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	<title>Glossar der Bildphilosophie - Benutzerbeiträge [de-formal]</title>
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	<updated>2026-10-20T07:04:06Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Ph%C3%A4nomenologische_Bildtheorien&amp;diff=5684</id>
		<title>Phänomenologische Bildtheorien</title>
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		<updated>2011-05-04T12:40:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: /* Hauptvertreter */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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=====Historische Wurzeln/ Ideengeschichte=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die theoretische Grundlage für die zahlreichen Spielarten phänomenologischer Bildanalysen liefert Edmund Husserl &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Husserl 1980a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot; mit seinen bahnbrechenden Studien zum phänomenologischen Bildbewusstsein. Seine Leistung für die Bildtheorie ist in drei Aspekten zu resümieren. Erstens hat seine Destruktion der erkenntnistheoretischen Bildertheorie einen wesentlichen Beitrag zur nachfolgenden Vielfalt der Bildbegriffe ermöglicht (Bild als imaginäre Projektionsfläche, als Fenster, als Nichtung, als Zug, als „Sehen gemäß…“, als Darstellung, als Erscheinen von Sichtbarkeit usw.). Zweitens haben seine Studien zum Bildbewusstsein den Weg für die Berücksichtigung produktiver Konstitutionsleistungen geebnet, die in der nachfolgenden Phänomenologie eine wesentliche Rolle spielen. Drittens hat die Relevanz der Intentionalität bemerkenswerte Analogisierungen von Phänomenologie und Malerei ermöglicht.&lt;br /&gt;
Wesentliches Motiv ist die Abgrenzung gegenüber einer herkömmlichen Abbildtheorie als Erkenntnistheorie, die in den Spielarten von Naturalismus und Historismus das Bild als Abbild der Wirklichkeit betrachtet und als Reproduktion der äußeren Realität im Bewusstsein eines Betrachters auffasst. Husserl unterläuft diese bildtheoretische Dichotomie mithilfe eines intentionalen Bildbewusstseins, in dessen Zentrum die Frage steht, wie die Dinge im Wie ihres Wahrgenommenseins im Medium der Bilder erscheinen. Die ursprünglich transzendentale Phänomenologie wird in eine genetische Phänomenologie umgearbeitet, die das Feld für zahlreiche methodische Variationen öffnet (anthropologische, ontologische, strukturale existenziale, dekonstruktive, archäologische, responsive,  materiale Phänomenologie usw.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Hauptvertreter=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edmund Husserl (1859-1938) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Husserl 1980a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Martin Heidegger (1889 – 1976) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Heidegger  1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jean-Paul Sartre (1905 – 1980) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039; Sartre 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Maurice Merleau-Ponty (1908-1961) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039; Merleau-Ponty 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039; Merleau-Ponty 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bernhard Waldenfels (1934) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jean-Luc Nancy (1940) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Nancy 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Nancy 2006b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Jacques Derrida (1930-2004) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Derrida 1992a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Derrida 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gottfried Boehm (1942) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Boehm 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieter Mersch (1951) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Mersch 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
John Sallis (1938) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Sallis 1998a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Sallis 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Edward S. Casey (1939) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Casey 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Casey 2005a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Casey 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mauro Carbone (1956) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Carbone 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beschreibung und Erklärung der Methode=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der phänomenologischen Bildtheorie ist das Prinzip, dass der Anfang jeder Beschreibung „die reine und sozusagen noch stumme Erfahrung“ ist, die erst zur reinen Aussprache ihres eigenen Sinnes zu bringen ist. Die Wahrnehmung gilt als Urmodus eines Erscheinens, in der &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; der Erscheinung intentional verklammert sind. Bildlichkeit entsteht, wenn ein Bildding als ein Bild aufgefasst wird und auf diese Weise im Bild ein Bildsujet zu sehen ist. Eine Bildlichkeit geht daher nicht auf eine Verdoppelung der äußeren Wirklichkeit zurück, die „re-präsentiert“ wird. Husserl unterscheidet vielmehr zwischen dem physischen Ding (Trägermaterial), dem Bildobjekt (das Erscheinende bzw. der Repräsentant) und dem Bildsujet (das Repräsentierte). Das Bild selbst ist dabei „unsichtbar“, da es nur im Bildhaften der Dinge und des Sehens auftaucht. Das Hervortretenlassen als Bild gilt als eigentliche Leistung des Bildbewusstseins, das Aspekte wie die Fiktivität der Objekte, die Unterscheidung zwischen einem Bild- und einem Zeichenbewusstsein, den Widerstreit zwischen Fiktion und Realität, Neutralitätsmodifikationen, eine mehrfältige Bildlichkeit und höherstufige Bildvorstellungen umfasst. Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas, wobei zu diesen Modifikationen zahlreiche Aspekte gehören, so Aktualität und Potentialität, Mehrmeinung und Verschattetes, räumliche und zeitliche Horizonte, identifikatorische Synthesen und Passivitäten sowie Modi der Aufmerksamkeit.&lt;br /&gt;
Wichtig wird die signifikative Differenz, derzufolge etwas &#039;&#039;als&#039;&#039; etwas erscheint oder sichtbar (oder hörbar usw.) wird. Bereits Husserl betont, dass wir es nicht erst mit Dingen zu tun haben, die wir auf eíner zweiten Stufe als Bilder wahrnehmen, sondern dass etwas als etwas im Bild sichtbar wird. An diese signifikative Differenz schließt sich die sogenannte pikturale &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot; oder ikonische Differenz &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Boehm 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot; an. Das Bild verdoppelt oder differenziert sich in das, was ins Bild kommt und das, worin etwas ins Bild kommt, so dass wir es nicht mit der Dichotomie von realem Bildding und subjektiver Bildauffassung zu tun haben, sondern mit der Frage, wie sich ein Etwas (Flecken oder Farbpigmente auf einem Untergrund) mit einem Sinn „beseelt“ und im Bild als Bild wahrgenommen wird. Zwar öffnen sich von hier aus Grenzformen (z.B. Materialisierungen von Farbe oder Transfigurationen zu Bilddingen oder Dingbildern), aber die pikturale oder ikonische Differenz selbst verschwindet nicht. Dieses Phänomen gibt Raum für potenzierte Sichtbarkeiten, Verkörperungen im Bild, Bildereignisse oder Bildtypen. Das Bild als „Spiegelbild“ geht von einer &#039;&#039;Selbstverdoppelung&#039;&#039; und &#039;&#039;Selbstvervielfältigung&#039;&#039; des bildhaft Sichtbaren ausgeht &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;. Die Struktur dieses Bildtypus besagt: &#039;&#039;x ähnelt y oder x sieht aus wie y&#039;&#039;. Hier geht es um eine Verähnlichung. Der entsprechende Prototyp ist der Spiegel, in dem eines auf anderes verweist und Wiederholungseffekte erzeugt.&lt;br /&gt;
Die zweite Dimension des Bildes als „Spur“ folgt den Prozessen der Vergegenwärtigung. Die Rolle dieses Bildes besteht in einer Vergegenwärtigung, die Abwesendes und Fernes in Nähe verwandelt. Die Strukturform dieses Erinnerungsbildes besteht in einer repräsentativen Funktion: &#039;&#039;x erinnert an y&#039;&#039;. Durch dieses Verhältnis der Repräsentation wird das primäre Spiegelbild, das auf einer ursprünglich ikonischen Fiktion beruht (x sieht aus wie y), bereichert durch verweisende Spuren, die mit affektiven Aufladungen einhergehen.&lt;br /&gt;
Die dritte Kategorie von Bildern konstituiert den Typus eines Entzuges, der auf Fremdheiten zurückgeht. Diese Bilder erzeugen keine Evidenz, sondern Brechungen und Entgegenwärtigungen. Diese Bildoperationen beruhen nicht auf Ähnlichkeit und Repräsentation. Im Zentrum dieser Bildstrategie steht vielmehr eine responsive Struktur, die sich in der Formel bekundet: &#039;&#039;x fordert auf zu y&#039;&#039;. In dieser appellativen Dimension verwirklicht sich das eigentlich Unsichtbare von Bildern.&lt;br /&gt;
Gegenüber einer Bildanthropologie erlauben diese Methoden phänomenologischer Bildtheorie komplexere Reflexionen bezüglich des Verhältnisses von Sichtbarem und Unsichtbarem. Gegenüber der sprachanalytischen Bildtheorie wird der reichhaltige Raum vorprädikativer Erfahrungen in der Konstitution von Bildern berücksichtigt. Gegenüber der Semiotik werden die zahlreichen überschüssigen Prozesse betont, die über einen Zeichengebrauch hinausgehen. Sehen ist „mehr“ als „nur“ Entzifferung von Zeichen als „Lektüre eines Gesagten“. Es ist vielmehr produktives und konstituierendes Sehen (überschüssiges Sagen). Im Kontrast zur Semiotik kommt es zu einer eigenen pikturalen Logik, die von der diskursiven Logik verschiedenen ist. Chiasmatische Prozesse zwischen Einfallen und Auffallen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Grenzüberschreitungen (von Konventionen, Regeln, Habitualitäten, Prozessen und Ordnungen) und Transfigurationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Geeignete Bildtypen bzw. Bildexemplare=====&lt;br /&gt;
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		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Ph%C3%A4nomenologische_Bildtheorien&amp;diff=5683</id>
		<title>Phänomenologische Bildtheorien</title>
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		<updated>2011-05-04T12:38:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: /* Hauptvertreter */&lt;/p&gt;
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=====Historische Wurzeln/ Ideengeschichte=====&lt;br /&gt;
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Die theoretische Grundlage für die zahlreichen Spielarten phänomenologischer Bildanalysen liefert Edmund Husserl &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Husserl 1980a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot; mit seinen bahnbrechenden Studien zum phänomenologischen Bildbewusstsein. Seine Leistung für die Bildtheorie ist in drei Aspekten zu resümieren. Erstens hat seine Destruktion der erkenntnistheoretischen Bildertheorie einen wesentlichen Beitrag zur nachfolgenden Vielfalt der Bildbegriffe ermöglicht (Bild als imaginäre Projektionsfläche, als Fenster, als Nichtung, als Zug, als „Sehen gemäß…“, als Darstellung, als Erscheinen von Sichtbarkeit usw.). Zweitens haben seine Studien zum Bildbewusstsein den Weg für die Berücksichtigung produktiver Konstitutionsleistungen geebnet, die in der nachfolgenden Phänomenologie eine wesentliche Rolle spielen. Drittens hat die Relevanz der Intentionalität bemerkenswerte Analogisierungen von Phänomenologie und Malerei ermöglicht.&lt;br /&gt;
Wesentliches Motiv ist die Abgrenzung gegenüber einer herkömmlichen Abbildtheorie als Erkenntnistheorie, die in den Spielarten von Naturalismus und Historismus das Bild als Abbild der Wirklichkeit betrachtet und als Reproduktion der äußeren Realität im Bewusstsein eines Betrachters auffasst. Husserl unterläuft diese bildtheoretische Dichotomie mithilfe eines intentionalen Bildbewusstseins, in dessen Zentrum die Frage steht, wie die Dinge im Wie ihres Wahrgenommenseins im Medium der Bilder erscheinen. Die ursprünglich transzendentale Phänomenologie wird in eine genetische Phänomenologie umgearbeitet, die das Feld für zahlreiche methodische Variationen öffnet (anthropologische, ontologische, strukturale existenziale, dekonstruktive, archäologische, responsive,  materiale Phänomenologie usw.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Hauptvertreter=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edmund Husserl (1859-1938) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Husserl 1980a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
Martin Heidegger (1889 – 1976) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Heidegger  1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
Jean-Paul Sartre (1905 – 1980) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039; Sartre 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
Maurice Merleau-Ponty (1908-1961) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039; Merleau-Ponty 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039; Merleau-Ponty 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
Bernhard Waldenfels (1934) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
Jean-Luc Nancy (1940) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Nancy 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Nancy 2006b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
Jacques Derrida (1930-2004) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Derrida 1992a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Derrida 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
Gottfried Boehm (1942) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Boehm 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
Dieter Mersch (1951) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Mersch 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
John Sallis (1938) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Sallis 1998a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Sallis 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
Edward S. Casey (1939) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Casey 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Casey 2005a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;, &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Casey 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
Mauro Carbone (1956) &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Carbone 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beschreibung und Erklärung der Methode=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der phänomenologischen Bildtheorie ist das Prinzip, dass der Anfang jeder Beschreibung „die reine und sozusagen noch stumme Erfahrung“ ist, die erst zur reinen Aussprache ihres eigenen Sinnes zu bringen ist. Die Wahrnehmung gilt als Urmodus eines Erscheinens, in der &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; der Erscheinung intentional verklammert sind. Bildlichkeit entsteht, wenn ein Bildding als ein Bild aufgefasst wird und auf diese Weise im Bild ein Bildsujet zu sehen ist. Eine Bildlichkeit geht daher nicht auf eine Verdoppelung der äußeren Wirklichkeit zurück, die „re-präsentiert“ wird. Husserl unterscheidet vielmehr zwischen dem physischen Ding (Trägermaterial), dem Bildobjekt (das Erscheinende bzw. der Repräsentant) und dem Bildsujet (das Repräsentierte). Das Bild selbst ist dabei „unsichtbar“, da es nur im Bildhaften der Dinge und des Sehens auftaucht. Das Hervortretenlassen als Bild gilt als eigentliche Leistung des Bildbewusstseins, das Aspekte wie die Fiktivität der Objekte, die Unterscheidung zwischen einem Bild- und einem Zeichenbewusstsein, den Widerstreit zwischen Fiktion und Realität, Neutralitätsmodifikationen, eine mehrfältige Bildlichkeit und höherstufige Bildvorstellungen umfasst. Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas, wobei zu diesen Modifikationen zahlreiche Aspekte gehören, so Aktualität und Potentialität, Mehrmeinung und Verschattetes, räumliche und zeitliche Horizonte, identifikatorische Synthesen und Passivitäten sowie Modi der Aufmerksamkeit.&lt;br /&gt;
Wichtig wird die signifikative Differenz, derzufolge etwas &#039;&#039;als&#039;&#039; etwas erscheint oder sichtbar (oder hörbar usw.) wird. Bereits Husserl betont, dass wir es nicht erst mit Dingen zu tun haben, die wir auf eíner zweiten Stufe als Bilder wahrnehmen, sondern dass etwas als etwas im Bild sichtbar wird. An diese signifikative Differenz schließt sich die sogenannte pikturale &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot; oder ikonische Differenz &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Boehm 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot; an. Das Bild verdoppelt oder differenziert sich in das, was ins Bild kommt und das, worin etwas ins Bild kommt, so dass wir es nicht mit der Dichotomie von realem Bildding und subjektiver Bildauffassung zu tun haben, sondern mit der Frage, wie sich ein Etwas (Flecken oder Farbpigmente auf einem Untergrund) mit einem Sinn „beseelt“ und im Bild als Bild wahrgenommen wird. Zwar öffnen sich von hier aus Grenzformen (z.B. Materialisierungen von Farbe oder Transfigurationen zu Bilddingen oder Dingbildern), aber die pikturale oder ikonische Differenz selbst verschwindet nicht. Dieses Phänomen gibt Raum für potenzierte Sichtbarkeiten, Verkörperungen im Bild, Bildereignisse oder Bildtypen. Das Bild als „Spiegelbild“ geht von einer &#039;&#039;Selbstverdoppelung&#039;&#039; und &#039;&#039;Selbstvervielfältigung&#039;&#039; des bildhaft Sichtbaren ausgeht &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;. Die Struktur dieses Bildtypus besagt: &#039;&#039;x ähnelt y oder x sieht aus wie y&#039;&#039;. Hier geht es um eine Verähnlichung. Der entsprechende Prototyp ist der Spiegel, in dem eines auf anderes verweist und Wiederholungseffekte erzeugt.&lt;br /&gt;
Die zweite Dimension des Bildes als „Spur“ folgt den Prozessen der Vergegenwärtigung. Die Rolle dieses Bildes besteht in einer Vergegenwärtigung, die Abwesendes und Fernes in Nähe verwandelt. Die Strukturform dieses Erinnerungsbildes besteht in einer repräsentativen Funktion: &#039;&#039;x erinnert an y&#039;&#039;. Durch dieses Verhältnis der Repräsentation wird das primäre Spiegelbild, das auf einer ursprünglich ikonischen Fiktion beruht (x sieht aus wie y), bereichert durch verweisende Spuren, die mit affektiven Aufladungen einhergehen.&lt;br /&gt;
Die dritte Kategorie von Bildern konstituiert den Typus eines Entzuges, der auf Fremdheiten zurückgeht. Diese Bilder erzeugen keine Evidenz, sondern Brechungen und Entgegenwärtigungen. Diese Bildoperationen beruhen nicht auf Ähnlichkeit und Repräsentation. Im Zentrum dieser Bildstrategie steht vielmehr eine responsive Struktur, die sich in der Formel bekundet: &#039;&#039;x fordert auf zu y&#039;&#039;. In dieser appellativen Dimension verwirklicht sich das eigentlich Unsichtbare von Bildern.&lt;br /&gt;
Gegenüber einer Bildanthropologie erlauben diese Methoden phänomenologischer Bildtheorie komplexere Reflexionen bezüglich des Verhältnisses von Sichtbarem und Unsichtbarem. Gegenüber der sprachanalytischen Bildtheorie wird der reichhaltige Raum vorprädikativer Erfahrungen in der Konstitution von Bildern berücksichtigt. Gegenüber der Semiotik werden die zahlreichen überschüssigen Prozesse betont, die über einen Zeichengebrauch hinausgehen. Sehen ist „mehr“ als „nur“ Entzifferung von Zeichen als „Lektüre eines Gesagten“. Es ist vielmehr produktives und konstituierendes Sehen (überschüssiges Sagen). Im Kontrast zur Semiotik kommt es zu einer eigenen pikturalen Logik, die von der diskursiven Logik verschiedenen ist. Chiasmatische Prozesse zwischen Einfallen und Auffallen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Grenzüberschreitungen (von Konventionen, Regeln, Habitualitäten, Prozessen und Ordnungen) und Transfigurationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Geeignete Bildtypen bzw. Bildexemplare=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tafelbild, Fotografiebild, Gebrauchsbild, Bild-Ding&lt;br /&gt;
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		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Ph%C3%A4nomenologische_Bildtheorien&amp;diff=5680</id>
		<title>Phänomenologische Bildtheorien</title>
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		<updated>2011-05-04T12:19:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: /* Beschreibung und Erklärung der Methode */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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=====Historische Wurzeln/ Ideengeschichte=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die theoretische Grundlage für die zahlreichen Spielarten phänomenologischer Bildanalysen liefert Edmund Husserl &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Husserl 1980a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot; mit seinen bahnbrechenden Studien zum phänomenologischen Bildbewusstsein. Seine Leistung für die Bildtheorie ist in drei Aspekten zu resümieren. Erstens hat seine Destruktion der erkenntnistheoretischen Bildertheorie einen wesentlichen Beitrag zur nachfolgenden Vielfalt der Bildbegriffe ermöglicht (Bild als imaginäre Projektionsfläche, als Fenster, als Nichtung, als Zug, als „Sehen gemäß…“, als Darstellung, als Erscheinen von Sichtbarkeit usw.). Zweitens haben seine Studien zum Bildbewusstsein den Weg für die Berücksichtigung produktiver Konstitutionsleistungen geebnet, die in der nachfolgenden Phänomenologie eine wesentliche Rolle spielen. Drittens hat die Relevanz der Intentionalität bemerkenswerte Analogisierungen von Phänomenologie und Malerei ermöglicht.&lt;br /&gt;
Wesentliches Motiv ist die Abgrenzung gegenüber einer herkömmlichen Abbildtheorie als Erkenntnistheorie, die in den Spielarten von Naturalismus und Historismus das Bild als Abbild der Wirklichkeit betrachtet und als Reproduktion der äußeren Realität im Bewusstsein eines Betrachters auffasst. Husserl unterläuft diese bildtheoretische Dichotomie mithilfe eines intentionalen Bildbewusstseins, in dessen Zentrum die Frage steht, wie die Dinge im Wie ihres Wahrgenommenseins im Medium der Bilder erscheinen. Die ursprünglich transzendentale Phänomenologie wird in eine genetische Phänomenologie umgearbeitet, die das Feld für zahlreiche methodische Variationen öffnet (anthropologische, ontologische, strukturale existenziale, dekonstruktive, archäologische, responsive,  materiale Phänomenologie usw.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Hauptvertreter=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edmund Husserl (1859-1938), Martin Heidegger (1889 – 1976), Jean-Paul Sartre (1905 – 1980), Maurice Merleau-Ponty (1908-1961), Bernhard Waldenfels (1934), Jean-Luc Nancy (1940), Jacques Derrida (1930-2004), Gottfried Boehm (1942), Dieter Mersch (1951), John Sallis (1938), Edward S. Casey (1939), Mauro Carbone (1956)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beschreibung und Erklärung der Methode=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der phänomenologischen Bildtheorie ist das Prinzip, dass der Anfang jeder Beschreibung „die reine und sozusagen noch stumme Erfahrung“ ist, die erst zur reinen Aussprache ihres eigenen Sinnes zu bringen ist. Die Wahrnehmung gilt als Urmodus eines Erscheinens, in der &#039;&#039;was&#039;&#039; und &#039;&#039;wie&#039;&#039; der Erscheinung intentional verklammert sind. Bildlichkeit entsteht, wenn ein Bildding als ein Bild aufgefasst wird und auf diese Weise im Bild ein Bildsujet zu sehen ist. Eine Bildlichkeit geht daher nicht auf eine Verdoppelung der äußeren Wirklichkeit zurück, die „re-präsentiert“ wird. Husserl unterscheidet vielmehr zwischen dem physischen Ding (Trägermaterial), dem Bildobjekt (das Erscheinende bzw. der Repräsentant) und dem Bildsujet (das Repräsentierte). Das Bild selbst ist dabei „unsichtbar“, da es nur im Bildhaften der Dinge und des Sehens auftaucht. Das Hervortretenlassen als Bild gilt als eigentliche Leistung des Bildbewusstseins, das Aspekte wie die Fiktivität der Objekte, die Unterscheidung zwischen einem Bild- und einem Zeichenbewusstsein, den Widerstreit zwischen Fiktion und Realität, Neutralitätsmodifikationen, eine mehrfältige Bildlichkeit und höherstufige Bildvorstellungen umfasst. Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas, wobei zu diesen Modifikationen zahlreiche Aspekte gehören, so Aktualität und Potentialität, Mehrmeinung und Verschattetes, räumliche und zeitliche Horizonte, identifikatorische Synthesen und Passivitäten sowie Modi der Aufmerksamkeit.&lt;br /&gt;
Wichtig wird die signifikative Differenz, derzufolge etwas &#039;&#039;als&#039;&#039; etwas erscheint oder sichtbar (oder hörbar usw.) wird. Bereits Husserl betont, dass wir es nicht erst mit Dingen zu tun haben, die wir auf eíner zweiten Stufe als Bilder wahrnehmen, sondern dass etwas als etwas im Bild sichtbar wird. An diese signifikative Differenz schließt sich die sogenannte pikturale &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot; oder ikonische Differenz &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Boehm 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot; an. Das Bild verdoppelt oder differenziert sich in das, was ins Bild kommt und das, worin etwas ins Bild kommt, so dass wir es nicht mit der Dichotomie von realem Bildding und subjektiver Bildauffassung zu tun haben, sondern mit der Frage, wie sich ein Etwas (Flecken oder Farbpigmente auf einem Untergrund) mit einem Sinn „beseelt“ und im Bild als Bild wahrgenommen wird. Zwar öffnen sich von hier aus Grenzformen (z.B. Materialisierungen von Farbe oder Transfigurationen zu Bilddingen oder Dingbildern), aber die pikturale oder ikonische Differenz selbst verschwindet nicht. Dieses Phänomen gibt Raum für potenzierte Sichtbarkeiten, Verkörperungen im Bild, Bildereignisse oder Bildtypen. Das Bild als „Spiegelbild“ geht von einer &#039;&#039;Selbstverdoppelung&#039;&#039; und &#039;&#039;Selbstvervielfältigung&#039;&#039; des bildhaft Sichtbaren ausgeht &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot;. Die Struktur dieses Bildtypus besagt: &#039;&#039;x ähnelt y oder x sieht aus wie y&#039;&#039;. Hier geht es um eine Verähnlichung. Der entsprechende Prototyp ist der Spiegel, in dem eines auf anderes verweist und Wiederholungseffekte erzeugt.&lt;br /&gt;
Die zweite Dimension des Bildes als „Spur“ folgt den Prozessen der Vergegenwärtigung. Die Rolle dieses Bildes besteht in einer Vergegenwärtigung, die Abwesendes und Fernes in Nähe verwandelt. Die Strukturform dieses Erinnerungsbildes besteht in einer repräsentativen Funktion: &#039;&#039;x erinnert an y&#039;&#039;. Durch dieses Verhältnis der Repräsentation wird das primäre Spiegelbild, das auf einer ursprünglich ikonischen Fiktion beruht (x sieht aus wie y), bereichert durch verweisende Spuren, die mit affektiven Aufladungen einhergehen.&lt;br /&gt;
Die dritte Kategorie von Bildern konstituiert den Typus eines Entzuges, der auf Fremdheiten zurückgeht. Diese Bilder erzeugen keine Evidenz, sondern Brechungen und Entgegenwärtigungen. Diese Bildoperationen beruhen nicht auf Ähnlichkeit und Repräsentation. Im Zentrum dieser Bildstrategie steht vielmehr eine responsive Struktur, die sich in der Formel bekundet: &#039;&#039;x fordert auf zu y&#039;&#039;. In dieser appellativen Dimension verwirklicht sich das eigentlich Unsichtbare von Bildern.&lt;br /&gt;
Gegenüber einer Bildanthropologie erlauben diese Methoden phänomenologischer Bildtheorie komplexere Reflexionen bezüglich des Verhältnisses von Sichtbarem und Unsichtbarem. Gegenüber der sprachanalytischen Bildtheorie wird der reichhaltige Raum vorprädikativer Erfahrungen in der Konstitution von Bildern berücksichtigt. Gegenüber der Semiotik werden die zahlreichen überschüssigen Prozesse betont, die über einen Zeichengebrauch hinausgehen. Sehen ist „mehr“ als „nur“ Entzifferung von Zeichen als „Lektüre eines Gesagten“. Es ist vielmehr produktives und konstituierendes Sehen (überschüssiges Sagen). Im Kontrast zur Semiotik kommt es zu einer eigenen pikturalen Logik, die von der diskursiven Logik verschiedenen ist. Chiasmatische Prozesse zwischen Einfallen und Auffallen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Grenzüberschreitungen (von Konventionen, Regeln, Habitualitäten, Prozessen und Ordnungen) und Transfigurationen.&lt;br /&gt;
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Ph%C3%A4nomenologische_Bildtheorien&amp;diff=5679</id>
		<title>Phänomenologische Bildtheorien</title>
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		<updated>2011-05-04T12:13:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: /* Historische Wurzeln/ Ideengeschichte */&lt;/p&gt;
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&lt;br /&gt;
Die theoretische Grundlage für die zahlreichen Spielarten phänomenologischer Bildanalysen liefert Edmund Husserl &amp;quot;&amp;lt;bib id=&#039;Husserl 1980a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;quot; mit seinen bahnbrechenden Studien zum phänomenologischen Bildbewusstsein. Seine Leistung für die Bildtheorie ist in drei Aspekten zu resümieren. Erstens hat seine Destruktion der erkenntnistheoretischen Bildertheorie einen wesentlichen Beitrag zur nachfolgenden Vielfalt der Bildbegriffe ermöglicht (Bild als imaginäre Projektionsfläche, als Fenster, als Nichtung, als Zug, als „Sehen gemäß…“, als Darstellung, als Erscheinen von Sichtbarkeit usw.). Zweitens haben seine Studien zum Bildbewusstsein den Weg für die Berücksichtigung produktiver Konstitutionsleistungen geebnet, die in der nachfolgenden Phänomenologie eine wesentliche Rolle spielen. Drittens hat die Relevanz der Intentionalität bemerkenswerte Analogisierungen von Phänomenologie und Malerei ermöglicht.&lt;br /&gt;
Wesentliches Motiv ist die Abgrenzung gegenüber einer herkömmlichen Abbildtheorie als Erkenntnistheorie, die in den Spielarten von Naturalismus und Historismus das Bild als Abbild der Wirklichkeit betrachtet und als Reproduktion der äußeren Realität im Bewusstsein eines Betrachters auffasst. Husserl unterläuft diese bildtheoretische Dichotomie mithilfe eines intentionalen Bildbewusstseins, in dessen Zentrum die Frage steht, wie die Dinge im Wie ihres Wahrgenommenseins im Medium der Bilder erscheinen. Die ursprünglich transzendentale Phänomenologie wird in eine genetische Phänomenologie umgearbeitet, die das Feld für zahlreiche methodische Variationen öffnet (anthropologische, ontologische, strukturale existenziale, dekonstruktive, archäologische, responsive,  materiale Phänomenologie usw.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Hauptvertreter=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edmund Husserl (1859-1938), Martin Heidegger (1889 – 1976), Jean-Paul Sartre (1905 – 1980), Maurice Merleau-Ponty (1908-1961), Bernhard Waldenfels (1934), Jean-Luc Nancy (1940), Jacques Derrida (1930-2004), Gottfried Boehm (1942), Dieter Mersch (1951), John Sallis (1938), Edward S. Casey (1939), Mauro Carbone (1956)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beschreibung und Erklärung der Methode=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der phänomenologischen Bildtheorie ist das Prinzip, dass der Anfang jeder Beschreibung „die reine und sozusagen noch stumme Erfahrung“ ist, die erst zur reinen Aussprache ihres eigenen Sinnes zu bringen ist (Hua I, S. 77). Die Wahrnehmung gilt als Urmodus eines Erscheinens, in der was und wie der Erscheinung intentional verklammert sind. Bildlichkeit entsteht, wenn ein Bildding als ein Bild aufgefasst wird und auf diese Weise im Bild ein Bildsujet zu sehen ist. Eine Bildlichkeit geht daher nicht auf eine Verdoppelung der äußeren Wirklichkeit zurück, die „re-präsentiert“ wird. Husserl unterscheidet vielmehr zwischen dem physischen Ding (Trägermaterial), dem Bildobjekt (das Erscheinende bzw. der Repräsentant) und dem Bildsujet (das Repräsentierte). Das Bild selbst ist dabei „unsichtbar“, da es nur im Bildhaften der Dinge und des Sehens auftaucht. Das Hervortretenlassen als Bild gilt als eigentliche Leistung des Bildbewusstseins, das Aspekte wie die Fiktivität der Objekte, die Unterscheidung zwischen einem Bild- und einem Zeichenbewusstsein, den Widerstreit zwischen Fiktion und Realität, Neutralitätsmodifikationen, eine mehrfältige Bildlichkeit und höherstufige Bildvorstellungen umfasst. Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas, wobei zu diesen Modifikationen zahlreiche Aspekte gehören, so Aktualität und Potentialität, Mehrmeinung und Verschattetes, räumliche und zeitliche Horizonte, identifikatorische Synthesen und Passivitäten sowie Modi der Aufmerksamkeit.&lt;br /&gt;
Wichtig wird die signifikative Differenz, derzufolge etwas als etwas erscheint oder sichtbar (oder hörbar usw.) wird. Bereits Husserl betont, dass wir es nicht erst mit Dingen zu tun haben, die wir auf eíner zweiten Stufe als Bilder wahrnehmen, sondern dass etwas als etwas im Bild sichtbar wird. An diese signifikative Differenz schließt sich die sogenannte pikturale (Waldenfels) oder ikonische Differenz (Boehm) an. Das Bild verdoppelt oder differenziert sich in das, was ins Bild kommt und das, worin etwas ins Bild kommt, so dass wir es nicht mit der Dichotomie von realem Bildding und subjektiver Bildauffassung zu tun haben, sondern mit der Frage, wie sich ein Etwas (Flecken oder Farbpigmente auf einem Untergrund) mit einem Sinn „beseelt“ und im Bild als Bild wahrgenommen wird. Zwar öffnen sich von hier aus Grenzformen (z.B. Materialisierungen von Farbe oder Transfigurationen zu Bilddingen oder Dingbildern), aber die pikturale oder ikonische Differenz selbst verschwindet nicht. Dieses Phänomen gibt Raum für potenzierte Sichtbarkeiten, Verkörperungen im Bild, Bildereignisse oder Bildtypen. Das Bild als „Spiegelbild“ geht von einer Selbstverdoppelung und Selbstvervielfältigung des bildhaft Sichtbaren ausgeht (Waldenfels). Die Struktur dieses Bildtypus besagt: x ähnelt y oder x sieht aus wie y. Hier geht es um eine Verähnlichung. Der entsprechende Prototyp ist der Spiegel, in dem eines auf anderes verweist und Wiederholungseffekte erzeugt.&lt;br /&gt;
Die zweite Dimension des Bildes als „Spur“ folgt den Prozessen der Vergegenwärtigung. Die Rolle dieses Bildes besteht in einer Vergegenwärtigung, die Abwesendes und Fernes in Nähe verwandelt. Die Strukturform dieses Erinnerungsbildes besteht in einer repräsentativen Funktion: x erinnert an y. Durch dieses Verhältnis der Repräsentation wird das primäre Spiegelbild, das auf einer ursprünglich ikonischen Fiktion beruht (x sieht aus wie y), bereichert durch verweisende Spuren, die mit affektiven Aufladungen einhergehen.&lt;br /&gt;
Die dritte Kategorie von Bildern konstituiert den Typus eines Entzuges, der auf Fremdheiten zurückgeht. Diese Bilder erzeugen keine Evidenz, sondern Brechungen und Entgegenwärtigungen. Diese Bildoperationen beruhen nicht auf Ähnlichkeit und Repräsentation. Im Zentrum dieser Bildstrategie steht vielmehr eine responsive Struktur, die sich in der Formel bekundet: x fordert auf zu y. In dieser appellativen Dimension verwirklicht sich das eigentlich Unsichtbare von Bildern.&lt;br /&gt;
Gegenüber einer Bildanthropologie erlauben diese Methoden phänomenologischer Bildtheorie komplexere Reflexionen bezüglich des Verhältnisses von Sichtbarem und Unsichtbarem. Gegenüber der sprachanalytischen Bildtheorie wird der reichhaltige Raum vorprädikativer Erfahrungen in der Konstitution von Bildern berücksichtigt. Gegenüber der Semiotik werden die zahlreichen überschüssigen Prozesse betont, die über einen Zeichengebrauch hinausgehen. Sehen ist „mehr“ als „nur“ Entzifferung von Zeichen als „Lektüre eines Gesagten“. Es ist vielmehr produktives und konstituierendes Sehen (überschüssiges Sagen). Im Kontrast zur Semiotik kommt es zu einer eigenen pikturalen Logik, die von der diskursiven Logik verschiedenen ist. Chiasmatische Prozesse zwischen Einfallen und Auffallen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Grenzüberschreitungen (von Konventionen, Regeln, Habitualitäten, Prozessen und Ordnungen) und Transfigurationen.&lt;br /&gt;
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Ph%C3%A4nomenologische_Bildtheorien&amp;diff=5678</id>
		<title>Phänomenologische Bildtheorien</title>
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		<updated>2011-05-04T12:11:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: /* Geeignete Bildtypen bzw. Bildexemplare */&lt;/p&gt;
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Die theoretische Grundlage für die zahlreichen Spielarten phänomenologischer Bildanalysen liefert Edmund Husserl mit seinen bahnbrechenden Studien zum phänomenologischen Bildbewusstsein. Seine Leistung für die Bildtheorie ist in drei Aspekten zu resümieren. Erstens hat seine Destruktion der erkenntnistheoretischen Bildertheorie einen wesentlichen Beitrag zur nachfolgenden Vielfalt der Bildbegriffe ermöglicht (Bild als imaginäre Projektionsfläche, als Fenster, als Nichtung, als Zug, als „Sehen gemäß…“, als Darstellung, als Erscheinen von Sichtbarkeit usw.). Zweitens haben seine Studien zum Bildbewusstsein den Weg für die Berücksichtigung produktiver Konstitutionsleistungen geebnet, die in der nachfolgenden Phänomenologie eine wesentliche Rolle spielen. Drittens hat die Relevanz der Intentionalität bemerkenswerte Analogisierungen von Phänomenologie und Malerei ermöglicht.&lt;br /&gt;
Wesentliches Motiv ist die Abgrenzung gegenüber einer herkömmlichen Abbildtheorie als Erkenntnistheorie, die in den Spielarten von Naturalismus und Historismus das Bild als Abbild der Wirklichkeit betrachtet und als Reproduktion der äußeren Realität im Bewusstsein eines Betrachters auffasst. Husserl unterläuft diese bildtheoretische Dichotomie mithilfe eines intentionalen Bildbewusstseins, in dessen Zentrum die Frage steht, wie die Dinge im Wie ihres Wahrgenommenseins im Medium der Bilder erscheinen. Die ursprünglich transzendentale Phänomenologie wird in eine genetische Phänomenologie umgearbeitet, die das Feld für zahlreiche methodische Variationen öffnet (anthropologische, ontologische, strukturale existenziale, dekonstruktive, archäologische, responsive,  materiale Phänomenologie usw.).&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Edmund Husserl (1859-1938), Martin Heidegger (1889 – 1976), Jean-Paul Sartre (1905 – 1980), Maurice Merleau-Ponty (1908-1961), Bernhard Waldenfels (1934), Jean-Luc Nancy (1940), Jacques Derrida (1930-2004), Gottfried Boehm (1942), Dieter Mersch (1951), John Sallis (1938), Edward S. Casey (1939), Mauro Carbone (1956)&lt;br /&gt;
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=====Beschreibung und Erklärung der Methode=====&lt;br /&gt;
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Ausgangspunkt der phänomenologischen Bildtheorie ist das Prinzip, dass der Anfang jeder Beschreibung „die reine und sozusagen noch stumme Erfahrung“ ist, die erst zur reinen Aussprache ihres eigenen Sinnes zu bringen ist (Hua I, S. 77). Die Wahrnehmung gilt als Urmodus eines Erscheinens, in der was und wie der Erscheinung intentional verklammert sind. Bildlichkeit entsteht, wenn ein Bildding als ein Bild aufgefasst wird und auf diese Weise im Bild ein Bildsujet zu sehen ist. Eine Bildlichkeit geht daher nicht auf eine Verdoppelung der äußeren Wirklichkeit zurück, die „re-präsentiert“ wird. Husserl unterscheidet vielmehr zwischen dem physischen Ding (Trägermaterial), dem Bildobjekt (das Erscheinende bzw. der Repräsentant) und dem Bildsujet (das Repräsentierte). Das Bild selbst ist dabei „unsichtbar“, da es nur im Bildhaften der Dinge und des Sehens auftaucht. Das Hervortretenlassen als Bild gilt als eigentliche Leistung des Bildbewusstseins, das Aspekte wie die Fiktivität der Objekte, die Unterscheidung zwischen einem Bild- und einem Zeichenbewusstsein, den Widerstreit zwischen Fiktion und Realität, Neutralitätsmodifikationen, eine mehrfältige Bildlichkeit und höherstufige Bildvorstellungen umfasst. Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas, wobei zu diesen Modifikationen zahlreiche Aspekte gehören, so Aktualität und Potentialität, Mehrmeinung und Verschattetes, räumliche und zeitliche Horizonte, identifikatorische Synthesen und Passivitäten sowie Modi der Aufmerksamkeit.&lt;br /&gt;
Wichtig wird die signifikative Differenz, derzufolge etwas als etwas erscheint oder sichtbar (oder hörbar usw.) wird. Bereits Husserl betont, dass wir es nicht erst mit Dingen zu tun haben, die wir auf eíner zweiten Stufe als Bilder wahrnehmen, sondern dass etwas als etwas im Bild sichtbar wird. An diese signifikative Differenz schließt sich die sogenannte pikturale (Waldenfels) oder ikonische Differenz (Boehm) an. Das Bild verdoppelt oder differenziert sich in das, was ins Bild kommt und das, worin etwas ins Bild kommt, so dass wir es nicht mit der Dichotomie von realem Bildding und subjektiver Bildauffassung zu tun haben, sondern mit der Frage, wie sich ein Etwas (Flecken oder Farbpigmente auf einem Untergrund) mit einem Sinn „beseelt“ und im Bild als Bild wahrgenommen wird. Zwar öffnen sich von hier aus Grenzformen (z.B. Materialisierungen von Farbe oder Transfigurationen zu Bilddingen oder Dingbildern), aber die pikturale oder ikonische Differenz selbst verschwindet nicht. Dieses Phänomen gibt Raum für potenzierte Sichtbarkeiten, Verkörperungen im Bild, Bildereignisse oder Bildtypen. Das Bild als „Spiegelbild“ geht von einer Selbstverdoppelung und Selbstvervielfältigung des bildhaft Sichtbaren ausgeht (Waldenfels). Die Struktur dieses Bildtypus besagt: x ähnelt y oder x sieht aus wie y. Hier geht es um eine Verähnlichung. Der entsprechende Prototyp ist der Spiegel, in dem eines auf anderes verweist und Wiederholungseffekte erzeugt.&lt;br /&gt;
Die zweite Dimension des Bildes als „Spur“ folgt den Prozessen der Vergegenwärtigung. Die Rolle dieses Bildes besteht in einer Vergegenwärtigung, die Abwesendes und Fernes in Nähe verwandelt. Die Strukturform dieses Erinnerungsbildes besteht in einer repräsentativen Funktion: x erinnert an y. Durch dieses Verhältnis der Repräsentation wird das primäre Spiegelbild, das auf einer ursprünglich ikonischen Fiktion beruht (x sieht aus wie y), bereichert durch verweisende Spuren, die mit affektiven Aufladungen einhergehen.&lt;br /&gt;
Die dritte Kategorie von Bildern konstituiert den Typus eines Entzuges, der auf Fremdheiten zurückgeht. Diese Bilder erzeugen keine Evidenz, sondern Brechungen und Entgegenwärtigungen. Diese Bildoperationen beruhen nicht auf Ähnlichkeit und Repräsentation. Im Zentrum dieser Bildstrategie steht vielmehr eine responsive Struktur, die sich in der Formel bekundet: x fordert auf zu y. In dieser appellativen Dimension verwirklicht sich das eigentlich Unsichtbare von Bildern.&lt;br /&gt;
