Traumbild: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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==Traumbild, Vision, Tagtraum und Onirisches==
==Traumbild, Vision, Tagtraum und Oni&shy;risches==
‘Traumbild’ ist weder ein profilierter wissenschaftlicher Ausdruck noch einer, der besonders häufig in der Alltagssprache vorkommt, anders als das Lehnwort ‘Vision’, das eine hauptsächlich visuelle Halluzination im Wachzustand bezeichnet (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 17). In Abgrenzung zur Vision einerseits, zum „lebhaft vorgestellte[n]“, aber „niemals halluzinatorisch erlebte[n]“ Tagtraum (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 129) andererseits und vor dem Hintergrund einer allgemeinen Definition von Traum als psychischem „Erleben während des Schlafs“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 17) lässt sich das Traumbild definieren als eine visuelle Halluzination im Schlafzustand. Wird das Traumbild nicht derart eingeschränkt auf den Schlafzustand, dann öffnet sich ein weites Feld, das mit Hans Ulrich Reck das ‘Onirische’ genannt werden kann: „Das dem Französischen entliehene Wort des ‘Onirischen’ bezeichnet – im Unterschied zur im Deutschen gebräuchlichen trennenden Auffaltung von Traum, Vision, Halluzination, Schimäre etc. – alle möglichen und erdenklichen Formen, Beschaffenheiten und Zwischenzustände von Traum, Tagtraum, Vision, Halluzination, Träumereien, Meditation, ‘schwebenden Verinnerlichungen’ in einem durchgängigen, aber keineswegs homogenen Zusammenhang oder “Feld”“ (<bib id='Reck 2010a'></bib>: S. 22).
‘Traumbild’ ist weder ein profi&shy;lierter wissen&shy;schaftli&shy;cher Ausdruck noch einer, der beson&shy;ders häufig in der Alltags&shy;sprache vorkommt, anders als das Lehnwort ‘Vision’, das eine hauptsäch&shy;lich visu&shy;elle Hallu&shy;zina&shy;tion im Wachzu&shy;stand bezeich&shy;net (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 17). In Abgren&shy;zung zur Vision einer&shy;seits, zum „lebhaft vorge&shy;stellte[n]“, aber „niemals hallu&shy;zina&shy;torisch erleb&shy;te[n]“ Tagtraum (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 129) ande&shy;rerseits und vor dem Hinter&shy;grund einer allge&shy;meinen Defi&shy;nition von Traum als psychi&shy;schem „Erle&shy;ben während des Schlafs“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 17) lässt sich das Traumbild defi&shy;nieren als eine visu&shy;elle Hallu&shy;zina&shy;tion im Schlafzu&shy;stand. Wird das Traumbild nicht derart einge&shy;schränkt auf den Schlafzu&shy;stand, dann öffnet sich ein weites Feld, das mit Hans Ulrich Reck das ‘Oni&shy;rische’ genannt werden kann:
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:''Das dem Franzö&shy;sischen entlie&shy;hene Wort des ‘Oni&shy;rischen’ bezeich&shy;net – im Unter&shy;schied zur im Deutschen gebräuch&shy;lichen trennen&shy;den Auffal&shy;tung von Traum, Vision, Hallu&shy;zina&shy;tion, Schimä&shy;re etc. – alle mögli&shy;chen und erdenk&shy;lichen Formen, Beschaf&shy;fenhei&shy;ten und Zwischen&shy;zustän&shy;de von Traum, Tagtraum, Vision, Hallu&shy;zina&shy;tion, Träume&shy;reien, Medi&shy;tation, ‘schweben&shy;den Verin&shy;nerli&shy;chungen’ in einem durchgängigen, aber keineswegs homogenen Zusammenhang oder “Feld”'' (<bib id='Reck 2010a'></bib>: S. 22).




==Das Traumbild aus Sicht der empirisch-klinischen Schlaf- und Traumforschung==
==Das Traumbild aus Sicht der empi&shy;risch-&#8203;klini&shy;schen Schlaf- und Traum&shy;for&shy;schung==


Die definitorische Einschränkung des Traumbildes auf den Schlafzustand ist allerdings gerechtfertigt schon durch die alltagssprachliche Bedeutung von ‘Traum’ als gerade „im Schlaf auftretende Vorstellung, sehnlicher Wunsch“ (<bib id='Pfeifer 1997a'></bib>: 1452). Die Verwendung des Ausdrucks ‘Traum''bild''’ ist einerseits durch die Etymologie des Wortes ‘Traum’ motiviert, andererseits durch die empirisch-klinische Traum- und Schlafforschung.  
Die definitorische Einschrän&shy;kung des Traumbil&shy;des auf den Schlafzu&shy;stand ist aller&shy;dings gerecht&shy;fertigt schon durch die alltags&shy;sprachli&shy;che Bedeu&shy;tung von ‘Traum’ als gera&shy;de „im Schlaf auftre&shy;tende Vorstel&shy;lung, sehnli&shy;cher Wunsch“ (<bib id='Pfeifer 1997a'></bib>: 1452). Die Verwen&shy;dung des Ausdrucks ‘Traum''bild''’ ist einer&shy;seits durch die Ety&shy;molo&shy;gie des Wortes ‘Traum’ moti&shy;viert, ande&shy;rerseits durch die empi&shy;risch-&#8203;klini&shy;sche Traum- und Schlaf&shy;forschung.
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Etymologisch steckt in ‘Traum’ nämlich eine Beto&shy;nung des Visu&shy;ellen. ‘Traum’ lässt sich zurück verfol&shy;gen auf das germa&shy;nische ‘draugma’, das ein „nicht wirkli&shy;ches Bild, Trugbild“ bezeich&shy;net (<bib id='Pfeifer 1997a'></bib>: 1452); vergleich&shy;bare Verbin&shy;dungen zwischen Trug- und Traumbild findet sich auch im griechi&shy;schen Vokabular (‘[[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'|eido&shy;lon]]’) und im latei&shy;nischen (‘[[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago'|ima&shy;go]]’). Davon abge&shy;sehen bestä&shy;tigt die Traum- und Schlaf&shy;forschung die „Evi&shy;denz des Bilder&shy;sehens im Traum“ (<bib id='Reck 2010a'></bib>: S. 33), das heißt die häufig berich&shy;tete und auch in der Fachli&shy;tera&shy;tur unbe&shy;stritte&shy;ne Erfah&shy;rung visu&shy;eller Ein&shy;drücke während des Schlafs. Inge Strauch und Barba&shy;ra Meier berich&shy;ten auf der Basis empi&shy;rischer Schlaf&shy;forschung, dass in über 50% der Träume visu&shy;elle Ein&shy;drücke vorkom&shy;men, neben akus&shy;tischen Ein&shy;drücken (25%), Körper&shy;empfin&shy;dungen (19%) und Geruchs- und Geschmacks&shy;empfin&shy;dungen (2%); außer mit solchen hallu&shy;zinier&shy;ten Sinnes&shy;wahrneh&shy;mungen sind Träume auch mit Gefüh&shy;len, hallu&shy;zinier&shy;tem Sprechen und Denkvor&shy;gängen durchmischt (vgl. <bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 84; vgl. <bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 86). Michael Schredl nennt unter Verweis auf drei empi&shy;rische Studien über Labor- bzw. Tage&shy;buchträu&shy;me eine hundert&shy;prozen&shy;tige Präva&shy;lenz visu&shy;eller Ein&shy;drücke neben audi&shy;tiven Ein&shy;drücken (zwischen 53% und 76%) und ande&shy;ren, die demge&shy;genü&shy;ber kaum ins Gewicht fallen (nämlich kinäs&shy;theti&shy;sche Ein&shy;drücke, die in einer der Studien bei 8% lagen, anson&shy;sten aber, wie takti&shy;le, olfak&shy;tori&shy;sche und ande&shy;re Ein&shy;drücke, bloß bei ca. 1% (vgl. dazu Tabel&shy;le 10 in <bib id='Schredl 2006a'></bib>: S. 49)). In diesem Zusam&shy;menhang ist auch die Studie von <bib id='Kerr et al. 1982a'></bib> zu Träumen von blinden Menschen von Belang, auf die sich Strauch und Meier bezie&shy;hen. Ihr Ergeb&shy;nis ist,
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:''dass Menschen, die von Geburt an blind sind oder vor dem 5. Lebens&shy;jahr erblin&shy;deten, keine Träume mit visu&shy;ellen Vorstel&shy;lungen haben, hier stehen akus&shy;tische und takti&shy;le Wahrneh&shy;mungen im Vorder&shy;grund. Trat die Behin&shy;derung jedoch später ein, blieben visu&shy;elle Vorstel&shy;lungen im Traum erhal&shy;ten. Inte&shy;ressan&shy;terwei&shy;se entspra&shy;chen solche visu&shy;ellen Ein&shy;drücke nicht dem gegen&shy;wärti&shy;gen einge&shy;schränkten Sehver&shy;mögen, sondern sie ließen frühe&shy;re Erfah&shy;rungen wieder aufle&shy;ben'' (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 212).
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Etymologisch steckt in ‘Traum’ nämlich eine Betonung des Visuellen. ‘Traum’ lässt sich zurück verfolgen auf das germanische ‘draugma’, das ein „nicht wirkliches Bild, Trugbild“ bezeichnet (<bib id='Pfeifer 1997a'></bib>: 1452); vergleichbare Verbindungen zwischen Trug- und Traumbild findet sich auch im griechischen Vokabular (‘[[Griechisch: 'typos', 'eidolon', 'eikon', 'mimema', 'phantasma'|eidolon]]’) und im lateinischen (‘[[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago'|imago]]’). Davon abgesehen bestätigt die Traum- und Schlafforschung die „Evidenz des Bildersehens im Traum“ (<bib id='Reck 2010a'></bib>: S. 33), das heißt die häufig berichtete und auch in der Fachliteratur unbestrittene Erfahrung visueller Eindrücke während des Schlafs. Inge Strauch und Barbara Meier berichten auf der Basis empirischer Schlafforschung, dass in über 50% der Träume visuelle Eindrücke vorkommen, neben akustischen Eindrücken (25%), Körperempfindungen (19%) und Geruchs- und Geschmacksempfindungen (2%); außer mit solchen halluzinierten Sinneswahrnehmungen sind Träume auch mit Gefühlen, halluziniertem Sprechen und Denkvorgängen durchmischt (vgl. <bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 84; vgl. <bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 86). Michael Schredl nennt unter Verweis auf drei empirische Studien über Labor- bzw. Tagebuchträume eine hundertprozentige Prävalenz visueller Eindrücke neben auditiven Eindrücken (zwischen 53% und 76%) und anderen, die demgegenüber kaum ins Gewicht fallen (nämlich kinästhetische Eindrücke, die in einer der Studien bei 8% lagen, ansonsten aber, wie taktile, olfaktorische und andere Eindrücke, bloß bei ca. 1% (vgl. dazu Tabelle 10 in <bib id='Schredl 2006a'></bib>: S. 49)). In diesem Zusammenhang ist auch die Studie von <bib id='Kerr & Foulkes & Schmidt 1982a'></bib> zu Träumen von blinden Menschen von Belang, auf die sich Strauch und Meier beziehen. Ihr Ergebnis ist, „dass Menschen, die von Geburt an blind sind oder vor dem 5. Lebensjahr erblindeten, keine Träume mit visuellen Vorstellungen haben, hier stehen akustische und taktile Wahrnehmungen im Vordergrund. Trat die Behinderung jedoch später ein, blieben visuelle Vorstellungen im Traum erhalten. Interessanterweise entsprachen solche visuellen Eindrücke nicht dem gegenwärtigen eingeschränkten Sehvermögen, sondern sie ließen frühere Erfahrungen wieder aufleben“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 212).
Während nach Strauch und Meier die hallu&shy;zinier&shy;ten „Sinnes&shy;ein&shy;drücke“ wie Sprechen und Denken im Traum als „ein durchgän&shy;giges Gestal&shy;tungsmit&shy;tel von Träumen“ anzu&shy;sehen sind, sind „Gefüh&shy;le“ in Träumen und die „Bizarr&shy;heit“ von Träumen eher als Begleit&shy;erschei&shy;nungen anzu&shy;sehen (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 107). Als bizarr werden Träume und ihre visu&shy;ellen Kompo&shy;nenten meist erst in der Erin&shy;nerung aufge&shy;fasst, selten schon während des aktu&shy;alen Erle&shy;bens (vgl. <bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 100ff.). In einer Unter&shy;suchung von 117 REM-&#8203;Schlaf-&#8203;Traumbe&shy;richten<ref>Die REM-&#8203;Pha&shy;se des Schlafs ist von schnel&shy;len Au&shy;gen&shy;be&shy;we&shy;gun&shy;gen, ''rapid eye move&shy;ments'', be&shy;glei&shy;tet.</ref> unter&shy;scheiden Strauch und Meier zwischen forma&shy;ler und inhalt&shy;licher Bizarr&shy;heit:  
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Während nach Strauch und Meier die halluzinierten „Sinneseindrücke“ wie Sprechen und Denken im Traum als „ein durchgängiges Gestaltungsmittel von Träumen“ anzusehen sind, sind „Gefühle“ in Träumen und die „Bizarrheit“ von Träumen eher als Begleiterscheinungen anzusehen (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 107). Als bizarr werden Träume und ihre visuellen Komponenten meist erst in der Erinnerung aufgefasst, selten schon während des aktualen Erlebens (vgl. <bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 100ff.). In einer Untersuchung von 117 REM-Schlaf-Traumberichten<ref>Die REM-Phase des Schlafs ist von schnellen Augenbewegungen, ''rapid eye movements'', begleitet.</ref> unterscheiden Strauch und Meier zwischen formaler und inhaltlicher Bizarrheit: „''Formal bizarr'' sind Berichte, die in ihrem Aufbau und in ihrem Verlauf auffällig sind, weil einzelne Wörter, Sätze oder Abschnitte unvollständig, zerfahren oder sprunghaft sind. ''Inhaltlich bizarr'' sind Elemente und Ereignisse, die aus der Sicht des Alltags außergewöhnlich sind, weil sie verändert oder unwahrscheinlich sind, weil sie soziale und kulturelle Normen verletzen oder den physikalischen Gesetzmäßigkeiten widersprechen“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 101). Im Untersuchungsergebnis waren 48% der Traumberichte inhaltlich bizarr, 9% formal bizarr, 19% formal und inhaltlich bizarr und 24% wiesen keine Bizarrheit auf (vgl. <bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 102). Dass insbesondere Kinderträume von Bizarrheit frei sein können und dass diese Art von „Entstellung“ für den Traum daher nicht wesentlich sei stellt auch Sigmund Freud aus der Sicht seiner [[Psychoanalytische Theorien des Bildes|psychoanalytischen Traumtheorie]] fest (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 126). Umgekehrt erweist die psychoanalytische Interpretation freilich sehr häufig gerade die „nicht verworrenen“ Träume als die, deren latente Trauminhalte „einen außerordentlich hohen Grad von Entstellung erfahren haben“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 116).
:Formal bizarr'' sind Berich&shy;te, die in ihrem Aufbau und in ihrem Verlauf auffäl&shy;lig sind, weil einzel&shy;ne Wörter, Sätze oder Abschnit&shy;te unvoll&shy;ständig, zerfah&shy;ren oder sprunghaft sind. ''Inhalt&shy;lich bizarr'' sind Ele&shy;mente und Ereig&shy;nisse, die aus der Sicht des Alltags außer&shy;gewöhn&shy;lich sind, weil sie verän&shy;dert oder unwahr&shy;scheinlich sind, weil sie sozi&shy;ale und kultu&shy;relle Normen verlet&shy;zen oder den physi&shy;kali&shy;schen Gesetz&shy;mäßig&shy;keiten wider&shy;sprechen'' (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 101).  
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Laut Strauch und Meier, die sich unter anderem auf eine eigene Untersuchung von 500 REM-Schlaf-Träumen stützen, ist der Realitätscharakter von Träumen und ihren visuellen Komponenten stark ausgeprägt. Träume haben sehr häufig „Alltagssituationen zum Thema“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 123). Sie sind „im Allgemeinen aber nicht durchgehend wirklichkeitsgetreu, sie sind auch nicht ausgesprochen phantastisch, sondern sie spiegeln vor allem eine kreative Umgestaltung der Wacherfahrung“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 129). In den untersuchten 500 REM-Schlaf-Träumen waren die jeweiligen „Traumumgebungen“ zu 44% unbekannte Szenarien, zu 26% eine vertraute Umwelt (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 111). Die jeweiligen „Traumfiguren“ waren zu 45% Bekannte und Verwandte, zu 25% Fremde und nur zu 1% fiktiv (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 109). Genauso wie die visuellen Traumeindrücke im Allgemeinen erscheinen die Handlungen dieser Figuren „nicht als Ketten von Standbildern“, „sondern sie bestehen aus handlungsreichen und bewegten Situationen, in denen Traumfiguren aktiv sind“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 115).
Im Untersuchungsergebnis waren 48% der Traumbe&shy;richte inhalt&shy;lich bizarr, 9% formal bizarr, 19% formal und inhalt&shy;lich bizarr und 24% wiesen keine Bizarr&shy;heit auf (vgl. <bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 102). Dass insbe&shy;sonde&shy;re Kinder&shy;träume von Bizarr&shy;heit frei sein können und dass diese Art von „Entstel&shy;lung“ für den Traum daher nicht wesent&shy;lich sei stellt auch Sigmund Freud aus der Sicht seiner [[Psychoanalytische Theorien des Bildes|psycho&shy;ana&shy;lyti&shy;schen Traumthe&shy;orie]] fest (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 126). Umge&shy;kehrt erweist die psycho&shy;ana&shy;lyti&shy;sche Inter&shy;preta&shy;tion freilich sehr häufig gera&shy;de die „nicht verwor&shy;renen“ Träume als die, deren laten&shy;te Traumin&shy;halte „einen außer&shy;ordent&shy;lich hohen Grad von Entstel&shy;lung erfah&shy;ren haben“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 116).
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Dass Traumbilder der visuellen Wahrnehmung im Wachbewusstsein relativ stark entsprechen legt auch die Studie von <bib id='Rechtschaffen & Buchignani 1983a'></bib> nahe, die Strauch und Meier zitieren: „In dieser Studie entsprachen die Traumbilder weitgehend der Wachwahrnehmung in Bezug auf den Grad ihrer Helligkeit und Bildschärfe, sie zeigten aber im Mittel weniger satte [[Farbe als bildsyntaktische Kategorie|Farben]] und eine Fokussierung des Vordergrunds bei einem verschwommenen Hintergrund“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 87). Freilich stehen diese Aussagen unter dem Vorbehalt einer unverfälschten Erinnerung des Träumers. „Werden Traumbilder als wenig prägnant beschrieben, dann bleibt offen, ob die visuellen Traumvorstellungen bereits diese Qualität hatten, oder ob ein ursprünglich deutlicher Eindruck erst in der Erinnerung verblasst ist“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 87).
Laut Strauch und Meier, die sich unter ande&shy;rem auf eine eige&shy;ne Unter&shy;suchung von 500 REM-&#8203;Schlaf-&#8203;Träumen stützen, ist der Reali&shy;tätscha&shy;rakter von Träumen und ihren visu&shy;ellen Kompo&shy;nenten stark ausge&shy;prägt. Träume haben sehr häufig „Alltags&shy;situ&shy;atio&shy;nen zum Thema“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 123). Sie sind
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:''im Allgemeinen aber nicht durchge&shy;hend wirklich&shy;keitsge&shy;treu, sie sind auch nicht ausge&shy;sprochen phantas&shy;tisch, sondern sie spiegeln vor allem eine kreati&shy;ve Umge&shy;staltung der Wacher&shy;fahrung“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 129).
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In den untersuchten 500 REM-&#8203;Schlaf-&#8203;Träumen waren die jewei&shy;ligen „Traumum&shy;gebun&shy;gen“ zu 44% unbe&shy;kannte Szena&shy;rien, zu 26% eine vertrau&shy;te Umwelt (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 111). Die jewei&shy;ligen „Traumfi&shy;guren“ waren zu 45% Bekann&shy;te und Verwand&shy;te, zu 25% Fremde und nur zu 1% fiktiv (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 109). Genau&shy;so wie die visu&shy;ellen Traumein&shy;drücke im Allge&shy;meinen erschei&shy;nen die Handlun&shy;gen dieser Figu&shy;ren „nicht als Ketten von Standbil&shy;dern“, „sondern sie beste&shy;hen aus handlungs&shy;reichen und beweg&shy;ten Situ&shy;ationen, in denen Traumfi&shy;guren aktiv sind“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 115).
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Dass Traumbilder der visu&shy;ellen Wahrneh&shy;mung im Wachbe&shy;wusstsein rela&shy;tiv stark entspre&shy;chen legt auch die Studie von <bib id='Rechtschaffen & Buchignani 1983a'>Recht&shy;schaf&shy;fen & Buchi&shy;gnani 1983a</bib> nahe, die Strauch und Meier zitie&shy;ren:
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:''In dieser Studie entspra&shy;chen die Traumbil&shy;der weitge&shy;hend der Wachwahr&shy;nehmung in Bezug auf den Grad ihrer Hellig&shy;keit und Bildschär&shy;fe, sie zeigten aber im Mittel weni&shy;ger satte [[Farbe als bildsyntaktische Kategorie|Farben]] und eine Fokus&shy;sierung des Vorder&shy;grunds bei einem verschwom&shy;menen Hinter&shy;grund“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 87).  
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Freilich stehen diese Aussagen unter dem Vorbe&shy;halt einer unver&shy;fälschten Erin&shy;nerung des Träumers.
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:''Werden Traumbilder als wenig prägnant beschrie&shy;ben, dann bleibt offen, ob die visu&shy;ellen Traumvor&shy;stellun&shy;gen bereits diese Quali&shy;tät hatten, oder ob ein ursprüng&shy;lich deutli&shy;cher Eindruck erst in der Erin&shy;nerung verblasst ist'' (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 87).




