Text als Bild, konkrete Poesie: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt-->
==Theoretischer Hintergrund: Schrift&shy;gestalt und Schrift&shy;bildlich&shy;keit in lite&shy;rari&shy;schen Texten ==


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
Schriftliche Texte haben immer auch eine “Textge&shy;stalt”, und als solche wirken sie immer auch bildlich bzw. schrift&shy;bildlich in dem Sinne, dass sie nicht nur linear gele&shy;sen, sondern auch auf einen Blick in ihrer [[Gestalt]] auf der Fläche ange&shy;schaut bzw. erfasst werden. Wolfgang Raible  spricht von der „Semio&shy;tik der Textge&shy;stalt“ und verweist darauf, dass die Zweidi&shy;mensio&shy;nali&shy;tät der Schreib&shy;fläche vielfäl&shy;tig für die Struktu&shy;rierung von Texten genutzt wird: etwa durch Über&shy;schriften, Absät&shy;ze, Ein&shy;rückun&shy;gen, Fuß&shy;noten und End&shy;noten (vgl. <bib id='Raible 1991a'></bib>). Ande&shy;re Autor&shy;Innen sprechen allge&shy;meiner von der „Sichtbar&shy;keit der Schrift“ (vgl. <bib id='Strätling & Witte 2006a'>Strät&shy;ling & Witte 2006a</bib>). Diese Sichtbar&shy;keit, die Gestalt&shy;haftig&shy;keit schriftli&shy;cher Texte, kann in unter&shy;schiedli&shy;cher Weise gehand&shy;habt und in verschie&shy;denem Maße reflek&shy;tiert werden. Dies trifft auch und insbe&shy;sonde&shy;re für Texte aus dem Bereich der Lite&shy;ratur zu.
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====
:
 
Die Sichtbarkeit der Schrift wird in den verschie&shy;denen lite&shy;rari&shy;schen Genres unter&shy;schiedlich stark ausge&shy;beutet, eini&shy;ge Genres konsti&shy;tuieren sich über&shy;haupt erst als solche über die Textge&shy;stalt. Pola&shy;schegg zum Beispiel macht auf die genu&shy;ine Schrift&shy;bild&shy;lichkeit der Lyrik als lite&shy;rari&shy;scher Gattung aufmerk&shy;sam, indem sie gegen die tradi&shy;tionel&shy;le Auffas&shy;sung von der Lyrik als einer akus&shy;tischen Kunst zur Geltung bringt, dass Gedich&shy;te immer schon „auf einen Blick“, das heißt anhand ihrer schrift&shy;bildli&shy;chen Erschei&shy;nung, als solche erkannt werden (vgl. <bib id='Polaschegg 2011a'>Pola&shy;schegg 2011a</bib>. So ist es vor allem die durch Zeilen&shy;umbrü&shy;che markier&shy;te Vers&shy;form, die dem Gedicht seinen unver&shy;wechsel&shy;baren visu&shy;ellen Charak&shy;ter gibt. Lyrik lebt von der spannungs&shy;vollen Diffe&shy;renz zwischen dem simul&shy;tanen Sehen der Gestalt und der sukzes&shy;siven Lektü&shy;re der Schrift&shy;zeichen. Auch Witte verweist auf die visu&shy;elle Dimen&shy;sion der Lyrik, die durch die graphisch markier&shy;te Vers&shy;form, das „Vers&shy;bild“, gekenn&shy;zeichnet ist (vgl. <bib id='Witte 2011a'></bib>). Die Bezeich&shy;nung ‘Vers&shy;bild’ impli&shy;ziert für ihn dabei die spezi&shy;fische (schrift&shy;bildli&shy;che) Sichtbar&shy;keit einer komple&shy;xen Form der verba&shy;len Sequen&shy;tiali&shy;sierung, die zwischen [[Sehen]] und Lesen produk&shy;tiv zu changie&shy;ren ermög&shy;licht, und z.B. einzel&shy;ne Wörter eines Gedich&shy;tes über Zeilen&shy;umbrü&shy;che „erra&shy;tisiert“, „trans&shy;gramma&shy;tika&shy;lisiert“ und diese in ganz neuen Konstel&shy;lationen wahrnehm&shy;bar werden lässt. Jedoch lässt sich auch für lite&shy;rari&shy;sche Prosa-Texte plausi&shy;bel machen, dass Texte in ihrer Gestalt, und in diesem Sinne in ihrer (schrift-)bild&shy;lichen Dimen&shy;sion wahrge&shy;nommen werden und wirken (können) (vgl. <bib id='Giertler 2011a'></bib>).  Auch [[Kalligraphie|Kalli&shy;graphie]] und [[Typographie|Typo&shy;graphie]] sind Fel&shy;der/Prak&shy;tiken, in denen mit der Sicht&shy;barkeit der Schrift bzw. mit der Textge&shy;stalt gear&shy;beitet wird.
<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->
 




