Typologien der Medien: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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=====Typen von Medien=====
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==Typen von Medien==
Da innerhalb des Medienbegriffs verschiedene Binnengliederungen vorkommen, stellt sich die Frage, ob Bilder in jedem der entsprechenden Medientypen verwendet werden können oder ob die Zuordnung auf eine den Bildgebrauch spezifisch beeinflußende Art eingeschränkt ist.
 
*'''''Wenig relevante Typologien'''''
Offensichtlich gibt es einige Aufteilungen, für die die Antwort trivial ist, so etwa die Untergliederung nach den verwendeten Sinnesmodalitäten, also in auditive, visuelle, olfaktorische, gustatorische und haptische Medien: Bilder sind, wenn von metaphorischen Übertragungen des Begriffs auf andere Sinnesmodalitäten abgesehen wird (⊳ [[Bildhaftes]] und [[uneigentliche Bilder]]), spezifisch visuelle Phänomene, kommen also nur in einem der so unterschiedenen Medientypen vor. Üblicherweise wird diese Aufteilung allerdings in zwei wichtigen Hinsichten erweitert: indem nämlich einerseits sprachlicher Informationsaustausch – als eine Form der Kommunikation, die gleichermaßen in mehreren Sinnesmodalitäten vorkommen kann – als eigenständige Klasse dieser Aufteilung verstanden wird; und indem andererseits Kommunikationsformen zu einer Klasse "Multimedia" zusammengefasst werden, die gleichzeitig über mehrere Sinneskanäle, also multimodal, funktionieren. In dieser Typologie spielen Bilder also nur für zwei Typen – visuell und multimedial – überhaupt eine Rolle.


Bei anderen Gliederungsprinzipen gibt es hingegen kaum relevante Zusammenhänge mit der Bildverwendung: So werden etwa Kommunikationsmedien nach den dabei eingesetzten (i) Herstellungs- oder (ii) Verbreitungsverfahren unterschieden. Auf diese Weise kann etwa von Printmedien (i) bzw. von Massenmedien (ii) gesprochen werden: Die jeweiligen Verfahren sind dabei zwar etwas, dass das Medium bestimmt, weil sie auf je besondere Weise Informationsaustausch ermöglichen und strukturieren, aber ob dabei Bilder oder andere Zeichenarten vermittelt werden, ist für diese Typen von Medium weitgehend unwesentlich.
Da innerhalb des Medienbegriffs verschie&shy;dene Binnen&shy;gliede&shy;rungen vorkom&shy;men, stellt sich die Frage, ob Bilder in jedem der entspre&shy;chenden Medien&shy;typen verwen&shy;det werden können oder ob die Zuord&shy;nung zu einer Medien&shy;klasse auf eine den Bildge&shy;brauch spezi&shy;fisch beein&shy;flussen&shy;de Art einge&shy;schränkt ist.  


*'''''Primär-, Sekundär- und Tertiärmedien'''''
===Wenig relevante Typo&shy;logien===
Die zentrale Binnengliederung, die von der Medienwissenschaft für Kommunikationsmedien vorgeschlagen wurden, ist die in ''Primärmedien'', ''Sekundärmedien'' und ''Tertiärmedien'' – manchmal auch unter der Bezeichnung Medien vom Typ 1, 2 oder 3 (cf. <bib id='Pross 1972a'></bib>: S. 10f.). Dabei erfolgt die Unterscheidung zunächst danach, in welchem Ausmaß technische Hilfsmittel verwendet werden.   
Offensichtlich gibt es einige Auftei&shy;lungen, für die die Antwort trivial ist, so etwa die Unter&shy;gliede&shy;rung nach den verwen&shy;deten Sinnes&shy;moda&shy;litä&shy;ten, also in audi&shy;tive, visu&shy;elle, olfak&shy;tori&shy;sche, gusta&shy;tori&shy;sche und hapti&shy;sche Medien: Bilder sind, wenn von meta&shy;phori&shy;schen Über&shy;tragun&shy;gen des Begriffs auf ande&shy;re Sinnes&shy;moda&shy;litä&shy;ten abge&shy;sehen wird (⊳ [[Bildhaftes|Bildhaf&shy;tes]] und [[uneigentliche Bilder|unei&shy;gentli&shy;che Bilder]]), spezi&shy;fisch visu&shy;elle Phäno&shy;mene, kommen also nur in einem der so unter&shy;schiede&shy;nen Medien&shy;typen vor. Übli&shy;cherwei&shy;se wird diese Auftei&shy;lung aller&shy;dings in zwei wichti&shy;gen Hinsich&shy;ten erwei&shy;tert: Indem nämlich einer&shy;seits sprachli&shy;cher Infor&shy;mations&shy;austausch – als eine Form der Kommu&shy;nika&shy;tion, die gleicher&shy;maßen in mehre&shy;ren Sinnes&shy;moda&shy;litä&shy;ten (audi&shy;tiv, visu&shy;ell, in Braille sogar haptisch) vorkom&shy;men kann – als eigen&shy;ständi&shy;ge Klasse dieser Auftei&shy;lung verstan&shy;den wird; und indem ande&shy;rerseits Kommu&shy;nika&shy;tionsfor&shy;men zu einer Klasse ‘Multi&shy;media’ zusam&shy;menge&shy;fasst werden, die gleichzei&shy;tig über mehre&shy;re Sinnes&shy;kanä&shy;le, also multi&shy;modal, funkti&shy;onieren. In dieser Typo&shy;logie spielen Bilder also nur für zwei Typen – visuell und multi&shy;medial – über&shy;haupt eine Rolle.
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Bei anderen Gliederungsprinzipien gibt es hinge&shy;gen kaum rele&shy;vante Zusam&shy;menhän&shy;ge mit der Bildver&shy;wendung: So werden etwa Kommu&shy;nika&shy;tionsme&shy;dien nach den dabei einge&shy;setzten (i) Herstel&shy;lungs- oder (ii) Verbrei&shy;tungsver&shy;fahren unter&shy;schieden. Auf diese Weise kann etwa von ‘Printme&shy;dien’ (i) bzw. von [[Massenmedien|‘Massen&shy;medien’]] (ii) gespro&shy;chen werden: Die jewei&shy;ligen Verfah&shy;ren sind dabei zwar etwas, dass das Medium bestimmt, weil sie auf je beson&shy;dere Weise [[Interaktion und Kommunikation|Kommu&shy;nika&shy;tion]] ermög&shy;lichen und struktu&shy;rieren, aber ob dabei Bilder oder ande&shy;re [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;arten]] vermit&shy;telt werden ist für diese Typen von Medium weitge&shy;hend unwe&shy;sentlich.<ref>Wei&shy;te&shy;re Über&shy;le&shy;gun&shy;gen zur Ty&shy;pi&shy;sie&shy;rung von Bil&shy;dern fin&shy;den sich zu&shy;dem in <bib id='Plümacher 2005a'>Plü&shy;ma&shy;cher 2005a</bib>.</ref>  


Folgt man den üblichen Erklärungen, dann handelt es sich um ein Primärmedium genau in den Fällen, wenn keinerlei technische Hilfsmittel bei der Vermittlung von Information eingesetzt werden. Gespräche von Angesicht zu Angesicht finden demnach mit einem Medium vom Typ 1 statt.<ref>Die körpereigene Ausstattung zählt hier also ebenso wenig unter technische Hilfen, wie das „Medium“ Luft mit seinen spezifischen physikalischen Eigenschaften, Schall und Licht zu übertragen.</ref>  
===Primär-, Sekundär- und Tertiär&shy;medien===
Wenn nur der Absender der Information technische Hilfsmittel in Anspruch nimmt, wird von einem Sekundärmedium gesprochen: Da z.B. [[Fotografie]]n mit Kamera und Drucker oder einem vergleichbaren technischen Gerät hergestellt werden müssen, aber üblicherweise ohne technische Hilfe betrachtet werden können, erfolgt hier der Informationsfluss über ein Medium vom Typ 2.
Die zentrale Binnengliederung, die von der Medien&shy;wissen&shy;schaft für Kommu&shy;nika&shy;tionsme&shy;dien vorge&shy;schlagen wurde, ist die in ''Primär&shy;medien'', ''Sekun&shy;därme&shy;dien'' und ''Tertiär&shy;medien'' – manchmal auch unter der Bezeich&shy;nung ‘Medien vom Typ 1, 2 oder 3’ (vgl. <bib id='Pross 1972a'></bib>: S. 10f.). Dabei erfolgt die Unter&shy;scheidung zunächst danach, in welchem Ausmaß techni&shy;sche Hilfsmit&shy;tel verwen&shy;det werden. 
Ein Tertiärmedium liegt schließlich vor, wenn sowohl Sender wie auch Empfänger beim Informationsaustausch auf technische Geräte angewiesen sind. Das ist etwa der Fall beim Telephonieren. Aber auch das [[Fernsehen]] erfüllt diese Bedingung für ein Medium vom Type 3.
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Folgt man den üblichen Erklärungen, dann handelt es sich um ein Primär&shy;medium genau in den Fällen, wenn keiner&shy;lei techni&shy;sche Hilfsmit&shy;tel bei der Vermitt&shy;lung von Infor&shy;mation einge&shy;setzt werden. Gesprä&shy;che von Ange&shy;sicht zu Ange&shy;sicht finden demnach mit einem Medium vom Typ 1 statt.<ref>Die kör&shy;per&shy;ei&shy;ge&shy;ne Aus&shy;stat&shy;tung zählt hier al&shy;so eben&shy;so we&shy;nig un&shy;ter tech&shy;ni&shy;sche Hil&shy;fen, wie das “Me&shy;di&shy;um” Luft mit sei&shy;nen spe&shy;zi&shy;fi&shy;schen phy&shy;si&shy;ka&shy;li&shy;schen Ei&shy;gen&shy;schaf&shy;ten, Schall und Licht zu über&shy;tra&shy;gen.</ref>  
Wenn nur der Absen&shy;der der Infor&shy;mation techni&shy;sche Hilfsmit&shy;tel in Anspruch nimmt, wird von einem Sekun&shy;därme&shy;dium gespro&shy;chen: Da z.B. [[Fotografie|Foto&shy;grafien]] mit Kame&shy;ra und Drucker oder einem vergleich&shy;baren techni&shy;schen Gerät herge&shy;stellt werden müssen, aber übli&shy;cherwei&shy;se ohne techni&shy;sche Hilfe betrach&shy;tet werden können, erfolgt hier der Infor&shy;mations&shy;fluss über ein Medium vom Typ 2.
Ein Tertiär&shy;medium liegt schließlich vor, wenn sowohl Sender wie auch Empfän&shy;ger beim Infor&shy;mations&shy;austausch auf techni&shy;sche Geräte ange&shy;wiesen sind. Das ist etwa der Fall beim Tele&shy;fonieren. Aber auch das [[Fernsehen|Fernse&shy;hen]] erfüllt diese Bedin&shy;gung für ein Medium vom Typ 3.
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Rein formal wäre in dem Schema der drei Medien&shy;typen natür&shy;lich auch noch der Fall zu betrach&shy;ten, wenn nur der Empfän&shy;ger auf techni&shy;sche Unter&shy;stützung ange&shy;wiesen ist. Man mag sich etwa folgen&shy;de Situ&shy;ation dazu vorstel&shy;len: Eine Person möchte einer ande&shy;ren, die deutlich außer&shy;halb der natür&shy;lichen Hörwei&shy;te ist, etwas sagen. Dazu benutzt der Empfän&shy;ger ein empfind&shy;liches Richtmi&shy;kro&shy;phon.
Praktisch taucht ein solcher Fall selten auf. Das mag der Grund dafür sein, dass er übli&shy;cherwei&shy;se nicht geson&shy;dert erwähnt wird. Doch ist tatsäch&shy;lich schon offen&shy;sichtlich, um welchen Medien&shy;typ es sich dabei handelt? Ist es eine der drei vorge&shy;stellten oder sollte es sich um eine zusätz&shy;liche Klasse handeln?<ref>Ana&shy;log: Wa&shy;rum soll&shy;te das Ver&shy;wen&shy;den ei&shy;ner Bril&shy;le nicht als tech&shy;ni&shy;sches Hilfs&shy;mit&shy;tel ge&shy;wer&shy;tet wer&shy;den?</ref>
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Die Unklarheit der Zuordnung für diesen Fall ist ein Indiz dafür, dass die Unter&shy;scheidung der Medien&shy;klassen inhalt&shy;lich weni&shy;ger an dem Vorhan&shy;densein techni&shy;scher Gerä&shy;te hängt: Das ist ledig&shy;lich ein ''Symptom'' für eine tiefer liegen&shy;de Diffe&shy;renzie&shy;rung, das zwar in der Regel aussa&shy;gekräf&shy;tig ist, aber nicht unmit&shy;telbar den Witz der Unter&shy;scheidung trifft. Recht über&shy;legt fällt auf, dass die techni&shy;schen Hilfsmit&shy;tel ganz allge&shy;mein dazu dienen, Beschrän&shy;kungen der Kommu&shy;nika&shy;tion in Raum und Zeit zu über&shy;winden.  


