Emblem: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt-->
==Zu Begriff und Geschichte von Emblem und Em&shy;ble&shy;matik==
:
<!--Langzitate nur kursiv einegrückt, ohne Anführungszeichen-->
:''Mit seinem umfangreichen Textkor&shy;pus und seinem großen Umfang an Vari&shy;anten, der eine defi&shy;nito&shy;rische wie auch eine typo&shy;logi&shy;sche Erfas&shy;sung der Gattung biswei&shy;len als schier aussichts&shy;loses Unter&shy;fangen erschei&shy;nen läßt, ist das Emblem ohne Zweifel die produk&shy;tivste der kleinen, im 16., 17. und noch im 18. Jahrhun&shy;dert produk&shy;tiven Wort-&#8203;Bild-&#8203;Gattun&shy;gen'' (<bib id='Scholz 2002a'></bib>: S. 15).
:
Ein Emblem (ἔμβλημα) ist eine spezi&shy;fische Bild und Text kombi&shy;nieren&shy;de Gattung unei&shy;gentli&shy;cher, argu&shy;menta&shy;tiver Rede. Im Laufe des 16. bis 18. Jahrhun&shy;derts avan&shy;cierte die Emble&shy;matik als konse&shy;quentes&shy;te Umset&shy;zung des [[Ut pictura poesis|''Ut pictu&shy;ra poesis'']] (vgl. <bib id='Heckscher & Wirth 1967a'></bib>: S. 88) in ganz West-&#8203;Euro&shy;pa zu einer zentra&shy;len Kultur&shy;technik und zum inte&shy;gralen Bestand&shy;teil frühneu&shy;zeitli&shy;cher Wissens&shy;ordnung. Konsti&shy;tutiv für Emble&shy;me sind ihre alle&shy;gori&shy;sche Verweis&shy;struktur und eine regel&shy;gelei&shy;tete Kombi&shy;nato&shy;rik, die in der cice&shy;roni&shy;ani&shy;schen Rheto&shy;rik gründet.<ref>Zur Funk&shy;ti&shy;on der To&shy;pik in&shy;ner&shy;halb früh&shy;neu&shy;zeit&shy;li&shy;cher Wis&shy;sens&shy;ord&shy;nun&shy;gen vgl. grund&shy;le&shy;gend <bib id='Schmidt-Biggemann 1983a'>Schmidt-&#8203;Big&shy;ge&shy;mann 1983a</bib>; für die rhe&shy;to&shy;risch-&#8203;phi&shy;lo&shy;so&shy;phi&shy;sche Ar&shy;gu&shy;men&shy;ta&shy;ti&shy;ons&shy;leh&shy;re, die eben&shy;so kon&shy;sti&shy;tu&shy;tiv für die Em&shy;ble&shy;ma&shy;tik ist, vgl. <bib id='Schmidt-Biggemann 2007a'>Schmidt-&#8203;Big&shy;ge&shy;mann 2007a</bib>: S. 229-&#8203;246.</ref>
:
Embleme stehen in enger Verbin&shy;dung mit ande&shy;ren Text-&#8203;Bild-&#8203;Gene&shy;ra wie der Impre&shy;se (die in der Regel einen persön&shy;lichen Leit&shy;satz visu&shy;ali&shy;siert), dem Rebus (einem meist visu&shy;ell verschlüs&shy;selten Bilder&shy;rätsel von Worten oder Senten&shy;zen) oder der Renais&shy;sance-&#8203;[[Hieroglyphen, Hieroglyphendiskurs|Hiero&shy;glyphik]] (von der man annahm, ihre Bildzei&shy;chen böten einen unmit&shy;telba&shy;ren Zugang zur göttli&shy;chen Erkennt&shy;nis). Im Laufe ihrer rund 250-&#8203;jähri&shy;gen Geschich&shy;te bildet die Emble&shy;matik zahlrei&shy;che Struktur&shy;formen heraus (vgl. <bib id='Heckscher & Wirth 1967a'></bib>), von denen der bekann&shy;teste Struktur&shy;typ eine spezi&shy;fische Dreitei&shy;ligkeit aufweist, wie sie in dem 1531 in Augsburg publi&shy;zierten ersten Emblem&shy;buch des Mailän&shy;der Juris&shy;ten Andreas Alci&shy;atus vorge&shy;geben ist. Der Verle&shy;ger Heinrich Steyner verband in diesem «Emble&shy;matum liber» die von Alci&shy;atus verfass&shy;ten Epi&shy;gramme mit Holzschnit&shy;ten (nach Zeichnun&shy;gen des Augsbur&shy;ger Malers Jörg Breu dem Älte&shy;ren) und schuf so einen emble&shy;mati&shy;schen Proto&shy;typen. Dieser Proto&shy;typ fand rasch breite Aufnah&shy;me inner&shy;halb der ''res&shy;publi&shy;ca litte&shy;raria'' – auch deshalb, weil er durch eine der leistungs&shy;fähigs&shy;ten [[Bilder als Medien|Medien&shy;techni&shy;ken]] der Zeit, der Verbin&shy;dung von Buchdruck und Holzschnitt, verbrei&shy;tet wurde.
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[[Datei:Alciatus Emblem1.png|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 1: Al&shy;ci&shy;a&shy;tus’ «Pau&shy;per&shy;ta&shy;tem sum&shy;mis» in der Augs&shy;bur&shy;ger Ver&shy;si&shy;on (1531)]]
Die meis&shy;ten Em&shy;ble&shy;me des «Em&shy;ble&shy;ma&shy;tum li&shy;ber» be&shy;ste&shy;hen wie das Bei&shy;spiel in Ab&shy;bil&shy;dung 1 aus ei&shy;ner In&shy;scrip&shy;tio (Lem&shy;ma, Mot&shy;to, Ob&shy;schrift), ei&shy;ner Pic&shy;tu&shy;ra (Icon, Sym&shy;bo&shy;lum) so&shy;wie ei&shy;ner Sub&shy;scrip&shy;tio (oder Un&shy;ter&shy;schrift). <ref>Zu ‘Icon’ ⊳ [[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'|Griechisch: ‘agalma’, ‘phantasma’, ‘eidolon’, ‘typos’, ‘eikon’]] und zu ‘Pic&shy;tu&shy;ra’ ⊳ [[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago'|La&shy;tei&shy;nisch: ‘ef&shy;fi&shy;gies’, ‘spe&shy;cies’, ‘si&shy;mu&shy;lac&shy;rum’, ‘ima&shy;go’]].</ref>
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Die In&shy;scrip&shy;tio „Pau&shy;per&shy;ta&shy;tem svm&shy;mis in&shy;ge&shy;nijs obes&shy;se ne pro&shy;ue&shy;han&shy;tur“ gibt in Form ei&shy;nes kur&shy;zen Sinn&shy;spruchs das The&shy;ma des Em&shy;blems vor und ord&shy;net es zu&shy;gleich ei&shy;nem be&shy;stimm&shy;ten Kon&shy;text zu, der den ex&shy;ege&shy;ti&shy;schen Rah&shy;men des Em&shy;blems fest&shy;legt (vgl. <bib id='Neuber 1993a'>Neu&shy;ber 1993a</bib>). Die Pictu&shy;ra zeigt einen Gelehr&shy;ten (codiert durch Hut und Mantel), dessen rechter beflü&shy;gelter Arm in Richtung Himmel, der linke hinge&shy;gen, mit einem Stein beschwert, Richtung Erde strebt. Sein Blick folgt dem empor&shy;streben&shy;den, nicht dem beschwer&shy;ten Arm. Die Subscrip&shy;tio des Alci&shy;atus-&#8203;Emblems besteht aus zwei Disti&shy;chen. Das erste gibt eine [[Ekphrasis|Ekphra&shy;sis]], die mit der Pictu&shy;ra korres&shy;pondiert:<ref>Die of&shy;fen&shy;sicht&shy;li&shy;che Ver&shy;tau&shy;schung der Sei&shy;ten links und rechts in der Pic&shy;tu&shy;ra wur&shy;de in spä&shy;te&shy;ren Aus&shy;ga&shy;ben des «Em&shy;ble&shy;ma&shy;tum li&shy;ber» kor&shy;ri&shy;giert.</ref>
:
:''Dextra tenet lapidem, manus altera sustinet alas.''
::''Vt me pluma leuat, sic graue mergit onus,''
:''Ingenio poteram superas uolitare per arces,''
::''Me nisi paupertas inuida deprimeret.''<ref>In der Über&shy;set&shy;zung Wolf&shy;gang Hun&shy;gers für die Aus&shy;ga&shy;be Paris 1542: „Mein rech&shy;te hand ein stayn be&shy;schwert, Die linck er&shy;horcht ein fe&shy;der ring: Der stayn zeucht doch so vast zu erd, Das ich mich nit in dhoch er&shy;schwing. Was zaygr vnnß an ein so&shy;lich ding? Man&shy;cher ist wol ge&shy;born zu kunst, Di in zu ho&shy;chen eh&shy;ren bring, Doch so er arm, ists alls vmb sunst“ <bib id='Alciatus 1967a'>Al&shy;ci&shy;a&shy;tus 1967a</bib>: S. 47.</ref>
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Das zweite Distichon stellt dann die Verbin&shy;dung zur Inscrip&shy;tio her, indem es die Pictu&shy;ra auslegt: Die Armut hindert den intel&shy;lektuell und künstle&shy;risch Begab&shy;ten daran, seine Fähig&shy;keit voll zu entfal&shy;ten. Auch wenn der bilder&shy;zeugen&shy;de, ekphras&shy;tische Teil der Subscrip&shy;tio der Evi&shy;dentia (also dem Vor-&#8203;Augen-&#8203;Stellen eines Sachver&shy;haltes oder eines Argu&shy;ments) dient, so aktu&shy;ali&shy;siert erst das Zusam&shy;menspiel aller Teile das dem Emblem zugrun&shy;de liegen&shy;de Argu&shy;ment.
:
Aus dieser im «Emblematum liber» vorzufin&shy;denden dreitei&shy;ligen Emblem&shy;struktur leite&shy;te Albrecht Schöne einen Ideal&shy;typus ab, den er unter der Formel einer „Doppel&shy;struktur des Abbil&shy;dens und Ausle&shy;gens oder des [[Darstellung|Darstel&shy;lens]] und Deutens“ (<bib id='Schöne 1993a'></bib>: S. 21) zu klassi&shy;fizie&shy;ren versuch&shy;te, wobei er im Prozess der Sinner&shy;zeugung der Pictu&shy;ra den Vorrang vor den beiden ande&shy;ren Konsti&shy;tuenten zuschrieb. Die Kritik an Schönes Ideal&shy;typus ließ nicht lange auf sich warten.<ref>Vgl. aus&shy;führ&shy;lich <bib id='Sulzer 1992a'>Sul&shy;zer 1992a</bib>: S. 32-&#8203;40, zu&shy;letzt auch <bib id='Scholz 2002a'></bib>: S. 15-&#8203;41.</ref> Bernhard F. Scholz zeigt die Nähe des Emblems zu ande&shy;ren symbo&shy;lischen Formen wie dem Rebus, der Impre&shy;se, der Renais&shy;sance-&#8203;Hiero&shy;glyphik auf der Grundla&shy;ge histo&shy;rischer Begriffs&shy;bestim&shy;mungen, denen er in erster Linie Trakta&shy;te zur Impre&shy;se, die von Emble&shy;mati&shy;kern vielfach zitiert wurden, zugrun&shy;de legt. Allen diesen symbo&shy;lischen Formen ist ein beson&shy;derer Rätsel&shy;charak&shy;ter gemein&shy;sam, der sich aus der Verläss&shy;lichkeit eines noch uni&shy;versal-&#8203;göttli&shy;chen Verweis&shy;systems, dem mittel&shy;alter&shy;lichen ''ordo'', speist, in welchem alles mit allem in einem symbo&shy;lisch-&#8203;alle&shy;gori&shy;schen Bezug steht und der die Dinge der Welt inner&shy;halb einer topisch orga&shy;nisier&shy;ten Wissens&shy;ordnung dispo&shy;nibel hält.<ref>Zur Be&shy;deu&shy;tung der To&shy;pik als Ord&shy;nungs&shy;sys&shy;tem für die Em&shy;ble&shy;ma&shy;tik vgl. <bib id='Scholz 2002a'></bib>, ins&shy;be&shy;son&shy;de&shy;re S. 43-&#8203;62 so&shy;wie <bib id='Kocher 2007a'>Ko&shy;cher 2007a</bib>, <bib id='Kocher 2010a'>Ko&shy;cher 2010a</bib>, <bib id='Kocher 2011a'>Ko&shy;cher 2011a</bib> und <bib id='Manns 2007a'></bib> so&shy;wie <bib id='Manns 2012a'></bib>.</ref> Diese poeto&shy;logisch verwand&shy;ten Formen wenden sich in erster Linie an eine Gelehr&shy;tenschicht, die diese Rätsel&shy;struktur zu dechiff&shy;rieren in der Lage ist.
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Im Laufe ihrer Gattungsgeschichte bildete die Emble&shy;matik eine Vielzahl von Formva&shy;rianten aus, die mehr oder weni&shy;ger von dieser struktu&shy;rellen Dreiglied&shy;rigkeit abwei&shy;chen, wie etwa die gegen Mitte des 17. Jahrhun&shy;derts immer popu&shy;läre&shy;ren „mehr&shy;ständi&shy;gen Sinnbil&shy;der“, die aus bis zu zehn mitein&shy;ander zu einer Sinnein&shy;heit verbun&shy;denen Emble&shy;men beste&shy;hen können. Trotz ihrer Vielfalt ist diesen Gebil&shy;den eine [[Metonymie|meto&shy;nymi&shy;sche]] bzw. [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie|meta&shy;phori&shy;sche]] Rela&shy;tion von Text und Bild eigen (vgl. <bib id='Scholz 1997a'></bib>). Emble&shy;me stellen abstrak&shy;te, unan&shy;schauli&shy;che Begrif&shy;fe, Ideen, Argu&shy;mente in der Regel mit dem Ziel vor Augen, ein bestimm&shy;tes abstrak&shy;tes Wissen zu speichern und dispo&shy;nibel zu halten. Das verbin&shy;det die Emble&shy;matik mit ande&shy;ren Formen von frühneu&shy;zeitli&shy;chen Text-&#8203;Bild-&#8203;Gene&shy;ra, insbe&shy;sonde&shy;re jedoch mit der Mnemo&shy;nik. Kultur&shy;histo&shy;risch äußert sich dies in einer Vielzahl emble&shy;mati&shy;scher Enzy&shy;klopä&shy;dien, wie die gegen Ende des 16. Jahrhun&shy;derts entstan&shy;dene «Symbo&shy;la et emble&shy;mata» des Nürnber&shy;ger Juris&shy;ten Joachim Came&shy;rarius. Gegen Ende der Emble&shy;matik sind es gera&shy;de diese Enzy&shy;klopä&shy;dien, die davon zeugen, wie die Emble&shy;matik als topisch orga&shy;nisier&shy;te Wissens&shy;speicher inso&shy;fern an ihre struktu&shy;rellen Grenzen stößt, als sie die Menge des Wissens nicht sinnvoll aufzu&shy;nehmen im Stande ist. Mit den ersten Emblem&shy;enzy&shy;klopä&shy;dien erfährt die Emble&shy;matik eine Funktions&shy;erwei&shy;terung, die vor kaum einem frühneu&shy;zeitli&shy;chen Wissens&shy;gebiet halt macht.
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Die Funktionserweiterung der Emblematik drückt sich nicht nur dadurch aus, dass im deutsch&shy;sprachi&shy;gen Raum zu Beginn des 17. Jahrhun&shy;derts der Ausdruck ‘Emblem’ allmäh&shy;lich durch das – vom nieder&shy;ländi&shy;schen ‘zinne&shy;beeld’ abge&shy;leite&shy;te – ‘Sinnbild’ ersetzt wird. Sie zeigt sich auch in der zuneh&shy;menden Bedeu&shy;tung, die die Emble&shy;matik über&shy;haupt für die frühneu&shy;zeitli&shy;che Wissens&shy;distri&shy;bution und Wissens&shy;produk&shy;tion spielt. Sie wird mit didak&shy;tischen, medi&shy;tati&shy;ven und reprä&shy;senta&shy;tiven Absich&shy;ten funktio&shy;nali&shy;siert, wobei es alle nur denkba&shy;ren Zwischen&shy;formen zwischen diesen Makro&shy;berei&shy;chen gibt und die Über&shy;gänge fließend sind. Es wurde daher aus er&shy;schließungs&shy;pragma&shy;tischen Gründen vorge&shy;schlagen, die Vielfalt an Emblem&shy;bücher wie folgt zu syste&shy;mati&shy;sieren: in Impre&shy;senli&shy;tera&shy;tur, in ethisch-&#8203;mora&shy;lische Emble&shy;matik, in weltli&shy;che Liebes&shy;emble&shy;matik, in poli&shy;tische Emble&shy;matik und schließlich in reli&shy;giöse Emble&shy;matik sowie in Emblem&shy;enzy&shy;klopä&shy;dien, die sich wiede&shy;rum in zahlrei&shy;che Unter&shy;kate&shy;gorien diffe&shy;renzie&shy;ren lassen.<ref>Die&shy;se Lis&shy;te folgt der Sys&shy;te&shy;ma&shy;ti&shy;sie&shy;rung zur Er&shy;schlie&shy;ßung der Mün&shy;chner Em&shy;blem&shy;bü&shy;cher; vgl. [http://mdz1.bib-bvb.de/~emblem/dig-cpl.html Mün&shy;chner Di&shy;gi&shy;ta&shy;li&shy;sie&shy;rungs&shy;Zen&shy;trum] oder auch die Struk&shy;tu&shy;ren un&shy;ter&shy;schied&shy;li&shy;cher Ty&shy;pen in <bib id='Heckscher & Wirth 1967a'>Heck&shy;scher & Wirth 1967a</bib>.</ref>