==Text als Bild: Visuelle Poesie==


=====Engere Begriffsbestimmung=====
In ganz besonders intensiver, radika&shy;ler und zugleich reflek&shy;tierter Weise wurde und werden die Sichtbar&shy;keit der Schrift und die Gestalt&shy;haftig&shy;keit schriftli&shy;cher Texte in den unter&shy;schiedli&shy;chen Formen visu&shy;eller Poesie genutzt bzw. ausge&shy;stellt. »Visu&shy;elle Poesie« ist in diesem Sinne als ein Sammel&shy;begriff für alle Arten von Dichtung zu verste&shy;hen, bei denen die visu&shy;elle Präsen&shy;tation eines Textes ein wesent&shy;liches Element der künstle&shy;rischen Konzep&shy;tion darstellt, bei der der Schöpfer/die Schöpfe&shy;rin des Textes also die (schrift-)bild&shy;lichen Gestalt&shy;quali&shy;täten der Schrift bewusst und inten&shy;siv nutzt. Im enge&shy;ren Sinne verbun&shy;den wird der Ausdruck ‘visu&shy;elle Poesie’ meistens mit expe&shy;rimen&shy;tellen Arbei&shy;ten der lite&shy;rari&shy;schen Avant&shy;garden des 20. Jahrhun&shy;derts: etwa dem Dada&shy;ismus oder dem italie&shy;nischen und russi&shy;schen Futu&shy;rismus in der ersten Jahrhun&shy;derthälf&shy;te sowie mit der lite&shy;rari&shy;schen Strömung der soge&shy;nannten «Konkre&shy;ten Poesie», die sich insbe&shy;sonde&shy;re im deutsch&shy;sprachi&shy;gen Raum ab den 1950er Jahren formier&shy;te, wie aber auch mit der sowje&shy;tischen Samis&shy;dat-Lite&shy;ratur. 
:
Die ''visuelle Poesie'' in diesem (mit der Avant&shy;garde-Lite&shy;ratur verknüpf&shy;ten enge&shy;ren) Sinne muss wohl als eine spezi&shy;fisch euro&shy;päische Gegen&shy;bewe&shy;gung gegen das anson&shy;sten im euro&shy;päischen Kultur&shy;kreis domi&shy;nieren&shy;de Lesbar&shy;keits-Para&shy;digma der Schrift, das mit einer ''Sichtbar&shy;keitsver&shy;gessen&shy;heit'' einher&shy;geht, verstan&shy;den werden. Diese Sichtbar&shy;keits- und Mate&shy;riali&shy;tätsver&shy;gessen&shy;heit in Bezug auf die Schrift hat es in außer&shy;euro&shy;päischen Schrift&shy;kultu&shy;ren in dieser Art vermut&shy;lich nie gege&shy;ben, da hier z.B. die Kalli&shy;graphie eine viel größe&shy;re Wert&shy;schätzung genießt. Darü&shy;ber hinaus ist zu bemer&shy;ken, dass es Arte&shy;fakte visu&shy;eller Poesie auch in Euro&shy;pa bereits seit der Anti&shy;ke gege&shy;ben hat. Man denke an anti&shy;ke und ba&shy;rocke Figu&shy;renge&shy;dichte (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 583ff.).
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In der visuellen Poesie werden dabei ganz unter&shy;schiedli&shy;che schrift&shy;bildli&shy;che Gestalt&shy;quali&shy;täten von Texten erzeugt, entwe&shy;der über die Hand&shy;schrift, die Schreib&shy;maschi&shy;nenschrift oder über die Typo&shy;graphie. Eine, aber eben nur eine Möglich&shy;keit unter vielen ist dabei, dass der Text – wie im Fall der gerade erwähn&shy;ten Figu&shy;renge&shy;dichte – so geschrie&shy;ben oder gesetzt wird, dass die Gestalt&shy;umris&shy;se von raumzeit&shy;lichen Gegen&shy;ständen oder visu&shy;ellen Symbo&shy;len (die in bestimm&shy;ter Weise mit dem Inhalt des geschrie&shy;benen Textes spiele&shy;risch korres&shy;pondieren) an der Gestalt des Textes selber sichtbar werden. Diese Art Texte sind in ihrer buchstäb&shy;lichen Figür&shy;lichkeit dann in dersel&shy;ben Weise als bildhaft-[[Symbol, Index, Ikon|iko&shy;nisch]] aufzu&shy;fassen wie die figür&shy;liche Zeichnung oder die gegen&shy;ständli&shy;che [[Malerei|Male&shy;rei]].
:
Um auch die anderen möglichen visu&shy;ellen Gestal&shy;tungsas&shy;pekte von lite&shy;rari&shy;schen Texten im allge&shy;meinen – und dann eben in diesem Falle der visu&shy;ellen Poesie – in den Blick zu bekom&shy;men, ist vorge&shy;schlagen worden, begriff&shy;lich zwischen dem Gestalt&shy;aspekt von Schriften und dem Bildas&shy;pekt von Schriften zu diffe&shy;renzie&shy;ren und von Schriften als Bildern nur dann zu reden, wenn tatsäch&shy;lich Figuren iko&shy;nisch abge&shy;bildet werden (vgl. <bib id='Polaschegg 2011a'>Pola&shy;schegg 2011a</bib>).
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Was sind nun diese anderen – über die Figür&shy;lichkeit hinaus&shy;gehen&shy;den – Gestal&shy;tungsmög&shy;lichkei&shy;ten von Texten, die in der visu&shy;ellen Poesie expe&shy;rimen&shy;tell und spiele&shy;risch genutzt bzw. [[Referenz, Denotation, Exemplifikation|exem&shy;plifi&shy;ziert]] werden? Es finden sich Expe&shy;rimen&shy;te mit der räumli&shy;chen Dimen&shy;sion der Schrift, z.B. mit verschie&shy;denen Schrift&shy;größen oder -farben für Buchsta&shy;ben oder Wörter, und Expe&shy;rimen&shy;te mit der räumli&shy;chen Posi&shy;tionie&shy;rung der Buchsta&shy;ben/Wor&shy;te auf der Schreib&shy;fläche, ihrem konstel&shy;lati&shy;ven (Re-)Ar&shy;range&shy;ment auf der Buch&shy;seite. Darü&shy;ber hinaus finden sich Versu&shy;che, das Gesti&shy;sche der jewei&shy;ligen Schreib&shy;handlung im Geschrie&shy;benen als Spur sichtbar zu machen sowie zudem Hybrid&shy;bildun&shy;gen aus Schrift und Bild (wie bei den soge&shy;nannten ‘Sprach&shy;blättern’ von Carlfried&shy;rich Claus), begriff&shy;lich häufig als »skriptu&shy;rale Male&shy;rei« zusam&shy;menge&shy;fasst, bei der die Über&shy;gänge zwischen Bild, Orna&shy;ment und Schrift nicht eindeu&shy;tig sind und meistens bewusst an der Schnitt&shy;stelle von Lesbar&shy;keit/Un&shy;lesbar&shy;keit ope&shy;riert wird. Dabei wird beim Le&shy;ser/Be&shy;trachter ein Spiel von Seman&shy;tisie&shy;rung / Dese&shy;manti&shy;sierung / Rese&shy;manti&shy;sierung in Gang gesetzt. Für die Arbei&shy;ten der russi&shy;schen Avant&shy;garde der 1910er und 20er Jahre hat Georg Witte eine Typo&shy;logie schrift&shy;bildli&shy;cher Verfah&shy;ren ent&shy;wickelt (vgl. <bib id='Witte 2005a'></bib>).


