Ungarisch: 'kép': Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Zsuzsanna Kondor (Diskussion | Beiträge)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
K Textersetzung - „{{GlosTab5}}↵<bibdummy>“ durch „{{GlosTab5}}“
 
(53 dazwischenliegende Versionen von 4 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
<!--  "This is comment"  -->
<!--  "This is comment"  -->
<!--Vorlage für Unterpunkte-->
<!--Vorlage für Unterpunkte-->
<!--Den folgenden Header, bitte nicht verändern-->
<!--Den folgenden Header, bitte nicht verändern-->
{{GlosHeader}}
{{GlosHeader}}
[[Kategorie:Unterpunkt]]
[[Kategorie:Unterpunkt]]
<!--Ende header-->
<!--In der folgenden Zeile bitte die (Wiki)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht-->
<!--In der folgenden Zeile bitte die (Glossar)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht-->
Unterpunkt zu: [[Bildtermini anderer Sprachen]]
Unterpunkt zu: [[Bildtermini anderer Sprachen]]
<!--beides sollte in der Regel der gleiche Text sein-->


<!--Den folgenden Abschnitt bitte nicht ändern-->
English Version: [[Glossar-English:Hungarian: 'kép'|Hungarian: 'kép']]<ref>''Ori&shy;gi&shy;nal in eng&shy;lisch; Über&shy;set&shy;zung D. Liebsch.''</ref>
{{GlosTab1}}
{{GlosTab1}}
{{GlossarBoxMain}}
{{GlossarBoxMain}}
<!--Ende header-->
<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt-->
Im Wesentlichen wird das Nomen ‘kép’ im Unga&shy;rischen so verwen&shy;det wie im Deutschen das Nomen [[Bildtermini im modernen Deutsch|‘Bild’]]. Der Vergleich mit dem Engli&shy;schen ist etwas kompli&shy;zierter, weil es dort den Unter&shy;schied zwischen den Bedeu&shy;tungen von [[englisch: 'image' und 'picture'|‘im&shy;age’]] und [[englisch: 'image' und 'picture'|‘pic&shy;ture’]] gibt. Mit dem unga&shy;rischen ‘kép’ können beide engli&shy;schen Aus&shy;drücke wieder&shy;gege&shy;ben werden. Für die Über&shy;setzung von ‘im&shy;age’, soweit es sich auf menta&shy;le Phäno&shy;mene bezieht, sind im Unga&shy;rischen außer&shy;dem auch Affix&shy;formen von ‘kép’ gebräuch&shy;lich.<ref>Hin&shy;wei&shy;se auf den frü&shy;hes&shy;ten Nach&shy;weis des je&shy;wei&shy;li&shy;gen Aus&shy;drucks kön&shy;nen ge&shy;fun&shy;den wer&shy;den in <bib id='Benko 1976a'>Ben&shy;kő 1976a</bib>; die Lis&shy;te der wich&shy;tig&shy;sten Be&shy;deu&shy;tungs&shy;va&shy;ri&shy;an&shy;ten von ‘kép’ stam&shy;men aus <bib id='Tótfalusi 2002a'>Tót&shy;fa&shy;lu&shy;si 2002a</bib>; De&shy;tails über die Neo&shy;lo&shy;gis&shy;ti&shy;sche Be&shy;we&shy;gung bie&shy;tet <bib id='Szily 1999a'>Szi&shy;ly 1999a</bib>; ei&shy;nen um&shy;fas&shy;sen&shy;den Über&shy;blick über die Be&shy;deu&shy;tung der Af&shy;fix&shy;for&shy;men bie&shy;tet <bib id='Juhász et al. 1999a'>Ju&shy;hász et al. 1999a</bib>. </ref>


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->


In Hungarian the noun ''kép'' refers to the German noun ''Bild''. In case of English the situation is a bit more difficult since there is a slight difference between the meaning of the terms ''picture'' and ''image''. The meaning of the Hungarian ''kép'' might refer to both English terms, but in case of ''image'' as it refers to mental phenomena there are other affixed words in use as well.
==Etymologische Wurzeln==