Rein formal wäre in dem Schema der drei Medientypen natürlich auch noch der Fall zu betrachten, wenn nur der Empfänger auf technische Unterstützung angewiesen ist. Man mag sich etwa folgende Situation dazu vorstellen: Eine Person möchte einer anderen, die deutlich außerhalb der natürlichen Hörweite ist, etwas sagen. Dazu benutzt der Empfänger ein empfindliches Richtmikrophon.
Praktisch taucht ein solcher Fall selten auf. Das mag der Grund dafür sein, dass er üblicherweise nicht gesondert erwähnt wird. Doch ist tatsächlich schon offensichtlich, um welchen Medientyp es sich dabei handelt? Ist es eine der drei vorgestellten, oder sollte es sich um eine zusätzliche Klasse handeln?<ref>Analog: Warum sollte das Verwenden einer Brille nicht als technisches Hilfsmittel gewertet werden?</ref>


Die Unklarheit der Zuordnung für diesen Fall ist ein Indiz dafür, dass die Unterscheidung der Medienklassen inhaltlich weniger an dem Vorhandensein technischer Geräte hängt: Das ist lediglich ein ''Symptom'' für eine tiefer liegende Differenzierung, das zwar in der Regel gut funktioniert, aber nicht unmittelbar den Witz der Unterscheidung trifft. Recht überlegt fällt auf, dass die technischen Hilfsmittel ganz allgemein dazu dienen, Beschränkungen der Kommunikation in Raum und Zeit zu überwinden.
==Die Situiertheit der Kommu&shy;nizie&shy;renden als Unter&shy;scheidungs&shy;krite&shy;rium==


===Primärmedien===
[[Datei:Primaermedien-klein.jpg|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 1: Skiz&shy;ze zur Si&shy;tu&shy;iert&shy;heit bei Pri&shy;mär&shy;me&shy;di&shy;en]]
Von Pri&shy;mär&shy;me&shy;di&shy;en soll&shy;te bes&shy;ser ge&shy;nau dann die Re&shy;de sein, wenn Sen&shy;der und Emp&shy;fän&shy;ger der vom Me&shy;di&shy;um ver&shy;mit&shy;tel&shy;ten Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on im&shy;mer ''zur glei&shy;chen Zeit am glei&shy;chen Ort'' sein müs&shy;sen – un&shy;ab&shy;hän&shy;gig da&shy;von, ob ir&shy;gend&shy;wel&shy;che tech&shy;ni&shy;schen Ge&shy;rä&shy;te be&shy;tei&shy;ligt sind.<ref>Wird al&shy;so in ei&shy;ner sehr lau&shy;ten Um&shy;ge&shy;bung (et&shy;wa in ei&shy;nem Hub&shy;schrau&shy;ber&shy;cock&shy;pit) oder in ei&shy;ner Um&shy;ge&shy;bung oh&shy;ne Schall&shy;lei&shy;tung (et&shy;wa bei dem Au&shy;ßen&shy;ein&shy;satz von As&shy;tro&shy;nau&shy;ten im Welt&shy;all) Funk&shy;tech&shy;nik zur münd&shy;li&shy;chen Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on ver&shy;wen&shy;det, kann es sich trotz der be&shy;tei&shy;lig&shy;ten Tech&shy;nik durch&shy;aus um ei&shy;ne pri&shy;mär&shy;me&shy;di&shy;a&shy;le Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on han&shy;deln.</ref> Oh&shy;ne tech&shy;ni&shy;sche Hilfs&shy;mit&shy;tel ver&shy;mit&shy;teln ih&shy;nen ih&shy;re Sin&shy;nes&shy;or&shy;ga&shy;ne oh&shy;ne&shy;hin im&shy;mer nur das je&shy;wei&shy;li&shy;ge Hier und Jetzt (⊳ [[Modalität]]). Ei&shy;ne Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on mit ei&shy;nem an&shy;de&shy;ren kann da&shy;her oh&shy;ne Hilfs&shy;mit&shy;tel stets nur in ei&shy;ner von bei&shy;den ge&shy;teil&shy;ten, d.h. der je ak&shy;tu&shy;el&shy;len [[Kontext|Si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;on]] statt&shy;fin&shy;den. Das Beson&shy;dere an primär&shy;medi&shy;aler Kommu&shy;nika&shy;tion ist u.a. die Möglich&shy;keit für deikti&shy;sche und im weiten Sinn inde&shy;xika&shy;lische Aspek&shy;te: Man kann nur auf etwas (im engen Sinn) zeigen, was da ist, und man kann diese Zeige&shy;geste nur kommu&shy;nika&shy;tiv verwen&shy;den, wenn das Gegen&shy;über eben&shy;falls die Geste und ihr Ziel wahrneh&shy;men kann (vgl. Abb. 1).<ref>Da&shy;mit wird im Übri&shy;gen auch klar, wa&shy;rum Hör&shy;ge&shy;rä&shy;te, Bril&shy;len oder Sprech&shy;hil&shy;fen nicht zu den für die Ty&shy;po&shy;lo&shy;gi&shy;sie&shy;rung re&shy;le&shy;van&shy;ten tech&shy;ni&shy;schen Hilfs&shy;mit&shy;teln ge&shy;zählt zu wer&shy;den brau&shy;chen: Sie ver&shy;än&shy;dern die re&shy;la&shy;ti&shy;ve Si&shy;tu&shy;ie&shy;rung der Me&shy;di&shy;en&shy;nut&shy;zer nicht.</ref> Der wesent&shy;liche Unter&shy;schied zwischen Sekun&shy;där- und Tertiär&shy;medien liegt nun darin, wie diese die Beschrän&shy;kung der Situ&shy;iertheit bei den Primär&shy;medien jeweils erwei&shy;tern:


=====Die Situiertheit der Kommunizierenden als Unterscheidungskriterium=====
===Sekundärmedien===
 
[[Datei:Sekundaermedien-klein.jpg|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 2: Skiz&shy;ze zur Si&shy;tu&shy;iert&shy;heit bei Se&shy;kun&shy;där&shy;me&shy;di&shy;en]]
*'''''Primärmedien'''''
Für Se&shy;kun&shy;där&shy;me&shy;dien ist die ''zeit&shy;li&shy;che Di&shy;men&shy;si&shy;on'' die ent&shy;schei&shy;den&shy;de: Der Ein&shy;satz ei&shy;nes tech&shy;ni&shy;schen Ge&shy;räts hat näm&shy;lich ins&shy;be&shy;son&shy;de&shy;re die Funk&shy;ti&shy;on, ein die Zeit über&shy;dau&shy;ern&shy;des (''per&shy;sis&shy;ten&shy;tes'') Nach&shy;rich&shy;ten&shy;ar&shy;te&shy;fakt zu schaf&shy;fen, so dass ein an&shy;de&shy;rer lan&shy;ge Zeit nach der Her&shy;stel&shy;lung durch den Sen&shy;der als ein Emp&shy;fän&shy;ger die&shy;ser Nach&shy;richt auf&shy;tre&shy;ten kann (vgl. Abb. 2). Dass die&shy;se per&shy;sis&shy;ten&shy;ten Zei&shy;chen&shy;trä&shy;ger in der Zwi&shy;schen&shy;zeit auch den Ort ge&shy;wech&shy;selt ha&shy;ben kön&shy;nen ist da&shy;bei eher zweit&shy;ran&shy;gig, denn zu&shy;nächst ein&shy;mal gilt, dass Sen&shy;der und Emp&shy;fän&shy;ger in zeit&shy;li&shy;cher Dis&shy;tanz si&shy;tu&shy;iert sind. Aus dieser Situ&shy;ierung folgt zum einen, dass sekun&shy;därme&shy;diale Kommu&shy;nika&shy;tion immer uni&shy;direk&shy;tional erfol&shy;gen muss: Echte Dialo&shy;ge sind hier nicht möglich. Zum ande&shy;ren erge&shy;ben sich spezi&shy;elle pragma&shy;tische Phäno&shy;mene für die vermit&shy;telten Inter&shy;aktio&shy;nen, da jeweils ein Inter&shy;aktions&shy;partner nur in der Vorstel&shy;lung des ande&shy;ren exis&shy;tiert.  
[[Datei:Primaermedien-klein.jpg|thumb|Abb. 1: Skizze zur Situiertheit bei Primärmedien]]
Von Primärmedien sollte besser genau dann die Rede sein, wenn Sender und Empfänger der vom Medium vermittelten Kommunikation immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein müssen unabhängig davon, ob irgendwelche technischen Geräte beteiligt sind. Ohne technische Hilfsmittel vermitteln ihnen ihre Sinnesorgane ohnehin immer nur das jeweilige Hier und Jetzt. Eine Kommunikation mit einem anderen kann daher ohne Hilfsmittel immer nur in einer von beiden geteilten, d.h. der je aktuellen [[Kontext|Situation]] stattfinden. Das Besondere an primärmedialer Kommunikation ist u.a. die Möglichkeit für deiktische und im weiten Sinn indexikalische Aspekte: Man kann nur auf etwas (im engen Sinn) zeigen, was da ist, und man kann diese Zeigegeste nur kommunikativ verwenden, wenn das Gegenüber ebenfalls die Geste und ihr Ziel wahrnehmen können (cf. Abb. 1).<ref>Damit wird im Übrigen auch klar, warum Hörgeräte, Brillen oder Sprechhilfen nicht zu den für die Typologisierung relevanten technischen Hilfsmitteln gezählt zu werden brauchen: Sie verändern die relative Situierung der Mediennutzer nicht.</ref> Der wesentliche Unterschied zwischen Sekundär- und Tertiärmedien liegt nun daran, wie sie die Beschränkung der Situiertheit bei den Primärmedien jeweils erweitern:
   
