Prädikation: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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==Prädikation als unge&shy;sättig&shy;te Teilhand&shy;lung der Propo&shy;sition==
Die Prädikation bildet neben der [[Nomination|Nomi&shy;nation]] die zweite zentra&shy;le Teil&shy;zeichen&shy;handlung des [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug|Sachbe&shy;zugs]] der [[Proposition|Aussa&shy;gen]]. Prädi&shy;kation ist die Teilhand&shy;lung, mit der mitge&shy;teilt oder vorge&shy;schlagen wird, dass eine gemein&shy;same Unter&shy;scheidungs&shy;gewohn&shy;heit jetzt rele&shy;vant und auf die Gegen&shy;stände anwend&shy;bar sei, die durch die Nomi&shy;natio&shy;nen der [[Proposition|Propo&shy;siti&shy;onen]] aus dem – den betei&shy;ligten Kommu&shy;nika&shy;tionspart&shy;nern gemein&shy;samen – Diskurs&shy;univer&shy;sum heraus&shy;gegrif&shy;fen werden. Es wird mithin Bezug genom&shy;men auf eine Art abstrak&shy;ten Maßstab für die betrach&shy;tete Unter&shy;scheidungs&shy;dimen&shy;sion, der tradi&shy;tionell ‘ein ''Begriff''’ genannt wird. Damit soll – im Gegen&shy;satz zur Nomi&shy;nation – zudem etwas mitge&shy;teilt werden, das dem Gegen&shy;über noch nicht bekannt war (cf. <bib id='Kamlah & Lorenzen 1973a'>Kamlah & Loren&shy;zen 1973a</bib>: § 2, sowie <bib id='Gerhardus et al. 1975a'>Gerhar&shy;dus et al. 1975a</bib>: S. 25).
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Da die [[Nomination|nomin&shy;ato&shy;rische]] Verwen&shy;dungswei&shy;se von Bildern sehr proble&shy;matisch bleibt, während zugleich eine Gleich&shy;setzung mit [[Proposition|Propo&shy;sitio&shy;nen]] der fehlen&shy;den funkti&shy;onalen Binnen&shy;gliede&shy;rung wegen als wenig überzeu&shy;gend gilt, gehen viele Bild&shy;wissen&shy;schaftler davon aus, dass Bildver&shy;wendun&shy;gen grundle&shy;gend als Prädi&shy;kati&shy;onen zu deuten seien (vgl. <bib id='Goodman 1968a'></bib> oder <bib id='Sachs-Hombach 2003a'></bib>).


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
=====Darstellung des gr. Zusammenhangs=====


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
==Arten und Voraus&shy;setzun&shy;gen der Prädi&shy;kation==
<!--Anmerkung zwischen <ref> und </ref> im laufenden Text-->
<!--Literaturverweise im laufenden Text <bib id='Jonas 61a'>Jonas 1961</bib> -->
<!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen -->
<!--  ... (siehe Link "Sammlung" in Bibliographie-Box -->
<!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] -->


Prädikationen können ''ein&shy;fache'' Unter&shy;scheidungs&shy;gewohn&shy;heiten, d.h. nur jeweils einen einzi&shy;gen Begriff, ins Spiel bringen oder ''komple&shy;xe'' Unter&shy;scheidungs&shy;gewohn&shy;heiten, die sich aus mehre&shy;ren Begrif&shy;fen zusam&shy;menset&shy;zen: ‹... ist rot› vs. ‹... ist rot und grün gestreift mit gelben, violett gerahm&shy;ten Pünkt&shy;chen›. Zudem werden die in diesen Beispie&shy;len vorlie&shy;genden einstel&shy;ligen ''prädi&shy;kati&shy;ven'' Prädi&shy;kati&shy;onen unter&shy;schieden von den mehrstel&shy;ligen ''rela&shy;tiona&shy;len'' Prädi&shy;kati&shy;onen, wie etwa: ‹... verhan&shy;delt mit ... über ...›. Da mit einer Unter&shy;scheidungs&shy;praxis zwei Fälle diffe&shy;renziert werden, kommen Prädi&shy;kati&shy;onen immer paar&shy;weise vor: etwa ‹... ist rot›  und ‹... ist nicht rot› (bzw. ‹... ist unrot›). Die Bezie&shy;hung zwischen den beiden Aspek&shy;ten der betrach&shy;teten Unter&shy;scheidung wird ''in&shy;ter&shy;ne Nega&shy;tion'' genannt.<ref>Die in&shy;ter&shy;ne Ne&shy;ga&shy;ti&shy;on ist nicht iden&shy;tisch mit der ex&shy;ter&shy;nen Ne&shy;ga&shy;ti&shy;on, ei&shy;nem Ope&shy;ra&shy;tor zwi&shy;schen Pro&shy;po&shy;si&shy;ti&shy;o&shy;nen, wie in der Aus&shy;sa&shy;gen&shy;lo&shy;gik be&shy;trach&shy;tet.</ref>
:
Voraussetzung für erfolg&shy;reiche Ausfüh&shy;rungen von Prädi&shy;kati&shy;onen ist offen&shy;sicht&shy;lich, dass die betei&shy;ligten Kommu&shy;nika&shy;tionspart&shy;ner (a) über diesel&shy;ben Begrif&shy;fe verfü&shy;gen und (b) die gleiche Asso&shy;zia&shy;tion zwischen ihren Begrif&shy;fen und entspre&shy;chenden sprach&shy;lichen Aus&shy;drücken verwen&shy;den.