==Traum(bild)forschung: Neuropsychologie und/oder Psychoanalyse==
==Traum(bild)&shy;forschung: Neuro&shy;psycho&shy;logie und/&#8203;oder Psycho&shy;ana&shy;lyse==


Dieser Vorbehalt verweist auf eine Grundproblematik der Traum(bild)forschung. Traumbilder haben, wie alle anderen Arten des Traumerlebens auch, den Status von Qualia. Sie sind daher bis auf weiteres „private Erlebnisse, bei denen keine Beobachter zugelassen sind, der Träumer ist der einzige Zeuge des Traumgeschehens“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 27). Da also das Traumbild wie der Traum, als dessen Teil es erlebt wird, „nicht unabhängig vom Wachzustand“ beobachtet und beschrieben werden kann und dadurch ein nur noch erinnertes Traumbild ist, werden in der Schlaf- und Traumforschung der Traum wie das Traumbild streng genommen nicht definiert als das aktuale Erleben, das sie doch eigentlich sind, sondern als immer schon nachträglicher „Traumbericht“ des Träumers, als seine wachbewusste „Erinnerung an die psychische Aktivität, die während des Schlafes stattfindet“ (<bib id='Schredl 2006a'></bib>: S. 64, 38; vgl. <bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 81). Bis auf weiteres ist also diese Traumerinnerung „einziger Schlüssel“ zur Traumwelt (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 246). Vielleicht machen es in Zukunft Verfahren technischer Bildrekonstruktion in der Neuropsychologie möglich, das strikt binnenperspektivische Bilderleben des Träumenden zu objektivieren. Auf diese Möglichkeit deutet zum Beispiel die Studie von <bib id='Nishimoto et al. 2011a'></bib> hin.
Dieser Vorbehalt verweist auf eine Grundpro&shy;blema&shy;tik der Traum(bild)&shy;forschung. Traumbil&shy;der haben, wie alle ande&shy;ren Arten des Traumer&shy;lebens auch, den Status von Qualia. Sie sind daher bis auf weite&shy;res „priva&shy;te Erleb&shy;nisse, bei denen keine Beobach&shy;ter zuge&shy;lassen sind, der Träumer ist der einzi&shy;ge Zeuge des Traumge&shy;schehens“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 27). Da also das Traumbild wie der Traum, als dessen Teil es erlebt wird, „nicht unab&shy;hängig vom Wachzu&shy;stand“ beobach&shy;tet und beschrie&shy;ben werden kann und dadurch ein nur noch erin&shy;nertes Traumbild ist, werden in der Schlaf- und Traumfor&shy;schung der Traum wie das Traumbild streng genom&shy;men nicht defi&shy;niert als das aktu&shy;ale Erle&shy;ben, das sie doch eigent&shy;lich sind, sondern als immer schon nachträg&shy;licher „Traumbe&shy;richt“ des Träumers, als seine wachbe&shy;wusste „Erin&shy;nerung an die psychi&shy;sche Akti&shy;vität, die während des Schlafes stattfin&shy;det“ (<bib id='Schredl 2006a'></bib>: S. 64, 38; vgl. <bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 81). Bis auf weite&shy;res ist also diese Traumer&shy;inne&shy;rung „einzi&shy;ger Schlüssel“ zur Traumwelt (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 246). Vielleicht machen es in Zukunft Verfah&shy;ren techni&shy;scher Bildre&shy;konstruk&shy;tion in der Neuro&shy;psycho&shy;logie möglich, das strikt binnen&shy;perspek&shy;tivi&shy;sche Bilder&shy;leben des Träumen&shy;den zu objek&shy;tivie&shy;ren. Auf diese Möglich&shy;keit deutet zum Beispiel die Studie von <bib id='Nishimoto et al. 2011a'>Nishi&shy;moto et al. 2011a</bib> hin.
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Weil das Traumbild bislang nicht objek&shy;tiv beobacht&shy;bar ist, hat sich die Schlaf- und Traumfor&shy;schung der Erfor&shy;schung des physio&shy;logischen Korre&shy;lats der Träume zuge&shy;wandt. Dieses Korre&shy;lat wurde zunächst in den zyklisch auftre&shy;tenden Rapid-&#8203;Eye-&#8203;Move&shy;ment-&#8203;Phasen des Schlafs gese&shy;hen, insbe&shy;sonde&shy;re im Anschluss an die Studien von <bib id='Aserinsky & Kleitman 1953a'>Ase&shy;rinsky & Kleitman 1953a</bib> und <bib id='Dement & Kleitman 1957a'></bib>, die mithil&shy;fe eines Elek&shy;tro&shy;oku&shy;logramms eine statis&shy;tisch signi&shy;fikan&shy;te Korre&shy;lation von schnellen Augen&shy;bewe&shy;gungen und lebhaft erin&shy;nerten Traumein&shy;drücken bele&shy;gen konnten. Die ausschließ&shy;liche Reduk&shy;tion des Traumer&shy;lebens auf die REM-&#8203;Phasen, die vor dem Hinter&shy;grund des dama&shy;ligen beha&shy;vioris&shy;tischen Zeitgeis&shy;tes ange&shy;strebt wurde, wurde aller&shy;dings schon von <bib id='Foulkes 1962a'></bib> bestrit&shy;ten und gilt heute als wider&shy;legt (<bib id='Schredl 2006a'></bib>: S. 39f.; vgl. (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 131ff.). Obwohl sie wider&shy;legt ist und obwohl REM-&#8203;Schlaf nach dem heuti&shy;gen Stand der Diskus&shy;sion kein notwen&shy;diges und mit eini&shy;ger Wahrschein&shy;lichkeit auch kein hinrei&shy;chendes Krite&shy;rium für das Träumen ist, wird „[d]ie Theorie, dass der REM-&#8203;Schlaf das physio&shy;logi&shy;sche Korre&shy;lat des Träumens ist“ noch in aktu&shy;ellen Lehrbü&shy;chern der Biopsy&shy;cholo&shy;gie propa&shy;giert (vgl. hier und im Folgen&shy;den <bib id='Pinel & Pauli 2007a'></bib>: S. 358f.). Im selben Zug werden „die Träume, die nach Non-&#8203;REM-&#8203;Schlaf erin&shy;nert wurden“ als „eher einzel&shy;ne Erfah&shy;rungen“ und als „anders als die mit dem REM-&#8203;Schlaf asso&shy;ziierten Geschich&shy;ten“ abge&shy;tan; dies geht soweit, dass Proban&shy;den darü&shy;ber belehrt werden, ob sie mit ihrer Einschät&shy;zung, wie lange sie im Labor&shy;schlaf geträumt haben mögen, “richtig” liegen oder nicht. Doch auf dem heuti&shy;gen Stand der Traumfor&shy;schung sind physio&shy;logi&shy;sche Messun&shy;gen noch keine siche&shy;ren „objek&shy;tive[n] Traumin&shy;dika&shy;toren“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 245). Schon William Dement und Natha&shy;niel Kleitman hatten 1957 die von ihnen beleg&shy;te, tatsäch&shy;lich hohe Korre&shy;lation von REM-&#8203;Schlaf und Traumer&shy;inne&shy;rungen dadurch verzerrt, dass sie alle Traumer&shy;inne&shy;rungen ausschlos&shy;sen, die bloß ''vage'' oder ''fragmen&shy;tarisch'' und nicht ''kohä&shy;rent'' oder wenig&shy;stens ''eini&shy;germa&shy;ßen detail&shy;liert'' waren. Selbst Proban&shy;den, die sehr wohl behaup&shy;teten, geträumt zu haben, sich aber nicht an konkre&shy;te Inhal&shy;te erin&shy;nern konnten, wurden unter der Rubrik ‘Keine Traumer&shy;inne&shy;rung’ verbucht:
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:''The Ss were considered to have been dreaming only if they could relate a cohe&shy;rent, fairly de&shy;tailed descrip&shy;tion of dream content. Asser&shy;tions that they had dreamed without recall of content, or vague, fragmen&shy;tary impres&shy;sions of content, were consid&shy;ered nega&shy;tive'' (vgl. <bib id='Dement & Kleitman 1957a'></bib>: S. 341).  
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Weil das Traumbild bislang nicht objektiv beobachtbar ist, hat sich die Schlaf- und Traumforschung der Erforschung des physiologischen Korrelats der Träume zugewandt. Dieses Korrelat wurde zunächst in den zyklisch auftretenden Rapid-Eye-Movement-Phasen des Schlafs gesehen, insbesondere im Anschluss an die Studien von <bib id='Aserinsky & Kleitman 1953a'></bib> und <bib id='Dement & Kleitman 1957a'></bib>, die mithilfe eines Elektrookulogramms eine statistisch signifikante Korrelation von schnellen Augenbewegungen und lebhaft erinnerten Traumeindrücken belegen konnten. Die ausschließliche Reduktion des Traumerlebens auf die REM-Phasen, die vor dem Hintergrund des damaligen behavioristischen Zeitgeistes angestrebt wurde, wurde allerdings schon von <bib id='Foulkes 1962a'></bib> bestritten und gilt heute als widerlegt (<bib id='Schredl 2006a'></bib>: S. 39f.; vgl. (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 131ff.). Obwohl sie widerlegt ist und obwohl REM-Schlaf nach dem heutigen Stand der Diskussion kein notwendiges und mit einiger Wahrscheinlichkeit auch kein hinreichendes Kriterium für das Träumen ist, wird „[d]ie Theorie, dass der REM-Schlaf das physiologische Korrelat des Träumens ist“ noch in aktuellen Lehrbüchern der Biopsychologie propagiert (vgl. hier und im Folgenden <bib id='Pinel & Pauli 2007a'></bib>: S. 358f.). Im selben Zug werden „die Träume, die nach Non-REM-Schlaf erinnert wurden“ als „eher einzelne Erfahrungen“ und als „anders als die mit dem REM-Schlaf assoziierten Geschichten“ abgetan; dies geht soweit, dass Probanden darüber belehrt werden, ob sie mit ihrer Einschätzung, wie lange sie im Laborschlaf geträumt haben mögen, “richtig” liegen oder nicht. Doch auf dem heutigen Stand der Traumforschung sind physiologische Messungen noch keine sicheren „objektive[n] Traumindikatoren“ (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 245). Schon William Dement und Nathaniel Kleitman hatten 1957 die von ihnen belegte, tatsächlich hohe Korrelation von REM-Schlaf und Traumerinnerungen dadurch verzerrt, dass sie alle Traumerinnerungen ausschlossen, die bloß ''vage'' oder ''fragmentarisch'' und nicht ''kohärent'' oder wenigstens ''einigermaßen detailliert'' waren. Selbst Probanden, die sehr wohl behaupteten, geträumt zu haben, sich aber nicht an konkrete Inhalte erinnern konnten, wurden unter der Rubrik ‘Keine Traumerinnerung’ verbucht: „The Ss were considered to have been dreaming only if they could relate a coherent, fairly detailed description of dream content. Assertions that they had dreamed without recall of content, or vague, fragmentary impressions of content, were considered negative“ (vgl. <bib id='Dement & Kleitman 1957a'></bib>: S. 341). Diesem willkürlichen Ausschluss widerspricht freilich schon die alltägliche Erfahrung, dass viele Träume sehr schnell, meist schon in der Aufwachphase aus dem Nachtschlaf, auf eine überstürzt sogartige Weise vergessen werden, so dass nur noch das ''Dass'' des Traums, wenn überhaupt, in Erinnerung bleibt. Wenn REM-Schlaf keine hinreichende Bedingung für eine Traumerinnerung ist und also möglicher Weise auch keine hinreichende Bedingung für einen Traum, so ist er jedenfalls keine notwendige Bedingung für eine Traumerinnerung. Denn Träume werden auch aus dem Nicht-REM-Schlaf (NREM-Schlaf) berichtet (vgl. <bib id='Dement & Kleitman 1957a'></bib>: S. 341 und <bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 131ff.), und zwar sind dies neben regulären NREM-Träumen insbesondere posttraumatische Wiederholungsträume (Albträume) und sogenannte Pavor-nocturnus-Träume (vgl. Tabelle 3 in <bib id='Schredl 2006a'></bib>: S. 40). — Die Diskussion über die Bewertung der Ergebnisse neuropsychologischer Traum- und Schlafforschung ist in vollem Gange. Das aktuell prominenteste Modell der neuropsychologischen Forschungsrichtung ist John Allan Hobsons Aktivierungs-Synthese-Theorie (vgl. <bib id='Hobson 1989a'></bib> und <bib id='Hobson & McCarley 1977a'></bib>); der aktuell prominenteste Vertreter einer Richtung, die Neuropsychologie und Psychoanalyse verbindet, ist Mark Solms (vgl. <bib id='Solms 1997a'></bib>, <bib id='Solms 2000a'></bib>, <bib id='Solms 2006a'></bib> und <bib id='Schredl 2006a'></bib>).
Diesem willkürlichen Ausschluss widerspricht freilich schon die alltäg&shy;liche Erfah&shy;rung, dass viele Träume sehr schnell, meist schon in der Aufwach&shy;phase aus dem Nachtschlaf, auf eine über&shy;stürzt sogar&shy;tige Weise verges&shy;sen werden, so dass nur noch das ''Dass'' des Traums, wenn über&shy;haupt, in Erin&shy;nerung bleibt. Wenn REM-&#8203;Schlaf keine hinrei&shy;chende Bedin&shy;gung für eine Traumer&shy;inne&shy;rung ist und also mögli&shy;cher Weise auch keine hinrei&shy;chende Bedin&shy;gung für einen Traum, so ist er jeden&shy;falls keine notwen&shy;dige Bedin&shy;gung für eine Traumer&shy;inne&shy;rung. Denn Träume werden auch aus dem Nicht-&#8203;REM-&#8203;Schlaf (NREM-&#8203;Schlaf) berich&shy;tet (vgl. <bib id='Dement & Kleitman 1957a'></bib>: S. 341 und <bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 131ff.), und zwar sind dies neben regu&shy;lären NREM-&#8203;Träumen insbe&shy;sonde&shy;re posttrau&shy;mati&shy;sche Wieder&shy;holungs&shy;träume (Albträu&shy;me) und soge&shy;nannte Pavor-&#8203;noctur&shy;nus-&#8203;Träume (vgl. Tabel&shy;le 3 in <bib id='Schredl 2006a'></bib>: S. 40). — Die Diskus&shy;sion über die Bewer&shy;tung der Ergeb&shy;nisse neuro&shy;psycho&shy;logi&shy;scher Traum- und Schlaffor&shy;schung ist in vollem Gange. Das aktuell promi&shy;nentes&shy;te Modell der neuro&shy;psycho&shy;logi&shy;schen Forschungs&shy;richtung ist John Allan Hobsons Akti&shy;vierungs-&#8203;Synthe&shy;se-&#8203;Theorie (vgl. <bib id='Hobson 1989a'></bib> und <bib id='Hobson & McCarley 1977a'></bib>); der aktuell promi&shy;nentes&shy;te Vertre&shy;ter einer Richtung, die Neuro&shy;psycho&shy;logie und Psycho&shy;ana&shy;lyse verbin&shy;det, ist Mark Solms (vgl. <bib id='Solms 1997a'></bib>, <bib id='Solms 2000a'></bib>, <bib id='Solms 2006a'></bib> und <bib id='Schredl 2006a'></bib>).




