Wahrnehmungstheorien: Übersicht: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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==Kein Bild ohne Wahrnehmung==
=====Fragestellung=====
Trotz ihrer unterscheidlichen Ansätze sind sich [[phänomenologische Bildtheorien|phäno&shy;meno&shy;logi&shy;sche Bild&shy;theorien]] und [[Bildsemiotik|semio&shy;tische Bild&shy;theorien]] darü&shy;ber einig, dass Bilder wesent&shy;lich etwas sind, was ''wahrge&shy;nommen'' wird. Für erste&shy;re ist die Wahrnehm&shy;barkeit sogar das zentra&shy;le Moment der Bildhaf&shy;tigkeit. Aber auch [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]] müssen wahrge&shy;nommen werden, um als Zeichen fungie&shy;ren zu können. Das gilt auf jeden Fall unter der Annah&shy;me, dass Zeichen [[Interaktion und Kommunikation|kommu&shy;nika&shy;tive]] Enti&shy;täten sind, das heißt: Gegen&shy;stände, mit denen jemand etwas zu verste&shy;hen geben will. Denn würden die in kommu&shy;nika&shy;tiver Absicht präsen&shy;tierten Gegen&shy;stände nicht wahrge&shy;nommen werden, würde eine Kommu&shy;nika&shy;tion nicht stattfin&shy;den (können). Für Zeichen im Allge&shy;meinen und für Bilder im Beson&shy;deren lässt sich daher voraus&shy;setzen, dass es zum einen notwen&shy;dig ''etwas'' gibt, das wahrge&shy;nommen werden kann, also einen Zeichen- bzw. Bildträger, und dass es zum ande&shy;ren ''jeman&shy;den'' gibt, der den thema&shy;tischen Zeichen&shy;träger auch tatsäch&shy;lich wahrnimmt. Die [[Materialität|Mate&shy;riali&shy;tät]] des Zeichen&shy;trägers und die Sensi&shy;bili&shy;tät des Zeichen&shy;verwen&shy;ders sind die beiden ele&shy;menta&shy;ren Voraus&shy;setzun&shy;gen, aus denen sich in entspre&shy;chender Zuwen&shy;dung und unter geeig&shy;neten Umstän&shy;den kommu&shy;nika&shy;tive Situ&shy;ati&shy;onen (oder gar Verstän&shy;digung) ent&shy;wickeln.
 
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Worum geht es hier?
Die Verschränkung von medialer Materialität und perzep&shy;tueller Sensi&shy;bili&shy;tät ist in beson&shy;derer Weise für Bilder bedeut&shy;sam, weil wir Bilder nicht nur als ein zu deco&shy;dieren&shy;des Mate&shy;rial verwen&shy;den, sondern übli&shy;cherwei&shy;se – semio&shy;tisch gespro&shy;chen – mit der Moti&shy;viertheit der [[Darstellung|Darstel&shy;lung]] rechnen und daher im Bild bzw. in der Gestal&shy;tung des mate&shy;riellen Bildträ&shy;gers Anhalts&shy;punkte für die Ermitt&shy;lung der kommu&shy;nika&shy;tiven Gehal&shy;te anneh&shy;men bzw. suchen. Im Unter&shy;schied hierzu bietet ein schriftli&shy;cher Text (von den ergän&shy;zenden bildli&shy;chen Aspek&shy;ten wie Layout, [[Typographie|Typo&shy;graphie]] etc. abge&shy;sehen) in der Regel keine [[Pragmatik, Semantik, Syntax|seman&shy;tischen]] Hinwei&shy;se auf mate&shy;rieller Ebe&shy;ne. Zwar können wir auch durch eine erneu&shy;te Lektü&shy;re zu einem besse&shy;ren Verständ&shy;nis eines Textes gelan&shy;gen, aber dies hat eher mit den Aspek&shy;ten des herme&shy;neuti&shy;schen Zirkels oder auch einfach nur mit der Leistungs&shy;fähig&shy;keit des Gedächt&shy;nis zu tun, während wir bei der erneu&shy;ten Betrach&shy;tung eines Bildes unter Umstän&shy;den Eigen&shy;schaften und Zusam&shy;menhän&shy;ge erken&shy;nen, die wir bislang noch nicht hatten wahrneh&shy;men können. Entspre&shy;chend ist die [[Ekphrasis|Beschrei&shy;bung eines Bildes]] ganz prinzi&shy;piell kein vollwer&shy;tiger Ersatz des Bildes, da wir davon ausge&shy;hen müssen, dass uns zu einen späte&shy;ren Zeitpunkt und / oder in einen verän&shy;derten [[Kontext]] ganz ande&shy;re Eigen&shy;schaften und Zusam&shy;menhän&shy;ge auffal&shy;len werden.  
 