Gegenüber einer Bildanthropologie erlauben diese Methoden phänomenologischer Bildtheorie komplexere Reflexionen bezüglich des Verhältnisses von Sichtbarem und Unsichtbarem. Gegenüber der sprachanalytischen Bildtheorie wird der reichhaltige Raum vorprädikativer Erfahrungen in der Konstitution von Bildern berücksichtigt. Gegenüber der Semiotik werden die zahlreichen überschüssigen Prozesse betont, die über einen Zeichengebrauch hinausgehen. Sehen ist „mehr“ als „nur“ Entzifferung von Zeichen als „Lektüre eines Gesagten“. Es ist vielmehr produktives und konstituierendes Sehen (überschüssiges Sagen). Im Kontrast zur Semiotik kommt es zu einer eigenen pikturalen Logik, die von der diskursiven Logik verschiedenen ist. Chiasmatische Prozesse zwischen Einfallen und Auffallen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Grenzüberschreitungen (von Konventionen, Regeln, Habitualitäten, Prozessen und Ordnungen) und Transfigurationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Geeignete Bildtypen bzw. Bildexemplare=====&lt;br /&gt;
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Tafelbild, Fotografiebild, Gebrauchsbild, Bild-Ding&lt;br /&gt;
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		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Ph%C3%A4nomenologische_Bildtheorien&amp;diff=5677</id>
		<title>Phänomenologische Bildtheorien</title>
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		<updated>2011-05-04T12:11:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: /* Beschreibung und Erklärung der Methode */&lt;/p&gt;
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=====Historische Wurzeln/ Ideengeschichte=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die theoretische Grundlage für die zahlreichen Spielarten phänomenologischer Bildanalysen liefert Edmund Husserl mit seinen bahnbrechenden Studien zum phänomenologischen Bildbewusstsein. Seine Leistung für die Bildtheorie ist in drei Aspekten zu resümieren. Erstens hat seine Destruktion der erkenntnistheoretischen Bildertheorie einen wesentlichen Beitrag zur nachfolgenden Vielfalt der Bildbegriffe ermöglicht (Bild als imaginäre Projektionsfläche, als Fenster, als Nichtung, als Zug, als „Sehen gemäß…“, als Darstellung, als Erscheinen von Sichtbarkeit usw.). Zweitens haben seine Studien zum Bildbewusstsein den Weg für die Berücksichtigung produktiver Konstitutionsleistungen geebnet, die in der nachfolgenden Phänomenologie eine wesentliche Rolle spielen. Drittens hat die Relevanz der Intentionalität bemerkenswerte Analogisierungen von Phänomenologie und Malerei ermöglicht.&lt;br /&gt;
Wesentliches Motiv ist die Abgrenzung gegenüber einer herkömmlichen Abbildtheorie als Erkenntnistheorie, die in den Spielarten von Naturalismus und Historismus das Bild als Abbild der Wirklichkeit betrachtet und als Reproduktion der äußeren Realität im Bewusstsein eines Betrachters auffasst. Husserl unterläuft diese bildtheoretische Dichotomie mithilfe eines intentionalen Bildbewusstseins, in dessen Zentrum die Frage steht, wie die Dinge im Wie ihres Wahrgenommenseins im Medium der Bilder erscheinen. Die ursprünglich transzendentale Phänomenologie wird in eine genetische Phänomenologie umgearbeitet, die das Feld für zahlreiche methodische Variationen öffnet (anthropologische, ontologische, strukturale existenziale, dekonstruktive, archäologische, responsive,  materiale Phänomenologie usw.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Hauptvertreter=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edmund Husserl (1859-1938), Martin Heidegger (1889 – 1976), Jean-Paul Sartre (1905 – 1980), Maurice Merleau-Ponty (1908-1961), Bernhard Waldenfels (1934), Jean-Luc Nancy (1940), Jacques Derrida (1930-2004), Gottfried Boehm (1942), Dieter Mersch (1951), John Sallis (1938), Edward S. Casey (1939), Mauro Carbone (1956)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beschreibung und Erklärung der Methode=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der phänomenologischen Bildtheorie ist das Prinzip, dass der Anfang jeder Beschreibung „die reine und sozusagen noch stumme Erfahrung“ ist, die erst zur reinen Aussprache ihres eigenen Sinnes zu bringen ist (Hua I, S. 77). Die Wahrnehmung gilt als Urmodus eines Erscheinens, in der was und wie der Erscheinung intentional verklammert sind. Bildlichkeit entsteht, wenn ein Bildding als ein Bild aufgefasst wird und auf diese Weise im Bild ein Bildsujet zu sehen ist. Eine Bildlichkeit geht daher nicht auf eine Verdoppelung der äußeren Wirklichkeit zurück, die „re-präsentiert“ wird. Husserl unterscheidet vielmehr zwischen dem physischen Ding (Trägermaterial), dem Bildobjekt (das Erscheinende bzw. der Repräsentant) und dem Bildsujet (das Repräsentierte). Das Bild selbst ist dabei „unsichtbar“, da es nur im Bildhaften der Dinge und des Sehens auftaucht. Das Hervortretenlassen als Bild gilt als eigentliche Leistung des Bildbewusstseins, das Aspekte wie die Fiktivität der Objekte, die Unterscheidung zwischen einem Bild- und einem Zeichenbewusstsein, den Widerstreit zwischen Fiktion und Realität, Neutralitätsmodifikationen, eine mehrfältige Bildlichkeit und höherstufige Bildvorstellungen umfasst. Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas, wobei zu diesen Modifikationen zahlreiche Aspekte gehören, so Aktualität und Potentialität, Mehrmeinung und Verschattetes, räumliche und zeitliche Horizonte, identifikatorische Synthesen und Passivitäten sowie Modi der Aufmerksamkeit.&lt;br /&gt;
Wichtig wird die signifikative Differenz, derzufolge etwas als etwas erscheint oder sichtbar (oder hörbar usw.) wird. Bereits Husserl betont, dass wir es nicht erst mit Dingen zu tun haben, die wir auf eíner zweiten Stufe als Bilder wahrnehmen, sondern dass etwas als etwas im Bild sichtbar wird. An diese signifikative Differenz schließt sich die sogenannte pikturale (Waldenfels) oder ikonische Differenz (Boehm) an. Das Bild verdoppelt oder differenziert sich in das, was ins Bild kommt und das, worin etwas ins Bild kommt, so dass wir es nicht mit der Dichotomie von realem Bildding und subjektiver Bildauffassung zu tun haben, sondern mit der Frage, wie sich ein Etwas (Flecken oder Farbpigmente auf einem Untergrund) mit einem Sinn „beseelt“ und im Bild als Bild wahrgenommen wird. Zwar öffnen sich von hier aus Grenzformen (z.B. Materialisierungen von Farbe oder Transfigurationen zu Bilddingen oder Dingbildern), aber die pikturale oder ikonische Differenz selbst verschwindet nicht. Dieses Phänomen gibt Raum für potenzierte Sichtbarkeiten, Verkörperungen im Bild, Bildereignisse oder Bildtypen. Das Bild als „Spiegelbild“ geht von einer Selbstverdoppelung und Selbstvervielfältigung des bildhaft Sichtbaren ausgeht (Waldenfels). Die Struktur dieses Bildtypus besagt: x ähnelt y oder x sieht aus wie y. Hier geht es um eine Verähnlichung. Der entsprechende Prototyp ist der Spiegel, in dem eines auf anderes verweist und Wiederholungseffekte erzeugt.&lt;br /&gt;
Die zweite Dimension des Bildes als „Spur“ folgt den Prozessen der Vergegenwärtigung. Die Rolle dieses Bildes besteht in einer Vergegenwärtigung, die Abwesendes und Fernes in Nähe verwandelt. Die Strukturform dieses Erinnerungsbildes besteht in einer repräsentativen Funktion: x erinnert an y. Durch dieses Verhältnis der Repräsentation wird das primäre Spiegelbild, das auf einer ursprünglich ikonischen Fiktion beruht (x sieht aus wie y), bereichert durch verweisende Spuren, die mit affektiven Aufladungen einhergehen.&lt;br /&gt;
Die dritte Kategorie von Bildern konstituiert den Typus eines Entzuges, der auf Fremdheiten zurückgeht. Diese Bilder erzeugen keine Evidenz, sondern Brechungen und Entgegenwärtigungen. Diese Bildoperationen beruhen nicht auf Ähnlichkeit und Repräsentation. Im Zentrum dieser Bildstrategie steht vielmehr eine responsive Struktur, die sich in der Formel bekundet: x fordert auf zu y. In dieser appellativen Dimension verwirklicht sich das eigentlich Unsichtbare von Bildern.&lt;br /&gt;
Gegenüber einer Bildanthropologie erlauben diese Methoden phänomenologischer Bildtheorie komplexere Reflexionen bezüglich des Verhältnisses von Sichtbarem und Unsichtbarem. Gegenüber der sprachanalytischen Bildtheorie wird der reichhaltige Raum vorprädikativer Erfahrungen in der Konstitution von Bildern berücksichtigt. Gegenüber der Semiotik werden die zahlreichen überschüssigen Prozesse betont, die über einen Zeichengebrauch hinausgehen. Sehen ist „mehr“ als „nur“ Entzifferung von Zeichen als „Lektüre eines Gesagten“. Es ist vielmehr produktives und konstituierendes Sehen (überschüssiges Sagen). Im Kontrast zur Semiotik kommt es zu einer eigenen pikturalen Logik, die von der diskursiven Logik verschiedenen ist. Chiasmatische Prozesse zwischen Einfallen und Auffallen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Grenzüberschreitungen (von Konventionen, Regeln, Habitualitäten, Prozessen und Ordnungen) und Transfigurationen.&lt;br /&gt;
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		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Ph%C3%A4nomenologische_Bildtheorien&amp;diff=5676</id>
		<title>Phänomenologische Bildtheorien</title>
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		<updated>2011-05-04T12:10:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: /* Hauptvertreter */&lt;/p&gt;
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Die theoretische Grundlage für die zahlreichen Spielarten phänomenologischer Bildanalysen liefert Edmund Husserl mit seinen bahnbrechenden Studien zum phänomenologischen Bildbewusstsein. Seine Leistung für die Bildtheorie ist in drei Aspekten zu resümieren. Erstens hat seine Destruktion der erkenntnistheoretischen Bildertheorie einen wesentlichen Beitrag zur nachfolgenden Vielfalt der Bildbegriffe ermöglicht (Bild als imaginäre Projektionsfläche, als Fenster, als Nichtung, als Zug, als „Sehen gemäß…“, als Darstellung, als Erscheinen von Sichtbarkeit usw.). Zweitens haben seine Studien zum Bildbewusstsein den Weg für die Berücksichtigung produktiver Konstitutionsleistungen geebnet, die in der nachfolgenden Phänomenologie eine wesentliche Rolle spielen. Drittens hat die Relevanz der Intentionalität bemerkenswerte Analogisierungen von Phänomenologie und Malerei ermöglicht.&lt;br /&gt;
Wesentliches Motiv ist die Abgrenzung gegenüber einer herkömmlichen Abbildtheorie als Erkenntnistheorie, die in den Spielarten von Naturalismus und Historismus das Bild als Abbild der Wirklichkeit betrachtet und als Reproduktion der äußeren Realität im Bewusstsein eines Betrachters auffasst. Husserl unterläuft diese bildtheoretische Dichotomie mithilfe eines intentionalen Bildbewusstseins, in dessen Zentrum die Frage steht, wie die Dinge im Wie ihres Wahrgenommenseins im Medium der Bilder erscheinen. Die ursprünglich transzendentale Phänomenologie wird in eine genetische Phänomenologie umgearbeitet, die das Feld für zahlreiche methodische Variationen öffnet (anthropologische, ontologische, strukturale existenziale, dekonstruktive, archäologische, responsive,  materiale Phänomenologie usw.).&lt;br /&gt;
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Edmund Husserl (1859-1938), Martin Heidegger (1889 – 1976), Jean-Paul Sartre (1905 – 1980), Maurice Merleau-Ponty (1908-1961), Bernhard Waldenfels (1934), Jean-Luc Nancy (1940), Jacques Derrida (1930-2004), Gottfried Boehm (1942), Dieter Mersch (1951), John Sallis (1938), Edward S. Casey (1939), Mauro Carbone (1956)&lt;br /&gt;
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Ph%C3%A4nomenologische_Bildtheorien&amp;diff=5675</id>
		<title>Phänomenologische Bildtheorien</title>
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		<updated>2011-05-04T12:10:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: /* Historische Wurzeln/ Ideengeschichte */&lt;/p&gt;
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		<title>Phänomenologische Bildtheorien</title>
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		<updated>2011-05-04T12:09:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: &lt;/p&gt;
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=====Beschreibung und Erklärung der Methode=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Geeignete Bildtypen bzw. Bildexemplare=====&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Ph%C3%A4nomenologische_Bildtheorien&amp;diff=5673</id>
		<title>Phänomenologische Bildtheorien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Ph%C3%A4nomenologische_Bildtheorien&amp;diff=5673"/>
		<updated>2011-05-04T12:00:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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[[Kategorie:Unterpunkt]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Bildtheoretische Ansätze]]&lt;br /&gt;
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Unterpunkt zu: [[Bildtheoretische Ansätze]]&lt;br /&gt;
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=====Historische Wurzeln/ Ideengeschichte=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die theoretische Grundlage für die zahlreichen Spielarten phänomenologischer Bildanalysen liefert Edmund Husserl &amp;lt;bib id=&#039;Husserl 1980a&#039;&amp;lt;/bib&amp;gt; mit seinen bahnbrechenden Studien zum phänomenologischen Bildbewusstsein. Seine Leistung für die Bildtheorie ist in drei Aspekten zu resümieren. Erstens hat seine Destruktion der erkenntnistheoretischen Bildertheorie einen wesentlichen Beitrag zur nachfolgenden Vielfalt der Bildbegriffe ermöglicht (Bild als imaginäre Projektionsfläche, als Fenster, als Nichtung, als Zug, als „Sehen gemäß…“, als Darstellung, als Erscheinen von Sichtbarkeit usw.). Zweitens haben seine Studien zum Bildbewusstsein den Weg für die Berücksichtigung produktiver Konstitutionsleistungen geebnet, die in der nachfolgenden Phänomenologie eine wesentliche Rolle spielen. Drittens hat die Relevanz der Intentionalität bemerkenswerte Analogisierungen von Phänomenologie und Malerei ermöglicht.&lt;br /&gt;
Wesentliches Motiv ist die Abgrenzung gegenüber einer herkömmlichen Abbildtheorie als Erkenntnistheorie, die in den Spielarten von Naturalismus und Historismus das Bild als Abbild der Wirklichkeit betrachtet und als Reproduktion der äußeren Realität im Bewusstsein eines Betrachters auffasst. Husserl unterläuft diese bildtheoretische Dichotomie mithilfe eines intentionalen Bildbewusstseins, in dessen Zentrum die Frage steht, wie die Dinge im Wie ihres Wahrgenommenseins im Medium der Bilder erscheinen. Die ursprünglich transzendentale Phänomenologie wird in eine genetische Phänomenologie umgearbeitet, die das Feld für zahlreiche methodische Variationen öffnet (anthropologische, ontologische, strukturale existenziale, dekonstruktive, archäologische, responsive,  materiale Phänomenologie usw.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Hauptvertreter=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edmund Husserl (1859-1938)&lt;br /&gt;
Martin Heidegger (1889 – 1976)&lt;br /&gt;
Jean-Paul Sartre (1905 – 1980)&lt;br /&gt;
Maurice Merleau-Ponty (1908-1961)&lt;br /&gt;
Bernhard Waldenfels (1934) &lt;br /&gt;
Jean-Luc Nancy (1940)&lt;br /&gt;
Jacques Derrida (1930-2004)&lt;br /&gt;
Gottfried Boehm (1942)&lt;br /&gt;
Dieter Mersch (1951)&lt;br /&gt;
John Sallis (1938)&lt;br /&gt;
Edward S. Casey (1939)&lt;br /&gt;
Mauro Carbone (1956)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beschreibung und Erklärung der Methode=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausgangspunkt der phänomenologischen Bildtheorie ist das Prinzip, dass der Anfang jeder Beschreibung „die reine und sozusagen noch stumme Erfahrung“ ist, die erst zur reinen Aussprache ihres eigenen Sinnes zu bringen ist. Die Wahrnehmung gilt als Urmodus eines Erscheinens, in der &#039;&#039;was&#039;&#039; und wie der Erscheinung intentional verklammert sind. Bildlichkeit entsteht, wenn ein Bildding als ein Bild aufgefasst wird und auf diese Weise im Bild ein Bildsujet zu sehen ist. Eine Bildlichkeit geht daher nicht auf eine Verdoppelung der äußeren Wirklichkeit zurück, die „re-präsentiert“ wird. Husserl unterscheidet vielmehr zwischen dem physischen Ding (Trägermaterial), dem Bildobjekt (das Erscheinende bzw. der Repräsentant) und dem Bildsujet (das Repräsentierte). Das Bild selbst ist dabei „unsichtbar“, da es nur im Bildhaften der Dinge und des Sehens auftaucht. Das Hervortretenlassen als Bild gilt als eigentliche Leistung des Bildbewusstseins, das Aspekte wie die Fiktivität der Objekte, die Unterscheidung zwischen einem Bild- und einem Zeichenbewusstsein, den Widerstreit zwischen Fiktion und Realität, Neutralitätsmodifikationen, eine mehrfältige Bildlichkeit und höherstufige Bildvorstellungen umfasst. Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas, wobei zu diesen Modifikationen zahlreiche Aspekte gehören, so Aktualität und Potentialität, Mehrmeinung und Verschattetes, räumliche und zeitliche Horizonte, identifikatorische Synthesen und Passivitäten sowie Modi der Aufmerksamkeit.&lt;br /&gt;
Wichtig wird die signifikative Differenz, derzufolge etwas &#039;&#039;als&#039;&#039; etwas erscheint oder sichtbar (oder hörbar usw.) wird. Bereits Husserl betont, dass wir es nicht erst mit Dingen zu tun haben, die wir auf eíner zweiten Stufe als Bilder wahrnehmen, sondern dass etwas als etwas im Bild sichtbar wird. An diese signifikative Differenz schließt sich die sogenannte pikturale &amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; oder ikonische Differenz &amp;lt;bib id=&#039;Boehm 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; an. Das Bild verdoppelt oder differenziert sich in das, was ins Bild kommt und das, worin etwas ins Bild kommt, so dass wir es nicht mit der Dichotomie von realem Bildding und subjektiver Bildauffassung zu tun haben, sondern mit der Frage, wie sich ein Etwas (Flecken oder Farbpigmente auf einem Untergrund) mit einem Sinn „beseelt“ und im Bild als Bild wahrgenommen wird. Zwar öffnen sich von hier aus Grenzformen (z.B. Materialisierungen von Farbe oder Transfigurationen zu Bilddingen oder Dingbildern), aber die pikturale oder ikonische Differenz selbst verschwindet nicht. Dieses Phänomen gibt Raum für potenzierte Sichtbarkeiten, Verkörperungen im Bild, Bildereignisse oder Bildtypen. Das Bild als „Spiegelbild“ geht von einer &#039;&#039;Selbstverdoppelung&#039;&#039; und &#039;&#039;Selbstvervielfältigung&#039;&#039; des bildhaft Sichtbaren ausgeht &amp;lt;bib id=&#039;Waldenfels 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Die Struktur dieses Bildtypus besagt: &#039;&#039;x ähnelt y oder x sieht aus wie y&#039;&#039;. Hier geht es um eine Verähnlichung. Der entsprechende Prototyp ist der Spiegel, in dem eines auf anderes verweist und Wiederholungseffekte erzeugt.&lt;br /&gt;
Die zweite Dimension des Bildes als „Spur“ folgt den Prozessen der Vergegenwärtigung. Die Rolle dieses Bildes besteht in einer Vergegenwärtigung, die Abwesendes und Fernes in Nähe verwandelt. Die Strukturform dieses Erinnerungsbildes besteht in einer repräsentativen Funktion: &#039;&#039;x erinnert an y&#039;&#039;. Durch dieses Verhältnis der Repräsentation wird das primäre Spiegelbild, das auf einer ursprünglich ikonischen Fiktion beruht (x sieht aus wie y), bereichert durch verweisende Spuren, die mit affektiven Aufladungen einhergehen.&lt;br /&gt;
Die dritte Kategorie von Bildern konstituiert den Typus eines Entzuges, der auf Fremdheiten zurückgeht. Diese Bilder erzeugen keine Evidenz, sondern Brechungen und Entgegenwärtigungen. Diese Bildoperationen beruhen nicht auf Ähnlichkeit und Repräsentation. Im Zentrum dieser Bildstrategie steht vielmehr eine responsive Struktur, die sich in der Formel bekundet: &#039;&#039;x fordert auf zu y&#039;&#039;. In dieser appellativen Dimension verwirklicht sich das eigentlich Unsichtbare von Bildern.&lt;br /&gt;
Gegenüber einer Bildanthropologie erlauben diese Methoden phänomenologischer Bildtheorie komplexere Reflexionen bezüglich des Verhältnisses von Sichtbarem und Unsichtbarem. Gegenüber der sprachanalytischen Bildtheorie wird der reichhaltige Raum vorprädikativer Erfahrungen in der Konstitution von Bildern berücksichtigt. Gegenüber der Semiotik werden die zahlreichen überschüssigen Prozesse betont, die über einen Zeichengebrauch hinausgehen. Sehen ist „mehr“ als „nur“ Entzifferung von Zeichen als „Lektüre eines Gesagten“. Es ist vielmehr produktives und konstituierendes Sehen (überschüssiges Sagen). Im Kontrast zur Semiotik kommt es zu einer eigenen pikturalen Logik, die von der diskursiven Logik verschiedenen ist. Chiasmatische Prozesse zwischen Einfallen und Auffallen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Grenzüberschreitungen (von Konventionen, Regeln, Habitualitäten, Prozessen und Ordnungen) und Transfigurationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Geeignete Bildtypen bzw. Bildexemplare=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tafelbild, Fotografiebild, Gebrauchsbild, Bild-Ding&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Bildverwendungstypen&amp;diff=5575</id>
		<title>Bildverwendungstypen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Bildverwendungstypen&amp;diff=5575"/>
		<updated>2011-04-20T08:29:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: /* Aufteilung */&lt;/p&gt;
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=====Fragestellung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Bildverwendungstypen sind im Unterschied zu den [Bildmedien] Bildtypen gemeint, die sich nicht durch ihre apparativ-technische Herstellungsart (wie z.B. die Fotografie) bestimmen, sondern durch die spezifische Art des &#039;&#039;Bildgebrauchs&#039;&#039;. Auch wenn durchaus Dominanzen eines spezifischen [Bildmediums] für einen Bildverwendungstyp auftreten (z.B. Film und Fotografie für die Werbung) ergeben sich hier die Fragestellungen nach  [bildpragmatischen Kriterien], die sich quer zur Unterscheidung von Bildmedien verhalten, so dass ein und dasselbe Bildmedium in unterschiedlichen Verwendungstypen auftreten kann. Entsprechend richten sich die Fragen weniger auf die medialen Eigenschaften bestimmter Bilder, sondern darauf, wie und als was Bilder in verschiedenen Verwendungskontexten tatsächlich rezipiert werden? Entscheidend für die Typisierung nach Verwendungstypen ist dabei vor allem das Kontextwissen, das den konkreten Gebrauch von Bildern vorstrukturiert und das jeweilige Verständnis von Bildern bedingt. So kann z.B. ein Pressebild, das dem Kontext der Dokumentation entzogen wird, und stattdessen als Werbebild verwendet wird, zu einer völlig neuen Nachricht führen. Oder das [Video] als [Bildmedium] kann im Kontext der Medienkunst → reflexiv verwendet werden, es kann als kontrollierendes Korrektiv allein referentiell als → direkte Aufzeichnung von Handlungsabläufen dienen (z.B. im Sport) oder als sekundäres → Bildmedium zur Speicherung von primärem Bildmaterial (etwa von Kinofilmen) eingesetzt werden. Die Unterschiede, die sich in diesen Beispielen ergeben, sind dabei allein Unterschiede der Bildverwendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bildverwendungstypen an aktualisierten Zeichengebrauch und seine Kontexte gebunden sind, unterliegen ihre Kodes bzw. Verwendungskonventionen kulturellen Unterschieden und historischem Wandel. So ist zum Beispiel die Art und Weise, wie, wo und für wen Familienbilder sichtbar gemacht werden, sowohl kulturell verschieden (Familienbilder auf dem Schreibtisch am Arbeitsplatz, auf dem Kaminsims, im Album, im Portemonnaie, auf dem Grabstein) als auch einem Entwicklungsprozess unterzogen (von Ölgemälden der Familienmitglieder bis zum Web-Album). Beide Aspekte sind Verwendungsaspekte des Bildes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas61a&#039;&amp;gt;[Jonas 1961]&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Bearbeitungslink in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Aufteilung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier zusammengestellten Unterpunkte sind eine (nicht vollständige) Sammlung von Bildverwendungstypen, von denen in exemplarischer Absicht einige auf grundsätzlichen Unterscheidungen [Bild in reflexiver Verwendungsweise], [künstlerisches Bild versus Alltagsbild], andere auf speziellere Verwendungstypen (z.B. [Tableau vivant], [Anamorphose] eingehen. Auch funktionale Unterscheidungen werden sichtbar gemacht [Karte] bzw. ein spezifischer Rezeptionskontext [Ikone], [Werbung] zugewiesen. Desweiteren werden die Unterschiede in der Handhabung von zum Teil gleichen [Bildmedien] unter verschiedenen Rezeptionsbedingungen erläutert (vgl. das Bildmedium Film im [Kino] im Vergleich zum [Fernsehen].  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Sonstiges=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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=====Unterpunkte=====&lt;br /&gt;
&amp;lt;HR&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Zeilen sollten diese Form haben (XYZ jeweils ersetzen): * [[XYZ]]  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Anamorphose]]&lt;br /&gt;
* [[Bild in der Wissenschaft]]&lt;br /&gt;
* [[Bild in reflexiver Verwendung]]&lt;br /&gt;
* [[bildende Kunst]]&lt;br /&gt;
* [[camera obscura]]&lt;br /&gt;
* [[Computergraphik]]&lt;br /&gt;
* [[epistemisches Bild]]&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Gesichtsdarstellung]]&lt;br /&gt;
* [[Ikone]]&lt;br /&gt;
* [[Image Schemata]]&lt;br /&gt;
* [[interaktives Bild]]&lt;br /&gt;
* [[Karte]]&lt;br /&gt;
* [[Kino]]&lt;br /&gt;
* [[künstlerisches Bild und Alltagsbild]]&lt;br /&gt;
* [[Netzhautbild]]&lt;br /&gt;
* [[Performance]]&lt;br /&gt;
* [[Replika, Faksimile und Kopie ]]&lt;br /&gt;
* [[Strukturbild]]&lt;br /&gt;
* [[Tableau vivant]]&lt;br /&gt;
* [[technisches Bild]]&lt;br /&gt;
* [[Vexierbild]]&lt;br /&gt;
* [[Werbung]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Benutzer:Doris Mosbach|Doris Mosbach]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Benutzer:Klaus Sachs-hombach|Klaus Sachs-Hombach]]&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Bildverwendungstypen&amp;diff=5574</id>
		<title>Bildverwendungstypen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Bildverwendungstypen&amp;diff=5574"/>
		<updated>2011-04-20T08:28:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: /* Fragestellung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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=====Fragestellung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Bildverwendungstypen sind im Unterschied zu den [Bildmedien] Bildtypen gemeint, die sich nicht durch ihre apparativ-technische Herstellungsart (wie z.B. die Fotografie) bestimmen, sondern durch die spezifische Art des &#039;&#039;Bildgebrauchs&#039;&#039;. Auch wenn durchaus Dominanzen eines spezifischen [Bildmediums] für einen Bildverwendungstyp auftreten (z.B. Film und Fotografie für die Werbung) ergeben sich hier die Fragestellungen nach  [bildpragmatischen Kriterien], die sich quer zur Unterscheidung von Bildmedien verhalten, so dass ein und dasselbe Bildmedium in unterschiedlichen Verwendungstypen auftreten kann. Entsprechend richten sich die Fragen weniger auf die medialen Eigenschaften bestimmter Bilder, sondern darauf, wie und als was Bilder in verschiedenen Verwendungskontexten tatsächlich rezipiert werden? Entscheidend für die Typisierung nach Verwendungstypen ist dabei vor allem das Kontextwissen, das den konkreten Gebrauch von Bildern vorstrukturiert und das jeweilige Verständnis von Bildern bedingt. So kann z.B. ein Pressebild, das dem Kontext der Dokumentation entzogen wird, und stattdessen als Werbebild verwendet wird, zu einer völlig neuen Nachricht führen. Oder das [Video] als [Bildmedium] kann im Kontext der Medienkunst → reflexiv verwendet werden, es kann als kontrollierendes Korrektiv allein referentiell als → direkte Aufzeichnung von Handlungsabläufen dienen (z.B. im Sport) oder als sekundäres → Bildmedium zur Speicherung von primärem Bildmaterial (etwa von Kinofilmen) eingesetzt werden. Die Unterschiede, die sich in diesen Beispielen ergeben, sind dabei allein Unterschiede der Bildverwendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bildverwendungstypen an aktualisierten Zeichengebrauch und seine Kontexte gebunden sind, unterliegen ihre Kodes bzw. Verwendungskonventionen kulturellen Unterschieden und historischem Wandel. So ist zum Beispiel die Art und Weise, wie, wo und für wen Familienbilder sichtbar gemacht werden, sowohl kulturell verschieden (Familienbilder auf dem Schreibtisch am Arbeitsplatz, auf dem Kaminsims, im Album, im Portemonnaie, auf dem Grabstein) als auch einem Entwicklungsprozess unterzogen (von Ölgemälden der Familienmitglieder bis zum Web-Album). Beide Aspekte sind Verwendungsaspekte des Bildes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas61a&#039;&amp;gt;[Jonas 1961]&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Bearbeitungslink in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Aufteilung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommentar zu den Unterpunkten ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Sonstiges=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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* [[Anamorphose]]&lt;br /&gt;
* [[Bild in der Wissenschaft]]&lt;br /&gt;
* [[Bild in reflexiver Verwendung]]&lt;br /&gt;
* [[bildende Kunst]]&lt;br /&gt;
* [[camera obscura]]&lt;br /&gt;
* [[Computergraphik]]&lt;br /&gt;
* [[epistemisches Bild]]&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Gesichtsdarstellung]]&lt;br /&gt;
* [[Ikone]]&lt;br /&gt;
* [[Image Schemata]]&lt;br /&gt;
* [[interaktives Bild]]&lt;br /&gt;
* [[Karte]]&lt;br /&gt;
* [[Kino]]&lt;br /&gt;
* [[künstlerisches Bild und Alltagsbild]]&lt;br /&gt;
* [[Netzhautbild]]&lt;br /&gt;
* [[Performance]]&lt;br /&gt;
* [[Replika, Faksimile und Kopie ]]&lt;br /&gt;
* [[Strukturbild]]&lt;br /&gt;
* [[Tableau vivant]]&lt;br /&gt;
* [[technisches Bild]]&lt;br /&gt;
* [[Vexierbild]]&lt;br /&gt;
* [[Werbung]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Bildverwendungstypen&amp;diff=5573</id>
		<title>Bildverwendungstypen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Bildverwendungstypen&amp;diff=5573"/>
		<updated>2011-04-20T08:27:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: /* Fragestellung */&lt;/p&gt;
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=====Fragestellung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Bildverwendungstypen sind im Unterschied zu den ([Bildmedien]) Bildtypen gemeint, die sich nicht durch ihre apparativ-technische Herstellungsart (wie z.B. die Fotografie) bestimmen, sondern durch die spezifische Art des &#039;&#039;Bildgebrauchs&#039;&#039;. Auch wenn durchaus Dominanzen eines spezifischen [Bildmediums] für einen Bildverwendungstyp auftreten (z.B. Film und Fotografie für die Werbung) ergeben sich hier die Fragestellungen nach  [bildpragmatischen Kriterien], die sich quer zur Unterscheidung von Bildmedien verhalten, so dass ein und dasselbe Bildmedium in unterschiedlichen Verwendungstypen auftreten kann. Entsprechend richten sich die Fragen weniger auf die medialen Eigenschaften bestimmter Bilder, sondern darauf, wie und als was Bilder in verschiedenen Verwendungskontexten tatsächlich rezipiert werden? Entscheidend für die Typisierung nach Verwendungstypen ist dabei vor allem das Kontextwissen, das den konkreten Gebrauch von Bildern vorstrukturiert und das jeweilige Verständnis von Bildern bedingt. So kann z.B. ein Pressebild, das dem Kontext der Dokumentation entzogen wird, und stattdessen als Werbebild verwendet wird, zu einer völlig neuen Nachricht führen. Oder das [Video] als [Bildmedium] kann im Kontext der Medienkunst → reflexiv verwendet werden, es kann als kontrollierendes Korrektiv allein referentiell als → direkte Aufzeichnung von Handlungsabläufen dienen (z.B. im Sport) oder als sekundäres → Bildmedium zur Speicherung von primärem Bildmaterial (etwa von Kinofilmen) eingesetzt werden. Die Unterschiede, die sich in diesen Beispielen ergeben, sind dabei allein Unterschiede der Bildverwendung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Bildverwendungstypen an aktualisierten Zeichengebrauch und seine Kontexte gebunden sind, unterliegen ihre Kodes bzw. Verwendungskonventionen kulturellen Unterschieden und historischem Wandel. So ist zum Beispiel die Art und Weise, wie, wo und für wen Familienbilder sichtbar gemacht werden, sowohl kulturell verschieden (Familienbilder auf dem Schreibtisch am Arbeitsplatz, auf dem Kaminsims, im Album, im Portemonnaie, auf dem Grabstein) als auch einem Entwicklungsprozess unterzogen (von Ölgemälden der Familienmitglieder bis zum Web-Album). Beide Aspekte sind Verwendungsaspekte des Bildes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas61a&#039;&amp;gt;[Jonas 1961]&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Bearbeitungslink in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
=====Aufteilung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommentar zu den Unterpunkten ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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=====Sonstiges=====&lt;br /&gt;
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=====Unterpunkte=====&lt;br /&gt;
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* [[Bild in der Wissenschaft]]&lt;br /&gt;
* [[Bild in reflexiver Verwendung]]&lt;br /&gt;
* [[bildende Kunst]]&lt;br /&gt;
* [[camera obscura]]&lt;br /&gt;
* [[Computergraphik]]&lt;br /&gt;
* [[epistemisches Bild]]&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Gesichtsdarstellung]]&lt;br /&gt;
* [[Ikone]]&lt;br /&gt;
* [[Image Schemata]]&lt;br /&gt;
* [[interaktives Bild]]&lt;br /&gt;
* [[Karte]]&lt;br /&gt;
* [[Kino]]&lt;br /&gt;
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* [[Netzhautbild]]&lt;br /&gt;
* [[Performance]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5565</id>
		<title>Kippbild</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5565"/>
		<updated>2011-04-13T18:17:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: &lt;/p&gt;
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:::“If meanings are hypotheses, ambiguities are alternative hypotheses.” Richard Gregory&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, S. 1140.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begriffe „Kippbild“ oder „Kippfigur“ stehen für Vorlagen, die einen (reversiblen) abrupten Wechsel des Wahrgenommenen ermöglichen, während das Bild/Objekt unverändert bleibt. Man spricht auch von mehrfachstabilen Wahrnehmungsprozessen (also etwa von bi-, tri- oder multistabiler Wahrnehmung). Aus verschiedenen Kulturen überlieferte Artefakte (Wandgemälde, Reliefs, Mosaike, Dekore auf Keramiken und Textilien) deuten darauf hin, dass der Reiz solcher Bilder weithin und auch schon lange bekannt ist&amp;lt;ref&amp;gt;Gregory (2000); &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Mitchell 1994a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Zimmer 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Situationen des praktischen Lebens ist derartige Instabilität des Wahrnehmens selten. Das schließt nicht aus, dass Momente der umweltbezogenen Wahrnehmung zumindest teils Ausgangspunkt für entsprechende bildnerische Spiele waren und sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Phänomenologie (Eingrenzung und Varianten)=====&lt;br /&gt;
Oft werden Kippbilder in drei Typen unterteilt&amp;lt;ref&amp;gt;So bei Rock (1985), an dem sich viele Autoren orientieren; &amp;lt;bib id=&#039;Nänni 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;: 1) Umspringen von „Figur und Grund“, 2) Ambivalenz von „Bedeutung“ und 3) Mehrdeutigkeit perspektivischer Darstellungen. Diese Typologie ist zwar nicht umfassend und in gewisser Weise sogar irreführend, aber gleichwohl ein brauchbarer erster Zugang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1)&lt;br /&gt;
Umspringen von „Figur und Grund“. Berühmtestes Beispiel ist der Kelch, dessen Umrisse als zwei einander zugewandte menschliche Profile gesehen werden können. Unter Psychologen ist dieses Kippbild als „Rubinscher Becher“ oder „Rubinsche Vase“ geläufig; der dänische Psychologe Edgar Rubin hatte dieses Motiv, das zuvor schon in der graphischen Kunst benutzt worden war&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Hofmann 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie &amp;lt;bib id=&#039;Sander 1962a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; nennen Beispiele aus dem späten 18. und dem frühen 19. Jh.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zu Beginn des 20. Jh. aufgegriffen&amp;lt;ref&amp;gt;in Studien, die er zwischen 1912 und 1914 bei G. E. Müller in Göttingen durchführte und 1915 in Buchform publizierte  (2. Aufl.1921)&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Von Kippen kann man hier sprechen, weil die Konturlinie entweder den Profilen zugehört oder dem Kelch: Sieht man die Profile, hat sich die weiße Fläche in Hintergrund verwandelt, nimmt man den Kelch wahr, sieht man keine Schattenrisse von menschlichen Gesichtern, sondern nur dunklen Hintergrund, der sich hinter dem verschnörkelten Gefäß fortsetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1.png|thumb|Abbildung 1: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur/Objekt und (Hinter-)Grund können auch bei eher sinnfreien Linien/Flächengrenzen ineinander umschlagen. Derartige Beispiele standen im Mittelpunkt von Rubins Untersuchungen (Abb.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:2.png|thumb|Abbildung 2: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterscheidung von „Figur“ und „Grund“, die man als Betrachter von nichtperspektivischen zweidimensionalen Darstellungen vornimmt, demonstriert, wie stark man dazu neigt, dreidimensionale Verhältnisse („vor“ vs. „hinter“) in Bilder hineinzusehen. Bereits da, wo nur eine schlichte Linie eine Fläche teilt (Abb.), sehen wir leicht eine der beiden Teilflächen vor der anderen&amp;lt;ref&amp;gt;Oder – als dritte Möglichkeit – die Line als Körper (oder körperliche Leerstelle); also etwa einen Faden/eine Schlage auf/vor dem Grund bzw. eine Ritze in einer Fläche&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:3.png|thumb|Abbildung 3]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltpsychologen haben sich eingehend mit der Frage beschäftigt welche abstrakten Qualitäten von Linien/Flächen das Sehen als Figur nahe legen. &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Manche der zahlreichen Variationen der Darstellung von Rubins Becher machen Faktoren der Figurbildung deutlich; schneidet man beispielsweise Rubins Original an der oberen und unteren Kante des Kelchs horizontal ab, so springen die Profile leichter ins Auge als in der ursprünglichen Konstellation (umschließende Flächen werden eher als Grund gesehen), ein Tausch von hell und dunkel wirkt dieser Tendenz wiederum entgegen (dunklere Flächen sieht man bevorzugt als Figur).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:4.png|Abbildung 4]] [[Datei:5.png|Abbildung 5: Rubins (1921) Abb. modifiziert]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ebenfalls relativ bekannte Bild einer Landschaft, in der sich die Umrisse „Napoleons“/„eines  Kapitäns“ – vom charakteristischen Hut bis zu den Füßen – verstecken&amp;lt;ref&amp;gt;z. B. in &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; http://www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt;, funktioniert nur bedingt als Kippfigur. Hat man die Umrisse, die für den Mann stehen, erst einmal entdeckt, ist ein Umschlagen von Figur und Grund zwar insofern nicht ausgeschlossen, als man abwechselnd die Silhouette des Mannes vor einem dickem Baum oder aber Bäume/Baumstrünke und einen leeren Zwischenraum sehen kann. Aber nicht nur bei breit (auf die „Totale“) eingestellter Aufmerksamkeit kann man Landschaft und Person zugleich sehen; es ist auch möglich, simultan gewundene dünne Baumstämme und die von ihren Konturen geformte Silhouette zu sehen, also zwei sozusagen symbiotische Figuren. Dieses „Vexierbild“ funktioniert – wie viele andere auch – deshalb gut als &#039;&#039;&#039;Bilderrätsel&#039;&#039;&#039;, weil es in die relativ detailreiche Darstellung einer realistischen Szenerie in unwahrscheinlicher Weise Anzeichen eines bedeutsamen Objektes (meist eines Menschen oder anderen Lebewesens) konstruiert. Ist der Betrachter erst einmal über diese Andeutungen gestolpert, springt aus dem Hintergrund der ursprünglichen „Figur“ (hier: Baumgruppe in Landschaft) ein Objekt in die Szene, ohne diese dabei auszulöschen. Das Konstruktionsprinzip solcher Vexier- oder Rätselbilder sorgt eher für einmalige Überraschung als fortgesetztes Kippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6.png|Abbildung 6: Quelle: Allesch (2006)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) &lt;br /&gt;
