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==Die raumzeitliche Situierung von Zeichen&shy;handlun&shy;gen und ihrer Sachbe&shy;züge==
Neben anderen hier irrelevanten Sachge&shy;bieten begeg&shy;net einem der Ausdruck ‘Moda&shy;lität’ auch im Grenzge&shy;biet von Logik und Zeichen&shy;theorie: Ist von der Moda&shy;lität einer [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;handlung]] die Rede, wird zunächst an die Quali&shy;fika&shy;tion einer [[Proposition|Propo&shy;sition]] als ''notwen&shy;dig'' oder ''möglich'' gedacht (ale&shy;thische Moda&shy;lität).<ref> Vgl. et&shy;wa auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Modalit%C3%A4t_%28Philosophie%29 Wi&shy;ki&shy;pe&shy;dia: Mo&shy;da&shy;li&shy;tät (Phi&shy;lo&shy;so&shy;phie)].</ref>
:
In einem allgemeineren Sinn wird mit dem Ausdruck darüber hinaus die ''situ&shy;ative'' (insbe&shy;sonde&shy;re raumzeit&shy;liche) Einord&shy;nung einer Zeichen&shy;handlung insge&shy;samt bezeich&shy;net. Sowohl für Zeichen&shy;handlun&shy;gen mit als auch ohne [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug|Sachb&shy;ezug]] ist die Situ&shy;ation, in der sie ge&shy;äußert werden, von großer Bedeu&shy;tung: Bei den Zeichen&shy;handlun&shy;gen ''ohne'' Sachbe&shy;zug spielt diese Verhal&shy;tensum&shy;gebung im Grunde sogar die einzi&shy;ge Rolle. Bei den Zeichen&shy;handlun&shy;gen ''mit'' Sachbe&shy;zug werden aller&shy;dings weite&shy;re [[Kontext|Kontex&shy;te]] berück&shy;sichtigt, auf die sich die [[Proposition|Propo&shy;sition]] bezieht. Wenn diese zusätz&shy;lichen Situ&shy;atio&shy;nen nicht aus der Äuße&shy;rungssi&shy;tuation impli&shy;zit ableit&shy;bar sind, müssen sie expli&shy;zit ange&shy;geben werden (⊳ [[Kontextbildung|Kontext&shy;bildung]]). Im weiten Sinn meint ‘Moda&shy;lität einer Zeichen&shy;handlung’ daher das Ange&shy;ben dieser zusätz&shy;lichen, in der Regel [[Absenz und Präsenz|abwe&shy;senden]] Kontex&shy;te.
==Aspekte des Kontext&shy;bezugs von Propo&shy;sitio&shy;nen==
Natürlich sind Aussagen, wie übri&shy;gens ja auch jeder Bildge&shy;brauch, notwen&shy;diger&shy;weise situ&shy;ativ einge&shy;bunden: Die entspre&shy;chenden Zeichen&shy;handlun&shy;gen finden stets in einem bestimm&shy;ten raumzeit&shy;lichen [[Kontext]] statt, auf den sie sich unter Umstän&shy;den auch direkt bezie&shy;hen. Doch diese Einbin&shy;dung ist nicht gemeint, wenn von ‘Moda&shy;lität’ die Rede ist. Gemeint ist vielmehr, dass Aussa&shy;gen selbst notwen&shy;dig mit einer (in der Regel ande&shy;ren) Bezugs&shy;situa&shy;tion asso&shy;ziiert sind, die mehr oder weni&shy;ger frei gewählt und ausdrück&shy;lich oder impli&shy;zit kommu&shy;niziert wird. Diese Situ&shy;ation liefert den Rahmen für das Zusam&shy;menspiel von Nomi&shy;nation und Prädi&shy;kation.<ref>Es ist wich&shy;tig, sich den Un&shy;ter&shy;schied zwi&shy;schen Mo&shy;da&shy;li&shy;tät und In&shy;de&shy;xi&shy;ka&shy;li&shy;tät klar&shy;zu&shy;ma&shy;chen. In&shy;de&shy;xi&shy;ka&shy;li&shy;sche Aus&shy;drü&shy;cke, ins&shy;be&shy;son&shy;d&shy;ere ‘die&shy;se/r/s’, sind nor&shy;ma&shy;ler&shy;wei&shy;se Teil ei&shy;ner [[Nomination|No&shy;mi&shy;na&shy;ti&shy;on]]. Da&shy;bei wird der ge&shy;mein&shy;te Ge&shy;gen&shy;stand durch ei&shy;ne kon&shy;kret aus&shy;ge&shy;führ&shy;te (oder auch ei&shy;ne nur ab&shy;strakt vor&shy;ge&shy;stell&shy;te) Zei&shy;ge&shy;hand&shy;lung – al&shy;so durch ei&shy;ne Rich&shy;tungs&shy;an&shy;ga&shy;be ins&shy;be&shy;son&shy;de&shy;re mit Fin&shy;ger, Hand, Arm, Kopf, Au&shy;gen oder (wie et&shy;wa in Na&shy;va&shy;jo) Lip&shy;pen – aus&shy;ge&shy;wählt. Die&shy;ses [[Zeigen|Zei&shy;gen]] rich&shy;tet sich da&shy;her be&shy;reits auf die Be&shy;zugs&shy;si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;on der [[Proposition|Pro&shy;po&shy;si&shy;ti&shy;on]], die schon vor&shy;her, et&shy;wa durch Orts- und Zeit&shy;an&shy;ga&shy;ben, be&shy;reit&shy;ge&shy;stellt wor&shy;den sein muss. Mo&shy;da&shy;li&shy;tät (im hier ver&shy;folg&shy;ten Sinn) be&shy;trifft hin&shy;ge&shy;gen ge&shy;nau die Hand&shy;lung, mit der die&shy;ser Be&shy;zugs&shy;kon&shy;text zu&shy;al&shy;ler&shy;erst be&shy;reit&shy;ge&shy;stellt wird: die [[Kontextbildung|Kon&shy;text&shy;bil&shy;dung]].</ref>
:
Die Aufteilung der [[Pragmatik|pragma&shy;tischen]] Teilfunk&shy;tionen einer [[Proposition|Propo&shy;sition]], die wir heute [[Prädikation|Prädi&shy;kation]] und [[Nomination|Nomi&shy;nation]] nennen, geht im Wesent&shy;lichen auf die Philo&shy;sophie des anti&shy;ken Griechen&shy;lands und insbe&shy;sonde&shy;re auf Aris&shy;tote&shy;les zurück. Neben jenen grundle&shy;genden Aspek&shy;ten verweist <bib id='Aristoteles 1949a'>Aris&shy;tote&shy;les 1949a</bib> (12 squ.) auch darauf, dass eine Aussa&shy;ge häufig durch weite&shy;re Anga&shy;ben zu Ort und Zeit oder zu Notwen&shy;digkeit und Möglich&shy;keit ergänzt ist. Diese moda&shy;len Aspek&shy;te wurden in der forma&shy;len Logik lange als ledig&shy;lich optio&shy;nale Zusät&shy;ze zum Kern einer Aussa&shy;ge (Propo&shy;sition) ange&shy;sehen.<ref>Ent&shy;spre&shy;chend wur&shy;den rei&shy;ne Aus&shy;sa&shy;gen- und Prä&shy;di&shy;ka&shy;ten&shy;lo&shy;gi&shy;ken un&shy;ab&shy;hän&shy;gig von spe&shy;zi&shy;el&shy;len ''Mo&shy;dal&shy;lo&shy;gi&shy;ken'' be&shy;trach&shy;tet (vgl. [http://de.wikipedia.org/wiki/Modallogik Wi&shy;ki&shy;pe&shy;dia: Mo&shy;dal&shy;lo&shy;gik]). Letz&shy;te&shy;re blie&shy;ben da&shy;bei fast aus&shy;schließ&shy;lich auf die As&shy;pek&shy;te Not&shy;wen&shy;dig&shy;keit und Mög&shy;lic&shy;hkeit be&shy;schränkt. Le&shy;dig&shy;lich die (spä&shy;ter ver&shy;schie&shy;dent&shy;lich auf&shy;ge&shy;grif&shy;fe&shy;ne) „mög&shy;li&shy;che Wel&shy;ten“-In&shy;ter&shy;pre&shy;ta&shy;ti&shy;on von Leib&shy;niz stellt zu&shy;min&shy;dest ei&shy;ne ge&shy;wis&shy;se Ver&shy;bin&shy;dung zwi&shy;schen Not&shy;wen&shy;dig&shy;keit/Mög&shy;lich&shy;keit und der raum&shy;zeit&shy;li&shy;chen Si&shy;tu&shy;iert&shy;heit her, in&shy;dem über die mög&shy;li&shy;chen Gel&shy;tungs&shy;­si&shy;tu&shy;a&shy;ti&shy;o&shy;nen quan&shy;ti&shy;fi&shy;ziert wird (Not&shy;wen&shy;dig&shy;keit als All&shy;quan&shy;ti&shy;fi&shy;zie&shy;rung, Mög&shy;lich&shy;keit als Exis&shy;tenz&shy;quan&shy;ti&shy;fi&shy;zie&shy;rung); vgl. etwa <bib id='Kripke 1972a'>Krip&shy;ke 1972a</bib> so&shy;wie [http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6gliche_Welt Wi&shy;ki&shy;pe&shy;dia: Mög&shy;li&shy;che Welt]. </ref> Dabei trat im Laufe der Zeit auch eine Verkür&shy;zung von Moda&shy;lität auf das Aspekt&shy;paar Notwen&shy;digkeit und Möglich&shy;keit ein.
:
Doch führen die Analysen der moder&shy;nen Sprachphi&shy;loso&shy;phie dazu, Moda&shy;lität im weiten Sinn als eine wesent&shy;liche Kompo&shy;nente von Propo&shy;sitio&shy;nen zu konzi&shy;pieren, ohne die die Funkti&shy;onen von Nomi&shy;nation und Prädi&shy;kation gar nicht sinnvoll einge&shy;führt werden können (s. etwa <bib id='Tugendhat 1976a'>Tugend&shy;hat 1976a</bib>). Abge&shy;sehen davon, dass Aussa&shy;gen in natür&shy;licher Sprache in der Regel schon gramma&shy;tisch (über Tempus&shy;marker) zumin&shy;dest zeitlich gegen&shy;über der Äuße&shy;rungssi&shy;tuati&shy;on posi&shy;tioniert werden, wäre es auch logisch unmög&shy;lich, die Nomi&shy;natio&shy;nen mit Kennzeich&shy;nungen oder deikti&shy;schen Parti&shy;keln unab&shy;hängig von einem wenig&shy;stens impli&shy;zit gege&shy;benen Kontext&shy;bezug durchzu&shy;führen: Ob der König von Frankreich tatsäch&shy;lich kahl ist, wie mit einem oft verwen&shy;deten Beispiel&shy;satz behaup&shy;tet wird, hängt natür&shy;lich davon ab, von welchem Zeitpunkt bzw. allge&shy;meiner von welchem situ&shy;ativen Kontext dabei die Rede sein soll. Auch Eigen&shy;namen helfen offen&shy;sichtlich nicht, denn ob Mathil&shy;de Franzö&shy;sin ist oder nicht hängt wieder davon ab, auf welchen Zusam&shy;menhang mit jeman&shy;dem namens Mathil&shy;de durch die entspre&shy;chende Kombi&shy;nation von [[Nomination|Nomi&shy;nation]] (‘Mathil&shy;de’) und [[Prädikation|Prädi&shy;kation]] (‘ist Franzö&shy;sin’) Bezug genom&shy;men wird, kurz: von der (im weiten Sinn verstan&shy;denen) Moda&shy;lität der Aussa&shy;ge.
:
Die Wahrheit einer Propo&shy;sition kann offen&shy;sichtlich nur rela&shy;tiv zu dem gemein&shy;ten Kontext ange&shy;geben werden. Bei einer ''singu&shy;lären konkre&shy;ten'' Propo&shy;sition ergibt sich Wahrheit (und Falschheit) aus dem Verhält&shy;nis zwischen dem behaup&shy;teten Sachver&shy;halt und den Tatsa&shy;chen in dem gemein&shy;ten Kontext. Dabei muss unter&shy;schieden werden, ob es möglich ist, die Geltung des behaup&shy;teten Sachver&shy;halts in dem Kontext ''empi&shy;risch'' zu über&shy;prüfen, oder ob direk&shy;ter Zugang zu dem Kontext nicht möglich ist und daher nur ein ''logi&shy;scher'' Abgleich mit dem Vorwis&shy;sen gelingt.<ref> Sie&shy;he hier&shy;zu [[Exkurs:Verifikationsverfahren|Ex&shy;kurs: Ve&shy;ri&shy;fi&shy;ka&shy;ti&shy;ons&shy;ver&shy;fah&shy;ren]].</ref>
:
Der Zusammenhang zwischen Notwen&shy;digkeit und Möglich&shy;keit einer Propo&shy;sition einer&shy;seits und dem Kontext&shy;bezug der Propo&shy;sition ande&shy;rerseits wird beson&shy;ders sinnfäl&shy;lig in der Inter&shy;preta&shy;tion von Leibniz (<bib id='Leibniz 1710a'></bib>): Eine Propo&shy;sition ist notwen&shy;dig, wenn sie in ''allen'' mögli&shy;chen Kontex&shy;ten gilt. Sie ist möglich, wenn es ''mindes&shy;tens eine'' Situ&shy;ation gibt, in der sie gilt. Moda&shy;lität im enge&shy;ren Sinn ist also verständ&shy;lich zu machen als Quanti&shy;fika&shy;tion<ref>Vgl. auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikatenlogik#Quantoren Wi&shy;ki&shy;pe&shy;dia: Quan&shy;to&shy;ren].</ref> über die Kontex&shy;te, in denen mit der Propo&shy;sition ein Sachver&shy;halt behaup&shy;tet wird.