==Das Traumbild in Albtraum und Pavor nocturnus==
==Das Traumbild in Alb&shy;traum und Pavor noctur&shy;nus==


Albträume und insbesondere Pavor-nocturnus-Träume sind nun einerseits deshalb für die Frage nach dem Traumbild interessant, weil sie die heuristische Korrelation von Traumerinnerung und tatsächlichen Traum(bildern) “entkoppeln” (vgl. <bib id='Rodenbeck et al. 2006a'></bib>: S. 126), auf die sich Behaviorismus und Neo-Behaviorismus bei ihrem Insistieren auf REM-Schlaf-Träume berufen. Damit passen sie einer psychoanalytischen Theorieperspektive ins Konzept, die aus der klinischen Erfahrung berichtet, dass zum Beispiel bei „Insomnie-Patienten“ wie auch bei einer prävalenten Diagnose wie der Depression häufig zunächst „jegliche Traumerinnerung“ fehlt, so dass „die Betroffenen […] weder einen Trauminhalt noch einen Traumaffekt“ erinnern – obwohl sich häufig heraus stellt, dass „gerade die nicht erinnerten Träume sowohl von großem diagnostischem Wert als auch von hoher therapeutischer Bedeutung im psychoanalytischen Verständnis sind“ (<bib id='Rodenbeck et al. 2006a'></bib>: S. 124, 126). Im Pavor nocturnus, der ein nächtliches Aufschrecken unter „Angst und Panik“, „mit Schreien, Weinen oder wildem Gestikulieren“ und körperlichen Symptomen wie „Mydriasis [Pupillenerweiterung], Schwitzen, Herzrasen, beschleunigter Atemfrequenz und Piloerektion [Gänsehaut]“ darstellt und der eine Prävalenz von 3% der Gesamtbevölkerung im Kindesalter und von 1% im Erwachsenenalter hat, ist der Betroffene am nächsten Tag oft nicht imstande, sich an „diese Horrorsituation zu erinnern“ (hier und im Folgenden <bib id='Kapfhammer 2006a'></bib>: S. 173). „Es gelingt ihm nicht, einen Traum zu berichten, allenfalls erinnert er wenige fragmentarische Eindrücke des Geschehens. Pavor nocturnus tritt meist im ersten Nachtdrittel auf, ist nicht an den REM-Schlaf gekoppelt, sondern mit dem Tiefschlaf der Phase 4 (slow wave sleep) assoziiert“. Der typische Albtraum, der zur Symptomatik einer posttraumatischen Belastungsstörung zu zählen ist und „nicht selten von einem Gefühl der behinderten Fluchtmöglichkeit begleitet“ ist, ist dagegen „vorrangig an den REM-Schlaf gebunden“ – vorrangig, aber keineswegs ausschließlich: „Ein Vorkommen von typischen Angstträumen ist auch in NREM-Schlafstadien nachgewiesen“ (<bib id='Kapfhammer 2006a'></bib>: S. 187, 172 und 182; vgl. <bib id='Woodward et al. 2002a'></bib>). Etwa 10-50% aller Drei- bis Sechsjährigen haben gelegentlich und 1-5% aller Erwachsenen haben mehrmals pro Woche und unter Umständen auf wiederkehrende Art und Weise solch ein „angstvolles Träumen, das Bildersequenzen von Verfolgung, Flucht, nahender Katastrophe, existenzieller Bedrohung, von persönlicher Beschämung, sozialer Bloßstellung oder ungeheuerlicher Verbotsübertretung beinhaltet" (<bib id='Kapfhammer 2006a'></bib>: S. 182).
Albträume und insbesondere Pavor-&#8203;noctur&shy;nus-&#8203;Träume sind nun einer&shy;seits deshalb für die Frage nach dem Traumbild inte&shy;ressant, weil sie die heuris&shy;tische Korre&shy;lation von Traumer&shy;inne&shy;rung und tatsäch&shy;lichen Traum&shy;(bildern) “entkop&shy;peln” (vgl. <bib id='Rodenbeck et al. 2006a'>Roden&shy;beck et al. 2006a</bib>: S. 126), auf die sich Beha&shy;vioris&shy;mus und Neo-&#8203;Beha&shy;vioris&shy;mus bei ihrem Insis&shy;tieren auf REM-&#8203;Schlaf-&#8203;Träume beru&shy;fen. Damit passen sie einer psycho&shy;ana&shy;lyti&shy;schen Theorie&shy;perspek&shy;tive ins Konzept, die aus der klini&shy;schen Erfah&shy;rung berich&shy;tet, dass zum Beispiel bei „Insom&shy;nie-&#8203;Patien&shy;ten“ wie auch bei einer präva&shy;lenten Diagno&shy;se wie der Depres&shy;sion häufig zunächst „jegli&shy;che Traumer&shy;inne&shy;rung“ fehlt, so dass „die Betrof&shy;fenen […] weder einen Traumin&shy;halt noch einen Traumaf&shy;fekt“ erin&shy;nern – obwohl sich häufig heraus stellt, dass „gera&shy;de die nicht erin&shy;nerten Träume sowohl von großem diagnos&shy;tischem Wert als auch von hoher thera&shy;peuti&shy;scher Bedeu&shy;tung im psycho&shy;ana&shy;lyti&shy;schen Verstän&shy;dnis sind“ (<bib id='Rodenbeck et al. 2006a'>Roden&shy;beck et al. 2006a</bib>: S. 124, 126). Im Pavor noctur&shy;nus, der ein nächtli&shy;ches Auf&shy;schrecken unter „Angst und Panik“, „mit Schreien, Weinen oder wildem Gesti&shy;kulie&shy;ren“ und körper&shy;lichen Sympto&shy;men wie „Mydri&shy;asis [Pupil&shy;lener&shy;weiter&shy;ung], Schwitzen, Herzra&shy;sen, beschleu&shy;nigter Atem&shy;frequenz und Pilo&shy;erek&shy;tion [Gänse&shy;haut]“ darstellt und der eine Präva&shy;lenz von 3% der Gesamt&shy;bevöl&shy;kerung im Kindes&shy;alter und von 1% im Erwach&shy;senen&shy;alter hat, ist der Betrof&shy;fene am nächsten Tag oft nicht imstan&shy;de, sich an „diese Horror&shy;situ&shy;ation zu erin&shy;nern“ (hier und im Folgen&shy;den <bib id='Kapfhammer 2006a'>Kapfham&shy;mer 2006a</bib>: S. 173).
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Albträume und Pavor-nocturnus-Träume sind andererseits auch darin bemerkenswert, dass sie sich relativ schlecht in Freuds ursprüngliche psychoanalytische Theorie des Traumes als „halluzinierte Wunscherfüllung“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 136) fügten und ihn schließlich zu einer „Revision der Traumlehre“ zwangen (<bib id='Freud 1999b'></bib>: S. 6ff.). Freuds «Traumdeutung» hatte 1900 den Wunsch definiert als Bestreben, eine Wahrnehmung zu wiederholen, die einst ein Befriedigungserlebnis war. Die halluzinatorische Wiederbesetzung einer gespeicherten Wahrnehmung sei in dieser Hinsicht „der kürzeste Weg zur Wunscherfüllung. Es hindert uns nichts, einen primitiven Zustand des psychischen Apparats anzunehmen, in dem dieser Weg wirklich so begangen wird, das Wünschen also in ein Halluzinieren ausläuft. Diese erste psychische Tätigkeit zielt also auf eine Wahrnehmungsidentität, nämlich auf die Wiederholung jener Wahrnehmung, welche mit der Befriedigung des Bedürfnisses ist“ (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 571). In der «Neuen Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse» von 1933 weist Freud zwar einerseits den Einwand zurück, Angstträume und Träume unangenehmen Inhalts oder richtiggehende Albträume widersprächen der Wunscherfüllungsthese. Vielmehr sei es so, dass die unbewussten Wünsche, die zu jedem Traum beitragen (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 229f.), nämlich die „unvergänglichen, unerfüllten Triebwünsche, die durchs ganze Leben die Energie für die Traumbildung abgeben“, sehr häufig von den „ersten Sexualerlebnissen des Kindes“ herrühren und „mit schmerzlichen Eindrücke von Angst, Verbot, Enttäuschung und Bestrafung verknüpft“ sind, so dass sie eben „in ihrem gewaltigen Auftrieb auch das Material peinlich empfundener Begebenheiten an die Oberfläche drängen können“ (<bib id='Freud 1999b'></bib>: S. 29f.). Nichtsdestoweniger, so Freud, ist „in der Art und Weise, wie dieses Material reproduziert wird, die Bemühung der Traumarbeit unverkennbar, die die Unlust durch Entstellung verleugnen will“ (<bib id='Freud 1999b'></bib>: S. 30). Doch angesichts traumatischer Träume, in denen zum Beispiel ein schweres Kriegstrauma wiederkehrt, revidiert Freud seine Wunscherfüllungsthese: „Bei den traumatischen Neurosen ist es anders, hier laufen die Träume regelmäßig in Angstentwicklung aus. Ich meine, wir sollen uns nicht scheuen zuzugestehen, dass in diesem Falle die Funktion des Traumes versagt“ (<bib id='Freud 1999b'></bib>: S. 30). Der Traum, der „die Erinnerungsspuren der traumatischen Begebenheit in eine Wunscherfüllung umwandeln möchte“, versagt; er wird nicht zur Wunscherfüllung, sondern bleibt streng genommen nur „der Versuch einer Wunscherfüllung“ (<bib id='Freud 1999b'></bib>: S. 30).
:''Es gelingt ihm nicht, einen Traum zu berich&shy;ten, allen&shy;falls erin&shy;nert er weni&shy;ge fragmen&shy;tari&shy;sche Ein&shy;drücke des Gesche&shy;hens. Pavor noctur&shy;nus tritt meist im ersten Nacht&shy;drittel auf, ist nicht an den REM-&#8203;Schlaf gekop&shy;pelt, sondern mit dem Tiefschlaf der Phase 4 (slow wave sleep) asso&shy;ziiert“.
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Der typische Albtraum, der zur Sympto&shy;matik einer posttrau&shy;mati&shy;schen Belas&shy;tungsstö&shy;rung zu zählen ist und „nicht selten von einem Gefühl der behin&shy;derten Fluchtmög&shy;lichkeit begleitet“ ist, ist dage&shy;gen „vorran&shy;gig an den REM-&#8203;Schlaf gebun&shy;den“ – vorran&shy;gig, aber keines&shy;wegs aus&shy;schließlich: „Ein Vorkom&shy;men von typi&shy;schen Angst&shy;träumen ist auch in NREM-&#8203;Schlafsta&shy;dien nachge&shy;wiesen“ (<bib id='Kapfhammer 2006a'>Kapf&shy;hammer 2006a</bib>: S. 187, 172 und 182; vgl. <bib id='Woodward et al. 2002a'></bib>). Etwa 10-50% aller Drei- bis Sechsjäh&shy;rigen haben gele&shy;gentlich und 1-5% aller Erwach&shy;senen haben mehrmals pro Woche und unter Umstän&shy;den auf wieder&shy;kehren&shy;de Art und Weise solch ein :
:''angstvol&shy;les Träumen, das Bilder&shy;sequen&shy;zen von Verfol&shy;gung, Flucht, nahen&shy;der Katas&shy;trophe, exis&shy;tenziel&shy;ler Bedro&shy;hung, von persön&shy;licher Beschä&shy;mung, sozi&shy;aler Bloß&shy;stellung oder unge&shy;heuer&shy;licher Verbots&shy;über&shy;tretung be&shy;inhal&shy;tet" (<bib id='Kapfhammer 2006a'>Kapfham&shy;mer 2006a</bib>: S. 182).
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Albträume und Pavor-nocturnus-&#8203;Träume sind ande&shy;rerseits auch darin bemer&shy;kenswert, dass sie sich rela&shy;tiv schlecht in Freuds ursprüng&shy;liche psycho&shy;ana&shy;lyti&shy;sche Theorie des Traumes als „hallu&shy;zinier&shy;te Wunscher&shy;füllung“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 136) fügten und ihn schließlich zu einer „Revi&shy;sion der Traumleh&shy;re“ zwangen (<bib id='Freud 1999b'></bib>: S. 6ff.). Freuds «Traumdeu&shy;tung» hatte 1900 den Wunsch defi&shy;niert als Bestre&shy;ben, eine Wahrneh&shy;mung zu wieder&shy;holen, die einst ein Befrie&shy;digungs&shy;erleb&shy;nis war. Die hallu&shy;zina&shy;tori&shy;sche Wieder&shy;beset&shy;zung einer gespei&shy;cherten Wahrneh&shy;mung sei in dieser Hinsicht
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:''der kürzes&shy;te Weg zur Wunscher&shy;füllung. Es hindert uns nichts, einen primi&shy;tiven Zustand des psychi&shy;schen Appa&shy;rats anzu&shy;nehmen, in dem dieser Weg wirklich so began&shy;gen wird, das Wünschen also in ein Hallu&shy;zinie&shy;ren ausläuft. Diese erste psychi&shy;sche Tätig&shy;keit zielt also auf eine Wahrneh&shy;mungsiden&shy;tität, nämlich auf die Wieder&shy;holung jener Wahrneh&shy;mung, welche mit der Befrie&shy;digung des Bedürf&shy;nisses ist'' (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 571).  
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In der «Neuen Folge der Vorlesungen zur Einfüh&shy;rung in die Psycho&shy;ana&shy;lyse» von 1933 weist Freud zwar einer&shy;seits den Einwand zurück, Angstträu&shy;me und Träume unan&shy;geneh&shy;men Inhalts oder richtig&shy;gehen&shy;de Albträu&shy;me wider&shy;sprächen der Wunscher&shy;füllungs&shy;these. Vielmehr sei es so, dass die unbe&shy;wussten Wünsche, die zu jedem Traum beitra&shy;gen (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 229f.), nämlich die „unver&shy;gängli&shy;chen, uner&shy;füllten Triebwün&shy;sche, die durchs ganze Leben die Ener&shy;gie für die Traumbil&shy;dung abge&shy;ben“, sehr häufig von den „ersten Sexu&shy;aler&shy;lebnis&shy;sen des Kindes“ herrüh&shy;ren und „mit schmerzli&shy;chen Ein&shy;drücke von Angst, Verbot, Enttäu&shy;schung und Bestra&shy;fung verknüpft“ sind, so dass sie eben „in ihrem gewal&shy;tigen Auftrieb auch das Mate&shy;rial peinlich empfun&shy;dener Bege&shy;benhei&shy;ten an die Ober&shy;fläche drängen können“ (<bib id='Freud 1999b'></bib>: S. 29f.). Nichtsdes&shy;towe&shy;niger, so Freud, ist „in der Art und Weise, wie dieses Mate&shy;rial repro&shy;duziert wird, die Bemü&shy;hung der Traumar&shy;beit unver&shy;kennbar, die die Unlust durch Entstel&shy;lung verleug&shy;nen will“ (<bib id='Freud 1999b'></bib>: S. 30). Doch ange&shy;sichts trauma&shy;tischer Träume, in denen zum Beispiel ein schweres Kriegstrau&shy;ma wieder&shy;kehrt, revi&shy;diert Freud seine Wunscher&shy;füllungs&shy;these:
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:''Bei den traumatischen Neurosen ist es anders, hier laufen die Träume regel&shy;mäßig in Angstent&shy;wicklung aus. Ich meine, wir sollen uns nicht scheuen zuzu&shy;geste&shy;hen, dass in diesem Falle die Funktion des Traumes versagt'' (<bib id='Freud 1999b'></bib>: S. 30).  
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Der Traum, der „die Erin&shy;nerungs&shy;spuren der trauma&shy;tischen Bege&shy;benheit in eine Wunscher&shy;füllung umwan&shy;deln möchte“, versagt; er wird nicht zur Wunscher&shy;füllung, sondern bleibt streng genommen nur „der Versuch einer Wunscher&shy;füllung“ (<bib id='Freud 1999b'></bib>: S. 30).




==Das Traumbild in der Traumtheorie Sigmund Freuds==
==Das Traumbild in der Traum&shy;theorie Sigmund Freuds==