Ambivalenz von „Bedeutungen“ („semantisch ambivalente Bilder“). Diese nicht sehr glückliche Kategorisierung – um unterschiedliche Bedeutungen handelt es sich bei zwei- oder mehrdeutigen Bildern immer – bezieht sich auf Vorlagen, bei denen man abwechselnd die Darstellung verschiedener Objekte sehen kann, ohne dass dabei unbedingt ein Figur-Grund-Wechsel beteiligt wäre. Man könnte also vielleicht besser von  „Gesichterwechsel der Figur“ sprechen. Die Rede vom Gesichterwechsel charakterisiert diesem Untertypus von Kippbildern nicht nur im übertragenen Sinn – die nämliche „Figur“ (im Sinne der gestaltpsychologischen Unterscheidung von Figur und Grund) evoziert unterschiedliche Objekte – sondern auch insofern, als es hier in der Regel um Bilder geht, bei denen tatsächlich oft abwechselnd unterschiedliche Gesichter (und/oder Körper) von Menschen oder anderen Tieren aus einer Figur hervortreten (manchmal sind das Gesichter/Körper der nämlichen Gattung, manchmal wechselt die Gattung; auch Darstellungen menschlicher Totenköpfe sind verbreitet)&amp;lt;ref&amp;gt;Nur ausnahmsweise wird das in der Forschungsliteratur reflektiert (wie bei &amp;lt;bib id=&#039;Stoesz 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die Kippfiguren im Hinblick auf die Besonderheiten der Gesichtswahrnehmung bei autistischen Kindern untersuchte).&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berühmte Beispiele für Gesichter-Kippbilder tauchten zunächst im 19. und frühen 20. Jh. in humoristischen Publikationen auf und haben heute einen festen Platz in psychologischen Lehrbüchern und populärwissenschaftlichen Darstellungen spektakulärer Wahrnehmungsphänomene. Besonders prominent ist jener Kopf, der auf den ersten Blick meist als der einer Ente gesehen wird, aber auch in den eines Hasen umschlagen kann&amp;lt;ref&amp;gt;Zahlen zur Identifikation auf den ersten Blick bei &amp;lt;bib id=&#039;Brugger &amp;amp; Brugger 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; hat weiter Probanden bei 12 im Umlauf befindlichen Varianten des Bildes auf einer Skala einschätzen lassen, wie leicht sie Ente (bzw. einen Vogel) oder Hasen sehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Der in Harvard lehrende Psychologe Jastrow hatte den Enten-Hasen-Kopf am Übergang zum 20. Jh. in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht. &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Einige Bemerkungen im Spätwerk Ludwig Wittgensteins (siehe unten) haben diese Gesichterkippfigur gewissermaßen philosophisch geadelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:7.png|Abbildung 7: Quelle: Mitchell (1994)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres sozusagen klassisches Kippbild vereint die Ansicht einer alten Frau (im ganz leicht dem Betrachter zugewandten Profil) mit der Darstellung des Gesichts einer jungen Frau, das vom Betrachter dreiviertel abgewandt ist&amp;lt;ref&amp;gt;Ursprünglich eingeführt als „my wife and my mother in law“; diese Konstruktion wurde auch mit männlichen Zügen/Attributen realisiert&amp;lt;/ref&amp;gt;; wie beim Enten- vs. Hasenkopf schließen sich beide Sichtweisen aus (Abb.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:8.png|Abbildung 8: Quelle: Attneave (1971)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist ein partieller Figur-Grund-Wechsel in die Metamorphose der Figur einbezogen. So erscheint im Kippbild „Ratte vs. Mann mit Brille“ (Abb.) ein Bereich einmal als Grund zwischen Körper und Schwanz der Ratte und wird mit dem Umschlagen zur Wange des Mannes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:9.png|Abbildung 9: Quelle: Rock (1985)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich verhält es sich bei der Grafik „Sara Nader“ (Abb.) aus der Feder des amerikanischen Psychologen Roger N. Shepard&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Shepard 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, p. 76); Varianten u. a. mit Umkehr von hell und dunkel (p. 140/141).&amp;lt;/ref&amp;gt;. Allerdings kann man bei diesem Bild beide Sehweisen – Saxophonspieler und en face Porträt einer Frau – gleichzeitig wahrnehmen, was wohl daher rührt, dass jene Flächen, die eines der beiden Augen, den Mund und den Nasenflügel des weiblichen Gesichts anzeigen, entweder isoliert vom Schattenriss des Saxophonspielers sind (Auge) oder sich nicht zwingend in die Einheit von Mann und Instrument fügen (Mund, Nasenflügel). Man kann sogar auch noch gleichzeitig gewahren, dass das sozusagen freischwebende Auge einen Vogel darstellt. Sofern die Aufmerksamkeit nicht zu sehr auf eines der drei „Gesichter“ (Mann, Frau, Vogel) fokussiert, machen diese sich den Platz im Wahrnehmungsakt nicht streitig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10.png|Abbildung 10: Quelle &amp;amp; Urheber: Shepard (1990)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gesichter-Kippbilder“ sind also von Bildern zu unterscheiden, die Darstellungen mehrerer Gesichter bzw. Körper bergen, welche zwar womöglich – im Sinne eines Bilderrätsels – nicht alle sofort gesehen werden und auch dann, wenn sie einmal entdeckt wurden, abwechselnd ins Zentrum der Aufmerksamkeit treten können, deren gleichzeitige Wahrnehmung aber nicht ausgeschlossen ist. Nur dann, wenn die wesentlichen Anzeichen für die konkurrierenden Gesichter in der jeweiligen Alternative einen sinnvollen Platz finden, schlägt die Wahrnehmung um. Ansonsten kann man eben zwei oder mehrere Gesichter/Körper zugleich sehen, ob sie nun mehr oder weniger gleichberechtigt nebeneinander stehen oder in eine hierarchische Beziehung zueinander gesetzt sind (wie beispielsweise da, wo kleine Darstellungen von Menschen nach Art der Jahreszeiten-Gemälde von Arcimboldo Partien eines Porträts bilden)&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele etwa bei &amp;lt;bib id=&#039;Haken 1995&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 40); &amp;lt;bib id=&#039;Ditzinger 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 92); und – oft ohne Quellenangaben – bei Hobbysammlern im Internet.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bilder, die in Arcimboldos Manier Gesichter und Körper zu einem übergeordneten Gesicht (oder eben Totenkopf) zusammenstellen, legen einen Wechsel der Fokussierung nahe, ohne im strengen Sinn Kippbilder zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum simultanen Sehen von Elementen und Portrait bei Arcimboldo vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Niederée &amp;amp; Heyer 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; , p. 98)&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Verschiebung von Akzenten der Betrachtung ist einem Wechsel der Aufmerksamkeit vergleichbar, wie man ihn vornimmt, wenn man sich auf Details eines Bildes konzentriert oder gar die Pinselstriche (allgemein: Merkmale der Darstellungsweise) fokussiert. Selbst wenn man bei der Untersuchung der Oberfläche eines Bildes für Momente das Dargestellte völlig ausklammert, fehlt hier – wie auch beim Fokuswechsel bei Bilderrätseln – das typische Erlebnis verblüffenden Hin-und-her-Kippens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ernst Gombrich den Übergang von Sehen des Bildinhalts zu einem radikal auf die Malweise gerichteten kunstwissenschaftlichen Blick mit dem Kippbilderlebnis gleichsetzt &amp;lt;bib id=&#039;Gombrich 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. (was der Kunsttheoretiker Richard Wollheim aus verschiedenen Gründen in Frage stellte; siehe unten&amp;lt;ref&amp;gt;siehe „Kippbild: Philosophische Diskussion&amp;lt;/ref&amp;gt;), wird er u. a. der Tatsache nicht gerecht, dass das Kippen zwar auch durch Konzentration aktiv beeinflusst werden kann, aber – anders als eine ausblendende Vertiefung in die Darstellungsweise – immer als Widerfahrnis erlebt wird (dieser jederzeit individuelle überprüfbare Befund wird auch durch Ergebnisse der experimentellen Forschung bestätigt; siehe unten) . Frei nach Lichtenberg: Kippbilder vermitteln das Erlebnis „Es sieht!“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3)&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit. Zweidimensionale Projektionen dreidimensionaler Körper, also beispielsweise perspektivische Darstellung von Kristallen, sind objektiv vieldeutig. Grundsätzlich kann ja schon jede auf ein Blatt gezeichnete Linie für zahllose Neigungen eines Stabes (oder eben einer Kante) in die Tiefe des Raumes stehen. Die verschiedensten Körper führen also zur nämlichen Projektion. Ungeachtet der unendlich vielen möglichen dreidimensionalen Konstellationen, die hinter einem solchen Bild stehen können, drängen sich dem Wahrnehmen nur wenige auf. Das ist per se bemerkenswert. Zu den „Lebensgewohnheiten des Gesichtssinnes“ (Ernst Mach &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) gehört es offenbar, dass uns die Mehrzahl der möglichen 3D-Sichtweisen von Zeichnungen nicht in den Sinn kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Zeichnung (Abb.), in der wir spontan die Projektion eines Gitter-Würfels ausmachen (mögen auch andere Körper zum nämlichen Bild führen), bleibt allerdings auch im Wahrnehmungsakt mehrdeutig: in der Regel kippt die Ansicht der unveränderten Vorlage zwischen zwei unterschiedlich im Raum gelagerten Würfeln hin und her, sieht man, anders gesagt, Ecken vor- bzw. zurückspringen. Diese Kippfigur ist unter der Bezeichnung Necker-Würfel geläufig; genannt nach jenem Schweizer Geologen und Kristallographen, der das Kippen beim Betrachten von durchsichtigen Kantendarstellungen von Kristallformen im Jahr 1832 schriftlich festgehalten hatte. (siehe &amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:11.png|Abbildung 11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als „Machs Buch“ (Abb.) wird die Verbindung zweier Parallelogramme bezeichnet, die in der Regel zunächst als geöffnetes „Buch“ (bzw. geknickte Karte) gesehen wird&amp;lt;ref&amp;gt;Ungeachtet der Tatsache, dass die Parallelität der perspektivischen Verzerrung, die bei einem in die Tiefe geneigten Rechteck aufträte, widerspricht.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das (die) dem Betrachter den Rücken zuwendet. Alternativ blickt man in das aufgeschlagene Buch hinein. &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12.png|Abbildung 12]] [[Datei:13.png|Abbildung 13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe von schräg angeordneten „Knickfiguren“ ergibt die „Schrödersche Treppe“ (Abb.), bei der Untersicht und Aufsicht ineinander umschlagen können. Netzwerke von Parallelogrammen erscheinen als Texturen von Quadern/Würfeln (Abb.), deren Ecken man mal nach innen, mal außen springen sieht – ein Motiv das sich in griechischen und römischen Mosaiken findet und auch bei Möbelfurnieren vorkommt. &amp;lt;bib id=&#039;Gregory et al. 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14.png|Abbildung 14: Quelle: Zimmer (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit hat Konsequenzen für die Wahrnehmung von Bewegung: Bei einäugiger Betrachtung tritt die plötzliche Umstülpung auch bei einem Drahtwürfelwürfel auf&amp;lt;ref&amp;gt;Wenn man den Blick ins Unendliche richtet, also durch die Drahtplastik hindurchstarrt, führt auch das Sehen mit beiden Augen relativ sicher zum Erfolg.&amp;lt;/ref&amp;gt;; dreht sich das Gebilde, so kehrt sich mit dem Umspringen die wahrgenommene Drehrichtung um.&amp;lt;ref&amp;gt;Bewegt sich umgekehrt der Betrachter gegenüber dem unbewegten Würfel, so scheint die Plastik während der illusorischen Sichtweise – magisch – der Bewegung des Betrachters zu folgen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das geschieht auch, wenn man die Projektion eines rotierenden Drahtwürfels betrachtet. Ein Beispiel für eine natürliche Situation, bei der die Bewegungsrichtung in den Augen des Betrachters umschlagen kann, nennt Otto Klemm: „Die Windmühle, die man als dunklen Schattenriß am Horizont schräg von der Seite sieht, dreht sich je nach perspektivischer Vorstellung in verschiedener Richtung.&amp;quot; Die Computeranimation „spinning dancer“ (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Spinning_Dancer) spielt ebenfalls mit einer (weitgehenden) perspektivischen Äquivalenz entgegengesetzter Tiefenausrichtungen von Körpern, von denen man lediglich die Silhouette sieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Widersprüchliche Tiefen-/Richtungshinweise in der Animation benennen&amp;lt;bib id=&#039;Troje &amp;amp; McAdam (2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Zwischenresümee=====&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Räumliche Mehrdeutigkeit&#039;&#039;&#039; von Bildern spielt nicht nur da eine Rolle, wo man zwischen Sichtweisen perspektivischer Darstellungen springt. Beim Kippen von Figur und Grund wechselt ebenfalls die wahrgenommene räumliche Position (vorne/hinten). Ohne ein Spiel mit räumlicher Mehrdeutigkeit kommt schließlich auch das „semantische Kippen“ zwischen dem Sehen der jungen vs. alten Frau nicht aus. (In natürlichen Situationen treten vergleichbare Mehrdeutigkeiten nur unter eingeschränkten Sichtbedingungen auf: etwa bei der Betrachtung weit entfernter Objekte/Szenen. Aus der Nähe sorgen in aller Regel Tiefeninformationen – ob sie sich nun dem beidäugigen Sehen oder kleinen Positionswechseln des Betrachters verdanken – für Eindeutigkeit.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Neben räumlicher Mehrdeutigkeit ist offenbar die menschliche Neigung, bereits in wenigen Andeutungen ein &#039;&#039;&#039;Gesicht&#039;&#039;&#039; (allgemeiner: Die Gestalt eines vertrauten &#039;&#039;&#039;Lebewesens&#039;&#039;&#039;) auszumachen &amp;lt;bib id=&#039;Schönhammer 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, ein Unsicherheits- und damit Kippfaktor. Dieser kann in Verbindung mit einer Ambivalenz von Figur-Grund (Rubins Becher) oder einer der Perspektive (junge/alte Frau) zum Tragen kommen. Manchmal, wie im Fall des Enten-Hasen-Kopfes, ist er aber offenbar eigenständig wirksam (also auch angesichts einer mit beiden Augen aus der Nähe betrachteten Plastik&amp;lt;ref&amp;gt;Das gilt für den isolierten Kopf. Umfasst die Plastik auch einen Körper, kann dieser die Doppeldeutigkeit unterstützen oder ihr entgegen gerichtet  sein; bei der Kleinplastik, die &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; abbildet, kann unterschiedliche Aufstellung das Sehen als Hase oder Ente forcieren, weil der Körper je nach Aufstellung eindeutig zur jeweiligen Ausrichtung des Kopfes passt.&amp;lt;/ref&amp;gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Weitere Typen von Kippfiguren=====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Typus von Kippbildern, bei dem es um räumliche Tiefe geht, sind Bilder mit Schattenindikatoren, die sowohl auf konvexe als auch auf konkave Wölbungen hinweisen können (Abb.); in Lehrbüchern wird dieser Aspekt von Schattierungswahrnehmung meist zugunsten vermeintlich eindeutiger Wölbungswahrnehmung in Abhängigkeit von der impliziten Lage der Lichtquelle („Licht von oben“ vs. „von unten“) vernachlässigt (demonstriert durch Drehung des Bildes um 180°); bereits die oben bzw. unten angedeuteten Schatten schließen indessen ein Kippen zwischen konvexem und konkavem Eindruck nicht aus, dreht man die Demonstrationsbeispiele um 90°, verlagert also das Helligkeitsgefälle auf eines zwischen rechter und linker Seite, so erleichtert dies die Fluktuation der Sichtweisen. Unter natürlichen Umständen tritt Wölbungsambivalenz beispielsweise im Hinblick auf die Segel entfernter Schiffe auf.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; weisen auf eine entsprechende Beobachtung von Ptolemäus hin.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:15.png|Abbildung 15: Quelle: Schönhammer (2009)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scheinbewegung, die man durch benachbarte, in schneller Abfolge aufleuchtende bzw. verlöschende Lämpchen erzeugen kann, ist bei geeigneter Anordnung – etwa bei acht in gleichem Abstand auf einer Kreislinie angeordneten Lämpchen, von denen jeweils 4 im schnellen Wechsel aufleuchten – ambivalent hinsichtlich der Richtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei statischen Bildern mit zweidimensionalen geometrischen Figuren kann ein Umspringen der wahrgenommenen Ausrichtung eintreten. Die drei Richtungen etwa, auf welche die Spitzen eines gleichseitigen Dreiecks zeigen, kann man nicht zugleich sehen (bei horizontaler oder vertikaler Ausrichtung einer der Seiten tendiert man spontan dazu, die dieser jeweils gegenüberliegende Spitze als richtungsweisend wahrzunehmen.). &amp;lt;bib id=&#039;Attneave 1971a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Wittgenstein 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich ordnen sich Muster beim Betrachten in unsteter Weise &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Stadler &amp;amp; Kruse 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; (Abb.); auch hier gehen meist Wechsel der wahrgenommenen Gruppierung mit solchen der wahrgenommenen Ausrichtung von Elementen des Musters Hand in Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:16.png|Abbildung 16: Quelle: Stadler &amp;amp; Kruse (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Psychologische und  neurowissenschaftliche Diskussion=====&lt;br /&gt;
“It is especially phenomena of ambiguity that make us think of perception as actively creative.“ Richard Gregory &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Psychologen sind Kippfiguren – ebenso wie Wahrnehmungstäuschungen – ein beliebtes Mittel, um zu demonstrieren, dass Wahrnehmen nicht (vollends) von den äußeren Gegebenheiten, die auf die Sinnesorgane einwirken, bestimmt ist. Wie die Subjektivität im Fall der Kippfiguren bei unveränderten Gegebenheiten zu verschiedenen Eindrücken kommt, ist indessen bis heute ungeklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht einmal die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen, ist unstrittig: Neben dem Hauptstrom der Forschung, in dem das Thema stets gegenwärtig blieb, hielten Anhänger einer „ökologisch“ – sprich: an den natürlichen Umständen des Wahrnehmens – orientierten Forschung Distanz: Man habe es hier nicht mit potentiell besonders erhellenden Grenzfällen des Wahrnehmens zu tun – wie bis heute von jenen, die Kippfiguren untersuchen, meist mehr oder minder ausdrücklich argumentiert wird –, sondern mit denaturierten Vorgaben einer lebensfernen Laborforschung.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe die Kritik von &amp;lt;bib id=&#039;Kanizsa &amp;amp; Luccio 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie &amp;lt;bib id=&#039;Kruse et al. 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; an der Position von &amp;lt;bib id=&#039;Gibson 1982a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu betonen, dass die meisten natürlichen Wahrnehmungssituationen sich vom Betrachten von Kippbildern unterscheiden, schließt indessen nicht aus, dass solche Bilder – ex negativo – Prinzipien der Ökologie des Wahrnehmens verdeutlichen können. Entsprechend kann eine Forschungsperspektive, die auf den Umwelt- und Handlungsbezug des Wahrnehmens orientiert ist, ihrerseits das Verständnis von Kippbildern befördern.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe Lindauer &amp;amp; Logotheis (1999), die den Handlungsbezug allerdings in relativ abstrakter Form (ohne Bezug auf den Zusammenhang von Wahrnehmen und Bewegung) geltend machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit langem wird diskutiert, ob das Umschlagen der Wahrnehmung von einer Art Ermüdung („Sättigung“) in Nervennetzen rühren könnte; da diesbezüglich meist relativ frühe Stufen der Reizverarbeitung unter Verdacht stehen, gilt die Sättigungstheorie auch als „Bottom-up-Hypothese“. Dem steht die Vermutung gegenüber, dass nicht zuletzt Wissen und Aufmerksamkeit, also (eher bewusste) mentale Prozesse, die den „Automatismen“ grundlegender Module des visuellen Systems nachgelagert bzw. übergeordnet sind, eine wesentliche Rolle spielen („Top-down-Hypothesen“). Die im Laufe der Zeit angehäuften empirischen Befunde deuten, das sei einem Ausblick auf Methoden und Ergebnisse der experimentellen Erforschung von Kippphänomenen vorausgeschickt, darauf hin, dass die Wahrheit jenseits dieser plakativen (und zugleich unscharfen) Entgegensetzung liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler war die Ermüdungserklärung Bestandteil der These, Wahrnehmen überhaupt basiere – analog zu in der Physik untersuchten Erscheinungen – auf antagonistischen Prozessen neuronaler Selbstorganisation. Das Kippen gilt hier ganz ausdrücklich als generelles Funktionsprinzip des Gehirns, welches bei stabilen Wahrnehmungen nur nicht zu Bewusstsein komme. Diese Behauptung mag den Reiz eines Paradoxes haben, ist aber hinsichtlich des namhaft gemachten allgemeinen Funktionsprinzips nicht mehr als eine metaphorisch formulierte Vermutung; und anderseits erscheint diese These nicht gerade darauf angelegt, die Besonderheit von Wahrnehmungsprozessen, bei denen es zum Kippen kommt, zu erklären. In diese Tradition stellen sich neuere Bemühungen multistabiles Wahrnehmen im Rahmen des systemtheoretischen Zugangs der „Synergetik“ &amp;lt;bib id=&#039;Kruse &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; als Schlüssel zum Verständnis des Wahrnehmens zu nutzen. Wenn in diesem Sinn das Kippen als „herausragendes methodologisches Fenster für das Messen der Dynamik des visuellen Systems“ &amp;lt;bib id=&#039;Kruse et al. 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; angesprochen wird, bleibt es nicht aus, dass u. a. Analogien von Kippfiguren und mathematischen Modellierungen der Quantenmechanik ins Feld geführt werden. &amp;lt;bib id=&#039;Caglioti 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Untersuchungsmethoden:=====&lt;br /&gt;
* Bei experimentellen Untersuchungen zur Wahrnehmung von Kippbildern wird in der Regel von den Versuchspersonen verlangt, durch Drücken verschiedener Knöpfe anzuzeigen, welche Lesart der Vorlage ihnen momentan ins Auge springt. Auf diese Weise lassen sich der primäre Eindruck sowie der Wechsel im weiteren Verlauf (Fluktuation, jeweilige Verweildauer) feststellen. Dieses Verfahren setzt voraus, dass die Probanden über das potentielle Kippen bzw. die möglichen Sichtweisen vorweg aufgeklärt wurden; sie sind also nicht völlig unbefangen. Entsprechend vorinformiert sind auch Versuchspersonen, die auf einer Skala einschätzen sollen, wie leicht ihnen diese oder jene Sichtweise fällt. Will man eine derartige Voreinstellung vermeiden, ist man auf mündliche Berichte („Sagen Sie, was Sie sehen.“) angewiesen, die nicht so leicht statistisch ausgewertet werden können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Je nach spezifischer Fragestellung sind die Versuchspersonen frei, die jeweiligen Vorlagen ohne weiteren Vorsatz auf sich wirken zu lassen, oder werden aufgefordert, Sichtweisen möglichst zu halten oder im Gegenteil möglichst oft wechseln zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Betrachten erfolgt manchmal nur mit einem Auge, manchmal mit fixiertem Kopf (z.B. Kinnauflage). Der Blick darf schweifen oder soll auf eine Markierung im Bild fixiert werden (wie eine Fixierung wirkt es auch, wenn die Bilder dem Tanz der freien Augenbewegung nachgeführt werden oder wenn man das Kippen anhand von Nachbildern einer blitzlichtartigen Präsentation auf der Netzhaut – Nachbilder bewegen mit dem Auge mit – untersucht.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Vorlagen werden ununterbrochen oder in verschiedenen Intervallen präsentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal stehen die Bilder auf dem Kopf (etwa um zu prüfen, welche Rolle das Erkennen von „Bedeutung“/Lebewesen für die Zuordnung einer Kontur spielt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal spielen eindeutig gemachte („disambiguierte“) Varianten von Kippbildern eine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das, was Versuchspersonen im Zusammenhang des jeweiligen Versuchsaufbaus bewusst mitteilen (meist per Knopfdruck), wird in aufwendigeren Studien mit Messungen von Augenbewegungen (teils auch des eventuell abgedeckten Auges) und Akkommodation, der Hirnströme (sogenannter ERPs: ereigniskorrelierter Potentiale) oder lokaler Durchblutungsdifferenzen abgeglichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anhaltspunkte für die Erklärung (bzw. die neuronale Basis) multistabiler Wahrnehmung ergeben sich auch aus gewissen Parallelen zur binokulären Rivalität (bietet man beiden Augen Ansichten, die nicht zur Deckung zu bringen sind, springt das Wahrnehmen zwischen beiden Sichten), deren neuronale Korrelate mit Elektroden im Gehirn von Affen untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Ergebnisse:=====&lt;br /&gt;
* Ein bereits älterer Forschungsbefund machte die Sättigungstheorie zweifelhaft: Zeigt man Versuchspersonen, bevor man ihnen das Kippbild mit der jungen und der alten Frau präsentiert, eine eindeutig gemachte Variante, die entweder die „Ehefrau“ oder die „Schwiegermutter“ erkennen lässt (Abb.), sehen sie dann das Kippbild eher entsprechend der jeweiligen Prägung. Nach der Sättigungstheorie wäre das Gegenteil zu erwarten. &amp;lt;bib id=&#039;Rock 1985a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Dem steht u. a. der neuere Befund gegenüber, dass im Falle eines rotierenden Neckerwürfels die Vorerfahrung mit eindeutig gemachter Drehrichtung nur dann auf die Auffassung der mehrdeutigen Vorlage durchschlägt, wenn das „Priming“, wie dieses Versuchsdesign genannt wird, kurz gehalten war, während eine längere Vorwegkonfrontation die gegenteilige Wahrnehmung befördert. &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:17.png|Abbildung 17: Quelle: Hochberg (1977)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was empirische Bestätigungen von „Top-down-Prozessen“ angeht, ist vielfach belegt, dass sich das Kippen zwar willkürlich beeinflussen, indessen nicht völlig intentional kontrollieren lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wahrnehmung von Kippbildern, die Gesichter enthalten (beispielsweise der Hasen-Enten-Kopf), ist leichter beeinflussbar – im Sinne von verzögertem oder beschleunigtem Wechsel – als die von Bildern mit doppeldeutiger Perspektive (z. B. der Necker-Würfel). &amp;lt;bib id=&#039;Stüber &amp;amp; Stadler 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hirnstrommessungen lieferten in jüngerer Zeit Indizien dafür, dass frühe Prozesse im Hinterhauptslappen des Gehirns durch Aktivierungen in frontalen und temporalen Bereichen des Gehirns, die mit Aufmerksamkeit resp. Objektwissen in Verbindung gebracht werden, mitbestimmt werden. (Beispielsweise &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messungen im Affenhirn &amp;lt;bib id=&#039;Logothetis 1998a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; und EEG-Befunde beim Menschen zeigen &amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, dass bei binokulärer Rivalität „späte“ Module (im Scheitellappen), die mit der räumlichen Auswertung visueller Reize in Verbindung gebracht werden , eine herausgehobene Rolle spielen; entsprechende Aktivierungen finden sich auch bei Kippfiguren (&amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;S. 55–65).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vergleicht man das EEG, das sich zeigt, wenn man vor den Augen der Versuchspersonen den Wechsel zwischen eindeutig gemachten Varianten eines Bildes vollzieht, mit jenem, das mit echtem Kippen bei unveränderter mehrdeutiger Vorlage einhergeht, so fehlt beim echten Kippen eine Komponente, die als „Erlangen von Gewissheit“ interpretierbar ist; gleichwohl scheint man das Kippen immer wieder als neue Gewissheit zu erleben, sich also nicht dessen bewusst zu sein, was das EEG bezeugt: dass man auf dem Sprung bleibt.&amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier &amp;amp; Bach 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zusammenhänge von Kippen und Augenbewegungen sind ebenso nachgewiesen, wie der Umstand, dass es zum Kippen auch dann kommt, wenn das Auge nicht über das Bild wandert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Von Augenbewegung unabhängige Verlagerungen der Aufmerksamkeit (sog. „verdeckte Aufmerksamkeit“) modifizieren das Kippen. Der Zusammenhang von Kippen mit intentionalem Suchverhalten mit und ohne Augenbewegungen ist ein Indiz dafür, dass das Kippen auch jenseits bewusster Absicht, als Art von Suchverhalten unter erschwerten Wahrnehmungsbedingungen verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Springt beim einäugigen Betrachten eines Neckerwürfels die Sichtweise um, ändert sich die Stellung des verdeckten Auges, so wie das bei beidäugigem Sehen geschehen würde, um bei einem tatsächlichen räumlichen Gebilde das Sehen von Doppelbildern zu vermeiden (Vergenzbewegung). &amp;lt;bib id=&#039;Enright 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kurze Unterbrechungen der Reizpräsentation (bis zu 400 ms) fördern ein Kippen, längere Pausen reduzieren es drastisch; welche der beiden konkurrierenden Deutungen dadurch gestützt wird, ist strittig. &amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet der offenen Fragen angesichts der hier schlaglichtartig angedeuteten komplexen Befundlage kann man festhalten, dass Kippbilder wohl eher durch Deutungen zu erhellen sind, welche bedenken, wie sich diese Situationen zum prinzipiellen Handlungs- bzw. Umweltbezug des Wahrnehmens verhalten, als durch losgelöste Modelle der Selbstorganisation bzw. Analogien zu physikalischen Phänomenen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliography-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab2}}&lt;br /&gt;
{{GlosTab3}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Benutzer:Rainer I Schönhammer|Schönhammer, Rainer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den Schluß nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosEnd}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5564</id>
		<title>Kippbild</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5564"/>
		<updated>2011-04-13T18:07:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!--  &amp;quot;This is comment&amp;quot;  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Vorlage für Unterpunkte--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Den folgenden Header, bitte nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosHeader}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Unterpunkt]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ende header--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--In der folgenden Zeile bitte die (Wiki)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Den folgenden Abschnitt bitte nicht ändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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{{GlossarBoxMain}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
:::“If meanings are hypotheses, ambiguities are alternative hypotheses.” Richard Gregory&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, S. 1140.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begriffe „Kippbild“ oder „Kippfigur“ stehen für Vorlagen, die einen (reversiblen) abrupten Wechsel des Wahrgenommenen ermöglichen, während das Bild/Objekt unverändert bleibt. Man spricht auch von mehrfachstabilen Wahrnehmungsprozessen (also etwa von bi-, tri- oder multistabiler Wahrnehmung). Aus verschiedenen Kulturen überlieferte Artefakte (Wandgemälde, Reliefs, Mosaike, Dekore auf Keramiken und Textilien) deuten darauf hin, dass der Reiz solcher Bilder weithin und auch schon lange bekannt ist&amp;lt;ref&amp;gt;Gregory (2000); &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Mitchell 1994a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Zimmer 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Situationen des praktischen Lebens ist derartige Instabilität des Wahrnehmens selten. Das schließt nicht aus, dass Momente der umweltbezogenen Wahrnehmung zumindest teils Ausgangspunkt für entsprechende bildnerische Spiele waren und sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Phänomenologie (Eingrenzung und Varianten)=====&lt;br /&gt;
Oft werden Kippbilder in drei Typen unterteilt&amp;lt;ref&amp;gt;So bei Rock (1985), an dem sich viele Autoren orientieren; &amp;lt;bib id=&#039;Nänni 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;: 1) Umspringen von „Figur und Grund“, 2) Ambivalenz von „Bedeutung“ und 3) Mehrdeutigkeit perspektivischer Darstellungen. Diese Typologie ist zwar nicht umfassend und in gewisser Weise sogar irreführend, aber gleichwohl ein brauchbarer erster Zugang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1)&lt;br /&gt;
Umspringen von „Figur und Grund“. Berühmtestes Beispiel ist der Kelch, dessen Umrisse als zwei einander zugewandte menschliche Profile gesehen werden können. Unter Psychologen ist dieses Kippbild als „Rubinscher Becher“ oder „Rubinsche Vase“ geläufig; der dänische Psychologe Edgar Rubin hatte dieses Motiv, das zuvor schon in der graphischen Kunst benutzt worden war&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Hofmann 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie &amp;lt;bib id=&#039;Sander 1962a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; nennen Beispiele aus dem späten 18. und dem frühen 19. Jh.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zu Beginn des 20. Jh. aufgegriffen&amp;lt;ref&amp;gt;in Studien, die er zwischen 1912 und 1914 bei G. E. Müller in Göttingen durchführte und 1915 in Buchform publizierte  (2. Aufl.1921)&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Von Kippen kann man hier sprechen, weil die Konturlinie entweder den Profilen zugehört oder dem Kelch: Sieht man die Profile, hat sich die weiße Fläche in Hintergrund verwandelt, nimmt man den Kelch wahr, sieht man keine Schattenrisse von menschlichen Gesichtern, sondern nur dunklen Hintergrund, der sich hinter dem verschnörkelten Gefäß fortsetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1.png|thumb|Abbildung 1: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur/Objekt und (Hinter-)Grund können auch bei eher sinnfreien Linien/Flächengrenzen ineinander umschlagen. Derartige Beispiele standen im Mittelpunkt von Rubins Untersuchungen (Abb.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:2.png|thumb|Abbildung 2: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterscheidung von „Figur“ und „Grund“, die man als Betrachter von nichtperspektivischen zweidimensionalen Darstellungen vornimmt, demonstriert, wie stark man dazu neigt, dreidimensionale Verhältnisse („vor“ vs. „hinter“) in Bilder hineinzusehen. Bereits da, wo nur eine schlichte Linie eine Fläche teilt (Abb.), sehen wir leicht eine der beiden Teilflächen vor der anderen&amp;lt;ref&amp;gt;Oder – als dritte Möglichkeit – die Line als Körper (oder körperliche Leerstelle); also etwa einen Faden/eine Schlage auf/vor dem Grund bzw. eine Ritze in einer Fläche&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:3.png|thumb|Abbildung 3]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltpsychologen haben sich eingehend mit der Frage beschäftigt welche abstrakten Qualitäten von Linien/Flächen das Sehen als Figur nahe legen. &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Manche der zahlreichen Variationen der Darstellung von Rubins Becher machen Faktoren der Figurbildung deutlich; schneidet man beispielsweise Rubins Original an der oberen und unteren Kante des Kelchs horizontal ab, so springen die Profile leichter ins Auge als in der ursprünglichen Konstellation (umschließende Flächen werden eher als Grund gesehen), ein Tausch von hell und dunkel wirkt dieser Tendenz wiederum entgegen (dunklere Flächen sieht man bevorzugt als Figur).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:4.png|Abbildung 4]] [[Datei:5.png|Abbildung 5: Rubins (1921) Abb. modifiziert]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ebenfalls relativ bekannte Bild einer Landschaft, in der sich die Umrisse „Napoleons“/„eines  Kapitäns“ – vom charakteristischen Hut bis zu den Füßen – verstecken&amp;lt;ref&amp;gt;z. B. in &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; http://www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt;, funktioniert nur bedingt als Kippfigur. Hat man die Umrisse, die für den Mann stehen, erst einmal entdeckt, ist ein Umschlagen von Figur und Grund zwar insofern nicht ausgeschlossen, als man abwechselnd die Silhouette des Mannes vor einem dickem Baum oder aber Bäume/Baumstrünke und einen leeren Zwischenraum sehen kann. Aber nicht nur bei breit (auf die „Totale“) eingestellter Aufmerksamkeit kann man Landschaft und Person zugleich sehen; es ist auch möglich, simultan gewundene dünne Baumstämme und die von ihren Konturen geformte Silhouette zu sehen, also zwei sozusagen symbiotische Figuren. Dieses „Vexierbild“ funktioniert – wie viele andere auch – deshalb gut als &#039;&#039;&#039;Bilderrätsel&#039;&#039;&#039;, weil es in die relativ detailreiche Darstellung einer realistischen Szenerie in unwahrscheinlicher Weise Anzeichen eines bedeutsamen Objektes (meist eines Menschen oder anderen Lebewesens) konstruiert. Ist der Betrachter erst einmal über diese Andeutungen gestolpert, springt aus dem Hintergrund der ursprünglichen „Figur“ (hier: Baumgruppe in Landschaft) ein Objekt in die Szene, ohne diese dabei auszulöschen. Das Konstruktionsprinzip solcher Vexier- oder Rätselbilder sorgt eher für einmalige Überraschung als fortgesetztes Kippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6.png|Abbildung 6: Quelle: Allesch (2006)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) &lt;br /&gt;
Ambivalenz von „Bedeutungen“ („semantisch ambivalente Bilder“). Diese nicht sehr glückliche Kategorisierung – um unterschiedliche Bedeutungen handelt es sich bei zwei- oder mehrdeutigen Bildern immer – bezieht sich auf Vorlagen, bei denen man abwechselnd die Darstellung verschiedener Objekte sehen kann, ohne dass dabei unbedingt ein Figur-Grund-Wechsel beteiligt wäre. Man könnte also vielleicht besser von  „Gesichterwechsel der Figur“ sprechen. Die Rede vom Gesichterwechsel charakterisiert diesem Untertypus von Kippbildern nicht nur im übertragenen Sinn – die nämliche „Figur“ (im Sinne der gestaltpsychologischen Unterscheidung von Figur und Grund) evoziert unterschiedliche Objekte – sondern auch insofern, als es hier in der Regel um Bilder geht, bei denen tatsächlich oft abwechselnd unterschiedliche Gesichter (und/oder Körper) von Menschen oder anderen Tieren aus einer Figur hervortreten (manchmal sind das Gesichter/Körper der nämlichen Gattung, manchmal wechselt die Gattung; auch Darstellungen menschlicher Totenköpfe sind verbreitet)&amp;lt;ref&amp;gt;Nur ausnahmsweise wird das in der Forschungsliteratur reflektiert (wie bei &amp;lt;bib id=&#039;Stoesz 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die Kippfiguren im Hinblick auf die Besonderheiten der Gesichtswahrnehmung bei autistischen Kindern untersuchte).&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berühmte Beispiele für Gesichter-Kippbilder tauchten zunächst im 19. und frühen 20. Jh. in humoristischen Publikationen auf und haben heute einen festen Platz in psychologischen Lehrbüchern und populärwissenschaftlichen Darstellungen spektakulärer Wahrnehmungsphänomene. Besonders prominent ist jener Kopf, der auf den ersten Blick meist als der einer Ente gesehen wird, aber auch in den eines Hasen umschlagen kann&amp;lt;ref&amp;gt;Zahlen zur Identifikation auf den ersten Blick bei &amp;lt;bib id=&#039;Brugger &amp;amp; Brugger 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; hat weiter Probanden bei 12 im Umlauf befindlichen Varianten des Bildes auf einer Skala einschätzen lassen, wie leicht sie Ente (bzw. einen Vogel) oder Hasen sehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Der in Harvard lehrende Psychologe Jastrow hatte den Enten-Hasen-Kopf am Übergang zum 20. Jh. in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht. &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Einige Bemerkungen im Spätwerk Ludwig Wittgensteins (siehe unten) haben diese Gesichterkippfigur gewissermaßen philosophisch geadelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:7.png|Abbildung 7: Quelle: Mitchell (1994)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres sozusagen klassisches Kippbild vereint die Ansicht einer alten Frau (im ganz leicht dem Betrachter zugewandten Profil) mit der Darstellung des Gesichts einer jungen Frau, das vom Betrachter dreiviertel abgewandt ist&amp;lt;ref&amp;gt;Ursprünglich eingeführt als „my wife and my mother in law“; diese Konstruktion wurde auch mit männlichen Zügen/Attributen realisiert&amp;lt;/ref&amp;gt;; wie beim Enten- vs. Hasenkopf schließen sich beide Sichtweisen aus (Abb.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:8.png|Abbildung 8: Quelle: Attneave (1971)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist ein partieller Figur-Grund-Wechsel in die Metamorphose der Figur einbezogen. So erscheint im Kippbild „Ratte vs. Mann mit Brille“ (Abb.) ein Bereich einmal als Grund zwischen Körper und Schwanz der Ratte und wird mit dem Umschlagen zur Wange des Mannes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:9.png|Abbildung 9: Quelle: Rock (1985)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich verhält es sich bei der Grafik „Sara Nader“ (Abb.) aus der Feder des amerikanischen Psychologen Roger N. Shepard&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Shepard 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, p. 76); Varianten u. a. mit Umkehr von hell und dunkel (p. 140/141).&amp;lt;/ref&amp;gt;. Allerdings kann man bei diesem Bild beide Sehweisen – Saxophonspieler und en face Porträt einer Frau – gleichzeitig wahrnehmen, was wohl daher rührt, dass jene Flächen, die eines der beiden Augen, den Mund und den Nasenflügel des weiblichen Gesichts anzeigen, entweder isoliert vom Schattenriss des Saxophonspielers sind (Auge) oder sich nicht zwingend in die Einheit von Mann und Instrument fügen (Mund, Nasenflügel). Man kann sogar auch noch gleichzeitig gewahren, dass das sozusagen freischwebende Auge einen Vogel darstellt. Sofern die Aufmerksamkeit nicht zu sehr auf eines der drei „Gesichter“ (Mann, Frau, Vogel) fokussiert, machen diese sich den Platz im Wahrnehmungsakt nicht streitig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10.png|Abbildung 10: Quelle &amp;amp; Urheber: Shepard (1990)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gesichter-Kippbilder“ sind also von Bildern zu unterscheiden, die Darstellungen mehrerer Gesichter bzw. Körper bergen, welche zwar womöglich – im Sinne eines Bilderrätsels – nicht alle sofort gesehen werden und auch dann, wenn sie einmal entdeckt wurden, abwechselnd ins Zentrum der Aufmerksamkeit treten können, deren gleichzeitige Wahrnehmung aber nicht ausgeschlossen ist. Nur dann, wenn die wesentlichen Anzeichen für die konkurrierenden Gesichter in der jeweiligen Alternative einen sinnvollen Platz finden, schlägt die Wahrnehmung um. Ansonsten kann man eben zwei oder mehrere Gesichter/Körper zugleich sehen, ob sie nun mehr oder weniger gleichberechtigt nebeneinander stehen oder in eine hierarchische Beziehung zueinander gesetzt sind (wie beispielsweise da, wo kleine Darstellungen von Menschen nach Art der Jahreszeiten-Gemälde von Arcimboldo Partien eines Porträts bilden)&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele etwa bei &amp;lt;bib id=&#039;Haken 1995&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 40); &amp;lt;bib id=&#039;Ditzinger 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 92); und – oft ohne Quellenangaben – bei Hobbysammlern im Internet.