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->


==Konkrete Poesie==
Die ''Konkrete Poesie'' ist eine künstle&shy;rische Strömung ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun&shy;derts, die sich im Anschluss an den Begriff bzw. die Bewe&shy;gung der «Konkre&shy;ten Kunst», vertre&shy;ten vor allem durch den Schweizer Max Bill, seit den 1950er Jahren den mate&shy;rialen Basis&shy;elemen&shy;ten der Poesie in ihren einer&shy;seits visu&shy;ellen und ande&shy;rerseits akus&shy;tischen Darstel&shy;lungsme&shy;dien zuwen&shy;det. Wichti&shy;ge deutsch&shy;sprachi&shy;ge Vertre&shy;ter sind Eugen Gomrin&shy;ger, Franz Mon, Helmut Heißen&shy;büttel, Hansjörg Mayer, Max Bense und Claus Bremer, inter&shy;natio&shy;nal ist der Schwede Öyvind Fahl&shy;ström zu nennen, der 1953 ein «Mani&shy;fest für konkre&shy;te Poesie» verfass&shy;te und damit auch den Namen präg&shy;te, die brasi&shy;liani&shy;sche Gruppe «Noigan&shy;dres» sowie die Wiener Gruppe um H.C. Artmann.  Die Aufmerk&shy;samkeit dieser Autoren gilt den einzel&shy;nen Buchsta&shy;ben, Satzzei&shy;chen und Wörtern im Geschrie&shy;benen und den Lauten, (bzw. auch dem Klang der Stimme) im Gespro&shy;chenen.
:
Im Visuellen soll dabei die experimentel&shy;le graphi&shy;sche Anord&shy;nung der Wörter, Buch&shy;staben und/oder Sätze neue „Konstel&shy;latio&shy;nen“ und damit auch neue – makro&shy;typo&shy;graphi&shy;sche – Bedeu&shy;tungsdi&shy;mensio&shy;nen eröff&shy;nen. Mit dem Begriff der Konstel&shy;lation greift Gomrin&shy;ger in seiner program&shy;mati&shy;schen Schrift «vom vers zur konstel&shy;lation» (1955 erstmals publi&shy;ziert, im Folgen&shy;den zitiert nach <bib id='Gomringer 1997a'>Gomrin&shy;ger 1997a</bib>) auf einen Begriff Mallar&shy;més zurück und bezeich&shy;net damit
:
:''die einfachste gestaltungsmöglich&shy;keit der auf dem wort beru&shy;henden dichtung. [...] sie erlaubt das spiel. sie erlaubt die reihen&shy;bildung der wortbe&shy;griffe a, b, c und deren mögli&shy;che varia&shy;tionen'' (<bib id='Gomringer 1997a'>Gomrin&shy;ger 1997a</bib>: S. 16).
:
Er bezieht sich also auf die Anordnung von verknapp&shy;tem und [[Pragmatik, Semantik, Syntax|syntak&shy;tisch]] unver&shy;bunde&shy;nem Wortma&shy;terial auf der weißen Papier&shy;fläche inklu&shy;sive der Zwischen- und Umge&shy;bungsräu&shy;me.
:
Ein weiteres Kennzeichen der ansonsten als künstle&shy;rische Strömung durchaus hete&shy;roge&shy;nen Konkre&shy;ten Poesie ist die akus&shy;tische Dimen&shy;sion ihrer Wortkunst: So werden die visu&shy;ellen Konstel&shy;latio&shy;nen von eini&shy;gen Auto&shy;ren, etwa von Ernst Jandl, into&shy;niert, wodurch allein durch die Proso&shy;die eine Art Dialog (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 631) entste&shy;hen kann. Die deutsch&shy;sprachi&shy;ge Strömung der Konkre&shy;ten Poesie sowie die ihr am nächsten stehen&shy;de brasi&shy;liani&shy;sche Künstler&shy;gruppe Noigan&shy;dres haben durch ihre Program&shy;matik wie keine ande&shy;ren eine selbstbe&shy;wusste Iden&shy;tität ent&shy;wickelt, die bis heute zur Weiter&shy;entwick&shy;lung visu&shy;eller Dichtung inspi&shy;riert (vgl. <bib id='Drucker 1996a'></bib>: S. 58).


