Auswirkungen der Bildlichkeit: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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==Bildkompetenz in begriffs&shy;gene&shy;tischer Betrach&shy;tung==
==Bildkompetenz in begriffs&shy;gene&shy;tischer Betrach&shy;tung==
Die Bildlichkeit eines Gegen&shy;stands und damit die Bildkom&shy;petenz desje&shy;nigen, der mit jenem Teil seiner Umge&shy;bung (dem Gegen&shy;stand) als Bild umgeht, ist keine Eigen&shy;schaft, die einfach als addi&shy;tiv neben ande&shy;re gesetzt betrach&shy;tet werden kann. Sie steht mit ande&shy;ren Eigen&shy;schaften bzw. Kompe&shy;tenzen in vielfäl&shy;tigen Wechsel&shy;bezie&shy;hungen und ihre begriff&shy;liche Konsti&shy;tution beein&shy;flusst folglich auch die Begrif&shy;fe, die wir uns von jenen machen sollten. Diese Auswir&shy;kungen stehen nun im Zentrum.  
Die Bildlichkeit eines Gegen&shy;stands und damit die Bildkom&shy;petenz desje&shy;nigen, der mit jenem Teil seiner Umge&shy;bung (dem Gegen&shy;stand) als Bild umgeht, ist keine Eigen&shy;schaft, die einfach als addi&shy;tiv neben ande&shy;re gesetzt betrach&shy;tet werden kann. Sie steht mit ande&shy;ren Eigen&shy;schaften bzw. Kompe&shy;tenzen in vielfäl&shy;tigen Wechsel&shy;bezie&shy;hungen und ihre begriff&shy;liche Konsti&shy;tution beein&shy;flusst folglich auch die Begrif&shy;fe, die wir uns von jenen machen sollten. Diese Auswir&shy;kungen stehen nun im Zentrum.  
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Die begriffsgenetische Betrachtung beruht darauf, das Zusam&shy;menset&shy;zen eines fragli&shy;chen Begriffs&shy;feldes aus einfa&shy;cheren, gemein&shy;sam bereits etab&shy;lierten Begriffs&shy;feldern als Vorschlag zu nutzen, um einem skepti&shy;schen Gegen&shy;über einen ratio&shy;nalen Weg zur Über&shy;nahme des fragli&shy;chen Begriffs&shy;feldes aufzu&shy;zeigen: Dass nämlich die Bezugs&shy;punkte, die wir dazu benut&shy;zen, uns über gemein&shy;same Gliede&shy;rungen der Welt zu verstän&shy;digen, sich durch bestimm&shy;te Kombi&shy;nationen so erwei&shy;tern lassen, dass mit den so gewon&shy;nenen Begrif&shy;fen eine inte&shy;ressan&shy;te Gruppe von Phäno&shy;menen überhaupt erst als syste&shy;matische Zusam&shy;menhän&shy;ge ''begrif&shy;fen'' werden können.  
Die begriffsgenetische Betrachtung beruht darauf, das Zusam&shy;menset&shy;zen eines fragli&shy;chen Begriffs&shy;feldes aus einfa&shy;cheren, gemein&shy;sam bereits etab&shy;lierten Begriffs&shy;feldern als Vorschlag zu nutzen, um einem skepti&shy;schen Gegen&shy;über einen ratio&shy;nalen Weg zur Über&shy;nahme des fragli&shy;chen Begriffs&shy;feldes aufzu&shy;zeigen: Dass nämlich die Bezugs&shy;punkte, die wir dazu benut&shy;zen, uns über gemein&shy;same Gliede&shy;rungen der Welt zu verstän&shy;digen, sich durch bestimm&shy;te Kombi&shy;nationen so erwei&shy;tern lassen, dass mit den so gewon&shy;nenen Begrif&shy;fen eine inte&shy;ressan&shy;te Gruppe von Phäno&shy;menen überhaupt erst als syste&shy;matische Zusam&shy;menhän&shy;ge ''begrif&shy;fen'' werden können.  