   
*'''''Sekundärmedien'''''
===Tertiärmedien===
[[Datei:Sekundaermedien-klein.jpg|thumb|Abb. 2: Skizze zur Situiertheit bei Sekundärmedien]]
[[Datei:Tertiaermedien-klein.jpg|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 3: Skiz&shy;ze zur Si&shy;tu&shy;iert&shy;heit bei Ter&shy;ti&shy;är&shy;me&shy;di&shy;en]]
Für Sekundärmedien ist die zeitliche Dimension die entscheidende: Der Einsatz eines technischen Geräts hat bei den typischen Medien vom Typ zwei nämlich insbesondere die Funktion, ein die Zeit überdauerndes („persistentes“) Nachrichtenartefakt zu schaffen, so dass ein Anderer lange Zeit nach der Herstellung durch den Sender als ein Empfänger dieser Nachricht auftreten kann (cf. Abb. 2). Dass diese persistenten Zeichenträger in der Zwischenzeit auch den Ort gewechselt haben können ist dabei eher zweitrangig, denn zunächst einmal gilt, dass Sender und Empfänger in zeitlicher Distanz situiert sind. Aus dieser Situierung folgt zum einen, daß sekundärmediale Kommunikation immer unidirektional erfolgen muß: Echte Dialoge sind hier nicht möglich. Zum anderen ergeben sich spezielle pragmatische Phänomene für die vermittelten Interaktionen, da jeweils ein Interaktionspartner nur in der Vorstellung des anderen existiert.  
Dem&shy;ge&shy;gen&shy;über hat der Ein&shy;satz tech&shy;ni&shy;scher Hilfs&shy;mit&shy;tel auf bei&shy;den Sei&shy;ten des In&shy;for&shy;ma&shy;ti&shy;ons&shy;flus&shy;ses vor al&shy;lem den Zweck, ''räum&shy;lich weit von&shy;ein&shy;an&shy;der ent&shy;fern&shy;te Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;ons&shy;part&shy;ner mehr oder we&shy;ni&shy;ger gleich&shy;zei&shy;tig'' mit&shy;ein&shy;an&shy;der zu ver&shy;bin&shy;den. Das funk&shy;ti&shy;o&shy;niert nur, wenn die Über&shy;tra&shy;gungs&shy;dau&shy;er ge&shy;gen&shy;über der Dau&shy;er der Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;ons&shy;zyk&shy;len sehr kurz ist. Die&shy;se re&shy;la&shy;ti&shy;ve Gleich&shy;zei&shy;tig&shy;keit von Sen&shy;de- und Emp&shy;fangs&shy;teil&shy;hand&shy;lun&shy;gen ist die Vo&shy;raus&shy;set&shy;zung da&shy;für, dass ein sol&shy;ches Raum über&shy;win&shy;den&shy;des Me&shy;di&shy;um im Ge&shy;gen&shy;satz zu Se&shy;kun&shy;där&shy;me&shy;di&shy;en auch in bei&shy;de Rich&shy;tun&shy;gen funk&shy;ti&shy;o&shy;nie&shy;ren kann (vgl. Abb. 3).<ref>We&shy;gen der not&shy;wen&shy;di&shy;gen Nach&shy;rich&shy;ten&shy;lauf&shy;zeit in je&shy;dem Me&shy;di&shy;um ge&shy;hen bei die&shy;ser Be&shy;stim&shy;mung üb&shy;ri&shy;gens Ter&shy;ti&shy;är&shy;me&shy;di&shy;en beim Über&shy;brü&shy;cken sehr gro&shy;ßer Ent&shy;fer&shy;nun&shy;gen schließ&shy;lich mehr oder we&shy;ni&shy;ger flie&shy;ßend in Se&shy;kun&shy;där&shy;me&shy;di&shy;en über, ob&shy;wohl bei&shy;de Sei&shy;ten tech&shy;ni&shy;sche Hil&shy;fen ein&shy;set&shy;zen mö&shy;gen: Wenn die Über&shy;tra&shy;gungs&shy;dau&shy;er zu groß wird, kann die zeit&shy;li&shy;che Syn&shy;chro&shy;ni&shy;sa&shy;ti&shy;on zwi&shy;schen Sen&shy;der- und Emp&shy;fän&shy;ger&shy;hand&shy;lun&shy;gen nicht mehr auf&shy;recht er&shy;hal&shy;ten wer&shy;den, was zu ganz ent&shy;spre&shy;chen&shy;den Aus&shy;wir&shy;kun&shy;gen auf die ver&shy;mit&shy;tel&shy;ten Zei&shy;chen&shy;hand&shy;lun&shy;gen führt.</ref>
   
   
*'''''Tertiärmedien'''''
[[Datei:Tertiaermedien-klein.jpg|thumb|Abb. 3: Skizze zur Situiertheit bei Tertiärmedien]]
Demgegenüber hat der Einsatz technischer Hilfsmittel auf beiden Seiten des Informationsflusses vor allem den Zweck, räumlich weit voneinander getrennte Kommunikationspartner mehr oder weniger gleichzeitig miteinander zu verbinden. Letzteres ist zudem die Voraussetzung dafür, dass ein solches Raum überwindendes Medium in beide Richtungen funktionieren kann (cf. Abb. 3).<ref>Wegen der notwendigen Nachrichtenlaufzeit in jedem Medium gehen bei dieser Bestimmung übrigens Tertiärmedien beim Überbrücken sehr großer Entfernungen schließlich mehr oder weniger fließend in Sekundärmedien über, obwohl beide Seiten technische Hilfen einsetzen mögen: Wenn die Übertragungsdauer zu groß wird, kann die zeitliche Synchronisation zwischen Sender und Empfänger nicht mehr aufrecht erhalten werden, was zu ganz entsprechenden Auswirkungen auf die vermittelten Zeichenhandlungen führt.</ref>
=====Quartäre Medien=====
Mittlerweile haben manche neueren Autoren vorgeschlagen, bei Verwendung vernetzter Computertechnologie von Quartärmedien (Medien vom Typ 4) zu sprechen (LIT). Zwar erlaubt es die vernetzte Digitaltechnologie in der Tat, sehr viele andere Medien auf verhältnismäßig einfache, leicht zugängliche und unkompliziert zu erlernende Art und Weise zu emulieren. Abgesehen davon, daß Computergebrauch nicht mit dem erwähnten tatsächlichen Kriterium der raumzeitlichen Situiertheit zusammenpasst, ergeben sich alleine daraus aber auch keine spezifisch medientheoretisch relevanten Neuerungen.
Das gilt hingegen nicht für die Klasse der ''interaktiven Systeme'', zu denen sowohl die sprachverstehenden und -generierenden Systeme der KI zählen,<ref>Wikipedia...</ref> wie auch interaktive Graphikssysteme<ref>Navis...</ref> und insbesondere die immersiven Systeme<ref>...</ref> inklusive der Computerspiele. Von der [[Interaktion und Kommunikation|Interaktion]] zwischen Kommunikationspartnern über (durch) das Medium ist nämlich der Gebrauch des Ausdrucks „Interaktivität“ zu unterscheiden, wenn er gewissermaßen die Interaktion ''mit'' dem Medium betrifft.<ref>So versteht man beispielsweise unter einer „interaktiven Straßenkarte“ ein Computersystem, mit dessen Hilfe man sich zunächst einmal eine Straßenkarte präsentieren kann; zudem verspricht diese Bezeichnung aber auch, dass die gezeigte Karte und ebenso ihre Präsentation vom Nutzer auf nicht-triviale Art und Weise beeinflusst werden können, etwa durch Zoomen, Verschieben des gezeigten Ausschnitts, Vergrößern oder Verkleinern der Beschriftung, Weglassen oder Zufügen von Bahnlinien, Flüssen oder Sehenswürdigkeiten, Suchen einer Adresse und Hervorhebung des Resultats in der Karte, Berechnung und Darstellung einer Route, usw.</ref>


