­nen As­pekt der Ge­gen­über­stel­lung von di­e­ge­sis und mi­me­sis aus Pla­tons «Staat» bzw. Aris­to­te­les' «Poe­tik»; ⊳ Mi­me­sis; ⊳ Kon­text: Kon­text und Di­e­ge­se; vgl. Wi­ki­pe­dia: Di­e­ge­sis.
  5. ↑ Die Ver­wen­dung dar­stel­len­der Bil­der, etwa in Be­die­nungs­an­lei­tun­gen, wä­re an­sons­ten nicht nach­voll­zieh­bar.
Literatur
[Fauconnier 1985a]Fauconnier, Gilles (1985): Mental Spaces. Aspects of Meaning Construction in Natural Language. MIT Press, Cambridge, MA.[Frege 1892a]Frege, Gottlob (1892): Über Sinn und Bedeutung. Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, 100.[Schirra & Sachs-Hombach 2006b]Schirra Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2006): Fähigkeiten zum Bild- und Sprachgebrauch . Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 54, 6.[Schirra & Sachs-Hombach 2011a]Schirra Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2011): Anthropologie in der systematischen Bildwissenschaft: Auf der Spur des homo pictor. In: Meyer, S. & Owzar, A. (Hg.), Disziplinen der Anthropologie. Waxmann, Münster.[Schirra & Sachs-Hombach 2013a]Schirra, Jörg R.J. & Sachs-Hombach, Klaus (2013): The Anthropological Function of Pictures. In: Sachs-Hombach, K. & Schirra, J.R.J. (Hg.), Origins of Pictures. Anthropological Discourses in Image Science. Halem, Köln.

Ausgabe 1: 2013

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Zitierhinweis:

Schirra, Jörg R.J. (2013). Kontextbildung. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Kontextbildung].