=====optional Beispiele=====


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
==Visuelle Poesie im Compu&shy;terzeit&shy;alter==


''Kinetische Poesie'' in vielfälti&shy;ger Form beweg&shy;licher, verän&shy;derli&shy;cher Buchsta&shy;ben- oder Wortfol&shy;gen findet sich nicht erst, seit es Compu&shy;ter gibt. Beispie&shy;le dafür sind filmi&shy;sche Reali&shy;satio&shy;nen, (Neon)Licht&shy;instal&shy;latio&shy;nen, Laufschrif&shy;ten und Projek&shy;tionen (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 104ff.). Auch die durch den Compu&shy;ter leicht hervor&shy;rufba&shy;re Zufalls&shy;kombi&shy;nato&shy;rik zur Gene&shy;rierung von visu&shy;eller Poesie findet sich schon in frühen Beispie&shy;len text&shy;permu&shy;tati&shy;ver Techni&shy;ken oder technisch ana&shy;loger Poesie-Auto&shy;maten (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 177ff.). Dennoch bietet die heuti&shy;ge Compu&shy;tertech&shy;nolo&shy;gie fraglos das weitaus größte Spektrum an medi&shy;aler Kombi&shy;nato&shy;rik: Durch die neuen Möglich&shy;keiten des Gebrauchs der Schrift in Compu&shy;terpro&shy;grammen bzw. im Inter&shy;net bieten sich kaum begrenz&shy;te Möglich&shy;keiten einer [[Animation|„ani&shy;mierten“]] bzw. [[Interaktives Bild|„ope&shy;rati&shy;ven“ visu&shy;ellen]] Poesie: Schrif&shy;ten/Tex&shy;te werden nicht nur filmisch in Bewe&shy;gung versetzt, sondern werden als ausführ&shy;bare Program&shy;me oder Links program&shy;miert (z.B. <bib id='Cramer 2011a'></bib>). Dencker unter&shy;scheidet insge&shy;samt elf Typen compu&shy;terge&shy;steuer&shy;ter kine&shy;tischer Poesie, die von ihm chrono&shy;logisch sortiert eine große Bandbrei&shy;te umfas&shy;sen: von ersten, noch linear struktu&shy;rierten Texten, die am Compu&shy;ter mit zufalls&shy;gesteu&shy;erten Program&shy;men erstellt wurden, über nicht-line&shy;are Hyper&shy;texte, [[Hypermedien|Hyper&shy;media]], Inter&shy;aktions- und Kolla&shy;bora&shy;tionstex&shy;te bis hin zu code-basier&shy;ten selbst&shy;agie&shy;renden Texten (vgl. <bib id='Dencker 2011a'></bib>: S. 265f.).
:
— Eine Liste von Vertretern der Visuellen Poesie ist im [[Exkurs: Vertreter Visueller Poesie]] zusammengestellt.


=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
{{GlossarSiehe}}


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* [[Animation]]
* [[Gestalt]]
* [[Interaktives Bild]]
* [[Malerei]]
* [[Pragmatik, Semantik, Syntax]]
* [[Referenz, Denotation, Exemplifikation]]
* [[Sehen]]
* [[Symbol, Index, Ikon]]


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''Ausgabe 1: 2013''
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[[Benutzer:Rainer Totzke|Totzke, Rainer]]
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[[Benutzer:Doris Mosbach|Mosbach, Doris]]
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''Lektorat:''
* [[Benutzer:Elisabeth Birk|Birk, Elisabeth]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Schriftbildlichkeit


Theoretischer Hintergrund: Schrift­gestalt und Schrift­bildlich­keit in lite­rari­schen Texten