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Eine begriffsgenetische Rekon&shy;struktion einer Einfüh&shy;rungssi&shy;tuation des Bildbe&shy;griffs mag beispiels&shy;weise auf unter&shy;schiedli&shy;che Entwick&shy;lungsstu&shy;fen von Zeichen&shy;verhal&shy;ten abhe&shy;ben, oder präzi&shy;ser: auf eine Folge von Begriffs&shy;feldern, die uns erlau&shy;ben, etwas in der Welt als Wesen mit Zeichen&shy;verhal&shy;ten eines bestimm&shy;ten Komple&shy;xitäts&shy;grades zu begrei&shy;fen – als etwas also, das sich auf eine bestimm&shy;te mehr oder weni&shy;ger komple&shy;xe Weise gleichzei&shy;tig zu sich selbst, seinen Artge&shy;nossen und seiner Umwelt zu verhal&shy;ten in der Lage ist. Dabei mag es bei einem der Übergän&shy;ge beispiels&shy;weise eine Rolle spielen, dass Wesen der gera&shy;de betrach&shy;teten Stufe manchmal eine eigent&shy;lich fehler&shy;hafte Wahrneh&shy;mung ihrer Umge&shy;bung in eine ihrer Zeichen&shy;handlun&shy;gen einbe&shy;ziehen. Wird ein solches Verhal&shy;ten nicht nur als kontin&shy;gentes Zusam&shy;mentref&shy;fen zweier an sich unab&shy;hängi&shy;ger Verhal&shy;tensins&shy;tanzen gese&shy;hen, sondern als ein Anzei&shy;chen für eine mögli&shy;che syste&shy;mati&shy;sche Kombi&shy;nation von Verhal&shy;tenswei&shy;sen, so ist eine Brücke für einen entspre&shy;chend kombi&shy;nierten Begriff eines komple&shy;xeren Verhal&shy;tens gebaut.  
Eine begriffsgenetische Rekon&shy;struktion einer Einfüh&shy;rungssi&shy;tuation des Bildbe&shy;griffs mag beispiels&shy;weise auf unter&shy;schiedli&shy;che Entwick&shy;lungsstu&shy;fen von [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;verhal&shy;ten]] abhe&shy;ben, oder präzi&shy;ser: auf eine Folge von Begriffs&shy;feldern, die uns erlau&shy;ben, etwas in der Welt als Wesen mit Zeichen&shy;verhal&shy;ten eines bestimm&shy;ten Komple&shy;xitäts&shy;grades zu begrei&shy;fen – als etwas also, das sich auf eine bestimm&shy;te mehr oder weni&shy;ger komple&shy;xe Weise gleichzei&shy;tig zu sich selbst, seinen Artge&shy;nossen und seiner Umwelt zu verhal&shy;ten in der Lage ist. Dabei mag es bei einem der Übergän&shy;ge beispiels&shy;weise eine Rolle spielen, dass Wesen der gera&shy;de betrach&shy;teten Stufe manchmal eine eigent&shy;lich fehler&shy;hafte Wahrneh&shy;mung ihrer Umge&shy;bung in eine ihrer Zeichen&shy;handlun&shy;gen einbe&shy;ziehen. Wird ein solches Verhal&shy;ten nicht nur als kontin&shy;gentes Zusam&shy;mentref&shy;fen zweier an sich unab&shy;hängi&shy;ger Verhal&shy;tensins&shy;tanzen gese&shy;hen, sondern als ein Anzei&shy;chen für eine mögli&shy;che syste&shy;mati&shy;sche Kombi&shy;nation von Verhal&shy;tenswei&shy;sen, so ist eine Brücke für einen entspre&shy;chend kombi&shy;nierten Begriff eines komple&shy;xeren Verhal&shy;tens gebaut.  
