Hebräisch: 'päsäl', 'säläm' und 'demut': Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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Etwas komplizierter liegen die Dinge im Umfeld der Lehre von der Gottes&shy;eben&shy;bildlich&shy;keit des Menschen, derzu&shy;folge der Mensch ein Bild ist, das Gott gleicht. Die entschei&shy;denden Aus&shy;drücke ‘säläm’ (‘צֶלֶם’) und ‘demut’ (‘דְּמוּת’), werden in der Über&shy;setzung von Gen 1,26f. in der Regel mit ‘Bild’ und ‘Gleichnis’ (oder auch [[Ähnlichkeit|‘Ähnlich&shy;keit’]]) wieder&shy;gege&shy;ben. Was lässt sich über die tatsäch&shy;liche Bedeu&shy;tung dieser beiden Aus&shy;drücke sagen? ‘Säläm’ bezeich&shy;net ein dreidi&shy;mensio&shy;nales Abbild, ‘demut’ hinge&shy;gen Gleich&shy;heit oder Form und Äuße&shy;res, und in der Kombi&shy;nation sind die beiden annä&shy;hernd bedeu&shy;tungsgleich (vgl. <bib id='Jervell 1980a'></bib> S. 491f). Kontro&shy;vers disku&shy;tiert worden ist deshalb hier nicht nur die Frage, was den Menschen bildhaft mache, sondern auch, ob mit der Verwen&shy;dung der beiden Substan&shy;tive tatsäch&shy;lich Unter&shy;schiedli&shy;ches benannt werden oder schlicht eine stilis&shy;tische Vari&shy;ation gebo&shy;ten werden solle (vgl. <bib id='Scholz 2000a'></bib>: S. 634).  
Etwas komplizierter liegen die Dinge im Umfeld der Lehre von der Gottes&shy;eben&shy;bildlich&shy;keit des Menschen, derzu&shy;folge der Mensch ein Bild ist, das Gott gleicht. Die entschei&shy;denden Aus&shy;drücke ‘säläm’ (‘צֶלֶם’) und ‘demut’ (‘דְּמוּת’), werden in der Über&shy;setzung von Gen 1,26f. in der Regel mit ‘Bild’ und ‘Gleichnis’ (oder auch [[Ähnlichkeit|‘Ähnlich&shy;keit’]]) wieder&shy;gege&shy;ben. Was lässt sich über die tatsäch&shy;liche Bedeu&shy;tung dieser beiden Aus&shy;drücke sagen? ‘Säläm’ bezeich&shy;net ein dreidi&shy;mensio&shy;nales Abbild, ‘demut’ hinge&shy;gen Gleich&shy;heit oder Form und Äuße&shy;res, und in der Kombi&shy;nation sind die beiden annä&shy;hernd bedeu&shy;tungsgleich (vgl. <bib id='Jervell 1980a'></bib> S. 491f). Kontro&shy;vers disku&shy;tiert worden ist deshalb hier nicht nur die Frage, was den Menschen bildhaft mache, sondern auch, ob mit der Verwen&shy;dung der beiden Substan&shy;tive tatsäch&shy;lich Unter&shy;schiedli&shy;ches benannt werden oder schlicht eine stilis&shy;tische Vari&shy;ation gebo&shy;ten werden solle (vgl. <bib id='Scholz 2000a'></bib>: S. 634).  