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bilder, die in Arcimboldos Manier Gesichter und Körper zu einem übergeordneten Gesicht (oder eben Totenkopf) zusammenstellen, legen einen Wechsel der Fokussierung nahe, ohne im strengen Sinn Kippbilder zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum simultanen Sehen von Elementen und Portrait bei Arcimboldo vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Niederée &amp;amp; Heyer 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; , p. 98)&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Verschiebung von Akzenten der Betrachtung ist einem Wechsel der Aufmerksamkeit vergleichbar, wie man ihn vornimmt, wenn man sich auf Details eines Bildes konzentriert oder gar die Pinselstriche (allgemein: Merkmale der Darstellungsweise) fokussiert. Selbst wenn man bei der Untersuchung der Oberfläche eines Bildes für Momente das Dargestellte völlig ausklammert, fehlt hier – wie auch beim Fokuswechsel bei Bilderrätseln – das typische Erlebnis verblüffenden Hin-und-her-Kippens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ernst Gombrich den Übergang von Sehen des Bildinhalts zu einem radikal auf die Malweise gerichteten kunstwissenschaftlichen Blick mit dem Kippbilderlebnis gleichsetzt &amp;lt;bib id=&#039;Gombrich 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. (was der Kunsttheoretiker Richard Wollheim aus verschiedenen Gründen in Frage stellte; siehe unten&amp;lt;ref&amp;gt;siehe „Kippbild: Philosophische Diskussion&amp;lt;/ref&amp;gt;), wird er u. a. der Tatsache nicht gerecht, dass das Kippen zwar auch durch Konzentration aktiv beeinflusst werden kann, aber – anders als eine ausblendende Vertiefung in die Darstellungsweise – immer als Widerfahrnis erlebt wird (dieser jederzeit individuelle überprüfbare Befund wird auch durch Ergebnisse der experimentellen Forschung bestätigt; siehe unten) . Frei nach Lichtenberg: Kippbilder vermitteln das Erlebnis „Es sieht!“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3)&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit. Zweidimensionale Projektionen dreidimensionaler Körper, also beispielsweise perspektivische Darstellung von Kristallen, sind objektiv vieldeutig. Grundsätzlich kann ja schon jede auf ein Blatt gezeichnete Linie für zahllose Neigungen eines Stabes (oder eben einer Kante) in die Tiefe des Raumes stehen. Die verschiedensten Körper führen also zur nämlichen Projektion. Ungeachtet der unendlich vielen möglichen dreidimensionalen Konstellationen, die hinter einem solchen Bild stehen können, drängen sich dem Wahrnehmen nur wenige auf. Das ist per se bemerkenswert. Zu den „Lebensgewohnheiten des Gesichtssinnes“ (Ernst Mach &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) gehört es offenbar, dass uns die Mehrzahl der möglichen 3D-Sichtweisen von Zeichnungen nicht in den Sinn kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Zeichnung (Abb.), in der wir spontan die Projektion eines Gitter-Würfels ausmachen (mögen auch andere Körper zum nämlichen Bild führen), bleibt allerdings auch im Wahrnehmungsakt mehrdeutig: in der Regel kippt die Ansicht der unveränderten Vorlage zwischen zwei unterschiedlich im Raum gelagerten Würfeln hin und her, sieht man, anders gesagt, Ecken vor- bzw. zurückspringen. Diese Kippfigur ist unter der Bezeichnung Necker-Würfel geläufig; genannt nach jenem Schweizer Geologen und Kristallographen, der das Kippen beim Betrachten von durchsichtigen Kantendarstellungen von Kristallformen im Jahr 1832 schriftlich festgehalten hatte. (siehe &amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:11.png|Abbildung 11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als „Machs Buch“ (Abb.) wird die Verbindung zweier Parallelogramme bezeichnet, die in der Regel zunächst als geöffnetes „Buch“ (bzw. geknickte Karte) gesehen wird&amp;lt;ref&amp;gt;Ungeachtet der Tatsache, dass die Parallelität der perspektivischen Verzerrung, die bei einem in die Tiefe geneigten Rechteck aufträte, widerspricht.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das (die) dem Betrachter den Rücken zuwendet. Alternativ blickt man in das aufgeschlagene Buch hinein. &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12.png|Abbildung 12]] [[Datei:13.png|Abbildung 13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe von schräg angeordneten „Knickfiguren“ ergibt die „Schrödersche Treppe“ (Abb.), bei der Untersicht und Aufsicht ineinander umschlagen können. Netzwerke von Parallelogrammen erscheinen als Texturen von Quadern/Würfeln (Abb.), deren Ecken man mal nach innen, mal außen springen sieht – ein Motiv das sich in griechischen und römischen Mosaiken findet und auch bei Möbelfurnieren vorkommt. &amp;lt;bib id=&#039;Gregory et al. 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14.png|Abbildung 14: Quelle: Zimmer (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit hat Konsequenzen für die Wahrnehmung von Bewegung: Bei einäugiger Betrachtung tritt die plötzliche Umstülpung auch bei einem Drahtwürfelwürfel auf&amp;lt;ref&amp;gt;Wenn man den Blick ins Unendliche richtet, also durch die Drahtplastik hindurchstarrt, führt auch das Sehen mit beiden Augen relativ sicher zum Erfolg.&amp;lt;/ref&amp;gt;; dreht sich das Gebilde, so kehrt sich mit dem Umspringen die wahrgenommene Drehrichtung um.&amp;lt;ref&amp;gt;Bewegt sich umgekehrt der Betrachter gegenüber dem unbewegten Würfel, so scheint die Plastik während der illusorischen Sichtweise – magisch – der Bewegung des Betrachters zu folgen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das geschieht auch, wenn man die Projektion eines rotierenden Drahtwürfels betrachtet. Ein Beispiel für eine natürliche Situation, bei der die Bewegungsrichtung in den Augen des Betrachters umschlagen kann, nennt Otto Klemm: „Die Windmühle, die man als dunklen Schattenriß am Horizont schräg von der Seite sieht, dreht sich je nach perspektivischer Vorstellung in verschiedener Richtung.“&amp;lt;bib id=&#039;Klemm 1919a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Die Computeranimation „spinning dancer“ (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Spinning_Dancer) spielt ebenfalls mit einer (weitgehenden) perspektivischen Äquivalenz entgegengesetzter Tiefenausrichtungen von Körpern, von denen man lediglich die Silhouette sieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Widersprüchliche Tiefen-/Richtungshinweise in der Animation benennen&amp;lt;bib id=&#039;Troje &amp;amp; McAdam (2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Zwischenresümee=====&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Räumliche Mehrdeutigkeit&#039;&#039;&#039; von Bildern spielt nicht nur da eine Rolle, wo man zwischen Sichtweisen perspektivischer Darstellungen springt. Beim Kippen von Figur und Grund wechselt ebenfalls die wahrgenommene räumliche Position (vorne/hinten). Ohne ein Spiel mit räumlicher Mehrdeutigkeit kommt schließlich auch das „semantische Kippen“ zwischen dem Sehen der jungen vs. alten Frau nicht aus. (In natürlichen Situationen treten vergleichbare Mehrdeutigkeiten nur unter eingeschränkten Sichtbedingungen auf: etwa bei der Betrachtung weit entfernter Objekte/Szenen. Aus der Nähe sorgen in aller Regel Tiefeninformationen – ob sie sich nun dem beidäugigen Sehen oder kleinen Positionswechseln des Betrachters verdanken – für Eindeutigkeit.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Neben räumlicher Mehrdeutigkeit ist offenbar die menschliche Neigung, bereits in wenigen Andeutungen ein &#039;&#039;&#039;Gesicht&#039;&#039;&#039; (allgemeiner: Die Gestalt eines vertrauten &#039;&#039;&#039;Lebewesens&#039;&#039;&#039;) auszumachen &amp;lt;bib id=&#039;Schönhammer 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, ein Unsicherheits- und damit Kippfaktor. Dieser kann in Verbindung mit einer Ambivalenz von Figur-Grund (Rubins Becher) oder einer der Perspektive (junge/alte Frau) zum Tragen kommen. Manchmal, wie im Fall des Enten-Hasen-Kopfes, ist er aber offenbar eigenständig wirksam (also auch angesichts einer mit beiden Augen aus der Nähe betrachteten Plastik&amp;lt;ref&amp;gt;Das gilt für den isolierten Kopf. Umfasst die Plastik auch einen Körper, kann dieser die Doppeldeutigkeit unterstützen oder ihr entgegen gerichtet  sein; bei der Kleinplastik, die &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; abbildet, kann unterschiedliche Aufstellung das Sehen als Hase oder Ente forcieren, weil der Körper je nach Aufstellung eindeutig zur jeweiligen Ausrichtung des Kopfes passt.&amp;lt;/ref&amp;gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Weitere Typen von Kippfiguren=====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Typus von Kippbildern, bei dem es um räumliche Tiefe geht, sind Bilder mit Schattenindikatoren, die sowohl auf konvexe als auch auf konkave Wölbungen hinweisen können (Abb.); in Lehrbüchern wird dieser Aspekt von Schattierungswahrnehmung meist zugunsten vermeintlich eindeutiger Wölbungswahrnehmung in Abhängigkeit von der impliziten Lage der Lichtquelle („Licht von oben“ vs. „von unten“) vernachlässigt (demonstriert durch Drehung des Bildes um 180°); bereits die oben bzw. unten angedeuteten Schatten schließen indessen ein Kippen zwischen konvexem und konkavem Eindruck nicht aus, dreht man die Demonstrationsbeispiele um 90°, verlagert also das Helligkeitsgefälle auf eines zwischen rechter und linker Seite, so erleichtert dies die Fluktuation der Sichtweisen. Unter natürlichen Umständen tritt Wölbungsambivalenz beispielsweise im Hinblick auf die Segel entfernter Schiffe auf.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; weisen auf eine entsprechende Beobachtung von Ptolemäus hin.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:15.png|Abbildung 15: Quelle: Schönhammer (2009)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scheinbewegung, die man durch benachbarte, in schneller Abfolge aufleuchtende bzw. verlöschende Lämpchen erzeugen kann, ist bei geeigneter Anordnung – etwa bei acht in gleichem Abstand auf einer Kreislinie angeordneten Lämpchen, von denen jeweils 4 im schnellen Wechsel aufleuchten – ambivalent hinsichtlich der Richtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei statischen Bildern mit zweidimensionalen geometrischen Figuren kann ein Umspringen der wahrgenommenen Ausrichtung eintreten. Die drei Richtungen etwa, auf welche die Spitzen eines gleichseitigen Dreiecks zeigen, kann man nicht zugleich sehen (bei horizontaler oder vertikaler Ausrichtung einer der Seiten tendiert man spontan dazu, die dieser jeweils gegenüberliegende Spitze als richtungsweisend wahrzunehmen.). &amp;lt;bib id=&#039;Attneave 1971a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Wittgenstein 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich ordnen sich Muster beim Betrachten in unsteter Weise &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Stadler &amp;amp; Kruse 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; (Abb.); auch hier gehen meist Wechsel der wahrgenommenen Gruppierung mit solchen der wahrgenommenen Ausrichtung von Elementen des Musters Hand in Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:16.png|Abbildung 16: Quelle: Stadler &amp;amp; Kruse (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Psychologische und  neurowissenschaftliche Diskussion=====&lt;br /&gt;
“It is especially phenomena of ambiguity that make us think of perception as actively creative.“ Richard Gregory &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Psychologen sind Kippfiguren – ebenso wie Wahrnehmungstäuschungen – ein beliebtes Mittel, um zu demonstrieren, dass Wahrnehmen nicht (vollends) von den äußeren Gegebenheiten, die auf die Sinnesorgane einwirken, bestimmt ist. Wie die Subjektivität im Fall der Kippfiguren bei unveränderten Gegebenheiten zu verschiedenen Eindrücken kommt, ist indessen bis heute ungeklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht einmal die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen, ist unstrittig: Neben dem Hauptstrom der Forschung, in dem das Thema stets gegenwärtig blieb, hielten Anhänger einer „ökologisch“ – sprich: an den natürlichen Umständen des Wahrnehmens – orientierten Forschung Distanz: Man habe es hier nicht mit potentiell besonders erhellenden Grenzfällen des Wahrnehmens zu tun – wie bis heute von jenen, die Kippfiguren untersuchen, meist mehr oder minder ausdrücklich argumentiert wird –, sondern mit denaturierten Vorgaben einer lebensfernen Laborforschung.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe die Kritik von &amp;lt;bib id=&#039;Kanizsa &amp;amp; Luccio 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie Kruse, &amp;lt;bib id=&#039;Strüber &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; an der Position von &amp;lt;bib id=&#039;Gibson 1982a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu betonen, dass die meisten natürlichen Wahrnehmungssituationen sich vom Betrachten von Kippbildern unterscheiden, schließt indessen nicht aus, dass solche Bilder – ex negativo – Prinzipien der Ökologie des Wahrnehmens verdeutlichen können. Entsprechend kann eine Forschungsperspektive, die auf den Umwelt- und Handlungsbezug des Wahrnehmens orientiert ist, ihrerseits das Verständnis von Kippbildern befördern.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe Lindauer &amp;amp; Logotheis (1999), die den Handlungsbezug allerdings in relativ abstrakter Form (ohne Bezug auf den Zusammenhang von Wahrnehmen und Bewegung) geltend machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit langem wird diskutiert, ob das Umschlagen der Wahrnehmung von einer Art Ermüdung („Sättigung“) in Nervennetzen rühren könnte; da diesbezüglich meist relativ frühe Stufen der Reizverarbeitung unter Verdacht stehen, gilt die Sättigungstheorie auch als „Bottom-up-Hypothese“. Dem steht die Vermutung gegenüber, dass nicht zuletzt Wissen und Aufmerksamkeit, also (eher bewusste) mentale Prozesse, die den „Automatismen“ grundlegender Module des visuellen Systems nachgelagert bzw. übergeordnet sind, eine wesentliche Rolle spielen („Top-down-Hypothesen“). Die im Laufe der Zeit angehäuften empirischen Befunde deuten, das sei einem Ausblick auf Methoden und Ergebnisse der experimentellen Erforschung von Kippphänomenen vorausgeschickt, darauf hin, dass die Wahrheit jenseits dieser plakativen (und zugleich unscharfen) Entgegensetzung liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler war die Ermüdungserklärung Bestandteil der These, Wahrnehmen überhaupt basiere – analog zu in der Physik untersuchten Erscheinungen – auf antagonistischen Prozessen neuronaler Selbstorganisation. Das Kippen gilt hier ganz ausdrücklich als generelles Funktionsprinzip des Gehirns, welches bei stabilen Wahrnehmungen nur nicht zu Bewusstsein komme. Diese Behauptung mag den Reiz eines Paradoxes haben, ist aber hinsichtlich des namhaft gemachten allgemeinen Funktionsprinzips nicht mehr als eine metaphorisch formulierte Vermutung; und anderseits erscheint diese These nicht gerade darauf angelegt, die Besonderheit von Wahrnehmungsprozessen, bei denen es zum Kippen kommt, zu erklären. In diese Tradition stellen sich neuere Bemühungen multistabiles Wahrnehmen im Rahmen des systemtheoretischen Zugangs der „Synergetik“ &amp;lt;bib id=&#039;Kruse &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; als Schlüssel zum Verständnis des Wahrnehmens zu nutzen. Wenn in diesem Sinn das Kippen als „herausragendes methodologisches Fenster für das Messen der Dynamik des visuellen Systems“ &amp;lt;bib id=&#039;Kruse et al. 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; angesprochen wird, bleibt es nicht aus, dass u. a. Analogien von Kippfiguren und mathematischen Modellierungen der Quantenmechanik ins Feld geführt werden. &amp;lt;bib id=&#039;Caglioti 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Untersuchungsmethoden:=====&lt;br /&gt;
* Bei experimentellen Untersuchungen zur Wahrnehmung von Kippbildern wird in der Regel von den Versuchspersonen verlangt, durch Drücken verschiedener Knöpfe anzuzeigen, welche Lesart der Vorlage ihnen momentan ins Auge springt. Auf diese Weise lassen sich der primäre Eindruck sowie der Wechsel im weiteren Verlauf (Fluktuation, jeweilige Verweildauer) feststellen. Dieses Verfahren setzt voraus, dass die Probanden über das potentielle Kippen bzw. die möglichen Sichtweisen vorweg aufgeklärt wurden; sie sind also nicht völlig unbefangen. Entsprechend vorinformiert sind auch Versuchspersonen, die auf einer Skala einschätzen sollen, wie leicht ihnen diese oder jene Sichtweise fällt. Will man eine derartige Voreinstellung vermeiden, ist man auf mündliche Berichte („Sagen Sie, was Sie sehen.“) angewiesen, die nicht so leicht statistisch ausgewertet werden können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Je nach spezifischer Fragestellung sind die Versuchspersonen frei, die jeweiligen Vorlagen ohne weiteren Vorsatz auf sich wirken zu lassen, oder werden aufgefordert, Sichtweisen möglichst zu halten oder im Gegenteil möglichst oft wechseln zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Betrachten erfolgt manchmal nur mit einem Auge, manchmal mit fixiertem Kopf (z.B. Kinnauflage). Der Blick darf schweifen oder soll auf eine Markierung im Bild fixiert werden (wie eine Fixierung wirkt es auch, wenn die Bilder dem Tanz der freien Augenbewegung nachgeführt werden oder wenn man das Kippen anhand von Nachbildern einer blitzlichtartigen Präsentation auf der Netzhaut – Nachbilder bewegen mit dem Auge mit – untersucht.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Vorlagen werden ununterbrochen oder in verschiedenen Intervallen präsentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal stehen die Bilder auf dem Kopf (etwa um zu prüfen, welche Rolle das Erkennen von „Bedeutung“/Lebewesen für die Zuordnung einer Kontur spielt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal spielen eindeutig gemachte („disambiguierte“) Varianten von Kippbildern eine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das, was Versuchspersonen im Zusammenhang des jeweiligen Versuchsaufbaus bewusst mitteilen (meist per Knopfdruck), wird in aufwendigeren Studien mit Messungen von Augenbewegungen (teils auch des eventuell abgedeckten Auges) und Akkommodation, der Hirnströme (sogenannter ERPs: ereigniskorrelierter Potentiale) oder lokaler Durchblutungsdifferenzen abgeglichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anhaltspunkte für die Erklärung (bzw. die neuronale Basis) multistabiler Wahrnehmung ergeben sich auch aus gewissen Parallelen zur binokulären Rivalität (bietet man beiden Augen Ansichten, die nicht zur Deckung zu bringen sind, springt das Wahrnehmen zwischen beiden Sichten), deren neuronale Korrelate mit Elektroden im Gehirn von Affen untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Ergebnisse:=====&lt;br /&gt;
* Ein bereits älterer Forschungsbefund machte die Sättigungstheorie zweifelhaft: Zeigt man Versuchspersonen, bevor man ihnen das Kippbild mit der jungen und der alten Frau präsentiert, eine eindeutig gemachte Variante, die entweder die „Ehefrau“ oder die „Schwiegermutter“ erkennen lässt (Abb.), sehen sie dann das Kippbild eher entsprechend der jeweiligen Prägung. Nach der Sättigungstheorie wäre das Gegenteil zu erwarten. &amp;lt;bib id=&#039;Rock 1985a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Dem steht u. a. der neuere Befund gegenüber, dass im Falle eines rotierenden Neckerwürfels die Vorerfahrung mit eindeutig gemachter Drehrichtung nur dann auf die Auffassung der mehrdeutigen Vorlage durchschlägt, wenn das „Priming“, wie dieses Versuchsdesign genannt wird, kurz gehalten war, während eine längere Vorwegkonfrontation die gegenteilige Wahrnehmung befördert. &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:17.png|Abbildung 17: Quelle: Hochberg (1977)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was empirische Bestätigungen von „Top-down-Prozessen“ angeht, ist vielfach belegt, dass sich das Kippen zwar willkürlich beeinflussen, indessen nicht völlig intentional kontrollieren lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wahrnehmung von Kippbildern, die Gesichter enthalten (beispielsweise der Hasen-Enten-Kopf), ist leichter beeinflussbar – im Sinne von verzögertem oder beschleunigtem Wechsel – als die von Bildern mit doppeldeutiger Perspektive (z. B. der Necker-Würfel). &amp;lt;bib id=&#039;Stüber &amp;amp; Stadler 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hirnstrommessungen lieferten in jüngerer Zeit Indizien dafür, dass frühe Prozesse im Hinterhauptslappen des Gehirns durch Aktivierungen in frontalen und temporalen Bereichen des Gehirns, die mit Aufmerksamkeit resp. Objektwissen in Verbindung gebracht werden, mitbestimmt werden. (Beispielsweise &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messungen im Affenhirn &amp;lt;bib id=&#039;Logothetis 1998a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; und EEG-Befunde beim Menschen zeigen &amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, dass bei binokulärer Rivalität „späte“ Module (im Scheitellappen), die mit der räumlichen Auswertung visueller Reize in Verbindung gebracht werden , eine herausgehobene Rolle spielen; entsprechende Aktivierungen finden sich auch bei Kippfiguren (&amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;S. 55–65).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vergleicht man das EEG, das sich zeigt, wenn man vor den Augen der Versuchspersonen den Wechsel zwischen eindeutig gemachten Varianten eines Bildes vollzieht, mit jenem, das mit echtem Kippen bei unveränderter mehrdeutiger Vorlage einhergeht, so fehlt beim echten Kippen eine Komponente, die als „Erlangen von Gewissheit“ interpretierbar ist; gleichwohl scheint man das Kippen immer wieder als neue Gewissheit zu erleben, sich also nicht dessen bewusst zu sein, was das EEG bezeugt: dass man auf dem Sprung bleibt.&amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier &amp;amp; Bach 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zusammenhänge von Kippen und Augenbewegungen sind ebenso nachgewiesen, wie der Umstand, dass es zum Kippen auch dann kommt, wenn das Auge nicht über das Bild wandert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Von Augenbewegung unabhängige Verlagerungen der Aufmerksamkeit (sog. „verdeckte Aufmerksamkeit“) modifizieren das Kippen. Der Zusammenhang von Kippen mit intentionalem Suchverhalten mit und ohne Augenbewegungen ist ein Indiz dafür, dass das Kippen auch jenseits bewusster Absicht, als Art von Suchverhalten unter erschwerten Wahrnehmungsbedingungen verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Springt beim einäugigen Betrachten eines Neckerwürfels die Sichtweise um, ändert sich die Stellung des verdeckten Auges, so wie das bei beidäugigem Sehen geschehen würde, um bei einem tatsächlichen räumlichen Gebilde das Sehen von Doppelbildern zu vermeiden (Vergenzbewegung). &amp;lt;bib id=&#039;Enright 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kurze Unterbrechungen der Reizpräsentation (bis zu 400 ms) fördern ein Kippen, längere Pausen reduzieren es drastisch; welche der beiden konkurrierenden Deutungen dadurch gestützt wird, ist strittig. &amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet der offenen Fragen angesichts der hier schlaglichtartig angedeuteten komplexen Befundlage kann man festhalten, dass Kippbilder wohl eher durch Deutungen zu erhellen sind, welche bedenken, wie sich diese Situationen zum prinzipiellen Handlungs- bzw. Umweltbezug des Wahrnehmens verhalten, als durch losgelöste Modelle der Selbstorganisation bzw. Analogien zu physikalischen Phänomenen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliography-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab2}}&lt;br /&gt;
{{GlosTab3}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Benutzer:Rainer I Schönhammer|Schönhammer, Rainer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den Schluß nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosEnd}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5563</id>
		<title>Kippbild</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5563"/>
		<updated>2011-04-13T18:04:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!--  &amp;quot;This is comment&amp;quot;  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Vorlage für Unterpunkte--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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{{GlosHeader}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Unterpunkt]]&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--In der folgenden Zeile bitte die (Wiki)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht--&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildwahrnehmung]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--In der folgenden Zeile bitte die (Glossar)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unterpunkt zu: [[Bildwahrnehmung]]&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Den folgenden Abschnitt bitte nicht ändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab1}}&lt;br /&gt;
{{GlossarBoxMain}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
:::“If meanings are hypotheses, ambiguities are alternative hypotheses.” Richard Gregory&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, S. 1140.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begriffe „Kippbild“ oder „Kippfigur“ stehen für Vorlagen, die einen (reversiblen) abrupten Wechsel des Wahrgenommenen ermöglichen, während das Bild/Objekt unverändert bleibt. Man spricht auch von mehrfachstabilen Wahrnehmungsprozessen (also etwa von bi-, tri- oder multistabiler Wahrnehmung). Aus verschiedenen Kulturen überlieferte Artefakte (Wandgemälde, Reliefs, Mosaike, Dekore auf Keramiken und Textilien) deuten darauf hin, dass der Reiz solcher Bilder weithin und auch schon lange bekannt ist&amp;lt;ref&amp;gt;Gregory (2000); &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Mitchell 1994a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Zimmer 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Situationen des praktischen Lebens ist derartige Instabilität des Wahrnehmens selten. Das schließt nicht aus, dass Momente der umweltbezogenen Wahrnehmung zumindest teils Ausgangspunkt für entsprechende bildnerische Spiele waren und sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Phänomenologie (Eingrenzung und Varianten)=====&lt;br /&gt;
Oft werden Kippbilder in drei Typen unterteilt&amp;lt;ref&amp;gt;So bei Rock (1985), an dem sich viele Autoren orientieren; &amp;lt;bib id=&#039;Nänni 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;: 1) Umspringen von „Figur und Grund“, 2) Ambivalenz von „Bedeutung“ und 3) Mehrdeutigkeit perspektivischer Darstellungen. Diese Typologie ist zwar nicht umfassend und in gewisser Weise sogar irreführend, aber gleichwohl ein brauchbarer erster Zugang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1)&lt;br /&gt;
Umspringen von „Figur und Grund“. Berühmtestes Beispiel ist der Kelch, dessen Umrisse als zwei einander zugewandte menschliche Profile gesehen werden können. Unter Psychologen ist dieses Kippbild als „Rubinscher Becher“ oder „Rubinsche Vase“ geläufig; der dänische Psychologe Edgar Rubin hatte dieses Motiv, das zuvor schon in der graphischen Kunst benutzt worden war&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Hofmann 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie &amp;lt;bib id=&#039;Sander 1962a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; nennen Beispiele aus dem späten 18. und dem frühen 19. Jh.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zu Beginn des 20. Jh. aufgegriffen&amp;lt;ref&amp;gt;in Studien, die er zwischen 1912 und 1914 bei G. E. Müller in Göttingen durchführte und 1915 in Buchform publizierte  (2. Aufl.1921)&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Von Kippen kann man hier sprechen, weil die Konturlinie entweder den Profilen zugehört oder dem Kelch: Sieht man die Profile, hat sich die weiße Fläche in Hintergrund verwandelt, nimmt man den Kelch wahr, sieht man keine Schattenrisse von menschlichen Gesichtern, sondern nur dunklen Hintergrund, der sich hinter dem verschnörkelten Gefäß fortsetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1.png|thumb|Abbildung 1: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur/Objekt und (Hinter-)Grund können auch bei eher sinnfreien Linien/Flächengrenzen ineinander umschlagen. Derartige Beispiele standen im Mittelpunkt von Rubins Untersuchungen (Abb.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:2.png|thumb|Abbildung 2: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterscheidung von „Figur“ und „Grund“, die man als Betrachter von nichtperspektivischen zweidimensionalen Darstellungen vornimmt, demonstriert, wie stark man dazu neigt, dreidimensionale Verhältnisse („vor“ vs. „hinter“) in Bilder hineinzusehen. Bereits da, wo nur eine schlichte Linie eine Fläche teilt (Abb.), sehen wir leicht eine der beiden Teilflächen vor der anderen&amp;lt;ref&amp;gt;Oder – als dritte Möglichkeit – die Line als Körper (oder körperliche Leerstelle); also etwa einen Faden/eine Schlage auf/vor dem Grund bzw. eine Ritze in einer Fläche&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:3.png|thumb|Abbildung 3]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltpsychologen haben sich eingehend mit der Frage beschäftigt welche abstrakten Qualitäten von Linien/Flächen das Sehen als Figur nahe legen. &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Manche der zahlreichen Variationen der Darstellung von Rubins Becher machen Faktoren der Figurbildung deutlich; schneidet man beispielsweise Rubins Original an der oberen und unteren Kante des Kelchs horizontal ab, so springen die Profile leichter ins Auge als in der ursprünglichen Konstellation (umschließende Flächen werden eher als Grund gesehen), ein Tausch von hell und dunkel wirkt dieser Tendenz wiederum entgegen (dunklere Flächen sieht man bevorzugt als Figur).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:4.png|Abbildung 4]] [[Datei:5.png|Abbildung 5: Rubins (1921) Abb. modifiziert]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ebenfalls relativ bekannte Bild einer Landschaft, in der sich die Umrisse „Napoleons“/„eines  Kapitäns“ – vom charakteristischen Hut bis zu den Füßen – verstecken&amp;lt;ref&amp;gt;z. B. in &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; http://www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt;, funktioniert nur bedingt als Kippfigur. Hat man die Umrisse, die für den Mann stehen, erst einmal entdeckt, ist ein Umschlagen von Figur und Grund zwar insofern nicht ausgeschlossen, als man abwechselnd die Silhouette des Mannes vor einem dickem Baum oder aber Bäume/Baumstrünke und einen leeren Zwischenraum sehen kann. Aber nicht nur bei breit (auf die „Totale“) eingestellter Aufmerksamkeit kann man Landschaft und Person zugleich sehen; es ist auch möglich, simultan gewundene dünne Baumstämme und die von ihren Konturen geformte Silhouette zu sehen, also zwei sozusagen symbiotische Figuren. Dieses „Vexierbild“ funktioniert – wie viele andere auch – deshalb gut als &#039;&#039;&#039;Bilderrätsel&#039;&#039;&#039;, weil es in die relativ detailreiche Darstellung einer realistischen Szenerie in unwahrscheinlicher Weise Anzeichen eines bedeutsamen Objektes (meist eines Menschen oder anderen Lebewesens) konstruiert. Ist der Betrachter erst einmal über diese Andeutungen gestolpert, springt aus dem Hintergrund der ursprünglichen „Figur“ (hier: Baumgruppe in Landschaft) ein Objekt in die Szene, ohne diese dabei auszulöschen. Das Konstruktionsprinzip solcher Vexier- oder Rätselbilder sorgt eher für einmalige Überraschung als fortgesetztes Kippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6.png|Abbildung 6: Quelle: Allesch (2006)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) &lt;br /&gt;
Ambivalenz von „Bedeutungen“ („semantisch ambivalente Bilder“). Diese nicht sehr glückliche Kategorisierung – um unterschiedliche Bedeutungen handelt es sich bei zwei- oder mehrdeutigen Bildern immer – bezieht sich auf Vorlagen, bei denen man abwechselnd die Darstellung verschiedener Objekte sehen kann, ohne dass dabei unbedingt ein Figur-Grund-Wechsel beteiligt wäre. Man könnte also vielleicht besser von  „Gesichterwechsel der Figur“ sprechen. Die Rede vom Gesichterwechsel charakterisiert diesem Untertypus von Kippbildern nicht nur im übertragenen Sinn – die nämliche „Figur“ (im Sinne der gestaltpsychologischen Unterscheidung von Figur und Grund) evoziert unterschiedliche Objekte – sondern auch insofern, als es hier in der Regel um Bilder geht, bei denen tatsächlich oft abwechselnd unterschiedliche Gesichter (und/oder Körper) von Menschen oder anderen Tieren aus einer Figur hervortreten (manchmal sind das Gesichter/Körper der nämlichen Gattung, manchmal wechselt die Gattung; auch Darstellungen menschlicher Totenköpfe sind verbreitet)&amp;lt;ref&amp;gt;Nur ausnahmsweise wird das in der Forschungsliteratur reflektiert (wie bei &amp;lt;bib id=&#039;Stoesz 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die Kippfiguren im Hinblick auf die Besonderheiten der Gesichtswahrnehmung bei autistischen Kindern untersuchte).&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berühmte Beispiele für Gesichter-Kippbilder tauchten zunächst im 19. und frühen 20. Jh. in humoristischen Publikationen auf und haben heute einen festen Platz in psychologischen Lehrbüchern und populärwissenschaftlichen Darstellungen spektakulärer Wahrnehmungsphänomene. Besonders prominent ist jener Kopf, der auf den ersten Blick meist als der einer Ente gesehen wird, aber auch in den eines Hasen umschlagen kann&amp;lt;ref&amp;gt;Zahlen zur Identifikation auf den ersten Blick bei &amp;lt;bib id=&#039;Brugger &amp;amp; Brugger 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; hat weiter Probanden bei 12 im Umlauf befindlichen Varianten des Bildes auf einer Skala einschätzen lassen, wie leicht sie Ente (bzw. einen Vogel) oder Hasen sehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Der in Harvard lehrende Psychologe Jastrow hatte den Enten-Hasen-Kopf am Übergang zum 20. Jh. in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht. &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Einige Bemerkungen im Spätwerk Ludwig Wittgensteins (siehe unten) haben diese Gesichterkippfigur gewissermaßen philosophisch geadelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:7.png|Abbildung 7: Quelle: Mitchell (1994)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres sozusagen klassisches Kippbild vereint die Ansicht einer alten Frau (im ganz leicht dem Betrachter zugewandten Profil) mit der Darstellung des Gesichts einer jungen Frau, das vom Betrachter dreiviertel abgewandt ist&amp;lt;ref&amp;gt;Ursprünglich eingeführt als „my wife and my mother in law“; diese Konstruktion wurde auch mit männlichen Zügen/Attributen realisiert&amp;lt;/ref&amp;gt;; wie beim Enten- vs. Hasenkopf schließen sich beide Sichtweisen aus (Abb.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:8.png|Abbildung 8: Quelle: Attneave (1971)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist ein partieller Figur-Grund-Wechsel in die Metamorphose der Figur einbezogen. So erscheint im Kippbild „Ratte vs. Mann mit Brille“ (Abb.) ein Bereich einmal als Grund zwischen Körper und Schwanz der Ratte und wird mit dem Umschlagen zur Wange des Mannes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:9.png|Abbildung 9: Quelle: Rock (1985)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich verhält es sich bei der Grafik „Sara Nader“ (Abb.) aus der Feder des amerikanischen Psychologen Roger N. Shepard&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Shepard 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, p. 76); Varianten u. a. mit Umkehr von hell und dunkel (p. 140/141).&amp;lt;/ref&amp;gt;. Allerdings kann man bei diesem Bild beide Sehweisen – Saxophonspieler und en face Porträt einer Frau – gleichzeitig wahrnehmen, was wohl daher rührt, dass jene Flächen, die eines der beiden Augen, den Mund und den Nasenflügel des weiblichen Gesichts anzeigen, entweder isoliert vom Schattenriss des Saxophonspielers sind (Auge) oder sich nicht zwingend in die Einheit von Mann und Instrument fügen (Mund, Nasenflügel). Man kann sogar auch noch gleichzeitig gewahren, dass das sozusagen freischwebende Auge einen Vogel darstellt. Sofern die Aufmerksamkeit nicht zu sehr auf eines der drei „Gesichter“ (Mann, Frau, Vogel) fokussiert, machen diese sich den Platz im Wahrnehmungsakt nicht streitig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10.png|Abbildung 10: Quelle &amp;amp; Urheber: Shepard (1990)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gesichter-Kippbilder“ sind also von Bildern zu unterscheiden, die Darstellungen mehrerer Gesichter bzw. Körper bergen, welche zwar womöglich – im Sinne eines Bilderrätsels – nicht alle sofort gesehen werden und auch dann, wenn sie einmal entdeckt wurden, abwechselnd ins Zentrum der Aufmerksamkeit treten können, deren gleichzeitige Wahrnehmung aber nicht ausgeschlossen ist. Nur dann, wenn die wesentlichen Anzeichen für die konkurrierenden Gesichter in der jeweiligen Alternative einen sinnvollen Platz finden, schlägt die Wahrnehmung um. Ansonsten kann man eben zwei oder mehrere Gesichter/Körper zugleich sehen, ob sie nun mehr oder weniger gleichberechtigt nebeneinander stehen oder in eine hierarchische Beziehung zueinander gesetzt sind (wie beispielsweise da, wo kleine Darstellungen von Menschen nach Art der Jahreszeiten-Gemälde von Arcimboldo Partien eines Porträts bilden)&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele etwa bei &amp;lt;bib id=&#039;Haken 1995&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 40); &amp;lt;bib id=&#039;Ditzinger 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 92); und – oft ohne Quellenangaben – bei Hobbysammlern im Internet.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bilder, die in Arcimboldos Manier Gesichter und Körper zu einem übergeordneten Gesicht (oder eben Totenkopf) zusammenstellen, legen einen Wechsel der Fokussierung nahe, ohne im strengen Sinn Kippbilder zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum simultanen Sehen von Elementen und Portrait bei Arcimboldo vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Niederée &amp;amp; Heyer 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; , p. 98)&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Verschiebung von Akzenten der Betrachtung ist einem Wechsel der Aufmerksamkeit vergleichbar, wie man ihn vornimmt, wenn man sich auf Details eines Bildes konzentriert oder gar die Pinselstriche (allgemein: Merkmale der Darstellungsweise) fokussiert. Selbst wenn man bei der Untersuchung der Oberfläche eines Bildes für Momente das Dargestellte völlig ausklammert, fehlt hier – wie auch beim Fokuswechsel bei Bilderrätseln – das typische Erlebnis verblüffenden Hin-und-her-Kippens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ernst Gombrich den Übergang von Sehen des Bildinhalts zu einem radikal auf die Malweise gerichteten kunstwissenschaftlichen Blick mit dem Kippbilderlebnis gleichsetzt &amp;lt;bib id=&#039;Gombrich 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. (was der Kunsttheoretiker Richard Wollheim aus verschiedenen Gründen in Frage stellte; siehe unten&amp;lt;ref&amp;gt;siehe „Kippbild: Philosophische Diskussion&amp;lt;/ref&amp;gt;), wird er u. a. der Tatsache nicht gerecht, dass das Kippen zwar auch durch Konzentration aktiv beeinflusst werden kann, aber – anders als eine ausblendende Vertiefung in die Darstellungsweise – immer als Widerfahrnis erlebt wird (dieser jederzeit individuelle überprüfbare Befund wird auch durch Ergebnisse der experimentellen Forschung bestätigt; siehe unten) . Frei nach Lichtenberg: Kippbilder vermitteln das Erlebnis „Es sieht!“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3)&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit. Zweidimensionale Projektionen dreidimensionaler Körper, also beispielsweise perspektivische Darstellung von Kristallen, sind objektiv vieldeutig. Grundsätzlich kann ja schon jede auf ein Blatt gezeichnete Linie für zahllose Neigungen eines Stabes (oder eben einer Kante) in die Tiefe des Raumes stehen. Die verschiedensten Körper führen also zur nämlichen Projektion. Ungeachtet der unendlich vielen möglichen dreidimensionalen Konstellationen, die hinter einem solchen Bild stehen können, drängen sich dem Wahrnehmen nur wenige auf. Das ist per se bemerkenswert. Zu den „Lebensgewohnheiten des Gesichtssinnes“ (Ernst Mach &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) gehört es offenbar, dass uns die Mehrzahl der möglichen 3D-Sichtweisen von Zeichnungen nicht in den Sinn kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Zeichnung (Abb.), in der wir spontan die Projektion eines Gitter-Würfels ausmachen (mögen auch andere Körper zum nämlichen Bild führen), bleibt allerdings auch im Wahrnehmungsakt mehrdeutig: in der Regel kippt die Ansicht der unveränderten Vorlage zwischen zwei unterschiedlich im Raum gelagerten Würfeln hin und her, sieht man, anders gesagt, Ecken vor- bzw. zurückspringen. Diese Kippfigur ist unter der Bezeichnung Necker-Würfel geläufig; genannt nach jenem Schweizer Geologen und Kristallographen, der das Kippen beim Betrachten von durchsichtigen Kantendarstellungen von Kristallformen im Jahr 1832 schriftlich festgehalten hatte. (siehe &amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:11.png|Abbildung 11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als „Machs Buch“ (Abb.) wird die Verbindung zweier Parallelogramme bezeichnet, die in der Regel zunächst als geöffnetes „Buch“ (bzw. geknickte Karte) gesehen wird&amp;lt;ref&amp;gt;Ungeachtet der Tatsache, dass die Parallelität der perspektivischen Verzerrung, die bei einem in die Tiefe geneigten Rechteck aufträte, widerspricht.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das (die) dem Betrachter den Rücken zuwendet. Alternativ blickt man in das aufgeschlagene Buch hinein. &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12.png|Abbildung 12]] [[Datei:13.png|Abbildung 13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe von schräg angeordneten „Knickfiguren“ ergibt die „Schrödersche Treppe“ (Abb.), bei der Untersicht und Aufsicht ineinander umschlagen können. Netzwerke von Parallelogrammen erscheinen als Texturen von Quadern/Würfeln (Abb.), deren Ecken man mal nach innen, mal außen springen sieht – ein Motiv das sich in griechischen und römischen Mosaiken findet und auch bei Möbelfurnieren vorkommt. &amp;lt;bib id=&#039;Gregory et al. 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14.png|Abbildung 14: Quelle: Zimmer (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit hat Konsequenzen für die Wahrnehmung von Bewegung: Bei einäugiger Betrachtung tritt die plötzliche Umstülpung auch bei einem Drahtwürfelwürfel auf&amp;lt;ref&amp;gt;Wenn man den Blick ins Unendliche richtet, also durch die Drahtplastik hindurchstarrt, führt auch das Sehen mit beiden Augen relativ sicher zum Erfolg.&amp;lt;/ref&amp;gt;; dreht sich das Gebilde, so kehrt sich mit dem Umspringen die wahrgenommene Drehrichtung um.&amp;lt;ref&amp;gt;Bewegt sich umgekehrt der Betrachter gegenüber dem unbewegten Würfel, so scheint die Plastik während der illusorischen Sichtweise – magisch – der Bewegung des Betrachters zu folgen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das geschieht auch, wenn man die Projektion eines rotierenden Drahtwürfels betrachtet. Ein Beispiel für eine natürliche Situation, bei der die Bewegungsrichtung in den Augen des Betrachters umschlagen kann, nennt Otto Klemm: „Die Windmühle, die man als dunklen Schattenriß am Horizont schräg von der Seite sieht, dreht sich je nach perspektivischer Vorstellung in verschiedener Richtung.“&amp;lt;bib id=&#039;Klemm 1919a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Die Computeranimation „spinning dancer“ (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Spinning_Dancer) spielt ebenfalls mit einer (weitgehenden) perspektivischen Äquivalenz entgegengesetzter Tiefenausrichtungen von Körpern, von denen man lediglich die Silhouette sieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Widersprüchliche Tiefen-/Richtungshinweise in der Animation benennen&amp;lt;bib id=&#039;Troje &amp;amp; McAdam (2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Zwischenresümee=====&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Räumliche Mehrdeutigkeit&#039;&#039;&#039; von Bildern spielt nicht nur da eine Rolle, wo man zwischen Sichtweisen perspektivischer Darstellungen springt. Beim Kippen von Figur und Grund wechselt ebenfalls die wahrgenommene räumliche Position (vorne/hinten). Ohne ein Spiel mit räumlicher Mehrdeutigkeit kommt schließlich auch das „semantische Kippen“ zwischen dem Sehen der jungen vs. alten Frau nicht aus. (In natürlichen Situationen treten vergleichbare Mehrdeutigkeiten nur unter eingeschränkten Sichtbedingungen auf: etwa bei der Betrachtung weit entfernter Objekte/Szenen. Aus der Nähe sorgen in aller Regel Tiefeninformationen – ob sie sich nun dem beidäugigen Sehen oder kleinen Positionswechseln des Betrachters verdanken – für Eindeutigkeit.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Neben räumlicher Mehrdeutigkeit ist offenbar die menschliche Neigung, bereits in wenigen Andeutungen ein &#039;&#039;&#039;Gesicht&#039;&#039;&#039; (allgemeiner: Die Gestalt eines vertrauten &#039;&#039;&#039;Lebewesens&#039;&#039;&#039;) auszumachen &amp;lt;bib id=&#039;Schönhammer 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, ein Unsicherheits- und damit Kippfaktor. Dieser kann in Verbindung mit einer Ambivalenz von Figur-Grund (Rubins Becher) oder einer der Perspektive (junge/alte Frau) zum Tragen kommen. Manchmal, wie im Fall des Enten-Hasen-Kopfes, ist er aber offenbar eigenständig wirksam (also auch angesichts einer mit beiden Augen aus der Nähe betrachteten Plastik&amp;lt;ref&amp;gt;Das gilt für den isolierten Kopf. Umfasst die Plastik auch einen Körper, kann dieser die Doppeldeutigkeit unterstützen oder ihr entgegen gerichtet  sein; bei der Kleinplastik, die &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; abbildet, kann unterschiedliche Aufstellung das Sehen als Hase oder Ente forcieren, weil der Körper je nach Aufstellung eindeutig zur jeweiligen Ausrichtung des Kopfes passt.&amp;lt;/ref&amp;gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Weitere Typen von Kippfiguren=====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Typus von Kippbildern, bei dem es um räumliche Tiefe geht, sind Bilder mit Schattenindikatoren, die sowohl auf konvexe als auch auf konkave Wölbungen hinweisen können (Abb.); in Lehrbüchern wird dieser Aspekt von Schattierungswahrnehmung meist zugunsten vermeintlich eindeutiger Wölbungswahrnehmung in Abhängigkeit von der impliziten Lage der Lichtquelle („Licht von oben“ vs. „von unten“) vernachlässigt (demonstriert durch Drehung des Bildes um 180°); bereits die oben bzw. unten angedeuteten Schatten schließen indessen ein Kippen zwischen konvexem und konkavem Eindruck nicht aus, dreht man die Demonstrationsbeispiele um 90°, verlagert also das Helligkeitsgefälle auf eines zwischen rechter und linker Seite, so erleichtert dies die Fluktuation der Sichtweisen. Unter natürlichen Umständen tritt Wölbungsambivalenz beispielsweise im Hinblick auf die Segel entfernter Schiffe auf.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; weisen auf eine entsprechende Beobachtung von Ptolemäus hin.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:15.png|Abbildung 15: Quelle: Schönhammer (2009)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scheinbewegung, die man durch benachbarte, in schneller Abfolge aufleuchtende bzw. verlöschende Lämpchen erzeugen kann, ist bei geeigneter Anordnung – etwa bei acht in gleichem Abstand auf einer Kreislinie angeordneten Lämpchen, von denen jeweils 4 im schnellen Wechsel aufleuchten – ambivalent hinsichtlich der Richtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei statischen Bildern mit zweidimensionalen geometrischen Figuren kann ein Umspringen der wahrgenommenen Ausrichtung eintreten. Die drei Richtungen etwa, auf welche die Spitzen eines gleichseitigen Dreiecks zeigen, kann man nicht zugleich sehen (bei horizontaler oder vertikaler Ausrichtung einer der Seiten tendiert man spontan dazu, die dieser jeweils gegenüberliegende Spitze als richtungsweisend wahrzunehmen.). &amp;lt;bib id=&#039;Attneave 1971a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Wittgenstein 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich ordnen sich Muster beim Betrachten in unsteter Weise &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Stadler &amp;amp; Kruse 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; (Abb.); auch hier gehen meist Wechsel der wahrgenommenen Gruppierung mit solchen der wahrgenommenen Ausrichtung von Elementen des Musters Hand in Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:16.png|Abbildung 16: Quelle: Stadler &amp;amp; Kruse (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Psychologische und  neurowissenschaftliche Diskussion=====&lt;br /&gt;
