Uneigentliche Bilder: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Glossar der Bildphilosophie
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Joerg R.J. Schirra (Diskussion | Beiträge)
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==Eigentliche und uneigentliche Bildlichkeit==
==Eigentliche und uneigentliche Bildlich&shy;keit==


Der Begriff »Bildlichkeit« bestimmt im eigentlichen Sinn, was prinzipiell unabdingbar ist, um einen Gegenstand zu einem Bild zu machen. Doch wird das Eigenschaftswort ‘bildlich’ auch auf solche medialen Entitäten angewendet, die normalerweise nicht als Bilder im strikten Sinn klassifiziert würden: So kann eine sprachliche Beschreibung als besonders bildlich gelten. Bei diesen ''uneigentlichen'' Fällen von Bildlichkeit werden bestimmte Aspekte dessen, was es ausmacht, ein Bild zu sein, auf andere mediale Phänomene übertragen. Wer etwa eine [[sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie|Metapher]] als ein Sprach“bild” bezeichnet wird meist doch zugestehen, dass damit keines­wegs ein Bild im üblichen Sinn gemeint ist: Vielmehr wird der Ausdruck gemeinhin selbst als ein “Sprachbild” – metaphorisch – verstanden. Die Bezeichnung ist dabei nicht rein zufällig äquivok, wie es etwa bei ‘Bank’ als Gartenmöbel und als Finanzinstitut der Fall ist. Vielmehr ist die Gleichheit des Ausdrucks durch bestimmte Ähnlichkeiten in der Konzeption der beiden betrachteten Phänomenbereiche motiviert.
Der Begriff »Bildlichkeit« bestimmt im eigent&shy;lichen Sinn, was prinzi&shy;piell unab&shy;dingbar ist, um einen Gegen&shy;stand zu einem Bild zu machen. Doch wird das Eigen&shy;schaftswort ‘bildlich’ auch auf solche medi&shy;alen Enti&shy;täten ange&shy;wendet, die norma&shy;lerwei&shy;se nicht als Bilder im strikten Sinn klassi&shy;fiziert würden: So kann eine sprachli&shy;che Beschrei&shy;bung als beson&shy;ders bildlich gelten. Bei diesen ''unei&shy;gentli&shy;chen'' Fällen von Bildlich&shy;keit werden bestimm&shy;te Aspek&shy;te dessen, was es ausmacht, ein Bild zu sein, auf Phäno&shy;mene in ande&shy;ren Medien über&shy;tragen.<ref>In der Tat han&shy;delt es sich bei der un&shy;ei&shy;gent&shy;li&shy;chen Ver&shy;wen&shy;dung nicht um ei&shy;nen ab&shy;sei&shy;ti&shy;gen Son&shy;der&shy;fall, son&shy;dern um ei&shy;ne brei&shy;te, seit der An&shy;ti&shy;ke nach&shy;weis&shy;ba&shy;re Tra&shy;di&shy;ti&shy;on, wie sich et&shy;wa an den  [[Hebräisch: 'päsäl', 'säläm' und 'demut'|he&shy;brä&shy;i&shy;schen]], [[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'|grie&shy;chi&shy;schen]] oder [[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago'|la&shy;tei&shy;ni&shy;schen Bild&shy;aus&shy;drü&shy;cken]] de&shy;mons&shy;trie&shy;ren lässt. Vgl. ins&shy;beson&shy;dere auch <bib id='Liebsch 2012a'></bib>.</ref> Wer etwa eine [[sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie|Meta&shy;pher]] als ein “Sprach&shy;''bild''” bezeich&shy;net wird meist doch zuge&shy;stehen, dass damit keines&shy;­wegs ein Bild im übli&shy;chen Sinn gemeint ist: Vielmehr wird der Ausdruck gemein&shy;hin selbst als ein “Sprach&shy;bild” – meta&shy;phorisch – verstan&shy;den. Die Bezeic&shy;hnung ist dabei nicht zufäl&shy;lig äqui&shy;vok, wie es etwa bei ‘Bank’ als Garten&shy;möbel und als Finanz&shy;insti&shy;tut der Fall ist. Vielmehr ist die Gleichheit des Ausdrucks durch bestimm&shy;te Ähnlich&shy;keiten in (der Konzep&shy;tion der) beiden betrach&shy;teten Phäno&shy;menbe&shy;reichen moti&shy;viert.




==Argumentationen mit Strukturübertragungen vom Begriffsfeld »Bild«==
==Argumentationen mit Struktur&shy;über&shy;tragun&shy;gen vom Begriffs&shy;feld »Bild«==


