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	<title>Glossar der Bildphilosophie - Benutzerbeiträge [de-formal]</title>
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		<title>Benutzer:Florian Sprenger</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: &lt;/p&gt;
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&#039;&#039;&#039;Florian Sprenger&#039;&#039;&#039;: Wissenschaftlicher Werdegang&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Florian Sprenger ist PostDoc am Digital Cultures Research Lab der Leuphana Universität Lüneburg und forscht zur Geschichte der Medien und der Medienwissenschaft, Epistemologie des Umgebens, zur Medialität des Selbstgesprächs, zur Architekturgeschichte technischer Infrastrukturen und zur Geschichte der Zukunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
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Florian Sprenger ist PostDoc am Digital Cultures Research Lab der Leuphana Universität Lüneburg und forscht zur Geschichte der Medien und der Medienwissenschaft, Epistemologie des Umgebens, zur Medialität des Selbstgesprächs, zur Architekturgeschichte technischer Infrastrukturen und zur Geschichte der Zukunft.&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
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		<title>Technische Medien</title>
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		<updated>2013-01-28T14:33:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Blickwendung zur Technik als Medium */&lt;/p&gt;
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Für die Bezeichnung ‘technische Medien’, die seit den 1980er Jahren nicht nur im medienwissenschaftlichen Feld verbreitet ist, lässt sich kaum eine konsistente Verwendungsweise und kein streng abzugrenzendes Bezugsfeld feststellen. Was technische Medien sind oder auch nur, was in den einschlägigen Debatten damit gemeint ist, kann schwerlich auf einen Nenner gebracht werden, zu unterschiedlich sind die Abgrenzungen und zu vage vor allem das Gegenstandsfeld. Zwar schreibt Friedrich Kittler, auf den die Verwendung maßgeblich zurückgeht, dass technische Medien „physikalische Prozesse [nutzen], die die Zeit menschlicher Wahrnehmung unterlaufen und nur im Code neuzeitlicher Mathematik überhaupt formulierbar sind“ (&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 186, &amp;lt;bib id=&#039;Winthrop-Young 2005a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) doch stellt sich diese Definition weder als verbindlich dar, noch ist damit ein kohärentes Gegenstandsfeld umrissen. Da der Begriff entsprechend kaum über eine Definition zu fassen sein wird, bietet es sich für eine Annäherung an, nach seiner Funktion innerhalb der Mediendebatte zu fragen. Dabei lassen sich im wesentlichen drei Aspekte unterscheiden, die am Ende um die bildphilosophische Relevanz des Themas ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historischer Bruch und Abgrenzung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung des Begriffs ist vor allem im Gefolge technikorientierter Medientheorien aufgekommen, wie sie Friedrich Kittler seit Mitte der 1980er Jahre vertritt und die von zahlreichen Arbeiten aufgenommen wurde (&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, &amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1989a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). In der Technik wird ein Apriori gesucht, das ähnlich dem foucaultschen historischen Apriori alles unter seine Bedingungen stellt – unter selbst nicht sinnhafte Bedingungen der [[Materialität]]. Das technische Apriori, das als Technikdeterminismus kritisiert wurde, bestimmt etwa in Form von Programmcodes, technischer Übertragbarkeit oder Verteilungen von Inhalten alle Sagbarkeiten und Sichtbarkeiten und nicht zuletzt das, als was der Mensch gilt. &lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
Der Begriff »technische Medien« wird dabei mitunter affirmativ von der Technizität her gedacht und hat zunächst die Funktion, mittels der Situierung eines historischen Bruches technische von anderen Medien abzugrenzen. Dieser Bruch wird grob im 19. Jahrhundert, durchaus parallel zur industriellen Revolution verortet (&amp;lt;bib id=&#039;Stiegler 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) und häufig durch die Nutzung von Elektrizität gekennzeichnet, die mit der Mathematisierung technischer Vorgänge einen weiteren Schub bekommt und das Buch als Leitmedium ablöst (&amp;lt;bib id=&#039;Siegert 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Als technische Medien bezeichnet Kittler Artefakte, die seitdem dazu dienen, Information (selbst ein Begriff des 20. Jahrhunderts) zu verarbeiten, zu speichern oder zu übertragen. Diese Begriffstrias dient medienhistorischer Arbeit als wichtiges Analysetool. Als technische Medien zählen in den Debatten der technikorientierten Medientheorien mithin so unterschiedliche Dinge wie die elektromagnetische Telegraphie, [[Fotografie|Photographie]], [[Fernsehen]], Rechenmaschinen aller Art oder das Grammophon, später auch die Mikroelektronik und der Computer. Welche konkreten Gegenstände gemeint sind, ist in Kittlers Schriften zwar an einzelnen Beispielen deutlich gekennzeichnet, aber eine geteilte Eigenschaft wird nicht deutlich. Auch aus technischer Sicht bleibt diese Definition blass. Von Seiten der Technik her lässt sich keine Hilfe bei einer genauen Begriffsbestimmung erwarten, gibt es doch keine Eigenschaft, die etwa Fotoapparat, Mobiltelefon und Grammophon teilen. &lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
Mit diesem medienhistorischen Bruch oder vielmehr einer Vielzahl kleinerer Brüche wird eine Zäsur zwischen technischer und vortechnischer Welt markiert, die ein Beschreibungspotential aktiviert, weil Computer oder technische Zeitachsenmanipulation (&amp;lt;bib id=&#039;Krämer 2004a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) mit einem anderen Instrumentarium bearbeitet werden müssen als Bücher oder Werkzeuge: nicht hermeneutisch und nicht semiotisch, sondern medienarchäologisch und diskursanalytisch. Aus dieser Zäsur speist technikorientierte Medientheorie ihr Innovationspotential. Technische Medien lassen sich, darin stimmen auch Autoren überein, die keinen historischen Bruch postulieren, nicht auf gleiche Weise beschreiben wie der Buchdruck und erfordern ein neues, medienwissenschaftliches Instrumentarium, wie es seit McLuhans grundlegender Blickwendung ‘The Medium is the Message’ erarbeitet wurde (&amp;lt;bib id=&#039;McLuhan 1964a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Diese Zäsur kann also durchaus als ein Einsatzpunkt von Medienwissenschaft überhaupt erachtet werden.&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
Technische Medien werden entsprechend dadurch charakterisiert, dass sie die grundlegende Differenz zwischen der Übertragung von Signalen und den Zeichenoberflächen, also die technischen Operationen hinter den Erscheinungen ihrer Interfaces verbergen. Sie sind nicht einfach Träger von Information, sondern konstituieren die Bedingung ihrer Möglichkeit und Verteilung. Anstatt die Inhalte von Medien zu fokussieren, die als ephemere Erscheinungen gelten, richtet sich die Blickwendung auf die technischen Verfahren, Materialitäten und Standards dahinter, bevorzugt auch in das Innere der Maschinen (&amp;lt;bib id=&#039;Ernst et al. 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Technische Medien übertragen nicht, was sie in ihren Empfangs- und Endgeräten sichtbar, hörbar oder lesbar machen, sie übertragen keine Bilder, Töne oder Buchstaben, sondern codierte Daten, die aufwändig synchronisiert werden müssen. Sie übersetzen Sinnliches oder Schriftliches in Datenflüsse und unterziehen es dabei einer Ausdifferenzierung (&amp;lt;bib id=&#039;Rieger 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Der damit vollzogene Bruch, der eine neue Beschreibungskultur mit sich bringt, prägt folgerichtig die Infrastrukturen des Denkens, Wahrnehmens und Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Universalmedium Computer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist ein Hinweis auf die zweite Funktion gegeben. Der Bruch gegenüber älteren Medien wie dem Buch oder dem Gemälde dient auch der Selbstsituierung, wird doch das Entfaltungspotential von Medien besonders in der Technik gesucht und ihr ein teleologisches Potential zugesprochen. Vor allem in den vom Internet euphorisierten 90er Jahren lassen viele Medientheorien die Mediengeschichte auf den Computer zulaufen, der als technisches Universalmedium alle anderen Medien in sich aufnehmen soll. Mit dem Computer konvergieren die Anwendungen in einem technischen Gerät, das nunmehr verschiedene Aufgaben übernimmt und mittels des digitalen Codes schlicht alles umwandeln soll. Diese Konvergenz ist häufig als Aufhebung und gleichsam teleologisches Ziel der Medienentwicklung beschrieben und entsprechend aufgeladen worden (&amp;lt;bib id=&#039;Mersch 2003b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Lässt man diese Aufladung beiseite oder versteht sie als Eigendynamik der Eskalation technischer Entwicklungen, bleibt die Feststellung, dass mit dem Computer in der zweiten Häfte des 20. Jahrhunderts Verfahren der technischen Datenverarbeitung, Vernetzung und der [[Computergraphik|Bildproduktion]] sämtliche Bereiche der Kultur durchdrungen haben, die nicht allein auf Interfaces und Umgangspraktiken zurückgeführt werden können (&amp;lt;bib id=&#039;Pias 2004a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, &amp;lt;bib id=&#039;Coy 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Blickwendung zur Technik als Medium==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff dient schließlich drittens der Reformulierung eines Blickwechsels, der Medienwissenschaft insgesamt prägt, des Blickwechsels weg von den Inhalten und hin auf die Medien, die diese Inhalte vermitteln, in irgendeiner Weise prägen oder bedingen. So hat Sybille Krämer drei Konzepte als „Knotenpunkte“ in der Mediendebatte verortet: literarische Medien, technische Medien und [[Massenmedien]]. Technische Medien werden dabei durch die Technisierung von Information mittels Artefakten gekennzeichnet und im weiteren die Technisierung von Wahrnehmungsoptionen und Kommunikationsvorgängen beschrieben.  In dieser Hinsicht hat Krämer unterstrichen, dass die Untersuchung technischer Medien über die instrumentelle Dimension von ‘Mitteln für etwas’ hinaus als ‘Mittler von etwas’ beschreibt. Technische Medien sollen dahingehend nicht als Werkzeuge betrachtet werden, mit denen sich eine bestimmte Arbeit verrichten lässt, sondern als Apparate der Welterzeugung: als Verarbeitungs- oder Verteilungsweisen und schließlich als Erzeuger von Bildern, die es vorher nicht gab. Diese Überlegungen schließen durchaus an den antiken techné-Begriff an, der nicht im Werkzeug aufgeht. Technische Medien allein mit der Unterscheidung von Zwecken und Mitteln zu beschreiben, bleibt demnach unterkomplex, wobei zu fragen ist, was nicht-technische Medien sein sollen, die von der Bezeichnung technische Medien vorausgesetzt werden. In dieser Hinsicht hat Gerhard Gamm betont, dass sich Technik allen Versuchen widersetze, auf eine instrumentelle Funktion reduziert zu werden. Vielmehr müsse Technik als Medium gedacht werden, womit die Perspektive noch einmal verschoben würde (&amp;lt;bib id=&#039;Gamm 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;).&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
Die technische Infrastrukturen, die etwa Bilder übertragen oder überhaupt erst hervorbringen, sollen nicht als schlichte Träger konzeptualisiert werden, die Inhalte störungsfrei transportieren. Medien gewinnen stattdessen „ihren Status als wissenschaftliches, d.h. systematisierbares Objekt gerade dadurch, dass sie das, was sie speichern, verarbeiten und vermitteln, jeweils unter Bedingungen stellen, die sie selbst schaffen und sind“ (&amp;lt;bib id=&#039;Engell 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 10). Krämer betont jedoch, dass die Unterscheidung in Werkzeuge und Apparate nicht ontologisch als Aufteilung aller Geräte gemeint sei, sondern Verwendungsweisen betreffe: Apparate können demnach als Werkzeuge und Werkzeuge als Apparate benutzt werden. In dieser Hinsicht machen also funktionale Zuschreibungen etwas zum Medium und erfassen es über die Zweckdienlichkeit eines Werkzeugs hinaus in Hinblick auf seine Eigenleistung (&amp;lt;bib id=&#039;Vogl 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;).&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
So ist über die Betonung eines Bruches hinaus, der technische Medien situiert, Technik selbst als Medium und die technische Verfasstheit jedes Vermittlungsgeschehens untersucht worden. Der Begriff der Kulturtechniken beschreibt in dieser Hinsicht heterogene Anordnungen technischer, sozialer und kultureller Konzepte, die über die klassischen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen hinaus auch operative Verfahren wie Zeichnen oder Messen sowie Ordnungsysteme wie Kataloge oder Suchmaschinen umfassen. Wird Technik in diesem Sinne nicht von bestimmten Apparaten, Verfahren oder einem historischen Bruch her definiert, kann sie vielmehr als Perspektive dienen, den Umgang oder die Welterzeugung durch technische Artefakte und deren Bedingungs- oder Möglichkeitsräume zu beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bildphilosophische Aspekte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Hinsicht auf die Herstellung und massenhafte Verbreitung von [[Technisches Bild|technischen Bildern]], die mit technischen Medien einsetzen soll (&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 2002b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;), ist die Technik von bildgebenden Verfahren in zahlreichen Arbeiten vor allem wissenschaftshistorischer Provenienz beschrieben worden (&amp;lt;bib id=&#039;Schröter 2009c&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Wenn jedes Bild ein verkörperndes oder vermittelndes Medium braucht, in dem es sich zeigt, dann ist Bildproduktion grundsätzlich an technische Verfahren gebunden (&amp;lt;bib id=&#039;Bredekamp et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Gefragt werden kann in Bezug auf technische Medien damit etwa nach der [[Materialität und Bildsyntax|Materialität von Bildträgern]], die sich historisch verändern, wodurch der Status der Bilder modifiziert wird, beispielsweise wenn Gemälde zur Reproduktion gezeichnet, lithografiert, fotografiert oder digitalisiert werden. So hat Vilém Flusser mit seinem Konzept der Technobilder betont, dass technisch erzeugte Bilder, also etwa Fotografien, [[Diagramm|Diagramme]] oder Computeranimationen (bis hin zum ⊳ [[Interaktives Bild|interaktiven Bild]]), nicht als Abbildungen verstanden werden sollten, sondern Begriffe zeigen (⊳ [[Referenz, Denotation, Exemplifikation|Exemplifikation]]). „Ein technisches Bild entziffern heißt nicht, das Gezeigte entziffern, sondern ihr Programm aus ihnen herauslesen“ (&amp;lt;bib id=&#039;Flusser 1983a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 13).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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* [[Computergraphik]]&lt;br /&gt;