====='''Etymological roots'''=====
Etymologisch stammt ‘kép’ vom alttur&shy;kischen Wort ‘ki:b’ ab. Das alttur&shy;kische Wort bezeich&shy;nete ursprüng&shy;lich ganz konkret den Abdruck und das Modell. Dazu trat früh die über&shy;trage&shy;ne Bedeu&shy;tung [[Ähnlichkeit|›Ähnlich&shy;keit‹]]. Das turki&shy;sche ‘gibi’ wird – nachge&shy;stellt – in der Bedeu&shy;tung ›ähnlich‹ verwen&shy;det. Seine regu&shy;läre Bedeu&shy;tung im Turki&shy;schen ist [[Gestalt|›Gestalt‹]], ›Form‹, ›Bild‹ und ›Ähnlich&shy;keit‹.
Obwohl das Unga&shy;rische eine finno-&#8203;ugri&shy;sche Sprache ist und obwohl der Islam in Bezug auf Bilder beträcht&shy;liche Auswir&shy;kungen hatte (vgl. dazu auch ⊳ [[Arabisch: 'sûra', 'wathan' und 'sanam'|Ara&shy;bisch: ‘sûra’, ‘timthal’, ‘wathan’ und ‘sanam’]]), ist die Bedeu&shy;tungsent&shy;wicklung von ‘gibi’ und ‘kép’ über&shy;raschend ähnlich. ‘Kép’ ist zwar so alt wie die meisten ele&shy;menta&shy;ren Wörter (wie ‘Weizen’ und ‘Holz’), dennoch stammt der frühes&shy;te schriftli&shy;che Nachweis erst aus christli&shy;chen Texten; um 1315 findet sich die Formu&shy;lierung „szent olta&shy;rum kunar kepe&shy;ben [in Gestalt des Brotes auf dem heili&shy;gen Altar]“ (<bib id='Róna-Tas 1999a'>Róna-&#8203;Tas 1999a</bib>: S. 368).


Etymologically ''kép'' is rooted in the Old-Turkic word ''ki:b''. The Old-Turkic word originally refers to mould, model in a concrete sense. It shortly gained metaphoric meaning ‘likeness’, ‘resemblance’. The Turkic ''gibi'' came to be used as a postposition meaning ‘like’. The Turkic meaning was ‘shape’, ‘form’, ‘image’, and ‘likeness’.
Despite the fact that Hungarian is a Finno-Ugrian language and Islam had a considerable effect as it relates to pictures, the evolution of the meaning both ''gibi'' and ''kép'' is surprisingly similar. Although ''kép'' is as old as the most elementary words like wheat and wood, the earliest occurrence of the word is in Christian texts, from ca. 1315 “szent oltarum kunar kepeben” [in form of bread on the holy altar]. (Róna-Tas 1999:368)


