Emblem: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
K Textersetzung - „{{GlosTab5}}↵<bibdummy>“ durch „{{GlosTab5}}“ |
||
| (42 dazwischenliegende Versionen von 4 Benutzern werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 10: | Zeile 10: | ||
<!--Ende header--> | <!--Ende header--> | ||
<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt--> | <!--Ab hier: eigentlicher Inhalt--> | ||
==Zu Begriff und Geschichte von Emblem und | ==Zu Begriff und Geschichte von Emblem und Em­ble­matik== | ||
: | : | ||
<!--Langzitate nur kursiv einegrückt, ohne Anführungszeichen--> | <!--Langzitate nur kursiv einegrückt, ohne Anführungszeichen--> | ||
:''Mit seinem umfangreichen | :''Mit seinem umfangreichen Textkor­pus und seinem großen Umfang an Vari­anten, der eine defi­nito­rische wie auch eine typo­logi­sche Erfas­sung der Gattung biswei­len als schier aussichts­loses Unter­fangen erschei­nen läßt, ist das Emblem ohne Zweifel die produk­tivste der kleinen, im 16., 17. und noch im 18. Jahrhun­dert produk­tiven Wort-​Bild-​Gattun­gen'' (<bib id='Scholz 2002a'></bib>: S. 15). | ||
: | : | ||
Ein Emblem (ἔμβλημα) ist eine | Ein Emblem (ἔμβλημα) ist eine spezi­fische Bild und Text kombi­nieren­de Gattung unei­gentli­cher, argu­menta­tiver Rede. Im Laufe des 16. bis 18. Jahrhun­derts avan­cierte die Emble­matik als konse­quentes­te Umset­zung des [[Ut pictura poesis|''Ut pictu­ra poesis'']] (vgl. <bib id='Heckscher & Wirth 1967a'></bib>: S. 88) in ganz West-​Euro­pa zu einer zentra­len Kultur­technik und zum inte­gralen Bestand­teil frühneu­zeitli­cher Wissens­ordnung. Konsti­tutiv für Emble­me sind ihre alle­gori­sche Verweis­struktur und eine regel­gelei­tete Kombi­nato­rik, die in der cice­roni­ani­schen Rheto­rik gründet.<ref>Zur Funk­ti­on der To­pik in­ner­halb früh­neu­zeit­li­cher Wis­sens­ord­nun­gen vgl. grund­le­gend <bib id='Schmidt-Biggemann 1983a'>Schmidt-​Big­ge­mann 1983a</bib>; für die rhe­to­risch-​phi­lo­so­phi­sche Ar­gu­men­ta­ti­ons­leh­re, die eben­so kon­sti­tu­tiv für die Em­ble­ma­tik ist, vgl. <bib id='Schmidt-Biggemann 2007a'>Schmidt-​Big­ge­mann 2007a</bib>: S. 229-​246.</ref> | ||
: | : | ||
Embleme stehen in enger | Embleme stehen in enger Verbin­dung mit ande­ren Text-​Bild-​Gene­ra wie der Impre­se (die in der Regel einen persön­lichen Leit­satz visu­ali­siert), dem Rebus (einem meist visu­ell verschlüs­selten Bilder­rätsel von Worten oder Senten­zen) oder der Renais­sance-​[[Hieroglyphen, Hieroglyphendiskurs|Hiero­glyphik]] (von der man annahm, ihre Bildzei­chen böten einen unmit­telba­ren Zugang zur göttli­chen Erkennt­nis). Im Laufe ihrer rund 250-​jähri­gen Geschich­te bildet die Emble­matik zahlrei­che Struktur­formen heraus (vgl. <bib id='Heckscher & Wirth 1967a'></bib>), von denen der bekann­teste Struktur­typ eine spezi­fische Dreitei­ligkeit aufweist, wie sie in dem 1531 in Augsburg publi­zierten ersten Emblem­buch des Mailän­der Juris­ten Andreas Alci­atus vorge­geben ist. Der Verle­ger Heinrich Steyner verband in diesem «Emble­matum liber» die von Alci­atus verfass­ten Epi­gramme mit Holzschnit­ten (nach Zeichnun­gen des Augsbur­ger Malers Jörg Breu dem Älte­ren) und schuf so einen emble­mati­schen Proto­typen. Dieser Proto­typ fand rasch breite Aufnah­me inner­halb der ''res­publi­ca litte­raria'' – auch deshalb, weil er durch eine der leistungs­fähigs­ten [[Bilder als Medien|Medien­techni­ken]] der Zeit, der Verbin­dung von Buchdruck und Holzschnitt, verbrei­tet wurde. | ||
: | : | ||
[[Datei:Emblem1. | [[Datei:Alciatus Emblem1.png|thumb|Ab­bil­dung 1: Al­ci­a­tus’ «Pau­per­ta­tem sum­mis» in der Augs­bur­ger Ver­si­on (1531)]] | ||
Die | Die meis­ten Em­ble­me des «Em­ble­ma­tum li­ber» be­ste­hen wie das Bei­spiel in Ab­bil­dung 1 aus ei­ner In­scrip­tio (Lem­ma, Mot­to, Ob­schrift), ei­ner Pic­tu­ra (Icon, Sym­bo­lum) so­wie ei­ner Sub­scrip­tio (oder Un­ter­schrift). <ref>Zu ‘Icon’ ⊳ [[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'|Griechisch: ‘agalma’, ‘phantasma’, ‘eidolon’, ‘typos’, ‘eikon’]] und zu ‘Pic­tu­ra’ ⊳ [[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago'|La­tei­nisch: ‘ef­fi­gies’, ‘spe­cies’, ‘si­mu­lac­rum’, ‘ima­go’]].</ref> | ||
: | : | ||
Die | Die In­scrip­tio „Pau­per­ta­tem svm­mis in­ge­nijs obes­se ne pro­ue­han­tur“ gibt in Form ei­nes kur­zen Sinn­spruchs das The­ma des Em­blems vor und ord­net es zu­gleich ei­nem be­stimm­ten Kon­text zu, der den ex­ege­ti­schen Rah­men des Em­blems fest­legt (vgl. <bib id='Neuber 1993a'>Neu­ber 1993a</bib>). Die Pictu­ra zeigt einen Gelehr­ten (codiert durch Hut und Mantel), dessen rechter beflü­gelter Arm in Richtung Himmel, der linke hinge­gen, mit einem Stein beschwert, Richtung Erde strebt. Sein Blick folgt dem empor­streben­den, nicht dem beschwer­ten Arm. Die Subscrip­tio des Alci­atus-​Emblems besteht aus zwei Disti­chen. Das erste gibt eine [[Ekphrasis|Ekphra­sis]], die mit der Pictu­ra korres­pondiert:<ref>Die of­fen­sicht­li­che Ver­tau­schung der Sei­ten links und rechts in der Pic­tu­ra wur­de in spä­te­ren Aus­ga­ben des «Em­ble­ma­tum li­ber» kor­ri­giert.</ref> | ||
: | : | ||
:''Dextra tenet lapidem, manus altera sustinet alas.'' | :''Dextra tenet lapidem, manus altera sustinet alas.'' | ||
::''Vt me pluma leuat, sic graue mergit onus,'' | ::''Vt me pluma leuat, sic graue mergit onus,'' | ||
:''Ingenio poteram superas uolitare per arces,'' | :''Ingenio poteram superas uolitare per arces,'' | ||
::''Me nisi paupertas inuida deprimeret.''<ref>In der | ::''Me nisi paupertas inuida deprimeret.''<ref>In der Über­set­zung Wolf­gang Hun­gers für die Aus­ga­be Paris 1542: „Mein rech­te hand ein stayn be­schwert, Die linck er­horcht ein fe­der ring: Der stayn zeucht doch so vast zu erd, Das ich mich nit in dhoch er­schwing. Was zaygr vnnß an ein so­lich ding? Man­cher ist wol ge­born zu kunst, Di in zu ho­chen eh­ren bring, Doch so er arm, ists alls vmb sunst“ <bib id='Alciatus 1967a'>Al­ci­a­tus 1967a</bib>: S. 47.</ref> | ||
: | : | ||
Das zweite Distichon stellt dann die | Das zweite Distichon stellt dann die Verbin­dung zur Inscrip­tio her, indem es die Pictu­ra auslegt: Die Armut hindert den intel­lektuell und künstle­risch Begab­ten daran, seine Fähig­keit voll zu entfal­ten. Auch wenn der bilder­zeugen­de, ekphras­tische Teil der Subscrip­tio der Evi­dentia (also dem Vor-​Augen-​Stellen eines Sachver­haltes oder eines Argu­ments) dient, so aktu­ali­siert erst das Zusam­menspiel aller Teile das dem Emblem zugrun­de liegen­de Argu­ment. | ||
: | : | ||
Aus dieser im «Emblematum liber» | Aus dieser im «Emblematum liber» vorzufin­denden dreitei­ligen Emblem­struktur leite­te Albrecht Schöne einen Ideal­typus ab, den er unter der Formel einer „Doppel­struktur des Abbil­dens und Ausle­gens oder des [[Darstellung|Darstel­lens]] und Deutens“ (<bib id='Schöne 1993a'></bib>: S. 21) zu klassi­fizie­ren versuch­te, wobei er im Prozess der Sinner­zeugung der Pictu­ra den Vorrang vor den beiden ande­ren Konsti­tuenten zuschrieb. Die Kritik an Schönes Ideal­typus ließ nicht lange auf sich warten.<ref>Vgl. aus­führ­lich <bib id='Sulzer 1992a'>Sul­zer 1992a</bib>: S. 32-​40, zu­letzt auch <bib id='Scholz 2002a'></bib>: S. 15-​41.</ref> Bernhard F. Scholz zeigt die Nähe des Emblems zu ande­ren symbo­lischen Formen wie dem Rebus, der Impre­se, der Renais­sance-​Hiero­glyphik auf der Grundla­ge histo­rischer Begriffs­bestim­mungen, denen er in erster Linie Trakta­te zur Impre­se, die von Emble­mati­kern vielfach zitiert wurden, zugrun­de legt. Allen diesen symbo­lischen Formen ist ein beson­derer Rätsel­charak­ter gemein­sam, der sich aus der Verläss­lichkeit eines noch uni­versal-​göttli­chen Verweis­systems, dem mittel­alter­lichen ''ordo'', speist, in welchem alles mit allem in einem symbo­lisch-​alle­gori­schen Bezug steht und der die Dinge der Welt inner­halb einer topisch orga­nisier­ten Wissens­ordnung dispo­nibel hält.<ref>Zur Be­deu­tung der To­pik als Ord­nungs­sys­tem für die Em­ble­ma­tik vgl. <bib id='Scholz 2002a'></bib>, ins­be­son­de­re S. 43-​62 so­wie <bib id='Kocher 2007a'>Ko­cher 2007a</bib>, <bib id='Kocher 2010a'>Ko­cher 2010a</bib>, <bib id='Kocher 2011a'>Ko­cher 2011a</bib> und <bib id='Manns 2007a'></bib> so­wie <bib id='Manns 2012a'></bib>.</ref> Diese poeto­logisch verwand­ten Formen wenden sich in erster Linie an eine Gelehr­tenschicht, die diese Rätsel­struktur zu dechiff­rieren in der Lage ist. | ||
