Pragmatik, Semantik, Syntax: Unterschied zwischen den Versionen
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==== | ==Ein ‘Divide et impera’-Vorschlag für die Semiotik== | ||
Um die Komplexität der Untersuchungen von Zeichen auf ein besser hand­hab­bares Maß herunter­zubrechen,<ref>vgl. etwa [http://de.wikipedia.org/wiki/Divide_et_impera Wikipedia: Divide et impera].</ref> führte Charles W. Morris (<bib id='Morris 1938a'></bib>, <bib id='Morris 1946a'></bib>) eine Unter­teilung der Semiotik in drei Bereiche ein, die er ‘Syntak­tik’, ‘Seman­tik’ und ‘Pragma­tik’ nannte.<ref>vgl. [http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_W._Morris#Die_Einteilung_der_Semiotik_in_Syntaktik_-_Semantik_-_Pragmatik Wikipedia: Charles W. Morris: Die Ein­teilung der Semio­tik in Syntak­tik - Seman­tik - Pragma­tik].</ref> Dabei sollten die Frage­stellungen in einem Bereich jeweils weit­gehend unab­hängig von den anderen Bereichen bearbeitet werden können: nämlich Aspekte der Zeichen­''träger'', der Zeichen­''bedeutung'' bzw. der Zeichen­''verwendung'' betreffend. Diese Annahme der Unab­hängig­keit konnte aller­dings nicht bestätigt werden. Weder lassen sich (von Sonder­fällen abge­sehen) Bedeu­tungs­bezie­hungen im allge­meinen unab­hängig von Aspekten der Zeichen­verwen­dung formulieren noch ist etwa die Identität von Zeichen­trägern ohne Kenntnis ihrer Bedeutungen sinnvoll zu bestimmen. | |||
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Gleichwohl hat Morris’ Vorschlag zur Ein­teilung semio­tischer Unter­suchungs­ebenen nicht nur – wenn auch in verän­derter Form – über­lebt, er dominiert viel­mehr sogar in der einen oder anderen modifi­zierten Gestalt die aktuellen semio­tischen Unter­nehmungen. Der Ausdruck ‘Syntak­tik’ ist dabei aller­dings meist (und im Anschluss an Ferdinand de Saussure) durch ‘Syntax’ ersetzt. | |||
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In handlungstheoretisch angelegten Zeichen­theorien versteht man die drei Bereiche nun als unter­schiedlich weit gespannte Frage­stellungen zu Aspekten von [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen(systemen)]], die in einem ''hierarchischen'' Verhältnis zueinander stehen. Am um­fassendsten angelegt, beschäftigt sich eine pragmatische Unter­suchung mit dem Komplex aus Kommuni­kations- und damit zusammen­hängenden anderen Handlungen, d.h. der Einbettung der Zeichen­handlung in die Lebens­praxis der Zeichen­verwender. Restrik­tiver in ihrem Gegen­stands­bereich, bringt die Semantik die für die Zeichen­verwendung relevanten Bezie­hungen zwischen Zeichen­träger und dem Darge­stellten zur Sprache, ohne dabei die Zeichen­handlung insgesamt zu betrachten – sofern das möglich ist. Syntak­tische Unter­suchungen beschäftigen sich, streng genommen, nur noch mit den Bezie­hungen, die zwischen den Zeichen­trägern eines Zeichen­systems bestehen, also mit Relationen zwischen und Eigenschaften von (physischen) Gegenständen, die als Zeichen in Verwendung gebracht werden (können). Der Unter­suchungs­bereich, die Menge der Gegen­stände, die als Zeichen­träger eines Systems in Frage kommen, kann gleich­wohl nur pragmatisch – mit Blick auf das gesamte System der Zeichen­handlungen – ange­geben werden. | |||
== Beispielhafte Fragestellungen in den drei Bereichen== | |||
===== | ===Pragmatik=== | ||