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
=====Der größere Zusammenhang=====
''„Mit seinem umfangreichen Textkorpus und seinem großen Umfang an Varianten, der eine definitorische wie auch eine typologische Erfassung der Gattung bisweilen als schier aussichtsloses Unterfangen erscheinen läßt, ist das Emblem ohne Zweifel die produktivste der kleinen, im 16. 17. und noch im 18. Jahrhundert produktiven Wort-Bild-Gattungen“'' (<bib id='Scholz 2002a'></bib>: S. 15).
======Zur Emblemforschung im 20. Jahrhundert======
In der Emblemforschung des 20. Jahrhunderts, die ihren Ausgang mit den kulturhistorischen Arbeiten von Karl Giehlow und Ludwig Volkmann nahm, wurde dieser schier unüberschaubaren Vielfalt emblematischer Realisierungen vor allem in der Literaturwissenschaft mit idealtypischen Definitionen beizukommen versucht. So definieren die Kunsthistoriker William Heckscher und Karl-August Wirth in ihrem Artikel im RDK das Emblem als eine Kunstform, der durch die „Vereinigung von Text und Bild zu einem sin sich geschlossenen allegorischen Gebilde“ ein „synthetische[r] Charakter […] aus den scheinbar unvereinbaren Elementen Wort und Bild“ eignet und somit „eine besondere Form bildlich-literärer Gestaltungen bezeichnet“ (<bib id='Heckscher & Wirth'></bib>: Sp. 85–88). Am wirkmächtigsten war Albrecht Schönes Bestimmung des Emblems als eine „Doppelfunktion des Abbildens und Auslegens oder des Darstellens und Deutens“, auch wenn diese schon bald als ahistorisch fundamental kritisiert wurde.<ref>Zu Schönes Erklärung dieser Doppelfunktion vgl. S. 21–24. Kritik bereits bei <bib id='Miedema 1968a'></bib>, <bib id='Sulzer 1992a'></bib>: S. 32–40 und zuletzt ausführlich <bib id='Scholz 2002a'></bib>: S. 18–22 u. ö.
</ref> Ahistorisch sind sie vor allem aber deswegen, weil sie der emblematischen Bild-Text-Verbindung eine Differenz zwischen visuellem und sprachlichem Code zuschreiben, die ihr im zeitgenössischen Verständnis nicht eignete. Weder ist dort im Kontext der Pictura-Poesis eine wesentliche Differenz zwischen grafischem oder verbalem Bild auszumachen, noch ist die Behauptung einer Vorrangstellung des Bildes vor dem Text haltbar. In aktuellen literaturwissenschaftlichen Nachschlagewerken finden sich folglich offenere Definitionen. In aktuellen literaturwissenschaftlichen Nachschlagewerken finden sich keine derart reduktionistische Definitionen mehr. Die Emblematik wird hier beispielsweise sehr offen als „Sammelbezeichnung für sämtliche  kulturellen Manifestationen des Emblems“3 bezeichnet, das Emblem als „eine der Lehrdichtung zuzurechnende frühneuzeitliche Wort-Bild-Gattung mit im Regelfall dreigliedriger typografischer Anordnung von Bild und Wort“4 oder als eine „Gattung uneigentlichen, argumentativ funktionalisierten Redens mittels einer Kombination von Wort und Bild“5 zu definieren versucht. Die Schwierigkeit der vereinheitlichenden Deifintion dessen, was ein Emblem charakterisiert, drückt sich bereits in der mangelnden zeitgenössischen poetologischen Durchdringung aus. Überlieferte Emblemtraktate bleiben meist weit hinter den tatsächlichen Realisationsformen dieser Text-Bild-Verbindungen zurück und machen so gut wie keine konkreten Vorgaben, wie diese auszusehen hätten. In Folge dadurch entsteht im Laufe von gut 250 Jahren eine kaum noch überschaubare Formenvielfalt, die kaum noch trennschaft voneinander zu unterscheiden ist.
======Renaissance-Hieroglyphik======
Das erste Emblembuch steht darüber hinaus in enger Verbindung mit den humanistisch-esoterischen Bemühungen um die ägyptische Bilderschrift, die in Gelehrtenkreisen seit einiger Zeit rege Aufmerksamkeit erfuhr.1 Nicht zufällig widmet Alciatus das Emblematum liber seinem Augsburger Berufskollegen, dem Juristen und Humanisten Konrad Peutinger. Dieser hatte auf einer Griechenlandreise eine Handschrift der Hieroglyphica des Horapollo gekauft und mit seiner Veröffentlichung maßgeblichen Anteil an der Popularität der Renaissance-Hieroglyphik.2 Mit der Renaissance-Hieroglyphik wird Alciatus wohl bereits während seiner Studienzeit in Bologna in Berührung gekommen sein. Denn dort lehrte der bedeutende Humanist Pierio Valeriano, der versuchte, die hieroglyphische Weisheit mit der christlichen Lehre zu verbinden.3 Damit nahm er grundlegenden Einfluss auf die weitere Entwicklung nicht nur der Renaissance-Hieroglyphik, sondern auch auf die Emblematik: Er fügte den Hieroglyphen des Horapollo ein in der Analogiesetzung von menschlichen und tierischen Eigenschaften bestehendes moralisierendes Moment hinzu und schließt damit die Hieroglyphik an die Tradition des Physiologus und der mittelalterlichen Tierbücher an.4 Alciatus soll hier die Idee entwickelt haben, „hieroglyphische Gedanken in Verse zu verfassen“5, und tatsächlich lassen sich alle genannten Einflüsse im Emblematum liber beobachten.
======Ars memorativa======
Der Unterschied zwischen Hieroglyphen und Emblemen besteht vor allem in der Decodierbarkeit der Text-Bild-Verbindung. Im Falle der esoterisch-gelehrten Hieroglyphik muss dem Rezipienten der Code vollständig zugänglich sein, er muss gewissermaßen im Besitz der claves speciales sein, um den Sinn und die Argumente hinter den Bildzeichen dechiffrieren zu können. Im Fall der Emblematik ist dies hingegen unerwünscht. Als Wissensspeicher und als Instrument didaktischer Unterweisung soll es gerade entschlüsselbar, wenn auch unter Demonstration der Scharfsinnigkeit ihres Schöpfers sein. Auch hierfür finden sich die Vorgaben in der Rhetorik. Der Autor an Herennius gibt als Regel vor, dass eine Imago affizierend wirken muss, um memorierbar zu sein; sie hat im wahrsten Sinne des Wortes merk-würdig zu sein.
In diesem Widmungsepigramm steckt Alciats emblematisches Programm. Es beginnt mit einer Ekphrasis, einer Bildbeschreibung im ersten Distichon, sich zwei dieses Bild auslegende Distichen anschließen. Die Ekphrasis wiederum dient als imago agens, die hilft, das mit der Ekphrasis verbundene Argument vor Augen zu stellen. Die pictura ist somit eine mögliche Realisation einer bis dahin internalisierten Imago und daher zunächst mehr oder weniger beliebig wählbar. Tatsächlich finden sich weder in den Handschriften der Hieroglyphica noch in Alciats Manuskript des Emblematum liber die jene spezifische Verbindung von Bild und Text, von  pictura, inscriptio und subscriptio, die so charakteristisch für die Emblematik wurde. Hier wie dort reicht zunächst die Ekphrasis aus, um davon ausgehend jene imagines zu Bilden, die für die Externalisierung und Memorierung eines spezifischen Arguments geeignet scheinen. Dass es Alciatus auf das (meist moralische) Argument ankommt, bezeugt auch sein unentwegt repitierter Hinweis auf eine Schrift über die richtige Bedeutungsgenerierung beim juristischen Argumentieren De verborum significatione (Lyon 1530):
:Verba significant, res significantur. Tametsi et res quandoque etiam significant, ut hieroglyphica apud Horum et Caeremonem, cujus argumenti et nos carmine libellum composuimus, cui titulus est Emblemata.1
Albrecht Dürers grafische Umsetzung der Hieroglyphica-Übersetzung Pirckheimers belegt dies in virtuoser Weise ebenso wie die Heinrich Steyners Entschluss, Alciats Manuskript für die (unautorisierte) Drucklegung mit picturae anzureichern, die auf die Ekphrasen der Epigramme referieren.
(Mögliche Überleitung von Teil A) zu B))


Gerade weil die Emblematik innerhalb der ‚semiotischen Matrix‘ frühneuzeitlicher Sinnsysteme eine dominierende Stellung einnimmt,2 ist es erstaunlich, dass es kaum theoretisch verbindliche Reflexionen über eine Poetik des Emblems gibt. Die meisten Vorreden und Traktate, die sich zur Ursprungsfrage der Emblematik äußern, wiederholen sich meist und werden der emblematischen Formenvielfalt ihrer Zeit – ja auch innerhalb des Emblembuches, das sie einleiten – kaum gerecht. Produktionsästhetische und/oder rezeptionsästhetische Poetologien des Emblems sind eine Seltenheit. Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts greifen die Schriften Harsdörffers weiter aus. Hier finden sich erstmals umfangreiche Bestimmungen, die der Emblempraxis gerecht werden wollen und die den sich um die Jahrhundertwende erheblich erweiterten Funktionsumfang der Emblematik Rechnung zu tragen versucht. Mit einer Auswahl von wichtigen emblemtheoretischen Positionen,
==Ausgewählte Emblemtheorien des 16. und 17. Jahr&shy;hun&shy;derts==
angefangen bei Alciatus über Johann Fischart, Johann Wilhelm Zincgref, Sambucus, Justus Georg Schottelius und Georg Philipp Harsdörffer, soll diese Entwicklung dargestellt werden. Die Funktionserweiterung der Emblematik drückt sich nicht nur in der zu Beginn des 17. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum sich allmählich durchsetzende Substitution des Begriffes ‚Emblem‘ durch die wohl aus dem niederländischen übernommene Lehnübersetzung von ‚zinnebeeld‘ in ‚Sinnbild‘ aus. Sie zeigt sich auch in der zunehmenden Bedeutung die die Emblematik überhaupt für die frühneuzeitliche Wissensdistribution und Wissensproduktion spielte. Als konstitutiver Bestandteil dieser ‚semiotischen Matrix‘ wird die Emblematik mit didaktischer, meditativer, repräsentativer Absicht funktionalisiert, wobei es alle nur denkbaren Zwischenformen zwischen diesen Makrobereichen gibt: als politisch-moralischer Fürstenspiegel oder allgemein ethisch-moralische Lehremblematik, als katholische oder protestantische Erbauungsemblematik, emblematische Katechismen, Totentänze oder Ordensregeln, als Liebesemblematik oder auch als umfangreiche Emblemenzyklopädien.


In Anbetracht der bedeutenden Stellung, die die Emble&shy;matik inner&shy;halb der frühneu&shy;zeitli&shy;chen Sinnbild&shy;syste&shy;me einnimmt,<ref>In die&shy;ser Ein&shy;schät&shy;zung sind sich Kunst- und Li&shy;te&shy;ra&shy;tur&shy;wis&shy;sen&shy;schaf&shy;ten ei&shy;nig; vgl. et&shy;wa <bib id='Greene 1982a'></bib>, <bib id='Scholz 2002a'></bib> und <bib id='Warncke 2005a'>Warn&shy;cke 2005a</bib>.</ref> ist es erstaun&shy;lich, dass kaum theore&shy;tisch verbind&shy;liche zeitge&shy;nössi&shy;sche Refle&shy;xionen über eine Poetik des Emblems über&shy;liefert sind. Die meisten Vorre&shy;den und Trakta&shy;te, die sich zur Ursprungs&shy;frage der Emble&shy;matik äußern, wieder&shy;holen sich meist und werden der emble&shy;mati&shy;schen Formen&shy;vielfalt ihrer Zeit kaum gerecht. Produk&shy;tionsäs&shy;theti&shy;sche und/&#8203;oder rezep&shy;tionsäs&shy;theti&shy;sche Poeto&shy;logien des Emblems sind eine Selten&shy;heit.
:
Im Folgenden wird eine exemplari&shy;sche Auswahl emblem&shy;theore&shy;tischer Posi&shy;tionen skizziert, die von Andreas Alci&shy;atus über Johann Fischart und Johann Wilhelm Zincgref bis in die Mitte des 17. Jahrhun&shy;derts zu Georg Philipp Hars&shy;dörffer und Justus Georg Schotte&shy;lius reicht. Bei Harsdörf&shy;fer finden sich erstmals umfang&shy;reiche Bestim&shy;mungen, die der Emblem&shy;praxis und der seit der Jahrhun&shy;dertwen&shy;de erheb&shy;lich wachsen&shy;den Funktions&shy;vielfalt der Emble&shy;matik gerecht zu werden versu&shy;chen.


=====Engere Begriffsbestimmung=====
===Alciatus: «Emblematum liber»===


Die Emblematik nimmt ihren Ausgang bei dem Mailänder Humanisten und Juristen Andreas Alciatus (1492–1550) – dem emblematum pater et princeps1 – und damit auch die Versuche, die Spezifik dieser Text-Bild-Verbindungen zu bestimmen. Allerdings finden sich im 1531 in Augsburg erschienenen Emblematum liber kaum verwertbare Hinweise darauf, was Alciatus unter dem Begriff ‚Emblematum‘ eigentlich verstand. In der Widmung seines Büchleins, die an den Augsburger Humanisten und kaiserlichen Rat Konrad Peutinger gerichtet ist, verkündet Alciatus:
Die Begriffsgeschichte der Emble&shy;matik beginnt, wie gesagt, mit dem 1531 von Heinrich Steyner in Augsburg verleg&shy;ten «Emble&shy;matum liber», in dem er unau&shy;tori&shy;siert ein 104 Epi&shy;gramme umfas&shy;sendes Manu&shy;skript des Juris&shy;ten Andreas Alci&shy;atus mit Holzschnit&shy;ten von Jörg Breu verband und auf diese Weise eher zufäl&shy;lig die Dreitei&shy;ligkeit schuf, die dann auf die neue Text-&#8203;Bild-&#8203;Gattung über&shy;tragen wurde.<ref>Vgl. zum Em&shy;blem&shy;be&shy;griff grund&shy;sätz&shy;lich <bib id='Miedema 1968a'>Mie&shy;de&shy;ma 1968a</bib> und <bib id='Balavoine 1981a'>Ba&shy;la&shy;voine 1981a</bib>.</ref> Was Alci&shy;atus selbst unter ‘Emblem’ verstand wird andeu&shy;tungswei&shy;se in seinem dem Augsbur&shy;ger Huma&shy;nisten Konrad Peutin&shy;ger zuge&shy;dachten Widmungs&shy;epi&shy;gramm fassbar:
:
:''Die weyl die kinder yren thand''
::''Mit nussen vnd der gleychen hand,''
:''Mit wurfflen spilen iunge leut,''
::''Den faulen man die karten freud,''
:''Hab ich zu schreiben lust und will''
::''Berumter kunstler bossen vil,''
:''Welich mag brauchen yederman'',
::''Wo man das sol haymlich uerstan.''
:''In klyd, teppich, tisch, oder schilt''
::''On gschrift redt doch ein solich bild.''<ref><bib id='Alciatus 1967a'>Al&shy;ci&shy;a&shy;tus 1967a</bib>: S. 16 (Über&shy;set&shy;zung Wolf&shy;gang Hun&shy;ger); la&shy;tei&shy;nisch: „Dum pue&shy;ros iug&shy;lans, iuue&shy;nes dum tes&shy;se&shy;ra fal&shy;lit, / De&shy;sti&shy;net & seg&shy;nes char&shy;tu&shy;la pic&shy;ta ui&shy;ros. / Haec nos fe&shy;sti&shy;uis Em&shy;ble&shy;ma&shy;ta cu&shy;di&shy;mus ho&shy;ris, / Ar&shy;ti&shy;fi&shy;cum il&shy;lus&shy;tri sig&shy;na&shy;que fac&shy;ta ma&shy;nu. / Ve&shy;sti&shy;bus ut to&shy;ru&shy;los, pe&shy;ta&shy;sis ut fi&shy;ge&shy;re par&shy;mas, / Et ua&shy;leat ta&shy;ci&shy;tis scri&shy;be&shy;re quis&shy;que no&shy;tis“ (<bib id='Alciatus 1531a'>Al&shy;ci&shy;a&shy;tus 1531a</bib>:  fol. a2<sup>r</sup>).</ref>
:
Abgesehen davon also, dass die von Alci&shy;atus erfun&shy;denen Emble&shy;me einem sinnvol&shy;len Zeitver&shy;treib dienen sollen, sieht er in ihnen Vorla&shy;gen für die Verzie&shy;rung von Kleidung und ande&shy;ren Arte&shy;fakten, wobei es ihm weni&shy;ger auf die grafi&shy;sche Umset&shy;zung der bilder&shy;zeugen&shy;den Teile der Epi&shy;gramme anzu&shy;kommen scheint, sondern auf das dem Epi&shy;gramm zugrun&shy;delie&shy;gende Kernar&shy;gument. Welchen Themen&shy;berei&shy;chen die Argu&shy;mente entnom&shy;men werden können, erläu&shy;tert Alci&shy;atus seinem Freund Frances&shy;co Calvo in einem Brief vom 9. Dezem&shy;ber 1522:
:
:''[Danach] habe ich das Büchlein mit Epi&shy;grammen zusam&shy;menge&shy;stellt, und als ''Emble&shy;mata'' benannt, da ich dort einzel&shy;ne Epi&shy;gramme beschrei&shy;be, die ele&shy;gante Dinge aus der Geschich&shy;te oder der Natur bezeich&shy;nen“.<ref>[Über&shy;set&shy;zung des Ver&shy;fas&shy;sers]; la&shy;tei&shy;nisch: „li&shy;bel&shy;lum com&shy;po&shy;sui epi&shy;gram&shy;ma&shy;ton, cui ti&shy;tu&shy;lum fe&shy;ci Em&shy;ble&shy;ma&shy;ta: sin&shy;gu&shy;lis enim epi&shy;gram&shy;ma&shy;ti&shy;bus ali&shy;quid de&shy;scri&shy;bo, quod ex hi&shy;sto&shy;ria [!], vel ex re&shy;bus na&shy;tu&shy;ra&shy;li&shy;bus ali&shy;quid ele&shy;gans si&shy;gni&shy;fi&shy;cet“ (zit. nach <bib id='Miedema 1968a'>Mie&shy;de&shy;ma 1968a</bib>: S. 236).</ref>
:
Für die Epi&shy;gramme des «Emble&shy;matum liber» hat sich Alci&shy;atus vor allem bei der «Antho&shy;logia Graeca», dem «Physio&shy;logus» und der «Hiero&shy;glyphi&shy;ca» des Hora&shy;pollo bedient.<ref>Zu Al&shy;ci&shy;a&shy;tus’ Quel&shy;len für das «Em&shy;ble&shy;ma&shy;tum li&shy;ber» vgl. <bib id='Köhler 1986a'>Köh&shy;ler 1986a</bib>.</ref>


