Malerei: Unterschied zwischen den Versionen

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<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
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Die Malerei als Medium wird tradi&shy;tionel&shy;lerwei&shy;se als Teilbe&shy;reich der [[Bildende Kunst|Bilden&shy;den Kunst]] ausge&shy;wiesen und aufgrund ihrer Flächen&shy;bezo&shy;genheit von der [[Skulptur]] und Archi&shy;tektur als dreidi&shy;mensio&shy;nalen Kunstfor&shy;men unter&shy;schieden. Im Kontext der flächen&shy;bezo&shy;genen Künste sind [[Material|mate&shy;riale]] und techni&shy;sche Abgren&shy;zungen, beispiels&shy;weise zur Zeichnung, zur Druckgra&shy;fik und zum Relief geläu&shy;fig, genau&shy;so wie funkti&shy;onale Diffe&shy;renzie&shy;rungen etwa hinsicht&shy;lich der Wandma&shy;lerei, des Tafel&shy;bildes u.s.f..
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Bevor es die Kunst-, die Medien&shy;wissen&shy;schaften und die Bildwis&shy;senschaf&shy;ten gab, wurden Fragen an das Medium Male&shy;rei im Rahmen der Ästhe&shy;tik und Kunstthe&shy;orie sowie im Rahmen künstler&shy;theore&shy;tischer Trakta&shy;te thema&shy;tisiert. In der älte&shy;ren Kunstthe&shy;orie kann der Para&shy;gone, der Vergleich zwischen den verschie&shy;denen Gattun&shy;gen der Bilden&shy;den Kunst, als Vorläu&shy;fer medien&shy;ästhe&shy;tischer Debat&shy;ten gelten. Insbe&shy;sonde&shy;re im 16. Jahrhun&shy;dert wurde der „Wettstreit der Künste“ nicht nur genutzt, um eine Rangfol&shy;ge der Künste festzu&shy;legen, sondern um die Grundla&shy;gen bzw. Prinzi&shy;pien der verschie&shy;denen Künste zu beden&shy;ken. In Leonar&shy;dos Schriften zur Male&shy;rei (<bib id='Farago 1992a'>Fara&shy;go 1992a</bib>) „spiegelt sich nicht nur das Inte&shy;resse auf eine Reflek&shy;tion (sic!) über die Media&shy;lität der Künste, sondern auch das Bestre&shy;ben nach einer erkennt&shy;nistheo&shy;reti&shy;schen Veran&shy;kerung der Male&shy;rei im Sinne einer Wissen&shy;schaft der sinnli&shy;chen Wahrneh&shy;mung, der Natur&shy;beobach&shy;tung und der Erfah&shy;rung.“ (<bib id='Baader 2003a'></bib>: S. 263). In Florenz wurde 1568 – ausge&shy;hend von Debat&shy;ten über den Unter&shy;schied zwischen Male&shy;rei und Skulptur (<bib id='Mendelsohn 1982a'>Mendel&shy;sohn 1982a</bib>) – von Vasa&shy;ri das Prinzip ''diseg&shy;no'' (Zeichnung, <bib id='Kemp 1974a'></bib>) benannt, welches als intel&shy;lektu&shy;elles Funda&shy;ment aller Künste und von daher eben auch für die Male&shy;rei als entschei&shy;dend ange&shy;sehen wurde. Dem setzten die Vene&shy;zianer die [[Farbe als bildsyntaktische Kategorie|Farbe]], das Prinzip ''colo&shy;re'', als speci&shy;ficum der Male&shy;rei entge&shy;gen (<bib id='Puttfarken 1991a'></bib>). Im Rahmen der sog. Que&shy;relle des Anciens et des Mo&shy;dernes an der Pari&shy;ser Aka&shy;demie des 17. Jahrhun&shy;derts wurde der Para&shy;gone fortge&shy;führt, wobei nun weni&shy;ger der Farbe als solcher denn dem colo&shy;ris – der Verbin&shy;dung von couleur und clair-obscur - nachge&shy;fragt wurde. Mit dem Konzept des colo&shy;ris trug Roger de Piles (<bib id='Puttfarken 1985a'>Puttfar&shy;ken 1985a</bib>) wesent&shy;lich zur medien&shy;ästhe&shy;tischen „Posi&shy;tivie&shy;rung der Farbe als eines selbstre&shy;feren&shy;tiellen(…) Sichtbar&shy;keitswer&shy;tes“ (<bib id='Imdahl 1987a'></bib>) der Male&shy;rei bei. 
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Eine andere, ebenfalls äußerst wirkungs&shy;mächti&shy;ge, medien&shy;ästhe&shy;tisch fundier&shy;te Diskus&shy;sion der Male&shy;rei ist die Laokoon-Debat&shy;te des 18. Jahrhun&shy;derts, mit der, so Karlheinz Stierle, die Frage nach der Medien&shy;gebun&shy;denheit der ästhe&shy;tischen Erfah&shy;rung promi&shy;nent wurde. Lessings Schrift «Laokoon oder über die Grenzen der Male&shy;rei und Poesie» (1766) gilt demzu&shy;folge nicht nur als eine frühe zeichen&shy;theore&shy;tische Thema&shy;tisie&shy;rung von Male&shy;rei und Dichtung im Vergleich, sondern als der „Gipfel&shy;punkt der in das Verhält&shy;nis von Medium, Werk und ästhe&shy;tischer Erfah&shy;rung eindrin&shy;genden Refle&shy;xion des 18. Jahrhun&shy;derts“ (<bib id='Stierle 1984a'></bib>: S. 37). Die Laokoon-Debat&shy;te spielt als Refe&shy;renzpunkt bis in die kunsthis&shy;torische Medien&shy;refle&shy;xion des 20. Jahrhun&shy;derts hinein eine entschei&shy;dende Rolle, worauf nicht zuletzt Clement Greenbergs «Towards a Newer Laocoon» (1940) (<bib id='Greenberg 1997a'></bib>) verweist, ein Text, der als Basis von Greenbergs moder&shy;nisti&shy;scher Konzep&shy;tion der Malerei als [[Bildmedien|Bildme&shy;dium]] verstan&shy;den werden kann. In einer eigen&shy;willi&shy;gen Verschrän&shy;kung histo&shy;riogra&shy;phisch-ideo&shy;logie&shy;kriti&shy;scher und syste&shy;matisch-geschichts&shy;philo&shy;sophi&shy;scher Argu&shy;mente beschreibt Greenberg die Entwick&shy;lung