Wenn die sprachliche Beschreibung einer Landschaft als besonders bildhaft gilt, wird kaum jemand argumentieren wollen, es handele sich dabei im selben engeren Sinne um ein Bild, wie es bei einem Landschaftsgemälde unbeweifelbar der Fall ist. Doch soll mit der Zuschreibung von Bildhaftigkeit offenbar eine gewisse Eigentümlichkeit jenes Textes angesprochen werden: In gewisser Weise zumindest wirke der Text, so die häufig zu findende Erläuterung, wie ein Bild, teile also wenigstens in eingeschränkter Weise Aspekte mit Bildern. Es geht daher, recht besehen, um eine partielle Strukturüber­tragung des Bild''begriffs'' und seines Um­feldes auf Begriffsfelder für ganz andere Phänomenbe­reiche, d.h. eine Metapher im Sinn der Kogni­tiven Linguistik (<bib id='Lakoff & Johnson 1980a'></bib>).<ref> Zu Begriffen: ⊳ [[Prädikation]], sowie [[Anschauung und Begriff]].<br/>Die Bildmetaphorik, die hinter der Rede von einer uneigentlichen Bildlichkeit steht, ist im Übrigen zu differenzieren vom Begriff der [[visuelle und multimodale Metaphern|visuellen Metaphern]], die ''innerhalb'' eines Bildes wirken. </ref>
Wenn die sprachliche Beschreibung einer Landschaft als beson&shy;ders bildhaft gilt, wird kaum jemand behaup&shy;ten wollen, es hande&shy;le sich dabei im selben enge&shy;ren Sinne um ein Bild, wie es bei einem Landschafts&shy;[[Malerei|gemäl&shy;de]] unbe&shy;zweifel&shy;bar der Fall ist. Doch soll mit der Zuschrei&shy;bung von Bildhaf&shy;tigkeit offen&shy;bar eine gewis&shy;se Eigen&shy;tümlich&shy;keit jenes Textes ange&shy;sprochen werden: In gewis&shy;ser Weise zumin&shy;dest wirke der Text, so die häufig zu finden&shy;de Erläu&shy;terung, wie ein Bild, teile also wenigs&shy;tens in einge&shy;schränkter Weise Aspek&shy;te mit Bildern.<ref>Aus die&shy;sem Grun&shy;de ge&shy;hört auch der Be&shy;griff der [[Ekphrasis|Ek&shy;phra&shy;sis]] in den wei&shy;te&shy;ren Zu&shy;sam&shy;men&shy;hang, geht es doch eben&shy;falls um mög&shy;lichst “bild&shy;haf&shy;te” Tex&shy;te, mit de&shy;nen in die&shy;sem spe&shy;ziel&shy;len Fall al&shy;ler&shy;dings (re&shy;a&shy;le oder nur vor&shy;ge&shy;stell&shy;te) Bil&shy;der im en&shy;ge&shy;ren Sinn be&shy;schrie&shy;ben wer&shy;den sol&shy;len.</ref> Es geht daher, recht bese&shy;hen, um eine parti&shy;elle Struktur&shy;über­&shy;tragung des Bild&shy;''begriffs'' und seines Um­fel&shy;des auf Begriffs&shy;felder für ganz ande&shy;re Phäno&shy;menbe­&shy;reiche, d.h. um eine Meta&shy;pher im Sinn der Kogni&shy;­tiven Lingu&shy;istik (<bib id='Lakoff & Johnson 1980a'></bib>).<ref> Zu Be&shy;grif&shy;fen: ⊳ [[Prädikation|Prä&shy;di&shy;ka&shy;ti&shy;on]], so&shy;wie [[Anschauung und Begriff|An&shy;schau&shy;ung und Be&shy;griff]].<br/>Die Bild&shy;meta&shy;phorik, die hinter der Rede von einer unei&shy;gentli&shy;chen Bildlich&shy;keit steht, ist im Übri&shy;gen zu diffe&shy;renzie&shy;ren vom Begriff der [[visuelle und multimodale Metaphern|visu&shy;ellen Meta&shy;phern]], die ''inner&shy;halb'' eines Bildes wirken.</ref>
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Dass ein Teil der begrifflichen Struktur, also der Argumente stiftenden Zusammenhänge zwischen eng ver­bundenen Begriffen eines unserer Begriffsfelder, in einer mehr oder weniger weiten, aber stets un­vollständigen Isomorphie-Beziehung mit der begrifflichen Struktur eines ganz anderen von uns verwendeten Begriffsfeldes steht ermöglicht uns, über die Phänomene, die unter ersteres fallen, in gewissen Grenzen so zu reden und so zu argumentieren, als würde es um Phänomene unter dem zweiten Begriffsfeld gehen. Auf diese Weise können insbesondere einige Aspekte des dargestellten Phänomenbereichs auf eine Art hervorgehoben werden, die mit den anderen Ausdrucksmitteln für diesen Bereich meist nur unzureichend möglich wäre.  
Dass ein Teil der begrifflichen Struktur, also der Argu&shy;mente stiften&shy;den Zusam&shy;menhän&shy;ge zwischen eng ver­bun&shy;denen Begrif&shy;fen eines unse&shy;rer Begriffs&shy;felder, in einer mehr oder weni&shy;ger weiten, aber stets un­voll&shy;ständi&shy;gen [[Isomorphie|Iso&shy;morphie-Bezie&shy;hung]] mit der begriff&shy;lichen Struktur eines ganz ande&shy;ren von uns verwen&shy;deten Begriffs&shy;feldes steht, ermög&shy;licht uns, über die Phäno&shy;mene, die unter erste&shy;res fallen, in gewis&shy;sen Grenzen so zu reden und so zu argu&shy;mentie&shy;ren, als würde es um Phäno&shy;mene unter dem zweiten Begriffs&shy;feld gehen. Auf diese Weise können insbe&shy;sonde&shy;re eini&shy;ge Aspek&shy;te des darge&shy;stellten Phäno&shy;menbe&shy;reichs auf eine Art hervor&shy;geho&shy;ben werden, die mit den ande&shy;ren Ausdrucks&shy;mitteln für diesen Bereich meist nur unzu&shy;reichend möglich wäre.  
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Eine solche metaphorische Zuschreibung von Bildlichkeit kann nicht nur für sprachliche Medien (Artikulationen, Ausdrücke, Texte) Anwendung finden; sie ist auf alle nicht-piktorialen Zeichenvorkommnisse übertragbar: Das reicht von bildhaften Gesten bis zur (Vor-)Bildlichkeit von als Symbole verwendeten Dingen, Personen oder Ereignissen.  
Eine solche metaphorische Zuschreibung von Bildlich&shy;keit kann nicht nur für sprachli&shy;che Medien (Arti&shy;kula&shy;tionen, Aus&shy;drücke, Texte) Anwen&shy;dung finden; sie ist auf alle nicht-pikto&shy;rialen [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem|Zeichen&shy;vorkomm&shy;nisse]] über&shy;tragbar: Das reicht von bildhaf&shy;ten Gesten bis zur (Vor-)Bild&shy;lichkeit von als Symbo&shy;le verwen&shy;deten Dingen, Perso&shy;nen oder Ereig&shy;nissen.<ref>Ei&shy;nen gu&shy;ten (his&shy;to&shy;ri&shy;schen) Über&shy;blick über die un&shy;ter&shy;schied&shy;li&shy;chen Phä&shy;no&shy;me&shy;ne un&shy;ei&shy;gent&shy;li&shy;cher Bild&shy;lich&shy;keit von der Theo&shy;lo&shy;gie bis zur Mne&shy;mo&shy;tech&shy;nik lie&shy;fert der Ar&shy;ti&shy;kel «Bild, Bild&shy;lich&shy;keit» in <bib id='Ueding 1994a'>Ue&shy;ding 1994a</bib>: S. 10-30. Vgl. auch <bib id='Liebsch 2012a'></bib>.</ref> 
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Was aber sind diese durch die Bildmetaphorik besonders hervorgehobenen Aspekte?
Was aber sind diese durch die Bildmeta&shy;phorik beson&shy;ders hervor&shy;geho&shy;benen Aspek&shy;te?