“It is especially phenomena of ambiguity that make us think of perception as actively creative.“ Richard Gregory &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Psychologen sind Kippfiguren – ebenso wie Wahrnehmungstäuschungen – ein beliebtes Mittel, um zu demonstrieren, dass Wahrnehmen nicht (vollends) von den äußeren Gegebenheiten, die auf die Sinnesorgane einwirken, bestimmt ist. Wie die Subjektivität im Fall der Kippfiguren bei unveränderten Gegebenheiten zu verschiedenen Eindrücken kommt, ist indessen bis heute ungeklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht einmal die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen, ist unstrittig: Neben dem Hauptstrom der Forschung, in dem das Thema stets gegenwärtig blieb, hielten Anhänger einer „ökologisch“ – sprich: an den natürlichen Umständen des Wahrnehmens – orientierten Forschung Distanz: Man habe es hier nicht mit potentiell besonders erhellenden Grenzfällen des Wahrnehmens zu tun – wie bis heute von jenen, die Kippfiguren untersuchen, meist mehr oder minder ausdrücklich argumentiert wird –, sondern mit denaturierten Vorgaben einer lebensfernen Laborforschung.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe die Kritik von &amp;lt;bib id=&#039;Kanizsa &amp;amp; Luccio 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie Kruse, &amp;lt;bib id=&#039;Strüber &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; an der Position von &amp;lt;bib id=&#039;Gibson 1982a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu betonen, dass die meisten natürlichen Wahrnehmungssituationen sich vom Betrachten von Kippbildern unterscheiden, schließt indessen nicht aus, dass solche Bilder – ex negativo – Prinzipien der Ökologie des Wahrnehmens verdeutlichen können. &amp;lt;bib id=&#039;Schönhammer 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Entsprechend kann eine Forschungsperspektive, die auf den Umwelt- und Handlungsbezug des Wahrnehmens orientiert ist, ihrerseits das Verständnis von Kippbildern befördern.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe &amp;lt;bib id=&#039;Lindauer &amp;amp;Logotheis 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die den Handlungsbezug allerdings in relativ abstrakter Form (ohne Bezug auf den Zusammenhang von Wahrnehmen und Bewegung) geltend machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit langem wird diskutiert, ob das Umschlagen der Wahrnehmung von einer Art Ermüdung („Sättigung“) in Nervennetzen rühren könnte; da diesbezüglich meist relativ frühe Stufen der Reizverarbeitung unter Verdacht stehen, gilt die Sättigungstheorie auch als „Bottom-up-Hypothese“. Dem steht die Vermutung gegenüber, dass nicht zuletzt Wissen und Aufmerksamkeit, also (eher bewusste) mentale Prozesse, die den „Automatismen“ grundlegender Module des visuellen Systems nachgelagert bzw. übergeordnet sind, eine wesentliche Rolle spielen („Top-down-Hypothesen“). Die im Laufe der Zeit angehäuften empirischen Befunde deuten, das sei einem Ausblick auf Methoden und Ergebnisse der experimentellen Erforschung von Kippphänomenen vorausgeschickt, darauf hin, dass die Wahrheit jenseits dieser plakativen (und zugleich unscharfen) Entgegensetzung liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler war die Ermüdungserklärung Bestandteil der These, Wahrnehmen überhaupt basiere – analog zu in der Physik untersuchten Erscheinungen – auf antagonistischen Prozessen neuronaler Selbstorganisation. Das Kippen gilt hier ganz ausdrücklich als generelles Funktionsprinzip des Gehirns, welches bei stabilen Wahrnehmungen nur nicht zu Bewusstsein komme. Diese Behauptung mag den Reiz eines Paradoxes haben, ist aber hinsichtlich des namhaft gemachten allgemeinen Funktionsprinzips nicht mehr als eine metaphorisch formulierte Vermutung; und anderseits erscheint diese These nicht gerade darauf angelegt, die Besonderheit von Wahrnehmungsprozessen, bei denen es zum Kippen kommt, zu erklären. In diese Tradition stellen sich neuere Bemühungen multistabiles Wahrnehmen im Rahmen des systemtheoretischen Zugangs der „Synergetik“ &amp;lt;bib id=&#039;Kruse &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; als Schlüssel zum Verständnis des Wahrnehmens zu nutzen. Wenn in diesem Sinn das Kippen als „herausragendes methodologisches Fenster für das Messen der Dynamik des visuellen Systems“ &amp;lt;bib id=&#039;Kruse et al. 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; angesprochen wird, bleibt es nicht aus, dass u. a. Analogien von Kippfiguren und mathematischen Modellierungen der Quantenmechanik ins Feld geführt werden. &amp;lt;bib id=&#039;Caglioti 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Untersuchungsmethoden:=====&lt;br /&gt;
* Bei experimentellen Untersuchungen zur Wahrnehmung von Kippbildern wird in der Regel von den Versuchspersonen verlangt, durch Drücken verschiedener Knöpfe anzuzeigen, welche Lesart der Vorlage ihnen momentan ins Auge springt. Auf diese Weise lassen sich der primäre Eindruck sowie der Wechsel im weiteren Verlauf (Fluktuation, jeweilige Verweildauer) feststellen. Dieses Verfahren setzt voraus, dass die Probanden über das potentielle Kippen bzw. die möglichen Sichtweisen vorweg aufgeklärt wurden; sie sind also nicht völlig unbefangen. Entsprechend vorinformiert sind auch Versuchspersonen, die auf einer Skala einschätzen sollen, wie leicht ihnen diese oder jene Sichtweise fällt. Will man eine derartige Voreinstellung vermeiden, ist man auf mündliche Berichte („Sagen Sie, was Sie sehen.“) angewiesen, die nicht so leicht statistisch ausgewertet werden können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Je nach spezifischer Fragestellung sind die Versuchspersonen frei, die jeweiligen Vorlagen ohne weiteren Vorsatz auf sich wirken zu lassen, oder werden aufgefordert, Sichtweisen möglichst zu halten oder im Gegenteil möglichst oft wechseln zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Betrachten erfolgt manchmal nur mit einem Auge, manchmal mit fixiertem Kopf (z.B. Kinnauflage). Der Blick darf schweifen oder soll auf eine Markierung im Bild fixiert werden (wie eine Fixierung wirkt es auch, wenn die Bilder dem Tanz der freien Augenbewegung nachgeführt werden oder wenn man das Kippen anhand von Nachbildern einer blitzlichtartigen Präsentation auf der Netzhaut – Nachbilder bewegen mit dem Auge mit – untersucht.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Vorlagen werden ununterbrochen oder in verschiedenen Intervallen präsentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal stehen die Bilder auf dem Kopf (etwa um zu prüfen, welche Rolle das Erkennen von „Bedeutung“/Lebewesen für die Zuordnung einer Kontur spielt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal spielen eindeutig gemachte („disambiguierte“) Varianten von Kippbildern eine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das, was Versuchspersonen im Zusammenhang des jeweiligen Versuchsaufbaus bewusst mitteilen (meist per Knopfdruck), wird in aufwendigeren Studien mit Messungen von Augenbewegungen (teils auch des eventuell abgedeckten Auges) und Akkommodation, der Hirnströme (sogenannter ERPs: ereigniskorrelierter Potentiale) oder lokaler Durchblutungsdifferenzen abgeglichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anhaltspunkte für die Erklärung (bzw. die neuronale Basis) multistabiler Wahrnehmung ergeben sich auch aus gewissen Parallelen zur binokulären Rivalität (bietet man beiden Augen Ansichten, die nicht zur Deckung zu bringen sind, springt das Wahrnehmen zwischen beiden Sichten), deren neuronale Korrelate mit Elektroden im Gehirn von Affen untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Ergebnisse:=====&lt;br /&gt;
* Ein bereits älterer Forschungsbefund machte die Sättigungstheorie zweifelhaft: Zeigt man Versuchspersonen, bevor man ihnen das Kippbild mit der jungen und der alten Frau präsentiert, eine eindeutig gemachte Variante, die entweder die „Ehefrau“ oder die „Schwiegermutter“ erkennen lässt (Abb.), sehen sie dann das Kippbild eher entsprechend der jeweiligen Prägung. Nach der Sättigungstheorie wäre das Gegenteil zu erwarten. &amp;lt;bib id=&#039;Rock 1985a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Dem steht u. a. der neuere Befund gegenüber, dass im Falle eines rotierenden Neckerwürfels die Vorerfahrung mit eindeutig gemachter Drehrichtung nur dann auf die Auffassung der mehrdeutigen Vorlage durchschlägt, wenn das „Priming“, wie dieses Versuchsdesign genannt wird, kurz gehalten war, während eine längere Vorwegkonfrontation die gegenteilige Wahrnehmung befördert. &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:17.png|Abbildung 17: Quelle: Hochberg (1977)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was empirische Bestätigungen von „Top-down-Prozessen“ angeht, ist vielfach belegt, dass sich das Kippen zwar willkürlich beeinflussen, indessen nicht völlig intentional kontrollieren lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wahrnehmung von Kippbildern, die Gesichter enthalten (beispielsweise der Hasen-Enten-Kopf), ist leichter beeinflussbar – im Sinne von verzögertem oder beschleunigtem Wechsel – als die von Bildern mit doppeldeutiger Perspektive (z. B. der Necker-Würfel). &amp;lt;bib id=&#039;Stüber &amp;amp; Stadler 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hirnstrommessungen lieferten in jüngerer Zeit Indizien dafür, dass frühe Prozesse im Hinterhauptslappen des Gehirns durch Aktivierungen in frontalen und temporalen Bereichen des Gehirns, die mit Aufmerksamkeit resp. Objektwissen in Verbindung gebracht werden, mitbestimmt werden. (Beispielsweise &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messungen im Affenhirn &amp;lt;bib id=&#039;Logothetis 1998a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; und EEG-Befunde beim Menschen zeigen &amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, dass bei binokulärer Rivalität „späte“ Module (im Scheitellappen), die mit der räumlichen Auswertung visueller Reize in Verbindung gebracht werden , eine herausgehobene Rolle spielen; entsprechende Aktivierungen finden sich auch bei Kippfiguren (&amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;S. 55–65).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vergleicht man das EEG, das sich zeigt, wenn man vor den Augen der Versuchspersonen den Wechsel zwischen eindeutig gemachten Varianten eines Bildes vollzieht, mit jenem, das mit echtem Kippen bei unveränderter mehrdeutiger Vorlage einhergeht, so fehlt beim echten Kippen eine Komponente, die als „Erlangen von Gewissheit“ interpretierbar ist; gleichwohl scheint man das Kippen immer wieder als neue Gewissheit zu erleben, sich also nicht dessen bewusst zu sein, was das EEG bezeugt: dass man auf dem Sprung bleibt.&amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier &amp;amp; Bach 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zusammenhänge von Kippen und Augenbewegungen sind ebenso nachgewiesen, wie der Umstand, dass es zum Kippen auch dann kommt, wenn das Auge nicht über das Bild wandert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Von Augenbewegung unabhängige Verlagerungen der Aufmerksamkeit (sog. „verdeckte Aufmerksamkeit“) modifizieren das Kippen. Der Zusammenhang von Kippen mit intentionalem Suchverhalten mit und ohne Augenbewegungen ist ein Indiz dafür, dass das Kippen auch jenseits bewusster Absicht, als Art von Suchverhalten unter erschwerten Wahrnehmungsbedingungen verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Springt beim einäugigen Betrachten eines Neckerwürfels die Sichtweise um, ändert sich die Stellung des verdeckten Auges, so wie das bei beidäugigem Sehen geschehen würde, um bei einem tatsächlichen räumlichen Gebilde das Sehen von Doppelbildern zu vermeiden (Vergenzbewegung). &amp;lt;bib id=&#039;Enright 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kurze Unterbrechungen der Reizpräsentation (bis zu 400 ms) fördern ein Kippen, längere Pausen reduzieren es drastisch; welche der beiden konkurrierenden Deutungen dadurch gestützt wird, ist strittig. &amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet der offenen Fragen angesichts der hier schlaglichtartig angedeuteten komplexen Befundlage kann man festhalten, dass Kippbilder wohl eher durch Deutungen zu erhellen sind, welche bedenken, wie sich diese Situationen zum prinzipiellen Handlungs- bzw. Umweltbezug des Wahrnehmens verhalten, als durch losgelöste Modelle der Selbstorganisation bzw. Analogien zu physikalischen Phänomenen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliography-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab2}}&lt;br /&gt;
{{GlosTab3}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Benutzer:Rainer I Schönhammer|Schönhammer, Rainer]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den Schluß nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosEnd}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5562</id>
		<title>Kippbild</title>
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		<updated>2011-04-13T18:02:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!--  &amp;quot;This is comment&amp;quot;  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Vorlage für Unterpunkte--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Den folgenden Header, bitte nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
:::“If meanings are hypotheses, ambiguities are alternative hypotheses.” Richard Gregory&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, S. 1140.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begriffe „Kippbild“ oder „Kippfigur“ stehen für Vorlagen, die einen (reversiblen) abrupten Wechsel des Wahrgenommenen ermöglichen, während das Bild/Objekt unverändert bleibt. Man spricht auch von mehrfachstabilen Wahrnehmungsprozessen (also etwa von bi-, tri- oder multistabiler Wahrnehmung). Aus verschiedenen Kulturen überlieferte Artefakte (Wandgemälde, Reliefs, Mosaike, Dekore auf Keramiken und Textilien) deuten darauf hin, dass der Reiz solcher Bilder weithin und auch schon lange bekannt ist&amp;lt;ref&amp;gt;Gregory (2000); &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Mitchell 1994a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Zimmer 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Situationen des praktischen Lebens ist derartige Instabilität des Wahrnehmens selten. Das schließt nicht aus, dass Momente der umweltbezogenen Wahrnehmung zumindest teils Ausgangspunkt für entsprechende bildnerische Spiele waren und sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Phänomenologie (Eingrenzung und Varianten)=====&lt;br /&gt;
Oft werden Kippbilder in drei Typen unterteilt&amp;lt;ref&amp;gt;So bei Rock (1985), an dem sich viele Autoren orientieren; &amp;lt;bib id=&#039;Nänni 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;: 1) Umspringen von „Figur und Grund“, 2) Ambivalenz von „Bedeutung“ und 3) Mehrdeutigkeit perspektivischer Darstellungen. Diese Typologie ist zwar nicht umfassend und in gewisser Weise sogar irreführend, aber gleichwohl ein brauchbarer erster Zugang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1)&lt;br /&gt;
Umspringen von „Figur und Grund“. Berühmtestes Beispiel ist der Kelch, dessen Umrisse als zwei einander zugewandte menschliche Profile gesehen werden können. Unter Psychologen ist dieses Kippbild als „Rubinscher Becher“ oder „Rubinsche Vase“ geläufig; der dänische Psychologe Edgar Rubin hatte dieses Motiv, das zuvor schon in der graphischen Kunst benutzt worden war&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Hofmann 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie &amp;lt;bib id=&#039;Sander 1962a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; nennen Beispiele aus dem späten 18. und dem frühen 19. Jh.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zu Beginn des 20. Jh. aufgegriffen&amp;lt;ref&amp;gt;in Studien, die er zwischen 1912 und 1914 bei G. E. Müller in Göttingen durchführte und 1915 in Buchform publizierte  (2. Aufl.1921)&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Von Kippen kann man hier sprechen, weil die Konturlinie entweder den Profilen zugehört oder dem Kelch: Sieht man die Profile, hat sich die weiße Fläche in Hintergrund verwandelt, nimmt man den Kelch wahr, sieht man keine Schattenrisse von menschlichen Gesichtern, sondern nur dunklen Hintergrund, der sich hinter dem verschnörkelten Gefäß fortsetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1.png|thumb|Abbildung 1: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur/Objekt und (Hinter-)Grund können auch bei eher sinnfreien Linien/Flächengrenzen ineinander umschlagen. Derartige Beispiele standen im Mittelpunkt von Rubins Untersuchungen (Abb.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:2.png|thumb|Abbildung 2: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterscheidung von „Figur“ und „Grund“, die man als Betrachter von nichtperspektivischen zweidimensionalen Darstellungen vornimmt, demonstriert, wie stark man dazu neigt, dreidimensionale Verhältnisse („vor“ vs. „hinter“) in Bilder hineinzusehen. Bereits da, wo nur eine schlichte Linie eine Fläche teilt (Abb.), sehen wir leicht eine der beiden Teilflächen vor der anderen&amp;lt;ref&amp;gt;Oder – als dritte Möglichkeit – die Line als Körper (oder körperliche Leerstelle); also etwa einen Faden/eine Schlage auf/vor dem Grund bzw. eine Ritze in einer Fläche&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:3.png|thumb|Abbildung 3]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltpsychologen haben sich eingehend mit der Frage beschäftigt welche abstrakten Qualitäten von Linien/Flächen das Sehen als Figur nahe legen. &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Manche der zahlreichen Variationen der Darstellung von Rubins Becher machen Faktoren der Figurbildung deutlich; schneidet man beispielsweise Rubins Original an der oberen und unteren Kante des Kelchs horizontal ab, so springen die Profile leichter ins Auge als in der ursprünglichen Konstellation (umschließende Flächen werden eher als Grund gesehen), ein Tausch von hell und dunkel wirkt dieser Tendenz wiederum entgegen (dunklere Flächen sieht man bevorzugt als Figur).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:4.png|Abbildung 4]] [[Datei:5.png|Abbildung 5: Rubins (1921) Abb. modifiziert]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ebenfalls relativ bekannte Bild einer Landschaft, in der sich die Umrisse „Napoleons“/„eines  Kapitäns“ – vom charakteristischen Hut bis zu den Füßen – verstecken&amp;lt;ref&amp;gt;z. B. in &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; http://www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt;, funktioniert nur bedingt als Kippfigur. Hat man die Umrisse, die für den Mann stehen, erst einmal entdeckt, ist ein Umschlagen von Figur und Grund zwar insofern nicht ausgeschlossen, als man abwechselnd die Silhouette des Mannes vor einem dickem Baum oder aber Bäume/Baumstrünke und einen leeren Zwischenraum sehen kann. Aber nicht nur bei breit (auf die „Totale“) eingestellter Aufmerksamkeit kann man Landschaft und Person zugleich sehen; es ist auch möglich, simultan gewundene dünne Baumstämme und die von ihren Konturen geformte Silhouette zu sehen, also zwei sozusagen symbiotische Figuren. Dieses „Vexierbild“ funktioniert – wie viele andere auch – deshalb gut als &#039;&#039;&#039;Bilderrätsel&#039;&#039;&#039;, weil es in die relativ detailreiche Darstellung einer realistischen Szenerie in unwahrscheinlicher Weise Anzeichen eines bedeutsamen Objektes (meist eines Menschen oder anderen Lebewesens) konstruiert. Ist der Betrachter erst einmal über diese Andeutungen gestolpert, springt aus dem Hintergrund der ursprünglichen „Figur“ (hier: Baumgruppe in Landschaft) ein Objekt in die Szene, ohne diese dabei auszulöschen. Das Konstruktionsprinzip solcher Vexier- oder Rätselbilder sorgt eher für einmalige Überraschung als fortgesetztes Kippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6.png|Abbildung 6: Quelle: Allesch (2006)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) &lt;br /&gt;
Ambivalenz von „Bedeutungen“ („semantisch ambivalente Bilder“). Diese nicht sehr glückliche Kategorisierung – um unterschiedliche Bedeutungen handelt es sich bei zwei- oder mehrdeutigen Bildern immer – bezieht sich auf Vorlagen, bei denen man abwechselnd die Darstellung verschiedener Objekte sehen kann, ohne dass dabei unbedingt ein Figur-Grund-Wechsel beteiligt wäre. Man könnte also vielleicht besser von  „Gesichterwechsel der Figur“ sprechen. Die Rede vom Gesichterwechsel charakterisiert diesem Untertypus von Kippbildern nicht nur im übertragenen Sinn – die nämliche „Figur“ (im Sinne der gestaltpsychologischen Unterscheidung von Figur und Grund) evoziert unterschiedliche Objekte – sondern auch insofern, als es hier in der Regel um Bilder geht, bei denen tatsächlich oft abwechselnd unterschiedliche Gesichter (und/oder Körper) von Menschen oder anderen Tieren aus einer Figur hervortreten (manchmal sind das Gesichter/Körper der nämlichen Gattung, manchmal wechselt die Gattung; auch Darstellungen menschlicher Totenköpfe sind verbreitet)&amp;lt;ref&amp;gt;Nur ausnahmsweise wird das in der Forschungsliteratur reflektiert (wie bei &amp;lt;bib id=&#039;Stoesz 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die Kippfiguren im Hinblick auf die Besonderheiten der Gesichtswahrnehmung bei autistischen Kindern untersuchte).&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berühmte Beispiele für Gesichter-Kippbilder tauchten zunächst im 19. und frühen 20. Jh. in humoristischen Publikationen auf und haben heute einen festen Platz in psychologischen Lehrbüchern und populärwissenschaftlichen Darstellungen spektakulärer Wahrnehmungsphänomene. Besonders prominent ist jener Kopf, der auf den ersten Blick meist als der einer Ente gesehen wird, aber auch in den eines Hasen umschlagen kann&amp;lt;ref&amp;gt;Zahlen zur Identifikation auf den ersten Blick bei &amp;lt;bib id=&#039;Brugger &amp;amp; Brugger 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; hat weiter Probanden bei 12 im Umlauf befindlichen Varianten des Bildes auf einer Skala einschätzen lassen, wie leicht sie Ente (bzw. einen Vogel) oder Hasen sehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Der in Harvard lehrende Psychologe Jastrow hatte den Enten-Hasen-Kopf am Übergang zum 20. Jh. in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht. &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Einige Bemerkungen im Spätwerk Ludwig Wittgensteins (siehe unten) haben diese Gesichterkippfigur gewissermaßen philosophisch geadelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:7.png|Abbildung 7: Quelle: Mitchell (1994)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres sozusagen klassisches Kippbild vereint die Ansicht einer alten Frau (im ganz leicht dem Betrachter zugewandten Profil) mit der Darstellung des Gesichts einer jungen Frau, das vom Betrachter dreiviertel abgewandt ist&amp;lt;ref&amp;gt;Ursprünglich eingeführt als „my wife and my mother in law“; diese Konstruktion wurde auch mit männlichen Zügen/Attributen realisiert&amp;lt;/ref&amp;gt;; wie beim Enten- vs. Hasenkopf schließen sich beide Sichtweisen aus (Abb.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:8.png|Abbildung 8: Quelle: Attneave (1971)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist ein partieller Figur-Grund-Wechsel in die Metamorphose der Figur einbezogen. So erscheint im Kippbild „Ratte vs. Mann mit Brille“ (Abb.) ein Bereich einmal als Grund zwischen Körper und Schwanz der Ratte und wird mit dem Umschlagen zur Wange des Mannes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:9.png|Abbildung 9: Quelle: Rock (1985)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich verhält es sich bei der Grafik „Sara Nader“ (Abb.) aus der Feder des amerikanischen Psychologen Roger N. Shepard&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Shepard 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, p. 76); Varianten u. a. mit Umkehr von hell und dunkel (p. 140/141).&amp;lt;/ref&amp;gt;. Allerdings kann man bei diesem Bild beide Sehweisen – Saxophonspieler und en face Porträt einer Frau – gleichzeitig wahrnehmen, was wohl daher rührt, dass jene Flächen, die eines der beiden Augen, den Mund und den Nasenflügel des weiblichen Gesichts anzeigen, entweder isoliert vom Schattenriss des Saxophonspielers sind (Auge) oder sich nicht zwingend in die Einheit von Mann und Instrument fügen (Mund, Nasenflügel). Man kann sogar auch noch gleichzeitig gewahren, dass das sozusagen freischwebende Auge einen Vogel darstellt. Sofern die Aufmerksamkeit nicht zu sehr auf eines der drei „Gesichter“ (Mann, Frau, Vogel) fokussiert, machen diese sich den Platz im Wahrnehmungsakt nicht streitig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10.png|Abbildung 10: Quelle &amp;amp; Urheber: Shepard (1990)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gesichter-Kippbilder“ sind also von Bildern zu unterscheiden, die Darstellungen mehrerer Gesichter bzw. Körper bergen, welche zwar womöglich – im Sinne eines Bilderrätsels – nicht alle sofort gesehen werden und auch dann, wenn sie einmal entdeckt wurden, abwechselnd ins Zentrum der Aufmerksamkeit treten können, deren gleichzeitige Wahrnehmung aber nicht ausgeschlossen ist. Nur dann, wenn die wesentlichen Anzeichen für die konkurrierenden Gesichter in der jeweiligen Alternative einen sinnvollen Platz finden, schlägt die Wahrnehmung um. Ansonsten kann man eben zwei oder mehrere Gesichter/Körper zugleich sehen, ob sie nun mehr oder weniger gleichberechtigt nebeneinander stehen oder in eine hierarchische Beziehung zueinander gesetzt sind (wie beispielsweise da, wo kleine Darstellungen von Menschen nach Art der Jahreszeiten-Gemälde von Arcimboldo Partien eines Porträts bilden)&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele etwa bei &amp;lt;bib id=&#039;Haken 1995&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 40); &amp;lt;bib id=&#039;Ditzinger 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 92); und – oft ohne Quellenangaben – bei Hobbysammlern im Internet.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bilder, die in Arcimboldos Manier Gesichter und Körper zu einem übergeordneten Gesicht (oder eben Totenkopf) zusammenstellen, legen einen Wechsel der Fokussierung nahe, ohne im strengen Sinn Kippbilder zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum simultanen Sehen von Elementen und Portrait bei Arcimboldo vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Niederée &amp;amp; Heyer 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; , p. 98)&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Verschiebung von Akzenten der Betrachtung ist einem Wechsel der Aufmerksamkeit vergleichbar, wie man ihn vornimmt, wenn man sich auf Details eines Bildes konzentriert oder gar die Pinselstriche (allgemein: Merkmale der Darstellungsweise) fokussiert. Selbst wenn man bei der Untersuchung der Oberfläche eines Bildes für Momente das Dargestellte völlig ausklammert, fehlt hier – wie auch beim Fokuswechsel bei Bilderrätseln – das typische Erlebnis verblüffenden Hin-und-her-Kippens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ernst Gombrich den Übergang von Sehen des Bildinhalts zu einem radikal auf die Malweise gerichteten kunstwissenschaftlichen Blick mit dem Kippbilderlebnis gleichsetzt &amp;lt;bib id=&#039;Gombrich 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. (was der Kunsttheoretiker Richard Wollheim aus verschiedenen Gründen in Frage stellte; siehe unten&amp;lt;ref&amp;gt;siehe „Kippbild: Philosophische Diskussion&amp;lt;/ref&amp;gt;), wird er u. a. der Tatsache nicht gerecht, dass das Kippen zwar auch durch Konzentration aktiv beeinflusst werden kann, aber – anders als eine ausblendende Vertiefung in die Darstellungsweise – immer als Widerfahrnis erlebt wird (dieser jederzeit individuelle überprüfbare Befund wird auch durch Ergebnisse der experimentellen Forschung bestätigt; siehe unten) . Frei nach Lichtenberg: Kippbilder vermitteln das Erlebnis „Es sieht!“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3)&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit. Zweidimensionale Projektionen dreidimensionaler Körper, also beispielsweise perspektivische Darstellung von Kristallen, sind objektiv vieldeutig. Grundsätzlich kann ja schon jede auf ein Blatt gezeichnete Linie für zahllose Neigungen eines Stabes (oder eben einer Kante) in die Tiefe des Raumes stehen. Die verschiedensten Körper führen also zur nämlichen Projektion. Ungeachtet der unendlich vielen möglichen dreidimensionalen Konstellationen, die hinter einem solchen Bild stehen können, drängen sich dem Wahrnehmen nur wenige auf. Das ist per se bemerkenswert. Zu den „Lebensgewohnheiten des Gesichtssinnes“ (Ernst Mach &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) gehört es offenbar, dass uns die Mehrzahl der möglichen 3D-Sichtweisen von Zeichnungen nicht in den Sinn kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Zeichnung (Abb.), in der wir spontan die Projektion eines Gitter-Würfels ausmachen (mögen auch andere Körper zum nämlichen Bild führen), bleibt allerdings auch im Wahrnehmungsakt mehrdeutig: in der Regel kippt die Ansicht der unveränderten Vorlage zwischen zwei unterschiedlich im Raum gelagerten Würfeln hin und her, sieht man, anders gesagt, Ecken vor- bzw. zurückspringen. Diese Kippfigur ist unter der Bezeichnung Necker-Würfel geläufig; genannt nach jenem Schweizer Geologen und Kristallographen, der das Kippen beim Betrachten von durchsichtigen Kantendarstellungen von Kristallformen im Jahr 1832 schriftlich festgehalten hatte. (siehe &amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:11.png|Abbildung 11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als „Machs Buch“ (Abb.) wird die Verbindung zweier Parallelogramme bezeichnet, die in der Regel zunächst als geöffnetes „Buch“ (bzw. geknickte Karte) gesehen wird&amp;lt;ref&amp;gt;Ungeachtet der Tatsache, dass die Parallelität der perspektivischen Verzerrung, die bei einem in die Tiefe geneigten Rechteck aufträte, widerspricht.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das (die) dem Betrachter den Rücken zuwendet. Alternativ blickt man in das aufgeschlagene Buch hinein. &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12.png|Abbildung 12]] [[Datei:13.png|Abbildung 13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe von schräg angeordneten „Knickfiguren“ ergibt die „Schrödersche Treppe“ (Abb.), bei der Untersicht und Aufsicht ineinander umschlagen können. Netzwerke von Parallelogrammen erscheinen als Texturen von Quadern/Würfeln (Abb.), deren Ecken man mal nach innen, mal außen springen sieht – ein Motiv das sich in griechischen und römischen Mosaiken findet und auch bei Möbelfurnieren vorkommt. &amp;lt;bib id=&#039;Gregory et al. 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14.png|Abbildung 14: Quelle: Zimmer (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit hat Konsequenzen für die Wahrnehmung von Bewegung: Bei einäugiger Betrachtung tritt die plötzliche Umstülpung auch bei einem Drahtwürfelwürfel auf&amp;lt;ref&amp;gt;Wenn man den Blick ins Unendliche richtet, also durch die Drahtplastik hindurchstarrt, führt auch das Sehen mit beiden Augen relativ sicher zum Erfolg.&amp;lt;/ref&amp;gt;; dreht sich das Gebilde, so kehrt sich mit dem Umspringen die wahrgenommene Drehrichtung um.&amp;lt;ref&amp;gt;Bewegt sich umgekehrt der Betrachter gegenüber dem unbewegten Würfel, so scheint die Plastik während der illusorischen Sichtweise – magisch – der Bewegung des Betrachters zu folgen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das geschieht auch, wenn man die Projektion eines rotierenden Drahtwürfels betrachtet. Ein Beispiel für eine natürliche Situation, bei der die Bewegungsrichtung in den Augen des Betrachters umschlagen kann, nennt Otto Klemm: „Die Windmühle, die man als dunklen Schattenriß am Horizont schräg von der Seite sieht, dreht sich je nach perspektivischer Vorstellung in verschiedener Richtung.“&amp;lt;bib id=&#039;Klemm 1919a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Die Computeranimation „spinning dancer“ (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Spinning_Dancer) spielt ebenfalls mit einer (weitgehenden) perspektivischen Äquivalenz entgegengesetzter Tiefenausrichtungen von Körpern, von denen man lediglich die Silhouette sieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Widersprüchliche Tiefen-/Richtungshinweise in der Animation benennen&amp;lt;bib id=&#039;Troje &amp;amp; McAdam (2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Zwischenresümee=====&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Räumliche Mehrdeutigkeit&#039;&#039;&#039; von Bildern spielt nicht nur da eine Rolle, wo man zwischen Sichtweisen perspektivischer Darstellungen springt. Beim Kippen von Figur und Grund wechselt ebenfalls die wahrgenommene räumliche Position (vorne/hinten). Ohne ein Spiel mit räumlicher Mehrdeutigkeit kommt schließlich auch das „semantische Kippen“ zwischen dem Sehen der jungen vs. alten Frau nicht aus. (In natürlichen Situationen treten vergleichbare Mehrdeutigkeiten nur unter eingeschränkten Sichtbedingungen auf: etwa bei der Betrachtung weit entfernter Objekte/Szenen. Aus der Nähe sorgen in aller Regel Tiefeninformationen – ob sie sich nun dem beidäugigen Sehen oder kleinen Positionswechseln des Betrachters verdanken – für Eindeutigkeit.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Neben räumlicher Mehrdeutigkeit ist offenbar die menschliche Neigung, bereits in wenigen Andeutungen ein &#039;&#039;&#039;Gesicht&#039;&#039;&#039; (allgemeiner: Die Gestalt eines vertrauten &#039;&#039;&#039;Lebewesens&#039;&#039;&#039;) auszumachen &amp;lt;bib id=&#039;Schönhammer 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, ein Unsicherheits- und damit Kippfaktor. Dieser kann in Verbindung mit einer Ambivalenz von Figur-Grund (Rubins Becher) oder einer der Perspektive (junge/alte Frau) zum Tragen kommen. Manchmal, wie im Fall des Enten-Hasen-Kopfes, ist er aber offenbar eigenständig wirksam (also auch angesichts einer mit beiden Augen aus der Nähe betrachteten Plastik&amp;lt;ref&amp;gt;Das gilt für den isolierten Kopf. Umfasst die Plastik auch einen Körper, kann dieser die Doppeldeutigkeit unterstützen oder ihr entgegen gerichtet  sein; bei der Kleinplastik, die &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; abbildet, kann unterschiedliche Aufstellung das Sehen als Hase oder Ente forcieren, weil der Körper je nach Aufstellung eindeutig zur jeweiligen Ausrichtung des Kopfes passt.&amp;lt;/ref&amp;gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Weitere Typen von Kippfiguren=====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Typus von Kippbildern, bei dem es um räumliche Tiefe geht, sind Bilder mit Schattenindikatoren, die sowohl auf konvexe als auch auf konkave Wölbungen hinweisen können (Abb.); in Lehrbüchern wird dieser Aspekt von Schattierungswahrnehmung meist zugunsten vermeintlich eindeutiger Wölbungswahrnehmung in Abhängigkeit von der impliziten Lage der Lichtquelle („Licht von oben“ vs. „von unten“) vernachlässigt (demonstriert durch Drehung des Bildes um 180°); bereits die oben bzw. unten angedeuteten Schatten schließen indessen ein Kippen zwischen konvexem und konkavem Eindruck nicht aus, dreht man die Demonstrationsbeispiele um 90°, verlagert also das Helligkeitsgefälle auf eines zwischen rechter und linker Seite, so erleichtert dies die Fluktuation der Sichtweisen. Unter natürlichen Umständen tritt Wölbungsambivalenz beispielsweise im Hinblick auf die Segel entfernter Schiffe auf.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; weisen auf eine entsprechende Beobachtung von Ptolemäus hin.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:15.png|Abbildung 15: Quelle: Schönhammer (2009)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scheinbewegung, die man durch benachbarte, in schneller Abfolge aufleuchtende bzw. verlöschende Lämpchen erzeugen kann, ist bei geeigneter Anordnung – etwa bei acht in gleichem Abstand auf einer Kreislinie angeordneten Lämpchen, von denen jeweils 4 im schnellen Wechsel aufleuchten – ambivalent hinsichtlich der Richtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei statischen Bildern mit zweidimensionalen geometrischen Figuren kann ein Umspringen der wahrgenommenen Ausrichtung eintreten. Die drei Richtungen etwa, auf welche die Spitzen eines gleichseitigen Dreiecks zeigen, kann man nicht zugleich sehen (bei horizontaler oder vertikaler Ausrichtung einer der Seiten tendiert man spontan dazu, die dieser jeweils gegenüberliegende Spitze als richtungsweisend wahrzunehmen.). &amp;lt;bib id=&#039;Attneave 1971a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Wittgenstein 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich ordnen sich Muster beim Betrachten in unsteter Weise &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Stadler &amp;amp; Kruse 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; (Abb.); auch hier gehen meist Wechsel der wahrgenommenen Gruppierung mit solchen der wahrgenommenen Ausrichtung von Elementen des Musters Hand in Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:16.png|Abbildung 16: Quelle: Stadler &amp;amp; Kruse (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Psychologische und  neurowissenschaftliche Diskussion=====&lt;br /&gt;