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
==Modalität der Bildver&shy;wendung==
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->


===Sind Bilder Zeichen&shy;handlun&shy;gen ohne Kontext&shy;bildung?===


Eng verbunden mit dem Problem, ob Bildver&shy;wendun&shy;gen als Zeichen&shy;gebräu&shy;che in der Regel über [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug|Sachbe&shy;züge]] verfü&shy;gen, stellt sich die Frage, ob bei Bildver&shy;wendun&shy;gen wie bei Aussa&shy;gen moda&shy;le Aspek&shy;te auftre&shy;ten. Anders gefragt: Setzt jeder Bildge&shy;brauch einen Akt der Kontex&shy;tbildung voraus, durch den der Kontext mitge&shy;teilt wird, auf den sich ein bildli&shy;cher Sachbe&shy;zug richten sollte?
:
[[Datei:Fahndungsphoto.jpg|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 1: Ein Fahn&shy;dungs&shy;pho&shy;to]]


Das ist zwar of&shy;fen&shy;sicht&shy;lich mög&shy;lich – man den&shy;ke et&shy;wa an ein Bild mit ei&shy;nem Ti&shy;tel, der aus ei&shy;ner Orts- und Zeit&shy;an&shy;ga&shy;be be&shy;steht<ref>Auch beim Ein&shy;blen&shy;den von Da&shy;tum und Uhr&shy;zeit in die Auf&shy;nah&shy;me, wie es bei neu&shy;e&shy;ren Pho&shy;to&shy;ap&shy;pa&shy;ra&shy;ten mög&shy;lich ist, han&shy;delt es sich um ei&shy;ne ent&shy;spre&shy;chen&shy;de (par&shy;tiel&shy;le) Kon&shy;text&shy;spe&shy;zi&shy;fi&shy;zie&shy;rung.</ref> –, nicht aber not&shy;wen&shy;dig der Fall: Bei ei&shy;nem Fahn&shy;dungs&shy;pho&shy;to et&shy;wa geht es ge&shy;mein&shy;hin nicht da&shy;rum, auf nicht-bild&shy;li&shy;che Wei&shy;se auf ei&shy;nen be&shy;stimm&shy;ten Kon&shy;text zu ver&shy;wei&shy;sen, in dem dann gel&shy;ten soll, dass dort der ge&shy;such&shy;te Mensch so po&shy;siert und so aus&shy;ge&shy;se&shy;hen hat. Dass das Pho&shy;to bei ei&shy;ner ganz be&shy;stimm&shy;ten Ge&shy;le&shy;gen&shy;heit ent&shy;stan&shy;den ist ist für die Ver&shy;wen&shy;dung als Fahn&shy;dungs&shy;pho&shy;to weit&shy;ge&shy;hend ir&shy;re&shy;le&shy;vant (Abb. 1). Vielmehr scheint die Bildver&shy;wendung selbst den entsprechenden Kontext zu eröf&shy;fnen.


=====Engere Begriffsbestimmung=====
===Die modale Theorie der Bildver&shy;wendung===