Tatsächlich übermittelt ein interaktives System als Medium nicht, wie eine Zeitung, einzelne Zeichenhandlungen, wie komplex diese auch immer sein mögen. Vielmehr wird mit ihm eine ganze Reihe potentieller Zeichenhandlungen übertragen, nämlich alle vom System generierbaren Zeichen. Der Nutzer wählt durch seine Aktivität mehr oder weniger explizit jeweils eins davon aus, dass es ihm präsentiert wird. Zwar tritt auch bei sekundären Medien eine Aufspaltung in partielle Zeichenhandlungen mit unterschiedlichen, jeweils nur vorgestellten Teilnehmern auf.<ref>Insbesondere sind das: Autor und sein vorgestellter Leser (Produktionssituation wird fokussiert), Leser und imaginierter Autor (bzw. ein imaginierter Anderer; Rezeptionssituation wird fokussiert); ⊳ [[Betrachter als Zeichenverwender]].</ref> Doch geht es in diesen Fällen natürlich stets nur um ein einziges, wenn auch, etwa bei Büchern, sehr komplexes, syntaktisch aber eindeutig bestimmtes Zeichen. Diese Bedingung gilt für das Medium der interaktiven Systeme gerade nicht.  
==Quartäre Medien==
Mit der Verbreitung computer&shy;basier&shy;ter Kommu&shy;nika&shy;tion haben manche neue&shy;ren Auto&shy;ren vorge&shy;schlagen, bei Verwen&shy;dung vernetz&shy;ter Compu&shy;tertech&shy;nolo&shy;gie von ‘Quartär&shy;medien’ (‘Medien vom Typ 4’) zu sprechen (<bib id='Faßler 1997a'></bib>). Zwar erlaubt es die vernetz&shy;te Digi&shy;taltech&shy;nolo&shy;gie in der Tat, sehr viele ande&shy;re Medien auf verhält&shy;nismä&shy;ßig einfa&shy;che, leicht zugäng&shy;liche und unkomp&shy;liziert zu erler&shy;nende Art und Weise zu emu&shy;lieren. Allei&shy;ne daraus aber erge&shy;ben sich noch keine spezi&shy;fisch medien&shy;theore&shy;tisch rele&shy;vanten Neue&shy;rungen, ganz abge&shy;sehen davon, dass Compu&shy;terge&shy;brauch nicht mit dem erwähn&shy;ten tatsäch&shy;lichen Krite&shy;rium der raumzeit&shy;lichen Situ&shy;iertheit zusam&shy;menpasst.
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Das gilt hingegen nicht für die Klasse der ''inter&shy;akti&shy;ven Syste&shy;me'', zu denen sowohl die sprachver&shy;stehen&shy;den und -gene&shy;rieren&shy;den Syste&shy;me der KI zählen,<ref>Vgl.: [http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCnstliche_Intelligenz Wiki&shy;pe&shy;dia: Künst&shy;li&shy;che In&shy;tel&shy;li&shy;genz].</ref> wie auch inter&shy;akti&shy;ve Graphik&shy;syste&shy;me<ref>Da&shy;zu zäh&shy;len bei&shy;spiels&shy;wei&shy;se auch die mo&shy;bi&shy;len Na&shy;vi&shy;ga&shy;ti&shy;ons&shy;ge&shy;rä&shy;te, die sich seit ei&shy;ni&shy;gen Jah&shy;ren gro&shy;ßer Be&shy;liebt&shy;heit er&shy;freu&shy;en; ⊳ [[Interaktives Bild|In&shy;ter&shy;ak&shy;ti&shy;ves Bild]].</ref> und insbe&shy;sonde&shy;re die immer&shy;siven Syste&shy;me<ref>Vgl. auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Immersion_%28virtuelle_Realit%C3%A4t%29 Wi&shy;ki&shy;pe&shy;dia: Im&shy;mer&shy;si&shy;on&#8203; (vir&shy;tu&shy;el&shy;le Rea&shy;li&shy;tät)].</ref> inklu&shy;sive der Compu&shy;terspie&shy;le. Von der [[Interaktion und Kommunikation|Inter&shy;aktion]] zwischen Kommu&shy;nika&shy;tionspart&shy;nern über (oder durch) das Medium ist nämlich der Gebrauch des Ausdrucks ‘Inter&shy;akti&shy;vität’ zu unter&shy;scheiden, wenn er gewis&shy;serma&shy;ßen die Wechsel&shy;wirkun&shy;gen ''mit'' dem Medium betrifft.<ref>So ver&shy;steht man bei&shy;spiels&shy;wei&shy;se un&shy;ter ei&shy;ner ''in&shy;ter&shy;ak&shy;ti&shy;ven Stra&shy;ßen&shy;kar&shy;te'' ein Com&shy;pu&shy;ter&shy;sys&shy;tem, mit des&shy;sen Hil&shy;fe man sich zu&shy;nächst ein&shy;mal ei&shy;ne Stra&shy;ßen&shy;kar&shy;te prä&shy;sen&shy;tie&shy;ren kann; zu&shy;dem ver&shy;spricht die&shy;se Be&shy;zeich&shy;nung aber auch, dass die ge&shy;zeig&shy;te [[Karte|Kar&shy;te]] und eben&shy;so ih&shy;re Prä&shy;sen&shy;ta&shy;ti&shy;on vom Nut&shy;zer auf nicht-&#8203;tri&shy;vi&shy;a&shy;le Art und Wei&shy;se be&shy;ein&shy;flusst wer&shy;den kön&shy;nen, et&shy;wa durch Zoo&shy;men, Ver&shy;schie&shy;ben des ge&shy;zeig&shy;ten Aus&shy;schnitts, Ver&shy;grö&shy;ßern oder Ver&shy;klei&shy;nern der Be&shy;schrif&shy;tung, Weg&shy;las&shy;sen oder Zu&shy;fü&shy;gen von Bahn&shy;li&shy;ni&shy;en, Flüs&shy;sen oder Se&shy;hens&shy;wür&shy;dig&shy;kei&shy;ten, Su&shy;chen ei&shy;ner Ad&shy;res&shy;se und Her&shy;vor&shy;he&shy;bung des Re&shy;sul&shy;tats in der Kar&shy;te, Be&shy;rech&shy;nung und Dar&shy;stel&shy;lung ei&shy;ner Rou&shy;te, usw.; vgl. auch <bib id='Schirra 2005a'>Schir&shy;ra 2005a</bib>: Sec. 4.4.3.</ref>
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Tatsächlich übermittelt ein inter&shy;akti&shy;ves System als Medium nicht, wie eine Zeitung, einzel&shy;ne Zeichen&shy;handlun&shy;gen, wie komplex diese auch immer sein mögen. Vielmehr wird mit ihm eine ganze Reihe poten&shy;tieller Zeichen&shy;handlun&shy;gen über&shy;tragen, nämlich alle vom System gene&shy;rierba&shy;ren Zeichen. Der Nutzer wählt durch seine Akti&shy;vität mehr oder weni&shy;ger expli&shy;zit jeweils eins davon aus, dass es ihm präsen&shy;tiert wird. Zwar tritt auch bei sekun&shy;dären Medien eine Aufspal&shy;tung in parti&shy;elle Zeichen&shy;handlun&shy;gen mit unter&shy;schiedli&shy;chen, jeweils nur vorge&shy;stellten Teilneh&shy;mern auf.<ref>Ins&shy;be&shy;son&shy;de&shy;re sind das: (1) Au&shy;tor (all&shy;ge&shy;mei&shy;ner: ‘Pro&shy;du&shy;zent’ oder ‘Sen&shy;der’) und sein vor&shy;ge&shy;stell&shy;ter Le&shy;ser (all&shy;ge&shy;mei&shy;ner: ‘Re&shy;zi&shy;pi&shy;ent’ oder ‘Emp&shy;fän&shy;ger’; Pro&shy;duk&shy;ti&shy;ons&shy;si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;on wird fo&shy;kus&shy;siert) und (2) Le&shy;ser und der von ihm ima&shy;gi&shy;nier&shy;te Au&shy;tor (bzw. ein ima&shy;gi&shy;nier&shy;ter an&shy;de&shy;rer; Re&shy;zep&shy;ti&shy;ons&shy;si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;on wird fo&shy;kus&shy;siert); ⊳ [[Bildrezeption als Kommunikationsprozess|Bild&shy;re&shy;zep&shy;ti&shy;on als Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;ons&shy;pro&shy;zess]].</ref> Doch geht es in diesen Fällen natür&shy;lich stets nur um ein einzi&shy;ges, wenn auch, etwa bei Büchern, sehr komple&shy;xes, syntak&shy;tisch aber eindeu&shy;tig bestimm&shy;tes Zeichen. Diese Bedin&shy;gung gilt für das Medium der inter&shy;akti&shy;ven Syste&shy;me gera&shy;de nicht: Jeder Empfän&shy;ger erhält jeweils auf ihn abge&shy;stimmte, ''perso&shy;nali&shy;sierte'' Nachrich&shy;ten.
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[[Datei:Quartärmedien.jpg|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 4: Skiz&shy;ze zur kom&shy;ple&shy;xen Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;ons&shy;si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;on bei Quar&shy;tär&shy;me&shy;di&shy;en]]
Ei&shy;ner&shy;seits kom&shy;mu&shy;ni&shy;ziert da&shy;bei der Nut&shy;zer mit sich selbst:<ref>Von der wei&shy;te&shy;ren Mög&shy;lich&shy;keit, dass ein Nut&shy;zer das Er&shy;geb&shy;nis sei&shy;ner Be&shy;schäf&shy;ti&shy;gung mit dem in&shy;ter&shy;ak&shy;ti&shy;ven Sys&shy;tem zu ei&shy;ner Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on mit Drit&shy;ten nutzt, se&shy;hen wir hier ab.</ref> Wie bei ei&shy;nem Selbst&shy;ge&shy;spräch zeigt man sich et&shy;wa ei&shy;ne Stra&shy;ßen&shy;karte oder ei&shy;ne ana&shy;to&shy;mi&shy;sche Skiz&shy;ze. An&shy;de&shy;rer&shy;seits sind die Kar&shy;ten, Skiz&shy;zen und Ant&shy;wor&shy;ten ja durch&shy;aus nicht nur der Vor&shy;stel&shy;lung des Nut&shy;zers ent&shy;sprun&shy;gen. Die&shy;je&shy;ni&shy;gen, die das in&shy;ter&shy;ak&shy;ti&shy;ve Sys&shy;tem kon&shy;stru&shy;iert und mit In&shy;halt ge&shy;füllt ha&shy;ben, kom&shy;men eben&shy;falls als kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;ves Ge&shy;gen&shy;über des Nut&shy;zers in Fra&shy;ge und müs&shy;sen in der Re&shy;gel ja auch für Kor&shy;rekt&shy;heit in den Zei&shy;chen&shy;hand&shy;lun&shy;gen mit dem in&shy;ter&shy;ak&shy;ti&shy;ven Sys&shy;tem Ver&shy;ant&shy;wor&shy;tung über&shy;neh&shy;men. Es macht durch&shy;aus Sinn, die Ver&shy;wen&shy;dung ei&shy;nes in&shy;ter&shy;ak&shy;ti&shy;ven Sys&shy;tems als ei&shy;ne Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on zwi&shy;schen Her&shy;stel&shy;ler (oder He&shy;raus&shy;ge&shy;ber) des Sys&shy;tems und Sys&shy;tem&shy;nut&shy;zer zu ver&shy;ste&shy;hen, ganz so, wie man das Le&shy;sen ei&shy;ner Zei&shy;tung auch als Kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on zwi&shy;schen Au&shy;tor bzw. He&shy;raus&shy;ge&shy;ber und Le&shy;ser re&shy;kon&shy;stru&shy;ie&shy;ren kann. Auch die “mo&shy;no&shy;lo&shy;gi&shy;sche” Va&shy;ri&shy;an&shy;te setzt letzt&shy;lich auf die&shy;se Ba&shy;sis&shy;kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;on auf.
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Die Interaktivität wird in einem 3D-&#8203;Compu&shy;terspiel sogar noch komple&shy;xer, sind es doch nicht nur die mehr oder weni&shy;ger direk&shy;ten Anwei&shy;sungen des Nutzers, welche die Reak&shy;tionen des Systems bestim&shy;men. Vielmehr werden hier seine stili&shy;sierten Bewe&shy;gungen im (wirkli&shy;chen) Raum (z. B. Mausbe&shy;wegun&shy;gen) ana&shy;lysiert und als Krite&shy;rium für teilwei&shy;se sehr komple&shy;xe System&shy;reakti&shy;onen verwen&shy;det: Diese reichen bekannt&shy;lich von entspre&shy;chenden Bewe&shy;gungen eines Ava&shy;tars im virtu&shy;ellen Raum (⊳ [[Cyberspace|Cyber&shy;space]]) bis zu Inter&shy;akti&shy;onen mit virtu&shy;ellen, vom Spielsys&shy;tem gesteu&shy;erten Spielfi&shy;guren.
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Offensichtlich hängt Inter&shy;akti&shy;vität in diesem Sinne entschie&shy;den an der Verwen&shy;dung von Compu&shy;tern, denn ohne diese spezi&shy;ellen Medien&shy;maschi&shy;nen wäre es schlechter&shy;dings nicht möglich, die Akti&shy;vitä&shy;ten des Nutzers auto&shy;matisch und ohne allzu merkli&shy;chen Zeitver&shy;lust in entspre&shy;chende Reakti&shy;onen umzu&shy;setzen. Zugleich eröff&shy;net Inter&shy;akti&shy;vität eine grundsätz&shy;lich ande&shy;re Art der Medien&shy;verwen&shy;dung als die, die in den Typen 1 bis 3 betrach&shy;tet werden: Der primä&shy;re Sender ist nur noch partiell dafür verant&shy;wortlich, welche Nachricht der Empfän&shy;ger tatsäch&shy;lich bekommt, denn dieser über&shy;nimmt zum Teil selbst die Rolle des Senders.
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Da die Situiertheit der Kommu&shy;nizie&shy;renden bei inter&shy;akti&shy;ven Syste&shy;men deutlich komple&shy;xer ist und ganz eigen&shy;ständi&shy;ge Kombi&shy;nati&shy;onen von Teilkom&shy;muni&shy;kations&shy;handlun&shy;gen gegen&shy;über den Klassen 1 bis 3 umfasst, ist es sinnvoll, für diese Situ&shy;iertheit eine entspre&shy;chende eige&shy;ne Medien&shy;klasse, die ''quartä&shy;ren Medien'' (oder Medien der Klasse 4) einzu&shy;führen.