“It is especially phenomena of ambiguity that make us think of perception as actively creative.“ Richard Gregory &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Psychologen sind Kippfiguren – ebenso wie Wahrnehmungstäuschungen – ein beliebtes Mittel, um zu demonstrieren, dass Wahrnehmen nicht (vollends) von den äußeren Gegebenheiten, die auf die Sinnesorgane einwirken, bestimmt ist. Wie die Subjektivität im Fall der Kippfiguren bei unveränderten Gegebenheiten zu verschiedenen Eindrücken kommt, ist indessen bis heute ungeklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht einmal die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen, ist unstrittig: Neben dem Hauptstrom der Forschung, in dem das Thema stets gegenwärtig blieb, hielten Anhänger einer „ökologisch“ – sprich: an den natürlichen Umständen des Wahrnehmens – orientierten Forschung Distanz: Man habe es hier nicht mit potentiell besonders erhellenden Grenzfällen des Wahrnehmens zu tun – wie bis heute von jenen, die Kippfiguren untersuchen, meist mehr oder minder ausdrücklich argumentiert wird –, sondern mit denaturierten Vorgaben einer lebensfernen Laborforschung.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe die Kritik von &amp;lt;bib id=&#039;Kanizsa &amp;amp; Luccio 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie Kruse, &amp;lt;bib id=&#039;Strüber &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; an der Position von &amp;lt;bib id=&#039;Gibson 1982a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu betonen, dass die meisten natürlichen Wahrnehmungssituationen sich vom Betrachten von Kippbildern unterscheiden, schließt indessen nicht aus, dass solche Bilder – ex negativo – Prinzipien der Ökologie des Wahrnehmens verdeutlichen können. &amp;lt;bib id=&#039;Schönhammer 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Entsprechend kann eine Forschungsperspektive, die auf den Umwelt- und Handlungsbezug des Wahrnehmens orientiert ist, ihrerseits das Verständnis von Kippbildern befördern.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe &amp;lt;bib id=&#039;Lindauer &amp;amp;Logotheis 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die den Handlungsbezug allerdings in relativ abstrakter Form (ohne Bezug auf den Zusammenhang von Wahrnehmen und Bewegung) geltend machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit langem wird diskutiert, ob das Umschlagen der Wahrnehmung von einer Art Ermüdung („Sättigung“) in Nervennetzen rühren könnte; da diesbezüglich meist relativ frühe Stufen der Reizverarbeitung unter Verdacht stehen, gilt die Sättigungstheorie auch als „Bottom-up-Hypothese“. Dem steht die Vermutung gegenüber, dass nicht zuletzt Wissen und Aufmerksamkeit, also (eher bewusste) mentale Prozesse, die den „Automatismen“ grundlegender Module des visuellen Systems nachgelagert bzw. übergeordnet sind, eine wesentliche Rolle spielen („Top-down-Hypothesen“). Die im Laufe der Zeit angehäuften empirischen Befunde deuten, das sei einem Ausblick auf Methoden und Ergebnisse der experimentellen Erforschung von Kippphänomenen vorausgeschickt, darauf hin, dass die Wahrheit jenseits dieser plakativen (und zugleich unscharfen) Entgegensetzung liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler war die Ermüdungserklärung Bestandteil der These, Wahrnehmen überhaupt basiere – analog zu in der Physik untersuchten Erscheinungen – auf antagonistischen Prozessen neuronaler Selbstorganisation. Das Kippen gilt hier ganz ausdrücklich als generelles Funktionsprinzip des Gehirns, welches bei stabilen Wahrnehmungen nur nicht zu Bewusstsein komme. Diese Behauptung mag den Reiz eines Paradoxes haben, ist aber hinsichtlich des namhaft gemachten allgemeinen Funktionsprinzips nicht mehr als eine metaphorisch formulierte Vermutung; und anderseits erscheint diese These nicht gerade darauf angelegt, die Besonderheit von Wahrnehmungsprozessen, bei denen es zum Kippen kommt, zu erklären. In diese Tradition stellen sich neuere Bemühungen multistabiles Wahrnehmen im Rahmen des systemtheoretischen Zugangs der „Synergetik“ &amp;lt;bib id=&#039;Kruse &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; als Schlüssel zum Verständnis des Wahrnehmens zu nutzen. Wenn in diesem Sinn das Kippen als „herausragendes methodologisches Fenster für das Messen der Dynamik des visuellen Systems“ &amp;lt;bib id=&#039;Kruse et al. 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; angesprochen wird, bleibt es nicht aus, dass u. a. Analogien von Kippfiguren und mathematischen Modellierungen der Quantenmechanik ins Feld geführt werden. &amp;lt;bib id=&#039;Caglioti 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Untersuchungsmethoden:=====&lt;br /&gt;
* Bei experimentellen Untersuchungen zur Wahrnehmung von Kippbildern wird in der Regel von den Versuchspersonen verlangt, durch Drücken verschiedener Knöpfe anzuzeigen, welche Lesart der Vorlage ihnen momentan ins Auge springt. Auf diese Weise lassen sich der primäre Eindruck sowie der Wechsel im weiteren Verlauf (Fluktuation, jeweilige Verweildauer) feststellen. Dieses Verfahren setzt voraus, dass die Probanden über das potentielle Kippen bzw. die möglichen Sichtweisen vorweg aufgeklärt wurden; sie sind also nicht völlig unbefangen. Entsprechend vorinformiert sind auch Versuchspersonen, die auf einer Skala einschätzen sollen, wie leicht ihnen diese oder jene Sichtweise fällt. Will man eine derartige Voreinstellung vermeiden, ist man auf mündliche Berichte („Sagen Sie, was Sie sehen.“) angewiesen, die nicht so leicht statistisch ausgewertet werden können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Je nach spezifischer Fragestellung sind die Versuchspersonen frei, die jeweiligen Vorlagen ohne weiteren Vorsatz auf sich wirken zu lassen, oder werden aufgefordert, Sichtweisen möglichst zu halten oder im Gegenteil möglichst oft wechseln zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Betrachten erfolgt manchmal nur mit einem Auge, manchmal mit fixiertem Kopf (z.B. Kinnauflage). Der Blick darf schweifen oder soll auf eine Markierung im Bild fixiert werden (wie eine Fixierung wirkt es auch, wenn die Bilder dem Tanz der freien Augenbewegung nachgeführt werden oder wenn man das Kippen anhand von Nachbildern einer blitzlichtartigen Präsentation auf der Netzhaut – Nachbilder bewegen mit dem Auge mit – untersucht.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Vorlagen werden ununterbrochen oder in verschiedenen Intervallen präsentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal stehen die Bilder auf dem Kopf (etwa um zu prüfen, welche Rolle das Erkennen von „Bedeutung“/Lebewesen für die Zuordnung einer Kontur spielt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal spielen eindeutig gemachte („disambiguierte“) Varianten von Kippbildern eine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das, was Versuchspersonen im Zusammenhang des jeweiligen Versuchsaufbaus bewusst mitteilen (meist per Knopfdruck), wird in aufwendigeren Studien mit Messungen von Augenbewegungen (teils auch des eventuell abgedeckten Auges) und Akkommodation, der Hirnströme (sogenannter ERPs: ereigniskorrelierter Potentiale) oder lokaler Durchblutungsdifferenzen abgeglichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anhaltspunkte für die Erklärung (bzw. die neuronale Basis) multistabiler Wahrnehmung ergeben sich auch aus gewissen Parallelen zur binokulären Rivalität (bietet man beiden Augen Ansichten, die nicht zur Deckung zu bringen sind, springt das Wahrnehmen zwischen beiden Sichten), deren neuronale Korrelate mit Elektroden im Gehirn von Affen untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Ergebnisse:=====&lt;br /&gt;
* Ein bereits älterer Forschungsbefund machte die Sättigungstheorie zweifelhaft: Zeigt man Versuchspersonen, bevor man ihnen das Kippbild mit der jungen und der alten Frau präsentiert, eine eindeutig gemachte Variante, die entweder die „Ehefrau“ oder die „Schwiegermutter“ erkennen lässt (Abb.), sehen sie dann das Kippbild eher entsprechend der jeweiligen Prägung. Nach der Sättigungstheorie wäre das Gegenteil zu erwarten. &amp;lt;bib id=&#039;Rock 1985a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Dem steht u. a. der neuere Befund gegenüber, dass im Falle eines rotierenden Neckerwürfels die Vorerfahrung mit eindeutig gemachter Drehrichtung nur dann auf die Auffassung der mehrdeutigen Vorlage durchschlägt, wenn das „Priming“, wie dieses Versuchsdesign genannt wird, kurz gehalten war, während eine längere Vorwegkonfrontation die gegenteilige Wahrnehmung befördert. &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:17.png|Abbildung 17: Quelle: Hochberg (1977)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was empirische Bestätigungen von „Top-down-Prozessen“ angeht, ist vielfach belegt, dass sich das Kippen zwar willkürlich beeinflussen, indessen nicht völlig intentional kontrollieren lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wahrnehmung von Kippbildern, die Gesichter enthalten (beispielsweise der Hasen-Enten-Kopf), ist leichter beeinflussbar – im Sinne von verzögertem oder beschleunigtem Wechsel – als die von Bildern mit doppeldeutiger Perspektive (z. B. der Necker-Würfel). &amp;lt;bib id=&#039;Stüber &amp;amp; Stadler 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hirnstrommessungen lieferten in jüngerer Zeit Indizien dafür, dass frühe Prozesse im Hinterhauptslappen des Gehirns durch Aktivierungen in frontalen und temporalen Bereichen des Gehirns, die mit Aufmerksamkeit resp. Objektwissen in Verbindung gebracht werden, mitbestimmt werden. (Beispielsweise &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messungen im Affenhirn &amp;lt;bib id=&#039;Logothetis 1998a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; und EEG-Befunde beim Menschen zeigen &amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, dass bei binokulärer Rivalität „späte“ Module (im Scheitellappen), die mit der räumlichen Auswertung visueller Reize in Verbindung gebracht werden , eine herausgehobene Rolle spielen; entsprechende Aktivierungen finden sich auch bei Kippfiguren (&amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;S. 55–65).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vergleicht man das EEG, das sich zeigt, wenn man vor den Augen der Versuchspersonen den Wechsel zwischen eindeutig gemachten Varianten eines Bildes vollzieht, mit jenem, das mit echtem Kippen bei unveränderter mehrdeutiger Vorlage einhergeht, so fehlt beim echten Kippen eine Komponente, die als „Erlangen von Gewissheit“ interpretierbar ist; gleichwohl scheint man das Kippen immer wieder als neue Gewissheit zu erleben, sich also nicht dessen bewusst zu sein, was das EEG bezeugt: dass man auf dem Sprung bleibt.&amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier &amp;amp; Bach 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zusammenhänge von Kippen und Augenbewegungen sind ebenso nachgewiesen, wie der Umstand, dass es zum Kippen auch dann kommt, wenn das Auge nicht über das Bild wandert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Von Augenbewegung unabhängige Verlagerungen der Aufmerksamkeit (sog. „verdeckte Aufmerksamkeit“) modifizieren das Kippen. Der Zusammenhang von Kippen mit intentionalem Suchverhalten mit und ohne Augenbewegungen ist ein Indiz dafür, dass das Kippen auch jenseits bewusster Absicht, als Art von Suchverhalten unter erschwerten Wahrnehmungsbedingungen verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Springt beim einäugigen Betrachten eines Neckerwürfels die Sichtweise um, ändert sich die Stellung des verdeckten Auges, so wie das bei beidäugigem Sehen geschehen würde, um bei einem tatsächlichen räumlichen Gebilde das Sehen von Doppelbildern zu vermeiden (Vergenzbewegung). &amp;lt;bib id=&#039;Enright 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kurze Unterbrechungen der Reizpräsentation (bis zu 400 ms) fördern ein Kippen, längere Pausen reduzieren es drastisch; welche der beiden konkurrierenden Deutungen dadurch gestützt wird, ist strittig. &amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet der offenen Fragen angesichts der hier schlaglichtartig angedeuteten komplexen Befundlage kann man festhalten, dass Kippbilder wohl eher durch Deutungen zu erhellen sind, welche bedenken, wie sich diese Situationen zum prinzipiellen Handlungs- bzw. Umweltbezug des Wahrnehmens verhalten, als durch losgelöste Modelle der Selbstorganisation bzw. Analogien zu physikalischen Phänomenen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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{{GlosTab2}}&lt;br /&gt;
{{GlosTab3}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
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* [[Benutzer:Farid I Kandil|Kandil, Farid]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5552</id>
		<title>Kippbild</title>
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		<updated>2011-04-13T16:30:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!--  &amp;quot;This is comment&amp;quot;  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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{{GlossarBoxMain}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
:::“If meanings are hypotheses, ambiguities are alternative hypotheses.” Richard Gregory&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, S. 1140.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begriffe „Kippbild“ oder „Kippfigur“ stehen für Vorlagen, die einen (reversiblen) abrupten Wechsel des Wahrgenommenen ermöglichen, während das Bild/Objekt unverändert bleibt. Man spricht auch von mehrfachstabilen Wahrnehmungsprozessen (also etwa von bi-, tri- oder multistabiler Wahrnehmung). Aus verschiedenen Kulturen überlieferte Artefakte (Wandgemälde, Reliefs, Mosaike, Dekore auf Keramiken und Textilien) deuten darauf hin, dass der Reiz solcher Bilder weithin und auch schon lange bekannt ist&amp;lt;ref&amp;gt;Gregory (2000); &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Mitchell 1994a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Zimmer 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Situationen des praktischen Lebens ist derartige Instabilität des Wahrnehmens selten. Das schließt nicht aus, dass Momente der umweltbezogenen Wahrnehmung zumindest teils Ausgangspunkt für entsprechende bildnerische Spiele waren und sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Phänomenologie (Eingrenzung und Varianten)=====&lt;br /&gt;
Oft werden Kippbilder in drei Typen unterteilt&amp;lt;ref&amp;gt;So bei Rock (1985), an dem sich viele Autoren orientieren; &amp;lt;bib id=&#039;Nänni 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;: 1) Umspringen von „Figur und Grund“, 2) Ambivalenz von „Bedeutung“ und 3) Mehrdeutigkeit perspektivischer Darstellungen. Diese Typologie ist zwar nicht umfassend und in gewisser Weise sogar irreführend, aber gleichwohl ein brauchbarer erster Zugang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1)&lt;br /&gt;
Umspringen von „Figur und Grund“. Berühmtestes Beispiel ist der Kelch, dessen Umrisse als zwei einander zugewandte menschliche Profile gesehen werden können. Unter Psychologen ist dieses Kippbild als „Rubinscher Becher“ oder „Rubinsche Vase“ geläufig; der dänische Psychologe Edgar Rubin hatte dieses Motiv, das zuvor schon in der graphischen Kunst benutzt worden war&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Hofmann 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie &amp;lt;bib id=&#039;Sander 1962a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; nennen Beispiele aus dem späten 18. und dem frühen 19. Jh.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zu Beginn des 20. Jh. aufgegriffen&amp;lt;ref&amp;gt;in Studien, die er zwischen 1912 und 1914 bei G. E. Müller in Göttingen durchführte und 1915 in Buchform publizierte  (2. Aufl.1921)&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Von Kippen kann man hier sprechen, weil die Konturlinie entweder den Profilen zugehört oder dem Kelch: Sieht man die Profile, hat sich die weiße Fläche in Hintergrund verwandelt, nimmt man den Kelch wahr, sieht man keine Schattenrisse von menschlichen Gesichtern, sondern nur dunklen Hintergrund, der sich hinter dem verschnörkelten Gefäß fortsetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1.png|thumb|Abbildung 1: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur/Objekt und (Hinter-)Grund können auch bei eher sinnfreien Linien/Flächengrenzen ineinander umschlagen. Derartige Beispiele standen im Mittelpunkt von Rubins Untersuchungen (Abb.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:2.png|thumb|Abbildung 2: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterscheidung von „Figur“ und „Grund“, die man als Betrachter von nichtperspektivischen zweidimensionalen Darstellungen vornimmt, demonstriert, wie stark man dazu neigt, dreidimensionale Verhältnisse („vor“ vs. „hinter“) in Bilder hineinzusehen. Bereits da, wo nur eine schlichte Linie eine Fläche teilt (Abb.), sehen wir leicht eine der beiden Teilflächen vor der anderen&amp;lt;ref&amp;gt;Oder – als dritte Möglichkeit – die Line als Körper (oder körperliche Leerstelle); also etwa einen Faden/eine Schlage auf/vor dem Grund bzw. eine Ritze in einer Fläche&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:3.png|thumb|Abbildung 3]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltpsychologen haben sich eingehend mit der Frage beschäftigt welche abstrakten Qualitäten von Linien/Flächen das Sehen als Figur nahe legen. &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Manche der zahlreichen Variationen der Darstellung von Rubins Becher machen Faktoren der Figurbildung deutlich; schneidet man beispielsweise Rubins Original an der oberen und unteren Kante des Kelchs horizontal ab, so springen die Profile leichter ins Auge als in der ursprünglichen Konstellation (umschließende Flächen werden eher als Grund gesehen), ein Tausch von hell und dunkel wirkt dieser Tendenz wiederum entgegen (dunklere Flächen sieht man bevorzugt als Figur).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:4.png|Abbildung 4]] [[Datei:5.png|Abbildung 5: Rubins (1921) Abb. modifiziert]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ebenfalls relativ bekannte Bild einer Landschaft, in der sich die Umrisse „Napoleons“/„eines  Kapitäns“ – vom charakteristischen Hut bis zu den Füßen – verstecken &amp;lt;ref&amp;gt;z. B. in &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; http://www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt;, funktioniert nur bedingt als Kippfigur. Hat man die Umrisse, die für den Mann stehen, erst einmal entdeckt, ist ein Umschlagen von Figur und Grund zwar insofern nicht ausgeschlossen, als man abwechselnd die Silhouette des Mannes vor einem dickem Baum oder aber Bäume/Baumstrünke und einen leeren Zwischenraum sehen kann. Aber nicht nur bei breit (auf die „Totale“) eingestellter Aufmerksamkeit kann man Landschaft und Person zugleich sehen; es ist auch möglich, simultan gewundene dünne Baumstämme und die von ihren Konturen geformte Silhouette zu sehen, also zwei sozusagen symbiotische Figuren. Dieses „Vexierbild“ funktioniert – wie viele andere auch – deshalb gut als &#039;&#039;&#039;Bilderrätsel&#039;&#039;&#039;, weil es in die relativ detailreiche Darstellung einer realistischen Szenerie in unwahrscheinlicher Weise Anzeichen eines bedeutsamen Objektes (meist eines Menschen oder anderen Lebewesens) konstruiert. Ist der Betrachter erst einmal über diese Andeutungen gestolpert, springt aus dem Hintergrund der ursprünglichen „Figur“ (hier: Baumgruppe in Landschaft) ein Objekt in die Szene, ohne diese dabei auszulöschen. Das Konstruktionsprinzip solcher Vexier- oder Rätselbilder sorgt eher für einmalige Überraschung als fortgesetztes Kippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6.png|Abbildung 6: Quelle: Allesch (2006)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) &lt;br /&gt;
Ambivalenz von „Bedeutungen“ („semantisch ambivalente Bilder“). Diese nicht sehr glückliche Kategorisierung – um unterschiedliche Bedeutungen handelt es sich bei zwei- oder mehrdeutigen Bildern immer – bezieht sich auf Vorlagen, bei denen man abwechselnd die Darstellung verschiedener Objekte sehen kann, ohne dass dabei unbedingt ein Figur-Grund-Wechsel beteiligt wäre. Man könnte also vielleicht besser von  „Gesichterwechsel der Figur“ sprechen. Die Rede vom Gesichterwechsel charakterisiert diesem Untertypus von Kippbildern nicht nur im übertragenen Sinn – die nämliche „Figur“ (im Sinne der gestaltpsychologischen Unterscheidung von Figur und Grund) evoziert unterschiedliche Objekte – sondern auch insofern, als es hier in der Regel um Bilder geht, bei denen tatsächlich oft abwechselnd unterschiedliche Gesichter (und/oder Körper) von Menschen oder anderen Tieren aus einer Figur hervortreten (manchmal sind das Gesichter/Körper der nämlichen Gattung, manchmal wechselt die Gattung; auch Darstellungen menschlicher Totenköpfe sind verbreitet)&amp;lt;ref&amp;gt;Nur ausnahmsweise wird das in der Forschungsliteratur reflektiert (wie bei &amp;lt;bib id=&#039;Stoesz 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die Kippfiguren im Hinblick auf die Besonderheiten der Gesichtswahrnehmung bei autistischen Kindern untersuchte).&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berühmte Beispiele für Gesichter-Kippbilder tauchten zunächst im 19. und frühen 20. Jh. in humoristischen Publikationen auf und haben heute einen festen Platz in psychologischen Lehrbüchern und populärwissenschaftlichen Darstellungen spektakulärer Wahrnehmungsphänomene. Besonders prominent ist jener Kopf, der auf den ersten Blick meist als der einer Ente gesehen wird, aber auch in den eines Hasen umschlagen kann&amp;lt;ref&amp;gt;Zahlen zur Identifikation auf den ersten Blick bei &amp;lt;bib id=&#039;Brugger &amp;amp; Brugger 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; hat weiter Probanden bei 12 im Umlauf befindlichen Varianten des Bildes auf einer Skala einschätzen lassen, wie leicht sie Ente (bzw. einen Vogel) oder Hasen sehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Der in Harvard lehrende Psychologe Jastrow hatte den Enten-Hasen-Kopf am Übergang zum 20. Jh. in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht. &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a, et al&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Einige Bemerkungen im Spätwerk Ludwig Wittgensteins (siehe unten) haben diese Gesichterkippfigur gewissermaßen philosophisch geadelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:7.png|Abbildung 7: Quelle: Mitchell (1994)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres sozusagen klassisches Kippbild vereint die Ansicht einer alten Frau (im ganz leicht dem Betrachter zugewandten Profil) mit der Darstellung des Gesichts einer jungen Frau, das vom Betrachter dreiviertel abgewandt ist &amp;lt;ref&amp;gt;Ursprünglich eingeführt als „my wife and my mother in law“; diese Konstruktion wurde auch mit männlichen Zügen/Attributen realisiert&amp;lt;/ref&amp;gt;; wie beim Enten- vs. Hasenkopf schließen sich beide Sichtweisen aus (Abb.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:8.png|Abbildung 8: Quelle: Attneave (1971)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist ein partieller Figur-Grund-Wechsel in die Metamorphose der Figur einbezogen. So erscheint im Kippbild „Ratte vs. Mann mit Brille“ (Abb.) ein Bereich einmal als Grund zwischen Körper und Schwanz der Ratte und wird mit dem Umschlagen zur Wange des Mannes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:9.png|Abbildung 9: Quelle: Rock (1985)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich verhält es sich bei der Grafik „Sara Nader“ (Abb.) aus der Feder des amerikanischen Psychologen Roger N. Shepard&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Shepard 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, p. 76); Varianten u. a. mit Umkehr von hell und dunkel (p. 140/141).&amp;lt;/ref&amp;gt;. Allerdings kann man bei diesem Bild beide Sehweisen – Saxophonspieler und en face Porträt einer Frau – gleichzeitig wahrnehmen, was wohl daher rührt, dass jene Flächen, die eines der beiden Augen, den Mund und den Nasenflügel des weiblichen Gesichts anzeigen, entweder isoliert vom Schattenriss des Saxophonspielers sind (Auge) oder sich nicht zwingend in die Einheit von Mann und Instrument fügen (Mund, Nasenflügel). Man kann sogar auch noch gleichzeitig gewahren, dass das sozusagen freischwebende Auge einen Vogel darstellt. Sofern die Aufmerksamkeit nicht zu sehr auf eines der drei „Gesichter“ (Mann, Frau, Vogel) fokussiert, machen diese sich den Platz im Wahrnehmungsakt nicht streitig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10.png|Abbildung 10: Quelle &amp;amp; Urheber: Shepard (1990)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gesichter-Kippbilder“ sind also von Bildern zu unterscheiden, die Darstellungen mehrerer Gesichter bzw. Körper bergen, welche zwar womöglich – im Sinne eines Bilderrätsels – nicht alle sofort gesehen werden und auch dann, wenn sie einmal entdeckt wurden, abwechselnd ins Zentrum der Aufmerksamkeit treten können, deren gleichzeitige Wahrnehmung aber nicht ausgeschlossen ist. Nur dann, wenn die wesentlichen Anzeichen für die konkurrierenden Gesichter in der jeweiligen Alternative einen sinnvollen Platz finden, schlägt die Wahrnehmung um. Ansonsten kann man eben zwei oder mehrere Gesichter/Körper zugleich sehen, ob sie nun mehr oder weniger gleichberechtigt nebeneinander stehen oder in eine hierarchische Beziehung zueinander gesetzt sind (wie beispielsweise da, wo kleine Darstellungen von Menschen nach Art der Jahreszeiten-Gemälde von Arcimboldo Partien eines Porträts bilden) &amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele etwa bei &amp;lt;bib id=&#039;Haken 1995&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 40); &amp;lt;bib id=&#039;Ditzinger 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 92); und – oft ohne Quellenangaben – bei Hobbysammlern im Internet.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bilder, die in Arcimboldos Manier Gesichter und Körper zu einem übergeordneten Gesicht (oder eben Totenkopf) zusammenstellen, legen einen Wechsel der Fokussierung nahe, ohne im strengen Sinn Kippbilder zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum simultanen Sehen von Elementen und Portrait bei Arcimboldo vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Niederée &amp;amp; Heyer 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; , p. 98)&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Verschiebung von Akzenten der Betrachtung ist einem Wechsel der Aufmerksamkeit vergleichbar, wie man ihn vornimmt, wenn man sich auf Details eines Bildes konzentriert oder gar die Pinselstriche (allgemein: Merkmale der Darstellungsweise) fokussiert. Selbst wenn man bei der Untersuchung der Oberfläche eines Bildes für Momente das Dargestellte völlig ausklammert, fehlt hier – wie auch beim Fokuswechsel bei Bilderrätseln – das typische Erlebnis verblüffenden Hin-und-her-Kippens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ernst Gombrich den Übergang von Sehen des Bildinhalts zu einem radikal auf die Malweise gerichteten kunstwissenschaftlichen Blick mit dem Kippbilderlebnis gleichsetzt &amp;lt;bib id=&#039;Gombrich 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. (was der Kunsttheoretiker Richard Wollheim aus verschiedenen Gründen in Frage stellte; siehe unten&amp;lt;ref&amp;gt;siehe „Kippbild: Philosophische Diskussion&amp;lt;/ref&amp;gt; ), wird er u. a. der Tatsache nicht gerecht, dass das Kippen zwar auch durch Konzentration aktiv beeinflusst werden kann, aber – anders als eine ausblendende Vertiefung in die Darstellungsweise – immer als Widerfahrnis erlebt wird (dieser jederzeit individuelle überprüfbare Befund wird auch durch Ergebnisse der experimentellen Forschung bestätigt; siehe unten) . Frei nach Lichtenberg: Kippbilder vermitteln das Erlebnis „Es sieht!“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3)&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit. Zweidimensionale Projektionen dreidimensionaler Körper, also beispielsweise perspektivische Darstellung von Kristallen, sind objektiv vieldeutig. Grundsätzlich kann ja schon jede auf ein Blatt gezeichnete Linie für zahllose Neigungen eines Stabes (oder eben einer Kante) in die Tiefe des Raumes stehen. Die verschiedensten Körper führen also zur nämlichen Projektion. Ungeachtet der unendlich vielen möglichen dreidimensionalen Konstellationen, die hinter einem solchen Bild stehen können, drängen sich dem Wahrnehmen nur wenige auf. Das ist per se bemerkenswert. Zu den „Lebensgewohnheiten des Gesichtssinnes“ (Ernst Mach &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) gehört es offenbar, dass uns die Mehrzahl der möglichen 3D-Sichtweisen von Zeichnungen nicht in den Sinn kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Zeichnung (Abb.), in der wir spontan die Projektion eines Gitter-Würfels ausmachen (mögen auch andere Körper zum nämlichen Bild führen), bleibt allerdings auch im Wahrnehmungsakt mehrdeutig: in der Regel kippt die Ansicht der unveränderten Vorlage zwischen zwei unterschiedlich im Raum gelagerten Würfeln hin und her, sieht man, anders gesagt, Ecken vor- bzw. zurückspringen. Diese Kippfigur ist unter der Bezeichnung Necker-Würfel geläufig; genannt nach jenem Schweizer Geologen und Kristallographen, der das Kippen beim Betrachten von durchsichtigen Kantendarstellungen von Kristallformen im Jahr 1832 schriftlich festgehalten hatte. (siehe&amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:11.png|Abbildung 11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als „Machs Buch“ (Abb.) wird die Verbindung zweier Parallelogramme bezeichnet, die in der Regel zunächst als geöffnetes „Buch“ (bzw. geknickte Karte) gesehen wird&amp;lt;ref&amp;gt;Ungeachtet der Tatsache, dass die Parallelität der perspektivischen Verzerrung, die bei einem in die Tiefe geneigten Rechteck aufträte, widerspricht.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das (die) dem Betrachter den Rücken zuwendet. Alternativ blickt man in das aufgeschlagene Buch hinein. &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12.png|Abbildung 12]] [[Datei:13.png|Abbildung 13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe von schräg angeordneten „Knickfiguren“ ergibt die „Schrödersche Treppe“ (Abb.), bei der Untersicht und Aufsicht ineinander umschlagen können. Netzwerke von Parallelogrammen erscheinen als Texturen von Quadern/Würfeln (Abb.), deren Ecken man mal nach innen, mal außen springen sieht – ein Motiv das sich in griechischen und römischen Mosaiken findet und auch bei Möbelfurnieren vorkommt. &amp;lt;bib id=&#039;Gregory et al. 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14.png|Abbildung 14: Quelle: Zimmer (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit hat Konsequenzen für die Wahrnehmung von Bewegung: Bei einäugiger Betrachtung tritt die plötzliche Umstülpung auch bei einem Drahtwürfelwürfel auf&amp;lt;ref&amp;gt;Wenn man den Blick ins Unendliche richtet, also durch die Drahtplastik hindurchstarrt, führt auch das Sehen mit beiden Augen relativ sicher zum Erfolg.&amp;lt;/ref&amp;gt;; dreht sich das Gebilde, so kehrt sich mit dem Umspringen die wahrgenommene Drehrichtung um.&amp;lt;ref&amp;gt;Bewegt sich umgekehrt der Betrachter gegenüber dem unbewegten Würfel, so scheint die Plastik während der illusorischen Sichtweise – magisch – der Bewegung des Betrachters zu folgen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das geschieht auch, wenn man die Projektion eines rotierenden Drahtwürfels betrachtet. Ein Beispiel für eine natürliche Situation, bei der die Bewegungsrichtung in den Augen des Betrachters umschlagen kann, nennt Otto Klemm: „Die Windmühle, die man als dunklen Schattenriß am Horizont schräg von der Seite sieht, dreht sich je nach perspektivischer Vorstellung in verschiedener Richtung.“&amp;lt;bib id=&#039;Klemm 1919a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Die Computeranimation „spinning dancer“ (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Spinning_Dancer) spielt ebenfalls mit einer (weitgehenden) perspektivischen Äquivalenz entgegengesetzter Tiefenausrichtungen von Körpern, von denen man lediglich die Silhouette sieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Widersprüchliche Tiefen-/Richtungshinweise in der Animation benennen &amp;lt;bib id=&#039;Troje &amp;amp; McAdam (2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Zwischenresümee=====&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Räumliche Mehrdeutigkeit&#039;&#039;&#039; von Bildern spielt nicht nur da eine Rolle, wo man zwischen Sichtweisen perspektivischer Darstellungen springt. Beim Kippen von Figur und Grund wechselt ebenfalls die wahrgenommene räumliche Position (vorne/hinten). Ohne ein Spiel mit räumlicher Mehrdeutigkeit kommt schließlich auch das „semantische Kippen“ zwischen dem Sehen der jungen vs. alten Frau nicht aus. (In natürlichen Situationen treten vergleichbare Mehrdeutigkeiten nur unter eingeschränkten Sichtbedingungen auf: etwa bei der Betrachtung weit entfernter Objekte/Szenen. Aus der Nähe sorgen in aller Regel Tiefeninformationen – ob sie sich nun dem beidäugigen Sehen oder kleinen Positionswechseln des Betrachters verdanken – für Eindeutigkeit.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Neben räumlicher Mehrdeutigkeit ist offenbar die menschliche Neigung, bereits in wenigen Andeutungen ein &#039;&#039;&#039;Gesicht&#039;&#039;&#039; (allgemeiner: Die Gestalt eines vertrauten &#039;&#039;&#039;Lebewesens&#039;&#039;&#039;) auszumachen &amp;lt;bib id=&#039;Schönhammer 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, ein Unsicherheits- und damit Kippfaktor. Dieser kann in Verbindung mit einer Ambivalenz von Figur-Grund (Rubins Becher) oder einer der Perspektive (junge/alte Frau) zum Tragen kommen. Manchmal, wie im Fall des Enten-Hasen-Kopfes, ist er aber offenbar eigenständig wirksam (also auch angesichts einer mit beiden Augen aus der Nähe betrachteten Plastik&amp;lt;ref&amp;gt;Das gilt für den isolierten Kopf. Umfasst die Plastik auch einen Körper, kann dieser die Doppeldeutigkeit unterstützen oder ihr entgegen gerichtet  sein; bei der Kleinplastik, die &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; abbildet, kann unterschiedliche Aufstellung das Sehen als Hase oder Ente forcieren, weil der Körper je nach Aufstellung eindeutig zur jeweiligen Ausrichtung des Kopfes passt.&amp;lt;/ref&amp;gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Weitere Typen von Kippfiguren=====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Typus von Kippbildern, bei dem es um räumliche Tiefe geht, sind Bilder mit Schattenindikatoren, die sowohl auf konvexe als auch auf konkave Wölbungen hinweisen können (Abb.); in Lehrbüchern wird dieser Aspekt von Schattierungswahrnehmung meist zugunsten vermeintlich eindeutiger Wölbungswahrnehmung in Abhängigkeit von der impliziten Lage der Lichtquelle („Licht von oben“ vs. „von unten“) vernachlässigt (demonstriert durch Drehung des Bildes um 180°); bereits die oben bzw. unten angedeuteten Schatten schließen indessen ein Kippen zwischen konvexem und konkavem Eindruck nicht aus, dreht man die Demonstrationsbeispiele um 90°, verlagert also das Helligkeitsgefälle auf eines zwischen rechter und linker Seite, so erleichtert dies die Fluktuation der Sichtweisen. Unter natürlichen Umständen tritt Wölbungsambivalenz beispielsweise im Hinblick auf die Segel entfernter Schiffe auf. &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; weisen auf eine entsprechende Beobachtung von Ptolemäus hin.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:15.png|Abbildung 15: Quelle: Schönhammer (2009)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scheinbewegung, die man durch benachbarte, in schneller Abfolge aufleuchtende bzw. verlöschende Lämpchen erzeugen kann, ist bei geeigneter Anordnung – etwa bei acht in gleichem Abstand auf einer Kreislinie angeordneten Lämpchen, von denen jeweils 4 im schnellen Wechsel aufleuchten – ambivalent hinsichtlich der Richtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei statischen Bildern mit zweidimensionalen geometrischen Figuren kann ein Umspringen der wahrgenommenen Ausrichtung eintreten. Die drei Richtungen etwa, auf welche die Spitzen eines gleichseitigen Dreiecks zeigen, kann man nicht zugleich sehen (bei horizontaler oder vertikaler Ausrichtung einer der Seiten tendiert man spontan dazu, die dieser jeweils gegenüberliegende Spitze als richtungsweisend wahrzunehmen.). &amp;lt;bib id=&#039;Attneave 1971a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Wittgenstein 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich ordnen sich Muster beim Betrachten in unsteter Weise &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Stadler &amp;amp; Kruse 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; (Abb.); auch hier gehen meist Wechsel der wahrgenommenen Gruppierung mit solchen der wahrgenommenen Ausrichtung von Elementen des Musters Hand in Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:16.png|Abbildung 16: Quelle: Stadler &amp;amp; Kruse (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Psychologische und  neurowissenschaftliche Diskussion=====&lt;br /&gt;
“It is especially phenomena of ambiguity that make us think of perception as actively creative.“ Richard Gregory &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Psychologen sind Kippfiguren – ebenso wie Wahrnehmungstäuschungen – ein beliebtes Mittel, um zu demonstrieren, dass Wahrnehmen nicht (vollends) von den äußeren Gegebenheiten, die auf die Sinnesorgane einwirken, bestimmt ist. Wie die Subjektivität im Fall der Kippfiguren bei unveränderten Gegebenheiten zu verschiedenen Eindrücken kommt, ist indessen bis heute ungeklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht einmal die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen, ist unstrittig: Neben dem Hauptstrom der Forschung, in dem das Thema stets gegenwärtig blieb, hielten Anhänger einer „ökologisch“ – sprich: an den natürlichen Umständen des Wahrnehmens – orientierten Forschung Distanz: Man habe es hier nicht mit potentiell besonders erhellenden Grenzfällen des Wahrnehmens zu tun – wie bis heute von jenen, die Kippfiguren untersuchen, meist mehr oder minder ausdrücklich argumentiert wird –, sondern mit denaturierten Vorgaben einer lebensfernen Laborforschung.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe die Kritik von &amp;lt;bib id=&#039;Kanizsa &amp;amp; Luccio 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie Kruse, &amp;lt;bib id=&#039;Strüber &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; an der Position von &amp;lt;bib id=&#039;Gibson 1982a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu betonen, dass die meisten natürlichen Wahrnehmungssituationen sich vom Betrachten von Kippbildern unterscheiden, schließt indessen nicht aus, dass solche Bilder – ex negativo – Prinzipien der Ökologie des Wahrnehmens verdeutlichen können. &amp;lt;bib id= Schönhammer 2009a&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Entsprechend kann eine Forschungsperspektive, die auf den Umwelt- und Handlungsbezug des Wahrnehmens orientiert ist, ihrerseits das Verständnis von Kippbildern befördern.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe &amp;lt;bib id=&#039;Lindauer &amp;amp;Logotheis 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die den Handlungsbezug allerdings in relativ abstrakter Form (ohne Bezug auf den Zusammenhang von Wahrnehmen und Bewegung) geltend machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit langem wird diskutiert, ob das Umschlagen der Wahrnehmung von einer Art Ermüdung („Sättigung“) in Nervennetzen rühren könnte; da diesbezüglich meist relativ frühe Stufen der Reizverarbeitung unter Verdacht stehen, gilt die Sättigungstheorie auch als „Bottom-up-Hypothese“. Dem steht die Vermutung gegenüber, dass nicht zuletzt Wissen und Aufmerksamkeit, also (eher bewusste) mentale Prozesse, die den „Automatismen“ grundlegender Module des visuellen Systems nachgelagert bzw. übergeordnet sind, eine wesentliche Rolle spielen („Top-down-Hypothesen“). Die im Laufe der Zeit angehäuften empirischen Befunde deuten, das sei einem Ausblick auf Methoden und Ergebnisse der experimentellen Erforschung von Kippphänomenen vorausgeschickt, darauf hin, dass die Wahrheit jenseits dieser plakativen (und zugleich unscharfen) Entgegensetzung liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler war die Ermüdungserklärung Bestandteil der These, Wahrnehmen überhaupt basiere – analog zu in der Physik untersuchten Erscheinungen – auf antagonistischen Prozessen neuronaler Selbstorganisation &amp;lt;bib id=&#039;Köhler 1958a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Das Kippen gilt hier ganz ausdrücklich als generelles Funktionsprinzip des Gehirns, welches bei stabilen Wahrnehmungen nur nicht zu Bewusstsein komme. Diese Behauptung mag den Reiz eines Paradoxes haben, ist aber hinsichtlich des namhaft gemachten allgemeinen Funktionsprinzips nicht mehr als eine metaphorisch formulierte Vermutung; und anderseits erscheint diese These nicht gerade darauf angelegt, die Besonderheit von Wahrnehmungsprozessen, bei denen es zum Kippen kommt, zu erklären. In diese Tradition stellen sich neuere Bemühungen multistabiles Wahrnehmen im Rahmen des systemtheoretischen Zugangs der „Synergetik“ &amp;lt;bib id=&#039;Kruse &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; als Schlüssel zum Verständnis des Wahrnehmens zu nutzen. Wenn in diesem Sinn das Kippen als „herausragendes methodologisches Fenster für das Messen der Dynamik des visuellen Systems“&amp;lt;bib id=&#039;Kruse et al. 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;  angesprochen wird, bleibt es nicht aus, dass u. a. Analogien von Kippfiguren und mathematischen Modellierungen der Quantenmechanik ins Feld geführt werden. &amp;lt;bib id=&#039;Caglioti 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Untersuchungsmethoden:=====&lt;br /&gt;