==Bedeutungvarianten von ‘kép’==


<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
‘Kép’ bedeutet in erster Linie ›flächi&shy;ge, gemal&shy;te Nachbil&shy;dung von etwas‹. Es kann sich dabei um ein Kunstwerk handeln, eine entwe&shy;der [[Spiegel|gespie&shy;gelte]] oder proji&shy;zierte Szene&shy;rie, einen [[Film|Film]], einen Gesichts&shy;ausdruck und die Form oder Erschei&shy;nung von etwas (so, wie der Heili&shy;ge Geist als Taube erscheint). Im Folgen&shy;den seien die grundle&shy;genden Affix&shy;formen genannt:
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
:
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
a) ‘képes’ (erstmalig 1388) bedeutet ›bilder&shy;voll‹, ›bildbe&shy;laden‹ und in intel&shy;lektu&shy;eller oder physi&shy;scher Hinsicht ›fähig‹, ›tauglich‹. ›Fähig&shy;keit‹ steht in Bezug zur frühen Bedeu&shy;tung von ›-képpen‹, nämlich ›Art‹, ›Weise‹, ›in einer bestimm&shy;ten Weise‹. (Diese Bedeu&shy;tung lässt sich eben&shy;falls im alttur&shy;kischen ‘ki:b’ nachwei&shy;sen);
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
:
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->
b) ‘képest’ (1372) bedeutet ›im Vergleich zu‹ und leitet sich vom Adjek&shy;tiv ‘képes’ (›bilder&shy;voll‹, ›bildbe&shy;laden‹) ab;
:
c) ‘képez’ (1506) meint ›formen‹, ›gestal&shy;ten‹, ›ausbil&shy;den‹, ›erzie&shy;hen‹ und ›hinzu&shy;fügen‹. Diese Gruppe von Bedeu&shy;tungen hat sich in Über&shy;einstim&shy;mung mit dem deutschen Paar ‘Bild’ / ‘bilden’ ent&shy;wickelt – aber unab&shy;hängig von ihm;
:
d) ‘képlékeny’ (1871) bedeutet ›(ver-)&#8203;formbar‹, ›plastisch‹. Diese Bedeu&shy;tung geht auf das Verb ‘képel’ in seiner älte&shy;ren Verwen&shy;dung zurück, in der es noch die Bedeu&shy;tung von ›gestal&shy;ten‹, ›formen‹ (wie in ‘bilden&shy;de Kunst’ im Deutschen) hatte;
:
e) ‘képlet’ (1815) verdankt sich eben&shy;falls der Neolo&shy;gisti&shy;schen Bewe&shy;gung in Ungarn. Es bedeu&shy;tet im mathe&shy;mati&shy;schen und chemi&shy;schen Zusam&shy;menhang ›Formel‹;
:
f) ‘képmás’ (1787) bedeutet ›Porträt‹, ›Ähnlich&shy;keit‹ und leitet sich von ‘kép’ (im Sinne von [[Gesichtsdarstellung|›Gesicht‹]]) her;
:
g) ‘képmutató’ (nach 1416) bedeutet ›heuchle&shy;risch‹, ›simu&shy;lierend‹ (vgl. auch ⊳ [[Simulation|Simu&shy;lation]]) und ›unauf&shy;richtig‹ (oder das jeweils entspre&shy;chende Nomen). Es ist ein Kompo&shy;situm aus ‘kép’ (im Sinne von ›Gesicht‹) und dem latei&shy;nischen ‘muta&shy;re’ (also ›wechseln‹, ›vertau&shy;schen‹);
:
h) ‘képtelen’ (1456) meint ›unmög&shy;lich‹, ›unfähig‹ und ist als Gegen&shy;satz zu ‘képes’ entstan&shy;den;
:
i) ‘képviselő’ (1744) mit der Bedeutung ›Repräsentant‹ leitet sich ab von der Wendung ‘das Bild (Gesicht) eines anderen tragen’, also: ›anstelle von jemandem handeln‹;
:
j) ‘képzel’ (1645) bedeutet ›sich (etwas) vorstel&shy;len‹, ›sich (etwas) einbil&shy;den‹. Gemeint ist also, dass ein [[Vorstellungsbilder / Mentale Modelle|menta&shy;les Bild]] auf der Grundla&shy;ge von Ideen geschaf&shy;fen oder dass etwas Nichtwirk&shy;liches als wirklich betrach&shy;tet wird. Der Ausdruck stammt von ‘képez’ ab.




=='''Jüngere Verwendungen und Idio&shy;me'''==


Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien im Folgen&shy;den eini&shy;ge Aus&shy;drücke und Idio&shy;me vor allem aus dem Voka&shy;bular von Wissen&shy;schaft und Wirtschaft gege&shy;ben:
:
a) ‘Leképez’ wird meistens in Physik und Mathe&shy;matik verwen&shy;det und verweist zurück auf ‘képez’. In der Optik bedeu&shy;tet es ›ein Bild mit Hilfe opti&shy;scher Instru&shy;mente hervor&shy;bringen‹; in der Mengen&shy;lehre versteht man darun&shy;ter ›eine endli&shy;che Bezie&shy;hung unter den Ele&shy;menten einer Menge bestim&shy;men‹.
:
b) ‘Túl-’/‘alulképzett’ bedeutet ›unter-‹&#8203;/›über&shy;quali&shy;fiziert‹. Meist werden die Aus&shy;drücke in Zusam&shy;menhang mit dem Arbeits&shy;markt verwendet, sie leiten sich eben&shy;falls von ‘képez’ ab.
:
c) Das Idiom ‘képben van’ ist wörtlich als ‘im Bild sein’ zu über&shy;setzen und bedeu&shy;tet ›eine Sache sehen, so wie sie ist‹. Gemeint ist damit, einen Über&shy;blick, ein umfas&shy;sendes Bild einer gege&shy;benen Situation zu haben.
:
d) Und schließlich findet sich auch eine Zusam&shy;menfüh&shy;rung der ursprüng&shy;lichen Bedeu&shy;tung von ‘kép’ als ›Gesicht‹, ›Gesichts&shy;ausdruck‹ und ‘kép’ als ›Porträt‹: ‘van képe hozzá’ bedeu&shy;tet ›etwas zu tun wagen, obwohl es schändlich ist‹. Näher am Wortlaut ausge&shy;drückt: ›ein derart posi&shy;tives Selbstbild zu haben, dass man sich berech&shy;tigt glaubt, gegen die Moral handeln zu dürfen‹.