Die innerhalb der Pragmatik untersuchten Frage­stellungen lassen sich fol­gender­maßen exem­plifi­zieren:<ref>Vgl. auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Pragmatik_%28Linguistik%29 Wikipedia: Pragma­tik (Lingu­istik)] oder <bib id='Levinson 1983a'></bib>.</ref> Welche anderen Hand­lungen stehen mit der betrach­teten Zeichen­handlung in systema­tischem Zusammen­hang – welche können oder müssen voraus­gegangen sein, welche können oder müssen folgen? Dass beispiels­weise die Äußerung einer Behaup­tung ent­weder direkt beant­wortet werden kann, indem der Kommuni­kations­partner sie (aus­drücklich oder still­schweigend) akzeptiert oder aber mit einer Bezweif­lungs­hand­lung kommuni­kativ zurück­weist (und damit Begrün­dungs­hand­lungen seines Gegen­übers ein­fordert), oder auch weniger direkt, indem er zunächst mit­hilfe seiner senso­motorischen Aus­stattung eine passende referen­tielle Ver­ankerung der Behaup­tung durch­führt und damit eine ''empi­rische'' Über­prüfung des Behaup­teten bewerk­stelligt, all das gehört zu diesem [[Illokution|''Sprach­spiel'']] des Behauptens. Es sind also sowohl andere Zeichen­hand­lungen (oder allge­meiner: [[Interaktion und Kommunikation|kommuni­kative Inter­aktionen]]) als auch nicht-kommuni­kative Hand­lungen – insbe­sondere das senso­motorische Um­gehen mit dem jeweils Bezeich­neten –, die hier berück­sichtigt werden müssen. | |||
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Eine zentrale Rolle für pragmatische Betrach­tungen spielt die situa­tive Ein­bettung der Zeichen­handlung: ihr Verwen­dungs­[[kontext]]. Dieser ist insbe­sondere für alle deiktischen Zeichen­elemente<ref>Vgl. [http://de.wikipedia.org/wiki/Deixis Wikipedia: Deixis] oder <bib id='Sennholz 1985a'></bib>.</ref> von großer Wichtig­keit, bei denen in der Regel auch die [[Körper]]­lichkeit der Zeichen­verwender auf beson­dere Weise zum Zuge kommt. | |||
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Handlungstheoretisch als Aspekte von Hand­lungen gedeutet, gehören auch die mit den Zeichen­hand­lungen direkt assoziierten kogni­tiven und inten­tionalen Momente der Zeichen­verwender<ref>Diese hand­lungs­theo­retische Um­deutung mentaler Phäno­mene wird etwa in <bib id='Ros 1979a'></bib> aus­führ­licher behandelt.</ref> in den Auf­merk­sam­keits­fokus der Prag­matik: Das betrifft insbe­sondere die mit einem Zeichen­gebrauch verbun­denen Voran­nahmen (‹Prä­sup­posi­tionen›) und mit ihm indu­zierte Schluß­folge­rungen (‹Impli­katuren›).<ref>Vgl. [http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition Wikipedia: Prä­sup­posi­tion] und <bib id='Kempson 1975a'></bib> sowie [http://de.wikipedia.org/wiki/Implikatur Wikipedia: Impli­katur] und <bib id='Grice 1970a'></bib>.</ref> | |||
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Auch das Geflecht von Handlungen, die in einem syste­matischen Zusammen­hang mit der Präsen­tation eines (als Zeichen aufge­fassten) Bildes auf­treten, kann ganz ent­sprechend unter­sucht werden (⊳ [[Bildpragmatik]]). | |||
< | ===Semantik=== | ||
Lange Zeit stand die Semantik im Zentrum der Semi­otik, stellten doch Bedeu­tungs­phäno­mene deren wichtig­sten Unter­suchungs­gegen­stand bereit.<ref>Vgl. auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Semantik Wikipedia: Seman­tik] sowie die spezi­fische­ren Dis­kussionen unter [http://de.wikipedia.org/wiki/Interpretative_Semantik Wikipedia: Inter­pretative Seman­tik] (auch: <bib id='Katz & Fodor 1963a'></bib>) und [http://de.wikipedia.org/wiki/Generative_Semantik Genera­tive Seman­tik] (auch <bib id='Lakoff 1972a'></bib>).</ref> Unter der Annahme, dass Bedeu­tungs­rela­tionen primär, ihre kommuni­kative Verwen­dung hin­gegen sekundär seien, blieben pragma­tische Betrach­tungen der Seman­tik nach­geordnet. | |||