:''Dum pueros iuglans, iuuenes dum tessera fallit,''
===Fischart: «Kurtzer vnd Woldien&shy;licher Vor&shy;bericht»===
::  ''Destinet & segnes chartula picta uiros.''
:''Haec nos festiuis Emblemata cudimus horis,''
::  ''Artificum illustri signaque facta manu.''
:''Vestibus ut torulos, petasis ut figere parmas,''
::  ''Et ualeat tacitis scribere quisque notis.''2


Alciatus sieht die Funktion der Embleme für das Kunsthandwerk darin, aus einem Arsenal möglicher picturae zu schöpfen, um mit ihnen beliebige Artefakte zu schmücken. ‚Emblematum‘ in diesem Sinne ist kunstvolle Applikation, ist Intarsie oder Einlegearbeit, zurückzuführen auf den griech. Begriff ‚emballon‘. Deutlicher äußert sich Alciatus über den Status des Emblems in einem Brief an seinen Freund Francesco Calvo vom 9. Dezember 1522, in dem es heißt: „libellum composui epigrammaton, cui titulum feci Emblemata: singulis enim epigrammatibus aliquid describo, quod ex historia [!], vel ex rebus naturalibus aliquid elegans significet.“3 Epigramme – nicht picturae – liegen den im Emblematum liber versammelten Emblemen zugrunde. Gezogen wurden die meisten aus der Epigrammsammlung der Anthologia Graeca, aber auch aus dem Physiologus und der Hieroglyphica des Horapollo. Diese zeichnen sich allesamt durch ein spezifisches Verhältnis von bildbeschreibender Ekphrasis und einer dieser auslegenden explicatio aus. Alciatus’ Embleme verbinden alle eine Überschrift in Form eines Mottos mit einem teils ekphrastischen und teils explikatorischen Epigramm. Dennoch wurde in der Folge des Augsburger Druckes die pictura zum charakteristischen Bestandteil eines Emblems, wenngleich sie nicht zwingend konstitutiv wurde. Noch im 17. Jahrhundert führt beispielsweise Georg Philipp Harsdörffer vor, wie Sinnbilder ganz ohne konkretisierende picturae inveniert werden können. Von Anfang an wird für den Emblembegriff jedoch seine kunsthandwerkliche Funktionalisierung charakteristisch, die auch in den zahlreich folgenden Übersetzungen des Emblematum liber deutlich wird. So übersetzt beispielsweise Wolfgang Hunger den Titelbegriff ‚emblematum liber‘ als ‚verschrote werck“4.
Alciatus’ kunsthandwerkliche Impli&shy;kation des Emblems im Sinne einer Intar&shy;sie oder Ein&shy;lege&shy;arbeit prägt einer&shy;seits noch das erste deutsch&shy;sprachi&shy;ge Emblem&shy;traktat, das Johann Fischart (1546/&#8203;47–&#8203;1590) als Vorwort dem 1581 in Straßburg erschie&shy;nenen «Emble&shy;matum tyro&shy;cinia» Matthias Holtz&shy;warts voran&shy;stellte. Ande&shy;rerseits leitet Fischart in diesem «Kurtze[n] vnd Woldien&shy;liche[n] Vorbe&shy;richt / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emble&shy;maten / oder Einge&shy;blömeten Zier&shy;wercken» den Emblem&shy;begriff noch aus der Heral&shy;dik und dem mili&shy;täri&shy;schen Standar&shy;tenwe&shy;sen ab und schlägt damit eine Verbin&shy;dung zur Impre&shy;sentra&shy;dition. Bereits Paolo Giovio wies in seinem berühm&shy;ten und einfluss&shy;reichen «Dialo&shy;go dell’Impre&shy;se Mili&shy;tari et Amo&shy;roso» (Rom 1555) auf die memo&shy;rati&shy;ve Kraft dieser Bild- und Gedächt&shy;niszei&shy;chen hin.<ref>Kon&shy;sti&shy;tu&shy;tiv für die Im&shy;pre&shy;sen- wie für die Em&shy;blem&shy;the&shy;o&shy;rie wur&shy;den Gio&shy;vios fünf Grund&shy;re&shy;geln für ei&shy;ne voll&shy;kom&shy;me&shy;ne Im&shy;pre&shy;se: (1.) Wort (See&shy;le) und Bild (Kör&shy;per) ha&shy;ben in ei&shy;nem aus&shy;ge&shy;wo&shy;ge&shy;nen Ver&shy;hält&shy;nis zu ste&shy;hen. Die Im&shy;pre&shy;se darf (2.) nicht zu un&shy;ver&shy;ständ&shy;lich, aber zu&shy;gleich auch nicht zu ein&shy;fach zu ver&shy;ste&shy;hen sein, son&shy;dern sie soll ob&shy;skur sein, also ein Rät&shy;sel ent&shy;hal&shy;ten, das den In&shy;tel&shy;lekt he&shy;raus&shy;for&shy;dert. Sie soll (3.) an&shy;ge&shy;nehm zu be&shy;trach&shy;ten sein und darf (4.) kei&shy;ne mensch&shy;li&shy;chen Ge&shy;stal&shy;ten ab&shy;bil&shy;den. Schließ&shy;lich soll (5.) die fremd&shy;spra&shy;chi&shy;ge In&shy;scrip&shy;tio kurz sein – Gio&shy;vio for&shy;dert ei&shy;ne Be&shy;schrän&shy;kung auf drei Wör&shy;ter;  zur norm&shy;bil&shy;den&shy;den Be&shy;deu&shy;tung von Pao&shy;lo Gio&shy;vios «Dia&shy;lo&shy;go» vgl. <bib id='Sulzer 1992a'>Sul&shy;zer 1992a</bib>: S. 109-&#8203;137, <bib id='Scholz 2002a'></bib>: S. 63-&#8203;77 und <bib id='Scholz 2007a'></bib>.</ref> Fischart sieht die Aufga&shy;be der „Gedenck&shy;zeychen“ darin, dem Rezi&shy;pienten dazu zu verhel&shy;fen, sich der „Vorfah&shy;ren Glück vnd Fall […] zu erin&shy;nern“ (<bib id='Fischart 1581a'></bib>: fol. a8<sup>r</sup>). Wenn Fischart die enge Verwandt&shy;schaft des Emblems mit der Impre&shy;se betont, weist er zugleich auf sozial&shy;diszi&shy;plina&shy;rische und gesell&shy;schaftsord&shy;nende Dimen&shy;sionen dieser Text-&#8203;Bild-&#8203;Verbin&shy;dungen hin. An den Wappen sind die Mitglie&shy;der des Hofes iden&shy;tifi&shy;zierbar, ihr sozia&shy;les Gewicht und Presti&shy;ge allen einsich&shy;tig. Die Emble&shy;matik wird in dieser Hinsicht als der kultur&shy;histo&shy;rische Versuch gewer&shy;tet, auch dem gesell&shy;schaftlich-strati&shy;fika&shy;tori&shy;schen Bedeu&shy;tungsver&shy;lust der Heral&shy;dik zu begeg&shy;nen.<ref>„Heu&shy;tigs Tags aber sein sol&shy;che Wa&shy;pen so ge&shy;meyn wor&shy;den / daß sich de&shy;ren schier ent&shy;we&shy;der je&shy;der Hel&shy;ler&shy;rich&shy;ti&shy;ger an&shy;nim&shy;met / oder je&shy;der Höf&shy;ling der al&shy;ten eyn&shy;fal&shy;ti&shy;gen wol&shy;ge&shy;gründ&shy;ten sich be&shy;schä&shy;met / vnd nach En&shy;gel&shy;län&shy;di&shy;schem Miß&shy;brauch mit vil Quar&shy;ti&shy;ren vnd Hel&shy;men ver&shy;wir&shy;ret“ (<bib id='Fischart 1581a'>Fi&shy;schart 1581a</bib>: fol. b1<sup>v</sup> b2<sup>r</sup>).</ref> Um diesen aufzu&shy;fangen, hätte man, so Fischart, damit begon&shy;nen, die
:
:''nach Exempel der Römischen Keyser beson&shy;dere vergrif&shy;fene Kunst&shy;gemärck vnd Fund&shy;zeychen / sammt darzu dien&shy;lichen kurtzen Sprüchen / Reimen / Divi&shy;sen vnd buch&shy;staben / so die Deitung begreif&shy;fen vnd erhal&shy;ten / zuer&shy;finden'' (<bib id='Fischart 1581a'></bib>: fol. b2<sup>r</sup>).
:
Habe die Heraldik erst einmal ihre tradi&shy;tionel&shy;le Funktion verlo&shy;ren, sei es nur noch ein kleiner Schritt hin zum Anfer&shy;tigen von „Poeti&shy;schen Geheim&shy;nußleh&shy;rigen Gemäh&shy;len: vnd diesel&shy;bige jnen selbs / oder andern zugleich neben jnen zu frucht&shy;barli&shy;cher Erin&shy;nerung offent&shy;lich fürzu&shy;malen“ (<bib id='Fischart 1581a'></bib>: fol. a3<sup>v</sup>). Eine Erklä&shy;rung jedoch, wie die produk&shy;tionsäs&shy;theti&shy;schen Regeln emble&shy;mati&shy;scher Inven&shy;tio ausse&shy;hen und wie die poten&shy;tiellen seman&shy;tischen Aufla&shy;dungen solcher „Ge&shy;märcke“ zustan&shy;de kommen, bleibt Fischart seinen Lesern schuldig. Eine Anlei&shy;tung zum Erfin&shy;den eige&shy;ner Emble&shy;me ist sein Traktat nicht.


Die kunsthandwerkliche Ausrichtung der Emblematik als Arsenal für die Applikationen auf alltäglichen Gebrauchsgegenständen, aber auch in der Architektur und Skulptur, findet sich auch im ersten deutschsprachigen Emblemtraktat des berühmten Straßburger Literaten Johann Fischart (1546/47–1590), das er Matthias Holtzwarts Emblematum tyrocinia (Straßburg 1581) voranstellte. Bereits der Titel dieser Arbeit weist auf die von Alciatus übernommene kunsthandwerkliche Begrifflichkeit hin: Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. Doch Fischart leitet den Emblembegriff noch aus einer weiteren Tradition ab, die ihm aus Paolo Giovios Dialogo dell’Imprese vertraut war: aus den militärischen Standarten und der Heraldik. Es sind dies Bildzeichen, die zugleich als Feldzeichen und als Gedächtniszeichen fungieren. Die memoriale Funktion der Embleme besteht für Fischart darin, dass sie als „Gedenckzeychen“ dazu helfen, sich der „Vorfahren Glück vnd Fall dadurch zu erinnern“5. Indem Fischart die Filiation der Emblematik mit der Impresenkunst betont, macht er eine sozialdisziplinarische und gesellschaftsordnende Dimension dieser Text-Bild-Verbindungen stark. Denn an den Wappen waren die Mitglieder des Hofes identifizierbar, ihr soziales Gewicht und Prestige allen einsichtig. Die Emblematik wird in dieser Hinsicht als der kulturhistorische Versuch gewertet, dem gesellschaftlich-stratifikatorischen Bedeutungsverlust der Heraldik zu begegnen.6 Um dieses Defizit aufzufangen, hätte man, so Fischart, damit begonnen, die „nach Exempel der Römischen Keyser besondere vergriffene Kunstgemärck vnd Fundzeychen / sammt darzu dienlichen kurtzen Sprüchen / reimen / Diwisen vnd buchstaben / so die Deutung begreiffen vnd erhalten zuerfinden.“7 Haben diese Text-Bild-Verbindungen erst einmal die traditionelle Funktion der Heraldik übernommen, ist es nur noch ein kleiner Schritt hin zu ihren ästhetischen Realisierungen gewesen, de, Anfertigen von „Poetischen Geheimnußlehrigen Gemählen“8, wie Fischart befindet. Wie diese semantische Aufladung des Gemähls allerdings konkret umgesetzt werden soll, darüber äußert sich Fischart jedoch nicht. Er bleibt produktionsästhetische Regeln emblematischer Inventivik schuldig. Seine Darstellung ist vielmehr historisch deskriptiv, nicht theoretisch.
===Zincgref: «Emblematum ethico-&#8203;poli&shy;tico&shy;rum»===


