Vorstellungsbilder / Mentale Modelle: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 12. Januar 2026, 13:30 Uhr
Unterpunkt zu: Bildbewusstsein und Einbildungskraft
BegriffsstrukturDas imaginative Konstrukt der Bildvorstellung korreliert in hohem Maß mit den Strukturen des Vorstellungsbildes. Beide Konstrukte beschreiben ein spezifisch kognitives Potential des Menschen: das Vorstellungsbild. Dieses ist als mentale Repräsentation jedoch multimodal und die Bildvorstellung – als (quasi-)piktoriale mentale Repräsentation – monomodal und damit rein visuell strukturiert. Die Bildvorstellung ist demnach eine ausschließlich bildhafte Repräsentation, man spricht hier auch von mentalen Bildern. Diese sind jedoch nicht mit richtigen Bildern im Gehirn gleichzusetzen, sondern sie funktionieren lediglich wie Bilder, da sie „in einer bestimmten Weise verwendet und verarbeitet werden“ ([Sachs-Hombach 1995a]Sachs-Hombach, Klaus (1995): Piktoriale Einstellungen. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bilder im Geiste: Zur kognitiven und erkenntnistheoretischen Funktion piktoraler Repräsentationen. Rodopi, Amsterdam. Die Bildvorstellung, als Teilkomponente des Vorstellungsbildes (mental image), gehört zum System analoger Repräsentationen, welches „vorzugsweise mit mentalen Bildern oder Vorstellungen operiert und somit Zeichen eines vorwiegend ikonischen Symbolsystems […]“ ([Seel 1991a]Seel, Norbert M. (1991): Weltwissen und mentale Modelle. Hogrefe, Göttingen. Mentale ModelleDie Bildvorstellung bzw. das Vorstellungsbild organisiert sich grundsätzlich „highly specific“ ([Johnson-Laird 1983a]Johnson-Laird, Philip N. (1983): Mental Models. Towards a Cognitive Science of Language, Inference and Conciousness. Cambridge University Press, Cambridge.
Visual ImaginationDer generische Ursprung von mentalen Repräsentationen hat seine Quelle damit in „visual imagination. It consists of a viewer-centred representation of the visible characteristics of an underlying three-dimensional spatial or kinematic model” ([Johnson-Laird 1983a]Johnson-Laird, Philip N. (1983): Mental Models. Towards a Cognitive Science of Language, Inference and Conciousness. Cambridge University Press, Cambridge.
Mentale Repräsentation und EmpfindungDie mentalen Repräsentaionen modifizieren die im Wahrnehmungsakt gewonnenen Informationen, so dass sie nachträglich spezifisch imaginative Empfindungen auslösen können: „Die Vorstellungsbilder einer früher gesehenen Landschaft, einer früher gehörten Melodie sind den Empfindungskomplexen, die in der Wahrnehmung dieser Gegenstände enthalten waren, ähnlich und werden zugleich auf die früheren Wahrnehmungen oder die in ihnen gegebenen Empfindungskomplexe zurückgeführt und bezogen“ ([Külpe 1923a]Külpe, Oswald (1923): Vorlesungen über Logik. Hirzel, Leipzig.
SystemzusammenhangDie Vorstellungsbilder – und damit der Teilaspekt der Bildvorstellung – bilden weiterhin mit den propositionalen Repräsentationen und mentalen Modellen einen mentalen Systemzusammenhang, der das kognitive Potential des Menschen strukturiert: Propositionale Repräsentationen (propositional representations) bilden eine elementare Funktion für die kognitive Informationsverarbeitung. Informatorische Inhalte (über Gegenstände, Situationen etc.) werden mittels Propositionen (Aussagen) verschlüsselt und können so im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Mentale Modelle (mental models) werden als subjektive Welt-Konstruktionen begreifbar, die in einer kognitiven Leitdimension Verstehensprozesse strukturieren: „Aus gespeicherten Informationen und dem ständigen Input, den ihnen die Sinnesorgane liefern, konstruieren sie ein internes Modell der äußeren Wirklichkeit“ ([Metzinger 1999a]Metzinger, Thomas (1999): Subjekt und Selbstmodell. Die Perspektivität phänomenalen Bewusstseins vor dem Hintergrund einer naturalistischen Theorie mentaler Repräsentation. Mentis, Paderborn. |
Anmerkungen
Literatur
[Goodman 1995a]Goodman, Nelson (1995): Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. Suhrkamp, Frankfurt/M.[Johnson-Laird 1983a]Johnson-Laird, Philip N. (1983): Mental Models. Towards a Cognitive Science of Language, Inference and Conciousness. Cambridge University Press, Cambridge.[Külpe 1923a]Külpe, Oswald (1923): Vorlesungen über Logik. Hirzel, Leipzig.[Metzinger 1999a]Metzinger, Thomas (1999): Subjekt und Selbstmodell. Die Perspektivität phänomenalen Bewusstseins vor dem Hintergrund einer naturalistischen Theorie mentaler Repräsentation. Mentis, Paderborn.[Sachs-Hombach 1995a]Sachs-Hombach, Klaus (1995): Piktoriale Einstellungen. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bilder im Geiste: Zur kognitiven und erkenntnistheoretischen Funktion piktoraler Repräsentationen. Rodopi, Amsterdam.[Seel 1991a]Seel, Norbert M. (1991): Weltwissen und mentale Modelle. Hogrefe, Göttingen. Ausgabe 1: 2013 Verantwortlich: Lektorat:
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