Authentizität: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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==Begriffsbestim&shy;mung==
Der Ausdruck ‘Authentizität’ geht auf das grie&shy;chische ‘authen&shy;tikos’ (Ur&shy;heber) wie auch auf das latei&shy;nische ‘authen&shy;ticum’ ([[Original|Ori&shy;ginal]]) zurück und wird gemein&shy;hin als die ‹Echt&shy;heit, Ori&shy;gina&shy;lität, Verbürg&shy;theit und der Gültig&shy;keits- und Wahr&shy;heits&shy;anspruch einer Sache› verstan&shy;den. Wichti&shy;ge Oppo&shy;sitions&shy;paare erge&shy;ben sich mit der [[Replika, Faksimile und Kopie|Kopie]] (das latei&shy;nische ‘exem&shy;plarium’ als Gegen&shy;stück zum ‘authen&shy;ticum’), dem Plagiat oder der Fäl&shy;schung sowie auch der Insze&shy;nierung (vgl. <bib id='Röttgers & Fabian 1971a'></bib>).
:
»Authentizität« ist als ein Schlüssel&shy;begriff der abend&shy;ländi&shy;schen Kultur&shy;geschich&shy;te zu verste&shy;hen und in vielen wissen&shy;schaftli&shy;chen Diszi&shy;plinen (u.a. Psycho&shy;logie, Rheto&shy;rik, Kultur&shy;wissen&shy;schaften, maß&shy;geb&shy;lich in der Philo&shy;sophie etwa bei Heideg&shy;ger und Sartre) ein häufig bemüh&shy;ter Begriff, wobei sich auch die unter&shy;schied&shy;lichen diszi&shy;plinären Frage&shy;stellun&shy;gen un&shy;weiger&shy;lich in die jewei&shy;lige Begriffs&shy;verwen&shy;dung einge&shy;schrieben haben.
:


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
==‘Authentizität’ im bildwissen&shy;schaft&shy;lichen Dis&shy;kurs==
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
Im bildwissenschaftlichen Diskurs wird der Begriff der Authen&shy;tizi&shy;tät letzt&shy;lich für zwei Problem&shy;berei&shy;che hinzu&shy;gezo&shy;gen, die nur eine gerin&shy;ge Schnitt&shy;menge aufwei&shy;sen. Die Frage, wann ein Bild authen&shy;tisch ist, wird in der bildbe&shy;zoge&shy;nen Forschung, dem oben ange&shy;deute&shy;ten seman&shy;tischen Spiel&shy;raum des Termi&shy;nus ‘Authen&shy;tizi&shy;tät’ gemäß, auf zweier&shy;lei Art beant&shy;wortet: (a) im Hin&shy;blick auf den Urhe&shy;ber und (b) im Hin&shy;blick auf den Bild&shy;inhalt, die Bild&shy;bedeu&shy;tung.
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
: '''(a)''' Bei der Frage nach dem ''Urhe&shy;ber'' (allge&shy;meiner: dem ''Ur&shy;sprung'') des Bildes ist die Origi&shy;nali&shy;tät das aus&shy;schlag&shy;geben&shy;de Krite&shy;rium für dessen Authen&shy;tizi&shy;tät.
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
:
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
::''Ein Gemälde ist insofern authen&shy;tisch, als es auf einen ''Autor'', auf einen Künstler oder eine Künstle&shy;rin zurück&shy;geführt werden kann. Bereits durch die Repro&shy;duktion des Originals verliert das Bild ein Stück seiner Authen&shy;tizi&shy;tät.“ (<bib id='Knieper & Müller 2003a'></bib>: S. 7)
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->
:
:In diesem Sinne kann man von einem authen&shy;tischen Gemäl&shy;de Picas&shy;sos, Rem&shy;brandts oder Brueghels sprechen, wenn außer Frage steht, dass das vor&shy;liegen&shy;de Exem&shy;plar tatsäch&shy;lich von der ent&shy;sprechen&shy;den histo&shy;rischen Person verfer&shy;tigt wurde. Diese Form der Authen&shy;tizi&shy;tät wird in Walter Benja&shy;mins Aufsatz «Das Kunst&shy;werk im Zeit&shy;alter seiner tech&shy;nischen Repro&shy;duzier&shy;barkeit» pro&shy;blema&shy;tisiert. Benja&shy;min spricht hier von einem Ver&shy;lust der ''Aura'', den ein Gemäl&shy;de im Zuge seiner techni&shy;schen Repro&shy;duktion (Kopie) erfah&shy;re (vgl. <bib id='Benjamin 1939a'>Benja&shy;min 1939a</bib>). Die Authen&shy;tizi&shy;tät dieser Bilder wird an der Ur&shy;heber&shy;schaft fest&shy;gemacht, jedoch weni&shy;ger nach ihrem seman&shy;tischen Sinn bzw. ihrer Botschaft. Gleicher&shy;maßen bezie&shy;hen die soge&shy;nannten ''acheiro&shy;poieti&shy;schen'' Bilder (d.h. die nicht von Menschen&shy;hand gefer&shy;tigten Bilder; ⊳ [["natürliche" Bilder|“natür&shy;liche” Bilder]]), wie z.B. das «Schweiß&shy;tuch der Vero&shy;nika», ihre Authen&shy;tizi&shy;tät von der beson&shy;deren Auto&shy;rität ihrer Verfer&shy;tigung (im Falle des Suda&shy;riums also von Gott selbst).
: '''(b)''' Im Hinblick auf den ''[[Bildinhalt|Bild&shy;inhalt]]'' muss der Begriff der Authen&shy;tizi&shy;tät zunächst para&shy;dox anmu&shy;ten. Denn der Betrach&shy;ter eines Bildes ist – wie jeder Rezi&shy;pient eines kommu&shy;nika&shy;tiven Arte&shy;fakts – nie mit einer Sache selbst, d.h. dem echten, realen [[Proposition|Sach&shy;verhalt]], konfron&shy;tiert, sondern immer nur mit [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]], die per defini&shy;tionem in stell&shy;vertre&shy;tender Funktion stehen. Damit scheint die Frage nach einem authen&shy;tischen Bild zu einer „Chimä&shy;re, eine[r] Fiktion“ (<bib id='Wortmann 2003a'>Wort&shy;mann 2003a</bib>: S. 13) zu werden:
:
::''Die Frage nach Echt&shy;heit oder Betrug im medi&shy;alen Gesche&shy;hen ist nichts ande&shy;res als eine neue Schattie&shy;rung im Versuch der Über&shy;windung der Media&shy;lität, es geht hier um ein apore&shy;tisches ''Verhält&shy;nis von Dar&shy;stellungs&shy;unab&shy;hängig&shy;keit und Darstel&shy;lung'' – auch die authen&shy;tischen Zeichen lassen sich nur para&shy;dox defi&shy;nieren als nicht herge&shy;stellte Fabri&shy;katio&shy;nen.'' (<bib id='Andree 2006a'></bib>: S. 437f.)
:
:Aus diesem Grund ist die Ver&shy;wendung des Attri&shy;buts ‘authen&shy;tisch’ in diesem Zu&shy;sammen&shy;hang als meta&shy;phorisch einzu&shy;stufen. Gemeint ist mit ihm letzt&shy;lich die kom&shy;muni&shy;kati&shy;ve Auf&shy;richtig&shy;keits&shy;behaup&shy;tung im Sinne der Grice&shy;schen Maxi&shy;me der »Wahr&shy;heit« des Koope&shy;rations&shy;prinzips (vgl. <bib id='Grice 1970a'></bib>).<ref>Sie&shy;he aber auch den Ab&shy;schnitt&#8203; [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug#Wahrhaftigkeit und Wahr&shy;heit|«Wahr&shy;haf&shy;tig&shy;keit und Wahr&shy;heit»&#8203; von&#8203; «In&shy;ter&shy;ak&shy;ti&shy;ons-, Selbst- und Sach&shy;be&shy;zug»]].</ref>
:
::''Die Programmatik der Authen&shy;tizi&shy;tät gestat&shy;tet der Kom&shy;muni&shy;kation also, sich im fort&shy;laufen&shy;den Kommu&shy;nika&shy;tions&shy;ge&shy;schehen immer wieder aufs neue zu verge&shy;wissern, daß sie es mit ''echten'' und ''ernst&shy;zuneh&shy;menden'' Opera&shy;tionen zu tun hat.'' (<bib id='Andree 2006a'></bib>: S. 438).
:
:Ein Bild wäre in diesem Sinne genau dann authen&shy;tisch, wenn damit ange&shy;geben ist, dass es einen realen Sach&shy;verhalt wahrheits&shy;gemäß, unver&shy;fälscht und genau abbil&shy;det, womit auch die [[Mimesis|Mime&shy;sis]] als ein zentra&shy;ler Ter&shy;minus aufge&shy;rufen ist.
:
::''Authen&shy;tizität bezieht sich dabei auf eine Über&shy;ein&shy;stimmung einer Auf&shy;nahme [= eines Bildes, T. S.] mit der Rea&shy;lität.'' (<bib id='Grittmann 2003a'>Gritt&shy;mann 2003a</bib>: S. 124)
:
Die für die Authentizität entschei&shy;dende Frage lautet dann, wie die beiden Aspek&shy;te der Ori&shy;gina&shy;lität und der Reali&shy;täts&shy;treue in der [[Interaktion und Kommunikation|Kom&shy;mun&shy;ika&shy;tion]] mit Bildern aufge&shy;rufen werden können. Es geht also um die kom&shy;muni&shy;kati&shy;ven Formen der Authen&shy;tifizie&shy;rung.