Viele der von Fischart angeführten Aspekte, finden sich ebenfalls wenige Jahrzehnte später bei dem Heidelberger Humanisten und Doktor beider Rechte, Johann Wilhelm Zingref (1591–1636) wieder. Doch ist er bereits um die Formulierung einiger grundlegender Signifikationsregeln zwischen Text und Bild bemüht, indem er gerade den göttlichen Ursprung der Emblematik in der Hieroglyphik erneut stark zu machen versucht. Doch zunächst bestimmt auch er den Begriff ‚Emblem‘ in der Praefactio de origine et usu emblematum seines Emblematum ethico-politicorum, das erstmals 1619 in Frankfurt am Main bei Theodor de Bry erschien ist, ganz in Alciats kunsthandwerklichen Sinne.9 Bei ihm ist das Emblem jedoch nicht einfach Zierwerk, sondern eine Schrift, wie sie von den Ägyptern in Form der Hieroglyphen erfunden wurde. Wie eben diese alten Schriftzeichen der Weisen, so sollen auch die Embleme Mentales in Bildern repräsentieren (vor- und darstellen).10 Und mit Diodorus Siculus präzisiert Zincgref diese Eigenschaft des emblematum scribere, die darin bestehe, dass bestimmte Bilder von Tieren, menschlichen Gliedmaßen oder Gegenständen bestimmte mentale Konzepte zugrunde gelegt werden, damit diese leichter im Gedächtnis gehalten werden können. Ganz wie Alciatus in De verborum significatione, verbindet auch Zincgref die humanistischen Vorstellung der Hieroglyphik explizit mit einer mnemotechnischen Funktion und weiß dies durch Autoritäten wie Tacitus oder Diodorus Siculus zu belegen.11 Daher sind diese mentale Konzepte codierende Bildzeichen auch als militärische Standarten so erfolgreich, wie eine seitenlange Auflistung einschlägiger Beispiele belegen soll und die am deutlichsten noch in der zeitgenössischen Praxis der Impresenkunst zu finden sei. Für Zincgref ist der ‚Begriff‘ Emblem damit – modern gesprochen – ein ‚umbrella term‘: „Emblem generalissimum esse nomen, quo quaevis figure, sive picta, sive caelata, significatur, quodque sub ambitu suo complectatur illam alteram speciem Emblematum universalium, habbentium aliquod noëma dogmaticum generale: vel significationem virtutis, vel detestationem vitij, vel denique instructionem ad prudentiam […].“12 In Zincgrefs Ausführungen kündigt sich nicht nur die fortschreitende Ausdifferenzierung der Emblematik an, für ihn sind Emblem und Imprese auch ein und dasselbe, weil sie eine bestimmte Realisation emblematischer Signifikation darstellen und zur Konkretisierung mit Devisen oder Motti versehen werden können. Dadurch aber sind sie für zahlreiche Anwendungsgebiete verfügbar. Denn ihr Gebrauch besteht darin Vorstellungsbilder (imagines vivantes), etwa über heroische Taten und Menschen, und ihre seelischen Abbilder (simulacra animorum) durch poetische Bearbeitung in körperhafte Bilder (pictae) zu überführen, um als Gedächtnis und Vorbild der Nachwelt verfügbar zu bleiben.13 Noch deutlicher markiert Joannes Sambucus (1531–1584) die mnemotechnische Funktion des Emblems. In seinem Traktat Emblemata (Antwerpen 1566) fordert ganz im Sinne Giovios und der Ars memorativa, die emblematische Signifikation von Wort und Bild habe überraschend und unerwartet zu sein, um dem Anspruch der obscuritas – die ja schon in Alciats „tacite scribere“ angesprochen ist – gerecht zu werden.14 Sambucus lehnt Rückgriffe auf bereits codifizierte Muster bei der Inventio explizit ab.
Fischarts Argumente finden sich einige Zeit später auch bei Johann Wilhelm Zincgref (1591-&#8203;1636) wieder, dem Heidel&shy;berger Huma&shy;nisten und Doktor beider Rechte. In der «Praefa&shy;tio de ori&shy;gine et usu emble&shy;matum» seines «Emble&shy;matum ethi&shy;co-&#8203;poli&shy;tico&shy;rum», erstmals 1619 in Frankfurt am Main bei Theodor de Bry erschie&shy;nen, wieder&shy;holt er einer&shy;seits die bereits bekann&shy;ten kunsthand&shy;werkli&shy;chen Argu&shy;mente<ref>„De&shy;ri&shy;vant il&shy;lud ἀπὀ […] ἐμ&shy;βάλ&shy;λω, eò quod va&shy;sis, aliis&shy;que id ge&shy;nus uten&shy;si&shy;li&shy;bus apud ve&shy;te&shy;res in&shy;se&shy;re&shy;ban&shy;tur, re&shy;vel&shy;le&shy;ban&shy;tur&shy;que, cum li&shy;bi&shy;tum erat“ (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc&shy;gref 1664a</bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 1<sup>r</sup>); deutsch: „Man lei&shy;tet es her [vom grie&shy;chi&shy;schen] ''em&shy;bal&shy;lo'' [ein&shy;le&shy;gen], weil bei Ge&shy;fä&shy;ßen und an&shy;de&shy;ren Ge&shy;brauchs&shy;ge&shy;gen&shy;stän&shy;den die&shy;ses Ver&shy;fah&shy;ren von den Al&shy;ten, je nach&shy;dem, als In&shy;tar&shy;sia oder In&shy;ta&shy;glio an&shy;ge&shy;wandt wur&shy;de“ (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc&shy;gref 1664a</bib>: Bd. 2, S. 16).</ref> und knüpft ande&shy;rerseits an die bereits von Alci&shy;atus der Emble&shy;matik zugrun&shy;de geleg&shy;ten Renais&shy;sance-&#8203;Hiero&shy;glyphik an. Emble&shy;me sind den Hiero&shy;glyphen ana&shy;loge Schriftzei&shy;chen.<ref>Zum Zu&shy;sam&shy;men&shy;hang der Re&shy;nais&shy;san&shy;ce-&#8203;Hie&shy;ro&shy;gly&shy;phik und der Em&shy;ble&shy;ma&shy;tik vgl. be&shy;reits <bib id='Volkmann 1923a'>Volk&shy;mann 1923a</bib>.</ref> Auch die Emble&shy;me sollen wie diese auf Hermes Trisme&shy;gistos zurück&shy;geführ&shy;ten ideo&shy;graphi&shy;schen Zeichen Menta&shy;les in Bildern vor- und darstel&shy;len: „Primi per figu&shy;ras ani&shy;malius […] Ægyp&shy;tii sensus mentis effin&shy;gebant […]“ (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc&shy;gref 1664a</bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 1<sup>r</sup>)).<ref>„Als ers&shy;te ha&shy;ben die Ägyp&shy;ter in Tier&shy;bil&shy;dern Ge&shy;dank&shy;li&shy;ches dar&shy;ge&shy;stellt […]“ (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc&shy;gref 1664a</bib>: Bd. 2, S. 17.)</ref> Zugleich aber haben, wie Alci&shy;atus bereits beton&shy;te, diese hiero&shy;glyphi&shy;schen Zeichen die Kraft, Dinge direkt zu bezeich&shy;nen. Zinc&shy;gref beruft sich auf Diodo&shy;rus Sicu&shy;lus und beschreibt das ''emble&shy;matum scribe&shy;re'' als das Verbin&shy;den einzel&shy;ner Bild&shy;ele&shy;mente (''res pictae'') wie die Darstel&shy;lung vom Tieren, von menschli&shy;chen Glied&shy;maßen oder von Gegen&shy;ständen auf der einen Seite mit bestimm&shy;ten menta&shy;len Konzep&shy;ten auf der ande&shy;ren Seite, damit die mit ihnen verbun&shy;denen Argu&shy;mente leichter im Gedächt&shy;nis behal&shy;ten werden können. Er verbin&shy;det das huma&shy;nisti&shy;sche Konzept der Hiero&shy;glyphik mit einer mnemo&shy;techni&shy;schen Funktion und weiß dies durch Auto&shy;ritä&shy;ten wie Taci&shy;tus oder Diodo&shy;rus Sicu&shy;lus zu bele&shy;gen.
:
:''Dem schließt sich der durch sein Alter zuver&shy;lässig&shy;ste Zeuge, Diodo&shy;rus Sicu&shy;lus, an: Über die äthio&shy;pischen Buchsta&shy;ben und die, welche die Ägyp&shy;ter Hiero&shy;glyphen nennen, muß etwas gesagt werden: Die ältes&shy;ten darun&shy;ter ähneln meist verschie&shy;denen Tieren, Menschen&shy;gliedern und Werkzeu&shy;gen. Das Wesen der Schrift besteht bei ihnen nämlich nicht im Zusam&shy;menfü&shy;gen von Silben; vielmehr in der Bestim&shy;mung der darge&shy;stellten Bilder und dessen, was sie im Gedächt&shy;nis hervor&shy;rufen, wird der unter&shy;legte Sinn ausge&shy;drückt und verdeut&shy;licht“.<ref><bib id='Zincgref 1664a'>Zinc&shy;gref 1664a</bib>: Bd. 2, S. 17; la&shy;tei&shy;nisch: ''Huic ac&shy;ce&shy;dit lo&shy;cu&shy;ple&shy;tis&shy;si&shy;mus ab an&shy;ti&shy;qui&shy;ta&shy;te te&shy;stis Dio&shy;do&shy;rus Si&shy;cu&shy;lus, qui, de li&shy;te&shy;ris, in&shy;quit, Æ&shy;thio&shy;pi&shy;cis, & his, quas Hie&shy;ro&shy;gly&shy;phi&shy;cas Æ&shy;gyp&shy;tiis no&shy;mi&shy;nans, ali&shy;quid di&shy;cen&shy;dum est. Pri&shy;ma ista&shy;rum va&shy;riis be&shy;stiis & ho&shy;mi&shy;num mem&shy;bris, in&shy;stru&shy;men&shy;tis&shy;que fa&shy;bri&shy;li&shy;bus po&shy;tis&shy;si&shy;mum as&shy;si&shy;mi&shy;les sunt. Nam ars apud eos li&shy;te&shy;ra&shy;ria non com&shy;po&shy;si&shy;tio&shy;ne syl&shy;la&shy;ba&shy;rum, sed de&shy;scrip&shy;ta&shy;rum ima&shy;gi&shy;num sig&shy;ni&shy;fi&shy;cant & trans&shy;la&shy;tio&shy;ne per ex&shy;er&shy;ci&shy;ta&shy;tio&shy;nem me&shy;mo&shy;riae in&shy;sculp&shy;ta, sub&shy;jec&shy;tam ora&shy;tio&shy;nem ex&shy;pri&shy;mit & ab&shy;sol&shy;vit'' (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc&shy;gref 1664a</bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 1<sup>r</sup>).</ref>
:
Zugleich erweitert Zincgref damit den Emblem&shy;begriff zu einem ''um&shy;brella term'':
: 
:''Wer sieht nun nicht aus dem, was wir gesagt haben, daß Emblem die allge&shy;meinste Bezeich&shy;nung ist, womit jedes Gebil&shy;de, sei es gemalt oder graviert, bezeich&shy;net wird, und daß es in seinem Bereich jene ande&shy;re Art allge&shy;meiner Emble&shy;me umfaßt, die einen allge&shy;meinen Lehrge&shy;danken be&shy;inhal&shy;ten: entwe&shy;der die Verdeut&shy;lichung der Tugend oder die Verwün&shy;schung des Las&shy;ters, oder schließlich Anlei&shy;tung zur Klugheit; […].''<ref> (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc&shy;gref 1664a</bib>: Bd. 2, S. 24); la&shy;tei&shy;nisch: “At quis non vi&shy;det, ex ijs quae di&shy;xi&shy;mus, Em&shy;ble&shy;ma ge&shy;ne&shy;ra&shy;lis&shy;si&shy;mum es&shy;se no&shy;men, quo quae&shy;vis fi&shy;gu&shy;ra, si&shy;ve pic&shy;ta, si&shy;ve cae&shy;la&shy;ta, sig&shy;ni&shy;fi&shy;ca&shy;tur, quod&shy;que sub am&shy;bi&shy;tu suo com&shy;plec&shy;ta&shy;tur il&shy;lam al&shy;te&shy;ram spe&shy;ciem Em&shy;ble&shy;ma&shy;tum uni&shy;ver&shy;sa&shy;lium, ha&shy;ben&shy;tium ali&shy;quod noë&shy;ma dog&shy;ma&shy;ti&shy;cum ge&shy;ne&shy;ra&shy;le: vel sig&shy;ni&shy;fi&shy;ca&shy;tio&shy;nem vir&shy;tu&shy;tis, vel de&shy;te&shy;sta&shy;tio&shy;nem vi&shy;tij, vel de&shy;ni&shy;que in&shy;struc&shy;tio&shy;nem ad pru&shy;den&shy;tiam […]” (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc&shy;gref 1664a</bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 3<sup>r-v</sup>). —– Die&shy;se und die fol&shy;gen&shy;den Über&shy;set&shy;zun&shy;gen fol&shy;gen der von Ar&shy;thur Hen&shy;kel und Wolf&shy;gang Wie&shy;mann auf der Ba&shy;sis der Edi&shy;tio ul&shy;ti&shy;ma besorg&shy;ten Aus&shy;ga&shy;be von 1664.</ref>
:
Zincgref verwendet den Ausdruck ‘Emblem’ uni&shy;versal für Text-&#8203;Bild-&#8203;Verbin&shy;dungen. Die Über&shy;gang von Emblem, Impre&shy;se und Hiero&shy;glyphe sind fließend. Ihnen allen eignet Symbol- bzw. Gleichnis&shy;haftig&shy;keit und sie können von einem allge&shy;meinen Emblem (''Emble&shy;ma commu&shy;nia sive uni&shy;versa&shy;lia''), wie Zincgref es nennt, in ein Einzel&shy;emblem (''Emble&shy;ma singu&shy;lare'') indi&shy;vidu&shy;ell verwan&shy;delt werden – und ''vice versa''. Als solche fänden sie dann auf Devi&shy;sen oder  Wappen Verwen&shy;dung. Sie alle über&shy;führen [[Vorstellungsbilder / Mentale Modelle|Vorstel&shy;lungsbil&shy;der]] (''ima&shy;gines vivan&shy;tes''), etwa über hero&shy;ische Taten und ihre seeli&shy;schen Abbil&shy;der (''simu&shy;lacra ani&shy;morum'') durch poeti&shy;sche Bear&shy;beitung in körper&shy;hafte Bilder (''pictae''), um als Vorbild dem Gedächt&shy;nis der Nachwelt verfüg&shy;bar zu bleiben (vgl. <bib id='Zincgref 1664a'></bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 3<sup>v</sup>). Für Zincgref besteht die unein&shy;geschränk&shy;te Leistung der Emble&shy;me darin, unse&shy;ren Geist durch Gleichnis&shy;haftig&shy;keit und Ana&shy;logie&shy;bildung zu Wahrneh&shy;mungen zu führen, zu denen die äuße&shy;ren Sinne nicht im Stande sind (vgl. <bib id='Zincgref 1664a'></bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 4<sup>r</sup>). Emble&shy;me sind Erkennt&shy;nis- und Ordnungs&shy;mittel in Einem. Sie halten Wissen verfüg&shy;bar und sind in der Lage, neues Wissen und neue Erkennt&shy;nisse auf Basis der Rekom&shy;bina&shy;tion und Ana&shy;logie&shy;bildung zu gene&shy;rieren.<ref>Im Rah&shy;men der an der FU Ber&shy;lin be&shy;hei&shy;ma&shy;te&shy;ten DFG-&#8203;For&shy;scher&shy;gruppe «To&shy;pik und Tra&shy;di&shy;ti&shy;on» untersuchte das Projekt «Ima&shy;gi&shy;nes et Pic&shy;tu&shy;rae» eben die&shy;se em&shy;ble&shy;ma&shy;ti&shy;schen Sinn&shy;bil&shy;dungs&shy;ver&shy;fah&shy;ren; vgl. da&shy;zu <bib id='Kocher 2007a'>Ko&shy;cher 2007a</bib>, <bib id='Manns 2007a'></bib>, <bib id='Manns 2009a'></bib>, <bib id='Kocher 2010a'>Ko&shy;cher 2010a</bib> so&shy;wie <bib id='Kocher 2011a'>Ko&shy;cher 2011a</bib>. Die Ab&shy;schluss&shy;mo&shy;no&shy;gra&shy;fie er&shy;scheint En&shy;de 2013.</ref>


Für Zincgref besteht die uneingeschränkte Leistung der Embleme darin, dass sie durch eine Art Gleichnis unseren Geist zu anderen Wahrnehmungen führen dies die äußeren Sinne ermöglichten.15 Embleme sind Erkenntnis- und Ordnungsmittel in einem. Sie halten Wissen verfügbar und vermögen es bisweilen, neues Wissen und neue Erkenntnisse zu schaffen, zu denen die sinnlich-empirische Wahrnehmung des Menschen nicht möglich wäre.
===Harsdörffer: «Frauen&shy;zimmer Ge&shy;spräch&shy;spiele» und «Mord&shy;ge&shy;schich&shy;te»===
Einige Jahrzehnte später begibt sich der Nürnberger Patrizier, Jurist und Polyhistor Georg Philipp Harsdörffer auf die Suche nach konkreten Umsetzungsmöglichkeiten dieser Leistungsfähigkeit analogischer Erkenntnis, die das Gleichnis verspricht. In seinen Frauenzimmer Gesprächspielen entfaltet Harsdörffer im gelehrten Dialog die umfassendste Synthese der seit gut einhundert Jahren verhandelten Emblemtheorien, die ihn nach Gerhard F. Strasser „zum Gewährsmann für die Emblemtheorie im deutschen Raum“16 macht. Zur Mitte des 17. Jahrhunderts hat die Emblematik eine derartige Ausdifferenzierung erfahren und eine fast unüberschaubare Formenvielfalt entwickelt, dass man nur noch schwerlich von dem Emblem und der Emblematik sprechen kann. Zincrefs ‚umbrella term‘ wies bereits in diese Richtung.