=====Engere Begriffsbestimmung=====
{{GlossarSiehe}}
* [[Ähnlichkeit]]
* [[Arabisch: 'sûra', 'wathan' und 'sanam'|Arabisch: ‘sûra’, ‘timthal’, ‘wathan’ und ‘sanam’]]
* [[Bildtermini im modernen Deutsch]]
* [[Englisch: 'image' und 'picture'|Englisch: ‘image’ und ‘picture’]]
* [[Gesichtsdarstellung]]
* [[Gestalt]]
* [[Simulation]]
* [[Spiegel]]
* [[Vorstellungsbilder / Mentale Modelle]]


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
=====optional Beispiele=====
<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
<!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern-->
<!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt -->
<!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt -->
<!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein-->
<!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliography-Seite eingetragen sein-->
<!-- ... dazu den "Sammlung"-Link im Literaturkasten verwenden -->
<!-- ... dazu den "Sammlung"-Link im Literaturkasten verwenden -->
{{GlosTab2}}
{{GlosTab2}}
{{GlosTab3}}
{{GlosTab3}}
''Ausgabe 1: 2013''
{{GlosTab4}}
''Verantwortlich:''  
''Verantwortlich:''  


<!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen-->
* [[Benutzer:Zsuzsanna Kondor|Kondor, Zsuzsanna]]
[[Benutzer:XXX]]
 
{{GlosTab4}}
''Lektorat:''
* [[Benutzer:Dimitri Liebsch|Liebsch, Dimitri]]
{{GlosTab5}}
<!--den Schluß nicht verändern-->
<!--den Schluß nicht verändern-->
{{GlosEnd}}
{{GlosEndB}}
<!--Das war's-->
<!--Das war's-->

Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildtermini anderer Sprachen

English Version: Hungarian: 'kép'[1]


Im Wesentlichen wird das Nomen ‘kép’ im Unga­rischen so verwen­det wie im Deutschen das Nomen ‘Bild’. Der Vergleich mit dem Engli­schen ist etwas kompli­zierter, weil es dort den Unter­schied zwischen den Bedeu­tungen von ‘im­age’ und ‘pic­ture’ gibt. Mit dem unga­rischen ‘kép’ können beide engli­schen Aus­drücke wieder­gege­ben werden. Für die Über­setzung von ‘im­age’, soweit es sich auf menta­le Phäno­mene bezieht, sind im Unga­rischen außer­dem auch Affix­formen von ‘kép’ gebräuch­lich.[2]


Etymologische Wurzeln

Etymologisch stammt ‘kép’ vom alttur­kischen Wort ‘ki:b’ ab. Das alttur­kische Wort bezeich­nete ursprüng­lich ganz konkret den Abdruck und das Modell. Dazu trat früh die über­trage­ne Bedeu­tung ›Ähnlich­keit‹. Das turki­sche ‘gibi’ wird – nachge­stellt – in der Bedeu­tung ›ähnlich‹ verwen­det. Seine regu­läre Bedeu­tung im Turki­schen ist ›Gestalt‹, ›Form‹, ›Bild‹ und ›Ähnlich­keit‹. Obwohl das Unga­rische eine finno-​ugri­sche Sprache ist und obwohl der Islam in Bezug auf Bilder beträcht­liche Auswir­kungen hatte (vgl. dazu auch ⊳ Ara­bisch: ‘sûra’, ‘timthal’, ‘wathan’ und ‘sanam’), ist die Bedeu­tungsent­wicklung von ‘gibi’ und ‘kép’ über­raschend ähnlich. ‘Kép’ ist zwar so alt wie die meisten ele­menta­ren Wörter (wie ‘Weizen’ und ‘Holz’), dennoch stammt der frühes­te schriftli­che Nachweis erst aus christli­chen Texten; um 1315 findet sich die Formu­lierung „szent olta­rum kunar kepe­ben [in Gestalt des Brotes auf dem heili­gen Altar]“ ([Róna-Tas 1999a]Róna-Tas, A. (1999): Hungarians and Europe in the Early Middle Ages. An Introduction to Early Hungarian History. CEU Press, Budapest.
: S. 368).