 
==Formen der Bild-&#8203;Authen&shy;tifi&shy;zierung==
 
Systematisch lassen sich (a) extrin&shy;sische (durch Zu&shy;schrei&shy;bungen von außen) und (b) intrin&shy;sische (durch das Bild selbst hervor&shy;gebrach&shy;te) Formen der Bild-&#8203;Authen&shy;tifi&shy;zierung unter&shy;scheiden. In den meisten Fällen sind mehre&shy;re Formen der Bild&shy;authen&shy;tifi&shy;zierung aufzu&shy;finden (also sowohl extrin&shy;sische als auch intrin&shy;sische).
=====Engere Begriffsbestimmung=====
: '''(a)''' Extrinsische Formen der Authen&shy;tifi&shy;zierung erfol&shy;gen durch dem Bild beige&shy;ordne&shy;te Tex&shy;turen (z.B. durch Para&shy;texte) oder durch bestimm&shy;te Attri&shy;butio&shy;nen an das Medium, mit dem ein Bild erzeugt wurde. Hier lassen sich maß&shy;geblich drei Formen der Authen&shy;tifi&shy;zierung unter&shy;scheiden:
 
:: '''1.''' ''Bestätigung der Urheber&shy;schaft und des Ur&shy;sprungs durch eine Auto&shy;rität'': Das Bild wird einem ein&shy;deuti&shy;gen Ur&shy;sprung zuge&shy;ordnet und damit zu einem Ori&shy;ginal (''authen&shy;ticum'') erho&shy;ben. Bei&shy;spiele hier&shy;für wären das reli&shy;giöse Narra&shy;tiv zum ''Acheiro&shy;poeitos'' (etwa dem «Schweiß&shy;tuch der Vero&shy;nika») oder der Kunst&shy;exper&shy;te, der zerti&shy;fiziert, dass ein Bild von einem bestimm&shy;ten Maler ange&shy;fertigt wurde.
<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
:: '''2.''' ''Bestätigung des Bildinhalts durch eine Auto&shy;rität'': Der Rea&shy;litäts&shy;bezug einer Dar&shy;stellung wird bestä&shy;tigt, die Bot&shy;schaft des Bildes veri&shy;fiziert und zu einer authen&shy;tischen Dar&shy;stellung eines realen Sach&shy;verhalts erho&shy;ben. Ein promi&shy;nentes Bei&shy;spiel findet sich bei Francis&shy;co de Goya in seinem Zyklus «Los Desas&shy;tres de la Guerra». Goya setzt unter ein Bild die Bild&shy;unter&shy;schrift „Das ist die Wahr&shy;heit“, unter ein ande&shy;res „Ich habe es gese&shy;hen.“ (vgl. <bib id='Sontag 2003a'></bib>). Iden&shy;tische Mecha&shy;nismen greifen auch bei der Presse&shy;foto&shy;grafie, in der sowohl das Publi&shy;kations&shy;organ als auch die die Bilder beglei&shy;tenden Texte (etwa eine Repor&shy;tage, die Bild&shy;unter&shy;schrift), die in der Regel von einer sach&shy;kompe&shy;tenten Person (bis&shy;weilen auch vom Foto&shy;grafen selbst) verfasst wurden, bestä&shy;tigen, dass das Bild einen realen Sach&shy;verhalt wahr&shy;heits&shy;gemäß zeigt.<ref>Glei&shy;cher&shy;ma&shy;ßen au&shy;then&shy;ti&shy;fi&shy;zie&shy;ren die&shy;se Bil&shy;der aber auch re&shy;zi&shy;prok die ih&shy;nen bei&shy;ge&shy;ord&shy;ne&shy;ten Tex&shy;te.</ref>
 
:: '''3.''' ''Authentifizierung durch kultu&shy;relle Zu&shy;schrei&shy;bungs&shy;prak&shy;tiken, die sich maß&shy;geblich auf das Medium bezie&shy;hen, auf dem ein Bild gespei&shy;chert ist'': Das markan&shy;teste Bei&shy;spiel wäre die [[Fotografie|Foto&shy;grafie]], bei der die medi&shy;alen Um&shy;stände ihrer Gene&shy;se, der Um&shy;stand, dass hier ein chemisch-&#8203;mecha&shy;nischer bzw. elek&shy;tro-&#8203;mecha&shy;nischer Prozess invol&shy;viert ist, oft als Authen&shy;tizi&shy;tätsga&shy;rant ver&shy;standen werden bzw. wurden. Hier geht es weni&shy;ger um die Frage, ob z.B. Foto&shy;grafien authen&shy;tische Bilder sind, sondern allein darum, dass es eine kultu&shy;relle Praxis gibt, die Bilder auf&shy;grund ihrer medi&shy;alen Gene&shy;se als ''authen&shy;tische Arte&shy;fakte'' begreift (vgl. <bib id='Bazin 2009a'></bib>). Was das Bild dabei zeigt oder wer es gemacht hat, ist hier von sekun&shy;därer Bedeu&shy;tung.
 