==Evokation von empirischer Kontextbildung ==
==Evokation von empirischer Kontext&shy;bildung ==


Die uneigentliche Bildhaftigkeit etwa von sprachlichen Zei­chen hängt, folgt man zunächst den Alltagserklärungen, mit der Fähigkeit des Textes zusammen, ein „mentales Bild“ des Beschriebenen zu evozieren.<ref> Zu mentalen Bildern: ⊳ [[Bildvorstellungen]], sowie [[logische Kontextbildung und mentale Bilder]].</ref> Dabei muss zunächst unterschieden werden, ob es sich bei dem Text um eine Beschreibung konkreter [[Proposition|Sachverhalte]] handelt oder um eine Beschreibung abstrakter Sachverhalte. Im Falle konkreter Sachverhalte kann man davon ausgehen, dass es ohne weiteres möglich ist, jene Sachverhalte selbst wahrzunehmen, wenn man sich in der entsprechende [[Kontext|Situation]] befindet. Damit wäre es aber wohl auch möglich, ein entsprechendes Bild (im engen Sinn) davon herzustellen. Die [[Vorstellungsbilder|Vorstellung]] eines solchen Bildes wäre dann das hier passende mentale Bild.     
Die uneigentliche Bildhaftigkeit etwa von sprachli&shy;chen Zei­chen hängt, folgt man zunächst den Alltags&shy;erklä&shy;rungen, mit der Fähig&shy;keit des Textes zusam&shy;men, ein “menta&shy;les Bild” des Beschrie&shy;benen zu evo&shy;zieren.<ref> Zu men&shy;ta&shy;len Bil&shy;dern: ⊳ [[Bildvorstellungen|Bild&shy;vor&shy;stel&shy;lun&shy;gen]], so&shy;wie [[logische Kontextbildung und mentale Bilder|Lo&shy;gi&shy;sche Kon&shy;text&shy;bil&shy;dung und men&shy;ta&shy;le Bil&shy;der]].</ref> Dabei muss zunächst unter&shy;schieden werden, ob es sich bei dem Text um eine Beschrei&shy;bung konkre&shy;ter [[Proposition|Sachver&shy;halte]] handelt oder um eine Beschrei&shy;bung abstrak&shy;ter Sachver&shy;halte. Im Falle konkre&shy;ter Sachver&shy;halte kann man davon ausge&shy;hen, dass es ohne weite&shy;res möglich ist, jene Sachver&shy;halte selbst wahrzu&shy;nehmen, wenn man sich in der entspre&shy;chende [[Kontext|Situ&shy;ation]] befin&shy;det. Damit wäre es aber wohl auch möglich, ein entspre&shy;chendes Bild (im engen Sinn) davon herzu&shy;stellen. Die [[Vorstellungsbilder|Vorstel&shy;lung]] eines solchen Bildes wäre dann das hier passen&shy;de menta&shy;le Bild.<ref>Übri&shy;gens wird, in&shy;so&shy;fern der kog&shy;ni&shy;ti&shy;ons&shy;wis&shy;sen&shy;schaft&shy;li&shy;che Be&shy;griff des men&shy;ta&shy;len Bil&shy;des im We&shy;sent&shy;li&shy;chen mit dem kan&shy;ti&shy;a&shy;ni&shy;schen der [[Anschauung und Begriff|An&shy;schau&shy;ung]] zu&shy;sam&shy;men&shy;fällt, statt von ‘(un&shy;ei&shy;gent&shy;li&shy;cher) Bild&shy;lich&shy;keit’ oft auch von ‘An&shy;schau&shy;lich&shy;keit’ (ei&shy;nes Tex&shy;tes etc.) ge&shy;spro&shy;chen.</ref>      
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Im abstrakten Fall liegen die Dinge etwas komplizierter, da hier offensichtlich keine genuine Wahrnehmung vorliegen kann. Doch gilt hier im Prinzip das Gleiche, wie bei der bildlichen Darstellung abstrakter Zusammenhänge oder nicht sichtbarer Eigenschaften in [[Strukturbild]]ern: Das eigentlich nicht Sichtbare (Wahrnehmbare) muss zunächst begrifflich auf etwas Sichtbares (Wahrnehmbares) mit analoger Struktur projiziert werden, das dann im (mentalen) Bild erscheint (⊳ [[Semantik logischer Bilder]]). Soweit wäre es also einfach ein in den mentalen “Innenraum” verlegtes Bild, das zu evozieren ein Text in der Lage sein sollte, um ihn mit dem Prädikat ‘bildhaft’ zu belegen.  
Im abstrakten Fall liegen die Dinge etwas kompli&shy;zierter, da hier offen&shy;sichtlich keine genu&shy;ine Wahrneh&shy;mung vorlie&shy;gen kann. Doch gilt hier im Prinzip das Gleiche, wie bei der bildli&shy;chen Darstel&shy;lung abstrak&shy;ter Zusam&shy;menhän&shy;ge oder nicht sichtba&shy;rer Eigen&shy;schaften in [[Strukturbild|Struktur&shy;bildern]]: Das eigent&shy;lich nicht Sicht&shy;bare (Wahrnehm&shy;bare) muss zunächst begriff&shy;lich auf etwas Sicht&shy;bares (Wahrnehm&shy;bares) mit ana&shy;loger Struktur proji&shy;ziert werden, das dann im (menta&shy;len) Bild erscheint (⊳ [[Semantik logischer Bilder|Seman&shy;tik logi&shy;scher Bilder]]). Soweit wäre es also einfach ein in den menta&shy;len “Innen&shy;raum” verleg&shy;tes Bild, das zu evo&shy;zieren ein Text in der Lage sein sollte, um ihn mit dem Prädi&shy;kat ‘bildhaft’ zu bele&shy;gen.  
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Die Rede von ''mentalen Bildern'' ist allerdings ausgesprochen heikel, wird doch in direkter Lesart eine Art Gegenstand vorausgesetzt, der ein Bild ist, das gleichwohl aus Prinzip nur von einem einzigen betrachtet werden kann – keine gute Voraussetzung für rationale Argumentation. Günstiger erscheint eine Auffassung, die den Ausdruck metaphorisch ver­steht. Genauer geht es ja nicht um mentale Bilder als Untersuchungsgegenstände, sondern um das ‹Haben von mentalen Bildern von jemandem›. Die damit abgedeckten Phänomene lassen sich ebenfalls recht gut fassen durch: ‘Sich etwas visuell vorstellen’ – eine Formulie­rung, die ohne zweifelhafte Reifizierung auskommt.
Die Rede von ''mentalen Bildern'' ist aller&shy;dings ausge&shy;sprochen heikel, wird doch in direk&shy;ter Lesart eine Art Gegen&shy;stand voraus&shy;gesetzt, der ein Bild ist, das gleichwohl aus Prinzip nur von einem einzi&shy;gen betrach&shy;tet werden kann – keine gute Voraus&shy;setzung für ratio&shy;nale Argu&shy;menta&shy;tion. Günsti&shy;ger erscheint eine Auffas&shy;sung, die den Ausdruck meta&shy;phorisch ver­steht. Genau&shy;er geht es ja nicht um menta&shy;le Bilder als Unter&shy;suchungs&shy;gegen&shy;stände, sondern um das ‹Haben von menta&shy;len Bildern von jeman&shy;dem›. Die damit abge&shy;deckten Phäno&shy;mene lassen sich eben&shy;falls recht gut fassen durch: ‘Sich etwas visu&shy;ell vorstel&shy;len’ – eine Formu&shy;lie­rung, die ohne zweifel&shy;hafte Reifi&shy;zierung auskommt.