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Handlungssubjekt eines solchen Verhal&shy;tens ist dann aller&shy;dings nicht einfach ein Wesen dersel&shy;ben Art, wie die zuvor betrach&shy;teten Wesen: Infol&shy;ge der syste&shy;mati&shy;schen Zusam&shy;menhän&shy;ge der Begrif&shy;fe in einem Begriffs&shy;feld verän&shy;dern sich durch eine solche begriff&shy;liche Kombi&shy;nation auch der Begriff der Enti&shy;tät, die zu solchem komple&shy;xeren Verhal&shy;ten fähig ist (<bib id='Ros 1979a'></bib>).   
Handlungssubjekt eines solchen Verhal&shy;tens ist dann aller&shy;dings nicht einfach ein Wesen dersel&shy;ben Art, wie die zuvor betrach&shy;teten Wesen: Infol&shy;ge der syste&shy;mati&shy;schen Zusam&shy;menhän&shy;ge der Begrif&shy;fe in einem Begriffs&shy;feld verän&shy;dern sich durch eine solche begriff&shy;liche Kombi&shy;nation auch der Begriff der Enti&shy;tät, die zu solchem komple&shy;xeren Verhal&shy;ten fähig ist (<bib id='Ros 1979a'></bib>).   
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Es handelt sich also um Phäno&shy;mene, die wir als [[uneigentliche Bilder|unei&shy;gentli&shy;che Bilder]] auffas&shy;sen können, sofern nur der Bildbe&shy;griff verfüg&shy;bar ist. So kann beispiels&shy;weise von ‘Lebens&shy;form’ als ‘Weltbild’ nur dann die Rede sein, wenn der Begriff der [[Weltbild, Lebensform|Lebens&shy;form]] als partiell struktur&shy;gleich zu dem des betrachteten Bildbe&shy;griffs verstan&shy;den wird: Man kann aber auch ganz ohne Verwen&shy;dung des Bildbe&shy;griffs über dassel&shy;be Phäno&shy;men reden, sofern nicht behaup&shy;tet werden soll, es würde sich dabei tatsäch&shy;lich um eine echte Art von Bild handeln.   
Es handelt sich also um Phäno&shy;mene, die wir als [[uneigentliche Bilder|unei&shy;gentli&shy;che Bilder]] auffas&shy;sen können, sofern nur der Bildbe&shy;griff verfüg&shy;bar ist. So kann beispiels&shy;weise von ‘Lebens&shy;form’ als ‘Weltbild’ nur dann die Rede sein, wenn der Begriff der [[Weltbild, Lebensform|Lebens&shy;form]] als partiell struktur&shy;gleich zu dem des betrachteten Bildbe&shy;griffs verstan&shy;den wird: Man kann aber auch ganz ohne Verwen&shy;dung des Bildbe&shy;griffs über dassel&shy;be Phäno&shy;men reden, sofern nicht behaup&shy;tet werden soll, es würde sich dabei tatsäch&shy;lich um eine echte Art von Bild handeln.   
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Ob und in welchem Sinn schließlich mit dem Ausdruck ‘menta&shy;les Bild’ eine Meta&shy;pher arti&shy;kuliert wird ist Thema des Unter&shy;punkts [[logische Kontextbildung und mentale Bilder|logi&shysche Kontext&shybildung und menta&shyle Bilder]], der zugleich zur Diskus&shysion der Auswir&shykungen der begriffs&shygene&shytischen Betrach&shytungen der Bildlich&shykeit auf die Begrif&shyfe der Ähnlich&shykeit und der Sprache zurück&shyverweist.
Ob und in welchem Sinn schließlich mit dem Ausdruck ‘menta&shy;les Bild’ eine Meta&shy;pher arti&shy;kuliert wird ist Thema des Unter&shy;punkts [[logische Kontextbildung und mentale Bilder|logi&shy;sche Kontext&shy;bildung und menta&shy;le Bilder]], der zugleich zur Diskus&shy;sion der Auswir&shy;kungen der begriffs&shy;gene&shy;tischen Betrach&shy;tungen der Bildlich&shy;keit auf die Begrif&shy;fe der Ähnlich&shy;keit und der Sprache zurück&shy;verweist.