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Die pragmatische Wende des [[Linguistic turn, pictorial turn, medial turn|lingu­istic turn]] hat dieses Domi­nanz­verhält­nis umge­kehrt: Hier gilt, dass Bedeu­tungs­phäno­mene sich über­haupt nur inner­halb eines kommuni­kativen Rahmens (im weiten Sinn) betrachten lassen. Sie bleiben dabei immer auf Ver­haltens­weisen der ent­sprechend Kommu­ni­zie­renden bezogen, sodass die Verbindung zwischen Zeichen­träger und Bezeich­netem insbe­sondere über die Handlungen der Zeichen­verwender unter­einander relativ zu dem Bezeich­neten bestimmt werden können.<ref>Vgl. etwa [http://de.wikipedia.org/wiki/Linguistic_turn Wikipedia; Linguistik Turn] und [http://de.wikipedia.org/wiki/Sprechakttheorie Sprech­akt­theorie] sowie <bib id='Davidson 2001a'></bib>. </ref> | |||
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Typische semantische Fragestellungen betreffen das Wesen mög­licher Bedeu­tungs­bezie­hungen. Neben der im voran­gegangenen Abschnitt erwähnten ''beha­vioristi­schen'' Auf­fassung werden vor allem ''menta­listische'' und ''rea­listische'' Bedeu­tungs­theorien unter­schieden – je nachdem ob Bedeutung aus dem Ver­halten oder aus mentalen Phäno­menen konsti­tuiert wird oder sich aus einer direk­ten rein physischen (wenn nicht meta­physischen) Bezie­hung zwischen Zeichen­träger und Bezeich­netem ergeben soll. Die beiden zuletzt genannten tendieren dabei zu Semi­otik­konzep­tionen, bei der die Seman­tik die pragma­tischen Aspekte beherrscht. | |||
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Unabhängig davon, welche der drei genann­ten Seman­tik­auf­fassungen ver­folgt wird, sollte zwischen einer exten­siona­listi­schen – d.h. auf den [[Referenz|refe­rentiel­len]] Um­fang bezo­genen – und einer inten­siona­listi­schen – auf inhal­tliche Charak­teri­sierungen bezo­genen – Perspek­tive unter­schieden werden: Exten­sionale Aspekte werden in refe­renz­seman­tischen Ansätzen verfolgt. | |||
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Auch die Peircesche Dreiteilung von [[Symbol, Index, Ikon|Index, Ikon und Symbol]], die die Relation zwischen Zeichen­träger und Bezeich­netem nach Kausa­lität, [[Ähnlichkeit|Ähn­lich­keit]] und Kon­ven­tio­nali­tät auf­gliedert, ist wesent­lich seman­tisch.<ref>Da Peirce zugleich aber das Zeichen immer triadisch denkt und er die Klassifizierung eines Zeichens als Ikon, Index oder Smybol von einem entsprechenden Interpretationsvorgang abhängig sein lässt, befinden sich die drei Zeichenklassen immer schon in einem pragmatischen Bezugsrahmen (<bib id='Peirce 1983a'></bib>).</ref> Obwohl Ikoni­zität besonders eng mit der Bedeu­tungs­bezie­hung bei Bildern verbunden ist, spielen auch die anderen Aspekte eine nicht zu vernach­lässigende Rolle (⊳ [[Bildsemantik]]). | |||
===Syntaktik / Syntax === | |||
Da sowohl von Aspekten der Verwendung wie der Bedeu­tung von Zeichen­trägern abge­sehen werden soll, bleiben syntak­tische Frage­stellungen auf die Struktur von Zeichen­trägern und den Rela­tionen zwischen ihnen beschränkt.<ref>Vgl. auch | |||