* [[Diagramm]]&lt;br /&gt;
* [[Referenz, Denotation, Exemplifikation]]&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie|Photographie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktives Bild]]&lt;br /&gt;
* [[Massenmedien]]&lt;br /&gt;
* [[Materialität]]&lt;br /&gt;
* [[Materialität und Bildsyntax]]&lt;br /&gt;
* [[Technisches Bild]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
* [[Benutzer:Florian Sprenger|Sprenger, Florian]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
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	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Technische_Medien&amp;diff=10754</id>
		<title>Technische Medien</title>
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		<updated>2013-01-28T14:30:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Hypermedium Computer */&lt;/p&gt;
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Für die Bezeichnung ‘technische Medien’, die seit den 1980er Jahren nicht nur im medienwissenschaftlichen Feld verbreitet ist, lässt sich kaum eine konsistente Verwendungsweise und kein streng abzugrenzendes Bezugsfeld feststellen. Was technische Medien sind oder auch nur, was in den einschlägigen Debatten damit gemeint ist, kann schwerlich auf einen Nenner gebracht werden, zu unterschiedlich sind die Abgrenzungen und zu vage vor allem das Gegenstandsfeld. Zwar schreibt Friedrich Kittler, auf den die Verwendung maßgeblich zurückgeht, dass technische Medien „physikalische Prozesse [nutzen], die die Zeit menschlicher Wahrnehmung unterlaufen und nur im Code neuzeitlicher Mathematik überhaupt formulierbar sind“ (&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 186, &amp;lt;bib id=&#039;Winthrop-Young 2005a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) doch stellt sich diese Definition weder als verbindlich dar, noch ist damit ein kohärentes Gegenstandsfeld umrissen. Da der Begriff entsprechend kaum über eine Definition zu fassen sein wird, bietet es sich für eine Annäherung an, nach seiner Funktion innerhalb der Mediendebatte zu fragen. Dabei lassen sich im wesentlichen drei Aspekte unterscheiden, die am Ende um die bildphilosophische Relevanz des Themas ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historischer Bruch und Abgrenzung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung des Begriffs ist vor allem im Gefolge technikorientierter Medientheorien aufgekommen, wie sie Friedrich Kittler seit Mitte der 1980er Jahre vertritt und die von zahlreichen Arbeiten aufgenommen wurde (&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, &amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1989a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). In der Technik wird ein Apriori gesucht, das ähnlich dem foucaultschen historischen Apriori alles unter seine Bedingungen stellt – unter selbst nicht sinnhafte Bedingungen der [[Materialität]]. Das technische Apriori, das als Technikdeterminismus kritisiert wurde, bestimmt etwa in Form von Programmcodes, technischer Übertragbarkeit oder Verteilungen von Inhalten alle Sagbarkeiten und Sichtbarkeiten und nicht zuletzt das, als was der Mensch gilt. &lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
Der Begriff »technische Medien« wird dabei mitunter affirmativ von der Technizität her gedacht und hat zunächst die Funktion, mittels der Situierung eines historischen Bruches technische von anderen Medien abzugrenzen. Dieser Bruch wird grob im 19. Jahrhundert, durchaus parallel zur industriellen Revolution verortet (&amp;lt;bib id=&#039;Stiegler 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) und häufig durch die Nutzung von Elektrizität gekennzeichnet, die mit der Mathematisierung technischer Vorgänge einen weiteren Schub bekommt und das Buch als Leitmedium ablöst (&amp;lt;bib id=&#039;Siegert 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Als technische Medien bezeichnet Kittler Artefakte, die seitdem dazu dienen, Information (selbst ein Begriff des 20. Jahrhunderts) zu verarbeiten, zu speichern oder zu übertragen. Diese Begriffstrias dient medienhistorischer Arbeit als wichtiges Analysetool. Als technische Medien zählen in den Debatten der technikorientierten Medientheorien mithin so unterschiedliche Dinge wie die elektromagnetische Telegraphie, [[Fotografie|Photographie]], [[Fernsehen]], Rechenmaschinen aller Art oder das Grammophon, später auch die Mikroelektronik und der Computer. Welche konkreten Gegenstände gemeint sind, ist in Kittlers Schriften zwar an einzelnen Beispielen deutlich gekennzeichnet, aber eine geteilte Eigenschaft wird nicht deutlich. Auch aus technischer Sicht bleibt diese Definition blass. Von Seiten der Technik her lässt sich keine Hilfe bei einer genauen Begriffsbestimmung erwarten, gibt es doch keine Eigenschaft, die etwa Fotoapparat, Mobiltelefon und Grammophon teilen. &lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
Mit diesem medienhistorischen Bruch oder vielmehr einer Vielzahl kleinerer Brüche wird eine Zäsur zwischen technischer und vortechnischer Welt markiert, die ein Beschreibungspotential aktiviert, weil Computer oder technische Zeitachsenmanipulation (&amp;lt;bib id=&#039;Krämer 2004a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) mit einem anderen Instrumentarium bearbeitet werden müssen als Bücher oder Werkzeuge: nicht hermeneutisch und nicht semiotisch, sondern medienarchäologisch und diskursanalytisch. Aus dieser Zäsur speist technikorientierte Medientheorie ihr Innovationspotential. Technische Medien lassen sich, darin stimmen auch Autoren überein, die keinen historischen Bruch postulieren, nicht auf gleiche Weise beschreiben wie der Buchdruck und erfordern ein neues, medienwissenschaftliches Instrumentarium, wie es seit McLuhans grundlegender Blickwendung ‘The Medium is the Message’ erarbeitet wurde (&amp;lt;bib id=&#039;McLuhan 1964a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Diese Zäsur kann also durchaus als ein Einsatzpunkt von Medienwissenschaft überhaupt erachtet werden.&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
Technische Medien werden entsprechend dadurch charakterisiert, dass sie die grundlegende Differenz zwischen der Übertragung von Signalen und den Zeichenoberflächen, also die technischen Operationen hinter den Erscheinungen ihrer Interfaces verbergen. Sie sind nicht einfach Träger von Information, sondern konstituieren die Bedingung ihrer Möglichkeit und Verteilung. Anstatt die Inhalte von Medien zu fokussieren, die als ephemere Erscheinungen gelten, richtet sich die Blickwendung auf die technischen Verfahren, Materialitäten und Standards dahinter, bevorzugt auch in das Innere der Maschinen (&amp;lt;bib id=&#039;Ernst et al. 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Technische Medien übertragen nicht, was sie in ihren Empfangs- und Endgeräten sichtbar, hörbar oder lesbar machen, sie übertragen keine Bilder, Töne oder Buchstaben, sondern codierte Daten, die aufwändig synchronisiert werden müssen. Sie übersetzen Sinnliches oder Schriftliches in Datenflüsse und unterziehen es dabei einer Ausdifferenzierung (&amp;lt;bib id=&#039;Rieger 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Der damit vollzogene Bruch, der eine neue Beschreibungskultur mit sich bringt, prägt folgerichtig die Infrastrukturen des Denkens, Wahrnehmens und Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Universalmedium Computer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist ein Hinweis auf die zweite Funktion gegeben. Der Bruch gegenüber älteren Medien wie dem Buch oder dem Gemälde dient auch der Selbstsituierung, wird doch das Entfaltungspotential von Medien besonders in der Technik gesucht und ihr ein teleologisches Potential zugesprochen. Vor allem in den vom Internet euphorisierten 90er Jahren lassen viele Medientheorien die Mediengeschichte auf den Computer zulaufen, der als technisches Universalmedium alle anderen Medien in sich aufnehmen soll. Mit dem Computer konvergieren die Anwendungen in einem technischen Gerät, das nunmehr verschiedene Aufgaben übernimmt und mittels des digitalen Codes schlicht alles umwandeln soll. Diese Konvergenz ist häufig als Aufhebung und gleichsam teleologisches Ziel der Medienentwicklung beschrieben und entsprechend aufgeladen worden (&amp;lt;bib id=&#039;Mersch 2003b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Lässt man diese Aufladung beiseite oder versteht sie als Eigendynamik der Eskalation technischer Entwicklungen, bleibt die Feststellung, dass mit dem Computer in der zweiten Häfte des 20. Jahrhunderts Verfahren der technischen Datenverarbeitung, Vernetzung und der [[Computergraphik|Bildproduktion]] sämtliche Bereiche der Kultur durchdrungen haben, die nicht allein auf Interfaces und Umgangspraktiken zurückgeführt werden können (&amp;lt;bib id=&#039;Pias 2004a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;, &amp;lt;bib id=&#039;Coy 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Blickwendung zur Technik als Medium==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff dient schließlich drittens der Reformulierung eines Blickwechsels, der Medienwissenschaft insgesamt prägt, des Blickwechsels weg von den Inhalten und hin auf die Medien, die diese Inhalte vermitteln, in irgendeiner Weise prägen oder bedingen. So hat Sybille Krämer drei Konzepte als „Knotenpunkte“ in der Mediendebatte verortet: literarische Medien, technische Medien und [[Massenmedien]]. Technische Medien werden dabei durch die Technisierung von Information mittels Artefakten gekennzeichnet und im weiteren die Technisierung von Wahrnehmungsoptionen und Kommunikationsvorgängen beschrieben.  In dieser Hinsicht hat Krämer unterstrichen, dass die Untersuchung technischer Medien über die instrumentelle Dimension von ‘Mitteln für etwas’ hinaus als ‘Mittler von etwas’ beschreibt. (Spur) Technische Medien sollen dahingehend nicht als Werkzeuge betrachtet werden, mit denen sich eine bestimmte Arbeit verrichten lässt, sondern als Apparate der Welterzeugung: als Verarbeitungs- oder Verteilungsweisen und schließlich als Erzeuger von Bildern, die es vorher nicht gab. Diese Überlegungen schließen durchaus an den antiken techné-Begriff an, der nicht im Werkzeug aufgeht. Technische Medien allein mit der Unterscheidung von Zwecken und Mitteln zu beschreiben, bleibt demnach unterkomplex, wobei zu fragen ist, was nicht-technische Medien sein sollen, die von der Bezeichnung technische Medien vorausgesetzt werden. In dieser Hinsicht hat Gerhard Gamm betont, dass sich Technik allen Versuchen widersetze, auf eine instrumentelle Funktion reduziert zu werden. Vielmehr müsse Technik als Medium gedacht werden, womit die Perspektive noch einmal verschoben würde (&amp;lt;bib id=&#039;Gamm 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;).&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
Die technische Infrastrukturen, die etwa Bilder übertragen oder überhaupt erst hervorbringen, sollen nicht als schlichte Träger konzeptualisiert werden, die Inhalte störungsfrei transportieren. Medien gewinnen stattdessen „ihren Status als wissenschaftliches, d.h. systematisierbares Objekt gerade dadurch, dass sie das, was sie speichern, verarbeiten und vermitteln, jeweils unter Bedingungen stellen, die sie selbst schaffen und sind“ (&amp;lt;bib id=&#039;Engell 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 10). Krämer betont jedoch, dass die Unterscheidung in Werkzeuge und Apparate nicht ontologisch als Aufteilung aller Geräte gemeint sei, sondern Verwendungsweisen betreffe: Apparate können demnach als Werkzeuge und Werkzeuge als Apparate benutzt werden. In dieser Hinsicht machen also funktionale Zuschreibungen etwas zum Medium und erfassen es über die Zweckdienlichkeit eines Werkzeugs hinaus in Hinblick auf seine Eigenleistung (&amp;lt;bib id=&#039;Vogl 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;).&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
So ist über die Betonung eines Bruches hinaus, der technische Medien situiert, Technik selbst als Medium und die technische Verfasstheit jedes Vermittlungsgeschehens untersucht worden. Der Begriff der Kulturtechniken beschreibt in dieser Hinsicht heterogene Anordnungen technischer, sozialer und kultureller Konzepte, die über die klassischen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen hinaus auch operative Verfahren wie Zeichnen oder Messen sowie Ordnungsysteme wie Kataloge oder Suchmaschinen umfassen. Wird Technik in diesem Sinne nicht von bestimmten Apparaten, Verfahren oder einem historischen Bruch her definiert, kann sie vielmehr als Perspektive dienen, den Umgang oder die Welterzeugung durch technische Artefakte und deren Bedingungs- oder Möglichkeitsräume zu beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bildphilosophische Aspekte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Hinsicht auf die Herstellung und massenhafte Verbreitung von [[Technisches Bild|technischen Bildern]], die mit technischen Medien einsetzen soll (&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 2002b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;), ist die Technik von bildgebenden Verfahren in zahlreichen Arbeiten vor allem wissenschaftshistorischer Provenienz beschrieben worden (&amp;lt;bib id=&#039;Schröter 2009c&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Wenn jedes Bild ein verkörperndes oder vermittelndes Medium braucht, in dem es sich zeigt, dann ist Bildproduktion grundsätzlich an technische Verfahren gebunden (&amp;lt;bib id=&#039;Bredekamp et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;). Gefragt werden kann in Bezug auf technische Medien damit etwa nach der [[Materialität und Bildsyntax|Materialität von Bildträgern]], die sich historisch verändern, wodurch der Status der Bilder modifiziert wird, beispielsweise wenn Gemälde zur Reproduktion gezeichnet, lithografiert, fotografiert oder digitalisiert werden. So hat Vilém Flusser mit seinem Konzept der Technobilder betont, dass technisch erzeugte Bilder, also etwa Fotografien, [[Diagramm|Diagramme]] oder Computeranimationen (bis hin zum ⊳ [[Interaktives Bild|interaktiven Bild]]), nicht als Abbildungen verstanden werden sollten, sondern Begriffe zeigen (⊳ [[Referenz, Denotation, Exemplifikation|Exemplifikation]]). „Ein technisches Bild entziffern heißt nicht, das Gezeigte entziffern, sondern ihr Programm aus ihnen herauslesen“ (&amp;lt;bib id=&#039;Flusser 1983a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 13).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Computergraphik]]&lt;br /&gt;
* [[Diagramm]]&lt;br /&gt;
* [[Referenz, Denotation, Exemplifikation]]&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie|Photographie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktives Bild]]&lt;br /&gt;