: '''(b)''' Die intrinsischen Formen der Authen&shy;tifi&shy;zierung lassen sich entlang der Achsen »Bild&shy;inhalt« (das, was ein Bild zeigt) und »Sicht&shy;weise« (die Art und Weise, wie ein Bild etwas zeigt) unter&shy;scheiden (zum Begriff der [[Perspektivik|Sicht&shy;weise]] vgl. <bib id='Wiesing 2007a'></bib>).
=====optional Beispiele=====
:: '''1.''' Die Authentifi&shy;zierung über den ''Bild&shy;inhalt'' ist bezeich&shy;nender&shy;weise die schwächste und proble&shy;matisch&shy;ste Form der Authen&shy;tifi&shy;zierung, denn per se sagt der seman&shy;tische Gehalt einer Äuße&shy;rung nichts über ihren Wahr&shy;heits&shy;status aus. Deswe&shy;gen ist die Authen&shy;tifi&shy;zierung durch den Bild&shy;inhalt eine hoch&shy;gradig pragma&shy;tische Ange&shy;legen&shy;heit, bei der u.a. das Wissen des Adres&shy;saten, an den das Bild gerich&shy;tet ist, eine zentra&shy;le Rolle spielt. Ob also eine Dar&shy;stellung, beispiels&shy;weise eines Krieges, vom Adres&shy;saten als authen&shy;tisch ange&shy;nommen wird, hängt zu einem großen Teil von der Frage ab, ob ihm diese Dar&shy;stellung auf&shy;grund seines Wissens um diesen Krieg als wahr&shy;schein&shy;lich oder aber als tenden&shy;ziös und propa&shy;gandis&shy;tisch erscheint. Dass sich aber der Bild&shy;inhalt trotz seiner hoch&shy;gradi&shy;gen Diskur&shy;sivi&shy;tät bzw. His&shy;tori&shy;zität als ein wichti&shy;ges Krite&shy;rium hin&shy;sicht&shy;lich der Frage der Authen&shy;tizi&shy;tätsatt&shy;ribu&shy;tion zu erken&shy;nen gibt wird ersicht&shy;lich, wenn man sich vor Augen führt, dass beispiels&shy;weise die Epo&shy;che des Realis&shy;mus in der Male&shy;rei sowohl durch einen eigen&shy;ständi&shy;gen [[Stil]] als auch nicht weni&shy;ger wesent&shy;lich durch eine bestimm&shy;te Wahl des Sujets gekenn&shy;zeichnet ist. Realis&shy;tische, wirk&shy;lich&shy;keits&shy;getreue Dar&shy;stellung hat dem&shy;nach gleicher&shy;maßen etwas damit zu tun, was auf einem Bild zu sehen ist, auch wenn eine dem&shy;ent&shy;sprechen&shy;de Authen&shy;tifi&shy;zierung äußerst [[Kontext|kontext&shy;affin]] ist und eine Aus&shy;einan&shy;der&shy;setzung mit den Vor&shy;stellun&shy;gen des Adres&shy;saten verlangt. Authen&shy;tisch wäre dann, was als glaub&shy;würdig und wahr&shy;schein&shy;lich erscheint.
 
:: '''2.''' Klarere, wenn auch nicht minder flüchti&shy;ge Krite&shy;rien lassen sich für die ''Sicht&shy;weise'', den bestimm&shy;ten Modus der Dar&shy;stellung beschrei&shy;ben. „Authen&shy;tische Dar&shy;stellung ist [...] vor allem ästhe&shy;tisches Format, das den Gestalt&shy;charak&shy;ter der Dar&shy;stellung durch Gestal&shy;tung zu verber&shy;gen versucht und ande&shy;rer&shy;seits ohne Gestal&shy;tung von Authen&shy;tizi&shy;tät nichts weiß.“ (<bib id='Wortmann 2003a'></bib>: S. 13). Exem&shy;pla&shy;risch wurde bereits der [[Malerei|male&shy;rische]] Rea&shy;lismus genannt, bei dem es auch entschei&shy;dend darum geht, durch einen bestimm&shy;ten Stil den Wahr&shy;heits&shy;gehalt der Dar&shy;stellung zu unter&shy;mauern. Ähnli&shy;che Bemü&shy;hungen lassen sich immer wieder in der Kunst&shy;geschich&shy;te beob&shy;achten (u a. im Na&shy;tura&shy;lismus oder Foto&shy;realis&shy;mus, aber auch im Bemü&shy;hen um [[Perspektive und Projektion|Perspek&shy;tive]] in der Male&shy;rei der Renais&shy;sance usw.). Ziel dieser Dar&shy;stellungs&shy;modi ist zwar augen&shy;schein&shy;lich die Treue zur Vor&shy;lage zu maxi&shy;mieren, also die Vor&shy;lage möglichst präzi&shy;se wieder&shy;zuge&shy;ben; klar ist aber, dass all diese Dar&shy;stellungs&shy;weisen auf entschei&shy;dende Weise diskur&shy;siv entste&shy;hen und als konven&shy;tionell einzu&shy;stufen sind. Der Dar&shy;stellungs&shy;stil des Realis&shy;mus erscheint uns in einer Zeit des Foto&shy;realis&shy;mus weni&shy;ger präzi&shy;se und damit weni&shy;ger authen&shy;tisch, als er den Betrach&shy;tern im 19. Jahrhun&shy;dert vorge&shy;kommen sein muss. Eine immer wieder promi&shy;nente Funktion kommt dem defi&shy;zienten Bild zu. Defi&shy;ziente Bilder weisen in der Regel struktu&shy;relle ''Defek&shy;te'' auf, die den spezi&shy;fischen Umstän&shy;den der Bild&shy;ent&shy;stehung zuge&shy;schrieben werden, welche wiederum die Funktion der Authen&shy;tifi&shy;zierung über&shy;nehmen (für die Foto&shy;grafie vgl. dazu <bib id='Susanka 2012a'>Susan&shy;ka 2012a</bib>; ⊳ [[syntaktisch unkorrekte Bilder|syntak&shy;tisch unkor&shy;rekte Bilder]]).
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{{GlossarSiehe}}
 