[http://de.wikipedia.org/wiki/Syntaktik Wikipedia: Syntak­tik] bzw. [http://de.wikipedia.org/wiki/Syntax Wikipedia: Syntax] sowie [http://de.wikipedia.org/wiki/Morphosyntax Wikipedia: Morphosyntax] und <bib id='Dürscheid 2010a'></bib>.</ref> Da Zeichen­träger (und damit auch Bild­träger) im Wesent­lichen durch ihre physi­kalischen Eigen­heiten charak­teri­siert werden, stehen (Gruppie­rungen von) physi­kalische(n) Eigen­schaften und deren Rela­tionen unter­einander im Fokus des Inte­resses. Syntak­tische Über­legungen betref­fen vor allem die Iden­tität, Ab­grenz­bar­keit, Unter­scheid­bar­keit, Kom­posi­tiona­lität und Wohl­geformt­heit der Zeichen­träger. | |||
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Werden Bilder als Zeichen betrachtet, ergeben sich analog die bild­syntak­tischen Fragen nach der Iden­tität, Ab­grenz­bar­keit, Unter­scheid­bar­keit, Kom­posi­tiona­lität und Wohl­geformt­heit der Bild­trägern (⊳ [[Bildsyntax]]). | |||
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* [[Ähnlichkeit]] | |||
* [[Bildpragmatik]] | |||
* [[Bildsemantik]] | |||
* [[Bildsyntax]] | |||
* [[Illokution]] | |||
* [[Interaktion und Kommunikation]] | |||
* [[Kontext]] | |||
* [[Körper]] | |||
* [[Linguistic turn, pictorial turn, medial turn]] | |||
* [[Referenz]] | |||
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]] | |||
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* [[Benutzer:Mark A. Halawa|Halawa, Mark]] | |||
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Aktuelle Version vom 26. Dezember 2025, 19:59 Uhr
Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht
English Version: Pragmatics, Semantics, Syntax
Ein ‘Divide et impera’-Vorschlag für die SemiotikUm die Komplexität der Untersuchungen von Zeichen auf ein besser handhabbares Maß herunterzubrechen,[1] führte Charles W. Morris ([Morris 1938a]Morris, Charles W. (1938): Foundations of the Theory of Signs. University of Chicago Press, Chicago Gleichwohl hat Morris’ Vorschlag zur Einteilung semiotischer Untersuchungsebenen nicht nur – wenn auch in veränderter Form – überlebt, er dominiert vielmehr sogar in der einen oder anderen modifizierten Gestalt die aktuellen semiotischen Unternehmungen. Der Ausdruck ‘Syntaktik’ ist dabei allerdings meist (und im Anschluss an Ferdinand de Saussure) durch ‘Syntax’ ersetzt. In handlungstheoretisch angelegten Zeichentheorien versteht man die drei Bereiche nun als unterschiedlich weit gespannte Fragestellungen zu Aspekten von Zeichen(systemen), die in einem hierarchischen Verhältnis zueinander stehen. Am umfassendsten angelegt, beschäftigt sich eine pragmatische Untersuchung mit dem Komplex aus Kommunikations- und damit zusammenhängenden anderen Handlungen, d.h. der Einbettung der Zeichenhandlung in die Lebenspraxis der Zeichenverwender. Restriktiver in ihrem Gegenstandsbereich, bringt die Semantik die für die Zeichenverwendung relevanten Beziehungen zwischen Zeichenträger und dem Dargestellten zur Sprache, ohne dabei die Zeichenhandlung insgesamt zu betrachten – sofern das möglich ist. Syntaktische Untersuchungen beschäftigen sich, streng genommen, nur noch mit den Beziehungen, die zwischen den Zeichenträgern eines Zeichensystems bestehen, also mit Relationen zwischen und Eigenschaften von (physischen) Gegenständen, die als Zeichen in Verwendung gebracht werden (können). Der Untersuchungsbereich, die Menge der Gegenstände, die als Zeichenträger eines Systems in Frage kommen, kann gleichwohl nur pragmatisch – mit Blick auf das gesamte System der Zeichenhandlungen – angegeben werden.