Einerseits kommuniziert der Nutzer mit sich selbst.<ref>Von der weiteren Möglichkeit, dass ein Nutzer das Ergebnis seiner Beschäftigung mit dem interaktiven System zu einer Kommunikation mit Dritten nutzt, sehen wir hier ab.</ref> Wie bei einem Selbstgespräch zeigt man sich etwa eine Straßenkarte oder eine anatomische Skizze. Andererseits sind die Karten, Skizzen und Antworten ja durchaus nicht nur der Vorstellung des Nutzers entsprungen. Diejenigen, die das interaktive System konstruiert und mit Inhalt gefüllt haben, kommen ebenfalls als kommunikatives Gegenüber des Nutzers in Frage und müssen in der Regel ja auch für Korrektheit in den Zeichenhandlungen mit dem interaktiven System Verantwortung übernehmen. Es macht durchaus Sinn, die Verwendung eines interaktiven Systems als eine Kommunikation zwischen Hersteller (oder Herausgeber) des Systems und Systemnutzer zu verstehen, ganz so, wie man das Lesen einer Zeitung auch als Kommunikation zwischen Autor bzw. Herausgeber und Leser rekonstruieren kann. Auch die „monologische“ Variante setzt letztlich auf diese Basiskommunikation auf.


Die Interaktivität wird in einem 3D-Computerspiel sogar noch komplexer, sind es doch nicht nur die mehr oder weniger direkten Anweisungen des Nutzers, welche die Reaktionen des Systems bestimmen. Vielmehr werden hier seine stilisierten Bewegungen im (wirklichen) Raum (z. B. Mausbewegungen) analysiert und als Kriterium für teilweise sehr komplexe Systemreaktionen verwendet: Diese reichen bekanntlich von entsprechenden Bewegungen eines Avatars im virtuellen Raum (⊳ [[Cyberspace]]) bis zu Interaktionen mit virtuellen, vom Spielsystem gesteuerten Mitspielern.
==Einfluss der Medienklasse auf darin ver&shy;wen&shy;dete Bilder==


Offensichtlich hängt Interaktivität in diesem Sinn entschieden an der Verwendung von Computern, denn ohne diese speziellen Medienmaschinen wäre es schlechterdings nicht möglich, die Aktivitäten des Nutzers automatisch und ohne allzu merklichen Zeitverlust in entsprechende Reaktionen umzusetzen. Zugleich eröffnet Interaktivität eine grundsätzlich andere Art der Medienverwendung als die, die in den Typen 1 bis 3 betrachtet werden: Der primäre Sender ist nur noch partiell dafür verantwortlich, welche Nachricht der Empfänger tatsächlich bekommt, denn dieser übernimmt zum Teil selbst die Rolle des Senders.  
Bilder können offensichtlich in jedem der vier Medien&shy;typen verwen&shy;det werden. Doch hat die unter&shy;schiedli&shy;che rela&shy;tive Situ&shy;iertheit von Sender und Empfän&shy;ger einen je spezi&shy;fischen Einfluss auf die Bildver&shy;wendung.


Da die Situiertheit der Kommunizierenden bei interaktiven Systemen deutlich komplexer ist und ganz eigenständige Kombinationen von Teilkommunikationshandlungen gegenüber den Klassen 1 bis 3 umfasst, ist es sinnvoll, für diese Situiertheit eine entsprechende eigene Medienklasse, die quartären Medien (oder Medien der Klasse 4) einzuführen.   
[[Datei:Musikzimmer.jpg|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 5: Ein com&shy;pu&shy;ter&shy;vi&shy;su&shy;a&shy;lis&shy;tisch er&shy;zeug&shy;tes Bild als Bei&shy;spiel]]  


Ein Bild, wie das hier ge&shy;zeig&shy;te Bei&shy;spiel&shy;bild (Abb. 5), wä&shy;re et&shy;wa pri&shy;mär&shy;me&shy;di&shy;al ver&shy;wen&shy;det, wenn der Com&shy;pu&shy;ter&shy;vi&shy;su&shy;a&shy;list, der es er&shy;zeugt hat, es ei&shy;nem Kunst&shy;his&shy;to&shy;ri&shy;ker, der es be&shy;auf&shy;tragt hat, am Bild&shy;schirm vor&shy;führt. Die se&shy;kun&shy;där&shy;me&shy;di&shy;a&shy;le Ver&shy;wen&shy;dung er&shy;gibt sich z.B., wenn das Bild in ei&shy;nem Buch über die Darm&shy;städ&shy;ter Ma&shy;thil&shy;den&shy;hö&shy;he ver&shy;wen&shy;det wird: Der Au&shy;tor, der das Bild et&shy;wa zur Il&shy;lus&shy;tra&shy;ti&shy;on sei&shy;nes Tex&shy;tes ver&shy;wen&shy;det, und der Le&shy;ser sind vor al&shy;lem zeit&shy;lich deut&shy;lich se&shy;pa&shy;riert. Wird das Bild hin&shy;ge&shy;gen in ei&shy;ner Vi&shy;de&shy;o&shy;kon&shy;fe&shy;renz be&shy;nutzt, in der zwei Grup&shy;pen von Kunst&shy;his&shy;to&shy;ri&shy;kern in ver&shy;schie&shy;de&shy;nen Städ&shy;ten be&shy;stimm&shy;te Fra&shy;gen zum Mu&shy;sik&shy;zim&shy;mer des «Hau&shy;ses Beh&shy;rens» klä&shy;ren wol&shy;len, wird das Bild ter&shy;ti&shy;är&shy;me&shy;di&shy;al ein&shy;ge&shy;setzt. Die quar&shy;tär&shy;me&shy;di&shy;a&shy;le Nut&shy;zung tritt schließ&shy;lich auf, wenn eben die&shy;ses Bild als Teil ei&shy;ner gan&shy;zen Se&shy;rie com&shy;pu&shy;ter&shy;ge&shy;ne&shy;rier&shy;ter Bil&shy;der in ei&shy;nem im&shy;mer&shy;si&shy;ven Sys&shy;tem auf&shy;taucht, in dem ein Be&shy;nut&shy;zer mit der Maus ei&shy;nen vir&shy;tu&shy;el&shy;len Rund&shy;gang durch die vir&shy;tu&shy;el&shy;le Re&shy;kon&shy;struk&shy;ti&shy;on des Hau&shy;ses steu&shy;ert.
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Der Einfluß der Medienklasse auf das [[Bildhandeln|Bildhan&shy;deln]] betrifft [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug|Inter&shy;aktions-, Selbst- und Sachbe&shy;zug]]. Hinsicht&shy;lich des Sachbe&shy;zugs ist es bei der primär&shy;media&shy;len Nutzung offen&shy;sichtlich ganz unprob&shy;lema&shy;tisch, klären&shy;de Rückfra&shy;gen zu Bild oder [[Bildinhalt|Bildin&shy;halt]] zu stellen und diese sogar mit deikti&shy;schen Ele&shy;menten zu kombi&shy;nieren. Auch bei tertiär&shy;media&shy;lem Einsatz sind klären&shy;de Rückfra&shy;gen möglich; aller&shy;dings werden nun [[Zeigen und Sich-Zeigen|Zeige&shy;handlun&shy;gen]] proble&shy;matisch. Die Option für direk&shy;te Rückfra&shy;gen entfällt bei sekun&shy;därme&shy;dialer Nutzung, bei der höchstens durch beglei&shy;tenden Text oder zusätz&shy;liche, vor allem inhalt&shy;lich damit zusam&shy;menhän&shy;gende Bilder vorge&shy;fertig&shy;te Erläu&shy;terun&shy;gen liefern können. Das gilt in etwas gerin&shy;gerem Maße auch für die quartär&shy;media&shy;le Verwen&shy;dung, die durch inter&shy;akti&shy;ve Mecha&shy;nismen immer&shy;hin eine genau&shy;ere Adap&shy;tion an die jewei&shy;lige Empfän&shy;gerreak&shy;tion möglich wird.
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Besonders betroffen von der Situ&shy;iertheit der vermit&shy;telten Kommu&shy;nika&shy;tion ist deren selbstbe&shy;zügli&shy;cher Anteil: Wie sich der jewei&shy;lige Sender in der kommu&shy;nika&shy;tiven Inter&shy;aktion mit dem Bild darstellt ist nur bei primär&shy;media&shy;ler Verwen&shy;dung direkt nachvoll&shy;ziehbar. In den Fällen mit abwe&shy;sendem Produ&shy;zenten spaltet sich die Kommu&shy;nika&shy;tion in zwei teilwei&shy;se unab&shy;hängi&shy;ge Teilkom&shy;muni&shy;katio&shy;nen auf, bei der jeweils als Kommu&shy;nika&shy;tionspart&shy;ner eine Vorstel&shy;lung vom Gegen&shy;über – ein ''Partner&shy;modell'' – die Rolle als Kommu&shy;nika&shy;tionspart&shy;ner einnimmt. 
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Analog erlaubt auch hinsicht&shy;lich des Inter&shy;aktions&shy;bezugs die primär&shy;media&shy;le Verwen&shy;dung zunächst die direk&shy;teste Möglich&shy;keit klären&shy;der Rückfra&shy;gen, gefolgt von der tertiär&shy;media&shy;len Verwen&shy;dung.
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Insbesondere bei quartärmedi&shy;aler Verwen&shy;dung wird die Wahrschein&shy;lichkeit erhöht, die Bildlich&shy;keit des Bildes auszu&shy;blenden, es also gar nicht mehr als Bild zu nutzen und das Darge&shy;stellte als virtu&shy;ellen Raum im [[Dezeptiver und immersiver Modus|dezep&shy;tiven Modus]] zu erle&shy;ben.