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
Offenbar stellt der nicht-refle&shy;xive Gebrauch eines darstel&shy;lenden Bildes selbst eben&shy;falls einen zusätz&shy;lichen situ&shy;ati&shy;ven Kontext zur Verfü&shy;gung, der als Ausgangs&shy;punkt für Nomi&shy;natio&shy;nen und Prädi&shy;katio&shy;nen dienen kann und in aller Regel auch dient (<bib id='Schirra 1995a'></bib>). Der Gebrauch des Bildes liefert den Kommu&shy;nika&shy;tionspart&shy;nern jeden&shy;falls genau den Kontext, der für die Aussa&shy;gen über den Bildin&shy;halt (d.h. das Abge&shy;bilde&shy;te) benö&shy;tigt wird. [[Kontextbildung|Kontext&shy;bildung]] wäre demnach die primä&shy;re Funktion jener Bildver&shy;wendun&shy;gen (<bib id='Schirra 2001a'></bib>). Ähnlich wie die Erwäh&shy;nung eines Romans den Gesprächs&shy;partnern einen ganz bestimm&shy;ten (fikti&shy;ven) Kontext für die an&shy;schließen&shy;den Nomi&shy;nati&shy;onen und Prädi&shy;kati&shy;onen über die Roman&shy;handlung und deren Prota&shy;gonis&shy;ten eröff&shy;net, versucht jemand durch die Präsen&shy;tation eines Bildes, die Aufmerk&shy;samkeit des Gegen&shy;übers (oder seine eige&shy;ne in der Rolle eines vorge&shy;stellten Gegen&shy;übers) auf eine reale oder fikti&shy;ve Wahrneh&shy;mungssi&shy;tuation zu richten, die in den meisten Fällen nicht mit der tatsäch&shy;lichen Situ&shy;ation der Zeichen&shy;handlung über&shy;einstimmt. Die Kontext&shy;bildung mit Hilfe von Bildern bietet dabei zumin&shy;dest inner&shy;halb gewis&shy;ser Grenzen (etwa der Sinnes&shy;moda&shy;lität) durchaus auch die Möglich&shy;keit, die entspre&shy;chenden Nomi&shy;natio&shy;nen und ihr Zusam&shy;menspiel mit der erwähn&shy;ten Prädi&shy;kation unmit&shy;telbar auf Wahrneh&shy;mung gestützt – also wie im aktu&shy;ellen Äuße&shy;rungskon&shy;text – zu veran&shy;kern.
:
Dass in der Tat jeder andere Gebrauch eines Gegen&shy;standes als Bild auf der Verwen&shy;dung zur Kontext&shy;bildung beruht liegt nahe: Denn es ist stets zunächst das scheinba&shy;re sinnli&shy;che Verge&shy;genwär&shy;tigen einer meist nicht zugleich anwe&shy;senden Situ&shy;ation, das spezi&shy;ellere Bildge&shy;bräuche über&shy;haupt erst möglich macht. Das Primat der Kontext&shy;bildung bei der Bildhand&shy;lung gemäß der moda&shy;len Bildthe&shy;orie gilt auch für [[Strukturbild|Struktur&shy;bilder]], wenn davon ausge&shy;gangen wird, dass zusätz&shy;lich eine [[sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie|meta&shy;phori&shy;sche Über&shy;tragung]] räumlich-visu&shy;ell darstell&shy;barer Enti&shy;täten auf die an sich nicht-visu&shy;ell wahrnehm&shy;baren Aspek&shy;te des darge&shy;stellten Sujets im Spiel ist: Wieder werden die räumlich-visu&shy;ellen Stellver&shy;treter in einem durch die Bildver&shy;wendung zual&shy;lererst eröff&shy;neten Kontext – dem ''Bildraum'' – präsen&shy;tiert und damit unter ande&shy;rem für weite&shy;re Zeichen&shy;handlun&shy;gen mit entspre&shy;chendem Sachbe&shy;zug, der dabei teilwei&shy;se empi&shy;risch veri&shy;fiziert werden kann, zur Verfü&shy;gung gestellt.
:
Für die modale Theorie ist es die grundle&shy;gende Aufga&shy;be einer Bildver&shy;wendung, den [[Theorien des Bildraums|Bildraum]] als eine neben die Äuße&shy;rungssi&shy;tuation treten&shy;de weite&shy;re gemein&shy;same Wahrneh&shy;mungs- und Handlungs&shy;situ&shy;ation zu öffnen.<ref>Da&shy;bei kann der Bild&shy;raum auch me&shy;ta&shy;pho&shy;risch für nicht&shy;räum&shy;li&shy;che bzw. nicht&shy;vi&shy;su&shy;el&shy;le Be&shy;rei&shy;che ste&shy;hen, wie im Fall der Struk&shy;tur&shy;bil&shy;der; oder ein Bild erhält in [[Bild in reflexiver Verwendung|re&shy;fle&shy;xi&shy;ver Ver&shy;wen&shy;dung]] ge&shy;ra&shy;de durch das Ver&shy;wei&shy;gern ei&shy;nes Bild&shy;rau&shy;mes sei&shy;ne kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;ti&shy;ve Funk&shy;ti&shy;on hö&shy;he&shy;rer Ord&shy;nung (⊳ [[Semantik ungegenständlicher Bilder|un&shy;ge&shy;gen&shy;ständ&shy;li&shy;che Bil&shy;der]]).</ref> Erst wenn die von der Prädi&shy;kations&shy;theorie fokus&shy;sierten Prädi&shy;kati&shy;onen auf diesen abge&shy;trennten Kontext bezo&shy;gen werden, sind sie in die Verwen&shy;dung eines Gegen&shy;stands als Bild einbe&shy;zogen. Denn das Charak&shy;teris&shy;tische der Bildver&shy;wendung ist weni&shy;ger, dass damit etwas zu sehen gege&shy;ben wird, als vielmehr, dass damit etwas zu sehen gege&shy;ben wird, was als ''an ganz ande&shy;rer Stelle oder Zeit gese&shy;hen'' gelten soll.
:
Entsprechend kann man sich bei der Verwen&shy;dung eines Fahndungs&shy;photos zusam&shy;men mit den Worten ‘Haben Sie eine Person gese&shy;hen, die aussieht wie diese Person da’ durchaus vorstel&shy;len, dass eine konkre&shy;te Zeige&shy;geste die verwen&shy;deten deikti&shy;schen Aus&shy;drücke (‘diese ... da’) unter&shy;stützt. Aber auf welche Person sollte dabei denn gezeigt werden, ist an der Stelle ›da‹ im aktu&shy;ellen Verhal&shy;tenskon&shy;text der Kommu&shy;nika&shy;tions­part&shy;ner doch tatsäch&shy;lich nur ein Stück bedruck&shy;tes Papier? Die Person ist natür&shy;lich “im” Bild, das heißt: zu sehen in dem mithil&shy;fe des Bildes verge&shy;genwär&shy;tigten situ&shy;ati&shy;ven Kontext. Auch beim Einsatz als Passbild evo&shy;ziert das Vorzei&shy;gen des Bildträ&shy;gers zunächst einen ande&shy;ren Kontext. In diesem Fall erlaubt es dieser Kontext (im Prinzip), eine ande&shy;re, raumzeit&shy;lich meist weit entfern&shy;te Erschei&shy;nung der anwe&shy;senden und zu iden&shy;tifi&shy;zieren&shy;den Person als Refe&shy;renz für eine visu&shy;elle Iden&shy;titäts&shy;prüfung zu nutzen.<ref>Na&shy;tür&shy;lich kann die&shy;se vi&shy;su&shy;el&shy;le Iden&shy;ti&shy;täts&shy;prü&shy;fung nur funk&shy;ti&shy;o&shy;nie&shy;ren, weil ent&shy;spre&shy;chen&shy;de so&shy;zi&shy;a&shy;le In&shy;sti&shy;tu&shy;ti&shy;o&shy;nen we&shy;nigs&shy;tens im Prin&shy;zip si&shy;cher&shy;stel&shy;len, dass der ge&shy;zeig&shy;te Kon&shy;text tat&shy;säch&shy;lich den Ab&shy;ge&shy;bil&shy;de&shy;ten zu ei&shy;nem frü&shy;he&shy;ren Zeit&shy;punkt ent&shy;hält, al&shy;so nicht fik&shy;tiv ist.</ref>