Schriftliche Texte haben immer auch eine “Textge­stalt”, und als solche wirken sie immer auch bildlich bzw. schrift­bildlich in dem Sinne, dass sie nicht nur linear gele­sen, sondern auch auf einen Blick in ihrer Gestalt auf der Fläche ange­schaut bzw. erfasst werden. Wolfgang Raible spricht von der „Semio­tik der Textge­stalt“ und verweist darauf, dass die Zweidi­mensio­nali­tät der Schreib­fläche vielfäl­tig für die Struktu­rierung von Texten genutzt wird: etwa durch Über­schriften, Absät­ze, Ein­rückun­gen, Fuß­noten und End­noten (vgl. [Raible 1991a]Raible, Wolfgang (1991): Die Semiotik der Textgestalt. Erscheinungsformen und Folgen eines kulturellen Evolutionsprozesses. Universitätsverlag Winter, Heidelberg.
). Ande­re Autor­Innen sprechen allge­meiner von der „Sichtbar­keit der Schrift“ (vgl. [Strätling & Witte 2006a]Strätling, Susanne & Witte, Georg (Hg.) (2006): Die Sichtbarkeit der Schrift. Fink, München.
). Diese Sichtbar­keit, die Gestalt­haftig­keit schriftli­cher Texte, kann in unter­schiedli­cher Weise gehand­habt und in verschie­denem Maße reflek­tiert werden. Dies trifft auch und insbe­sonde­re für Texte aus dem Bereich der Lite­ratur zu.

Die Sichtbarkeit der Schrift wird in den verschie­denen lite­rari­schen Genres unter­schiedlich stark ausge­beutet, eini­ge Genres konsti­tuieren sich über­haupt erst als solche über die Textge­stalt. Pola­schegg zum Beispiel macht auf die genu­ine Schrift­bild­lichkeit der Lyrik als lite­rari­scher Gattung aufmerk­sam, indem sie gegen die tradi­tionel­le Auffas­sung von der Lyrik als einer akus­tischen Kunst zur Geltung bringt, dass Gedich­te immer schon „auf einen Blick“, das heißt anhand ihrer schrift­bildli­chen Erschei­nung, als solche erkannt werden (vgl. [Polaschegg 2011a]Polaschegg, Andrea (2011): Literatur auf einen Blick. Zur Schriftbildlichkeit der Lyrik. In: Krämer, S.; Cancik-Kirschbaum, E. & Totzke, R. (Hg.), Schriftbildlichkeit. Wahrnehmbarkeit, Materialität und Operativität von Notationen. Akademie, Berlin.
. So ist es vor allem die durch Zeilen­umbrü­che markier­te Vers­form, die dem Gedicht seinen unver­wechsel­baren visu­ellen Charak­ter gibt. Lyrik lebt von der spannungs­vollen Diffe­renz zwischen dem simul­tanen Sehen der Gestalt und der sukzes­siven Lektü­re der Schrift­zeichen. Auch Witte verweist auf die visu­elle Dimen­sion der Lyrik, die durch die graphisch markier­te Vers­form, das „Vers­bild“, gekenn­zeichnet ist (vgl. [Witte 2011a]Witte, Georg (2011): Das “Zusammen-Begreifen” des Blicks: Vers und Schrift. In: Krämer, S.; Cancik-Kirschbaum, E. & Totzke, R. (Hg.), Schriftbildlichkeit. Wahrnehmbarkeit, Materialität und Operativität von Notationen. Akademie, Berlin.
). Die Bezeich­nung ‘Vers­bild’ impli­ziert für ihn dabei die spezi­fische (schrift­bildli­che) Sichtbar­keit einer komple­xen Form der verba­len Sequen­tiali­sierung, die zwischen Sehen und Lesen produk­tiv zu changie­ren ermög­licht, und z.B. einzel­ne Wörter eines Gedich­tes über Zeilen­umbrü­che „erra­tisiert“, „trans­gramma­tika­lisiert“ und diese in ganz neuen Konstel­lationen wahrnehm­bar werden lässt. Jedoch lässt sich auch für lite­rari­sche Prosa-Texte plausi­bel machen, dass Texte in ihrer Gestalt, und in diesem Sinne in ihrer (schrift-)bild­lichen Dimen­sion wahrge­nommen werden und wirken (können) (vgl. [Giertler 2011a]Giertler, Mareike (2011): Lesen als Akt des Sehens der Schrift – Am Beispiel von Kafkas Betrachtungen im Erstdruck. Sprache und Literatur, 42, 107.
Nicht angezeigt: Themenheft <em>«Schriftbildlichkeit»</em>, hg. von Sybille Krämer und Mareike Giertler
). Auch Kalli­graphie und Typo­graphie sind Fel­der/Prak­tiken, in denen mit der Sicht­barkeit der Schrift bzw. mit der Textge­stalt gear­beitet wird.