Beispielhafte Fragestellungen in den drei BereichenPragmatikDie innerhalb der Pragmatik untersuchten Fragestellungen lassen sich folgendermaßen exemplifizieren:[3] Welche anderen Handlungen stehen mit der betrachteten Zeichenhandlung in systematischem Zusammenhang – welche können oder müssen vorausgegangen sein, welche können oder müssen folgen? Dass beispielsweise die Äußerung einer Behauptung entweder direkt beantwortet werden kann, indem der Kommunikationspartner sie (ausdrücklich oder stillschweigend) akzeptiert oder aber mit einer Bezweiflungshandlung kommunikativ zurückweist (und damit Begründungshandlungen seines Gegenübers einfordert), oder auch weniger direkt, indem er zunächst mithilfe seiner sensomotorischen Ausstattung eine passende referentielle Verankerung der Behauptung durchführt und damit eine empirische Überprüfung des Behaupteten bewerkstelligt, all das gehört zu diesem Sprachspiel des Behauptens. Es sind also sowohl andere Zeichenhandlungen (oder allgemeiner: kommunikative Interaktionen) als auch nicht-kommunikative Handlungen – insbesondere das sensomotorische Umgehen mit dem jeweils Bezeichneten –, die hier berücksichtigt werden müssen. Eine zentrale Rolle für pragmatische Betrachtungen spielt die situative Einbettung der Zeichenhandlung: ihr Verwendungskontext. Dieser ist insbesondere für alle deiktischen Zeichenelemente[4] von großer Wichtigkeit, bei denen in der Regel auch die Körperlichkeit der Zeichenverwender auf besondere Weise zum Zuge kommt. Handlungstheoretisch als Aspekte von Handlungen gedeutet, gehören auch die mit den Zeichenhandlungen direkt assoziierten kognitiven und intentionalen Momente der Zeichenverwender[5] in den Aufmerksamkeitsfokus der Pragmatik: Das betrifft insbesondere die mit einem Zeichengebrauch verbundenen Vorannahmen (‹Präsuppositionen›) und mit ihm induzierte Schlußfolgerungen (‹Implikaturen›).[6] Auch das Geflecht von Handlungen, die in einem systematischen Zusammenhang mit der Präsentation eines (als Zeichen aufgefassten) Bildes auftreten, kann ganz entsprechend untersucht werden (⊳ Bildpragmatik). SemantikLange Zeit stand die Semantik im Zentrum der Semiotik, stellten doch Bedeutungsphänomene deren wichtigsten Untersuchungsgegenstand bereit.[7] Unter der Annahme, dass Bedeutungsrelationen primär, ihre kommunikative Verwendung hingegen sekundär seien, blieben pragmatische Betrachtungen der Semantik nachgeordnet. Die pragmatische Wende des linguistic turn hat dieses Dominanzverhältnis umgekehrt: Hier gilt, dass Bedeutungsphänomene sich überhaupt nur innerhalb eines kommunikativen Rahmens (im weiten Sinn) betrachten lassen. Sie bleiben dabei immer auf Verhaltensweisen der entsprechend Kommunizierenden bezogen, sodass die Verbindung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem insbesondere über die Handlungen der Zeichenverwender untereinander relativ zu dem Bezeichneten bestimmt werden können.