===Sachbezüge bei Bildver&shy;wendun&shy;gen===


=====optional Beispiele=====
Aus der modalen Theorie der Bildver&shy;wendung folgt nun aller&shy;dings, dass eine Bildhand&shy;lung selbst keinen Sachbe&shy;zug im gleichen Sinn haben kann, wie eine Aussa&shy;ge. Denn der Sachbe&shy;zug der Propo&shy;sitio&shy;nen richtet sich stets auf die Sachver&shy;halte in einem (vor-)gege&shy;benen Kontext. Mit Bildern wird gemäß der moda&shy;len Theorie hinge&shy;gen ein Kontext über&shy;haupt eröff&shy;net, auf den sich die Sachbe&shy;züge weite&shy;rer Zeichen&shy;handlun&shy;gen bezie&shy;hen können. Vom Sachbe&shy;zug einer Bildver&shy;wendung kann daher nur in einem abge&shy;leite&shy;ten Sinn die Rede sein: Inso&shy;fern sich über dem durch das Bild gege&shy;benen Kontext und einem ander&shy;weitig (etwa durch einen Text oder durch direk&shy;te Wahrneh&shy;mung) gege&shy;benen Kontext die gleiche Menge an wahren Propo&shy;sitio&shy;nen bilden lässt. Da die Mächtig&shy;keit dieser Menge aber notwen&shy;dig unend&shy;lich groß ist – jeder Kontext kann durch unbe&shy;schränkt viele Propo&shy;sitionen beschrie&shy;ben werden (⊳ [[Ekphrasis|Ekphra&shy;sis]]) – ist dieser abge&shy;leite&shy;te Sachbe&shy;zug im Gegen&shy;satz zu dem Sachbe&shy;zug der Aussa&shy;gen nicht auf endli&shy;che Weise veri&shy;fizier&shy;bar. Bei Bildern sollte entspre&shy;chend nicht ohne Weite&shy;res von Wahrheit gere&shy;det werden.


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->


==Referenz und Situiert&shy;heit bei Medien==


=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====
Der Begriff der [[Bedeutung und Referenz|Refe&shy;renz]] eines Zeichens hängt direkt von der jeweils gemein&shy;ten Bezugs&shy;situ&shy;ation ab. Der Situ&shy;ations&shy;bezug von Kommu&shy;nika&shy;tionshand&shy;lungen kann zudem dazu benutzt werden, [[Typologien der Medien|Typo&shy;logien der Medien]] zu bilden.


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
{{GlossarSiehe}}
* [[Absenz und Präsenz]]
* [[Bedeutung und Referenz]]
* [[Bild in reflexiver Verwendung]]
* [[Ekphrasis]]
* [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug]]
* [[Kontext]]
* [[Kontextbildung]]
* [[Nomination]]
* [[Prädikation]]
* [[Pragmatik]]
* [[Proposition]]
* [[Semantik ungegenständlicher Bilder]]
* [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie]]
* [[Strukturbild]]
* [[Theorien des Bildraums]]
* [[Typologien der Medien]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]
* [[Zeigen]]


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''Ausgabe 1: 2013''
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[[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Jörg R.J. Schirra]]
 
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''Lektorat:''
* [[Benutzer:Klaus Sachs-Hombach|Sachs-Hombach, Klaus]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht

English Version: Modality


Die raumzeitliche Situierung von Zeichen­handlun­gen und ihrer Sachbe­züge

Neben anderen hier irrelevanten Sachge­bieten begeg­net einem der Ausdruck ‘Moda­lität’ auch im Grenzge­biet von Logik und Zeichen­theorie: Ist von der Moda­lität einer Zeichen­handlung die Rede, wird zunächst an die Quali­fika­tion einer Propo­sition als notwen­dig oder möglich gedacht (ale­thische Moda­lität).[1]

In einem allgemeineren Sinn wird mit dem Ausdruck darüber hinaus die situ­ative (insbe­sonde­re raumzeit­liche) Einord­nung einer Zeichen­handlung insge­samt bezeich­net. Sowohl für Zeichen­handlun­gen mit als auch ohne Sachb­ezug ist die Situ­ation, in der sie ge­äußert werden, von großer Bedeu­tung: Bei den Zeichen­handlun­gen ohne Sachbe­zug spielt diese Verhal­tensum­gebung im Grunde sogar die einzi­ge Rolle. Bei den Zeichen­handlun­gen mit Sachbe­zug werden aller­dings weite­re Kontex­te berück­sichtigt, auf die sich die Propo­sition bezieht. Wenn diese zusätz­lichen Situ­atio­nen nicht aus der Äuße­rungssi­tuation impli­zit ableit­bar sind, müssen sie expli­zit ange­geben werden (⊳ Kontext­bildung). Im weiten Sinn meint ‘Moda­lität einer Zeichen­handlung’ daher das Ange­ben dieser zusätz­lichen, in der Regel abwe­senden Kontex­te.


Aspekte des Kontext­bezugs von Propo­sitio­nen

Natürlich sind Aussagen, wie übri­gens ja auch jeder Bildge­brauch, notwen­diger­weise situ­ativ einge­bunden: Die entspre­chenden Zeichen­handlun­gen finden stets in einem bestimm­ten raumzeit­lichen Kontext statt, auf den sie sich unter Umstän­den auch direkt bezie­hen. Doch diese Einbin­dung ist nicht gemeint, wenn von ‘Moda­lität’ die Rede ist. Gemeint ist vielmehr, dass Aussa­gen selbst notwen­dig mit einer (in der Regel ande­ren) Bezugs­situa­tion asso­ziiert sind, die mehr oder weni­ger frei gewählt und ausdrück­lich oder impli­zit kommu­niziert wird. Diese Situ­ation liefert den Rahmen für das Zusam­menspiel von Nomi­nation und Prädi­kation.[2]

Die Aufteilung der pragma­tischen Teilfunk­tionen einer Propo­sition, die wir heute Prädi­kation und Nomi­nation nennen, geht im Wesent­lichen auf die Philo­sophie des anti­ken Griechen­lands und insbe­sonde­re auf Aris­tote­les zurück. Neben jenen grundle­genden Aspek­ten verweist [Aristoteles 1949a]Aristoteles (1949): De interpretatione. In: Minio-Paluello, L. (Hg.), Aristotelis categoriae et liber de interpretatione. Oxford University Press, Oxford
(12 squ.) auch darauf, dass eine Aussa­ge häufig durch weite­re Anga­ben zu Ort und Zeit oder zu Notwen­digkeit und Möglich­keit ergänzt ist. Diese moda­len Aspek­te wurden in der forma­len Logik lange als ledig­lich optio­nale Zusät­ze zum Kern einer Aussa­ge (Propo­sition) ange­sehen.[3] Dabei trat im Laufe der Zeit auch eine Verkür­zung von Moda­lität auf das Aspekt­paar Notwen­digkeit und Möglich­keit ein.