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Die mentalen Phänomene, die durch jene Formulierungen bezeichnet werden, sind als Interiorisierungen externer sozialer Verhaltensweisen zu verstehen. Es handelt sich, recht besehen, darum, dass sich derjenige, der sich etwas visuell vorstellt (‹ein entsprechendes mentales Bild hat›), anderen gegenüber darstellt als einer, der etwas sieht, was in der aktuellen Situation nicht gesehen werden kann. Das ist offensichtlich eine Parodie der Bildverwendungssituation, in der er sich ja ebenfalls darstellt als einer, der etwas sieht, was nicht da ist – aber dort können sich alle beteiligten Kommunikationspartner gemeinsam so darstellen, da mit Bildern eine ''empirische Vergegenwärtigung'' erfolgt. Wenn von jemandem behauptet wird, er ‘habe ein bestimmtes mentales Bild’, so wird sein Fähigkeit zur rein [[logische Kontextbildung und mentale Bilder|''logischen Kontextbildung'']] in Beziehung gesetzt zur wechselseitig empirisch überprüfbaren Kontextbildung mit wahrnehmungsnahen Zeichen. Die logische Kontextbildung wird als quasi-empirische aufgefasst.
Die mentalen Phänomene, die durch jene Formu&shy;lierun&shy;gen bezeich&shy;net werden, sind als Inte&shy;riori&shy;sierun&shy;gen exter&shy;ner [[Interaktion und Kommunikation|sozi&shy;aler Verhal&shy;tenswei&shy;sen]] zu verste&shy;hen. Es handelt sich, recht bese&shy;hen, darum, dass sich derje&shy;nige, der sich etwas visu&shy;ell vorstellt (‹ein entspre&shy;chendes menta&shy;les Bild hat›), ande&shy;ren gegen&shy;über darstellt als einer, der etwas sieht, was in der aktu&shy;ellen Situ&shy;ation nicht gese&shy;hen werden kann. Das ist offen&shy;sichtlich eine Paro&shy;die der Bildver&shy;wendungs&shy;situ&shy;ation, in der er sich ja eben&shy;falls darstellt als einer, der etwas sieht, was nicht da ist – aber dort können sich alle betei&shy;ligten Kommu&shy;nika&shy;tionspart&shy;ner gemein&shy;sam so darstel&shy;len, da mit Bildern eine ''empi&shy;rische Verge&shy;genwär&shy;tigung'' erfolgt. Wenn von jeman&shy;dem behaup&shy;tet wird, er ‘habe ein bestimm&shy;tes menta&shy;les Bild’, so wird sein Fähig&shy;keit zur rein [[logische Kontextbildung und mentale Bilder|''logi&shy;schen Kontext&shy;bildung'']] in Bezie&shy;hung gesetzt zur wechsel&shy;seitig empi&shy;risch über&shy;prüfba&shy;ren Kontext&shy;bildung mit wahrneh&shy;mungsna&shy;hen Zeichen. Die logi&shy;sche Kontext&shy;bildung wird als quasi-empi&shy;rische aufge&shy;fasst.
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Ausdrücke, Texte und andere Formen der nicht-piktorialen Mediennutzung haben mithin die Eigenschaft, mehr oder weniger stark eine quasi-empirische Kontextbildung auszulösen: Sie bringen den Zeichenverwender dazu, sich darzustellen als einer, der etwas nicht Anwesen­des sehen (allgemeiner: wahrneh­men) kann. Bildhaft wären also gerade jene medialen Äu­ßerungen, die in besonderem Maße dazu geeignet sind, jemandem die Gelegenheit zu geben, sich als jemand darzustellen, der etwas wahrnehmen kann, was nicht aktuell (oder prinzipi­ell) wahrgenommen werden kann.  
Ausdrücke, Texte und andere Formen der nicht-pikto&shy;rialen Medien&shy;nutzung haben mithin die Eigen&shy;schaft, mehr oder weni&shy;ger stark eine quasi-empi&shy;rische Kontext&shy;bildung auszu&shy;lösen: Sie bringen den Zeichen&shy;verwen&shy;der dazu, sich darzu&shy;stellen als einer, der etwas nicht Anwe&shy;sen­des sehen (allge&shy;meiner: wahrneh&shy;­men) kann. Bildhaft wären also gera&shy;de jene medi&shy;alen Äu­ße&shy;rungen, die in beson&shy;derem Maße dazu geeig&shy;net sind, jeman&shy;dem die Gele&shy;genheit zu geben, sich als jemand darzu&shy;stellen, der etwas wahrneh&shy;men kann, was nicht aktu&shy;ell (oder prinzi&shy;pi­ell) wahrge&shy;nommen werden kann.
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Im Rahmen einer begriffsgenetischen Betrachtung zum Bildbegriff weist die Zuschreibung von Bildlichkeit im metaphorischen, wie im engen Sinn auf eine spezifisch piktoriale Form der Bedeutungsgenerierung hin, die durch ihre sozial überprüfbare Wahrnehmungsnähe ein höheres Maß an Motiviertheit aufweist und die daher geeignet scheint, stabilisierend auch auf die rein logisch vergegenwärtigende Funktion sprachlicher Ausdrücke zu wirken. Bildlichkeit ist damit ein allgemeines und sehr elementares Merkmal medialer Kulturen, das immer dann auf den Plan tritt, wenn abstrakte Bedeutungshorizonte in situationsunabhängiger [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] an die empirischen Wahr­nehmungskontexte zurückgebunden werden sollen.  
Im Rahmen einer begriffsgene&shy;tischen Betrach&shy;tung zum Bildbe&shy;griff weist die Zuschrei&shy;bung von Bildlich&shy;keit im meta&shy;phori&shy;schen wie im engen Sinn auf eine spezi&shy;fisch pikto&shy;riale Form der Bedeu&shy;tungsge&shy;nerie&shy;rung hin, die durch ihre sozial über&shy;prüfba&shy;re Wahrneh&shy;mungsnä&shy;he ein höhe&shy;res Maß an Moti&shy;viertheit aufweist und die daher geeig&shy;net scheint, stabi&shy;lisie&shy;rend auch auf die rein logisch verge&shy;genwär&shy;tigen&shy;de Funktion sprachli&shy;cher Aus&shy;drücke zu wirken. Bildlich&shy;keit ist damit ein allge&shy;meines und sehr ele&shy;menta&shy;res Merkmal medi&shy;aler Kultu&shy;ren, das immer dann auf den Plan tritt, wenn abstrak&shy;te Bedeu&shy;tungshori&shy;zonte in situ&shy;ations&shy;unab&shy;hängi&shy;ger [[Interaktion und Kommunikation|Kommu&shy;nika&shy;tion]] an die empi&shy;rischen Wahr­neh&shy;mungskon&shy;texte zurück&shy;gebun&shy;den werden sollen.  