* [[Affekt und Kommunikation]]
=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
* [[Bildhandeln]]
 
* [[Bildherstellung]]
<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
* [[Bildinhalt]]
 
* [[Bildpragmatik]]
* [[Bildrhetorik]]
* [[Fotografie]]
* [[Interaktion und Kommunikation]]
* [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug]]
* [[Kontext]]
* [[Original]]
* [[Perspektive und Projektion]]
* [[Replika, Faksimile und Kopie]]
* [[Malerei]]
* [["natürliche" Bilder]]
* [[Naturalismus und Realismus]]
* [[Proposition]]
* [[Stil]]
* [[syntaktisch unkorrekte Bilder]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]
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''Ausgabe 1: 2013''
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* [[Benutzer:Thomas Susanka|Susanka, Thomas]]
[[Benutzer:XXX]]
 
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''Lektorat:''
 
* [[Benutzer:Mark A. Halawa|Halawa, Mark]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildpragmatik


Begriffsbestim­mung

Der Ausdruck ‘Authentizität’ geht auf das grie­chische ‘authen­tikos’ (Ur­heber) wie auch auf das latei­nische ‘authen­ticum’ (Ori­ginal) zurück und wird gemein­hin als die ‹Echt­heit, Ori­gina­lität, Verbürg­theit und der Gültig­keits- und Wahr­heits­anspruch einer Sache› verstan­den. Wichti­ge Oppo­sitions­paare erge­ben sich mit der Kopie (das latei­nische ‘exem­plarium’ als Gegen­stück zum ‘authen­ticum’), dem Plagiat oder der Fäl­schung sowie auch der Insze­nierung (vgl. [Röttgers & Fabian 1971a]Röttgers, K. & Fabian, R. (1971): Authentisch. In: Ritter, J. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 1. A-C. Wissenschaftl. Buchges., Darmstadt.
).

»Authentizität« ist als ein Schlüssel­begriff der abend­ländi­schen Kultur­geschich­te zu verste­hen und in vielen wissen­schaftli­chen Diszi­plinen (u.a. Psycho­logie, Rheto­rik, Kultur­wissen­schaften, maß­geb­lich in der Philo­sophie etwa bei Heideg­ger und Sartre) ein häufig bemüh­ter Begriff, wobei sich auch die unter­schied­lichen diszi­plinären Frage­stellun­gen un­weiger­lich in die jewei­lige Begriffs­verwen­dung einge­schrieben haben.


‘Authentizität’ im bildwissen­schaft­lichen Dis­kurs

Im bildwissenschaftlichen Diskurs wird der Begriff der Authen­tizi­tät letzt­lich für zwei Problem­berei­che hinzu­gezo­gen, die nur eine gerin­ge Schnitt­menge aufwei­sen. Die Frage, wann ein Bild authen­tisch ist, wird in der bildbe­zoge­nen Forschung, dem oben ange­deute­ten seman­tischen Spiel­raum des Termi­nus ‘Authen­tizi­tät’ gemäß, auf zweier­lei Art beant­wortet: (a) im Hin­blick auf den Urhe­ber und (b) im Hin­blick auf den Bild­inhalt, die Bild­bedeu­tung.