der Kunst seit Manet als Aus&shy;einan&shy;derset&shy;zung der Male&shy;rei mit den eige&shy;nen medien&shy;ästhe&shy;tischen Bedin&shy;gungen, zugleich fordert er (als Kunstkri&shy;tiker), dass dieser Essen&shy;tialis&shy;mus in immer ''reine&shy;rer'' Form zur Geltung kommen müsse: der Male&shy;rei (als Bildme&shy;dium) sei die Aus&shy;einan&shy;derset&shy;zung mit bzw. im Medium wesent&shy;lich, ja das Medium sei die eigent&shy;liche Inspi&shy;rations&shy;quelle aller Kunst. Deutlich zeichnen sich in dieser Posi&shy;tion die Erfah&shy;rungen mit der Abstrak&shy;tion insbe&shy;sonde&shy;re seit den 1920er Jahren ab; Greenbergs – anti&shy;lite&shy;rari&shy;sches – Male&shy;reiver&shy;ständnis basiert wesent&shy;lich auf einem Bildbe&shy;griff der [[Abstraktion|Abstrak&shy;tion]].
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In der kritischen Aus&shy;einan&shy;derset&shy;zung mit Greenbergs Thesen hat u.a. Thierry de Duve zu einer Dekon&shy;struktion des moder&shy;nisti&shy;schen Medien&shy;verständ&shy;nisses beige&shy;tragen und der Medien&shy;spezi&shy;fik (der Male&shy;rei) im Sinne Clement Greenbergs das Gene&shy;rische (der Kunst) im Anschluß an Marcel Duchamp und den Mini&shy;malis&shy;mus entge&shy;genge&shy;setzt (<bib id='de Duve 1990a'></bib>). Ähnlich argu&shy;mentiert Rosa&shy;lind Krauss, wenn sie von der Kunst im Zeital&shy;ter des Post-Medi&shy;alen (<bib id='Krauss 2000a'></bib>) spricht, aller&shy;dings auch die Option eines „reinven&shy;ting the medium“ (<bib id='Krauss 1999a'></bib>) offen&shy;hält, die auch für die Male&shy;rei nach dem Ende der Male&shy;rei bzw. für deren Bestim&shy;mungen der Male&shy;rei als Bildme&shy;dium gilt. Deutlich sind die zuletzt genann&shy;ten Posi&shy;tionen von den Debat&shy;ten um die inter&shy;mediä&shy;re Entgren&shy;zung, das Ende der Malerei und die Preisga&shy;be des Para&shy;digmas der Abstrak&shy;tion seit den 1960er/70er Jahren geprägt.
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Neben den gerade genannten Debat&shy;ten um eine spezi&shy;fisch auf die Male&shy;rei bezo&shy;gene bildme&shy;diale Bestim&shy;mung sind für die Bildwis&shy;senschaf&shy;ten auch jene Über&shy;legun&shy;gen von Inte&shy;resse, die – oft genug ohne dies zu proble&shy;mati&shy;sieren – unter ‘Bild’ in der Regel das gerahm&shy;te Tafel&shy;bild und also die Bildge&shy;schichte der Male&shy;rei anspre&shy;chen, ohne weite&shy;re medi&shy;ale Diffe&shy;renzie&shy;rung. Das promi&shy;nentes&shy;te Para&shy;digma solcher Diskus&shy;sionen dürfte die (konstru&shy;ierte) [[Perspektivik|Perspek&shy;tive]] sein, die perspec&shy;tiva arti&shy;ficia&shy;lis bzw. prospet&shy;tiva, wie sie als „gene&shy;reller Begriff für die Darstel&shy;lung dreidi&shy;mensio&shy;naler Gege&shy;benhei&shy;ten auf zweidi&shy;mensio&shy;naler Projek&shy;tionsflä&shy;che“ (<bib id='Büttner 2003a'></bib>: S. 265) seit dem frühen 15. Jahrhun&shy;dert etab&shy;liert ist. Ausgangs&shy;punkt der kriti&shy;schen Refle&shy;xion auf die Perspek&shy;tive ist nach wie vor Panof&shy;skys Aufsatz «Die Perspek&shy;tive als “symbo&shy;lische Form”» von 1927 (<bib id='Panofsky 1924a'>Panofs&shy;ky 1924a</bib>), der auf die Kultur&shy;philo&shy;sophie Ernst Cassi&shy;rers zurück&shy;griff. Panofs&shy;kys Unter&shy;suchun&shy;gen wurden in der Folge z.Tl. korri&shy;giert, aber nicht im Grundsatz revi&shy;diert, sie wurden durch neue&shy;re Erkennt&shy;nisse zur Geschich&shy;te der Optik ergänzt (vgl. <bib id='Edgerton 2002a'>Edger&shy;ton 2002a</bib>) und in kultur&shy;kompa&shy;ratis&shy;tischer Hinsicht (vgl. <bib id='Belting 2008a'></bib>) weiter&shy;verfolgt. In bildkon&shy;zeptu&shy;eller Hinsicht wieder spezi&shy;fischer an der (Geschich&shy;te der) Male&shy;rei orien&shy;tiert, hat Svetla&shy;na Alpers (<bib id='Alpers 1985a'></bib>) zwischen ita&shy;lieni&shy;schen, erzäh&shy;lenden und hollän&shy;dischen, beschrei&shy;benden Bildern unter&shy;schieden. Im Kern liegt dieser Gegen&shy;über&shy;stellung auch die Diffe&shy;renzie&shy;rung zwischen der alber&shy;tini&shy;schen, perspek&shy;tivi&shy;schen  Bildauf&shy;fassung und nicht-alber&shy;tini&shy;schen Darstel&shy;lungskon&shy;venti&shy;onen wie der Distanz&shy;punktper&shy;spekti&shy;ve<ref>Vgl. zu die&shy;ser Ge&shy;gen&shy;über&shy;stel&shy;lung bei Al&shy;pers den Auf&shy;satz von <bib id='Michalsky 2005a'>Mi&shy;chal&shy;sky 2005a</bib>: ins&shy;be&shy;son&shy;de&shy;re S. 292ff.</ref> zugrun&shy;de. Wenn die Perspek&shy;tive als Darstel&shy;lungsmo&shy;dus im bildphi&shy;loso&shy;phischen Glossar an dieser Stelle zumin&shy;dest erwähnt werden soll, dann kann dies als Hinweis darauf verstan&shy;den werden, dass das Verhält&shy;nis von Bild und Darstel&shy;lungsmo&shy;dus (hier: Perspek&shy;tive) ähnlich inter&shy;preta&shy;tionsbe&shy;dürftig ist wie das Verhältnis von Bild und Bildme&shy;dium (hier: Male&shy;rei). Die kultu&shy;rell prägen&shy;de, lange Tradi&shy;tion der neuzeit&shy;lichen Male&shy;rei bis hin zum sog. Ende der wissen&shy;schaftli&shy;chen Perspek&shy;tive in der Male&shy;rei der Moder&shy;ne hat einer Über&shy;schneidung dieser an sich zu unter&shy;scheiden&shy;den bildwis&shy;senschaft&shy;lichen Themen&shy;berei&shy;che immer wieder Vorschub geleis&shy;tet.