{{GlossarSiehe}}
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* [[Anschauung und Begriff]]
* [[Anschauung und Begriff]]
* [[Bildvorstellungen]]
* [[Bildvorstellungen]]
* [[Ekphrasis]]
* [[Griechisch: 'agalma', 'phantasma', 'eidolon', 'typos', 'eikon'|Griechisch: ‘agalma’, ‘phantasma’, ‘eidolon’, ‘typos’, ‘eikon’]]
* [[Hebräisch: 'päsäl', 'säläm' und 'demut'|Hebräisch: ‘päsäl’, ‘säläm’ und ‘demut’]]
* [[Interaktion und Kommunikation]]
* [[Interaktion und Kommunikation]]
* [[Isomorphie]]
* [[Kontext]]
* [[Kontext]]
* [[logische Kontextbildung und mentale Bilder]]
* [[Lateinisch: 'effigies', 'species', 'simulacrum', 'imago'|Lateinisch: ‘effigies’, ‘species’, ‘simulacrum’, ‘imago’]]
* [[Logische Kontextbildung und mentale Bilder]]
* [[Malerei]]
* [[Prädikation]]
* [[Prädikation]]
* [[Semantik logischer Bilder]]
* [[Semantik logischer Bilder]]
* [[sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie]]
* [[Sprachliche Metaphern und allgemeine Metaphorologie]]
* [[visuelle und multimodale Metaphern]]
* [[Visuelle und multimodale Metaphern]]
* [[Vorstellungsbilder]]
* [[Vorstellungsbilder]]
* [[Zeichen, Zeichenträger, Zeichensystem]]
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* [[Benutzer:Joerg R.J. Schirra|Schirra, Jörg R.J.]]
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Aktuelle Version vom 22. Januar 2024, 13:53 Uhr

