Exkurs:Handlungen: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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[[Kategorie:Exkurs]]
[[Kategorie:Exkurs]]
Exkurs zu: [[Bildrezeption als Kommunikationsprozess]], [[Interaktion und Kommunikation]]
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==Verschieden weit gefasste Handlungs&shy;begrif&shy;fe==
[[Datei:Hierarchie Handlung.jpg|thumb|Ab&shy;bil&shy;dung 1: Hi&shy;e&shy;r&shy;ar&shy;chi&shy;sche Ein&shy;bet&shy;tung der bei&shy;den Hand&shy;lungs&shy;be&shy;grif&shy;fe und ihr Um&shy;feld]]
Hand&shy;lun&shy;gen wer&shy;den in der Re&shy;gel blo&shy;ßem Ver&shy;hal&shy;ten ge&shy;gen&shy;über&shy;ge&shy;stellt, wo&shy;bei der Un&shy;ter&shy;schied zu letz&shy;te&shy;rem in dem da&shy;bei ''be&shy;wusst'' ver&shy;folg&shy;ten Ziel, dem vom Han&shy;deln&shy;den selbst er&shy;kann&shy;ten Zweck der Hand&shy;lung liegt (vgl. etwa <bib id='Weber 2005a'>We&shy;ber 2005a</bib>).<ref>Sie&shy;he auch [http://de.wikipedia.org/wiki/Handeln Wi&shy;ki&shy;pe&shy;dia: Han&shy;deln].</ref> Für ei&shy;ni&shy;ge Fra&shy;ge&shy;stel&shy;lun&shy;gen soll&shy;te die&shy;sem ''en&shy;gen'' Hand&shy;lungs&shy;be&shy;griff al&shy;ler&shy;dings ei&shy;ne wei&shy;ter ge&shy;fass&shy;te Kon&shy;zep&shy;ti&shy;on zur Sei&shy;te ge&shy;stellt wer&shy;den. Setzt der Hand&shy;lungs&shy;be&shy;griff näm&shy;lich das be&shy;wuss&shy;te Set&shy;zen von Zie&shy;len und da&shy;mit ''Selbst&shy;be&shy;wusst&shy;sein'' vo&shy;r&shy;aus, so müs&shy;sen hand&shy;lungs&shy;the&shy;o&shy;re&shy;ti&shy;sche Ver&shy;su&shy;che der be&shy;griff&shy;li&shy;chen Er&shy;klä&shy;rung von Selbst&shy;be&shy;wusst&shy;sein zir&shy;ku&shy;lär wer&shy;den. Kommt hin&shy;ge&shy;gen nicht al&shy;len Hand&shy;lun&shy;gen be&shy;reits Selbst&shy;be&shy;wusst&shy;sein zu, er&shy;ge&shy;ben sich Mög&shy;lich&shy;kei&shy;ten, be&shy;stimm&shy;te Kon&shy;stel&shy;la&shy;ti&shy;o&shy;nen von Hand&shy;lun&shy;gen im wei&shy;te&shy;ren Sinn als Ba&shy;sis für Hand&shy;lun&shy;gen im en&shy;gen Sinn und da&shy;mit für die Ein&shy;füh&shy;rung des Be&shy;griffs »Selbst&shy;be&shy;wusst&shy;sein« zu nut&shy;zen.<ref>Ei&shy;ne der&shy;ar&shy;ti&shy;ge hand&shy;lungs&shy;the&shy;o&shy;re&shy;ti&shy;sche Um&shy;deu&shy;tung der Be&shy;grif&shy;fe für Psy&shy;chi&shy;sches bil&shy;det den Hin&shy;ter&shy;grund des [[Linguistic turn, pictorial turn, medial turn|''lin&shy;gu&shy;is&shy;tic turn'']] (vgl. <bib id='Ros 1989/90a'></bib>: B. III, § 1.3 (S. 35ff)).</ref>
:
Verhalten überhaupt und auch die beiden Hand&shy;lungsbe&shy;griffe zeichnen sich durch das Vorhan&shy;densein eines ''Akti&shy;vitäts&shy;trägers'' aus. Eine beson&shy;dere Form des Verhal&shy;tens ist das von ''biolo&shy;gischen'' Akti&shy;vitäts&shy;trägern (vgl. Abb. 1). Während dem Verhal&shy;ten unbe&shy;lebter Akti&shy;vitäts&shy;träger, beispiels&shy;weise arti&shy;kuliert mit einem Satz wie ‘der Stein rollt ins Tal’, keine durch evo&shy;lutio&shy;näre Prozes&shy;se etab&shy;lierten Zwecke zuge&shy;schrieben werden, trifft das für das Verhal&shy;ten im enge&shy;ren Sinne, nämlich von Lebe&shy;wesen, durchaus zu, auch wenn deren Akti&shy;vitäts&shy;träger weit davon entfernt sind, diese Zwecke selbst bewusst zu verfol&shy;gen: etwa ‘eine Pflanze blüht’ zum Zwecke der Fortpflan&shy;zung.<ref>Ge&shy;nau&shy;er ge&shy;sagt: Die Ak&shy;ti&shy;vi&shy;täts&shy;trä&shy;ger sind bei Ver&shy;hal&shy;ten im en&shy;ge&shy;ren Sinn, das nicht be&shy;reits ein Han&shy;deln im wei&shy;te&shy;ren Sinn ist, tat&shy;säch&shy;lich nicht die be&shy;trach&shy;te&shy;ten Le&shy;be&shy;we&shy;sen ins&shy;ge&shy;samt, son&shy;dern das ei&shy;ne oder an&shy;de&shy;re ih&shy;rer funk&shy;ti&shy;o&shy;na&shy;len Tei&shy;le. In der For&shy;mu&shy;lie&shy;rung ei&shy;nes sol&shy;chen Ver&shy;hal&shy;tens, et&shy;wa ‘das Tier at&shy;met’ ver&shy;weist das Sub&shy;jekt ei&shy;gent&shy;lich da&shy;rauf, dass der ''Zweck'' der be&shy;trach&shy;te&shy;ten Ak&shy;ti&shy;vi&shy;tät der ent&shy;spre&shy;chen&shy;den funk&shy;ti&shy;o&shy;na&shy;len Tei&shy;le (Lun&shy;gen, etc.) auf das Tier als Gan&shy;zes ge&shy;rich&shy;tet ist (da&shy;mit näm&shy;lich das Tier über&shy;lebt).</ref>
:
''Handlungen im weiten Sinn'' stehen zwischen solchem ''Verhal&shy;ten (im enge&shy;ren Sinn)'' und ''Handlun&shy;gen im engen Sinn'': Dem biolo&shy;gischen Akti&shy;vitäts&shy;träger soll, wenn schon kein Selbst&shy;bewusst&shy;sein, so doch Bewusst&shy;sein – insbe&shy;sonde&shy;re einfa&shy;che Formen von Kogni&shy;tionen und Inten&shy;tionen – zuge&shy;schrieben werden können.