===Begriffe, begriffliche Argu&shy;mente und logi&shy;sches Schließen===
Werden Begriffe im Sinne Wittgen&shy;steins verstan&shy;den als gemein&shy;same, kommu&shy;nika&shy;tiv ausge&shy;handel&shy;te oder zumin&shy;dest kommu&shy;nika&shy;tiv aushan&shy;delba&shy;re Unter&shy;scheidungs&shy;gewohn&shy;heiten, dann ergibt sich, dass sie als abstrak&shy;te Aspek&shy;te bestimm&shy;ter kommu&shy;nika&shy;tiver Handlun&shy;gen, genau&shy;er gesagt: aller diesen Begriff erläu&shy;ternden Handlun&shy;gen, verstan&shy;den werden müssen.<ref>Die al&shy;ter&shy;na&shy;ti&shy;ve Be&shy;trach&shy;tungs&shy;wei&shy;se der be&shy;wusst&shy;seins&shy;the&shy;o&shy;re&shy;ti&shy;schen Phi&shy;lo&shy;so&shy;phie des 17. bis 19. Jhd.s, dass Be&shy;grif&shy;fe men&shy;ta&shy;le Ge&shy;bil&shy;de sei&shy;en, de&shy;ren Exis&shy;tenz ih&shy;rer kom&shy;mu&shy;ni&shy;ka&shy;tiv-sprach&shy;li&shy;chen Nut&shy;zung als Be&shy;deu&shy;tung von Prä&shy;di&shy;ka&shy;ten vo&shy;raus&shy;geht, führt, wie et&shy;wa Witt&shy;gen&shy;stein im Trac&shy;ta&shy;tus <bib id='Wittgenstein 1922a'>Witt&shy;gen&shy;stein 1922a</bib> ge&shy;zeigt hat, zu gra&shy;vie&shy;ren&shy;den Apo&shy;rien.</ref> Ihre Funkti&shy;on ist es insbe&shy;sonde&shy;re, als Bezugs&shy;punkte zur (inter&shy;indi&shy;vidu&shy;ellen) Über&shy;prüfung der Geltung prädi&shy;kati&shy;ver Sätze zu dienen. Wer über den Begriff »X« verfügt, der sollte also nicht nur Instan&shy;zen von X von Dingen (im weiten Sinn) unter&shy;scheiden können, die keine Instan&shy;zen von X sind; er sollte zudem erklä&shy;ren können, was diesen Unter&shy;schied eigent&shy;lich ausmacht; und er sollte beur&shy;teilen können, wann jemand einen entspre&shy;chenden klassi&shy;fizie&shy;renden Ausdruck richtig verwen&shy;det hat (vgl. <bib id='Ros 1999a'></bib>).   
:
Um zu überprüfen, ob sie densel&shy;ben Begriff meinen, müssen zwei Kommu&shy;nika&shy;tions&shy;partner sich daher ihren jewei&shy;ligen begriff&shy;lichen Erläu&shy;terun&shy;gen zuwen&shy;den. Die begriff&shy;lichen Argu&shy;menta&shy;tionen, die sie zu diesem Zweck führen, basie&shy;ren im Wesent&shy;lichen (''i'') auf singu&shy;lären inten&shy;siona&shy;len Propo&shy;siti&shy;onen, mit denen den jewei&shy;ligen Begrif&shy;fen als abstrak&shy;ten Enti&shy;täten bestimm&shy;te Eigen&shy;schaften zu- oder abge&shy;sprochen bzw. durch die mehre&shy;re Begrif&shy;fe mitei&shy;nander in gewis&shy;se Rela&shy;tionen gesetzt werden, oder aber (''ii'') auf exten&shy;siona&shy;len gene&shy;rellen Aussa&shy;gen über alle Gegen&shy;stände, die unter die jewei&shy;ligen Begrif&shy;fe fallen und deren notwen&shy;digen Eigen&shy;schaften oder Rela&shy;tionen. Beide Formen sind äqui&shy;valent, wobei man sich aller&shy;dings klarma&shy;chen sollte, dass in der exten&shy;siona&shy;len Form tatsäch&shy;lich nicht Behaup&shy;tungen über die Gegen&shy;stände, sondern Vorschlä&shy;ge für die gemein&shy;same Praxis des Redens über diese (Art von) Gegen&shy;stände(n) zum Ausdruck kommen.<ref>An&shy;dern&shy;falls ver&shy;wech&shy;sel&shy;te man Ob&shy;jekt- und Be&shy;o&shy;bach&shy;ter&shy;ebe&shy;ne. Vgl. auch [[Exkurs:Beispiele begrifflicher Aussagen|Ex&shy;kurs: Bei&shy;spie&shy;le be&shy;griff&shy;li&shy;cher Aus&shy;sa&shy;gen]].</ref>


===Prädikation und Kenn&shy;zeichnung===
Prädikationen werden offen&shy;sichtlich mit Aus&shy;drücken vollzo&shy;gen, mit denen Unter&shy;scheidun&shy;gen kommu&shy;niziert werden können. Umge&shy;kehrt werden aber unter&shy;scheiden&shy;de Aus&shy;drücke nicht nur zu Prädi&shy;katio&shy;nen verwen&shy;det. Insbe&shy;sonde&shy;re mit Kenn&shy;zeichnun&shy;gen liegt eine Art von [[Nomination|Nomi&shy;nation]] vor, für die unter&shy;scheiden&shy;de Aus&shy;drücke außer&shy;halb der prädi&shy;kati&shy;ven Nutzung eine zentra&shy;le Rolle spielen. Tatsäch&shy;lich zeigt sich hierin die enge Ver&shy;quickung zwischen Nomi&shy;nation – als der Veran&shy;kerung im bereits Bekann&shy;ten – und Prädi&shy;kation – als Aspekt des Neuen, noch nicht gemein&shy;sam Bekann&shy;ten –, der für Propo&shy;siti&shy;onen charak&shy;teris&shy;tisch ist: Kenn&shy;zeichnun&shy;gen greifen zur Iden&shy;tifi&shy;kation von Gegen&shy;ständen die Unter&shy;scheidun&shy;gen auf, die irgend&shy;wann zuvor durch eine entspre&shy;chende Prädi&shy;kation gemein&shy;sam etab&shy;liert worden sind.<ref>Oder: Etab&shy;liert wor&shy;den sein könn&shy;ten. – Das gilt etwa für di&shy;rekt wahr&shy;ge&shy;nom&shy;me&shy;ne Un&shy;ter&shy;schei&shy;dun&shy;gen zur Iden&shy;ti&shy;fi&shy;ka&shy;ti&shy;on von Ge&shy;gen&shy;stän&shy;den.</ref> Dieses mehre&shy;re Propo&shy;siti&shy;onen über&shy;greifen&shy;de Wechsel&shy;spiel von Prädi&shy;kati&shy;on und kenn&shy;zeichnen&shy;der Nomi&shy;nation ist eine wesent&shy;liche Bedin&shy;gung für die Möglich&shy;keit, Aussa&shy;gen zu zusam&shy;menhän&shy;genden Texten zu verflech&shy;ten.