* Bei experimentellen Untersuchungen zur Wahrnehmung von Kippbildern wird in der Regel von den Versuchspersonen verlangt, durch Drücken verschiedener Knöpfe anzuzeigen, welche Lesart der Vorlage ihnen momentan ins Auge springt. Auf diese Weise lassen sich der primäre Eindruck sowie der Wechsel im weiteren Verlauf (Fluktuation, jeweilige Verweildauer) feststellen. Dieses Verfahren setzt voraus, dass die Probanden über das potentielle Kippen bzw. die möglichen Sichtweisen vorweg aufgeklärt wurden; sie sind also nicht völlig unbefangen. Entsprechend vorinformiert sind auch Versuchspersonen, die auf einer Skala einschätzen sollen, wie leicht ihnen diese oder jene Sichtweise fällt. Will man eine derartige Voreinstellung vermeiden, ist man auf mündliche Berichte („Sagen Sie, was Sie sehen.“) angewiesen, die nicht so leicht statistisch ausgewertet werden können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Je nach spezifischer Fragestellung sind die Versuchspersonen frei, die jeweiligen Vorlagen ohne weiteren Vorsatz auf sich wirken zu lassen, oder werden aufgefordert, Sichtweisen möglichst zu halten oder im Gegenteil möglichst oft wechseln zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Betrachten erfolgt manchmal nur mit einem Auge, manchmal mit fixiertem Kopf (z.B. Kinnauflage). Der Blick darf schweifen oder soll auf eine Markierung im Bild fixiert werden (wie eine Fixierung wirkt es auch, wenn die Bilder dem Tanz der freien Augenbewegung nachgeführt werden oder wenn man das Kippen anhand von Nachbildern einer blitzlichtartigen Präsentation auf der Netzhaut – Nachbilder bewegen mit dem Auge mit – untersucht.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Vorlagen werden ununterbrochen oder in verschiedenen Intervallen präsentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal stehen die Bilder auf dem Kopf (etwa um zu prüfen, welche Rolle das Erkennen von „Bedeutung“/Lebewesen für die Zuordnung einer Kontur spielt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal spielen eindeutig gemachte („disambiguierte“) Varianten von Kippbildern eine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das, was Versuchspersonen im Zusammenhang des jeweiligen Versuchsaufbaus bewusst mitteilen (meist per Knopfdruck), wird in aufwendigeren Studien mit Messungen von Augenbewegungen (teils auch des eventuell abgedeckten Auges) und Akkommodation, der Hirnströme (sogenannter ERPs: ereigniskorrelierter Potentiale) oder lokaler Durchblutungsdifferenzen abgeglichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anhaltspunkte für die Erklärung (bzw. die neuronale Basis) multistabiler Wahrnehmung ergeben sich auch aus gewissen Parallelen zur binokulären Rivalität (bietet man beiden Augen Ansichten, die nicht zur Deckung zu bringen sind, springt das Wahrnehmen zwischen beiden Sichten), deren neuronale Korrelate mit Elektroden im Gehirn von Affen untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Ergebnisse:=====&lt;br /&gt;
* Ein bereits älterer Forschungsbefund machte die Sättigungstheorie zweifelhaft: Zeigt man Versuchspersonen, bevor man ihnen das Kippbild mit der jungen und der alten Frau präsentiert, eine eindeutig gemachte Variante, die entweder die „Ehefrau“ oder die „Schwiegermutter“ erkennen lässt (Abb.), sehen sie dann das Kippbild eher entsprechend der jeweiligen Prägung. Nach der Sättigungstheorie wäre das Gegenteil zu erwarten. &amp;lt;bib id=&#039;Rock 1985a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Dem steht u. a. der neuere Befund gegenüber, dass im Falle eines rotierenden Neckerwürfels die Vorerfahrung mit eindeutig gemachter Drehrichtung nur dann auf die Auffassung der mehrdeutigen Vorlage durchschlägt, wenn das „Priming“, wie dieses Versuchsdesign genannt wird, kurz gehalten war, während eine längere Vorwegkonfrontation die gegenteilige Wahrnehmung befördert. &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:17.png|Abbildung 17: Quelle: Hochberg (1977)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was empirische Bestätigungen von „Top-down-Prozessen“ angeht, ist vielfach belegt, dass sich das Kippen zwar willkürlich beeinflussen, indessen nicht völlig intentional kontrollieren lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wahrnehmung von Kippbildern, die Gesichter enthalten (beispielsweise der Hasen-Enten-Kopf), ist leichter beeinflussbar – im Sinne von verzögertem oder beschleunigtem Wechsel – als die von Bildern mit doppeldeutiger Perspektive (z. B. der Necker-Würfel). &amp;lt;bib id=&#039;Stüber &amp;amp; Stadler 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hirnstrommessungen lieferten in jüngerer Zeit Indizien dafür, dass frühe Prozesse im Hinterhauptslappen des Gehirns durch Aktivierungen in frontalen und temporalen Bereichen des Gehirns, die mit Aufmerksamkeit resp. Objektwissen in Verbindung gebracht werden, mitbestimmt werden. (Beispielsweise &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messungen im Affenhirn&amp;lt;bib id=&#039;Logothetis 1998a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; und EEG-Befunde beim Menschen zeigen&amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, dass bei binokulärer Rivalität „späte“ Module (im Scheitellappen), die mit der räumlichen Auswertung visueller Reize in Verbindung gebracht werden , eine herausgehobene Rolle spielen; entsprechende Aktivierungen finden sich auch bei Kippfiguren (&amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;S. 55–65).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vergleicht man das EEG, das sich zeigt, wenn man vor den Augen der Versuchspersonen den Wechsel zwischen eindeutig gemachten Varianten eines Bildes vollzieht, mit jenem, das mit echtem Kippen bei unveränderter mehrdeutiger Vorlage einhergeht, so fehlt beim echten Kippen eine Komponente, die als „Erlangen von Gewissheit“ interpretierbar ist; gleichwohl scheint man das Kippen immer wieder als neue Gewissheit zu erleben, sich also nicht dessen bewusst zu sein, was das EEG bezeugt: dass man auf dem Sprung bleibt.&amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier &amp;amp; Bach 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zusammenhänge von Kippen und Augenbewegungen sind ebenso nachgewiesen, wie der Umstand, dass es zum Kippen auch dann kommt, wenn das Auge nicht über das Bild wandert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Von Augenbewegung unabhängige Verlagerungen der Aufmerksamkeit (sog. „verdeckte Aufmerksamkeit“) modifizieren das Kippen. Der Zusammenhang von Kippen mit intentionalem Suchverhalten mit und ohne Augenbewegungen ist ein Indiz dafür, dass das Kippen auch jenseits bewusster Absicht, als Art von Suchverhalten unter erschwerten Wahrnehmungsbedingungen verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Springt beim einäugigen Betrachten eines Neckerwürfels die Sichtweise um, ändert sich die Stellung des verdeckten Auges, so wie das bei beidäugigem Sehen geschehen würde, um bei einem tatsächlichen räumlichen Gebilde das Sehen von Doppelbildern zu vermeiden (Vergenzbewegung). &amp;lt;bib id=&#039;Enright 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kurze Unterbrechungen der Reizpräsentation (bis zu 400 ms) fördern ein Kippen, längere Pausen reduzieren es drastisch; welche der beiden konkurrierenden Deutungen dadurch gestützt wird, ist strittig. &amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Leopold et al. 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet der offenen Fragen angesichts der hier schlaglichtartig angedeuteten komplexen Befundlage kann man festhalten, dass Kippbilder wohl eher durch Deutungen zu erhellen sind, welche bedenken, wie sich diese Situationen zum prinzipiellen Handlungs- bzw. Umweltbezug des Wahrnehmens verhalten, als durch losgelöste Modelle der Selbstorganisation bzw. Analogien zu physikalischen Phänomenen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliography-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab2}}&lt;br /&gt;
{{GlosTab3}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Benutzer:Farid I Kandil|Kandil, Farid]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den Schluß nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosEnd}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5551</id>
		<title>Kippbild</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5551"/>
		<updated>2011-04-13T16:29:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!--  &amp;quot;This is comment&amp;quot;  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Vorlage für Unterpunkte--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Den folgenden Header, bitte nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosHeader}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Unterpunkt]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ende header--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--In der folgenden Zeile bitte die (Wiki)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht--&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildwahrnehmung]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--In der folgenden Zeile bitte die (Glossar)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--beides sollte in der Regel der gleiche Text sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
:::“If meanings are hypotheses, ambiguities are alternative hypotheses.” Richard Gregory&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, S. 1140.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begriffe „Kippbild“ oder „Kippfigur“ stehen für Vorlagen, die einen (reversiblen) abrupten Wechsel des Wahrgenommenen ermöglichen, während das Bild/Objekt unverändert bleibt. Man spricht auch von mehrfachstabilen Wahrnehmungsprozessen (also etwa von bi-, tri- oder multistabiler Wahrnehmung). Aus verschiedenen Kulturen überlieferte Artefakte (Wandgemälde, Reliefs, Mosaike, Dekore auf Keramiken und Textilien) deuten darauf hin, dass der Reiz solcher Bilder weithin und auch schon lange bekannt ist&amp;lt;ref&amp;gt;Gregory (2000); &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Mitchell 1994a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Zimmer 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Situationen des praktischen Lebens ist derartige Instabilität des Wahrnehmens selten. Das schließt nicht aus, dass Momente der umweltbezogenen Wahrnehmung zumindest teils Ausgangspunkt für entsprechende bildnerische Spiele waren und sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Phänomenologie (Eingrenzung und Varianten)=====&lt;br /&gt;
Oft werden Kippbilder in drei Typen unterteilt&amp;lt;ref&amp;gt;So bei Rock (1985), an dem sich viele Autoren orientieren; &amp;lt;bib id=&#039;Nänni 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;: 1) Umspringen von „Figur und Grund“, 2) Ambivalenz von „Bedeutung“ und 3) Mehrdeutigkeit perspektivischer Darstellungen. Diese Typologie ist zwar nicht umfassend und in gewisser Weise sogar irreführend, aber gleichwohl ein brauchbarer erster Zugang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1)&lt;br /&gt;
Umspringen von „Figur und Grund“. Berühmtestes Beispiel ist der Kelch, dessen Umrisse als zwei einander zugewandte menschliche Profile gesehen werden können. Unter Psychologen ist dieses Kippbild als „Rubinscher Becher“ oder „Rubinsche Vase“ geläufig; der dänische Psychologe Edgar Rubin hatte dieses Motiv, das zuvor schon in der graphischen Kunst benutzt worden war&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Hofmann 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie &amp;lt;bib id=&#039;Sander 1962a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; nennen Beispiele aus dem späten 18. und dem frühen 19. Jh.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zu Beginn des 20. Jh. aufgegriffen&amp;lt;ref&amp;gt;in Studien, die er zwischen 1912 und 1914 bei G. E. Müller in Göttingen durchführte und 1915 in Buchform publizierte  (2. Aufl.1921)&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Von Kippen kann man hier sprechen, weil die Konturlinie entweder den Profilen zugehört oder dem Kelch: Sieht man die Profile, hat sich die weiße Fläche in Hintergrund verwandelt, nimmt man den Kelch wahr, sieht man keine Schattenrisse von menschlichen Gesichtern, sondern nur dunklen Hintergrund, der sich hinter dem verschnörkelten Gefäß fortsetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1.png|thumb|Abbildung 1: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur/Objekt und (Hinter-)Grund können auch bei eher sinnfreien Linien/Flächengrenzen ineinander umschlagen. Derartige Beispiele standen im Mittelpunkt von Rubins Untersuchungen (Abb.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:2.png|thumb|Abbildung 2: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterscheidung von „Figur“ und „Grund“, die man als Betrachter von nichtperspektivischen zweidimensionalen Darstellungen vornimmt, demonstriert, wie stark man dazu neigt, dreidimensionale Verhältnisse („vor“ vs. „hinter“) in Bilder hineinzusehen. Bereits da, wo nur eine schlichte Linie eine Fläche teilt (Abb.), sehen wir leicht eine der beiden Teilflächen vor der anderen&amp;lt;ref&amp;gt;Oder – als dritte Möglichkeit – die Line als Körper (oder körperliche Leerstelle); also etwa einen Faden/eine Schlage auf/vor dem Grund bzw. eine Ritze in einer Fläche&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:3.png|thumb|Abbildung 3]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltpsychologen haben sich eingehend mit der Frage beschäftigt welche abstrakten Qualitäten von Linien/Flächen das Sehen als Figur nahe legen. &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Manche der zahlreichen Variationen der Darstellung von Rubins Becher machen Faktoren der Figurbildung deutlich; schneidet man beispielsweise Rubins Original an der oberen und unteren Kante des Kelchs horizontal ab, so springen die Profile leichter ins Auge als in der ursprünglichen Konstellation (umschließende Flächen werden eher als Grund gesehen), ein Tausch von hell und dunkel wirkt dieser Tendenz wiederum entgegen (dunklere Flächen sieht man bevorzugt als Figur).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:4.png|Abbildung 4]] [[Datei:5.png|Abbildung 5: Rubins (1921) Abb. modifiziert]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ebenfalls relativ bekannte Bild einer Landschaft, in der sich die Umrisse „Napoleons“/„eines  Kapitäns“ – vom charakteristischen Hut bis zu den Füßen – verstecken &amp;lt;ref&amp;gt;z. B. in &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; http://www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt;, funktioniert nur bedingt als Kippfigur. Hat man die Umrisse, die für den Mann stehen, erst einmal entdeckt, ist ein Umschlagen von Figur und Grund zwar insofern nicht ausgeschlossen, als man abwechselnd die Silhouette des Mannes vor einem dickem Baum oder aber Bäume/Baumstrünke und einen leeren Zwischenraum sehen kann. Aber nicht nur bei breit (auf die „Totale“) eingestellter Aufmerksamkeit kann man Landschaft und Person zugleich sehen; es ist auch möglich, simultan gewundene dünne Baumstämme und die von ihren Konturen geformte Silhouette zu sehen, also zwei sozusagen symbiotische Figuren. Dieses „Vexierbild“ funktioniert – wie viele andere auch – deshalb gut als &#039;&#039;&#039;Bilderrätsel&#039;&#039;&#039;, weil es in die relativ detailreiche Darstellung einer realistischen Szenerie in unwahrscheinlicher Weise Anzeichen eines bedeutsamen Objektes (meist eines Menschen oder anderen Lebewesens) konstruiert. Ist der Betrachter erst einmal über diese Andeutungen gestolpert, springt aus dem Hintergrund der ursprünglichen „Figur“ (hier: Baumgruppe in Landschaft) ein Objekt in die Szene, ohne diese dabei auszulöschen. Das Konstruktionsprinzip solcher Vexier- oder Rätselbilder sorgt eher für einmalige Überraschung als fortgesetztes Kippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6.png|Abbildung 6: Quelle: Allesch (2006)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) &lt;br /&gt;
Ambivalenz von „Bedeutungen“ („semantisch ambivalente Bilder“). Diese nicht sehr glückliche Kategorisierung – um unterschiedliche Bedeutungen handelt es sich bei zwei- oder mehrdeutigen Bildern immer – bezieht sich auf Vorlagen, bei denen man abwechselnd die Darstellung verschiedener Objekte sehen kann, ohne dass dabei unbedingt ein Figur-Grund-Wechsel beteiligt wäre. Man könnte also vielleicht besser von  „Gesichterwechsel der Figur“ sprechen. Die Rede vom Gesichterwechsel charakterisiert diesem Untertypus von Kippbildern nicht nur im übertragenen Sinn – die nämliche „Figur“ (im Sinne der gestaltpsychologischen Unterscheidung von Figur und Grund) evoziert unterschiedliche Objekte – sondern auch insofern, als es hier in der Regel um Bilder geht, bei denen tatsächlich oft abwechselnd unterschiedliche Gesichter (und/oder Körper) von Menschen oder anderen Tieren aus einer Figur hervortreten (manchmal sind das Gesichter/Körper der nämlichen Gattung, manchmal wechselt die Gattung; auch Darstellungen menschlicher Totenköpfe sind verbreitet)&amp;lt;ref&amp;gt;Nur ausnahmsweise wird das in der Forschungsliteratur reflektiert (wie bei &amp;lt;bib id=&#039;Stoesz 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die Kippfiguren im Hinblick auf die Besonderheiten der Gesichtswahrnehmung bei autistischen Kindern untersuchte).&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berühmte Beispiele für Gesichter-Kippbilder tauchten zunächst im 19. und frühen 20. Jh. in humoristischen Publikationen auf und haben heute einen festen Platz in psychologischen Lehrbüchern und populärwissenschaftlichen Darstellungen spektakulärer Wahrnehmungsphänomene. Besonders prominent ist jener Kopf, der auf den ersten Blick meist als der einer Ente gesehen wird, aber auch in den eines Hasen umschlagen kann&amp;lt;ref&amp;gt;Zahlen zur Identifikation auf den ersten Blick bei &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; hat weiter Probanden bei 12 im Umlauf befindlichen Varianten des Bildes auf einer Skala einschätzen lassen, wie leicht sie Ente (bzw. einen Vogel) oder Hasen sehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Der in Harvard lehrende Psychologe Jastrow hatte den Enten-Hasen-Kopf am Übergang zum 20. Jh. in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht. &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a, et al&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Einige Bemerkungen im Spätwerk Ludwig Wittgensteins (siehe unten) haben diese Gesichterkippfigur gewissermaßen philosophisch geadelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:7.png|Abbildung 7: Quelle: Mitchell (1994)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres sozusagen klassisches Kippbild vereint die Ansicht einer alten Frau (im ganz leicht dem Betrachter zugewandten Profil) mit der Darstellung des Gesichts einer jungen Frau, das vom Betrachter dreiviertel abgewandt ist &amp;lt;ref&amp;gt;Ursprünglich eingeführt als „my wife and my mother in law“; diese Konstruktion wurde auch mit männlichen Zügen/Attributen realisiert&amp;lt;/ref&amp;gt;; wie beim Enten- vs. Hasenkopf schließen sich beide Sichtweisen aus (Abb.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:8.png|Abbildung 8: Quelle: Attneave (1971)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist ein partieller Figur-Grund-Wechsel in die Metamorphose der Figur einbezogen. So erscheint im Kippbild „Ratte vs. Mann mit Brille“ (Abb.) ein Bereich einmal als Grund zwischen Körper und Schwanz der Ratte und wird mit dem Umschlagen zur Wange des Mannes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:9.png|Abbildung 9: Quelle: Rock (1985)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich verhält es sich bei der Grafik „Sara Nader“ (Abb.) aus der Feder des amerikanischen Psychologen Roger N. Shepard&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Shepard 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, p. 76); Varianten u. a. mit Umkehr von hell und dunkel (p. 140/141).&amp;lt;/ref&amp;gt;. Allerdings kann man bei diesem Bild beide Sehweisen – Saxophonspieler und en face Porträt einer Frau – gleichzeitig wahrnehmen, was wohl daher rührt, dass jene Flächen, die eines der beiden Augen, den Mund und den Nasenflügel des weiblichen Gesichts anzeigen, entweder isoliert vom Schattenriss des Saxophonspielers sind (Auge) oder sich nicht zwingend in die Einheit von Mann und Instrument fügen (Mund, Nasenflügel). Man kann sogar auch noch gleichzeitig gewahren, dass das sozusagen freischwebende Auge einen Vogel darstellt. Sofern die Aufmerksamkeit nicht zu sehr auf eines der drei „Gesichter“ (Mann, Frau, Vogel) fokussiert, machen diese sich den Platz im Wahrnehmungsakt nicht streitig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10.png|Abbildung 10: Quelle &amp;amp; Urheber: Shepard (1990)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gesichter-Kippbilder“ sind also von Bildern zu unterscheiden, die Darstellungen mehrerer Gesichter bzw. Körper bergen, welche zwar womöglich – im Sinne eines Bilderrätsels – nicht alle sofort gesehen werden und auch dann, wenn sie einmal entdeckt wurden, abwechselnd ins Zentrum der Aufmerksamkeit treten können, deren gleichzeitige Wahrnehmung aber nicht ausgeschlossen ist. Nur dann, wenn die wesentlichen Anzeichen für die konkurrierenden Gesichter in der jeweiligen Alternative einen sinnvollen Platz finden, schlägt die Wahrnehmung um. Ansonsten kann man eben zwei oder mehrere Gesichter/Körper zugleich sehen, ob sie nun mehr oder weniger gleichberechtigt nebeneinander stehen oder in eine hierarchische Beziehung zueinander gesetzt sind (wie beispielsweise da, wo kleine Darstellungen von Menschen nach Art der Jahreszeiten-Gemälde von Arcimboldo Partien eines Porträts bilden) &amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele etwa bei &amp;lt;bib id=&#039;Haken 1995&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 40); &amp;lt;bib id=&#039;Ditzinger 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 92); und – oft ohne Quellenangaben – bei Hobbysammlern im Internet.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bilder, die in Arcimboldos Manier Gesichter und Körper zu einem übergeordneten Gesicht (oder eben Totenkopf) zusammenstellen, legen einen Wechsel der Fokussierung nahe, ohne im strengen Sinn Kippbilder zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum simultanen Sehen von Elementen und Portrait bei Arcimboldo vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Niederée &amp;amp; Heyer 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; , p. 98)&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Verschiebung von Akzenten der Betrachtung ist einem Wechsel der Aufmerksamkeit vergleichbar, wie man ihn vornimmt, wenn man sich auf Details eines Bildes konzentriert oder gar die Pinselstriche (allgemein: Merkmale der Darstellungsweise) fokussiert. Selbst wenn man bei der Untersuchung der Oberfläche eines Bildes für Momente das Dargestellte völlig ausklammert, fehlt hier – wie auch beim Fokuswechsel bei Bilderrätseln – das typische Erlebnis verblüffenden Hin-und-her-Kippens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ernst Gombrich den Übergang von Sehen des Bildinhalts zu einem radikal auf die Malweise gerichteten kunstwissenschaftlichen Blick mit dem Kippbilderlebnis gleichsetzt &amp;lt;bib id=&#039;Gombrich 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. (was der Kunsttheoretiker Richard Wollheim aus verschiedenen Gründen in Frage stellte; siehe unten&amp;lt;ref&amp;gt;siehe „Kippbild: Philosophische Diskussion&amp;lt;/ref&amp;gt; ), wird er u. a. der Tatsache nicht gerecht, dass das Kippen zwar auch durch Konzentration aktiv beeinflusst werden kann, aber – anders als eine ausblendende Vertiefung in die Darstellungsweise – immer als Widerfahrnis erlebt wird (dieser jederzeit individuelle überprüfbare Befund wird auch durch Ergebnisse der experimentellen Forschung bestätigt; siehe unten) . Frei nach Lichtenberg: Kippbilder vermitteln das Erlebnis „Es sieht!“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3)&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit. Zweidimensionale Projektionen dreidimensionaler Körper, also beispielsweise perspektivische Darstellung von Kristallen, sind objektiv vieldeutig. Grundsätzlich kann ja schon jede auf ein Blatt gezeichnete Linie für zahllose Neigungen eines Stabes (oder eben einer Kante) in die Tiefe des Raumes stehen. Die verschiedensten Körper führen also zur nämlichen Projektion. Ungeachtet der unendlich vielen möglichen dreidimensionalen Konstellationen, die hinter einem solchen Bild stehen können, drängen sich dem Wahrnehmen nur wenige auf. Das ist per se bemerkenswert. Zu den „Lebensgewohnheiten des Gesichtssinnes“ (Ernst Mach &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) gehört es offenbar, dass uns die Mehrzahl der möglichen 3D-Sichtweisen von Zeichnungen nicht in den Sinn kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Zeichnung (Abb.), in der wir spontan die Projektion eines Gitter-Würfels ausmachen (mögen auch andere Körper zum nämlichen Bild führen), bleibt allerdings auch im Wahrnehmungsakt mehrdeutig: in der Regel kippt die Ansicht der unveränderten Vorlage zwischen zwei unterschiedlich im Raum gelagerten Würfeln hin und her, sieht man, anders gesagt, Ecken vor- bzw. zurückspringen. Diese Kippfigur ist unter der Bezeichnung Necker-Würfel geläufig; genannt nach jenem Schweizer Geologen und Kristallographen, der das Kippen beim Betrachten von durchsichtigen Kantendarstellungen von Kristallformen im Jahr 1832 schriftlich festgehalten hatte. (siehe&amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:11.png|Abbildung 11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als „Machs Buch“ (Abb.) wird die Verbindung zweier Parallelogramme bezeichnet, die in der Regel zunächst als geöffnetes „Buch“ (bzw. geknickte Karte) gesehen wird&amp;lt;ref&amp;gt;Ungeachtet der Tatsache, dass die Parallelität der perspektivischen Verzerrung, die bei einem in die Tiefe geneigten Rechteck aufträte, widerspricht.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das (die) dem Betrachter den Rücken zuwendet. Alternativ blickt man in das aufgeschlagene Buch hinein. &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12.png|Abbildung 12]] [[Datei:13.png|Abbildung 13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe von schräg angeordneten „Knickfiguren“ ergibt die „Schrödersche Treppe“ (Abb.), bei der Untersicht und Aufsicht ineinander umschlagen können. Netzwerke von Parallelogrammen erscheinen als Texturen von Quadern/Würfeln (Abb.), deren Ecken man mal nach innen, mal außen springen sieht – ein Motiv das sich in griechischen und römischen Mosaiken findet und auch bei Möbelfurnieren vorkommt. &amp;lt;bib id=&#039;Gregory et al. 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14.png|Abbildung 14: Quelle: Zimmer (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit hat Konsequenzen für die Wahrnehmung von Bewegung: Bei einäugiger Betrachtung tritt die plötzliche Umstülpung auch bei einem Drahtwürfelwürfel auf&amp;lt;ref&amp;gt;Wenn man den Blick ins Unendliche richtet, also durch die Drahtplastik hindurchstarrt, führt auch das Sehen mit beiden Augen relativ sicher zum Erfolg.&amp;lt;/ref&amp;gt;; dreht sich das Gebilde, so kehrt sich mit dem Umspringen die wahrgenommene Drehrichtung um.&amp;lt;ref&amp;gt;Bewegt sich umgekehrt der Betrachter gegenüber dem unbewegten Würfel, so scheint die Plastik während der illusorischen Sichtweise – magisch – der Bewegung des Betrachters zu folgen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das geschieht auch, wenn man die Projektion eines rotierenden Drahtwürfels betrachtet. Ein Beispiel für eine natürliche Situation, bei der die Bewegungsrichtung in den Augen des Betrachters umschlagen kann, nennt Otto Klemm: „Die Windmühle, die man als dunklen Schattenriß am Horizont schräg von der Seite sieht, dreht sich je nach perspektivischer Vorstellung in verschiedener Richtung.“&amp;lt;bib id=&#039;Klemm 1919a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Die Computeranimation „spinning dancer“ (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Spinning_Dancer) spielt ebenfalls mit einer (weitgehenden) perspektivischen Äquivalenz entgegengesetzter Tiefenausrichtungen von Körpern, von denen man lediglich die Silhouette sieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Widersprüchliche Tiefen-/Richtungshinweise in der Animation benennen &amp;lt;bib id=&#039;Troje &amp;amp; McAdam (2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Zwischenresümee=====&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Räumliche Mehrdeutigkeit&#039;&#039;&#039; von Bildern spielt nicht nur da eine Rolle, wo man zwischen Sichtweisen perspektivischer Darstellungen springt. Beim Kippen von Figur und Grund wechselt ebenfalls die wahrgenommene räumliche Position (vorne/hinten). Ohne ein Spiel mit räumlicher Mehrdeutigkeit kommt schließlich auch das „semantische Kippen“ zwischen dem Sehen der jungen vs. alten Frau nicht aus. (In natürlichen Situationen treten vergleichbare Mehrdeutigkeiten nur unter eingeschränkten Sichtbedingungen auf: etwa bei der Betrachtung weit entfernter Objekte/Szenen. Aus der Nähe sorgen in aller Regel Tiefeninformationen – ob sie sich nun dem beidäugigen Sehen oder kleinen Positionswechseln des Betrachters verdanken – für Eindeutigkeit.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Neben räumlicher Mehrdeutigkeit ist offenbar die menschliche Neigung, bereits in wenigen Andeutungen ein &#039;&#039;&#039;Gesicht&#039;&#039;&#039; (allgemeiner: Die Gestalt eines vertrauten &#039;&#039;&#039;Lebewesens&#039;&#039;&#039;) auszumachen &amp;lt;bib id=&#039;Schönhammer 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, ein Unsicherheits- und damit Kippfaktor. Dieser kann in Verbindung mit einer Ambivalenz von Figur-Grund (Rubins Becher) oder einer der Perspektive (junge/alte Frau) zum Tragen kommen. Manchmal, wie im Fall des Enten-Hasen-Kopfes, ist er aber offenbar eigenständig wirksam (also auch angesichts einer mit beiden Augen aus der Nähe betrachteten Plastik&amp;lt;ref&amp;gt;Das gilt für den isolierten Kopf. Umfasst die Plastik auch einen Körper, kann dieser die Doppeldeutigkeit unterstützen oder ihr entgegen gerichtet  sein; bei der Kleinplastik, die &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; abbildet, kann unterschiedliche Aufstellung das Sehen als Hase oder Ente forcieren, weil der Körper je nach Aufstellung eindeutig zur jeweiligen Ausrichtung des Kopfes passt.&amp;lt;/ref&amp;gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Weitere Typen von Kippfiguren=====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Typus von Kippbildern, bei dem es um räumliche Tiefe geht, sind Bilder mit Schattenindikatoren, die sowohl auf konvexe als auch auf konkave Wölbungen hinweisen können (Abb.); in Lehrbüchern wird dieser Aspekt von Schattierungswahrnehmung meist zugunsten vermeintlich eindeutiger Wölbungswahrnehmung in Abhängigkeit von der impliziten Lage der Lichtquelle („Licht von oben“ vs. „von unten“) vernachlässigt (demonstriert durch Drehung des Bildes um 180°); bereits die oben bzw. unten angedeuteten Schatten schließen indessen ein Kippen zwischen konvexem und konkavem Eindruck nicht aus, dreht man die Demonstrationsbeispiele um 90°, verlagert also das Helligkeitsgefälle auf eines zwischen rechter und linker Seite, so erleichtert dies die Fluktuation der Sichtweisen. Unter natürlichen Umständen tritt Wölbungsambivalenz beispielsweise im Hinblick auf die Segel entfernter Schiffe auf. &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; weisen auf eine entsprechende Beobachtung von Ptolemäus hin.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:15.png|Abbildung 15: Quelle: Schönhammer (2009)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scheinbewegung, die man durch benachbarte, in schneller Abfolge aufleuchtende bzw. verlöschende Lämpchen erzeugen kann, ist bei geeigneter Anordnung – etwa bei acht in gleichem Abstand auf einer Kreislinie angeordneten Lämpchen, von denen jeweils 4 im schnellen Wechsel aufleuchten – ambivalent hinsichtlich der Richtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei statischen Bildern mit zweidimensionalen geometrischen Figuren kann ein Umspringen der wahrgenommenen Ausrichtung eintreten. Die drei Richtungen etwa, auf welche die Spitzen eines gleichseitigen Dreiecks zeigen, kann man nicht zugleich sehen (bei horizontaler oder vertikaler Ausrichtung einer der Seiten tendiert man spontan dazu, die dieser jeweils gegenüberliegende Spitze als richtungsweisend wahrzunehmen.). &amp;lt;bib id=&#039;Attneave 1971a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Wittgenstein 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich ordnen sich Muster beim Betrachten in unsteter Weise &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Stadler &amp;amp; Kruse 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; (Abb.); auch hier gehen meist Wechsel der wahrgenommenen Gruppierung mit solchen der wahrgenommenen Ausrichtung von Elementen des Musters Hand in Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:16.png|Abbildung 16: Quelle: Stadler &amp;amp; Kruse (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Psychologische und  neurowissenschaftliche Diskussion=====&lt;br /&gt;
“It is especially phenomena of ambiguity that make us think of perception as actively creative.“ Richard Gregory &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Psychologen sind Kippfiguren – ebenso wie Wahrnehmungstäuschungen – ein beliebtes Mittel, um zu demonstrieren, dass Wahrnehmen nicht (vollends) von den äußeren Gegebenheiten, die auf die Sinnesorgane einwirken, bestimmt ist. Wie die Subjektivität im Fall der Kippfiguren bei unveränderten Gegebenheiten zu verschiedenen Eindrücken kommt, ist indessen bis heute ungeklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht einmal die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen, ist unstrittig: Neben dem Hauptstrom der Forschung, in dem das Thema stets gegenwärtig blieb, hielten Anhänger einer „ökologisch“ – sprich: an den natürlichen Umständen des Wahrnehmens – orientierten Forschung Distanz: Man habe es hier nicht mit potentiell besonders erhellenden Grenzfällen des Wahrnehmens zu tun – wie bis heute von jenen, die Kippfiguren untersuchen, meist mehr oder minder ausdrücklich argumentiert wird –, sondern mit denaturierten Vorgaben einer lebensfernen Laborforschung.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe die Kritik von &amp;lt;bib id=&#039;Kanizsa &amp;amp; Luccio 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie Kruse, &amp;lt;bib id=&#039;Strüber &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; an der Position von &amp;lt;bib id=&#039;Gibson 1982a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu betonen, dass die meisten natürlichen Wahrnehmungssituationen sich vom Betrachten von Kippbildern unterscheiden, schließt indessen nicht aus, dass solche Bilder – ex negativo – Prinzipien der Ökologie des Wahrnehmens verdeutlichen können. &amp;lt;bib id= Schönhammer 2009a&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Entsprechend kann eine Forschungsperspektive, die auf den Umwelt- und Handlungsbezug des Wahrnehmens orientiert ist, ihrerseits das Verständnis von Kippbildern befördern.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe &amp;lt;bib id=&#039;Lindauer &amp;amp;Logotheis 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die den Handlungsbezug allerdings in relativ abstrakter Form (ohne Bezug auf den Zusammenhang von Wahrnehmen und Bewegung) geltend machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit langem wird diskutiert, ob das Umschlagen der Wahrnehmung von einer Art Ermüdung („Sättigung“) in Nervennetzen rühren könnte; da diesbezüglich meist relativ frühe Stufen der Reizverarbeitung unter Verdacht stehen, gilt die Sättigungstheorie auch als „Bottom-up-Hypothese“. Dem steht die Vermutung gegenüber, dass nicht zuletzt Wissen und Aufmerksamkeit, also (eher bewusste) mentale Prozesse, die den „Automatismen“ grundlegender Module des visuellen Systems nachgelagert bzw. übergeordnet sind, eine wesentliche Rolle spielen („Top-down-Hypothesen“). Die im Laufe der Zeit angehäuften empirischen Befunde deuten, das sei einem Ausblick auf Methoden und Ergebnisse der experimentellen Erforschung von Kippphänomenen vorausgeschickt, darauf hin, dass die Wahrheit jenseits dieser plakativen (und zugleich unscharfen) Entgegensetzung liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler war die Ermüdungserklärung Bestandteil der These, Wahrnehmen überhaupt basiere – analog zu in der Physik untersuchten Erscheinungen – auf antagonistischen Prozessen neuronaler Selbstorganisation &amp;lt;bib id=&#039;Köhler 1958a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Das Kippen gilt hier ganz ausdrücklich als generelles Funktionsprinzip des Gehirns, welches bei stabilen Wahrnehmungen nur nicht zu Bewusstsein komme. Diese Behauptung mag den Reiz eines Paradoxes haben, ist aber hinsichtlich des namhaft gemachten allgemeinen Funktionsprinzips nicht mehr als eine metaphorisch formulierte Vermutung; und anderseits erscheint diese These nicht gerade darauf angelegt, die Besonderheit von Wahrnehmungsprozessen, bei denen es zum Kippen kommt, zu erklären. In diese Tradition stellen sich neuere Bemühungen multistabiles Wahrnehmen im Rahmen des systemtheoretischen Zugangs der „Synergetik“ &amp;lt;bib id=&#039;Kruse &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; als Schlüssel zum Verständnis des Wahrnehmens zu nutzen. Wenn in diesem Sinn das Kippen als „herausragendes methodologisches Fenster für das Messen der Dynamik des visuellen Systems“&amp;lt;bib id=&#039;Kruse et al. 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;  angesprochen wird, bleibt es nicht aus, dass u. a. Analogien von Kippfiguren und mathematischen Modellierungen der Quantenmechanik ins Feld geführt werden. &amp;lt;bib id=&#039;Caglioti 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Untersuchungsmethoden:=====&lt;br /&gt;
* Bei experimentellen Untersuchungen zur Wahrnehmung von Kippbildern wird in der Regel von den Versuchspersonen verlangt, durch Drücken verschiedener Knöpfe anzuzeigen, welche Lesart der Vorlage ihnen momentan ins Auge springt. Auf diese Weise lassen sich der primäre Eindruck sowie der Wechsel im weiteren Verlauf (Fluktuation, jeweilige Verweildauer) feststellen. Dieses Verfahren setzt voraus, dass die Probanden über das potentielle Kippen bzw. die möglichen Sichtweisen vorweg aufgeklärt wurden; sie sind also nicht völlig unbefangen. Entsprechend vorinformiert sind auch Versuchspersonen, die auf einer Skala einschätzen sollen, wie leicht ihnen diese oder jene Sichtweise fällt. Will man eine derartige Voreinstellung vermeiden, ist man auf mündliche Berichte („Sagen Sie, was Sie sehen.“) angewiesen, die nicht so leicht statistisch ausgewertet werden können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Je nach spezifischer Fragestellung sind die Versuchspersonen frei, die jeweiligen Vorlagen ohne weiteren Vorsatz auf sich wirken zu lassen, oder werden aufgefordert, Sichtweisen möglichst zu halten oder im Gegenteil möglichst oft wechseln zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Betrachten erfolgt manchmal nur mit einem Auge, manchmal mit fixiertem Kopf (z.B. Kinnauflage). Der Blick darf schweifen oder soll auf eine Markierung im Bild fixiert werden (wie eine Fixierung wirkt es auch, wenn die Bilder dem Tanz der freien Augenbewegung nachgeführt werden oder wenn man das Kippen anhand von Nachbildern einer blitzlichtartigen Präsentation auf der Netzhaut – Nachbilder bewegen mit dem Auge mit – untersucht.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Vorlagen werden ununterbrochen oder in verschiedenen Intervallen präsentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal stehen die Bilder auf dem Kopf (etwa um zu prüfen, welche Rolle das Erkennen von „Bedeutung“/Lebewesen für die Zuordnung einer Kontur spielt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal spielen eindeutig gemachte („disambiguierte“) Varianten von Kippbildern eine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das, was Versuchspersonen im Zusammenhang des jeweiligen Versuchsaufbaus bewusst mitteilen (meist per Knopfdruck), wird in aufwendigeren Studien mit Messungen von Augenbewegungen (teils auch des eventuell abgedeckten Auges) und Akkommodation, der Hirnströme (sogenannter ERPs: ereigniskorrelierter Potentiale) oder lokaler Durchblutungsdifferenzen abgeglichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anhaltspunkte für die Erklärung (bzw. die neuronale Basis) multistabiler Wahrnehmung ergeben sich auch aus gewissen Parallelen zur binokulären Rivalität (bietet man beiden Augen Ansichten, die nicht zur Deckung zu bringen sind, springt das Wahrnehmen zwischen beiden Sichten), deren neuronale Korrelate mit Elektroden im Gehirn von Affen untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Ergebnisse:=====&lt;br /&gt;