Für Freud, dessen Traumtheorie heute mit verschiedenen vor allem empirisch-klinischen und neo-behavioristischen Erklärungsansätzen konkurriert (die Tabelle 19 in <bib id='Schredl 2006a'></bib>: S. 65 listet insgesamt neun davon), sind der Traum und seine Bilder „kein somatisches, sondern ein psychisches Phänomen“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 97). Der Traum ist ein psychisch determiniertes „neurotisches Symptom“, und die „Mechanismen der Traumbildung [sind] vorbildlich für die Entstehungsweise der neurotischen Symptome“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 105ff., 79, 186). Wie Freud in der Vorbemerkung zur ersten Auflage der «Traumdeutung» schreibt, hat der Traum daher einen „theoretische[n] Wert als Paradigma, und wer sich die Entstehung der Traumbilder nicht zu erklären weiß, wird sich auch um das Verständnis der Phobien, Zwangs- und Wahnideen, eventuell um deren therapeutische Beeinflussung, vergeblich bemühen“ (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. VII). Die behauptete Wunscherfüllungsintention des Traums ist identisch mit seiner Funktion, „Hüter des Schlafes“, nämlich „Beseitiger von Schlafstörungen“ zu sein (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 130, 127): „Der Traum ist also die Art, wie die Seele auf die im Schlafzustand einwirkenden Reize reagiert“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 86), nämlich indem er sie in das vorwiegend visuelle Traumerleben einschmilzt. Dies können äußere Reize sein (Weckerklingeln) oder innere, das heißt zum Beispiel unbewusste Triebwünsche, bei denen es sich „vorwiegend – aber wiederum nicht ausschließlich“ um sexuelle Wünsche handelt, aber auch um Wünsche, die Egoismus oder Habgier betreffen, genauso innere Körperreize wie Hunger, Durst oder körperliche Beschwerden (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 196, 127). Die Möglichkeit der Traumbeeinflussung durch äußere Reize jedenfalls wird durch die aktuelle Schlaf- und Traumforschung bestätigt (vgl. <bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S.: 171f.; <bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 88). Die unbewussten inneren Reize bilden für Freud den „Nabel des Traums“, aus dem der „Traumwunsch wie der Pilz aus seinem Mycelium“ emporwächst (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 530).  
Für Freud, dessen Traumtheorie heute mit verschie&shy;denen vor allem empi&shy;risch-&#8203;klini&shy;schen und neo-&#8203;beha&shy;vioris&shy;tischen Erklä&shy;rungsan&shy;sätzen konkur&shy;riert (die Tabel&shy;le 19 in <bib id='Schredl 2006a'></bib>: S. 65 listet insge&shy;samt neun davon), sind der Traum und seine Bilder „kein soma&shy;tisches, sondern ein psychi&shy;sches Phäno&shy;men“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 97). Der Traum ist ein psychisch deter&shy;minier&shy;tes „neuro&shy;tisches Symptom“, und die „Mecha&shy;nismen der Traumbil&shy;dung [sind] vorbild&shy;lich für die Entste&shy;hungswei&shy;se der neuro&shy;tischen Sympto&shy;me“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 105ff., 79, 186). Wie Freud in der Vorbe&shy;merkung zur ersten Auflage der «Traumdeu&shy;tung» schreibt, hat der Traum daher einen
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:''theore&shy;tische[n] Wert als Para&shy;digma, und wer sich die Entste&shy;hung der Traumbil&shy;der nicht zu erklä&shy;ren weiß, wird sich auch um das Verständ&shy;nis der Phobien, Zwangs- und Wahn&shy;ideen, even&shy;tuell um deren thera&shy;peuti&shy;sche Beein&shy;flussung, vergeb&shy;lich bemühen“ (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. VII).  
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Die behauptete Wunscher&shy;füllungs&shy;inten&shy;tion des Traums ist iden&shy;tisch mit seiner Funktion, „Hüter des Schlafes“, nämlich „Besei&shy;tiger von Schlafstö&shy;rungen“ zu sein (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 130, 127): „Der Traum ist also die Art, wie die Seele auf die im Schlafzu&shy;stand einwir&shy;kenden Reize reagiert“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 86), nämlich indem er sie in das vorwie&shy;gend visu&shy;elle Traumer&shy;leben einschmilzt. Dies können äuße&shy;re Reize sein (Wecker&shy;klingeln) oder inne&shy;re, das heißt zum Beispiel unbe&shy;wusste Triebwün&shy;sche, bei denen es sich „vorwie&shy;gend – aber wiede&shy;rum nicht ausschließ&shy;lich“ um sexu&shy;elle Wünsche handelt, aber auch um Wünsche, die Ego&shy;ismus oder Habgier betref&shy;fen, genau&shy;so inne&shy;re Körper&shy;reize wie Hunger, Durst oder körper&shy;liche Beschwer&shy;den (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 196, 127). Die Möglich&shy;keit der Traumbe&shy;einflus&shy;sung durch äuße&shy;re Reize jeden&shy;falls wird durch die aktu&shy;elle Schlaf- und Traumfor&shy;schung bestä&shy;tigt (vgl. <bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S.: 171f.; <bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 88). Die unbe&shy;wussten inne&shy;ren Reize bilden für Freud den „Nabel des Traums“, aus dem der „Traumwunsch wie der Pilz aus seinem Myce&shy;lium“ empor&shy;wächst (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 530).  
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:''Man erlebt vielerlei im Traum und glaubt daran, während man doch nichts erlebt als viel&shy;leicht den einen stören&shy;den Reiz. Man erlebt es vorwie&shy;gend in visu&shy;ellen Bildern; es können auch Gefüh&shy;le dabei sein, auch Gedan&shy;ken mitten&shy;durch, aber vorwie&shy;gend sind es doch Bilder. Ein Teil der Schwierig&shy;keit des Traumer&shy;zählens kommt daher, dass wir diese Bilder in Worte zu über&shy;setzen haben. Ich könnte es zeichnen, sagt uns der Träumer oft, aber ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.'' (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 86)
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:''Man erlebt vielerlei im Traum und glaubt daran, während man doch nichts erlebt als vielleicht den einen störenden Reiz. Man erlebt es vorwiegend in visuellen Bildern; es können auch Gefühle dabei sein, auch Gedanken mittendurch, aber vorwiegend sind es doch Bilder. Ein Teil der Schwierigkeit des Traumerzählens kommt daher, dass wir diese Bilder in Worte zu übersetzen haben. Ich könnte es zeichnen, sagt uns der Träumer oft, aber ich weiß nicht, wie ich es sagen soll.'' (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 86)  
Eine Zeichnung allerdings würde laut Freud ''prima facie'' nichts aufklä&shy;ren, denn die Zeichnung ist nicht als Abbild oder in ästhe&shy;tischer Hinsicht (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 231f.), sondern primär als [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]], als „Bilder&shy;rätsel (Rebus)“ zu verste&shy;hen: „Man würde offen&shy;bar in die Irre geführt, wenn man diese Zeichen nach ihrem Bilder&shy;wert anstatt nach ihrer Zeichen&shy;bezie&shy;hung lesen wollte“ (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 284).
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Eine Zeichnung allerdings würde laut Freud ''prima facie'' nichts aufklären, denn die Zeichnung ist nicht als Abbild oder in ästhetischer Hinsicht (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 231f.), sondern primär als [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen]], als „Bilderrätsel (Rebus)“ zu verstehen: „Man würde offenbar in die Irre geführt, wenn man diese Zeichen nach ihrem Bilderwert anstatt nach ihrer Zeichenbeziehung lesen wollte“ (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 284).
Zugunsten des Schlafes führt der Traum die stets vorhan&shy;denen inne&shy;ren Reize mit dem tages&shy;aktuell erin&shy;nerten Gesche&shy;hen vor dem Schlafen, den soge&shy;nannten Tages&shy;resten, zusam&shy;men:  
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Zugunsten des Schlafes führt der Traum die stets vorhandenen inneren Reize mit dem tagesaktuell erinnerten Geschehen vor dem Schlafen, den sogenannten Tagesresten, zusammen: „Etwas, was aus unserem bewussten Leben stammt und dessen Charaktere teilt – wir heißen es: Tagesreste – tritt mit etwas anderem aus jenem Reich des Unbewussten zur Traumbildung zusammen. Zwischen diesen beiden Anteilen vollzieht sich die Traumarbeit“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 217). Deshalb ist „der Traum als Ganzes der entstellte Ersatz für etwas anderes, Unbewusstes“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 112). Die Aufgabe der Traumdeutung ist, dieses Unbewusste ausfindig zu machen entlang der „lange[n] Kette von Assoziationen“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 115) dessen, der seinen Traum erinnernd mithilfe des Analytikers rekonstruiert. Bei der Analyse des Traums ist die Unterscheidung manifest/latent grundlegend: „Wir wollen das, was der Traum erzählt, den manifesten Trauminhalt nennen, das Verborgene, zu dem wir durch die Verfolgung der Einfälle kommen sollen, die latenten Traumgedanken“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 118). Traum im eigentlichen Sinne ist der manifeste Trauminhalt, der gleichwohl eine bloße „Fassade“ ist (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 184). Die sogenannte „Traumarbeit“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 174) setzt die latenten Traumgedanken in den manifesten Traum um. Die Traumarbeit wiederum kommt hauptsächlich durch die Traumzensur zustande: „Die Traumzensur selbst ist der Urheber oder einer der Urheber der Traumentstellung“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 140f.). Insofern „der gegen seine Wünsche sich sträubende Träumer gleichzusetzen ist einer Summation von zwei gesonderten, aber irgendwie innig verbundenen Personen“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 224), kann der Traum außer einem erfüllten Wunsch auch das gegenteilige Strafbedürfnis der Zensurinstanz zum Ausdruck bringen (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 227).  
:''Etwas, was aus unse&shy;rem bewuss&shy;ten Leben stammt und dessen Charak&shy;tere teilt – wir heißen es: Tages&shy;reste – tritt mit etwas ande&shy;rem aus jenem Reich des Unbe&shy;wussten zur Traumbil&shy;dung zusam&shy;men. Zwischen diesen beiden Antei&shy;len vollzieht sich die Traumar&shy;beit'' (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 217).  
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Die Traumarbeit selbst besteht außer der sogenannten Traum-Symbolik aus vier Hauptmomenten: 1) Verdichtung, 2) Verschiebung, 3) plastische Darstellung und 4) sekundäre Bearbeitung (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 185, 174ff.).
Deshalb ist „der Traum als Ganzes der entstell&shy;te Ersatz für etwas ande&shy;res, Unbe&shy;wusstes“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 112). Die Aufga&shy;be der Traumdeu&shy;tung ist, dieses Unbe&shy;wusste ausfin&shy;dig zu machen entlang der „lange[n] Kette von Asso&shy;ziati&shy;onen“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 115) dessen, der seinen Traum erin&shy;nernd mithil&shy;fe des Ana&shy;lyti&shy;kers rekon&shy;struiert. Bei der Ana&shy;lyse des Traums ist die Unter&shy;scheidung mani&shy;fest/la&shy;tent grundle&shy;gend:
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:1) Die Verdichtung ist eine Art anschaulicher „Mischbildung“ zum Beispiel von Personen, Gegenständen oder Örtlichkeiten; laut Freud ist sie keine Wirkung der Traumzensur sondern anderen, vielleicht ökonomischen Ursachen geschuldet: „Es ist das wie eine neue und flüchtige Begriffsbildung mit diesem Gemeinsamen als Kern. Durch das Übereinanderfallen der miteinander verdichteten Einzelnen entsteht in der Regel ein unscharfes, verschwommenes Bild, so ähnlich, wie wenn Sie mehrere Aufnahmen auf die nämliche Platte bringen“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 175).
:''Wir wollen das, was der Traum erzählt, den mani&shy;festen Traumin&shy;halt nennen, das Verbor&shy;gene, zu dem wir durch die Verfol&shy;gung der Einfäl&shy;le kommen sollen, die laten&shy;ten Traumge&shy;danken“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 118).  
 
:2) Die „Verschiebung“ führt Freud dagegen ganz auf die Traumzensur zurück. Sie ist dadurch definiert, „erstens, dass ein latentes Element nicht durch einen eigenen Bestandteil, sondern durch etwas Entfernteres, also durch eine Anspielung ersetzt wird und zweitens, dass der psychische Akzent von einem wichtigen Element auf ein anderes, unwichtiges übergeht, so dass der Traum anders zentriert und fremdartig erscheint“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 177). Die Verschiebung führt so zu einer besonderen sinnlichen Intensität der Traum(bild)elemente:
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::''In den meisten Träumen lässt sich ein mit besonderer sinnlicher Intensität ausgestattetes Zentrum erkennen […]. Das ist in der Regel die direkte Darstellung der Wunscherfüllung, denn, wenn wir die Verschiebungen der Traumarbeit rückgängig machen, finden wir die psychische Intensität der Elemente in den Traumgedanken durch die sinnliche Intensität der Elemente im Trauminhalt ersetzt.'' (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 567)
Traum im eigentlichen Sinne ist der mani&shy;feste Traumin&shy;halt, der gleichwohl eine bloße „Fassa&shy;de“ ist (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 184). Die soge&shy;nannte „Traumar&shy;beit“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 174) setzt die laten&shy;ten Traumge&shy;danken in den mani&shy;festen Traum um. Die Traumar&shy;beit wiede&shy;rum kommt hauptsäch&shy;lich durch die Traumzen&shy;sur zustan&shy;de: „Die Traum&shy;zensur selbst ist der Urhe&shy;ber oder einer der Urhe&shy;ber der Traument&shy;stellung“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 140f.). Inso&shy;fern „der gegen seine Wünsche sich sträuben&shy;de Träumer gleichzu&shy;setzen ist einer Summa&shy;tion von zwei geson&shy;derten, aber irgend&shy;wie innig verbun&shy;denen Perso&shy;nen“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 224), kann der Traum außer einem erfüll&shy;ten Wunsch auch das gegen&shy;teilige Strafbe&shy;dürfnis der Zensur&shy;instanz zum Ausdruck bringen (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 227).
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:3) Die „plastische Wortdarstellung“ wirft den Träumenden gleichsam „von der Buchstabenschrift zur Bilderschrift“ zurück:  
Die Traumarbeit selbst besteht außer der soge&shy;nannten Traum-&#8203;Symbo&shy;lik aus vier Hauptmo&shy;menten: 1) Verdich&shy;tung, 2) Verschie&shy;bung, 3) plasti&shy;sche Darstel&shy;lung und 4) sekun&shy;däre Bear&shy;beitung (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 185, 174ff.).
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::''Die dritte Leistung der Traumarbeit ist die psychologisch interessanteste. Sie besteht in der Umsetzung von Gedanken in visuelle Bilder. Halten wir fest, dass nicht alles in den Traumgedanken diese Umsetzung erfährt; manches behält seine Form und erscheint auch im manifesten Traum als Gedanke oder als Wissen; auch sind visuelle Bilder nicht die einzige Form, in welche die Gedanken umgesetzt werden. Aber sie sind doch das wesentliche an der Traumbildung.'' (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 178)
:1) Die Verdichtung ist eine Art anschau&shy;licher „Mischbil&shy;dung“ zum Beispiel von Perso&shy;nen, Gegen&shy;ständen oder Örtlich&shy;keiten; laut Freud ist sie keine Wirkung der Traumzen&shy;sur sondern ande&shy;ren, vielleicht öko&shy;nomi&shy;schen Ursa&shy;chen geschul&shy;det:
::''Es ist das wie eine neue und flüchti&shy;ge Begriffs&shy;bildung mit diesem Gemein&shy;samen als Kern. Durch das Über&shy;einan&shy;derfal&shy;len der mitein&shy;ander verdich&shy;teten Einzel&shy;nen entsteht in der Regel ein unschar&shy;fes, verschwom&shy;menes Bild, so ähnlich, wie wenn Sie mehre&shy;re Aufnah&shy;men auf die nämli&shy;che Platte bringen'' (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 175).
 
:2) Die „Verschiebung“ führt Freud dagegen ganz auf die Traumzen&shy;sur zurück. Sie ist dadurch defi&shy;niert, „erstens, dass ein laten&shy;tes Ele&shy;ment nicht durch einen eige&shy;nen Bestand&shy;teil, sondern durch etwas Entfern&shy;teres, also durch eine Anspie&shy;lung ersetzt wird und zweitens, dass der psychi&shy;sche Akzent von einem wichti&shy;gen Ele&shy;ment auf ein ande&shy;res, unwich&shy;tiges über&shy;geht, so dass der Traum anders zentriert und fremdar&shy;tig erscheint“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 177). Die Verschie&shy;bung führt so zu einer beson&shy;deren sinnli&shy;chen Inten&shy;sität der Traum(bild)&shy;ele&shy;mente:
::''In den meisten Träumen lässt sich ein mit beson&shy;derer sinnli&shy;cher Inten&shy;sität ausge&shy;statte&shy;tes Zentrum erken&shy;nen […]. Das ist in der Regel die direk&shy;te Darstel&shy;lung der Wunscher&shy;füllung, denn, wenn wir die Verschie&shy;bungen der Traumar&shy;beit rückgän&shy;gig machen, finden wir die psychi&shy;sche Inten&shy;sität der Ele&shy;mente in den Traumge&shy;danken durch die sinnli&shy;che Inten&shy;sität der Ele&shy;mente im Traumin&shy;halt ersetzt.'' (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 567)
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: Umgekehrt besteht der latente Trauminhalt nicht ausschließlich aus sprachlich verfassten Gedanken, sondern je nach Regressionsstufe auch aus Erinnerungsbildern von Sinneseindrücken: :
:3) Die „plastische Wortdarstellung“ wirft den Träumen&shy;den gleichsam „von der Buchsta&shy;benschrift zur Bilder&shy;schrift“ zurück:
::''Die dritte Leistung der Traumar&shy;beit ist die psycho&shy;logisch inte&shy;ressan&shy;teste. Sie besteht in der Umset&shy;zung von Gedan&shy;ken in visu&shy;elle Bilder. Halten wir fest, dass nicht alles in den Traumge&shy;danken diese Umset&shy;zung erfährt; manches behält seine Form und erscheint auch im mani&shy;festen Traum als Gedan&shy;ke oder als Wissen; auch sind visu&shy;elle Bilder nicht die einzi&shy;ge Form, in welche die Gedan&shy;ken umge&shy;setzt werden. Aber sie sind doch das wesent&shy;liche an der Traumbil&shy;dung.'' (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 178)
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::''Bei der Traumarbeit handelt es sich offenbar darum, die in Worte gefassten latenten Gedanken in sinnliche Bilder, meist visueller Natur, umzusetzen. Nun sind unsere Gedanken aus solchen Sinnesbildern hervorgegangen; ihr erstes Material und ihre Vorstufen waren Sinneseindrücke, richtiger gesagt, die Erinnerungsbilder von solchen. An diese wurden erst später Worte geknüpft und diese dann zu Gedanken verbunden. Die Traumarbeit lässt also die Gedanken eine regressive Behandlung erfahren, macht deren Entwicklung rückgängig''. (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 183f.)
:Umgekehrt besteht der laten&shy;te Traumin&shy;halt nicht ausschließ&shy;lich aus sprachlich verfass&shy;ten Gedan&shy;ken, sondern je nach Regres&shy;sionsstu&shy;fe auch aus Erin&shy;nerungs&shy;bildern von Sinnes&shy;eindrü&shy;cken:
::''Bei der Traumarbeit handelt es sich offen&shy;bar darum, die in Worte gefass&shy;ten laten&shy;ten Gedan&shy;ken in sinnli&shy;che Bilder, meist visu&shy;eller Natur, umzu&shy;setzen. Nun sind unse&shy;re Gedan&shy;ken aus solchen Sinnes&shy;bildern hervor&shy;gegan&shy;gen; ihr erstes Mate&shy;rial und ihre Vorstu&shy;fen waren Sinnes&shy;eindrü&shy;cke, richti&shy;ger gesagt, die Erin&shy;nerungs&shy;bilder von solchen. An diese wurden erst später Worte geknüpft und diese dann zu Gedan&shy;ken verbun&shy;den. Die Traumar&shy;beit lässt also die Gedan&shy;ken eine regres&shy;sive Behand&shy;lung erfah&shy;ren, macht deren Entwick&shy;lung rückgän&shy;gig''. (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 183f.)
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: Deshalb wäre es auch verfehlt, wie es manchmal in der Literatur anklingt (vgl. <bib id='Reck 2010a'></bib>: S. 220, 222), Freud einen Logozentrismus zu unterstellen. Die Regression im Traumvorgang belegt vielmehr ganz klar, dass es „Erinnerungsgruppen“ gibt, „die zum Teil selbst nur als visuelle Besetzungen, nicht als Übersetzung in die Zeichen der späteren Systeme vorhanden sind“ (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 579). Das belegt auch die Symbolik im Traum, die in einem „Vergleich“ wurzelt, der „sich nicht durch die Assoziation bloßlegen lässt“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 154) und den der Träumer benutzt, ohne um ihn und das ''tertium comparationis'' zu wissen. Die Symbolik ist daher vielleicht ein phylogenetisches Erbe der Psyche und rückt damit in die Nähe von Carl Gustav Jungs Archetypen-Lehre. Wie die sinnlichen Erinnerungsbilder scheint sie über die Grenzen der Sprache hinauszugehen (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 165, 168).   
:Deshalb wäre es auch verfehlt, wie es manchmal in der Lite&shy;ratur anklingt (vgl. <bib id='Reck 2010a'></bib>: S. 220, 222), Freud einen Logo&shy;zentris&shy;mus zu unter&shy;stellen. Die Regres&shy;sion im Traumvor&shy;gang belegt vielmehr ganz klar, dass es „Erin&shy;nerungs&shy;gruppen“ gibt, „die zum Teil selbst nur als visu&shy;elle Beset&shy;zungen, nicht als Über&shy;setzung in die Zeichen der späte&shy;ren Syste&shy;me vorhan&shy;den sind“ (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 579). Das belegt auch die Symbo&shy;lik im Traum, die in einem „Vergleich“ wurzelt, der „sich nicht durch die Asso&shy;ziation bloßle&shy;gen lässt“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 154) und den der Träumer benutzt, ohne um ihn und das ''tertium compa&shy;rati&shy;onis'' zu wissen. Die Symbo&shy;lik ist daher vielleicht ein phylo&shy;gene&shy;tisches Erbe der Psyche und rückt damit in die Nähe von Carl Gustav Jungs Arche&shy;typen-&#8203;Lehre. Wie die sinnli&shy;chen Erin&shy;nerungs&shy;bilder scheint sie über die Grenzen der Sprache hinaus&shy;zuge&shy;hen (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 165, 168).   
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:4) Viertens bleibt die „sekundäre Bearbeitung“ als weiteres „Stück der Traumarbeit“, „dem daran gelegen ist, aus den nächsten Ergebnissen der Traumarbeit etwas Ganzes, ungefähr Zusammenpassendes herzustellen. Dabei wird das Material nach einem oft ganz missverständlichen Sinn angeordnet und, wo es nötig scheint, Einschübe vorgenommen“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 185).
:4) Viertens bleibt die „sekun&shy;däre Bear&shy;beitung“ als weite&shy;res „Stück der Traumar&shy;beit“,  
::''dem daran gelegen ist, aus den nächsten Ergeb&shy;nissen der Traumar&shy;beit etwas Ganzes, unge&shy;fähr Zusam&shy;menpas&shy;sendes herzu&shy;stellen. Dabei wird das Mate&shy;rial nach einem oft ganz missver&shy;ständli&shy;chen Sinn ange&shy;ordnet und, wo es nötig scheint, Einschü&shy;be vorge&shy;nommen'' (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 185).