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<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas61a'>[Jonas 1961]</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Bearbeitungslink in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->
 
=====Aufteilung=====
 
Kommentar zu den Unterpunkten ...
 
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=====Sonstiges=====




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==Thematische Aufteilung==
Für das Verständnis von Bildern ist nach dem Gesag&shy;ten und in auffäl&shy;liger Über&shy;einkunft der meisten Bildfor&shy;scher ein Bezug zur Wahrneh&shy;mungstheorie essen&shy;tiell. Etwas anders formu&shy;liert: Wir verste&shy;hen die Funktions- und Wirkungsweise von Bilder nur in dem Maße, in dem wir die hierbei betei&shy;ligten Wahrne&shy;hmungspro&shy;zesse zuvor bereits verstanden haben. In den verschie&shy;denen Unter&shy;punkten werden entspre&shy;chend in exem&shy;plari&shy;scher Weise wichti&shy;ge Aspek&shy;te des Wahr&shy;nehmungs&shy;vorgan&shy;ges und der unter&shy;schiedli&shy;chen Wahrneh&shy;mungstheo&shy;rien behan&shy;delt. Auf der Ebene des Wahrneh&shy;mungsvor&shy;gangs liegen etwa die Einträ&shy;ge zu «[[Auge]]»&#8203; und «[[Theorien der visuellen Wahrnehmung]]»,&#8203; in denen die Voraus&shy;setzun&shy;gen und Diffe&shy;renzie&shy;rungen der betei&shy;ligten Instan&shy;zen und Prozes&shy;se erläu&shy;tert werden. Lemma&shy;ta wie «[[Bildwahrnehmung vs. Objektwahrnehmung|Bildwahr&shy;nehmung vs. Objekt&shy;wahrneh&shy;mung]]»&#8203; oder «[[Farbwahrnehmung|Farbwahr&shy;nehmung]]»&#8203; beschrei&shy;ben die Beson&shy;derhei&shy;ten, die sich mit unter&shy;schiedli&shy;chen Wahrneh&shy;mungsfor&shy;men oder Wahrneh&shy;mungsin&shy;halten ein&shy;stel&shy;len. Schlagwor&shy;te wie «[[Phänomenologie des Bildes|Phäno&shy;meno&shy;logie des Bildes]]»&#8203; gehen schließlich auf die Beson&shy;derheiten der (visu&shy;ellen) Erfah&shy;rung ein, wenn Bildträger wahrge&shy;nommen werden. 


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=====Unterpunkte=====
==Unterpunkte==
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<!-- Zeilen sollten diese Form haben (XYZ jeweils ersetzen): * [[XYZ]]  -->
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* [[Ästhesiologie]]
 
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Auge -]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Bildobjekt / Bildträger -]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Bildwahrnehmung vs. Objektwahrnehmung -]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Chock / taktile Wahrnehmung -]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Erfahrung / Unmittelbarkeit -]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Farbwahrnehmung -]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Gegenstand der visuellen Wahrnehmung -]]
* [[Gestalt]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Horizont -]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Körper -]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Nachbild -]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Phänomenologie des Bildes -]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Theorien der visuellen Wahrnehmung -]]
* [[Wahrnehmungsillusion]]
</div>
</div>


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''Ausgabe 1: 2013''
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''Verantwortlich:''  


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* [[Benutzer:Klaus Sachs-hombach |Klaus Sachs-Hombach ]]
[[Benutzer:XXX]]
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<!--Das war's-->
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Aktuelle Version vom 10. Januar 2026, 19:06 Uhr