* Ein bereits älterer Forschungsbefund machte die Sättigungstheorie zweifelhaft: Zeigt man Versuchspersonen, bevor man ihnen das Kippbild mit der jungen und der alten Frau präsentiert, eine eindeutig gemachte Variante, die entweder die „Ehefrau“ oder die „Schwiegermutter“ erkennen lässt (Abb.), sehen sie dann das Kippbild eher entsprechend der jeweiligen Prägung. Nach der Sättigungstheorie wäre das Gegenteil zu erwarten. &amp;lt;bib id=&#039;Rock 1985a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Dem steht u. a. der neuere Befund gegenüber, dass im Falle eines rotierenden Neckerwürfels die Vorerfahrung mit eindeutig gemachter Drehrichtung nur dann auf die Auffassung der mehrdeutigen Vorlage durchschlägt, wenn das „Priming“, wie dieses Versuchsdesign genannt wird, kurz gehalten war, während eine längere Vorwegkonfrontation die gegenteilige Wahrnehmung befördert. &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:17.png|Abbildung 17: Quelle: Hochberg (1977)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was empirische Bestätigungen von „Top-down-Prozessen“ angeht, ist vielfach belegt, dass sich das Kippen zwar willkürlich beeinflussen, indessen nicht völlig intentional kontrollieren lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wahrnehmung von Kippbildern, die Gesichter enthalten (beispielsweise der Hasen-Enten-Kopf), ist leichter beeinflussbar – im Sinne von verzögertem oder beschleunigtem Wechsel – als die von Bildern mit doppeldeutiger Perspektive (z. B. der Necker-Würfel). &amp;lt;bib id=&#039;Stüber &amp;amp; Stadler 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hirnstrommessungen lieferten in jüngerer Zeit Indizien dafür, dass frühe Prozesse im Hinterhauptslappen des Gehirns durch Aktivierungen in frontalen und temporalen Bereichen des Gehirns, die mit Aufmerksamkeit resp. Objektwissen in Verbindung gebracht werden, mitbestimmt werden. (Beispielsweise &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messungen im Affenhirn&amp;lt;bib id=&#039;Logothetis 1998a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; und EEG-Befunde beim Menschen zeigen&amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, dass bei binokulärer Rivalität „späte“ Module (im Scheitellappen), die mit der räumlichen Auswertung visueller Reize in Verbindung gebracht werden , eine herausgehobene Rolle spielen; entsprechende Aktivierungen finden sich auch bei Kippfiguren (&amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;S. 55–65).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vergleicht man das EEG, das sich zeigt, wenn man vor den Augen der Versuchspersonen den Wechsel zwischen eindeutig gemachten Varianten eines Bildes vollzieht, mit jenem, das mit echtem Kippen bei unveränderter mehrdeutiger Vorlage einhergeht, so fehlt beim echten Kippen eine Komponente, die als „Erlangen von Gewissheit“ interpretierbar ist; gleichwohl scheint man das Kippen immer wieder als neue Gewissheit zu erleben, sich also nicht dessen bewusst zu sein, was das EEG bezeugt: dass man auf dem Sprung bleibt.&amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier &amp;amp; Bach 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zusammenhänge von Kippen und Augenbewegungen sind ebenso nachgewiesen, wie der Umstand, dass es zum Kippen auch dann kommt, wenn das Auge nicht über das Bild wandert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Von Augenbewegung unabhängige Verlagerungen der Aufmerksamkeit (sog. „verdeckte Aufmerksamkeit“) modifizieren das Kippen. Der Zusammenhang von Kippen mit intentionalem Suchverhalten mit und ohne Augenbewegungen ist ein Indiz dafür, dass das Kippen auch jenseits bewusster Absicht, als Art von Suchverhalten unter erschwerten Wahrnehmungsbedingungen verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Springt beim einäugigen Betrachten eines Neckerwürfels die Sichtweise um, ändert sich die Stellung des verdeckten Auges, so wie das bei beidäugigem Sehen geschehen würde, um bei einem tatsächlichen räumlichen Gebilde das Sehen von Doppelbildern zu vermeiden (Vergenzbewegung). &amp;lt;bib id=&#039;Enright 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kurze Unterbrechungen der Reizpräsentation (bis zu 400 ms) fördern ein Kippen, längere Pausen reduzieren es drastisch; welche der beiden konkurrierenden Deutungen dadurch gestützt wird, ist strittig. &amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Leopold et al. 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet der offenen Fragen angesichts der hier schlaglichtartig angedeuteten komplexen Befundlage kann man festhalten, dass Kippbilder wohl eher durch Deutungen zu erhellen sind, welche bedenken, wie sich diese Situationen zum prinzipiellen Handlungs- bzw. Umweltbezug des Wahrnehmens verhalten, als durch losgelöste Modelle der Selbstorganisation bzw. Analogien zu physikalischen Phänomenen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliography-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab2}}&lt;br /&gt;
{{GlosTab3}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Benutzer:Farid I Kandil|Kandil, Farid]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den Schluß nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosEnd}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5550</id>
		<title>Kippbild</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Kippbild&amp;diff=5550"/>
		<updated>2011-04-13T16:23:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Franziska Kurz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!--  &amp;quot;This is comment&amp;quot;  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Vorlage für Unterpunkte--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Den folgenden Header, bitte nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosHeader}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Unterpunkt]]&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--In der folgenden Zeile bitte die (Wiki)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht--&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildwahrnehmung]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--In der folgenden Zeile bitte die (Glossar)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Den folgenden Abschnitt bitte nicht ändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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{{GlossarBoxMain}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
:::“If meanings are hypotheses, ambiguities are alternative hypotheses.” Richard Gregory&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, S. 1140.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Begriffe „Kippbild“ oder „Kippfigur“ stehen für Vorlagen, die einen (reversiblen) abrupten Wechsel des Wahrgenommenen ermöglichen, während das Bild/Objekt unverändert bleibt. Man spricht auch von mehrfachstabilen Wahrnehmungsprozessen (also etwa von bi-, tri- oder multistabiler Wahrnehmung). Aus verschiedenen Kulturen überlieferte Artefakte (Wandgemälde, Reliefs, Mosaike, Dekore auf Keramiken und Textilien) deuten darauf hin, dass der Reiz solcher Bilder weithin und auch schon lange bekannt ist&amp;lt;ref&amp;gt;Gregory (2000); &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Mitchell 1994a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Zimmer 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Situationen des praktischen Lebens ist derartige Instabilität des Wahrnehmens selten. Das schließt nicht aus, dass Momente der umweltbezogenen Wahrnehmung zumindest teils Ausgangspunkt für entsprechende bildnerische Spiele waren und sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Phänomenologie (Eingrenzung und Varianten)=====&lt;br /&gt;
Oft werden Kippbilder in drei Typen unterteilt&amp;lt;ref&amp;gt;So bei Rock (1985), an dem sich viele Autoren orientieren; &amp;lt;bib id=&#039;Nänni 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;: 1) Umspringen von „Figur und Grund“, 2) Ambivalenz von „Bedeutung“ und 3) Mehrdeutigkeit perspektivischer Darstellungen. Diese Typologie ist zwar nicht umfassend und in gewisser Weise sogar irreführend, aber gleichwohl ein brauchbarer erster Zugang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1)&lt;br /&gt;
Umspringen von „Figur und Grund“. Berühmtestes Beispiel ist der Kelch, dessen Umrisse als zwei einander zugewandte menschliche Profile gesehen werden können. Unter Psychologen ist dieses Kippbild als „Rubinscher Becher“ oder „Rubinsche Vase“ geläufig; der dänische Psychologe Edgar Rubin hatte dieses Motiv, das zuvor schon in der graphischen Kunst benutzt worden war&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Hofmann 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, &amp;lt;bib id=&#039;Piccolino &amp;amp; Wade 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie &amp;lt;bib id=&#039;Sander 1962a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; nennen Beispiele aus dem späten 18. und dem frühen 19. Jh.&amp;lt;/ref&amp;gt;, zu Beginn des 20. Jh. aufgegriffen&amp;lt;ref&amp;gt;in Studien, die er zwischen 1912 und 1914 bei G. E. Müller in Göttingen durchführte und 1915 in Buchform publizierte  (2. Aufl.1921)&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Von Kippen kann man hier sprechen, weil die Konturlinie entweder den Profilen zugehört oder dem Kelch: Sieht man die Profile, hat sich die weiße Fläche in Hintergrund verwandelt, nimmt man den Kelch wahr, sieht man keine Schattenrisse von menschlichen Gesichtern, sondern nur dunklen Hintergrund, der sich hinter dem verschnörkelten Gefäß fortsetzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1.png|thumb|Abbildung 1: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur/Objekt und (Hinter-)Grund können auch bei eher sinnfreien Linien/Flächengrenzen ineinander umschlagen. Derartige Beispiele standen im Mittelpunkt von Rubins Untersuchungen (Abb.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:2.png|thumb|Abbildung 2: Quelle &amp;amp; Urheber: Rubin (1921)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Unterscheidung von „Figur“ und „Grund“, die man als Betrachter von nichtperspektivischen zweidimensionalen Darstellungen vornimmt, demonstriert, wie stark man dazu neigt, dreidimensionale Verhältnisse („vor“ vs. „hinter“) in Bilder hineinzusehen. Bereits da, wo nur eine schlichte Linie eine Fläche teilt (Abb.), sehen wir leicht eine der beiden Teilflächen vor der anderen&amp;lt;ref&amp;gt;Oder – als dritte Möglichkeit – die Line als Körper (oder körperliche Leerstelle); also etwa einen Faden/eine Schlage auf/vor dem Grund bzw. eine Ritze in einer Fläche&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:3.png|thumb|Abbildung 3]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestaltpsychologen haben sich eingehend mit der Frage beschäftigt welche abstrakten Qualitäten von Linien/Flächen das Sehen als Figur nahe legen. &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Manche der zahlreichen Variationen der Darstellung von Rubins Becher machen Faktoren der Figurbildung deutlich; schneidet man beispielsweise Rubins Original an der oberen und unteren Kante des Kelchs horizontal ab, so springen die Profile leichter ins Auge als in der ursprünglichen Konstellation (umschließende Flächen werden eher als Grund gesehen), ein Tausch von hell und dunkel wirkt dieser Tendenz wiederum entgegen (dunklere Flächen sieht man bevorzugt als Figur).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:4.png|Abbildung 4]] [[Datei:5.png|Abbildung 5: Rubins (1921) Abb. modifiziert]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ebenfalls relativ bekannte Bild einer Landschaft, in der sich die Umrisse „Napoleons“/„eines  Kapitäns“ – vom charakteristischen Hut bis zu den Füßen – verstecken &amp;lt;ref&amp;gt;z. B. in &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; http://www.richardgregory.org/papers/editorials/ambiguity-of-ambiguity.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt;, funktioniert nur bedingt als Kippfigur. Hat man die Umrisse, die für den Mann stehen, erst einmal entdeckt, ist ein Umschlagen von Figur und Grund zwar insofern nicht ausgeschlossen, als man abwechselnd die Silhouette des Mannes vor einem dickem Baum oder aber Bäume/Baumstrünke und einen leeren Zwischenraum sehen kann. Aber nicht nur bei breit (auf die „Totale“) eingestellter Aufmerksamkeit kann man Landschaft und Person zugleich sehen; es ist auch möglich, simultan gewundene dünne Baumstämme und die von ihren Konturen geformte Silhouette zu sehen, also zwei sozusagen symbiotische Figuren. Dieses „Vexierbild“ funktioniert – wie viele andere auch – deshalb gut als &#039;&#039;&#039;Bilderrätsel&#039;&#039;&#039;, weil es in die relativ detailreiche Darstellung einer realistischen Szenerie in unwahrscheinlicher Weise Anzeichen eines bedeutsamen Objektes (meist eines Menschen oder anderen Lebewesens) konstruiert. Ist der Betrachter erst einmal über diese Andeutungen gestolpert, springt aus dem Hintergrund der ursprünglichen „Figur“ (hier: Baumgruppe in Landschaft) ein Objekt in die Szene, ohne diese dabei auszulöschen. Das Konstruktionsprinzip solcher Vexier- oder Rätselbilder sorgt eher für einmalige Überraschung als fortgesetztes Kippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:6.png|Abbildung 6: Quelle: Allesch (2006)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) &lt;br /&gt;
Ambivalenz von „Bedeutungen“ („semantisch ambivalente Bilder“). Diese nicht sehr glückliche Kategorisierung – um unterschiedliche Bedeutungen handelt es sich bei zwei- oder mehrdeutigen Bildern immer – bezieht sich auf Vorlagen, bei denen man abwechselnd die Darstellung verschiedener Objekte sehen kann, ohne dass dabei unbedingt ein Figur-Grund-Wechsel beteiligt wäre. Man könnte also vielleicht besser von  „Gesichterwechsel der Figur“ sprechen. Die Rede vom Gesichterwechsel charakterisiert diesem Untertypus von Kippbildern nicht nur im übertragenen Sinn – die nämliche „Figur“ (im Sinne der gestaltpsychologischen Unterscheidung von Figur und Grund) evoziert unterschiedliche Objekte – sondern auch insofern, als es hier in der Regel um Bilder geht, bei denen tatsächlich oft abwechselnd unterschiedliche Gesichter (und/oder Körper) von Menschen oder anderen Tieren aus einer Figur hervortreten (manchmal sind das Gesichter/Körper der nämlichen Gattung, manchmal wechselt die Gattung; auch Darstellungen menschlicher Totenköpfe sind verbreitet)&amp;lt;ref&amp;gt;Nur ausnahmsweise wird das in der Forschungsliteratur reflektiert (wie bei &amp;lt;bib id=&#039;Stoesz 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die Kippfiguren im Hinblick auf die Besonderheiten der Gesichtswahrnehmung bei autistischen Kindern untersuchte).&amp;lt;/ref&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Berühmte Beispiele für Gesichter-Kippbilder tauchten zunächst im 19. und frühen 20. Jh. in humoristischen Publikationen auf und haben heute einen festen Platz in psychologischen Lehrbüchern und populärwissenschaftlichen Darstellungen spektakulärer Wahrnehmungsphänomene. Besonders prominent ist jener Kopf, der auf den ersten Blick meist als der einer Ente gesehen wird, aber auch in den eines Hasen umschlagen kann&amp;lt;ref&amp;gt;Zahlen zur Identifikation auf den ersten Blick bei &amp;lt;bib id=&#039;Brugger &amp;amp; Brugger 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;; &amp;lt;bib id=&#039;Peter Brugger 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; hat weiter Probanden bei 12 im Umlauf befindlichen Varianten des Bildes auf einer Skala einschätzen lassen, wie leicht sie Ente (bzw. einen Vogel) oder Hasen sehen können.&amp;lt;/ref&amp;gt; (Abb.). Der in Harvard lehrende Psychologe Jastrow hatte den Enten-Hasen-Kopf am Übergang zum 20. Jh. in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht. &amp;lt;bib id=&#039;Brugger 1999a, et al&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Einige Bemerkungen im Spätwerk Ludwig Wittgensteins (siehe unten) haben diese Gesichterkippfigur gewissermaßen philosophisch geadelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:7.png|Abbildung 7: Quelle: Mitchell (1994)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiteres sozusagen klassisches Kippbild vereint die Ansicht einer alten Frau (im ganz leicht dem Betrachter zugewandten Profil) mit der Darstellung des Gesichts einer jungen Frau, das vom Betrachter dreiviertel abgewandt ist &amp;lt;ref&amp;gt;Ursprünglich eingeführt als „my wife and my mother in law“; diese Konstruktion wurde auch mit männlichen Zügen/Attributen realisiert&amp;lt;/ref&amp;gt;; wie beim Enten- vs. Hasenkopf schließen sich beide Sichtweisen aus (Abb.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:8.png|Abbildung 8: Quelle: Attneave (1971)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal ist ein partieller Figur-Grund-Wechsel in die Metamorphose der Figur einbezogen. So erscheint im Kippbild „Ratte vs. Mann mit Brille“ (Abb.) ein Bereich einmal als Grund zwischen Körper und Schwanz der Ratte und wird mit dem Umschlagen zur Wange des Mannes. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:9.png|Abbildung 9: Quelle: Rock (1985)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich verhält es sich bei der Grafik „Sara Nader“ (Abb.) aus der Feder des amerikanischen Psychologen Roger N. Shepard&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Shepard 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, p. 76); Varianten u. a. mit Umkehr von hell und dunkel (p. 140/141).&amp;lt;/ref&amp;gt;. Allerdings kann man bei diesem Bild beide Sehweisen – Saxophonspieler und en face Porträt einer Frau – gleichzeitig wahrnehmen, was wohl daher rührt, dass jene Flächen, die eines der beiden Augen, den Mund und den Nasenflügel des weiblichen Gesichts anzeigen, entweder isoliert vom Schattenriss des Saxophonspielers sind (Auge) oder sich nicht zwingend in die Einheit von Mann und Instrument fügen (Mund, Nasenflügel). Man kann sogar auch noch gleichzeitig gewahren, dass das sozusagen freischwebende Auge einen Vogel darstellt. Sofern die Aufmerksamkeit nicht zu sehr auf eines der drei „Gesichter“ (Mann, Frau, Vogel) fokussiert, machen diese sich den Platz im Wahrnehmungsakt nicht streitig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:10.png|Abbildung 10: Quelle &amp;amp; Urheber: Shepard (1990)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gesichter-Kippbilder“ sind also von Bildern zu unterscheiden, die Darstellungen mehrerer Gesichter bzw. Körper bergen, welche zwar womöglich – im Sinne eines Bilderrätsels – nicht alle sofort gesehen werden und auch dann, wenn sie einmal entdeckt wurden, abwechselnd ins Zentrum der Aufmerksamkeit treten können, deren gleichzeitige Wahrnehmung aber nicht ausgeschlossen ist. Nur dann, wenn die wesentlichen Anzeichen für die konkurrierenden Gesichter in der jeweiligen Alternative einen sinnvollen Platz finden, schlägt die Wahrnehmung um. Ansonsten kann man eben zwei oder mehrere Gesichter/Körper zugleich sehen, ob sie nun mehr oder weniger gleichberechtigt nebeneinander stehen oder in eine hierarchische Beziehung zueinander gesetzt sind (wie beispielsweise da, wo kleine Darstellungen von Menschen nach Art der Jahreszeiten-Gemälde von Arcimboldo Partien eines Porträts bilden) &amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele etwa bei &amp;lt;bib id=&#039;Haken 1995&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 40); &amp;lt;bib id=&#039;Ditzinger 2006a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, 92); und – oft ohne Quellenangaben – bei Hobbysammlern im Internet.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bilder, die in Arcimboldos Manier Gesichter und Körper zu einem übergeordneten Gesicht (oder eben Totenkopf) zusammenstellen, legen einen Wechsel der Fokussierung nahe, ohne im strengen Sinn Kippbilder zu sein.&amp;lt;ref&amp;gt;Zum simultanen Sehen von Elementen und Portrait bei Arcimboldo vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Niederée &amp;amp; Heyer 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; , p. 98)&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Verschiebung von Akzenten der Betrachtung ist einem Wechsel der Aufmerksamkeit vergleichbar, wie man ihn vornimmt, wenn man sich auf Details eines Bildes konzentriert oder gar die Pinselstriche (allgemein: Merkmale der Darstellungsweise) fokussiert. Selbst wenn man bei der Untersuchung der Oberfläche eines Bildes für Momente das Dargestellte völlig ausklammert, fehlt hier – wie auch beim Fokuswechsel bei Bilderrätseln – das typische Erlebnis verblüffenden Hin-und-her-Kippens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Ernst Gombrich den Übergang von Sehen des Bildinhalts zu einem radikal auf die Malweise gerichteten kunstwissenschaftlichen Blick mit dem Kippbilderlebnis gleichsetzt &amp;lt;bib id=&#039;Gombrich 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. (was der Kunsttheoretiker Richard Wollheim aus verschiedenen Gründen in Frage stellte; siehe unten&amp;lt;ref&amp;gt;siehe „Kippbild: Philosophische Diskussion&amp;lt;/ref&amp;gt; ), wird er u. a. der Tatsache nicht gerecht, dass das Kippen zwar auch durch Konzentration aktiv beeinflusst werden kann, aber – anders als eine ausblendende Vertiefung in die Darstellungsweise – immer als Widerfahrnis erlebt wird (dieser jederzeit individuelle überprüfbare Befund wird auch durch Ergebnisse der experimentellen Forschung bestätigt; siehe unten) . Frei nach Lichtenberg: Kippbilder vermitteln das Erlebnis „Es sieht!“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3)&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit. Zweidimensionale Projektionen dreidimensionaler Körper, also beispielsweise perspektivische Darstellung von Kristallen, sind objektiv vieldeutig. Grundsätzlich kann ja schon jede auf ein Blatt gezeichnete Linie für zahllose Neigungen eines Stabes (oder eben einer Kante) in die Tiefe des Raumes stehen. Die verschiedensten Körper führen also zur nämlichen Projektion. Ungeachtet der unendlich vielen möglichen dreidimensionalen Konstellationen, die hinter einem solchen Bild stehen können, drängen sich dem Wahrnehmen nur wenige auf. Das ist per se bemerkenswert. Zu den „Lebensgewohnheiten des Gesichtssinnes“ (Ernst Mach &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) gehört es offenbar, dass uns die Mehrzahl der möglichen 3D-Sichtweisen von Zeichnungen nicht in den Sinn kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Zeichnung (Abb.), in der wir spontan die Projektion eines Gitter-Würfels ausmachen (mögen auch andere Körper zum nämlichen Bild führen), bleibt allerdings auch im Wahrnehmungsakt mehrdeutig: in der Regel kippt die Ansicht der unveränderten Vorlage zwischen zwei unterschiedlich im Raum gelagerten Würfeln hin und her, sieht man, anders gesagt, Ecken vor- bzw. zurückspringen. Diese Kippfigur ist unter der Bezeichnung Necker-Würfel geläufig; genannt nach jenem Schweizer Geologen und Kristallographen, der das Kippen beim Betrachten von durchsichtigen Kantendarstellungen von Kristallformen im Jahr 1832 schriftlich festgehalten hatte. (siehe&amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:11.png|Abbildung 11]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als „Machs Buch“ (Abb.) wird die Verbindung zweier Parallelogramme bezeichnet, die in der Regel zunächst als geöffnetes „Buch“ (bzw. geknickte Karte) gesehen wird&amp;lt;ref&amp;gt;Ungeachtet der Tatsache, dass die Parallelität der perspektivischen Verzerrung, die bei einem in die Tiefe geneigten Rechteck aufträte, widerspricht.&amp;lt;/ref&amp;gt;, das (die) dem Betrachter den Rücken zuwendet. Alternativ blickt man in das aufgeschlagene Buch hinein. &amp;lt;bib id=&#039;Mach 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:12.png|Abbildung 12]] [[Datei:13.png|Abbildung 13]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Reihe von schräg angeordneten „Knickfiguren“ ergibt die „Schrödersche Treppe“ (Abb.), bei der Untersicht und Aufsicht ineinander umschlagen können. Netzwerke von Parallelogrammen erscheinen als Texturen von Quadern/Würfeln (Abb.), deren Ecken man mal nach innen, mal außen springen sieht – ein Motiv das sich in griechischen und römischen Mosaiken findet und auch bei Möbelfurnieren vorkommt. &amp;lt;bib id=&#039;Gregory et al. 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:14.png|Abbildung 14: Quelle: Zimmer (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Perspektivische Mehrdeutigkeit hat Konsequenzen für die Wahrnehmung von Bewegung: Bei einäugiger Betrachtung tritt die plötzliche Umstülpung auch bei einem Drahtwürfelwürfel auf&amp;lt;ref&amp;gt;Wenn man den Blick ins Unendliche richtet, also durch die Drahtplastik hindurchstarrt, führt auch das Sehen mit beiden Augen relativ sicher zum Erfolg.&amp;lt;/ref&amp;gt;; dreht sich das Gebilde, so kehrt sich mit dem Umspringen die wahrgenommene Drehrichtung um.&amp;lt;ref&amp;gt;Bewegt sich umgekehrt der Betrachter gegenüber dem unbewegten Würfel, so scheint die Plastik während der illusorischen Sichtweise – magisch – der Bewegung des Betrachters zu folgen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das geschieht auch, wenn man die Projektion eines rotierenden Drahtwürfels betrachtet. Ein Beispiel für eine natürliche Situation, bei der die Bewegungsrichtung in den Augen des Betrachters umschlagen kann, nennt Otto Klemm: „Die Windmühle, die man als dunklen Schattenriß am Horizont schräg von der Seite sieht, dreht sich je nach perspektivischer Vorstellung in verschiedener Richtung.“&amp;lt;bib id=&#039;Klemm 1919a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Die Computeranimation „spinning dancer“ (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Spinning_Dancer) spielt ebenfalls mit einer (weitgehenden) perspektivischen Äquivalenz entgegengesetzter Tiefenausrichtungen von Körpern, von denen man lediglich die Silhouette sieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Widersprüchliche Tiefen-/Richtungshinweise in der Animation benennen &amp;lt;bib id=&#039;Troje &amp;amp; McAdam (2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Zwischenresümee=====&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;&#039;Räumliche Mehrdeutigkeit&#039;&#039;&#039; von Bildern spielt nicht nur da eine Rolle, wo man zwischen Sichtweisen perspektivischer Darstellungen springt. Beim Kippen von Figur und Grund wechselt ebenfalls die wahrgenommene räumliche Position (vorne/hinten). Ohne ein Spiel mit räumlicher Mehrdeutigkeit kommt schließlich auch das „semantische Kippen“ zwischen dem Sehen der jungen vs. alten Frau nicht aus. (In natürlichen Situationen treten vergleichbare Mehrdeutigkeiten nur unter eingeschränkten Sichtbedingungen auf: etwa bei der Betrachtung weit entfernter Objekte/Szenen. Aus der Nähe sorgen in aller Regel Tiefeninformationen – ob sie sich nun dem beidäugigen Sehen oder kleinen Positionswechseln des Betrachters verdanken – für Eindeutigkeit.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Neben räumlicher Mehrdeutigkeit ist offenbar die menschliche Neigung, bereits in wenigen Andeutungen ein &#039;&#039;&#039;Gesicht&#039;&#039;&#039; (allgemeiner: Die Gestalt eines vertrauten &#039;&#039;&#039;Lebewesens&#039;&#039;&#039;) auszumachen &amp;lt;bib id=&#039;Schönhammer 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, ein Unsicherheits- und damit Kippfaktor. Dieser kann in Verbindung mit einer Ambivalenz von Figur-Grund (Rubins Becher) oder einer der Perspektive (junge/alte Frau) zum Tragen kommen. Manchmal, wie im Fall des Enten-Hasen-Kopfes, ist er aber offenbar eigenständig wirksam (also auch angesichts einer mit beiden Augen aus der Nähe betrachteten Plastik&amp;lt;ref&amp;gt;Das gilt für den isolierten Kopf. Umfasst die Plastik auch einen Körper, kann dieser die Doppeldeutigkeit unterstützen oder ihr entgegen gerichtet  sein; bei der Kleinplastik, die &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; abbildet, kann unterschiedliche Aufstellung das Sehen als Hase oder Ente forcieren, weil der Körper je nach Aufstellung eindeutig zur jeweiligen Ausrichtung des Kopfes passt.&amp;lt;/ref&amp;gt;). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Weitere Typen von Kippfiguren=====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Typus von Kippbildern, bei dem es um räumliche Tiefe geht, sind Bilder mit Schattenindikatoren, die sowohl auf konvexe als auch auf konkave Wölbungen hinweisen können (Abb.); in Lehrbüchern wird dieser Aspekt von Schattierungswahrnehmung meist zugunsten vermeintlich eindeutiger Wölbungswahrnehmung in Abhängigkeit von der impliziten Lage der Lichtquelle („Licht von oben“ vs. „von unten“) vernachlässigt (demonstriert durch Drehung des Bildes um 180°); bereits die oben bzw. unten angedeuteten Schatten schließen indessen ein Kippen zwischen konvexem und konkavem Eindruck nicht aus, dreht man die Demonstrationsbeispiele um 90°, verlagert also das Helligkeitsgefälle auf eines zwischen rechter und linker Seite, so erleichtert dies die Fluktuation der Sichtweisen. Unter natürlichen Umständen tritt Wölbungsambivalenz beispielsweise im Hinblick auf die Segel entfernter Schiffe auf. &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Wade et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; weisen auf eine entsprechende Beobachtung von Ptolemäus hin.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:15.png|Abbildung 15: Quelle: Schönhammer (2009)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scheinbewegung, die man durch benachbarte, in schneller Abfolge aufleuchtende bzw. verlöschende Lämpchen erzeugen kann, ist bei geeigneter Anordnung – etwa bei acht in gleichem Abstand auf einer Kreislinie angeordneten Lämpchen, von denen jeweils 4 im schnellen Wechsel aufleuchten – ambivalent hinsichtlich der Richtung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei statischen Bildern mit zweidimensionalen geometrischen Figuren kann ein Umspringen der wahrgenommenen Ausrichtung eintreten. Die drei Richtungen etwa, auf welche die Spitzen eines gleichseitigen Dreiecks zeigen, kann man nicht zugleich sehen (bei horizontaler oder vertikaler Ausrichtung einer der Seiten tendiert man spontan dazu, die dieser jeweils gegenüberliegende Spitze als richtungsweisend wahrzunehmen.). &amp;lt;bib id=&#039;Attneave 1971a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Wittgenstein 1990a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich ordnen sich Muster beim Betrachten in unsteter Weise &amp;lt;bib id=&#039;Metzger 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Stadler &amp;amp; Kruse 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; (Abb.); auch hier gehen meist Wechsel der wahrgenommenen Gruppierung mit solchen der wahrgenommenen Ausrichtung von Elementen des Musters Hand in Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:16.png|Abbildung 16: Quelle: Stadler &amp;amp; Kruse (1995)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Psychologische und  neurowissenschaftliche Diskussion=====&lt;br /&gt;
“It is especially phenomena of ambiguity that make us think of perception as actively creative.“ Richard Gregory &amp;lt;bib id=&#039;Gregory 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Psychologen sind Kippfiguren – ebenso wie Wahrnehmungstäuschungen – ein beliebtes Mittel, um zu demonstrieren, dass Wahrnehmen nicht (vollends) von den äußeren Gegebenheiten, die auf die Sinnesorgane einwirken, bestimmt ist. Wie die Subjektivität im Fall der Kippfiguren bei unveränderten Gegebenheiten zu verschiedenen Eindrücken kommt, ist indessen bis heute ungeklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht einmal die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen, ist unstrittig: Neben dem Hauptstrom der Forschung, in dem das Thema stets gegenwärtig blieb, hielten Anhänger einer „ökologisch“ – sprich: an den natürlichen Umständen des Wahrnehmens – orientierten Forschung Distanz: Man habe es hier nicht mit potentiell besonders erhellenden Grenzfällen des Wahrnehmens zu tun – wie bis heute von jenen, die Kippfiguren untersuchen, meist mehr oder minder ausdrücklich argumentiert wird –, sondern mit denaturierten Vorgaben einer lebensfernen Laborforschung.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe die Kritik von &amp;lt;bib id=&#039;Kanizsa &amp;amp; Luccio 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; sowie Kruse, &amp;lt;bib id=&#039;Strüber &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; an der Position von &amp;lt;bib id=&#039;Gibson 1982a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zu betonen, dass die meisten natürlichen Wahrnehmungssituationen sich vom Betrachten von Kippbildern unterscheiden, schließt indessen nicht aus, dass solche Bilder – ex negativo – Prinzipien der Ökologie des Wahrnehmens verdeutlichen können. &amp;lt;bib id= Schönhammer 2009a&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Entsprechend kann eine Forschungsperspektive, die auf den Umwelt- und Handlungsbezug des Wahrnehmens orientiert ist, ihrerseits das Verständnis von Kippbildern befördern.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe &amp;lt;bib id=&#039;Lindauer &amp;amp;Logotheis 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, die den Handlungsbezug allerdings in relativ abstrakter Form (ohne Bezug auf den Zusammenhang von Wahrnehmen und Bewegung) geltend machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit langem wird diskutiert, ob das Umschlagen der Wahrnehmung von einer Art Ermüdung („Sättigung“) in Nervennetzen rühren könnte; da diesbezüglich meist relativ frühe Stufen der Reizverarbeitung unter Verdacht stehen, gilt die Sättigungstheorie auch als „Bottom-up-Hypothese“. Dem steht die Vermutung gegenüber, dass nicht zuletzt Wissen und Aufmerksamkeit, also (eher bewusste) mentale Prozesse, die den „Automatismen“ grundlegender Module des visuellen Systems nachgelagert bzw. übergeordnet sind, eine wesentliche Rolle spielen („Top-down-Hypothesen“). Die im Laufe der Zeit angehäuften empirischen Befunde deuten, das sei einem Ausblick auf Methoden und Ergebnisse der experimentellen Erforschung von Kippphänomenen vorausgeschickt, darauf hin, dass die Wahrheit jenseits dieser plakativen (und zugleich unscharfen) Entgegensetzung liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler war die Ermüdungserklärung Bestandteil der These, Wahrnehmen überhaupt basiere – analog zu in der Physik untersuchten Erscheinungen – auf antagonistischen Prozessen neuronaler Selbstorganisation &amp;lt;bib id=&#039;Köhler 1958a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Das Kippen gilt hier ganz ausdrücklich als generelles Funktionsprinzip des Gehirns, welches bei stabilen Wahrnehmungen nur nicht zu Bewusstsein komme. Diese Behauptung mag den Reiz eines Paradoxes haben, ist aber hinsichtlich des namhaft gemachten allgemeinen Funktionsprinzips nicht mehr als eine metaphorisch formulierte Vermutung; und anderseits erscheint diese These nicht gerade darauf angelegt, die Besonderheit von Wahrnehmungsprozessen, bei denen es zum Kippen kommt, zu erklären. In diese Tradition stellen sich neuere Bemühungen multistabiles Wahrnehmen im Rahmen des systemtheoretischen Zugangs der „Synergetik“ &amp;lt;bib id=&#039;Kruse &amp;amp; Stadler 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; als Schlüssel zum Verständnis des Wahrnehmens zu nutzen. Wenn in diesem Sinn das Kippen als „herausragendes methodologisches Fenster für das Messen der Dynamik des visuellen Systems“&amp;lt;bib id=&#039;Kruse et al. 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;  angesprochen wird, bleibt es nicht aus, dass u. a. Analogien von Kippfiguren und mathematischen Modellierungen der Quantenmechanik ins Feld geführt werden. &amp;lt;bib id=&#039;Caglioti 1995a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Untersuchungsmethoden:=====&lt;br /&gt;
* Bei experimentellen Untersuchungen zur Wahrnehmung von Kippbildern wird in der Regel von den Versuchspersonen verlangt, durch Drücken verschiedener Knöpfe anzuzeigen, welche Lesart der Vorlage ihnen momentan ins Auge springt. Auf diese Weise lassen sich der primäre Eindruck sowie der Wechsel im weiteren Verlauf (Fluktuation, jeweilige Verweildauer) feststellen. Dieses Verfahren setzt voraus, dass die Probanden über das potentielle Kippen bzw. die möglichen Sichtweisen vorweg aufgeklärt wurden; sie sind also nicht völlig unbefangen. Entsprechend vorinformiert sind auch Versuchspersonen, die auf einer Skala einschätzen sollen, wie leicht ihnen diese oder jene Sichtweise fällt. Will man eine derartige Voreinstellung vermeiden, ist man auf mündliche Berichte („Sagen Sie, was Sie sehen.“) angewiesen, die nicht so leicht statistisch ausgewertet werden können.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Je nach spezifischer Fragestellung sind die Versuchspersonen frei, die jeweiligen Vorlagen ohne weiteren Vorsatz auf sich wirken zu lassen, oder werden aufgefordert, Sichtweisen möglichst zu halten oder im Gegenteil möglichst oft wechseln zu lassen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das Betrachten erfolgt manchmal nur mit einem Auge, manchmal mit fixiertem Kopf (z.B. Kinnauflage). Der Blick darf schweifen oder soll auf eine Markierung im Bild fixiert werden (wie eine Fixierung wirkt es auch, wenn die Bilder dem Tanz der freien Augenbewegung nachgeführt werden oder wenn man das Kippen anhand von Nachbildern einer blitzlichtartigen Präsentation auf der Netzhaut – Nachbilder bewegen mit dem Auge mit – untersucht.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Vorlagen werden ununterbrochen oder in verschiedenen Intervallen präsentiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal stehen die Bilder auf dem Kopf (etwa um zu prüfen, welche Rolle das Erkennen von „Bedeutung“/Lebewesen für die Zuordnung einer Kontur spielt). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Manchmal spielen eindeutig gemachte („disambiguierte“) Varianten von Kippbildern eine Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Das, was Versuchspersonen im Zusammenhang des jeweiligen Versuchsaufbaus bewusst mitteilen (meist per Knopfdruck), wird in aufwendigeren Studien mit Messungen von Augenbewegungen (teils auch des eventuell abgedeckten Auges) und Akkommodation, der Hirnströme (sogenannter ERPs: ereigniskorrelierter Potentiale) oder lokaler Durchblutungsdifferenzen abgeglichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Anhaltspunkte für die Erklärung (bzw. die neuronale Basis) multistabiler Wahrnehmung ergeben sich auch aus gewissen Parallelen zur binokulären Rivalität (bietet man beiden Augen Ansichten, die nicht zur Deckung zu bringen sind, springt das Wahrnehmen zwischen beiden Sichten), deren neuronale Korrelate mit Elektroden im Gehirn von Affen untersucht werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Ergebnisse:=====&lt;br /&gt;
* Ein bereits älterer Forschungsbefund machte die Sättigungstheorie zweifelhaft: Zeigt man Versuchspersonen, bevor man ihnen das Kippbild mit der jungen und der alten Frau präsentiert, eine eindeutig gemachte Variante, die entweder die „Ehefrau“ oder die „Schwiegermutter“ erkennen lässt (Abb.), sehen sie dann das Kippbild eher entsprechend der jeweiligen Prägung. Nach der Sättigungstheorie wäre das Gegenteil zu erwarten. &amp;lt;bib id=&#039;Rock 1985a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; Dem steht u. a. der neuere Befund gegenüber, dass im Falle eines rotierenden Neckerwürfels die Vorerfahrung mit eindeutig gemachter Drehrichtung nur dann auf die Auffassung der mehrdeutigen Vorlage durchschlägt, wenn das „Priming“, wie dieses Versuchsdesign genannt wird, kurz gehalten war, während eine längere Vorwegkonfrontation die gegenteilige Wahrnehmung befördert. &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:17.png|Abbildung 17: Quelle: Hochberg (1977)]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Was empirische Bestätigungen von „Top-down-Prozessen“ angeht, ist vielfach belegt, dass sich das Kippen zwar willkürlich beeinflussen, indessen nicht völlig intentional kontrollieren lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Wahrnehmung von Kippbildern, die Gesichter enthalten (beispielsweise der Hasen-Enten-Kopf), ist leichter beeinflussbar – im Sinne von verzögertem oder beschleunigtem Wechsel – als die von Bildern mit doppeldeutiger Perspektive (z. B. der Necker-Würfel). &amp;lt;bib id=&#039;Stüber &amp;amp; Stadler 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hirnstrommessungen lieferten in jüngerer Zeit Indizien dafür, dass frühe Prozesse im Hinterhauptslappen des Gehirns durch Aktivierungen in frontalen und temporalen Bereichen des Gehirns, die mit Aufmerksamkeit resp. Objektwissen in Verbindung gebracht werden, mitbestimmt werden. (Beispielsweise &amp;lt;bib id=&#039;Pitts et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Messungen im Affenhirn&amp;lt;bib id=&#039;Logothetis 1998a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; und EEG-Befunde beim Menschen zeigen&amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, dass bei binokulärer Rivalität „späte“ Module (im Scheitellappen), die mit der räumlichen Auswertung visueller Reize in Verbindung gebracht werden , eine herausgehobene Rolle spielen; entsprechende Aktivierungen finden sich auch bei Kippfiguren (&amp;lt;bib id=&#039;Britz et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;S. 55–65).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Vergleicht man das EEG, das sich zeigt, wenn man vor den Augen der Versuchspersonen den Wechsel zwischen eindeutig gemachten Varianten eines Bildes vollzieht, mit jenem, das mit echtem Kippen bei unveränderter mehrdeutiger Vorlage einhergeht, so fehlt beim echten Kippen eine Komponente, die als „Erlangen von Gewissheit“ interpretierbar ist; gleichwohl scheint man das Kippen immer wieder als neue Gewissheit zu erleben, sich also nicht dessen bewusst zu sein, was das EEG bezeugt: dass man auf dem Sprung bleibt.&amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier &amp;amp; Bach 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zusammenhänge von Kippen und Augenbewegungen sind ebenso nachgewiesen, wie der Umstand, dass es zum Kippen auch dann kommt, wenn das Auge nicht über das Bild wandert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Von Augenbewegung unabhängige Verlagerungen der Aufmerksamkeit (sog. „verdeckte Aufmerksamkeit“) modifizieren das Kippen. Der Zusammenhang von Kippen mit intentionalem Suchverhalten mit und ohne Augenbewegungen ist ein Indiz dafür, dass das Kippen auch jenseits bewusster Absicht, als Art von Suchverhalten unter erschwerten Wahrnehmungsbedingungen verstanden werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Springt beim einäugigen Betrachten eines Neckerwürfels die Sichtweise um, ändert sich die Stellung des verdeckten Auges, so wie das bei beidäugigem Sehen geschehen würde, um bei einem tatsächlichen räumlichen Gebilde das Sehen von Doppelbildern zu vermeiden (Vergenzbewegung). &amp;lt;bib id=&#039;Enright 1987a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kurze Unterbrechungen der Reizpräsentation (bis zu 400 ms) fördern ein Kippen, längere Pausen reduzieren es drastisch; welche der beiden konkurrierenden Deutungen dadurch gestützt wird, ist strittig. &amp;lt;bib id=&#039;Kornmeier et al. 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;amp;&amp;lt;bib id=&#039;Leopold et al. 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ungeachtet der offenen Fragen angesichts der hier schlaglichtartig angedeuteten komplexen Befundlage kann man festhalten, dass Kippbilder wohl eher durch Deutungen zu erhellen sind, welche bedenken, wie sich diese Situationen zum prinzipiellen Handlungs- bzw. Umweltbezug des Wahrnehmens verhalten, als durch losgelöste Modelle der Selbstorganisation bzw. Analogien zu physikalischen Phänomenen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliography-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab2}}&lt;br /&gt;
{{GlosTab3}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[Benutzer:Farid I Kandil|Kandil, Farid]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den Schluß nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosEnd}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Franziska Kurz</name></author>
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