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Eindeutig ist jedoch der Befund, der sich aus dem Abgleich der beiden [[Kontext|Kontex&shy;te]] ergibt: Im Kontext von Gottes&shy;eben&shy;bildlich&shy;keit einer&shy;seits und Bilder&shy;verbot ande&shy;rerseits werden im Hebrä&shy;ischen je verschie&shy;dene Aus&shy;drücke verwen&shy;det, und von einem Kontext wird nicht direkt auf den ande&shy;ren verwie&shy;sen (vgl. <bib id='Dohmen 1985a'></bib>: S. 281f.). Der Gedan&shy;ke an eine Konkur&shy;renz zwischen Gott und Menschen drängt sich daher beim ursprüng&shy;lichen Text und seinem Voka&shy;bular nicht (oder zumin&shy;dest nicht stark) auf; hinge&shy;gen liegt mit einer nivel&shy;lieren&shy;den Über&shy;setzung der hebrä&shy;ischen Aus&shy;drücke – beispiels&shy;weise durch das griechi&shy;sche [[Griechisch: 'typos' und 'eidolon'|‘eikon’]] oder das deutsche ‘Bild’ – oder auch im [[Arabisch: 'sûra', 'timthal', 'wathan' und 'sanam'|Ara&shy;bischen]] die Speku&shy;lation schon weitaus näher, dass der Mensch, der Bilder produ&shy;ziert, Gott ein Präro&shy;gativ streitig machen könnte.<ref>Mit Nach&shy;druck be&shy;schwo&shy;ren hat die&shy;se zwei&shy;fel&shy;haf&shy;te Kon&shy;kur&shy;renz in jün&shy;ge&shy;rer Zeit der Kunst&shy;his&shy;to&shy;ri&shy;ker Gott&shy;fried Boehm, und auch die [[Mediologie|Me&shy;di&shy;o&shy;lo&shy;gie]] von Ré&shy;gis De&shy;bray stützt sich auf sie  (vgl. da&shy;zu <bib id='Boehm 1994a'></bib>: S. 329f. und <bib id='Debray 1999a'>De&shy;bray 1999a</bib>: S. 71).</ref>
Eindeutig ist jedoch der Befund, der sich aus dem Abgleich der beiden [[Kontext|Kontex&shy;te]] ergibt: Im Kontext von Gottes&shy;eben&shy;bildlich&shy;keit einer&shy;seits und Bilder&shy;verbot ande&shy;rerseits werden im Hebrä&shy;ischen je verschie&shy;dene Aus&shy;drücke verwen&shy;det, und von einem Kontext wird nicht direkt auf den ande&shy;ren verwie&shy;sen (vgl. <bib id='Dohmen 1985a'></bib>: S. 281f.). Der Gedan&shy;ke an eine Konkur&shy;renz zwischen Gott und Menschen drängt sich daher beim ursprüng&shy;lichen Text und seinem Voka&shy;bular nicht (oder zumin&shy;dest nicht stark) auf; hinge&shy;gen liegt mit einer nivel&shy;lieren&shy;den Über&shy;setzung der hebrä&shy;ischen Aus&shy;drücke – beispiels&shy;weise durch das griechi&shy;sche [[[[Griechisch: 'ἄγαλμα', 'φάντασμα', 'εἴδωλον', 'τύπος', 'εἰκών'|‘eikon’]] oder das deutsche ‘Bild’ – oder auch im [[Arabisch: 'sûra', 'timthal', 'wathan' und 'sanam'|Ara&shy;bischen]] die Speku&shy;lation schon weitaus näher, dass der Mensch, der Bilder produ&shy;ziert, Gott ein Präro&shy;gativ streitig machen könnte.<ref>Mit Nach&shy;druck be&shy;schwo&shy;ren hat die&shy;se zwei&shy;fel&shy;haf&shy;te Kon&shy;kur&shy;renz in jün&shy;ge&shy;rer Zeit der Kunst&shy;his&shy;to&shy;ri&shy;ker Gott&shy;fried Boehm, und auch die [[Mediologie|Me&shy;di&shy;o&shy;lo&shy;gie]] von Ré&shy;gis De&shy;bray stützt sich auf sie  (vgl. da&shy;zu <bib id='Boehm 1994a'></bib>: S. 329f. und <bib id='Debray 1999a'>De&shy;bray 1999a</bib>: S. 71).</ref>