=====Einfluß der Medienklasse auf darin verwendete Bilder=====


Bilder können offensichtlich in jedem der vier Medientypen verwendet werden. Doch hat die unterschiedliche relative Situiertheit von Sender und Empfänger einen je spezifischen Einfluß auf die Bildverwendung.
== Weitere Anmerkungen zu Medien&shy;typo&shy;logien==
Trotz ähnlicher Bezeichnun&shy;gen sollte die hier darge&shy;stellte Medien&shy;typo&shy;logie nicht mit der von Vogel vorge&shy;schlage&shy;nen Eintei&shy;lung in Medien ''n''-ter Ordnung (mit ''n'' > 0) verwech&shy;selt werden (<bib id='Vogel 2003a'></bib>), was nicht zuletzt an dem sehr spezi&shy;ellen Medien&shy;begriff Vogels liegt, den man durchaus als syno&shy;nym zu ‘Zeichen&shy;system’ verste&shy;hen kann. Medien der Ordnung ''m'' sind [[Notation|Nota&shy;tionssys&shy;teme]] für Medien der Ordnung ''m-1''.  


[[Datei:Musikzimmer.jpg|thumb|Bildtitel]]
{{GlossarSiehe}}
* [[Bildhaftes]]
* [[Bildhandeln]]
* [[Bildinhalt]]
* [[Bildrezeption als Kommunikationsprozess]]
* [[Cyberspace]]
* [[Dezeptiver und immersiver Modus]]
* [[Interaktion und Kommunikation]]
* [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug]]
* [[Interaktives Bild]]
* [[Karte]]
* [[Massenmedien]]
* [[Modalität]]
* [[uneigentliche Bilder]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]
* [[Zeigen und Sich-Zeigen]]


Ein Bild, wie das hier gezeigte Beispielbild, wäre etwa primärmedial verwendet, wenn der Computervisualist, der es erzeugt hat, es einem Kunsthistoriker, der es beauftragt hat, am Bildschirm vorführt. Die sekundärmediale Verwendung ergibt sich z.B., wenn das Bild in einem Buch über die Darmstadter Mathildenhöhe verwendet wird: Der Autor, der das Bild etwa zur Illustration seines Textes verwendet, und der Leser sind vor allem zeitlich deutlich separiert. Wird das Bild hingegen in einer Videokonferenz benutzt, in der zwei Gruppen von Kunsthistorikern in verschiedenen Städten bestimmte Fragen zum Musikzimmer des Hauses Behrens klären wollen, wird das Bild tertiärmedial eingesetzt. Die quartärmediale Nutzung tritt schließlich auf, wenn eben dieses Bild als Teil einer ganzen Serie computergenerierter Bilder in einem immersiven System auftaucht, in dem ein Benutzer mit der Maus einen virtuellen Rundgang durch die virtuelle Rekonstruktion des Hauses steuert.
(''Unfertig'') Bei der primärmedialen Nutzung ist es offensichtlich ganz unproblematisch, klärende Rückfragen zu Bild oder Bildinhalt mit deiktischen Aspekten zu kombinieren. Auch bei tertiärmedialem Einsatz sind klärende Rückfragen möglich; allerdings bleiben nun Zeigehandlungen problematisch. Die Option für direkte Rückfragen entfällt bei sekundärmedialer Nutzung, bei der höchstens durch begleitenden Text oder zusätzliche, vor allem inhaltlich damit zusammenhängende Bilder vorgefertigte Erläuterungen liefern können. Das gilt in etwas geringerem Maße auch für die quartärmediale Verwendung, die durch interaktive Mechanismen eine genauere Adaption an die Empfängerreaktion möglich wird. Gleichzeitig läßt sich hier aber auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, die Bildlichkeit des Bildes auszublenden und das Dargestellte als virtuellen Raum im [[dezeptiven Modus]] zu erleben.
...
<!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern-->
<!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt -->
<!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein-->
<!-- ... dazu den "Sammlung"-Link im Literaturkasten verwenden -->
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''Ausgabe 1: 2013''
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''Verantwortlich:''  
''Verantwortlich:''  


<!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen-->
* [[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Schirra, Jörg R.J. ]]
[[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Jörg R.J. Schirra]]
 
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''Lektorat:''
* [[Benutzer:Dimitri Liebsch|Liebsch, Dimitri]]
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<!--den Schluß nicht verändern-->
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{{GlosEndB}}
<!--Das war's-->
<!--Das war's-->

Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Medientheorien: Übersicht


Typen von Medien

Da innerhalb des Medienbegriffs verschie­dene Binnen­gliede­rungen vorkom­men, stellt sich die Frage, ob Bilder in jedem der entspre­chenden Medien­typen verwen­det werden können oder ob die Zuord­nung zu einer Medien­klasse auf eine den Bildge­brauch spezi­fisch beein­flussen­de Art einge­schränkt ist.

Wenig relevante Typo­logien

Offensichtlich gibt es einige Auftei­lungen, für die die Antwort trivial ist, so etwa die Unter­gliede­rung nach den verwen­deten Sinnes­moda­litä­ten, also in audi­tive, visu­elle, olfak­tori­sche, gusta­tori­sche und hapti­sche Medien: Bilder sind, wenn von meta­phori­schen Über­tragun­gen des Begriffs auf ande­re Sinnes­moda­litä­ten abge­sehen wird (⊳ Bildhaf­tes und unei­gentli­che Bilder), spezi­fisch visu­elle Phäno­mene, kommen also nur in einem der so unter­schiede­nen Medien­typen vor. Übli­cherwei­se wird diese Auftei­lung aller­dings in zwei wichti­gen Hinsich­ten erwei­tert: Indem nämlich einer­seits sprachli­cher Infor­mations­austausch – als eine Form der Kommu­nika­tion, die gleicher­maßen in mehre­ren Sinnes­moda­litä­ten (audi­tiv, visu­ell, in Braille sogar haptisch) vorkom­men kann – als eigen­ständi­ge Klasse dieser Auftei­lung verstan­den wird; und indem ande­rerseits Kommu­nika­tionsfor­men zu einer Klasse ‘Multi­media’ zusam­menge­fasst werden, die gleichzei­tig über mehre­re Sinnes­kanä­le, also multi­modal, funkti­onieren. In dieser Typo­logie spielen Bilder also nur für zwei Typen – visuell und multi­medial – über­haupt eine Rolle.

Bei anderen Gliederungsprinzipien gibt es hinge­gen kaum rele­vante Zusam­menhän­ge mit der Bildver­wendung: So werden etwa Kommu­nika­tionsme­dien nach den dabei einge­setzten (i) Herstel­lungs- oder (ii) Verbrei­tungsver­fahren unter­schieden. Auf diese Weise kann etwa von ‘Printme­dien’ (i) bzw. von ‘Massen­medien’ (ii) gespro­chen werden: Die jewei­ligen Verfah­ren sind dabei zwar etwas, dass das Medium bestimmt, weil sie auf je beson­dere Weise Kommu­nika­tion ermög­lichen und struktu­rieren, aber ob dabei Bilder oder ande­re Zeichen­arten vermit­telt werden ist für diese Typen von Medium weitge­hend unwe­sentlich.[1]

Primär-, Sekundär- und Tertiär­medien

Die zentrale Binnengliederung, die von der Medien­wissen­schaft für Kommu­nika­tionsme­dien vorge­schlagen wurde, ist die in Primär­medien, Sekun­därme­dien und Tertiär­medien – manchmal auch unter der Bezeich­nung ‘Medien vom Typ 1, 2 oder 3’ (vgl. [Pross 1972a]Pross, Harry (1972): Medienforschung. Film, Funk, Presse, Fernsehen. Habel, Darmstadt.
: S. 10f.). Dabei erfolgt die Unter­scheidung zunächst danach, in welchem Ausmaß techni­sche Hilfsmit­tel verwen­det werden.

Folgt man den üblichen Erklärungen, dann handelt es sich um ein Primär­medium genau in den Fällen, wenn keiner­lei techni­sche Hilfsmit­tel bei der Vermitt­lung von Infor­mation einge­setzt werden. Gesprä­che von Ange­sicht zu Ange­sicht finden demnach mit einem Medium vom Typ 1 statt.[2] Wenn nur der Absen­der der Infor­mation techni­sche Hilfsmit­tel in Anspruch nimmt, wird von einem Sekun­därme­dium gespro­chen: Da z.B. Foto­grafien mit Kame­ra und Drucker oder einem vergleich­baren techni­schen Gerät herge­stellt werden müssen, aber übli­cherwei­se ohne techni­sche Hilfe betrach­tet werden können, erfolgt hier der Infor­mations­fluss über ein Medium vom Typ 2. Ein Tertiär­medium liegt schließlich vor, wenn sowohl Sender wie auch Empfän­ger beim Infor­mations­austausch auf techni­sche Geräte ange­wiesen sind. Das ist etwa der Fall beim Tele­fonieren. Aber auch das Fernse­hen erfüllt diese Bedin­gung für ein Medium vom Typ 3.

Rein formal wäre in dem Schema der drei Medien­typen natür­lich auch noch der Fall zu betrach­ten, wenn nur der Empfän­ger auf techni­sche Unter­stützung ange­wiesen ist. Man mag sich etwa folgen­de Situ­ation dazu vorstel­len: Eine Person möchte einer ande­ren, die deutlich außer­halb der natür­lichen Hörwei­te ist, etwas sagen. Dazu benutzt der Empfän­ger ein empfind­liches Richtmi­kro­phon. Praktisch taucht ein solcher Fall selten auf. Das mag der Grund dafür sein, dass er übli­cherwei­se nicht geson­dert erwähnt wird. Doch ist tatsäch­lich schon offen­sichtlich, um welchen Medien­typ es sich dabei handelt? Ist es eine der drei vorge­stellten oder sollte es sich um eine zusätz­liche Klasse handeln?[3]

Die Unklarheit der Zuordnung für diesen Fall ist ein Indiz dafür, dass die Unter­scheidung der Medien­klassen inhalt­lich weni­ger an dem Vorhan­densein techni­scher Gerä­te hängt: Das ist ledig­lich ein Symptom für eine tiefer liegen­de Diffe­renzie­rung, das zwar in der Regel aussa­gekräf­tig ist, aber nicht unmit­telbar den Witz der Unter­scheidung trifft. Recht über­legt fällt auf, dass die techni­schen Hilfsmit­tel ganz allge­mein dazu dienen, Beschrän­kungen der Kommu­nika­tion in Raum und Zeit zu über­winden.