Ein weiteres Anzeichen für den Strukturwandel, den die Emblematik zu Beginn des 17. Jahrhunderts erfuhr, ist die Substitution des griech.-lat. Terminus’ ‚Emblematum‘ durch den wohl aus dem niederländischen (‚zinnebeeld‘) entlehnte deutsche Begriff ‚Sinnbild‘. „Es werden aber solche Gemähl und Schriften Sinnbilder genant / weil selbe von Bildern / vnd wenig Worten / darinn der Sinn / Meinung und Verstand deß Erfinders besgriffen / zusammengesetzet: welche dann mehr weisen / als gemahlet oder geschrieben sit / in dem selbe zu ferneren Nachdenken fügliche Anlaß geben.“17 Eine noch ausführlichere Definition dessen, was unter diesem Begriff zu verstehen ist, liefert der Wolfenbütteler Geheimrat und Fruchtbringer Justus Georg Schottelius, mit dem Harsdörffer zeitlebens in freundschaftlichem Austausch stand. In seiner 1663 erschienenen Ausführlichen Arbeit von der teutschen HaubtSprache verwirft er den alten Begriff ‚Emblematum‘, da er zu einseitig auf die kunsthandwerkliche Funktion dieser Text-Bild-Verbindung ausgerichtet sei.18 Der Begriff ‚Sinnbild‘ hingegen zeige ein solches Bild an, „dabey man etwas müsse zu Sinne fassen: Bild ist das letzte im Worte und also Grund / darum Haubtsachlich unser nachdenken auf ein Bild / das ist / auf jedes / so Bildweis vorgestellet wird / gehen muß: Sinn aber / das beyfugige oder vorderste Worttheil deutet an / daß solches Bild in sich ein sonderlichen Sinn / sonderliche Meynung und Deutung habe.“19 Im Sinnbild codiert das Bild den propositionalen Gehalt, der durch Lemma und eventuell auch durch die subscriptio konkretisiert, niemals aber vereindeutigt werden darf. Wie die Imprese, so ist auch das Emblem (ganz nach Maßgabe der Ars memorativa) durch jene obscuritas des Rätsels geprägt, die das verschlüsselte Argument nicht unmittelbar einsichtig macht und daher merk-würdiger auf den Rezipienten wirkt und der im dem Sinnbild zugrunde gelegten Leib-Seele-Verhältnis metaphorisiert wird: „Der Leib des Sinnbildes / als etwas schönes / ansehnliches und eusserliches / bestehet in einem Bilde oder Gemählte / welches auff dasselbe / was darunter angedeutet und verborgen wird / das ist / auf seinen Sinn / muß deuten […]. Die Seele des Sinnbildes / welche gleichsam den Leib redend machet / bestehet in Worten / nemlich in des Sinnbildes Deutspruche und in dessen Auslegung.“ Fehlt das Wort, so kann auch  nicht mehr von einem Sinnbild, sondern muss vielmehr von „einem gemahlten Rätzel oder blossen Gemählte“20 die Rede sein.
Wiederum einige Jahrzehnte nach Zincgref begibt sich der Nürnber&shy;ger Patri&shy;zier, Jurist und Poly&shy;histor Georg Philipp Harsdörf&shy;fer auf die Suche nach konkre&shy;ten Umset&shy;zungsmög&shy;lichkei&shy;ten dieser ana&shy;logie&shy;bilden&shy;den Leistungs&shy;fähig&shy;keit des emble&shy;mati&shy;schen Gleichnis&shy;ses. In seinen «Frauen&shy;zimmer Gespräch&shy;spielen» entfal&shy;tet Hars&shy;dörffer im gelehr&shy;ten Dialog die umfas&shy;sendste Synthe&shy;se der seit gut hundert Jahren verhan&shy;delten Emblem&shy;theorien, was ihn, wie Gerhard F. Strasser resü&shy;miert, „zum Gewährs&shy;mann für die Emblem&shy;theorie im deutschen Raum“ macht (<bib id='Strasser 2000a'></bib>: S. 41).<ref>Dem wi&shy;der&shy;spricht <bib id='Becker-Cantarino 2005a'>Be&shy;cker-&#8203;Can&shy;ta&shy;ri&shy;no 2005a</bib>: S. 10: „Aber Hars&shy;dörf&shy;fer als Theo&shy;re&shy;ti&shy;ker? Be&shy;kannt&shy;lich gilt das 17. Jahr&shy;hun&shy;dert in Deutsch&shy;land als ziem&shy;lich theo&shy;rie&shy;los, wenn es um Kunst&shy;theo&shy;rie geht […].“</ref>
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Zur Mitte des 17. Jahrhunderts hat die Emble&shy;matik eine Ausdif&shy;feren&shy;zierung hin zu einer un&shy;über&shy;sichtlich gewor&shy;denen Formen&shy;vielfalt erfah&shy;ren, so dass kaum noch von ''dem'' Emblem und ''der'' Emble&shy;matik gespro&shy;chen werden kann. Zincgrefs ''um&shy;brella term'' wies bereits die Richtung. Auch bei Hars&shy;dörffer doku&shy;mentiert sich nun der Struktur&shy;wandel der Emble&shy;matik in der Erset&shy;zung von ‘Emble&shy;matum’ durch ‘Sinnbild’:
:
:''Es werden aber solche Gemähl und Schriften Sinn&shy;bilder genant / weil selbe von Bildern / vnd wenig Worten / darinn der Sinn / Meinung und Verstand deß Erfin&shy;ders begrif&shy;fen / zusam&shy;menge&shy;setzet: welche dann mehr weisen / als gemah&shy;let oder geschrie&shy;ben ist / in dem selbe zu ferne&shy;ren Nach&shy;denken füg&shy;liche Anlaß geben.''<ref><bib id='Harsdörffer 1968a'>Hars&shy;dörf&shy;fer 1968a</bib>: Bd. 1, S. 73. —– Zu Hars&shy;dörf&shy;fers Em&shy;blem&shy;theo&shy;rie vgl. <bib id='Kocher 2010a'>Ko&shy;cher 2010a</bib> und <bib id='Kocher 2011a'>Ko&shy;cher 2011a</bib>.</ref>
:
Text und Bild sind im Sinnbild so eng aufein&shy;ander bezo&shy;gen, dass das eine [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;system]] nicht ohne das ande&shy;re auskommt. Harsdörf&shy;fer betont dies in seiner emblem&shy;theore&shy;tischen Zuga&shy;be zur dritten Aufla&shy;ge des «Großen Schau-&#8203;Platzes jämmer&shy;licher Mordge&shy;schichte», die 50 Lehrsät&shy;ze für die Inven&shy;tio und Produk&shy;tion von Sinnbil&shy;dern präsen&shy;tiert.<ref>Der Ti&shy;tel die&shy;ser klei&shy;nen Schrift, die mit 100 mehr&shy;stän&shy;di&shy;gen Sinn&shy;bil&shy;dern auf&shy;war&shy;tet, ist Pro&shy;gramm: «Neue Zu&shy;ga&shy;be: C. Sinn&shy;bil&shy;dern Wel&shy;che auf Fah&shy;nen / Schau&shy;pfen&shy;ni&shy;ge / in Stamm&shy;bü&shy;cher / Ta&shy;pe&shy;ten / Be&shy;cher / Glä&shy;ser / Fla&shy;schen / Scha&shy;len / Tel&shy;ler / zu Trau&shy;er und Freu&shy;den&shy;ge&shy;dich&shy;ten / Wie auch zu an&shy;drer Zier&shy;lich&shy;keit / nach Be&shy;lie&shy;ben / ge&shy;brau&shy;chet wer&shy;den kön&shy;nen»; vgl. <bib id='Harsdörffer 1656a'>Hars&shy;dörf&shy;fer 1656a</bib>.</ref> Gleich zu Beginn der Schrift verweist er auf die maßgeb&shy;liche Rolle, die die Ana&shy;logie bei dieser Semi&shy;ose von Text und Bild spielt. Denn das Bild könne, wie das Wort auch, eine eigent&shy;liche (''sensus litte&shy;ralis'') und un&shy;eigent&shy;liche (''sensus alle&shy;gori&shy;cus'') Bedeu&shy;tung besit&shy;zen und müsse bezüg&shy;lich seiner un&shy;eigent&shy;lichen Bedeu&shy;tung nochmals unter&shy;schieden werden, je nachdem ob es sich um eine [[Allegorie|Alle&shy;gorie]], die er als „Ico&shy;nolo&shy;gia“ oder „Bilder&shy;kunst“<ref>„[A]ls da ist der Glaub / in Ge&shy;stalt ei&shy;ner Weibs&shy;per&shy;son / mit dem Kelch / Kreuz und Liecht / die hoff&shy;nung mit dem Acker / die Ge&shy;dult mit dem Lamm etc.“ (§3).</ref> bezeich&shy;net, oder um ein Sinnbild handelt. Während erste&shy;re sich durch stark konven&shy;tiona&shy;lisier&shy;te Codie&shy;rungen auszeich&shy;nen, so dass sie als Zierde für „Gebäu&shy;den / Tape&shy;ten / Bücher&shy;tituln und in viel andre wege“ (§3) dienen, schöpfen Sinnbil&shy;der ihr Poten&shy;tial aus ihrem Gleichnis&shy;charak&shy;ter, der aus der Spannung zwischen Text und Bild erzeugt wird und durch die „die in Sinnbil&shy;dern enthal&shy;tene Lehre leichter be&shy;mercket / die Bitter&shy;keit der Vermah&shy;nung versüst / und die Lieblich&shy;keit der Mahle&shy;rey und Poete&shy;rey kunst&shy;artig mit gesam&shy;ter wolstän&shy;digkeit an das Liecht gesetzt“ (§7) wird, so dass idea&shy;lerwei&shy;se ein Sinnbild nicht ohne Berück&shy;sichti&shy;gung des Zusam&shy;menspiels von Text- und Bild&shy;code dechiff&shy;riert werden könne (§23).
:
Die immer wieder dargestellten Zusam&shy;menhän&shy;ge, in die die Emble&shy;matik gestellt wird, werden von Hars&shy;dörffer zum diskur&shy;siven Ordnungs&shy;muster der Verstän&shy;digung über die Eigen&shy;schaften des Gleichnis&shy;ses. Die Ausfüh&shy;rungen zur Sinnbild&shy;kunst werden im ersten Band der «Gespräch&shy;spiele» mit Ausfüh&shy;rungen über das Gleichnis und die Gedächt&shy;niskunst vorbe&shy;reitet, die Impre&shy;senkunst („Münzpreg“) schließt sich ihr an. Somit entspricht die diskur&shy;sive Entfal&shy;tung des Themas ziemlich genau den übli&shy;chen Abhand&shy;lungen über diesen Sachverhalt – aller&shy;dings mit einem entschei&shy;denden Unter&shy;schied: Hars&shy;dörffer stellt sie nicht mehr in eine kultur&shy;histo&shy;rische Entwick&shy;lungsge&shy;schichte, sondern behan&shy;delt sie unter dem erkennt&shy;nistheo&shy;reti&shy;schen Inte&shy;resse poten&shy;tieller Wissens&shy;gene&shy;rierung qua Ana&shy;logie. Das Gleichnis, so sagt Hars&shy;dörffer, sei die Quelle der Inven&shy;tio und es sei „nichts in der gantzen Welt zu finden / welches nicht durch die Gleichnis belan&shy;get werden könnte“ (<bib id='Harsdörffer 1969a'>Hars&shy;dörffer 1969a</bib>: X, § 5, S. 54).


Die Bedeutung, die die Verbindung von Text und Bild im Sinnbild spielt ist nicht zu unterschätzen. Wie wenig das eine Zeichensystem ohne das andere auszukommen vermag, betont Harsdörffer in der Neue[n] Zugabe: C. Sinnbildern Welche auf Fahenen / Schaupfennige / in Stammbücher / Taeten / becher / Gläser / Flaschen / Schalen / teller / zu trauer und Freudengedichten / Wie auch zu andrer Zierlichkeit / nach Belieben / gebrauchet werden können.21 Gleich zu Beginn seiner Ausführungen verweist er auf die maßgebliche Rolle, die die Analogie bei dieser Semiose von Text und Bild spielt. Denn wie das Wort eine eigentliche (sensus litteralis) und uneigentliche (sensus allegoricus) Bedeutung besitzen kann, so auch das Bild, das bezüglich seiner uneigentlichen oder figürlichen Bedeutung nochmals unterschieden werden kann, je nachdem ob es sich um eine Allegorie handelt, die als Iconologia oder Bilderkunst bezeichnet wird,22 oder um ein Sinnbild. Erstere zeichneten sich durch stark konventionalisierte Codierungen aus, so dass sie als Zierde für „Gebäuden / Tapeten / Büchertituln und in viel andre wege“ (§3) dienen. Im Gegensatz zur Bildkunst schöpfen Sinnbilder ihr Potential aus ihrem Gleichnischarakter, der aus der Spannung zwischen Text und Bild erzeugt wird und durch die „ die in Sinnbildern enthaltene Lehre leichter bemercket / die Bitterkeit der Vernmahnung versüst / und die Lieblichkeit der Mahlerey  und Poeterey kunstartig umit gesamter wolstädnigkeit an das Liecht gesetzt“ (§7) wird, so dass idealerweise ein Sinnbild nicht ohne beide Konstituenten, nicht ohne Text und Bild gemeinsam, dechiffriert werden könne (§23).
===Schottelius: «Ausführ&shy;liche Arbeit von der teutschen Haubt&shy;Sprache»===


Die immer wieder dargestellten Zusammenhänge, in die die Emblematik gestellt wird, werden von Harsdörffer zum diskursiven Ordnungsmuster der Verständigung über die Eigenschaften des Gleichnisses. Die Ausführungen zur Sinnbildkunst werden im ersten Band der Gesprächspiele mit Ausführungen über das Gleichnis und die Gedächtniskunst vorbereitet, die Impresenkunst (Münzpreg) schließt sich ihr an. Somit entspricht die diskursive Entfaltung des Themas ziemlich genau den üblichen Abhandlungen über diesen Sachverhalt, mit einem entscheidenden Unterschied: Harsdörffer stellt sie nicht mehr in eine kulturhistorische Entwicklungsgeschichte, sondern behandelt sie unter dem erkenntnistheoretischem Interesse potentieller Wissensgenerierung qua Analogie. Das Gleichnis, so sagt Harsdörffer, sei die Quelle der inventio und es sein „nichts in der gantzen Welt zu finden / welches nicht durch die Gleichnis belanget werden könnte“23.
Eine noch ausführlichere Definition von »Sinnbild« liefert der Wolfen&shy;bütte&shy;ler Geheim&shy;rat und Frucht&shy;bringer Justus Georg Schotte&shy;lius, mit dem Hars&shy;dörffer zeitle&shy;bens in freund&shy;schaftli&shy;chem Austausch stand. In seiner 1663 erschie&shy;nenen «Ausführ&shy;lichen Arbeit von der teutschen Haubt&shy;Sprache» verwirft er den alten Begriff »Emble&shy;matum«, weil er ihm zu einsei&shy;tig auf die kunsthand&shy;werkli&shy;che Funktion redu&shy;ziert ist (vgl. <bib id='Schottelius 1663a'>Schotte&shy;lius 1663a</bib>: S. 1105). Der Sinnbild-&#8203;Begriff zeige hinge&shy;gen ein solches Bild an,
:
:''dabey man etwas müsse zu Sinne fassen: Bild ist das letzte im Worte und also Grund / darum Haubt&shy;sachlich unser nach&shy;denken auf ein Bild / das ist / auf jedes / so Bild&shy;weis vorge&shy;stellet wird / gehen muß: Sinn aber / das bey&shy;fugi&shy;ge oder vorder&shy;ste Wort&shy;theil deutet an / daß solches Bild in sich ein sonder&shy;lichen Sinn / sonder&shy;liche Meynung und Deutung habe'' (<bib id='Schottelius 1663a'>Schotte&shy;lius 1663a</bib>: S. 1106).
:
Im Sinnbild codiert das Bild das zugrun&shy;delie&shy;gende Argu&shy;ment, das durch das Lemma und even&shy;tuell durch die Subscrip&shy;tio konkre&shy;tisiert, niemals aber verein&shy;deutigt werden darf. Wie die Impre&shy;se, so ist auch das Emblem ganz nach Maßga&shy;be der Ars memo&shy;rati&shy;va durch jene ''obscu&shy;ritas'' geprägt, die das verschlüs&shy;selte Argu&shy;ment nicht unmit&shy;telbar einsich&shy;tig macht und daher merk-&#8203;würdig auf den Rezi&shy;pienten wirkt. In diesem Zusam&shy;menspiel zwischen [[Proposition|propo&shy;sitio&shy;nalem Gehalt]] und [[Bildrhetorik|Bild&shy;rheto&shy;rik]] konsti&shy;tuiert sich dieje&shy;nige Quali&shy;tät des Emblems, die im zeitge&shy;nössi&shy;schen Kontext so oft mit der Leib-&#8203;Seele-&#8203;Meta&shy;pher ange&shy;sprochen wird:
:
:''Der Leib des Sinn&shy;bildes / als etwas schönes / ansehn&shy;liches und eusser&shy;liches / beste&shy;het in einem Bilde oder Gemähl&shy;te / welches auff das&shy;selbe / was darun&shy;ter ange&shy;deutet und verbor&shy;gen wird / das ist / auf seinen Sinn / muß deuten […]. Die Seele des Sinn&shy;bildes / welche gleich&shy;sam den Leib redend machet / beste&shy;het in Worten / nemlich in des Sinn&shy;bildes Deut&shy;spruche und in dessen Ausle&shy;gung'' (<bib id='Schottelius 1663a'>Schotte&shy;lius 1663a</bib>: S. 1106).
: 
Fehlt das Wort, so ist nicht mehr von einem Sinnbild, sondern von „einem gemahl&shy;ten Rätzel oder blossen Gemähl&shy;te“ (ibid.: S. 1106) die Rede.




=====Optionale Beispiele=====
==Ausblick==


Entsprechend vielgestaltig sind die thema&shy;tischen und inhalt&shy;lichen Ausrich&shy;tungen der Emblem&shy;bücher. Sie reichen von der Impre&shy;senli&shy;tera&shy;tur über eine ethisch-&#8203;mora&shy;lische und poli&shy;tische Emble&shy;matik, zu der Fürsten&shy;spiegel wie Zincgrefs erwähn&shy;tes Emblem&shy;buch eben&shy;so zu zählen sind wie die pane&shy;gyrische und Fune&shy;ral-&#8203;Emble&shy;matik, und die vor allem seit Beginn des 17. Jahrhun&shy;derts infla&shy;tionär einset&shy;zende reli&shy;giöse Emble&shy;matik (unab&shy;hängig von konfes&shy;sionel&shy;len Beschrän&shy;kungen) bis hin zu mehrbän&shy;digen Emblem&shy;enzy&shy;klopä&shy;dien, die etwa das natur&shy;kundli&shy;che und mora&shy;lische, aber auch theolo&shy;gische Wissen der Frühen Neuzeit mitein&shy;ander verbin&shy;den; nicht zu verges&shy;sen sind eben&shy;falls die Kunst&shy;bücher mit ihren Sammlun&shy;gen an emble&shy;mati&shy;schen Topoi, für die etwa Cesa&shy;re Ripas «Ico&shy;nolo&shy;gia» proto&shy;typisch wurde, und der unüber&shy;schauba&shy;re Bereich ange&shy;wandter Emble&shy;matik.<ref>Die Auf&shy;zäh&shy;lung folgt der weit&shy;aus dif&shy;fe&shy;ren&shy;zier&shy;te&shy;ren Sys&shy;te&shy;ma&shy;tik, die Diet&shy;mar Peil der Er&shy;schlie&shy;ßung der Mün&shy;chner Em&shy;blem&shy;buch&shy;be&shy;stän&shy;de zu&shy;grun&shy;de leg&shy;te; vgl. da&shy;zu und zu zahl&shy;rei&shy;chen Di&shy;gi&shy;ta&shy;li&shy;sa&shy;ten: [http://mdz1.bib-bvb.de/~emblem/dig-cpl.html Mün&shy;chner Di&shy;gi&shy;ta&shy;li&shy;sie&shy;rungs&shy;Zent&shy;rum].</ref> Die letzten Emblem&shy;enzy&shy;klopä&shy;dien erschie&shy;nen wie Lauren&shy;tius W. Woyts «Emble&shy;mati&shy;scher Parnas&shy;sus» noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhun&shy;derts. Danach reißt die Emblem&shy;produk&shy;tion fast schlag&shy;artig ab.
:
Als epistemische Ordnungs&shy;instru&shy;mente sind Emblem&shy;bücher im Laufe des 18. Jahrhun&shy;derts offen&shy;sichtlich an die Grenzen der Verwalt&shy;barkeit und Darstell&shy;barkeit des Wissens gera&shy;ten. Wenn die Ana&shy;logie nicht mehr als Grundla&shy;ge einer Wissens&shy;ordnung funkti&shy;oniert, scheitert auch die Emble&shy;matik als Ordnungs&shy;verfah&shy;ren mora&shy;lisch-&#8203;ethi&shy;scher Diskur&shy;se. Doch das allein erklärt den rapi&shy;den Bedeu&shy;tungsver&shy;lust dieser Kultur&shy;technik nicht über&shy;zeugend. Denn auch ande&shy;re Formen der frühneu&shy;zeitli&shy;chen Bild-&#8203;Text-&#8203;Rela&shy;tion verlie&shy;ren an Bedeu&shy;tung, wie etwa die Mnemo&shy;nik, deren Verhält&shy;nis zur Emble&shy;matik noch nicht einmal ansatz&shy;weise unter&shy;sucht wurde, was eines der dringlich&shy;sten Desi&shy;dera&shy;te für die aktu&shy;elle Emblem&shy;forschung darstellt. Dabei ist schon des Länge&shy;ren bekannt, dass zwischen der Emble&shy;matik und der Mnemo&shy;nik eine enge Verknüp&shy;fung besteht.<ref>Vgl. <bib id='Strasser 2000a'>Stras&shy;ser 2000a</bib>, <bib id='Kocher 2007a'>Ko&shy;cher 2007a</bib> und <bib id='Manns 2007a'></bib>.</ref> Die Erfor&shy;schung dieser Zusam&shy;menhän&shy;ge könnte den Schlüssel zur Erklä&shy;rung des Bedeu&shy;tungsver&shy;lustes der auf Ana&shy;logie&shy;bildung basie&shy;renden Text-&#8203;Bild-&#8203;Gene&shy;ra gegen Ende der Frühen Neuzeit liefern.


=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
{{GlossarSiehe}}
* [[Allegorie]]
* [[Allegorie]]
* [[Symbol]]
* [[Bilder als Medien]]
* Imprese
* [[Bildrhetorik]]
* [[Hieroglyphe]]
* [[Darstellung]]
* Rebus
* [[Ekphrasis]]
* Bildersturm / Bilderverbot
* [[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'|Griechisch: ‘agalma’, ‘phantasma’, ‘eidolon’, ‘typos’, ‘eikon’]]
* [[Repräsentation]]
* [[Hieroglyphen, Hieroglyphendiskurs]]
* [[Präsenz]]
* [[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago'|Lateinisch: ‘effigies’, ‘species’, ‘simulacrum’, ‘imago’]]
* Bildkritik
* [[Metonymie]]
* Abbild
* [[Proposition]]
 
* [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie]]
 
* [[Ut pictura poesis]]
 
* [[Vorstellungsbilder / Mentale Modelle]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]


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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Sprach-Bild-Bezüge


Zu Begriff und Geschichte von Emblem und Em­ble­matik

Mit seinem umfangreichen Textkor­pus und seinem großen Umfang an Vari­anten, der eine defi­nito­rische wie auch eine typo­logi­sche Erfas­sung der Gattung biswei­len als schier aussichts­loses Unter­fangen erschei­nen läßt, ist das Emblem ohne Zweifel die produk­tivste der kleinen, im 16., 17. und noch im 18. Jahrhun­dert produk­tiven Wort-​Bild-​Gattun­gen ([Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
: S. 15).