Bedeutungvarianten von ‘kép’

‘Kép’ bedeutet in erster Linie ›flächi­ge, gemal­te Nachbil­dung von etwas‹. Es kann sich dabei um ein Kunstwerk handeln, eine entwe­der gespie­gelte oder proji­zierte Szene­rie, einen Film, einen Gesichts­ausdruck und die Form oder Erschei­nung von etwas (so, wie der Heili­ge Geist als Taube erscheint). Im Folgen­den seien die grundle­genden Affix­formen genannt:

a) ‘képes’ (erstmalig 1388) bedeutet ›bilder­voll‹, ›bildbe­laden‹ und in intel­lektu­eller oder physi­scher Hinsicht ›fähig‹, ›tauglich‹. ›Fähig­keit‹ steht in Bezug zur frühen Bedeu­tung von ›-képpen‹, nämlich ›Art‹, ›Weise‹, ›in einer bestimm­ten Weise‹. (Diese Bedeu­tung lässt sich eben­falls im alttur­kischen ‘ki:b’ nachwei­sen);

b) ‘képest’ (1372) bedeutet ›im Vergleich zu‹ und leitet sich vom Adjek­tiv ‘képes’ (›bilder­voll‹, ›bildbe­laden‹) ab;

c) ‘képez’ (1506) meint ›formen‹, ›gestal­ten‹, ›ausbil­den‹, ›erzie­hen‹ und ›hinzu­fügen‹. Diese Gruppe von Bedeu­tungen hat sich in Über­einstim­mung mit dem deutschen Paar ‘Bild’ / ‘bilden’ ent­wickelt – aber unab­hängig von ihm;

d) ‘képlékeny’ (1871) bedeutet ›(ver-)​formbar‹, ›plastisch‹. Diese Bedeu­tung geht auf das Verb ‘képel’ in seiner älte­ren Verwen­dung zurück, in der es noch die Bedeu­tung von ›gestal­ten‹, ›formen‹ (wie in ‘bilden­de Kunst’ im Deutschen) hatte;

e) ‘képlet’ (1815) verdankt sich eben­falls der Neolo­gisti­schen Bewe­gung in Ungarn. Es bedeu­tet im mathe­mati­schen und chemi­schen Zusam­menhang ›Formel‹;

f) ‘képmás’ (1787) bedeutet ›Porträt‹, ›Ähnlich­keit‹ und leitet sich von ‘kép’ (im Sinne von ›Gesicht‹) her;

g) ‘képmutató’ (nach 1416) bedeutet ›heuchle­risch‹, ›simu­lierend‹ (vgl. auch ⊳ Simu­lation) und ›unauf­richtig‹ (oder das jeweils entspre­chende Nomen). Es ist ein Kompo­situm aus ‘kép’ (im Sinne von ›Gesicht‹) und dem latei­nischen ‘muta­re’ (also ›wechseln‹, ›vertau­schen‹);

h) ‘képtelen’ (1456) meint ›unmög­lich‹, ›unfähig‹ und ist als Gegen­satz zu ‘képes’ entstan­den;

i) ‘képviselő’ (1744) mit der Bedeutung ›Repräsentant‹ leitet sich ab von der Wendung ‘das Bild (Gesicht) eines anderen tragen’, also: ›anstelle von jemandem handeln‹;

j) ‘képzel’ (1645) bedeutet ›sich (etwas) vorstel­len‹, ›sich (etwas) einbil­den‹. Gemeint ist also, dass ein menta­les Bild auf der Grundla­ge von Ideen geschaf­fen oder dass etwas Nichtwirk­liches als wirklich betrach­tet wird. Der Ausdruck stammt von ‘képez’ ab.