Unterpunkt zu: Auswirkungen der Bildlichkeit


Eigentliche und uneigentliche Bildlich­keit

Der Begriff »Bildlichkeit« bestimmt im eigent­lichen Sinn, was prinzi­piell unab­dingbar ist, um einen Gegen­stand zu einem Bild zu machen. Doch wird das Eigen­schaftswort ‘bildlich’ auch auf solche medi­alen Enti­täten ange­wendet, die norma­lerwei­se nicht als Bilder im strikten Sinn klassi­fiziert würden: So kann eine sprachli­che Beschrei­bung als beson­ders bildlich gelten. Bei diesen unei­gentli­chen Fällen von Bildlich­keit werden bestimm­te Aspek­te dessen, was es ausmacht, ein Bild zu sein, auf Phäno­mene in ande­ren Medien über­tragen.[1] Wer etwa eine Meta­pher als ein “Sprach­bild” bezeich­net wird meist doch zuge­stehen, dass damit keines­­wegs ein Bild im übli­chen Sinn gemeint ist: Vielmehr wird der Ausdruck gemein­hin selbst als ein “Sprach­bild” – meta­phorisch – verstan­den. Die Bezeic­hnung ist dabei nicht zufäl­lig äqui­vok, wie es etwa bei ‘Bank’ als Garten­möbel und als Finanz­insti­tut der Fall ist. Vielmehr ist die Gleichheit des Ausdrucks durch bestimm­te Ähnlich­keiten in (der Konzep­tion der) beiden betrach­teten Phäno­menbe­reichen moti­viert.


Argumentationen mit Struktur­über­tragun­gen vom Begriffs­feld »Bild«

Wenn die sprachliche Beschreibung einer Landschaft als beson­ders bildhaft gilt, wird kaum jemand behaup­ten wollen, es hande­le sich dabei im selben enge­ren Sinne um ein Bild, wie es bei einem Landschafts­gemäl­de unbe­zweifel­bar der Fall ist. Doch soll mit der Zuschrei­bung von Bildhaf­tigkeit offen­bar eine gewis­se Eigen­tümlich­keit jenes Textes ange­sprochen werden: In gewis­ser Weise zumin­dest wirke der Text, so die häufig zu finden­de Erläu­terung, wie ein Bild, teile also wenigs­tens in einge­schränkter Weise Aspek­te mit Bildern.[2] Es geht daher, recht bese­hen, um eine parti­elle Struktur­über­­tragung des Bild­begriffs und seines Um­fel­des auf Begriffs­felder für ganz ande­re Phäno­menbe­­reiche, d.h. um eine Meta­pher im Sinn der Kogni­­tiven Lingu­istik ([Lakoff & Johnson 1980a]Lakoff, George & Johnson, Mark (1980): Metaphors We Live By. University of Chicago Press, Chicago & London.
).[3]

Dass ein Teil der begrifflichen Struktur, also der Argu­mente stiften­den Zusam­menhän­ge zwischen eng ver­bun­denen Begrif­fen eines unse­rer Begriffs­felder, in einer mehr oder weni­ger weiten, aber stets un­voll­ständi­gen Iso­morphie-Bezie­hung mit der begriff­lichen Struktur eines ganz ande­ren von uns verwen­deten Begriffs­feldes steht, ermög­licht uns, über die Phäno­mene, die unter erste­res fallen, in gewis­sen Grenzen so zu reden und so zu argu­mentie­ren, als würde es um Phäno­mene unter dem zweiten Begriffs­feld gehen. Auf diese Weise können insbe­sonde­re eini­ge Aspek­te des darge­stellten Phäno­menbe­reichs auf eine Art hervor­geho­ben werden, die mit den ande­ren Ausdrucks­mitteln für diesen Bereich meist nur unzu­reichend möglich wäre.