Ein Emblem (ἔμβλημα) ist eine spezi­fische Bild und Text kombi­nieren­de Gattung unei­gentli­cher, argu­menta­tiver Rede. Im Laufe des 16. bis 18. Jahrhun­derts avan­cierte die Emble­matik als konse­quentes­te Umset­zung des Ut pictu­ra poesis (vgl. [Heckscher & Wirth 1967a]Heckscher, William S. & Wirth, Karl-August (1967): Emblem, Emblembuch. In: Heydenreich, L. H. et al. (Hg.), Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 5. Email – Eselsritt. Metzler, Stuttgart.
: S. 88) in ganz West-​Euro­pa zu einer zentra­len Kultur­technik und zum inte­gralen Bestand­teil frühneu­zeitli­cher Wissens­ordnung. Konsti­tutiv für Emble­me sind ihre alle­gori­sche Verweis­struktur und eine regel­gelei­tete Kombi­nato­rik, die in der cice­roni­ani­schen Rheto­rik gründet.[1]

Embleme stehen in enger Verbin­dung mit ande­ren Text-​Bild-​Gene­ra wie der Impre­se (die in der Regel einen persön­lichen Leit­satz visu­ali­siert), dem Rebus (einem meist visu­ell verschlüs­selten Bilder­rätsel von Worten oder Senten­zen) oder der Renais­sance-​Hiero­glyphik (von der man annahm, ihre Bildzei­chen böten einen unmit­telba­ren Zugang zur göttli­chen Erkennt­nis). Im Laufe ihrer rund 250-​jähri­gen Geschich­te bildet die Emble­matik zahlrei­che Struktur­formen heraus (vgl. [Heckscher & Wirth 1967a]Heckscher, William S. & Wirth, Karl-August (1967): Emblem, Emblembuch. In: Heydenreich, L. H. et al. (Hg.), Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 5. Email – Eselsritt. Metzler, Stuttgart.
), von denen der bekann­teste Struktur­typ eine spezi­fische Dreitei­ligkeit aufweist, wie sie in dem 1531 in Augsburg publi­zierten ersten Emblem­buch des Mailän­der Juris­ten Andreas Alci­atus vorge­geben ist. Der Verle­ger Heinrich Steyner verband in diesem «Emble­matum liber» die von Alci­atus verfass­ten Epi­gramme mit Holzschnit­ten (nach Zeichnun­gen des Augsbur­ger Malers Jörg Breu dem Älte­ren) und schuf so einen emble­mati­schen Proto­typen. Dieser Proto­typ fand rasch breite Aufnah­me inner­halb der res­publi­ca litte­raria – auch deshalb, weil er durch eine der leistungs­fähigs­ten Medien­techni­ken der Zeit, der Verbin­dung von Buchdruck und Holzschnitt, verbrei­tet wurde.

Ab­bil­dung 1: Al­ci­a­tus’ «Pau­per­ta­tem sum­mis» in der Augs­bur­ger Ver­si­on (1531)

Die meis­ten Em­ble­me des «Em­ble­ma­tum li­ber» be­ste­hen wie das Bei­spiel in Ab­bil­dung 1 aus ei­ner In­scrip­tio (Lem­ma, Mot­to, Ob­schrift), ei­ner Pic­tu­ra (Icon, Sym­bo­lum) so­wie ei­ner Sub­scrip­tio (oder Un­ter­schrift). [2]

Die In­scrip­tio „Pau­per­ta­tem svm­mis in­ge­nijs obes­se ne pro­ue­han­tur“ gibt in Form ei­nes kur­zen Sinn­spruchs das The­ma des Em­blems vor und ord­net es zu­gleich ei­nem be­stimm­ten Kon­text zu, der den ex­ege­ti­schen Rah­men des Em­blems fest­legt (vgl. [Neuber 1993a]Neuber, Wolfgang (1993): Locus. Lemma, Motto. Entwurf zu einer mnemonischen Emblematiktheorie. In: Berns, J. J. & Neuber, W. (Hg.), Ars memorativa. Zur kulturgeschichtlichen Bedeutung der Gedächtniskunst 1400-1750. Niemeyer, Tübingen.
). Die Pictu­ra zeigt einen Gelehr­ten (codiert durch Hut und Mantel), dessen rechter beflü­gelter Arm in Richtung Himmel, der linke hinge­gen, mit einem Stein beschwert, Richtung Erde strebt. Sein Blick folgt dem empor­streben­den, nicht dem beschwer­ten Arm. Die Subscrip­tio des Alci­atus-​Emblems besteht aus zwei Disti­chen. Das erste gibt eine Ekphra­sis, die mit der Pictu­ra korres­pondiert:[3]

Dextra tenet lapidem, manus altera sustinet alas.
Vt me pluma leuat, sic graue mergit onus,
Ingenio poteram superas uolitare per arces,
Me nisi paupertas inuida deprimeret.[4]

Das zweite Distichon stellt dann die Verbin­dung zur Inscrip­tio her, indem es die Pictu­ra auslegt: Die Armut hindert den intel­lektuell und künstle­risch Begab­ten daran, seine Fähig­keit voll zu entfal­ten. Auch wenn der bilder­zeugen­de, ekphras­tische Teil der Subscrip­tio der Evi­dentia (also dem Vor-​Augen-​Stellen eines Sachver­haltes oder eines Argu­ments) dient, so aktu­ali­siert erst das Zusam­menspiel aller Teile das dem Emblem zugrun­de liegen­de Argu­ment.

Aus dieser im «Emblematum liber» vorzufin­denden dreitei­ligen Emblem­struktur leite­te Albrecht Schöne einen Ideal­typus ab, den er unter der Formel einer „Doppel­struktur des Abbil­dens und Ausle­gens oder des Darstel­lens und Deutens“ ([Schöne 1993a]Schöne, Albrecht (1993): Emblematik und Drama im Zeitalter des Barock. Beck, München.
Notiz: 3. Aufl. mit Anmerkungen
: S. 21) zu klassi­fizie­ren versuch­te, wobei er im Prozess der Sinner­zeugung der Pictu­ra den Vorrang vor den beiden ande­ren Konsti­tuenten zuschrieb. Die Kritik an Schönes Ideal­typus ließ nicht lange auf sich warten.[5] Bernhard F. Scholz zeigt die Nähe des Emblems zu ande­ren symbo­lischen Formen wie dem Rebus, der Impre­se, der Renais­sance-​Hiero­glyphik auf der Grundla­ge histo­rischer Begriffs­bestim­mungen, denen er in erster Linie Trakta­te zur Impre­se, die von Emble­mati­kern vielfach zitiert wurden, zugrun­de legt. Allen diesen symbo­lischen Formen ist ein beson­derer Rätsel­charak­ter gemein­sam, der sich aus der Verläss­lichkeit eines noch uni­versal-​göttli­chen Verweis­systems, dem mittel­alter­lichen ordo, speist, in welchem alles mit allem in einem symbo­lisch-​alle­gori­schen Bezug steht und der die Dinge der Welt inner­halb einer topisch orga­nisier­ten Wissens­ordnung dispo­nibel hält.[6] Diese poeto­logisch verwand­ten Formen wenden sich in erster Linie an eine Gelehr­tenschicht, die diese Rätsel­struktur zu dechiff­rieren in der Lage ist.

Im Laufe ihrer Gattungsgeschichte bildete die Emble­matik eine Vielzahl von Formva­rianten aus, die mehr oder weni­ger von dieser struktu­rellen Dreiglied­rigkeit abwei­chen, wie etwa die gegen Mitte des 17. Jahrhun­derts immer popu­läre­ren „mehr­ständi­gen Sinnbil­der“, die aus bis zu zehn mitein­ander zu einer Sinnein­heit verbun­denen Emble­men beste­hen können. Trotz ihrer Vielfalt ist diesen Gebil­den eine meto­nymi­sche bzw. meta­phori­sche Rela­tion von Text und Bild eigen (vgl. [Scholz 1997a]Scholz, Bernhard F. (1997): Emblem. In: Weimar, K. (Hg.), Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. de Gruyter, Berlin & New York.
). Emble­me stellen abstrak­te, unan­schauli­che Begrif­fe, Ideen, Argu­mente in der Regel mit dem Ziel vor Augen, ein bestimm­tes abstrak­tes Wissen zu speichern und dispo­nibel zu halten. Das verbin­det die Emble­matik mit ande­ren Formen von frühneu­zeitli­chen Text-​Bild-​Gene­ra, insbe­sonde­re jedoch mit der Mnemo­nik. Kultur­histo­risch äußert sich dies in einer Vielzahl emble­mati­scher Enzy­klopä­dien, wie die gegen Ende des 16. Jahrhun­derts entstan­dene «Symbo­la et emble­mata» des Nürnber­ger Juris­ten Joachim Came­rarius. Gegen Ende der Emble­matik sind es gera­de diese Enzy­klopä­dien, die davon zeugen, wie die Emble­matik als topisch orga­nisier­te Wissens­speicher inso­fern an ihre struktu­rellen Grenzen stößt, als sie die Menge des Wissens nicht sinnvoll aufzu­nehmen im Stande ist. Mit den ersten Emblem­enzy­klopä­dien erfährt die Emble­matik eine Funktions­erwei­terung, die vor kaum einem frühneu­zeitli­chen Wissens­gebiet halt macht.

Die Funktionserweiterung der Emblematik drückt sich nicht nur dadurch aus, dass im deutsch­sprachi­gen Raum zu Beginn des 17. Jahrhun­derts der Ausdruck ‘Emblem’ allmäh­lich durch das – vom nieder­ländi­schen ‘zinne­beeld’ abge­leite­te – ‘Sinnbild’ ersetzt wird. Sie zeigt sich auch in der zuneh­menden Bedeu­tung, die die Emble­matik über­haupt für die frühneu­zeitli­che Wissens­distri­bution und Wissens­produk­tion spielt. Sie wird mit didak­tischen, medi­tati­ven und reprä­senta­tiven Absich­ten funktio­nali­siert, wobei es alle nur denkba­ren Zwischen­formen zwischen diesen Makro­berei­chen gibt und die Über­gänge fließend sind. Es wurde daher aus er­schließungs­pragma­tischen Gründen vorge­schlagen, die Vielfalt an Emblem­bücher wie folgt zu syste­mati­sieren: in Impre­senli­tera­tur, in ethisch-​mora­lische Emble­matik, in weltli­che Liebes­emble­matik, in poli­tische Emble­matik und schließlich in reli­giöse Emble­matik sowie in Emblem­enzy­klopä­dien, die sich wiede­rum in zahlrei­che Unter­kate­gorien diffe­renzie­ren lassen.[7]


Ausgewählte Emblemtheorien des 16. und 17. Jahr­hun­derts

In Anbetracht der bedeutenden Stellung, die die Emble­matik inner­halb der frühneu­zeitli­chen Sinnbild­syste­me einnimmt,[8] ist es erstaun­lich, dass kaum theore­tisch verbind­liche zeitge­nössi­sche Refle­xionen über eine Poetik des Emblems über­liefert sind. Die meisten Vorre­den und Trakta­te, die sich zur Ursprungs­frage der Emble­matik äußern, wieder­holen sich meist und werden der emble­mati­schen Formen­vielfalt ihrer Zeit kaum gerecht. Produk­tionsäs­theti­sche und/​oder rezep­tionsäs­theti­sche Poeto­logien des Emblems sind eine Selten­heit.

Im Folgenden wird eine exemplari­sche Auswahl emblem­theore­tischer Posi­tionen skizziert, die von Andreas Alci­atus über Johann Fischart und Johann Wilhelm Zincgref bis in die Mitte des 17. Jahrhun­derts zu Georg Philipp Hars­dörffer und Justus Georg Schotte­lius reicht. Bei Harsdörf­fer finden sich erstmals umfang­reiche Bestim­mungen, die der Emblem­praxis und der seit der Jahrhun­dertwen­de erheb­lich wachsen­den Funktions­vielfalt der Emble­matik gerecht zu werden versu­chen.

Alciatus: «Emblematum liber»

Die Begriffsgeschichte der Emble­matik beginnt, wie gesagt, mit dem 1531 von Heinrich Steyner in Augsburg verleg­ten «Emble­matum liber», in dem er unau­tori­siert ein 104 Epi­gramme umfas­sendes Manu­skript des Juris­ten Andreas Alci­atus mit Holzschnit­ten von Jörg Breu verband und auf diese Weise eher zufäl­lig die Dreitei­ligkeit schuf, die dann auf die neue Text-​Bild-​Gattung über­tragen wurde.[9] Was Alci­atus selbst unter ‘Emblem’ verstand wird andeu­tungswei­se in seinem dem Augsbur­ger Huma­nisten Konrad Peutin­ger zuge­dachten Widmungs­epi­gramm fassbar:

Die weyl die kinder yren thand
Mit nussen vnd der gleychen hand,
Mit wurfflen spilen iunge leut,
Den faulen man die karten freud,
Hab ich zu schreiben lust und will
Berumter kunstler bossen vil,
Welich mag brauchen yederman,
Wo man das sol haymlich uerstan.
In klyd, teppich, tisch, oder schilt
On gschrift redt doch ein solich bild.[10]

Abgesehen davon also, dass die von Alci­atus erfun­denen Emble­me einem sinnvol­len Zeitver­treib dienen sollen, sieht er in ihnen Vorla­gen für die Verzie­rung von Kleidung und ande­ren Arte­fakten, wobei es ihm weni­ger auf die grafi­sche Umset­zung der bilder­zeugen­den Teile der Epi­gramme anzu­kommen scheint, sondern auf das dem Epi­gramm zugrun­delie­gende Kernar­gument. Welchen Themen­berei­chen die Argu­mente entnom­men werden können, erläu­tert Alci­atus seinem Freund Frances­co Calvo in einem Brief vom 9. Dezem­ber 1522:

[Danach] habe ich das Büchlein mit Epi­grammen zusam­menge­stellt, und als Emble­mata benannt, da ich dort einzel­ne Epi­gramme beschrei­be, die ele­gante Dinge aus der Geschich­te oder der Natur bezeich­nen“.[11]

Für die Epi­gramme des «Emble­matum liber» hat sich Alci­atus vor allem bei der «Antho­logia Graeca», dem «Physio­logus» und der «Hiero­glyphi­ca» des Hora­pollo bedient.[12]

Fischart: «Kurtzer vnd Woldien­licher Vor­bericht»

Alciatus’ kunsthandwerkliche Impli­kation des Emblems im Sinne einer Intar­sie oder Ein­lege­arbeit prägt einer­seits noch das erste deutsch­sprachi­ge Emblem­traktat, das Johann Fischart (1546/​47–​1590) als Vorwort dem 1581 in Straßburg erschie­nenen «Emble­matum tyro­cinia» Matthias Holtz­warts voran­stellte. Ande­rerseits leitet Fischart in diesem «Kurtze[n] vnd Woldien­liche[n] Vorbe­richt / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emble­maten / oder Einge­blömeten Zier­wercken» den Emblem­begriff noch aus der Heral­dik und dem mili­täri­schen Standar­tenwe­sen ab und schlägt damit eine Verbin­dung zur Impre­sentra­dition. Bereits Paolo Giovio wies in seinem berühm­ten und einfluss­reichen «Dialo­go dell’Impre­se Mili­tari et Amo­roso» (Rom 1555) auf die memo­rati­ve Kraft dieser Bild- und Gedächt­niszei­chen hin.[13] Fischart sieht die Aufga­be der „Gedenck­zeychen“ darin, dem Rezi­pienten dazu zu verhel­fen, sich der „Vorfah­ren Glück vnd Fall […] zu erin­nern“ ([Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.
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: fol. a8r). Wenn Fischart die enge Verwandt­schaft des Emblems mit der Impre­se betont, weist er zugleich auf sozial­diszi­plina­rische und gesell­schaftsord­nende Dimen­sionen dieser Text-​Bild-​Verbin­dungen hin. An den Wappen sind die Mitglie­der des Hofes iden­tifi­zierbar, ihr sozia­les Gewicht und Presti­ge allen einsich­tig. Die Emble­matik wird in dieser Hinsicht als der kultur­histo­rische Versuch gewer­tet, auch dem gesell­schaftlich-strati­fika­tori­schen Bedeu­tungsver­lust der Heral­dik zu begeg­nen.[14] Um diesen aufzu­fangen, hätte man, so Fischart, damit begon­nen, die

nach Exempel der Römischen Keyser beson­dere vergrif­fene Kunst­gemärck vnd Fund­zeychen / sammt darzu dien­lichen kurtzen Sprüchen / Reimen / Divi­sen vnd buch­staben / so die Deitung begreif­fen vnd erhal­ten / zuer­finden ([Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.
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: fol. b2r).

Habe die Heraldik erst einmal ihre tradi­tionel­le Funktion verlo­ren, sei es nur noch ein kleiner Schritt hin zum Anfer­tigen von „Poeti­schen Geheim­nußleh­rigen Gemäh­len: vnd diesel­bige jnen selbs / oder andern zugleich neben jnen zu frucht­barli­cher Erin­nerung offent­lich fürzu­malen“ ([Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.
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: fol. a3v). Eine Erklä­rung jedoch, wie die produk­tionsäs­theti­schen Regeln emble­mati­scher Inven­tio ausse­hen und wie die poten­tiellen seman­tischen Aufla­dungen solcher „Ge­märcke“ zustan­de kommen, bleibt Fischart seinen Lesern schuldig. Eine Anlei­tung zum Erfin­den eige­ner Emble­me ist sein Traktat nicht.