: | : | ||
Im Laufe ihrer Gattungsgeschichte bildete die | Im Laufe ihrer Gattungsgeschichte bildete die Emble­matik eine Vielzahl von Formva­rianten aus, die mehr oder weni­ger von dieser struktu­rellen Dreiglied­rigkeit abwei­chen, wie etwa die gegen Mitte des 17. Jahrhun­derts immer popu­läre­ren „mehr­ständi­gen Sinnbil­der“, die aus bis zu zehn mitein­ander zu einer Sinnein­heit verbun­denen Emble­men beste­hen können. Trotz ihrer Vielfalt ist diesen Gebil­den eine [[Metonymie|meto­nymi­sche]] bzw. [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie|meta­phori­sche]] Rela­tion von Text und Bild eigen (vgl. <bib id='Scholz 1997a'></bib>). Emble­me stellen abstrak­te, unan­schauli­che Begrif­fe, Ideen, Argu­mente in der Regel mit dem Ziel vor Augen, ein bestimm­tes abstrak­tes Wissen zu speichern und dispo­nibel zu halten. Das verbin­det die Emble­matik mit ande­ren Formen von frühneu­zeitli­chen Text-​Bild-​Gene­ra, insbe­sonde­re jedoch mit der Mnemo­nik. Kultur­histo­risch äußert sich dies in einer Vielzahl emble­mati­scher Enzy­klopä­dien, wie die gegen Ende des 16. Jahrhun­derts entstan­dene «Symbo­la et emble­mata» des Nürnber­ger Juris­ten Joachim Came­rarius. Gegen Ende der Emble­matik sind es gera­de diese Enzy­klopä­dien, die davon zeugen, wie die Emble­matik als topisch orga­nisier­te Wissens­speicher inso­fern an ihre struktu­rellen Grenzen stößt, als sie die Menge des Wissens nicht sinnvoll aufzu­nehmen im Stande ist. Mit den ersten Emblem­enzy­klopä­dien erfährt die Emble­matik eine Funktions­erwei­terung, die vor kaum einem frühneu­zeitli­chen Wissens­gebiet halt macht. | ||
: | : | ||
Die Funktionserweiterung der Emblematik drückt sich nicht nur dadurch aus, dass im | Die Funktionserweiterung der Emblematik drückt sich nicht nur dadurch aus, dass im deutsch­sprachi­gen Raum zu Beginn des 17. Jahrhun­derts der Ausdruck ‘Emblem’ allmäh­lich durch das – vom nieder­ländi­schen ‘zinne­beeld’ abge­leite­te – ‘Sinnbild’ ersetzt wird. Sie zeigt sich auch in der zuneh­menden Bedeu­tung, die die Emble­matik über­haupt für die frühneu­zeitli­che Wissens­distri­bution und Wissens­produk­tion spielt. Sie wird mit didak­tischen, medi­tati­ven und reprä­senta­tiven Absich­ten funktio­nali­siert, wobei es alle nur denkba­ren Zwischen­formen zwischen diesen Makro­berei­chen gibt und die Über­gänge fließend sind. Es wurde daher aus er­schließungs­pragma­tischen Gründen vorge­schlagen, die Vielfalt an Emblem­bücher wie folgt zu syste­mati­sieren: in Impre­senli­tera­tur, in ethisch-​mora­lische Emble­matik, in weltli­che Liebes­emble­matik, in poli­tische Emble­matik und schließlich in reli­giöse Emble­matik sowie in Emblem­enzy­klopä­dien, die sich wiede­rum in zahlrei­che Unter­kate­gorien diffe­renzie­ren lassen.<ref>Die­se Lis­te folgt der Sys­te­ma­ti­sie­rung zur Er­schlie­ßung der Mün­chner Em­blem­bü­cher; vgl. [http://mdz1.bib-bvb.de/~emblem/dig-cpl.html Mün­chner Di­gi­ta­li­sie­rungs­Zen­trum] oder auch die Struk­tu­ren un­ter­schied­li­cher Ty­pen in <bib id='Heckscher & Wirth 1967a'>Heck­scher & Wirth 1967a</bib>.</ref> | ||
==Ausgewählte Emblemtheorien des 16. und 17. | ==Ausgewählte Emblemtheorien des 16. und 17. Jahr­hun­derts== | ||
In Anbetracht der bedeutenden Stellung, die die | In Anbetracht der bedeutenden Stellung, die die Emble­matik inner­halb der frühneu­zeitli­chen Sinnbild­syste­me einnimmt,<ref>In die­ser Ein­schät­zung sind sich Kunst- und Li­te­ra­tur­wis­sen­schaf­ten ei­nig; vgl. et­wa <bib id='Greene 1982a'></bib>, <bib id='Scholz 2002a'></bib> und <bib id='Warncke 2005a'>Warn­cke 2005a</bib>.</ref> ist es erstaun­lich, dass kaum theore­tisch verbind­liche zeitge­nössi­sche Refle­xionen über eine Poetik des Emblems über­liefert sind. Die meisten Vorre­den und Trakta­te, die sich zur Ursprungs­frage der Emble­matik äußern, wieder­holen sich meist und werden der emble­mati­schen Formen­vielfalt ihrer Zeit kaum gerecht. Produk­tionsäs­theti­sche und/​oder rezep­tionsäs­theti­sche Poeto­logien des Emblems sind eine Selten­heit. | ||
: | : | ||
Im Folgenden wird eine | Im Folgenden wird eine exemplari­sche Auswahl emblem­theore­tischer Posi­tionen skizziert, die von Andreas Alci­atus über Johann Fischart und Johann Wilhelm Zincgref bis in die Mitte des 17. Jahrhun­derts zu Georg Philipp Hars­dörffer und Justus Georg Schotte­lius reicht. Bei Harsdörf­fer finden sich erstmals umfang­reiche Bestim­mungen, die der Emblem­praxis und der seit der Jahrhun­dertwen­de erheb­lich wachsen­den Funktions­vielfalt der Emble­matik gerecht zu werden versu­chen. | ||
===Alciatus: «Emblematum liber»=== | ===Alciatus: «Emblematum liber»=== | ||
Die Begriffsgeschichte der | Die Begriffsgeschichte der Emble­matik beginnt, wie gesagt, mit dem 1531 von Heinrich Steyner in Augsburg verleg­ten «Emble­matum liber», in dem er unau­tori­siert ein 104 Epi­gramme umfas­sendes Manu­skript des Juris­ten Andreas Alci­atus mit Holzschnit­ten von Jörg Breu verband und auf diese Weise eher zufäl­lig die Dreitei­ligkeit schuf, die dann auf die neue Text-​Bild-​Gattung über­tragen wurde.<ref>Vgl. zum Em­blem­be­griff grund­sätz­lich <bib id='Miedema 1968a'>Mie­de­ma 1968a</bib> und <bib id='Balavoine 1981a'>Ba­la­voine 1981a</bib>.</ref> Was Alci­atus selbst unter ‘Emblem’ verstand wird andeu­tungswei­se in seinem dem Augsbur­ger Huma­nisten Konrad Peutin­ger zuge­dachten Widmungs­epi­gramm fassbar: | ||
: | : | ||
:'' | :''Die weyl die kinder yren thand'' | ||
:: | ::''Mit nussen vnd der gleychen hand,'' | ||
:''Mit wurfflen spilen iunge leut,'' | |||
::''Den faulen man die karten freud,'' | |||
:'' | :''Hab ich zu schreiben lust und will'' | ||
:: | ::''Berumter kunstler bossen vil,'' | ||
:''Welich mag brauchen yederman'', | |||
::''Wo man das sol haymlich uerstan.'' | |||
:''In klyd, teppich, tisch, oder schilt'' | |||
::''On gschrift redt doch ein solich bild.''<ref><bib id='Alciatus 1967a'>Al­ci­a­tus 1967a</bib>: S. 16 (Über­set­zung Wolf­gang Hun­ger); la­tei­nisch: „Dum pue­ros iug­lans, iuue­nes dum tes­se­ra fal­lit, / De­sti­net & seg­nes char­tu­la pic­ta ui­ros. / Haec nos fe­sti­uis Em­ble­ma­ta cu­di­mus ho­ris, / Ar­ti­fi­cum il­lus­tri sig­na­que fac­ta ma­nu. / Ve­sti­bus ut to­ru­los, pe­ta­sis ut fi­ge­re par­mas, / Et ua­leat ta­ci­tis scri­be­re quis­que no­tis“ (<bib id='Alciatus 1531a'>Al­ci­a­tus 1531a</bib>: fol. a2<sup>r</sup>).</ref> | |||
: | : | ||
Abgesehen davon also, dass die von | Abgesehen davon also, dass die von Alci­atus erfun­denen Emble­me einem sinnvol­len Zeitver­treib dienen sollen, sieht er in ihnen Vorla­gen für die Verzie­rung von Kleidung und ande­ren Arte­fakten, wobei es ihm weni­ger auf die grafi­sche Umset­zung der bilder­zeugen­den Teile der Epi­gramme anzu­kommen scheint, sondern auf das dem Epi­gramm zugrun­delie­gende Kernar­gument. Welchen Themen­berei­chen die Argu­mente entnom­men werden können, erläu­tert Alci­atus seinem Freund Frances­co Calvo in einem Brief vom 9. Dezem­ber 1522: | ||
: | |||
:''[Danach] habe ich das Büchlein mit Epi­grammen zusam­menge­stellt, und als ''Emble­mata'' benannt, da ich dort einzel­ne Epi­gramme beschrei­be, die ele­gante Dinge aus der Geschich­te oder der Natur bezeich­nen“.<ref>[Über­set­zung des Ver­fas­sers]; la­tei­nisch: „li­bel­lum com­po­sui epi­gram­ma­ton, cui ti­tu­lum fe­ci Em­ble­ma­ta: sin­gu­lis enim epi­gram­ma­ti­bus ali­quid de­scri­bo, quod ex hi­sto­ria [!], vel ex re­bus na­tu­ra­li­bus ali­quid ele­gans si­gni­fi­cet“ (zit. nach <bib id='Miedema 1968a'>Mie­de­ma 1968a</bib>: S. 236).</ref> | |||
: | |||