<ref>Wie etwa Ros (<bib id='Ros 1979a'></bib>: Kap. 3.2) deut&shy;lich ge&shy;macht hat, lässt sich Pi&shy;a&shy;gets Zwi&shy;schen&shy;stu&shy;fe des ''sen&shy;so&shy;mo&shy;to&shy;ri&shy;schen'' Ver&shy;hal&shy;tens ge&shy;nau in die&shy;sem Sinn in&shy;ter&shy;pre&shy;tie&shy;ren: Im Zu&shy;sam&shy;men&shy;hang mit sol&shy;chem Ver&shy;hal&shy;ten las&shy;sen sich psy&shy;cho&shy;lo&shy;gi&shy;sche [[Prädikation|Prä&shy;di&shy;ka&shy;te]], wie ‘zu et&shy;was Lust emp&shy;fin&shy;den’ und ‘et&shy;was tun wol&shy;len’ oder ‘et&shy;was se&shy;hen’ und ‘et&shy;was glau&shy;ben’ zu&shy;min&shy;dest in ei&shy;nem ele&shy;men&shy;ta&shy;ren Sinn aus der Be&shy;ob&shy;ach&shy;ter&shy;per&shy;spek&shy;ti&shy;ve auf den Ak&shy;ti&shy;vi&shy;täts&shy;trä&shy;ger an&shy;wen&shy;den. </ref> Ein Beobach&shy;ter verschränkt dabei die gegen&shy;wärtig beobacht&shy;bare Akti&shy;vität des Akti&shy;vitäts&shy;trägers mit voraus&shy;gegan&shy;genen (vor allem bei Kogni&shy;tionen) und zukünf&shy;tigen (vor allem bei Inten&shy;tionen) Akti&shy;vitä&shy;ten, die dabei von ihm als eine Einheit verstan&shy;den werden. Eine Handlung im weiten Sinn zu erken&shy;nen beinhal&shy;tet daher, einen Handlungs&shy;komplex der folgen&shy;den Form bei einem Akti&shy;vitäts&shy;träger zu erken&shy;nen: ‹etwas jetzt tun, weil der Akti&shy;vitäts&shy;träger früher etwas damit in Zusam&shy;menhang Stehen&shy;des getan hat und später etwas tun möchte, was auch mit der aktu&shy;ellen Tätig&shy;keit zusam&shy;menhängt›.<ref>Auf die&shy;se Wei&shy;se wird zu&shy;gleich ei&shy;ne spe&shy;zi&shy;el&shy;le die Zeit über&shy;brü&shy;cken&shy;de Iden&shy;ti&shy;tät des Ak&shy;ti&shy;vi&shy;täts&shy;trä&shy;gers etab&shy;liert. Es wä&shy;re näm&shy;lich feh&shy;ler&shy;haft, ein&shy;fach den phy&shy;si&shy;schen Kör&shy;per als den Ak&shy;ti&shy;vi&shy;täts&shy;trä&shy;ger an&shy;zu&shy;set&shy;zen. </ref> Dieser Zusam&shy;menhang ist aller&shy;dings dem Akti&shy;vitäts&shy;träger nicht selbst bewusst. Wir als Beobach&shy;ter können zwar einem Hund, den wir gera&shy;de auf seinen Futter&shy;napf zuren&shy;nen sehen, zuschrei&shy;ben, dass er den Napf ''gese&shy;hen'' hat und ''weiß'', dass er dort meist Futter findet (Kogni&shy;tion, Verbin&shy;dung zu vergan&shy;genen Akti&shy;vitä&shy;ten) und zudem gleich fressen ''möchte'' (Inten&shy;tion, zukünf&shy;tige Akti&shy;vität). Doch findet diese Verbin&shy;dung zwischen den Akti&shy;vitä&shy;ten verschie&shy;dener Zeiten noch ganz auf der Beobach&shy;ter&shy;ebe&shy;ne statt; der Hund ist zwar ''bei Bewusst&shy;sein'', doch befin&shy;det er sich dabei jeweils ganz im Hier und Jetzt.
:
Erst wenn der Beobachter dem Akti&shy;vitäts&shy;träger zuge&shy;steht, dass dieser sich selbst rela&shy;tiv zu den kogni&shy;tiven und inten&shy;tiona&shy;len Aspek&shy;ten eige&shy;ner Handlun&shy;gen (zunächst im weiten, dann auch im engen Sinn) verhal&shy;ten kann, kann von »Selbstbe&shy;wusstsein« und damit von »Handlun&shy;gen im engen Sinn« die Rede sein. Denn letztlich können wir als Selbstbe&shy;wusstsein zuschrei&shy;bende Beobach&shy;ter diese Zuschrei&shy;bung nur anhand von entspre&shy;chendem Verhal&shy;ten und entspre&shy;chenden Handlun&shy;gen des betrach&shy;teten Akti&shy;vitäts&shy;trägers rechtfer&shy;tigen. Aller&shy;dings hängt nun – im Gegen&shy;satz zu den Handlun&shy;gen im weiten Sinn – die Zuschrei&shy;bung auch davon ab, dass sich der betrach&shy;tete Akti&shy;vitäts&shy;träger dem Beobach&shy;ter gegen&shy;über selbst darstellt als einer der sich selbst bestimm&shy;te Kogni&shy;tionen und Inten&shy;tionen zuschreibt und also selbst die entspre&shy;chenden Bezie&shy;hungen zu den über die aktu&shy;elle Tätig&shy;keit hinaus&shy;gehen&shy;den (Teil-)Handlun&shy;gen berück&shy;sichtigt. Akti&shy;vitäts&shy;träger dieses Typs unter&shy;scheiden sich also deutlich von denen, die bei Handlun&shy;gen im weiten Sinn (bzw. gar bei Verhal&shy;ten) ange&shy;setzt werden.
:
In der Monographie zum Materie-Geist-Problem von 2005 greift Arno Ros diese Unter&shy;scheidun&shy;gen auf und ordnet dem Verhal&shy;ten im enge&shy;ren Sinn den Akti&shy;vitäts&shy;träger&shy;typ »Lebe&shy;wesen« zu, dem Handeln im weiten Sinn den Akti&shy;vitäts&shy;träger&shy;typ »Handlungs&shy;subjekt« und dem Handeln im engen Sinn den Akti&shy;vitäts&shy;träger&shy;typ »Person« (vgl. <bib id='Ros 2005a'></bib>: Kap. IV, V und VI). Die umgangs&shy;sprachli&shy;che Unter&shy;teilung der Begrif&shy;fe für biolo&shy;gische Akti&shy;vitäts&shy;träger in Pflanzen (und pflanzen&shy;artige niede&shy;re Tiere), (höhe&shy;re) Tiere (und sich nicht wie Perso&shy;nen geben&shy;de Menschen) und schließlich Perso&shy;nen wird hier durch eine entspre&shy;chende Steige&shy;rung der beobacht&shy;baren Komple&shy;xität des Verhal&shy;tens entspre&shy;chender Akti&shy;vitäts&shy;träger (inklu&shy;sive poten&shy;tieller Selbstdar&shy;stellun&shy;gen) unter&shy;füttert.<ref>Ver&shy;wandt, wenn auch an&shy;ders be&shy;stimmt, ist die Drei&shy;tei&shy;lung Pless&shy;ners in de&shy;zen&shy;tra&shy;lis&shy;ti&shy;sche (pflanz&shy;li&shy;che), zen&shy;tra&shy;lis&shy;ti&shy;sche (tie&shy;ri&shy;sche) und ex&shy;zen&shy;tri&shy;sche (mensch&shy;li&shy;che) Or&shy;ga&shy;ni&shy;sa&shy;ti&shy;on bzw. Po&shy;si&shy;ti&shy;o&shy;na&shy;li&shy;tät von Ak&shy;ti&shy;vi&shy;täts&shy;trä&shy;gern (<bib id='Plessner 1928a'>Pless&shy;ner 1928a</bib>).</ref>