Text als Bild: Visuelle Poesie

In ganz besonders intensiver, radika­ler und zugleich reflek­tierter Weise wurde und werden die Sichtbar­keit der Schrift und die Gestalt­haftig­keit schriftli­cher Texte in den unter­schiedli­chen Formen visu­eller Poesie genutzt bzw. ausge­stellt. »Visu­elle Poesie« ist in diesem Sinne als ein Sammel­begriff für alle Arten von Dichtung zu verste­hen, bei denen die visu­elle Präsen­tation eines Textes ein wesent­liches Element der künstle­rischen Konzep­tion darstellt, bei der der Schöpfer/die Schöpfe­rin des Textes also die (schrift-)bild­lichen Gestalt­quali­täten der Schrift bewusst und inten­siv nutzt. Im enge­ren Sinne verbun­den wird der Ausdruck ‘visu­elle Poesie’ meistens mit expe­rimen­tellen Arbei­ten der lite­rari­schen Avant­garden des 20. Jahrhun­derts: etwa dem Dada­ismus oder dem italie­nischen und russi­schen Futu­rismus in der ersten Jahrhun­derthälf­te sowie mit der lite­rari­schen Strömung der soge­nannten «Konkre­ten Poesie», die sich insbe­sonde­re im deutsch­sprachi­gen Raum ab den 1950er Jahren formier­te, wie aber auch mit der sowje­tischen Samis­dat-Lite­ratur.

Die visuelle Poesie in diesem (mit der Avant­garde-Lite­ratur verknüpf­ten enge­ren) Sinne muss wohl als eine spezi­fisch euro­päische Gegen­bewe­gung gegen das anson­sten im euro­päischen Kultur­kreis domi­nieren­de Lesbar­keits-Para­digma der Schrift, das mit einer Sichtbar­keitsver­gessen­heit einher­geht, verstan­den werden. Diese Sichtbar­keits- und Mate­riali­tätsver­gessen­heit in Bezug auf die Schrift hat es in außer­euro­päischen Schrift­kultu­ren in dieser Art vermut­lich nie gege­ben, da hier z.B. die Kalli­graphie eine viel größe­re Wert­schätzung genießt. Darü­ber hinaus ist zu bemer­ken, dass es Arte­fakte visu­eller Poesie auch in Euro­pa bereits seit der Anti­ke gege­ben hat. Man denke an anti­ke und ba­rocke Figu­renge­dichte (vgl. [Dencker 2011a]Dencker, Klaus Peter (2011): Optische Poesie: Von den prähistorischen Schriftzeichen bis zu den digitalen Experimenten der Gegenwart. de Gruyter, Berlin, New York.
: S. 583ff.).

In der visuellen Poesie werden dabei ganz unter­schiedli­che schrift­bildli­che Gestalt­quali­täten von Texten erzeugt, entwe­der über die Hand­schrift, die Schreib­maschi­nenschrift oder über die Typo­graphie. Eine, aber eben nur eine Möglich­keit unter vielen ist dabei, dass der Text – wie im Fall der gerade erwähn­ten Figu­renge­dichte – so geschrie­ben oder gesetzt wird, dass die Gestalt­umris­se von raumzeit­lichen Gegen­ständen oder visu­ellen Symbo­len (die in bestimm­ter Weise mit dem Inhalt des geschrie­benen Textes spiele­risch korres­pondieren) an der Gestalt des Textes selber sichtbar werden. Diese Art Texte sind in ihrer buchstäb­lichen Figür­lichkeit dann in dersel­ben Weise als bildhaft-iko­nisch aufzu­fassen wie die figür­liche Zeichnung oder die gegen­ständli­che Male­rei.

Um auch die anderen möglichen visu­ellen Gestal­tungsas­pekte von lite­rari­schen Texten im allge­meinen – und dann eben in diesem Falle der visu­ellen Poesie – in den Blick zu bekom­men, ist vorge­schlagen worden, begriff­lich zwischen dem Gestalt­aspekt von Schriften und dem Bildas­pekt von Schriften zu diffe­renzie­ren und von Schriften als Bildern nur dann zu reden, wenn tatsäch­lich Figuren iko­nisch abge­bildet werden (vgl. [Polaschegg 2011a]Polaschegg, Andrea (2011): Literatur auf einen Blick. Zur Schriftbildlichkeit der Lyrik. In: Krämer, S.; Cancik-Kirschbaum, E. & Totzke, R. (Hg.), Schriftbildlichkeit. Wahrnehmbarkeit, Materialität und Operativität von Notationen. Akademie, Berlin.
).

Was sind nun diese anderen – über die Figür­lichkeit hinaus­gehen­den – Gestal­tungsmög­lichkei­ten von Texten, die in der visu­ellen Poesie expe­rimen­tell und spiele­risch genutzt bzw. exem­plifi­ziert werden? Es finden sich Expe­rimen­te mit der räumli­chen Dimen­sion der Schrift, z.B. mit verschie­denen Schrift­größen oder -farben für Buchsta­ben oder Wörter, und Expe­rimen­te mit der räumli­chen Posi­tionie­rung der Buchsta­ben/Wor­te auf der Schreib­fläche, ihrem konstel­lati­ven (Re-)Ar­range­ment auf der Buch­seite. Darü­ber hinaus finden sich Versu­che, das Gesti­sche der jewei­ligen Schreib­handlung im Geschrie­benen als Spur sichtbar zu machen sowie zudem Hybrid­bildun­gen aus Schrift und Bild (wie bei den soge­nannten ‘Sprach­blättern’ von Carlfried­rich Claus), begriff­lich häufig als »skriptu­rale Male­rei« zusam­menge­fasst, bei der die Über­gänge zwischen Bild, Orna­ment und Schrift nicht eindeu­tig sind und meistens bewusst an der Schnitt­stelle von Lesbar­keit/Un­lesbar­keit ope­riert wird. Dabei wird beim Le­ser/Be­trachter ein Spiel von Seman­tisie­rung / Dese­manti­sierung / Rese­manti­sierung in Gang gesetzt. Für die Arbei­ten der russi­schen Avant­garde der 1910er und 20er Jahre hat Georg Witte eine Typo­logie schrift­bildli­cher Verfah­ren ent­wickelt (vgl. [Witte 2005a]Witte, Georg (2005): Textflächen und Flächentexte. Das Schriftsehen der literarischen Avantgarden. In: Grube, G.; Kogge, W. & Krämer, S. (Hg.), Schrift. Kulturtechnik zwischen Auge, Hand und Maschine. Fink, München.
).


