Wahrnehmungstheorien: Übersicht: Unterschied zwischen den Versionen
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==Kein Bild ohne Wahrnehmung== | |||
Trotz ihrer unterscheidlichen Ansätze sind sich [[phänomenologische Bildtheorien|phäno­meno­logi­sche Bild­theorien]] und [[Bildsemiotik|semio­tische Bild­theorien]] darü­ber einig, dass Bilder wesent­lich etwas sind, was ''wahrge­nommen'' wird. Für erste­re ist die Wahrnehm­barkeit sogar das zentra­le Moment der Bildhaf­tigkeit. Aber auch [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]] müssen wahrge­nommen werden, um als Zeichen fungie­ren zu können. Das gilt auf jeden Fall unter der Annah­me, dass Zeichen [[Interaktion und Kommunikation|kommu­nika­tive]] Enti­täten sind, das heißt: Gegen­stände, mit denen jemand etwas zu verste­hen geben will. Denn würden die in kommu­nika­tiver Absicht präsen­tierten Gegen­stände nicht wahrge­nommen werden, würde eine Kommu­nika­tion nicht stattfin­den (können). Für Zeichen im Allge­meinen und für Bilder im Beson­deren lässt sich daher voraus­setzen, dass es zum einen notwen­dig ''etwas'' gibt, das wahrge­nommen werden kann, also einen Zeichen- bzw. Bildträger, und dass es zum ande­ren ''jeman­den'' gibt, der den thema­tischen Zeichen­träger auch tatsäch­lich wahrnimmt. Die [[Materialität|Mate­riali­tät]] des Zeichen­trägers und die Sensi­bili­tät des Zeichen­verwen­ders sind die beiden ele­menta­ren Voraus­setzun­gen, aus denen sich in entspre­chender Zuwen­dung und unter geeig­neten Umstän­den kommu­nika­tive Situ­ati­onen (oder gar Verstän­digung) ent­wickeln. | |||
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Die Verschränkung von medialer Materialität und perzep­tueller Sensi­bili­tät ist in beson­derer Weise für Bilder bedeut­sam, weil wir Bilder nicht nur als ein zu deco­dieren­des Mate­rial verwen­den, sondern übli­cherwei­se – semio­tisch gespro­chen – mit der Moti­viertheit der [[Darstellung|Darstel­lung]] rechnen und daher im Bild bzw. in der Gestal­tung des mate­riellen Bildträ­gers Anhalts­punkte für die Ermitt­lung der kommu­nika­tiven Gehal­te anneh­men bzw. suchen. Im Unter­schied hierzu bietet ein schriftli­cher Text (von den ergän­zenden bildli­chen Aspek­ten wie Layout, [[Typographie|Typo­graphie]] etc. abge­sehen) in der Regel keine [[Pragmatik, Semantik, Syntax|seman­tischen]] Hinwei­se auf mate­rieller Ebe­ne. Zwar können wir auch durch eine erneu­te Lektü­re zu einem besse­ren Verständ­nis eines Textes gelan­gen, aber dies hat eher mit den Aspek­ten des herme­neuti­schen Zirkels oder auch einfach nur mit der Leistungs­fähig­keit des Gedächt­nis zu tun, während wir bei der erneu­ten Betrach­tung eines Bildes unter Umstän­den Eigen­schaften und Zusam­menhän­ge erken­nen, die wir bislang noch nicht hatten wahrneh­men können. Entspre­chend ist die [[Ekphrasis|Beschrei­bung eines Bildes]] ganz prinzi­piell kein vollwer­tiger Ersatz des Bildes, da wir davon ausge­hen müssen, dass uns zu einen späte­ren Zeitpunkt und / oder in einen verän­derten [[Kontext]] ganz ande­re Eigen­schaften und Zusam­menhän­ge auffal­len werden. | |||
==Thematische Aufteilung== | |||
Für das Verständnis von Bildern ist nach dem Gesag­ten und in auffäl­liger Über­einkunft der meisten Bildfor­scher ein Bezug zur Wahrneh­mungstheorie essen­tiell. Etwas anders formu­liert: Wir verste­hen die Funktions- und Wirkungsweise von Bilder nur in dem Maße, in dem wir die hierbei betei­ligten Wahrne­hmungspro­zesse zuvor bereits verstanden haben. In den verschie­denen Unter­punkten werden entspre­chend in exem­plari­scher Weise wichti­ge Aspek­te des Wahr­nehmungs­vorgan­ges und der unter­schiedli­chen Wahrneh­mungstheo­rien behan­delt. Auf der Ebene des Wahrneh­mungsvor­gangs liegen etwa die Einträ­ge zu «[[Auge]]»​ und «[[Theorien der visuellen Wahrnehmung]]»,​ in denen die Voraus­setzun­gen und Diffe­renzie­rungen der betei­ligten Instan­zen und Prozes­se erläu­tert werden. Lemma­ta wie «[[Bildwahrnehmung vs. Objektwahrnehmung|Bildwahr­nehmung vs. Objekt­wahrneh­mung]]»​ oder «[[Farbwahrnehmung|Farbwahr­nehmung]]»​ beschrei­ben die Beson­derhei­ten, die sich mit unter­schiedli­chen Wahrneh­mungsfor­men oder Wahrneh­mungsin­halten ein­stel­len. Schlagwor­te wie «[[Phänomenologie des Bildes|Phäno­meno­logie des Bildes]]»​ gehen schließlich auf die Beson­derheiten der (visu­ellen) Erfah­rung ein, wenn Bildträger wahrge­nommen werden. | |||
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* [[Ästhesiologie]] | |||
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* [[Hilfe:Entschuldigung1|Bildobjekt / Bildträger -]] | |||
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Bildwahrnehmung vs. Objektwahrnehmung -]] | |||
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Chock / taktile Wahrnehmung -]] | |||