Für die Epi­gramme des «Emble­matum liber» hat sich Alci­atus vor allem bei der «Antho­logia Graeca», dem «Physio­logus» und der «Hiero­glyphi­ca» des Hora­pollo bedient.<ref>Zu Al­ci­a­tus’ Quel­len für das «Em­ble­ma­tum li­ber» vgl. <bib id='Köhler 1986a'>Köh­ler 1986a</bib>.</ref> | |||
===Fischart: «Kurtzer vnd | ===Fischart: «Kurtzer vnd Woldien­licher Vor­bericht»=== | ||
Alciatus’ kunsthandwerkliche | Alciatus’ kunsthandwerkliche Impli­kation des Emblems im Sinne einer Intar­sie oder Ein­lege­arbeit prägt einer­seits noch das erste deutsch­sprachi­ge Emblem­traktat, das Johann Fischart (1546/​47–​1590) als Vorwort dem 1581 in Straßburg erschie­nenen «Emble­matum tyro­cinia» Matthias Holtz­warts voran­stellte. Ande­rerseits leitet Fischart in diesem «Kurtze[n] vnd Woldien­liche[n] Vorbe­richt / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emble­maten / oder Einge­blömeten Zier­wercken» den Emblem­begriff noch aus der Heral­dik und dem mili­täri­schen Standar­tenwe­sen ab und schlägt damit eine Verbin­dung zur Impre­sentra­dition. Bereits Paolo Giovio wies in seinem berühm­ten und einfluss­reichen «Dialo­go dell’Impre­se Mili­tari et Amo­roso» (Rom 1555) auf die memo­rati­ve Kraft dieser Bild- und Gedächt­niszei­chen hin.<ref>Kon­sti­tu­tiv für die Im­pre­sen- wie für die Em­blem­the­o­rie wur­den Gio­vios fünf Grund­re­geln für ei­ne voll­kom­me­ne Im­pre­se: (1.) Wort (See­le) und Bild (Kör­per) ha­ben in ei­nem aus­ge­wo­ge­nen Ver­hält­nis zu ste­hen. Die Im­pre­se darf (2.) nicht zu un­ver­ständ­lich, aber zu­gleich auch nicht zu ein­fach zu ver­ste­hen sein, son­dern sie soll ob­skur sein, also ein Rät­sel ent­hal­ten, das den In­tel­lekt he­raus­for­dert. Sie soll (3.) an­ge­nehm zu be­trach­ten sein und darf (4.) kei­ne mensch­li­chen Ge­stal­ten ab­bil­den. Schließ­lich soll (5.) die fremd­spra­chi­ge In­scrip­tio kurz sein – Gio­vio for­dert ei­ne Be­schrän­kung auf drei Wör­ter; zur norm­bil­den­den Be­deu­tung von Pao­lo Gio­vios «Dia­lo­go» vgl. <bib id='Sulzer 1992a'>Sul­zer 1992a</bib>: S. 109-​137, <bib id='Scholz 2002a'></bib>: S. 63-​77 und <bib id='Scholz 2007a'></bib>.</ref> Fischart sieht die Aufga­be der „Gedenck­zeychen“ darin, dem Rezi­pienten dazu zu verhel­fen, sich der „Vorfah­ren Glück vnd Fall […] zu erin­nern“ (<bib id='Fischart 1581a'></bib>: fol. a8<sup>r</sup>). Wenn Fischart die enge Verwandt­schaft des Emblems mit der Impre­se betont, weist er zugleich auf sozial­diszi­plina­rische und gesell­schaftsord­nende Dimen­sionen dieser Text-​Bild-​Verbin­dungen hin. An den Wappen sind die Mitglie­der des Hofes iden­tifi­zierbar, ihr sozia­les Gewicht und Presti­ge allen einsich­tig. Die Emble­matik wird in dieser Hinsicht als der kultur­histo­rische Versuch gewer­tet, auch dem gesell­schaftlich-strati­fika­tori­schen Bedeu­tungsver­lust der Heral­dik zu begeg­nen.<ref>„Heu­tigs Tags aber sein sol­che Wa­pen so ge­meyn wor­den / daß sich de­ren schier ent­we­der je­der Hel­ler­rich­ti­ger an­nim­met / oder je­der Höf­ling der al­ten eyn­fal­ti­gen wol­ge­gründ­ten sich be­schä­met / vnd nach En­gel­län­di­schem Miß­brauch mit vil Quar­ti­ren vnd Hel­men ver­wir­ret“ (<bib id='Fischart 1581a'>Fi­schart 1581a</bib>: fol. b1<sup>v</sup> b2<sup>r</sup>).</ref> Um diesen aufzu­fangen, hätte man, so Fischart, damit begon­nen, die | ||
: | : | ||
:''nach Exempel der Römischen Keyser | :''nach Exempel der Römischen Keyser beson­dere vergrif­fene Kunst­gemärck vnd Fund­zeychen / sammt darzu dien­lichen kurtzen Sprüchen / Reimen / Divi­sen vnd buch­staben / so die Deitung begreif­fen vnd erhal­ten / zuer­finden'' (<bib id='Fischart 1581a'></bib>: fol. b2<sup>r</sup>). | ||
: | : | ||
Habe die Heraldik erst einmal ihre | Habe die Heraldik erst einmal ihre tradi­tionel­le Funktion verlo­ren, sei es nur noch ein kleiner Schritt hin zum Anfer­tigen von „Poeti­schen Geheim­nußleh­rigen Gemäh­len: vnd diesel­bige jnen selbs / oder andern zugleich neben jnen zu frucht­barli­cher Erin­nerung offent­lich fürzu­malen“ (<bib id='Fischart 1581a'></bib>: fol. a3<sup>v</sup>). Eine Erklä­rung jedoch, wie die produk­tionsäs­theti­schen Regeln emble­mati­scher Inven­tio ausse­hen und wie die poten­tiellen seman­tischen Aufla­dungen solcher „Ge­märcke“ zustan­de kommen, bleibt Fischart seinen Lesern schuldig. Eine Anlei­tung zum Erfin­den eige­ner Emble­me ist sein Traktat nicht. | ||
===Zincgref: «Emblematum ethico- | ===Zincgref: «Emblematum ethico-​poli­tico­rum»=== | ||
Fischarts Argumente finden sich einige Zeit später auch bei Johann Wilhelm Zincgref (1591-1636) wieder, dem | Fischarts Argumente finden sich einige Zeit später auch bei Johann Wilhelm Zincgref (1591-​1636) wieder, dem Heidel­berger Huma­nisten und Doktor beider Rechte. In der «Praefa­tio de ori­gine et usu emble­matum» seines «Emble­matum ethi­co-​poli­tico­rum», erstmals 1619 in Frankfurt am Main bei Theodor de Bry erschie­nen, wieder­holt er einer­seits die bereits bekann­ten kunsthand­werkli­chen Argu­mente<ref>„De­ri­vant il­lud ἀπὀ […] ἐμ­βάλ­λω, eò quod va­sis, aliis­que id ge­nus uten­si­li­bus apud ve­te­res in­se­re­ban­tur, re­vel­le­ban­tur­que, cum li­bi­tum erat“ (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc­gref 1664a</bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 1<sup>r</sup>); deutsch: „Man lei­tet es her [vom grie­chi­schen] ''em­bal­lo'' [ein­le­gen], weil bei Ge­fä­ßen und an­de­ren Ge­brauchs­ge­gen­stän­den die­ses Ver­fah­ren von den Al­ten, je nach­dem, als In­tar­sia oder In­ta­glio an­ge­wandt wur­de“ (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc­gref 1664a</bib>: Bd. 2, S. 16).</ref> und knüpft ande­rerseits an die bereits von Alci­atus der Emble­matik zugrun­de geleg­ten Renais­sance-​Hiero­glyphik an. Emble­me sind den Hiero­glyphen ana­loge Schriftzei­chen.<ref>Zum Zu­sam­men­hang der Re­nais­san­ce-​Hie­ro­gly­phik und der Em­ble­ma­tik vgl. be­reits <bib id='Volkmann 1923a'>Volk­mann 1923a</bib>.</ref> Auch die Emble­me sollen wie diese auf Hermes Trisme­gistos zurück­geführ­ten ideo­graphi­schen Zeichen Menta­les in Bildern vor- und darstel­len: „Primi per figu­ras ani­malius […] Ægyp­tii sensus mentis effin­gebant […]“ (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc­gref 1664a</bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 1<sup>r</sup>)).<ref>„Als ers­te ha­ben die Ägyp­ter in Tier­bil­dern Ge­dank­li­ches dar­ge­stellt […]“ (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc­gref 1664a</bib>: Bd. 2, S. 17.)</ref> Zugleich aber haben, wie Alci­atus bereits beton­te, diese hiero­glyphi­schen Zeichen die Kraft, Dinge direkt zu bezeich­nen. Zinc­gref beruft sich auf Diodo­rus Sicu­lus und beschreibt das ''emble­matum scribe­re'' als das Verbin­den einzel­ner Bild­ele­mente (''res pictae'') wie die Darstel­lung vom Tieren, von menschli­chen Glied­maßen oder von Gegen­ständen auf der einen Seite mit bestimm­ten menta­len Konzep­ten auf der ande­ren Seite, damit die mit ihnen verbun­denen Argu­mente leichter im Gedächt­nis behal­ten werden können. Er verbin­det das huma­nisti­sche Konzept der Hiero­glyphik mit einer mnemo­techni­schen Funktion und weiß dies durch Auto­ritä­ten wie Taci­tus oder Diodo­rus Sicu­lus zu bele­gen. | ||
: | : | ||
:'' | :''Dem schließt sich der durch sein Alter zuver­lässig­ste Zeuge, Diodo­rus Sicu­lus, an: Über die äthio­pischen Buchsta­ben und die, welche die Ägyp­ter Hiero­glyphen nennen, muß etwas gesagt werden: Die ältes­ten darun­ter ähneln meist verschie­denen Tieren, Menschen­gliedern und Werkzeu­gen. Das Wesen der Schrift besteht bei ihnen nämlich nicht im Zusam­menfü­gen von Silben; vielmehr in der Bestim­mung der darge­stellten Bilder und dessen, was sie im Gedächt­nis hervor­rufen, wird der unter­legte Sinn ausge­drückt und verdeut­licht“.<ref><bib id='Zincgref 1664a'>Zinc­gref 1664a</bib>: Bd. 2, S. 17; la­tei­nisch: ''Huic ac­ce­dit lo­cu­ple­tis­si­mus ab an­ti­qui­ta­te te­stis Dio­do­rus Si­cu­lus, qui, de li­te­ris, in­quit, Æ­thio­pi­cis, & his, quas Hie­ro­gly­phi­cas Æ­gyp­tiis no­mi­nans, ali­quid di­cen­dum est. Pri­ma ista­rum va­riis be­stiis & ho­mi­num mem­bris, in­stru­men­tis­que fa­bri­li­bus po­tis­si­mum as­si­mi­les sunt. Nam ars apud eos li­te­ra­ria non com­po­si­tio­ne syl­la­ba­rum, sed de­scrip­ta­rum ima­gi­num sig­ni­fi­cant & trans­la­tio­ne per ex­er­ci­ta­tio­nem me­mo­riae in­sculp­ta, sub­jec­tam ora­tio­nem ex­pri­mit & ab­sol­vit'' (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc­gref 1664a</bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 1<sup>r</sup>).</ref> | ||