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Auch die Beschwörung eines Endes der Male&shy;rei und die zahlrei&shy;chen Versu&shy;che, eine „Male&shy;rei nach dem Ende der Male&shy;rei“ (vgl. <bib id='Meinhardt 1997a'></bib>: S. 19-34) zu bestim&shy;men, setzen Bild und Male&shy;rei i.d.R. synonym. Für die älte&shy;re Kunstge&shy;schichte hat Victor I. Stoichi&shy;ta das Ende des Bildes und das Ende der Kunst als Topoi des meta&shy;pictu&shy;ralen Diskur&shy;ses der neuzeit&shy;lichen Male&shy;rei geltend gemacht und gezeigt, dass die Erfin&shy;dung des Gemäl&shy;des (im Sinne des Tafel&shy;bildes / tableau) als „rela&shy;tiv junge Erfin&shy;dung“ (<bib id='Stoichita 1998a'>Stoichi&shy;ta 1998a</bib> und <bib id='Kruse 2003a'></bib>) die Voraus&shy;setzung dafür war, dass die Male&shy;rei in Bildsu&shy;jets wie dem Gale&shy;riestück (<bib id='Bredekamp 2000a'>Brede&shy;kamp 2000a</bib>: S. 150-185), dem Ate&shy;lierbild (<bib id='Winner 1962a'></bib> sowie <bib id='Asemissen & Schweikhart 1994a'>Asemis&shy;sen & Schweikhart 1994a</bib>) und dem Künstler&shy;selbstpor&shy;trät<ref>Sys&shy;te&shy;ma&shy;ti&shy;sche Fra&shy;gen an das Selbst&shy;port&shy;rät ent&shy;wi&shy;ckelt <bib id='Boehm 1985a'></bib>. Zu&shy;letzt im Über&shy;blick: <bib id='Pfisterer & von Rosen 2006a'>Pfis&shy;te&shy;rer & von Ro&shy;sen 2006a</bib>.</ref> genau&shy;so wie in Bild&shy;ele&shy;menten wie dem inner&shy;bildli&shy;chen [[Rahmung, Rahmen|Rahmen]], Nischen-, Fenster-, Tür, Karten- und Spiegel&shy;moti&shy;ven [[Bild in reflexiver Verwendung|ihren eige&shy;nen Bildsta&shy;tus reflek&shy;tiert]]. Als (ein) Höhe&shy;punkt des meta&shy;pictu&shy;ralen Diskur&shy;sen gilt Stoichi&shy;ta wiede&shy;rum Perraults Vorstel&shy;lung einer „Male&shy;rei als solcher (la Peinture en elle-mesme)“ (<bib id='Perrault 1964a'></bib>, S. 370; vgl. dazu <bib id='Stoichita 1998a'>Stoichi&shy;ta 1998a</bib>, S. 10), d.h. die Male&shy;reibe&shy;stimmun&shy;gen der Querel&shy;le des Anciens et des Moder&shy;nes. Man kann darü&shy;ber speku&shy;lieren, ob die (bild-)wissen&shy;schaftli&shy;che und (bild-)philo&shy;sophi&shy;sche Aufmerk&shy;samkeit für das Phäno&shy;men der Meta&shy;male&shy;rei wesent&shy;lich durch Bilder&shy;fahrun&shy;gen der klassi&shy;schen Moder&shy;ne, der Abstrak&shy;tion und/oder der zeitge&shy;nössi&shy;schen Kunst stimu&shy;liert wurde, ob und in welcher Hinsicht also die jünge&shy;ren bildtheo&shy;reti&shy;schen Ana&shy;lysen zu Topoi wie „Die weiße Wand“ und „Die weiße Leinwand“ (vgl. <bib id='Stoichita 1998a'>Stoichi&shy;ta 1998a</bib>, S. 110ff. und S. 173ff.) der Vorgän&shy;gigkeit der Male&shy;rei bedurf&shy;ten, etwa der Gemäl&shy;de von Male&shy;witsch («Supre&shy;matis&shy;tische Kompo&shy;sition: Weiß auf Weiß», 1918[http://en.wikipedia.org/wiki/File:Kazimir_Malevich_-_%27Suprematist_Composition-_White_on_White%27,_oil_on_canvas,_1918,_Museum_of_Modern_Art.jpg]) oder von Rauschenberg («White Painting», 1951[http://www.sfmoma.org/images/artwork/large/98.308.A-C_01_d02.jpg]). In jedem Fall hat die Male&shy;rei selbst, haben konkre&shy;te Gemäl&shy;de immer wieder auch neue medi&shy;ale Bestim&shy;mungen  provo&shy;ziert. „Letzte Bilder“<ref>Ad Rein&shy;hardt nann&shy;te ins&shy;be&shy;son&shy;de&shy;re sei&shy;ne «black pain&shy;tings», die er ab Mit&shy;te der 1950er Jah&shy;ren re&shy;a&shy;li&shy;sier&shy;te, ‘letz&shy;te Bil&shy;der’. Vgl. <bib id='Liesbrock 2010a'>Lies&shy;brock 2010a</bib>.</ref> haben in der Male&shy;reige&shy;schichte stets ein Bild nach dem letzen Bild wachge&shy;rufen, wofür – jenseits der Abstrak&shy;tion – auch Gemäl&shy;de der Maler-Iro&shy;niker Sigmar Polke («Moderne Kunst», 1968[http://www2.kah-bonn.de/1/12/p/1.jpg]) und Martin Kippen&shy;berger («Lieber Maler, male mir», 1981[http://www.saatchi-gallery.co.uk/imgs/artists/thumbs/kippenberger/martin-kippenberger-untitled-Figures-Pair.jpg]) oder der Meta-Maler Thomas Huber («Das Ende der Malerei», 2001[http://www.kunstmuseenkrefeld.de/images/shop/editionen/Thomas-Huber.jpg]) oder Neo Rauch («Sucher», 1997[http://www.herrenzimmer.de/wp-content/uploads/2011/05/Rauch_Sucher.jpg]) einste&shy;hen können. Auch und gerade nach dem Ende der Kunst im Sinne Hegels lotet die Male&shy;rei – und in ihrem Gefol&shy;ge die Bildwis&shy;senschaft – die Grenze zwischen Male&shy;rei (painting) und Bild (picture) je neu aus, gemäß dem Motto Robert Rymans:
:
:''Mir scheint, dass die Male&shy;rei nicht tot sein kann, solange Bilder gemalt werden.'' (Robert Ryman, zit. n. <bib id='König & Obrist 1993a'></bib>, S. 194).