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Erfahrung / Unmittelbarkeit -]] | |||
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Farbwahrnehmung -]] | |||
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Gegenstand der visuellen Wahrnehmung -]] | |||
* [[Gestalt]] | |||
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Horizont -]] | |||
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Körper -]] | |||
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Nachbild -]] | |||
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Phänomenologie des Bildes -]] | |||
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Theorien der visuellen Wahrnehmung -]] | |||
* [[Wahrnehmungsillusion]] | |||
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* [[Benutzer:Klaus Sachs-hombach |Klaus Sachs-Hombach ]] | |||
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Aktuelle Version vom 10. Januar 2026, 19:06 Uhr
Hauptpunkt zu: Bild und Wahrnehmung
Kein Bild ohne WahrnehmungTrotz ihrer unterscheidlichen Ansätze sind sich phänomenologische Bildtheorien und semiotische Bildtheorien darüber einig, dass Bilder wesentlich etwas sind, was wahrgenommen wird. Für erstere ist die Wahrnehmbarkeit sogar das zentrale Moment der Bildhaftigkeit. Aber auch Zeichen müssen wahrgenommen werden, um als Zeichen fungieren zu können. Das gilt auf jeden Fall unter der Annahme, dass Zeichen kommunikative Entitäten sind, das heißt: Gegenstände, mit denen jemand etwas zu verstehen geben will. Denn würden die in kommunikativer Absicht präsentierten Gegenstände nicht wahrgenommen werden, würde eine Kommunikation nicht stattfinden (können). Für Zeichen im Allgemeinen und für Bilder im Besonderen lässt sich daher voraussetzen, dass es zum einen notwendig etwas gibt, das wahrgenommen werden kann, also einen Zeichen- bzw. Bildträger, und dass es zum anderen jemanden gibt, der den thematischen Zeichenträger auch tatsächlich wahrnimmt. Die Materialität des Zeichenträgers und die Sensibilität des Zeichenverwenders sind die beiden elementaren Voraussetzungen, aus denen sich in entsprechender Zuwendung und unter geeigneten Umständen kommunikative Situationen (oder gar Verständigung) entwickeln. Die Verschränkung von medialer Materialität und perzeptueller Sensibilität ist in besonderer Weise für Bilder bedeutsam, weil wir Bilder nicht nur als ein zu decodierendes Material verwenden, sondern üblicherweise – semiotisch gesprochen – mit der Motiviertheit der Darstellung rechnen und daher im Bild bzw. in der Gestaltung des materiellen Bildträgers Anhaltspunkte für die Ermittlung der kommunikativen Gehalte annehmen bzw. suchen. Im Unterschied hierzu bietet ein schriftlicher Text (von den ergänzenden bildlichen Aspekten wie Layout, Typographie etc. abgesehen) in der Regel keine semantischen Hinweise auf materieller Ebene. Zwar können wir auch durch eine erneute Lektüre zu einem besseren Verständnis eines Textes gelangen, aber dies hat eher mit den Aspekten des hermeneutischen Zirkels oder auch einfach nur mit der Leistungsfähigkeit des Gedächtnis zu tun, während wir bei der erneuten Betrachtung eines Bildes unter Umständen Eigenschaften und Zusammenhänge erkennen, die wir bislang noch nicht hatten wahrnehmen können. Entsprechend ist die Beschreibung eines Bildes ganz prinzipiell kein vollwertiger Ersatz des Bildes, da wir davon ausgehen müssen, dass uns zu einen späteren Zeitpunkt und / oder in einen veränderten Kontext ganz andere Eigenschaften und Zusammenhänge auffallen werden.
Thematische AufteilungFür das Verständnis von Bildern ist nach dem Gesagten und in auffälliger Übereinkunft der meisten Bildforscher ein Bezug zur Wahrnehmungstheorie essentiell. Etwas anders formuliert: Wir verstehen die Funktions- und Wirkungsweise von Bilder nur in dem Maße, in dem wir die hierbei beteiligten Wahrnehmungsprozesse zuvor bereits verstanden haben. In den verschiedenen Unterpunkten werden entsprechend in exemplarischer Weise wichtige Aspekte des Wahrnehmungsvorganges und der unterschiedlichen Wahrnehmungstheorien behandelt. Auf der Ebene des Wahrnehmungsvorgangs liegen etwa die Einträge zu «Auge» und «Theorien der visuellen Wahrnehmung», in denen die Voraussetzungen und Differenzierungen der beteiligten Instanzen und Prozesse erläutert werden. Lemmata wie «Bildwahrnehmung vs. Objektwahrnehmung» oder «Farbwahrnehmung» beschreiben die Besonderheiten, die sich mit unterschiedlichen Wahrnehmungsformen oder Wahrnehmungsinhalten einstellen. Schlagworte wie «Phänomenologie des Bildes» gehen schließlich auf die Besonderheiten der (visuellen) Erfahrung ein, wenn Bildträger wahrgenommen werden. |
Unterpunkte
Anmerkungen
Ausgabe 1: 2013 Verantwortlich: Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Klaus Sachs-Hombach — (Hinweis) Zitierhinweis: |