=====Engere Begriffsbestimmung=====
==Bilder als Prädi&shy;kation?==


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
Mit dem Begriff des [[Referenz, Denotation, Exemplifikation|Exemp&shy;lifi&shy;zierens]] hat Nelson Goodman die Grundla&shy;ge der meisten Prädi&shy;kations&shy;theorien des Bildes gelegt. Bei einer Exemp&shy;lifi&shy;kation funkti&shy;oniert ein Zeichen als ein Muster, mit dem eine Unter&shy;scheidungs&shy;gewohn&shy;heit – genau&shy;er: ein Begriff – durch eine Instanz, die unter diese Unter&shy;scheidung fällt, ins kommu&shy;nika&shy;tive Feld geführt wird. Das passiert bei Bildern insbe&shy;sonde&shy;re hinsicht&shy;lich Farbun&shy;terschei&shy;dungen, Formbe&shy;griffen und Begrif&shy;fen für rela&shy;tive räum&shy;liche Anord&shy;nungen. Eine Bildprä&shy;senta&shy;tion kann daher als eine entspre&shy;chende Prädi&shy;kation verstan&shy;den werden.
:
Offensichtlich muss es sich in der Regel um ziemlich komple&shy;xe Prädi&shy;kati&shy;onen handeln, denn mono&shy;chrome Bilder, Bilder mit zwei oder drei Farb&shy;flächen, die in einem einfa&shy;chen Anord&shy;nungsver&shy;hältnis stehen oder Bilder mit einem einzi&shy;gen einfa&shy;chen geome&shy;trischen Gegen&shy;stand machen nur einen sehr gerin&shy;gen und eher unter&shy;geord&shy;neten Teil aller mögli&shy;chen Bilder aus. Die Mehrzahl insbe&shy;sondere der darstel&shy;lenden Bilder, deren Inhalt im Wesent&shy;lichen aus räumli&shy;chen Anord&shy;nungen (mehr oder weni&shy;ger) mate&shy;rieller Körper besteht, bringen die recht komple&shy;xe Prädi&shy;kation, mit der diese speziel&shy;le Art der räum&shy;lichen Anord&shy;nung genau dieser Art von mate&shy;riellen Gegen&shy;ständen von ande&shy;ren Anord&shy;nungen der gleichen oder anderer Arten von Gegen&shy;ständen unter&shy;scheidet, ins Spiel. 
:
Die prädikative Theorie der Bild&shy;verwen&shy;dung in der von <bib id='Sachs-Hombach 2003a'>Sachs-Hom&shy;bach 2003a</bib> skizzier&shy;ten Fassung geht eben&shy;falls davon aus, dass durch einen Gegen&shy;stand, um über&shy;haupt als Bild verwen&shy;det werden zu können, beim Gegen&shy;über (oder bei einem selber in der Rolle eines ande&shy;ren) ein Begriff in den Fokus der Aufmerk&shy;samkeit gebracht wird, indem eini&shy;ge charak&shy;teris&shy;tische Eigen&shy;schaften dessen, was unter diesen Begriff fällt, exemp&shy;larisch “vor Augen geführt” werden – sofern jene Eigen&shy;schaften im jewei&shy;ligen Zusam&shy;menhang als wichtig erach&shy;tet werden. Dass der Begriff in den Fokus der Aufmerk&shy;samkeit gebracht wird habe dabei primär die Funktion, den Adres&shy;saten in die Lage zu verset&shy;zen, die dadurch bestimm&shy;te Unter&shy;scheidungs&shy;gewohn&shy;heit zu einer vollen Propo&shy;sition ergän&shy;zen zu können. Das Bild soll also als Muster für die betrach&shy;tete Unter&shy;scheidungs&shy;gewohn&shy;heit – etwa »rot (sein)« – wirken, mit dessen Hilfe weite&shy;re Einzel&shy;gegen­&shy;stände hinsicht&shy;lich dieser Unter&shy;scheidungs&shy;dimen&shy;sion beur&shy;teilt werden können.


[[Datei:GoldenGate1.jpg|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 1: Ge&shy;gen&shy;stand „... sieht so (!) aus“]]