* [[Massenmedien]]&lt;br /&gt;
* [[Materialität]]&lt;br /&gt;
* [[Materialität und Bildsyntax]]&lt;br /&gt;
* [[Technisches Bild]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Genealogie der Massenmedienforschung */&lt;/p&gt;
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Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und kulturpessimistisch besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen. &#039;Broadcasting&#039;, wie es seit dem Radio aufkommt und mit dem Fernsehen verstärkt wird, wendet sich von einem zentralen Sendepunkt aus an möglichst viele oder letztlich alle Empfangsgeräte bzw. Teilnehmer, ohne zu differenzieren. &amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen &amp;lt;ref&amp;gt;James Beniger hat die Medienentwicklungen des 19. Jahrhunderts auf eine &#039;Krise der Kontrolle&#039; zurückgeführt, die auf den unterschiedlichen Zeitregimen der neuen Technologien beruht, welche in langwierigen technischen und sozialen Synchronisationsprozessen aufeinander abgestimmt werden mussten; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Beniger 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Personen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert &amp;lt;bib id=&#039;Brecht 1992a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten &amp;lt;bib id=&#039;Adorno &amp;amp; Horkheimer 1947a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Innerhalb dieser Historisierung wurde dargestellt, wie Massenmedien seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden wurden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar, die zur Identifikation von Objekten oder zur Lokalisierung mittels Satellit enorme Datenmengen sammeln und verarbeiten, dabei aber Daten über Objekte oder Menschen je einzeln verarbeiten. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat &amp;lt;bib id=&#039;Vehlken 2012a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9639</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9639"/>
		<updated>2012-10-27T11:19:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Genealogie der Massenmedienforschung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und kulturpessimistisch besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen. &#039;Broadcasting&#039;, wie es seit dem Radio aufkommt und mit dem Fernsehen verstärkt wird, wendet sich von einem zentralen Sendepunkt aus an möglichst viele oder letztlich alle Empfangsgeräte bzw. Teilnehmer, ohne zu differenzieren. &amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen &amp;lt;ref&amp;gt;James Beniger hat die Medienentwicklungen des 19. Jahrhunderts auf eine &#039;Krise der Kontrolle&#039; zurückgeführt, die auf den unterschiedlichen Zeitregimen der neuen Technologien beruht, welche in langwierigen technischen und sozialen Synchronisationsprozessen aufeinander abgestimmt werden mussten; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Beniger 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Personen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert &amp;lt;bib id=&#039;Brecht 1992a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten &amp;lt;bib id=&#039;Adorno &amp;amp; Horkheimer 1947a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Innerhalb dieser Historisierung wurde dargestellt, wie Massenmedien seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden wurden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar, die zur Identifikation von Objekten oder zur Lokalisierung mittels Satellit enorme Datenmengen sammeln und verarbeiten, dabei aber Daten über Objekte oder Menschen je einzeln verarbeiten. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab2}}&lt;br /&gt;
{{GlosTab3}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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[[Benutzer:Florian Sprenger|Sprenger, Florian]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den Schluß nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosEnd}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9638</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9638"/>
		<updated>2012-10-27T11:18:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Genealogie der Massenmedienforschung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!--  &amp;quot;This is comment&amp;quot;  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Vorlage für Unterpunkte--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Den folgenden Header, bitte nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosHeader}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Unterpunkt]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ende header--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--In der folgenden Zeile bitte die (Wiki)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht--&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Medientheorien: Übersicht]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--In der folgenden Zeile bitte die (Glossar)Kategorie eintragen, wo jetzt XXX steht--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Unterpunkt zu: [[Medientheorien: Übersicht]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--beides sollte in der Regel der gleiche Text sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Den folgenden Abschnitt bitte nicht ändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab1}}&lt;br /&gt;
{{GlossarBoxMain}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und kulturpessimistisch besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen. &#039;Broadcasting&#039;, wie es seit dem Radio aufkommt und mit dem Fernsehen verstärkt wird, wendet sich von einem zentralen Sendepunkt aus an möglichst viele oder letztlich alle Empfangsgeräte bzw. Teilnehmer, ohne zu differenzieren. &amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen &amp;lt;ref&amp;gt;James Beniger hat die Medienentwicklungen des 19. Jahrhunderts auf eine &#039;Krise der Kontrolle&#039; zurückgeführt, die auf den unterschiedlichen Zeitregimen der neuen Technologien beruht, welche in langwierigen technischen und sozialen Synchronisationsprozessen aufeinander abgestimmt werden mussten; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Beniger 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Personen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert &amp;lt;bib id=&#039;Brecht 1992a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten &amp;lt;bib id=&#039;Adorno &amp;amp; Horkheimer 1947a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Innerhalb dieser Historisierung des Begriffs Massenmedien wurde dargestellt, wie diese seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden wurden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar, die zur Identifikation von Objekten oder zur Lokalisierung mittels Satellit enorme Datenmengen sammeln und verarbeiten, dabei aber Daten über Objekte oder Menschen je einzeln verarbeiten. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab2}}&lt;br /&gt;
{{GlosTab3}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Benutzer:Florian Sprenger|Sprenger, Florian]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den Schluß nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosEnd}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9637</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9637"/>
		<updated>2012-10-27T11:16:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien und Gesellschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und kulturpessimistisch besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen. &#039;Broadcasting&#039;, wie es seit dem Radio aufkommt und mit dem Fernsehen verstärkt wird, wendet sich von einem zentralen Sendepunkt aus an möglichst viele oder letztlich alle Empfangsgeräte bzw. Teilnehmer, ohne zu differenzieren. &amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen &amp;lt;ref&amp;gt;James Beniger hat die Medienentwicklungen des 19. Jahrhunderts auf eine &#039;Krise der Kontrolle&#039; zurückgeführt, die auf den unterschiedlichen Zeitregimen der neuen Technologien beruht, welche in langwierigen technischen und sozialen Synchronisationsprozessen aufeinander abgestimmt werden mussten; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Beniger 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Personen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert &amp;lt;bib id=&#039;Brecht 1992a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten &amp;lt;bib id=&#039;Adorno &amp;amp; Horkheimer 1947a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar, die zur Identifikation von Objekten oder zur Lokalisierung mittels Satellit enorme Datenmengen sammeln und verarbeiten, dabei aber Daten über Objekte oder Menschen je einzeln verarbeiten. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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[[Benutzer:Florian Sprenger|Sprenger, Florian]]&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9634</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9634"/>
		<updated>2012-10-27T11:09:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien und Gesellschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und kulturpessimistisch besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen. &#039;Broadcasting&#039;, wie es seit dem Radio aufkommt und mit dem Fernsehen verstärkt wird, wendet sich von einem zentralen Sendepunkt aus an möglichst viele oder letztlich alle Empfangsgeräte bzw. Teilnehmer, ohne zu differenzieren. &amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen &amp;lt;ref&amp;gt;James Beniger hat die Medienentwicklungen des 19. Jahrhunderts auf eine &#039;Krise der Kontrolle&#039; zurückgeführt, die auf den unterschiedlichen Zeitregimen der neuen Technologien beruht, welche in langwierigen technischen und sozialen Synchronisationsprozessen aufeinander abgestimmt werden mussten; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Beniger 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Personen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert &amp;lt;bib id=&#039;Brecht 1992a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar, die zur Identifikation von Objekten oder zur Lokalisierung mittels Satellit enorme Datenmengen sammeln und verarbeiten, dabei aber Daten über Objekte oder Menschen je einzeln verarbeiten. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9633</id>
		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-10-27T11:06:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Genealogie der Massenmedienforschung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&amp;lt;!--beides sollte in der Regel der gleiche Text sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und kulturpessimistisch besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen. &#039;Broadcasting&#039;, wie es seit dem Radio aufkommt und mit dem Fernsehen verstärkt wird, wendet sich von einem zentralen Sendepunkt aus an möglichst viele oder letztlich alle Empfangsgeräte bzw. Teilnehmer, ohne zu differenzieren. &amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen &amp;lt;ref&amp;gt;James Beniger hat die Medienentwicklungen des 19. Jahrhunderts auf eine &#039;Krise der Kontrolle&#039; zurückgeführt, die auf den unterschiedlichen Zeitregimen der neuen Technologien beruht, welche in langwierigen technischen und sozialen Synchronisationsprozessen aufeinander abgestimmt werden mussten; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Beniger 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Personen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar, die zur Identifikation von Objekten oder zur Lokalisierung mittels Satellit enorme Datenmengen sammeln und verarbeiten, dabei aber Daten über Objekte oder Menschen je einzeln verarbeiten. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9632</id>
		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-10-27T11:04:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“ */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und kulturpessimistisch besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen. &#039;Broadcasting&#039;, wie es seit dem Radio aufkommt und mit dem Fernsehen verstärkt wird, wendet sich von einem zentralen Sendepunkt aus an möglichst viele oder letztlich alle Empfangsgeräte bzw. Teilnehmer, ohne zu differenzieren. &amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen &amp;lt;ref&amp;gt;James Beniger hat die Medienentwicklungen des 19. Jahrhunderts auf eine &#039;Krise der Kontrolle&#039; zurückgeführt, die auf den unterschiedlichen Zeitregimen der neuen Technologien beruht, welche in langwierigen technischen und sozialen Synchronisationsprozessen aufeinander abgestimmt werden mussten; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Beniger 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Personen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9631</id>
		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-10-27T11:01:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“ */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!--  &amp;quot;This is comment&amp;quot;  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--beides sollte in der Regel der gleiche Text sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und kulturpessimistisch besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen. &#039;Broadcasting&#039;, wie es seit dem Radio aufkommt und mit dem Fernsehen verstärkt wird, wendet sich von einem zentralen Sendepunkt aus an möglichst viele oder letztlich alle Empfangsgeräte bzw. Teilnehmer, ohne zu differenzieren. &amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen &amp;lt;ref&amp;gt;James Beniger hat die Medienentwicklungen des 19. Jahrhunderts auf eine &#039;Krise der Kontrolle&#039; zurückgeführt, die auf den unterschiedlichen Zeitregimen der neuen Technologien beruht, welche in langwierigen technischen und sozialen Synchronisationsprozessen aufeinander abgestimmt werden mussten; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Beniger 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen # Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9630</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9630"/>
		<updated>2012-10-27T11:00:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“ */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!--  &amp;quot;This is comment&amp;quot;  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und kulturpessimistisch besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen. &#039;Broadcasting&#039;, wie es seit dem Radio aufkommt und mit dem Fernsehen verstärkt wird, wendet sich von einem zentralen Sendepunkt aus an möglichst viele oder letztlich alle Empfangsgeräte bzw. Teilnehmer, ohne zu differenzieren. &amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen &amp;lt;ref&amp;gt;James Beniger hat die Medienentwicklungen des 19. Jahrhunderts auf eine &#039;Krise der Kontrolle&#039; zurückgeführt, die in den unterschiedlichen Zeitregimen der neuen Technologien besteht, die aufeinander abgestimmt werden mussten; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Beniger 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen # Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9629</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9629"/>