Hauptpunkt zu: Bild und Wahrnehmung


Kein Bild ohne Wahrnehmung

Trotz ihrer unterscheidlichen Ansätze sind sich phäno­meno­logi­sche Bild­theorien und semio­tische Bild­theorien darü­ber einig, dass Bilder wesent­lich etwas sind, was wahrge­nommen wird. Für erste­re ist die Wahrnehm­barkeit sogar das zentra­le Moment der Bildhaf­tigkeit. Aber auch Zeichen müssen wahrge­nommen werden, um als Zeichen fungie­ren zu können. Das gilt auf jeden Fall unter der Annah­me, dass Zeichen kommu­nika­tive Enti­täten sind, das heißt: Gegen­stände, mit denen jemand etwas zu verste­hen geben will. Denn würden die in kommu­nika­tiver Absicht präsen­tierten Gegen­stände nicht wahrge­nommen werden, würde eine Kommu­nika­tion nicht stattfin­den (können). Für Zeichen im Allge­meinen und für Bilder im Beson­deren lässt sich daher voraus­setzen, dass es zum einen notwen­dig etwas gibt, das wahrge­nommen werden kann, also einen Zeichen- bzw. Bildträger, und dass es zum ande­ren jeman­den gibt, der den thema­tischen Zeichen­träger auch tatsäch­lich wahrnimmt. Die Mate­riali­tät des Zeichen­trägers und die Sensi­bili­tät des Zeichen­verwen­ders sind die beiden ele­menta­ren Voraus­setzun­gen, aus denen sich in entspre­chender Zuwen­dung und unter geeig­neten Umstän­den kommu­nika­tive Situ­ati­onen (oder gar Verstän­digung) ent­wickeln.

Die Verschränkung von medialer Materialität und perzep­tueller Sensi­bili­tät ist in beson­derer Weise für Bilder bedeut­sam, weil wir Bilder nicht nur als ein zu deco­dieren­des Mate­rial verwen­den, sondern übli­cherwei­se – semio­tisch gespro­chen – mit der Moti­viertheit der Darstel­lung rechnen und daher im Bild bzw. in der Gestal­tung des mate­riellen Bildträ­gers Anhalts­punkte für die Ermitt­lung der kommu­nika­tiven Gehal­te anneh­men bzw. suchen. Im Unter­schied hierzu bietet ein schriftli­cher Text (von den ergän­zenden bildli­chen Aspek­ten wie Layout, Typo­graphie etc. abge­sehen) in der Regel keine seman­tischen Hinwei­se auf mate­rieller Ebe­ne. Zwar können wir auch durch eine erneu­te Lektü­re zu einem besse­ren Verständ­nis eines Textes gelan­gen, aber dies hat eher mit den Aspek­ten des herme­neuti­schen Zirkels oder auch einfach nur mit der Leistungs­fähig­keit des Gedächt­nis zu tun, während wir bei der erneu­ten Betrach­tung eines Bildes unter Umstän­den Eigen­schaften und Zusam­menhän­ge erken­nen, die wir bislang noch nicht hatten wahrneh­men können. Entspre­chend ist die Beschrei­bung eines Bildes ganz prinzi­piell kein vollwer­tiger Ersatz des Bildes, da wir davon ausge­hen müssen, dass uns zu einen späte­ren Zeitpunkt und / oder in einen verän­derten Kontext ganz ande­re Eigen­schaften und Zusam­menhän­ge auffal­len werden.


Thematische Aufteilung

Für das Verständnis von Bildern ist nach dem Gesag­ten und in auffäl­liger Über­einkunft der meisten Bildfor­scher ein Bezug zur Wahrneh­mungstheorie essen­tiell. Etwas anders formu­liert: Wir verste­hen die Funktions- und Wirkungsweise von Bilder nur in dem Maße, in dem wir die hierbei betei­ligten Wahrne­hmungspro­zesse zuvor bereits verstanden haben. In den verschie­denen Unter­punkten werden entspre­chend in exem­plari­scher Weise wichti­ge Aspek­te des Wahr­nehmungs­vorgan­ges und der unter­schiedli­chen Wahrneh­mungstheo­rien behan­delt. Auf der Ebene des Wahrneh­mungsvor­gangs liegen etwa die Einträ­ge zu «Auge»​ und «Theorien der visuellen Wahrnehmung»,​ in denen die Voraus­setzun­gen und Diffe­renzie­rungen der betei­ligten Instan­zen und Prozes­se erläu­tert werden. Lemma­ta wie «Bildwahr­nehmung vs. Objekt­wahrneh­mung»​ oder «Farbwahr­nehmung»​ beschrei­ben die Beson­derhei­ten, die sich mit unter­schiedli­chen Wahrneh­mungsfor­men oder Wahrneh­mungsin­halten ein­stel­len. Schlagwor­te wie «Phäno­meno­logie des Bildes»​ gehen schließlich auf die Beson­derheiten der (visu­ellen) Erfah­rung ein, wenn Bildträger wahrge­nommen werden.

Anmerkungen
Literatur

Es wurden keine Literaturverweise im Artikel gefunden.

Ausgabe 1: 2013

Verantwortlich:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra und Klaus Sachs-Hombach — (Hinweis)

Zitierhinweis:

Sachs-Hombach, Klaus (2013). Wahrnehmungstheorien: Übersicht (Hauptpunkt). (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Wahrnehmungstheorien:_Übersicht].