=====optional Beispiele=====
Die Stan&shy;dard&shy;funk&shy;ti&shy;on der Prä&shy;sen&shy;ta&shy;ti&shy;on ei&shy;nes Pho&shy;tos, wie des ge&shy;zeig&shy;ten Bei&shy;spiel&shy;bil&shy;des (Abb. 1), müss&shy;te dann prä&shy;di&shy;ka&shy;to&shy;risch fol&shy;gen&shy;der&shy;maßen ver&shy;stan&shy;den wer&shy;den: „... sieht so (!) aus“, wo&shy;bei mit dem Pho&shy;to ei&shy;ne sehr komp&shy;li&shy;zier&shy;te vi&shy;su&shy;el&shy;le Un&shy;ter&shy;schei&shy;dungs&shy;ge&shy;wohn&shy;heit an&shy;ge&shy;spro&shy;chen wird, die ver&shy;bal durch die deik&shy;ti&shy;sche Par&shy;ti&shy;kel ‘so’ als (Teil der) Prä&shy;di&shy;ka&shy;ti&shy;on ein&shy;ge&shy;bun&shy;den ist (das ‘!’ mar&shy;kie&shy;re die Zei&shy;ge&shy;ges&shy;te). Diese tatsäch&shy;lich aus vielen Begrif&shy;fen zusam&shy;menge&shy;setzte Unter&shy;scheidungs&shy;gewohn&shy;heit mag in einem zweiten Schritt auf einzel&shy;ne Kompo&shy;nenten einge&shy;schränkt werden, durch die momen&shy;tane visu&shy;elle Erschei&shy;nungswei&shy;sen räumlich-mate&shy;rieller Gegen&shy;stände vonei&shy;nander unter&shy;schieden werden. In einem dritten Schritt kann dann das Teil für das Ganze genom&shy;men werden: Das Beispiel&shy;bild vermit&shy;telt dann etwa die Prädi&shy;kation ‹... ist eine Hänge&shy;brücke›. 


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
===Piktoriale Nomina&shy;tionen als abge&shy;leite&shy;te Verwen&shy;dungswei&shy;se===
Abgeleitet von der grund&shy;legend prädi&shy;kato&shy;rischen Verwen&shy;dungswei&shy;se kann, nach Sachs-Hombach, ferner ''der Begriff selbst'' als Thema einge&shy;führt und somit eine Verstän&shy;digung über das Muster als solches ange&shy;regt werden (ana&shy;log einer mögli&shy;chen Verwen&shy;dung eines gene&shy;rellen Termi&shy;nus in nomi&shy;nati&shy;vem Gebrauch: ‘das Rote an sich’): ‘das so (!) Ausse&shy;hen an sich’ bzw. ‘der Begriff des so (!) Ausse&shy;hens’ oder auch ‘der Begriff der Hänge&shy;brücke’.
:
Andererseits könne die Aufmerk&shy;samkeit auch auf eine bestimm&shy;te ''Instanz'' des Begriffs (ana&shy;log einer deikti&shy;schen Kennzeich&shy;nung ‘diese rote Hänge&shy;brücke’) gerich&shy;tet werden, über die (mit einer ande&shy;ren, etwa sprachli&shy;chen Prädi&shy;kation) etwas Weite&shy;res mitge&shy;teilt werde (‘... wurde 1937 einge&shy;weiht.’). In beiden Fällen ist das exemp&shy;lari&shy;sche Einfüh&shy;ren einer bestimm&shy;ten komple&shy;xen visu&shy;ellen Unter&shy;scheidungs&shy;fähig&shy;keit Voraus&shy;setzung, ohne die die nomi&shy;nato&shy;rischen Verwen&shy;dungswei&shy;sen nicht möglich wären.


===Probleme der Prädikations&shy;theorie des Bildes===
Der prädikativen Bild&shy;theorie zufol&shy;ge sind Bilder in kommu&shy;nika&shy;tiver Hinsicht prinzi&shy;piell „unge&shy;sättigt“. Sie liefern Prädi&shy;kate, die ergänzt werden müssen und dann auf komple&shy;xerer Ebe&shy;ne eine prädi&shy;kati&shy;ve oder nomi&shy;nato&shy;rische Funktion über&shy;nehmen können. Dass uns die ''kommu&shy;nika&shy;tive Unvoll&shy;ständig&shy;keit'' der Verwen&shy;dung von Bildern in der Regel nicht auffällt sei darin begrün&shy;det, dass wir zahlrei&shy;che Konven&shy;tionen heraus&shy;gebildet haben, die in verschie&shy;denen Zusam&shy;menhän&shy;gen eine entspre&shy;chende Ergän&shy;zung nahe legen und auf diese Weise mehr oder weni&shy;ger auto&shy;matisch ergänzt würden.
:
Problematisch erscheint an der prädi&shy;kati&shy;ven Bild&shy;theorie vor allem, dass in der Bildver&shy;wendung Begrif&shy;fe exemp&shy;larisch, also über eine entspre&shy;chende unter den jewei&shy;ligen Begriff fallen&shy;de Instanz mitge&shy;teilt werden sollen. Das gilt insbe&shy;sonde&shy;re für die als zentral gelten&shy;den Darstel&shy;lungen raumzeit&shy;licher mate&shy;rieller Gegen&shy;stände mit ihren charak&shy;teris&shy;tischen [[sortale Gegenstände und Individuation|Indi&shy;vidu&shy;ations&shy;krite&shy;rien]]. Um den Begriff zu erhal&shy;ten, der der entspre&shy;chenden Prädi&shy;kation zugrun&shy;de liegt, muss demnach ein zuge&shy;höri&shy;ges unter den Begriff fallen&shy;des Indi&shy;viduum zunächst ''vorhan&shy;den'' sein, um dann damit auf den Begriff aufmerk&shy;sam zu machen. Diese Funktion, Gegen&shy;stände zumin&shy;dest in gewis&shy;ser Weise zur Verfü&shy;gung zu stellen – die [[Kontextbildung|Kontext&shy;bildung]] – wäre demnach vorran&shy;gig vor der Funktion der Prädi&shy;kation, die durch sie erst ermög&shy;licht wird (vgl. <bib id='Schirra 2006a'></bib>).