		<updated>2012-10-27T10:56:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“ */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und kulturpessimistisch besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen. &#039;Broadcasting&#039;, wie es seit dem Radio aufkommt und mit dem Fernsehen verstärkt wird, wendet sich von einem zentralen Sendepunkt aus an möglichst viele oder letztlich alle Empfangsgeräte bzw. Teilnehmer, ohne zu differenzieren. &amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Beniger 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen # Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9628</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9628"/>
		<updated>2012-10-27T10:53:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“ */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und # besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Beniger 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen # Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9627</id>
		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-10-27T10:52:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“ */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und # besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger 1986a) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen # Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9625</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9625"/>
		<updated>2012-10-27T10:48:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Genealogie der Massenmedienforschung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und # besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger #) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen # Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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[[Benutzer:Florian Sprenger|Sprenger, Florian]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9624</id>
		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-10-27T10:48:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Genealogie der Massenmedienforschung */&lt;/p&gt;
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Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und # besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger #) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen # Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
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* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
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* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
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		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9623</id>
		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-10-27T10:46:30Z</updated>

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Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und # besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger #) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen # Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schüttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{GlossarSiehe}}&lt;br /&gt;
* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=9620</id>
		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-10-27T10:36:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: &lt;/p&gt;
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Der „iconic“ und „pictorial turn“ der 1990er Jahre artikulierten ein Beschreibungsdefizit angesichts der von den sogenannten Massenmedien erzeugten ‚Bilderschwemme’. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste sich aus einer Reihe von Beobachtungen, die die zunehmend invasive Bedeutung von Bildern, die Ersetzung von Schrift durch Bild und eine neue Art der Verteilung von Bildern durch das Internet zum Gegenstand hatten - Beobachtungen, denen überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien, „iconic“ und „pictorial turn“=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Moment bildwissenschaftlicher Betätigung bezieht sich damit auf Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und als zu vernachlässigen galten: den Massenmedien, einem äußert unscharfen, ambivalenten und # besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur wie etwa ein Brief zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln, sondern eine große Menge von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich erreichen.&amp;lt;ref&amp;gt;Amphitheaterstruktur#; vgl. &amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und [[Fernsehen|Fernsehen]], die sich etwa vom Internet mit seiner Netzstruktur (die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhaltet) dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell Unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Massenmedien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger #) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie|Fotografie]] seit 1826, Telegraphie seit 1837, [[Film|Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben &amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen # Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden &amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ob sie im Gegenteil nur die Bedürfnisse der Masse befriedigen, in welchem Konstitutionsverhältnis also Medien und Masse zueinander stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zu einer [[Interaktion und Kommunikation|Kommunikation]] „face to face“, die sich nur an die begrenzte Zahl der Anwesenden richten kann. Die Kommunikation „face to face“ gilt seit der Schriftkritik in Platons „Phaidros“ als Modell der ‚guten‘, unvermittelten Kommunikation. Auf diesen Topos rekurrierte die Medienkritik stets dann, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung brachten &amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Sokrates kritisiert im genannten Dialog an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog geeignet, mit dem Gegenüber in der Gegenwart die Wahrheit aufzudecken. Die Schrift - oder in der folgenden platonistischen Medienkritik: das gedruckte Buch, das Foto, der Film usw. - ist demnach gefährlich und schlecht, weil sie (er) sich an alle wendet und allen das Gleiche überträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien, so ein weit verbreiteter Verdacht, nehmen Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu kritisch &amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die unidirektionale Struktur von Sender und Empfänger hat Bertolt Brecht schon um 1930 am Radio kritisiert und darauf hingewiesen, dass dem Radio aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, als Massenmedium auch emanzipatorische Kraft zukommen könne #. Diese Kraft wird heute in sozialen Medien verortet und soll noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein. Der Begriff „Massenmedien“ kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten (Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger). Vor allem Günther Anders hat die Massenmedien für die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und für den Kollaps der Differenz zwischen Ereignis und Abbild verantwortlich gemacht &amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt; - einen Kollaps, den dann Jean Baudrillard mithilfe der Begriffe [[Simulation, Simulakrum|„Simulakrum“]] und [[Simulation, Simulakrum|„Simulation“]] beschrieben hat &amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben &amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als um Produktivität und Kreativität, aber auch um die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben demnach ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Massenmedien“ ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Kredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der dazu führte, dass er sogar mit „Medien“ allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff „mass media“ in den 1950er und 1960er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde &amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Massenmedien werden seit den 1940er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Basisbegriff der Nachkriegszeit zu verstehen ist &amp;lt;bib id=&#039;Schuttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts der sozialen Medien und der Technologien des Tracings und Trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert der Begriff an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren &amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Begriffs der Massenmedien plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft habe. Massenmedien seien gekennzeichnet a) durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten, b) durch ihre Verteilung in Raum und Zeit aufgrund von Reichweite und Dauer sowie c) ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre hinzuzufügen, dass der Begriff der Massenmedien – wie auch die Begriffe von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
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* [[Fernsehen]]&lt;br /&gt;
* [[Film]]&lt;br /&gt;
* [[Fotografie]]&lt;br /&gt;
* [[Interaktion und Kommunikation]]&lt;br /&gt;
* [[Simulation, Simulakrum]]&lt;br /&gt;
* [[Technische Medien]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=7761</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=7761"/>
		<updated>2012-01-15T18:30:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Genealogie der Massenmedienforschung */&lt;/p&gt;
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Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und der iconic turn=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie]] seit 1820, Telegraphie seit 1830, [[Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Hagen 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Schuttpelz 2002a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Peters 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=7757</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=7757"/>
		<updated>2012-01-15T18:20:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien und Gesellschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und der iconic turn=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie]] seit 1820, Telegraphie seit 1830, [[Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde (Lazarsfeld, Hagen). Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist. (Schüttpelz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=7756</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=7756"/>
		<updated>2012-01-15T18:20:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien und Gesellschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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[[Kategorie:Medientheorien: Übersicht]]&lt;br /&gt;
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Unterpunkt zu: [[Medientheorien: Übersicht]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--beides sollte in der Regel der gleiche Text sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Den folgenden Abschnitt bitte nicht ändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und der iconic turn=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie]] seit 1820, Telegraphie seit 1830, [[Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Anders 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Fiske 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde (Lazarsfeld, Hagen). Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist. (Schüttpelz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
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		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-01-15T17:52:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien und Gesellschaft */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und der iconic turn=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie]] seit 1820, Telegraphie seit 1830, [[Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Eco 1984a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Anders 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Baudrillard 1978a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden. Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde (Lazarsfeld, Hagen). Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist. (Schüttpelz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
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		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-01-15T17:42:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien und der iconic turn */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und der iconic turn=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Flusser 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie]] seit 1820, Telegraphie seit 1830, [[Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gamper 2007a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Canetti 2011a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Sprenger 2010a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie. Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert. (Anders, Baudrillard)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden (Hall). Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde (Lazarsfeld, Hagen). Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist. (Schüttpelz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
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		<updated>2012-01-15T17:15:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien und der iconic turn */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und der iconic turn=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin [[technische Medien]] bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur, Flusser). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien ([[Fotografie]] seit 1820, Telegraphie seit 1830, [[Film]] seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben (Vogl, Gamper). Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden (Canetti). Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen (Sprenger). Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie. Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert. (Anders, Baudrillard)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden (Hall). Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde (Lazarsfeld, Hagen). Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist. (Schüttpelz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
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		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-01-15T17:14:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Massenmedien und der iconic turn */&lt;/p&gt;