: | : | ||
Zugleich erweitert Zincgref damit den | Zugleich erweitert Zincgref damit den Emblem­begriff zu einem ''um­brella term'': | ||
: | : | ||
:''Wer sieht nun nicht aus dem, was wir gesagt haben, daß Emblem die | :''Wer sieht nun nicht aus dem, was wir gesagt haben, daß Emblem die allge­meinste Bezeich­nung ist, womit jedes Gebil­de, sei es gemalt oder graviert, bezeich­net wird, und daß es in seinem Bereich jene ande­re Art allge­meiner Emble­me umfaßt, die einen allge­meinen Lehrge­danken be­inhal­ten: entwe­der die Verdeut­lichung der Tugend oder die Verwün­schung des Las­ters, oder schließlich Anlei­tung zur Klugheit; […].''<ref> (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc­gref 1664a</bib>: Bd. 2, S. 24); la­tei­nisch: “At quis non vi­det, ex ijs quae di­xi­mus, Em­ble­ma ge­ne­ra­lis­si­mum es­se no­men, quo quae­vis fi­gu­ra, si­ve pic­ta, si­ve cae­la­ta, sig­ni­fi­ca­tur, quod­que sub am­bi­tu suo com­plec­ta­tur il­lam al­te­ram spe­ciem Em­ble­ma­tum uni­ver­sa­lium, ha­ben­tium ali­quod noë­ma dog­ma­ti­cum ge­ne­ra­le: vel sig­ni­fi­ca­tio­nem vir­tu­tis, vel de­te­sta­tio­nem vi­tij, vel de­ni­que in­struc­tio­nem ad pru­den­tiam […]” (<bib id='Zincgref 1664a'>Zinc­gref 1664a</bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 3<sup>r-v</sup>). —– Die­se und die fol­gen­den Über­set­zun­gen fol­gen der von Ar­thur Hen­kel und Wolf­gang Wie­mann auf der Ba­sis der Edi­tio ul­ti­ma besorg­ten Aus­ga­be von 1664.</ref> | ||
: | : | ||
Zincgref verwendet den Ausdruck ‘Emblem’ | Zincgref verwendet den Ausdruck ‘Emblem’ uni­versal für Text-​Bild-​Verbin­dungen. Die Über­gang von Emblem, Impre­se und Hiero­glyphe sind fließend. Ihnen allen eignet Symbol- bzw. Gleichnis­haftig­keit und sie können von einem allge­meinen Emblem (''Emble­ma commu­nia sive uni­versa­lia''), wie Zincgref es nennt, in ein Einzel­emblem (''Emble­ma singu­lare'') indi­vidu­ell verwan­delt werden – und ''vice versa''. Als solche fänden sie dann auf Devi­sen oder Wappen Verwen­dung. Sie alle über­führen [[Vorstellungsbilder / Mentale Modelle|Vorstel­lungsbil­der]] (''ima­gines vivan­tes''), etwa über hero­ische Taten und ihre seeli­schen Abbil­der (''simu­lacra ani­morum'') durch poeti­sche Bear­beitung in körper­hafte Bilder (''pictae''), um als Vorbild dem Gedächt­nis der Nachwelt verfüg­bar zu bleiben (vgl. <bib id='Zincgref 1664a'></bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 3<sup>v</sup>). Für Zincgref besteht die unein­geschränk­te Leistung der Emble­me darin, unse­ren Geist durch Gleichnis­haftig­keit und Ana­logie­bildung zu Wahrneh­mungen zu führen, zu denen die äuße­ren Sinne nicht im Stande sind (vgl. <bib id='Zincgref 1664a'></bib>: Bd. 1, fol. ):( ):( 4<sup>r</sup>). Emble­me sind Erkennt­nis- und Ordnungs­mittel in Einem. Sie halten Wissen verfüg­bar und sind in der Lage, neues Wissen und neue Erkennt­nisse auf Basis der Rekom­bina­tion und Ana­logie­bildung zu gene­rieren.<ref>Im Rah­men der an der FU Ber­lin be­hei­ma­te­ten DFG-​For­scher­gruppe «To­pik und Tra­di­ti­on» untersuchte das Projekt «Ima­gi­nes et Pic­tu­rae» eben die­se em­ble­ma­ti­schen Sinn­bil­dungs­ver­fah­ren; vgl. da­zu <bib id='Kocher 2007a'>Ko­cher 2007a</bib>, <bib id='Manns 2007a'></bib>, <bib id='Manns 2009a'></bib>, <bib id='Kocher 2010a'>Ko­cher 2010a</bib> so­wie <bib id='Kocher 2011a'>Ko­cher 2011a</bib>. Die Ab­schluss­mo­no­gra­fie er­scheint En­de 2013.</ref> | ||
===Harsdörffer: | ===Harsdörffer: «Frauen­zimmer Ge­spräch­spiele» und «Mord­ge­schich­te»=== | ||
Wiederum einige Jahrzehnte nach Zincgref begibt sich der | Wiederum einige Jahrzehnte nach Zincgref begibt sich der Nürnber­ger Patri­zier, Jurist und Poly­histor Georg Philipp Harsdörf­fer auf die Suche nach konkre­ten Umset­zungsmög­lichkei­ten dieser ana­logie­bilden­den Leistungs­fähig­keit des emble­mati­schen Gleichnis­ses. In seinen «Frauen­zimmer Gespräch­spielen» entfal­tet Hars­dörffer im gelehr­ten Dialog die umfas­sendste Synthe­se der seit gut hundert Jahren verhan­delten Emblem­theorien, was ihn, wie Gerhard F. Strasser resü­miert, „zum Gewährs­mann für die Emblem­theorie im deutschen Raum“ macht (<bib id='Strasser 2000a'></bib>: S. 41).<ref>Dem wi­der­spricht <bib id='Becker-Cantarino 2005a'>Be­cker-​Can­ta­ri­no 2005a</bib>: S. 10: „Aber Hars­dörf­fer als Theo­re­ti­ker? Be­kannt­lich gilt das 17. Jahr­hun­dert in Deutsch­land als ziem­lich theo­rie­los, wenn es um Kunst­theo­rie geht […].“</ref> | ||
: | : | ||
Zur Mitte des 17. Jahrhunderts hat die | Zur Mitte des 17. Jahrhunderts hat die Emble­matik eine Ausdif­feren­zierung hin zu einer un­über­sichtlich gewor­denen Formen­vielfalt erfah­ren, so dass kaum noch von ''dem'' Emblem und ''der'' Emble­matik gespro­chen werden kann. Zincgrefs ''um­brella term'' wies bereits die Richtung. Auch bei Hars­dörffer doku­mentiert sich nun der Struktur­wandel der Emble­matik in der Erset­zung von ‘Emble­matum’ durch ‘Sinnbild’: | ||
: | : | ||
:Es werden aber solche Gemähl und Schriften | :''Es werden aber solche Gemähl und Schriften Sinn­bilder genant / weil selbe von Bildern / vnd wenig Worten / darinn der Sinn / Meinung und Verstand deß Erfin­ders begrif­fen / zusam­menge­setzet: welche dann mehr weisen / als gemah­let oder geschrie­ben ist / in dem selbe zu ferne­ren Nach­denken füg­liche Anlaß geben.''<ref><bib id='Harsdörffer 1968a'>Hars­dörf­fer 1968a</bib>: Bd. 1, S. 73. —– Zu Hars­dörf­fers Em­blem­theo­rie vgl. <bib id='Kocher 2010a'>Ko­cher 2010a</bib> und <bib id='Kocher 2011a'>Ko­cher 2011a</bib>.</ref> | ||
: | : | ||
Text und Bild sind im Sinnbild so eng | Text und Bild sind im Sinnbild so eng aufein­ander bezo­gen, dass das eine [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen­system]] nicht ohne das ande­re auskommt. Harsdörf­fer betont dies in seiner emblem­theore­tischen Zuga­be zur dritten Aufla­ge des «Großen Schau-​Platzes jämmer­licher Mordge­schichte», die 50 Lehrsät­ze für die Inven­tio und Produk­tion von Sinnbil­dern präsen­tiert.<ref>Der Ti­tel die­ser klei­nen Schrift, die mit 100 mehr­stän­di­gen Sinn­bil­dern auf­war­tet, ist Pro­gramm: «Neue Zu­ga­be: C. Sinn­bil­dern Wel­che auf Fah­nen / Schau­pfen­ni­ge / in Stamm­bü­cher / Ta­pe­ten / Be­cher / Glä­ser / Fla­schen / Scha­len / Tel­ler / zu Trau­er und Freu­den­ge­dich­ten / Wie auch zu an­drer Zier­lich­keit / nach Be­lie­ben / ge­brau­chet wer­den kön­nen»; vgl. <bib id='Harsdörffer 1656a'>Hars­dörf­fer 1656a</bib>.</ref> Gleich zu Beginn der Schrift verweist er auf die maßgeb­liche Rolle, die die Ana­logie bei dieser Semi­ose von Text und Bild spielt. Denn das Bild könne, wie das Wort auch, eine eigent­liche (''sensus litte­ralis'') und un­eigent­liche (''sensus alle­gori­cus'') Bedeu­tung besit­zen und müsse bezüg­lich seiner un­eigent­lichen Bedeu­tung nochmals unter­schieden werden, je nachdem ob es sich um eine [[Allegorie|Alle­gorie]], die er als „Ico­nolo­gia“ oder „Bilder­kunst“<ref>„[A]ls da ist der Glaub / in Ge­stalt ei­ner Weibs­per­son / mit dem Kelch / Kreuz und Liecht / die hoff­nung mit dem Acker / die Ge­dult mit dem Lamm etc.“ (§3).</ref> bezeich­net, oder um ein Sinnbild handelt. Während erste­re sich durch stark konven­tiona­lisier­te Codie­rungen auszeich­nen, so dass sie als Zierde für „Gebäu­den / Tape­ten / Bücher­tituln und in viel andre wege“ (§3) dienen, schöpfen Sinnbil­der ihr Poten­tial aus ihrem Gleichnis­charak­ter, der aus der Spannung zwischen Text und Bild erzeugt wird und durch die „die in Sinnbil­dern enthal­tene Lehre leichter be­mercket / die Bitter­keit der Vermah­nung versüst / und die Lieblich­keit der Mahle­rey und Poete­rey kunst­artig mit gesam­ter wolstän­digkeit an das Liecht gesetzt“ (§7) wird, so dass idea­lerwei­se ein Sinnbild nicht ohne Berück­sichti­gung des Zusam­menspiels von Text- und Bild­code dechiff­riert werden könne (§23). | ||