==Das Traumbild und das Unbewusste==
==Das Traumbild und das Unbe&shy;wusste==


Bewusst steuern lassen sich die Traumarbeit und die daraus hervorgehenden Bilder laut Freud nicht:  
Bewusst steuern lassen sich die Traumar&shy;beit und die daraus hervor&shy;gehen&shy;den Bilder laut Freud nicht:  
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:''Man kann oftmals den Träumer beein&shy;flussen, worü&shy;ber er träumen soll, nie aber darauf einwir&shy;ken, was er träumen wird. Der Mecha&shy;nismus der Traumar&shy;beit und der unbe&shy;wusste Traumwunsch sind jedem fremden Einfluss entzo&shy;gen.'' (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 245)
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:''Man kann oftmals den Träumer beeinflussen, worüber er träumen soll, nie aber darauf einwirken, was er träumen wird. Der Mechanismus der Traumarbeit und der unbewusste Traumwunsch sind jedem fremden Einfluss entzogen.'' (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 245)
Auch Strauch und Meier sehen darin den Unter&shy;schied der Schlafträu&shy;me zur Wachphan&shy;tasie:  
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Auch Strauch und Meier sehen darin den Unterschied der Schlafträume zur Wachphantasie:  
:''Sie sind nicht bewusst zu kontrol&shy;lieren und verset&shy;zen uns in eine scheinba&shy;re Wirklich&shy;keit, in der wir als Perso&shy;nen handeln, ohne zu wissen, dass wir diese Welt geschaf&shy;fen haben. […] Diese beson&shy;dere Erleb&shy;niswei&shy;se des Traums ist viel&shy;leicht nur deshalb gege&shy;ben, weil wir während des Träumens uns des Träumens nicht bewusst sind.'' (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 255)
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:''Sie sind nicht bewusst zu kontrollieren und versetzen uns in eine scheinbare Wirklichkeit, in der wir als Personen handeln, ohne zu wissen, dass wir diese Welt geschaffen haben. […] Diese besondere Erlebnisweise des Traums ist vielleicht nur deshalb gegeben, weil wir während des Träumens uns des Träumens nicht bewusst sind.'' (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 255)
Dementsprechend würde sich die Traum&shy;(bild)er&shy;fahrung durch das Fehlen der für das Wachbe&shy;wusstsein typi&shy;schen Refle&shy;xivi&shy;tät auszeich&shy;nen.  
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Dementsprechend würde sich die Traum(bild)erfahrung durch das Fehlen der für das Wachbewusstsein typischen Reflexivität auszeichnen.
:''Bei weitem aber das Auffällig&shy;ste am Traum ist das ihm eige&shy;ne Wirklich&shy;keitsbe&shy;wusstsein […]. Erst mit dem Erwa&shy;chen vollzieht sich die Wandlung, der Umschlag, indem das Erle&shy;ben während des Schlafs nachträg&shy;lich als Traum, als eine “nicht wirkli&shy;che” Welt, erkannt wird.'' (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 16)
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:''Bei weitem aber das Auffälligste am Traum ist das ihm eigene Wirklichkeitsbewusstsein […]. Erst mit dem Erwachen vollzieht sich die Wandlung, der Umschlag, indem das Erleben während des Schlafs nachträglich als Traum, als eine ‚nicht wirkliche‘ Welt, erkannt wird.'' (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 16)
Demgegenüber kommt Freud zu dem bemer&shy;kenswer&shy;ten Schluss, „dass wir den ganzen Schlafzu&shy;stand über eben&shy;so sicher wissen, dass wir träumen, wie wir es wissen, dass wir schlafen“ (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 577). Freud ist nämlich der Ansicht, dass das, „[w]as das ''Vbw'' [Vorbe&shy;wusste] in manchen Fällen dem Bewusst&shy;sein mitteilt, wenn der Traum es zu arg treibt: Aber lass doch und schlaf weiter, es ist ja nur ein Traum […] auch ohne dass es laut wird, ganz allge&shy;mein das Verhal&shy;ten unse&shy;rer herrschen&shy;den Seelen&shy;tätig&shy;keit gegen das Träumen“ beschreibt (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 577). Beim Träumen&shy;den ist also – in deutli&shy;cher Paral&shy;lele zu den Fehlleis&shy;tungen wie etwa dem Sich-&#8203;Verspre&shy;chen – ein zumin&shy;dest impli&shy;zites Wissen um den laten&shy;ten Traumin&shy;halt zu vermu&shy;ten, ein Wissen, das sich selbst nicht weiß und inso&shy;fern unbe&shy;wusst ist:
:''es ist doch sehr wohl möglich, ja sehr wahrschein&shy;lich, dass der Träumer es doch weiß, was sein Traum bedeu&shy;tet, nur weiß er nicht, dass er es weiß, und glaubt darum, dass er es nicht weiß'' (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 98). 
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Demgegenüber kommt Freud zu dem bemerkenswerten Schluss, „dass wir den ganzen Schlafzustand über ebenso sicher wissen, dass wir träumen, wie wir es wissen, dass wir schlafen“ (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 577). Freud ist nämlich der Ansicht, dass das, „[w]as das ''Vbw'' [Vorbewusste] in manchen Fällen dem Bewusstsein mitteilt, wenn der Traum es zu arg treibt: Aber lass doch und schlaf weiter, es ist ja nur ein Traum […] auch ohne dass es laut wird, ganz allgemein das Verhalten unserer herrschenden Seelentätigkeit gegen das Träumen“ beschreibt (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 577). Beim Träumenden ist also – in deutlicher Parallele zu den Fehlleistungen wie etwa dem Sich-Versprechen – ein zumindest implizites Wissen um den latenten Trauminhalt zu vermuten, ein Wissen, das sich selbst nicht weiß und insofern unbewusst ist: „es ist doch sehr wohl möglich, ja sehr wahrscheinlich, dass der Träumer es doch weiß, was sein Traum bedeutet, nur weiß er nicht, dass er es weiß, und glaubt darum, dass er es nicht weiß“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 98).  Obwohl die Traumarbeit bewusstem Einfluss entzogen ist, lenkt der Träumende laut Freud daher dennoch auf der Basis dieses unbewussten Wissens gleichsam wie ein Regisseur seine Träume (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 577f). Wie Freud dabei unterstreicht, „kommt das eigene Ich in jedem Traum vor und spielt in jedem die Hauptrolle, auch wenn es sich für den manifesten Inhalt gut zu verbergen weiß. Dieser “sacro egoismo” des Traumes ist gewiss nicht außer Zusammenhang mit der Einstellung zum Schlafen, die ja in der Abziehung des Interesses von der ganzen Außenwelt besteht“ (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 143). In dieser Perspektive des Einlassens auf die psychische Binnenwelt würde sich der Träumende im Traum sozusagen reflexiv selbst unterbieten, und zwar bis zu einem Punkt, wo gerade das Phänomen des verdoppelten Traums, des Traums-im-Traum, einen privilegierten Bildschirm für das traumatische Reale jenseits des Traumnabels bietet (<bib id='Lacan 1966a'></bib>: S. 768) – und zwar dergestalt, dass das Wachbewusstsein laut Lacan lediglich eine andere, reflektierte Weise darstellen würde, dieses Reale zu verfehlen (<bib id='Lacan 1994a'></bib>: S. 71). 
Obwohl die Traumarbeit bewusstem Einfluss entzo&shy;gen ist, lenkt der Träumen&shy;de laut Freud daher dennoch auf der Basis dieses unbe&shy;wussten Wissens gleichsam wie ein Regis&shy;seur seine Träume (<bib id='Freud 1999c'></bib>: S. 577f). Wie Freud dabei unter&shy;streicht,  
:''kommt das eigene Ich in jedem Traum vor und spielt in jedem die Haupt&shy;rolle, auch wenn es sich für den mani&shy;festen Inhalt gut zu verber&shy;gen weiß. Dieser “sacro ego&shy;ismo” des Traumes ist gewiss nicht außer Zusam&shy;menhang mit der Einstel&shy;lung zum Schlafen, die ja in der Abzie&shy;hung des Inte&shy;resses von der ganzen Außen&shy;welt besteht'' (<bib id='Freud 1999a'></bib>: S. 143).  
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Dem Befund Freuds scheint die empirische Schlaf- und Traumforschung zu widersprechen:  
In dieser Perspektive des Einlassens auf die psychi&shy;sche Binnen&shy;welt würde sich der Träumen&shy;de im Traum sozu&shy;sagen refle&shy;xiv selbst unter&shy;bieten, und zwar bis zu einem Punkt, wo gera&shy;de das Phäno&shy;men des verdop&shy;pelten Traums, des Traums-&#8203;im-&#8203;Traum, einen privi&shy;legier&shy;ten Bildschirm für das trauma&shy;tische Reale jenseits des Traumna&shy;bels bietet (<bib id='Lacan 1966a'></bib>: S. 768) – und zwar derge&shy;stalt, dass das Wachbe&shy;wusstsein laut Lacan ledig&shy;lich eine ande&shy;re, reflek&shy;tierte Weise darstel&shy;len würde, dieses Reale zu verfeh&shy;len (<bib id='Lacan 1994a'></bib>: S. 71). 
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:''In Träumen ist das Ich in stärkerem Maße in die Situation eingebunden und tritt weniger zugunsten einer Sache in den Hintergrund. In diesem Sinn sind Träume persönlich, sie sind aber nicht ausgesprochen egozentrisch.'' (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 116)
Dem Befund Freuds scheint die empi&shy;rische Schlaf- und Traumfor&shy;schung zu wider&shy;sprechen:  
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Paul Valéry dagegen weist ganz im Sinne von Freuds ''heiligem Egoismus'' des Träumenden darauf hin, dass „das ICH und das, was es sieht, von derselben Art sind in den Träumen“ (<bib id='Valery 1935a'></bib>: S. 194;<ref>Valery hier und im Folgendem übersetzt von Wolfram Bergande.</ref> vgl. auch <bib id='Benjamin 1974b'></bib>: S. 143). Im Traum stehen die halluzinierten Phänomene in einer besonderen – visuellen – Beziehung zum Traumsubjekt:
:''In Träumen ist das Ich in stärke&shy;rem Maße in die Situ&shy;ation einge&shy;bunden und tritt weni&shy;ger zugun&shy;sten einer Sache in den Hinter&shy;grund. In diesem Sinn sind Träume persön&shy;lich, sie sind aber nicht ausge&shy;sprochen ego&shy;zentrisch.'' (<bib id='Strauch & Meier 2004a'></bib>: S. 116)
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:''Die Dinge, die ich sehe, sehen mich in dem Maße, wie ich sie sehe. Das, was ich sehe, erklärt mich also in gewisser Weise, drückt mich aus – das da ist durch mich organisiert, anstatt dass ich durch es organisiert wäre wie im Wachzustand.'' <bib id='Valery 1935a'></bib>: S. 193f.)
Paul Valéry dagegen weist ganz im Sinne von Freuds ''heili&shy;gem Ego&shy;ismus'' des Träumen&shy;den darauf hin, dass „das ICH und das, was es sieht, von dersel&shy;ben Art sind in den Träumen“ (<bib id='Valery 1935a'></bib>: S. 194;<ref>Va&shy;lé&shy;ry hier und im Fol&shy;gen&shy;den über&shy;setzt von Wolf&shy;ram Ber&shy;gan&shy;de.</ref> vgl. auch <bib id='Benjamin 1974b'>Benja&shy;min 1974b</bib>: S. 143). Im Traum stehen die hallu&shy;zinier&shy;ten Phäno&shy;mene in einer beson&shy;deren – visu&shy;ellen – Bezie&shy;hung zum Traumsub&shy;jekt:
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Ohne sich auf Valéry zu beziehen, vergleicht Lacan in ähnlicher Weise die Sicht auf die Dinge im Wachzustand und im Traum. „Die Welt“, so Lacan, ist an sich „nicht exhibitionistisch – sie provoziert nicht unseren [[Blick|Blick]]. Wenn sie anfängt, ihn zu provozieren, dann beginnt auch das Gefühl der Unheimlichkeit. Was heißt das? – wenn nicht dies, dass es im sogenannten Wachzustand eine Elision [Auslassung] des Blicks gibt, eine Elision nicht nur dessen, dass es blickt, sondern dass [[Zeigen und Sich-Zeigen|''es zeigt'']]. Das was im Feld des Traums, im Gegensatz dazu, die Bilder charakterisiert, ist dass ''es zeigt''“ (<bib id='Lacan 1994a'></bib>: S. 88).<ref>Hier und Folgendem (abweichend von <bib id='Lacan 1996b'></bib>: S. 81f.) übersetzt von Wolfram Bergande.</ref> Im Gegensatz zum Bild des Wahrnehmungsbewusstseins provoziert das Traumbild den Blick des Traumsubjekts: ''es zeigt'' – in einer massiven Plastizität, die jeden reflexiven Selbstbezug auszuschließen scheint, so dass auch nicht davon gesprochen werden kann, es würde ''sich'' zeigen. Die irreflexive englische Wendung ''it shows'' drückt diesen Sachverhalt vielleicht besser aus. Das ''es zeigt'' des Traums
:''Die Dinge, die ich sehe, sehen mich in dem Maße, wie ich sie sehe. Das, was ich sehe, erklärt mich also in gewis&shy;ser Weise, drückt mich aus – das da ist durch mich orga&shy;nisiert, anstatt dass ich durch es orga&shy;nisiert wäre wie im Wachzu&shy;stand.'' <bib id='Valery 1935a'>Valé&shy;ry 1935a</bib>: S. 193f.)
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:''tritt so sehr hervor, mit den Charakteristika, in denen es sich verortet – nämlich der Abwesenheit eines Horizonts, der Schließung dessen, was im Wachzustand betrachtet wird, und, ebenso, der Art des Hervortretens, des Kontrastes, das Fleckartige seiner Bilder, die Intensivierung ihrer Farben – dass unsere Position im Traum letzten Endes die ist, auf grundlegende Weise der zu sein, der nicht sieht. Das Subjekt weiß nicht, wo das hinführt, es folgt, es kann sich allenfalls losmachen, sich sagen, dass es ein Traum ist, aber es kann sich in keinem Fall im Traum auf die Art erfassen, auf die es sich, im cartesischen ''Cogito'', als Denken erfasst. Es kann sich sagen – ''Das ist nur ein Traum''. Aber es erfasst sich nicht als der, der sich sagt – ''Trotz alledem, ich bin Bewusstsein dieses Traums''.'' (<bib id='Lacan 1994a'></bib>: S. 88)
Ohne sich auf Valéry zu beziehen, vergleicht Lacan in ähnli&shy;cher Weise die Sicht auf die Dinge im Wachzu&shy;stand und im Traum. „Die Welt“, so Lacan, ist an sich
:''nicht exhi&shy;bitio&shy;nistisch – sie provo&shy;ziert nicht unse&shy;ren [[Blick|Blick]]. Wenn sie anfängt, ihn zu provo&shy;zieren, dann beginnt auch das Gefühl der Unheim&shy;lichkeit. Was heißt das? – wenn nicht dies, dass es im soge&shy;nannten Wachzu&shy;stand eine Eli&shy;sion [Auslas&shy;sung] des Blicks gibt, eine Elision nicht nur dessen, dass es blickt, sondern dass [[Zeigen und Sich-Zeigen|''es zeigt'']]. Das was im Feld des Traums, im Gegensatz dazu, die Bilder charakterisiert, ist dass ''es zeigt (<bib id='Lacan 1994a'></bib>: S. 88).<ref>Hier und im Fol&shy;gen&shy;den (ab&shy;wei&shy;chend von <bib id='Lacan 1996b'>La&shy;can 1996b</bib>: S. 81f.) über&shy;setzt von Wolf&shy;ram Ber&shy;gan&shy;de.</ref>
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''Was'' also ''zeigt'' – laut Lacan – im Traumbild, was wird manifest? Zunächst manifestieren sich in den Traumbildern die plastisch entstellten, unbewussten, unerfüllten Wünsche. In der Unmittelbarkeit der Traumbilder wird außerdem manifest das nicht reflektierte Wissen des Träumers darüber, dass seine halluzinierte Wunschbefriedigung, die er an den Traumbildern genießt, von einer Ausblendung der Unterscheidung zwischen Traum und Realität abhängt. Dass die Traumbilderfahrung eine besondere Unmittelbarkeit hat und dass das Subjekt diese Unterscheidung ausblendet sind zwei auseinanderfallende Aspekte desselben Zusammenhangs: Das unbewusste, aber wirkmächtige Wissen um die Ausblendung insistiert in der Unmittelbarkeit der Traumbilder. Es wird in diesen Bildern, als diese Bilder manifest. Demzufolge würde auch das Klarträumen (im luziden Traum) nur ein graduelles Sich-Losmachen vom manifesten Traum erreichen. Auf den Traumwunsch, die Traumarbeit und ihre entstellenden Resultate, mithin auf den Umstand, dass der Träumende in einem grundlegenden Sinne der ist, ''der nicht sieht'', hätte es keinen Einfluss. Nur wenn der Unterschied Traum/Realität reflektiert wird, verlieren die Traumbilder ihr Charakteristikum, das darin besteht, dass ihr „Zu-sehen-Geben“ (<bib id='Lacan 1994a'></bib>: S. 88) durch seine plastische Immanenz den Träumenden zugleich bannt und blendet. Erst dann zeigen sie sich uns sozusagen mit abgeblendetem Blick, so, wie wir Bilder im alltäglichen Wahrnehmungsbewusstsein erleben. Doch diese gedoppelte Reflexion, darauf verweist Lacan am bekannten Beispiel von Tschuang-Tse, der träumt, ein Schmetterling zu sein, ist nur von der Wirklichkeitsseite der Unterscheidung Wirklichkeit/Traum her möglich: nämlich im skeptischen Modus des wachen Zweifels, ob ich als Tschuang-Tse nicht vielleicht ein Schmetterling sein könnte, der bloß träumt, Tschuang-Tse zu sein. Im immanenten Modus des Träumens taucht die entsprechende Frage, ob ich als Schmetterling vielleicht ein Tschuang-Tse sein könnte, der bloß träumen würde, ein Schmetterling zu sein, nicht auf.
Im Gegensatz zum Bild des Wahrnehmungs&shy;bewusst&shy;seins provo&shy;ziert das Traumbild den Blick des Traumsub&shy;jekts: ''es zeigt'' – in einer massi&shy;ven Plasti&shy;zität, die jeden refle&shy;xiven Selbstbe&shy;zug auszu&shy;schließen scheint, so dass auch nicht davon gespro&shy;chen werden kann, es würde ''sich'' zeigen. Die irre&shy;flexi&shy;ve engli&shy;sche Wendung ''it shows'' drückt diesen Sachver&shy;halt vielleicht besser aus. Das ''es zeigt'' des Traums
:''tritt so sehr hervor, mit den Charak&shy;teris&shy;tika, in denen es sich veror&shy;tet – nämlich der Abwe&shy;senheit eines Hori&shy;zonts, der Schließung dessen, was im Wachzu&shy;stand betrach&shy;tet wird, und, eben&shy;so, der Art des Hervor&shy;tretens, des Kontras&shy;tes, das Fleckar&shy;tige seiner Bilder, die Inten&shy;sivie&shy;rung ihrer Farben – dass unse&shy;re Posi&shy;tion im Traum letzten Endes die ist, auf grundle&shy;gende Weise der zu sein, der nicht sieht. Das Subjekt weiß nicht, wo das hinführt, es folgt, es kann sich allen&shy;falls losma&shy;chen, sich sagen, dass es ein Traum ist, aber es kann sich in keinem Fall im Traum auf die Art erfas&shy;sen, auf die es sich, im carte&shy;sischen ''Cogi&shy;to'', als Denken erfasst. Es kann sich sagen – ''Das ist nur ein Traum''. Aber es erfasst sich nicht als der, der sich sagt – ''Trotz alledem, ich bin Bewusst&shy;sein dieses Traums''.'' (<bib id='Lacan 1994a'></bib>: S. 88)
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''Was'' also ''zeigt'' – laut Lacan – im Traumbild, was wird mani&shy;fest? Zunächst mani&shy;festie&shy;ren sich in den Traumbil&shy;dern die plastisch entstell&shy;ten, unbe&shy;wussten, uner&shy;füllten Wünsche. In der Unmit&shy;telbar&shy;keit der Traumbil&shy;der wird außer&shy;dem mani&shy;fest das nicht reflek&shy;tierte Wissen des Träumers darü&shy;ber, dass seine hallu&shy;zinier&shy;te Wunschbe&shy;friedi&shy;gung, die er an den Traumbil&shy;dern genießt, von einer Ausblen&shy;dung der Unter&shy;scheidung zwischen Traum und Reali&shy;tät abhängt. Dass die Traumbild&shy;erfah&shy;rung eine beson&shy;dere Unmit&shy;telbar&shy;keit hat und dass das Subjekt diese Unter&shy;scheidung ausblen&shy;det sind zwei ausein&shy;ander&shy;fallen&shy;de Aspek&shy;te dessel&shy;ben Zusam&shy;menhangs: Das unbe&shy;wusste, aber wirkmäch&shy;tige Wissen um die Ausblen&shy;dung insis&shy;tiert in der Unmit&shy;telbar&shy;keit der Traumbil&shy;der. Es wird in diesen Bildern, als diese Bilder mani&shy;fest. Demzu&shy;folge würde auch das Klarträu&shy;men (im luzi&shy;den Traum) nur ein gradu&shy;elles Sich-&#8203;Losma&shy;chen vom mani&shy;festen Traum errei&shy;chen. Auf den Traumwunsch, die Traumar&shy;beit und ihre entstel&shy;lenden Resul&shy;tate, mithin auf den Umstand, dass der Träumen&shy;de in einem grundle&shy;genden Sinne der ist, ''der nicht sieht'', hätte es keinen Einfluss. Nur wenn der Unter&shy;schied Traum/&#8203;Reali&shy;tät reflek&shy;tiert wird, verlie&shy;ren die Traumbil&shy;der ihr Charak&shy;teris&shy;tikum, das darin besteht, dass ihr „Zu-&#8203;sehen-&#8203;Geben“ (<bib id='Lacan 1994a'></bib>: S. 88) durch seine plasti&shy;sche Imma&shy;nenz den Träumen&shy;den zugleich bannt und blendet. Erst dann zeigen sie sich uns sozu&shy;sagen mit abge&shy;blende&shy;tem Blick, so, wie wir Bilder im alltäg&shy;lichen Wahrneh&shy;mungsbe&shy;wusstsein erle&shy;ben. Doch diese gedop&shy;pelte Refle&shy;xion, darauf verweist Lacan am bekann&shy;ten Beispiel von Tschuang-&#8203;Tse, der träumt, ein Schmetter&shy;ling zu sein, ist nur von der Wirklich&shy;keitssei&shy;te der Unter&shy;scheidung Wirklich&shy;keit/&#8203;Traum her möglich: nämlich im skepti&shy;schen Modus des wachen Zweifels, ob ich als Tschuang-&#8203;Tse nicht vielleicht ein Schmetter&shy;ling sein könnte, der bloß träumt, Tschuang-&#8203;Tse zu sein. Im imma&shy;nenten Modus des Träumens taucht die entspre&shy;chende Frage, ob ich als Schmetter&shy;ling vielleicht ein Tschuang-&#8203;Tse sein könnte, der bloß träumen würde, ein Schmetter&shy;ling zu sein, nicht auf.