(a) Bei der Frage nach dem Urhe­ber (allge­meiner: dem Ur­sprung) des Bildes ist die Origi­nali­tät das aus­schlag­geben­de Krite­rium für dessen Authen­tizi­tät.
Ein Gemälde ist insofern authen­tisch, als es auf einen Autor, auf einen Künstler oder eine Künstle­rin zurück­geführt werden kann. Bereits durch die Repro­duktion des Originals verliert das Bild ein Stück seiner Authen­tizi­tät.“ ([Knieper & Müller 2003a]Knieper, Thomas & Müller, Marion G. (2007): Vorwort. In: Knieper, T. & Müller, M. G. (Hg.), Authentizität und Inszenierung von Bilderwelten. Halem, Köln.
: S. 7)
In diesem Sinne kann man von einem authen­tischen Gemäl­de Picas­sos, Rem­brandts oder Brueghels sprechen, wenn außer Frage steht, dass das vor­liegen­de Exem­plar tatsäch­lich von der ent­sprechen­den histo­rischen Person verfer­tigt wurde. Diese Form der Authen­tizi­tät wird in Walter Benja­mins Aufsatz «Das Kunst­werk im Zeit­alter seiner tech­nischen Repro­duzier­barkeit» pro­blema­tisiert. Benja­min spricht hier von einem Ver­lust der Aura, den ein Gemäl­de im Zuge seiner techni­schen Repro­duktion (Kopie) erfah­re (vgl. [Benjamin 1939a]Benjamin, Walter (2002): Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. In: Schöttker, D. (Hg.), Walter Benjamin: Medienästhetische Schriften. Suhrkamp , Frankfurt/M.
Notiz: dritte, autorisierte letzte Fassung, 1939
). Die Authen­tizi­tät dieser Bilder wird an der Ur­heber­schaft fest­gemacht, jedoch weni­ger nach ihrem seman­tischen Sinn bzw. ihrer Botschaft. Gleicher­maßen bezie­hen die soge­nannten acheiro­poieti­schen Bilder (d.h. die nicht von Menschen­hand gefer­tigten Bilder; ⊳ “natür­liche” Bilder), wie z.B. das «Schweiß­tuch der Vero­nika», ihre Authen­tizi­tät von der beson­deren Auto­rität ihrer Verfer­tigung (im Falle des Suda­riums also von Gott selbst).
(b) Im Hinblick auf den Bild­inhalt muss der Begriff der Authen­tizi­tät zunächst para­dox anmu­ten. Denn der Betrach­ter eines Bildes ist – wie jeder Rezi­pient eines kommu­nika­tiven Arte­fakts – nie mit einer Sache selbst, d.h. dem echten, realen Sach­verhalt, konfron­tiert, sondern immer nur mit Zeichen, die per defini­tionem in stell­vertre­tender Funktion stehen. Damit scheint die Frage nach einem authen­tischen Bild zu einer „Chimä­re, eine[r] Fiktion“ ([Wortmann 2003a]Wortmann, Volker (2003): Authentisches Bild und authentisierende Form. Halem, Köln.
: S. 13) zu werden:
Die Frage nach Echt­heit oder Betrug im medi­alen Gesche­hen ist nichts ande­res als eine neue Schattie­rung im Versuch der Über­windung der Media­lität, es geht hier um ein apore­tisches Verhält­nis von Dar­stellungs­unab­hängig­keit und Darstel­lung – auch die authen­tischen Zeichen lassen sich nur para­dox defi­nieren als nicht herge­stellte Fabri­katio­nen. ([Andree 2006a]Andree, Martin (2006): Archäologie der Medienwirkung. Faszinationstypen von der Antike bis heute. Fink, München.
: S. 437f.)
Aus diesem Grund ist die Ver­wendung des Attri­buts ‘authen­tisch’ in diesem Zu­sammen­hang als meta­phorisch einzu­stufen. Gemeint ist mit ihm letzt­lich die kom­muni­kati­ve Auf­richtig­keits­behaup­tung im Sinne der Grice­schen Maxi­me der »Wahr­heit« des Koope­rations­prinzips (vgl. [Grice 1970a]Grice, Herbert Paul (1970): Logic and Conversation. Harvard University Press, Cambridge.
).[1]
Die Programmatik der Authen­tizi­tät gestat­tet der Kom­muni­kation also, sich im fort­laufen­den Kommu­nika­tions­ge­schehen immer wieder aufs neue zu verge­wissern, daß sie es mit echten und ernst­zuneh­menden Opera­tionen zu tun hat. ([Andree 2006a]Andree, Martin (2006): Archäologie der Medienwirkung. Faszinationstypen von der Antike bis heute. Fink, München.
: S. 438).
Ein Bild wäre in diesem Sinne genau dann authen­tisch, wenn damit ange­geben ist, dass es einen realen Sach­verhalt wahrheits­gemäß, unver­fälscht und genau abbil­det, womit auch die Mime­sis als ein zentra­ler Ter­minus aufge­rufen ist.
Authen­tizität bezieht sich dabei auf eine Über­ein­stimmung einer Auf­nahme [= eines Bildes, T. S.] mit der Rea­lität. ([Grittmann 2003a]Grittmann, Elke (2003): Die Konstruktion von Authentizität. Was ist echt an den Pressefotos im Informationsjournalismus?. In: Knieper, T. & Müller, M. (Hg.), Authentizität und Inszenierung von Bilderwelten. Halem, Köln.
: S. 124)

Die für die Authentizität entschei­dende Frage lautet dann, wie die beiden Aspek­te der Ori­gina­lität und der Reali­täts­treue in der Kom­mun­ika­tion mit Bildern aufge­rufen werden können. Es geht also um die kom­muni­kati­ven Formen der Authen­tifizie­rung.


Formen der Bild-​Authen­tifi­zierung

Systematisch lassen sich (a) extrin­sische (durch Zu­schrei­bungen von außen) und (b) intrin­sische (durch das Bild selbst hervor­gebrach­te) Formen der Bild-​Authen­tifi­zierung unter­scheiden. In den meisten Fällen sind mehre­re Formen der Bild­authen­tifi­zierung aufzu­finden (also sowohl extrin­sische als auch intrin­sische).