Eine solche metaphorische Zuschreibung von Bildlich­keit kann nicht nur für sprachli­che Medien (Arti­kula­tionen, Aus­drücke, Texte) Anwen­dung finden; sie ist auf alle nicht-pikto­rialen Zeichen­vorkomm­nisse über­tragbar: Das reicht von bildhaf­ten Gesten bis zur (Vor-)Bild­lichkeit von als Symbo­le verwen­deten Dingen, Perso­nen oder Ereig­nissen.[4]

Was aber sind diese durch die Bildmeta­phorik beson­ders hervor­geho­benen Aspek­te?


Evokation von empirischer Kontext­bildung

Die uneigentliche Bildhaftigkeit etwa von sprachli­chen Zei­chen hängt, folgt man zunächst den Alltags­erklä­rungen, mit der Fähig­keit des Textes zusam­men, ein “menta­les Bild” des Beschrie­benen zu evo­zieren.[5] Dabei muss zunächst unter­schieden werden, ob es sich bei dem Text um eine Beschrei­bung konkre­ter Sachver­halte handelt oder um eine Beschrei­bung abstrak­ter Sachver­halte. Im Falle konkre­ter Sachver­halte kann man davon ausge­hen, dass es ohne weite­res möglich ist, jene Sachver­halte selbst wahrzu­nehmen, wenn man sich in der entspre­chende Situ­ation befin­det. Damit wäre es aber wohl auch möglich, ein entspre­chendes Bild (im engen Sinn) davon herzu­stellen. Die Vorstel­lung eines solchen Bildes wäre dann das hier passen­de menta­le Bild.[6]

Im abstrakten Fall liegen die Dinge etwas kompli­zierter, da hier offen­sichtlich keine genu­ine Wahrneh­mung vorlie­gen kann. Doch gilt hier im Prinzip das Gleiche, wie bei der bildli­chen Darstel­lung abstrak­ter Zusam­menhän­ge oder nicht sichtba­rer Eigen­schaften in Struktur­bildern: Das eigent­lich nicht Sicht­bare (Wahrnehm­bare) muss zunächst begriff­lich auf etwas Sicht­bares (Wahrnehm­bares) mit ana­loger Struktur proji­ziert werden, das dann im (menta­len) Bild erscheint (⊳ Seman­tik logi­scher Bilder). Soweit wäre es also einfach ein in den menta­len “Innen­raum” verleg­tes Bild, das zu evo­zieren ein Text in der Lage sein sollte, um ihn mit dem Prädi­kat ‘bildhaft’ zu bele­gen.

Die Rede von mentalen Bildern ist aller­dings ausge­sprochen heikel, wird doch in direk­ter Lesart eine Art Gegen­stand voraus­gesetzt, der ein Bild ist, das gleichwohl aus Prinzip nur von einem einzi­gen betrach­tet werden kann – keine gute Voraus­setzung für ratio­nale Argu­menta­tion. Günsti­ger erscheint eine Auffas­sung, die den Ausdruck meta­phorisch ver­steht. Genau­er geht es ja nicht um menta­le Bilder als Unter­suchungs­gegen­stände, sondern um das ‹Haben von menta­len Bildern von jeman­dem›. Die damit abge­deckten Phäno­mene lassen sich eben­falls recht gut fassen durch: ‘Sich etwas visu­ell vorstel­len’ – eine Formu­lie­rung, die ohne zweifel­hafte Reifi­zierung auskommt.

Die mentalen Phänomene, die durch jene Formu­lierun­gen bezeich­net werden, sind als Inte­riori­sierun­gen exter­ner sozi­aler Verhal­tenswei­sen zu verste­hen. Es handelt sich, recht bese­hen, darum, dass sich derje­nige, der sich etwas visu­ell vorstellt (‹ein entspre­chendes menta­les Bild hat›), ande­ren gegen­über darstellt als einer, der etwas sieht, was in der aktu­ellen Situ­ation nicht gese­hen werden kann. Das ist offen­sichtlich eine Paro­die der Bildver­wendungs­situ­ation, in der er sich ja eben­falls darstellt als einer, der etwas sieht, was nicht da ist – aber dort können sich alle betei­ligten Kommu­nika­tionspart­ner gemein­sam so darstel­len, da mit Bildern eine empi­rische Verge­genwär­tigung erfolgt. Wenn von jeman­dem behaup­tet wird, er ‘habe ein bestimm­tes menta­les Bild’, so wird sein Fähig­keit zur rein logi­schen Kontext­bildung in Bezie­hung gesetzt zur wechsel­seitig empi­risch über­prüfba­ren Kontext­bildung mit wahrneh­mungsna­hen Zeichen. Die logi­sche Kontext­bildung wird als quasi-empi­rische aufge­fasst.

Ausdrücke, Texte und andere Formen der nicht-pikto­rialen Medien­nutzung haben mithin die Eigen­schaft, mehr oder weni­ger stark eine quasi-empi­rische Kontext­bildung auszu­lösen: Sie bringen den Zeichen­verwen­der dazu, sich darzu­stellen als einer, der etwas nicht Anwe­sen­des sehen (allge­meiner: wahrneh­­men) kann. Bildhaft wären also gera­de jene medi­alen Äu­ße­rungen, die in beson­derem Maße dazu geeig­net sind, jeman­dem die Gele­genheit zu geben, sich als jemand darzu­stellen, der etwas wahrneh­men kann, was nicht aktu­ell (oder prinzi­pi­ell) wahrge­nommen werden kann.