=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====


<!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen-->
==Prädikation, Prädikator, Prädikat und gene&shy;reller Termi&shy;nus ==
Die sprachlichen Ausdrücke, mit deren Hilfe eine Prädi&shy;kation vollzo&shy;gen wird, werden ‘Prädi&shy;kato&shy;ren’ genannt.<ref>Ein&shy;ge&shy;führt wur&shy;de die Be&shy;zeich&shy;nung ‘Prä&shy;di&shy;ka&shy;tor’ von Car&shy;nap (<bib id='Carnap 1947a'>Car&shy;nap 1947a</bib> zwei&shy;te Auf&shy;la&shy;ge: S. 6). Sie&shy;he auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikator Wi&shy;ki&shy;pe&shy;dia: Prä&shy;di&shy;ka&shy;tor].</ref>
Als Pendant zur Bezeich&shy;nung ‘singu&shy;läre Termi&shy;ni’ für Nomi&shy;nato&shy;ren werden Prädi&shy;kato&shy;ren einer älte&shy;ren Tradi&shy;tion folgend auch als ‘gene&shy;relle Termi&shy;ni’ bezeich&shy;net.
Lingu&shy;istisch sind die Prädi&shy;kato&shy;ren im allge&shy;meinen durch die Verben (in einem weiten Sinn) zusam&shy;men mit den inde&shy;fini&shy;ten Nomi&shy;nalphra&shy;sen der betrach&shy;teten Sätze und den damit gebil&shy;deten Präpo&shy;sitio&shy;nalphra&shy;sen (sofern jene nicht als Satzad&shy;verbien wirken) gege&shy;ben.
:
Der Ausdruck ‘Prädikat’ wird manch&shy;mal syno&shy;nym mit ‘Prädi&shy;kator’ oder ‘Prädi&shy;kation’ verwen&shy;det, was aber seiner diver&shy;sen weite&shy;ren Bedeu&shy;tungen wegen nicht sehr glück&shy;lich ist. Oft bezeich&shy;net ‘Prädi&shy;kat’ auch, als gramma&shy;tischer Begriff, die unter&shy;scheiden&shy;den Aus&shy;drücke, unab&shy;hängig davon, ob sie prädi&shy;kato&shy;risch genutzt werden oder als Teil einer Nomi&shy;nation in einer Kennzeich&shy;nung auftre&shy;ten.


{{GlossarSiehe}}
* [[Exkurs:Beispiele begrifflicher Aussagen|Exkurs: Beispiele begrifflicher Aussagen]]
* [[Interaktions-, Selbst- und Sachbezug]]
* [[Kontextbildung]]
* [[Nomination]]
* [[Proposition]]
* [[Referenz, Denotation, Exemplifikation]]
* [[sortale Gegenstände und Individuation]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Zeichentheorien: Übersicht

English Version: Predication


Prädikation als unge­sättig­te Teilhand­lung der Propo­sition

Die Prädikation bildet neben der Nomi­nation die zweite zentra­le Teil­zeichen­handlung des Sachbe­zugs der Aussa­gen. Prädi­kation ist die Teilhand­lung, mit der mitge­teilt oder vorge­schlagen wird, dass eine gemein­same Unter­scheidungs­gewohn­heit jetzt rele­vant und auf die Gegen­stände anwend­bar sei, die durch die Nomi­natio­nen der Propo­siti­onen aus dem – den betei­ligten Kommu­nika­tionspart­nern gemein­samen – Diskurs­univer­sum heraus­gegrif­fen werden. Es wird mithin Bezug genom­men auf eine Art abstrak­ten Maßstab für die betrach­tete Unter­scheidungs­dimen­sion, der tradi­tionell ‘ein Begriff’ genannt wird. Damit soll – im Gegen­satz zur Nomi­nation – zudem etwas mitge­teilt werden, das dem Gegen­über noch nicht bekannt war (cf. [Kamlah & Lorenzen 1973a]Kamlah, Wilhelm & Lorenzen, Paul (1973): Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. BI Wissenschaftsverlag, München.
Nicht angezeigt: 2. Aufl. (<sup>1</sup>1967, <sup>3</sup>1996)
: § 2, sowie [Gerhardus et al. 1975a]Gerhardus, Dietfried; Kledzik, Silke M. & Reitzig, Gerd H. (1975): Schlüssiges Argumentieren – Logisch-propädeutisches Lehr- und Arbeitsbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.
: S. 25).

Da die nomin­ato­rische Verwen­dungswei­se von Bildern sehr proble­matisch bleibt, während zugleich eine Gleich­setzung mit Propo­sitio­nen der fehlen­den funkti­onalen Binnen­gliede­rung wegen als wenig überzeu­gend gilt, gehen viele Bild­wissen­schaftler davon aus, dass Bildver­wendun­gen grundle­gend als Prädi­kati­onen zu deuten seien (vgl. [Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.
Notiz: 2. rev. Aufl. 1976
Nicht angezeigt: dt.: Sprachen der Kunst. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1998
oder [Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommu­nika­tives Medium. Ele­mente einer allge­meinen Bild­wissen­schaft. Halem, Köln.
).


Arten und Voraus­setzun­gen der Prädi­kation

Prädikationen können ein­fache Unter­scheidungs­gewohn­heiten, d.h. nur jeweils einen einzi­gen Begriff, ins Spiel bringen oder komple­xe Unter­scheidungs­gewohn­heiten, die sich aus mehre­ren Begrif­fen zusam­menset­zen: ‹... ist rot› vs. ‹... ist rot und grün gestreift mit gelben, violett gerahm­ten Pünkt­chen›. Zudem werden die in diesen Beispie­len vorlie­genden einstel­ligen prädi­kati­ven Prädi­kati­onen unter­schieden von den mehrstel­ligen rela­tiona­len Prädi­kati­onen, wie etwa: ‹... verhan­delt mit ... über ...›. Da mit einer Unter­scheidungs­praxis zwei Fälle diffe­renziert werden, kommen Prädi­kati­onen immer paar­weise vor: etwa ‹... ist rot› und ‹... ist nicht rot› (bzw. ‹... ist unrot›). Die Bezie­hung zwischen den beiden Aspek­ten der betrach­teten Unter­scheidung wird in­ter­ne Nega­tion genannt.[1]

Voraussetzung für erfolg­reiche Ausfüh­rungen von Prädi­kati­onen ist offen­sicht­lich, dass die betei­ligten Kommu­nika­tionspart­ner (a) über diesel­ben Begrif­fe verfü­gen und (b) die gleiche Asso­zia­tion zwischen ihren Begrif­fen und entspre­chenden sprach­lichen Aus­drücken verwen­den.