(a) Extrinsische Formen der Authen­tifi­zierung erfol­gen durch dem Bild beige­ordne­te Tex­turen (z.B. durch Para­texte) oder durch bestimm­te Attri­butio­nen an das Medium, mit dem ein Bild erzeugt wurde. Hier lassen sich maß­geblich drei Formen der Authen­tifi­zierung unter­scheiden:
1. Bestätigung der Urheber­schaft und des Ur­sprungs durch eine Auto­rität: Das Bild wird einem ein­deuti­gen Ur­sprung zuge­ordnet und damit zu einem Ori­ginal (authen­ticum) erho­ben. Bei­spiele hier­für wären das reli­giöse Narra­tiv zum Acheiro­poeitos (etwa dem «Schweiß­tuch der Vero­nika») oder der Kunst­exper­te, der zerti­fiziert, dass ein Bild von einem bestimm­ten Maler ange­fertigt wurde.
2. Bestätigung des Bildinhalts durch eine Auto­rität: Der Rea­litäts­bezug einer Dar­stellung wird bestä­tigt, die Bot­schaft des Bildes veri­fiziert und zu einer authen­tischen Dar­stellung eines realen Sach­verhalts erho­ben. Ein promi­nentes Bei­spiel findet sich bei Francis­co de Goya in seinem Zyklus «Los Desas­tres de la Guerra». Goya setzt unter ein Bild die Bild­unter­schrift „Das ist die Wahr­heit“, unter ein ande­res „Ich habe es gese­hen.“ (vgl. [Sontag 2003a]Sontag, Susan (2003): Regarding the Pain of Others. Picador, New York.
). Iden­tische Mecha­nismen greifen auch bei der Presse­foto­grafie, in der sowohl das Publi­kations­organ als auch die die Bilder beglei­tenden Texte (etwa eine Repor­tage, die Bild­unter­schrift), die in der Regel von einer sach­kompe­tenten Person (bis­weilen auch vom Foto­grafen selbst) verfasst wurden, bestä­tigen, dass das Bild einen realen Sach­verhalt wahr­heits­gemäß zeigt.[2]
3. Authentifizierung durch kultu­relle Zu­schrei­bungs­prak­tiken, die sich maß­geblich auf das Medium bezie­hen, auf dem ein Bild gespei­chert ist: Das markan­teste Bei­spiel wäre die Foto­grafie, bei der die medi­alen Um­stände ihrer Gene­se, der Um­stand, dass hier ein chemisch-​mecha­nischer bzw. elek­tro-​mecha­nischer Prozess invol­viert ist, oft als Authen­tizi­tätsga­rant ver­standen werden bzw. wurden. Hier geht es weni­ger um die Frage, ob z.B. Foto­grafien authen­tische Bilder sind, sondern allein darum, dass es eine kultu­relle Praxis gibt, die Bilder auf­grund ihrer medi­alen Gene­se als authen­tische Arte­fakte begreift (vgl. [Bazin 2009a]Bazin, André (2009): Ontologie des photographischen Bildes. In: Fischer, R. (Hg.), Was ist Film?. Alexander , Berlin.
). Was das Bild dabei zeigt oder wer es gemacht hat, ist hier von sekun­därer Bedeu­tung.
(b) Die intrinsischen Formen der Authen­tifi­zierung lassen sich entlang der Achsen »Bild­inhalt« (das, was ein Bild zeigt) und »Sicht­weise« (die Art und Weise, wie ein Bild etwas zeigt) unter­scheiden (zum Begriff der Sicht­weise vgl. [Wiesing 2007a]Wiesing, Lambert (2007): Zur Rhetorik des Bildes. In: Knape, J. (Hg.), Bildrhetorik. Koerner, Baden-Baden.
).
1. Die Authentifi­zierung über den Bild­inhalt ist bezeich­nender­weise die schwächste und proble­matisch­ste Form der Authen­tifi­zierung, denn per se sagt der seman­tische Gehalt einer Äuße­rung nichts über ihren Wahr­heits­status aus. Deswe­gen ist die Authen­tifi­zierung durch den Bild­inhalt eine hoch­gradig pragma­tische Ange­legen­heit, bei der u.a. das Wissen des Adres­saten, an den das Bild gerich­tet ist, eine zentra­le Rolle spielt. Ob also eine Dar­stellung, beispiels­weise eines Krieges, vom Adres­saten als authen­tisch ange­nommen wird, hängt zu einem großen Teil von der Frage ab, ob ihm diese Dar­stellung auf­grund seines Wissens um diesen Krieg als wahr­schein­lich oder aber als tenden­ziös und propa­gandis­tisch erscheint. Dass sich aber der Bild­inhalt trotz seiner hoch­gradi­gen Diskur­sivi­tät bzw. His­tori­zität als ein wichti­ges Krite­rium hin­sicht­lich der Frage der Authen­tizi­tätsatt­ribu­tion zu erken­nen gibt wird ersicht­lich, wenn man sich vor Augen führt, dass beispiels­weise die Epo­che des Realis­mus in der Male­rei sowohl durch einen eigen­ständi­gen Stil als auch nicht weni­ger wesent­lich durch eine bestimm­te Wahl des Sujets gekenn­zeichnet ist. Realis­tische, wirk­lich­keits­getreue Dar­stellung hat dem­nach gleicher­maßen etwas damit zu tun, was auf einem Bild zu sehen ist, auch wenn eine dem­ent­sprechen­de Authen­tifi­zierung äußerst kontext­affin ist und eine Aus­einan­der­setzung mit den Vor­stellun­gen des Adres­saten verlangt. Authen­tisch wäre dann, was als glaub­würdig und wahr­schein­lich erscheint.