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&amp;lt;!--beides sollte in der Regel der gleiche Text sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und der iconic turn=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der [[Kunstgeschichte]] lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin technische Medien bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur, Flusser). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien (Fotografie seit 1820, Telegraphie seit 1830, Film seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben (Vogl, Gamper). Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden (Canetti). Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen (Sprenger). Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie. Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert. (Anders, Baudrillard)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden (Hall). Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde (Lazarsfeld, Hagen). Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist. (Schüttpelz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
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		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-01-15T17:11:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Auswirkungen auf andere Begriffe */&lt;/p&gt;
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Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
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=====Massenmedien und der iconic turn=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin technische Medien bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur, Flusser). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien (Fotografie seit 1820, Telegraphie seit 1830, Film seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben (Vogl, Gamper). Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden (Canetti). Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen (Sprenger). Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie. Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert. (Anders, Baudrillard)&lt;br /&gt;
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Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden (Hall). Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
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=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde (Lazarsfeld, Hagen). Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist. (Schüttpelz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab2}}&lt;br /&gt;
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[[Benutzer:Florian Sprenger]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den Schluß nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
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		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-01-15T17:11:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* optional Beispiele */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!--  &amp;quot;This is comment&amp;quot;  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und der iconic turn=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin technische Medien bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur, Flusser). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien (Fotografie seit 1820, Telegraphie seit 1830, Film seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben (Vogl, Gamper). Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden (Canetti). Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen (Sprenger). Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie. Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert. (Anders, Baudrillard)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden (Hall). Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde (Lazarsfeld, Hagen). Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist. (Schüttpelz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Hier die entsprechende Textpassage einfügen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=7741</id>
		<title>Massenmedien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=7741"/>
		<updated>2012-01-15T17:10:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Engere Begriffsbestimmung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und der iconic turn=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin technische Medien bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur, Flusser). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien (Fotografie seit 1820, Telegraphie seit 1830, Film seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben (Vogl, Gamper). Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden (Canetti). Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen (Sprenger). Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie. Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert. (Anders, Baudrillard)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden (Hall). Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde (Lazarsfeld, Hagen). Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist. (Schüttpelz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkung zwischen &amp;lt;ref&amp;gt; und &amp;lt;/ref&amp;gt; im laufenden Text--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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=====optional Beispiele=====&lt;br /&gt;
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=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Massenmedien&amp;diff=7740</id>
		<title>Massenmedien</title>
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		<updated>2012-01-15T17:10:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Darstellung des gr. Zusammenhangs */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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Der iconic turn der 90er Jahre artikulierte unter anderem ein Beschreibungsdefizit angesichts der ‚Bilderschwemme’, die sogenannte Massenmedien in bis heute gefühlt exponentiellem Anstieg verbreiten. Die Dringlichkeit, mit der eine Hinwendung zu den Bildern gefordert wurde, speiste ihre Brisanz aus der Beobachtung eine zunehmend invasiven Bedeutung von Bildern, einer Ersetzung von Schrift durch Bild und einer neuen Art der Verteilung durch das Internet, deren überlieferte theoretische Ansätze nur ungenügend begegnen konnten. Ohne Berücksichtigung der Massenmedien, so der Tenor, würde man Bildproduktion und Bildpraktiken zukünftig kaum beschreiben können.&lt;br /&gt;
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=====Massenmedien und der iconic turn=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentliches Feld bildwissenschaftlicher Betätigung gilt damit den Medien, die der Kunstgeschichte lange Zeit als minderwertig und vernachlässigbar galten: den Massenmedien, einem äußert unschaften, ambivalenten und besetzten Gegenstand. Als Massenmedien werden gemeinhin technische Medien bezeichnet, die ihre Inhalte nicht nur zwischen einem Sender und einem Empfänger vermitteln (wie etwa der Brief), sondern an eine Masse von – zumeist anonymen –  Empfängern zugleich (Amphitheaterstruktur, Flusser). Die paradigmatischen Massenmedien sind Radio und Fernsehen, die sich etwa vom Kino oder vom Internet mit seiner Netzstruktur, die durchaus bestimmte massenmediale Aspekte beinhalten, dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht nur an viele Empfänger wenden, sondern an viele Empfänger im gleichen Moment mit dem gleichen Inhalt, wenn auch nicht auf die gleiche Weise. Parallel zur technischen Verringerung der Übertragungsgeschwindigkeit durch beständig neue technische Entwicklungen stieg die Anzahl der Empfänger ins potentiell unendliche; ein Prozess, der seit Ende des 19. Jahrhunderts alle Bereiche der Kultur grundlegend verändert hat und darin kulminiert, dass Kultur heute ohne Medien kaum noch denkbar erscheint. Er lässt sich jedoch weniger auf einzelne Techniken zurückführen, sondern ist Bestandteil einer grundlegenden Transformation zur Massenkultur, in der industrielle Produktions-, Reproduktions- und Distributionsweisen (aus einer Krise der Kontrolle heraus, vgl. Beniger) zusammen mit neuen Medien (Fotografie seit 1820, Telegraphie seit 1830, Film seit 1895), Transportmitteln, Urbanisierung und dem modernen Pressewesen zusammentreten. Dabei werden soziale, politische und ökonomische Ordnungen grundlegend umgestaltet.&lt;br /&gt;
Ein Resultat dieser Prozesse ist um 1900 das Auftauchen eines neuen sozialen Phänomens: der gestaltlosen, indifferenten, affektiven Masse, wie sie etwa Gustave Le Bon oder Gabriel Tarde beschreiben (Vogl, Gamper). Sie trifft auf neue Medien, die Bilder für alle verteilen, jeden Menschen adressierbar machen, wenigen Zugang zu allen verschaffen und damit zum mächtigen Faktor der Politik des 20. Jahrhunderts werden. Die Masse ist seit ihrem Auftauchen mit Fragen von Herrschaft und Macht verbunden (Canetti). Zudem stellt sich die Frage, ob Medien jeweils eigene Massen hervorbringen oder ihre Bedürfnisse erfüllen, in welchem konstitutiven Verhältnis sie also stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Massenmedien stehen damit im Gegensatz zur face-to-face-Kommunikation, die sich nur an die begrenzte Zahl von Anwesenden richten kann und als platonistisches Gegenmodell der unvermittelten Kommunikation gilt. Es handelt sich dabei um eine Rekurrenzfigur der Medienkritik, die in Platons Dialog Phaidros artikuliert wird und seitdem immer wieder aktualisiert wird, wenn neue Medien das Gefüge alter Medien in Unordnung bringen (Sprenger). Sokrates kritisiert an der Schrift, sie antworte nicht, sage nur immer ein und dasselbe, könne nicht interagieren, richte sich an Beliebige, schwäche das Erinnerungsvermögen und sei nicht wie der Dialog mit dem Gegenüber in der Gegenwart geeignet, die Wahrheit hervorzuholen. Deshalb sei die Schrift, für die nahezu alle anderen Medien eingesetzt wurden, gefährlich und schlecht, weil sie sich an alle wendet und allen das gleiche überträgt. Dieses Modell der Kritik an (Massen-)Medien und Broadcasting wird immer wieder aktualisiert.&lt;br /&gt;
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=====Massenmedien und Gesellschaft=====&lt;br /&gt;
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Massenmedien nehmen, so ein affirmativer und weit verbreiteter Beiklang, Einfluss auf die Massen, kontrollieren oder manipulieren sie. Die Frage nach dem Einfluss von Medien auf Gesellschaft und Individuen ist mit den Massenmedien im 20. Jahrhundert zum zentralen Angelpunkt kultureller Selbstbeschreibungen und ihrer Krisenszenarios aufgestiegen. Zumeist wird die Konstitution von Massen kulturkritisch aufgeladen und mit Manipulation, Meinungsmache und Machtmissbrauch assoziiert. Die strikte Struktur von Sender und Empfänger hat schon Brecht am Radio kritisiert. Aufgrund seiner technischen Besonderheit, potentiell auch ein Sendegerät zu sein, kommt dem Radio eine massenmediale Emanzipationskraft zu, die heute in sozialen Medien verortet wird und noch im ‚arabischen Frühling’ am Werk sein soll. Der Begriff Massenmedien kann dahingehend als Feld der Auseinandersetzung um den politischen Status von Medien in modernen Gesellschaften gelten. Besonders einflussreich waren in dieser Hinsicht die Erklärungsmodelle der Frankfurter Schule, die Massenmedien als Kulturindustrie identifizierten. (Adorno, Enzensberger) Vor allem Günther Anders hat in dieser Hinsicht an Massenmedien die Zerstörung der Urteilsfähigkeit und die Differenz zwischen Ereignis und Abbild kritisiert, die Jean Baudrillard als Simulation bezeichnete. kritisiert. (Anders, Baudrillard)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders haben die englischsprachigen Cultural Studies seit den 1960er Jahren Massenmedien und vor allem das Fernsehen beschrieben. Ihnen geht es weniger um Verblendung und Manipulation als die Produktivität und Kreativität, aber auch die hegemoniale Struktur von Rezeptionskontexten im alltäglichen Gebrauch, ohne in Hoch- und Popkultur zu unterscheiden (Hall). Massenmedien geben ihren Rezeptionskontext nicht vor und ihre Verwendung ist offen und unvorhersehbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Genealogie der Massenmedienforschung=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Massenmedien ist in den letzten Jahren zunehmend einer kritischen Historisierung unterzogen worden und hat dabei viel von dem vormaligen Erklärungskredit eingebüßt, der ihn vor allem in der Publizistik zum Grundbegriff werden ließ und der sogar mit Medien allgemein in eins gesetzt wurde. Zur gegenwärtigen Neuorientierung haben zwei Tendenzen beigetragen: Erstens haben eine Reihe historischer Untersuchungen gezeigt, wie der Begriff der mass media in den 50er und 60er Jahren in den USA in bestimmten Interessenskontexten geprägt und politisch ausgerichtet wurde (Lazarsfeld, Hagen). Massenmedien werden seit den 40er Jahren als funktionalistisches Mittel der Massenkommunikation verstanden, was nicht ohne die Ausweitung des Kommunikationsbegriffs zum Grundlagentheorem der Nachkriegszeit zu verstehen ist. (Schüttpelz)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens erscheint der Begriff angesichts von social media und den Technologien des tracings und trackings wie RFID und GPS kaum mehr brauchbar. Nicht nur weil der Begriff der Masse unscharf wird, sondern auch weil die vermeintlichen ‚Massen’ dieser Medien dezentral organisiert und gestaffelt sind, verliert das Konzept an Einfluss. In dieser Hinsicht ist auch das Korrespondenzverhältnis von Massen und Medien erforscht und die Frage thematisiert worden, welche Relation das vielschichtige Objekt Masse zu den historischen Etappen seiner Erforschung hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
John Durham Peters hat jüngst drei Kriterien identifiziert, anhand derer sich Massemmedien historisch untersuchen lassen, ohne bestimmte Medien zu privilegieren. Ausgangspunkt ist die These, dass sowohl der Begriff der Masse als auch der Begriff des Mediums einer grundlegenden Revision bedürfen. Er hat für eine Ausweitung des Konzepts plädiert, weil sich die gängige Identifikation von Massenmedien mit bestimmten Technologien erschöpft hat. Massenmedien seien gekennzeichnet durch ihre Verfahren der Adressierung ihrer Öffentlichkeit, Massen oder Rezipienten; durch ihre Verteilung in Raum und Zeit durch Reichweite und Dauer; sowie ihre jeweils spezifische Form der Interaktion. Damit ließen sich historisch verschiedenste Technologien als Massenmedien identifizieren und in ihrer jeweiligen Spezifik bestimmen. Dem wäre zu ergänzen, dass das Konzept von Massenmedien – wie auch die Konzepte von Masse und von Medien im engeren Sinne – selbst Produkte des 20. Jahrhunderts sind, die alle drei historisiert werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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=====Engere Begriffsbestimmung=====&lt;br /&gt;