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* [[Hilfe:Entschuldigung1|dezeptiver und immersiver Modus]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Dezeptiver und immersiver Modus -]]
* [[Gleichheit, Ähnlichkeit und Identität]]
* [[Gleichheit, Ähnlichkeit und Identität]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Homo pictor]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Homo pictor -]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|linguistic turn, pictorial turn, medial turn]]
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* [[Hilfe:Entschuldigung1|logische Kontextbildung und mentale Bilder]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Linguistic turn, pictorial turn, medial turn -]]
* [[uneigentliche Bilder]]
* [[Hilfe:Entschuldigung1|Logische Kontextbildung und mentale Bilder -]]
* [[Uneigentliche Bilder]]
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* [[Benutzer:Joerg R.J. Schirra ‎|Schirra, Jörg R.J.]]
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* [[Benutzer:Mark A. Halawa|Halawa, Mark]]
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Aktuelle Version vom 10. Januar 2026, 19:25 Uhr

Hauptpunkt zu: Bildlichkeit: Bedingungen und Folgen

English Version: Effects of Pictoriality


Bildkompetenz in begriffs­gene­tischer Betrach­tung

Die Bildlichkeit eines Gegen­stands und damit die Bildkom­petenz desje­nigen, der mit jenem Teil seiner Umge­bung (dem Gegen­stand) als Bild umgeht, ist keine Eigen­schaft, die einfach als addi­tiv neben ande­re gesetzt betrach­tet werden kann. Sie steht mit ande­ren Eigen­schaften bzw. Kompe­tenzen in vielfäl­tigen Wechsel­bezie­hungen und ihre begriff­liche Konsti­tution beein­flusst folglich auch die Begrif­fe, die wir uns von jenen machen sollten. Diese Auswir­kungen stehen nun im Zentrum.

Die begriffsgenetische Betrachtung beruht darauf, das Zusam­menset­zen eines fragli­chen Begriffs­feldes aus einfa­cheren, gemein­sam bereits etab­lierten Begriffs­feldern als Vorschlag zu nutzen, um einem skepti­schen Gegen­über einen ratio­nalen Weg zur Über­nahme des fragli­chen Begriffs­feldes aufzu­zeigen: Dass nämlich die Bezugs­punkte, die wir dazu benut­zen, uns über gemein­same Gliede­rungen der Welt zu verstän­digen, sich durch bestimm­te Kombi­nationen so erwei­tern lassen, dass mit den so gewon­nenen Begrif­fen eine inte­ressan­te Gruppe von Phäno­menen überhaupt erst als syste­matische Zusam­menhän­ge begrif­fen werden können.

Eine begriffsgenetische Rekon­struktion einer Einfüh­rungssi­tuation des Bildbe­griffs mag beispiels­weise auf unter­schiedli­che Entwick­lungsstu­fen von Zeichen­verhal­ten abhe­ben, oder präzi­ser: auf eine Folge von Begriffs­feldern, die uns erlau­ben, etwas in der Welt als Wesen mit Zeichen­verhal­ten eines bestimm­ten Komple­xitäts­grades zu begrei­fen – als etwas also, das sich auf eine bestimm­te mehr oder weni­ger komple­xe Weise gleichzei­tig zu sich selbst, seinen Artge­nossen und seiner Umwelt zu verhal­ten in der Lage ist. Dabei mag es bei einem der Übergän­ge beispiels­weise eine Rolle spielen, dass Wesen der gera­de betrach­teten Stufe manchmal eine eigent­lich fehler­hafte Wahrneh­mung ihrer Umge­bung in eine ihrer Zeichen­handlun­gen einbe­ziehen. Wird ein solches Verhal­ten nicht nur als kontin­gentes Zusam­mentref­fen zweier an sich unab­hängi­ger Verhal­tensins­tanzen gese­hen, sondern als ein Anzei­chen für eine mögli­che syste­mati­sche Kombi­nation von Verhal­tenswei­sen, so ist eine Brücke für einen entspre­chend kombi­nierten Begriff eines komple­xeren Verhal­tens gebaut.

Handlungssubjekt eines solchen Verhal­tens ist dann aller­dings nicht einfach ein Wesen dersel­ben Art, wie die zuvor betrach­teten Wesen: Infol­ge der syste­mati­schen Zusam­menhän­ge der Begrif­fe in einem Begriffs­feld verän­dern sich durch eine solche begriff­liche Kombi­nation auch der Begriff der Enti­tät, die zu solchem komple­xeren Verhal­ten fähig ist ([Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.
).