 
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* [[Abstraktion]]
 
* [[Bildende Kunst]]
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* [[Bild in reflexiver Verwendung]]
 
* [[Farbe als bildsyntaktische Kategorie]]
 
* [[Kunstgeschichte als Bildgeschichte]]
=====optional Beispiele=====
* [[Material]]
 
* [[Rahmung, Rahmen]]
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* [[Skulptur]]
 
 
=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
 
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildmedien


Die Malerei als Medium wird tradi­tionel­lerwei­se als Teilbe­reich der Bilden­den Kunst ausge­wiesen und aufgrund ihrer Flächen­bezo­genheit von der Skulptur und Archi­tektur als dreidi­mensio­nalen Kunstfor­men unter­schieden. Im Kontext der flächen­bezo­genen Künste sind mate­riale und techni­sche Abgren­zungen, beispiels­weise zur Zeichnung, zur Druckgra­fik und zum Relief geläu­fig, genau­so wie funkti­onale Diffe­renzie­rungen etwa hinsicht­lich der Wandma­lerei, des Tafel­bildes u.s.f..

Bevor es die Kunst-, die Medien­wissen­schaften und die Bildwis­senschaf­ten gab, wurden Fragen an das Medium Male­rei im Rahmen der Ästhe­tik und Kunstthe­orie sowie im Rahmen künstler­theore­tischer Trakta­te thema­tisiert. In der älte­ren Kunstthe­orie kann der Para­gone, der Vergleich zwischen den verschie­denen Gattun­gen der Bilden­den Kunst, als Vorläu­fer medien­ästhe­tischer Debat­ten gelten. Insbe­sonde­re im 16. Jahrhun­dert wurde der „Wettstreit der Künste“ nicht nur genutzt, um eine Rangfol­ge der Künste festzu­legen, sondern um die Grundla­gen bzw. Prinzi­pien der verschie­denen Künste zu beden­ken. In Leonar­dos Schriften zur Male­rei ([Farago 1992a]Farago, Claire J. (1992): Leonardo da Vinci’s Paragone. A Critical Interpretation with a New Edition of the Text in the Codex Urbinas. Brill, Leiden, New York, Kopenhagen, Köln.
) „spiegelt sich nicht nur das Inte­resse auf eine Reflek­tion (sic!) über die Media­lität der Künste, sondern auch das Bestre­ben nach einer erkennt­nistheo­reti­schen Veran­kerung der Male­rei im Sinne einer Wissen­schaft der sinnli­chen Wahrneh­mung, der Natur­beobach­tung und der Erfah­rung.“ ([Baader 2003a]Baader, Hannah (2003): Paragone. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen – Methoden – Begriffe. J.B. Metzler, Stuttgart, Weimar.
: S. 263). In Florenz wurde 1568 – ausge­hend von Debat­ten über den Unter­schied zwischen Male­rei und Skulptur ([Mendelsohn 1982a]Mendelsohn, Leatrice (1982): Paragoni. Benedetto Varchi’s Due Lezioni and Cinquecento Art Theory. UMI Research Press, Ann Arbor.
) – von Vasa­ri das Prinzip diseg­no (Zeichnung, [Kemp 1974a]Kemp, Wolfgang (1974): Disegno. Beiträge zu einer Geschichte des Begriffs zwischen 1547 und 1607. Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaf, 19.
) benannt, welches als intel­lektu­elles Funda­ment aller Künste und von daher eben auch für die Male­rei als entschei­dend ange­sehen wurde. Dem setzten die Vene­zianer die Farbe, das Prinzip colo­re, als speci­ficum der Male­rei entge­gen ([Puttfarken 1991a]Puttfarken, Thomas (1991): The Dispute about Disegno and Colorito in Venice. Paolo Pino, Lodovico Dolce and Titian. In: Glanz, P.; Gosebruch, M.; Meier, N. & Warnke, M. (Hg.), Kunst und Kunsttheorie 1400–1900. Harrassowitz, Wiesbaden.
). Im Rahmen der sog. Que­relle des Anciens et des Mo­dernes an der Pari­ser Aka­demie des 17. Jahrhun­derts wurde der Para­gone fortge­führt, wobei nun weni­ger der Farbe als solcher denn dem colo­ris – der Verbin­dung von couleur und clair-obscur - nachge­fragt wurde. Mit dem Konzept des colo­ris trug Roger de Piles ([Puttfarken 1985a]Puttfarken, Thomas (1985): Roger de Piles‘ Theory of Art. Yale Univ. Press, New Haven, London.
) wesent­lich zur medien­ästhe­tischen „Posi­tivie­rung der Farbe als eines selbstre­feren­tiellen(…) Sichtbar­keitswer­tes“ ([Imdahl 1987a]Imdahl, Max (1987): Farbe. Kunsttheoretische Reflexionen in Frankreich. Fink, München.
) der Male­rei bei.