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* [[Psychoanalytische Theorien des Bildes]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Bildbewusstsein und Einbildungskraft


Traumbild, Vision, Tagtraum und Oni­risches

‘Traumbild’ ist weder ein profi­lierter wissen­schaftli­cher Ausdruck noch einer, der beson­ders häufig in der Alltags­sprache vorkommt, anders als das Lehnwort ‘Vision’, das eine hauptsäch­lich visu­elle Hallu­zina­tion im Wachzu­stand bezeich­net ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 17). In Abgren­zung zur Vision einer­seits, zum „lebhaft vorge­stellte[n]“, aber „niemals hallu­zina­torisch erleb­te[n]“ Tagtraum ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 129) ande­rerseits und vor dem Hinter­grund einer allge­meinen Defi­nition von Traum als psychi­schem „Erle­ben während des Schlafs“ ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 17) lässt sich das Traumbild defi­nieren als eine visu­elle Hallu­zina­tion im Schlafzu­stand. Wird das Traumbild nicht derart einge­schränkt auf den Schlafzu­stand, dann öffnet sich ein weites Feld, das mit Hans Ulrich Reck das ‘Oni­rische’ genannt werden kann:

Das dem Franzö­sischen entlie­hene Wort des ‘Oni­rischen’ bezeich­net – im Unter­schied zur im Deutschen gebräuch­lichen trennen­den Auffal­tung von Traum, Vision, Hallu­zina­tion, Schimä­re etc. – alle mögli­chen und erdenk­lichen Formen, Beschaf­fenhei­ten und Zwischen­zustän­de von Traum, Tagtraum, Vision, Hallu­zina­tion, Träume­reien, Medi­tation, ‘schweben­den Verin­nerli­chungen’ in einem durchgängigen, aber keineswegs homogenen Zusammenhang oder “Feld” ([Reck 2010a]Reck, Hans Ulrich (2010): Traum. Enzyklopädie. Wilhelm Fink, München.
: S. 22).


Das Traumbild aus Sicht der empi­risch-​klini­schen Schlaf- und Traum­for­schung

Die definitorische Einschrän­kung des Traumbil­des auf den Schlafzu­stand ist aller­dings gerecht­fertigt schon durch die alltags­sprachli­che Bedeu­tung von ‘Traum’ als gera­de „im Schlaf auftre­tende Vorstel­lung, sehnli­cher Wunsch“ ([Pfeifer 1997a]Pfeifer, Wolfgang (1997): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München.
Nicht angezeigt: 3. Auflage
: 1452). Die Verwen­dung des Ausdrucks ‘Traumbild’ ist einer­seits durch die Ety­molo­gie des Wortes ‘Traum’ moti­viert, ande­rerseits durch die empi­risch-​klini­sche Traum- und Schlaf­forschung.

Etymologisch steckt in ‘Traum’ nämlich eine Beto­nung des Visu­ellen. ‘Traum’ lässt sich zurück verfol­gen auf das germa­nische ‘draugma’, das ein „nicht wirkli­ches Bild, Trugbild“ bezeich­net ([Pfeifer 1997a]Pfeifer, Wolfgang (1997): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. dtv, München.
Nicht angezeigt: 3. Auflage
: 1452); vergleich­bare Verbin­dungen zwischen Trug- und Traumbild findet sich auch im griechi­schen Vokabular (‘eido­lon’) und im latei­nischen (‘ima­go’). Davon abge­sehen bestä­tigt die Traum- und Schlaf­forschung die „Evi­denz des Bilder­sehens im Traum“ ([Reck 2010a]Reck, Hans Ulrich (2010): Traum. Enzyklopädie. Wilhelm Fink, München.
: S. 33), das heißt die häufig berich­tete und auch in der Fachli­tera­tur unbe­stritte­ne Erfah­rung visu­eller Ein­drücke während des Schlafs. Inge Strauch und Barba­ra Meier berich­ten auf der Basis empi­rischer Schlaf­forschung, dass in über 50% der Träume visu­elle Ein­drücke vorkom­men, neben akus­tischen Ein­drücken (25%), Körper­empfin­dungen (19%) und Geruchs- und Geschmacks­empfin­dungen (2%); außer mit solchen hallu­zinier­ten Sinnes­wahrneh­mungen sind Träume auch mit Gefüh­len, hallu­zinier­tem Sprechen und Denkvor­gängen durchmischt (vgl. [Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 84; vgl. [Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 86). Michael Schredl nennt unter Verweis auf drei empi­rische Studien über Labor- bzw. Tage­buchträu­me eine hundert­prozen­tige Präva­lenz visu­eller Ein­drücke neben audi­tiven Ein­drücken (zwischen 53% und 76%) und ande­ren, die demge­genü­ber kaum ins Gewicht fallen (nämlich kinäs­theti­sche Ein­drücke, die in einer der Studien bei 8% lagen, anson­sten aber, wie takti­le, olfak­tori­sche und ande­re Ein­drücke, bloß bei ca. 1% (vgl. dazu Tabel­le 10 in [Schredl 2006a]Schredl, Michael (2006): Experimentell-psychologische Traumforschung. In: Wiegand, M. H. & Spreti, F. v. & Förstl, H. & Boothe, B. (Hg.), Schlaf und Traum. Schattauer, Stuttgart.
: S. 49)). In diesem Zusam­menhang ist auch die Studie von [Kerr et al. 1982a]Kerr, N. & Foulkes, D. & Schmidt, M. (1982): The Structure of Laboratory Dream Reports in Blind and Sighted Subjects. The Journal of Nervous and Mental Disease, 170, 5.
zu Träumen von blinden Menschen von Belang, auf die sich Strauch und Meier bezie­hen. Ihr Ergeb­nis ist,

dass Menschen, die von Geburt an blind sind oder vor dem 5. Lebens­jahr erblin­deten, keine Träume mit visu­ellen Vorstel­lungen haben, hier stehen akus­tische und takti­le Wahrneh­mungen im Vorder­grund. Trat die Behin­derung jedoch später ein, blieben visu­elle Vorstel­lungen im Traum erhal­ten. Inte­ressan­terwei­se entspra­chen solche visu­ellen Ein­drücke nicht dem gegen­wärti­gen einge­schränkten Sehver­mögen, sondern sie ließen frühe­re Erfah­rungen wieder aufle­ben ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 212).

Während nach Strauch und Meier die hallu­zinier­ten „Sinnes­ein­drücke“ wie Sprechen und Denken im Traum als „ein durchgän­giges Gestal­tungsmit­tel von Träumen“ anzu­sehen sind, sind „Gefüh­le“ in Träumen und die „Bizarr­heit“ von Träumen eher als Begleit­erschei­nungen anzu­sehen ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 107). Als bizarr werden Träume und ihre visu­ellen Kompo­nenten meist erst in der Erin­nerung aufge­fasst, selten schon während des aktu­alen Erle­bens (vgl. [Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 100ff.). In einer Unter­suchung von 117 REM-​Schlaf-​Traumbe­richten[1] unter­scheiden Strauch und Meier zwischen forma­ler und inhalt­licher Bizarr­heit:

Formal bizarr sind Berich­te, die in ihrem Aufbau und in ihrem Verlauf auffäl­lig sind, weil einzel­ne Wörter, Sätze oder Abschnit­te unvoll­ständig, zerfah­ren oder sprunghaft sind. Inhalt­lich bizarr sind Ele­mente und Ereig­nisse, die aus der Sicht des Alltags außer­gewöhn­lich sind, weil sie verän­dert oder unwahr­scheinlich sind, weil sie sozi­ale und kultu­relle Normen verlet­zen oder den physi­kali­schen Gesetz­mäßig­keiten wider­sprechen ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 101).

Im Untersuchungsergebnis waren 48% der Traumbe­richte inhalt­lich bizarr, 9% formal bizarr, 19% formal und inhalt­lich bizarr und 24% wiesen keine Bizarr­heit auf (vgl. [Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 102). Dass insbe­sonde­re Kinder­träume von Bizarr­heit frei sein können und dass diese Art von „Entstel­lung“ für den Traum daher nicht wesent­lich sei stellt auch Sigmund Freud aus der Sicht seiner psycho­ana­lyti­schen Traumthe­orie fest ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 126). Umge­kehrt erweist die psycho­ana­lyti­sche Inter­preta­tion freilich sehr häufig gera­de die „nicht verwor­renen“ Träume als die, deren laten­te Traumin­halte „einen außer­ordent­lich hohen Grad von Entstel­lung erfah­ren haben“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 116).

Laut Strauch und Meier, die sich unter ande­rem auf eine eige­ne Unter­suchung von 500 REM-​Schlaf-​Träumen stützen, ist der Reali­tätscha­rakter von Träumen und ihren visu­ellen Kompo­nenten stark ausge­prägt. Träume haben sehr häufig „Alltags­situ­atio­nen zum Thema“ ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 123). Sie sind

im Allgemeinen aber nicht durchge­hend wirklich­keitsge­treu, sie sind auch nicht ausge­sprochen phantas­tisch, sondern sie spiegeln vor allem eine kreati­ve Umge­staltung der Wacher­fahrung“ ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 129).

In den untersuchten 500 REM-​Schlaf-​Träumen waren die jewei­ligen „Traumum­gebun­gen“ zu 44% unbe­kannte Szena­rien, zu 26% eine vertrau­te Umwelt ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 111). Die jewei­ligen „Traumfi­guren“ waren zu 45% Bekann­te und Verwand­te, zu 25% Fremde und nur zu 1% fiktiv ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 109). Genau­so wie die visu­ellen Traumein­drücke im Allge­meinen erschei­nen die Handlun­gen dieser Figu­ren „nicht als Ketten von Standbil­dern“, „sondern sie beste­hen aus handlungs­reichen und beweg­ten Situ­ationen, in denen Traumfi­guren aktiv sind“ ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 115).

Dass Traumbilder der visu­ellen Wahrneh­mung im Wachbe­wusstsein rela­tiv stark entspre­chen legt auch die Studie von [Rechtschaffen & Buchignani 1983a]Rechtschaffen, Allan & Buchignani, Cheryl (1983): Visual Dimensions and Correlates of Dream Images. Sleep Research, 12.
nahe, die Strauch und Meier zitie­ren:

In dieser Studie entspra­chen die Traumbil­der weitge­hend der Wachwahr­nehmung in Bezug auf den Grad ihrer Hellig­keit und Bildschär­fe, sie zeigten aber im Mittel weni­ger satte Farben und eine Fokus­sierung des Vorder­grunds bei einem verschwom­menen Hinter­grund“ ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 87).

Freilich stehen diese Aussagen unter dem Vorbe­halt einer unver­fälschten Erin­nerung des Träumers.

Werden Traumbilder als wenig prägnant beschrie­ben, dann bleibt offen, ob die visu­ellen Traumvor­stellun­gen bereits diese Quali­tät hatten, oder ob ein ursprüng­lich deutli­cher Eindruck erst in der Erin­nerung verblasst ist ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 87).


Traum(bild)­forschung: Neuro­psycho­logie und/​oder Psycho­ana­lyse

Dieser Vorbehalt verweist auf eine Grundpro­blema­tik der Traum(bild)­forschung. Traumbil­der haben, wie alle ande­ren Arten des Traumer­lebens auch, den Status von Qualia. Sie sind daher bis auf weite­res „priva­te Erleb­nisse, bei denen keine Beobach­ter zuge­lassen sind, der Träumer ist der einzi­ge Zeuge des Traumge­schehens“ ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 27). Da also das Traumbild wie der Traum, als dessen Teil es erlebt wird, „nicht unab­hängig vom Wachzu­stand“ beobach­tet und beschrie­ben werden kann und dadurch ein nur noch erin­nertes Traumbild ist, werden in der Schlaf- und Traumfor­schung der Traum wie das Traumbild streng genom­men nicht defi­niert als das aktu­ale Erle­ben, das sie doch eigent­lich sind, sondern als immer schon nachträg­licher „Traumbe­richt“ des Träumers, als seine wachbe­wusste „Erin­nerung an die psychi­sche Akti­vität, die während des Schlafes stattfin­det“ ([Schredl 2006a]Schredl, Michael (2006): Experimentell-psychologische Traumforschung. In: Wiegand, M. H. & Spreti, F. v. & Förstl, H. & Boothe, B. (Hg.), Schlaf und Traum. Schattauer, Stuttgart.
: S. 64, 38; vgl. [Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 81). Bis auf weite­res ist also diese Traumer­inne­rung „einzi­ger Schlüssel“ zur Traumwelt ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 246). Vielleicht machen es in Zukunft Verfah­ren techni­scher Bildre­konstruk­tion in der Neuro­psycho­logie möglich, das strikt binnen­perspek­tivi­sche Bilder­leben des Träumen­den zu objek­tivie­ren. Auf diese Möglich­keit deutet zum Beispiel die Studie von [Nishimoto et al. 2011a]Nishimoto, Shinji & T. Vu, An & Naselaris, Thomas & Benjamini, Yuval & Yu, Bin & Gallant, Jack L. (2011): Reconstructing Visual Experiences from Brain Activity Evoked by Natural Movies. Current Biology, 21.
Nicht angezeigt: 11. Oktober, 2011
hin.

Weil das Traumbild bislang nicht objek­tiv beobacht­bar ist, hat sich die Schlaf- und Traumfor­schung der Erfor­schung des physio­logischen Korre­lats der Träume zuge­wandt. Dieses Korre­lat wurde zunächst in den zyklisch auftre­tenden Rapid-​Eye-​Move­ment-​Phasen des Schlafs gese­hen, insbe­sonde­re im Anschluss an die Studien von [Aserinsky & Kleitman 1953a]Aserinsky, E. & Kleitman, N. (1953): Regularly Occurring Periods of Eye Motility and Concomitant Phenomena During Sleep. Science, 118.
und [Dement & Kleitman 1957a]Dement, William & Kleitman, Nathanael (1957): The Relation of Eye Movements During Sleep to Dream Activity: An Objective Method for the Study of Dreaming. Journal of Experimental Psychology, 53, 3.
, die mithil­fe eines Elek­tro­oku­logramms eine statis­tisch signi­fikan­te Korre­lation von schnellen Augen­bewe­gungen und lebhaft erin­nerten Traumein­drücken bele­gen konnten. Die ausschließ­liche Reduk­tion des Traumer­lebens auf die REM-​Phasen, die vor dem Hinter­grund des dama­ligen beha­vioris­tischen Zeitgeis­tes ange­strebt wurde, wurde aller­dings schon von [Foulkes 1962a]Foulkes, D. (1962): Dream Reports from Different Stages of Sleep. Journal of Abnormal and Social Psychology , 65.
bestrit­ten und gilt heute als wider­legt ([Schredl 2006a]Schredl, Michael (2006): Experimentell-psychologische Traumforschung. In: Wiegand, M. H. & Spreti, F. v. & Förstl, H. & Boothe, B. (Hg.), Schlaf und Traum. Schattauer, Stuttgart.
: S. 39f.; vgl. ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 131ff.). Obwohl sie wider­legt ist und obwohl REM-​Schlaf nach dem heuti­gen Stand der Diskus­sion kein notwen­diges und mit eini­ger Wahrschein­lichkeit auch kein hinrei­chendes Krite­rium für das Träumen ist, wird „[d]ie Theorie, dass der REM-​Schlaf das physio­logi­sche Korre­lat des Träumens ist“ noch in aktu­ellen Lehrbü­chern der Biopsy­cholo­gie propa­giert (vgl. hier und im Folgen­den [Pinel & Pauli 2007a]Pinel, John P. J. & Pauli, Paul (2007): Biopsychologie. Pearson Studium, München u.a.
Nicht angezeigt: 6., aktualisierte Auflage
: S. 358f.). Im selben Zug werden „die Träume, die nach Non-​REM-​Schlaf erin­nert wurden“ als „eher einzel­ne Erfah­rungen“ und als „anders als die mit dem REM-​Schlaf asso­ziierten Geschich­ten“ abge­tan; dies geht soweit, dass Proban­den darü­ber belehrt werden, ob sie mit ihrer Einschät­zung, wie lange sie im Labor­schlaf geträumt haben mögen, “richtig” liegen oder nicht. Doch auf dem heuti­gen Stand der Traumfor­schung sind physio­logi­sche Messun­gen noch keine siche­ren „objek­tive[n] Traumin­dika­toren“ ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 245). Schon William Dement und Natha­niel Kleitman hatten 1957 die von ihnen beleg­te, tatsäch­lich hohe Korre­lation von REM-​Schlaf und Traumer­inne­rungen dadurch verzerrt, dass sie alle Traumer­inne­rungen ausschlos­sen, die bloß vage oder fragmen­tarisch und nicht kohä­rent oder wenig­stens eini­germa­ßen detail­liert waren. Selbst Proban­den, die sehr wohl behaup­teten, geträumt zu haben, sich aber nicht an konkre­te Inhal­te erin­nern konnten, wurden unter der Rubrik ‘Keine Traumer­inne­rung’ verbucht:

The Ss were considered to have been dreaming only if they could relate a cohe­rent, fairly de­tailed descrip­tion of dream content. Asser­tions that they had dreamed without recall of content, or vague, fragmen­tary impres­sions of content, were consid­ered nega­tive (vgl. [Dement & Kleitman 1957a]Dement, William & Kleitman, Nathanael (1957): The Relation of Eye Movements During Sleep to Dream Activity: An Objective Method for the Study of Dreaming. Journal of Experimental Psychology, 53, 3.
: S. 341).