Begriffe, begriffliche Argu­mente und logi­sches Schließen

Werden Begriffe im Sinne Wittgen­steins verstan­den als gemein­same, kommu­nika­tiv ausge­handel­te oder zumin­dest kommu­nika­tiv aushan­delba­re Unter­scheidungs­gewohn­heiten, dann ergibt sich, dass sie als abstrak­te Aspek­te bestimm­ter kommu­nika­tiver Handlun­gen, genau­er gesagt: aller diesen Begriff erläu­ternden Handlun­gen, verstan­den werden müssen.[2] Ihre Funkti­on ist es insbe­sonde­re, als Bezugs­punkte zur (inter­indi­vidu­ellen) Über­prüfung der Geltung prädi­kati­ver Sätze zu dienen. Wer über den Begriff »X« verfügt, der sollte also nicht nur Instan­zen von X von Dingen (im weiten Sinn) unter­scheiden können, die keine Instan­zen von X sind; er sollte zudem erklä­ren können, was diesen Unter­schied eigent­lich ausmacht; und er sollte beur­teilen können, wann jemand einen entspre­chenden klassi­fizie­renden Ausdruck richtig verwen­det hat (vgl. [Ros 1999a]Ros, Arno (1999): Was ist Philosophie?. In: Raatzsch, R. (Hg.), Philo­sophie­ren über Philo­sophie. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig.
).

Um zu überprüfen, ob sie densel­ben Begriff meinen, müssen zwei Kommu­nika­tions­partner sich daher ihren jewei­ligen begriff­lichen Erläu­terun­gen zuwen­den. Die begriff­lichen Argu­menta­tionen, die sie zu diesem Zweck führen, basie­ren im Wesent­lichen (i) auf singu­lären inten­siona­len Propo­siti­onen, mit denen den jewei­ligen Begrif­fen als abstrak­ten Enti­täten bestimm­te Eigen­schaften zu- oder abge­sprochen bzw. durch die mehre­re Begrif­fe mitei­nander in gewis­se Rela­tionen gesetzt werden, oder aber (ii) auf exten­siona­len gene­rellen Aussa­gen über alle Gegen­stände, die unter die jewei­ligen Begrif­fe fallen und deren notwen­digen Eigen­schaften oder Rela­tionen. Beide Formen sind äqui­valent, wobei man sich aller­dings klarma­chen sollte, dass in der exten­siona­len Form tatsäch­lich nicht Behaup­tungen über die Gegen­stände, sondern Vorschlä­ge für die gemein­same Praxis des Redens über diese (Art von) Gegen­stände(n) zum Ausdruck kommen.[3]

Prädikation und Kenn­zeichnung

Prädikationen werden offen­sichtlich mit Aus­drücken vollzo­gen, mit denen Unter­scheidun­gen kommu­niziert werden können. Umge­kehrt werden aber unter­scheiden­de Aus­drücke nicht nur zu Prädi­katio­nen verwen­det. Insbe­sonde­re mit Kenn­zeichnun­gen liegt eine Art von Nomi­nation vor, für die unter­scheiden­de Aus­drücke außer­halb der prädi­kati­ven Nutzung eine zentra­le Rolle spielen. Tatsäch­lich zeigt sich hierin die enge Ver­quickung zwischen Nomi­nation – als der Veran­kerung im bereits Bekann­ten – und Prädi­kation – als Aspekt des Neuen, noch nicht gemein­sam Bekann­ten –, der für Propo­siti­onen charak­teris­tisch ist: Kenn­zeichnun­gen greifen zur Iden­tifi­kation von Gegen­ständen die Unter­scheidun­gen auf, die irgend­wann zuvor durch eine entspre­chende Prädi­kation gemein­sam etab­liert worden sind.[4] Dieses mehre­re Propo­siti­onen über­greifen­de Wechsel­spiel von Prädi­kati­on und kenn­zeichnen­der Nomi­nation ist eine wesent­liche Bedin­gung für die Möglich­keit, Aussa­gen zu zusam­menhän­genden Texten zu verflech­ten.

Bilder als Prädi­kation?

Mit dem Begriff des Exemp­lifi­zierens hat Nelson Goodman die Grundla­ge der meisten Prädi­kations­theorien des Bildes gelegt. Bei einer Exemp­lifi­kation funkti­oniert ein Zeichen als ein Muster, mit dem eine Unter­scheidungs­gewohn­heit – genau­er: ein Begriff – durch eine Instanz, die unter diese Unter­scheidung fällt, ins kommu­nika­tive Feld geführt wird. Das passiert bei Bildern insbe­sonde­re hinsicht­lich Farbun­terschei­dungen, Formbe­griffen und Begrif­fen für rela­tive räum­liche Anord­nungen. Eine Bildprä­senta­tion kann daher als eine entspre­chende Prädi­kation verstan­den werden.

Offensichtlich muss es sich in der Regel um ziemlich komple­xe Prädi­kati­onen handeln, denn mono­chrome Bilder, Bilder mit zwei oder drei Farb­flächen, die in einem einfa­chen Anord­nungsver­hältnis stehen oder Bilder mit einem einzi­gen einfa­chen geome­trischen Gegen­stand machen nur einen sehr gerin­gen und eher unter­geord­neten Teil aller mögli­chen Bilder aus. Die Mehrzahl insbe­sondere der darstel­lenden Bilder, deren Inhalt im Wesent­lichen aus räumli­chen Anord­nungen (mehr oder weni­ger) mate­rieller Körper besteht, bringen die recht komple­xe Prädi­kation, mit der diese speziel­le Art der räum­lichen Anord­nung genau dieser Art von mate­riellen Gegen­ständen von ande­ren Anord­nungen der gleichen oder anderer Arten von Gegen­ständen unter­scheidet, ins Spiel.