: | : | ||
Die immer wieder dargestellten | Die immer wieder dargestellten Zusam­menhän­ge, in die die Emble­matik gestellt wird, werden von Hars­dörffer zum diskur­siven Ordnungs­muster der Verstän­digung über die Eigen­schaften des Gleichnis­ses. Die Ausfüh­rungen zur Sinnbild­kunst werden im ersten Band der «Gespräch­spiele» mit Ausfüh­rungen über das Gleichnis und die Gedächt­niskunst vorbe­reitet, die Impre­senkunst („Münzpreg“) schließt sich ihr an. Somit entspricht die diskur­sive Entfal­tung des Themas ziemlich genau den übli­chen Abhand­lungen über diesen Sachverhalt – aller­dings mit einem entschei­denden Unter­schied: Hars­dörffer stellt sie nicht mehr in eine kultur­histo­rische Entwick­lungsge­schichte, sondern behan­delt sie unter dem erkennt­nistheo­reti­schen Inte­resse poten­tieller Wissens­gene­rierung qua Ana­logie. Das Gleichnis, so sagt Hars­dörffer, sei die Quelle der Inven­tio und es sei „nichts in der gantzen Welt zu finden / welches nicht durch die Gleichnis belan­get werden könnte“ (<bib id='Harsdörffer 1969a'>Hars­dörffer 1969a</bib>: X, § 5, S. 54). | ||
===Schottelius: | ===Schottelius: «Ausführ­liche Arbeit von der teutschen Haubt­Sprache»=== | ||
Eine noch ausführlichere Definition von »Sinnbild« liefert der | Eine noch ausführlichere Definition von »Sinnbild« liefert der Wolfen­bütte­ler Geheim­rat und Frucht­bringer Justus Georg Schotte­lius, mit dem Hars­dörffer zeitle­bens in freund­schaftli­chem Austausch stand. In seiner 1663 erschie­nenen «Ausführ­lichen Arbeit von der teutschen Haubt­Sprache» verwirft er den alten Begriff »Emble­matum«, weil er ihm zu einsei­tig auf die kunsthand­werkli­che Funktion redu­ziert ist (vgl. <bib id='Schottelius 1663a'>Schotte­lius 1663a</bib>: S. 1105). Der Sinnbild-​Begriff zeige hinge­gen ein solches Bild an, | ||
: | : | ||
:dabey man etwas müsse zu Sinne fassen: Bild ist das letzte im Worte und also Grund / darum | :''dabey man etwas müsse zu Sinne fassen: Bild ist das letzte im Worte und also Grund / darum Haubt­sachlich unser nach­denken auf ein Bild / das ist / auf jedes / so Bild­weis vorge­stellet wird / gehen muß: Sinn aber / das bey­fugi­ge oder vorder­ste Wort­theil deutet an / daß solches Bild in sich ein sonder­lichen Sinn / sonder­liche Meynung und Deutung habe'' (<bib id='Schottelius 1663a'>Schotte­lius 1663a</bib>: S. 1106). | ||
: | : | ||
Im Sinnbild codiert das Bild das | Im Sinnbild codiert das Bild das zugrun­delie­gende Argu­ment, das durch das Lemma und even­tuell durch die Subscrip­tio konkre­tisiert, niemals aber verein­deutigt werden darf. Wie die Impre­se, so ist auch das Emblem ganz nach Maßga­be der Ars memo­rati­va durch jene ''obscu­ritas'' geprägt, die das verschlüs­selte Argu­ment nicht unmit­telbar einsich­tig macht und daher merk-​würdig auf den Rezi­pienten wirkt. In diesem Zusam­menspiel zwischen [[Proposition|propo­sitio­nalem Gehalt]] und [[Bildrhetorik|Bild­rheto­rik]] konsti­tuiert sich dieje­nige Quali­tät des Emblems, die im zeitge­nössi­schen Kontext so oft mit der Leib-​Seele-​Meta­pher ange­sprochen wird: | ||
: | : | ||
:Der Leib des | :''Der Leib des Sinn­bildes / als etwas schönes / ansehn­liches und eusser­liches / beste­het in einem Bilde oder Gemähl­te / welches auff das­selbe / was darun­ter ange­deutet und verbor­gen wird / das ist / auf seinen Sinn / muß deuten […]. Die Seele des Sinn­bildes / welche gleich­sam den Leib redend machet / beste­het in Worten / nemlich in des Sinn­bildes Deut­spruche und in dessen Ausle­gung'' (<bib id='Schottelius 1663a'>Schotte­lius 1663a</bib>: S. 1106). | ||
: | : | ||
Fehlt das Wort, so ist nicht mehr von einem Sinnbild, sondern von „einem | Fehlt das Wort, so ist nicht mehr von einem Sinnbild, sondern von „einem gemahl­ten Rätzel oder blossen Gemähl­te“ (ibid.: S. 1106) die Rede. | ||
==Ausblick== | ==Ausblick== | ||
Entsprechend vielgestaltig sind die | Entsprechend vielgestaltig sind die thema­tischen und inhalt­lichen Ausrich­tungen der Emblem­bücher. Sie reichen von der Impre­senli­tera­tur über eine ethisch-​mora­lische und poli­tische Emble­matik, zu der Fürsten­spiegel wie Zincgrefs erwähn­tes Emblem­buch eben­so zu zählen sind wie die pane­gyrische und Fune­ral-​Emble­matik, und die vor allem seit Beginn des 17. Jahrhun­derts infla­tionär einset­zende reli­giöse Emble­matik (unab­hängig von konfes­sionel­len Beschrän­kungen) bis hin zu mehrbän­digen Emblem­enzy­klopä­dien, die etwa das natur­kundli­che und mora­lische, aber auch theolo­gische Wissen der Frühen Neuzeit mitein­ander verbin­den; nicht zu verges­sen sind eben­falls die Kunst­bücher mit ihren Sammlun­gen an emble­mati­schen Topoi, für die etwa Cesa­re Ripas «Ico­nolo­gia» proto­typisch wurde, und der unüber­schauba­re Bereich ange­wandter Emble­matik.<ref>Die Auf­zäh­lung folgt der weit­aus dif­fe­ren­zier­te­ren Sys­te­ma­tik, die Diet­mar Peil der Er­schlie­ßung der Mün­chner Em­blem­buch­be­stän­de zu­grun­de leg­te; vgl. da­zu und zu zahl­rei­chen Di­gi­ta­li­sa­ten: [http://mdz1.bib-bvb.de/~emblem/dig-cpl.html Mün­chner Di­gi­ta­li­sie­rungs­Zent­rum].</ref> Die letzten Emblem­enzy­klopä­dien erschie­nen wie Lauren­tius W. Woyts «Emble­mati­scher Parnas­sus» noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhun­derts. Danach reißt die Emblem­produk­tion fast schlag­artig ab. | ||
: | : | ||
Als epistemische | Als epistemische Ordnungs­instru­mente sind Emblem­bücher im Laufe des 18. Jahrhun­derts offen­sichtlich an die Grenzen der Verwalt­barkeit und Darstell­barkeit des Wissens gera­ten. Wenn die Ana­logie nicht mehr als Grundla­ge einer Wissens­ordnung funkti­oniert, scheitert auch die Emble­matik als Ordnungs­verfah­ren mora­lisch-​ethi­scher Diskur­se. Doch das allein erklärt den rapi­den Bedeu­tungsver­lust dieser Kultur­technik nicht über­zeugend. Denn auch ande­re Formen der frühneu­zeitli­chen Bild-​Text-​Rela­tion verlie­ren an Bedeu­tung, wie etwa die Mnemo­nik, deren Verhält­nis zur Emble­matik noch nicht einmal ansatz­weise unter­sucht wurde, was eines der dringlich­sten Desi­dera­te für die aktu­elle Emblem­forschung darstellt. Dabei ist schon des Länge­ren bekannt, dass zwischen der Emble­matik und der Mnemo­nik eine enge Verknüp­fung besteht.<ref>Vgl. <bib id='Strasser 2000a'>Stras­ser 2000a</bib>, <bib id='Kocher 2007a'>Ko­cher 2007a</bib> und <bib id='Manns 2007a'></bib>.</ref> Die Erfor­schung dieser Zusam­menhän­ge könnte den Schlüssel zur Erklä­rung des Bedeu­tungsver­lustes der auf Ana­logie­bildung basie­renden Text-​Bild-​Gene­ra gegen Ende der Frühen Neuzeit liefern. | ||
{{GlossarSiehe}} | {{GlossarSiehe}} | ||
* [[Allegorie]] | * [[Allegorie]] | ||
* [[Bilder als Medien]] | * [[Bilder als Medien]] | ||
* [[Bildrhetorik]] | |||
* [[Darstellung]] | * [[Darstellung]] | ||
* [[Ekphrasis]] | * [[Ekphrasis]] | ||
* [[Griechisch: ' | * [[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'|Griechisch: ‘agalma’, ‘phantasma’, ‘eidolon’, ‘typos’, ‘eikon’]] | ||
* [[Hieroglyphen, Hieroglyphendiskurs]] | * [[Hieroglyphen, Hieroglyphendiskurs]] | ||
* [[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago']] | * [[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago'|Lateinisch: ‘effigies’, ‘species’, ‘simulacrum’, ‘imago’]] | ||
* [[Metonymie]] | * [[Metonymie]] | ||
* [[Proposition]] | |||
* [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie]] | * [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie]] | ||
* [[Ut pictura poesis]] | * [[Ut pictura poesis]] | ||
| Zeile 129: | Zeile 139: | ||
{{GlosTab3}} | {{GlosTab3}} | ||
''Ausgabe 1: 2013'' | |||
{{GlosTab4}} | |||
''Verantwortlich:'' | ''Verantwortlich:'' | ||
* [[Benutzer:Stefan Manns|Manns, Stefan]] | * [[Benutzer:Stefan Manns|Manns, Stefan]] | ||