Diesem willkürlichen Ausschluss widerspricht freilich schon die alltäg­liche Erfah­rung, dass viele Träume sehr schnell, meist schon in der Aufwach­phase aus dem Nachtschlaf, auf eine über­stürzt sogar­tige Weise verges­sen werden, so dass nur noch das Dass des Traums, wenn über­haupt, in Erin­nerung bleibt. Wenn REM-​Schlaf keine hinrei­chende Bedin­gung für eine Traumer­inne­rung ist und also mögli­cher Weise auch keine hinrei­chende Bedin­gung für einen Traum, so ist er jeden­falls keine notwen­dige Bedin­gung für eine Traumer­inne­rung. Denn Träume werden auch aus dem Nicht-​REM-​Schlaf (NREM-​Schlaf) berich­tet (vgl. [Dement & Kleitman 1957a]Dement, William & Kleitman, Nathanael (1957): The Relation of Eye Movements During Sleep to Dream Activity: An Objective Method for the Study of Dreaming. Journal of Experimental Psychology, 53, 3.
: S. 341 und [Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 131ff.), und zwar sind dies neben regu­lären NREM-​Träumen insbe­sonde­re posttrau­mati­sche Wieder­holungs­träume (Albträu­me) und soge­nannte Pavor-​noctur­nus-​Träume (vgl. Tabel­le 3 in [Schredl 2006a]Schredl, Michael (2006): Experimentell-psychologische Traumforschung. In: Wiegand, M. H. & Spreti, F. v. & Förstl, H. & Boothe, B. (Hg.), Schlaf und Traum. Schattauer, Stuttgart.
: S. 40). — Die Diskus­sion über die Bewer­tung der Ergeb­nisse neuro­psycho­logi­scher Traum- und Schlaffor­schung ist in vollem Gange. Das aktuell promi­nentes­te Modell der neuro­psycho­logi­schen Forschungs­richtung ist John Allan Hobsons Akti­vierungs-​Synthe­se-​Theorie (vgl. [Hobson 1989a]Hobson, J.A. (1989): Sleep. Scientific American Library, New York.
und [Hobson & McCarley 1977a]Hobson, J.A. & McCarley, R.W. (1977): The Brain as a Dream-State Generator: An Activation-Synthesis Hypothesis of the Dream Process. American Journal of Psychiatry, 134.
); der aktuell promi­nentes­te Vertre­ter einer Richtung, die Neuro­psycho­logie und Psycho­ana­lyse verbin­det, ist Mark Solms (vgl. [Solms 1997a]Solms, M. (1997): The Neuropsychology of Dreams. Lawrence Erlbaum, Mahwah (NJ).
, [Solms 2000a]Solms, M. (2000): Dreaming and REM Sleep Are Controlled by Different Brain Mechanisms. Behavioral and Brain Sciences, 23.
, [Solms 2006a]Solms, M. (2006): “Traumdeutung” und Neurowissenschaften. In: Starobinski, J. & Grubrich-Simitis, I. & Solms, M. (Hg.), Hundert Jahre “Traumdeutung” von Sigmund Freud. Fischer, Frankfurt/M.
Notiz:
Nicht angezeigt: 2., unveränderte Auflage
und [Schredl 2006a]Schredl, Michael (2006): Experimentell-psychologische Traumforschung. In: Wiegand, M. H. & Spreti, F. v. & Förstl, H. & Boothe, B. (Hg.), Schlaf und Traum. Schattauer, Stuttgart.
).


Das Traumbild in Alb­traum und Pavor noctur­nus

Albträume und insbesondere Pavor-​noctur­nus-​Träume sind nun einer­seits deshalb für die Frage nach dem Traumbild inte­ressant, weil sie die heuris­tische Korre­lation von Traumer­inne­rung und tatsäch­lichen Traum­(bildern) “entkop­peln” (vgl. [Rodenbeck et al. 2006a]Rodenbeck, Andrea & Gruber-Rüther, Angelika & Rüther, Eckart (2006): Affekte im Traum und Wacherleben – eine Affekthypothese des Traumes. In: Wiegand, M.l H. & Spreti, F. v. & Förstl, H. & Boothe, B. (Hg.), Schlaf und Traum. Schattauer, Stuttgart.
: S. 126), auf die sich Beha­vioris­mus und Neo-​Beha­vioris­mus bei ihrem Insis­tieren auf REM-​Schlaf-​Träume beru­fen. Damit passen sie einer psycho­ana­lyti­schen Theorie­perspek­tive ins Konzept, die aus der klini­schen Erfah­rung berich­tet, dass zum Beispiel bei „Insom­nie-​Patien­ten“ wie auch bei einer präva­lenten Diagno­se wie der Depres­sion häufig zunächst „jegli­che Traumer­inne­rung“ fehlt, so dass „die Betrof­fenen […] weder einen Traumin­halt noch einen Traumaf­fekt“ erin­nern – obwohl sich häufig heraus stellt, dass „gera­de die nicht erin­nerten Träume sowohl von großem diagnos­tischem Wert als auch von hoher thera­peuti­scher Bedeu­tung im psycho­ana­lyti­schen Verstän­dnis sind“ ([Rodenbeck et al. 2006a]Rodenbeck, Andrea & Gruber-Rüther, Angelika & Rüther, Eckart (2006): Affekte im Traum und Wacherleben – eine Affekthypothese des Traumes. In: Wiegand, M.l H. & Spreti, F. v. & Förstl, H. & Boothe, B. (Hg.), Schlaf und Traum. Schattauer, Stuttgart.
: S. 124, 126). Im Pavor noctur­nus, der ein nächtli­ches Auf­schrecken unter „Angst und Panik“, „mit Schreien, Weinen oder wildem Gesti­kulie­ren“ und körper­lichen Sympto­men wie „Mydri­asis [Pupil­lener­weiter­ung], Schwitzen, Herzra­sen, beschleu­nigter Atem­frequenz und Pilo­erek­tion [Gänse­haut]“ darstellt und der eine Präva­lenz von 3% der Gesamt­bevöl­kerung im Kindes­alter und von 1% im Erwach­senen­alter hat, ist der Betrof­fene am nächsten Tag oft nicht imstan­de, sich an „diese Horror­situ­ation zu erin­nern“ (hier und im Folgen­den [Kapfhammer 2006a]Kapfhammer, Hans-Peter (2006): Albtraum, Pavor nocturnus und andere Gespenster der Nacht. In: Wiegand, M. H. & Spreti, F. v. & Förstl, H. & Boothe, B. (Hg.), Schlaf und Traum. Schattauer, Stuttgart.
: S. 173).

Es gelingt ihm nicht, einen Traum zu berich­ten, allen­falls erin­nert er weni­ge fragmen­tari­sche Ein­drücke des Gesche­hens. Pavor noctur­nus tritt meist im ersten Nacht­drittel auf, ist nicht an den REM-​Schlaf gekop­pelt, sondern mit dem Tiefschlaf der Phase 4 (slow wave sleep) asso­ziiert“.

Der typische Albtraum, der zur Sympto­matik einer posttrau­mati­schen Belas­tungsstö­rung zu zählen ist und „nicht selten von einem Gefühl der behin­derten Fluchtmög­lichkeit begleitet“ ist, ist dage­gen „vorran­gig an den REM-​Schlaf gebun­den“ – vorran­gig, aber keines­wegs aus­schließlich: „Ein Vorkom­men von typi­schen Angst­träumen ist auch in NREM-​Schlafsta­dien nachge­wiesen“ ([Kapfhammer 2006a]Kapfhammer, Hans-Peter (2006): Albtraum, Pavor nocturnus und andere Gespenster der Nacht. In: Wiegand, M. H. & Spreti, F. v. & Förstl, H. & Boothe, B. (Hg.), Schlaf und Traum. Schattauer, Stuttgart.
: S. 187, 172 und 182; vgl. [Woodward et al. 2002a]Woodward, S.H. & Leskin, G.A. & Sheikh, J.I. (2002): Movement During Sleep: Associations with Post-Traumatic Stress Disorder, Nightmares, and Comorbid Panic Disorder. Sleep, 25.
). Etwa 10-50% aller Drei- bis Sechsjäh­rigen haben gele­gentlich und 1-5% aller Erwach­senen haben mehrmals pro Woche und unter Umstän­den auf wieder­kehren­de Art und Weise solch ein :

angstvol­les Träumen, das Bilder­sequen­zen von Verfol­gung, Flucht, nahen­der Katas­trophe, exis­tenziel­ler Bedro­hung, von persön­licher Beschä­mung, sozi­aler Bloß­stellung oder unge­heuer­licher Verbots­über­tretung be­inhal­tet" ([Kapfhammer 2006a]Kapfhammer, Hans-Peter (2006): Albtraum, Pavor nocturnus und andere Gespenster der Nacht. In: Wiegand, M. H. & Spreti, F. v. & Förstl, H. & Boothe, B. (Hg.), Schlaf und Traum. Schattauer, Stuttgart.
: S. 182).

Albträume und Pavor-nocturnus-​Träume sind ande­rerseits auch darin bemer­kenswert, dass sie sich rela­tiv schlecht in Freuds ursprüng­liche psycho­ana­lyti­sche Theorie des Traumes als „hallu­zinier­te Wunscher­füllung“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 136) fügten und ihn schließlich zu einer „Revi­sion der Traumleh­re“ zwangen ([Freud 1999b]Freud, Sigmund (1999): Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 15. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 6ff.). Freuds «Traumdeu­tung» hatte 1900 den Wunsch defi­niert als Bestre­ben, eine Wahrneh­mung zu wieder­holen, die einst ein Befrie­digungs­erleb­nis war. Die hallu­zina­tori­sche Wieder­beset­zung einer gespei­cherten Wahrneh­mung sei in dieser Hinsicht

der kürzes­te Weg zur Wunscher­füllung. Es hindert uns nichts, einen primi­tiven Zustand des psychi­schen Appa­rats anzu­nehmen, in dem dieser Weg wirklich so began­gen wird, das Wünschen also in ein Hallu­zinie­ren ausläuft. Diese erste psychi­sche Tätig­keit zielt also auf eine Wahrneh­mungsiden­tität, nämlich auf die Wieder­holung jener Wahrneh­mung, welche mit der Befrie­digung des Bedürf­nisses ist ([Freud 1999c]Freud, Sigmund (1999): Die Traumdeutung. Über den Traum. Gesammelte Werke. Bd. 2/3. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 571).

In der «Neuen Folge der Vorlesungen zur Einfüh­rung in die Psycho­ana­lyse» von 1933 weist Freud zwar einer­seits den Einwand zurück, Angstträu­me und Träume unan­geneh­men Inhalts oder richtig­gehen­de Albträu­me wider­sprächen der Wunscher­füllungs­these. Vielmehr sei es so, dass die unbe­wussten Wünsche, die zu jedem Traum beitra­gen ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 229f.), nämlich die „unver­gängli­chen, uner­füllten Triebwün­sche, die durchs ganze Leben die Ener­gie für die Traumbil­dung abge­ben“, sehr häufig von den „ersten Sexu­aler­lebnis­sen des Kindes“ herrüh­ren und „mit schmerzli­chen Ein­drücke von Angst, Verbot, Enttäu­schung und Bestra­fung verknüpft“ sind, so dass sie eben „in ihrem gewal­tigen Auftrieb auch das Mate­rial peinlich empfun­dener Bege­benhei­ten an die Ober­fläche drängen können“ ([Freud 1999b]Freud, Sigmund (1999): Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 15. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 29f.). Nichtsdes­towe­niger, so Freud, ist „in der Art und Weise, wie dieses Mate­rial repro­duziert wird, die Bemü­hung der Traumar­beit unver­kennbar, die die Unlust durch Entstel­lung verleug­nen will“ ([Freud 1999b]Freud, Sigmund (1999): Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 15. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 30). Doch ange­sichts trauma­tischer Träume, in denen zum Beispiel ein schweres Kriegstrau­ma wieder­kehrt, revi­diert Freud seine Wunscher­füllungs­these:

Bei den traumatischen Neurosen ist es anders, hier laufen die Träume regel­mäßig in Angstent­wicklung aus. Ich meine, wir sollen uns nicht scheuen zuzu­geste­hen, dass in diesem Falle die Funktion des Traumes versagt ([Freud 1999b]Freud, Sigmund (1999): Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 15. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 30).

Der Traum, der „die Erin­nerungs­spuren der trauma­tischen Bege­benheit in eine Wunscher­füllung umwan­deln möchte“, versagt; er wird nicht zur Wunscher­füllung, sondern bleibt streng genommen nur „der Versuch einer Wunscher­füllung“ ([Freud 1999b]Freud, Sigmund (1999): Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 15. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 30).


Das Traumbild in der Traum­theorie Sigmund Freuds

Für Freud, dessen Traumtheorie heute mit verschie­denen vor allem empi­risch-​klini­schen und neo-​beha­vioris­tischen Erklä­rungsan­sätzen konkur­riert (die Tabel­le 19 in [Schredl 2006a]Schredl, Michael (2006): Experimentell-psychologische Traumforschung. In: Wiegand, M. H. & Spreti, F. v. & Förstl, H. & Boothe, B. (Hg.), Schlaf und Traum. Schattauer, Stuttgart.
: S. 65 listet insge­samt neun davon), sind der Traum und seine Bilder „kein soma­tisches, sondern ein psychi­sches Phäno­men“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 97). Der Traum ist ein psychisch deter­minier­tes „neuro­tisches Symptom“, und die „Mecha­nismen der Traumbil­dung [sind] vorbild­lich für die Entste­hungswei­se der neuro­tischen Sympto­me“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 105ff., 79, 186). Wie Freud in der Vorbe­merkung zur ersten Auflage der «Traumdeu­tung» schreibt, hat der Traum daher einen

theore­tische[n] Wert als Para­digma, und wer sich die Entste­hung der Traumbil­der nicht zu erklä­ren weiß, wird sich auch um das Verständ­nis der Phobien, Zwangs- und Wahn­ideen, even­tuell um deren thera­peuti­sche Beein­flussung, vergeb­lich bemühen“ ([Freud 1999c]Freud, Sigmund (1999): Die Traumdeutung. Über den Traum. Gesammelte Werke. Bd. 2/3. Fischer, Frankfurt/M.
: S. VII).

Die behauptete Wunscher­füllungs­inten­tion des Traums ist iden­tisch mit seiner Funktion, „Hüter des Schlafes“, nämlich „Besei­tiger von Schlafstö­rungen“ zu sein ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 130, 127): „Der Traum ist also die Art, wie die Seele auf die im Schlafzu­stand einwir­kenden Reize reagiert“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 86), nämlich indem er sie in das vorwie­gend visu­elle Traumer­leben einschmilzt. Dies können äuße­re Reize sein (Wecker­klingeln) oder inne­re, das heißt zum Beispiel unbe­wusste Triebwün­sche, bei denen es sich „vorwie­gend – aber wiede­rum nicht ausschließ­lich“ um sexu­elle Wünsche handelt, aber auch um Wünsche, die Ego­ismus oder Habgier betref­fen, genau­so inne­re Körper­reize wie Hunger, Durst oder körper­liche Beschwer­den ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 196, 127). Die Möglich­keit der Traumbe­einflus­sung durch äuße­re Reize jeden­falls wird durch die aktu­elle Schlaf- und Traumfor­schung bestä­tigt (vgl. [Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S.: 171f.; [Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 88). Die unbe­wussten inne­ren Reize bilden für Freud den „Nabel des Traums“, aus dem der „Traumwunsch wie der Pilz aus seinem Myce­lium“ empor­wächst ([Freud 1999c]Freud, Sigmund (1999): Die Traumdeutung. Über den Traum. Gesammelte Werke. Bd. 2/3. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 530).

Man erlebt vielerlei im Traum und glaubt daran, während man doch nichts erlebt als viel­leicht den einen stören­den Reiz. Man erlebt es vorwie­gend in visu­ellen Bildern; es können auch Gefüh­le dabei sein, auch Gedan­ken mitten­durch, aber vorwie­gend sind es doch Bilder. Ein Teil der Schwierig­keit des Traumer­zählens kommt daher, dass wir diese Bilder in Worte zu über­setzen haben. Ich könnte es zeichnen, sagt uns der Träumer oft, aber ich weiß nicht, wie ich es sagen soll. ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 86)

Eine Zeichnung allerdings würde laut Freud prima facie nichts aufklä­ren, denn die Zeichnung ist nicht als Abbild oder in ästhe­tischer Hinsicht ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 231f.), sondern primär als Zeichen, als „Bilder­rätsel (Rebus)“ zu verste­hen: „Man würde offen­bar in die Irre geführt, wenn man diese Zeichen nach ihrem Bilder­wert anstatt nach ihrer Zeichen­bezie­hung lesen wollte“ ([Freud 1999c]Freud, Sigmund (1999): Die Traumdeutung. Über den Traum. Gesammelte Werke. Bd. 2/3. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 284).

Zugunsten des Schlafes führt der Traum die stets vorhan­denen inne­ren Reize mit dem tages­aktuell erin­nerten Gesche­hen vor dem Schlafen, den soge­nannten Tages­resten, zusam­men:

Etwas, was aus unse­rem bewuss­ten Leben stammt und dessen Charak­tere teilt – wir heißen es: Tages­reste – tritt mit etwas ande­rem aus jenem Reich des Unbe­wussten zur Traumbil­dung zusam­men. Zwischen diesen beiden Antei­len vollzieht sich die Traumar­beit ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 217).

Deshalb ist „der Traum als Ganzes der entstell­te Ersatz für etwas ande­res, Unbe­wusstes“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 112). Die Aufga­be der Traumdeu­tung ist, dieses Unbe­wusste ausfin­dig zu machen entlang der „lange[n] Kette von Asso­ziati­onen“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 115) dessen, der seinen Traum erin­nernd mithil­fe des Ana­lyti­kers rekon­struiert. Bei der Ana­lyse des Traums ist die Unter­scheidung mani­fest/la­tent grundle­gend:

Wir wollen das, was der Traum erzählt, den mani­festen Traumin­halt nennen, das Verbor­gene, zu dem wir durch die Verfol­gung der Einfäl­le kommen sollen, die laten­ten Traumge­danken“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 118).