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=====optional Beispiele=====&lt;br /&gt;
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=====Auswirkungen auf andere Begriffe=====&lt;br /&gt;
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		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Technische_Medien&amp;diff=7042</id>
		<title>Technische Medien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Technische_Medien&amp;diff=7042"/>
		<updated>2011-11-21T15:48:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Technische Medien */&lt;/p&gt;
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=====Technische Medien=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Bezeichnung ‚technische Medien’, die seit den 1980er Jahren nicht nur im medienwissenschaftlichen Feld verbreitet ist, lässt sich kaum eine konsistente Verwendungsweise und kein streng abzugrenzendes Bezugsfeld feststellen. Was technische Medien sind oder auch nur, was in den einschlägigen Debatten damit gemeint ist, kann schwerlich auf einen Nenner gebracht werden, zu unterschiedlich sind die Abgrenzungen und zu vage vor allem das Gegenstandsfeld. Zwar schreibt Friedrich Kittler, auf den die Verwendung maßgeblich zurückgeht, dass technische Medien „physikalische Prozesse [nutzen], die die Zeit menschlicher Wahrnehmung unterlaufen und nur im Code neuzeitlicher Matehmatik überhaupt formulierbar sind“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 186&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Winthrop-Young 2005a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; doch stellt sich diese Definition weder als verbindlich dar, noch ist damit ein kohärentes Gegenstandsfeld umrissen. Da der Begriff entsprechend kaum über eine Definition zu fassen sein wird, bietet es sich für eine Annäherung an, nach seiner Funktion innerhalb der Mediendebatte zu fragen. Dabei lassen sich im wesentlichen drei Aspekte unterscheiden, die am Ende um die bildphilosophische Relevanz des Themas ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Historischer Bruch und Abgrenzung&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung des Begriffs ist vor allem im Gefolge technikorientierter Medientheorien aufgekommen, wie sie Friedrich Kittler seit Mitte der 1980er Jahre vertritt und die von zahlreichen Arbeiten aufgenommen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1989a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;  In der Technik wird ein Apriori gesucht, das ähnlich dem foucaultschen historischen Apriori alles unter seine Bedingungen stellt – unter selbst nicht sinnhafte Bedingungen der Materialität. Das technische Apriori, das als Technikdeterminismus kritisiert wurde, bestimmt etwa in Form von Programmcodes, technischer Übertragbarkeit oder Verteilungen von Inhalten alle Sagbarkeiten und Sichtbarkeiten und nicht zuletzt das, als was der Mensch gilt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff ‚technische Medien’ wird dabei mitunter affirmativ von der Technizität her gedacht und hat zunächst die Funktion, mittels der Situierung eines historischen Bruches technische von anderen Medien abzugrenzen. Dieser Bruch wird grob im 19. Jahrhundert, durchaus parallel zur industriellen Revolution verortet&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Stiegler 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;  und häufig durch die Nutzung von Elektrizität gekennzeichnet, die mit der Mathematisierung technischer Vorgänge einen weiteren Schub bekommt und das Buch als Leitmedium ablöst.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Siegert 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Als technische Medien bezeichnet Kittler Artefakte, die seitdem dazu dienen, Information (selbst ein Begriff des 20. Jahrhunderts) zu verarbeiten, zu speichern oder zu übertragen. Diese Begriffstrias dient medienhistorischer Arbeit als wichtiges Analysetool. Als technische Medien zählen in den Debatten der technikorientierten Medientheorien mithin so unterschiedliche Dinge wie die elektromagnetische Telegraphie, Photographie, Fernsehen, Rechenmaschinen aller Art oder das Grammophon, später auch die Mikroelektronik und der Computer. Welche konkreten Gegenstände gemeint sind, ist in Kittlers Schriften zwar an einzelnen Beispielen deutlich gekennzeichnet, aber eine geteilte Eigenschaft wird nicht deutlich. Auch aus technischer Sicht bleibt diese Definition blass. Von Seiten der Technik her lässt sich keine Hilfe bei einer genauen Begriffsbestimmung erwarten, gibt es doch keine Eigenschaft, die etwa Fotoapparat, Mobiltelefon und Grammophon teilen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem medienhistorischen Bruch oder vielmehr einer Vielzahl kleinerer Brüche wird eine Zäsur zwischen technischer und vortechnischer Welt markiert, die ein Beschreibungspotential aktiviert, weil Computer oder technische Zeitachsenmanipulation&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Krämer 2004a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; mit einem anderen Instrumentarium bearbeitet werden müssen als Bücher oder Werkzeuge: nicht hermeneutisch und nicht semiotisch, sondern medienarchäologisch und diskursanalytisch. Aus dieser Zäsur speist technikorientierte Medientheorie ihr Innovationspotential. Technische Medien lassen sich, darin stimmen auch Autoren überein, die keinen historischen Bruch postulieren, nicht auf gleiche Weise beschreiben wie der Buchdruck und erfordern ein neues, medienwissenschaftliches Instrumentarium, wie es seit McLuhans grundlegender Blickwendung ‚The Medium is the Message’ erarbeitet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;McLuhan 1964a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Zäsur kann also durchaus als ein Einsatzpunkt von Medienwissenschaft überhaupt erachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technische Medien werden entsprechend dadurch charakterisiert, dass sie die grundlegende Differenz zwischen der Übertragung von Signalen und den Zeichenoberflächen, also die technischen Operationen hinter den Erscheinungen ihrer Interfaces verbergen. Sie sind nicht einfach Träger von Information, sondern konstituieren die Bedingung ihrer Möglichkeit und Verteilung. Anstatt die Inhalte von Medien zu fokussieren, die als ephemere Erscheinungen gelten, richtet sich die Blickwendung auf die technischen Verfahren, Materialitäten und Standards dahinter, bevorzugt auch in das Innere der Maschinen.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Ernst et al. 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Technische Medien übertragen nicht, was sie in ihren Empfangs- und Endgeräten sichtbar, hörbar oder lesbar machen, sie übertragen keine Bilder, Töne oder Buchstaben, sondern codierte Daten, die aufwändig synchronisiert werden müssen. Sie übersetzen Sinnliches oder Schriftliches in Datenflüsse und unterziehen es dabei einer Ausdifferenzierung.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Rieger 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Der damit vollzogene Bruch, der eine neue Beschreibungskultur mit sich bringt, prägt folgerichtig die Infrastrukturen des Denkens, Wahrnehmens und Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Hypermedium Computer&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist ein Hinweis auf die zweite Funktion gegeben. Der Bruch gegenüber älteren Medien wie dem Buch oder dem Gemälde dient auch der Selbstsituierung, wird doch das Entfaltungspotential von Medien besonders in der Technik gesucht und ihr ein teleologisches Potential zugesprochen. Vor allem in den vom Internet euphorisierten 90er Jahren lassen viele Medientheorien die Mediengeschichte auf den Computer zulaufen, der als technisches Universalmedium alle anderen Medien in sich aufnehmen soll. Mit dem Computer konvergieren die Anwendungen in einem technischen Gerät, das nunmehr verschiedene Aufgaben übernimmt und mittels des digitalen Codes schlicht alles umwandeln soll.  Diese Konvergenz ist häufig als Aufhebung und gleichsam teleologisches Ziel der Medienentwicklung beschrieben und entsprechend aufgeladen worden.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Mersch 2003b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Lässt man diese Aufladung beiseite oder versteht sie als Eigendynamik der Eskalation technischer Entwicklungen, bleibt die Feststellung, dass mit dem Computer in der zweiten Häfte des 20. Jahrhunderts Verfahren der technischen Datenverarbeitung, Vernetzung und der Bildproduktion sämtliche Bereiche der Kultur durchdrungen haben, die nicht allein auf Interfaces und Umgangspraktiken zurückgeführt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Pias 2004a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Coy 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Blickwendung zur Technik als Medium&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff dient schließlich drittens der Reformulierung eines Blickwechsels, der Medienwissenschaft insgesamt prägt, des Blickwechsels weg von den Inhalten und hin auf die Medien, die diese Inhalte vermitteln, in irgendeiner Weise prägen oder bedingen. So hat Sybille Krämer drei Konzepte als ‚Knotenpunkte’ in der Mediendebatte verortet: literarische Medien, technische Medien und Massenmedien. Technische Medien werden dabei durch die Technisierung von Information mittels Artefakten gekennzeichnet und im weiteren die Technisierung von Wahrnehmungsoptionen und Kommunikationsvorgängen beschrieben.  In dieser Hinsicht hat Krämer unterstrichen, dass die Untersuchung technischer Medien über die instrumentelle Dimension von ‚Mitteln für etwas’ hinaus als ‚Mittler von etwas’ beschreibt. (Spur) Technische Medien sollen dahingehend nicht als Werkzeuge betrachtet werden, mit denen sich eine bestimmte Arbeit verrichten lässt, sondern als Apparate der Welterzeugung: als Verarbeitungs- oder Verteilungsweisen und schließlich als Erzeuger von Bildern, die es vorher nicht gab. Diese Überlegungen schließen durchaus an den antiken techné-Begriff an, der nicht im Werkzeug aufgeht. Technische Medien allein mit der Unterscheidung von Zwecken und Mitteln zu beschreiben, bleibt demnach unterkomplex, wobei zu fragen ist, was nicht-technische Medien sein sollen, die von der Bezeichnung technische Medien vorausgesetzt werden. In dieser Hinsicht hat Gerhard Gamm betont, dass sich Technik allen Versuchen widersetze, auf eine instrumentelle Funktion reduziert zu werden. Vielmehr müsse Technik als Medium gedacht werden, womit die Perspektive noch einmal verschoben würde.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Gamm 2000a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die technische Infrastrukturen, die etwa Bilder übertragen oder überhaupt erst hervorbringen, sollen nicht als schlichte Träger konzeptualisiert werden, die Inhalte störungsfrei transportieren. Medien gewinnen stattdessen „ihren Status als wissenschaftliches, d.h. systematisierbares Objekt gerade dadurch, dass sie das, was sie speichern, verarbeiten und vermitteln, jeweils unter Bedingungen stellen, die sie selbst schaffen und sind.“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Engell 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; Krämer betont jedoch, dass die Unterscheidung in Werkzeuge und Apparate nicht ontologisch als Aufteilung aller Geräte gemeint sei, sondern Verwendungsweisen betreffe: Apparate können demnach als Werkzeuge und Werkzeuge als Apparate benutzt werden. In dieser Hinsicht machen also funktionale Zuschreibungen etwas zum Medium und erfassen es über die Zweckdienlichkeit eines Werkzeugs hinaus in Hinblick auf seine Eigenleistung.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Vogl 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist über die Betonung eines Bruches hinaus, der technische Medien situiert, Technik selbst als Medium und die technische Verfasstheit jedes Vermittlungsgeschehens untersucht worden. Der Begriff der Kulturtechniken beschreibt in dieser Hinsicht heterogene Anordnungen technischer, sozialer und kultureller Konzepte, die über die klassischen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen hinaus auch operative Verfahren wie Zeichnen oder Messen sowie Ordnungsysteme wie Kataloge oder Suchmaschinen umfassen. Wird Technik in diesem Sinne nicht von bestimmten Apparaten, Verfahren oder einem historischen Bruch her definiert, kann sie vielmehr als Perspektive dienen, den Umgang oder die Welterzeugung durch technische Artefakte und deren Bedingungs- oder Möglichkeitsräume zu beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Bildphilosophische Aspekte&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Hinsicht auf die Herstellung und massenhafte Verbreitung von [[Technisches Bild|technischen Bildern]], die mit technischen Medien einsetzen soll&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 2002b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, ist die Technik von bildgebenden Verfahren in zahlreichen Arbeiten vor allem wissenschaftshistorischer Provenienz beschrieben worden.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Schröter 2009c&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn jedes Bild ein verkörperndes oder vermittelndes Medium braucht, in dem es sich zeigt, dann ist Bildproduktion grundsätzlich an an technische Verfahren gebunden.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Bredekamp et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Gefragt werden kann in Bezug auf technische Medien damit etwa nach der Materialität von Bildträgern, die sich historisch verändern, wodurch der Status der Bilder modifiziert wird, beispielsweise wenn Gemälde zur Reproduktion gezeichnet, lithografiert, fotografiert oder digitalisiert werden. So hat Vilém Flusser mit seinem Konzept der Technobilder betont, dass mit technisch erzeugte Bilder, also etwa Fotografien, Diagramme oder Computeranimationen, nicht als Abbildungen verstanden werden sollten, sondern Begriffe zeigen. „Ein technisches Bild entziffern heißt nicht, das Gezeigte entziffern, sondern ihr Programm aus ihnen herauslesen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Flusser 1983a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 13&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<title>Technische Medien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Technische_Medien&amp;diff=7040"/>
		<updated>2011-11-21T15:44:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: &lt;/p&gt;