{{GlosTab4}} | |||
''Lektorat:'' | |||
* [[Benutzer:Dimitri Liebsch|Liebsch, Dimitri]] | |||
{{GlosTab5}} | |||
<!--den Schluß nicht verändern--> | <!--den Schluß nicht verändern--> | ||
{{ | {{GlosEndB}} | ||
<!--Das war's--> | <!--Das war's--> | ||
Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr
Unterpunkt zu: Sprach-Bild-Bezüge
Zu Begriff und Geschichte von Emblem und Emblematik
Ein Emblem (ἔμβλημα) ist eine spezifische Bild und Text kombinierende Gattung uneigentlicher, argumentativer Rede. Im Laufe des 16. bis 18. Jahrhunderts avancierte die Emblematik als konsequenteste Umsetzung des Ut pictura poesis (vgl. [Heckscher & Wirth 1967a]Heckscher, William S. & Wirth, Karl-August (1967): Emblem, Emblembuch. In: Heydenreich, L. H. et al. (Hg.), Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 5. Email – Eselsritt. Metzler, Stuttgart. Embleme stehen in enger Verbindung mit anderen Text-Bild-Genera wie der Imprese (die in der Regel einen persönlichen Leitsatz visualisiert), dem Rebus (einem meist visuell verschlüsselten Bilderrätsel von Worten oder Sentenzen) oder der Renaissance-Hieroglyphik (von der man annahm, ihre Bildzeichen böten einen unmittelbaren Zugang zur göttlichen Erkenntnis). Im Laufe ihrer rund 250-jährigen Geschichte bildet die Emblematik zahlreiche Strukturformen heraus (vgl. [Heckscher & Wirth 1967a]Heckscher, William S. & Wirth, Karl-August (1967): Emblem, Emblembuch. In: Heydenreich, L. H. et al. (Hg.), Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 5. Email – Eselsritt. Metzler, Stuttgart. Die meisten Embleme des «Emblematum liber» bestehen wie das Beispiel in Abbildung 1 aus einer Inscriptio (Lemma, Motto, Obschrift), einer Pictura (Icon, Symbolum) sowie einer Subscriptio (oder Unterschrift). [2] Die Inscriptio „Paupertatem svmmis ingenijs obesse ne prouehantur“ gibt in Form eines kurzen Sinnspruchs das Thema des Emblems vor und ordnet es zugleich einem bestimmten Kontext zu, der den exegetischen Rahmen des Emblems festlegt (vgl. [Neuber 1993a]Neuber, Wolfgang (1993): Locus. Lemma, Motto. Entwurf zu einer mnemonischen Emblematiktheorie. In: Berns, J. J. & Neuber, W. (Hg.), Ars memorativa. Zur kulturgeschichtlichen Bedeutung der Gedächtniskunst 1400-1750. Niemeyer, Tübingen.
Das zweite Distichon stellt dann die Verbindung zur Inscriptio her, indem es die Pictura auslegt: Die Armut hindert den intellektuell und künstlerisch Begabten daran, seine Fähigkeit voll zu entfalten. Auch wenn der bilderzeugende, ekphrastische Teil der Subscriptio der Evidentia (also dem Vor-Augen-Stellen eines Sachverhaltes oder eines Arguments) dient, so aktualisiert erst das Zusammenspiel aller Teile das dem Emblem zugrunde liegende Argument. Aus dieser im «Emblematum liber» vorzufindenden dreiteiligen Emblemstruktur leitete Albrecht Schöne einen Idealtypus ab, den er unter der Formel einer „Doppelstruktur des Abbildens und Auslegens oder des Darstellens und Deutens“ ([Schöne 1993a]Schöne, Albrecht (1993): Emblematik und Drama im Zeitalter des Barock. Beck, München. Im Laufe ihrer Gattungsgeschichte bildete die Emblematik eine Vielzahl von Formvarianten aus, die mehr oder weniger von dieser strukturellen Dreigliedrigkeit abweichen, wie etwa die gegen Mitte des 17. Jahrhunderts immer populäreren „mehrständigen Sinnbilder“, die aus bis zu zehn miteinander zu einer Sinneinheit verbundenen Emblemen bestehen können. Trotz ihrer Vielfalt ist diesen Gebilden eine metonymische bzw. metaphorische Relation von Text und Bild eigen (vgl. [Scholz 1997a]Scholz, Bernhard F. (1997): Emblem. In: Weimar, K. (Hg.), Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. de Gruyter, Berlin & New York. Die Funktionserweiterung der Emblematik drückt sich nicht nur dadurch aus, dass im deutschsprachigen Raum zu Beginn des 17. Jahrhunderts der Ausdruck ‘Emblem’ allmählich durch das – vom niederländischen ‘zinnebeeld’ abgeleitete – ‘Sinnbild’ ersetzt wird. Sie zeigt sich auch in der zunehmenden Bedeutung, die die Emblematik überhaupt für die frühneuzeitliche Wissensdistribution und Wissensproduktion spielt. Sie wird mit didaktischen, meditativen und repräsentativen Absichten funktionalisiert, wobei es alle nur denkbaren Zwischenformen zwischen diesen Makrobereichen gibt und die Übergänge fließend sind. Es wurde daher aus erschließungspragmatischen Gründen vorgeschlagen, die Vielfalt an Emblembücher wie folgt zu systematisieren: in Impresenliteratur, in ethisch-moralische Emblematik, in weltliche Liebesemblematik, in politische Emblematik und schließlich in religiöse Emblematik sowie in Emblemenzyklopädien, die sich wiederum in zahlreiche Unterkategorien differenzieren lassen.[7]
Ausgewählte Emblemtheorien des 16. und 17. JahrhundertsIn Anbetracht der bedeutenden Stellung, die die Emblematik innerhalb der frühneuzeitlichen Sinnbildsysteme einnimmt,[8] ist es erstaunlich, dass kaum theoretisch verbindliche zeitgenössische Reflexionen über eine Poetik des Emblems überliefert sind. Die meisten Vorreden und Traktate, die sich zur Ursprungsfrage der Emblematik äußern, wiederholen sich meist und werden der emblematischen Formenvielfalt ihrer Zeit kaum gerecht. Produktionsästhetische und/oder rezeptionsästhetische Poetologien des Emblems sind eine Seltenheit. Im Folgenden wird eine exemplarische Auswahl emblemtheoretischer Positionen skizziert, die von Andreas Alciatus über Johann Fischart und Johann Wilhelm Zincgref bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zu Georg Philipp Harsdörffer und Justus Georg Schottelius reicht. Bei Harsdörffer finden sich erstmals umfangreiche Bestimmungen, die der Emblempraxis und der seit der Jahrhundertwende erheblich wachsenden Funktionsvielfalt der Emblematik gerecht zu werden versuchen. Alciatus: «Emblematum liber»Die Begriffsgeschichte der Emblematik beginnt, wie gesagt, mit dem 1531 von Heinrich Steyner in Augsburg verlegten «Emblematum liber», in dem er unautorisiert ein 104 Epigramme umfassendes Manuskript des Juristen Andreas Alciatus mit Holzschnitten von Jörg Breu verband und auf diese Weise eher zufällig die Dreiteiligkeit schuf, die dann auf die neue Text-Bild-Gattung übertragen wurde.[9] Was Alciatus selbst unter ‘Emblem’ verstand wird andeutungsweise in seinem dem Augsburger Humanisten Konrad Peutinger zugedachten Widmungsepigramm fassbar:
Abgesehen davon also, dass die von Alciatus erfundenen Embleme einem sinnvollen Zeitvertreib dienen sollen, sieht er in ihnen Vorlagen für die Verzierung von Kleidung und anderen Artefakten, wobei es ihm weniger auf die grafische Umsetzung der bilderzeugenden Teile der Epigramme anzukommen scheint, sondern auf das dem Epigramm zugrundeliegende Kernargument. Welchen Themenbereichen die Argumente entnommen werden können, erläutert Alciatus seinem Freund Francesco Calvo in einem Brief vom 9. Dezember 1522:
Für die Epigramme des «Emblematum liber» hat sich Alciatus vor allem bei der «Anthologia Graeca», dem «Physiologus» und der «Hieroglyphica» des Horapollo bedient.[12] Fischart: «Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht»Alciatus’ kunsthandwerkliche Implikation des Emblems im Sinne einer Intarsie oder Einlegearbeit prägt einerseits noch das erste deutschsprachige Emblemtraktat, das Johann Fischart (1546/47–1590) als Vorwort dem 1581 in Straßburg erschienenen «Emblematum tyrocinia» Matthias Holtzwarts voranstellte. Andererseits leitet Fischart in diesem «Kurtze[n] vnd Woldienliche[n] Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken» den Emblembegriff noch aus der Heraldik und dem militärischen Standartenwesen ab und schlägt damit eine Verbindung zur Impresentradition. Bereits Paolo Giovio wies in seinem berühmten und einflussreichen «Dialogo dell’Imprese Militari et Amoroso» (Rom 1555) auf die memorative Kraft dieser Bild- und Gedächtniszeichen hin.[13] Fischart sieht die Aufgabe der „Gedenckzeychen“ darin, dem Rezipienten dazu zu verhelfen, sich der „Vorfahren Glück vnd Fall […] zu erinnern“ ([Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.