Die prädikative Theorie der Bild­verwen­dung in der von [Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommu­nika­tives Medium. Ele­mente einer allge­meinen Bild­wissen­schaft. Halem, Köln.
skizzier­ten Fassung geht eben­falls davon aus, dass durch einen Gegen­stand, um über­haupt als Bild verwen­det werden zu können, beim Gegen­über (oder bei einem selber in der Rolle eines ande­ren) ein Begriff in den Fokus der Aufmerk­samkeit gebracht wird, indem eini­ge charak­teris­tische Eigen­schaften dessen, was unter diesen Begriff fällt, exemp­larisch “vor Augen geführt” werden – sofern jene Eigen­schaften im jewei­ligen Zusam­menhang als wichtig erach­tet werden. Dass der Begriff in den Fokus der Aufmerk­samkeit gebracht wird habe dabei primär die Funktion, den Adres­saten in die Lage zu verset­zen, die dadurch bestimm­te Unter­scheidungs­gewohn­heit zu einer vollen Propo­sition ergän­zen zu können. Das Bild soll also als Muster für die betrach­tete Unter­scheidungs­gewohn­heit – etwa »rot (sein)« – wirken, mit dessen Hilfe weite­re Einzel­gegen­­stände hinsicht­lich dieser Unter­scheidungs­dimen­sion beur­teilt werden können.

Ab­bil­dung 1: Ge­gen­stand „... sieht so (!) aus“

Die Stan­dard­funk­ti­on der Prä­sen­ta­ti­on ei­nes Pho­tos, wie des ge­zeig­ten Bei­spiel­bil­des (Abb. 1), müss­te dann prä­di­ka­to­risch fol­gen­der­maßen ver­stan­den wer­den: „... sieht so (!) aus“, wo­bei mit dem Pho­to ei­ne sehr komp­li­zier­te vi­su­el­le Un­ter­schei­dungs­ge­wohn­heit an­ge­spro­chen wird, die ver­bal durch die deik­ti­sche Par­ti­kel ‘so’ als (Teil der) Prä­di­ka­ti­on ein­ge­bun­den ist (das ‘!’ mar­kie­re die Zei­ge­ges­te). Diese tatsäch­lich aus vielen Begrif­fen zusam­menge­setzte Unter­scheidungs­gewohn­heit mag in einem zweiten Schritt auf einzel­ne Kompo­nenten einge­schränkt werden, durch die momen­tane visu­elle Erschei­nungswei­sen räumlich-mate­rieller Gegen­stände vonei­nander unter­schieden werden. In einem dritten Schritt kann dann das Teil für das Ganze genom­men werden: Das Beispiel­bild vermit­telt dann etwa die Prädi­kation ‹... ist eine Hänge­brücke›.

Piktoriale Nomina­tionen als abge­leite­te Verwen­dungswei­se

Abgeleitet von der grund­legend prädi­kato­rischen Verwen­dungswei­se kann, nach Sachs-Hombach, ferner der Begriff selbst als Thema einge­führt und somit eine Verstän­digung über das Muster als solches ange­regt werden (ana­log einer mögli­chen Verwen­dung eines gene­rellen Termi­nus in nomi­nati­vem Gebrauch: ‘das Rote an sich’): ‘das so (!) Ausse­hen an sich’ bzw. ‘der Begriff des so (!) Ausse­hens’ oder auch ‘der Begriff der Hänge­brücke’.

Andererseits könne die Aufmerk­samkeit auch auf eine bestimm­te Instanz des Begriffs (ana­log einer deikti­schen Kennzeich­nung ‘diese rote Hänge­brücke’) gerich­tet werden, über die (mit einer ande­ren, etwa sprachli­chen Prädi­kation) etwas Weite­res mitge­teilt werde (‘... wurde 1937 einge­weiht.’). In beiden Fällen ist das exemp­lari­sche Einfüh­ren einer bestimm­ten komple­xen visu­ellen Unter­scheidungs­fähig­keit Voraus­setzung, ohne die die nomi­nato­rischen Verwen­dungswei­sen nicht möglich wären.

Probleme der Prädikations­theorie des Bildes

Der prädikativen Bild­theorie zufol­ge sind Bilder in kommu­nika­tiver Hinsicht prinzi­piell „unge­sättigt“. Sie liefern Prädi­kate, die ergänzt werden müssen und dann auf komple­xerer Ebe­ne eine prädi­kati­ve oder nomi­nato­rische Funktion über­nehmen können. Dass uns die kommu­nika­tive Unvoll­ständig­keit der Verwen­dung von Bildern in der Regel nicht auffällt sei darin begrün­det, dass wir zahlrei­che Konven­tionen heraus­gebildet haben, die in verschie­denen Zusam­menhän­gen eine entspre­chende Ergän­zung nahe legen und auf diese Weise mehr oder weni­ger auto­matisch ergänzt würden.