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=====Technische Medien=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Bezeichnung ‚technische Medien’, die seit den 1980er Jahren nicht nur im medienwissenschaftlichen Feld verbreitet ist, lässt sich kaum eine konsistente Verwendungsweise und kein streng abzugrenzendes Bezugsfeld feststellen. Was technische Medien sind oder auch nur, was in den einschlägigen Debatten damit gemeint ist, kann schwerlich auf einen Nenner gebracht werden, zu unterschiedlich sind die Abgrenzungen und zu vage vor allem das Gegenstandsfeld. Zwar schreibt Friedrich Kittler, auf den die Verwendung maßgeblich zurückgeht, dass technische Medien „physikalische Prozesse [nutzen], die die Zeit menschlicher Wahrnehmung unterlaufen und nur im Code neuzeitlicher Matehmatik überhaupt formulierbar sind“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 186&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Winthrop-Young 2005a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; doch stellt sich diese Definition weder als verbindlich dar, noch ist damit ein kohärentes Gegenstandsfeld umrissen. Da der Begriff entsprechend kaum über eine Definition zu fassen sein wird, bietet es sich für eine Annäherung an, nach seiner Funktion innerhalb der Mediendebatte zu fragen. Dabei lassen sich im wesentlichen drei Aspekte unterscheiden, die am Ende um die bildphilosophische Relevanz des Themas ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Historischer Bruch und Abgrenzung&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung des Begriffs ist vor allem im Gefolge technikorientierter Medientheorien aufgekommen, wie sie Friedrich Kittler seit Mitte der 1980er Jahre vertritt und die von zahlreichen Arbeiten aufgenommen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1989a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;  In der Technik wird ein Apriori gesucht, das ähnlich dem foucaultschen historischen Apriori alles unter seine Bedingungen stellt – unter selbst nicht sinnhafte Bedingungen der Materialität. Das technische Apriori, das als Technikdeterminismus kritisiert wurde, bestimmt etwa in Form von Programmcodes, technischer Übertragbarkeit oder Verteilungen von Inhalten alle Sagbarkeiten und Sichtbarkeiten und nicht zuletzt das, als was der Mensch gilt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff ‚technische Medien’ wird dabei mitunter affirmativ von der Technizität her gedacht und hat zunächst die Funktion, mittels der Situierung eines historischen Bruches technische von anderen Medien abzugrenzen. Dieser Bruch wird grob im 19. Jahrhundert, durchaus parallel zur industriellen Revolution verortet&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Stiegler 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;  und häufig durch die Nutzung von Elektrizität gekennzeichnet, die mit der Mathematisierung technischer Vorgänge einen weiteren Schub bekommt und das Buch als Leitmedium ablöst.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Siegert 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Als technische Medien bezeichnet Kittler Artefakte, die seitdem dazu dienen, Information (selbst ein Begriff des 20. Jahrhunderts) zu verarbeiten, zu speichern oder zu übertragen. Diese Begriffstrias dient medienhistorischer Arbeit als wichtiges Analysetool. Als technische Medien zählen in den Debatten der technikorientierten Medientheorien mithin so unterschiedliche Dinge wie die elektromagnetische Telegraphie, Photographie, Fernsehen, Rechenmaschinen aller Art oder das Grammophon, später auch die Mikroelektronik und der Computer. Welche konkreten Gegenstände gemeint sind, ist in Kittlers Schriften zwar an einzelnen Beispielen deutlich gekennzeichnet, aber eine geteilte Eigenschaft wird nicht deutlich. Auch aus technischer Sicht bleibt diese Definition blass. Von Seiten der Technik her lässt sich keine Hilfe bei einer genauen Begriffsbestimmung erwarten, gibt es doch keine Eigenschaft, die etwa Fotoapparat, Mobiltelefon und Grammophon teilen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem medienhistorischen Bruch oder vielmehr einer Vielzahl kleinerer Brüche wird eine Zäsur zwischen technischer und vortechnischer Welt markiert, die ein Beschreibungspotential aktiviert, weil Computer oder technische Zeitachsenmanipulation&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Krämer 2004a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; mit einem anderen Instrumentarium bearbeitet werden müssen als Bücher oder Werkzeuge: nicht hermeneutisch und nicht semiotisch, sondern medienarchäologisch und diskursanalytisch. Aus dieser Zäsur speist technikorientierte Medientheorie ihr Innovationspotential. Technische Medien lassen sich, darin stimmen auch Autoren überein, die keinen historischen Bruch postulieren, nicht auf gleiche Weise beschreiben wie der Buchdruck und erfordern ein neues, medienwissenschaftliches Instrumentarium, wie es seit McLuhans grundlegender Blickwendung ‚The Medium is the Message’ erarbeitet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;McLuhan 1964a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Zäsur kann also durchaus als ein Einsatzpunkt von Medienwissenschaft überhaupt erachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technische Medien werden entsprechend dadurch charakterisiert, dass sie die grundlegende Differenz zwischen der Übertragung von Signalen und den Zeichenoberflächen, also die technischen Operationen hinter den Erscheinungen ihrer Interfaces verbergen. Sie sind nicht einfach Träger von Information, sondern konstituieren die Bedingung ihrer Möglichkeit und Verteilung. Anstatt die Inhalte von Medien zu fokussieren, die als ephemere Erscheinungen gelten, richtet sich die Blickwendung auf die technischen Verfahren, Materialitäten und Standards dahinter, bevorzugt auch in das Innere der Maschinen.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Ernst et al. 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Technische Medien übertragen nicht, was sie in ihren Empfangs- und Endgeräten sichtbar, hörbar oder lesbar machen, sie übertragen keine Bilder, Töne oder Buchstaben, sondern codierte Daten, die aufwändig synchronisiert werden müssen. Sie übersetzen Sinnliches oder Schriftliches in Datenflüsse und unterziehen es dabei einer Ausdifferenzierung.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Rieger 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Der damit vollzogene Bruch, der eine neue Beschreibungskultur mit sich bringt, prägt folgerichtig die Infrastrukturen des Denkens, Wahrnehmens und Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Hypermedium Computer&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist ein Hinweis auf die zweite Funktion gegeben. Der Bruch gegenüber älteren Medien wie dem Buch oder dem Gemälde dient auch der Selbstsituierung, wird doch das Entfaltungspotential von Medien besonders in der Technik gesucht und ihr ein teleologisches Potential zugesprochen. Vor allem in den vom Internet euphorisierten 90er Jahren lassen viele Medientheorien die Mediengeschichte auf den Computer zulaufen, der als technisches Universalmedium alle anderen Medien in sich aufnehmen soll. Mit dem Computer konvergieren die Anwendungen in einem technischen Gerät, das nunmehr verschiedene Aufgaben übernimmt und mittels des digitalen Codes schlicht alles umwandeln soll.  Diese Konvergenz ist häufig als Aufhebung und gleichsam teleologisches Ziel der Medienentwicklung beschrieben und entsprechend aufgeladen worden.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Mersch 2003b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Lässt man diese Aufladung beiseite oder versteht sie als Eigendynamik der Eskalation technischer Entwicklungen, bleibt die Feststellung, dass mit dem Computer in der zweiten Häfte des 20. Jahrhunderts Verfahren der technischen Datenverarbeitung, Vernetzung und der Bildproduktion sämtliche Bereiche der Kultur durchdrungen haben, die nicht allein auf Interfaces und Umgangspraktiken zurückgeführt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Pias 2004a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Coy 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Blickwendung zur Technik als Medium&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff dient schließlich drittens der Reformulierung eines Blickwechsels, der Medienwissenschaft insgesamt prägt, des Blickwechsels weg von den Inhalten und hin auf die Medien, die diese Inhalte vermitteln, in irgendeiner Weise prägen oder bedingen. So hat Sybille Krämer drei Konzepte als ‚Knotenpunkte’ in der Mediendebatte verortet: literarische Medien, technische Medien und Massenmedien. Technische Medien werden dabei durch die Technisierung von Information mittels Artefakten gekennzeichnet und im weiteren die Technisierung von Wahrnehmungsoptionen und Kommunikationsvorgängen beschrieben.  In dieser Hinsicht hat Krämer unterstrichen, dass die Untersuchung technischer Medien über die instrumentelle Dimension von ‚Mitteln für etwas’ hinaus als ‚Mittler von etwas’ beschreibt. (Spur) Technische Medien sollen dahingehend nicht als Werkzeuge betrachtet werden, mit denen sich eine bestimmte Arbeit verrichten lässt, sondern als Apparate der Welterzeugung: als Verarbeitungs- oder Verteilungsweisen und schließlich als Erzeuger von Bildern, die es vorher nicht gab. Diese Überlegungen schließen durchaus an den antiken techné-Begriff an, der nicht im Werkzeug aufgeht. Technische Medien allein mit der Unterscheidung von Zwecken und Mitteln zu beschreiben, bleibt demnach unterkomplex, wobei zu fragen ist, was nicht-technische Medien sein sollen, die von der Bezeichnung technische Medien vorausgesetzt werden. In dieser Hinsicht hat Gerhard Gamm betont, dass sich Technik allen Versuchen widersetze, auf eine instrumentelle Funktion reduziert zu werden. Vielmehr müsse Technik als Medium gedacht werden, womit die Perspektive noch einmal verschoben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die technische Infrastrukturen, die etwa Bilder übertragen oder überhaupt erst hervorbringen, sollen nicht als schlichte Träger konzeptualisiert werden, die Inhalte störungsfrei transportieren. Medien gewinnen stattdessen „ihren Status als wissenschaftliches, d.h. systematisierbares Objekt gerade dadurch, dass sie das, was sie speichern, verarbeiten und vermitteln, jeweils unter Bedingungen stellen, die sie selbst schaffen und sind.“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Engell 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; Krämer betont jedoch, dass die Unterscheidung in Werkzeuge und Apparate nicht ontologisch als Aufteilung aller Geräte gemeint sei, sondern Verwendungsweisen betreffe: Apparate können demnach als Werkzeuge und Werkzeuge als Apparate benutzt werden. In dieser Hinsicht machen also funktionale Zuschreibungen etwas zum Medium und erfassen es über die Zweckdienlichkeit eines Werkzeugs hinaus in Hinblick auf seine Eigenleistung.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Vogl 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist über die Betonung eines Bruches hinaus, der technische Medien situiert, Technik selbst als Medium und die technische Verfasstheit jedes Vermittlungsgeschehens untersucht worden. Der Begriff der Kulturtechniken beschreibt in dieser Hinsicht heterogene Anordnungen technischer, sozialer und kultureller Konzepte, die über die klassischen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen hinaus auch operative Verfahren wie Zeichnen oder Messen sowie Ordnungsysteme wie Kataloge oder Suchmaschinen umfassen. Wird Technik in diesem Sinne nicht von bestimmten Apparaten, Verfahren oder einem historischen Bruch her definiert, kann sie vielmehr als Perspektive dienen, den Umgang oder die Welterzeugung durch technische Artefakte und deren Bedingungs- oder Möglichkeitsräume zu beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Bildphilosophische Aspekte&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Hinsicht auf die Herstellung und massenhafte Verbreitung von [[Technisches Bild|technischen Bildern]], die mit technischen Medien einsetzen soll&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 2002b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, ist die Technik von bildgebenden Verfahren in zahlreichen Arbeiten vor allem wissenschaftshistorischer Provenienz beschrieben worden.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Schröter 2009c&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn jedes Bild ein verkörperndes oder vermittelndes Medium braucht, in dem es sich zeigt, dann ist Bildproduktion grundsätzlich an an technische Verfahren gebunden.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Bredekamp et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Gefragt werden kann in Bezug auf technische Medien damit etwa nach der Materialität von Bildträgern, die sich historisch verändern, wodurch der Status der Bilder modifiziert wird, beispielsweise wenn Gemälde zur Reproduktion gezeichnet, lithografiert, fotografiert oder digitalisiert werden. So hat Vilém Flusser mit seinem Konzept der Technobilder betont, dass mit technisch erzeugte Bilder, also etwa Fotografien, Diagramme oder Computeranimationen, nicht als Abbildungen verstanden werden sollten, sondern Begriffe zeigen. „Ein technisches Bild entziffern heißt nicht, das Gezeigte entziffern, sondern ihr Programm aus ihnen herauslesen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Flusser 1983a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 13&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab2}}&lt;br /&gt;
{{GlosTab3}}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Benutzer:Florian Sprenger]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den Schluß nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://bildglossar.org/index.php?title=Technische_Medien&amp;diff=7039</id>
		<title>Technische Medien</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://bildglossar.org/index.php?title=Technische_Medien&amp;diff=7039"/>
		<updated>2011-11-21T15:43:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Florian Sprenger: /* Technische Medien */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!--  &amp;quot;This is comment&amp;quot;  --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Vorlage für Unterpunkte--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Unterpunkt]]&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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Unterpunkt zu: [[Medientheorien: Übersicht]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--beides sollte in der Regel der gleiche Text sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Den folgenden Abschnitt bitte nicht ändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{GlosTab1}}&lt;br /&gt;