Habe die Heraldik erst einmal ihre traditionelle Funktion verloren, sei es nur noch ein kleiner Schritt hin zum Anfertigen von „Poetischen Geheimnußlehrigen Gemählen: vnd dieselbige jnen selbs / oder andern zugleich neben jnen zu fruchtbarlicher Erinnerung offentlich fürzumalen“ ([Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg. Zincgref: «Emblematum ethico-politicorum»Fischarts Argumente finden sich einige Zeit später auch bei Johann Wilhelm Zincgref (1591-1636) wieder, dem Heidelberger Humanisten und Doktor beider Rechte. In der «Praefatio de origine et usu emblematum» seines «Emblematum ethico-politicorum», erstmals 1619 in Frankfurt am Main bei Theodor de Bry erschienen, wiederholt er einerseits die bereits bekannten kunsthandwerklichen Argumente[15] und knüpft andererseits an die bereits von Alciatus der Emblematik zugrunde gelegten Renaissance-Hieroglyphik an. Embleme sind den Hieroglyphen analoge Schriftzeichen.[16] Auch die Embleme sollen wie diese auf Hermes Trismegistos zurückgeführten ideographischen Zeichen Mentales in Bildern vor- und darstellen: „Primi per figuras animalius […] Ægyptii sensus mentis effingebant […]“ ([Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg.
Zugleich erweitert Zincgref damit den Emblembegriff zu einem umbrella term:
Zincgref verwendet den Ausdruck ‘Emblem’ universal für Text-Bild-Verbindungen. Die Übergang von Emblem, Imprese und Hieroglyphe sind fließend. Ihnen allen eignet Symbol- bzw. Gleichnishaftigkeit und sie können von einem allgemeinen Emblem (Emblema communia sive universalia), wie Zincgref es nennt, in ein Einzelemblem (Emblema singulare) individuell verwandelt werden – und vice versa. Als solche fänden sie dann auf Devisen oder Wappen Verwendung. Sie alle überführen Vorstellungsbilder (imagines vivantes), etwa über heroische Taten und ihre seelischen Abbilder (simulacra animorum) durch poetische Bearbeitung in körperhafte Bilder (pictae), um als Vorbild dem Gedächtnis der Nachwelt verfügbar zu bleiben (vgl. [Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg. Harsdörffer: «Frauenzimmer Gesprächspiele» und «Mordgeschichte»Wiederum einige Jahrzehnte nach Zincgref begibt sich der Nürnberger Patrizier, Jurist und Polyhistor Georg Philipp Harsdörffer auf die Suche nach konkreten Umsetzungsmöglichkeiten dieser analogiebildenden Leistungsfähigkeit des emblematischen Gleichnisses. In seinen «Frauenzimmer Gesprächspielen» entfaltet Harsdörffer im gelehrten Dialog die umfassendste Synthese der seit gut hundert Jahren verhandelten Emblemtheorien, was ihn, wie Gerhard F. Strasser resümiert, „zum Gewährsmann für die Emblemtheorie im deutschen Raum“ macht ([Strasser 2000a]Strasser, Gerhard F. (2000): Emblematik und Mnemonik der Frühen Neuzeit im Zusammenspiel. Johannes Buno und Johann Justus Winckelmann. Harrassowitz, Wiesbaden. Zur Mitte des 17. Jahrhunderts hat die Emblematik eine Ausdifferenzierung hin zu einer unübersichtlich gewordenen Formenvielfalt erfahren, so dass kaum noch von dem Emblem und der Emblematik gesprochen werden kann. Zincgrefs umbrella term wies bereits die Richtung. Auch bei Harsdörffer dokumentiert sich nun der Strukturwandel der Emblematik in der Ersetzung von ‘Emblematum’ durch ‘Sinnbild’:
Text und Bild sind im Sinnbild so eng aufeinander bezogen, dass das eine Zeichensystem nicht ohne das andere auskommt. Harsdörffer betont dies in seiner emblemtheoretischen Zugabe zur dritten Auflage des «Großen Schau-Platzes jämmerlicher Mordgeschichte», die 50 Lehrsätze für die Inventio und Produktion von Sinnbildern präsentiert.[23] Gleich zu Beginn der Schrift verweist er auf die maßgebliche Rolle, die die Analogie bei dieser Semiose von Text und Bild spielt. Denn das Bild könne, wie das Wort auch, eine eigentliche (sensus litteralis) und uneigentliche (sensus allegoricus) Bedeutung besitzen und müsse bezüglich seiner uneigentlichen Bedeutung nochmals unterschieden werden, je nachdem ob es sich um eine Allegorie, die er als „Iconologia“ oder „Bilderkunst“[24] bezeichnet, oder um ein Sinnbild handelt. Während erstere sich durch stark konventionalisierte Codierungen auszeichnen, so dass sie als Zierde für „Gebäuden / Tapeten / Büchertituln und in viel andre wege“ (§3) dienen, schöpfen Sinnbilder ihr Potential aus ihrem Gleichnischarakter, der aus der Spannung zwischen Text und Bild erzeugt wird und durch die „die in Sinnbildern enthaltene Lehre leichter bemercket / die Bitterkeit der Vermahnung versüst / und die Lieblichkeit der Mahlerey und Poeterey kunstartig mit gesamter wolständigkeit an das Liecht gesetzt“ (§7) wird, so dass idealerweise ein Sinnbild nicht ohne Berücksichtigung des Zusammenspiels von Text- und Bildcode dechiffriert werden könne (§23). Die immer wieder dargestellten Zusammenhänge, in die die Emblematik gestellt wird, werden von Harsdörffer zum diskursiven Ordnungsmuster der Verständigung über die Eigenschaften des Gleichnisses. Die Ausführungen zur Sinnbildkunst werden im ersten Band der «Gesprächspiele» mit Ausführungen über das Gleichnis und die Gedächtniskunst vorbereitet, die Impresenkunst („Münzpreg“) schließt sich ihr an. Somit entspricht die diskursive Entfaltung des Themas ziemlich genau den üblichen Abhandlungen über diesen Sachverhalt – allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Harsdörffer stellt sie nicht mehr in eine kulturhistorische Entwicklungsgeschichte, sondern behandelt sie unter dem erkenntnistheoretischen Interesse potentieller Wissensgenerierung qua Analogie. Das Gleichnis, so sagt Harsdörffer, sei die Quelle der Inventio und es sei „nichts in der gantzen Welt zu finden / welches nicht durch die Gleichnis belanget werden könnte“ ([Harsdörffer 1969a]Harsdörffer, Georg Philipp (1969): Poetischer Trichter. Die Teutsche Dicht- und Reimkunst ohne Behuf der Lateinischen Sprache in VI Stunden einzugiessen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt. Schottelius: «Ausführliche Arbeit von der teutschen HaubtSprache»Eine noch ausführlichere Definition von »Sinnbild« liefert der Wolfenbütteler Geheimrat und Fruchtbringer Justus Georg Schottelius, mit dem Harsdörffer zeitlebens in freundschaftlichem Austausch stand. In seiner 1663 erschienenen «Ausführlichen Arbeit von der teutschen HaubtSprache» verwirft er den alten Begriff »Emblematum«, weil er ihm zu einseitig auf die kunsthandwerkliche Funktion reduziert ist (vgl. [Schottelius 1663a]Schottel, Justus Georg (1663): Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache. Zilliger, Braunschweig.