Konkrete Poesie

Die Konkrete Poesie ist eine künstle­rische Strömung ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun­derts, die sich im Anschluss an den Begriff bzw. die Bewe­gung der «Konkre­ten Kunst», vertre­ten vor allem durch den Schweizer Max Bill, seit den 1950er Jahren den mate­rialen Basis­elemen­ten der Poesie in ihren einer­seits visu­ellen und ande­rerseits akus­tischen Darstel­lungsme­dien zuwen­det. Wichti­ge deutsch­sprachi­ge Vertre­ter sind Eugen Gomrin­ger, Franz Mon, Helmut Heißen­büttel, Hansjörg Mayer, Max Bense und Claus Bremer, inter­natio­nal ist der Schwede Öyvind Fahl­ström zu nennen, der 1953 ein «Mani­fest für konkre­te Poesie» verfass­te und damit auch den Namen präg­te, die brasi­liani­sche Gruppe «Noigan­dres» sowie die Wiener Gruppe um H.C. Artmann. Die Aufmerk­samkeit dieser Autoren gilt den einzel­nen Buchsta­ben, Satzzei­chen und Wörtern im Geschrie­benen und den Lauten, (bzw. auch dem Klang der Stimme) im Gespro­chenen.

Im Visuellen soll dabei die experimentel­le graphi­sche Anord­nung der Wörter, Buch­staben und/oder Sätze neue „Konstel­latio­nen“ und damit auch neue – makro­typo­graphi­sche – Bedeu­tungsdi­mensio­nen eröff­nen. Mit dem Begriff der Konstel­lation greift Gomrin­ger in seiner program­mati­schen Schrift «vom vers zur konstel­lation» (1955 erstmals publi­ziert, im Folgen­den zitiert nach [Gomringer 1997a]Gomringer, Ernst (1997): Theorie der Konkreten Poesie, Texte und Manifeste 1954-1997. Edition Splitter, Wien.
) auf einen Begriff Mallar­més zurück und bezeich­net damit

die einfachste gestaltungsmöglich­keit der auf dem wort beru­henden dichtung. [...] sie erlaubt das spiel. sie erlaubt die reihen­bildung der wortbe­griffe a, b, c und deren mögli­che varia­tionen ([Gomringer 1997a]Gomringer, Ernst (1997): Theorie der Konkreten Poesie, Texte und Manifeste 1954-1997. Edition Splitter, Wien.
: S. 16).

Er bezieht sich also auf die Anordnung von verknapp­tem und syntak­tisch unver­bunde­nem Wortma­terial auf der weißen Papier­fläche inklu­sive der Zwischen- und Umge­bungsräu­me.

Ein weiteres Kennzeichen der ansonsten als künstle­rische Strömung durchaus hete­roge­nen Konkre­ten Poesie ist die akus­tische Dimen­sion ihrer Wortkunst: So werden die visu­ellen Konstel­latio­nen von eini­gen Auto­ren, etwa von Ernst Jandl, into­niert, wodurch allein durch die Proso­die eine Art Dialog (vgl. [Dencker 2011a]Dencker, Klaus Peter (2011): Optische Poesie: Von den prähistorischen Schriftzeichen bis zu den digitalen Experimenten der Gegenwart. de Gruyter, Berlin, New York.
: S. 631) entste­hen kann. Die deutsch­sprachi­ge Strömung der Konkre­ten Poesie sowie die ihr am nächsten stehen­de brasi­liani­sche Künstler­gruppe Noigan­dres haben durch ihre Program­matik wie keine ande­ren eine selbstbe­wusste Iden­tität ent­wickelt, die bis heute zur Weiter­entwick­lung visu­eller Dichtung inspi­riert (vgl. [Drucker 1996a]Drucker, Johanna (1996): Experimental, Visual, and Concrete Poetry: A Note on Historical Context and Basic Concepts. In: Jackson, D.; Vos, E. & Drucker, J. (Hg.), Experimental – Visual – Concrete: Avant-garde Poetry since the 1960s. Rodopi, Amsterdam, Atlanta.
: S. 58).