Die Situiertheit der Kommu­nizie­renden als Unter­scheidungs­krite­rium

Primärmedien

Ab­bil­dung 1: Skiz­ze zur Si­tu­iert­heit bei Pri­mär­me­di­en

Von Pri­mär­me­di­en soll­te bes­ser ge­nau dann die Re­de sein, wenn Sen­der und Emp­fän­ger der vom Me­di­um ver­mit­tel­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on im­mer zur glei­chen Zeit am glei­chen Ort sein müs­sen – un­ab­hän­gig da­von, ob ir­gend­wel­che tech­ni­schen Ge­rä­te be­tei­ligt sind.[4] Oh­ne tech­ni­sche Hilfs­mit­tel ver­mit­teln ih­nen ih­re Sin­nes­or­ga­ne oh­ne­hin im­mer nur das je­wei­li­ge Hier und Jetzt (⊳ Modalität). Ei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on mit ei­nem an­de­ren kann da­her oh­ne Hilfs­mit­tel stets nur in ei­ner von bei­den ge­teil­ten, d.h. der je ak­tu­el­len Si­tu­a­ti­on statt­fin­den. Das Beson­dere an primär­medi­aler Kommu­nika­tion ist u.a. die Möglich­keit für deikti­sche und im weiten Sinn inde­xika­lische Aspek­te: Man kann nur auf etwas (im engen Sinn) zeigen, was da ist, und man kann diese Zeige­geste nur kommu­nika­tiv verwen­den, wenn das Gegen­über eben­falls die Geste und ihr Ziel wahrneh­men kann (vgl. Abb. 1).[5] Der wesent­liche Unter­schied zwischen Sekun­där- und Tertiär­medien liegt nun darin, wie diese die Beschrän­kung der Situ­iertheit bei den Primär­medien jeweils erwei­tern:

Sekundärmedien

Ab­bil­dung 2: Skiz­ze zur Si­tu­iert­heit bei Se­kun­där­me­di­en

Für Se­kun­där­me­dien ist die zeit­li­che Di­men­si­on die ent­schei­den­de: Der Ein­satz ei­nes tech­ni­schen Ge­räts hat näm­lich ins­be­son­de­re die Funk­ti­on, ein die Zeit über­dau­ern­des (per­sis­ten­tes) Nach­rich­ten­ar­te­fakt zu schaf­fen, so dass ein an­de­rer lan­ge Zeit nach der Her­stel­lung durch den Sen­der als ein Emp­fän­ger die­ser Nach­richt auf­tre­ten kann (vgl. Abb. 2). Dass die­se per­sis­ten­ten Zei­chen­trä­ger in der Zwi­schen­zeit auch den Ort ge­wech­selt ha­ben kön­nen ist da­bei eher zweit­ran­gig, denn zu­nächst ein­mal gilt, dass Sen­der und Emp­fän­ger in zeit­li­cher Dis­tanz si­tu­iert sind. Aus dieser Situ­ierung folgt zum einen, dass sekun­därme­diale Kommu­nika­tion immer uni­direk­tional erfol­gen muss: Echte Dialo­ge sind hier nicht möglich. Zum ande­ren erge­ben sich spezi­elle pragma­tische Phäno­mene für die vermit­telten Inter­aktio­nen, da jeweils ein Inter­aktions­partner nur in der Vorstel­lung des ande­ren exis­tiert.

Tertiärmedien

Ab­bil­dung 3: Skiz­ze zur Si­tu­iert­heit bei Ter­ti­är­me­di­en

Dem­ge­gen­über hat der Ein­satz tech­ni­scher Hilfs­mit­tel auf bei­den Sei­ten des In­for­ma­ti­ons­flus­ses vor al­lem den Zweck, räum­lich weit von­ein­an­der ent­fern­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­part­ner mehr oder we­ni­ger gleich­zei­tig mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Das funk­ti­o­niert nur, wenn die Über­tra­gungs­dau­er ge­gen­über der Dau­er der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zyk­len sehr kurz ist. Die­se re­la­ti­ve Gleich­zei­tig­keit von Sen­de- und Emp­fangs­teil­hand­lun­gen ist die Vo­raus­set­zung da­für, dass ein sol­ches Raum über­win­den­des Me­di­um im Ge­gen­satz zu Se­kun­där­me­di­en auch in bei­de Rich­tun­gen funk­ti­o­nie­ren kann (vgl. Abb. 3).[6]


Quartäre Medien

Mit der Verbreitung computer­basier­ter Kommu­nika­tion haben manche neue­ren Auto­ren vorge­schlagen, bei Verwen­dung vernetz­ter Compu­tertech­nolo­gie von ‘Quartär­medien’ (‘Medien vom Typ 4’) zu sprechen ([Faßler 1997a]Faßler, Manfred (1997): Was ist Kommunikation?. Fink, München.
). Zwar erlaubt es die vernetz­te Digi­taltech­nolo­gie in der Tat, sehr viele ande­re Medien auf verhält­nismä­ßig einfa­che, leicht zugäng­liche und unkomp­liziert zu erler­nende Art und Weise zu emu­lieren. Allei­ne daraus aber erge­ben sich noch keine spezi­fisch medien­theore­tisch rele­vanten Neue­rungen, ganz abge­sehen davon, dass Compu­terge­brauch nicht mit dem erwähn­ten tatsäch­lichen Krite­rium der raumzeit­lichen Situ­iertheit zusam­menpasst.

Das gilt hingegen nicht für die Klasse der inter­akti­ven Syste­me, zu denen sowohl die sprachver­stehen­den und -gene­rieren­den Syste­me der KI zählen,[7] wie auch inter­akti­ve Graphik­syste­me[8] und insbe­sonde­re die immer­siven Syste­me[9] inklu­sive der Compu­terspie­le. Von der Inter­aktion zwischen Kommu­nika­tionspart­nern über (oder durch) das Medium ist nämlich der Gebrauch des Ausdrucks ‘Inter­akti­vität’ zu unter­scheiden, wenn er gewis­serma­ßen die Wechsel­wirkun­gen mit dem Medium betrifft.[10]

Tatsächlich übermittelt ein inter­akti­ves System als Medium nicht, wie eine Zeitung, einzel­ne Zeichen­handlun­gen, wie komplex diese auch immer sein mögen. Vielmehr wird mit ihm eine ganze Reihe poten­tieller Zeichen­handlun­gen über­tragen, nämlich alle vom System gene­rierba­ren Zeichen. Der Nutzer wählt durch seine Akti­vität mehr oder weni­ger expli­zit jeweils eins davon aus, dass es ihm präsen­tiert wird. Zwar tritt auch bei sekun­dären Medien eine Aufspal­tung in parti­elle Zeichen­handlun­gen mit unter­schiedli­chen, jeweils nur vorge­stellten Teilneh­mern auf.[11] Doch geht es in diesen Fällen natür­lich stets nur um ein einzi­ges, wenn auch, etwa bei Büchern, sehr komple­xes, syntak­tisch aber eindeu­tig bestimm­tes Zeichen. Diese Bedin­gung gilt für das Medium der inter­akti­ven Syste­me gera­de nicht: Jeder Empfän­ger erhält jeweils auf ihn abge­stimmte, perso­nali­sierte Nachrich­ten.

Ab­bil­dung 4: Skiz­ze zur kom­ple­xen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­si­tu­a­ti­on bei Quar­tär­me­di­en

Ei­ner­seits kom­mu­ni­ziert da­bei der Nut­zer mit sich selbst:[12] Wie bei ei­nem Selbst­ge­spräch zeigt man sich et­wa ei­ne Stra­ßen­karte oder ei­ne ana­to­mi­sche Skiz­ze. An­de­rer­seits sind die Kar­ten, Skiz­zen und Ant­wor­ten ja durch­aus nicht nur der Vor­stel­lung des Nut­zers ent­sprun­gen. Die­je­ni­gen, die das in­ter­ak­ti­ve Sys­tem kon­stru­iert und mit In­halt ge­füllt ha­ben, kom­men eben­falls als kom­mu­ni­ka­ti­ves Ge­gen­über des Nut­zers in Fra­ge und müs­sen in der Re­gel ja auch für Kor­rekt­heit in den Zei­chen­hand­lun­gen mit dem in­ter­ak­ti­ven Sys­tem Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Es macht durch­aus Sinn, die Ver­wen­dung ei­nes in­ter­ak­ti­ven Sys­tems als ei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Her­stel­ler (oder He­raus­ge­ber) des Sys­tems und Sys­tem­nut­zer zu ver­ste­hen, ganz so, wie man das Le­sen ei­ner Zei­tung auch als Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Au­tor bzw. He­raus­ge­ber und Le­ser re­kon­stru­ie­ren kann. Auch die “mo­no­lo­gi­sche” Va­ri­an­te setzt letzt­lich auf die­se Ba­sis­kom­mu­ni­ka­ti­on auf.

Die Interaktivität wird in einem 3D-​Compu­terspiel sogar noch komple­xer, sind es doch nicht nur die mehr oder weni­ger direk­ten Anwei­sungen des Nutzers, welche die Reak­tionen des Systems bestim­men. Vielmehr werden hier seine stili­sierten Bewe­gungen im (wirkli­chen) Raum (z. B. Mausbe­wegun­gen) ana­lysiert und als Krite­rium für teilwei­se sehr komple­xe System­reakti­onen verwen­det: Diese reichen bekannt­lich von entspre­chenden Bewe­gungen eines Ava­tars im virtu­ellen Raum (⊳ Cyber­space) bis zu Inter­akti­onen mit virtu­ellen, vom Spielsys­tem gesteu­erten Spielfi­guren.

Offensichtlich hängt Inter­akti­vität in diesem Sinne entschie­den an der Verwen­dung von Compu­tern, denn ohne diese spezi­ellen Medien­maschi­nen wäre es schlechter­dings nicht möglich, die Akti­vitä­ten des Nutzers auto­matisch und ohne allzu merkli­chen Zeitver­lust in entspre­chende Reakti­onen umzu­setzen. Zugleich eröff­net Inter­akti­vität eine grundsätz­lich ande­re Art der Medien­verwen­dung als die, die in den Typen 1 bis 3 betrach­tet werden: Der primä­re Sender ist nur noch partiell dafür verant­wortlich, welche Nachricht der Empfän­ger tatsäch­lich bekommt, denn dieser über­nimmt zum Teil selbst die Rolle des Senders.

Da die Situiertheit der Kommu­nizie­renden bei inter­akti­ven Syste­men deutlich komple­xer ist und ganz eigen­ständi­ge Kombi­nati­onen von Teilkom­muni­kations­handlun­gen gegen­über den Klassen 1 bis 3 umfasst, ist es sinnvoll, für diese Situ­iertheit eine entspre­chende eige­ne Medien­klasse, die quartä­ren Medien (oder Medien der Klasse 4) einzu­führen.


Einfluss der Medienklasse auf darin ver­wen­dete Bilder

Bilder können offensichtlich in jedem der vier Medien­typen verwen­det werden. Doch hat die unter­schiedli­che rela­tive Situ­iertheit von Sender und Empfän­ger einen je spezi­fischen Einfluss auf die Bildver­wendung.