2. Klarere, wenn auch nicht minder flüchti­ge Krite­rien lassen sich für die Sicht­weise, den bestimm­ten Modus der Dar­stellung beschrei­ben. „Authen­tische Dar­stellung ist [...] vor allem ästhe­tisches Format, das den Gestalt­charak­ter der Dar­stellung durch Gestal­tung zu verber­gen versucht und ande­rer­seits ohne Gestal­tung von Authen­tizi­tät nichts weiß.“ ([Wortmann 2003a]Wortmann, Volker (2003): Authentisches Bild und authentisierende Form. Halem, Köln.
: S. 13). Exem­pla­risch wurde bereits der male­rische Rea­lismus genannt, bei dem es auch entschei­dend darum geht, durch einen bestimm­ten Stil den Wahr­heits­gehalt der Dar­stellung zu unter­mauern. Ähnli­che Bemü­hungen lassen sich immer wieder in der Kunst­geschich­te beob­achten (u a. im Na­tura­lismus oder Foto­realis­mus, aber auch im Bemü­hen um Perspek­tive in der Male­rei der Renais­sance usw.). Ziel dieser Dar­stellungs­modi ist zwar augen­schein­lich die Treue zur Vor­lage zu maxi­mieren, also die Vor­lage möglichst präzi­se wieder­zuge­ben; klar ist aber, dass all diese Dar­stellungs­weisen auf entschei­dende Weise diskur­siv entste­hen und als konven­tionell einzu­stufen sind. Der Dar­stellungs­stil des Realis­mus erscheint uns in einer Zeit des Foto­realis­mus weni­ger präzi­se und damit weni­ger authen­tisch, als er den Betrach­tern im 19. Jahrhun­dert vorge­kommen sein muss. Eine immer wieder promi­nente Funktion kommt dem defi­zienten Bild zu. Defi­ziente Bilder weisen in der Regel struktu­relle Defek­te auf, die den spezi­fischen Umstän­den der Bild­ent­stehung zuge­schrieben werden, welche wiederum die Funktion der Authen­tifi­zierung über­nehmen (für die Foto­grafie vgl. dazu [Susanka 2012a]Susanka, Thomas (2012): The Rhetorics of Authenticity: Photographic Representations of War. In: Straub, J. (Hg.), Paradoxes of Authenticity. transcript, Bielefeld.
; ⊳ syntak­tisch unkor­rekte Bilder).
Anmerkungen
  1. ↑ Sie­he aber auch den Ab­schnitt​ «Wahr­haf­tig­keit und Wahr­heit»​ von​ «In­ter­ak­ti­ons-, Selbst- und Sach­be­zug».
  2. ↑ Glei­cher­ma­ßen au­then­ti­fi­zie­ren die­se Bil­der aber auch re­zi­prok die ih­nen bei­ge­ord­ne­ten Tex­te.
Literatur
[Andree 2006a]Andree, Martin (2006): Archäologie der Medienwirkung. Faszinationstypen von der Antike bis heute. Fink, München.[Bazin 2009a]Bazin, André (2009): Ontologie des photographischen Bildes. In: Fischer, R. (Hg.), Was ist Film?. Alexander , Berlin.[Benjamin 1939a]Benjamin, Walter (2002): Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. In: Schöttker, D. (Hg.), Walter Benjamin: Medienästhetische Schriften. Suhrkamp , Frankfurt/M.[Grice 1970a]Grice, Herbert Paul (1970): Logic and Conversation. Harvard University Press, Cambridge.[Grittmann 2003a]Grittmann, Elke (2003): Die Konstruktion von Authentizität. Was ist echt an den Pressefotos im Informationsjournalismus?. In: Knieper, T. & Müller, M. (Hg.), Authentizität und Inszenierung von Bilderwelten. Halem, Köln.[Knieper & Müller 2003a]Knieper, Thomas & Müller, Marion G. (2007): Vorwort. In: Knieper, T. & Müller, M. G. (Hg.), Authentizität und Inszenierung von Bilderwelten. Halem, Köln.[Röttgers & Fabian 1971a]Röttgers, K. & Fabian, R. (1971): Authentisch. In: Ritter, J. (Hg.), Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 1. A-C. Wissenschaftl. Buchges., Darmstadt.[Sontag 2003a]Sontag, Susan (2003): Regarding the Pain of Others. Picador, New York.[Susanka 2012a]Susanka, Thomas (2012): The Rhetorics of Authenticity: Photographic Representations of War. In: Straub, J. (Hg.), Paradoxes of Authenticity. transcript, Bielefeld.[Wiesing 2007a]Wiesing, Lambert (2007): Zur Rhetorik des Bildes. In: Knape, J. (Hg.), Bildrhetorik. Koerner, Baden-Baden.[Wortmann 2003a]Wortmann, Volker (2003): Authentisches Bild und authentisierende Form. Halem, Köln.

Ausgabe 1: 2013

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Zitierhinweis:

Susanka, Thomas (2013). Authentizität. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Authentizität].