Jüngere Verwendungen und Idio­me

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien im Folgen­den eini­ge Aus­drücke und Idio­me vor allem aus dem Voka­bular von Wissen­schaft und Wirtschaft gege­ben:

a) ‘Leképez’ wird meistens in Physik und Mathe­matik verwen­det und verweist zurück auf ‘képez’. In der Optik bedeu­tet es ›ein Bild mit Hilfe opti­scher Instru­mente hervor­bringen‹; in der Mengen­lehre versteht man darun­ter ›eine endli­che Bezie­hung unter den Ele­menten einer Menge bestim­men‹.

b) ‘Túl-’/‘alulképzett’ bedeutet ›unter-‹​/›über­quali­fiziert‹. Meist werden die Aus­drücke in Zusam­menhang mit dem Arbeits­markt verwendet, sie leiten sich eben­falls von ‘képez’ ab.

c) Das Idiom ‘képben van’ ist wörtlich als ‘im Bild sein’ zu über­setzen und bedeu­tet ›eine Sache sehen, so wie sie ist‹. Gemeint ist damit, einen Über­blick, ein umfas­sendes Bild einer gege­benen Situation zu haben.

d) Und schließlich findet sich auch eine Zusam­menfüh­rung der ursprüng­lichen Bedeu­tung von ‘kép’ als ›Gesicht‹, ›Gesichts­ausdruck‹ und ‘kép’ als ›Porträt‹: ‘van képe hozzá’ bedeu­tet ›etwas zu tun wagen, obwohl es schändlich ist‹. Näher am Wortlaut ausge­drückt: ›ein derart posi­tives Selbstbild zu haben, dass man sich berech­tigt glaubt, gegen die Moral handeln zu dürfen‹.

Anmerkungen
  1. ↑ Ori­gi­nal in eng­lisch; Über­set­zung D. Liebsch.
  2. ↑ Hin­wei­se auf den frü­hes­ten Nach­weis des je­wei­li­gen Aus­drucks kön­nen ge­fun­den wer­den in [Benko 1976a]Benko, Loránd (Hg.) (1976): A magyar nyelv történeti-etimológiai szótára. I-IV. Akadémiai Kiadó, Budapest.
    ; die Lis­te der wich­tig­sten Be­deu­tungs­va­ri­an­ten von ‘kép’ stam­men aus [Tótfalusi 2002a]Tótfalusi, I. (2002): Magyar szótörténeti szótár. Anno Kiadó, Budapest.
    ; De­tails über die Neo­lo­gis­ti­sche Be­we­gung bie­tet [Szily 1999a]Szily, K. (1999): A magyar nyelvújítás szótára. Nap Kiadó, Budapest.
    ; ei­nen um­fas­sen­den Über­blick über die Be­deu­tung der Af­fix­for­men bie­tet [Juhász et al. 1999a]Juhász, J.; Szoke, I.; Nagy, G.O. & Kovalovszky, M. (Hg.) (1999): Magyar értelmezo szótár. Akadémiai Kiadó, Budapest.
    .
Literatur
[Benko 1976a]Benko, Loránd (Hg.) (1976): A magyar nyelv történeti-etimológiai szótára. I-IV. Akadémiai Kiadó, Budapest.[Juhász et al. 1999a]Juhász, J.; Szoke, I.; Nagy, G.O. & Kovalovszky, M. (Hg.) (1999): Magyar értelmezo szótár. Akadémiai Kiadó, Budapest.[Róna-Tas 1999a]Róna-Tas, A. (1999): Hungarians and Europe in the Early Middle Ages. An Introduction to Early Hungarian History. CEU Press, Budapest.[Szily 1999a]Szily, K. (1999): A magyar nyelvújítás szótára. Nap Kiadó, Budapest.[Tótfalusi 2002a]Tótfalusi, I. (2002): Magyar szótörténeti szótár. Anno Kiadó, Budapest.

Ausgabe 1: 2013

Verantwortlich:

Lektorat:

Zitierhinweis:

Kondor, Zsuzsanna (2013). Ungarisch: 'kép'. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Ungarisch%3A_%27k%C3%A9p%27].