Visuelle Poesie im Compu­terzeit­alter

Kinetische Poesie in vielfälti­ger Form beweg­licher, verän­derli­cher Buchsta­ben- oder Wortfol­gen findet sich nicht erst, seit es Compu­ter gibt. Beispie­le dafür sind filmi­sche Reali­satio­nen, (Neon)Licht­instal­latio­nen, Laufschrif­ten und Projek­tionen (vgl. [Dencker 2011a]Dencker, Klaus Peter (2011): Optische Poesie: Von den prähistorischen Schriftzeichen bis zu den digitalen Experimenten der Gegenwart. de Gruyter, Berlin, New York.
: S. 104ff.). Auch die durch den Compu­ter leicht hervor­rufba­re Zufalls­kombi­nato­rik zur Gene­rierung von visu­eller Poesie findet sich schon in frühen Beispie­len text­permu­tati­ver Techni­ken oder technisch ana­loger Poesie-Auto­maten (vgl. [Dencker 2011a]Dencker, Klaus Peter (2011): Optische Poesie: Von den prähistorischen Schriftzeichen bis zu den digitalen Experimenten der Gegenwart. de Gruyter, Berlin, New York.
: S. 177ff.). Dennoch bietet die heuti­ge Compu­tertech­nolo­gie fraglos das weitaus größte Spektrum an medi­aler Kombi­nato­rik: Durch die neuen Möglich­keiten des Gebrauchs der Schrift in Compu­terpro­grammen bzw. im Inter­net bieten sich kaum begrenz­te Möglich­keiten einer „ani­mierten“ bzw. „ope­rati­ven“ visu­ellen Poesie: Schrif­ten/Tex­te werden nicht nur filmisch in Bewe­gung versetzt, sondern werden als ausführ­bare Program­me oder Links program­miert (z.B. [Cramer 2011a]Cramer, Florian (2001): Netzkunst und konkrete Poesie.
Webadresse: netzliteratur.net/cramer/netzkunst_konkrete_poesie.htm
Nicht angezeigt: 31.8.2011
). Dencker unter­scheidet insge­samt elf Typen compu­terge­steuer­ter kine­tischer Poesie, die von ihm chrono­logisch sortiert eine große Bandbrei­te umfas­sen: von ersten, noch linear struktu­rierten Texten, die am Compu­ter mit zufalls­gesteu­erten Program­men erstellt wurden, über nicht-line­are Hyper­texte, Hyper­media, Inter­aktions- und Kolla­bora­tionstex­te bis hin zu code-basier­ten selbst­agie­renden Texten (vgl. [Dencker 2011a]Dencker, Klaus Peter (2011): Optische Poesie: Von den prähistorischen Schriftzeichen bis zu den digitalen Experimenten der Gegenwart. de Gruyter, Berlin, New York.
: S. 265f.).

— Eine Liste von Vertretern der Visuellen Poesie ist im Exkurs: Vertreter Visueller Poesie zusammengestellt.

Anmerkungen
Literatur
[Cramer 2011a]Cramer, Florian (2001): Netzkunst und konkrete Poesie.[Dencker 2011a]Dencker, Klaus Peter (2011): Optische Poesie: Von den prähistorischen Schriftzeichen bis zu den digitalen Experimenten der Gegenwart. de Gruyter, Berlin, New York.[Drucker 1996a]Drucker, Johanna (1996): Experimental, Visual, and Concrete Poetry: A Note on Historical Context and Basic Concepts. In: Jackson, D.; Vos, E. & Drucker, J. (Hg.), Experimental – Visual – Concrete: Avant-garde Poetry since the 1960s. Rodopi, Amsterdam, Atlanta.[Giertler 2011a]Giertler, Mareike (2011): Lesen als Akt des Sehens der Schrift – Am Beispiel von Kafkas Betrachtungen im Erstdruck. Sprache und Literatur, 42, 107.[Gomringer 1997a]Gomringer, Ernst (1997): Theorie der Konkreten Poesie, Texte und Manifeste 1954-1997. Edition Splitter, Wien.[Polaschegg 2011a]Polaschegg, Andrea (2011): Literatur auf einen Blick. Zur Schriftbildlichkeit der Lyrik. In: Krämer, S.; Cancik-Kirschbaum, E. & Totzke, R. (Hg.), Schriftbildlichkeit. Wahrnehmbarkeit, Materialität und Operativität von Notationen. Akademie, Berlin.[Raible 1991a]Raible, Wolfgang (1991): Die Semiotik der Textgestalt. Erscheinungsformen und Folgen eines kulturellen Evolutionsprozesses. Universitätsverlag Winter, Heidelberg.[Strätling & Witte 2006a]Strätling, Susanne & Witte, Georg (Hg.) (2006): Die Sichtbarkeit der Schrift. Fink, München.[Witte 2005a]Witte, Georg (2005): Textflächen und Flächentexte. Das Schriftsehen der literarischen Avantgarden. In: Grube, G.; Kogge, W. & Krämer, S. (Hg.), Schrift. Kulturtechnik zwischen Auge, Hand und Maschine. Fink, München.[Witte 2011a]Witte, Georg (2011): Das “Zusammen-Begreifen” des Blicks: Vers und Schrift. In: Krämer, S.; Cancik-Kirschbaum, E. & Totzke, R. (Hg.), Schriftbildlichkeit. Wahrnehmbarkeit, Materialität und Operativität von Notationen. Akademie, Berlin.

Ausgabe 1: 2013

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Zitierhinweis:

Totzke, Rainer & Mosbach, Doris (2013). Text als Bild, konkrete Poesie. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Text_als_Bild,_konkrete_Poesie].