<!--In der folgenden Zeile, wo jetzt XXX steht, bitte die verweisenden Glossareinträge eintragen (gegebenenfalls mehrere jeweils in eigenen eckigen Klammerpaaren-->
==Schema und Aktu&shy;ali&shy;sierung==
Exkurs zu: [[Bildrezeption als Kommunikationsprozess]]


Verhalten und Handlungen – jeweils im engen wie im weiten Sinn – können in zwei wichti&shy;gen, auf&shy;einan&shy;der bezo&shy;genen Formen thema&shy;tisiert werden: als einzel&shy;ner ''Handlungs&shy;vollzug'', d.h. als ''Instanz'', und als allge&shy;meines ''Handlungs&shy;schema'', d.h. als ''Typus''. Ein konkre&shy;ter Handlungs&shy;vollzug – etwa die Handlung des Lesens dieses Satzes zu genau diesem Zeitpunkt an genau diesem Ort von diesem indi&shy;vidu&shy;ellen Handlungs&shy;träger – passiert und ist dann unwie&shy;derhol&shy;bar vorbei und endgül&shy;tig Vergan&shy;genheit. Ein abstrak&shy;tes Handlungs&shy;schema hinge&shy;gen, beispiels&shy;weise die Handlung »Lesen«, ist nicht raumzeit&shy;lich situ&shy;iert und kann daher auch nicht verge&shy;hen. Auch kann sie belie&shy;big oft wieder (jeweils als Instanz) vollzo&shy;gen werden. Mit einem Handlungs&shy;ausdruck kann je nach Kontext jeder der beiden Perspek&shy;tiven zur Sprache gebracht werden. Als Typ verweist der Handlungs&shy;ausdruck dann auf all das, was allen Handlungs&shy;vollzü&shy;gen dieses Typs gemein ist – auf die entspre&shy;chende Unter&shy;scheidungs&shy;gewohn&shy;heit bzw. den zuge&shy;höri&shy;gen Begriff. In der Tat können wir uns einer Handlungs&shy;instanz auch immer nur als Instanz eines Handlungs&shy;typs zuwenden.<ref>Die da&shy;mit an&shy;ge&shy;spro&shy;che&shy;ne Un&shy;ter&shy;schei&shy;dung ist an sich all&shy;ge&shy;mein und kann auf al&shy;le mög&shy;li&shy;chen Un&shy;ter&shy;schei&shy;dungs&shy;ge&shy;wohn&shy;hei&shy;ten und Be&shy;grif&shy;fe an&shy;ge&shy;wen&shy;det wer&shy;den. Ne&shy;ben dem Be&shy;zeich&shy;nungs&shy;paar ‘Typ und In&shy;s&shy;tanz’ wird auch das dem Eng&shy;li&shy;schen ent&shy;lehn&shy;te ‘Type und To&shy;ken’ häu&shy;fig ver&shy;wen&shy;det. Spe&shy;ziell für Ver&shy;hal&shy;ten und Hand&shy;lun&shy;gen ist hin&shy;ge&shy;gen die Form ‘Sche&shy;ma und Ak&shy;tu&shy;a&shy;li&shy;sie&shy;rung’ – der Aus&shy;druck ‘Ak&shy;tu&shy;a&shy;li&shy;sie&shy;rung’ – häu&shy;fig auch ‘Ak&shy;tu&shy;a&shy;li&shy;sie&shy;rung ei&shy;nes Hand&shy;lungs&shy;sche&shy;mas’ – soll al&shy;so nicht be&shy;deu&shy;ten, dass ein Sche&shy;ma mo&shy;der&shy;ni&shy;siert, ak&shy;tu&shy;ell ge&shy;macht wird; viel&shy;mehr soll ein un&shy;ter das Sche&shy;ma fal&shy;len&shy;der ein&shy;zel&shy;ner kon&shy;kre&shy;ter Akt voll&shy;zo&shy;gen wer&shy;den.</ref> 
:
Bei den Handlungen im enge&shy;ren Sinn erschei&shy;nen die beiden Perspek&shy;tiven insbe&shy;sonde&shy;re als Aus&shy;führungs- oder Voll&shy;zugsas&shy;pekt (''token'': eine Handlung gemäß einem Schema konkret ''aus&shy;führen'') einer&shy;seits und als Wahrneh&shy;mungs- oder Beschrei&shy;bungsas&shy;pekt (''type'': eine ausge&shy;führte konkre&shy;te Handlung als Reali&shy;sierung eines Schemas ''erken&shy;nen und darstel&shy;len'') ande&shy;rerseits. Es wird damit also eine Verbin&shy;dung zu der Unter&shy;scheidung zwischen Beobach&shy;terebe&shy;ne (oder Ebe&shy;ne der dritten Person, ''Er-Pers&shy;pekti&shy;ve'') und der Ebe&shy;ne des Akti&shy;vitäts&shy;trägers (oder Ebe&shy;ne der ersten Person, ''Ich-Pers&shy;pekti&shy;ve'') gezo&shy;gen (vgl. etwa <bib id='Janich 2005a'></bib>).