Arten von Auswirkungen der Begriffs­synthese

Neben dem hier zentralen Begriff – dem Begriff der Bildkom­petenz – deter­miniert eine begriffs­gene­tische Konsti­tution also unter Umstän­den auch eine ganze Reihe ande­rer Begrif­fe, die zunächst nicht ohne Weite­res mit jenem in Zusam­menhang zu stehen scheinen, aber trotz­dem zum gleichen Begriffs­feld gehö­ren. Doch sind das nicht die einzigen Auswir­kungen.

Weitere Begriffe desselben Begriffs­feldes

Diese “Nebenwirkungen” der Begriffs­synthe­se betref­fen neben dem eigent­lichen Träger der Bildkom­petenz, der hier unter der Überschrift ‘homo pictor’ verhan­delt wird, vor allem die Begrif­fe der Ähnlich­keit und der sachbe­zoge­nen Sprache, die hier unter der Bezeich­nung ‘dezep­tiver und immer­siver Modus’ betrach­tet werden.

Betroffen ist aber auch der Begriff der Gegen­stände im enge­ren Sinn, die zumin­dest für eine wichti­ge Teilklas­se von Bildern genau den Bildin­halt liefern, sowie der Fähig­keit, sich aus dem jewei­ligen Hier und Jetzt zu befrei­en und damit in ein (mit Pless­ners Worten) exzen­trisches Verhält­nis zu sich selbst und seiner Umwelt treten zu können ([Plessner 1928a]Plessner, Helmuth (1928): Die Stufen des Organischen und der Mensch. W. de Gruyter, Berlin.
Notiz: <sup>3</sup>1975
). Oft treten diese Begrif­fe als der eine Ast einer Diffe­renzie­rung einer bereits bei nicht-bildfä­higen Wesen vorhan­denen Kompe­tenz zuta­ge. Eine solche Ausdif­feren­zierung von Grundbe­griffen betrifft insbe­sonde­re das Verhält­nis von Gleich­heit, Ähnlich­keit und Iden­tität.

Elementare Bildbegriffe und Bildbe­griffe höhe­rer Ordnung

Eine weitere Folge einer begriffs­gene­tischen Betrach­tung der als Bildkom­petenz verstan­denen Bildlich­keit besteht darin, dass auf dem so gewon­nenen ele­menta­ren Bildbe­griff weite­re, komple­xere Stufen (über fortge­setzte begriffs­gene­tische Rekon­struktio­nen) aufge­baut werden können. Zwischen welchen Stufen des Bildhaf­ten wäre also zu diffe­renzie­ren? Kandi­daten für höher­stufi­ge Bildbe­griffe sind etwa der des Struktur­bildes, des refle­xiv verwen­deten Bildes, aber auch des beweg­ten oder inter­akti­ven Bildes. Gibt es über­haupt eine einzi­ge ele­menta­re Bildfunk­tion?

Die Antwort auf die Frage nach der eigent­lichen ele­menta­ren Bildfunk­tion, die jedem einzel­nen Bildge­brauch letzt­lich zugrun­de liegt (siehe hierzu vor allem unter Prädi­kation, Nomi­nation, Propo­sition und Kontext­bildung), kann dabei über die begriffs­gene­tischen Rela­tionen moti­viert werden: Die Verwen­dungswei­sen, die gemäß dem am einfach­sten begriffs­gene­tisch zu rekon­struie­renden Begriffs­feld für Wesen, denen zurecht Bildkom­petenz zuge­schrieben wird, möglich sind, werden in mehr oder weniger ausdif­feren­zierter Form auch allen höher­stufi­gen Bildbe­griffen zugrun­de liegen.