Doch führen die Analysen der moder­nen Sprachphi­loso­phie dazu, Moda­lität im weiten Sinn als eine wesent­liche Kompo­nente von Propo­sitio­nen zu konzi­pieren, ohne die die Funkti­onen von Nomi­nation und Prädi­kation gar nicht sinnvoll einge­führt werden können (s. etwa [Tugendhat 1976a]Tugendhat, Ernst (1976): Vorlesungen zur Einführung in die sprachanalytische Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.
). Abge­sehen davon, dass Aussa­gen in natür­licher Sprache in der Regel schon gramma­tisch (über Tempus­marker) zumin­dest zeitlich gegen­über der Äuße­rungssi­tuati­on posi­tioniert werden, wäre es auch logisch unmög­lich, die Nomi­natio­nen mit Kennzeich­nungen oder deikti­schen Parti­keln unab­hängig von einem wenig­stens impli­zit gege­benen Kontext­bezug durchzu­führen: Ob der König von Frankreich tatsäch­lich kahl ist, wie mit einem oft verwen­deten Beispiel­satz behaup­tet wird, hängt natür­lich davon ab, von welchem Zeitpunkt bzw. allge­meiner von welchem situ­ativen Kontext dabei die Rede sein soll. Auch Eigen­namen helfen offen­sichtlich nicht, denn ob Mathil­de Franzö­sin ist oder nicht hängt wieder davon ab, auf welchen Zusam­menhang mit jeman­dem namens Mathil­de durch die entspre­chende Kombi­nation von Nomi­nation (‘Mathil­de’) und Prädi­kation (‘ist Franzö­sin’) Bezug genom­men wird, kurz: von der (im weiten Sinn verstan­denen) Moda­lität der Aussa­ge.

Die Wahrheit einer Propo­sition kann offen­sichtlich nur rela­tiv zu dem gemein­ten Kontext ange­geben werden. Bei einer singu­lären konkre­ten Propo­sition ergibt sich Wahrheit (und Falschheit) aus dem Verhält­nis zwischen dem behaup­teten Sachver­halt und den Tatsa­chen in dem gemein­ten Kontext. Dabei muss unter­schieden werden, ob es möglich ist, die Geltung des behaup­teten Sachver­halts in dem Kontext empi­risch zu über­prüfen, oder ob direk­ter Zugang zu dem Kontext nicht möglich ist und daher nur ein logi­scher Abgleich mit dem Vorwis­sen gelingt.[4]

Der Zusammenhang zwischen Notwen­digkeit und Möglich­keit einer Propo­sition einer­seits und dem Kontext­bezug der Propo­sition ande­rerseits wird beson­ders sinnfäl­lig in der Inter­preta­tion von Leibniz ([Leibniz 1710a]Leibniz, Gottfried Wilhelm (1710): Essais de théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l'homme et l'origine du mal. Troyel, Amsterdam
): Eine Propo­sition ist notwen­dig, wenn sie in allen mögli­chen Kontex­ten gilt. Sie ist möglich, wenn es mindes­tens eine Situ­ation gibt, in der sie gilt. Moda­lität im enge­ren Sinn ist also verständ­lich zu machen als Quanti­fika­tion[5] über die Kontex­te, in denen mit der Propo­sition ein Sachver­halt behaup­tet wird.


Modalität der Bildver­wendung

Sind Bilder Zeichen­handlun­gen ohne Kontext­bildung?

Eng verbunden mit dem Problem, ob Bildver­wendun­gen als Zeichen­gebräu­che in der Regel über Sachbe­züge verfü­gen, stellt sich die Frage, ob bei Bildver­wendun­gen wie bei Aussa­gen moda­le Aspek­te auftre­ten. Anders gefragt: Setzt jeder Bildge­brauch einen Akt der Kontex­tbildung voraus, durch den der Kontext mitge­teilt wird, auf den sich ein bildli­cher Sachbe­zug richten sollte?

Ab­bil­dung 1: Ein Fahn­dungs­pho­to

Das ist zwar of­fen­sicht­lich mög­lich – man den­ke et­wa an ein Bild mit ei­nem Ti­tel, der aus ei­ner Orts- und Zeit­an­ga­be be­steht[6] –, nicht aber not­wen­dig der Fall: Bei ei­nem Fahn­dungs­pho­to et­wa geht es ge­mein­hin nicht da­rum, auf nicht-bild­li­che Wei­se auf ei­nen be­stimm­ten Kon­text zu ver­wei­sen, in dem dann gel­ten soll, dass dort der ge­such­te Mensch so po­siert und so aus­ge­se­hen hat. Dass das Pho­to bei ei­ner ganz be­stimm­ten Ge­le­gen­heit ent­stan­den ist ist für die Ver­wen­dung als Fahn­dungs­pho­to weit­ge­hend ir­re­le­vant (Abb. 1). Vielmehr scheint die Bildver­wendung selbst den entsprechenden Kontext zu eröf­fnen.