===Komponenten von Handlungs&shy;schema&shy;ta===
Handlungsschemata bestimmen allge&shy;mein die Ele&shy;mente, die bei allen entspre&shy;chenden Handlungs&shy;vollzü&shy;gen vorkom&shy;men. Dazu gehö&shy;ren, wie bei einem Theater&shy;stück, zum einen die ''Rollen'': die handeln&shy;den Perso&shy;nen bzw. Handlungs&shy;subjek&shy;te, aber auch die “Requi&shy;siten” – alle eben&shy;falls jeweils als Typ charak&shy;teri&shy;siert – ge&shy;wisser&shy;maßen als Vari&shy;ablen&shy;namen für entspre&shy;chende mögli&shy;che konkre&shy;te Bele&shy;gungen.<ref>Ort und Zeit sind spe&shy;zi&shy;el&shy;le Rol&shy;len ei&shy;nes je&shy;den Hand&shy;lungs&shy;sche&shy;mas.</ref> Erst im konkre&shy;ten Handlungs&shy;vollzug, ana&shy;log zu einer konkre&shy;ten Auffüh&shy;rung des Theater&shy;stücks, werden diese Rollen&shy;vari&shy;ablen mit konkre&shy;ten Instan&shy;zen des passen&shy;den Gegen&shy;standstyps belegt.
:
Zum anderen gehört das zeitlich (mehr oder weni&shy;ger) geord&shy;nete System der ''Teilhand&shy;lungen'' zum Handlungs&shy;schema. Auch hier bieten die Teilhand&shy;lungen, die die Handlung eines Theater&shy;stücks deter&shy;minie&shy;ren, ein gutes, wenn auch komple&shy;xes Beispiel. Zwischen dem Begriff der Teilhand&shy;lung und dem der Handlungs&shy;inten&shy;tion besteht zudem ein enger Zusam&shy;menhang.<ref>Man voll&shy;zieht eine Hand&shy;lung, ''in&shy;dem'' man die Teil&shy;hand&shy;lun&shy;gen voll&shy;zieht (Mit&shy;tel). Man voll&shy;zieht ei&shy;ne Teil&shy;hand&shy;lung, ''um'' die Ge&shy;samt&shy;hand&shy;lung zu voll&shy;zie&shy;hen (Zweck). Die Ket&shy;ten die&shy;ser ge&shy;gen&shy;läu&shy;fi&shy;gen Re&shy;la&shy;ti&shy;o&shy;nen zwi&shy;schen Hand&shy;lungs&shy;sche&shy;ma&shy;ta en&shy;den dort, wo kei&shy;ne über&shy;ge&shy;ord&shy;ne&shy;te Hand&shy;lung bzw. wo kei&shy;ne Mit&shy;tel&shy;''hand&shy;lung'' mehr an&shy;ge&shy;ge&shy;ben wer&shy;den kann, son&shy;dern nur noch ein all&shy;ge&shy;mei&shy;ner Über&shy;le&shy;bens&shy;wil&shy;le (oder -trieb) des Hand&shy;lungs&shy;sub&shy;jekts bzw. ''Ver&shy;hal&shy;tens''&shy;sche&shy;ma&shy;ta (im en&shy;ge&shy;ren oder wei&shy;te&shy;ren Sinn). Aus&shy;nah&shy;men sind hier Selbst&shy;zweck&shy;hand&shy;lun&shy;gen, die gar kei&shy;nen Zweck außer dem Voll&shy;zug der Hand&shy;lung selbst ha&shy;ben.</ref>


<!--Den folgenden Abschnitt bitte nicht ändern-->
===Mißerfolg und Mißlingen von Hand&shy;lungs&shy;aktu&shy;ali&shy;sierun&shy;gen===
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Mit einer Handlungsaktualisierung kann das Handlungs&shy;subjekt das inten&shy;dierte Handlungs&shy;ziel errei&shy;chen oder auch nicht: Die Hand&shy;lungs(aktu&shy;ali&shy;sierung) ist entspre&shy;chend ''erfolg&shy;reich'' oder nicht. Ande&shy;rerseits kann ein Aktu&shy;ali&shy;sierungs&shy;versuch ''gelin&shy;gen'' oder misslin&shy;gen. Im letzten Fall entspricht sie nicht dem durch das Schema gesetz&shy;ten Standard. Gelin&shy;gen und Erfolg sind also durchaus verschie&shy;dene Aspek&shy;te von Handlungs&shy;vollzü&shy;gen, wie auch der bekann&shy;te ursprüng&shy;lich medi&shy;zini&shy;sche Kommen&shy;tar ‘Ope&shy;ration gelun&shy;gen, Patient tot’ deutlich werden lässt, mit dem auch außer&shy;halb der Medi&shy;zin auf zwar das entspre&shy;chende Schema korrekt instan&shy;ziieren&shy;de Ausfüh&shy;rungen einer Handlung refe&shy;riert wird, die gleichwohl ihre eigent&shy;liche Inten&shy;tion verfehlt haben.
:
Besondere Bedeutung kommt der Unter&shy;scheidung zwischen Gelin&shy;gen und Erfolg bei Handlun&shy;gen mit mehr als einem Handlungs&shy;subjekt zu, also insbe&shy;sonde&shy;re bei [[Interaktion und Kommunikation|Inter&shy;akti&shy;onen]]. Hier kann unter&shy;schieden werden zwischen solchen Handlungs&shy;schema&shy;ta, die nur ''erfolg&shy;reich'' aktu&shy;ali&shy;siert werden können, wenn mehre&shy;re Handlungs&shy;träger teilneh&shy;men, und solchen, deren Aktu&shy;ali&shy;sierun&shy;gen nur ''gelin&shy;gen'', wenn mehre&shy;re Handlungs&shy;träger teilneh&shy;men. Im ersten Fall geht es um eine Handlung vom Typus der ''gemein&shy;schaftli&shy;chen Handlun&shy;gen'', im zweiten Fall um so genann&shy;te ''Betei&shy;ligungs&shy;handlun&shy;gen''. Typi&shy;sches Beispiel einer gemein&shy;schaftli&shy;chen Handlung ist das Tragen eines Gegen&shy;standes, wenn dieser so schwer ist, dass einer allei&shy;ne es nicht schafft. Er mag sich noch so mühen und das Schema des Tragens von Gegen&shy;ständen korrekt aktu&shy;ali&shy;sieren, der Gegen&shy;stand ist so nicht zu bewe&shy;gen. Ein Beispiel für eine Betei&shy;ligungs&shy;handlung liefert ein Wettren&shy;nen: Hier gelingt es einem allei&shy;ne nicht einmal, eine Aktu&shy;ali&shy;sierung des Schemas zu vollzie&shy;hen, denn das Schema sieht hier unbe&shy;dingt die Rolle eines Konkur&shy;renten vom Gegen&shy;standstyp »Handlungs&shy;subjekt« vor. Mit einem solchen mag dann das Schema korrekt aktu&shy;ali&shy;siert werden und der erste Handlungs&shy;träger bei dem Rennen Erfolg haben, indem er es gewinnt.