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*  [[Ähnlichkeit]]
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*  [[Arabisch: 'sûra', 'timthal', 'wathan' und 'sanam'|Arabisch: ‘sûra’, ‘timthal’, ‘wathan’ und ‘sanam’]]
*  [[Arabisch: 'sûra', 'timthal', 'wathan' und 'sanam'|Arabisch: ‘sûra’, ‘timthal’, ‘wathan’ und ‘sanam’]]
*  [[Griechisch: 'typos' und 'eidolon'|Griechisch: ‘typos’ und ‘eidolon’]]
*  [[Griechisch: 'ἄγαλμα', 'φάντασμα', 'εἴδωλον', 'τύπος', 'εἰκών'|Griechisch: ‘ἄγαλμα’, ‘φάντασμα’, ‘εἴδωλον’, ‘τύπος’, ‘εἰκών’]]
*  [[Idolatrie und Ikonoklasmus]]
*  [[Idolatrie und Ikonoklasmus]]
*  [[Kontext]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildtermini anderer Sprachen


Im Hebräischen des «Alten Testaments» finden sich mehr als zehn verschie­dene Aus­drücke für Bilder, und es gibt zwei Kontex­te, in denen sie nachdrück­lich Aufmerk­samkeit bean­sprucht haben, nämlich im Zusam­menhang mit dem Bilder­verbot (⊳ Ido­latrie und Iko­noklas­mus) und mit der Lehre von der Gottes­eben­bildlich­keit des Menschen (vgl. [Dohmen 1985a]Dohmen, Christoph (1985): Das Bilderverbot. Seine Entstehung und seine Entwicklung im Alten Testament. Peter Hanstein, Königstein/T.
Nicht angezeigt: Bonner Biblische Beiträge. Bd. 62
: S. 41-63 und [Dohmen 1994a]Dohmen, Christoph (1994): Bild, Bilderverehrung, Bilderverbot, Bilderstreit I – II. In: Kasper, W. (Hg.), Lexikon für Theologie und Kirche. Bd. 2. Barclay – Damodos. Herder, Freiburg, Basel, Rom, Wien.
Notiz: dritte Auflage
).

Für die im Kontext des Bilderverbots verwen­deten Aus­drücke gilt, dass sie auf handwerk­liche Tätig­keiten und die dabei verwen­deten Mate­riali­en zurück­verwei­sen. Sie bezeich­nen (Kult-)Bilder, die in Stein gehau­en, aus Holz geschnitzt, aus Metall gegos­sen oder mit Goldschmie­dearbeit verziert sind. Mit am häufig­sten wird hier der Ausdruck ‘päsäl’ (‘פַּסָּל’) gebraucht, so auch im vierten Gebot: „Du sollst Dir kein Bildnis machen!“ (Ex 20,4). Gegen­über dem heuti­gen Verständ­nis von »Bild« sind dabei vor allem zwei Unter­schiede festzu­halten. Erstens sind die hier gemein­ten Bilder dreidi­mensio­nale Plasti­ken und Skulptu­ren und nicht – woran wir bei ‘Bild’ eher denken würden – flächi­ge Gemäl­de oder Zeichnun­gen. Und zweitens bezeich­nen die betref­fenden Aus­drücke darüber hinaus weder menta­le noch verba­le Bilder.

Etwas komplizierter liegen die Dinge im Umfeld der Lehre von der Gottes­eben­bildlich­keit des Menschen, derzu­folge der Mensch ein Bild ist, das Gott gleicht. Die entschei­denden Aus­drücke ‘säläm’ (‘צֶלֶם’) und ‘demut’ (‘דְּמוּת’), werden in der Über­setzung von Gen 1,26f. in der Regel mit ‘Bild’ und ‘Gleichnis’ (oder auch ‘Ähnlich­keit’) wieder­gege­ben. Was lässt sich über die tatsäch­liche Bedeu­tung dieser beiden Aus­drücke sagen? ‘Säläm’ bezeich­net ein dreidi­mensio­nales Abbild, ‘demut’ hinge­gen Gleich­heit oder Form und Äuße­res, und in der Kombi­nation sind die beiden annä­hernd bedeu­tungsgleich (vgl. [Jervell 1980a]Jervell, Jacob (1980): Bild Gottes I. Biblische, Frühjüdische und gnostische Auffassungen. In: Krause, G. & Müller, G. (Hg.), Theologische Realenzyklopädie. Bd. 6. Bibel – Böhmen und Mähren. de Gruyter, Berlin.
S. 491f). Kontro­vers disku­tiert worden ist deshalb hier nicht nur die Frage, was den Menschen bildhaft mache, sondern auch, ob mit der Verwen­dung der beiden Substan­tive tatsäch­lich Unter­schiedli­ches benannt werden oder schlicht eine stilis­tische Vari­ation gebo­ten werden solle (vgl. [Scholz 2000a]Scholz, Oliver R. (2000): Bild. In: Barck, K. & Fontius, M. et al. (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 1. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.
: S. 634).