Im Rahmen einer begriffsgene­tischen Betrach­tung zum Bildbe­griff weist die Zuschrei­bung von Bildlich­keit im meta­phori­schen wie im engen Sinn auf eine spezi­fisch pikto­riale Form der Bedeu­tungsge­nerie­rung hin, die durch ihre sozial über­prüfba­re Wahrneh­mungsnä­he ein höhe­res Maß an Moti­viertheit aufweist und die daher geeig­net scheint, stabi­lisie­rend auch auf die rein logisch verge­genwär­tigen­de Funktion sprachli­cher Aus­drücke zu wirken. Bildlich­keit ist damit ein allge­meines und sehr ele­menta­res Merkmal medi­aler Kultu­ren, das immer dann auf den Plan tritt, wenn abstrak­te Bedeu­tungshori­zonte in situ­ations­unab­hängi­ger Kommu­nika­tion an die empi­rischen Wahr­neh­mungskon­texte zurück­gebun­den werden sollen.

Anmerkungen
  1. ↑ In der Tat han­delt es sich bei der un­ei­gent­li­chen Ver­wen­dung nicht um ei­nen ab­sei­ti­gen Son­der­fall, son­dern um ei­ne brei­te, seit der An­ti­ke nach­weis­ba­re Tra­di­ti­on, wie sich et­wa an den he­brä­i­schen, grie­chi­schen oder la­tei­ni­schen Bild­aus­drü­cken de­mons­trie­ren lässt. Vgl. ins­beson­dere auch [Liebsch 2012a]Liebsch, Dimitri (2012): “Uneigentliche” Bilder. Zur (historischen) Bildsemantik und -metaphorik. In: Liebsch, D. & Mößner, N. (Hg.), Visualisierung und Erkenntnis. Bildverstehen und Bildverwenden in Natur- und Geisteswissenschaften. von Halem, Köln.
    .
  2. ↑ Aus die­sem Grun­de ge­hört auch der Be­griff der Ek­phra­sis in den wei­te­ren Zu­sam­men­hang, geht es doch eben­falls um mög­lichst “bild­haf­te” Tex­te, mit de­nen in die­sem spe­ziel­len Fall al­ler­dings (re­a­le oder nur vor­ge­stell­te) Bil­der im en­ge­ren Sinn be­schrie­ben wer­den sol­len.
  3. ↑ Zu Be­grif­fen: ⊳ Prä­di­ka­ti­on, so­wie An­schau­ung und Be­griff.
    Die Bild­meta­phorik, die hinter der Rede von einer unei­gentli­chen Bildlich­keit steht, ist im Übri­gen zu diffe­renzie­ren vom Begriff der visu­ellen Meta­phern, die inner­halb eines Bildes wirken.
  4. ↑ Ei­nen gu­ten (his­to­ri­schen) Über­blick über die un­ter­schied­li­chen Phä­no­me­ne un­ei­gent­li­cher Bild­lich­keit von der Theo­lo­gie bis zur Mne­mo­tech­nik lie­fert der Ar­ti­kel «Bild, Bild­lich­keit» in [Ueding 1994a]Ueding, Gert (Hg.) (1994): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Niemeyer, Tübingen
    Notiz: Bd. 2
    : S. 10-30. Vgl. auch [Liebsch 2012a]Liebsch, Dimitri (2012): “Uneigentliche” Bilder. Zur (historischen) Bildsemantik und -metaphorik. In: Liebsch, D. & Mößner, N. (Hg.), Visualisierung und Erkenntnis. Bildverstehen und Bildverwenden in Natur- und Geisteswissenschaften. von Halem, Köln.
    .
  5. ↑ Zu men­ta­len Bil­dern: ⊳ Bild­vor­stel­lun­gen, so­wie Lo­gi­sche Kon­text­bil­dung und men­ta­le Bil­der.
  6. ↑ Übri­gens wird, in­so­fern der kog­ni­ti­ons­wis­sen­schaft­li­che Be­griff des men­ta­len Bil­des im We­sent­li­chen mit dem kan­ti­a­ni­schen der An­schau­ung zu­sam­men­fällt, statt von ‘(un­ei­gent­li­cher) Bild­lich­keit’ oft auch von ‘An­schau­lich­keit’ (ei­nes Tex­tes etc.) ge­spro­chen.
Literatur
[Lakoff & Johnson 1980a]Lakoff, George & Johnson, Mark (1980): Metaphors We Live By. University of Chicago Press, Chicago & London.[Liebsch 2012a]Liebsch, Dimitri (2012): “Uneigentliche” Bilder. Zur (historischen) Bildsemantik und -metaphorik. In: Liebsch, D. & Mößner, N. (Hg.), Visualisierung und Erkenntnis. Bildverstehen und Bildverwenden in Natur- und Geisteswissenschaften. von Halem, Köln.[Ueding 1994a]Ueding, Gert (Hg.) (1994): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Niemeyer, Tübingen

Ausgabe 1: 2013

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Zitierhinweis:

Schirra, Jörg R.J. (2013). Uneigentliche Bilder. (Ausg. 1). In: Schirra, J.R.J.; Halawa, M. & Liebsch, D. (Hg.), Glossar der Bildphilosophie. (2012-2026). [bildglossar.org/index.php?title=Uneigentliche_Bilder].