Problematisch erscheint an der prädi­kati­ven Bild­theorie vor allem, dass in der Bildver­wendung Begrif­fe exemp­larisch, also über eine entspre­chende unter den jewei­ligen Begriff fallen­de Instanz mitge­teilt werden sollen. Das gilt insbe­sonde­re für die als zentral gelten­den Darstel­lungen raumzeit­licher mate­rieller Gegen­stände mit ihren charak­teris­tischen Indi­vidu­ations­krite­rien. Um den Begriff zu erhal­ten, der der entspre­chenden Prädi­kation zugrun­de liegt, muss demnach ein zuge­höri­ges unter den Begriff fallen­des Indi­viduum zunächst vorhan­den sein, um dann damit auf den Begriff aufmerk­sam zu machen. Diese Funktion, Gegen­stände zumin­dest in gewis­ser Weise zur Verfü­gung zu stellen – die Kontext­bildung – wäre demnach vorran­gig vor der Funktion der Prädi­kation, die durch sie erst ermög­licht wird (vgl. [Schirra 2006a]Schirra, Jörg R.J. (2006): Begriffsgenetische Betrachtungen in der Bildwissenschaft: Fünf Thesen. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bild und Medium. Kunstgeschichtliche und philosophische Grundlagen der interdisziplinären Bildwissenschaft. Halem, Köln.
Webadresse: www.jrjs.de/Work/Papers/P06/P06-3/index.html
).


Prädikation, Prädikator, Prädikat und gene­reller Termi­nus

Die sprachlichen Ausdrücke, mit deren Hilfe eine Prädi­kation vollzo­gen wird, werden ‘Prädi­kato­ren’ genannt.[5] Als Pendant zur Bezeich­nung ‘singu­läre Termi­ni’ für Nomi­nato­ren werden Prädi­kato­ren einer älte­ren Tradi­tion folgend auch als ‘gene­relle Termi­ni’ bezeich­net. Lingu­istisch sind die Prädi­kato­ren im allge­meinen durch die Verben (in einem weiten Sinn) zusam­men mit den inde­fini­ten Nomi­nalphra­sen der betrach­teten Sätze und den damit gebil­deten Präpo­sitio­nalphra­sen (sofern jene nicht als Satzad­verbien wirken) gege­ben.

Der Ausdruck ‘Prädikat’ wird manch­mal syno­nym mit ‘Prädi­kator’ oder ‘Prädi­kation’ verwen­det, was aber seiner diver­sen weite­ren Bedeu­tungen wegen nicht sehr glück­lich ist. Oft bezeich­net ‘Prädi­kat’ auch, als gramma­tischer Begriff, die unter­scheiden­den Aus­drücke, unab­hängig davon, ob sie prädi­kato­risch genutzt werden oder als Teil einer Nomi­nation in einer Kennzeich­nung auftre­ten.

Anmerkungen
  1. ↑ Die in­ter­ne Ne­ga­ti­on ist nicht iden­tisch mit der ex­ter­nen Ne­ga­ti­on, ei­nem Ope­ra­tor zwi­schen Pro­po­si­ti­o­nen, wie in der Aus­sa­gen­lo­gik be­trach­tet.
  2. ↑ Die al­ter­na­ti­ve Be­trach­tungs­wei­se der be­wusst­seins­the­o­re­ti­schen Phi­lo­so­phie des 17. bis 19. Jhd.s, dass Be­grif­fe men­ta­le Ge­bil­de sei­en, de­ren Exis­tenz ih­rer kom­mu­ni­ka­tiv-sprach­li­chen Nut­zung als Be­deu­tung von Prä­di­ka­ten vo­raus­geht, führt, wie et­wa Witt­gen­stein im Trac­ta­tus [Wittgenstein 1922a]Wittgenstein, Ludwig (1922): Tractatus Logico-Philosophicus. Kegan Paul, London.
    ge­zeigt hat, zu gra­vie­ren­den Apo­rien.
  3. ↑ An­dern­falls ver­wech­sel­te man Ob­jekt- und Be­o­bach­ter­ebe­ne. Vgl. auch Ex­kurs: Bei­spie­le be­griff­li­cher Aus­sa­gen.
  4. ↑ Oder: Etab­liert wor­den sein könn­ten. – Das gilt etwa für di­rekt wahr­ge­nom­me­ne Un­ter­schei­dun­gen zur Iden­ti­fi­ka­ti­on von Ge­gen­stän­den.
  5. ↑ Ein­ge­führt wur­de die Be­zeich­nung ‘Prä­di­ka­tor’ von Car­nap ([Carnap 1947a]Carnap, Rudolf (1947): Meaning and Necessity: A Study in Semantics and Modal Logic. Univ. Press, Chicago, IL.
    zwei­te Auf­la­ge: S. 6). Sie­he auch Wi­ki­pe­dia: Prä­di­ka­tor.
Literatur
[Carnap 1947a]Carnap, Rudolf (1947): Meaning and Necessity: A Study in Semantics and Modal Logic. Univ. Press, Chicago, IL.[Gerhardus et al. 1975a]Gerhardus, Dietfried; Kledzik, Silke M. & Reitzig, Gerd H. (1975): Schlüssiges Argumentieren – Logisch-propädeutisches Lehr- und Arbeitsbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.[Goodman 1968a]Goodman, Nelson (1968): Languages of Art. Hackett, Indianapolis.[Kamlah & Lorenzen 1973a]Kamlah, Wilhelm & Lorenzen, Paul (1973): Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. BI Wissenschaftsverlag, München.[Ros 1999a]Ros, Arno (1999): Was ist Philosophie?. In: Raatzsch, R. (Hg.), Philo­sophie­ren über Philo­sophie. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig.[Sachs-Hombach 2003a]Sachs-Hombach, Klaus (2003): Das Bild als kommu­nika­tives Medium. Ele­mente einer allge­meinen Bild­wissen­schaft. Halem, Köln.[Schirra 2006a]Schirra, Jörg R.J. (2006): Begriffsgenetische Betrachtungen in der Bildwissenschaft: Fünf Thesen. In: Sachs-Hombach, K. (Hg.), Bild und Medium. Kunstgeschichtliche und philosophische Grundlagen der interdisziplinären Bildwissenschaft. Halem, Köln.[Wittgenstein 1922a]Wittgenstein, Ludwig (1922): Tractatus Logico-Philosophicus. Kegan Paul, London.

Ausgabe 1: 2013

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Zitierhinweis:

Schirra, Jörg R.J. (2013). Prädikation. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Prädikation].