Die modale Theorie der Bildver­wendung

Offenbar stellt der nicht-refle­xive Gebrauch eines darstel­lenden Bildes selbst eben­falls einen zusätz­lichen situ­ati­ven Kontext zur Verfü­gung, der als Ausgangs­punkt für Nomi­natio­nen und Prädi­katio­nen dienen kann und in aller Regel auch dient ([Schirra 1995a]Schirra, Jörg R.J. (1995): Understanding Radio Broadcasts On Soccer. The Concept »Mental Image« and Its Use in Spatial Reasoning. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bilder im Geiste: Zur kognitiven und erkenntnistheoretischen Funktion piktorialer Repräsentationen. Rodopi, Amsterdam.
Webadresse: www.jrjs.de/Work/Papers/P95/index.html
). Der Gebrauch des Bildes liefert den Kommu­nika­tionspart­nern jeden­falls genau den Kontext, der für die Aussa­gen über den Bildin­halt (d.h. das Abge­bilde­te) benö­tigt wird. Kontext­bildung wäre demnach die primä­re Funktion jener Bildver­wendun­gen ([Schirra 2001a]Schirra, Jörg R.J. (2001): Bilder   ——   Kontextbilder. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildhandeln. Interdisziplinäre Forschungen zur Pragmatik bildhafter Darstellungsformen. Skriptum, Magdeburg.
Webadresse: www.jrjs.de/Work/Papers/P01/P01-5/index.html
). Ähnlich wie die Erwäh­nung eines Romans den Gesprächs­partnern einen ganz bestimm­ten (fikti­ven) Kontext für die an­schließen­den Nomi­nati­onen und Prädi­kati­onen über die Roman­handlung und deren Prota­gonis­ten eröff­net, versucht jemand durch die Präsen­tation eines Bildes, die Aufmerk­samkeit des Gegen­übers (oder seine eige­ne in der Rolle eines vorge­stellten Gegen­übers) auf eine reale oder fikti­ve Wahrneh­mungssi­tuation zu richten, die in den meisten Fällen nicht mit der tatsäch­lichen Situ­ation der Zeichen­handlung über­einstimmt. Die Kontext­bildung mit Hilfe von Bildern bietet dabei zumin­dest inner­halb gewis­ser Grenzen (etwa der Sinnes­moda­lität) durchaus auch die Möglich­keit, die entspre­chenden Nomi­natio­nen und ihr Zusam­menspiel mit der erwähn­ten Prädi­kation unmit­telbar auf Wahrneh­mung gestützt – also wie im aktu­ellen Äuße­rungskon­text – zu veran­kern.

Dass in der Tat jeder andere Gebrauch eines Gegen­standes als Bild auf der Verwen­dung zur Kontext­bildung beruht liegt nahe: Denn es ist stets zunächst das scheinba­re sinnli­che Verge­genwär­tigen einer meist nicht zugleich anwe­senden Situ­ation, das spezi­ellere Bildge­bräuche über­haupt erst möglich macht. Das Primat der Kontext­bildung bei der Bildhand­lung gemäß der moda­len Bildthe­orie gilt auch für Struktur­bilder, wenn davon ausge­gangen wird, dass zusätz­lich eine meta­phori­sche Über­tragung räumlich-visu­ell darstell­barer Enti­täten auf die an sich nicht-visu­ell wahrnehm­baren Aspek­te des darge­stellten Sujets im Spiel ist: Wieder werden die räumlich-visu­ellen Stellver­treter in einem durch die Bildver­wendung zual­lererst eröff­neten Kontext – dem Bildraum – präsen­tiert und damit unter ande­rem für weite­re Zeichen­handlun­gen mit entspre­chendem Sachbe­zug, der dabei teilwei­se empi­risch veri­fiziert werden kann, zur Verfü­gung gestellt.

Für die modale Theorie ist es die grundle­gende Aufga­be einer Bildver­wendung, den Bildraum als eine neben die Äuße­rungssi­tuation treten­de weite­re gemein­same Wahrneh­mungs- und Handlungs­situ­ation zu öffnen.[7] Erst wenn die von der Prädi­kations­theorie fokus­sierten Prädi­kati­onen auf diesen abge­trennten Kontext bezo­gen werden, sind sie in die Verwen­dung eines Gegen­stands als Bild einbe­zogen. Denn das Charak­teris­tische der Bildver­wendung ist weni­ger, dass damit etwas zu sehen gege­ben wird, als vielmehr, dass damit etwas zu sehen gege­ben wird, was als an ganz ande­rer Stelle oder Zeit gese­hen gelten soll.

Entsprechend kann man sich bei der Verwen­dung eines Fahndungs­photos zusam­men mit den Worten ‘Haben Sie eine Person gese­hen, die aussieht wie diese Person da’ durchaus vorstel­len, dass eine konkre­te Zeige­geste die verwen­deten deikti­schen Aus­drücke (‘diese ... da’) unter­stützt. Aber auf welche Person sollte dabei denn gezeigt werden, ist an der Stelle ›da‹ im aktu­ellen Verhal­tenskon­text der Kommu­nika­tions­part­ner doch tatsäch­lich nur ein Stück bedruck­tes Papier? Die Person ist natür­lich “im” Bild, das heißt: zu sehen in dem mithil­fe des Bildes verge­genwär­tigten situ­ati­ven Kontext. Auch beim Einsatz als Passbild evo­ziert das Vorzei­gen des Bildträ­gers zunächst einen ande­ren Kontext. In diesem Fall erlaubt es dieser Kontext (im Prinzip), eine ande­re, raumzeit­lich meist weit entfern­te Erschei­nung der anwe­senden und zu iden­tifi­zieren­den Person als Refe­renz für eine visu­elle Iden­titäts­prüfung zu nutzen.[8]

Sachbezüge bei Bildver­wendun­gen

Aus der modalen Theorie der Bildver­wendung folgt nun aller­dings, dass eine Bildhand­lung selbst keinen Sachbe­zug im gleichen Sinn haben kann, wie eine Aussa­ge. Denn der Sachbe­zug der Propo­sitio­nen richtet sich stets auf die Sachver­halte in einem (vor-)gege­benen Kontext. Mit Bildern wird gemäß der moda­len Theorie hinge­gen ein Kontext über­haupt eröff­net, auf den sich die Sachbe­züge weite­rer Zeichen­handlun­gen bezie­hen können. Vom Sachbe­zug einer Bildver­wendung kann daher nur in einem abge­leite­ten Sinn die Rede sein: Inso­fern sich über dem durch das Bild gege­benen Kontext und einem ander­weitig (etwa durch einen Text oder durch direk­te Wahrneh­mung) gege­benen Kontext die gleiche Menge an wahren Propo­sitio­nen bilden lässt. Da die Mächtig­keit dieser Menge aber notwen­dig unend­lich groß ist – jeder Kontext kann durch unbe­schränkt viele Propo­sitionen beschrie­ben werden (⊳ Ekphra­sis) – ist dieser abge­leite­te Sachbe­zug im Gegen­satz zu dem Sachbe­zug der Aussa­gen nicht auf endli­che Weise veri­fizier­bar. Bei Bildern sollte entspre­chend nicht ohne Weite­res von Wahrheit gere­det werden.