Eine andere, ebenfalls äußerst wirkungs­mächti­ge, medien­ästhe­tisch fundier­te Diskus­sion der Male­rei ist die Laokoon-Debat­te des 18. Jahrhun­derts, mit der, so Karlheinz Stierle, die Frage nach der Medien­gebun­denheit der ästhe­tischen Erfah­rung promi­nent wurde. Lessings Schrift «Laokoon oder über die Grenzen der Male­rei und Poesie» (1766) gilt demzu­folge nicht nur als eine frühe zeichen­theore­tische Thema­tisie­rung von Male­rei und Dichtung im Vergleich, sondern als der „Gipfel­punkt der in das Verhält­nis von Medium, Werk und ästhe­tischer Erfah­rung eindrin­genden Refle­xion des 18. Jahrhun­derts“ ([Stierle 1984a]Stierle, Karlheinz (1984): Das bequeme Verhältnis. Lessings Laokoon und die Entdeckung des ästhetischen Mediums. In: Gebauer, G. (Hg.), Das Laokoon-Projekt: Pläne einer semiotischen Ästhetik. Metzler, Stuttgart.
: S. 37). Die Laokoon-Debat­te spielt als Refe­renzpunkt bis in die kunsthis­torische Medien­refle­xion des 20. Jahrhun­derts hinein eine entschei­dende Rolle, worauf nicht zuletzt Clement Greenbergs «Towards a Newer Laocoon» (1940) ([Greenberg 1997a]Greenberg, Clement (1997): Zu einem neuen Laokoon. In: Lüdeking, K. (Hg.), Clement Greenberg – Die Essenz der Moderne. Ausgewählte Essays und Kritiken. Philo Fine Arts, Amsterdam, Dresden.
) verweist, ein Text, der als Basis von Greenbergs moder­nisti­scher Konzep­tion der Malerei als Bildme­dium verstan­den werden kann. In einer eigen­willi­gen Verschrän­kung histo­riogra­phisch-ideo­logie­kriti­scher und syste­matisch-geschichts­philo­sophi­scher Argu­mente beschreibt Greenberg die Entwick­lung der Kunst seit Manet als Aus­einan­derset­zung der Male­rei mit den eige­nen medien­ästhe­tischen Bedin­gungen, zugleich fordert er (als Kunstkri­tiker), dass dieser Essen­tialis­mus in immer reine­rer Form zur Geltung kommen müsse: der Male­rei (als Bildme­dium) sei die Aus­einan­derset­zung mit bzw. im Medium wesent­lich, ja das Medium sei die eigent­liche Inspi­rations­quelle aller Kunst. Deutlich zeichnen sich in dieser Posi­tion die Erfah­rungen mit der Abstrak­tion insbe­sonde­re seit den 1920er Jahren ab; Greenbergs – anti­lite­rari­sches – Male­reiver­ständnis basiert wesent­lich auf einem Bildbe­griff der Abstrak­tion.

In der kritischen Aus­einan­derset­zung mit Greenbergs Thesen hat u.a. Thierry de Duve zu einer Dekon­struktion des moder­nisti­schen Medien­verständ­nisses beige­tragen und der Medien­spezi­fik (der Male­rei) im Sinne Clement Greenbergs das Gene­rische (der Kunst) im Anschluß an Marcel Duchamp und den Mini­malis­mus entge­genge­setzt ([de Duve 1990a]de Duve, Thierry (1990): The Monochrome and the Blank Canvas. In: Guilbaut, S. (Hg.), Reconstructing Modernism. Art in New York, Paris and Montreal 1945-1964. The MIT Press, Cambridge/Mass.
). Ähnlich argu­mentiert Rosa­lind Krauss, wenn sie von der Kunst im Zeital­ter des Post-Medi­alen ([Krauss 2000a]Der Eintrag existiert noch nicht.) spricht, aller­dings auch die Option eines „reinven­ting the medium“ ([Krauss 1999a]Krauss, Rosalind (1999): Reinventing the Medium. Critical Inquiry, 25,, 2.
Nicht angezeigt: Winter
) offen­hält, die auch für die Male­rei nach dem Ende der Male­rei bzw. für deren Bestim­mungen der Male­rei als Bildme­dium gilt. Deutlich sind die zuletzt genann­ten Posi­tionen von den Debat­ten um die inter­mediä­re Entgren­zung, das Ende der Malerei und die Preisga­be des Para­digmas der Abstrak­tion seit den 1960er/70er Jahren geprägt.