<!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen-->
=====Überschrift=====


==Auswirkungen auf Kommuni&shy;kations- und Zeichen&shy;(handlungs&shy;)begrif&shy;fe==


Offensichtlich sind alle Inter&shy;akti&shy;onen Betei&shy;ligungs&shy;handlun&shy;gen, da Inter&shy;aktions&shy;schema&shy;ta nur korrekt instan&shy;tiiert werden können, wenn mehre&shy;re Handlungs&shy;träger&shy;rollen belegt sind. Als spezi&shy;elle Form der Inter&shy;aktio&shy;nen gilt das auch für Kommu&shy;nika&shy;tions- und Zeichen&shy;handlun&shy;gen. Bei [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;handlun&shy;gen]] ist es aller&shy;dings durchaus legi&shy;tim, dass diese beiden Rollen von dersel&shy;ben Person einge&shy;nommen werden – das ist eine Konse&shy;quenz aus der Bestim&shy;mung der Zeichen&shy;handlun&shy;gen als denje&shy;nigen Kommu&shy;nika&shy;tionssche&shy;mata, bei denen die Handlungs&shy;träger den Zweck der Handlung selbst bewusst verfol&shy;gen (und nicht bloß evo&shy;lutio&shy;när etab&shy;lierte oder indi&shy;vidual&shy;geschicht&shy;lich antrai&shy;nierte Ausdrucks&shy;bewe&shy;gungen absol&shy;vieren). 
:
Die Verwendung des weit gefass&shy;ten Handlungs&shy;begriffs ermög&shy;licht es, auch die nicht von den Handlungs&shy;trägern bewusst zum Zweck der Kommu&shy;nika&shy;tion einge&shy;setzten kommu&shy;nika&shy;tiven Inter&shy;aktio&shy;nen als Kommu&shy;nika&shy;tionen im vollen Sinn zu betrach&shy;ten. Das gilt etwa für Signa&shy;le bei Tieren. Legt man nur den engen Handlungs&shy;begriff zugrun&shy;de, werden alle Kommu&shy;nika&shy;tionen notwen&shy;dig zu Zeichen&shy;handlun&shy;gen, denn diese sind ja eben durch den bewuss&shy;ten Einsatz zum Zweck der Kommu&shy;nika&shy;tion bestimmt, der dem engen Handlungs&shy;begriff eignet.


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<!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein-->
<!-- ... dazu den "Sammlung"-Link im Literaturkasten verwenden -->
{{GlosTab2}}
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''Ausgabe 1: 2013''
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''Verantwortlich:''  
''Verantwortlich:''  


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* [[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Schirra, Jörg R.J.]]
[[Benutzer:XXX]]
 
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''Lektorat:''
* [[Benutzer:Klaus Sachs-Hombach|Sachs-Hombach, Klaus]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:59 Uhr

Exkurs zu: Bildrezeption als Kommunikationsprozess, Interaktion und Kommunikation

English Version: Excursus: Actions


Verschieden weit gefasste Handlungs­begrif­fe

Ab­bil­dung 1: Hi­e­r­ar­chi­sche Ein­bet­tung der bei­den Hand­lungs­be­grif­fe und ihr Um­feld

Hand­lun­gen wer­den in der Re­gel blo­ßem Ver­hal­ten ge­gen­über­ge­stellt, wo­bei der Un­ter­schied zu letz­te­rem in dem da­bei be­wusst ver­folg­ten Ziel, dem vom Han­deln­den selbst er­kann­ten Zweck der Hand­lung liegt (vgl. etwa [Weber 2005a]Weber, Max (2005): Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Zweitausendeins, Frankfurt/M.
Notiz: (Orig.: 1921/22)
Nicht angezeigt: Zwei Teile in einem Band; Hrsg. von Alexander Ulfig
).[1] Für ei­ni­ge Fra­ge­stel­lun­gen soll­te die­sem en­gen Hand­lungs­be­griff al­ler­dings ei­ne wei­ter ge­fass­te Kon­zep­ti­on zur Sei­te ge­stellt wer­den. Setzt der Hand­lungs­be­griff näm­lich das be­wuss­te Set­zen von Zie­len und da­mit Selbst­be­wusst­sein vo­r­aus, so müs­sen hand­lungs­the­o­re­ti­sche Ver­su­che der be­griff­li­chen Er­klä­rung von Selbst­be­wusst­sein zir­ku­lär wer­den. Kommt hin­ge­gen nicht al­len Hand­lun­gen be­reits Selbst­be­wusst­sein zu, er­ge­ben sich Mög­lich­kei­ten, be­stimm­te Kon­stel­la­ti­o­nen von Hand­lun­gen im wei­te­ren Sinn als Ba­sis für Hand­lun­gen im en­gen Sinn und da­mit für die Ein­füh­rung des Be­griffs »Selbst­be­wusst­sein« zu nut­zen.[2]

Verhalten überhaupt und auch die beiden Hand­lungsbe­griffe zeichnen sich durch das Vorhan­densein eines Akti­vitäts­trägers aus. Eine beson­dere Form des Verhal­tens ist das von biolo­gischen Akti­vitäts­trägern (vgl. Abb. 1). Während dem Verhal­ten unbe­lebter Akti­vitäts­träger, beispiels­weise arti­kuliert mit einem Satz wie ‘der Stein rollt ins Tal’, keine durch evo­lutio­näre Prozes­se etab­lierten Zwecke zuge­schrieben werden, trifft das für das Verhal­ten im enge­ren Sinne, nämlich von Lebe­wesen, durchaus zu, auch wenn deren Akti­vitäts­träger weit davon entfernt sind, diese Zwecke selbst bewusst zu verfol­gen: etwa ‘eine Pflanze blüht’ zum Zwecke der Fortpflan­zung.[3]