{{GlossarBoxMain}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Ab hier: eigentlicher Inhalt; Überschriften gegebenenfalls anpassen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Literaturverweise im laufenden Text &amp;lt;bib id=&#039;Jonas 61a&#039;&amp;gt;Jonas 1961&amp;lt;/bib&amp;gt; --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... id im Literaturverzeichnis nachsehen, gegebenenfalls neu einfügen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--  ... (siehe Link &amp;quot;Sammlung&amp;quot; in Bibliographie-Box --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Bilder als thumbs einsetzen, Muster: [[Datei:Beispiel.png|thumb|Bildtitel]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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=====Technische Medien=====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Bezeichnung ‚technische Medien’, die seit den 1980er Jahren nicht nur im medienwissenschaftlichen Feld verbreitet ist, lässt sich kaum eine konsistente Verwendungsweise und kein streng abzugrenzendes Bezugsfeld feststellen. Was technische Medien sind oder auch nur, was in den einschlägigen Debatten damit gemeint ist, kann schwerlich auf einen Nenner gebracht werden, zu unterschiedlich sind die Abgrenzungen und zu vage vor allem das Gegenstandsfeld. Zwar schreibt Friedrich Kittler, auf den die Verwendung maßgeblich zurückgeht, dass technische Medien „physikalische Prozesse [nutzen], die die Zeit menschlicher Wahrnehmung unterlaufen und nur im Code neuzeitlicher Matehmatik überhaupt formulierbar sind“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1993a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 186&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Winthrop-Young 2005a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; doch stellt sich diese Definition weder als verbindlich dar, noch ist damit ein kohärentes Gegenstandsfeld umrissen. Da der Begriff entsprechend kaum über eine Definition zu fassen sein wird, bietet es sich für eine Annäherung an, nach seiner Funktion innerhalb der Mediendebatte zu fragen. Dabei lassen sich im wesentlichen drei Aspekte unterscheiden, die am Ende um die bildphilosophische Relevanz des Themas ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Historischer Bruch und Abgrenzung&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verwendung des Begriffs ist vor allem im Gefolge technikorientierter Medientheorien aufgekommen, wie sie Friedrich Kittler seit Mitte der 1980er Jahre vertritt und die von zahlreichen Arbeiten aufgenommen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1986a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 1989a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;  In der Technik wird ein Apriori gesucht, das ähnlich dem foucaultschen historischen Apriori alles unter seine Bedingungen stellt – unter selbst nicht sinnhafte Bedingungen der Materialität. Das technische Apriori, das als Technikdeterminismus kritisiert wurde, bestimmt etwa in Form von Programmcodes, technischer Übertragbarkeit oder Verteilungen von Inhalten alle Sagbarkeiten und Sichtbarkeiten und nicht zuletzt das, als was der Mensch gilt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff ‚technische Medien’ wird dabei mitunter affirmativ von der Technizität her gedacht und hat zunächst die Funktion, mittels der Situierung eines historischen Bruches technische von anderen Medien abzugrenzen. Dieser Bruch wird grob im 19. Jahrhundert, durchaus parallel zur industriellen Revolution verortet&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Stiegler 2009a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;  und häufig durch die Nutzung von Elektrizität gekennzeichnet, die mit der Mathematisierung technischer Vorgänge einen weiteren Schub bekommt und das Buch als Leitmedium ablöst.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Siegert 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Als technische Medien bezeichnet Kittler Artefakte, die seitdem dazu dienen, Information (selbst ein Begriff des 20. Jahrhunderts) zu verarbeiten, zu speichern oder zu übertragen. Diese Begriffstrias dient medienhistorischer Arbeit als wichtiges Analysetool. Als technische Medien zählen in den Debatten der technikorientierten Medientheorien mithin so unterschiedliche Dinge wie die elektromagnetische Telegraphie, Photographie, Fernsehen, Rechenmaschinen aller Art oder das Grammophon, später auch die Mikroelektronik und der Computer. Welche konkreten Gegenstände gemeint sind, ist in Kittlers Schriften zwar an einzelnen Beispielen deutlich gekennzeichnet, aber eine geteilte Eigenschaft wird nicht deutlich. Auch aus technischer Sicht bleibt diese Definition blass. Von Seiten der Technik her lässt sich keine Hilfe bei einer genauen Begriffsbestimmung erwarten, gibt es doch keine Eigenschaft, die etwa Fotoapparat, Mobiltelefon und Grammophon teilen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem medienhistorischen Bruch oder vielmehr einer Vielzahl kleinerer Brüche wird eine Zäsur zwischen technischer und vortechnischer Welt markiert, die ein Beschreibungspotential aktiviert, weil Computer oder technische Zeitachsenmanipulation&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Krämer 2004a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; mit einem anderen Instrumentarium bearbeitet werden müssen als Bücher oder Werkzeuge: nicht hermeneutisch und nicht semiotisch, sondern medienarchäologisch und diskursanalytisch. Aus dieser Zäsur speist technikorientierte Medientheorie ihr Innovationspotential. Technische Medien lassen sich, darin stimmen auch Autoren überein, die keinen historischen Bruch postulieren, nicht auf gleiche Weise beschreiben wie der Buchdruck und erfordern ein neues, medienwissenschaftliches Instrumentarium, wie es seit McLuhans grundlegender Blickwendung ‚The Medium is the Message’ erarbeitet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;McLuhan 1964a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Zäsur kann also durchaus als ein Einsatzpunkt von Medienwissenschaft überhaupt erachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technische Medien werden entsprechend dadurch charakterisiert, dass sie die grundlegende Differenz zwischen der Übertragung von Signalen und den Zeichenoberflächen, also die technischen Operationen hinter den Erscheinungen ihrer Interfaces verbergen. Sie sind nicht einfach Träger von Information, sondern konstituieren die Bedingung ihrer Möglichkeit und Verteilung. Anstatt die Inhalte von Medien zu fokussieren, die als ephemere Erscheinungen gelten, richtet sich die Blickwendung auf die technischen Verfahren, Materialitäten und Standards dahinter, bevorzugt auch in das Innere der Maschinen.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Ernst et al. 2003a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Technische Medien übertragen nicht, was sie in ihren Empfangs- und Endgeräten sichtbar, hörbar oder lesbar machen, sie übertragen keine Bilder, Töne oder Buchstaben, sondern codierte Daten, die aufwändig synchronisiert werden müssen. Sie übersetzen Sinnliches oder Schriftliches in Datenflüsse und unterziehen es dabei einer Ausdifferenzierung.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Rieger 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Der damit vollzogene Bruch, der eine neue Beschreibungskultur mit sich bringt, prägt folgerichtig die Infrastrukturen des Denkens, Wahrnehmens und Handelns.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Hypermedium Computer&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit ist ein Hinweis auf die zweite Funktion gegeben. Der Bruch gegenüber älteren Medien wie dem Buch oder dem Gemälde dient auch der Selbstsituierung, wird doch das Entfaltungspotential von Medien besonders in der Technik gesucht und ihr ein teleologisches Potential zugesprochen. Vor allem in den vom Internet euphorisierten 90er Jahren lassen viele Medientheorien die Mediengeschichte auf den Computer zulaufen, der als technisches Universalmedium alle anderen Medien in sich aufnehmen soll. Mit dem Computer konvergieren die Anwendungen in einem technischen Gerät, das nunmehr verschiedene Aufgaben übernimmt und mittels des digitalen Codes schlicht alles umwandeln soll.  Diese Konvergenz ist häufig als Aufhebung und gleichsam teleologisches Ziel der Medienentwicklung beschrieben und entsprechend aufgeladen worden.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Mersch 2003b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Lässt man diese Aufladung beiseite oder versteht sie als Eigendynamik der Eskalation technischer Entwicklungen, bleibt die Feststellung, dass mit dem Computer in der zweiten Häfte des 20. Jahrhunderts Verfahren der technischen Datenverarbeitung, Vernetzung und der Bildproduktion sämtliche Bereiche der Kultur durchdrungen haben, die nicht allein auf Interfaces und Umgangspraktiken zurückgeführt werden können.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Pias 2004a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Coy 1997a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Blickwendung zur Technik als Medium&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
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Der Begriff dient schließlich drittens der Reformulierung eines Blickwechsels, der Medienwissenschaft insgesamt prägt, des Blickwechsels weg von den Inhalten und hin auf die Medien, die diese Inhalte vermitteln, in irgendeiner Weise prägen oder bedingen. So hat Sybille Krämer drei Konzepte als ‚Knotenpunkte’ in der Mediendebatte verortet: literarische Medien, technische Medien und Massenmedien. Technische Medien werden dabei durch die Technisierung von Information mittels Artefakten gekennzeichnet und im weiteren die Technisierung von Wahrnehmungsoptionen und Kommunikationsvorgängen beschrieben.  In dieser Hinsicht hat Krämer unterstrichen, dass die Untersuchung technischer Medien über die instrumentelle Dimension von ‚Mitteln für etwas’ hinaus als ‚Mittler von etwas’ beschreibt. (Spur) Technische Medien sollen dahingehend nicht als Werkzeuge betrachtet werden, mit denen sich eine bestimmte Arbeit verrichten lässt, sondern als Apparate der Welterzeugung: als Verarbeitungs- oder Verteilungsweisen und schließlich als Erzeuger von Bildern, die es vorher nicht gab. Diese Überlegungen schließen durchaus an den antiken techné-Begriff an, der nicht im Werkzeug aufgeht. Technische Medien allein mit der Unterscheidung von Zwecken und Mitteln zu beschreiben, bleibt demnach unterkomplex, wobei zu fragen ist, was nicht-technische Medien sein sollen, die von der Bezeichnung technische Medien vorausgesetzt werden. In dieser Hinsicht hat Gerhard Gamm betont, dass sich Technik allen Versuchen widersetze, auf eine instrumentelle Funktion reduziert zu werden. Vielmehr müsse Technik als Medium gedacht werden, womit die Perspektive noch einmal verschoben würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die technische Infrastrukturen, die etwa Bilder übertragen oder überhaupt erst hervorbringen, sollen nicht als schlichte Träger konzeptualisiert werden, die Inhalte störungsfrei transportieren. Medien gewinnen stattdessen „ihren Status als wissenschaftliches, d.h. systematisierbares Objekt gerade dadurch, dass sie das, was sie speichern, verarbeiten und vermitteln, jeweils unter Bedingungen stellen, die sie selbst schaffen und sind.“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Engell 1999a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt; Krämer betont jedoch, dass die Unterscheidung in Werkzeuge und Apparate nicht ontologisch als Aufteilung aller Geräte gemeint sei, sondern Verwendungsweisen betreffe: Apparate können demnach als Werkzeuge und Werkzeuge als Apparate benutzt werden. In dieser Hinsicht machen also funktionale Zuschreibungen etwas zum Medium und erfassen es über die Zweckdienlichkeit eines Werkzeugs hinaus in Hinblick auf seine Eigenleistung.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Vogl 2001a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist über die Betonung eines Bruches hinaus, der technische Medien situiert, Technik selbst als Medium und die technische Verfasstheit jedes Vermittlungsgeschehens untersucht worden. Der Begriff der Kulturtechniken beschreibt in dieser Hinsicht heterogene Anordnungen technischer, sozialer und kultureller Konzepte, die über die klassischen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen hinaus auch operative Verfahren wie Zeichnen oder Messen sowie Ordnungsysteme wie Kataloge oder Suchmaschinen umfassen. Wird Technik in diesem Sinne nicht von bestimmten Apparaten, Verfahren oder einem historischen Bruch her definiert, kann sie vielmehr als Perspektive dienen, den Umgang oder die Welterzeugung durch technische Artefakte und deren Bedingungs- oder Möglichkeitsräume zu beschreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Bildphilosophische Aspekte&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Hinsicht auf die Herstellung und massenhafte Verbreitung von [[Technisches Bild|technischen Bildern]], die mit technischen Medien einsetzen soll&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Kittler 2002b&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt;, ist die Technik von bildgebenden Verfahren in zahlreichen Arbeiten vor allem wissenschaftshistorischer Provenienz beschrieben worden.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Schröter 2009c&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn jedes Bild ein verkörperndes oder vermittelndes Medium braucht, in dem es sich zeigt, dann ist Bildproduktion grundsätzlich an an technische Verfahren gebunden.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Bredekamp et al. 2008a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Gefragt werden kann in Bezug auf technische Medien damit etwa nach der Materialität von Bildträgern, die sich historisch verändern, wodurch der Status der Bilder modifiziert wird, beispielsweise wenn Gemälde zur Reproduktion gezeichnet, lithografiert, fotografiert oder digitalisiert werden. So hat Vilém Flusser mit seinem Konzept der Technobilder betont, dass mit technisch erzeugte Bilder, also etwa Fotografien, Diagramme oder Computeranimationen, nicht als Abbildungen verstanden werden sollten, sondern Begriffe zeigen. „Ein technisches Bild entziffern heißt nicht, das Gezeigte entziffern, sondern ihr Programm aus ihnen herauslesen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;lt;bib id=&#039;Flusser 1983a&#039;&amp;gt;&amp;lt;/bib&amp;gt;: S. 13&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den folgenden Befehl, der die drei rechten Kästen einfügt, nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Anmerkungen und Literatur wird automatisch eingesetzt --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--Literatur muß dazu mit entsprechender Bezeichnung in der Bibliogryphy-Seite eingetragen sein--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- ... dazu den &amp;quot;Sammlung&amp;quot;-Link im Literaturkasten verwenden --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&#039;&#039;Verantwortlich:&#039;&#039; &lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--in der folgenden Zeile XXX durch Benutzernamen ersetzen--&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Benutzer:Florian Sprenger]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;!--den Schluß nicht verändern--&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!--Das war&#039;s--&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Florian Sprenger</name></author>
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