Partielle Strukturübertragung auf andere Begriffs­felder

Ob Begriffe wie der der Anschau­ung, der des Vorstel­lungsbil­des oder der der Bildvor­stellung eben­falls als höher­stufi­ge Bildbe­griffe zu verste­hen sind, sei hier dahin­gestellt. Sehr gut möglich wäre auch, dass es sich dabei um eine Folge der Begriffs­synthe­se des Bildbe­griffs ganz ande­rer Art handelt: einer partiel­len Struktur­über­tragung nämlich auf Begriffs­felder für ganz ande­re Phäno­menbe­reiche, d.h.: eine Meta­pher im Sinn der Kogni­tiven Lingu­istik ([Lakoff 1987a]Lakoff, George (1987): Women, Fire, and Dangerous Things – What Categories Reveal about the Mind. Chicago University Press, Chicago.
).[1]

Wer eine Metapher als ein Sprach­“bild” bezeich­net wird meist doch zuge­stehen, dass damit keines­wegs ein Bild im übli­chen Sinn gemeint ist: vielmehr wird der Ausdruck gemein­hin selbst als ein “Sprach­bild” verstan­den. Aller­dings ist die Bezeich­nung dabei auch nicht rein zufäl­lig äqui­vok, wie es etwa bei ‘Bank’ als Garten­möbel und als Finanz­insti­tut der Fall ist. Vielmehr ist die Ähnlich­keit des Ausdrucks durch bestimm­te Ähnlich­keiten in der Erschei­nungswei­se der beiden betrach­teten Phäno­menbe­reiche – bzw. genau­er: unse­rer Argu­menta­tionen zu den Berei­chen moti­viert. Dass ein Teil der begriff­lichen Struktur, also der Argu­mente stiften­den Zusam­menhän­ge zwischen eng verbun­denen Begrif­fen eines unse­rer Begriffs­felder, in einer mehr oder weni­ger weiten, aber stets unvoll­ständi­gen Isom­orphie-Bezie­hung mit der begriff­lichen Struktur eines ganz ande­ren von uns verwen­deten Begriffs­feldes steht ermög­licht uns, über die Phäno­mene, die unter erste­res fallen, in gewis­sen Grenzen so zu reden und so zu argu­mentie­ren, als würde es um Phäno­mene unter dem zweiten Begriffs­feld gehen.

Es handelt sich also um Phäno­mene, die wir als unei­gentli­che Bilder auffas­sen können, sofern nur der Bildbe­griff verfüg­bar ist. So kann beispiels­weise von ‘Lebens­form’ als ‘Weltbild’ nur dann die Rede sein, wenn der Begriff der Lebens­form als partiell struktur­gleich zu dem des betrachteten Bildbe­griffs verstan­den wird: Man kann aber auch ganz ohne Verwen­dung des Bildbe­griffs über dassel­be Phäno­men reden, sofern nicht behaup­tet werden soll, es würde sich dabei tatsäch­lich um eine echte Art von Bild handeln.

Ob und in welchem Sinn schließlich mit dem Ausdruck ‘menta­les Bild’ eine Meta­pher arti­kuliert wird ist Thema des Unter­punkts logi­sche Kontext­bildung und menta­le Bilder, der zugleich zur Diskus­sion der Auswir­kungen der begriffs­gene­tischen Betrach­tungen der Bildlich­keit auf die Begrif­fe der Ähnlich­keit und der Sprache zurück­verweist.

Anmerkungen
  1. ↑ Zu die­sem The­ma exis­tiert ein ei­ge­nes Lem­ma (⊳ sprach­li­che Me­ta­phern und all­ge­mei­ne Me­ta­pho­ro­lo­gie), so dass an die­ser Stel­le auf sei­ne aus­führ­li­che Dis­kus­si­on ver­zich­tet wer­den kann.
Literatur
[Lakoff 1987a]Lakoff, George (1987): Women, Fire, and Dangerous Things – What Categories Reveal about the Mind. Chicago University Press, Chicago.[Plessner 1928a]Plessner, Helmuth (1928): Die Stufen des Organischen und der Mensch. W. de Gruyter, Berlin.[Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.

Ausgabe 1: 2013

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach und Emilia Didier — (Hinweis)

Zitierhinweis:

Schirra, Jörg R.J. & Halawa, Mark A. (2013). Auswirkungen der Bildlichkeit (Hauptpunkt). (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Auswirkungen_der_Bildlichkeit].