Handlungen im weiten Sinn stehen zwischen solchem Verhal­ten (im enge­ren Sinn) und Handlun­gen im engen Sinn: Dem biolo­gischen Akti­vitäts­träger soll, wenn schon kein Selbst­bewusst­sein, so doch Bewusst­sein – insbe­sonde­re einfa­che Formen von Kogni­tionen und Inten­tionen – zuge­schrieben werden können.[4] Ein Beobach­ter verschränkt dabei die gegen­wärtig beobacht­bare Akti­vität des Akti­vitäts­trägers mit voraus­gegan­genen (vor allem bei Kogni­tionen) und zukünf­tigen (vor allem bei Inten­tionen) Akti­vitä­ten, die dabei von ihm als eine Einheit verstan­den werden. Eine Handlung im weiten Sinn zu erken­nen beinhal­tet daher, einen Handlungs­komplex der folgen­den Form bei einem Akti­vitäts­träger zu erken­nen: ‹etwas jetzt tun, weil der Akti­vitäts­träger früher etwas damit in Zusam­menhang Stehen­des getan hat und später etwas tun möchte, was auch mit der aktu­ellen Tätig­keit zusam­menhängt›.[5] Dieser Zusam­menhang ist aller­dings dem Akti­vitäts­träger nicht selbst bewusst. Wir als Beobach­ter können zwar einem Hund, den wir gera­de auf seinen Futter­napf zuren­nen sehen, zuschrei­ben, dass er den Napf gese­hen hat und weiß, dass er dort meist Futter findet (Kogni­tion, Verbin­dung zu vergan­genen Akti­vitä­ten) und zudem gleich fressen möchte (Inten­tion, zukünf­tige Akti­vität). Doch findet diese Verbin­dung zwischen den Akti­vitä­ten verschie­dener Zeiten noch ganz auf der Beobach­ter­ebe­ne statt; der Hund ist zwar bei Bewusst­sein, doch befin­det er sich dabei jeweils ganz im Hier und Jetzt.

Erst wenn der Beobachter dem Akti­vitäts­träger zuge­steht, dass dieser sich selbst rela­tiv zu den kogni­tiven und inten­tiona­len Aspek­ten eige­ner Handlun­gen (zunächst im weiten, dann auch im engen Sinn) verhal­ten kann, kann von »Selbstbe­wusstsein« und damit von »Handlun­gen im engen Sinn« die Rede sein. Denn letztlich können wir als Selbstbe­wusstsein zuschrei­bende Beobach­ter diese Zuschrei­bung nur anhand von entspre­chendem Verhal­ten und entspre­chenden Handlun­gen des betrach­teten Akti­vitäts­trägers rechtfer­tigen. Aller­dings hängt nun – im Gegen­satz zu den Handlun­gen im weiten Sinn – die Zuschrei­bung auch davon ab, dass sich der betrach­tete Akti­vitäts­träger dem Beobach­ter gegen­über selbst darstellt als einer der sich selbst bestimm­te Kogni­tionen und Inten­tionen zuschreibt und also selbst die entspre­chenden Bezie­hungen zu den über die aktu­elle Tätig­keit hinaus­gehen­den (Teil-)Handlun­gen berück­sichtigt. Akti­vitäts­träger dieses Typs unter­scheiden sich also deutlich von denen, die bei Handlun­gen im weiten Sinn (bzw. gar bei Verhal­ten) ange­setzt werden.

In der Monographie zum Materie-Geist-Problem von 2005 greift Arno Ros diese Unter­scheidun­gen auf und ordnet dem Verhal­ten im enge­ren Sinn den Akti­vitäts­träger­typ »Lebe­wesen« zu, dem Handeln im weiten Sinn den Akti­vitäts­träger­typ »Handlungs­subjekt« und dem Handeln im engen Sinn den Akti­vitäts­träger­typ »Person« (vgl. [Ros 2005a]Ros, Arno (2005): Materie und Geist. Eine philosophische Untersuchung. Mentis, Paderborn.
: Kap. IV, V und VI). Die umgangs­sprachli­che Unter­teilung der Begrif­fe für biolo­gische Akti­vitäts­träger in Pflanzen (und pflanzen­artige niede­re Tiere), (höhe­re) Tiere (und sich nicht wie Perso­nen geben­de Menschen) und schließlich Perso­nen wird hier durch eine entspre­chende Steige­rung der beobacht­baren Komple­xität des Verhal­tens entspre­chender Akti­vitäts­träger (inklu­sive poten­tieller Selbstdar­stellun­gen) unter­füttert.[6]


Schema und Aktu­ali­sierung

Verhalten und Handlungen – jeweils im engen wie im weiten Sinn – können in zwei wichti­gen, auf­einan­der bezo­genen Formen thema­tisiert werden: als einzel­ner Handlungs­vollzug, d.h. als Instanz, und als allge­meines Handlungs­schema, d.h. als Typus. Ein konkre­ter Handlungs­vollzug – etwa die Handlung des Lesens dieses Satzes zu genau diesem Zeitpunkt an genau diesem Ort von diesem indi­vidu­ellen Handlungs­träger – passiert und ist dann unwie­derhol­bar vorbei und endgül­tig Vergan­genheit. Ein abstrak­tes Handlungs­schema hinge­gen, beispiels­weise die Handlung »Lesen«, ist nicht raumzeit­lich situ­iert und kann daher auch nicht verge­hen. Auch kann sie belie­big oft wieder (jeweils als Instanz) vollzo­gen werden. Mit einem Handlungs­ausdruck kann je nach Kontext jeder der beiden Perspek­tiven zur Sprache gebracht werden. Als Typ verweist der Handlungs­ausdruck dann auf all das, was allen Handlungs­vollzü­gen dieses Typs gemein ist – auf die entspre­chende Unter­scheidungs­gewohn­heit bzw. den zuge­höri­gen Begriff. In der Tat können wir uns einer Handlungs­instanz auch immer nur als Instanz eines Handlungs­typs zuwenden.[7]

Bei den Handlungen im enge­ren Sinn erschei­nen die beiden Perspek­tiven insbe­sonde­re als Aus­führungs- oder Voll­zugsas­pekt (token: eine Handlung gemäß einem Schema konkret aus­führen) einer­seits und als Wahrneh­mungs- oder Beschrei­bungsas­pekt (type: eine ausge­führte konkre­te Handlung als Reali­sierung eines Schemas erken­nen und darstel­len) ande­rerseits. Es wird damit also eine Verbin­dung zu der Unter­scheidung zwischen Beobach­terebe­ne (oder Ebe­ne der dritten Person, Er-Pers­pekti­ve) und der Ebe­ne des Akti­vitäts­trägers (oder Ebe­ne der ersten Person, Ich-Pers­pekti­ve) gezo­gen (vgl. etwa [Janich 2005a]Janich, Peter (2005): Medienphilosophie der Kommunikation. In: Sandbothe, M. & Nagel (Hg.), Systematische Medienphilosophie. Akademie, Berlin.
).