Neben den gerade genannten Debat­ten um eine spezi­fisch auf die Male­rei bezo­gene bildme­diale Bestim­mung sind für die Bildwis­senschaf­ten auch jene Über­legun­gen von Inte­resse, die – oft genug ohne dies zu proble­mati­sieren – unter ‘Bild’ in der Regel das gerahm­te Tafel­bild und also die Bildge­schichte der Male­rei anspre­chen, ohne weite­re medi­ale Diffe­renzie­rung. Das promi­nentes­te Para­digma solcher Diskus­sionen dürfte die (konstru­ierte) Perspek­tive sein, die perspec­tiva arti­ficia­lis bzw. prospet­tiva, wie sie als „gene­reller Begriff für die Darstel­lung dreidi­mensio­naler Gege­benhei­ten auf zweidi­mensio­naler Projek­tionsflä­che“ ([Büttner 2003a]Büttner, Frank (2003): Perspektive. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen – Methoden – Begriffe. JB Metzler, Stuttgart, Weimar.
: S. 265) seit dem frühen 15. Jahrhun­dert etab­liert ist. Ausgangs­punkt der kriti­schen Refle­xion auf die Perspek­tive ist nach wie vor Panof­skys Aufsatz «Die Perspek­tive als “symbo­lische Form”» von 1927 ([Panofsky 1924a]Panofsky, Erwin (1998): Die Perspektive als symbolische Form (1924). In: Michels, K. & Warnke, M. (Hg.), Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze, Bd. 2. Akademie, Berlin.
Nicht angezeigt: Erstpublikation in: <em>Vorträge der Bibliothek Warburg (1924/25)</em>. Leipzig, 1927, 258-330
), der auf die Kultur­philo­sophie Ernst Cassi­rers zurück­griff. Panofs­kys Unter­suchun­gen wurden in der Folge z.Tl. korri­giert, aber nicht im Grundsatz revi­diert, sie wurden durch neue­re Erkennt­nisse zur Geschich­te der Optik ergänzt (vgl. [Edgerton 2002a]Edgerton, Samuel Y. (2002): Die Entdeckung der Perspektive. Fink, München.
) und in kultur­kompa­ratis­tischer Hinsicht (vgl. [Belting 2008a]Belting, Hans (2008): Florenz und Bagdad. Eine westöstliche Geschichte des Blicks. C.H. Beck, München.
) weiter­verfolgt. In bildkon­zeptu­eller Hinsicht wieder spezi­fischer an der (Geschich­te der) Male­rei orien­tiert, hat Svetla­na Alpers ([Alpers 1985a]Alpers, Svetlana (1985): Kunst als Beschreibung. Holländische Malerei des 17. Jahrhunderts. DuMont, Köln.
) zwischen ita­lieni­schen, erzäh­lenden und hollän­dischen, beschrei­benden Bildern unter­schieden. Im Kern liegt dieser Gegen­über­stellung auch die Diffe­renzie­rung zwischen der alber­tini­schen, perspek­tivi­schen Bildauf­fassung und nicht-alber­tini­schen Darstel­lungskon­venti­onen wie der Distanz­punktper­spekti­ve[1] zugrun­de. Wenn die Perspek­tive als Darstel­lungsmo­dus im bildphi­loso­phischen Glossar an dieser Stelle zumin­dest erwähnt werden soll, dann kann dies als Hinweis darauf verstan­den werden, dass das Verhält­nis von Bild und Darstel­lungsmo­dus (hier: Perspek­tive) ähnlich inter­preta­tionsbe­dürftig ist wie das Verhältnis von Bild und Bildme­dium (hier: Male­rei). Die kultu­rell prägen­de, lange Tradi­tion der neuzeit­lichen Male­rei bis hin zum sog. Ende der wissen­schaftli­chen Perspek­tive in der Male­rei der Moder­ne hat einer Über­schneidung dieser an sich zu unter­scheiden­den bildwis­senschaft­lichen Themen­berei­che immer wieder Vorschub geleis­tet.