Zincgref: «Emblematum ethico-​poli­tico­rum»

Fischarts Argumente finden sich einige Zeit später auch bei Johann Wilhelm Zincgref (1591-​1636) wieder, dem Heidel­berger Huma­nisten und Doktor beider Rechte. In der «Praefa­tio de ori­gine et usu emble­matum» seines «Emble­matum ethi­co-​poli­tico­rum», erstmals 1619 in Frankfurt am Main bei Theodor de Bry erschie­nen, wieder­holt er einer­seits die bereits bekann­ten kunsthand­werkli­chen Argu­mente[15] und knüpft ande­rerseits an die bereits von Alci­atus der Emble­matik zugrun­de geleg­ten Renais­sance-​Hiero­glyphik an. Emble­me sind den Hiero­glyphen ana­loge Schriftzei­chen.[16] Auch die Emble­me sollen wie diese auf Hermes Trisme­gistos zurück­geführ­ten ideo­graphi­schen Zeichen Menta­les in Bildern vor- und darstel­len: „Primi per figu­ras ani­malius […] Ægyp­tii sensus mentis effin­gebant […]“ ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
: Bd. 1, fol. ):( ):( 1r)).[17] Zugleich aber haben, wie Alci­atus bereits beton­te, diese hiero­glyphi­schen Zeichen die Kraft, Dinge direkt zu bezeich­nen. Zinc­gref beruft sich auf Diodo­rus Sicu­lus und beschreibt das emble­matum scribe­re als das Verbin­den einzel­ner Bild­ele­mente (res pictae) wie die Darstel­lung vom Tieren, von menschli­chen Glied­maßen oder von Gegen­ständen auf der einen Seite mit bestimm­ten menta­len Konzep­ten auf der ande­ren Seite, damit die mit ihnen verbun­denen Argu­mente leichter im Gedächt­nis behal­ten werden können. Er verbin­det das huma­nisti­sche Konzept der Hiero­glyphik mit einer mnemo­techni­schen Funktion und weiß dies durch Auto­ritä­ten wie Taci­tus oder Diodo­rus Sicu­lus zu bele­gen.

Dem schließt sich der durch sein Alter zuver­lässig­ste Zeuge, Diodo­rus Sicu­lus, an: Über die äthio­pischen Buchsta­ben und die, welche die Ägyp­ter Hiero­glyphen nennen, muß etwas gesagt werden: Die ältes­ten darun­ter ähneln meist verschie­denen Tieren, Menschen­gliedern und Werkzeu­gen. Das Wesen der Schrift besteht bei ihnen nämlich nicht im Zusam­menfü­gen von Silben; vielmehr in der Bestim­mung der darge­stellten Bilder und dessen, was sie im Gedächt­nis hervor­rufen, wird der unter­legte Sinn ausge­drückt und verdeut­licht“.[18]

Zugleich erweitert Zincgref damit den Emblem­begriff zu einem um­brella term:

Wer sieht nun nicht aus dem, was wir gesagt haben, daß Emblem die allge­meinste Bezeich­nung ist, womit jedes Gebil­de, sei es gemalt oder graviert, bezeich­net wird, und daß es in seinem Bereich jene ande­re Art allge­meiner Emble­me umfaßt, die einen allge­meinen Lehrge­danken be­inhal­ten: entwe­der die Verdeut­lichung der Tugend oder die Verwün­schung des Las­ters, oder schließlich Anlei­tung zur Klugheit; […].[19]

Zincgref verwendet den Ausdruck ‘Emblem’ uni­versal für Text-​Bild-​Verbin­dungen. Die Über­gang von Emblem, Impre­se und Hiero­glyphe sind fließend. Ihnen allen eignet Symbol- bzw. Gleichnis­haftig­keit und sie können von einem allge­meinen Emblem (Emble­ma commu­nia sive uni­versa­lia), wie Zincgref es nennt, in ein Einzel­emblem (Emble­ma singu­lare) indi­vidu­ell verwan­delt werden – und vice versa. Als solche fänden sie dann auf Devi­sen oder Wappen Verwen­dung. Sie alle über­führen Vorstel­lungsbil­der (ima­gines vivan­tes), etwa über hero­ische Taten und ihre seeli­schen Abbil­der (simu­lacra ani­morum) durch poeti­sche Bear­beitung in körper­hafte Bilder (pictae), um als Vorbild dem Gedächt­nis der Nachwelt verfüg­bar zu bleiben (vgl. [Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
: Bd. 1, fol. ):( ):( 3v). Für Zincgref besteht die unein­geschränk­te Leistung der Emble­me darin, unse­ren Geist durch Gleichnis­haftig­keit und Ana­logie­bildung zu Wahrneh­mungen zu führen, zu denen die äuße­ren Sinne nicht im Stande sind (vgl. [Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
: Bd. 1, fol. ):( ):( 4r). Emble­me sind Erkennt­nis- und Ordnungs­mittel in Einem. Sie halten Wissen verfüg­bar und sind in der Lage, neues Wissen und neue Erkennt­nisse auf Basis der Rekom­bina­tion und Ana­logie­bildung zu gene­rieren.[20]

Harsdörffer: «Frauen­zimmer Ge­spräch­spiele» und «Mord­ge­schich­te»

Wiederum einige Jahrzehnte nach Zincgref begibt sich der Nürnber­ger Patri­zier, Jurist und Poly­histor Georg Philipp Harsdörf­fer auf die Suche nach konkre­ten Umset­zungsmög­lichkei­ten dieser ana­logie­bilden­den Leistungs­fähig­keit des emble­mati­schen Gleichnis­ses. In seinen «Frauen­zimmer Gespräch­spielen» entfal­tet Hars­dörffer im gelehr­ten Dialog die umfas­sendste Synthe­se der seit gut hundert Jahren verhan­delten Emblem­theorien, was ihn, wie Gerhard F. Strasser resü­miert, „zum Gewährs­mann für die Emblem­theorie im deutschen Raum“ macht ([Strasser 2000a]Strasser, Gerhard F. (2000): Emblematik und Mnemonik der Frühen Neuzeit im Zusammenspiel. Johannes Buno und Johann Justus Winckelmann. Harrassowitz, Wiesbaden.
Notiz:
Nicht angezeigt: Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung. Bd. 36
: S. 41).[21]

Zur Mitte des 17. Jahrhunderts hat die Emble­matik eine Ausdif­feren­zierung hin zu einer un­über­sichtlich gewor­denen Formen­vielfalt erfah­ren, so dass kaum noch von dem Emblem und der Emble­matik gespro­chen werden kann. Zincgrefs um­brella term wies bereits die Richtung. Auch bei Hars­dörffer doku­mentiert sich nun der Struktur­wandel der Emble­matik in der Erset­zung von ‘Emble­matum’ durch ‘Sinnbild’:

Es werden aber solche Gemähl und Schriften Sinn­bilder genant / weil selbe von Bildern / vnd wenig Worten / darinn der Sinn / Meinung und Verstand deß Erfin­ders begrif­fen / zusam­menge­setzet: welche dann mehr weisen / als gemah­let oder geschrie­ben ist / in dem selbe zu ferne­ren Nach­denken füg­liche Anlaß geben.[22]

Text und Bild sind im Sinnbild so eng aufein­ander bezo­gen, dass das eine Zeichen­system nicht ohne das ande­re auskommt. Harsdörf­fer betont dies in seiner emblem­theore­tischen Zuga­be zur dritten Aufla­ge des «Großen Schau-​Platzes jämmer­licher Mordge­schichte», die 50 Lehrsät­ze für die Inven­tio und Produk­tion von Sinnbil­dern präsen­tiert.[23] Gleich zu Beginn der Schrift verweist er auf die maßgeb­liche Rolle, die die Ana­logie bei dieser Semi­ose von Text und Bild spielt. Denn das Bild könne, wie das Wort auch, eine eigent­liche (sensus litte­ralis) und un­eigent­liche (sensus alle­gori­cus) Bedeu­tung besit­zen und müsse bezüg­lich seiner un­eigent­lichen Bedeu­tung nochmals unter­schieden werden, je nachdem ob es sich um eine Alle­gorie, die er als „Ico­nolo­gia“ oder „Bilder­kunst“[24] bezeich­net, oder um ein Sinnbild handelt. Während erste­re sich durch stark konven­tiona­lisier­te Codie­rungen auszeich­nen, so dass sie als Zierde für „Gebäu­den / Tape­ten / Bücher­tituln und in viel andre wege“ (§3) dienen, schöpfen Sinnbil­der ihr Poten­tial aus ihrem Gleichnis­charak­ter, der aus der Spannung zwischen Text und Bild erzeugt wird und durch die „die in Sinnbil­dern enthal­tene Lehre leichter be­mercket / die Bitter­keit der Vermah­nung versüst / und die Lieblich­keit der Mahle­rey und Poete­rey kunst­artig mit gesam­ter wolstän­digkeit an das Liecht gesetzt“ (§7) wird, so dass idea­lerwei­se ein Sinnbild nicht ohne Berück­sichti­gung des Zusam­menspiels von Text- und Bild­code dechiff­riert werden könne (§23).

Die immer wieder dargestellten Zusam­menhän­ge, in die die Emble­matik gestellt wird, werden von Hars­dörffer zum diskur­siven Ordnungs­muster der Verstän­digung über die Eigen­schaften des Gleichnis­ses. Die Ausfüh­rungen zur Sinnbild­kunst werden im ersten Band der «Gespräch­spiele» mit Ausfüh­rungen über das Gleichnis und die Gedächt­niskunst vorbe­reitet, die Impre­senkunst („Münzpreg“) schließt sich ihr an. Somit entspricht die diskur­sive Entfal­tung des Themas ziemlich genau den übli­chen Abhand­lungen über diesen Sachverhalt – aller­dings mit einem entschei­denden Unter­schied: Hars­dörffer stellt sie nicht mehr in eine kultur­histo­rische Entwick­lungsge­schichte, sondern behan­delt sie unter dem erkennt­nistheo­reti­schen Inte­resse poten­tieller Wissens­gene­rierung qua Ana­logie. Das Gleichnis, so sagt Hars­dörffer, sei die Quelle der Inven­tio und es sei „nichts in der gantzen Welt zu finden / welches nicht durch die Gleichnis belan­get werden könnte“ ([Harsdörffer 1969a]Harsdörffer, Georg Philipp (1969): Poetischer Trichter. Die Teutsche Dicht- und Reimkunst ohne Behuf der Lateinischen Sprache in VI Stunden einzugiessen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
Notiz: Reprografischer Nachdruck der Ausgaben Nürnberg 1650 (= Erster Teil), Nürnberg 1648 (= Zweiter Teil) und Nürnberg 1653 (= Dritter Teil)
: X, § 5, S. 54).

Schottelius: «Ausführ­liche Arbeit von der teutschen Haubt­Sprache»

Eine noch ausführlichere Definition von »Sinnbild« liefert der Wolfen­bütte­ler Geheim­rat und Frucht­bringer Justus Georg Schotte­lius, mit dem Hars­dörffer zeitle­bens in freund­schaftli­chem Austausch stand. In seiner 1663 erschie­nenen «Ausführ­lichen Arbeit von der teutschen Haubt­Sprache» verwirft er den alten Begriff »Emble­matum«, weil er ihm zu einsei­tig auf die kunsthand­werkli­che Funktion redu­ziert ist (vgl. [Schottelius 1663a]Schottel, Justus Georg (1663): Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache. Zilliger, Braunschweig.
Webadresse: diglib.hab.de/wdb.php?dir=drucke/ko-306
: S. 1105). Der Sinnbild-​Begriff zeige hinge­gen ein solches Bild an,

dabey man etwas müsse zu Sinne fassen: Bild ist das letzte im Worte und also Grund / darum Haubt­sachlich unser nach­denken auf ein Bild / das ist / auf jedes / so Bild­weis vorge­stellet wird / gehen muß: Sinn aber / das bey­fugi­ge oder vorder­ste Wort­theil deutet an / daß solches Bild in sich ein sonder­lichen Sinn / sonder­liche Meynung und Deutung habe ([Schottelius 1663a]Schottel, Justus Georg (1663): Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache. Zilliger, Braunschweig.
Webadresse: diglib.hab.de/wdb.php?dir=drucke/ko-306
: S. 1106).

Im Sinnbild codiert das Bild das zugrun­delie­gende Argu­ment, das durch das Lemma und even­tuell durch die Subscrip­tio konkre­tisiert, niemals aber verein­deutigt werden darf. Wie die Impre­se, so ist auch das Emblem ganz nach Maßga­be der Ars memo­rati­va durch jene obscu­ritas geprägt, die das verschlüs­selte Argu­ment nicht unmit­telbar einsich­tig macht und daher merk-​würdig auf den Rezi­pienten wirkt. In diesem Zusam­menspiel zwischen propo­sitio­nalem Gehalt und Bild­rheto­rik konsti­tuiert sich dieje­nige Quali­tät des Emblems, die im zeitge­nössi­schen Kontext so oft mit der Leib-​Seele-​Meta­pher ange­sprochen wird:

Der Leib des Sinn­bildes / als etwas schönes / ansehn­liches und eusser­liches / beste­het in einem Bilde oder Gemähl­te / welches auff das­selbe / was darun­ter ange­deutet und verbor­gen wird / das ist / auf seinen Sinn / muß deuten […]. Die Seele des Sinn­bildes / welche gleich­sam den Leib redend machet / beste­het in Worten / nemlich in des Sinn­bildes Deut­spruche und in dessen Ausle­gung ([Schottelius 1663a]Schottel, Justus Georg (1663): Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache. Zilliger, Braunschweig.
Webadresse: diglib.hab.de/wdb.php?dir=drucke/ko-306
: S. 1106).

Fehlt das Wort, so ist nicht mehr von einem Sinnbild, sondern von „einem gemahl­ten Rätzel oder blossen Gemähl­te“ (ibid.: S. 1106) die Rede.


Ausblick

Entsprechend vielgestaltig sind die thema­tischen und inhalt­lichen Ausrich­tungen der Emblem­bücher. Sie reichen von der Impre­senli­tera­tur über eine ethisch-​mora­lische und poli­tische Emble­matik, zu der Fürsten­spiegel wie Zincgrefs erwähn­tes Emblem­buch eben­so zu zählen sind wie die pane­gyrische und Fune­ral-​Emble­matik, und die vor allem seit Beginn des 17. Jahrhun­derts infla­tionär einset­zende reli­giöse Emble­matik (unab­hängig von konfes­sionel­len Beschrän­kungen) bis hin zu mehrbän­digen Emblem­enzy­klopä­dien, die etwa das natur­kundli­che und mora­lische, aber auch theolo­gische Wissen der Frühen Neuzeit mitein­ander verbin­den; nicht zu verges­sen sind eben­falls die Kunst­bücher mit ihren Sammlun­gen an emble­mati­schen Topoi, für die etwa Cesa­re Ripas «Ico­nolo­gia» proto­typisch wurde, und der unüber­schauba­re Bereich ange­wandter Emble­matik.[25] Die letzten Emblem­enzy­klopä­dien erschie­nen wie Lauren­tius W. Woyts «Emble­mati­scher Parnas­sus» noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhun­derts. Danach reißt die Emblem­produk­tion fast schlag­artig ab.

Als epistemische Ordnungs­instru­mente sind Emblem­bücher im Laufe des 18. Jahrhun­derts offen­sichtlich an die Grenzen der Verwalt­barkeit und Darstell­barkeit des Wissens gera­ten. Wenn die Ana­logie nicht mehr als Grundla­ge einer Wissens­ordnung funkti­oniert, scheitert auch die Emble­matik als Ordnungs­verfah­ren mora­lisch-​ethi­scher Diskur­se. Doch das allein erklärt den rapi­den Bedeu­tungsver­lust dieser Kultur­technik nicht über­zeugend. Denn auch ande­re Formen der frühneu­zeitli­chen Bild-​Text-​Rela­tion verlie­ren an Bedeu­tung, wie etwa die Mnemo­nik, deren Verhält­nis zur Emble­matik noch nicht einmal ansatz­weise unter­sucht wurde, was eines der dringlich­sten Desi­dera­te für die aktu­elle Emblem­forschung darstellt. Dabei ist schon des Länge­ren bekannt, dass zwischen der Emble­matik und der Mnemo­nik eine enge Verknüp­fung besteht.[26] Die Erfor­schung dieser Zusam­menhän­ge könnte den Schlüssel zur Erklä­rung des Bedeu­tungsver­lustes der auf Ana­logie­bildung basie­renden Text-​Bild-​Gene­ra gegen Ende der Frühen Neuzeit liefern.