Im Sinnbild codiert das Bild das zugrundeliegende Argument, das durch das Lemma und eventuell durch die Subscriptio konkretisiert, niemals aber vereindeutigt werden darf. Wie die Imprese, so ist auch das Emblem ganz nach Maßgabe der Ars memorativa durch jene obscuritas geprägt, die das verschlüsselte Argument nicht unmittelbar einsichtig macht und daher merk-würdig auf den Rezipienten wirkt. In diesem Zusammenspiel zwischen propositionalem Gehalt und Bildrhetorik konstituiert sich diejenige Qualität des Emblems, die im zeitgenössischen Kontext so oft mit der Leib-Seele-Metapher angesprochen wird:
Fehlt das Wort, so ist nicht mehr von einem Sinnbild, sondern von „einem gemahlten Rätzel oder blossen Gemählte“ (ibid.: S. 1106) die Rede.
AusblickEntsprechend vielgestaltig sind die thematischen und inhaltlichen Ausrichtungen der Emblembücher. Sie reichen von der Impresenliteratur über eine ethisch-moralische und politische Emblematik, zu der Fürstenspiegel wie Zincgrefs erwähntes Emblembuch ebenso zu zählen sind wie die panegyrische und Funeral-Emblematik, und die vor allem seit Beginn des 17. Jahrhunderts inflationär einsetzende religiöse Emblematik (unabhängig von konfessionellen Beschränkungen) bis hin zu mehrbändigen Emblemenzyklopädien, die etwa das naturkundliche und moralische, aber auch theologische Wissen der Frühen Neuzeit miteinander verbinden; nicht zu vergessen sind ebenfalls die Kunstbücher mit ihren Sammlungen an emblematischen Topoi, für die etwa Cesare Ripas «Iconologia» prototypisch wurde, und der unüberschaubare Bereich angewandter Emblematik.[25] Die letzten Emblemenzyklopädien erschienen wie Laurentius W. Woyts «Emblematischer Parnassus» noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Danach reißt die Emblemproduktion fast schlagartig ab. Als epistemische Ordnungsinstrumente sind Emblembücher im Laufe des 18. Jahrhunderts offensichtlich an die Grenzen der Verwaltbarkeit und Darstellbarkeit des Wissens geraten. Wenn die Analogie nicht mehr als Grundlage einer Wissensordnung funktioniert, scheitert auch die Emblematik als Ordnungsverfahren moralisch-ethischer Diskurse. Doch das allein erklärt den rapiden Bedeutungsverlust dieser Kulturtechnik nicht überzeugend. Denn auch andere Formen der frühneuzeitlichen Bild-Text-Relation verlieren an Bedeutung, wie etwa die Mnemonik, deren Verhältnis zur Emblematik noch nicht einmal ansatzweise untersucht wurde, was eines der dringlichsten Desiderate für die aktuelle Emblemforschung darstellt. Dabei ist schon des Längeren bekannt, dass zwischen der Emblematik und der Mnemonik eine enge Verknüpfung besteht.[26] Die Erforschung dieser Zusammenhänge könnte den Schlüssel zur Erklärung des Bedeutungsverlustes der auf Analogiebildung basierenden Text-Bild-Genera gegen Ende der Frühen Neuzeit liefern. Siehe auch:
|
Anmerkungen
Literatur
[Alciatus 1531a]Alciatus, Andreas (1531): Emblematum liber. Heinrich Steyner, Augsburg.[Alciatus 1967a]Alciatus, Andreas (1967): Emblematum Libellus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.[Balavoine 1981a]Balavoine, Claudio (1981): Archéologie de l’emblème littéraire. La dédicace à Conrad Peutinger des Emblemata d’André Alciat. In: Jones-Davies, M. T. (Hg.), Emblèmes et devises au temps de la Renaissance. Touzot, Paris.[Becker-Cantarino 2005a]Becker-Cantarino, Barbara (2005): Ut pictura poesis? Zu Harsdörffers Theorie der ‘Bildkunst’. In: Gerstl, D. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffer und die Künste. Carl, Nürnberg.[Fischart 1581a]Fischart, Johann (1581): Kurtzer vnd Woldienlicher Vorbericht / von Vrsprung / Namen vnd Gebrauch der Emblematen / oder Eingeblömeten Zierwercken. In: Holtzwart, M. (Hg.), Emblematum Tyrocinia. Sive Picta Poesis Latinogermanica . Jobin, Straßburg.[Greene 1982a]Greene, Thomas M. Greene (1982): The Light in Troy. Imitation and Discovery in Renaissance Poetry. Yale University Press, New Haven, London.[Harsdörffer 1656a]Harsdörffer, Georg Philipp (1975): Der Grosse Schau-Platz jämmerlicher Mord-Geschichte. Beigebunden ist: Neue Zugabe: Bestehend aus C. Sinnbildern. Olms, Hildesheim, New York.[Harsdörffer 1968a]Harsdörffer, Georg Philipp (1968): Frauenzimmer Gesprächspiele. 8 Bd.. Niemeyer, Tübingen.[Harsdörffer 1969a]Harsdörffer, Georg Philipp (1969): Poetischer Trichter. Die Teutsche Dicht- und Reimkunst ohne Behuf der Lateinischen Sprache in VI Stunden einzugiessen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.[Heckscher & Wirth 1967a]Heckscher, William S. & Wirth, Karl-August (1967): Emblem, Emblembuch. In: Heydenreich, L. H. et al. (Hg.), Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 5. Email – Eselsritt. Metzler, Stuttgart.[Kocher 2007a]Kocher, Ursula (2007): ‘Imagines’ und ‘picturae’. Wissensorganisation durch Emblematik und Mnemonik. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Kocher 2010a]Kocher, Ursula (2010): Bild und Gedanke. Georg Philipp Harsdörffers Emblematiktheorie. In: Thimann, M. & Zittel, C. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers «Kunstverständige Discurse». Beiträge zu Kunst, Literatur und Wissenschaft in der Frühen Neuzeit. Manutius, Heidelberg.[Kocher 2011a]Kocher, Ursula (2011): „Die maechtige Bildung unserer Gedanken“. Zur Emblematiktheorie Georg Philipp Harsdörffers. In: Keppler-Tasaki, S. & Kocher, U. (Hg.), Georg Philipp Harsdörffers Universalität. Beiträge zu einem uomo universale des Barock. de Gruyter, Berlin, New York.[Köhler 1986a]Köhler, Johannes B. (1986): Der «Emblematum liber» von Andreas Alciatus (1492-1550). Eine Untersuchung zur Entstehung, Formung antiker Quellen und pädagogischer Wirkung im 16. Jahrhundert. Lax, Hildesheim.[Manns 2007a]Manns, Stefan (2007): Nucleus emblematum. Überlegungen zu einer Semiotik des Emblems. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Manns 2009a]Manns, Stefan (2008): Topik und Gedächtnis. Text-Bild-Relationen und symbolische Kommunikation in der Ehrenpforte. Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft, 17.[Manns 2012a]Manns, Stefan (2012): Das Sakramentale am emblematischen Vollzug. In: Ertz, S. & Schlie, H. & Weidner, D. (Hg.), Sakramentale Repräsentation. Substanz, Zeichen und Präsenz in der Frühen Neuzeit. Fink, München.[Miedema 1968a]Miedema, Hessel (1968): The Term ‘Emblema’ in Alciati. Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, 31.[Neuber 1993a]Neuber, Wolfgang (1993): Locus. Lemma, Motto. Entwurf zu einer mnemonischen Emblematiktheorie. In: Berns, J. J. & Neuber, W. (Hg.), Ars memorativa. Zur kulturgeschichtlichen Bedeutung der Gedächtniskunst 1400-1750. Niemeyer, Tübingen.[Schmidt-Biggemann 1983a]Schmidt-Biggemann, Wilhelm (1983): Topica universalis. Eine Modellgeschichte humanistischer und barocker Wissenschaft. Meiner, Hamburg.[Schmidt-Biggemann 2007a]Schmidt-Biggemann, Wilhelm (2007): Apokalypse und Philologie. Wissensgeschichten und Weltentwürfe der Frühen Neuzeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Scholz 1997a]Scholz, Bernhard F. (1997): Emblem. In: Weimar, K. (Hg.), Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. de Gruyter, Berlin & New York.[Scholz 2002a]Scholz, Bernhard F. (2002): Emblem und Emblempoetik. Historische und systematische Studien. Erich Schmidt, Berlin.[Scholz 2007a]Scholz, Bernhard F. (2007): Paolo Giovio als symbolorum pater. Zur Erfassung einer neuen Gattung durch die topische Poetik der Frühmoderne. In: Frank, T. & Kocher, U. & Tarnow, U. (Hg.), Topik und Tradition. Prozesse der Neuordnung von Wissensüberlieferungen des 13. bis 17. Jahrhunderts. Mit 21 Abbildungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Schottelius 1663a]Schottel, Justus Georg (1663): Ausführliche Arbeit Von der Teutschen HaubtSprache. Zilliger, Braunschweig.[Schöne 1993a]Schöne, Albrecht (1993): Emblematik und Drama im Zeitalter des Barock. Beck, München.[Strasser 2000a]Strasser, Gerhard F. (2000): Emblematik und Mnemonik der Frühen Neuzeit im Zusammenspiel. Johannes Buno und Johann Justus Winckelmann. Harrassowitz, Wiesbaden.[Sulzer 1992a]Sulzer, Dieter (1992): Traktate zur Emblematik. Studien zu einer Geschichte der Emblemtheorien. W. J. Röhrig, St. Ingbert.[Volkmann 1923a]Volkmann, Ludwig (1923): Bilderschriften der Renaissance. Hieroglyphik und Emblematik in ihren Beziehungen und Fortwirkungen. Hiersemann, Leipzig.[Warncke 2005a]Warncke, Carsten-Peter (2005): Symbol, Emblem, Allegorie. Die zweite Sprache der Bilder. Deubner, Köln.[Zincgref 1664a]Zincgref, Julius Wilhelm (1664): Hundert ethisch-politische Embleme mit den Kupferstichen des Matthaeus Merian. Winter, Heidelberg. Ausgabe 1: 2013 Verantwortlich: Lektorat: Seitenbearbeitungen durch: Dimitri Liebsch, Joerg R.J. Schirra, Marcel Lemmes und Stefan Manns — (Hinweis) Zitierhinweis: |