Auch die Beschwörung eines Endes der Male­rei und die zahlrei­chen Versu­che, eine „Male­rei nach dem Ende der Male­rei“ (vgl. [Meinhardt 1997a]Meinhardt, Johannes (1997): Ende der Malerei und Malerei nach dem Ende der Malerei. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit.
: S. 19-34) zu bestim­men, setzen Bild und Male­rei i.d.R. synonym. Für die älte­re Kunstge­schichte hat Victor I. Stoichi­ta das Ende des Bildes und das Ende der Kunst als Topoi des meta­pictu­ralen Diskur­ses der neuzeit­lichen Male­rei geltend gemacht und gezeigt, dass die Erfin­dung des Gemäl­des (im Sinne des Tafel­bildes / tableau) als „rela­tiv junge Erfin­dung“ ([Stoichita 1998a]Stoichita, Victor I. (1998): Das selbstbewusste Bild. Vom Ursprung der Metamalerei. Fink, München.
und [Kruse 2003a]Kruse, Christiane (2003): Wozu Menschen malen. Historische Begründungen eines Bildmediums. Fink, München.
) die Voraus­setzung dafür war, dass die Male­rei in Bildsu­jets wie dem Gale­riestück ([Bredekamp 2000a]Bredekamp, Horst (2000): Antikensehnsucht und Maschinenglauben. Die Geschichte der Kunstkammer und die Zukunft der Kunstgeschichte. Wagenbach, Berlin.
: S. 150-185), dem Ate­lierbild ([Winner 1962a]Winner, Matthias (1962): Gemalte Kunsttheorie. Zu Gustave Courbets «Allégorie réelle» und der Tradition. Jahrbuch der Berliner Museen, 4.
sowie [Asemissen & Schweikhart 1994a]Asemissen, Hermann Ulrich & Schweikhart, Gunter (1994): Malerei als Thema der Malerei. Akademie, Berlin.
) und dem Künstler­selbstpor­trät[2] genau­so wie in Bild­ele­menten wie dem inner­bildli­chen Rahmen, Nischen-, Fenster-, Tür, Karten- und Spiegel­moti­ven ihren eige­nen Bildsta­tus reflek­tiert. Als (ein) Höhe­punkt des meta­pictu­ralen Diskur­sen gilt Stoichi­ta wiede­rum Perraults Vorstel­lung einer „Male­rei als solcher (la Peinture en elle-mesme)“ ([Perrault 1964a]Perrault, Charles (1964): Parallèle des Anciens et des Modernes en ce qui regarde les Arts et les Sciences. Eidos, München.
Nicht angezeigt: orig.: Paris (4 Bde): 1688, 1690, 1692, 1694; Faksimilevolume mit einer Einführung von Hans Robert Jauss und einem Kommentar von Max Imdahl
, S. 370; vgl. dazu [Stoichita 1998a]Stoichita, Victor I. (1998): Das selbstbewusste Bild. Vom Ursprung der Metamalerei. Fink, München.
, S. 10), d.h. die Male­reibe­stimmun­gen der Querel­le des Anciens et des Moder­nes. Man kann darü­ber speku­lieren, ob die (bild-)wissen­schaftli­che und (bild-)philo­sophi­sche Aufmerk­samkeit für das Phäno­men der Meta­male­rei wesent­lich durch Bilder­fahrun­gen der klassi­schen Moder­ne, der Abstrak­tion und/oder der zeitge­nössi­schen Kunst stimu­liert wurde, ob und in welcher Hinsicht also die jünge­ren bildtheo­reti­schen Ana­lysen zu Topoi wie „Die weiße Wand“ und „Die weiße Leinwand“ (vgl. [Stoichita 1998a]Stoichita, Victor I. (1998): Das selbstbewusste Bild. Vom Ursprung der Metamalerei. Fink, München.
, S. 110ff. und S. 173ff.) der Vorgän­gigkeit der Male­rei bedurf­ten, etwa der Gemäl­de von Male­witsch («Supre­matis­tische Kompo­sition: Weiß auf Weiß», 1918[1]) oder von Rauschenberg («White Painting», 1951[2]). In jedem Fall hat die Male­rei selbst, haben konkre­te Gemäl­de immer wieder auch neue medi­ale Bestim­mungen provo­ziert. „Letzte Bilder“[3] haben in der Male­reige­schichte stets ein Bild nach dem letzen Bild wachge­rufen, wofür – jenseits der Abstrak­tion – auch Gemäl­de der Maler-Iro­niker Sigmar Polke («Moderne Kunst», 1968[3]) und Martin Kippen­berger («Lieber Maler, male mir», 1981[4]) oder der Meta-Maler Thomas Huber («Das Ende der Malerei», 2001[5]) oder Neo Rauch («Sucher», 1997[6]) einste­hen können. Auch und gerade nach dem Ende der Kunst im Sinne Hegels lotet die Male­rei – und in ihrem Gefol­ge die Bildwis­senschaft – die Grenze zwischen Male­rei (painting) und Bild (picture) je neu aus, gemäß dem Motto Robert Rymans:

Mir scheint, dass die Male­rei nicht tot sein kann, solange Bilder gemalt werden. (Robert Ryman, zit. n. [König & Obrist 1993a]König, Kasper & Obrist, Hans-Ulrich (Hg.) (1993): Der zerbrochene Spiegel. Positionen zur Malerei. Kunsthalle Wien / Deichtorhallen Hamburg, Wien.
Notiz: Ausstellungskatalog
Nicht angezeigt: Ausstellungskatalog Kunsthalle Wien / Deichtorhallen Hamburg
, S. 194).
Anmerkungen
  1. ↑ Vgl. zu die­ser Ge­gen­über­stel­lung bei Al­pers den Auf­satz von [Michalsky 2005a]Michalsky, Tanja (2005): Raum visualisieren. Zur Genese des modernen Raumverständnisses in den Medien der Frühen Neuzeit. In: Geppert, A. C.; Jensen, U. & Weinhold, J. (Hg.), Ortsgespräche. Raum und Kommunikation im 19. und 20. Jahrhundert. transcript, Bielefeld.
    : ins­be­son­de­re S. 292ff.
  2. ↑ Sys­te­ma­ti­sche Fra­gen an das Selbst­port­rät ent­wi­ckelt [Boehm 1985a]Boehm, Gottfried (1985): Der Andere als Prototyp. In: Boehm, G. (Hg.), Bildnis und Individuum. Über den Ursprung der Porträtmalerei in der italienischen Renaissance. Prestel, München.
    . Zu­letzt im Über­blick: [Pfisterer & von Rosen 2006a]Pfisterer, Ulrich & von Rosen, Valeska (Hg.) (2006): Der Künstler als Kunstwerk. Selbstporträts vom Mittelalter bis zur Gegenwart. reclam, Stuttgart.
    .
  3. ↑ Ad Rein­hardt nann­te ins­be­son­de­re sei­ne «black pain­tings», die er ab Mit­te der 1950er Jah­ren re­a­li­sier­te, ‘letz­te Bil­der’. Vgl. [Liesbrock 2010a]Liesbrock, Heinz (Hg.) (2010): Ad Reinhardt: Letzte Bilder. Josef Albers Museum Quadrat Bottrop, Düsseldorf.
    Notiz: Ausstellungskatalog
    .
Literatur
[Alpers 1985a]Alpers, Svetlana (1985): Kunst als Beschreibung. Holländische Malerei des 17. Jahrhunderts. DuMont, Köln.[Asemissen & Schweikhart 1994a]Asemissen, Hermann Ulrich & Schweikhart, Gunter (1994): Malerei als Thema der Malerei. Akademie, Berlin.[Baader 2003a]Baader, Hannah (2003): Paragone. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen – Methoden – Begriffe. J.B. Metzler, Stuttgart, Weimar.[Belting 2008a]Belting, Hans (2008): Florenz und Bagdad. Eine westöstliche Geschichte des Blicks. C.H. Beck, München.[Boehm 1985a]Boehm, Gottfried (1985): Der Andere als Prototyp. In: Boehm, G. (Hg.), Bildnis und Individuum. Über den Ursprung der Porträtmalerei in der italienischen Renaissance. Prestel, München.[Bredekamp 2000a]Bredekamp, Horst (2000): Antikensehnsucht und Maschinenglauben. Die Geschichte der Kunstkammer und die Zukunft der Kunstgeschichte. Wagenbach, Berlin.[Büttner 2003a]Büttner, Frank (2003): Perspektive. In: Pfisterer, U. (Hg.), Metzler Lexikon Kunstwissenschaft. Ideen – Methoden – Begriffe. JB Metzler, Stuttgart, Weimar.[Edgerton 2002a]Edgerton, Samuel Y. (2002): Die Entdeckung der Perspektive. Fink, München.[Farago 1992a]Farago, Claire J. (1992): Leonardo da Vinci’s Paragone. A Critical Interpretation with a New Edition of the Text in the Codex Urbinas. Brill, Leiden, New York, Kopenhagen, Köln.[Greenberg 1997a]Greenberg, Clement (1997): Zu einem neuen Laokoon. In: Lüdeking, K. (Hg.), Clement Greenberg – Die Essenz der Moderne. Ausgewählte Essays und Kritiken. Philo Fine Arts, Amsterdam, Dresden.[Imdahl 1987a]Imdahl, Max (1987): Farbe. Kunsttheoretische Reflexionen in Frankreich. Fink, München.[Kemp 1974a]Kemp, Wolfgang (1974): Disegno. Beiträge zu einer Geschichte des Begriffs zwischen 1547 und 1607. Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaf, 19.[Krauss 1999a]Krauss, Rosalind (1999): Reinventing the Medium. Critical Inquiry, 25,, 2.[Krauss 2000a]Der Eintrag existiert noch nicht.[Kruse 2003a]Kruse, Christiane (2003): Wozu Menschen malen. Historische Begründungen eines Bildmediums. Fink, München.[König & Obrist 1993a]König, Kasper & Obrist, Hans-Ulrich (Hg.) (1993): Der zerbrochene Spiegel. Positionen zur Malerei. Kunsthalle Wien / Deichtorhallen Hamburg, Wien.[Liesbrock 2010a]Liesbrock, Heinz (Hg.) (2010): Ad Reinhardt: Letzte Bilder. Josef Albers Museum Quadrat Bottrop, Düsseldorf.[Meinhardt 1997a]Meinhardt, Johannes (1997): Ende der Malerei und Malerei nach dem Ende der Malerei. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit.[Mendelsohn 1982a]Mendelsohn, Leatrice (1982): Paragoni. Benedetto Varchi’s Due Lezioni and Cinquecento Art Theory. UMI Research Press, Ann Arbor.[Michalsky 2005a]Michalsky, Tanja (2005): Raum visualisieren. Zur Genese des modernen Raumverständnisses in den Medien der Frühen Neuzeit. In: Geppert, A. C.; Jensen, U. & Weinhold, J. (Hg.), Ortsgespräche. Raum und Kommunikation im 19. und 20. Jahrhundert. transcript, Bielefeld.[Panofsky 1924a]Panofsky, Erwin (1998): Die Perspektive als symbolische Form (1924). In: Michels, K. & Warnke, M. (Hg.), Erwin Panofsky, Deutschsprachige Aufsätze, Bd. 2. Akademie, Berlin.[Perrault 1964a]Perrault, Charles (1964): Parallèle des Anciens et des Modernes en ce qui regarde les Arts et les Sciences. Eidos, München.[Pfisterer & von Rosen 2006a]Pfisterer, Ulrich & von Rosen, Valeska (Hg.) (2006): Der Künstler als Kunstwerk. Selbstporträts vom Mittelalter bis zur Gegenwart. reclam, Stuttgart.[Puttfarken 1985a]Puttfarken, Thomas (1985): Roger de Piles‘ Theory of Art. Yale Univ. Press, New Haven, London.[Puttfarken 1991a]Puttfarken, Thomas (1991): The Dispute about Disegno and Colorito in Venice. Paolo Pino, Lodovico Dolce and Titian. In: Glanz, P.; Gosebruch, M.; Meier, N. & Warnke, M. (Hg.), Kunst und Kunsttheorie 1400–1900. Harrassowitz, Wiesbaden.[Stierle 1984a]Stierle, Karlheinz (1984): Das bequeme Verhältnis. Lessings Laokoon und die Entdeckung des ästhetischen Mediums. In: Gebauer, G. (Hg.), Das Laokoon-Projekt: Pläne einer semiotischen Ästhetik. Metzler, Stuttgart.[Stoichita 1998a]Stoichita, Victor I. (1998): Das selbstbewusste Bild. Vom Ursprung der Metamalerei. Fink, München.[Winner 1962a]Winner, Matthias (1962): Gemalte Kunsttheorie. Zu Gustave Courbets «Allégorie réelle» und der Tradition. Jahrbuch der Berliner Museen, 4.[de Duve 1990a]de Duve, Thierry (1990): The Monochrome and the Blank Canvas. In: Guilbaut, S. (Hg.), Reconstructing Modernism. Art in New York, Paris and Montreal 1945-1964. The MIT Press, Cambridge/Mass.

Ausgabe 1: 2013

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Zitierhinweis:

Dobbe, Martina (2013). Malerei. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Malerei].