Komponenten von Handlungs­schema­ta

Handlungsschemata bestimmen allge­mein die Ele­mente, die bei allen entspre­chenden Handlungs­vollzü­gen vorkom­men. Dazu gehö­ren, wie bei einem Theater­stück, zum einen die Rollen: die handeln­den Perso­nen bzw. Handlungs­subjek­te, aber auch die “Requi­siten” – alle eben­falls jeweils als Typ charak­teri­siert – ge­wisser­maßen als Vari­ablen­namen für entspre­chende mögli­che konkre­te Bele­gungen.[8] Erst im konkre­ten Handlungs­vollzug, ana­log zu einer konkre­ten Auffüh­rung des Theater­stücks, werden diese Rollen­vari­ablen mit konkre­ten Instan­zen des passen­den Gegen­standstyps belegt.

Zum anderen gehört das zeitlich (mehr oder weni­ger) geord­nete System der Teilhand­lungen zum Handlungs­schema. Auch hier bieten die Teilhand­lungen, die die Handlung eines Theater­stücks deter­minie­ren, ein gutes, wenn auch komple­xes Beispiel. Zwischen dem Begriff der Teilhand­lung und dem der Handlungs­inten­tion besteht zudem ein enger Zusam­menhang.[9]

Mißerfolg und Mißlingen von Hand­lungs­aktu­ali­sierun­gen

Mit einer Handlungsaktualisierung kann das Handlungs­subjekt das inten­dierte Handlungs­ziel errei­chen oder auch nicht: Die Hand­lungs(aktu­ali­sierung) ist entspre­chend erfolg­reich oder nicht. Ande­rerseits kann ein Aktu­ali­sierungs­versuch gelin­gen oder misslin­gen. Im letzten Fall entspricht sie nicht dem durch das Schema gesetz­ten Standard. Gelin­gen und Erfolg sind also durchaus verschie­dene Aspek­te von Handlungs­vollzü­gen, wie auch der bekann­te ursprüng­lich medi­zini­sche Kommen­tar ‘Ope­ration gelun­gen, Patient tot’ deutlich werden lässt, mit dem auch außer­halb der Medi­zin auf zwar das entspre­chende Schema korrekt instan­ziieren­de Ausfüh­rungen einer Handlung refe­riert wird, die gleichwohl ihre eigent­liche Inten­tion verfehlt haben.

Besondere Bedeutung kommt der Unter­scheidung zwischen Gelin­gen und Erfolg bei Handlun­gen mit mehr als einem Handlungs­subjekt zu, also insbe­sonde­re bei Inter­akti­onen. Hier kann unter­schieden werden zwischen solchen Handlungs­schema­ta, die nur erfolg­reich aktu­ali­siert werden können, wenn mehre­re Handlungs­träger teilneh­men, und solchen, deren Aktu­ali­sierun­gen nur gelin­gen, wenn mehre­re Handlungs­träger teilneh­men. Im ersten Fall geht es um eine Handlung vom Typus der gemein­schaftli­chen Handlun­gen, im zweiten Fall um so genann­te Betei­ligungs­handlun­gen. Typi­sches Beispiel einer gemein­schaftli­chen Handlung ist das Tragen eines Gegen­standes, wenn dieser so schwer ist, dass einer allei­ne es nicht schafft. Er mag sich noch so mühen und das Schema des Tragens von Gegen­ständen korrekt aktu­ali­sieren, der Gegen­stand ist so nicht zu bewe­gen. Ein Beispiel für eine Betei­ligungs­handlung liefert ein Wettren­nen: Hier gelingt es einem allei­ne nicht einmal, eine Aktu­ali­sierung des Schemas zu vollzie­hen, denn das Schema sieht hier unbe­dingt die Rolle eines Konkur­renten vom Gegen­standstyp »Handlungs­subjekt« vor. Mit einem solchen mag dann das Schema korrekt aktu­ali­siert werden und der erste Handlungs­träger bei dem Rennen Erfolg haben, indem er es gewinnt.


Auswirkungen auf Kommuni­kations- und Zeichen­(handlungs­)begrif­fe

Offensichtlich sind alle Inter­akti­onen Betei­ligungs­handlun­gen, da Inter­aktions­schema­ta nur korrekt instan­tiiert werden können, wenn mehre­re Handlungs­träger­rollen belegt sind. Als spezi­elle Form der Inter­aktio­nen gilt das auch für Kommu­nika­tions- und Zeichen­handlun­gen. Bei Zeichen­handlun­gen ist es aller­dings durchaus legi­tim, dass diese beiden Rollen von dersel­ben Person einge­nommen werden – das ist eine Konse­quenz aus der Bestim­mung der Zeichen­handlun­gen als denje­nigen Kommu­nika­tionssche­mata, bei denen die Handlungs­träger den Zweck der Handlung selbst bewusst verfol­gen (und nicht bloß evo­lutio­när etab­lierte oder indi­vidual­geschicht­lich antrai­nierte Ausdrucks­bewe­gungen absol­vieren).

Die Verwendung des weit gefass­ten Handlungs­begriffs ermög­licht es, auch die nicht von den Handlungs­trägern bewusst zum Zweck der Kommu­nika­tion einge­setzten kommu­nika­tiven Inter­aktio­nen als Kommu­nika­tionen im vollen Sinn zu betrach­ten. Das gilt etwa für Signa­le bei Tieren. Legt man nur den engen Handlungs­begriff zugrun­de, werden alle Kommu­nika­tionen notwen­dig zu Zeichen­handlun­gen, denn diese sind ja eben durch den bewuss­ten Einsatz zum Zweck der Kommu­nika­tion bestimmt, der dem engen Handlungs­begriff eignet.