Ab­bil­dung 5: Ein com­pu­ter­vi­su­a­lis­tisch er­zeug­tes Bild als Bei­spiel

Ein Bild, wie das hier ge­zeig­te Bei­spiel­bild (Abb. 5), wä­re et­wa pri­mär­me­di­al ver­wen­det, wenn der Com­pu­ter­vi­su­a­list, der es er­zeugt hat, es ei­nem Kunst­his­to­ri­ker, der es be­auf­tragt hat, am Bild­schirm vor­führt. Die se­kun­där­me­di­a­le Ver­wen­dung er­gibt sich z.B., wenn das Bild in ei­nem Buch über die Darm­städ­ter Ma­thil­den­hö­he ver­wen­det wird: Der Au­tor, der das Bild et­wa zur Il­lus­tra­ti­on sei­nes Tex­tes ver­wen­det, und der Le­ser sind vor al­lem zeit­lich deut­lich se­pa­riert. Wird das Bild hin­ge­gen in ei­ner Vi­de­o­kon­fe­renz be­nutzt, in der zwei Grup­pen von Kunst­his­to­ri­kern in ver­schie­de­nen Städ­ten be­stimm­te Fra­gen zum Mu­sik­zim­mer des «Hau­ses Beh­rens» klä­ren wol­len, wird das Bild ter­ti­är­me­di­al ein­ge­setzt. Die quar­tär­me­di­a­le Nut­zung tritt schließ­lich auf, wenn eben die­ses Bild als Teil ei­ner gan­zen Se­rie com­pu­ter­ge­ne­rier­ter Bil­der in ei­nem im­mer­si­ven Sys­tem auf­taucht, in dem ein Be­nut­zer mit der Maus ei­nen vir­tu­el­len Rund­gang durch die vir­tu­el­le Re­kon­struk­ti­on des Hau­ses steu­ert.

Der Einfluß der Medienklasse auf das Bildhan­deln betrifft Inter­aktions-, Selbst- und Sachbe­zug. Hinsicht­lich des Sachbe­zugs ist es bei der primär­media­len Nutzung offen­sichtlich ganz unprob­lema­tisch, klären­de Rückfra­gen zu Bild oder Bildin­halt zu stellen und diese sogar mit deikti­schen Ele­menten zu kombi­nieren. Auch bei tertiär­media­lem Einsatz sind klären­de Rückfra­gen möglich; aller­dings werden nun Zeige­handlun­gen proble­matisch. Die Option für direk­te Rückfra­gen entfällt bei sekun­därme­dialer Nutzung, bei der höchstens durch beglei­tenden Text oder zusätz­liche, vor allem inhalt­lich damit zusam­menhän­gende Bilder vorge­fertig­te Erläu­terun­gen liefern können. Das gilt in etwas gerin­gerem Maße auch für die quartär­media­le Verwen­dung, die durch inter­akti­ve Mecha­nismen immer­hin eine genau­ere Adap­tion an die jewei­lige Empfän­gerreak­tion möglich wird.

Besonders betroffen von der Situ­iertheit der vermit­telten Kommu­nika­tion ist deren selbstbe­zügli­cher Anteil: Wie sich der jewei­lige Sender in der kommu­nika­tiven Inter­aktion mit dem Bild darstellt ist nur bei primär­media­ler Verwen­dung direkt nachvoll­ziehbar. In den Fällen mit abwe­sendem Produ­zenten spaltet sich die Kommu­nika­tion in zwei teilwei­se unab­hängi­ge Teilkom­muni­katio­nen auf, bei der jeweils als Kommu­nika­tionspart­ner eine Vorstel­lung vom Gegen­über – ein Partner­modell – die Rolle als Kommu­nika­tionspart­ner einnimmt.

Analog erlaubt auch hinsicht­lich des Inter­aktions­bezugs die primär­media­le Verwen­dung zunächst die direk­teste Möglich­keit klären­der Rückfra­gen, gefolgt von der tertiär­media­len Verwen­dung.

Insbesondere bei quartärmedi­aler Verwen­dung wird die Wahrschein­lichkeit erhöht, die Bildlich­keit des Bildes auszu­blenden, es also gar nicht mehr als Bild zu nutzen und das Darge­stellte als virtu­ellen Raum im dezep­tiven Modus zu erle­ben.


Weitere Anmerkungen zu Medien­typo­logien

Trotz ähnlicher Bezeichnun­gen sollte die hier darge­stellte Medien­typo­logie nicht mit der von Vogel vorge­schlage­nen Eintei­lung in Medien n-ter Ordnung (mit n > 0) verwech­selt werden ([Vogel 2003a]Vogel, Matthias (2003): Medien als Voraussetzungen für Gedanken. In: Münker, St.; Roesler, A. & Sandbothe, M. (Hg.), Medienphilosophie. Beiträge zur Klärung eines Begriffs. Fischer, Frankfurt/M.
), was nicht zuletzt an dem sehr spezi­ellen Medien­begriff Vogels liegt, den man durchaus als syno­nym zu ‘Zeichen­system’ verste­hen kann. Medien der Ordnung m sind Nota­tionssys­teme für Medien der Ordnung m-1.

Anmerkungen
  1. ↑ Wei­te­re Über­le­gun­gen zur Ty­pi­sie­rung von Bil­dern fin­den sich zu­dem in [Plümacher 2005a]Plümacher, Martina (2005): Bildtypologie als Grundlage der Bildwissenschaft. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft zwischen Reflexion und Anwendung. Halem, Köln.
    .
  2. ↑ Die kör­per­ei­ge­ne Aus­stat­tung zählt hier al­so eben­so we­nig un­ter tech­ni­sche Hil­fen, wie das “Me­di­um” Luft mit sei­nen spe­zi­fi­schen phy­si­ka­li­schen Ei­gen­schaf­ten, Schall und Licht zu über­tra­gen.
  3. ↑ Ana­log: Wa­rum soll­te das Ver­wen­den ei­ner Bril­le nicht als tech­ni­sches Hilfs­mit­tel ge­wer­tet wer­den?
  4. ↑ Wird al­so in ei­ner sehr lau­ten Um­ge­bung (et­wa in ei­nem Hub­schrau­ber­cock­pit) oder in ei­ner Um­ge­bung oh­ne Schall­lei­tung (et­wa bei dem Au­ßen­ein­satz von As­tro­nau­ten im Welt­all) Funk­tech­nik zur münd­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­wen­det, kann es sich trotz der be­tei­lig­ten Tech­nik durch­aus um ei­ne pri­mär­me­di­a­le Kom­mu­ni­ka­ti­on han­deln.
  5. ↑ Da­mit wird im Übri­gen auch klar, wa­rum Hör­ge­rä­te, Bril­len oder Sprech­hil­fen nicht zu den für die Ty­po­lo­gi­sie­rung re­le­van­ten tech­ni­schen Hilfs­mit­teln ge­zählt zu wer­den brau­chen: Sie ver­än­dern die re­la­ti­ve Si­tu­ie­rung der Me­di­en­nut­zer nicht.
  6. ↑ We­gen der not­wen­di­gen Nach­rich­ten­lauf­zeit in je­dem Me­di­um ge­hen bei die­ser Be­stim­mung üb­ri­gens Ter­ti­är­me­di­en beim Über­brü­cken sehr gro­ßer Ent­fer­nun­gen schließ­lich mehr oder we­ni­ger flie­ßend in Se­kun­där­me­di­en über, ob­wohl bei­de Sei­ten tech­ni­sche Hil­fen ein­set­zen mö­gen: Wenn die Über­tra­gungs­dau­er zu groß wird, kann die zeit­li­che Syn­chro­ni­sa­ti­on zwi­schen Sen­der- und Emp­fän­ger­hand­lun­gen nicht mehr auf­recht er­hal­ten wer­den, was zu ganz ent­spre­chen­den Aus­wir­kun­gen auf die ver­mit­tel­ten Zei­chen­hand­lun­gen führt.
  7. ↑ Vgl.: Wiki­pe­dia: Künst­li­che In­tel­li­genz.
  8. ↑ Da­zu zäh­len bei­spiels­wei­se auch die mo­bi­len Na­vi­ga­ti­ons­ge­rä­te, die sich seit ei­ni­gen Jah­ren gro­ßer Be­liebt­heit er­freu­en; ⊳ In­ter­ak­ti­ves Bild.
  9. ↑ Vgl. auch Wi­ki­pe­dia: Im­mer­si­on​ (vir­tu­el­le Rea­li­tät).
  10. ↑ So ver­steht man bei­spiels­wei­se un­ter ei­ner in­ter­ak­ti­ven Stra­ßen­kar­te ein Com­pu­ter­sys­tem, mit des­sen Hil­fe man sich zu­nächst ein­mal ei­ne Stra­ßen­kar­te prä­sen­tie­ren kann; zu­dem ver­spricht die­se Be­zeich­nung aber auch, dass die ge­zeig­te Kar­te und eben­so ih­re Prä­sen­ta­ti­on vom Nut­zer auf nicht-​tri­vi­a­le Art und Wei­se be­ein­flusst wer­den kön­nen, et­wa durch Zoo­men, Ver­schie­ben des ge­zeig­ten Aus­schnitts, Ver­grö­ßern oder Ver­klei­nern der Be­schrif­tung, Weg­las­sen oder Zu­fü­gen von Bahn­li­ni­en, Flüs­sen oder Se­hens­wür­dig­kei­ten, Su­chen ei­ner Ad­res­se und Her­vor­he­bung des Re­sul­tats in der Kar­te, Be­rech­nung und Dar­stel­lung ei­ner Rou­te, usw.; vgl. auch [Schirra 2005a]Schirra, Jörg R.J. (2005): Foundation of Computational Visualistics. DUV, Wiesbaden.
    : Sec. 4.4.3.
  11. ↑ Ins­be­son­de­re sind das: (1) Au­tor (all­ge­mei­ner: ‘Pro­du­zent’ oder ‘Sen­der’) und sein vor­ge­stell­ter Le­ser (all­ge­mei­ner: ‘Re­zi­pi­ent’ oder ‘Emp­fän­ger’; Pro­duk­ti­ons­si­tu­a­ti­on wird fo­kus­siert) und (2) Le­ser und der von ihm ima­gi­nier­te Au­tor (bzw. ein ima­gi­nier­ter an­de­rer; Re­zep­ti­ons­si­tu­a­ti­on wird fo­kus­siert); ⊳ Bild­re­zep­ti­on als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zess.
  12. ↑ Von der wei­te­ren Mög­lich­keit, dass ein Nut­zer das Er­geb­nis sei­ner Be­schäf­ti­gung mit dem in­ter­ak­ti­ven Sys­tem zu ei­ner Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Drit­ten nutzt, se­hen wir hier ab.
Literatur
[Faßler 1997a]Faßler, Manfred (1997): Was ist Kommunikation?. Fink, München.[Plümacher 2005a]Plümacher, Martina (2005): Bildtypologie als Grundlage der Bildwissenschaft. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildwissenschaft zwischen Reflexion und Anwendung. Halem, Köln.[Pross 1972a]Pross, Harry (1972): Medienforschung. Film, Funk, Presse, Fernsehen. Habel, Darmstadt.[Schirra 2005a]Schirra, Jörg R.J. (2005): Foundation of Computational Visualistics. DUV, Wiesbaden.[Vogel 2003a]Vogel, Matthias (2003): Medien als Voraussetzungen für Gedanken. In: Münker, St.; Roesler, A. & Sandbothe, M. (Hg.), Medienphilosophie. Beiträge zur Klärung eines Begriffs. Fischer, Frankfurt/M.

Ausgabe 1: 2013

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Zitierhinweis:

Schirra, Jörg R.J. (2013). Typologien der Medien. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Typologien_der_Medien].