Anmerkungen
  1. ↑ Zur Funk­ti­on der To­pik in­ner­halb früh­neu­zeit­li­cher Wis­sens­ord­nun­gen vgl. grund­le­gend [Schmidt-Biggemann 1983a]Schmidt-Biggemann, Wilhelm (1983): Topica universalis. Eine Modellgeschichte humanistischer und barocker Wissenschaft. Meiner, Hamburg.
    ; für die rhe­to­risch-​phi­lo­so­phi­sche Ar­gu­men­ta­ti­ons­leh­re, die eben­so kon­sti­tu­tiv für die Em­ble­ma­tik ist, vgl. [Schmidt-Biggemann 2007a]Schmidt-Biggemann, Wilhelm (2007): Apokalypse und Philologie. Wissensgeschichten und Weltentwürfe der Frühen Neuzeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
    Nicht angezeigt: hrsg. v. Hallacker, A. & Bayer, B.
    : S. 229-​246.
  2. ↑ Zu ‘Icon’ ⊳ Griechisch: ‘agalma’, ‘phantasma’, ‘eidolon’, ‘typos’, ‘eikon’ und zu ‘Pic­tu­ra’ ⊳ La­tei­nisch: ‘ef­fi­gies’, ‘spe­cies’, ‘si­mu­lac­rum’, ‘ima­go’.
  3. ↑ Die of­fen­sicht­li­che Ver­tau­schung der Sei­ten links und rechts in der Pic­tu­ra wur­de in spä­te­ren Aus­ga­ben des «Em­ble­ma­tum li­ber» kor­ri­giert.
  4. ↑ In der Über­set­zung Wolf­gang Hun­gers für die Aus­ga­be Paris 1542: „Mein rech­te hand ein stayn be­schwert, Die linck er­horcht ein fe­der ring: Der stayn zeucht doch so vast zu erd, Das ich mich nit in dhoch er­schwing. Was zaygr vnnß an ein so­lich ding? Man­cher ist wol ge­born zu kunst, Di in zu ho­chen eh­ren bring, Doch so er arm, ists alls vmb sunst“ [Alciatus 1967a]Alciatus, Andreas (1967): Emblematum Libellus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
    : S. 47.
  5. ↑ Vgl. aus­führ­lich [Sulzer 1992a]Sulzer, Dieter (1992): Traktate zur Emblematik. Studien zu einer Geschichte der Emblemtheorien. W. J. Röhrig, St. Ingbert.
    Nicht angezeigt: Saarbrücker Beiträge zur Literaturwissenschaft. Bd. 22. Hg. v. Gerhard Sauder
    : S. 32-​40, zu­letzt auch [Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
    : S. 15-​41.
  6. ↑ Zur Be­deu­tung der To­pik als Ord­nungs­sys­tem für die Em­ble­ma­tik vgl. [Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
    , ins­be­son­de­re S. 43-​62 so­wie [Kocher 2007a]Kocher, Ursula (2007): ‘Imagines’ und ‘picturae’. Wissensorganisation durch Emblematik und Mnemonik. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
    , [Kocher 2010a]Kocher, Ursula (2010): Bild und Gedanke. Georg Philipp Harsdörffers Emblematiktheorie. In: Thimann, M. & Zittel, C. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers «Kunstverständige Discurse». Beiträge zu Kunst, Literatur und Wissenschaft in der Frühen Neuzeit. Manutius, Heidelberg.
    , [Kocher 2011a]Kocher, Ursula (2011): „Die maechtige Bildung unserer Gedanken“. Zur Emblematiktheorie Georg Philipp Harsdörffers. In: Keppler-Tasaki, S. & Kocher, U. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers Universalität. Beiträge zu einem uomo universale des Barock. de Gruyter, Berlin, New York.
    und [Manns 2007a]Manns, Stefan (2007): Nucleus emblematum. Überlegungen zu einer Semiotik des Emblems. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
    so­wie [Manns 2012a]Manns, Stefan (2012): Das Sakramentale am emblematischen Vollzug. In: Ertz, S. & Schlie, H. & Weidner, D. (Hg.), Sakramentale Repräsentation. Substanz, Zeichen und Präsenz in der Frühen Neuzeit. Fink, München.
    .
  7. ↑ Die­se Lis­te folgt der Sys­te­ma­ti­sie­rung zur Er­schlie­ßung der Mün­chner Em­blem­bü­cher; vgl. Mün­chner Di­gi­ta­li­sie­rungs­Zen­trum oder auch die Struk­tu­ren un­ter­schied­li­cher Ty­pen in [Heckscher & Wirth 1967a]Heckscher, William S. & Wirth, Karl-August (1967): Emblem, Emblembuch. In: Heydenreich, L. H. et al. (Hg.), Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 5. Email – Eselsritt. Metzler, Stuttgart.
    .
  8. ↑ In die­ser Ein­schät­zung sind sich Kunst- und Li­te­ra­tur­wis­sen­schaf­ten ei­nig; vgl. et­wa [Greene 1982a]Greene, Thomas M. Greene (1982): The Light in Troy. Imitation and Discovery in Renaissance Poetry. Yale University Press, New Haven, London.
    , [Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
    und [Warncke 2005a]Warncke, Carsten-Peter (2005): Symbol, Emblem, Allegorie. Die zweite Sprache der Bilder. Deubner, Köln.
    .
  9. ↑ Vgl. zum Em­blem­be­griff grund­sätz­lich [Miedema 1968a]Miedema, Hessel (1968): The Term ‘Emblema’ in Alciati. Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 31.
    und [Balavoine 1981a]Balavoine, Claudio (1981): Archéologie de l’emblème littéraire. La dédicace à Conrad Peutinger des Emblemata d’André Alciat. In: Jones-Davies, M. T. (Hg.), Emblèmes et devises au temps de la Renaissance. Touzot, Paris.
    .
  10. ↑ [Alciatus 1967a]Alciatus, Andreas (1967): Emblematum Libellus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
    : S. 16 (Über­set­zung Wolf­gang Hun­ger); la­tei­nisch: „Dum pue­ros iug­lans, iuue­nes dum tes­se­ra fal­lit, / De­sti­net & seg­nes char­tu­la pic­ta ui­ros. / Haec nos fe­sti­uis Em­ble­ma­ta cu­di­mus ho­ris, / Ar­ti­fi­cum il­lus­tri sig­na­que fac­ta ma­nu. / Ve­sti­bus ut to­ru­los, pe­ta­sis ut fi­ge­re par­mas, / Et ua­leat ta­ci­tis scri­be­re quis­que no­tis“ ([Alciatus 1531a]Alciatus, Andreas (1531): Emblematum liber. Heinrich Steyner, Augsburg.
    Notiz: (= VD 16 A 1641)
    : fol. a2r).
  11. ↑ [Über­set­zung des Ver­fas­sers]; la­tei­nisch: „li­bel­lum com­po­sui epi­gram­ma­ton, cui ti­tu­lum fe­ci Em­ble­ma­ta: sin­gu­lis enim epi­gram­ma­ti­bus ali­quid de­scri­bo, quod ex hi­sto­ria [!], vel ex re­bus na­tu­ra­li­bus ali­quid ele­gans si­gni­fi­cet“ (zit. nach [Miedema 1968a]Miedema, Hessel (1968): The Term ‘Emblema’ in Alciati. Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 31.
    : S. 236).
  12. ↑ Zu Al­ci­a­tus’ Quel­len für das «Em­ble­ma­tum li­ber» vgl. [Köhler 1986a]Köhler, Johannes B. (1986): Der «Emblematum liber» von Andreas Alciatus (1492-1550). Eine Untersuchung zur Entstehung, Formung antiker Quellen und pädagogischer Wirkung im 16. Jahrhundert. Lax, Hildesheim.
    Nicht angezeigt: Beiträge zur Historischen Bildungsforschung. Bd. 3
    .
  13. ↑ Kon­sti­tu­tiv für die Im­pre­sen- wie für die Em­blem­the­o­rie wur­den Gio­vios fünf Grund­re­geln für ei­ne voll­kom­me­ne Im­pre­se: (1.) Wort (See­le) und Bild (Kör­per) ha­ben in ei­nem aus­ge­wo­ge­nen Ver­hält­nis zu ste­hen. Die Im­pre­se darf (2.) nicht zu un­ver­ständ­lich, aber zu­gleich auch nicht zu ein­fach zu ver­ste­hen sein, son­dern sie soll ob­skur sein, also ein Rät­sel ent­hal­ten, das den In­tel­lekt he­raus­for­dert. Sie soll (3.) an­ge­nehm zu be­trach­ten sein und darf (4.) kei­ne mensch­li­chen Ge­stal­ten ab­bil­den. Schließ­lich soll (5.) die fremd­spra­chi­ge In­scrip­tio kurz sein – Gio­vio for­dert ei­ne Be­schrän­kung auf drei Wör­ter; zur norm­bil­den­den Be­deu­tung von Pao­lo Gio­vios «Dia­lo­go» vgl. [Sulzer 1992a]Sulzer, Dieter (1992): Traktate zur Emblematik. Studien zu einer Geschichte der Emblemtheorien. W. J. Röhrig, St. Ingbert.
    Nicht angezeigt: Saarbrücker Beiträge zur Literaturwissenschaft. Bd. 22. Hg. v. Gerhard Sauder
    : S. 109-​137, [Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.
    : S. 63-​77 und [Scholz 2007a]Scholz, Bernhard F. (2007): Paolo Giovio als symbolorum pater. Zur Erfassung einer neuen Gattung durch die topische Poetik der Frühmoderne. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
    .
  14. ↑ „Heu­tigs Tags aber sein sol­che Wa­pen so ge­meyn wor­den / daß sich de­ren schier ent­we­der je­der Hel­ler­rich­ti­ger an­nim­met / oder je­der Höf­ling der al­ten eyn­fal­ti­gen wol­ge­gründ­ten sich be­schä­met / vnd nach En­gel­län­di­schem Miß­brauch mit vil Quar­ti­ren vnd Hel­men ver­wir­ret“ ([Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.
    Webadresse: #
    : fol. b1v b2r).
  15. ↑ „De­ri­vant il­lud ἀπὀ […] ἐμ­βάλ­λω, eò quod va­sis, aliis­que id ge­nus uten­si­li­bus apud ve­te­res in­se­re­ban­tur, re­vel­le­ban­tur­que, cum li­bi­tum erat“ ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : Bd. 1, fol. ):( ):( 1r); deutsch: „Man lei­tet es her [vom grie­chi­schen] em­bal­lo [ein­le­gen], weil bei Ge­fä­ßen und an­de­ren Ge­brauchs­ge­gen­stän­den die­ses Ver­fah­ren von den Al­ten, je nach­dem, als In­tar­sia oder In­ta­glio an­ge­wandt wur­de“ ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : Bd. 2, S. 16).
  16. ↑ Zum Zu­sam­men­hang der Re­nais­san­ce-​Hie­ro­gly­phik und der Em­ble­ma­tik vgl. be­reits [Volkmann 1923a]Volkmann, Ludwig (1923): Bilderschriften der Renaissance. Hieroglyphik und Emblematik in ihren Beziehungen und Fortwirkungen. Hiersemann, Leipzig.
    .
  17. ↑ „Als ers­te ha­ben die Ägyp­ter in Tier­bil­dern Ge­dank­li­ches dar­ge­stellt […]“ ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : Bd. 2, S. 17.)
  18. ↑ [Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : Bd. 2, S. 17; la­tei­nisch: Huic ac­ce­dit lo­cu­ple­tis­si­mus ab an­ti­qui­ta­te te­stis Dio­do­rus Si­cu­lus, qui, de li­te­ris, in­quit, Æ­thio­pi­cis, & his, quas Hie­ro­gly­phi­cas Æ­gyp­tiis no­mi­nans, ali­quid di­cen­dum est. Pri­ma ista­rum va­riis be­stiis & ho­mi­num mem­bris, in­stru­men­tis­que fa­bri­li­bus po­tis­si­mum as­si­mi­les sunt. Nam ars apud eos li­te­ra­ria non com­po­si­tio­ne syl­la­ba­rum, sed de­scrip­ta­rum ima­gi­num sig­ni­fi­cant & trans­la­tio­ne per ex­er­ci­ta­tio­nem me­mo­riae in­sculp­ta, sub­jec­tam ora­tio­nem ex­pri­mit & ab­sol­vit ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : Bd. 1, fol. ):( ):( 1r).
  19. ↑ ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : Bd. 2, S. 24); la­tei­nisch: “At quis non vi­det, ex ijs quae di­xi­mus, Em­ble­ma ge­ne­ra­lis­si­mum es­se no­men, quo quae­vis fi­gu­ra, si­ve pic­ta, si­ve cae­la­ta, sig­ni­fi­ca­tur, quod­que sub am­bi­tu suo com­plec­ta­tur il­lam al­te­ram spe­ciem Em­ble­ma­tum uni­ver­sa­lium, ha­ben­tium ali­quod noë­ma dog­ma­ti­cum ge­ne­ra­le: vel sig­ni­fi­ca­tio­nem vir­tu­tis, vel de­te­sta­tio­nem vi­tij, vel de­ni­que in­struc­tio­nem ad pru­den­tiam […]” ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
    Notiz: Bd. 1: Emblematum Ethico-Politicarum Centuria. Faksimile der Editio ultima Heidelberg 1664. Bd. 2: Übersetzungen und Kommentare. Heidelberg 1986. Hg. v. Henkel, A. & Wiemann, W.
    : Bd. 1, fol. ):( ):( 3r-v). —– Die­se und die fol­gen­den Über­set­zun­gen fol­gen der von Ar­thur Hen­kel und Wolf­gang Wie­mann auf der Ba­sis der Edi­tio ul­ti­ma besorg­ten Aus­ga­be von 1664.
  20. ↑ Im Rah­men der an der FU Ber­lin be­hei­ma­te­ten DFG-​For­scher­gruppe «To­pik und Tra­di­ti­on» untersuchte das Projekt «Ima­gi­nes et Pic­tu­rae» eben die­se em­ble­ma­ti­schen Sinn­bil­dungs­ver­fah­ren; vgl. da­zu [Kocher 2007a]Kocher, Ursula (2007): ‘Imagines’ und ‘picturae’. Wissensorganisation durch Emblematik und Mnemonik. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
    , [Manns 2007a]Manns, Stefan (2007): Nucleus emblematum. Überlegungen zu einer Semiotik des Emblems. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
    , [Manns 2009a]Manns, Stefan (2008): Topik und Gedächtnis. Text-Bild-Relationen und symbolische Kommunikation in der Ehrenpforte. Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft, 17.
    Nicht angezeigt: = Kaiser Maximilian I (1459–1519) und die Hofkultur seiner Zeit, hg. v. Hartmann, S. & Löser, F.
    , [Kocher 2010a]Kocher, Ursula (2010): Bild und Gedanke. Georg Philipp Harsdörffers Emblematiktheorie. In: Thimann, M. & Zittel, C. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers «Kunstverständige Discurse». Beiträge zu Kunst, Literatur und Wissenschaft in der Frühen Neuzeit. Manutius, Heidelberg.
    so­wie [Kocher 2011a]Kocher, Ursula (2011): „Die maechtige Bildung unserer Gedanken“. Zur Emblematiktheorie Georg Philipp Harsdörffers. In: Keppler-Tasaki, S. & Kocher, U. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers Universalität. Beiträge zu einem uomo universale des Barock. de Gruyter, Berlin, New York.
    . Die Ab­schluss­mo­no­gra­fie er­scheint En­de 2013.
  21. ↑ Dem wi­der­spricht [Becker-Cantarino 2005a]Becker-Cantarino, Barbara (2005): Ut pictura poesis? Zu Harsdörffers Theorie der ‘Bildkunst’. In: Gerstl, D. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffer und die Künste. Carl, Nürnberg.
    Nicht angezeigt: Schriftenreihe der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Bd. 10
    : S. 10: „Aber Hars­dörf­fer als Theo­re­ti­ker? Be­kannt­lich gilt das 17. Jahr­hun­dert in Deutsch­land als ziem­lich theo­rie­los, wenn es um Kunst­theo­rie geht […].“
  22. ↑ [Harsdörffer 1968a]Harsdörffer, Georg Philipp (1968): Frauen­zimmer Gespräch­spiele. 8 Bd.. Niemeyer, Tübingen.
    Notiz: Faksimile der Nürnberger volume 1644-1649, hg. v. Böttcher, I.
    : Bd. 1, S. 73. —– Zu Hars­dörf­fers Em­blem­theo­rie vgl. [Kocher 2010a]Kocher, Ursula (2010): Bild und Gedanke. Georg Philipp Harsdörffers Emblematiktheorie. In: Thimann, M. & Zittel, C. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers «Kunstverständige Discurse». Beiträge zu Kunst, Literatur und Wissenschaft in der Frühen Neuzeit. Manutius, Heidelberg.
    und [Kocher 2011a]Kocher, Ursula (2011): „Die maechtige Bildung unserer Gedanken“. Zur Emblematiktheorie Georg Philipp Harsdörffers. In: Keppler-Tasaki, S. & Kocher, U. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers Universalität. Beiträge zu einem uomo universale des Barock. de Gruyter, Berlin, New York.
    .
  23. ↑ Der Ti­tel die­ser klei­nen Schrift, die mit 100 mehr­stän­di­gen Sinn­bil­dern auf­war­tet, ist Pro­gramm: «Neue Zu­ga­be: C. Sinn­bil­dern Wel­che auf Fah­nen / Schau­pfen­ni­ge / in Stamm­bü­cher / Ta­pe­ten / Be­cher / Glä­ser / Fla­schen / Scha­len / Tel­ler / zu Trau­er und Freu­den­ge­dich­ten / Wie auch zu an­drer Zier­lich­keit / nach Be­lie­ben / ge­brau­chet wer­den kön­nen»; vgl. [Harsdörffer 1656a]Harsdörffer, Georg Philipp (1975): Der Grosse Schau-Platz jämmerlicher Mord-Geschichte. Beigebunden ist: Neue Zugabe: Bestehend aus C. Sinnbildern. Olms, Hildesheim, New York.
    Notiz: Nachdruck der Ausgabe Hamburg 1656
    .
  24. ↑ „[A]ls da ist der Glaub / in Ge­stalt ei­ner Weibs­per­son / mit dem Kelch / Kreuz und Liecht / die hoff­nung mit dem Acker / die Ge­dult mit dem Lamm etc.“ (§3).
  25. ↑ Die Auf­zäh­lung folgt der weit­aus dif­fe­ren­zier­te­ren Sys­te­ma­tik, die Diet­mar Peil der Er­schlie­ßung der Mün­chner Em­blem­buch­be­stän­de zu­grun­de leg­te; vgl. da­zu und zu zahl­rei­chen Di­gi­ta­li­sa­ten: Mün­chner Di­gi­ta­li­sie­rungs­Zent­rum.
  26. ↑ Vgl. [Strasser 2000a]Strasser, Gerhard F. (2000): Emblematik und Mnemonik der Frühen Neuzeit im Zusammenspiel. Johannes Buno und Johann Justus Winckelmann. Harrassowitz, Wiesbaden.
    Notiz:
    Nicht angezeigt: Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung. Bd. 36
    , [Kocher 2007a]Kocher, Ursula (2007): ‘Imagines’ und ‘picturae’. Wissensorganisation durch Emblematik und Mnemonik. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
    und [Manns 2007a]Manns, Stefan (2007): Nucleus emblematum. Überlegungen zu einer Semiotik des Emblems. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
    .
Literatur
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Ausgabe 1: 2013

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Zitierhinweis:

Manns, Stefan (2013). Emblem. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Emblem].