Anmerkungen
  1. ↑ Sie­he auch Wi­ki­pe­dia: Han­deln.
  2. ↑ Ei­ne der­ar­ti­ge hand­lungs­the­o­re­ti­sche Um­deu­tung der Be­grif­fe für Psy­chi­sches bil­det den Hin­ter­grund des lin­gu­is­tic turn (vgl. [Ros 1989/90a]Ros, Arno (1989): Begründung und Begriff. Wandlungen des Verständnisses begrifflicher Argumentationen. Meiner, Hamburg.
    Notiz: 3 Bände
    Nicht angezeigt: B. I: Antike, Spätantike und Mittelalter; B. II: Neuzeit; B. III: Moderne
    : B. III, § 1.3 (S. 35ff)).
  3. ↑ Ge­nau­er ge­sagt: Die Ak­ti­vi­täts­trä­ger sind bei Ver­hal­ten im en­ge­ren Sinn, das nicht be­reits ein Han­deln im wei­te­ren Sinn ist, tat­säch­lich nicht die be­trach­te­ten Le­be­we­sen ins­ge­samt, son­dern das ei­ne oder an­de­re ih­rer funk­ti­o­na­len Tei­le. In der For­mu­lie­rung ei­nes sol­chen Ver­hal­tens, et­wa ‘das Tier at­met’ ver­weist das Sub­jekt ei­gent­lich da­rauf, dass der Zweck der be­trach­te­ten Ak­ti­vi­tät der ent­spre­chen­den funk­ti­o­na­len Tei­le (Lun­gen, etc.) auf das Tier als Gan­zes ge­rich­tet ist (da­mit näm­lich das Tier über­lebt).
  4. ↑ Wie etwa Ros ([Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.
    : Kap. 3.2) deut­lich ge­macht hat, lässt sich Pi­a­gets Zwi­schen­stu­fe des sen­so­mo­to­ri­schen Ver­hal­tens ge­nau in die­sem Sinn in­ter­pre­tie­ren: Im Zu­sam­men­hang mit sol­chem Ver­hal­ten las­sen sich psy­cho­lo­gi­sche Prä­di­ka­te, wie ‘zu et­was Lust emp­fin­den’ und ‘et­was tun wol­len’ oder ‘et­was se­hen’ und ‘et­was glau­ben’ zu­min­dest in ei­nem ele­men­ta­ren Sinn aus der Be­ob­ach­ter­per­spek­ti­ve auf den Ak­ti­vi­täts­trä­ger an­wen­den.
  5. ↑ Auf die­se Wei­se wird zu­gleich ei­ne spe­zi­el­le die Zeit über­brü­cken­de Iden­ti­tät des Ak­ti­vi­täts­trä­gers etab­liert. Es wä­re näm­lich feh­ler­haft, ein­fach den phy­si­schen Kör­per als den Ak­ti­vi­täts­trä­ger an­zu­set­zen.
  6. ↑ Ver­wandt, wenn auch an­ders be­stimmt, ist die Drei­tei­lung Pless­ners in de­zen­tra­lis­ti­sche (pflanz­li­che), zen­tra­lis­ti­sche (tie­ri­sche) und ex­zen­tri­sche (mensch­li­che) Or­ga­ni­sa­ti­on bzw. Po­si­ti­o­na­li­tät von Ak­ti­vi­täts­trä­gern ([Plessner 1928a]Plessner, Helmuth (1928): Die Stufen des Organischen und der Mensch. W. de Gruyter, Berlin.
    Notiz: <sup>3</sup>1975
    ).
  7. ↑ Die da­mit an­ge­spro­che­ne Un­ter­schei­dung ist an sich all­ge­mein und kann auf al­le mög­li­chen Un­ter­schei­dungs­ge­wohn­hei­ten und Be­grif­fe an­ge­wen­det wer­den. Ne­ben dem Be­zeich­nungs­paar ‘Typ und In­s­tanz’ wird auch das dem Eng­li­schen ent­lehn­te ‘Type und To­ken’ häu­fig ver­wen­det. Spe­ziell für Ver­hal­ten und Hand­lun­gen ist hin­ge­gen die Form ‘Sche­ma und Ak­tu­a­li­sie­rung’ – der Aus­druck ‘Ak­tu­a­li­sie­rung’ – häu­fig auch ‘Ak­tu­a­li­sie­rung ei­nes Hand­lungs­sche­mas’ – soll al­so nicht be­deu­ten, dass ein Sche­ma mo­der­ni­siert, ak­tu­ell ge­macht wird; viel­mehr soll ein un­ter das Sche­ma fal­len­der ein­zel­ner kon­kre­ter Akt voll­zo­gen wer­den.
  8. ↑ Ort und Zeit sind spe­zi­el­le Rol­len ei­nes je­den Hand­lungs­sche­mas.
  9. ↑ Man voll­zieht eine Hand­lung, in­dem man die Teil­hand­lun­gen voll­zieht (Mit­tel). Man voll­zieht ei­ne Teil­hand­lung, um die Ge­samt­hand­lung zu voll­zie­hen (Zweck). Die Ket­ten die­ser ge­gen­läu­fi­gen Re­la­ti­o­nen zwi­schen Hand­lungs­sche­ma­ta en­den dort, wo kei­ne über­ge­ord­ne­te Hand­lung bzw. wo kei­ne Mit­tel­hand­lung mehr an­ge­ge­ben wer­den kann, son­dern nur noch ein all­ge­mei­ner Über­le­bens­wil­le (oder -trieb) des Hand­lungs­sub­jekts bzw. Ver­hal­tens­sche­ma­ta (im en­ge­ren oder wei­te­ren Sinn). Aus­nah­men sind hier Selbst­zweck­hand­lun­gen, die gar kei­nen Zweck außer dem Voll­zug der Hand­lung selbst ha­ben.
Literatur
[Janich 2005a]Janich, Peter (2005): Medienphilosophie der Kommunikation. In: Sandbothe, M. & Nagel (Hg.), Systematische Medienphilosophie. Akademie, Berlin.[Plessner 1928a]Plessner, Helmuth (1928): Die Stufen des Organischen und der Mensch. W. de Gruyter, Berlin.[Ros 1979a]Ros, Arno (1979): Objektkonstitution und elementare Sprachhandlungsbegriffe. Hain, Königstein/Ts.[Ros 1989/90a]Ros, Arno (1989): Begründung und Begriff. Wandlungen des Verständnisses begrifflicher Argumentationen. Meiner, Hamburg.[Ros 2005a]Ros, Arno (2005): Materie und Geist. Eine philosophische Untersuchung. Mentis, Paderborn.[Weber 2005a]Weber, Max (2005): Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Zweitausendeins, Frankfurt/M.

Ausgabe 1: 2013

Verantwortlich:

Seitenbearbeitungen durch: Joerg R.J. Schirra, Klaus Sachs-Hombach und Marcel Lemmes — (Hinweis)

Zitierhinweis:

Schirra, Jörg R.J. (2013). Handlungen (Exkurs). (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Exkurs:Handlungen].