Traum im eigentlichen Sinne ist der mani­feste Traumin­halt, der gleichwohl eine bloße „Fassa­de“ ist ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 184). Die soge­nannte „Traumar­beit“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 174) setzt die laten­ten Traumge­danken in den mani­festen Traum um. Die Traumar­beit wiede­rum kommt hauptsäch­lich durch die Traumzen­sur zustan­de: „Die Traum­zensur selbst ist der Urhe­ber oder einer der Urhe­ber der Traument­stellung“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 140f.). Inso­fern „der gegen seine Wünsche sich sträuben­de Träumer gleichzu­setzen ist einer Summa­tion von zwei geson­derten, aber irgend­wie innig verbun­denen Perso­nen“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 224), kann der Traum außer einem erfüll­ten Wunsch auch das gegen­teilige Strafbe­dürfnis der Zensur­instanz zum Ausdruck bringen ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 227).

Die Traumarbeit selbst besteht außer der soge­nannten Traum-​Symbo­lik aus vier Hauptmo­menten: 1) Verdich­tung, 2) Verschie­bung, 3) plasti­sche Darstel­lung und 4) sekun­däre Bear­beitung ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 185, 174ff.).

1) Die Verdichtung ist eine Art anschau­licher „Mischbil­dung“ zum Beispiel von Perso­nen, Gegen­ständen oder Örtlich­keiten; laut Freud ist sie keine Wirkung der Traumzen­sur sondern ande­ren, vielleicht öko­nomi­schen Ursa­chen geschul­det:
Es ist das wie eine neue und flüchti­ge Begriffs­bildung mit diesem Gemein­samen als Kern. Durch das Über­einan­derfal­len der mitein­ander verdich­teten Einzel­nen entsteht in der Regel ein unschar­fes, verschwom­menes Bild, so ähnlich, wie wenn Sie mehre­re Aufnah­men auf die nämli­che Platte bringen ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 175).
2) Die „Verschiebung“ führt Freud dagegen ganz auf die Traumzen­sur zurück. Sie ist dadurch defi­niert, „erstens, dass ein laten­tes Ele­ment nicht durch einen eige­nen Bestand­teil, sondern durch etwas Entfern­teres, also durch eine Anspie­lung ersetzt wird und zweitens, dass der psychi­sche Akzent von einem wichti­gen Ele­ment auf ein ande­res, unwich­tiges über­geht, so dass der Traum anders zentriert und fremdar­tig erscheint“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 177). Die Verschie­bung führt so zu einer beson­deren sinnli­chen Inten­sität der Traum(bild)­ele­mente:
In den meisten Träumen lässt sich ein mit beson­derer sinnli­cher Inten­sität ausge­statte­tes Zentrum erken­nen […]. Das ist in der Regel die direk­te Darstel­lung der Wunscher­füllung, denn, wenn wir die Verschie­bungen der Traumar­beit rückgän­gig machen, finden wir die psychi­sche Inten­sität der Ele­mente in den Traumge­danken durch die sinnli­che Inten­sität der Ele­mente im Traumin­halt ersetzt. ([Freud 1999c]Freud, Sigmund (1999): Die Traumdeutung. Über den Traum. Gesammelte Werke. Bd. 2/3. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 567)
3) Die „plastische Wortdarstellung“ wirft den Träumen­den gleichsam „von der Buchsta­benschrift zur Bilder­schrift“ zurück:
Die dritte Leistung der Traumar­beit ist die psycho­logisch inte­ressan­teste. Sie besteht in der Umset­zung von Gedan­ken in visu­elle Bilder. Halten wir fest, dass nicht alles in den Traumge­danken diese Umset­zung erfährt; manches behält seine Form und erscheint auch im mani­festen Traum als Gedan­ke oder als Wissen; auch sind visu­elle Bilder nicht die einzi­ge Form, in welche die Gedan­ken umge­setzt werden. Aber sie sind doch das wesent­liche an der Traumbil­dung. ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 178)
Umgekehrt besteht der laten­te Traumin­halt nicht ausschließ­lich aus sprachlich verfass­ten Gedan­ken, sondern je nach Regres­sionsstu­fe auch aus Erin­nerungs­bildern von Sinnes­eindrü­cken:
Bei der Traumarbeit handelt es sich offen­bar darum, die in Worte gefass­ten laten­ten Gedan­ken in sinnli­che Bilder, meist visu­eller Natur, umzu­setzen. Nun sind unse­re Gedan­ken aus solchen Sinnes­bildern hervor­gegan­gen; ihr erstes Mate­rial und ihre Vorstu­fen waren Sinnes­eindrü­cke, richti­ger gesagt, die Erin­nerungs­bilder von solchen. An diese wurden erst später Worte geknüpft und diese dann zu Gedan­ken verbun­den. Die Traumar­beit lässt also die Gedan­ken eine regres­sive Behand­lung erfah­ren, macht deren Entwick­lung rückgän­gig. ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 183f.)
Deshalb wäre es auch verfehlt, wie es manchmal in der Lite­ratur anklingt (vgl. [Reck 2010a]Reck, Hans Ulrich (2010): Traum. Enzyklopädie. Wilhelm Fink, München.
: S. 220, 222), Freud einen Logo­zentris­mus zu unter­stellen. Die Regres­sion im Traumvor­gang belegt vielmehr ganz klar, dass es „Erin­nerungs­gruppen“ gibt, „die zum Teil selbst nur als visu­elle Beset­zungen, nicht als Über­setzung in die Zeichen der späte­ren Syste­me vorhan­den sind“ ([Freud 1999c]Freud, Sigmund (1999): Die Traumdeutung. Über den Traum. Gesammelte Werke. Bd. 2/3. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 579). Das belegt auch die Symbo­lik im Traum, die in einem „Vergleich“ wurzelt, der „sich nicht durch die Asso­ziation bloßle­gen lässt“ ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 154) und den der Träumer benutzt, ohne um ihn und das tertium compa­rati­onis zu wissen. Die Symbo­lik ist daher vielleicht ein phylo­gene­tisches Erbe der Psyche und rückt damit in die Nähe von Carl Gustav Jungs Arche­typen-​Lehre. Wie die sinnli­chen Erin­nerungs­bilder scheint sie über die Grenzen der Sprache hinaus­zuge­hen ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 165, 168).
4) Viertens bleibt die „sekun­däre Bear­beitung“ als weite­res „Stück der Traumar­beit“,
dem daran gelegen ist, aus den nächsten Ergeb­nissen der Traumar­beit etwas Ganzes, unge­fähr Zusam­menpas­sendes herzu­stellen. Dabei wird das Mate­rial nach einem oft ganz missver­ständli­chen Sinn ange­ordnet und, wo es nötig scheint, Einschü­be vorge­nommen ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 185).


Das Traumbild und das Unbe­wusste

Bewusst steuern lassen sich die Traumar­beit und die daraus hervor­gehen­den Bilder laut Freud nicht:

Man kann oftmals den Träumer beein­flussen, worü­ber er träumen soll, nie aber darauf einwir­ken, was er träumen wird. Der Mecha­nismus der Traumar­beit und der unbe­wusste Traumwunsch sind jedem fremden Einfluss entzo­gen. ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 245)

Auch Strauch und Meier sehen darin den Unter­schied der Schlafträu­me zur Wachphan­tasie:

Sie sind nicht bewusst zu kontrol­lieren und verset­zen uns in eine scheinba­re Wirklich­keit, in der wir als Perso­nen handeln, ohne zu wissen, dass wir diese Welt geschaf­fen haben. […] Diese beson­dere Erleb­niswei­se des Traums ist viel­leicht nur deshalb gege­ben, weil wir während des Träumens uns des Träumens nicht bewusst sind. ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 255)

Dementsprechend würde sich die Traum­(bild)er­fahrung durch das Fehlen der für das Wachbe­wusstsein typi­schen Refle­xivi­tät auszeich­nen.

Bei weitem aber das Auffällig­ste am Traum ist das ihm eige­ne Wirklich­keitsbe­wusstsein […]. Erst mit dem Erwa­chen vollzieht sich die Wandlung, der Umschlag, indem das Erle­ben während des Schlafs nachträg­lich als Traum, als eine “nicht wirkli­che” Welt, erkannt wird. ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 16)

Demgegenüber kommt Freud zu dem bemer­kenswer­ten Schluss, „dass wir den ganzen Schlafzu­stand über eben­so sicher wissen, dass wir träumen, wie wir es wissen, dass wir schlafen“ ([Freud 1999c]Freud, Sigmund (1999): Die Traumdeutung. Über den Traum. Gesammelte Werke. Bd. 2/3. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 577). Freud ist nämlich der Ansicht, dass das, „[w]as das Vbw [Vorbe­wusste] in manchen Fällen dem Bewusst­sein mitteilt, wenn der Traum es zu arg treibt: Aber lass doch und schlaf weiter, es ist ja nur ein Traum […] auch ohne dass es laut wird, ganz allge­mein das Verhal­ten unse­rer herrschen­den Seelen­tätig­keit gegen das Träumen“ beschreibt ([Freud 1999c]Freud, Sigmund (1999): Die Traumdeutung. Über den Traum. Gesammelte Werke. Bd. 2/3. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 577). Beim Träumen­den ist also – in deutli­cher Paral­lele zu den Fehlleis­tungen wie etwa dem Sich-​Verspre­chen – ein zumin­dest impli­zites Wissen um den laten­ten Traumin­halt zu vermu­ten, ein Wissen, das sich selbst nicht weiß und inso­fern unbe­wusst ist:

es ist doch sehr wohl möglich, ja sehr wahrschein­lich, dass der Träumer es doch weiß, was sein Traum bedeu­tet, nur weiß er nicht, dass er es weiß, und glaubt darum, dass er es nicht weiß ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 98).

Obwohl die Traumarbeit bewusstem Einfluss entzo­gen ist, lenkt der Träumen­de laut Freud daher dennoch auf der Basis dieses unbe­wussten Wissens gleichsam wie ein Regis­seur seine Träume ([Freud 1999c]Freud, Sigmund (1999): Die Traumdeutung. Über den Traum. Gesammelte Werke. Bd. 2/3. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 577f). Wie Freud dabei unter­streicht,

kommt das eigene Ich in jedem Traum vor und spielt in jedem die Haupt­rolle, auch wenn es sich für den mani­festen Inhalt gut zu verber­gen weiß. Dieser “sacro ego­ismo” des Traumes ist gewiss nicht außer Zusam­menhang mit der Einstel­lung zum Schlafen, die ja in der Abzie­hung des Inte­resses von der ganzen Außen­welt besteht ([Freud 1999a]Freud, Sigmund (1999): Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Gesammelte Werke Bd. 11. Fischer, Frankfurt/M.
: S. 143).

In dieser Perspektive des Einlassens auf die psychi­sche Binnen­welt würde sich der Träumen­de im Traum sozu­sagen refle­xiv selbst unter­bieten, und zwar bis zu einem Punkt, wo gera­de das Phäno­men des verdop­pelten Traums, des Traums-​im-​Traum, einen privi­legier­ten Bildschirm für das trauma­tische Reale jenseits des Traumna­bels bietet ([Lacan 1966a]Lacan, Jacques (1966): Kant avec Sade. In: Lacan, J. (Hg.), Écrits. Seuil, Paris.
: S. 768) – und zwar derge­stalt, dass das Wachbe­wusstsein laut Lacan ledig­lich eine ande­re, reflek­tierte Weise darstel­len würde, dieses Reale zu verfeh­len ([Lacan 1994a]Lacan, Jacques (1994): Les quatre concepts fondamentaux de la psychanalyse, essais points. Seuil, Paris.
: S. 71).

Dem Befund Freuds scheint die empi­rische Schlaf- und Traumfor­schung zu wider­sprechen:

In Träumen ist das Ich in stärke­rem Maße in die Situ­ation einge­bunden und tritt weni­ger zugun­sten einer Sache in den Hinter­grund. In diesem Sinn sind Träume persön­lich, sie sind aber nicht ausge­sprochen ego­zentrisch. ([Strauch & Meier 2004a]Strauch, Inge & Meier, Barbara (2004): Den Träumen auf der Spur. Huber, Bern u.a.
Nicht angezeigt: 2., vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage
: S. 116)

Paul Valéry dagegen weist ganz im Sinne von Freuds heili­gem Ego­ismus des Träumen­den darauf hin, dass „das ICH und das, was es sieht, von dersel­ben Art sind in den Träumen“ ([Valery 1935a]Valéry, Paul (1935): Analecta. Gallimard, Paris.
: S. 194;[2] vgl. auch [Benjamin 1974b]Benjamin, Walter (1974): Charles Baudelaire. Ein Lyriker im Zeitalter des Hochkapitalismus. Suhrkamp, Frankfurt/M.
: S. 143). Im Traum stehen die hallu­zinier­ten Phäno­mene in einer beson­deren – visu­ellen – Bezie­hung zum Traumsub­jekt:

Die Dinge, die ich sehe, sehen mich in dem Maße, wie ich sie sehe. Das, was ich sehe, erklärt mich also in gewis­ser Weise, drückt mich aus – das da ist durch mich orga­nisiert, anstatt dass ich durch es orga­nisiert wäre wie im Wachzu­stand. [Valery 1935a]Valéry, Paul (1935): Analecta. Gallimard, Paris.
: S. 193f.)

Ohne sich auf Valéry zu beziehen, vergleicht Lacan in ähnli­cher Weise die Sicht auf die Dinge im Wachzu­stand und im Traum. „Die Welt“, so Lacan, ist an sich

nicht exhi­bitio­nistisch – sie provo­ziert nicht unse­ren Blick. Wenn sie anfängt, ihn zu provo­zieren, dann beginnt auch das Gefühl der Unheim­lichkeit. Was heißt das? – wenn nicht dies, dass es im soge­nannten Wachzu­stand eine Eli­sion [Auslas­sung] des Blicks gibt, eine Elision nicht nur dessen, dass es blickt, sondern dass es zeigt. Das was im Feld des Traums, im Gegensatz dazu, die Bilder charakterisiert, ist dass es zeigt ([Lacan 1994a]Lacan, Jacques (1994): Les quatre concepts fondamentaux de la psychanalyse, essais points. Seuil, Paris.
: S. 88).[3]

Im Gegensatz zum Bild des Wahrnehmungs­bewusst­seins provo­ziert das Traumbild den Blick des Traumsub­jekts: es zeigt – in einer massi­ven Plasti­zität, die jeden refle­xiven Selbstbe­zug auszu­schließen scheint, so dass auch nicht davon gespro­chen werden kann, es würde sich zeigen. Die irre­flexi­ve engli­sche Wendung it shows drückt diesen Sachver­halt vielleicht besser aus. Das es zeigt des Traums

tritt so sehr hervor, mit den Charak­teris­tika, in denen es sich veror­tet – nämlich der Abwe­senheit eines Hori­zonts, der Schließung dessen, was im Wachzu­stand betrach­tet wird, und, eben­so, der Art des Hervor­tretens, des Kontras­tes, das Fleckar­tige seiner Bilder, die Inten­sivie­rung ihrer Farben – dass unse­re Posi­tion im Traum letzten Endes die ist, auf grundle­gende Weise der zu sein, der nicht sieht. Das Subjekt weiß nicht, wo das hinführt, es folgt, es kann sich allen­falls losma­chen, sich sagen, dass es ein Traum ist, aber es kann sich in keinem Fall im Traum auf die Art erfas­sen, auf die es sich, im carte­sischen Cogi­to, als Denken erfasst. Es kann sich sagen – Das ist nur ein Traum. Aber es erfasst sich nicht als der, der sich sagt – Trotz alledem, ich bin Bewusst­sein dieses Traums. ([Lacan 1994a]Lacan, Jacques (1994): Les quatre concepts fondamentaux de la psychanalyse, essais points. Seuil, Paris.
: S. 88)

Was also zeigt – laut Lacan – im Traumbild, was wird mani­fest? Zunächst mani­festie­ren sich in den Traumbil­dern die plastisch entstell­ten, unbe­wussten, uner­füllten Wünsche. In der Unmit­telbar­keit der Traumbil­der wird außer­dem mani­fest das nicht reflek­tierte Wissen des Träumers darü­ber, dass seine hallu­zinier­te Wunschbe­friedi­gung, die er an den Traumbil­dern genießt, von einer Ausblen­dung der Unter­scheidung zwischen Traum und Reali­tät abhängt. Dass die Traumbild­erfah­rung eine beson­dere Unmit­telbar­keit hat und dass das Subjekt diese Unter­scheidung ausblen­det sind zwei ausein­ander­fallen­de Aspek­te dessel­ben Zusam­menhangs: Das unbe­wusste, aber wirkmäch­tige Wissen um die Ausblen­dung insis­tiert in der Unmit­telbar­keit der Traumbil­der. Es wird in diesen Bildern, als diese Bilder mani­fest. Demzu­folge würde auch das Klarträu­men (im luzi­den Traum) nur ein gradu­elles Sich-​Losma­chen vom mani­festen Traum errei­chen. Auf den Traumwunsch, die Traumar­beit und ihre entstel­lenden Resul­tate, mithin auf den Umstand, dass der Träumen­de in einem grundle­genden Sinne der ist, der nicht sieht, hätte es keinen Einfluss. Nur wenn der Unter­schied Traum/​Reali­tät reflek­tiert wird, verlie­ren die Traumbil­der ihr Charak­teris­tikum, das darin besteht, dass ihr „Zu-​sehen-​Geben“ ([Lacan 1994a]Lacan, Jacques (1994): Les quatre concepts fondamentaux de la psychanalyse, essais points. Seuil, Paris.
: S. 88) durch seine plasti­sche Imma­nenz den Träumen­den zugleich bannt und blendet. Erst dann zeigen sie sich uns sozu­sagen mit abge­blende­tem Blick, so, wie wir Bilder im alltäg­lichen Wahrneh­mungsbe­wusstsein erle­ben. Doch diese gedop­pelte Refle­xion, darauf verweist Lacan am bekann­ten Beispiel von Tschuang-​Tse, der träumt, ein Schmetter­ling zu sein, ist nur von der Wirklich­keitssei­te der Unter­scheidung Wirklich­keit/​Traum her möglich: nämlich im skepti­schen Modus des wachen Zweifels, ob ich als Tschuang-​Tse nicht vielleicht ein Schmetter­ling sein könnte, der bloß träumt, Tschuang-​Tse zu sein. Im imma­nenten Modus des Träumens taucht die entspre­chende Frage, ob ich als Schmetter­ling vielleicht ein Tschuang-​Tse sein könnte, der bloß träumen würde, ein Schmetter­ling zu sein, nicht auf.

Anmerkungen
  1. ↑ Die REM-​Pha­se des Schlafs ist von schnel­len Au­gen­be­we­gun­gen, rapid eye move­ments, be­glei­tet.
  2. ↑ Va­lé­ry hier und im Fol­gen­den über­setzt von Wolf­ram Ber­gan­de.
  3. ↑ Hier und im Fol­gen­den (ab­wei­chend von [Lacan 1996b]Lacan, Jacques (1996): Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse. Quadriga, Weinheim.
    Notiz: 4. Aufl.
    : S. 81f.) über­setzt von Wolf­ram Ber­gan­de.
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Ausgabe 1: 2013

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Bergande, Wolfram (2013). Traumbild. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Traumbild].