Eindeutig ist jedoch der Befund, der sich aus dem Abgleich der beiden Kontex­te ergibt: Im Kontext von Gottes­eben­bildlich­keit einer­seits und Bilder­verbot ande­rerseits werden im Hebrä­ischen je verschie­dene Aus­drücke verwen­det, und von einem Kontext wird nicht direkt auf den ande­ren verwie­sen (vgl. [Dohmen 1985a]Dohmen, Christoph (1985): Das Bilderverbot. Seine Entstehung und seine Entwicklung im Alten Testament. Peter Hanstein, Königstein/T.
Nicht angezeigt: Bonner Biblische Beiträge. Bd. 62
: S. 281f.). Der Gedan­ke an eine Konkur­renz zwischen Gott und Menschen drängt sich daher beim ursprüng­lichen Text und seinem Voka­bular nicht (oder zumin­dest nicht stark) auf; hinge­gen liegt mit einer nivel­lieren­den Über­setzung der hebrä­ischen Aus­drücke – beispiels­weise durch das griechi­sche [[‘eikon’ oder das deutsche ‘Bild’ – oder auch im Ara­bischen die Speku­lation schon weitaus näher, dass der Mensch, der Bilder produ­ziert, Gott ein Präro­gativ streitig machen könnte.[1]

Anmerkungen
  1. ↑ Mit Nach­druck be­schwo­ren hat die­se zwei­fel­haf­te Kon­kur­renz in jün­ge­rer Zeit der Kunst­his­to­ri­ker Gott­fried Boehm, und auch die Me­di­o­lo­gie von Ré­gis De­bray stützt sich auf sie (vgl. da­zu [Boehm 1994a]Boehm, Gottfried (1994): Die Wiederkehr der Bilder. In: Boehm, G. (Hg.), Was ist ein Bild?. Fink, München.
    : S. 329f. und [Debray 1999a]Debray, Régis (1999): Für eine Mediologie. In: Pias, C. et al. (Hg.), Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart.
    : S. 71).
Literatur
[Boehm 1994a]Boehm, Gottfried (1994): Die Wiederkehr der Bilder. In: Boehm, G. (Hg.), Was ist ein Bild?. Fink, München.[Debray 1999a]Debray, Régis (1999): Für eine Mediologie. In: Pias, C. et al. (Hg.), Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart.[Dohmen 1985a]Dohmen, Christoph (1985): Das Bilderverbot. Seine Entstehung und seine Entwicklung im Alten Testament. Peter Hanstein, Königstein/T.[Dohmen 1994a]Dohmen, Christoph (1994): Bild, Bilderverehrung, Bilderverbot, Bilderstreit I – II. In: Kasper, W. (Hg.), Lexikon für Theologie und Kirche. Bd. 2. Barclay – Damodos. Herder, Freiburg, Basel, Rom, Wien.[Jervell 1980a]Jervell, Jacob (1980): Bild Gottes I. Biblische, Frühjüdische und gnostische Auffassungen. In: Krause, G. & Müller, G. (Hg.), Theologische Realenzyklopädie. Bd. 6. Bibel – Böhmen und Mähren. de Gruyter, Berlin.[Scholz 2000a]Scholz, Oliver R. (2000): Bild. In: Barck, K. & Fontius, M. et al. (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden. Bd. 1. J. B. Metzler, Stuttgart, Weimar.

Ausgabe 1: 2013

Verantwortlich:

Zitierhinweis:

Liebsch, Dimitri (2013). Hebräisch: 'päsäl', 'säläm' und 'demut'. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Hebr%C3%A4isch:_%27p%C3%A4s%C3%A4l%27,_%27s%C3%A4l%C3%A4m%27_und_%27demut%27].