[8] Typische semantische Fragestellungen betreffen das Wesen möglicher Bedeutungsbeziehungen. Neben der im vorangegangenen Abschnitt erwähnten behavioristischen Auffassung werden vor allem mentalistische und realistische Bedeutungstheorien unterschieden – je nachdem ob Bedeutung aus dem Verhalten oder aus mentalen Phänomenen konstituiert wird oder sich aus einer direkten rein physischen (wenn nicht metaphysischen) Beziehung zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem ergeben soll. Die beiden zuletzt genannten tendieren dabei zu Semiotikkonzeptionen, bei der die Semantik die pragmatischen Aspekte beherrscht. Unabhängig davon, welche der drei genannten Semantikauffassungen verfolgt wird, sollte zwischen einer extensionalistischen – d.h. auf den referentiellen Umfang bezogenen – und einer intensionalistischen – auf inhaltliche Charakterisierungen bezogenen – Perspektive unterschieden werden: Extensionale Aspekte werden in referenzsemantischen Ansätzen verfolgt. Auch die Peircesche Dreiteilung von Index, Ikon und Symbol, die die Relation zwischen Zeichenträger und Bezeichnetem nach Kausalität, Ähnlichkeit und Konventionalität aufgliedert, ist wesentlich semantisch.[9] Obwohl Ikonizität besonders eng mit der Bedeutungsbeziehung bei Bildern verbunden ist, spielen auch die anderen Aspekte eine nicht zu vernachlässigende Rolle (⊳ Bildsemantik). Syntaktik / SyntaxDa sowohl von Aspekten der Verwendung wie der Bedeutung von Zeichenträgern abgesehen werden soll, bleiben syntaktische Fragestellungen auf die Struktur von Zeichenträgern und den Relationen zwischen ihnen beschränkt.[10] Da Zeichenträger (und damit auch Bildträger) im Wesentlichen durch ihre physikalischen Eigenheiten charakterisiert werden, stehen (Gruppierungen von) physikalische(n) Eigenschaften und deren Relationen untereinander im Fokus des Interesses. Syntaktische Überlegungen betreffen vor allem die Identität, Abgrenzbarkeit, Unterscheidbarkeit, Kompositionalität und Wohlgeformtheit der Zeichenträger. Werden Bilder als Zeichen betrachtet, ergeben sich analog die bildsyntaktischen Fragen nach der Identität, Abgrenzbarkeit, Unterscheidbarkeit, Kompositionalität und Wohlgeformtheit der Bildträgern (⊳ Bildsyntax). |
Anmerkungen
Literatur
[Davidson 2001a]Davidson, Donald (2001): Subjective, Intersubjective, Objective. Clarendon, Oxford.[Dürscheid 2010a]Dürscheid, Christa (2010): Syntax. Grundlagen und Theorien. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen [Grice 1970a]Grice, Herbert Paul (1970): Logic and Conversation. Harvard University Press, Cambridge.[Katz & Fodor 1963a]Katz, Jerrold J. & Fodor, Jerry A. (1963): The Structure of a Semantic Theory. Language, 39, 2.[Kempson 1975a]Kempson, Ruth (1975): Presupposition and the Delimitation of Semantics. Cambridge University Press, Cambridge.[Lakoff 1972a]Lakoff , George (1972): On Generative Semantics. In: Steinberg, D. D. & Jakobovits, L. A. (Hg.), Semantics. Cambridge University Press, Cambridge.[Levinson 1983a]Levinson, Stephen C. (1983): Pragmatics. Cambridge University Press, Cambridge.[Morris 1938a]Morris, Charles W. (1938): Foundations of the Theory of Signs. University of Chicago Press, Chicago [Morris 1946a]Morris, Charles W. (1946): Signs, Language, and Behavior. Prentice-Hall, New York.[Peirce 1983a]Peirce, Charles S. (1983): Phänomen und Logik der Zeichen. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.[Sennholz 1985a]Sennholz, Klaus (1985): Grundzüge der Deixis. Brockmeyer, Bochum Ausgabe 1: 2013 Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Marcel Lemmes — (Hinweis) Zitierhinweis: |