Referenz und Situiert­heit bei Medien

Der Begriff der Refe­renz eines Zeichens hängt direkt von der jeweils gemein­ten Bezugs­situ­ation ab. Der Situ­ations­bezug von Kommu­nika­tionshand­lungen kann zudem dazu benutzt werden, Typo­logien der Medien zu bilden.

Anmerkungen
  1. ↑ Vgl. et­wa auch Wi­ki­pe­dia: Mo­da­li­tät (Phi­lo­so­phie).
  2. ↑ Es ist wich­tig, sich den Un­ter­schied zwi­schen Mo­da­li­tät und In­de­xi­ka­li­tät klar­zu­ma­chen. In­de­xi­ka­li­sche Aus­drü­cke, ins­be­son­d­ere ‘die­se/r/s’, sind nor­ma­ler­wei­se Teil ei­ner No­mi­na­ti­on. Da­bei wird der ge­mein­te Ge­gen­stand durch ei­ne kon­kret aus­ge­führ­te (oder auch ei­ne nur ab­strakt vor­ge­stell­te) Zei­ge­hand­lung – al­so durch ei­ne Rich­tungs­an­ga­be ins­be­son­de­re mit Fin­ger, Hand, Arm, Kopf, Au­gen oder (wie et­wa in Na­va­jo) Lip­pen – aus­ge­wählt. Die­ses Zei­gen rich­tet sich da­her be­reits auf die Be­zugs­si­tu­a­ti­on der Pro­po­si­ti­on, die schon vor­her, et­wa durch Orts- und Zeit­an­ga­ben, be­reit­ge­stellt wor­den sein muss. Mo­da­li­tät (im hier ver­folg­ten Sinn) be­trifft hin­ge­gen ge­nau die Hand­lung, mit der die­ser Be­zugs­kon­text zu­al­ler­erst be­reit­ge­stellt wird: die Kon­text­bil­dung.
  3. ↑ Ent­spre­chend wur­den rei­ne Aus­sa­gen- und Prä­di­ka­ten­lo­gi­ken un­ab­hän­gig von spe­zi­el­len Mo­dal­lo­gi­ken be­trach­tet (vgl. Wi­ki­pe­dia: Mo­dal­lo­gik). Letz­te­re blie­ben da­bei fast aus­schließ­lich auf die As­pek­te Not­wen­dig­keit und Mög­lic­hkeit be­schränkt. Le­dig­lich die (spä­ter ver­schie­dent­lich auf­ge­grif­fe­ne) „mög­li­che Wel­ten“-In­ter­pre­ta­ti­on von Leib­niz stellt zu­min­dest ei­ne ge­wis­se Ver­bin­dung zwi­schen Not­wen­dig­keit/Mög­lich­keit und der raum­zeit­li­chen Si­tu­iert­heit her, in­dem über die mög­li­chen Gel­tungs­­si­tu­a­ti­o­nen quan­ti­fi­ziert wird (Not­wen­dig­keit als All­quan­ti­fi­zie­rung, Mög­lich­keit als Exis­tenz­quan­ti­fi­zie­rung); vgl. etwa [Kripke 1972a]Kripke, Saul A. (1972): Naming and Necessity. In: Davidson, D. & Harman, G. (Hg.), Semantics of Natural Language. Reidel, Dordrecht.
    so­wie Wi­ki­pe­dia: Mög­li­che Welt.
  4. ↑ Sie­he hier­zu Ex­kurs: Ve­ri­fi­ka­ti­ons­ver­fah­ren.
  5. ↑ Vgl. auch Wi­ki­pe­dia: Quan­to­ren.
  6. ↑ Auch beim Ein­blen­den von Da­tum und Uhr­zeit in die Auf­nah­me, wie es bei neu­e­ren Pho­to­ap­pa­ra­ten mög­lich ist, han­delt es sich um ei­ne ent­spre­chen­de (par­tiel­le) Kon­text­spe­zi­fi­zie­rung.
  7. ↑ Da­bei kann der Bild­raum auch me­ta­pho­risch für nicht­räum­li­che bzw. nicht­vi­su­el­le Be­rei­che ste­hen, wie im Fall der Struk­tur­bil­der; oder ein Bild erhält in re­fle­xi­ver Ver­wen­dung ge­ra­de durch das Ver­wei­gern ei­nes Bild­rau­mes sei­ne kom­mu­ni­ka­ti­ve Funk­ti­on hö­he­rer Ord­nung (⊳ un­ge­gen­ständ­li­che Bil­der).
  8. ↑ Na­tür­lich kann die­se vi­su­el­le Iden­ti­täts­prü­fung nur funk­ti­o­nie­ren, weil ent­spre­chen­de so­zi­a­le In­sti­tu­ti­o­nen we­nigs­tens im Prin­zip si­cher­stel­len, dass der ge­zeig­te Kon­text tat­säch­lich den Ab­ge­bil­de­ten zu ei­nem frü­he­ren Zeit­punkt ent­hält, al­so nicht fik­tiv ist.
Literatur
[Aristoteles 1949a]Aristoteles (1949): De interpretatione. In: Minio-Paluello, L. (Hg.), Aristotelis categoriae et liber de interpretatione. Oxford University Press, Oxford [Kripke 1972a]Kripke, Saul A. (1972): Naming and Necessity. In: Davidson, D. & Harman, G. (Hg.), Semantics of Natural Language. Reidel, Dordrecht.[Leibniz 1710a]Leibniz, Gottfried Wilhelm (1710): Essais de théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l'homme et l'origine du mal. Troyel, Amsterdam [Schirra 1995a]Schirra, Jörg R.J. (1995): Understanding Radio Broadcasts On Soccer. The Concept »Mental Image« and Its Use in Spatial Reasoning. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bilder im Geiste: Zur kognitiven und erkenntnistheoretischen Funktion piktorialer Repräsentationen. Rodopi, Amsterdam.[Schirra 2001a]Schirra, Jörg R.J. (2001): Bilder   ——   Kontextbilder. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bildhandeln. Interdisziplinäre Forschungen zur Pragmatik bildhafter Darstellungsformen. Skriptum, Magdeburg.[Tugendhat 1976a]Tugendhat, Ernst (1976): Vorlesungen zur Einführung in die sprachanalytische Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt/M.

Ausgabe 1: 2013

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Zitierhinweis:

Schirra, Jörg R.J. (2013). Modalität. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Modalität].